Roland Dürre
Mittwoch, der 5. Juli 2017

Von Waffen und Autos

Am 13. Juli treffen wir uns wieder im Rahmen von „AktMobCmp“ und träumen von friedlicher und aktiver Mobilität. Aus diesem Anlass eine Polemik gegen Autos und Waffen, die allerdings gar keine Polemik ist. Wenn es nicht so traurig wäre dann wär’s schon wieder lustig.

VORSICHT – Mit Autos kenne ich mich gut aus! „Mein Porsche (von Distler) und ich!“

Jedes Jahr ergießen sich weitere Millionen Autos über den Planeten. Die meisten gehen zum „Kunden“, also auf einen Parkplatz unter einer Laterne oder sie müssen in eine Garage. Viele kommen aber gleich auf eine Halde. Zigtausendfach stehen sie dann in irgendwelchen Wüsten sauber aufgereiht herum (siehe Beispiele in Youtube). Zighundertfach finden wir Autos in unserer kleinen Welt auf den Halden kleiner und großer „Gebrauchtwagenhändler“, die es dutzendfach an allen größeren und kleineren Ausfallstraßen unserer kleineren wie größeren Städte gibt.

Aber auch die „zugelassenen“ Autos werden nur gelegentlich benutzt und stehen meistens herum, oft sehr dumm im Wege des nicht-motorisierten Verkehrsteilnehmers. Sie benötigen Unmengen von betonierten Flächen und rauben den Menschen den Platz zum Leben. Das finde ich gar nicht gut. Nur, wenn diese Autos alle dauernd fahren würden, dann wär’s eine unvorstellbare Katastrophe. Das Leben würde unsäglich werden. Also ist es besser, dass sie herumstehen.


Es macht einfach keinen Sinn, dass die Welt von einer Milliarde von „Kraftfahrzeugen“ zu geparkt und überrollt wird und es wahrscheinlich so viel Autositze wie Menschen gibt.


Das muss sich ändern – denn das hält der Planet nicht aus. Nur, Geld regiert die Welt – und mit Autos kann man so richtig Geld machen. Denn Autos sind halt so gut fürs Ego des Konsumentenmenschen unserer „modernen und entwickelten Gesellschaft“. Dafür zahlt man gerne.

VORSICHT – Mit Waffen kenne ich mich auch aus – ob Pistole und Gewehr, Maschinenpistole und -gewehr, Panzerfaust usw. 

Bei den Waffen ist es ähnlich. Auch da wird jedes Jahr eine schier unvorstellbare Menge produziert. Ich weiß wirklich nicht, ob die Welt in der Summe mehr Geld für Autos oder für Waffen ausgibt. Beides dürften unvorstellbare Summen sein. Wahrscheinlich ist Autos bauen immer noch besser als Waffen herstellen.

Auch Waffen sind zuerst mal Statussymbole, wohl noch schlimmere als Autos. Was die Pistole und das Gewehr manchem kleinen Mann ist, das ist die Interkontinental-Rakete dem Mächtigen. Und alle rüsten auf. Der kleine Mann sogar in Bayern, weil das Land so unsicher wird. Die Polizei, weil der kleine Mann immer gewalttätiger wird. Und die Nato und ihre Feinde, weil die Weltlage immer gefährlicher wird.

Waffen wie Autos sind aber nicht nur gut fürs Ego. Auch mit Waffen kann man so richtig Profit machen. Glücklicherweise werden Waffen – im Gegensatz oder ähnlich wie bei Autos (?) – überwiegend auf Vorrat produziert. Das macht geschäftlich auf Dauer keinen Sinn, denn irgendwann mal müssen sie auch eingesetzt werden. Dafür braucht man Kriege. Und immer wenn irgendwo mit großem Aufwand Frieden geschaffen wird, macht man halt woanders einen kleinen Krieg. Das ist auch gar nicht so aufwändig. Und man darf das Feuer des Krieges nie ausgehen lassen, sonst könnte schnell Schluss mit dem Geschäft sein! Und das darf nicht sein!

Glücklicherweise (für uns) finden die Kriege der Regel immer in einem Teil der Welt statt, der weit weg von uns ist. Denn wir finden den Krieg ganz schlimm. Bei uns in Europa hat man den Krieg zum Tabu erklärt. Zwar verdienen wir gutes Geld damit – aber die Ergebnisse wollen wir es bei uns nicht haben. Das macht aber nichts, sind wir doch eine Export-Nation. Und so exportieren wir halt auch Krieg.

Zuhause bei uns aber rasten wir schon bei ein wenig Terror (= Krieg) aus. Das geht doch gar nicht! Haben wir doch schon genug Opfer als Folge der Kriege, die wir permanent auf den Autobahnen und Straßen der Republik führen. Das schafft schon genug Leid und Entsetzen. Also brauchen wir bei uns keine Kriege und machen diese immer möglichst weit weg von unseren Grenzen. Und bekämpfen dort auch besonders gerne den Terror. Weil der ja sonst zu uns kommt. Vielleicht kommt er aber gerade dann zu uns, wenn wir ihn in seiner Heimat bekämpfen?


