Klaus Hnilica
Samstag, der 16. März 2019

Teneriffa und seine diebischen Elstern

Carl und Gerlinde (Folge 61)

Also ehrlich –  jedem normalen Menschen bereitet es doch ein diebisches Vergnügen, wenn er endlich einmal ohne jede Hemmung schadenfroh sein darf. Bei Carl ist das jedenfalls so!

Und ganz besonders kann er diese Schadenfreude genießen, wenn es um Teneriffa geht. Jene Insel, auf die sich Gerlinde vor etlichen Jahren für ein paar Wochen zurückgezogen hatte, als sie in einem Anfall geistiger Umnachtung meinte, sie müsse sich von ihm trennen. Doch welche klarsichtige Frau trennt sich schon von einem wie Carl?

Keine – meint jedenfalls Carl.

Und Gerlinde tat dies letztlich ja auch nicht wirklich! Denn sobald sie eingesehen hatte, welche grandiosen Vorzüge dieses Wunderwerk von einem Mann hatte, kuschelte sich auch wieder erstaunlich zügig zu ihm zurück.

Natürlich war er froh gewesen, als sie wieder bei ihm war: schließlich hatten sie sich doch all die Jahre blendend verstanden. Und er hatte bis heute nicht begriffen, warum sie diese Auszeit damals haben musste – und auch noch ausgerechnet auf dieser blöden Insel Teneriffa! Die er noch nie leiden konnte. Und auf die er nie und nimmer jemals  fliegen wollte.

Und auf der er nun doch wieder mit Gerlinde – des lieben Friedens willen – gelandet war. Genau wie diese sieben Millionen anderen Touristen, die Jahr für Jahr hier aufkreuzten. Und alt waren, dick waren, aus England kamen und Deutschland und Frankreich und – wer hätte das für möglich gehalten – auch aus Russland…

Und dieses „Barceló“ in Puerto Santiago mit seinen vier Sternen war ja kein schlechtes Hotel, das musste Carl schon zugeben. Auch wenn er sich das nur widerwillig eingestand: dieser Hotelbau lag ja wirklich so malerisch wie ein Kreuzfahrtschiff an der schwarzen Lavaküste, dass man glaubte, es würde jeden Moment in See stechen. Direkt hinein in den Atlantik, vorbei an San Sebastian, der Hauptstadt von Gomera, wie einst Christoph Columbus, der dann auch, wie Carl und Gerlinde, Tag und Nacht nur mehr das blaue Meer vor der Nase hatte – und die steife Prise vom Westen her.

Zugegeben, die traumhafte Promenade an dem kleinen Fischerhafen vorbei, war auch nicht übel in diesem Städtchen Puerto Santiago und das trotz der vielen üblen Bausünden entlang dieser Promenade, bis weit ins Hinterland hinein, ja selbst noch die schwarzen Vulkanhänge hoch.

Lustig war der einsame Taucher, angekettet an ein Stahlgeländer! Wahrscheinlich um ihn vor Dieben zu schützen und dem kräftigen Kalima, der stetig von Afrika herüber wehte. In seiner Brusttasche staken Prospekte einer Taucherschule, doch seine beiden Arme hingen erstaunlich freudlos nach unten. Und obwohl die linke Hand vermutlich ein frustrierter Terrier schon weg gebissen hatte, zeigte seine rechte Hand in rotem Handschuh, weiter tapfer in den dreißig Meter tiefen Abgrund eines schwarzen Barancos, der unmittelbar hinter ihm in das nahe Meer mündete, dessen mächtige Wellen seit Millionen von Jahren Tag und Nacht an der schwarze Lavaküste hochschnellten und an ihr nagten.

Links hinter dem Taucher blickte man auf den neu errichteten prächtigen Festplatz der Stadt, der weit ins Meer hinausragte und an dessen Beginn die Statue eines verdienten Spaniers stand, umgeben von Guanchen, denen seinerseits die Spanier kräftig zugesetzt und im Namen des Christentums ganze Arbeit geleistet hatten: außer Spuren in den Genen der heutigen Bevölkerung war von ihnen nichts mehr übrig geblieben.

Carl und Gerlinde schlenderten fast jeden zweiten Tag an dem Festplatz vorbei, in Richtung Arena, genossen den prächtigen Blick aufs Meer und steuerten regelmäßig eines der typischen Lokale an, um bei Cortado und Aqua con Gas gemütlich das muntere Treiben auf den kleinen Stränden zu beobachten.

Donnerstags auch! Nur blies der Kalima noch stärker als die Tage zu vor, so dass sie mittags, als sie wieder weiter schlenderten, quasi in eine permanente Geräuschglocke gehüllt waren. Unzählige Touristen waren auf den breiten Gehsteigen unterwegs und praktisch jedes Lokal entlang der Straße war fest in Händen halb nackter sonnenverbrannter alter Männer, die zumeist schweigend mit ihren weißhaarigen Frauen hinter riesigen Biergläsern hockten, doch wenn sie etwas sagten, klang das Englisch, sehr selten Deutsch und nie Spanisch..

Als Carl dann fast schon beängstigend gut gelaunt mit Gerlinde zurück ging, um im Paraiso del Sol, die übliche Portion gegrillter Sardinen mit reichlich Roséwein einzuwerfen, hatte er plötzlich im Rauschen des Kalimas das Gefühl, dass irgend etwas an ihm kurz vibrierte. Das Handy in der Brusttasche war’s nicht. Nach der zweiten Vibration wusste er, dass es hinten vom Rucksack kam. Er drehte sich blitzschnell um und streifte sogar noch eine der beiden dunkel gekleideten schwarzhaarigen Frauen, die viel zu dicht an ihm waren, aber keinerlei Verwunderung zeigten, sondern unbeirrt weitergingen. Irritiert stand er plötzlich alleine da, nahm sich den Rucksack vom Rücken und starrte ungläubig auf die zwei weit geöffneten Fächer seines Rucksacks mit den Schals, Mützen, der Wasserflasche, den Brillenetuis und der Haarbürste. Geschockt rief er Gerlinde zu, die ein paar Schritte voraus war und nichts bemerkt hatte, dass die beiden Frauen vor ihr – vermutlich Romas – ihn beklauen wollten, aber wohl nichts Interessantes in seinem Rucksack gefunden hatten.

Noch während Carl das rief, spürte er neben einer lähmenden Hilflosigkeit eine rasende Wut in sich hochsteigen und wär am liebsten gleich über diese beiden Taschendiebinnen hergefallen. Aber die ließen sich selbst durch seine Rufe zu Gerlinde nicht aus der Ruhe bringen, sondern taten so als ginge sie das Ganze überhaupt nichts an. Ja sie stellten sich sogar noch zu dem angeketteten Taucher, nahmen ihm ein Prospekt aus der Brusttasche und studierten es zusammen höchst interessiert.

