Am Freitag sind sie in der Himmelfahrtskirche München-Sendling,

die arcis vocalisten

Ich verweise kurzfristig auf dieses einzigartige Konzert, nicht nur weil es noch Karten gibt. Vor allem aber deshalb, weil es eine einzigartige Aufführung werden wird, die man nicht versäumen sollte!

Das Besondere ist nicht, dass es À-Cappella, also ohne Musikinstrumente und Orchester gegeben wird. Was von den Sängern mehr abverlangt, weil keine Instrumente da sind, die das spielen, was sie singen sollen.

Sondern, dass es eine Welturaufführung beinhaltet:
Markus Fritz singt selbst bei bei den arcis vocalisten und er hat das Werk
„De Tranquilitate Animi“
nach Worten von Seneca komponiert!!!

Außerdem werden noch eine Messe von Rheinberger und ein paar Stücke von Brahms (Opus 74 No. 1 ) und Kaminski gegeben:

FlyerACapella

Wenn ich an diesem Tage nicht in Frankreich wäre, würde ich auf jeden Fall hingehen.

Nicht nur aber auch weil die Evelyn (EG) mit singt.

RMD

Roland Dürre
Sonntag, der 24. April 2016

Projekt FRIEDEN – Donnerstag, 28. April 2016 – IF-Forum

Am Donnerstag (28. April) um 18:00 starte ich gemeinsam mit Jolly Kunjappu unser Projekt FRIEDEN. Wir freuen uns auf unsere Gäste.

»Jolly Kunjappu – »Jumbo‘s first birthday. Celebrate your life.« Acryl und Wachskreide auf Leinwand

»Jolly Kunjappu – »Jumbo‘s first birthday. Celebrate your life.«
Acryl und Wachskreide auf Leinwand

An diesem Tage werden wir “die Gedanken befreien”, Impulse geben und versuchen, „die freundlichen Menschen“, die wir so mögen, zu inspirieren. Wir wollen die Lust wecken, all die Selbstverständlichkeiten zu hinterfragen.

Wir wollen die Bereitschaft fördern, an der notwendigen großen Transformation unserer Gesellschaft und Lebensart konstruktiv mitzuwirken und so die Voraussetzungen ein wenig zu verbessern, dass wir Zukunft aktiv gestalten können. Denn:
Handeln ist wichtiger denn Reden!

An diesem Abend wollen Jolly und ich in die Vorlage gehen und dann gemeinsam mit Euch Ideen entwickeln und überlegen, was man denn alles machen könnte.
🙂  (Vielleicht ein Schneeballsystem für Frieden und Transformation aufsetzen?)

So wollen wir von unseren Freunden so lernen. Gemeinsam Erkenntnis gewinnen und  an unserer eigenen Aufklärung 2.0 arbeiten.
🙂 Indoktrination und Religionisierung mögen und machen wir nicht, denn wir sind keine Missionare!

FRIEDEN ist für uns ganz einfach die zentrale Metapher für die erforderliche Veränderung, denn Frieden betrifft uns dreifach: Jeden einzelnen ganz persönlich in sich; in unseren Beziehungen zu der Welt, in der wir leben und so auch zu unserer Umwelt; und natürlich auch im Verhältnis individuell zwischen Menschen wie kollektiv zwischen Völkern und Gemeinschaften aller Art unserer wunderbaren Welt.

Und ohne FRIEDEN ist glückliches Leben in Zufriedenheit nicht vorstellbar.

Das Projekt FRIEDEN ist mir persönlich sehr wichtig und hat für mich ab sofort Priorität. Es soll das letzte große Projekt meines Lebens werden, so will ich es in den nächsten Jahren zu meinem zentralen Thema machen. Damit mir dies gelingt ist mir Eure, die Teilnahme meiner Freunde, sehr wichtig.

