Hans Bonfigt
Montag, der 22. Mai 2017

Wut essen Seele auf…

Lieber Roland,

bin gerade auf Heimfahrt von der Uni Bremen, eine sehr schöne, rein technische Veranstaltung mit netten Austauschstudenten aus Cádiz – die Jungs hätten Ihnen gut gefallen.

Nun will ich gerade, positiv beinflußt und beschwingt, einen netten Nachruf auf einen wirklichen Universalgelehrten schreiben, von dem ich seit meinem 16. Lebensjahr eigentlich alles lese, was ich in die Hände bekomme: Prof. Dr. Joachim Kaiser. Einmal aus der Sicht eines Rezipienten.

 

Aber ich mache den Fehler und öffne den „Spiegel online“:

„Ursula von der Leyen läßt Bild von Kurt von Hammerstein-Equord an der BW-Uni abhängen“
Diese Dumpfbratze ist so peinlich, daß es weh tut.

„Niederländisches Gesetz zur Netzneutralität verstößt gegen EU-Recht“
Danke, Herr Ex-Digitalkommissar Oettinger. Und allen Schwaben die Krätze an den Hals!‎

„Alle Münchner sind in der Verantwortung, neue Moscheen zu schaffen“
Ja, spinnen denn die? Gerade in München gibt es eindeutig zu viele Gotteshäuser – die man sich hinsichtlich Brandschutz und neuen EU-Bauvorschriften einmal ganz genau angucken sollte!

„Jan Böhmermann liest Briefe von Dennis Yüksel“
Kann jemand diesen widerlichen Jammerlappen nicht in den Kofferraum stecken und zu seinem Kumpel in die Türkei bringen? Erdogan freut sich schon.‎

 

Also jetzt ‚mal im Ernst:
Jede einzelne Schlagzeile, ibs. die mit Kurt von Hammerstein, hätte gereicht, mir den Tag zu vermiesen — aber vier solche Klopper?

 

Also ehrlich, der Typ in „Falling Down“ wird mir immer sympathischer.

-hb

Jörg Rothermel
Montag, der 2. Februar 2015

Ist da was faul – in Australien?

 Vor ein paar Wochen hat Klaus Rabba an dieser Stelle einen Beitrag gepostet
Es ist was faul … in jedem Staate!

Ich lebe seit fast 3 Jahren in Australien – ist doch klar, dass bei einer ähnlichen Betrachtung über Australien etwas völlig anderes herauskommen muss – oder?

Australien.

Australien beteiligt sich mit 10 Kampfjets und 600 Soldaten am Kampf gegen den islamischen Staat (IS).

Terrorakte sind in Australien bisher extrem selten: http://en.wikipedia.org/wiki/Terrorism_in_Australia

In 2014 hat es in Australien zwei Terroranschläge gegeben, die von den Behörden mit islamistischen Hintergrund in Verbindung gebracht wurden (in beiden Fällen hat es sich allerdings um die Taten von Einzelgängern ohne Verbindung zu einer Terrorgruppe gehandelt):

·         Am 23 September 2014 hat ein 18-jähriger 2 Polizeibeamte in einer Polizeiwache südlich von Melbourne angegriffen und wurde bei dem Vorfall erschossen.

·         Am 15 Dezember 2014 nahm ein selbsternannter „Sheikh“ 17 Menschen in einem  Café in Sydney als Geiseln. Am Morgen des nächsten Tages stürmte die Polizei das Café mit dem Resultat, dass der Geiselnehmer und zwei Geiseln erschossen wurden und vier weiter Menschen verletzt wurden.

Insbesondere die Geiselnahme in Sydney hat Politiker und die Öffentlichkeit alarmiert. Aber bereits vor dem Anschlag wurden strikte Anti-Terror-Maßnahmen eingeführt:

·         Die Australian Security Intelligence Organisation (ASIO), bekommt die Autorität, in Zukunft praktisch unbegrenzt auf Kommunikationsnetze zuzugreifen.

·         Die Strafen für Journalisten und Whistleblower, die „sicherheitsrelevante“ Informationen veröffentlichen, wurden drakonisch erhöht.

·         Vorratsdatenspeicherung: alle Metadaten zu Kommunikationsvorgängen müssen durch die Provider 2 Jahre vorgehalten werden.

·         Es wurde eine neue Straftat der „Verteidigung des Terrorismus“ im Strafgesetzbuch eingeführt. Bei Verdacht auf diese Straftat können Verdächtige ohne Anklage festgenommen werden.

·         Jeder Australier der ohne „legitimen Grund“ in bestimmte Weltregionen reisen möchte, die das Außenministerium formal als “declared area” bezeichnet, kann daran gehindert werden.

Gesellschaft.

Australien ist eines der reichsten Länder der Welt; das mittlere Einkommen vor Steuern aller 9,3 Millionen Haushalte ist 145.000 AUS$. http://www.businessinsider.com.au/chart-the-average-australian-households-income-is-145400-heres-what-they-spend-it-on-2014-9

Zwar ist der Mittelwert durch die hohe Anzahl sehr wohlhabender Haushalte verzerrt, aber das Median-Einkommen[1] aller Haushalte ist immer noch 72.000 AUS$.