Aber wehe, die Waffen, die wir bauen, werden alle eingesetzt. Überall, auch bei uns. Dann passiert das, was man Weltkrieg nennt. Und es wäre Schluss mit lustig und Klappe zu. Für uns alle.


Die Autos spielen schon „Weltkrieg“. Sie morden weltweit im Jahr deutlich mehr als eine Million Menschen (Berichtet werden 1,25 Millionen Toten im Jahr und ein zweistellig Mehrfaches an ernsthaft Verletzten. Allein in Deutschland wurden 396 666 Verkehrs­teilnehmer im Jahr 2016  verletzt).

Das dürfte mehr sein als es zurzeit alle Waffen zusammen im Jahr schaffen – selbst wenn wir die „normalen“ zivilen Waffenopfer (wie in den Straßen und Häusern der USA), die von terroristischen Anschläge verursachten und die in „gerechten Kriegen“ für oder gegen irgendwelche „Hirnverbranntheiten“ geopferten Opfer summieren. Es ist einfach alles ein Wahnsinn, an dem wir alle gemeinsam tapfer mitwirken.


Absurditäten gibt es sowohl bei Waffen wie bei Autos! Und wenn es nicht so schlimm wäre könnte man darüber lachen.


So gibt es eine ganz moderne Kanone auf einem ganz modernen Schiff. Wir dürfen raten, welchem „Nicht-Schurken-Staat“ beides gehört. Die Kanone darf aber gar nicht benutzt werden, weil jeder Schuss läppische 800.000 US-Dollar kostet. Und dann ist es besonders peinlich, wenn das dazugehörige Schiff im Panama-Kanal stecken bleibt. Das war die Zumwalt (2016).

Aber irgendwann muss die Kanone der Zumwalt doch mal eingesetzt werden. Ich kenne mich mit der Marine nicht so aus (ich war ja bei der Luftwaffe), aber vielleicht lohnt sich ein so teurer Schuss ja um später mal einen chinesischen Flugzeugträger abzuschießen. Die sollen ja ganz emsig eine ganze Reihe davon bauen. Da muss dann aber der erste Schuss sitzen …

Auch die MOAB hieß übrigens ursprünglich nicht „mother of all bombs“ – so einen zynischen Namen würde das Pentagon doch keiner Bombe geben – sondern „Massive Ordnance Air Blast“. Auch dieses Gerät musste halt auch irgendwann mal abgeworfen werden. Und weil man es nicht besser wusste, hat man es halt über Pakistan gemacht. Weil sich so ein armes Land ja nicht wehren kann und dies ja eh von den Taliban befreit werden muss.

So hat man – angeblich – mit der MOAB einen großen unterirdischen militärischen Komplex der Taliban zerstört. Und weil man die „Zivil-Bevölkerung“ bei diesem Abwurf optimal geschützt hat, wusste man schon kurz nach dem Abwurf ganz genau die Anzahl der getöteten Taliban-Bösewichte. Ach wie herrlich absurd.

Bei den Autos sehe ich die Absurditäten jeden Tag auf den Strassen Münchens. Die heißen dann unter anderem SUVs und haben gelegentlich mehr Pferdestärken als Lkws und Busse. Und blasen mir ihre Abgase ins Gesicht und in die Lunge, so wie früher der Raucher am Nachbartisch beim Pizza-Essen im Italienischen Restaurant.


Ein Freund hat gefordert, dass man die Abgase zuerst durch das Innere des Autos leiten solle bevor man sie nach außen entlässt. Eine Forderung die ich als Fußgänger oder Radler in der Rosenheimer Straße in München nur unterstützen kann.


Beim Auto gibt es eine neue Entwicklung. Denn auch die nicht sonderlich gebildeten Terroristen haben erkannt, wie gut sie Autos zur Ausübung ihres Gewerbes einsetzen können. Das Auto als die BOAB (best of all bombs). Weil es so einfach zu benutzen ist. Und die „Terroristen“ nutzen es immer häufiger. Warum soll man sich die Mühe machen, eine Bombe zu bauen, wenn man eh sterben will? Dann setzt man sich doch besser ans Steuer eines Kfz und gibt Vollgas. Freie Fahrt für freie Bürger.

Und die Kommunen beginnen, ihre Plätze und Fußgängerzonen mit Pollern zu schützen. Man sollte in Unternehmen investieren, die Poller bauen.

Ich schließe meinen Artikel und zitiere aktuelle Zahlen für Deutschland aus der Straßenkriegsberichtserstattung des statistischen Bundesamtes.


WIESBADEN – 239 Menschen kamen im April 2017 bei Straßenverkehrsunfällen ums Leben. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) nach vorläufigen Ergebnissen weiter mitteilt, waren das acht Verkehrstote oder 3,2 % weniger als im April 2016. Die Zahl der Verletzten ging um 12,0 % auf circa 28 300 gegenüber dem Vorjahresmonat zurück.

