:-) Ich probiere mal einen Syllogismus:

Alle Professoren sind wichtige Menschen.
Alle wichtigen Menschen sind in Wikipedia
Alle Professoren sind in Wikipedia.

Die einfachste Form, ein sogenannter a-a-a Syllogismus mit der Eselsbrücke Barbara.

Ja, wenn es so einfach wäre. Sicher sind die meisten Professoren in Wikipedia vertreten. Allerdings wie auch andere relevante Personengruppen sehr uneinheitlich. Das gilt leider auch für Informatik-Professoren (auch für die von der Fakultätl für Informatik der TUM), die ja Wikipedia ein klein wenig näher stehen sollte.

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Bild 1Wenn man sich regelmäßig in Twitter bewegt, dann erfährt man viel Neues. Es ist schon stark, wie man in virtuellen Beziehungen, die dann auch schnell real werden können, vernetzt Erkenntnisgewinn sammelt.

Barcamps und Socialcamps habe ich zuerst in meinem Twitterleben entdeckt. Ein Freund (natürlich der Stefan) wollte ein BarCamp für Projekt Management am Bodensee veranstalten. Spontan habe ich ihn (via Twitter) gefragt, was denn das eigentlich wäre, so ein BarCamp.

Bild 2Höflich, wie er nun mal ist, hat er mir geantwortet, dass er gerade unterwegs wäre.

Ich könne aber bei Wikipedia nachschauen, da gebe es auf Deutsch und Englisch eine recht gute Beschreibung.

Obwohl nicht so gemeint, war das für mich eine (schallende) Ohrfeige.

Predige ich doch immer:

Bevor Du (unnötige) Fragen stellst, schau erst mal bei Wikipedia nach!”

Denn dort findet man wirklich (nahezu) alles. Unvorstellbar, dass eine herkömmliche, kommerzielle Enzyklopädie das leisten kann.

Wir finden in Wikipedia auch exzellente Definitionen für Socialcamp und BarCamp und sogar Politics 2.0.

Barcamps haben eine Gemeinsamkeit mit Open Space. Wem diese Begriffe unbekannt sind, der lese sie doch mal nach. Wem nicht, der darf sofort weiterlesen!

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Auf folgenden Text – erschienen in der SZ (wohl in der Wochenendausgabe vom 9./10. Mai – nur auf Papier) hat mich ein mit mir eng befreundeter Leser hingewiesen. Er schrieb mir:

Lieber Roland,
am Wochenende hatte ich etwas Zeit in der Süddeutschen zu schmökern. Da sind mir die beiden Artikel aus dem Anhang aufgefallen. Einmal dieser irische Student mit dem gefälschten Wikipedia-Eintrag – dies hat natürlich unser Vertrauen in Wikipedia wieder stark beeinträchtigt …

Der zweite in der E-Mail erwähnte Artikel bezog sich übrigens aufs Bloggen und ist auch sehr lesenswert. Aber zurück zum ersten …

Hier der Artikel vom irischen Studenten (Originalton Süddeutsche):
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270px-pyramids_of_egypt1Von (mir sehr sympathischen Vertretern) der Lehrerseite habe ich zu meinem letzten Wikipedia-Artikel “Nichts für die Bayerischen Gymnasien” oder “Plädoyer für Wikipedia” eine Rüge und heftigen Widerspruch bekommen. Wikipedia würde auch an Schulen hohen Respekt genießen, allerdings wolle man vermeiden, dass die Schüler ihr Wissen nur noch aus Wikipedia holen, sich komplett darauf verlassen und auf das Suchen nach eigenen Informationsquellen und das Bilden einer eigenen Meinung verzichten würden.

Diese Gefahr sehe ich nicht nur auch – im Gegenteil, die Wirklichkeit ist doch viel schlimmer. Wenn ein Schüler eine Facharbeit erstellt, dann sucht er erstmal in Google nach ähnlichen Facharbeiten zum Thema. Zu oft beschränkt er sich dann darauf, das gefundene ein wenig umzuschreiben und seine persönliche Duftnote zu setzen. Das ist bei Fach- und Diplomarbeiten oft ähnlich. Soviel kopiert und montiert wie heute wurde noch nie, obwohl wir in der Vor-Internet-Zeit ab und zu auch woanders abgekupfert haben. Aber so einfach und so verbreitet wie heute war es damals nicht.