Dies ist ein Anzeichen dafür, dass es in Australien eine starke Mittelschicht gibt.

Diverse Regierungen haben, unterstützt durch diese Mittelschicht, ein hochwertiges Soziales Sicherungssystem geschaffen in dem sich alle Beteiligten bemühen, keine Menschen zurückzulassen.

Das Australische Bildungssystem bietet nach der Schule (primary + secondary education) eine zweigeteilte höhere Ausbildung an:

·         Berufsvorbereitend in öffentlichen Institutionen die als “Technical And Further Education” oder TAFE bezeichnet werden.

·         Akademische Ausbildung an Universitäten.

TAFE-Institute bieten eine Vielfalt von Abschlüssen an, einschließlich Bachelor. Studenten können ihre Ausbildung, die sie an einem TAFE – Institut angefangen haben, auf der Universität vervollständigen. Die Universitäten können mit europäischen Universitäten mithalten.

In Australien gibt es nach Ansicht von Experten eine der besten öffentlichen Krankenversicherungen der Welt (Medicare);  ergänzt wird diese durch private Krankenversicherungen. Der Krankenversicherungsbeitrag ist zurzeit 2% des Brutto-Einkommens – dazu gibt es Förderung für einkommensschwache Familien.

Der Spitzensteuersatz der Einkommenssteuer beträgt 30 %.

Einwohner mit permanenter Aufenthaltserlaubnis bekommen ab dem 67 Lebensjahr eine steuerfinanzierte Grundrente von AU$ 383/Woche für Alleinstehende und AU$ 577,40 für Paare.

Darüber hinaus gibt es ein kapitalgedecktes Rentensystem über strikt regulierte Fonds (Super Annuation Funds) – der Arbeitgeberbeitrag ist zurzeit 9,5 % des Bruttogehalts – jeder Arbeitnehmer kann freiwillig steuermindernd bis zu einer gesamten Obergrenze von AU$ 30.000 p.a. aufstocken. Die Erträge der besten Fonds in 2014 betrugen 9,3 – 12,7 %.

Migration.

Australien ist DAS Einwanderungsland. Die Bevölkerung in 2014 betrug ca. 23 Mio Einwohner – nach dem 2. Weltkrieg waren es nur ca. 7 Mio. Die australische Gesellschaft ist offen und liberal – Einwanderer können sich in der Regel sehr gut integrieren.

Einwanderungswillige  unter 45 Jahren und mit guter Ausbildung (das kann ein Handwerk sein) bekommen ohne Probleme in Australien ein „Limited Work Visa“ für 4 Jahre. Nach 2 Jahren Arbeit in Australien kann eine permanente Aufenthaltserlaubnis beantragt werden.

Herkunft von Migranten der ersten Generation und Anteil an der Gesamtbevölkerung aus dem Jahr 2010:

Top 10 Länder aus denen Einwanderer kommen

Absolute Anzahl  Einwohner die in diesen Ländern geboren sind (2010)

Relativer Anteil an der Gesamt-bevölkerung

United Kingdom

1.192.878

5,16%

Neuseeland

544.171

2,35%

China

379.776

1,64%

Indien

340.604

1,47%

Italien

216.303

0,94%

Vietnam

210.803

0,91%

Philippinen

177.389

0,77%

Südafrika

155.692

0,67%

Malaysia

135.607

0,59%

Deutschland

128.558

0,56%

Im Vergleich zur Einwanderung aus UK oder Asien ist der Anteil von Einwanderern aus muslimischen Ländern verschwindend gering. Ich habe bisher keine Vorbehalte gegen Muslime wahrgenommen.

Für muslimische Frauen gibt es keinerlei Einschränkungen Hijab oder Burka zu tragen.

Ein Vorstoß der Regierung in 2014, das Tragen von Burkas im Parlamentsgebäude von Canberra zu untersagen, wurde nach wenigen Wochen kritischer Behandlung in den Medien (Die Regierung konnte nicht beantworten, ob überhaupt mal eine verschleierte Muslima das Parlament besucht hat) vom Premierminister persönlich zurückgezogen.

Asylsuchende und Flüchtlinge.

https://www.humanrights.gov.au/asylum-seekers-and-refugees-guide

1.       Asylsuchende, die ein gültiges Visum haben und in Australien Asyl im Rahmen des Flüchtlings-Schutzprogramms beantragen, werden durch die zuständige Behörde („Department of Immigration and Border Protection“) nach den Statuten der Genfer Flüchtlingskonvention bezüglich der Anerkennung des Flüchtlingsstatus beurteilt.

2.       Asylsuchende ohne gültiges Visum:

Seit August 2012 wurde eine Politik des „Offshore-Processing“ für Flüchtlinge eingeführt, die ohne gültiges Visa per Boot anlanden („Irregular Maritime Arrivals – IMA“):

Die Australische Regierung hat mit den Regierungen von Papua Neuguinea (PNG) und Nauru Umsiedlungsvereinbarungen abgeschlossen. Asylbewerber ohne gültiges Visum werden dorthin in  Internierungslager deportiert während ihre Ansprüche beurteilt werden.  Aber auch in dem Fall, dass ihre Ansprüche auf einen Flüchtlingsstatus positiv beschieden werden, können diese Menschen sich nicht in Australien niederlassen, sondern müssen in PNG bzw. Nauru bleiben (Nebenbemerkung PNG ist eines der gewalttätigsten Länder der Welt).