Von Januar bis April 2017 wurden 867 Verkehrstote gezählt, das waren nahezu genauso viele wie im entsprechenden Zeitraum des Jahres 2016 (865 Getötete). Rund 105 600 Menschen wurden in den ersten vier Monaten 2017 auf Deutschlands Straßen verletzt, ein Rückgang um 2,9 % gegenüber Januar bis April 2016. Auch die Zahl der Verkehrsunfälle ist gesunken. In den ersten vier Monaten 2017 erfasste die Polizei 790 400 Straßenverkehrsunfälle, 1,4 % weniger als im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Darunter waren 81 300 Unfälle mit Personen­schaden (– 2,7 %) und 709 000 Unfälle mit ausschließlich Sachschaden (– 1,2 %).

Im April 2017 kamen 239 Menschen bei Straßenverkehrsunfällen ums Leben (-3,2% / -8 Tote z VJ), 28300 wurden verletzt.


Immerhin schreiben sie, dass die Zahlen gesunken sind. Das obwohl die akkumulierte Vier-Monats-Zahl der Toten gestiegen ist! Aber was sind schon zwei Verkehrstote mehr? Der Trend zeigt übrigens, dass die Zahlen der Verkehrstoten in Deutschland wieder steigen. Und ich höre in Deutschland keinen Ruf nach VISION ZERO wie in Schweden. Es ist eine Schande!

RMD

Roland Dürre
Dienstag, der 21. Februar 2017

RAUF MIT DER RÜSTUNG …

schallt es aus den USA in Richtung EUROPA …

 

 
 
 

Ich finde es schrecklich

  • Dachte ich doch bisher, weltweites Ziel ist es, weniger Kriege zu führen, weniger Menschen zu töten, weniger Elend zu produzieren und weniger Waffen zu bauen.
  • Und dass Waffen immer nur dem Geschäft der betreffenden Industrie nutzen.
  • Ich selber habe auch keinen Krieg in den letzten 50 Jahren erlebt, der ein Problem gelöst hätte. Im Gegenteil.
  • Nebeneffekt: Jetzt weiß ich, dass Griechenland (prozentual vom Bruttosozialprodukt) in der EU am meisten Geld für Rüstung ausgibt (2,4 %) und Deutschland (dank den strengen Auflagen der „Bündnis-Partner“ bei der „Wiedervereinigung“) am wenigsten (1,2 %).
  • So wie ich auch immer wieder höre, dass von allen Ländern der EU es Griechenland am schlechtesten und Deutschland am besten gehen soll.
    🙂 Honi soit qui mal y pense!

 
 
 

und hätte ein paar Fragen.

  • Warum empfiehlt EUROPA im Gegenzug denn den USA nicht einfach, die Ausgaben für den Klimaschutz zu erhöhen?
  • Wie will EUROPA selbstständiger werden, wenn es nicht vehement dem unmoralischen Anliegen der USA widerspricht sondern es wie ein braves Schaf abnickt?
  • Was sind denn die gemeinschaftlichen Werte von USA und Europa, die es zu verteidigen gilt?
    (Soll ich mal raten? Da käme nicht viel dabei heraus.)
  • Muss die NATO wirklich Manöver im Baltikum fahren und schon die nächsten in Polen planen?

Ich verstehe das alles auch deshalb nicht, weil EUROPA wie die USA (und auch der Feindstaat RUSSLAND) doch pleite sind und deren Schulden laufend weiter ansteigen. Und diese „Nationen“ so wie die ganze Welt doch ganz andere Sorge haben, über die sie sich Gedanken machen sollten.

Es ist die „Angst, die die Seele auffrisst“ und im (kollektiven) Kopf der alten Männer aus einer Welt von vorgestern wieder mal so richtig Urstand feiert. Das macht traurig.

RMD

Roland Dürre
Samstag, der 8. Oktober 2016

Brief für FRIEDEN

Sigi Kunz, Mensch, IT-Manager, Positivist, Aktivist.

Sigi Kunz, Mensch, IT-Manager, Positivist, Aktivist.

Sigi Kunz kenne ich jetzt schon mehr als 45 Jahren.

Ich freue mich über seine Freundschaft.

Ich schätze ihn (nicht nur) als Manager und Unternehmensführer.

Als ich ihn zu unseren Aktivitäten für FRIEDEN eingeladen habe, hat er so geantwortet und mich autorisiert, seine Botschaft zu veröffentlichen.

 

Hier ist sie:

Liebe Freunde,

es ist Zeit, dass ich mich als Neuling in dieser erlauchten Runde auch einmal zu Wort melde. Zunächst geht ein Dankeschön an Roland, dafür, dass er mich potentiell als jemanden gesehen hat, der a) Interesse an dem Thema hat und b) vielleicht einen kleinen Beitrag leisten könnte.

Als damals hartnäckiger „Kriegsdienstverweiger“ – ja so nannte man das in den Siebzigerjahren – war für mich das Wort FRIEDEN fast ausschließlich besetzt als diametraler Gegenpol zu KRIEG. FRIEDEN war zu 100% das Gegenteil von KRIEG.

