Roland Dürre
Donnerstag, der 3. Oktober 2019

RUPERT LAY LESEBUCH

 

Was dem Leben dient.

 

Da steht alles drin.

Ein ganz wichtiges Buch. Das mich tief berührt. Denn es hat eine besondere Geschichte:

Zur Jahrtausendwende hat sich eine kleine Gruppe meiner Freunde im gemeinützigen Ronneburger Kreis e.V. (der mittlerweile aufgelöst wurde) zusammen getan und die vielen Definitionen von Begriffen aus dem alltäglichen Leben wie aus Wirtschaft und Gesellschaft in den Büchern wie aus dem Wirken Rupert Lays gesammelt. Das entstandene kleine Werk haben wir das  „Wörterbuch zur Ethik des Rupert Lay“ genannt und im Ronneburgerkreis veröffentlicht (siehe Bild unten).

Das war eine schöne Sammlung von wichtigen Texten. Es hat mir Spaß gemacht, es immer wieder aufzuschlagen und mich an dem einen oder anderen Artikel zu erfreuen oder sich mit diesem auseinander zu setzen.


In diesem Sommer feierte Rupert seinen 90. Geburtstag. Norbert Copray hatte die Idee, das Wirken von Rupert Lay aus diesem Anlaß mit einer besonderen Veröffentlichung zu würdigen. Es sollte ein großer Überblick der Gedanken Rupert Lays werden, in dem das freie Rumschmökern in anspruchsvollen Texten Spaß macht. Ein schweres Unterfangen, das mehr als gelungen ist.

Die Quelle für das Lesebuch (2002)

Als geeigneten Grundbaustein fand er unser „Wörterbuch“. Aber das „Wörterbuch“ hatte er nur in Papierform vorliegen. So machte es sich auf die Suche nach der digitalen Quelle. Und so fand er mich.

Die digitale Quelle war verschwunden. Aber in der digitalen Welt ist das ja kein großes Problem mehr. Mein Freund Wolfgang Groß übernahm die Aufgabe und stellte kurzer Hand ein hochwertiges digitales Exemplar vom Wörterbuch her. Und Norbert Copray und Erich Ruhl-Bady konnten loslegen.

Und sie haben etwas ganz Großartiges geschaffen. Aus dem Wörterbuch ist ein Lesebuch geworden, dass viel Klugheit, Klarheit und auch Frechheit enthält. Auf fast vierhundert Seiten finden wir ein Feuerwerk von Gedanken, mit denen sich auseinandersetzen lohnt und das richtig Spaß macht. Diese Gedanken findem wir thematisch schön geordnet. Zum Teil sind sie nur eine Zeile lang und selten länger als eine Seite. Richtig schön zum lesen.

So lohnt es sich immer, zwischendurchs ins Buch reinzuschauen. Aber Vorsicht: Man wird förmlich süchtig und bleibt dann schnell eine oder mehr Stunden hängen, und wundert sich dann um diese Jahreszeit, dass es so schnell dunkel geworden ist.

Großen Dank an Norbert Copray und seine Mitstreiter!

RMD

P.S.
Wer sich dieses Buch nicht besorgt versäumt etwas.

Roland Dürre
Freitag, der 12. Juli 2019

Glück durch Freiheit!

Heute noch eine kleine rätselhafte Textarbeit: Sie ist vielleicht nicht so einfach zu verstehen, auch weil sie zeigen soll, dass unser soziales Denken und Leben auf völlig falschen Annahmen beruht. Und das seit Jahrhunderten. 

Da fing das Nachdenken an. Erste Kontakte mit Rotwein und Jacques Brel.

Zu meinem letzten Artikel habe ich einen in meiner Wahrnehmung gut gemeinten Kommentar vom Klaus bekommen. Dafür bedanke ich mich. Vor allem, weil dieser mich gelehrt hat, dass ich mich offensichtlich völlig falsch ausgedrückt habe.

Denn in meiner Wahrnehmung bin ich in einer höchst positiven Krise. Ich habe nämlich definitiv die Schnauze voll, von dem, was ich hier täglich erlebe, höre und sehe. Das ist eine Befreiung!

Ich muss an Jacques Brels Lied vom Bürger denken. Das durfte ich das erste Mal in Lyon in der ersten Hälfte der 1960iger (im Alter so wie in etwa auf dem Bild) hören. Und habe es mein Leben lang nie vergessen.

Dank der Unterstützung vieler Menschen habe ich die Klarheit gewonnen, dass es nur ganz Weniges an Wichtigem gibt. Und wir uns über jeden Scheiß Gedanken machen – und genau das wenige Wichtige darüber oft komplett vergessen.

Meine Krise:
Meine Krise ist  ein Glücksfall. Und das was mich glücklich macht, will ich hier noch mal kurz zusammenfassen. ALSO:

ALLES, was wir in unserer Sozialisierung in den letzten Jahrhunderten kollektiv „von oben“ gelernt haben, ist Bullenscheiße. Fast hätte ich „bullshit“ geschrieben, aber bei deftigen Ausdrücken bleibe ich lieber im Deutschen. Und da ich diesen schönen Begriff in diesem Artikel öfters nutzen werde, kürze ich ihn zu BS ab. BS passt ja auch für beides, Bullenscheiße und bullshit.

Vorausschicken möchte ich, dass ich an den von mir gerne benutzten Satz wirklich glaube und zwar mehr denn je:
„Einen Scheiß muss ich“!
Und dass wir eine bessere Welt hätten, wenn sich mehr Leute an diese Weisheit halten würden.
Wobei wir auf die „Moralischen“ und „Mächtigen“ aufpassen müssen, denen das gar nicht gefällt und die alle anders denkenden am liebsten an den Strick bringen würden. Besonders mögen die Bürger und Spießer natürlich die anarchistischen Hedonisten oder hedonistischen Anarchisten so gar nicht. Da müssen wir aufpassen, weil genau überall in der Republik an der Macht sind.