Insgesamt sind die Zahlen der Irregular Maritime Arrivals überschaubar.

Herkunft

illegale Landungen 01.09.2013 – 31.08.2014

Ägypten

281

Iran

256

Pakistan

246

Libyen

158

Irak

83

Afghanistan

78

China

56

Papua Neuguinea

50

Syrien

49

Sri Lanka

32

andere

258

Befürchtungen über eine Flüchtlingswelle aus islamischen Ländern relativieren sich durch diese Zahlen stark.

Die Australische Asylpolitik und die Zustände in den Internierungslagern, haben der Australischen Regierung einen handfesten Konflikt mit der UN-Menschenrechtskommission eingebracht. Außerdem haben sich die Beziehungen zu Indonesien deutlich verschlechtert, nachdem es in den letzten 2 Jahren mehrfach vorgekommen ist, dass Boote mit Flüchtlingen von der Australischen Marine abgefangen und unter Verletzung der indonesischen Hoheitsrechte nach Indonesien geschleppt wurden.

Multikulturelle Gesellschaft und Drogen.

In Australischen Großstädten gibt es durchaus Problemviertel wie etwa München/Hasenbergl oder Hamburg/Schanzenviertel aber definitiv keine „No-Go areas“.

In Melbourne und Sydney gibt es multikulturelle Gesellschaften, die im Vergleich zu europäischen Großstädten gut funktionieren (ein Nachbar von mir ist auf eine Schule gegangen, in der „weisse“ Schüler mit ca. 30% deutlich in der Minderheit waren und hat sehr positive Erinnerungen an die Schulzeit).

Die Geiselnahme in Sydney war zwar ein tiefgreifendes Ereignis für die australische Gesellschaft, dennoch verblasst sie hinter einem 8-fachen Mord den vier Tage später eine junge Mutter von den Torres Strait Islands an ihren Kindern und einer Nichte im Drogenrausch begangen hat.

Drogen- und  Alkoholmissbrauch ist eines der größten Probleme der australischen Gesellschaft – anfällig für Drogen sind „Young Professionels“ aber auch die marginalisierten dieser Gesellschaft – die Aborigines.

Aborigines.

Die Aborigines und die Bewohner der Torres Strait Islands sind die indigenen Völker Australiens. Sie setzen sich aus ca. 250 Sprachgruppen und Nationen zusammen und bilden die älteste kontinuierlich existierenden Kultur der Welt[2]. Ihr Lebensstil und ihre Identität sind jedoch bedroht durch Versuche, sie in eine “westliche” Lebensweise zu integrieren.

Die Aborigines sind in allen negativen Kennziffern überrepräsentiert:

·         Aborigines stellen knapp 3% der Australischen Gesamtbevölkerung. Aus diesen 3% rekrutieren sich 28% der Insassen in australischen Gefängnissen.

·         Häusliche Gewalt, Alkoholkrankheit und Drogenkonsum sind signifikant höher als bei nicht-indigenen Australiern.

·         Der Unterschied zur Lebenserwartung weißer Australier beträgt 14 Jahre.

·         Die Kindersterblichkeitsrate liegt bis zu viermal höher als bei nicht-indigenen Australiern.

·         Gemeinden der Aborigines haben deutlich schlechteren Zugang zu medizinischer Versorgung, angemessenen Wohnungen, sauberem Wasser, Elektrizität und Schulen. Je abgelegener die Gemeinschaft, desto kritischer die Situation.

Die Gründe dafür sind vielfältig:

  • Der Löwenanteil der Aborigines sitzt wegen Verkehrsdelikten und Drogendelikten ein (meist in Verbindung miteinander).
  • „Stolen Generation“: bis in die Mitte der 50er Jahre des letzten Jahrhunderts wurden Aborigine-Kinder und Jugendliche durch Zwangsadoption ihren Familien weggenommen. Diejenigen, die noch von dieser Praxis betroffen sind, werden doppelt so häufig wie ihre Altersgenossen auffällig.
  • Fötales Alkoholsyndrom. Viele Kinder und Jugendliche sind durch erhöhten Alkoholkonsum ihrer Mutter während der Schwangerschaft in ihren Alltagsfähigkeiten behindert und gesundheitlich beeinträchtigt.
  • Für Aborigines spielt das Land der Eltern und Vorväter eine wesentliche Rolle. Aborigines, die weit entfernt vom Land ihrer Vorväter leben, sind statistisch signifikant anfälliger für Drogen- und Alkoholkonsum.
  • Funktionierende Stammesverbände und Familien sind oft in Auflösung begriffen.
  • Rassistische Diskriminierung im Alltag.

Das UN Committee On The Elimination Of Racial Discrimination (CERD)  forderte die australische Regierung mehrfach dazu auf, dafür zu sorgen, dass ihre Politik bezüglich der Aborigines und der Bewohner der Torres-Strait-Inseln die internationalen Konventionen erfüllt, ganz besonders die Erklärung der Vereinten Nationen über die Rechte der indigenen Völker und die ILO-Konvention Nr. 169.