Trotzdem soll der Donnerstag Abend zuerst mal ein Treffen von eben „den freundlichen Menschen“ unserer Welt in großer FREUDE werden und uns allen viel Mut und Vertrauen geben! Jolly und ich sind uns sicher, dass dies gemeinsam mit Euch exzellent gelingen wird. Und ein paar Überraschungen wird es auch geben …

Hier noch ein Link zu 3 Artikeln in IF-Blog.de zum Thema inklusive der Einladung zur Veranstaltung. Eine kleine Bitte habe ich nur – das Kommen kurz anmelden wegen Futter&Getränke. Dies könnt Ihr als Kommentar im Blog machen oder ganz einfach per E-Mail an die InterFace AG oder gerne direkt an mich.

RMD

Roland Dürre
Samstag, der 9. April 2016

arcis vocalisten singen den BELSHAZZAR !!!

Am 7. und 8. Mai, jeweils um 19:00, sind die arcis vocalisten der Chor in der szenischen Aufführung des BELSHAZZAR von Georg Friedrich Händel, die in der Sendlinger Himmelfahrtskirche in englischer Sprache aufgeführt wird!

BelshazzarEvelyn ist natürlich wieder dabei und hat mir geschrieben:

Für mich wird ganz sicher der Belshazzar das absolute Highlight des Jahres: szenisch und auf Englisch. Übrigens – weil Du doch auch so sehr für Frieden kämpfst – wir singen dort Texte wie „Sweet liberty, beautific peace“ und „let war and slavery be no more“ …. alles hochaktuell, wenn man es genau nimmt.

Hier die offizielle Information zum Stück (Quelle arcis vocalisten):

Georg Friedrich Händels 1745 uraufgeführtes Oratorium Belshazzar vereint fesselnde Dramaturgie mit reicher musikalischer Formensprache und typisch „händel‘schem“ kompositorischen Einfallsreichtum. Obwohl ursprünglich zur konzertanten Aufführung bestimmt, scheint das Werk kraft seiner Dramatik eine szenische Aufführung regelrecht zu fordern.

Dem kommen die Arcis-Vocalisten nach, und zwar am 7./8. Mai 2016 in der Sendlinger Himmelfahrtskirche, gemeinsam mit namhaften Solisten und dem Barockensemble L‘Arpa Festante, unter der Leitung von Thomas Gropper und der bewährten Regie von Dieter Reuscher.

Thomas Gropper (Leitung)
Dieter Reuscher (Regie)
Gerrit Jurda (Licht)

Arcis-Vocalisten München
Barockorchester L‘Arpa Festante

Solisten:
Richard Resch (Belshazzar)
Susanne Winter (Nitocris)
Nicholas Hariades (Cyrus)
Andreas Pehl (Daniel)
Thomas Stimmel (Gobryas)

Der Belshazzar ist für alle beteiligten Künstler ein herrausragendes Projekt. Es wird garantiert das Konzert des Jahres und ein großes Fest für alle Mitwirkenden und Besucher. Ich bedauere sehr, dass ich nicht dabei sein kann, bin ich doch die ersten 14 Tage des Wonnemonats in Italien.

RMD

Roland Dürre
Samstag, der 2. April 2016

Mauern !?

Zurzeit weile ich in China. Und schau mir an, wie da die Dinge so sind. Und muss sagen, die Dinge sind in China zum Teil extrem anders. Was ich so sehe, stellt einige meiner Selbstverständlichkeiten schwer in Frage. Und manches meiner Glaubens-Muster wird ziemlich radikal zerbrochen. Ich kann das alles gar nicht so schnell formulieren wie es mich erwischt hat.

Ich fühle, dass die Zeit, in der unsere „Leitkultur“ von den USA – God’s own country – definiert wurde, vorbei ist. Wie war das doch vor 20 Jahren? Wir waren in den USA und wußten, dass das was wir dort erlebten zehn Jahre später in Deutschland ähnlich sein würde.

Doch die Vorherrschaft der USA geht zu Ende – die Frage ist für mich nur noch, ob das „preußische China“ die USA ablöst oder ob das „chaotische“ Indien da noch kräftig mitmischen wird. Nach meinen Erlebnissen in Mumbai im letzten Frühsommer und jetzt in Peking, Pengyao, Xi-an und weiteren Städten tippe ich aktuell mehr auf China.