Jetzt aber zu erst mal zu meinen Bullenscheiß-Listen:
In den Büchern, die man mir zu lesen gab, in die Schulen und Institutionen die ich gesteckt wurde wie im Strudel der nichtaufhörenden Belehrungen wurde mir beigebracht, dass ich, wenn ich ein ehrenwertes Mitglied der Gesellschaft werden oder sein will,
„Alpha“ • Boss • König • Imperator • Herrscher • Eroberer • Vorsitzender • Sieger • Held • Entdecker • Erfinder • Forscher • Gründer • Macher • Chef • Gewinner • Vorgesetzter • Präsident • Bester • Staatsbürger  …
sein muss. Das alles ist BS !!!
Mir wurde hundertfach (falsch: millionenfach) erklärt, dass ich
anständig • brav • beliebt • erfolgreich • höflich • moralisch • ordentlich • verantwortungsbewußt • tugendhaft • ehrlich • tapfer • leistungsbereit • vernünftig • rational • mustergültig • vorbildlich • ordentlich angezogen • sauber • adrett • optimistisch
sein muss. Sonst würde ich nichts werden. Das alles ist BS !!!
Immer sollte ich nach
Auszeichnungen • Titeln • Noten • Zertifikaten • Plätze • Positionen • Meisterschaft • Ruhm • Reichtum
streben. Damit ich anerkannt werde. Das alles ist BS !!!
Immer sollte ich großes Planen • Innovation voranbringen • Projekte steuern • anderen Fallen stellen • Neues Schaffen und an die Zukunft denken.
Das alles ist BS !!!
Immer sollte ich an
Wettbewerben • Wettkämpfen • Olympiaden • Turnieren • Ausscheidungen • Qualifikationen
teilnehmen und diese gewinnen. Das alles ist BS !!!
Immer hat man mich
analysiert • benotet • vermessen • metrifiziert • quantifiziert• verglichen • eingeordnet • qualifiziert • „gerankt“.
Das alles ist BS !!! Und gemein!
Und das alles ist vielen, wahrscheinlich fast allen Buben passiert und das alles ist BS! Auch den Mädchen ist schlimmes passiert. Da kenn ich mich nicht so aus, und hoffe, dass der BS nicht ganz so groß war. Bin mir da aber auch nicht so sicher!

In meinem Leben habe ich in einem Meer von BS gesteckt. Das ich hier noch lange nicht komplett beschrieben habe. Und versucht, mit aus der Bullenscheiße frei zu schwimmen. Weg mit der ganzen BS!

Schon früh als Kind hatte ich den Verdacht, dass mich meine ganz  gestörte Umwelt verarscht. Und in eine ganz falsche Richtung manipuliert. Ich konnte es nur nicht belegen. Jetzt kann ich es.

Ich habe ich das große Glück, zu verstehen, dass wir den ganzen Quatsch, den wir uns vormachen, nicht brauchen und damit mehr Schaden als Nutzen verursachen. Mein Gefühl hat mich nicht betrogen. Ich fühle mich befreit. Und pfeife auf Bildung, Moral und Erziehung.

Auch weil ich jetzt weiß, dass wir über keinen freien Willen verfügen, sondern eben nur Geschöpfe sind. Verbunden mit allen anderen Geschöpfen dieser Welt. Und ganz besonders, dass wir nicht die Krone der Schöpfung sind, die mit von uns erfundenen Göttern verbündet die Schöpfung untertan macht. Was für eine grauenvolle Logik, mit der uns die Herren mit dem „C“ im Namen und dem Kreuz als Logo über Tausende von Jahren „beglückt“ haben.

Ach, es tut mir so gut, mich von von all dem zu verabschieden. So endgültig wie nur irgendwie möglich. Muss ich nun keine Verantwortung für die Greueltaten meiner Mitmenschen mehr übernehmen und keine sinnlosen Entscheidungen fällen. Das schlechte Gewissen erübrigt sich auch. Weil das alles BS ist – und ich frei bin!!!

So geht es viel besser!
Am besten lebt es sich als Mensch. Der das tut, was er kann und mag. Der Freude am Leben hat. Der seine Gefühle lebt. Der deshalb lieben und respektieren kann und mag.

Ich nutze meine Zeit nur noch für Dinge, die mir Freude machen und verbringe sie nur noch mit Leuten, die ich mag. Ich habe keine Meinung mehr zu dem Unsinn, den andere Politiker oder Menschen erzählen. Ich bin für nichts mehr – und auch gegen nichts mehr. Weil beides nichts bringt. So kämpfe ich nicht mehr, für niemanden und gegen niemanden mehr.

Aber wenn das alle so machen, wo bleibt dann der Fortschritt?
Diese bange Frage höre ich jetzt von Euch.
Meine Antwort:
Fortschritt braucht kein Schwein – und erst recht kein Mensch. Deshalb ist auch Fortschritt nicht so meines. Bei mir heißt der Fortschritt Evolution. Die findet statt. Unvermeidlich. Durch uns alle. Einfach weil wir leben und uns reproduzieren.

Der andere Fortschritt, den wir durchs Dorf treiben, der nennt sich mal AtomisierungAutomobilisierung und dann wieder Digitalisierung. Mal kommt er als Strahlung  und mal als Gift daher. Oder einfach nur als Dummheit.

Dieser Mr. Fortschritt hat keinen Respekt vor dem Leben. Sein Mittelpunkt ist die Innovation – diese eingesetzt ausschließlich für den shareholder value – dem goldene Kalb unserer Tage.

Innovation ist immer kreative Zerstörung. In unserer Gesellschaft folgt sie ausschließlich dem Metrik des Geldes und des Kapitals. Vielleicht zerstört sie deshalb so viel Lebenswertes und vernichtet Leben auf allen Ebenen. Das Verlorene vermisst man oft erst, wenn wenn es – vielleicht unwiderbringlich – futsch ist. Über den Verlust tröstet man sich dann mit Wachstum und Arbeitsplätzen, die es zu erhalten gibt. Was für ein Grusel!

Hier ist wohl wieder mal eine gute Stelle, Bertrand Russell zu zitieren:
» Jeder Zuwachs an Technik bedingt, wenn damit ein Zuwachs und nicht eine Schmälerung des menschlichen Glücks verbunden sein soll, einen entsprechenden Zuwachs an Weisheit. «

Technik umfasst dabei übrigens auch „social (re)engineering“.

Ich komme wieder zum gleichen Schluß:
Innovation und Fortschritt sind auch BS !!!

Zum Ende der Welt.

Der Klaus hat in seinem Kommentar so nett geschrieben:
„Ein Blick in die Geschichte sollte Dich allerdings lehren, dass alle diese Untergangsphantasien sich nie erfüllt haben.“
Das ist zumindest mathematisch kein valider Beweis. So hat auch der Truthahn aus dem Schwarzem Schwan gedacht – bis dann Weihnachten kam.

Jetzt ist aber die Mathematik das, an das ich noch am ehesten glaube. Die Anzahl der Menschen wie das Leben auf der Erde hat sich rasend schnell entwickelt (exponentiell)! Und immer wenn  es gegen UNENDLICH geht, dann ist die NULL nicht weit. Dabei bitte ich zu bedenken, dass gerade NULL und UNENDLICH etwas beschreiben, was Menschen nicht erfassen können.