Carl fühlte, dass er da auch hin musste mit seinem offen stehenden Rucksack und war mit wenigen Schritten da. Sein Studium des Prospektes bestand jedoch darin, dass er die beiden dunklen Elstern ununterbrochen fixierte, was diese aber nicht im Geringsten zu stören schien.

Plötzlich stand Gerlinde neben ihm und sagte, „Carl du ich geh jetzt in den Laden dort drüben und kauf mir die Schuhe, die wir uns gestern zusammen angeschaut haben“.

„Okay“, sagte Carl  apathisch, ohne zu wissen was Gerlinde meinte und starrte weiter auf die beiden schwarzen Gespenster vor ihm..

„Aber ich brauch dazu Geld von dir, ich hab keines dabei. Du hast es doch sicher wie üblich da vorne in der Rucksacktasche, oder?“

Noch ehe Carl reagieren konnte, hob sie seinen Rucksack hoch, den Carl am Arm hängen hatte und zauberte aus dem dritten kleinen Rucksachfach, das die beiden Biester nicht geöffnet hatten und in dem nur Aspirin und ein paar andere Medikamente waren, vier 50 Euroscheine heraus und entschwand ohne ein weiteres Wort auf die andere Straßenseite.

Plötzlich hatte Carl doch den Eindruck, dass die mühsam aufrecht erhaltene Fassade der beiden schwarzen Unglücksbringerinnen jäh verfiel: ruckartig stopften sie den Prospekt so energisch in die Brusttasche des Tauchers zurück, dass dieser trotz Befestigung beinahe umstürzte und eilten davon. Je weiter sie weg waren, umso heftiger gifteten sie sich gegenseitig an, schien es Carl, so als machten sie sich gegenseitig  Vorwürfe, gerade eine riesige Chance dilettantisch vertan zu haben.

Und Carl wurde nicht nur schlagartig klar, warum er an seiner frechen Gerlinde gar  so einen Narren gefressen hatte, sondern spürte vor allem die herzerwärmende Kraft berechtigter Schadenfreude in sich hochsteigen…

K.H.

PS:
In  Folge 21 (XXI)
Hinter Sonnenbrillen vor Gomera
genießt Gerlinde ihre Auszeit auf Teneriffa!

(Hinweis der „Redaktion“ zum Suchen: Die frühen „Carl & Gerlinde“ – Geschichten waren mit lateinischen Ziffern numeriert).

Klaus Hnilica
Dienstag, der 8. Januar 2019

Ein nachhaltiger Übersetzungsfehler ?

Da nach der ’stillen Zeit‘ wieder etwas ‚Ruhe‘ eingkehrt ist, mag es vielleicht von einigem Interesse sein, einmal kurz inne zu halten und zu reflektieren, welche evolutionären Veränderungen selbst geschriebene Texte durchmachen können, insbesondere im Buch der Bücher – der Bibel /1/:

So gibt es, in den frühen, hebräisch verfassten Versionen des Buches Jesajas eine Prophezeiung, die das Wort alma verwendet, um die Mutter eines Jungen namens Immanuel (übersetzt „Gott ist mit uns“) zu beschreiben.

Für alma gibt es in einigen Sprachen, so auch im Altgriechischen keine direkte Übersetzung, doch eine grobe Übersetzung könnte „junge Frau“ bedeuten, oder „ junge Frau die noch kein Kind getragen hat“.

Zu Lebzeiten von Jesus sprachen die Juden allerdings nicht mehr Hebräisch sondern Griechisch und Aramäisch. Infolge dessen wurde aus alma das griechische parthenos, das eine spezifische Bedeutung hat, nämlich „Jungfrau“! Der biologische Fachbegriff Parthenogenese („Jungfrauenzeugung“) geht darauf zurück: Er beschreibt eine eingeschlechtliche Fortpflanzung ohne Männchen, wie sie bei einigen Insekten und Reptilien vorkommt.

Somit wurde durch die mutierte Übersetzung eines einzigen Wortes aus der „jungen Frau“ eine „Jungfrau“ und aus dem Kind der Messias! Und die Geschichte der Zeugung Jesus ist mit einem Mal eine ganz andere geworden…

Matthäus und Lukas machen in ihren Evangelien aus dieser fehlerhaften Übersetzung sogar eine Wahrheit und für eine Milliarde Katholiken wird diese zu einem Glaubenssatz. Und genau dies besingen wir in unseren Weihnachtsliedern.

Seltsam ist das schon, oder?

/ 1 / Adam Rutherford: Eine kurze Geschichte von jedem, der jemals gelebt hat

K.H.

Roland Dürre
Sonntag, der 6. Januar 2019

Sklaverei – was hat sich geändert?

Auf meiner letzten Reise durch die Karibik bin ich auf „ein schwarzes Kapitel“ der Menschenheit gestoßen, der Sklaverei. In einem Artikel  habe ich von meinem Museumsbesuch in Curaçao berichtet und wie dieser mich dazu gebracht hat, mich dann auch mit der Leibeigenschaft in unserem werte-glorifizierten Abendland zu befassen. Habe wir und unser Abendland doch so arg christliche Wurzeln …

Düstere Zukunft!?

Je mehr ich über Sklaverei und Leibeigenschaft nachlese und -denke, desto mehr gewinne ich die Gewissheit, dass beides nicht aus „edlen“ – humanitären, menschenfreundlichen und aufgeklärten – (Beweg-)Gründen abgeschafft wurde.

Vielmehr haben ganz überwiegend „kaufmännische“ Motive die mehrere Tausend Jahre alte Sklaverei abgeschafft. Ohne den Segen des Kapitalismus (sprich der herrschenden Klassen, feudal oder monetär) wäre diese Veränderung nicht möglich gewesen.

Sklaverei hatte sich ganz einfach nicht mehr rentiert!

Alles was sich im Kaptialismus nicht mehr lohnt, hat ausgedient. Das galt für die Plantagen in Übersee genauso wie in der Landwirtschaft in Europa. Das war und ist für Technologie wie für die Menschen gültig. Der Sklave wurde durch den Arbeiter ersetzt. Der Leibeigene wurde wegen der Dampfmaschine abeschafft. Diese hat dann gegen den Diesel verloren. Der Diesel wird heute vielleicht durch den Elektromotor verdrängt.

Eine aktuelle Frage, die ja auch heiß diskutiert wird, heißt:

Verliert der Mensch gegen die künstliche Intelligenz?

Das wäre der nächste Schritt. Auf diese Frage habe ich keine Antwort.

Für die Vergangenheit scheint es mir aber klar, dass die Leib- und Bodeneigenschaft von der Dampfmaschine abgelöst wurde. Die feudalistische Oberschicht hatte erkannt, dass Maschinen besser „funktionieren“ und effizienter sind als Leibeigene. Nicht umsonst ist roboti der Wortstamm von Roboter.