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Das Bayerische Schulsystem ist immer wieder für eine Überraschung gut.

Gymnasiasten empfehle ich, wenn sie sich eines neuen Themas annehmen wollen oder müssen, zuerst Mal die betreffenden Begriffe und Themen in Wikipedia nachzulesen. So wie das jeder normale Mensch wie Beamte, Manager, Journalisten, Politiker, Hausfrauen, Experten, Assistenten und wahrscheinlich auch Pädagogen (!?) machen.

Dann bekomme ich die Antwort von den Schülern, dass das nichts bringen würde, denn Wikipedia sei unzuverlässig und nicht zitatfähig. Und deshalb wäre es gar nicht gerne in der Schule gesehen, dass man aus Wikipedia zitiere.

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Roland Dürre
Samstag, der 28. März 2009

Enteignung in Deutschland !?

Ein “Schreckgespenst” geht durch Deutschland – es droht die Enteignung von Aktionären, wie z.B. bei der Hypo Real Estate.

In Wikipedia finden wir über den Begriff Enteignung einen exzellenten Artikel. Auch Karl Marx, den ich immer mit Enteignung assoziere, ist in Wikipedia ausgezeichnet vertreten. Es lohnt sich immer wieder, die Wikipedia-Artikel zu solchen Themen mal zu lesen, bevor man blind mit dem Diskutieren los legt.

In Wikipedia finden wir auch das von mir genutzte Bild und die schöne Unterschrift von Karl Marx.

Die konkret angedachte Enteignung in Deutschland ist ein komplexes Thema. Da sollte man nicht zu schnell schießen.

Ich verstehe, dass die Regierung den Gang von großen Banken in die Insolvenz vermeiden will, weil sie diese Institute für “systemrelevant” hält und annimmt, dass bei der Insolvenz einer großen Bank alles zusammen bricht. Auch haben sich die Eigentümer nicht immer sehr kooperativ verhalten, sie waren nicht bereit ihre Anteile zum aktuellen (Niedrig-)Kurs zu verkaufen und auch nicht, notwendiges Kapital nach zu schießen.

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Roland Dürre
Samstag, der 24. Januar 2009

Wertebekenntnis – ganz kurz!

Die Artikel der Bayerischen Verfassung in meinem letzten Beitrag haben mich zum Nachdenken gebracht. Was sind eigentlich meine Werte, Erwartungen, Interessen und Bedürfnisse, als “Eselsbrücke” auch das WEIB (© Rudi Jansche) eines Menschen genannt? Hier die dann ganz schnell gefundene Antwort:

Bequemlichkeit ist mein größter Feind und die Ursache vieler Fehlentwicklungen in unserer Gesellschaft .

Ich glaube an

  • Toleranz,
  • Freiheit und
  • Zivilcourage.

Zuwider sind mir

  • Folter,
  • Faschismus und
  • Zwang.

Die großen Errungenschaft der Menschheit sind für mich

  • Aufklärung,
  • Menschenrechte und
  • Gleichberechtigung

Die Zukunftsprobleme unserer Welt können wir nur im internationalen Konsens bewältigen. Mein Vertrauen zu Regierungen wie Kommissionen ist nicht sehr groß. Deshalb halte ich internationale NGO’s (Non Government Organisations) für sehr wichtig. Beispiele für NGO’s, die ich besonders wertschätze, sind Amnesty International und Wikipedia (vielen Menschen ist gar nicht bewusst, dass Wikipedia eine mächtige NGO ist). Und das Internet könnte der Schlüssel in die neue Welt werden, so wie die Technologie des Buchdrucks der Quell unserer großen Errungenschaften war.

RMD

(translated and slightly

Roland Dürre
Dienstag, der 6. Januar 2009

Wikipedia und ich #5 – PoV und nPov

:-) Endlich wieder Zeit für Wikipedia

Das habe ich schon mal geschrieben, in der Tat kommen die Dinge, die am meisten Spaß machen, oft zu kurz.

Heute geht es um die Findung von Wahrheit. Wahrheit wird oft mit Gewissheit verwechselt. Die freie Enzyklopädie Wikipedia hat einen hohen Anspruch, die Artikel müssen korrekt und objektiv, sie sollen “wahr” sein.