So ist für mich der geschlossene Kreis ein schöneres Symbol für das Leben als das Kreuz.

RMD

Klaus Hnilica
Samstag, der 16. März 2019

Teneriffa und seine diebischen Elstern

Carl und Gerlinde (Folge 61)

Also ehrlich –  jedem normalen Menschen bereitet es doch ein diebisches Vergnügen, wenn er endlich einmal ohne jede Hemmung schadenfroh sein darf. Bei Carl ist das jedenfalls so!

Und ganz besonders kann er diese Schadenfreude genießen, wenn es um Teneriffa geht. Jene Insel, auf die sich Gerlinde vor etlichen Jahren für ein paar Wochen zurückgezogen hatte, als sie in einem Anfall geistiger Umnachtung meinte, sie müsse sich von ihm trennen. Doch welche klarsichtige Frau trennt sich schon von einem wie Carl?

Keine – meint jedenfalls Carl.

Und Gerlinde tat dies letztlich ja auch nicht wirklich! Denn sobald sie eingesehen hatte, welche grandiosen Vorzüge dieses Wunderwerk von einem Mann hatte, kuschelte sich auch wieder erstaunlich zügig zu ihm zurück.

Natürlich war er froh gewesen, als sie wieder bei ihm war: schließlich hatten sie sich doch all die Jahre blendend verstanden. Und er hatte bis heute nicht begriffen, warum sie diese Auszeit damals haben musste – und auch noch ausgerechnet auf dieser blöden Insel Teneriffa! Die er noch nie leiden konnte. Und auf die er nie und nimmer jemals  fliegen wollte.

Und auf der er nun doch wieder mit Gerlinde – des lieben Friedens willen – gelandet war. Genau wie diese sieben Millionen anderen Touristen, die Jahr für Jahr hier aufkreuzten. Und alt waren, dick waren, aus England kamen und Deutschland und Frankreich und – wer hätte das für möglich gehalten – auch aus Russland…

Und dieses „Barceló“ in Puerto Santiago mit seinen vier Sternen war ja kein schlechtes Hotel, das musste Carl schon zugeben. Auch wenn er sich das nur widerwillig eingestand: dieser Hotelbau lag ja wirklich so malerisch wie ein Kreuzfahrtschiff an der schwarzen Lavaküste, dass man glaubte, es würde jeden Moment in See stechen. Direkt hinein in den Atlantik, vorbei an San Sebastian, der Hauptstadt von Gomera, wie einst Christoph Columbus, der dann auch, wie Carl und Gerlinde, Tag und Nacht nur mehr das blaue Meer vor der Nase hatte – und die steife Prise vom Westen her.

Zugegeben, die traumhafte Promenade an dem kleinen Fischerhafen vorbei, war auch nicht übel in diesem Städtchen Puerto Santiago und das trotz der vielen üblen Bausünden entlang dieser Promenade, bis weit ins Hinterland hinein, ja selbst noch die schwarzen Vulkanhänge hoch.

Lustig war der einsame Taucher, angekettet an ein Stahlgeländer! Wahrscheinlich um ihn vor Dieben zu schützen und dem kräftigen Kalima, der stetig von Afrika herüber wehte. In seiner Brusttasche staken Prospekte einer Taucherschule, doch seine beiden Arme hingen erstaunlich freudlos nach unten. Und obwohl die linke Hand vermutlich ein frustrierter Terrier schon weg gebissen hatte, zeigte seine rechte Hand in rotem Handschuh, weiter tapfer in den dreißig Meter tiefen Abgrund eines schwarzen Barancos, der unmittelbar hinter ihm in das nahe Meer mündete, dessen mächtige Wellen seit Millionen von Jahren Tag und Nacht an der schwarze Lavaküste hochschnellten und an ihr nagten.

Links hinter dem Taucher blickte man auf den neu errichteten prächtigen Festplatz der Stadt, der weit ins Meer hinausragte und an dessen Beginn die Statue eines verdienten Spaniers stand, umgeben von Guanchen, denen seinerseits die Spanier kräftig zugesetzt und im Namen des Christentums ganze Arbeit geleistet hatten: außer Spuren in den Genen der heutigen Bevölkerung war von ihnen nichts mehr übrig geblieben.

Carl und Gerlinde schlenderten fast jeden zweiten Tag an dem Festplatz vorbei, in Richtung Arena, genossen den prächtigen Blick aufs Meer und steuerten regelmäßig eines der typischen Lokale an, um bei Cortado und Aqua con Gas gemütlich das muntere Treiben auf den kleinen Stränden zu beobachten.

Donnerstags auch! Nur blies der Kalima noch stärker als die Tage zu vor, so dass sie mittags, als sie wieder weiter schlenderten, quasi in eine permanente Geräuschglocke gehüllt waren. Unzählige Touristen waren auf den breiten Gehsteigen unterwegs und praktisch jedes Lokal entlang der Straße war fest in Händen halb nackter sonnenverbrannter alter Männer, die zumeist schweigend mit ihren weißhaarigen Frauen hinter riesigen Biergläsern hockten, doch wenn sie etwas sagten, klang das Englisch, sehr selten Deutsch und nie Spanisch..

Als Carl dann fast schon beängstigend gut gelaunt mit Gerlinde zurück ging, um im Paraiso del Sol, die übliche Portion gegrillter Sardinen mit reichlich Roséwein einzuwerfen, hatte er plötzlich im Rauschen des Kalimas das Gefühl, dass irgend etwas an ihm kurz vibrierte. Das Handy in der Brusttasche war’s nicht. Nach der zweiten Vibration wusste er, dass es hinten vom Rucksack kam. Er drehte sich blitzschnell um und streifte sogar noch eine der beiden dunkel gekleideten schwarzhaarigen Frauen, die viel zu dicht an ihm waren, aber keinerlei Verwunderung zeigten, sondern unbeirrt weitergingen. Irritiert stand er plötzlich alleine da, nahm sich den Rucksack vom Rücken und starrte ungläubig auf die zwei weit geöffneten Fächer seines Rucksacks mit den Schals, Mützen, der Wasserflasche, den Brillenetuis und der Haarbürste. Geschockt rief er Gerlinde zu, die ein paar Schritte voraus war und nichts bemerkt hatte, dass die beiden Frauen vor ihr – vermutlich Romas – ihn beklauen wollten, aber wohl nichts Interessantes in seinem Rucksack gefunden hatten.