In den USA waren es die ewig-gestrigen Südstaaten, die absolut unterlegen gegen die profit-orientierten Nordstaaten, das nicht mehr konkurrenzfähige Sklavensystem verteidigt haben. Und natürlich verlieren mussten.

Ein Henry Ford hätte nie erfolgreich sein T-Modell am Fließband mit Sklaven produzieren können.

Seine „Ingenieure“ hatten genug damit zu tun, den dummen Bauern beizubringen, wie man Autos baut. Denn die dummen Bauern kamen aus der Landwirtschaft und hatten nicht einmal ein Gefühl für den Takt der Zeit.

Und da war es nur gut, wenn die aus Bauern zu Arbeitern transformierten Menschen für ihr Überleben jenseits der Stunden am Fließband selbst sorgen mussten. In diesem Zusammenhang könnte man sagen, dass der „Taylorismus“ die Sklaverei abgelöst hat. Die Herrschenden hatten erkannt, dass die „Eigenverantwortlichkeit für sich selbst“ ihnen billiger kommt als „Verantwortung für Dritte“.

Arbeiter waren einfach billiger als Sklaven.

Man hat die Verantwortung für ihr Leben (die man für Sklaven ja hatte, schon aus Gründen der Werterhaltung) einfach an die Arbeiter outgesourct. Bei den schwarzen Sklaven hat es dazu noch einen formalen Akt mit einer Eigengehörigkeits-Urkunde gebraucht. Arbeiter haben sich aber selber gehört (oft waren sie ja ausgestoßene Leibeigene) – und mussten für sich selbst sorgen. Wenn sie dies nicht geschafft haben und ausfielen, dann standen schon die Nachfolger vor den Fabriktoren bereit.

So wurden die Sklaven in die Eigengehörigkeit gebracht und billige Arbeitskräfte angeworben. Das war möglich, da es mit dem Fortschritt in der Medizin und Landwirtschaft eine Bevölkerungsexplosion gab, die ja auch zurzeit nur langsam abnimmt. So ging das Angebot an Arbeitern nicht aus.

Später haben sich Arbeiter dann zusammen geschlossen, wurden mächtiger und konnten so ihren Preis gelegentlich erhöhen. Da gibt es viele spannende Legenden.

Aber gehen wir in das jetzt und heute.

Ist die Sklaverei wirklich abgeschafft?

Ich würde sagen NEIN!

Damit denke ich aber nicht an die immer noch existierende Form der klassischen Sklaverei, die in Branchen fortbesteht, in denen der körperliche Besitz von Menschen sich auch heute noch lohnt. Das wird mit „Moderner Sklaverei“ bezeichnet.

Glaubt man der Quelle dazu, dann leben heute immer noch 12 bis 27 Millionen (mit hohen Dunkelziffern) als Sklaven. Das klingt bei rund 7,63 Milliarden Menschen harmlos (Oktober 2018,  Wikipedia).

Aber gibt es stattdessen nicht eine neue Form der Sklaverei?

Damit meine ich nicht die Menschen, die vom Komsumismus geschnappt worden sind. Ja, das Wort gibt es tatsächlich, es ist keine Erfindung von mir. Gerade in den „entwickelten Gesellschaften“ gibt es viele „Konsum-Sklaven“. Mit Sicherheit auch eine Form der Unfreiheit. Da diese sich aber überwiegend als frei bezeichnen würden, nenne ich sie mal nicht Sklaven.

Zur neuen Form von Sklaverei rechne ich die Mehrheit der Menschen auf der Welt, die eine existientelle Abhängigkeit von ihrem Job haben. Auch in vielen wohlhabenden Ländern bedeutet der Verlust des Jobs für immer mehr Menschen das AUS. Die Mieten sind hoch, viele Menschen verfügen nicht über eigenes Vermögen  (wenn dann oft über negatives).

Wenn diese Menschen ihren Job verlieren, dann bleibt ihnen oft nur noch die Arbeitslosenversicherung und/oder Soziale Auffangsysteme – wie bei uns das ungeliebte Hartz-System.

In vielen Ländern gibt es aber solche staatliche Fürsorge auch nicht. Im extremen Fall führt der Verlust des Jobs zu einem Leben auf der Strasse.

Indien ist ein  von dieser Situation besonders gestresstes Land. Hier hat sich ein Slum-System entwickelt. Da beginnt dann der Aufstieg im wörtlichen Sinne „aus der Gosse“ mit einem (von vielen heiß begehrten) Platz in einem oft überraschend gut (selbst-)organisierten Slum. Solche gesellschaftliche Automatismen fehlen bei uns – noch?

Was bringt die Zukunft?

So sind alle von uns, die nicht über arbeitsloses Einkommen und zum Beispiel eine Wohnstätte als Eigentum verfügen, Sklaven eines brutalen Systems. Wenn wir in unserer Arbeit nicht mehr funktionieren, sind wir schnell weg vom Fenster.

Es gibt eine neue Art von Feudalismus. Die herrschende Klasse besteht heute aus Menschen (und juristischen Personen), die über viel Kapital verfügen. Sei es, weil sie einfach Glück gehabt haben oder weil sie reich geerbt haben (wobei das ja auch Glück ist). Wobei ich schon auch ein wenig meine, dass das Glück eher dem Tüchtigen folgt. Das muss aber nicht so sein. Auf jeden Fall gilt:

Wenn Du Kohle hat, musst Du nicht mehr arbeiten und darfst nur noch leben.

Das meint, du darfst Deine Zeit für das nutzen, das Dir Freude macht. Viele Menschen, die so vom Einkommen unabhängig sind, arbeiten in einem Ehrenamt.

Ich kenne auch eine Reihe von jungen Menschen, die ihren Reichtum bewusst genießen. Und das machen, was ihnen Freude und Spaß macht. Manche davon arbeiten daran, ihr eigenes Vermögen zu mehren. Das führt dann dazu, dass sie immer noch reicher werden und so die Polarisierung zwischen arm und reich verstärkt wird

Ich bin froh, dass ich nicht direkt von Altersarmut bedroht bin (ausser wenn unser System zerbrechen würde). Ich freue mich, dass ich im Leben viel Glück hatte.

Ich kann mich aber auch sehr gut in Menschen hinein versetzen, die von ihrem Job abhängig sind und sehnsüchtig auf das Gehalt am Monatsende warten. Und oft die letzte Woche im Monat ziemlich kurz treten müssen.

Ich verstehe gut, dass dann der drohende Verlust eines Jobs ein großer Schrecken ist, der ALLES zerstören kann. Und ich würde diese Lebensform durchaus als eine moderne Form von Sklaverei verstehen.

RMD

P.S.
Die beiden Bilder habe ich von Hans Bonfigt ausgeliehen. Er hat sie in seinem IF-Blog Artikel The power and the glory genutzt.