Jetzt ist die Welt aber alles andere als einfach. Welche Informationen sind notwendig, um ein Ereignis, eine Person, ein Unternehmen, einen Fakt oder einen Begriff hinreichend und ausreichend zu beschreiben. Die Gewichtung der verschiedenen Aspekte soll ausgewogen sein. Die Informationsdichte soll nicht zu tief und nicht zu oberflächlich sein. Sie soll alle Dimensionen des Themas gleichmäßig berücksichtigen. Besonders schwierig wird dies bei emotionalen oder von Interessen getriebenen Themen. Hier kann es leicht verschiedene Parteien geben, die für den Standpunkt des anderen kein Verständnis haben. Die beide über eine ganz andere Form von Gewissheit verfügen und sich jeweils im Besitz der alleinigen Wahrheit fühlen. Und das kann ganz schön ausarten, bis hin zur gegenseitigen Bekämpfung und dem Einsatz unredlicher Methoden.

Ich habe für diesen Artikel ein harmloses Beispiel ausgesucht, den Marienplatz in München. Sie sollen entscheiden, ob er relevant für eine Enzyklopädie ist. Mit großer Wahrscheinlichkeit würden Sie sagen, eher nicht. Das habe ich auch gemeint, bis ich ihn in Wikipedia gefunden haben: den Marienplatz in München! In den Jahren, in denen ich in Pasing gelebt habe, ist mir der Pasinger Marienplatz mit seiner Mariensäule ans Herz gewachsen. Ist der Pasinger Marienplatz etwas fürs Wikipedia? Ich hätte nein gesagt. Aber Pech gehabt, auch er ist in Wikipedia!

Wenn Sie den Artikel zum Marienplatz München (und auch zum Pasinger Marienplatz) im Wikipedia lesen, werden Sie sofort einiges an Informationen vermissen, die Sie persönlich als relevant bewerten (zumindest sofern Sie Münchner sind und diese Plätze selbst kennen, erlebt und lieben gelernt haben).

Ja, dachte ich mir, den Müncher Marienplatz akzeptiere ich ja noch als irgendwie relevant. Ist dann der Karlsplatz auch relevant? Die richtige Antwort: Unser Stachus ist auch in Wikipedia, gemeinsam mit den “Karlsplätzen” in

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Heute geht es um die Abkürzung RK. Bei RK denke ich an den Ronneburger Kreis, einem gemeinnützigen Verein, bei dem ich Mitglied bin. Der Ronneburger Kreis wurde von Menschen gegründet, die sich bei Management-Trainings von Rupert Lay kennengelernt haben und die der Meinung waren, man müsste etwas für ethisches Handeln in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft tun. Ich war Mitgründer und habe lange Jahre im Kuratorium und jetzt im Beirat des RKs gewirkt. Meine Erfahrung: als Lobby für ethisches Handeln hat man es auch nicht leicht.

Heute geht es aber um die Relevanzkriterien in Wikipedia, abgekürzt RK:

RK bzw. WP:RK
Sind Abkürzungen für Relevanzkriterien; WP:RK funktioniert als Abkürzungsredirect auf dieselben

(original aus dem Glossar von Wikipedia kopiert)

Das mit der Relevanz ist natürlich eines der Hauptprobleme einer demokratisch organisierten Enzyklopädie. Wikipedia ist multidimensional geworden. Gestartet als allgemeine Enzyklopädie enthält es heute (fast) alles. Man findet unter anderem:

  • Ein Nachschlagewerk für IT-Probleme (z.B. was gibt es für Ports?)
  • Beschreibungen technischer Sachverhalte (Wie funktioniert eine Nabenschaltung?)
  • Definitionen von (philosophischen) Begriffen (Was ist Glück?)
  • Beschreibungen von Unternehmen (Was ist Siemens?)
  • Das neue “Who is who” für Menschen und Unternehmen (Wer ist Rupert Lay?)
  • Geschichten der Pop-Musik (Was ist Hey Jude?)
  • Begriffe aus dem Management (Was sind “Lessons Learned “?)
  • Schachvereine (Gibt es einen FC Bayern München im Schach?)
  • und vieles mehr …. (Was ist wikipedia?)

Ich könnte die Liste noch ziemlich lange fortsetzen …

Was ist denn relevant?

Zuerst die Definition von Relevanz in Wikipedia. Man sieht am Eintrag, dass der Begriff nicht einfach ist. Deshalb ein (un-)lustiges Beispiel für persönlich empfundene Relevanz.

