Roland Dürre
Sonntag, der 15. Oktober 2017

Große Redner und ihre Geschichten – #7 Jolly Kunjappu

Mit dem „Tagelöhner“ Alain Neumann bin ich gestartet. Dann habe ich von Hans-Jörg Bullinger und Hans Strack Zimmermann berichtet und bin schließlich bei Augustinus Heinrich Graf Henckel von Donnersmarck, Klaus-Jürgen Grün und Rupert Lay gelandet.

Heute ist es mir eine Ehre, meinen Freund Jolly Kunjappu in meine persönliche „Ruhmeshalle“ auf zu nehmen.

Das Motto von Jolly ist „INSPIRING PEOPLE. Er sieht sich selbst heute als Performance Artist, Keynote Speaker und Philosopher. Jolly Kunjappu hat in seinem Leben schon sehr viel verschiedene Rollen gelebt. Unter anderem war er als Musiker mit vielen bekannten Musikern wie Mick Jagger zusammengespielt und hat Seminare „Trommel“ für viele Spitzenmanager.

Ich habe mit ihm unter anderem eine Vortragskombination zum Thema Frieden gemacht. Lassen wir ihn hierzu selber zu Worte kommen.

In IF-Blog findet man eine Reihe von Artikeln zu seinem Wirken.

Ich verneige mich von Jolly und seinem Lebenswerk.

RMD

Hans Bonfigt
Freitag, der 22. September 2017

Krampfhennenreport #1: VerbraucherschützerInnen

Da fragt der geschätzte Chris Wood nach, sinngemäß, „Mit welcher Motivation schreiben Sie im iF-Blog?“.

Nun ja, vor längerer Zeit habe ich hier ein Zitat von Rupert Lay gelesen, „wir leben in der Zeit des unverantworteten Geschwätzes“. Das ist deswegen so relevant und in seinen Auswirkungen schlimm, weil Internet-Medien das „unverantwortete Geschwätz“ annähernd mit Lichtgeschwindigkeit verbreiten.

Schlimmer noch: Weil ein Schwätzer vom anderen abschreibt und gleichzeitig eigenen Unsinn ergänzt, potenziert sich der Schwachsinn.

In lockerer Folge möchte ich einige Beispiele für inkompetenten Dünnschiß aufzeigen, der eine ursprüngliche gute Absicht übel pervertiert und gleichzeitig Verwirrung stiftet, damit Betrug und Mißwirtschaft schön im Nebel bleiben.

Gleichzeitig behandle ich nur Themen, von denen ich etwas verstehe, sprich: Mit denen ich mich seit mindestens 20 Jahren beruflich befasse.

Beginnen wir mit dem Verbraucherschutz.

„Die einzige Kamera, die ‚was taucht“, mit diesem Slogan bewarb Minolta einst eine wasserfeste Hobbykamera. Der Verbraucherschützer wollte den armen Konsumenten vor dem bösen Hersteller schützen und klagte: „Beim flüchtigen Lesen hat der Verbraucher den Eindruck, daß alle anderen Kameras nichts taugen würden“. Nee, schon klar. Eine Spaß-Knipse für 49,90 taugt als einzige etwas, die Leica M6 ist Sondermüll. Da muß unbedingt ein Gerichtsverfahren publikumswirksam ausgefochten werden. Das Gericht erkannte nicht, durch welchen Kakao es da gezogen wurde und gab den Krampfhennen auch noch recht.

Auf der anderen Seite ärgere ich mich im Supermarkt immer wieder darüber, daß bei Batterien nie eine Kapazität draufsteht. Bei Zucker, Bier, Haferflocken oder auch bei Akkus: Der Inhalt in Gramm, Liter oder Ampèrestunden steht drauf. Bloß nicht bei Batterieen. Wie soll ich da eine Preis / Leistungsabschätzung treffen? Den Verbraucherschutz interessiert das einen feuchten Kehricht, dafür werden Lobbyisten schon gesorgt haben.

Wie Krampfhennen vom Verbraucherschutz lächerliche Randprobleme aufblasen und damit von den wirklich üblen Umständen ablenken, sehen wir besonders gut am Beispiel von Lina Ehrig:

Hier werden Sie gerettet!