Hoch die GREAT WALL mit Käppi nach hnten.

Die GREAT WALL hoch, Käppi nach hinten.

Aber sei es darum, China ist sicher das Land der Mauern. Historisch wie heute, auch im Internet. Dort macht es jetzt dem russischen und weiteren Regimen vor, wie das digitale Mauerbauen geht.

Angeblich gibt China für seine Aktivitäten zur Zensur mehr Finanzmittel aus und setzt dafür mehr Personal ein als für seine Armee. Das klingt unglaublich, ist aber durchaus vorstellbar. Der Gedanke allein hat schon etwas und Zensur ist aufwendig.

So schaue ich mir auch diesmal wieder die große Mauer an. Und kraxle ein wenig auf ihr herum. Und erkläre mir das mit der GREAT WALL so:

Da gibt es eine große chinesische Community (Nation, Reich, Volk, wie auch immer man das nennt). Die hat sich über lange Zeit organisiert und ihre Ordnung gefunden. Durch die Jahrhunderte ist sie groß und mächtig geworden. Mitte des zweiten Jahrtausend hat sie festgestellt, dass die Ordnung um ihren Herrschaftsbereich herum eine andere ist als die eigene. Die Veränderung, die rings herum stattfindet, wurde als Bedrohung empfunden. Also wurde eine Mauer gebaut.

Ist es heute nicht genauso?

Letzen Endes war (und ist) das Ziel der Mauer, die eigene Ordnung zu schützen. Und das ist China mit der GREAT WALL wohl auch gelungen. Jetzt ist es müßig nachzuforschen, ob der Bau der großen Mauer für China kurz-, mittel- und langfristig nützlich war. Ob die Mauer es geschafft hat, die Werte zu bewahren, die es wert waren, bewahrt zu werden. Dies und die Nützlichkeit dürften doch das wichtigste Argument für solche Entscheidungen wie einen gigantischen Mauerbau mit großen Folgen sein.

Chinas Smog und Dunst macht vor der GREAT WALL nicht halt.

Chinas Smog macht vor der GREAT WALL nicht halt.

Ich nehme mal an, dass die große Mauer kurzfristig für China sehr nützlich war. Sie bewahrte die Stabilität des Riesenreiches und machte es so noch mächtiger und reicher.

Aber dass der Nutzen der Mauer nachhaltig war, bezweifle ich. Könnte es sein, dass die Mauer langfristig wesentliche Nachteile mit sich brachte? Dass sie zwar half, eine alte Ordnung zu bewahren, aber das Land als Folge davon immer schwächer wurde? Weil die Dynamisierung zum Erliegen kam. Und China so die Kraft für Zukunft ausging.

Und vielleicht wäre China ohne GREAT WALL Jahrhunderte später nicht in diese unfassbare Schwächephase eingetaucht, aus der es sich erst mit der blutigen und grausamen Revolution eines Mao-tse-Tung über sehr komplexe und schmerzhafte Wege zu befreien wußte?

Und vielleicht hätte es ohne Mauer dann auch keine so radikale Kulturrevolution als Spätfolge gegeben, die schnurstracks in einen überbordenden und oft pervers anmutenden Turbo-Kapitalismus gemündet hat.

Mit einer dem Streben und Handeln einzigen zugrunde liegende Erfolgsmetrik – der Gier nach Reichtum und der Jagd nach Geld?

Und wahrscheinlich wird das mit den chinesischen (und russischen und sonstigen) Mauern im Internet auch mal so sein, dass sie ganz eigene Effekte haben werden, von denen wir heute gar keine Ahnung haben? Und denen am meisten schaden werden, die heute meinen, davon zu profitieren?