Mit der Zeit wird man reifer, lernt besser zu differenzieren und entdeckt auch andere Schattierungen und Werte hinter einem abstrakten Begriff. So teile ich ganz und gar die Sicht, die Roland in seinem letzten Blogbeitrag erwähnt hat, dass nämlich FRIEDEN in einem selbst beginnt, dass man zu allererst in Frieden mit sich selbst leben (lernen) muss. Dabei ist es auch von außerordentlicher Bedeutung Wege zu finden, um in FRIEDEN mit der Natur zu leben.

Rolands Beitrag vom 1. Oktober habe ich im ersten Moment vielleicht falsch interpretiert, da ich darin eine gehörige Portion Resignation gefunden zu haben glaubte. Wahrscheinlich – ich hoffe es – habe ich mich geirrt.

Warum hoffe ich das?

In meiner Persönlichkeit überwiegt in der Regel der Optimismus. Und dennoch kämpfe ich gelegentlich innerlich mit mir in der Frage, ob die Spezies Mensch, salopp gesagt, die Kurve kriegt.

Als Verehrer von Darwin und Dawkins „glaube“ ich an die Evidenz der Evolution. Und die traurige Wahrheit, die ich dort herauslese, ist die, dass in der belebten Natur eher Unfrieden die Regel ist. Fressen und gefressen werden, Nahrungskette, Populationsregelkreise gesteuert durch das Nahrungsangebot – von wegen Brot für die Welt, usw.. Frieden funktioniert dabei jeweils nur temporär und begrenzt innerhalb definierter Gruppen.

Daher habe ich die Befürchtung, dass ein großer Teil der Menschheit gefangen ist in diesem Echo der Evolution, dass es fürs eigene Weiterkommen zielführender ist alle Konkurrenz auszuschalten und zu kämpfen, gerne auch militärisch, anstatt friedlich zusammenzuleben.

Vielleicht – und hier kommt mein Optimismus zum Tragen –  ist es aber auch so, dass die Evolution gerade an der Schwelle ist zu „entscheiden“, ob die Strategie „Kämpfen“ vielleicht der Strategie „Frieden“ unterliegen könnte.

Das könnte man vergleichen mit der „bösen“ Entropie. Vor Jahrzehnten, als Student der E-Technik, kam mir nach einer Vorlesung in Physik mal der Gedanke, dass das Leben der Feind der Entropie ist, da nur Lebewesen wirkliche Ordnung schaffen. Mit anderen Worten:

Seit dem Urknall wuchs das Chaos bis zum Auftreten der ersten Lebewesen. Seitdem versuchen diese sich gegen die Unordnung zu stemmen.

So, genug von solchen Gedanken.

Was könnte oder möchte ich beitragen zum Thema Frieden? Ich nenne hier ein Beispiel, bei dem ich seit einigen Jahren aktiv mitarbeite:

Den Verein Hohenlinden 2000

Der Verein wurde 1996 gegründet mit der Zielsetzung

Altmattkopf Denkmal (11)

  1. die Erinnerung an eine fürchterliche militärische Schlacht wach zu halten und
  2. die Erinnerung zu nutzen, um mit dem ehemaligen Feind (Frankreich) im Rahmen gemeinsamer Projekte und Aktionen für den FRIEDEN zu werben, Freundschaften zu entwickeln und zu pflegen.

 

Gérard Leser, juillet 2014

Gérard Leser 2014

Ich möchte Euch auch ein Gedicht nicht vorenthalten, das von dem französischen Historiker Gérard Leser anlässlich des Gedenktages geschrieben wurde.

Am Ende der Zeremonie trug er sein in zwei Sprachen verfasstes und zum Frieden mahnendes Gedicht vor, das auch auf einer Stele am Denkmal zu lesen ist.

 

 

 

Hier die Version in Deutsch:


 

Beide Fotos sind von der Enthüllung eines Denkmals (Erinnerung an 1.Weltkrieg, Schlacht in den Vogesen).

Beide Fotos sind von der Enthüllung eines Denkmals (Erinnerung an 1.Weltkrieg, Schlacht in den Vogesen).

Altmattkopf

Gedicht von Gérard Leser

Blick in die Weite und das große Atmen der Welt
Ruhe der Berge und der Natur
dunkelgrüner Mantel der Wälder und der Wiesen
unten Dörfer die gedeihen
die Stille die uns bewohnt
und doch
vor hundert Jahren
Staub, Krach, hunderte von Granaten die explodieren
zersplitterte Körper
Wunden die bluten
zerrissene Seelen
Kugeln die zischen
Bajonette die in der Sonne glitzern
und der Hass und der Tod die herrschen
nur noch den anderen Menschen umbringen
alle Teufel sind los
Franzosen gegen Deutsche
Deutschland gegen Frankreich

1914 Bruderkrieg

Menschen gegen Menschen
Europa brennt
und die Bevölkerung die flüchten muss
alles verlassen, alles verlieren
heimatlos
Häuser die verkohlen
Ruinen, Tränen und Elend ohne Ende

1915 Sieg und Zerstörung

Stille der Friedhöfe
das Tal durch die Front entzweit
getrennte Familien
verletzte Menschheit
öde Mauern und verwüstete Dörfer
Stacheldraht der überall blüht
tiefe Schützengraben verwunden die Erde