Und sie bringt auch gleich die ganz großen Skandale mit, denn, „Das deutsche Erfolgsrezept zum einfachen Wechsel von Telefon- und Internetanbietern hängt am seidenen Faden„, au weia! Die schlimme Folge:  „EU erschwert Telefonanbieterwechsel – für immer Telekom?“ …

Sehen wir uns doch einmal die skandalösen Verschlechterungen an:

Beim Wechsel eines Telephonanbieters muß dieser nicht innerhalb eines Tages, sondern am nächsten Werktag vollzogen sein. Unsere Telekom braucht für den „Wechsel“ von ISDN zu VoIP auch schon mal 14 Tage. Beim geschäftlich alleinig genutzten Anschluß einer Hamburger Werbeagentur, wohlgemerkt. Eine ähnliche Katastrophe hatten wir kürzlich bei einer Hausverwaltungsgesellschaft, die auch tagelang unerreichbar war.

Für die Privatperson, die ja grundsätzlich kein Mobiltelephon hat, ist das eine Katastrophe! Und die lieben Kleinen können eventuell einen oder zwei Tage keinen „Bushido-Rap“ „streamen“! Ein unersetzlicher Verlust für die kindliche Entwicklung!

„Die Vertragslaufzeit beginnt von neuem“. Die Dame hat Jura studiert, wohlgemerkt. Wieso, zum Teufel, sollte bei einem neuen Vertrag die Vertragslaufzeit nicht neu beginnen? Was glaubt Frau Juristin eigentlich, wie hoch teilweise die Kosten sind für die Anlage beispielsweise eines neuen Kabelanschlusses? Irgendwie muß ein Provider doch seine Investition absichern.

Das war’s auch schon, was die Juristin auf der Erbse bemängelt und die Conclusio kann sich sehen lassen: „Jetzt nimmt [die Bundesregierung] die Aushöhlung der Verbraucherrechte und Absenkung des Schutzniveaus billigend in Kauf„.

Bereits die Formulierung entlarvt das unterirdische Gaga-Niveau: Man kann etwas billigen, dann ist man damit einverstanden und zufrieden. Man kann etwas in Kauf nehmen, dann ist man nicht damit einverstanden und schon gar nicht zufrieden, sondern toleriert es, um in einer anderen Sache einen Nutzen zu erlangen. Man kann aber ganz sicherlich nicht etwas „billigend in Kauf nehmen“, das ist eine contradictio in adiecto. Naja, iustitia non calculat und Fermat ist lange tot.

Kommen wir zur Wahrheit

Es verschlechtert sich nichts durch einen neuen EU-Kodex, denn unsere Bundesregierung hat in Zusammenarbeit mit der Telekom das Pessimum bereits erreicht.

Denn weil die Telekom wettbewerbswidrig jeden privat genutzten Internetzugang mit einem Telephonieangebot bündelt, kann sich kein Verbraucher wirklich frei für einen alternativen Anbieter entscheiden. Täte er das, beispielsweise für einen seriösen, kompetenten Provider wie QSC oder Sipgate, dann läge die zwangsweise „gebündelte“ Telephonie brach, es müßte also doppelt gezahlt werden. Gleichzeitig sitzt die Telekom auf der Rufnummer wie die Glucke auf dem Ei, in der Regel muß man sich die Rufnummer „freiklagen“. Das tut aber kaum jemand. „Gebündelte“ Angebote sind aber selbst dann wettbewerbswidrig, wenn ein Hersteller ein Zusatzprodukt verschenkt, siehe beispielsweise die EU-Auseinandersetzungen um die kostenlose Beigabe des „Internet Explorers“ zu „Microsoft Windows“.

Hier hat der Verbraucherschutz auf der ganzen Linie erbärmlich versagt! Er muß sich vorwerfen lassen, entweder brunzdumm zu sein oder aber umfassend von Lobbyisten geschmiert.