Hans Bonfigt
Mittwoch, der 19. Dezember 2018

Ich bin gern ein weißer alter Mann

Und ja, das ist nicht nur eine Replik auf

Die alten weißen Männer.

Was wären denn die Alternativen ?

 

1. Lieber ein alter weißer Mann als ein junger Neger !

Also, ganz im Ernst:  Ich bin dankbar für das große Glück, hier in Deutschland zu einer Zeit aufgewachsen zu sein, in der es noch nach demokratischem Aufbruch roch, in der die Freiheit der Meinungsäußerung als unverzichtbares Element des täglichen Lebens war.  Meine Jugend verbrachte ich im Wohlstand.  Verdient habe ich den nicht, ich war stinkfaul und versoffen.  Trotzdem haben mir meine Eltern viel Liebe geschenkt.  Und ohne die Hinführung durch meinen Vater wäre mir der Genuß von Musik für immer versagt geblieben.  Denn der gymnasiale Musikunterricht durch Kantor Helmut Gottsacker tötete JEDES Interesse an Musik.   Den fiktiven Kunstprofessor Büren läßt Heinrich Böll sagen, „Ich halte jeden Menschen für fähig, sich ein Kunstwerk zu erschließen  —  außer den deutschen Bildungsbürger“.  Einen solchen evangelikalen Kantor auf junge Menschen loszulassen, das verstößt eigentlich gegen die Genfer Konvention.

Als junger Mensch erkennt man instinktiv, wann eine Zuneigung nur geheuchelt ist und wann eine wirkliche Liebe vorliegt.  Mein Vater hat es geschafft, mich mit seiner Passion für Beethoven anzustecken — ohne bildungsbürgerliche Belehrungen, sondern einfach, indem er selbst Freude, Zuversicht und Entspannung daraus gewann.  Wege entstehen, wenn wir sie gehen.

Wir waren wirklich reich im Sinne von „zufrieden mit dem, was man hat“.  Dazu gehörte auch jede Menge Spielzeug, das aber nie in Form von Fertigprodukten über uns purzelte, sonden buchstäblich in Einzelteilen.  So bekam ich Lötkolben, Schraubenschlüssel, Märklin-„Stabilbaukasten“, Meßgeräte, Taschenrechner (ein unglaublich hohes Gut vor 40 Jahren) und überhaupt alles, was ich mir nur wünschte.

Es gab reichlich Taschengeld, ich konnte mir alle Bücher kaufen, die ich haben wollte.  Und bei meinem Alten klauen, der hatte auch jede Menge davon.  Unbezahlbar aber waren die vielen gemeinsamen Gänge um die Hasper Talsperre.  Mein Vater erklärte mir viele grundlegende Dinge, wie etwa die Unmöglichkeit eines ‚perpetuum mobile‘ oder aber das Wesen einer Kapitalgesellschaft.  „Ich kann Dir nur Wege zeigen – gehen mußt Du sie schon allein“, war eine seiner stehenden Redewendungen.

Zusammengefaßt:  Als Kind bin ich gehegt und gepflegt und gefördert worden.  Vor allen Dingen auch, indem nan sich mir zuwandte und mir Zeit schenkte.  Und viele der mir aufgezeigten Wege bin ich gegangen.

So, und nun gucken wir uns eine traurige Negerfamilie an:  Nix zu fressen, aber trotzdem Nachkommen am laufenden Band produzieren.  Wenn so ein armes Balg vor Hunger im Dreck verreckt, scheiß drauf:  Allah hat es so gewollt und Mamis Bauch ist auch schon wieder dick.

Schulbildung gibt es keine.  Stattdessen werden Heranwachsende mit „Fertiggeräten“ sediert, z.B. mit dem Insignium des technischen Analphabeten, dem „iPhone“.  Und mit Allah.   Eine ganz üble Kombination.  Als Jungneger würde ich auch versuchen, nach Europa zu „flüchten“.   Mir wäre ja gar nicht bewußt, welche starke menschliche Errungenschaft das internationale Hilfsgebot auf See ist.  Und wie abgrundtief widerwärtig es ist, diese Hilfsbereitschaft zu mißbrauchen.  Das einzige, was ich gelernt hätte, wäre, daß Allah stark und die Frau minderwertig ist.  Dumm nur:  In Europa bekäme ich auch kein Bein an die Erde.

2. Lieber ein alter weißer Mann als ein junger „grüner“ Pipijunge

Denn das „grüne“ Verständnis von Toleranz ist:   „Wir tolerieren alles, nur keine Intoleranz.  Und was Intoleranz (oder „Faschismus“, „Rassismus“, „Kolonialismus“) ist, das bestimmen wir“.  Und notfalls brüllen wir auch unseren eigenen Parteikollegen Boris Palmer nieder, denn „wenn er faschistische Thesen ausbreitet, braucht man nicht zuzuhören“.  Eine riesige Menge dummer Schafe formiert sich zu einer diffusen, selbsternannten „Allianz der Anständigen“, die uns allen vorschreiben möchte, wie wir zu leben und zu denken haben.  Gearbeitet im Sinne gesellschaftlich nützlicher Tätigkeiten haben sie selbstverständlich nicht.  Wie war Hendryk M. Broders Kurzcharakteristik von Frau Roth:  „Ein Doppelzentner fleischgewordene Dummheit, nah am Wasser gebaut und voller Mitgefühl mit sich selbst“.

Das wirklich Schlimme ist:  Das war auch schon alles.

Nicht der „Extremismus“ unbedeutender Splitterparteien führt uns zurück nach Auschwitz.  Aber grüner Konformismus geht, im Gleichschritt marsch, genau in die Richtung.   Man kann es gut am inflationären Gebrauch des Begriffes „Rassismus“ durch die grünen Führer sehen:   Indem sie allen Nicht-Grünen „Rassismus“ unterstellen, setzen sie damit implizit die tatsächliche Existenz von „Menschenrassen“ voraus.   Menschenrassen, die es gar nicht gibt !  Die es zum Glück nicht gibt !   Sonst könnte Heinrich Himmler mit seinen kruden Thesen einer „überlegenen“ Rasse ja vielleicht recht haben !

Ich bin gespannt, wann der erste Grüne ein Konzentrationslager für „AfD“ – Mitglieder vorschlägt.  Natürlich nicht nur für Parteimitglieder, sondern auch für deren Kinder.     Das Konzept der Sippenhaft hat sich ja in der Vergangenheit schon oft bewährt.   Privatschulen eilen da schon einmal vor.

Schon in den 80er Jahren soufflierte Heiner Geißler der fetten Birne aus Oggersheim, „Die Grünen sind die neuen Nazis“.  Damals empfand ich das als starken Tobak, aber heute fröstelt es mich, wenn ich sehe, wie recht er hatte.