Bei der S-Bahn im Großraum München ist die von mir gefühlte Pünktlichkeit deutlich schlechter als die von der Deutschen Bahn AG veröffentlichte Statistik zur Pünktlichkeit. In der Statistik sind fast 80 % der S-Bahnen pünktlich, mein Eindruck als Nutzer ist, dass es nur jede zweite ist. Das liegt unter anderem auch daran, weil in der Statistik eine Verspätung von 5 Minuten als nicht relevant gewertet wird und deshalb eine S-Bahn erst dann als verspätet gezählt wird, wenn sie mehr als 5 Minuten später kommt. Fünf Minuten Verspätung seien nicht relevant. Das lasse ich für den Zug von Hamburg nach München gelten. Wenn ich aber von Riemerling nach Neuperlach will, dann sind 5 Minuten Verspätung bei 6 Minuten Fahrzeit schon relevant. Wenn die Zugfolge (wie ab und zu ab Unterhaching) im 10-Minuten-Abstand erfolgen soll, sind 5 Minuten die Hälfte des Takts und deswegen auch relevant. Und wenn die S-Bahn sich in einen Tunnel einreihen soll, in dem (theoretisch) im Minutentakt gefahren werden kann, so hat das auch relevanet Folgen. Wenn dagegen der Zug mit dem Atommüll nach Gorleben einen Tag Verspätung hat, dann ist das sicher nicht relevant, man denke nur an die vielen 100.000 Jahre, die der Müll noch strahlen wird.

In Wikipedia ist es natürlich noch viel schwieriger mit der Relevanz, gerade wenn es um Personen, Unternehmen oder gar Sport und Sportvereine geht. Aber es gibt für alles klare und demokratisch erstellte Regeln. Wer und was in Wikipedia rein darf, das steht in den Relevanzkriterien.

Nehmen wir zum Beispiel Schachvereine. Ein Schachverein gilt als relevant, wenn er einmal in einer höchsten nationalen Spielklasse und/oder in einer internationalen Spielklasse gespielt hat. Und dann wird in den Regeln präzise festgelegt, was in welcher Zeit und in welchem Land als höchste nationale Spielklasse zu gelten hat. Die Bayernliga von 1968 ist da nicht dabei, obwohl sie damals die höchste deutsche Spielklasse war. Das hat 1968 (da gab es im Schach noch keine Bundesliga) aber nicht gereicht. Da musste man als Verein in der Endrunde der deutschen Meisterschaft sein, um heute relevant zu sein. Der an Mitgliedern stärkste Verein ist den RKs folgend nicht relevant und darf so nicht in Wikipedia rein. Auch ein Verein, der in 1873 gegründet wurde und heute noch existiert, ist nicht relevant, es sein denn, er wäre mal Deutscher Meister geworden. Sollte ja auch in 135 Jahre der Existenz möglich gewesen sein. Man sieht, “gerechte” Relevanzkriterien festzulegen ist gar nicht einfach.

Gerade bei “Wirtschaftsunternehmen” sind die Relevanzkriterien besonders umstritten:

Als relevant für einen enzyklopädischen Eintrag gelten Unternehmen, die

  • mindestens 1000 Vollzeitmitarbeiter haben oder
  • mindestens 20 Zweigniederlassungen / Produktionsstandorte / Filialen (keine Verkaufsbüros/Handelsniederlassungen etc.) besitzen oder
  • an einer deutschen Börse im regulierten Markt oder in einem gleichwertigen Börsensegment im Ausland gehandelt werden oder
  • einen Jahresumsatz von mehr als 100 Millionen Euro vorweisen oder
  • bei einer relevanten Produktgruppe oder Dienstleistung eine marktbeherrschende Stellung oder innovative Vorreiterrolle haben (unabhängige Quelle erforderlich) oder
  • eines dieser Kriterien historisch erfüllten.

(Originaltext Wikipedia, 16. 11. 2008, 19:35)

Eine klare Definition, die natürlich viele “relevante” Unternehmen ausschließt. Und da lief auch gerade wieder eine heftige Diskussion innerhalb Wikipedias ab (nach dem Motto: “Wikipedia ist kein Mädchenpensionat”), ob man die RKs für Unternehmen nicht erweitern sollte. Die Bandbreite der Meinungen geht da weit auseinander. Es gibt da auch Meinungen wie die, dass Unternehmen mit mehr als 5 Mitarbeitern relevant sind.