Momentan spielt sich ein Wandel in der Position der Frau in den Aborigine-Gemeinden ab: Frauen verlassen häufiger gewalttätige Ehemänner (dies widerspricht eigentlich dem Verhaltenskodex der Frau in der Aborigine-Gesellschaft) und mehr Frauen werden Stammesführer (Elderwomen).

Rassismus.

Die Australische Gesellschaft ist liberal, offen und lebt von der Vielfalt der Einwanderer – da war es für mich unmöglich, mir vorzustellen, dass es Rassismus geben kann.

Die Isolation von Bevölkerungsgruppen in sozial schwachen Gebieten betrifft praktisch ausschließlich die Aborigines – nicht Muslime, Asiaten, Inder und schon gar nicht Immigranten aus Europa.

Es existiert jedoch eine bestimmte Schicht „weißer“ Australier, die wenig Verständnis sowohl für Aborigines als auch für Einwanderer hat und auch kein Interesse aufbringt, sich mit deren Kulturen auseinanderzusetzen – dies ist eine beständige Quelle rassistischer Konflikte.

Im persönlichen Gespräch mit Bekannten oder Nachbarn über die Situation der Aborigines hören wir wir oft die Antwort „… die sind ja nie nüchtern …“.

Allerdings ist es in 2013 und 2014 mehrfach vorgekommen, dass Touristen in der S-Bahn belästigt wurden, weil sie sich in Ihrer Muttersprache unterhalten haben (dummerweise gibt es jetzt Facebook und Twitter – und solche Zwischenfälle gehen in Stunden rund um die Welt).

Auch die Beurteilung von Menschen aus Asien und Afrika ist oft von Rassismus geprägt.

So hat mich in 2012 eine Bekannte davor gewarnt, einen bestimmten Markt zu besuchen  „ … da sind so viele Schwarze und man weiß ja, dass die alle Waffen tragen …“. Das mag ein besonders böses Negativbeispiel sein, aber Bemerkungen dieser Art habe ich inzwischen mehrfach gehört.

Wirtschaft.

Der Wohlstand Australiens ist im Wesentlichen ein Ergebnis des Rohstoffreichtums Australiens.

http://www.ga.gov.au/scientific-topics/minerals/mineral-resources/aimr/table1#g

Auszug daraus:

Resource

Australiens Anteil  an den weltweiten Reserven

Tantal

65,0%

Zirkon Sand

58,4%

Rutile Sand

57,1%

Blei

39,8%

Uran

33,6%

Diamanten

33,4%

Eisenerz

28,1%

Nickel

25,4%

Zink

25,1%

Bauxite

23,1%

Die Herausforderung besteht darin, dass Australien die Abhängigkeit von den Rohstoffen schrittweise reduzieren muss. Schon 2013 und 2014 hat sich die geringfügig reduzierte Nachfrage nach Rohstoffen aus China deutlich im australischen Haushalt bemerkbar gemacht.

Die Australische Industrie befindet sich im Umbruch: Im Bundesstaat Victoria, in dem wir leben, werden bis 2017 die Werke von Ford, Toyota und Holden geschlossen. Ein großer Schiffsausrüster (600 Mitarbeiter) in Williamstown hat nur noch Aufträge für 6 Monate …

Allerdings zeigen sich bisher wenig Auswirkungen auf dem Arbeitsmarkt, die Arbeitslosenrate ist mit 6,1% (Januar 2015) moderat.

Die Australische Politik muss dringend eine Vision entwickeln, wie es mit Australien in einem härter werdenden Wirtschaftsklima weiter geht.

IT und High-Tech-Industrie entwickeln sich, haben aber noch nicht die Innovationskraft wie z.B. in Deutschland. Medizin und Pharmazie haben wegen hochwertiger Forschungen auf dem Gebiet in Australien ein großes Potenzial.

Schlussfolgerung.

Wenn man von der Situation der Aborigines absieht, gibt es in Australien keine „Parallelgesellschaften“. Im Gegensatz zu den meisten Europäischen Staaten sind die Aufstiegschancen für Migranten hoch (bei jeder Auszeichnung „Australier des Jahres“ ist mindesten ein Migrant dabei).

Bemerkenswerterweise ist Australien eines der wenigen demokratischen Ländern mit Wahlpflicht (ich habe aber noch nicht gehört, das die Australier sich darüber beschweren) – deswegen verbieten sich Vergleiche bezüglich der Wahlbeteiligung mit fast allen Europäischen Ländern.

Ich sehe nur geringe Gefahr, dass sich die Welle des islamistischen Terrors auch in Australien fortsetzt (dies wird natürlich auch davon abhängig sein, wie sich die Regierung in der Zukunft mit der Unterstützung der Luftschläge gegen den IS verhält).

Australien hat sehr gute Bedingungen, um einer globalisierten Welt weiter zu bestehen:

·         Ressourcenreichtum

·         Gutes Bildungsniveau mit guten Universitäten

·         Eine hervorragende soziale Infrastruktur

·         Eine offene und integrative Gesellschaft

Australien muss dringend erheblich mehr für die indigene Bevölkerung tun – erste positive Aktivitäten gibt es zwar, allerdings sind das vorerst Aktivitäten aus „Graswurzel“-Bewegungen und werden, wenn überhaupt, nur zögerlich von der politischen Führung getragen.