Die Bundesregierung hat, während die Bundeskanzlerin die Bevölkerung dreist belog, dafür gesorgt, daß die Netzneutralität auf der letzten Meile gekippt wurde. Wenn man sich als Anbieter bestimmten Telekom-Angeboten anschließt, belastet die Telekom beim Datentransfer auf Mobilgeräte das gebuchte Volumenbudget nicht. Damit werden diese Anbieter unangemessen bevorzugt und die „kleinen“ haben wieder keine Chance. Die Holländer haben das vorausgesehen und solche gefährlichen Blockaden gesetzlich verhindert — nur, leider:  Aufgrund der neuen EU-Richtlinie, die unter der Ägide „Oettinger“ auf Wunsch der „Kanzlerin“ entstand, müssen die Niederlande dieses urdemokratische Gesetz, welches ein wichtiger Garant für Informationsfreiheit ist, zurücknehmen.  Dank der, wie sagt Roland immer, „ComEUcon“.

Mit der Nebelkerze „Vectoring“ hat die Bundesnetzagentur übrigens die Konservierung der teilweise 100 Jahre alten sog. „Hauptkabel“ zementiert und damit die Netzanbindung „in der Fläche“ um Jahrzehnte zurückgeworfen. Soviel zum unsäglich albernen Schlagwort „Digitalisierung“.

Fassen wir zusammen: Vielfach überbezahlte Juristinnen der „Verbraucherschutzberatung“ spüren einen lebensgefährlichen Kratzer am Knie auf und übersehen dabei den Krebstumor und die Lungenentzündung. Und keinem fällt auf, daß man besser keine Juristen als Arzt beschäftigen sollte.

(hb)

Die Winderhitzer der Völklinger Hütte.

„Die Winderhitzer der Völklinger Hütte. Auch Vintage.“

Obwohl ich E-Mail für Technik von vorgestern halte, habe ich natürlich noch ein paar E-Mail-Adressen. Da kommt viel Belangloses und Mist an.

Meine Aufgabe besteht dann vor allem darin, diese E-Mails zu löschen und meine „Kommunikations-Partner“ zu bitten, doch modernere Kommunikationsformen zu nutzen.

Heute musste ich aber mal wieder so richtig Schmunzeln. Da kam eine E-Mail von einem lieben und langjährigen Freund, den ich auch fachlich für sehr kompetent halte.

Der hat – an ganz viele Menschen (all@XYZ.de) – geschrieben:


Hi,

könnt ihr uns alle bitte mit dieser für mich vollkommen sinnfreien Diskussion in Ruhe lassen!!!!!

Ich habe meine Meinung zu Mail-Verteilern und interner Mail auch in der Umfrage zu den neuen Kommunikationsformen von mir gegeben.

Das ist ein typisches Beispiel dafür, warum E-Mail unternehmens-intern Blödsinn ist und die E-Mail-Verteiler insbesondere sofort abgeschafft werden sollten.

Mit Absicht an all!


🙂 Bei der „sinnfreien Diskussion“ ging es übrigens um das Problem mit „Akkus von I-Phones“ und deren Umtausch.

Ich habe dann geantwortet:


Deine E-Mail lässt mich schmunzeln. 😊

Bin ich doch genau Deiner Meinung – nur noch radikaler. E-Mail ist kein generelles Kommunikationsmittel mehr sondern ein völlig veraltetes, das man selbstverständlich in modernen Unternehmen nicht mehr nutzen sollte.

E-Mails an Dritte sollte man nur noch senden, wenn es einen Anlass gibt, für den man in vergangenen Zeiten tatsächlich einen Brief geschrieben, ein Telegramm aufgegeben (!) oder eine Telefonzelle aufgesucht hätte.

Alles andere sollte man mit Werkzeugen erledigen, die dem Zweck adäquat sind.

Liebe Grüße und ein schönes Wochenende!


Ja – ich mag E-Mails auch nicht. Oft sind sie mit einem Riesen-Footer ausgestattet, der dann noch künstlich mit viel Quatsch und völlig uninteressanten Hinweisen werblicher Art oder blödsinnigen juristischen Belehrungen verlängert ist.