Wie widerwärtig die „Bewegung“ ist, erkennt man am „Hashtag“ #wirsindmehr.   Was heißt das eigentlich ?   Gucken wir doch einmal in das Schafshirn eines Grünbewegten:

  • Die Mehrheit hat immer recht
  • Die Minderheit hat nichts zu sagen und soll das Maul halten

Ich kann auf die Schwarmintelligenz von Mehrheiten gerne verzichten.  Hatten wir schonmal.  War nicht gut.  Für keinen.   Aber „Grüne“ sind lernresistent.

3. Lieber ein alter weißer Mann als ein vergrätzter roter Spinner

Apropos #wirsindmehr :

Da hat es doch eine sympathische Frau, Sawsan Chebli, tatsächlich einmal zu sagen gewagt,

„#wirsindmehr reicht nicht. Wir sind mehr (noch), aber zu still, zu bequem, zu gespalten, zu unorganisiert, zu zaghaft.  Wir sind zu wenig radikal.“

Tja:  Genau das ist der Punkt.  Wir gehen nicht an „Überfremdung“ kaputt oder an der „AfD“, wir gehen daran kaputt, daß wir keine radikalen Demokraten mehr haben.  Wir haben ja nicht einmal mehr Menschen, die wissen, was „radikal“ bedeutet.

Eine Demokratie, in der man das nicht mehr sagen darf, ist keine Demokratie mehr.

Frau Chebli wurde in Berlin niedergbrüllt und hat den Saal weinend verlassen.  Und keiner merkt etwas.

4. Und lieber ein alter, weißer Mann als ein guter deutscher Bildungsbürger

Denn bleiben wir bei Chebli:   Die „Twitter-Community“, sozusagen die Klowand des Internet, spült ein Photo der jungen Frau an die Oberfläche, auf dem sie eine „Rolex“ trägt.

Hier hat mein Feind Matthias Warkus einen ausgezeichneten Artikel geschrieben, der aufzeigt, daß es hier nicht um die üblichen Rückstände von Neid oder „Sozialneid“ geht, sondern daß die Twitter-Kloake hier eine ganz andere, widerlichere Ebene aufspannt.

 

Nein, lieber Roland.   Da bleibe ich doch der alte, weiße Mann.   Der jetzt zur Arbeit fährt.

-hb

Roland Dürre
Mittwoch, der 17. Oktober 2018

Arcis Vocalisten singen das Mozart Requiem

 

Wie immer bewerbe ich gerne die Konzerte der Arcis-Vocalisten!

Diesmal geht es um das berühmte Requiem von Mozart!

RMD

Roland Dürre
Mittwoch, der 3. Oktober 2018

DIESEL

Selfie zu: „Ich verstehe das nicht.“

Seit Tagen ist das Hauptthema in Medien und Nachrichten „der Diesel“. Das frustriert mich, gäbe es doch gesellschaftlich so viel Wichtigeres zu lösen. Ich verstehe nur noch Bahnhof.

Es ist doch so einfach:

Wenn ich ein schlechtes Produkt kaufe, dann habe ich einen Schaden. Wenn ich dabei betrogen worden bin, kann ich versuchen, den betrügerischen Verkäufer dafür in Haftung zu nehmen.

Das sollte der Rechtsstaat mir garantieren. Wenn dieser nicht mehr funktioniert, weil die Konzerne zu mächtig geworden sind, dann habe ich halt Pech gehabt.

Das gilt wohl so ziemlich für alle Güter, ob Lebensmittel oder Produkte und auch Dienstleistungen – und sollte auch für Autos gelten.

Ich verstehe so vieles mehr nicht!

Warum kommt eigentlich keiner auf die Idee, gerade bei der aktuellen Diesel-Diskussion einfach die Subventionierung der Dieselsteuer abzuschaffen? Wenn der Diesel so schlecht ist? Immer sind es 22 Eurocent pro Liter an Subvention (Diesel wird in Deutschland mit 22 Eurocent weniger besteuert als Benzin), die unsere „Geiz ist geil“-Gesellschaft nach Dieselfahrzeugen gieren lässt. Obwohl der „Diesel“ in der Regel teurer ist, aber rechnen ist halt gerade im Zustand der Gier nicht so einfach.

Dass der Gierige ab und zu auch mal Pech hat, ist doch normal und kein nationaler Notstand. Das meine ich ganz ohne Schadenfreude.

Ich verstehe auch nicht, dass keiner mehr auf die Idee kommt, endlich ein Tempolimit einzurichten. Auf Autobahnen und Landstraßen würde dieses wesentlich Kraftstoff (und viele menschliche Leben) einsparen. Und in den Städten ist doch schon lange klar, dass „Tempo 30“ die Regelgeschwindigkeit sein sollte. Und die „50“ oder „60“ die Ausnahme.

Ich verstehe auch nicht, warum der Diesel so ein Thema ist. De facto geht es doch (hoffentlich bald) allen Verbrennungsmotoren im individuellen Verkehr (und wie ich hoffe nicht nur beim KFZ und Moped, sondern auch beim Rasenmäher und Laubbläser) an den Kragen.

Es geht doch heute nicht mehr darum ob ich einen SUV mit Diesel- oder Benzinmotor fahre, sondern ob man überhaupt noch Auto fährt. Weil es a) die Klimakatastrophe wohl doch gibt und b) ich nicht immer die Abgase in meinen Lungen haben will. Dazu muss ich gar nicht in München auf der Rosenheimer Strasse zur Stoßzeit radeln, da reicht es mir schon auf der Putzbrunner Straße in Ottobrunn am Sonntag Morgen auf der Fahrt zum Bäcker!

Ich verstehe auch nicht, dass das Kerosin für die Flugzeuge wie das Schweröl für die Schiffe genauso besteuert wird wie Benzin, wissen wir doch, dass weniger geflogen werden muss. Wie auch dass immer noch mehr Startbahnen gebaut werden sollen. Und dass wir immer noch Braunkohle (Hambacher Forst) verbrennen wollen und den alternativen Energien das Leben unnötig schwer machen.

Wie ich auch nicht verstehe, dass wir heute den Tag der deutschen Einheit feiern. Sollten wir für die Zukunft den heutigen Tag nicht besser nutzen und an einem anständigem Europa der Regionen arbeiten, in dem die Menschen in Zuversicht und Mut leben können.

Ich verstehe zurzeit Vieles nicht. Nicht nur bei der Mobilität hat uns der Wahnsinn umzingelt. Ist es schon zu spät für unseren Planeten (Permafrost). Fast neige ich zur Resignation?

RMD

Roland Dürre
Dienstag, der 25. September 2018

arcis-vocalisten spielen CARL LOEWE (am 22. Oktober 2018)

Und wieder gibt es ein tolles Konzert der arcis-vocalisten. Und wieder mache ich gerne ein wenig Reklame für den tollen Chor. Kenne ich doch mindestens zwei der SingerInnen persönlich.