Diese Gedanken zu Mauern, Angst und Xenophobie gehen nicht nur Diktaturen an. Auch Noch-Demokratien, wie sie vereinzelt in Europa und der EU hoffentlich noch zu finden sind, sollten mal darüber nachdenken, ob es langfristig wirklich Sinn macht, Mauern zu bauen. Und so bringt mich die große Mauer wieder auf den Gedanken, dass Transparenz und Offenheit der bessere Leitstern ist.

Solche Gedanken berühren mich im beginnenden Zeitalter der Naturkatastrophen und der daraus folgenden Konflikte und Migration ganz besonders.

RMD

 

Roland Dürre
Sonntag, der 27. März 2016

Wieder eine Erstaufführung im Torturmtheater!

Und das Stück wurde bei InterFace in Unterhaching erarbeitet!

Torturmtheater-Sommerhausen_Auquarell_SpielplanDieses Jahr wird das Torturmtheater 40 Jahre alt. Gleich zum Start in die Jubiläums-Saison startet es mit „einem Stück aus Unterhaching“.

Das freut mich. Schon seit einigen Jahren erstellt das Torturmtheater manche seiner Produktionen in intensiver Arbeit in den Räumen der InterFace AG in Unterhaching. Der Grund ist einfach, die meisten der Mitwirkenden sind häufig aus dem Münchner Raum und Proberäume in München sind nicht leicht zu bekommen. Gespielt wird dann am traditionellen Torturm in Sommerhausen.

Zur Erinnerung: 1976 hat Veit Relin dieses ganz kleine und so wunderbare Theater in Sommerhausen (ganz in der Nähe von Würzburg) nach dem Tod von Luigi Malipiero wieder eröffnet und mit Ur- und Erstaufführungen im Rahmen eines niveauvollen wie außergewöhnlichen Spielplan überregional bekannt gemacht.

Die Saison 2016 eröffnet das Torturmtheater mit der deutschen Erstaufführung
Eine pornographische Beziehung von Philippe Blasband. Die deutsche Uraufführung findet am Mittwoch, den 30. März um 20.00 Uhr statt. Es spielen Zhanna Kalantay und Murali Perumal unter der Regie der einmaligen Eos Schopohl. Für die Auswahl des Stückes, die Ausstattung und vieles mehr zeichnet wie immer Angelika Relin verantwortlich.

Die Liebe ist ein seltsames Spiel. Ja, sie liebten sich, obwohl sie am Anfang nichts anderes als die Erfüllung ihrer Begierde, ihrer Neigungen ausleben wollten – dafür hatte sie eine Annonce aufgegeben. Sie kennen nichts voneinander; namenlos sind sie durch die Anonymität geschützt, auch voreinander. Die lästigen Details des Alltags fallen weg, das gibt ihnen Freiheit. Doch bald verstehen sie, daß sie sich lieben, vielleicht könnte es die Liebe ihres Lebens werden…

Im entscheidenden Moment fehlt ihnen jedoch der Mut. Zurück bleibt am Ende die bittersüße Erinnerung an eine nicht gelebte Chance, vor allem aber an eine leidenschaftliche Liebe.

Philippe Blasband ist mit dieser Geschichte eines Paares, das keines sein wollte ein kluges, erotisches Kammerspiel mit sensibler Komik gelungen.

Zur Jahresvorschau 2016 schreibt Angelika Relin:

Starten werden wir im Frühling am 30. März gleich mit einer Erstaufführung – Eine pornographische Beziehung! Einer melancholischen Liebesgeschichte, nicht ohne Komik, auf alle Fälle sehr intensiv…
(Dazu habe ich oben berichtet). 

Danach loten wir den ganz normalen Wahnsinn unserer heutigen Konsumgesellschaft aus und bringen den Irrwitz auf den Punkt. Allein schon der Titel Wenn ich was anderes machen würde, würde ich vielleicht nicht immer ans Geld denken ist so skurril, daß man einfach neugierig sein muß. Ein Abend, den Sie auf keinen Fall verpassen dürfen – schrill, bizarr und unendlich komisch, auch wenn die schrägen Wahrheiten des Alltags eigentlich schon wieder traurige Clowns erschaffen.