Die Relevanz von Personen ist auch ein schwieriges Thema. Natürlich lockt die Eitelkeit viele Menschen ins moderne “Who is who”. Und da wird es schwierig, wer rein darf und wer nicht. Mit meinem Selbstversuch bin ich ja schnell und den Kriterien folgend absolut zu recht gescheitert. Aber auch da gibt es interessante Konstellationen. Wie überall hat der Fußball auch in Wikipedia eine besondere Rolle. Als bekennender Haching-Fan habe ich natürlich nach den Spielern der Spielvereinigung gesucht. Da habe ich auch den Torwart Marcus_Stolzenberg gefunden, den ich nicht kannte. Er hatte nur ganz wenige Einsätze in der ersten Mannschaft von Haching (und auch sonst nicht), erfüllt aber die Relevanzkritierien für Fußballspieler. Auch hierzu habe ich vor kurzem in Wikipedia eine leidenschaftliche Diskussion entdeckt: Ist ein Spieler, der nur einmal drei Minuten in der 2. Bundesliga zum Einsatz kam, relevant? Nach den Regeln sicherlich, aber man darf zweifeln, ob dieser junge Mann relevanter ist als ein Abteilungsleiter, der bei Siemens oder BMW 40 Jahre gearbeitet hat.

Technisch könnte man alle Menschen und Unternehmen in Wikipedia “reinlassen”. Aber wie kann man den hohen Qualitätsanspruch halten, wenn man eine solche Artikelflut zulässt? Wer soll das alles prüfen und gegebenenfalls korrigieren? Wer hält es auf dem Laufenden? Hilft ein Verfallsdatum für nicht gelesene und gepflegte Artikel? Alles noch zu lösende Probleme mit spannenden Diskussionen.

Der Prozess der demokratischen Meinungsbildung ist auch in Wikipedia nicht einfach, auch wenn mir scheint, dass er dort deutlich konstruktiver erfolgt als bei unseren politischen Parteien. Dazu gehört auch das Entwickeln von nPOVs (neutral Point of View), der Begriff kommt dann in der nächsten Folge von “Wikipedia und ich” dran.

RMD

P.S.

:-) Beim Prominentenkick habe ich auch schon mitgemacht, aber selbst deswegen bin ich nicht relevant! So erfreue ich mich an meiner Irrelevanz. Und weil ich es oben erwähnt habe, lasst uns gemeinsam Paul und sein Hey Jude (Vorsicht Musik!) anhören .

Roland Dürre
Dienstag, der 11. November 2008

Wikipedia und ich #3 – So kam ich zur Klarheit :-)

Endlich wieder Zeit für Wikipedia!

Ich habe ja schon im ersten Wikipedia-Beitrag berichtet, wie wichtig mir Begriffe wie Freiheit oder Weisheit sind. Christof und ich kamen vor einiger Zeit auf den Gedanken, dass geübte Freiheit in einem sozialen System, wie z.B. in einem Unternehmen, einer besonderen Art von Klarheit bedarf. Natürlich haben wir gleich mal in Wikipedia nachgeschaut, um eine vernünftige Definition zu finden. Fehlanzeige, der Begriff Klarheit war – auch im philosophischen Sinne – nicht vorhanden. Das habe ich als Defizit empfunden und wollte es ändern – und habe so meinen ersten Beitrag in Wikipedia abgeliefert. Jetzt bin ich aber kein Philosoph und konnte deshalb nur eine sehr rudimentäre Definition von Klarheit in 2 Varianten (allgemein und unternehmensbezogen) schreiben.

Es kam wie es kommen musste. Kurz später war er schon da, der erste SLA:

SLA
Abkürzung für „Schnelllöschantrag“, siehe Schnelllöschantrag.

(aus dem hochinteressant zu lesendem Glossar von Wikipedia).

Die Begründung war unter anderem, dass dieser Begriff schon einmal angelegt worden sei und wegen inhaltlicher Schwäche wieder gelöscht wurde.