 

 

RMD

Roland Dürre
Mittwoch, der 12. September 2018

culture engineering. Begriff. Methoden. Werkzeuge.

Mit meinem neuen Hanseatic-Käppi zurück vom #PMCampBER in der Waldwirtschaft in Grosshesselohe.

Bevor ich meine Überlegungen zum „Widersinn“ in sozialen Systemen aufschreibe, noch ein kurzer Bericht von einer Sitzung im PM-Camp Berlin zu Culture Engineering. Das war eine von vielen spannenden Sessions, an der ich Anfang September 2018 auf der Unkonferenz #PMCampBER teilgenommen habe.

„culture engineering“ war das Thema – und zwar als Methode und Werkzeug um die Kultur eines sozialen Systems mit einem ökonomischen Zweck, gemeinhin Unternehmen genannt, beeinzuflussen, verändern und zu steuern.

Dem Teilgeber, der die Session vorgeschlagen hatte, war der „culture engineering“ Begriff selbst suspekt. Die Ursache seines „Unwohlseins“ war, dass er persönlich skeptisch war, ob man eine Kultur mit „ingenieurmäßigem“ Anspruch wirklich zielgerichtet beeinflussen könne oder ob das nicht schnell zur „Manipulation“ mit negativem oder zumindest ungewissen Ausgang führen könne bzw. würde.

Ein Teilnehmer der Session hat berichtet, dass es in Leipzig einen erfolgreichen Studiengang „culture engineering“ geben würde und dass die Absolventen durchaus von den HR-Abteilungen gerade großer Unternehmen sehr gesucht werden würden. Das finde ich spannend, und schon sind wir schon bei zurzeit gerne benutzten Begriffen wie culture engineering und human ressource (HR) gelandet.

Titelmässig fühle ich mich umzingelt von Berufstiteln auf Visitenkarten die Rollen wie Engineer, Officer, Manager und President enthalten. Und muss gestehen, da ist mir der Ingenieur, der z.B. ein Vorhaben leitet, noch der Liebste. Aber Denglisch ist modern, also was solls. So haben wir neben CEO, CTO und CIO immer öfters einen CHRO (HR als Abkürzung für die menschlichen Ressourcen). Bei dem sind dann der „innovation manager“ und auch der „cultur engineer“ angesiedelt. officer und manager sind mir generell suspect wie auch der president und vice president.

Auch in der Session ging es zuerst Mal um die Begrifflichkeit. Ein Vorschlag war, „culture engineering“ eher als „culture gardening“ zu bezeichnen. Das fand ich schon ganz gut. Allerdings dachte ich dann, dass man analog zur „Gartenpflege“ die Aufgabe auch als „Kulturpflege“ bezeichnen könnte.

Dann wurde die Frage diskutiert, was denn Unternehmenskultur eigentlich sei. Die gefundene Antwort (aus der Unternehmens-Theorie) war:

Unternehmenskultur ist das Gedächtnis des Unternehmens.

😉 Honi soit qui mal y pense, aber da assoziere ich sofort mit „Manipulation des Gedächtnis“.


Beim Nachschlagen des Begriffes in Wikipedia habe ich übrigens einen Aufruf von Wikipedia zum Urheberrecht entdeckt.

Diesen Aufruf unterstütze ich mit Herz und Verstand und habe ihn deshalb hier veröffentlicht.

Allerdings bin ich mir nicht sicher, ob es reicht, wenn Sie Ihren Europa-Parlament-Abgeordneten kontaktieren. Wahrscheinlich muss man mehr tun. Und es ist noch wahrscheinlicher, dass wir gegen die politische Arroganz und Dummheit gesteuert von den Staat beherrschenden Lobbyismus eh machtlos sind.

Das neue Urheberrecht könnte aber als schönes Beispiel für gezielte Werte- und Regelveränderung dienen. Aus sehr kapitalistischen Motiven.


Zurück zum Culture Engineering. Wie viele Buzzwords finde ich das Wort ein wenig lächerlich. Und auch einen Kultur Ingenieur oder Innovation Manager, die angesiedelt bei der Stabsabteilung HR die Kultur eines Unternehmens retten und die Menschen innovativ machen sollen.

Ich meine schon, dass die Kultur eines Unternehmens wie in allen anderen sozialen Systemen sich selbst bewusst gemacht und aktiv gepflegt werden sollte. Und da ist es auch legitim, wenn man moderne Techniken und Methoden einsetzt. Aber das ist ein Thema, dass zwischen Führung und allen stattfinden muss. Führung im Sinne, wie das Google definiert (siehe Artikel dazu von Dr. Marcus Raitner).

Gelingen wird die Kulturpflege aber nur, wenn möglichst viele Menschen des Unternehmen am Pflegeprozess partizipieren – damit meine ich mit großer Aufmerksamkeit aktiv mit machen.

RMD

Hans Bonfigt
Mittwoch, der 6. Juni 2018

Digital, bekloppt, banal

Wenn das Herz stockt, Folge # 1337 :

Hallo, ich bin John

Ich bin WiFi-Architect in einer Behörde, mit Fokus auf Schulen und kommunale Einrichtungen in Nordrhein-Westfahlen, Deutschland. Zuvor habe ich als Integrator für Software-Lösungen von Spielberg und als Netzwerk-Architekt für Kunden im Mittelstand gearbeitet. Anfangs war ich Active-Directory und Firewall-Administrator in einer der größten, europäischen Bankunternehmen.

[…]

Für mich ist WiFi für unsere Schulen eine Möglichkeit, unsere Zukunft ein wenig besser zu gestalten. Ich möchte Kindern und Lehrern die Möglichkeit geben, diesen wunderbaren Planeten zu entdecken. Es steckt also auch ein bisschen Idealismus in meiner Arbeit. Ich bin dem lieben Gott dankbar, dass ich diesen Job machen darf.

 

 

Ich bin in Düsseldorf auf die Welt gekommen, habe die erste Hälfte meines Lebens in Meerbusch Osterath verbracht und die zweite Hälfte in Krefeld Königshof.

Na gut, er kommt aus Düsseldorf.  Das gibt mildernde Umstände.

Unser John möchte unseren Schülern und Lehrern ein Mittel an die Hand geben, das diese erstmals in die Lage versetzt, die Welt zu entdecken.  Mir bleibt bei einer solcherart unbeabsichtigt zu Schau gestellten Borniertheit glatt die Spucke weg.

(p * V) / (T * m) = R

Das wäre ein Ansatz, die Welt zu entdecken.

Und die Aufgabe einer Schule wäre es, Menschen zu zeigen, was hinter dieser Gleichung steht und was man damit alles anstellen kann.  Man kann die Gleichung auffassen als Definition der spezifischen Wärmekapazität in J/(Kg*K) (Druck * Volumen ergibt ja Energie).  Sie ist aber auch die Verknüpfung entscheidender Teile der Lebenswerke von Boyle-Mariotte, Gay-Lussac und Ludwig Boltzmann.