Leider – und damit sind wir auch wieder bei dem Problem des internationalen Terror – ist es schwierig, in einer Zeit, in der Millionen von Menschen durch Gewalt bedroht sind, die internationale Aufmerksamkeit auf weniger als 600.000 Aborigines zu lenken.

JR


[1] wenn alle Haushalte in einer Reihe nach dem Einkommen sortiert werden, ist das Median-Einkommen das Einkommen des Haushaltes in der Mitte der Reihe

[2] z.B. in http://www.australiangeographic.com.au/news/2011/09/dna-confirms-aboriginal-culture-one-of-earths-oldest/

Klaus Rabba
Dienstag, der 13. Januar 2015

Es ist was faul … in jedem Staate!

Vorwort von Roland Dürre:

In Facebook haben ein paar Freunde mit mir eine spannende Diskussion geführt. Der Ausgangspunkt war mein Artikel #JesuisCharlie. Natürlich konnten wir die Diskussion in Facebook nicht befriedigend abschließen (wenn das überhaupt möglich ist).

Denn die Ursachen für das Dilemma, in dem sich die Welt rund um den Globus befindet, scheinen vielfältig zu sein. Dazu könnte Vieles gehören:

Wir haben eine radikale Globalisierung, die die Grenzen für den Handel total fallen lässt, die Grenzen aber für die normalen Menschen belässt. Die Arbeiterin im Billiglohnland produziert zwar für die reiche Welt, sie muss aber in der armen bleiben.

Wallstreet-Mentalität und das „Shareholder Value Prinzip“, ein durchgepeitschtes Freihandelsabkommen, Unfreiheit, Korruption, Irreführung, Frustration von Menschen, Emotionen aus zweiter Hand, Manipulation durch verschiedene Systeme, totales Marketing und mächtiger Lobbyismus, massiv unterschiedliche Religionen die in unterschiedlichen Epochen zu leben scheinen, das auseinander driften von arm und reich, nicht artengerechte Haltung von Menschen, ein verbreitetes Gefühl der Ohnmächtigkeit, eine Radikalisierung von Gesellschaften, das beliebige Verletzen von Gefühlen, die klare Priorät für Profit, der Hang zu Esoterik, der Verlust von Aufklärung, die Entwicklung von Dogmatik, Unfreiheit, Folter und vieles mehr scheint immer mehr im Kommen zu sein.

Wäre es nicht schön, da ein wenig Ordnung und Klarheit rein zu bringen. Was sind die Ursachen, was kann man dagegen tun? Es gibt dazu so viele spannende Fragen.

Diese Diskussion brachte uns auf den Gedanken, „das Thema in IF-Blog anzuschieben“. Vielleicht schaffen wir sogar eine Blog-Parade. Ich werde auf jeden Fall, wenn wir eine Basis geschaffen haben, zu einer Blog-Parade zum Thema einladen.

Zum Start dieses Projektes berichtet Klaus Rabba aus Frankreich über seine Wahlheimat.

Frankreich.

Die furchtbaren Ereignisse in Paris haben uns die Gewalt und die Schrecken aus dem Orient und aus Afrika in unsere Mitte gebracht.

Die zivile Reaktion ist gewaltig. Bis zu einer Million Menschen gingen auf die Straßen, um für unsere schwer erkämpften Rechte auf Meinungsfreiheit und Unversehrtheit zu demonstrieren.

Frankreich verteidigt seine Ideale der Französischen Revolution: Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit.

Wie ist es um diese Gesellschaft bestellt und was hätte die Gemeinschaft tun sollen, um diese Taten zu verhindern?

Schnell sind die Argumente bei der Hand, die von Politik und Medien gebetsmühlenhaft verbreitet werden und an die viele der aufgeklärten, aber weniger politisch bewussten Bürger nicht mehr so recht glauben mögen:

  • Toleranz gegenüber anders denkenden und anders gläubigen
  • Wir sind eine Gemeinschaft
  • Chancengleichheit
  • Wer will, der kann
  • Bildung ist der Schlüssel zur Integration
  • Kampf dem Faschismus

Niemand kann gegen diese Argumente ernsthaft opponieren, will er nicht ins Abseits oder die braune Ecke gedrängt werden. Aber das ist nicht gut so, denn bohrende Fragen werden nicht weiterverfolgt.

Gesellschaft.

Die französische Gesellschaft leistet im Verhältnis zu anderen europäischen Gesellschaften außerordentliches in der Erziehung. Ab dem dritten Lebensjahr gibt es für jedes Kind in unmittelbarer Nähe zum Wohnort einen Ganztagskindergarten, die „École Maternelle“, die die Kinder berufstätiger Eltern mit Mittagessen versorgt, den Kleinen einen Platz zum Mittagsschlaf stellt und die Kinder nie vor 17.00 aus dem Schulgelände entlässt, wenn die Eltern nicht pünktlich zur Abholung erscheinen. Ab 19.00 können die Kinder auf der Gendarmerie abgeholt werden. Alle Kinder gehen in die Maternelle, weil sie sonst den Anschluss an den Schulbeginn nicht schaffen.