Der Sommer setzt sozusagen an der Achillesverse unserer Demokratie an, welche die Gesellschaft quer durch alle Schichten spaltet – so wie unsere Protagonisten auf der Bühne, diese zwei Pärchen aus dem Mittelstand, die sich als Nachbarn mit neidvoller Herzlichkeit annähern. Als Barbara eines Nachts einem Flüchtling Asyl gewährt prallen in dieser bitterbösen Farce Wohlstandsängste und die Faszination am Fremden ungebremst aufeinander. Mit rabenschwarzem Humor gehen hier alle im Wechselbad verlogener Menschlichkeit unter. Wir sind keine Barbaren müssen Sie sehen, auch wenn Ihnen das Lachen bestimmt im Halse stecken bleibt.

Im Herbst kitzelt dann noch Das Abschiedsdinner ihr Zwerchfell, in dem es mit seiner perfiden Moral die Idee der Freundschaft versucht ad absurdum zu führen. Aber wie so oft im Leben kommt es anders als man denkt…

Soweit die Jahresbotschaft 2016 von Angelika Relin. Hier geht es zum Spielplan!

Wie seit Jahren werde ich mir auch 2016 wenn irgend wie möglich alle vier Aufführungen im Hofturmtheater anschauen. Nicht nur, weil es jedesmal so tolles Theater ist. Sondern auch weil es für Barbara und mich so zu vier immer ganz besonders schönen Ausflügen nach Sommerhausen langt. Leider kann ich an der Premiere von „der pornographischen Beziehung“ nicht teilnehmen, weil ich da noch in China weile. Aber für den 16. April habe ich schon zwei Karten für uns reserviert. Und freue mich, wenn ich bekannte Gesichter sehe!

RMD

P.S.
Wer nach Sommerhausen will, fährt am besten mit dem Regionalexpreß nach Winterhausen, das gleich gegenüber auf der anderen Seite des Mains liegt. Vom Bahnhof Winterhausen sind es dann zu Fuß über die Mainbrücke zum Theater nur noch ein knapper Kilometer. Den Zug verlässt man übrigens am besten am Ende, wenn man in Richtung Würzburg fährt.

Und wieder mal mache ich Reklame in IF-Blog!
Aber wie immer nur für die ganz besonderen Arcis-Vocalisten!

Warum?

Weil sie so eine einzigartige Musik machen und die Evelyn (EG) mit soviel Freude dabei ist!

25.3.16. Johannespassion

Also Hingehen!

RMD

P.S.
Für IF-Blog-Leser, die das Konzert besuchen wollen, gibt es ein kleines Zuckerl …
Einfach bei mir melden mit Stichwort Johannes-Passion.

Klaus Hnilica
Donnerstag, der 25. Februar 2016

Das Dvorak Requiem

ZZZimagesSie war froh.
Und er war froh.
Die Dvorak ging mit ihm – und er mit ihr – zu Margots Geburtstagsfeier.
Erst vor zwei Tagen war er mit der Dvorak auf ‚ihrem Requiem’ gewesen.
Er fand das lustig.
Sie nicht.
Das Dvorak Requiem war unbeschreiblich gewesen! Der Chor gewaltig und die Musik erschütternd wie das Ende der Tage.
Aber soweit war es noch nicht.
Margot war Siebzig geworden und wollte feiern. Ihr Mann war längst tot, und die alten Freunde wurden immer weniger.
Mit dem Golfhotel hatte sie eine feine Adresse gewählt. Leckeres Essen war garantiert. Alles andere wär eine Enttäuschung gewesen. Die Dvorak freute sich darauf. Sie aß für ihr Leben gern. Natürlich mit Folgen! Ein lebenslanger Kampf! Aussichtslos!