Noch während Carl das rief, spürte er neben einer lähmenden Hilflosigkeit eine rasende Wut in sich hochsteigen und wär am liebsten gleich über diese beiden Taschendiebinnen hergefallen. Aber die ließen sich selbst durch seine Rufe zu Gerlinde nicht aus der Ruhe bringen, sondern taten so als ginge sie das Ganze überhaupt nichts an. Ja sie stellten sich sogar noch zu dem angeketteten Taucher, nahmen ihm ein Prospekt aus der Brusttasche und studierten es zusammen höchst interessiert.

Carl fühlte, dass er da auch hin musste mit seinem offen stehenden Rucksack und war mit wenigen Schritten da. Sein Studium des Prospektes bestand jedoch darin, dass er die beiden dunklen Elstern ununterbrochen fixierte, was diese aber nicht im Geringsten zu stören schien.

Plötzlich stand Gerlinde neben ihm und sagte, „Carl du ich geh jetzt in den Laden dort drüben und kauf mir die Schuhe, die wir uns gestern zusammen angeschaut haben“.

„Okay“, sagte Carl  apathisch, ohne zu wissen was Gerlinde meinte und starrte weiter auf die beiden schwarzen Gespenster vor ihm..

„Aber ich brauch dazu Geld von dir, ich hab keines dabei. Du hast es doch sicher wie üblich da vorne in der Rucksacktasche, oder?“

Noch ehe Carl reagieren konnte, hob sie seinen Rucksack hoch, den Carl am Arm hängen hatte und zauberte aus dem dritten kleinen Rucksachfach, das die beiden Biester nicht geöffnet hatten und in dem nur Aspirin und ein paar andere Medikamente waren, vier 50 Euroscheine heraus und entschwand ohne ein weiteres Wort auf die andere Straßenseite.

Plötzlich hatte Carl doch den Eindruck, dass die mühsam aufrecht erhaltene Fassade der beiden schwarzen Unglücksbringerinnen jäh verfiel: ruckartig stopften sie den Prospekt so energisch in die Brusttasche des Tauchers zurück, dass dieser trotz Befestigung beinahe umstürzte und eilten davon. Je weiter sie weg waren, umso heftiger gifteten sie sich gegenseitig an, schien es Carl, so als machten sie sich gegenseitig  Vorwürfe, gerade eine riesige Chance dilettantisch vertan zu haben.

Und Carl wurde nicht nur schlagartig klar, warum er an seiner frechen Gerlinde gar  so einen Narren gefressen hatte, sondern spürte vor allem die herzerwärmende Kraft berechtigter Schadenfreude in sich hochsteigen…

K.H.

PS:
In  Folge 21 (XXI)
Hinter Sonnenbrillen vor Gomera
genießt Gerlinde ihre Auszeit auf Teneriffa!

(Hinweis der „Redaktion“ zum Suchen: Die frühen „Carl & Gerlinde“ – Geschichten waren mit lateinischen Ziffern numeriert).

Klaus Hnilica
Dienstag, der 8. Januar 2019

Ein nachhaltiger Übersetzungsfehler ?

Da nach der ’stillen Zeit‘ wieder etwas ‚Ruhe‘ eingekehrt ist, mag es vielleicht von einigem Interesse sein, einmal kurz inne zu halten und zu reflektieren, welche evolutionären Veränderungen selbst geschriebene Texte durchmachen können, insbesondere im Buch der Bücher – der Bibel /1/:

So gibt es, in den frühen, hebräisch verfassten Versionen des Buches Jesajas eine Prophezeiung, die das Wort alma verwendet, um die Mutter eines Jungen namens Immanuel (übersetzt „Gott ist mit uns“) zu beschreiben.

Für alma gibt es in einigen Sprachen, so auch im Altgriechischen keine direkte Übersetzung, doch eine grobe Übersetzung könnte „junge Frau“ bedeuten, oder „junge Frau die noch kein Kind getragen hat“.

Zu Lebzeiten von Jesus sprachen die Juden allerdings nicht mehr Hebräisch sondern Griechisch und Aramäisch. Infolge dessen wurde aus alma das griechische parthenos das eine spezifische Bedeutung hat, nämlich „Jungfrau“! Der biologische Fachbegriff Parthenogenese („Jungfrauenzeugung“) geht darauf zurück: Er beschreibt eine eingeschlechtliche Fortpflanzung ohne Männchen, wie sie bei einigen Insekten und Reptilien vorkommt.

Somit wurde durch die mutierte Übersetzung eines einzigen Wortes aus der „jungen Frau“ eine „Jungfrau“ und aus dem Kind der Messias! Und die Geschichte der Zeugung Jesus ist mit einem Mal eine ganz andere geworden…

Matthäus und Lukas machen in ihren Evangelien aus dieser fehlerhaften Übersetzung sogar eine Wahrheit und für eine Milliarde Katholiken wird diese zu einem Glaubenssatz. Und genau dies besingen wir in unseren Weihnachtsliedern.

Seltsam ist das schon, oder?

/ 1 / Adam Rutherford: Eine kurze Geschichte von jedem, der jemals gelebt hat

K.H.

Roland Dürre
Sonntag, der 6. Januar 2019

Sklaverei – was hat sich geändert?

Auf meiner letzten Reise durch die Karibik bin ich auf „ein schwarzes Kapitel“ der Menschenheit gestoßen, der Sklaverei. In einem Artikel  habe ich von meinem Museumsbesuch in Curaçao berichtet und wie dieser mich dazu gebracht hat, mich dann auch mit der Leibeigenschaft in unserem werte-glorifizierten Abendland zu befassen. Habe wir und unser Abendland doch so arg christliche Wurzeln …

Düstere Zukunft!?

Je mehr ich über Sklaverei und Leibeigenschaft nachlese und -denke, desto mehr gewinne ich die Gewissheit, dass beides nicht aus „edlen“ – humanitären, menschenfreundlichen und aufgeklärten – (Beweg-)Gründen abgeschafft wurde.

Vielmehr haben ganz überwiegend „kaufmännische“ Motive die mehrere Tausend Jahre alte Sklaverei abgeschafft. Ohne den Segen des Kapitalismus (sprich der herrschenden Klassen, feudal oder monetär) wäre diese Veränderung nicht möglich gewesen.

Sklaverei hatte sich ganz einfach nicht mehr rentiert!