Die Schulzeit verläuft nach dem gleichen Muster und eigentlich wäre dies der Schlüssel für die Gleichheit in der Erziehung – vorausgesetzt, die Eltern spielen mit. Über neunzig Prozent der Eltern erfüllen ihre Rolle. Was macht der Rest?
In staatlichen Schulen und Universitäten herrscht strikte Religionsfreiheit. Es dürfen weder Kreuze sichtbar getragen werden, noch Kopftücher oder Kipas. Religion ist Privatsache, es gibt keine Staatsreligion.

Gleichheit.

Trotz staatlicher Fürsorge existieren Löcher im sozialen Netz. In jeder Gesellschaft gibt es Schulverweigerer oder andere Kinder, die nicht durch das Bildungsmodell motiviert werden. Hier greift der Staat ein und hält eine Fülle von Erziehungsmaßnahmen und Betreuungseinrichtungen für diese Kinder bereit. Alles in Ordnung? Nein!

Die staatliche Fürsorge in Heimen hört mit dem sechszehnten Lebensjahr auf. Die Heranwachsenden sind dann auf sich gestellt. Wenn das Elternhaus nicht intakt ist oder das Umfeld nicht stimmt, kommt es zum Abbruch von Schule und Ausbildung. Das ist in einer homogenen Umgebung schon tragisch, doch wie wirkt sich das in einem von Migration bestimmten Umfeld aus!

Die Wohlhabenden schicken ihre Kinder auf katholische Privatschulen oder ziehen in Gebiete, in denen es unverhältnismäßig viele Gutbegüterte gibt, so dass diese Schulen zu den besten der Republik gehören.

Migrationshintergrund.

Frankreich hat eine lange Migrationsgeschichte. Verlorene Kolonialkriege in Indochina und Algerien haben eine erste Welle von Einwanderung ausgelöst, da die Kollaborateure um ihr Leben fürchten mussten, so dass Frankreich ihnen den Zuzug gewährte. Bürgerkriege in den ehemaligen französischen Kolonien brachten weitere Einwanderer ins Land. Eine offene Asylpolitik ließ auch Verfolgte aus China zu.

Das Straßenbild in Paris und anderen Städten wurde schon Anfang der sechziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts bunt. Die Zeiten der Vollbeschäftigung kaschierte die grundsätzlichen Unterschiede der Einwanderer – zunächst.

Steigende Arbeitslosigkeit, Zuzug von Familienangehörigen und die starke Vermehrung der arabischen und afrikanischen Migranten führte zur Zuspitzung der Unterschiede.

Während die asiatischen Zuwanderer sehr diskret und geschlossen leben und dem französischen Bildungsideal zugetan sind, haben die arabischen und afrikanischen Neufranzosen mehr Schwierigkeiten damit. Religionsunterschiede waren bei Asiaten kaum ein Thema. Das hinderte die Kinder aber nicht an guten schulischen Leistungen und sie sicherten sich gut bezahlte Arbeitsplätze. Auch Afrikaner und Araber boxen sich durch den Bildungsweg zur Hochschulreife, aber im Verhältnis zur Masse zu wenige.

Parallelgesellschaften entstanden in hastig hochgezogenen Wohnvierteln, die langsam zu Gettos verkamen. In diesen Parallelgesellschaften kommt auch heute ein Großteil der vielfältigen Migranten unter. Und plötzlich spielt auch Religion eine Rolle, die es vorher in seiner Deutlichkeit nicht gab.

Heute leben in diesen Vierteln unterschiedliche Menschen zusammen, bestehend aus Migranten mit Arbeit, Familien mit und ohne Einkommen und vor allem Menschen mit unterschiedlichen Religionen.

In diesem Gemenge greifen die vorbildlichen staatlichen Bildungsmodelle nicht. Zu viele Schulabbrecher ohne Grundkenntnisse von Sprache und Rechtschreibung und ohne Perspektiven leben dort. Die ersten Konflikte finden in diesen zusammengewürfelten Gemeinschaften statt, wo die Herumlungerer die Arbeitenden belästigen. Die ersten Opfer sind die Frauen und Mädchen.

Gettokultur.

In den de-favorisierten Stadtteilen entwickelte sich bei der Jugend eine eigene Sprache, das Verlaine. Es ist ein rudimentäres Französisch, in dem Begriffe phonetisch umgedreht werden; aus „Femme“ wird „Meuf“, aus „Flique“ wird „Keuf“, nur um ein Beispiel zu nennen. In diesen Kreisen spielt der „Rap“ eine große Rolle, sowie ein kruder Islam, der die Abgrenzung noch verstärken soll.

Der nächste Schritt für die jungen Männer dieser Gesellschaft führt in die Kleinkriminalität. Ablehnung des französischen Gesellschaftsmodells drückt sich durch starke Aggression aus, die den Beamten der Polizei und Feuerwehr, aber auch Notärzten entgegen schlägt. Autos werden angezündet und die heranrückenden Feuerwehrleute verprügelt. Notärzten ergeht es oft nicht anders – sogenannte ‚no-go-areas’ bildeten sich.

Wird ein Mitglied aus der Gemeinde der entschiedenen Gesellschaftsgegnern bei der Verfolgung seiner Straftat verletzt oder gar getötet, kommt es zu den berüchtigten Aufständen.