2015 Europa, endlich

Frieden und Versöhnung
doch
ein Denkmal zum Nachdenken
zwei Panzerschienen, zwei Armeen
ein kleiner Pfahl, die Bevölkerung die leidet
Menschheit mit Schmerz erfüllt
ein Pfeiler mit der Spitze die  am Himmel glitzert
um gemeinsam die Hoffnung zu pflegen
um das Gedächtnis zu wecken
um Brücken zu bauen
um über die Freiheit zu wachen
um die Gewalt in uns zu zähmen
um die Finsternis im Herzen nie zu vergessen
und das Leben zu ehren
Europa ist unsere gemeinsame Heimat

Gérard Leser

 


 

Damit möchte ich meinen Beitrag schließen und wünsche allen

Ein schönes Wochenende

Sigi Kunz

P.S.
Die Fotos sind von Sigi Kunz, freigegeben unter CC BY-SA 3.0.

Roland Dürre
Sonntag, der 13. März 2016

Für FRIEDEN.

Auf der Suche nach nach meinen Helden habe ich schon in frühen Jahren Boris Vian gefunden. Es hat ein radikales Friedenslied in 1954 geschaffen und gesungen – Le Déserteur. Das war ein großer Song und für mich Anfang der 60iger Jahre eine wahre *Hymne für Freiheit und Frieden.*

2012 habe ich darüber geschrieben und mich über die #GEMA wegen ihrer Sperren in Youtube geärgert.

Hier ist das Lied:

Ein weiterer großer Sänger von Friedensliedern ist Jacques Brel. Auch er war einer der Helden meiner Jugend.

Terry Jacks hat in 1974 Seasons in the Sun produziert. Dieser Song basiert auf dem Chanson Le Moribond („Der Sterbende“) von Jacques Brel.

Aber hören wir den Meister im Original:

Das war aber damals vielleicht ein wenig kitschig aber auch nicht so ganz schlecht:

Jetzt überlege ich mir, wer denn heute so meine Vorbilder sein könnten. Ich meine, dass Carl Amery und José Saramago da ganz gut geeignet wären.

Für Frieden!

RMD

P.S.
Zu John Lennon, Barbara und vielen anderen kommen wir dann später …

P.S.1
Weil ich gefragt wurde, wer Barbara ist …

Detlev Six
Samstag, der 2. Januar 2016

Neues von Gott und dem großen Bumser.

Sie haben das ganze Jahr geschossen.

Im nahen Osten, um den einzig wahren Gott zu ermitteln.

In Genf auf der Suche nach dem ultimativen Gottesteilchen.

Im nahen Osten soll ein wenig über den Frieden gesprochen werden, der erste maßgebliche Teilnehmer wurde inzwischen erschossen.

In Genf zeigen die Schussmessdaten des Large Hadron Colliders (der große Bumser) eine winzig kleine Erkenntnis-Beule, die möglicherweise in 2016 noch wachsen soll.

Was lernen wir daraus?

Erstens:
Die Suche nach der letzten Wahrheit ist in Wahrheit eine einzige Schießerei.

Zweitens:
Wir sollten statt nach der letzten Wahrheit, nach den vorletzten Wahrheiten suchen.

Möglicherweise gibt es die eine oder andere davon ohne Schusswechsel.

SIX

Roland Dürre
Dienstag, der 24. November 2015

Weltkrieg III

Flag the Islamic State of Iraq and the Levant

Flag of the Islamic State of Iraq and the Levant

Zum Terrorismus gäbe es viel zu sagen. Aber aus meiner Sicht wird da häufig das Falsche geschrieben. So ist mir Vieles unverständlich, was ich anlässlich der Attentate von Paris gehört und gelesen habe. Manches wurmt mich, weil es mir so flach und unreflektiert erscheint.

Mich stört auch die Reaktion auf und der Umgang unserer „Eliten“ mit den Ereignissen und der aktuellen Situation.

Ich finde es schlimm, dass die Ursachen für die Entwicklung vergessen und auch nicht nachgefragt werden. Haben wir doch seit Jahrhunderten eine ausgeprägte koloniale Situation in dieser Welt. Die reichen Länder beherrschen die armen, beuten sie aus und vergewaltigen sie förmlich.

Dies hat sich beginnend noch vor dem „langen 19. Jahrhundert“ über die Neuzeit hinweg bis in die Jetztzeit nicht geändert. Auch die „Unabhängigkeit“ der Unterdrückten hat da nicht nichts verbessert. Mag sein, dass im 21. Jahrhundert die Methoden vielleicht ein wenig sublimer erscheinen als im 19. und 20. Jahrhundert. Das bedeutet aber nur, dass sie nicht mehr so augenfällig sind wie früher. An Effizienz betreffend des Maß an Ausbeutung haben sie aber nicht verloren, im Gegenteil.

Dies hat einen großen Haufen von Zunder in die Welt gebracht. Die Politik der letzten Jahrzehnte – im übrigen nicht nur des Westens und auch nicht nur der USA – hat dann den vorhandenen Zunder auch noch mit Brandbeschleunigern angereichert. Und spätestens die Reaktion des „Westens“ auf 9/11 war das Zündholz, dass alles in Brand gesetzt hat.