Ich hasse die E-Mail-Dialoge, die mit jedem Dialogschritt eine immer länger werdende neue Inkarnation der Mail verursachen. Denn mit jeder Antwort entsteht eine E-Mail, wo dasselbe alles noch mal drinsteht ergänzt um die letzte Antwort. In der Ur-Zeit des Internets gab es Versuche, die E-Mail-Kommunikation ein wenig erfreulicher zu gestalten. Da gab es z.B. eine gute Regel, die man tofu nannte. Leider wurde „tofu“ aber nur von wenigen angewendet und ist so gescheitert.

Da Kommunikation erfolgt in der Regel als „Thread“ (Faden).  Spätestens seit dies im Chat perfekt möglich ist, ist E-Mail in vielen Fällen verzichtbar. Im „peer2peer“-Thread sehe ich immer sofort was in der letzten Zeit so alles ausgetauscht wurde. Das gilt auch für Menschen, mit denen ich ganz selten kommuniziere und ist da besonders wertvoll. Threads sind auch gut geeignet, wenn mehr als zwei Menschen gemeinsam kommunizieren wollen. Bei E-Mail führt es dann sofort zur katastrophalen Fluten bedingt durch „cc“ und „bcc“.

Dazu kommt, dass ich alltäglich gerne mit Bildern, Sprachnotizen (Audios) oder kleinen Filmen (Videos) kommuniziere. Wie umständlich ist das bei E-Mail für Sender und Absender? Man schaue sich einfach an, wie bbm, wechat, whatsapp, der „messenger“ von FB oder Skype, die „dm“ (direct message) von Twitter usw.  funktionieren. Von Snapchat, dem System mit der modernsten und einfachsten „Benutzer-Oberfläche“ möchte ich hier gar nicht reden.

Noch besser als chat-Systeme eignen sich „communities“ für die geordnete Kommunikation auch in größeren Teams/Gruppen. Im Internet gibt es viele „communities“ z.B. in Google+, die zeigen, wie es geht. Und wie man mit ganz einfachen Maßnahmen innerhalb einer „Organisation“ vortrefflich und trotzdem sehr strukturiert und hocheffizient kommunizieren kann. Und so auf den E-Mail-Blödsinn verzichtet und nicht dauernd die Nicht-Interessierten oder -Beteiligten voll mit Spam voll schüttet!

Im übrigen:

Auch Telefonieren ist OUT. Ich nutze das Telefon nur noch nach terminlicher Absprache, wenn es etwas Wichtiges zu erledigen gibt und ich mit einem Mitmenschen mit voller Aufmerksamkeit darüber sprechen will. So setze ich das Telefon im Auto oder in öffentlichen Räumen wie Zügen nicht mehr ein. Und auch für Wichtiges nutze ich Telefonie nur dann, wenn Bildtelephonie (Hangout, Facetime, Skype, Cisco, Citrix …) nicht möglich ist, weil mein Gesprächspartner das gute alte Telefon bevorzugt.

🙁 Nur zur Erinnerung. Die Funktion „Telefonieren“ ist auf dem Smartphone auch nur eine App für synchrone Sprach-Kommunikation, die es möglich macht, Verbindung mit Adressen aufzunehmen, die aus „Telefon-Nummern“ (Ziffern) bestehen und mit „voice-over-IP“ ein Telefonat emuliert.

Also:
Wenn mich jemand anruft und ich mich melde mit
„Wer stört denn jetzt schon wieder?“,
dann bitte ich, dies mir nicht übel zunehmen.

Ich bin weiter für jeden erreichbar, der mich braucht: Hier meine physikalische Telefonadresse 0049 171 4850115 (leider sind die symbolischen schon lange aus der Mode gekommen). Aber bitte wirklich nur anrufen, wenn es wirklich wichtig und ganz dringend ist!

Sonst bitte ich zu überlegen, ob es nicht genügt, mir eine asynchrone „(Sprach-)Botschaft“ über einen der Chatter die ich benutze zu senden oder falls es auf ein bestimmtes Thema bezogen ist, diese Nachricht in der entsprechenden Community zu hinterlegen.

RMD