Antisemitismus.

In Frankreich und vor allem in Paris gibt es jüdische Gemeinden. Nicht alle Juden sind vermögend und wohnen in den schicken Arrondissements der Stadt Paris. Viele leben in Vorstädten und gehören zur Mittelschicht. Auf diese Gruppe der Israeliten konzentriert sich die Wut der islamischen Vorstadtjugend. Der Konflikt zwischen Palästinensern und dem Judenstaat wurde in die französischen Städte getragen und es kommt täglich zu Aggressionen.

Der Druck ist stark, so dass jedes Jahr tausende Juden Frankreich in Richtung Israel verlassen. Der israelische Ministerpräsident Nethanjahu brüskierte Frankreich, als er bei einem Staatsbesuch die Juden Frankreichs aufforderte nach Israel zu kommen, da der französische Staat nicht in der Lage wäre, diese zu schützen.

Extremismus.

Der Extremismus findet in den benachteiligten Gebieten und bei den Menschen dort leichter seinen Nährboden, als in funktionierenden Gemeinschaften oder Familien. Ausnahmen bilden hier wie anderswo die Konvertiten.

Unkontrollierte Prediger, die aus Nordafrika kommen, spielen eine düstere Rolle. Die französische Rechtsordnung erschwert Ausweisungen sogenannter Hassprediger außerordentlich. Hinzu kommt, dass die Muslime keine Organisation wie Christen oder Juden besitzen, die für die Gläubigen sprechen. Präsident Sarkozy gründete einen Islam Rat, damit der französische Staat einen Ansprechpartner für religiöse Belange bei den Muselmanen findet.

Der Islamische Rat kam unter unsäglichen Querelen zustande, da die Muslime aus verschiedenen Ländern stammen, wie z.B. aus Algerien und Marokko und sich unversöhnlich gegenüberstehen. Auf das große Schisma im Islam hier einzugehen, würde den Rahmen der Betrachtung sprengen. Fakt ist, dass der Islam Rat nur einen Teil der Gläubigen erreicht und schon gar nicht die inneren Kreise der Gettos. Es ist ein Trugschluss anzunehmen, dass die moslemische Welt geeint ist.

Wirtschaft.

Seit dem Fall des Eisernen Vorhangs hat sich die Welt verändert, da ein Konkurrenzmodell zum Kapitalismus ausfiel. Gleichzeitig setzte eine innereuropäische Arbeitsmigration ein. Die wirtschaftlich starken Länder zogen Arbeitskräfte auf jeden Niveaus an. Gleichzeitig enthemmten sich die Arbeitsbedingungen und führten zu einem gnadenlosen Lohndumping. Arbeitnehmer aus osteuropäischen Firmen arbeiten für einen lächerlich niedrigen Lohn in Westeuropa. Federführend bei dieser Entwicklung ist die deutsche Wirtschaftspolitik.

In der Folge schließen immer mehr französische Betriebe, z.B. im Lebensmittelbereich, da sie den staatlichen Mindestlohn zahlen müssen, während deutsche Schlachthöfe mit Billigkräften aus osteuropäischen Firmen ohne soziale Absicherung die großen Supermarktketten Europas beliefern. Diese Entwicklung verringert die Arbeitsplätze der Kleinverdiener, zu denen viele Migranten gehören. Zum Glück ist Frankreich eines der größten Tourismusländer der Welt und kann viele Arbeitsplätze bieten. Ohne Migranten würde die französische Gastronomie und Hotellerie zusammenbrechen.

Außenpolitik.

Frankreich pflegt den französischen Sprachraum auf allen Kontinenten und es findet jedes Jahr ein Weltkongress der ‚Francophonie’ statt. Traditionell wurden die Beziehungen zu den ehemaligen Kolonien wirtschaftlich und politisch aufrecht gehalten. Ausnahmen sind Algerien und Indochina, bzw. Vietnam.

Die Besonderheit ist, dass die französische Sprache zunächst die Amtssprache in den neu entstandenen Ländern war und großenteils noch ist. Natürlich wurden auch wirtschaftliche Interessen gepflegt und die Regime militärisch gestützt. Sogar eine Währung wurde in den frankophonen Ländern Afrikas eingeführt und von Paris gestützt. Gleichzeitig gab und gibt einen stetigen Zustrom aus diesen Ländern ins Mutterland

Frankreich hat über 10.000 Soldaten ständig weltweit im Einsatz. Der größte Teil davon tut Dienst in Afrika, wo es laufend zu Kampfhandlungen kommt. Französische Soldaten versuchen den entsetzlichen Völkermord in der kongolesischen Provinz Kivu zu entschärfen, die Elfenbeinküste vor einem Bürgerkrieg zu bewahren, Mali vor der Teilung zu schützen und in Togo, Kongo und Kamerun die Regierung zu halten. Gleichzeitig werden gewaltige Wirtschaftszonen auf See überwacht. Französische Luftstreitkräfte waren zusammen mit den Briten maßgeblich am Sturz Gaddafis beteiligt und hätten wohl auch in Syrien gegen Assad eingegriffen, wäre die Lage nicht völlig aus dem Ruder gelaufen.