Aber was machen die Franzosen jetzt? Die selben Fehler wie der Westen sie seit längerem macht. Sie bomben ganz schnell mal richtig kräftig zurück. Und treffen dabei natürlich auch (und wahrscheinlich vor allem) zivile Gebäude und Krankenhäuser. Und so eben auch Kinder, Frauen und unschuldige Zivilisten. Wie das halt bei solchen Angriffen ist. So wird in das Feuer gleich noch mal kräftig hinein geblasen und für Terroristennachschub gesorgt.

Mich stört auch, wie mit unterschiedlicher Elle gemessen wird. Nicht lange vor den Attentaten in Paris wurde von der IS ein russischer Flieger in die Luft gesprengt. Mit über 200 Toten. Die Menschenopfer im russischen Flieger wurden aber sehr gelassen hingenommen. Wo blieb da die Betroffenheit und die Trauerminuten – und die russischen Fahnen in Europa? Ich muss gestehen, ich kannte die russischen Farben bis dahin gar nicht. Bin ich ja westlich des eisernen Vorhangs aufgewachsen.

Andere Anschläge wie z.B. der in Beirut werden gar nicht zur Kenntnis genommen. Weil wir an diesen bestenfalls mit unserer Lüsternheit nach Sensationen und Katastrophen interessiert sind.

Bei den Anschlägen in Frankreich war aber alles anders. Warum eigentlich? Da kamen die Solidaritätsadressen zu Hauf. Überall gab es Schweigeminuten, die Avatare im Internet leuchteten in den französischen Farben. Weil wir Angst haben, dass dies in Berlin oder München auch passieren könnte?

In den Zeitungen ist das schon am Morgen nach den Attentaten gesteigert worden. Die haben gleich vom dritten Weltkrieg gesprochen, der jetzt da wäre. Beim Bäcker am Samstag nach dem Attentat habe ich in den Zeitungen eine Reihe solcher Schlagzeilen gesehen. Und vorgestern las ich, dass die „Welt sich im Kampf gegen den Terrorismus formiert“ (SZ vom 22. November).

In meinem Leben habe ich viele Menschen gut gekannt und gemocht, die verstorben sind. Manche durch Alter und Krankheit. Andere sind in den Alpen geblieben, einer kam von einer Flugreise nicht zurück.

Seit meiner Kindheit erreichen mich aber immer wieder vor allem die Toten, die auf den Straßen sterben. Das war die größte Anzahl und bei mancher Verlust traf mich sehr tief. So erinnere ich mich an eine junge und so lebensfrohe Frau, die ganz kurz bei InterFace Computer war. Schon nach einer Woche blieb am Montag morgen ihr Arbeitsplatz leer. Sie war am Wochenende in ihrer Heimat im Saarland und hatte auf dem Rückweg nach München eine Autopanne. Wie sie ausgestiegen ist wurde sie auf einer Autobahn-Einfahrt einfach tot gefahren. Einfach so. Wie ein Wild.

Sind Verkehrsopfer weniger schmerzlich als Kriegstote? Ist das nicht seltsam, dass wir die Verkehrsopfer vergessen. Warum trauern wir nicht jeden Abend für die Toten des Verkehrstages?

Man kann den Schmerz über den Verlust eines Menschen nicht be – oder aufrechnen. Aber ich glaube nicht, dass der Unterschied so groß ist, wenn ein lieber Angehöriger auf der Heimfahrt überfahren wird oder in einem Café bei einem terroristischem Anfall stirbt.

So haben wir tatsächlich einen „World War III“. Und zwar seit vielen Jahrzehnten. Die Verkehrsflächen sind die aktuellen Schlachtfelder. Denn auf den Straßen des Planeten sterben jährlich 1,3 bis 1,4 Millionen Menschen – aller Klassen und Nationen. Dazu kommt ein mehrfaches an Schwerverletzten und Verletzten. Wenn das kein Krieg ist?

In Deutschland sind es immer noch weit über 3.000 Verkehrstote pro Jahr. In meiner Jugend gab es Jahre, da waren es über 20.000 – und das allein in der BRD. Wir haben also tatsächlich in Deutschland auch in diesem Krieg einen Fortschritt erzielt, aber noch lange keinen Frieden erreicht. Auch 3.000 sind zu viel und die genannte Zahl ist im Steigen.

Um die große Zahl zu verstehen gehe man mal einfach zu einem Fußballspiel mit 3.000 Besuchern und stelle sich vor, dass die alle tot in Autos oder auf den Straßen liegen würden!

Wahrscheinlich sterben auch in Europa an jedem Fussball-Wochenende Fans oder Spieler auf dem Wege zum Spiel ihres Vereines. Wen interessiert es? Vor ein paar Wochen gab es in der WWK-Arena in Augsburg immerhin eine Schweigeminute für bei der Anfahrt verunglückte Fans des FCA.

Aber warum gibt es keine keine Trauerminute für unsere Verkehrstoten und die der Welt? Weil niemand das Gemetzel auf den Straßen interessiert. Und weil das Geschäft Priorität hat.  Wie übrigens auch beim Terrorismus.