Dienstag siebzehn Uhr fünfundvierzig bei ihm, hatten sie gesagt.
Um achtzehn Uhr begann das Fest.
Zwei Stunden vorher rief er die Dvorak an.
Keine Reaktion.
Wahrscheinlich noch unterwegs. Oder sie duschte.
Viel zu schnell griff er gleich wieder zum Hörer.
Nichts!
Wo blieb denn ihr Anruf? Das tat sie doch sonst immer.
Er versuchte es noch etliche Male auf ihrem Handy.
Dumme Pute wollte er sagen. Konnte er aber nicht. Hatte ja keine Verbindung.
Schließlich gab er auf.
Unruhig und enttäuscht fuhr er alleine los…
Aber vielleicht musste sie ja überraschend zu ihrer krebskranken Tochter. Oder ihr uralter Vater wollte plötzlich doch sterben.
Oder sie musste sich erlösen von all’ dem Übel und war neben dem Glas Rotwein eingeschlafen.
Da hätte er nicht stören mögen.

Als er der Erste auf dem Fest war – hatte er Gewissensbisse.
Er hätte doch länger auf die Dvorak warten sollen. Sie wär bestimmt noch gekommen.
Margot war überrascht, dass er sie nicht mitbrachte.
Und seine Frau auch nicht. Aber das wusste sie ja.
Ach, die Dvorak kam bestimmt noch. Die hätte sich sonst auf jeden Fall abgemeldet. War viel zu gewissenhaft.
Niemand hatte da die geringsten Zweifel.
Auch nicht als es schon hoch herging und die Gäste mit der Animateurin allerlei Gymnastik zwischen den köstlichen Speisefolgen machen mussten.
Das hätte die Dvorak nicht mögen.
Als hätte sie es geahnt.
Hat sie ja vielleicht. Sie hasste Gymnastik wie die Pest.
Warum musste man im Alter unbedingt gelenkig sein?

Komisch, ihr Stuhl blieb leer. Obwohl die Lücke am Tisch störend war.
Ihr Gedeck hatte man auch noch nicht weggetan.
Ein eigenartiger Scherz war das schon von ihr.
Einfach nicht erscheinen.
Ohne ein Wort .
Ohne Entschuldigung. Aber bei aller Zuverlässigkeit konnte sie eben auch störrisch sein, dass wussten alle, die sie kannten, die Dvorak.

Das Fest war gediegen!
Alles perfekt organisiert.
Margot gab ihr Bestes und ihre charmante Tochter auch.
Beide waren Profis. Wussten wie man Stimmung macht.
Den schalen Geschmack im Mund hatte wahrscheinlich nur er, als bei der Oldie– Einlage zum Schluss, die gleichen Sänger auftraten wie im Dvorak Requiem.
Die Dvorak hätte gelacht, bei dieser unfreiwilligen Komik.
Lachen konnte sie. Und wie!

Ja und dann war der Abend auch schon vorbei.
Und die Dvorak nicht gekommen.
Schade!
Er zockelte alleine heim und rauchte noch ein Zigarillo.
Ein Glas Rotwein gönnte er sich auch.
Endlich der Anruf:
Arg spät, liebe Frau Dvorak!
Aber sie war es nicht.
Sie war schon tot.
Während der zweiten Vorspeise auf dem Fest, hatte ihr Sohn sie gefunden.
Er war über den Balkon ins Haus gestiegen, da der Haustürschlüssel innen steckte.
Die Dvorak saß auf der Stiege.
Einen Schuh hatte sie schon an.
Dann lehnte sie sich an die Wand und blieb so sitzen.
Eine ganze Nacht – und einen Tag.
Herzstillstand. Sekundentod.
Ihr alter Hund bewachte sie.
Er war taub.
‚Ihr Requiem’ – hätte er nicht hören können…

KH

 

Klaus Hnilica
Donnerstag, der 11. Februar 2016

Haarige Kopflosigkeit…

Carl und Gerlinde (Folge 47)
ZZZZZM214Ja – in einigen Dingen war Carl wirklich von eherner Beständigkeit! Und das nicht nur was sein Lieblingsbier betraf, dieses trübe Glaabsbräu, oder sein Haarwasser, oder die heiß geliebte Nivea Creme, die er sich täglich in die Haut rieb – nein, auch seinem Zahnarzt hielt er die Treue und dem französischen Baguette vom Bäcker Briegel – ähnlich wie der TRIGA Unterwäsche, den Davidoff Zigarillos und den Falke Socken – und natürlich seinem Friseur Florian Breitschuh!