In Folge dieser Politik geriet Frankreich in das Visier von Al Kaida, dem Islamic State oder Deash, wie es in Frankreich heißt.

Systemkritik.

Die Globalisierung nach Wallstreet Bedingungen schreitet unaufhörlich voran. Gesellschaften, wie die französische, müssen dem Wandel folgen, wollen sie nicht zum Defizitstaat verkommen, der durch ‚Rankings’ heruntergestuft und abgestraft wird. Das ist bitter für alle, da bei der Umverteilung von unten nach oben, die das neue Wirtschaftsmodell mit sich bringt, die Mittelschicht und die unteren Klassen an Kaufkraft verlieren, ganz zu schweigen von der schwächeren sozialen Absicherung.

Die französische Politik wehrt sich gegen diese Entwicklung und bisher hat es noch keine Maggi Thatcher oder einen Sozialisten wie Gerhard Schröder gegeben, der mit seiner Agenda den Sozialstaat stutzte und für den globalen Markt vorbereitete. Es gibt viel zu verlieren: Für das Schulmodell, für die Beamtenschaft, für eine Arbeiterschaft, die für einen garantierten staatlichen Mindestlohn schafft.

Einem rigorosen Sparkurs fallen zuerst die sozial schwachen Schichten zum Opfer. Da der Staat und die Wirtschaft von Eliten geführt werden, sind die Quereinstiegschancen für Migranten quasi null. Wer aus dem Bildungssystem ausscheidet und über sechzehn Jahre alt ist, steht allein da. Bildungsferne Migrantenkreise bleiben auf Dauer von Aufstiegschancen ausgeschlossen, was die Abschottung nur weiter vorantreibt. Der zweite Bildungsweg ist möglich, ist aber noch härter als der normale Schulweg.

Politik, Medien und intellektuelle Kreise hängen unbeirrt dem multikulturellen Idealbild nach und negieren die Selbstisolation der Gruppen in sozial schwachen Gebieten. Mittlerweile wird die Schuld an der Isolation mehr der französischen Gesellschaft zugeschrieben, als den Migrantengruppen, die sich isoliert fühlen, aber alles tun, um in dieser Situation zu verharren.

Die Religiosität der Randgruppen steht stark im Vordergrund und sorgt für Konfliktstoff während des Fastenmonats und der Gebetszeiten. Die Religion trägt zur Ausgrenzung in einem laizistischem Umfeld bei und behindert Religion übergreifende Verbindungen. Migranten beharren über Generationen auf Vornamen der Heimat und wählen kaum neutrale oder französische Vornamen.

In Frankreich herrscht Politikverdrossenheit, was sich in schwacher Wahlbeteiligung ausdrückt. Viele Skandale in den Regierungsparteien und im Präsidentenpalast haben einen Vertrauensverlust ausgelöst. Zu viele Franzosen sind der Meinung, dass ihre Regierung nicht in der Lage ist, die dringendsten Probleme zu lösen.

Was tun, um eine bessere Integration zu erreichen oder eine Gemeinschaft zu bilden? Zu allererst gehört Ehrlichkeit und Offenheit auf die Tagesordnung. Die Gesellschaft muss verstehen, dass die Migranten gebraucht werden und auf der anderen Seite müssen die Neubürger erfahren, dass sie ihr bisheriges Leben nicht ohne Veränderungen fortführen können, sondern Anpassungen nötig sind. Schließlich kommen die Menschen nach Europa aus solchen Gesellschaften, die es bisher nicht schafften, Wohlstand zu erzeugen. Gesellschaftskritik ist deshalb nötig.

Um die Verlierer von der Straße zu holen, verlangt es Änderungen im Schulprogramm. Selbstverständlich kann nicht das Niveau gesenkt werden, um den Nachzüglern den Anschluss zu erleichtern. Das ginge auf Kosten der gesamten Gesellschaft. Es braucht Klassenverbände, die mehr auf die unterschiedlichen Voraussetzungen der Schüler eingehen. Außerdem brauchen sozial instabile Jugendliche eine Betreuung über das sechzehnte Lebensjahr hinaus.

Für Kinder aus zerbrochenen Familienbanden mit Migrationshintergrund ist die Zukunft besonders schwer. Mannigfach sind die Versuchungen, sich mit Kriminalität Geld zu beschaffen, statt auf einen Erfolg im Beruf zu warten. Wie überall auf der Welt, spielen hierbei Drogen eine große Rolle. Wichtig ist, Jugendliche nicht in den normalen Strafvollzug zu schicken, sondern offenere und selbstverantwortliche Vollzugsformen zu erarbeiten.

Schluss-Bemerkung zum Attentat auf Charly Hebdo.

Die Attentäter mit Migrationshintergrund waren früh Waisen, lebten in Heimen und bekamen eine Berufsausbildung, ehe sie dann in die Kriminalität abglitten. Die Radikalisierung fand wohl im Gefängnis statt, wobei ein Prediger einen starken Einfluss auf die Attentäter nahm. Hier kann nicht der Gesellschaft die Schuld gegeben werden, denn sie hatte ja ihre Pflicht gegenüber den Waisen erfüllt. Die Entscheidung, einen Mord zu planen, trifft letztendlich jedes Individuum allein.

KR