So gibt es keinen internationalen Aufschrei und keine Brandreden von Politikern für einen humanen Verkehr. „Keine Welt formiert sich“ gegen die Toten im Straßenverkehr so wie im Kampf gegen den Terror. Und den Nationalregierungen ist es für mich unverständlicher Weise auch völlig egal.

Mit einer Ausnahme: Das kleine Land Schweden bemüht sich ernsthaft um eine Vision Zero und will seine Straßenverkehrstoten definitiv auf Null bringen – Respekt!

Der IS dagegen besteht aus Verrückten, die erst mal den nahen Osten und dann die Welt erobern wollen. Die ein Terror-Regime aufgebaut haben, dass mich an das der Nazis erinnert. Obwohl sie wohl derzeit die stärkste Formation des Terrors sind, sind sie aber schwach. Man könnte sie recht einfach austrocknen.

Aber was machen wir?

Wir kaufen ihnen Öl ab. Weil es billiger ist. So befindet sich in jedem Tank unserer Autos metaphorisch ein Anteil IS-Sprit. Ihre Waffen und Ausrüstung bekommen sie auch von uns. So holen wir unser „Ölgeld“ wieder zurück. Und wir bescheren diesen Verbrechern  auch noch den Zulauf von weiteren Menschen aus aller Welt. Ist das nicht ein Skandal?

Aber wir verdrängen den real existierenden dritten Weltkrieg und bagetellisieren auch noch die Klimaveränderung. Die den vierten Weltkrieg verursachen könnte!

Ich meine, es gibt gute Gründe, der Wissenschaft zu glauben. Gerade wenn unterschiedliche Disziplinen und Schulen zu den selben Ergebnissen kommen. Wie es ausschaut werden die Schäden durch die Klimaveränderung noch viel wesentlicher sein als die vielleicht 75 Millionen Verkehrstoten seit des Endes des zweiten Weltkrieges.

Der dann auf uns zu kommende Umweltkrieg wäre dann wohl der vierte Weltkrieg. Der wird dann wohl auf zwei Ebenen Verluste bringen: Die Opfer, die die sich die Natur mit immer mehr werdenden Katastrophen auf verschiedenen Ebenen holt. Und die anderen, die im Kampf der „frühen Verlierer“ gegen die scheinbar „noch nicht Verlierer“ fallen werden.

Und natürlich hoffen wir auch hier wieder, dass wir nicht die „early looser“ sind. Leben wir doch glücklicherweise in einer „klimatisch so begünstigten Zone“. Ist das nicht schändlich? Und irren wir uns da vielleicht nicht?

Aber auch hier gibt es keine Aussicht auf Programme und gemeinsames Handeln. Nirgendwo, weder national oder weltweit. Dabei ist die ja in wenigen Wochen startende Umwelt-Konferenz in Paris wohl wirklich die allerletzte Chance, das Schlimmste abzuwehren.

Aber wir ignorieren den real existierenden dritten Weltkrieg auf unseren Straßen genauso wie den drohenden vierten bedingt durch klimatische Veränderungen. Dafür machen wir uns mit unserer Angst vor Terrorismus vor der doch eher lächerlichen IS in die Hose. Anstelle diese einfach ganz souverän aus zu trocknen und uns um die wichtigen Dinge zu kümmern.

RMD

P.S.
Die Fahne ist aus Wikipedia. Sie ist schwarz, die Farbe des Todes. Erstellt wurde das bild am 15. Oktober 2006 und hochgeladen von Russavia.

Ich meine, wir sollten uns vor schwarzen Fahnen hüten. Ich mag im übrigen gar keine Fahnen. Wenn es aber unbedingt sein muss, dann sind mir persönlich die lebensfrohen Fahnen in bunten Farben lieber!

 

Roland Dürre
Dienstag, der 16. Juni 2015

Sind wir noch ganz dicht?

Schwedisches Mehrzweckkampfflugzeug Saab JAS 39 Gripen (schwed. „Greif“)

Schwedisches Mehrzweckkampfflugzeug Saab JAS 39 Gripen (schwed. „Greif“)

Ich mag die Schweizer. Habe ich doch dort viele Freunde und kenne zahlreiche Unternehmen recht gut. Die mich begeistern.

So habe ich den Eindruck, dass da vieles ein wenig innovativer als bei uns ist. Allgemeine Studien geben mir da recht. Und ich glaube, dass die direkte Demokratie eine der Ursachen der Schweizer Erfolgs-Geschichte ist, die ja sogar eine wahnsinnige Überhöhung des Franken aushält. Im übrigen auch dank vieler sehr tüchtiger und wichtiger deutscher „Gastarbeiter“ – auf allen Ebenen. Wie ich sie gerade wieder in Zürich zu Hauf angetroffen habe.