Das Blatt wendete. Vielleicht hatte ich doch ein paar relevante Aussagen zur Klarheit hinterlegt, der SLA wurde selbst verworfen und der Artikel nicht gelöscht. Aber er veränderte sich. Ich hatte in meiner Unerfahrenheit einen weiteren Fehler gemacht. Ich habe Klarheit nur angerissen (aus zwei Sichten, die mir wichtig waren), jedoch nicht als zusammenhängenden Artikel mit Bedeutung, Hintergrund usw. des Begriffes beschrieben. Das war auch meine Absicht, ich wollte ja nur einen Stein ins Wasser werfen und dann die Profis ranlassen. Hat auch so funktioniert, ist aber kein guter Stil in Wikipedia und hat mir eine sanfte Rüge eingebracht. Immerhin lernt ich dabei, dass ich ein “Bausteinsetzer” war. Obwohl ich meinen Job als solchen nicht ausreichend gemacht habe, bin ich zumindest froh, dass es sie jetzt gibt, die Klarheit in Wikipedia.

Der Artikel Klarheit (Philosophie) ist übrigens noch in in ÜA:

ÜA
Vorlage:Überarbeiten wird von aufmerksamen Wikipedianern eingefügt, die einen Artikel einer gründlichen Nachbearbeitung würdig befinden. Dies wird üblicherweise mit „+ÜA“ in der Zusammenfassungszeile angemerkt. „-ÜA“, „minus ÜA“ oder „rm ÜA“ bedeuten, dass dass dieser Bearbeitungshinweis gelöscht wurde.

(auch aus dem Glossar von Wikipedia).

Deswegen bitte ich alle Leser, besonders die Philosophen, doch mal die Klarheit anzuschauen und zu verbessern. Ein Textteil, der mir besonders wichtig war, ist übrigens rausgerutscht:

Klarheit herrscht in einem Unternehmen dann, wenn ein Sachverhalt oder eine Aufgabe von den Mitarbeitern eindeutig und unmissverständlich verstanden wird. Klarheit sorgt bei den Mitarbeitern für identische Konstrukte über einen bestimmten Sachverhalt oder eine bestimmte Aufgabe.

Ein “Wikipedianer” hat mir empfohlen, ein neues Lemma, etwa Klarheit (Unternehmensführung) einzuführen (das geht übrigens ganz einfach). Werde ich auch machen – und wahrscheinlich wird das Lemma auch gleich wieder gelöscht werden. Das Problem ist halt, dass das doch sehr schwierige Themen sind, bei denen ich mich an (oder besser jenseits) meiner Kompetenzgrenze empfinde. Und wie soll ich eine Quelle für eine Definition von Klarheit finden, die ja von mir ist? Also, professionelle Unterstützung für mich und Wikipedia ist erwünscht – an die Arbeit!

Ich habe übrigens auch Artikel aus meinem Fach gefunden, die dringend ÜA gemacht werden sollten. Zum Beispiel bin ich mit SINIX und Informix in Wikipedia nicht zufrieden. Und da kenne ich persönlich eine ganze Reihe von Kollegen, die es besser wissen sollten, weil sie bei der Entwicklung hautnah dabei waren. Die möchte ich auch gerne für die Mitarbeit bei Wikipedia werben. Und unser CLOU ist auch nicht in Wikipedia. Ist auch schade, immerhin wurde CLOU und HIT hundertausendfach (wahrscheinlich mehr als das) in Deutschland eingesetzt. Allein die Siemens AG hat in 10 Jahre ihrer SINIX-Erfolgsgeschichte mehr Lizenzen von HIT/CLOU als von Informix verkauft (Quelle – wie bei Wikipedia üblich: Herr Öfelein, PM bei Siemens für HIT/CLOU in den 80iger und 90iger Jahren). Wer ist bereit, einen CLOU-Artikel für Wikipedia zu schreiben? Die InterFace-Archive stehen ihm offen.

Vielleicht noch eine Info. In Wikipedia gibt es zu jedem Artikel auch eine Diskussionsseite. :-) Hier die Diskussionsseiten zu Klarheit und Klarheit (Philosophie). Da sieht man auch die Geschichte, wie ich eben zur Klarheit in Wikipedia kam.

Die Diskussionsseiten sind oft sehr spannend zu lesen, da gibt es weitere interessante Überlegungen zu den Artikeln. Ich bevorzuge zurzeit indirekte Verbesserungen auf den Diskussionsseiten, bevor ich mich wieder an echte Artikel wage.

Das war es für heute, das nächste Mal kommen dann Relevanz und RK’s dran!

RMD