Alle drei haben die Grundidee des Arztes Robert Mayer zum ersten Hauptsatz der Thermodynamik weiterentwickelt:  „Energie geht nicht verloren“.  Der hört sich trivial an, aber er hat unser Verständnis unserer Welt erst ermöglicht.  Und über den zweiten Hauptsatz und dessen universelle Relevanz streiten sich bis heute die Gelehrten:  „In einem geschlossenen adiabaten System kann die Entropie nicht geringer werden“.

Die Schule ist nicht dazu da, den Menschen die Welt möglichst einfach und mundgerecht vorzukauen und zu „präsentieren“, sondern dazu, ihnen das Rüstzeug an die Hand zu geben, die Welt auf eigene Faust zu entdecken.

Und dazu braucht man ganz bestimmt kein „WLAN“ oder einen „Computer“.  Ganz im Gegenteil, die Initative „Schulen ans Netz“ kann neben dem Islam als größter Bildungsfeind betrachtet werden.

Hierzu:  Gehirnforscher Prof. Manfred Spitzer

Natürlich gab es haufenweise Verrisse hierzu, allen voran der Sueddeutsche Beobachter und, subtiler, eine Replik von Dieter Kempf, dem Mann also, der die DATEV in eine digitale Sackgasse gefahren hat.

Es gibt nichts peinlicheres als den deutschen Bildungsbürger.  Ich kann mich erinnern, als ich etwa 1976 während des stinklangweiligen, nervtötenden Geographieunterrichts ein Assemblerprogramm schrieb; man tat das früher auf Formularen in A4 quer, und obendrauf stand fett „KIENZLE  Assembler 2200“ — es fiel also durchaus auf, daß ich mich nicht mit einer Landkarte beschäftigte.   „Sag‘ ‚mal Bonfigt“, so störte mich unvermittelt der zweitlangweiligste Pauker des Gymnasiums, „wie willst Du eigentlich später Dein Geld verdienen ?  Doch nicht mit dieser brotlosen Kunst ?“.   Naja, ich war nicht nett damals und entgegnete, „Naja, wie man es nimmt.  Mehr als ein Geographielehrer verdiene ich jetzt schon, aber ich wüßte nicht, wie ich mit den paar Kröten einen angenehmen Lebensunterhalt bestreiten sollte“.  Das war dumm und arrogant, aber genau so dumm war es, Menschen, die sich mit so etwas „exotischem“ wie Computer beschäftigten, als unnütze Spinner zu bezeichnen.  Auch die „Klassenkameraden“ hatten keine Ahnung, was man mit so einem Ding alles anstellen könnte — was daran lag, daß es gottseidank noch keine Hobbycomputer gab.  Dieser widerliche Commodore-Brotkasten befiel die Welt erst in den Achtzigern.

Hätte ich damals meinen Mitschülern empfohlen, sich einen Computer anzuschaffen — alle hätten mir einen Vogel gezeigt (taten die getauften Heiden sowieso, ich war der notorische Klassenspinner).  Wenn ich heute sage, „kein Kind braucht einen Computer für seine persönliche Entwicklung“, dann bin ich wieder der Idiot.  Früher war ich ein perverses Schwein, wenn ich sagte, man solle die Schwulen doch in Ruhe lassen, solange sie nicht andere belästigen, heute bin ich ein Rassist/Faschist, wenn ich sage, daß mich öffentlich zur Schau gestellte Homosexualität anekelt.

Zeitgeist ist Kleingeist !

Und je dümmer ein Mensch, desto mehr orientiert er sich an diesem.  Ob das 13jährige Girlie, der widerwärtige Sexualstraftäter oder der peinlichste Schwätzer der Republik  —  alle tragen ein „IPhone“ mit sich herum — wohl wissend, daß sie sich damit freiwillig ihrer informationellen Selbstbestimmung begeben.  Und keinem fällt das auf !

Aber wehe, wehe, jemand vertritt eine Meinung, die dem Mahlstrom der „Allianz der Anständigen“ zuwiderläuft !

Nun ist der oben zitierte „John Lose“ ein ganz netter, hilfsbereiter Kerl.  Und er gehört zu der verlesenen Handvoll von Menschen, die sich wirklich mit Microsoft-Produkten auskennen.

Schlimmer schon steht es mit Digitalproll „Sascha Lobo“, dessen albernen roten Haarschopf eine hochintelligente Informatikerin mit einem einzigen Satz erklärte:  „Stell‘ Dir vor, der hätte ganz normale Haare, dann träte seine Visage anstatt seiner Frisur in den Vordergrund“.  Und genau so albern wie die Frisur des dauerjünglierenden Digitaldebattanten ist dessen schwachsinniges Geseiere vom digitalen Entwicklungsland Deutschland.

Es hat sich viel getan im sogenannten „Breitbandausbau“ und ein „DSL 6000“ mit 6 MBit/s im Down- und 1,2 MBit/s im Upstream sollte für jeden Privatanwender dicke ausreichen.  Hier jetzt herumzuheulen von wegen „gebrochener Versprechungen“ ist Klagen auf allerhöchstem Niveau.  Wenn der Arsch einen Film anschauen will, dann soll er den Fernseher anschalten, dazu ist der nämlich da.  Besondere Ansprüche hat er nicht, es reicht „Eine schrecklich nette Familie“.   Den Dreck muß man nicht qua Unicast über das teure Netz prügeln, dafür gibt es direktabstrahlende Satelliten.

„Es kommt“, so sekundiert mir meine Schwester gern, „nicht darauf an, wie stark oder woher der Wind bläst, sondern wie man die Segel setzt.  Und wenn ich nicht weiß, wo ich hinwill, ist jeder Weg der richtige.  Erst die Standort- und Zieldefinition ermöglichen es mir, einen Kurs zu bestimmen.  Und dann erst beschäftige ich mich mit Wind und Strömung“.  Das weiß nicht nur jeder erfahrene Segler.  Der einzig merkbefreite ist der Möchtegern-Informatiker, der feststellt, daß der von ihm fabrizierte Multimediaschrott immer langsamer läuft und meint, er könnte sein Problem mit immer unmäßigerem Ressourcenverbrauch lösen.