Hier ein Beispiel für ein schönes Ergebnis direkter Demokratie:

Die Schweizer Regierung wollte für ihre Luftwaffe 22 schwedische Gripen (Kampfflieger von Saab) kaufen. Jetzt wundern sich viele Menschen in der ganzen Welt, was ein Land wie die Schweiz mit solchen Fliegern will. Auch ein Ernstfall, bei dem diese sinnvoll eingesetzt werden könnten, ist schwer vorstellbar. Offensichtlich haben die Schweizer Bürger sich das auch gefragt und den Kauf in der Volksabstimmung vom 18. Mai 2014 mit einem Nein-Stimmen-Anteil von 53,4 Prozent abgelehnt.

Ein wichtiges Argument der Gripen-Gegner war, dass man mit dem Geld für die Kampfflieger die Schweiz viel effizienter schützen könnte zum Beispiel gegen Angriffe aus dem Internet, auch Cyberspace genannt.

Und was machen die Deutschen bzw. die Bayern im Sommer 2015?

Sie richten den ersten Studiengang überhaupt für militärische Flugzeugführer der Bundeswehr ein. Dieser neue Studiengang Aeronautical Engineering startet zum 01. Oktober 2015 mit zunächst 13 Studenten und künftigen Piloten. Ob da auch Frauen dabei sind, weiß ich nicht.

Der Studiengang vereint ein schwerpunktmäßig ingenieurwissenschaftliches Studium und eine fliegerische Ausbildung zum „Militärischen Flugzeugführer“ – also zum Kampfpiloten. Das ganze passiert in Ottobrunn/Taufkirchen. Da gibt es so eine Art Rüstungs-Industrie-Gebiet. Das ist ein zum Teil verwahrlostes Viertel, in das aber seit einigen Jahren auffällig viel für Infrastruktur investiert wird. So erlebt man dort einen eigenartigen Kontrast von ziemlich verwahrlosten Bürogebäuden und schönen neuen Straßen mit Fahrradwegen, die (beide) niemand so richtig braucht.

Und in diesem Viertel entsteht der Ludwig Bölkow Campus. Er gehört zur Universität der Bundeswehr und ist wohl so eine Art ausgelagerter Lehrbetrieb. Der Studiengang ist als duales Studium angelegt und soll akademische Inhalte und berufs-fachliche Ausbildungsanteile kombinieren. Der Vorstand des Munich Aerospace e.V. Prof. Klaus Drechsler ist sich sicher, dass „der neue und erste Studiengang auf dem Ludwig Bölkow Campus eine enorme Zugkraft für weitere Studiengänge entwickeln wird“.

Am 22. Mai auf dem Ludwig Bölkow Campus in Ottobrunn/Taufkirchen wurde im Beisein des Airbus-Chefs Thomas Enders, des Generaldirektors der Europäischen Weltraumorganisation ESA Jean-Jacques Dordain sowie weiterer Vertreterinnen und Vertreter aus Industrie, Wissenschaft, Politik und Bundeswehr von der Präsidentin Prof. Merith Niehuss der Hochschule der Startschuss für das Projekt gegeben. Natürlich war bei der feierlichen Veranstaltung die Bayerische Staatsministerin Frau Ilse Aigner dabei, unsere Rekordhalterin bei Grußadressen zu verschiedensten Anlässen und Eröffnungen in Bayern. Wird jetzt aus „Frau Überall“ auch noch „Frau Überschall“? Details sind im Artikel dazu auf der Website der Universität der Bundeswehr nachzulesen.

Dabei gehören doch Studium und Kampfflug zuerst mal zu Bildung und Militär. So müsste doch eigentlich das Verteidigungsministerium (gut – da hat Bayern keines) oder das Kultusministerium da zuständig sein. So sollte man doch denken. Aber wahrscheinlich ist das Staatsministerium für Wirtschaft dabei, weil es in unserem Lande eh alles nur noch um Wirtschaft und Profit geht. Kommuniziert mit der Mogelpackung, dass es ja um „die Arbeitsplätze ginge“.

So dürfte der neue Studiengang – wie auch die Anfang Juni 2015 kommunizierte Entscheidung für das Milliarden teure Raketenabwehrsystem MEADS, das sich die Bundeswehr für die Luftabwehr leistet – nur Teile einer staatlichen und stattlichen Programms zum Zwecke einer gigantischen Wirtschaftsförderung sein. Die von einer mächtigen Lobby erzwungen wird, der man aber gerne folgt, denn sonst könnte nur zu leicht die bundesdeutsche Erfolgs-Blase platzen!

Jetzt noch ein paar Erläuterungen, warum ich das alles nicht verstehe.

  • Leben wir immer noch in einer Welt, in der der tollkühne Kampf einsamer Heroen mit ihren Flugzeugen im Himmel auf Leben und Tod irgendwie nachvollziehbar?
  • Machen bemannte Kampfflieger in einer Epoche, die von Luftabwehrraketen und Drohnen dominiert wird, noch einen militärischen Sinn?
  • Gäbe es nicht so viele Beispiele, in denen wir dringend unsere Wettbewerbsfähigkeit wieder aufwerten müssten, wie z.B. in der Informatik?

Ich meine, dass es auf diesen Planeten so viele Dinge gibt, in die Geld und Intelligenz zu investieren wichtiger wäre als in einen Studien-Lehrgang für Kampfpiloten. So tun mir solche Nachrichten schon fast körperlich weh.

RMD

P.S.
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