Letzteres war am ehesten zu verstehen, da Carl recht zuverlässig alle zwölf Wochen seine üppig sprießende Haarpracht im Frisierstudio ‚Haargenau’ von Herrn Breitschuh zurechtstutzen ließ: und das seit siebenunddreißig Jahren!

Neuerdings verkürzte sogar ein immer dreister werdender Wildwuchs an grauen Haaren in Nasenlöchern und Ohren diese über Jahrzehnte eingeübte ‚Zwölf-Wochen-Periode’, was Carl aber gelassen hinnahm, da er einen Haarschnitt bei Florian Breitschuh nie als Last, sondern immer nur als eine willkommene ‚Entspannungszäsur’ in seinem stressgeplagten Arbeitsalltag empfunden hatte.

Insgeheim war Carl natürlich glücklich, dass dieser haarige Wildwuchs nur in den Nasenlöchern und Ohren tobte und nicht etwa auf seiner Brust oder gar den Schulterblättern: denn Gerlinde schüttelte sich stets mit unnachahmlicher Abscheu, wenn ihr im Schwimmbad oder in der Sauna ein männliches Wesen mit tierisch behaarten Schultern über den Weg lief. Ja, sie hatte in diesen Fällen sogar immer die allergrößte Mühe die unmittelbar einsetzende zwanghafte ‚fäkal sprachliche Eruption’ angemessen zu bändigen und in gesellschaftsfähige Bahnen zu lenken; für Carl natürlich ein überlebensnotwendiger Hinweis, wie er seine Körperbehaarung zu steuern hatte!

Am meisten aber schätzte Carl an Florian Breitschuh dessen Schweigsamkeit!

Außer einer kurzen Begrüßung gab es kein unnötiges Wort zwischen ihm und Carl. Und schon gar nicht dieses zermürbende Gelaber über Urlaub, die heraufziehende Klimakatastrophe, oder die immer bedrohlicher werdende Flüchtlingssituation…

Nein – Carl und Florian Breitschuh schwiegen bei ihrem ‚Haar schneidenden Tun’!

Doch eine Anmerkung ließ sich Carl nie nehmen: sobald er saß und den Frisierumhang um den Hals hatte, grinste er Florian Breitschuh in sein gespiegeltes Antlitz und sagte in sonorem Tonfall:

„2 Zentimeter“!

Nach diesem verbalen Tsunami pflegte Carl seine Augen zu schließen und diese erst wieder zu öffnen, sobald die zärtlich weichen Borsten der Breitschuh’schen Haarbürste das ‚haargenaue’ Ende des Haarschnitts signalisierten und alles wegfächelten, was an Carls Ohren, Nase, Nacken, Hals und Kragen zu kitzeln drohte.

Genau dann, wenn die Breitschuh’sche Haarbürste ihre letzte Fächelbewegung machte, öffnete Carl seine Augen und registrierte im Spiegel, mit von Jahr zu Jahr abnehmender Begeisterung, sein frisch gestyltes, graues ‚2 Zentimeter Haupthaar Gesicht’!

Eine kurze Kopfdrehung nach links und rechts genügte anschließend, um durch ein kaum wahrnehmbares Nicken zum hundertachtundvierzigsten Mal Florian Breitschuh die vollste Zufriedenheit anzuzeigen! Was dieser seinerseits mit einem feinem Lächeln und einer nur für Eingeweihte erkennbaren Verbeugung quittierte.

Doch warum dann dieses unfassbare und jeder Sachlichkeit entbehrende Ereignis?