Alles was sich im Kaptialismus nicht mehr lohnt, hat ausgedient. Das galt für die Plantagen in Übersee genauso wie in der Landwirtschaft in Europa. Das war und ist für Technologie wie für die Menschen gültig. Der Sklave wurde durch den Arbeiter ersetzt. Der Leibeigene wurde wegen der Dampfmaschine abeschafft. Diese hat dann gegen den Diesel verloren. Der Diesel wird heute vielleicht durch den Elektromotor verdrängt.

Eine aktuelle Frage, die ja auch heiß diskutiert wird, heißt:

Verliert der Mensch gegen die künstliche Intelligenz?

Das wäre der nächste Schritt. Auf diese Frage habe ich keine Antwort.

Für die Vergangenheit scheint es mir aber klar, dass die Leib- und Bodeneigenschaft von der Dampfmaschine abgelöst wurde. Die feudalistische Oberschicht hatte erkannt, dass Maschinen besser „funktionieren“ und effizienter sind als Leibeigene. Nicht umsonst ist roboti der Wortstamm von Roboter.

In den USA waren es die ewig-gestrigen Südstaaten, die absolut unterlegen gegen die profit-orientierten Nordstaaten, das nicht mehr konkurrenzfähige Sklavensystem verteidigt haben. Und natürlich verlieren mussten.

Ein Henry Ford hätte nie erfolgreich sein T-Modell am Fließband mit Sklaven produzieren können.

Seine „Ingenieure“ hatten genug damit zu tun, den dummen Bauern beizubringen, wie man Autos baut. Denn die dummen Bauern kamen aus der Landwirtschaft und hatten nicht einmal ein Gefühl für den Takt der Zeit.

Und da war es nur gut, wenn die aus Bauern zu Arbeitern transformierten Menschen für ihr Überleben jenseits der Stunden am Fließband selbst sorgen mussten. In diesem Zusammenhang könnte man sagen, dass der „Taylorismus“ die Sklaverei abgelöst hat. Die Herrschenden hatten erkannt, dass die „Eigenverantwortlichkeit für sich selbst“ ihnen billiger kommt als „Verantwortung für Dritte“.

Arbeiter waren einfach billiger als Sklaven.

Man hat die Verantwortung für ihr Leben (die man für Sklaven ja hatte, schon aus Gründen der Werterhaltung) einfach an die Arbeiter outgesourct. Bei den schwarzen Sklaven hat es dazu noch einen formalen Akt mit einer Eigengehörigkeits-Urkunde gebraucht. Arbeiter haben sich aber selber gehört (oft waren sie ja ausgestoßene Leibeigene) – und mussten für sich selbst sorgen. Wenn sie dies nicht geschafft haben und ausfielen, dann standen schon die Nachfolger vor den Fabriktoren bereit.

So wurden die Sklaven in die Eigengehörigkeit gebracht und billige Arbeitskräfte angeworben. Das war möglich, da es mit dem Fortschritt in der Medizin und Landwirtschaft eine Bevölkerungsexplosion gab, die ja auch zurzeit nur langsam abnimmt. So ging das Angebot an Arbeitern nicht aus.

Später haben sich Arbeiter dann zusammen geschlossen, wurden mächtiger und konnten so ihren Preis gelegentlich erhöhen. Da gibt es viele spannende Legenden.

Aber gehen wir in das jetzt und heute.

Ist die Sklaverei wirklich abgeschafft?

Ich würde sagen NEIN!

Damit denke ich aber nicht an die immer noch existierende Form der klassischen Sklaverei, die in Branchen fortbesteht, in denen der körperliche Besitz von Menschen sich auch heute noch lohnt. Das wird mit „Moderner Sklaverei“ bezeichnet.

Glaubt man der Quelle dazu, dann leben heute immer noch 12 bis 27 Millionen (mit hohen Dunkelziffern) als Sklaven. Das klingt bei rund 7,63 Milliarden Menschen harmlos (Oktober 2018,  Wikipedia).

Aber gibt es stattdessen nicht eine neue Form der Sklaverei?

Damit meine ich nicht die Menschen, die vom Komsumismus geschnappt worden sind. Ja, das Wort gibt es tatsächlich, es ist keine Erfindung von mir. Gerade in den „entwickelten Gesellschaften“ gibt es viele „Konsum-Sklaven“. Mit Sicherheit auch eine Form der Unfreiheit. Da diese sich aber überwiegend als frei bezeichnen würden, nenne ich sie mal nicht Sklaven.

Zur neuen Form von Sklaverei rechne ich die Mehrheit der Menschen auf der Welt, die eine existientelle Abhängigkeit von ihrem Job haben. Auch in vielen wohlhabenden Ländern bedeutet der Verlust des Jobs für immer mehr Menschen das AUS. Die Mieten sind hoch, viele Menschen verfügen nicht über eigenes Vermögen  (wenn dann oft über negatives).

Wenn diese Menschen ihren Job verlieren, dann bleibt ihnen oft nur noch die Arbeitslosenversicherung und/oder Soziale Auffangsysteme – wie bei uns das ungeliebte Hartz-System.

In vielen Ländern gibt es aber solche staatliche Fürsorge auch nicht. Im extremen Fall führt der Verlust des Jobs zu einem Leben auf der Strasse.

Indien ist ein  von dieser Situation besonders gestresstes Land. Hier hat sich ein Slum-System entwickelt. Da beginnt dann der Aufstieg im wörtlichen Sinne „aus der Gosse“ mit einem (von vielen heiß begehrten) Platz in einem oft überraschend gut (selbst-)organisierten Slum. Solche gesellschaftliche Automatismen fehlen bei uns – noch?

Was bringt die Zukunft?

So sind alle von uns, die nicht über arbeitsloses Einkommen und zum Beispiel eine Wohnstätte als Eigentum verfügen, Sklaven eines brutalen Systems. Wenn wir in unserer Arbeit nicht mehr funktionieren, sind wir schnell weg vom Fenster.

Es gibt eine neue Art von Feudalismus. Die herrschende Klasse besteht heute aus Menschen (und juristischen Personen), die über viel Kapital verfügen. Sei es, weil sie einfach Glück gehabt haben oder weil sie reich geerbt haben (wobei das ja auch Glück ist). Wobei ich schon auch ein wenig meine, dass das Glück eher dem Tüchtigen folgt. Das muss aber nicht so sein. Auf jeden Fall gilt:

Wenn Du Kohle hat, musst Du nicht mehr arbeiten und darfst nur noch leben.

Das meint, du darfst Deine Zeit für das nutzen, das Dir Freude macht. Viele Menschen, die so vom Einkommen unabhängig sind, arbeiten in einem Ehrenamt.