Diese krampfhaften Versuche zeigen die Idiotie der sogenannten „Digitalisierung“.   Und hier habe ich, mehr zufällig, einen interessanten Artikel eines Jugoslaven gefunden und ihn unkommentiert eingestellt.  Das fand Roland unpassend, insbesondere dehalb, weil er argwöhnte, es handele sich um einen recht einfältigen Menschen mit gefährlichem Halbwissen.   Dazu muß man wissen:  Hier schreibt ein Jugoslave.  Die gibt es, soweit mir bekannt, in zwei Ausfertigungen:  Die dummen glauben an Allah, die gerissenen glauben an sich, ihr dickes Auto und ihre dicken Eier.   Der „Kollege“ Jerko ist klar der Gruppe 2 zugehörig und hält sich für einen „hochqualifizierten Spezialisten“, weil er DATEV-Programme auf Windows-PCs installieren kann und auch schon einmal eine „LAN-LAN-Kopplung“ gemacht hat, etwas, das ein Fachmann in der Regel meidet wie der Teufel das Weihwasser.  Er definiert sich nur über Marken, die er trägt oder fährt und läßt keine Gelegenheit aus, mit seinem Reichtum zu prahlen.  Machen Sie sich selbst ein Bild.

Aber diesem Mann fehlen auch die deutschen Scheuklappen und aufgrund seines schlichten Gemütes denkt er erfrischend geradeaus und kommt zu erschreckend richtigen Schlußfolgerungen, etwa zu vergleichen mit denen des kleinen Oskar Matzerath.

So stellt er ganz offen die „Digitalisierung“ als Allheilmittel infrage, indem er feststellt, daß eine „vollanaloge“ MP 5 von Heckler & Koch bis zu 300 Asylanträge pro Minute bearbeiten kann.   Ohne Zweit- und Drittinstanz beim Bundesverfassungs- oder -verwaltungsgericht.  Bevor hier wieder das Theater losgeht:  Man muß soetwas als Fingerzeig verstehen und nicht 1:1 umsetzen.  Aber zum Beispiel die Verbringung aller kriminellen Asylbetrüger auf die Kerguelen-Inseln wäre eine praktische Option.

Nun schreibt mir dieser Mann im bereits zitierten Artikel,

http://www.jerkos-welt.com/schluss-mit-dem-digitalisierungsgeschwaetz-hoert-endlich-auf-uns-zu-verarschen/,

wirklich aus der schwarzen Seele.  Das liegt zum einen daran, daß auch ich ein einfältiger Mensch bin.  Meine Frau und meine „Ex“ kennen sich gut und rätseln noch bis heute, „ist er ein ‚vielschichtiger‘ Mensch oder nicht ?“, aber je mehr ich ihr versichere, ich sei einfach und ehrlich gestrickt, desto mehr zweifeln sie.  Ich bezeichne meinen Intellekt als „schlicht“ und sehe in Schlichtheit seit jeher auch eine gewisse Schönheit.

Unter diesem Aspekt:  Lesen Sie den oben verlinkten Artikel, wenn Sie meinen,

  • daß man mit Geld nicht unsere Bildungsmisere lösen kann
  • daß vermeintliches „Expertenwissen“ oft nichts anderes ist als „Mausklick nach Anleitung“
  • daß nicht die mangelnde „Bandbreite“, sondern die Dummheit der Internetnutzer das Problem darstellen

Und lasen Sie es sich von einem wirklichen „Digital Native“ sagen:  Der Mann hat recht.

-hb

München ist ein große Stadt. In München gibt es auch eine große Theatertradition. Früher haben „Das Resi“ (Residenztheater mit all seinen Spielorten) und die Kammerspiele die Szene dominiert und mich fasziniert. Heute finden wir Spitzentheater vor allem im Volkstheater und wohl auch beim Außenseiter aus Freimann – dem Metropoltheater.

Es gibt in München aber auch eine große Bühne des Amateur-Theaters. Herausragend empfinde ich das Theater Ensemble tgsm. Mit dieser Einschätzung möchte ich die vielen anderen ambitionierten „Laiendarsteller“ in München, die in vielen Bühnen mit Leidenschaft spielen, keinesfalls entwerten. Im Gegenteil, beim Theater ist es wie im richtigen Leben – die „Dilettanten“ (Menschen, die es aus Liebhaberei und nicht auch fürs Geld machen) stehen oft den Profis in nichts nach.

Gestern durfte ich beim tgsm etwas ganz besonders erleben. Es war ein Stück, dass leider nur selten aufgeführt wird. Vielleicht weil es unangenehm ist und weh tut.

Furcht und Elend des Dritten Reiches

von Bertolt Brecht (1898 – 1956)

Ich zitiere aus dem Programm des tgsm:


In 30 Szenen beschreibt Brecht 30 Momentaufnahmen des Lebens im 3. Reich und wollte es zunächst „Deutschland – ein Greuelmärchen“ nennen. 1938 fand mit acht Szenen in Paris die Uraufführung statt. Die Szenen stehen für sich, bilden keine fortgesetzte Handlung und fügen sich schließlich doch zu einem Bild des Lebens unter nationalsozialistischer Herrschaft zusammen. Wer da genau hinschaut, versteht die Mechanismen der Diktaturen nämlich: Polarisierung, Angst, Diffamierung von Minderheiten (Feindbild) und tägliche Demonstration der Staatsmacht. Darum ist das Thema auch heute aktuell und wird es immer bleiben.


Ich hatte Angst vor diesem Abend. Einfach weil ich weiß, dass das Grauen und Entsetzen dieser Zeit mich deprimiert. Vor kurzem hat mit nur das Vorbeiradeln am KZ in Dachau eine schlaflose Nacht beschert.

Am Abend (um 22:30) bin ich mit einem tiefen Glücksgefühl heim geradelt. Ganz gegen meine Erwartung. Weil ich großes und wertvolles Theater erlebt hatte.

Vor allem war ich glücklich, weil ich so viele Menschen erlebt habe (um die 25 Schauspieler und um die 15 Unterstützende), die mit unheimlich großen Engagement in ihrer Freizeit völlig ehrenamtlich so etwas Tolles auf die Beine gestellt haben. Und weil ich gefühlt haben, dass diese Menschen die Welt ähnlich sehen wie ich.

Vielen Dank dafür!


Die beste Nachricht:
Es gibt noch ein paar Gelegenheiten, das Stück zu erleben! Hier alle Termine:

1. Juni 2018 (Freitag)
2. Juni 18 (Samstag)
(Pasinger Fabrik, Beginn jeweils 19:30)

7. Juni 2018 (Donnerstag )
8. Juni 2018 (Freitag)
9. Juni 2018 (Samstag)
(Pepper Theater, Neuperlach, Beginn jeweils 19:30)

14 Juni 2018 (Donnerstag)
(Neubiberg, Aula der Volksschule, Am Rathausplatz, Beginn 20:00)

Zum Karten reservieren geht es hier.

Und hier noch ein paar Links zum Appetit machen: Hier eine ausführliche Kritik zur Premiere, an der Konstantin Wecker mit einem Lied zum Schluss dabei war. Bei den natürlich an den weiteren Aufführungen ist er nicht persönlich dabei, dann kommt sein Lied SAG NEIN vom Band. Bei uns haben da alle mitgesungen, so war es auch ohne den Meister persönlich ein wunderbares Erlebnis.

RMD