Ich kenne auch eine Reihe von jungen Menschen, die ihren Reichtum bewusst genießen. Und das machen, was ihnen Freude und Spaß macht. Manche davon arbeiten daran, ihr eigenes Vermögen zu mehren. Das führt dann dazu, dass sie immer noch reicher werden und so die Polarisierung zwischen arm und reich verstärkt wird

Ich bin froh, dass ich nicht direkt von Altersarmut bedroht bin (ausser wenn unser System zerbrechen würde). Ich freue mich, dass ich im Leben viel Glück hatte.

Ich kann mich aber auch sehr gut in Menschen hinein versetzen, die von ihrem Job abhängig sind und sehnsüchtig auf das Gehalt am Monatsende warten. Und oft die letzte Woche im Monat ziemlich kurz treten müssen.

Ich verstehe gut, dass dann der drohende Verlust eines Jobs ein großer Schrecken ist, der ALLES zerstören kann. Und ich würde diese Lebensform durchaus als eine moderne Form von Sklaverei verstehen.

RMD

P.S.
Die beiden Bilder habe ich von Hans Bonfigt ausgeliehen. Er hat sie in seinem IF-Blog Artikel The power and the glory genutzt.

Hans Bonfigt
Mittwoch, der 19. Dezember 2018

Ich bin gern ein weißer alter Mann

Und ja, das ist nicht nur eine Replik auf

Die alten weißen Männer.

Was wären denn die Alternativen ?

 

1. Lieber ein alter weißer Mann als ein junger Neger !

Also, ganz im Ernst:  Ich bin dankbar für das große Glück, hier in Deutschland zu einer Zeit aufgewachsen zu sein, in der es noch nach demokratischem Aufbruch roch, in der die Freiheit der Meinungsäußerung als unverzichtbares Element des täglichen Lebens war.  Meine Jugend verbrachte ich im Wohlstand.  Verdient habe ich den nicht, ich war stinkfaul und versoffen.  Trotzdem haben mir meine Eltern viel Liebe geschenkt.  Und ohne die Hinführung durch meinen Vater wäre mir der Genuß von Musik für immer versagt geblieben.  Denn der gymnasiale Musikunterricht durch Kantor Helmut Gottsacker tötete JEDES Interesse an Musik.   Den fiktiven Kunstprofessor Büren läßt Heinrich Böll sagen, „Ich halte jeden Menschen für fähig, sich ein Kunstwerk zu erschließen  —  außer den deutschen Bildungsbürger“.  Einen solchen evangelikalen Kantor auf junge Menschen loszulassen, das verstößt eigentlich gegen die Genfer Konvention.

Als junger Mensch erkennt man instinktiv, wann eine Zuneigung nur geheuchelt ist und wann eine wirkliche Liebe vorliegt.  Mein Vater hat es geschafft, mich mit seiner Passion für Beethoven anzustecken — ohne bildungsbürgerliche Belehrungen, sondern einfach, indem er selbst Freude, Zuversicht und Entspannung daraus gewann.  Wege entstehen, wenn wir sie gehen.

Wir waren wirklich reich im Sinne von „zufrieden mit dem, was man hat“.  Dazu gehörte auch jede Menge Spielzeug, das aber nie in Form von Fertigprodukten über uns purzelte, sonden buchstäblich in Einzelteilen.  So bekam ich Lötkolben, Schraubenschlüssel, Märklin-„Stabilbaukasten“, Meßgeräte, Taschenrechner (ein unglaublich hohes Gut vor 40 Jahren) und überhaupt alles, was ich mir nur wünschte.

Es gab reichlich Taschengeld, ich konnte mir alle Bücher kaufen, die ich haben wollte.  Und bei meinem Alten klauen, der hatte auch jede Menge davon.  Unbezahlbar aber waren die vielen gemeinsamen Gänge um die Hasper Talsperre.  Mein Vater erklärte mir viele grundlegende Dinge, wie etwa die Unmöglichkeit eines ‚perpetuum mobile‘ oder aber das Wesen einer Kapitalgesellschaft.  „Ich kann Dir nur Wege zeigen – gehen mußt Du sie schon allein“, war eine seiner stehenden Redewendungen.

Zusammengefaßt:  Als Kind bin ich gehegt und gepflegt und gefördert worden.  Vor allen Dingen auch, indem nan sich mir zuwandte und mir Zeit schenkte.  Und viele der mir aufgezeigten Wege bin ich gegangen.

So, und nun gucken wir uns eine traurige Negerfamilie an:  Nix zu fressen, aber trotzdem Nachkommen am laufenden Band produzieren.  Wenn so ein armes Balg vor Hunger im Dreck verreckt, scheiß drauf:  Allah hat es so gewollt und Mamis Bauch ist auch schon wieder dick.

Schulbildung gibt es keine.  Stattdessen werden Heranwachsende mit „Fertiggeräten“ sediert, z.B. mit dem Insignium des technischen Analphabeten, dem „iPhone“.  Und mit Allah.   Eine ganz üble Kombination.  Als Jungneger würde ich auch versuchen, nach Europa zu „flüchten“.   Mir wäre ja gar nicht bewußt, welche starke menschliche Errungenschaft das internationale Hilfsgebot auf See ist.  Und wie abgrundtief widerwärtig es ist, diese Hilfsbereitschaft zu mißbrauchen.  Das einzige, was ich gelernt hätte, wäre, daß Allah stark und die Frau minderwertig ist.  Dumm nur:  In Europa bekäme ich auch kein Bein an die Erde.

2. Lieber ein alter weißer Mann als ein junger „grüner“ Pipijunge

Denn das „grüne“ Verständnis von Toleranz ist:   „Wir tolerieren alles, nur keine Intoleranz.  Und was Intoleranz (oder „Faschismus“, „Rassismus“, „Kolonialismus“) ist, das bestimmen wir“.  Und notfalls brüllen wir auch unseren eigenen Parteikollegen Boris Palmer nieder, denn „wenn er faschistische Thesen ausbreitet, braucht man nicht zuzuhören“.  Eine riesige Menge dummer Schafe formiert sich zu einer diffusen, selbsternannten „Allianz der Anständigen“, die uns allen vorschreiben möchte, wie wir zu leben und zu denken haben.  Gearbeitet im Sinne gesellschaftlich nützlicher Tätigkeiten haben sie selbstverständlich nicht.  Wie war Hendryk M. Broders Kurzcharakteristik von Frau Roth:  „Ein Doppelzentner fleischgewordene Dummheit, nah am Wasser gebaut und voller Mitgefühl mit sich selbst“.

Das wirklich Schlimme ist:  Das war auch schon alles.

Nicht der „Extremismus“ unbedeutender Splitterparteien führt uns zurück nach Auschwitz.  Aber grüner Konformismus geht, im Gleichschritt marsch, genau in die Richtung.   Man kann es gut am inflationären Gebrauch des Begriffes „Rassismus“ durch die grünen Führer sehen:   Indem sie allen Nicht-Grünen „Rassismus“ unterstellen, setzen sie damit implizit die tatsächliche Existenz von „Menschenrassen“ voraus.   Menschenrassen, die es gar nicht gibt !  Die es zum Glück nicht gibt !   Sonst könnte Heinrich Himmler mit seinen kruden Thesen einer „überlegenen“ Rasse ja vielleicht recht haben !

Ich bin gespannt, wann der erste Grüne ein Konzentrationslager für „AfD“ – Mitglieder vorschlägt.  Natürlich nicht nur für Parteimitglieder, sondern auch für deren Kinder.     Das Konzept der Sippenhaft hat sich ja in der Vergangenheit schon oft bewährt.   Privatschulen eilen da schon einmal vor.

Schon in den 80er Jahren soufflierte Heiner Geißler der fetten Birne aus Oggersheim, „Die Grünen sind die neuen Nazis“.  Damals empfand ich das als starken Tobak, aber heute fröstelt es mich, wenn ich sehe, wie recht er hatte.

Wie widerwärtig die „Bewegung“ ist, erkennt man am „Hashtag“ #wirsindmehr.   Was heißt das eigentlich ?   Gucken wir doch einmal in das Schafshirn eines Grünbewegten:

  • Die Mehrheit hat immer recht
  • Die Minderheit hat nichts zu sagen und soll das Maul halten

Ich kann auf die Schwarmintelligenz von Mehrheiten gerne verzichten.  Hatten wir schonmal.  War nicht gut.  Für keinen.   Aber „Grüne“ sind lernresistent.

3. Lieber ein alter weißer Mann als ein vergrätzter roter Spinner

Apropos #wirsindmehr :

Da hat es doch eine sympathische Frau, Sawsan Chebli, tatsächlich einmal zu sagen gewagt,

„#wirsindmehr reicht nicht. Wir sind mehr (noch), aber zu still, zu bequem, zu gespalten, zu unorganisiert, zu zaghaft.  Wir sind zu wenig radikal.“

Tja:  Genau das ist der Punkt.  Wir gehen nicht an „Überfremdung“ kaputt oder an der „AfD“, wir gehen daran kaputt, daß wir keine radikalen Demokraten mehr haben.  Wir haben ja nicht einmal mehr Menschen, die wissen, was „radikal“ bedeutet.

Eine Demokratie, in der man das nicht mehr sagen darf, ist keine Demokratie mehr.

Frau Chebli wurde in Berlin niedergbrüllt und hat den Saal weinend verlassen.  Und keiner merkt etwas.

4. Und lieber ein alter, weißer Mann als ein guter deutscher Bildungsbürger

Denn bleiben wir bei Chebli:   Die „Twitter-Community“, sozusagen die Klowand des Internet, spült ein Photo der jungen Frau an die Oberfläche, auf dem sie eine „Rolex“ trägt.

Hier hat mein Feind Matthias Warkus einen ausgezeichneten Artikel geschrieben, der aufzeigt, daß es hier nicht um die üblichen Rückstände von Neid oder „Sozialneid“ geht, sondern daß die Twitter-Kloake hier eine ganz andere, widerlichere Ebene aufspannt.

 

Nein, lieber Roland.   Da bleibe ich doch der alte, weiße Mann.   Der jetzt zur Arbeit fährt.

-hb

Roland Dürre
Mittwoch, der 17. Oktober 2018

Arcis Vocalisten singen das Mozart Requiem

 

Wie immer bewerbe ich gerne die Konzerte der Arcis-Vocalisten!

Diesmal geht es um das berühmte Requiem von Mozart!

RMD

Roland Dürre
Mittwoch, der 3. Oktober 2018

DIESEL

Selfie zu: „Ich verstehe das nicht.“

Seit Tagen ist das Hauptthema in Medien und Nachrichten „der Diesel“. Das frustriert mich, gäbe es doch gesellschaftlich so viel Wichtigeres zu lösen. Ich verstehe nur noch Bahnhof.

Es ist doch so einfach:

Wenn ich ein schlechtes Produkt kaufe, dann habe ich einen Schaden. Wenn ich dabei betrogen worden bin, kann ich versuchen, den betrügerischen Verkäufer dafür in Haftung zu nehmen.

Das sollte der Rechtsstaat mir garantieren. Wenn dieser nicht mehr funktioniert, weil die Konzerne zu mächtig geworden sind, dann habe ich halt Pech gehabt.

Das gilt wohl so ziemlich für alle Güter, ob Lebensmittel oder Produkte und auch Dienstleistungen – und sollte auch für Autos gelten.

Ich verstehe so vieles mehr nicht!

Warum kommt eigentlich keiner auf die Idee, gerade bei der aktuellen Diesel-Diskussion einfach die Subventionierung der Dieselsteuer abzuschaffen? Wenn der Diesel so schlecht ist? Immer sind es 22 Eurocent pro Liter an Subvention (Diesel wird in Deutschland mit 22 Eurocent weniger besteuert als Benzin), die unsere „Geiz ist geil“-Gesellschaft nach Dieselfahrzeugen gieren lässt. Obwohl der „Diesel“ in der Regel teurer ist, aber rechnen ist halt gerade im Zustand der Gier nicht so einfach.

Dass der Gierige ab und zu auch mal Pech hat, ist doch normal und kein nationaler Notstand. Das meine ich ganz ohne Schadenfreude.

Ich verstehe auch nicht, dass keiner mehr auf die Idee kommt, endlich ein Tempolimit einzurichten. Auf Autobahnen und Landstraßen würde dieses wesentlich Kraftstoff (und viele menschliche Leben) einsparen. Und in den Städten ist doch schon lange klar, dass „Tempo 30“ die Regelgeschwindigkeit sein sollte. Und die „50“ oder „60“ die Ausnahme.

Ich verstehe auch nicht, warum der Diesel so ein Thema ist. De facto geht es doch (hoffentlich bald) allen Verbrennungsmotoren im individuellen Verkehr (und wie ich hoffe nicht nur beim KFZ und Moped, sondern auch beim Rasenmäher und Laubbläser) an den Kragen.

Es geht doch heute nicht mehr darum ob ich einen SUV mit Diesel- oder Benzinmotor fahre, sondern ob man überhaupt noch Auto fährt. Weil es a) die Klimakatastrophe wohl doch gibt und b) ich nicht immer die Abgase in meinen Lungen haben will. Dazu muss ich gar nicht in München auf der Rosenheimer Strasse zur Stoßzeit radeln, da reicht es mir schon auf der Putzbrunner Straße in Ottobrunn am Sonntag Morgen auf der Fahrt zum Bäcker!

Ich verstehe auch nicht, dass das Kerosin für die Flugzeuge wie das Schweröl für die Schiffe genauso besteuert wird wie Benzin, wissen wir doch, dass weniger geflogen werden muss. Wie auch dass immer noch mehr Startbahnen gebaut werden sollen. Und dass wir immer noch Braunkohle (Hambacher Forst) verbrennen wollen und den alternativen Energien das Leben unnötig schwer machen.

Wie ich auch nicht verstehe, dass wir heute den Tag der deutschen Einheit feiern. Sollten wir für die Zukunft den heutigen Tag nicht besser nutzen und an einem anständigem Europa der Regionen arbeiten, in dem die Menschen in Zuversicht und Mut leben können.

Ich verstehe zurzeit Vieles nicht. Nicht nur bei der Mobilität hat uns der Wahnsinn umzingelt. Ist es schon zu spät für unseren Planeten (Permafrost). Fast neige ich zur Resignation?

RMD

Roland Dürre
Dienstag, der 25. September 2018

arcis-vocalisten spielen CARL LOEWE (am 22. Oktober 2018)

Und wieder gibt es ein tolles Konzert der arcis-vocalisten. Und wieder mache ich gerne ein wenig Reklame für den tollen Chor. Kenne ich doch mindestens zwei der SingerInnen persönlich.

 

 

RMD

Roland Dürre
Mittwoch, der 12. September 2018

culture engineering. Begriff. Methoden. Werkzeuge.

Mit meinem neuen Hanseatic-Käppi zurück vom #PMCampBER in der Waldwirtschaft in Grosshesselohe.

Bevor ich meine Überlegungen zum „Widersinn“ in sozialen Systemen aufschreibe, noch ein kurzer Bericht von einer Sitzung im PM-Camp Berlin zu Culture Engineering. Das war eine von vielen spannenden Sessions, an der ich Anfang September 2018 auf der Unkonferenz #PMCampBER teilgenommen habe.

„culture engineering“ war das Thema – und zwar als Methode und Werkzeug um die Kultur eines sozialen Systems mit einem ökonomischen Zweck, gemeinhin Unternehmen genannt, beeinzuflussen, verändern und zu steuern.

Dem Teilgeber, der die Session vorgeschlagen hatte, war der „culture engineering“ Begriff selbst suspekt. Die Ursache seines „Unwohlseins“ war, dass er persönlich skeptisch war, ob man eine Kultur mit „ingenieurmäßigem“ Anspruch wirklich zielgerichtet beeinflussen könne oder ob das nicht schnell zur „Manipulation“ mit negativem oder zumindest ungewissen Ausgang führen könne bzw. würde.

Ein Teilnehmer der Session hat berichtet, dass es in Leipzig einen erfolgreichen Studiengang „culture engineering“ geben würde und dass die Absolventen durchaus von den HR-Abteilungen gerade großer Unternehmen sehr gesucht werden würden. Das finde ich spannend, und schon sind wir schon bei zurzeit gerne benutzten Begriffen wie culture engineering und human ressource (HR) gelandet.

Titelmässig fühle ich mich umzingelt von Berufstiteln auf Visitenkarten die Rollen wie Engineer, Officer, Manager und President enthalten. Und muss gestehen, da ist mir der Ingenieur, der z.B. ein Vorhaben leitet, noch der Liebste. Aber Denglisch ist modern, also was solls. So haben wir neben CEO, CTO und CIO immer öfters einen CHRO (HR als Abkürzung für die menschlichen Ressourcen). Bei dem sind dann der „innovation manager“ und auch der „cultur engineer“ angesiedelt. officer und manager sind mir generell suspect wie auch der president und vice president.

Auch in der Session ging es zuerst Mal um die Begrifflichkeit. Ein Vorschlag war, „culture engineering“ eher als „culture gardening“ zu bezeichnen. Das fand ich schon ganz gut. Allerdings dachte ich dann, dass man analog zur „Gartenpflege“ die Aufgabe auch als „Kulturpflege“ bezeichnen könnte.

Dann wurde die Frage diskutiert, was denn Unternehmenskultur eigentlich sei. Die gefundene Antwort (aus der Unternehmens-Theorie) war:

Unternehmenskultur ist das Gedächtnis des Unternehmens.

😉 Honi soit qui mal y pense, aber da assoziere ich sofort mit „Manipulation des Gedächtnis“.


Beim Nachschlagen des Begriffes in Wikipedia habe ich übrigens einen Aufruf von Wikipedia zum Urheberrecht entdeckt.

Diesen Aufruf unterstütze ich mit Herz und Verstand und habe ihn deshalb hier veröffentlicht.

Allerdings bin ich mir nicht sicher, ob es reicht, wenn Sie Ihren Europa-Parlament-Abgeordneten kontaktieren. Wahrscheinlich muss man mehr tun. Und es ist noch wahrscheinlicher, dass wir gegen die politische Arroganz und Dummheit gesteuert von den Staat beherrschenden Lobbyismus eh machtlos sind.

Das neue Urheberrecht könnte aber als schönes Beispiel für gezielte Werte- und Regelveränderung dienen. Aus sehr kapitalistischen Motiven.


Zurück zum Culture Engineering. Wie viele Buzzwords finde ich das Wort ein wenig lächerlich. Und auch einen Kultur Ingenieur oder Innovation Manager, die angesiedelt bei der Stabsabteilung HR die Kultur eines Unternehmens retten und die Menschen innovativ machen sollen.

Ich meine schon, dass die Kultur eines Unternehmens wie in allen anderen sozialen Systemen sich selbst bewusst gemacht und aktiv gepflegt werden sollte. Und da ist es auch legitim, wenn man moderne Techniken und Methoden einsetzt. Aber das ist ein Thema, dass zwischen Führung und allen stattfinden muss. Führung im Sinne, wie das Google definiert (siehe Artikel dazu von Dr. Marcus Raitner).

Gelingen wird die Kulturpflege aber nur, wenn möglichst viele Menschen des Unternehmen am Pflegeprozess partizipieren – damit meine ich mit großer Aufmerksamkeit aktiv mit machen.

RMD