Welches Ungeheuer starrte denn Carl da plötzlich entgegen, als er wie üblich nach vollendetem Haarschnitt vertrauensvoll die Augen öffnete

War dieser Kahlkopf wirklich E.T, der Außerirdische? Oder einer dieser Millionen erbarmenswürdigen Krebskranken, die heutzutage in keiner Fernserie fehlten? Oder war es der Satan persönlich, der ihm da aus diesem Friseurspiegel verlegen zugrinste?

Hm – brummte Carl und schaute verunsichert nach allen Seiten – dann wieder auf das Gesicht vor ihm, das ebenso verunsichert um sich spähte – grad so als befände es sich auf der Flucht…

„Hey“, rief Carl nun etwas lauter, „wer ist das?“

Denn dass er selbst beim Friseur saß, das war Fakt und fiel ihm auch spontan wieder ein; doch nirgends sonst war ein bekanntes Gesicht in Sicht. Nur dieser komische Typ hinter ihm im Spiegel, der selbst völlig entgeistert vor sich hin starrte…

Und als Carl ihn fragte, wer er sei, sagte er, jetzt lachend, „der Friseur Ihrer werten Frau, junger Mann! Sie hat Sie nämlich zu mir geschickt, da sich Ihr Friseur den Arm gebrochen hat!“

„Und?“.

„Ja – nichts und! Ich hatte doch extra noch einmal nachgefragt, als Sie ihm Stuhl saßen und ‚2 Millimeter’, sagten. Auf meine Frage meinten Sie nur unwirsch, dass Sie sich nicht gern wiederholten und schlossen die Augen. Nun da tat ich eben meine Arbeit – mit der Maschine!“

„ Hm“ sagte Carl ein weiteres Mal, und dann, dass er Gott sei Dank nicht eitel sei!

Doch noch auf dem Heimweg verfestigte sich in ihm der Entschluss, dass er sich umgehend für zwei Wochen krankschreiben lassen musste: seine Sekretärin Bettina und auch Miriam Braun würden in Schreikrämpfe ausbrechen, wenn sie seiner ansichtig wurden.

Selbst sein Chef Dr. Osterkorn, würde ihm bestimmt raten, in den nächsten sechs Wochen Kundengespräche zu meiden, und seiner Gerlinde würde er gleich jetzt noch am Telefon einen vierwöchigen Urlaub in Island vorschlagen, den sie sich schon seit Ewigkeiten wünschte und er immer abzuwenden verstanden hatte, da er den ständigen Regen und die Bärenkälte dort, wie nichts auf der Welt hasste.

Aber mit geeigneter Mütze, waren doch solche Wetterkapriolen überhaupt kein Problem mehr! Warum war ihm das nicht schon früher eingefallen? Komisch eigentlich?

Ja – vielleicht sollte er sich gleich noch das passende Käppi kaufen und Gerlinde überraschen? Warum eigentlich nicht? Nicki Lauda trug doch auch eines…

KH

Hans Bonfigt
Donnerstag, der 31. Dezember 2015

Bertrand Russell und das Internet 5.0

Ein spleeniger Amerikaner besucht ein kleines deutsches Dorf, sucht den dortigen Barbier auf und verspricht diesem 100.000 Dollar, wenn er alle Bewohner des Dorfes rasiere, mit Ausnahme natürlich derer, die dies selbst tun.
Mit Freuden fängt er an und als er gerade mit der Hälfte seiner Kunden durch ist, geht ihm ein Licht auf: Wie sollte er es eigentlich mit sich selber halten ?

Um es gnadenlos abzukürzen:  Die Definition „Barbier := Jemand, der Menschen rasiert, die dies nicht selbst tun“ ist eine trickreiche Definition der Leeren Menge.  Die lustige Geschichte erwies sich in Wahrheit als der Tod der seinerzeit existenten Mengenlehre.  Das Russell’sche Paradigma machte einen Erfinder recht bekannt.

Sehr gerne zitieren Roland als „Superintendent“ dieses „Magazins“, aber auch andere Autoren den nachfolgenden, ebenfalls Bertrand Russell zugeschriebenen Satz:

„Jeder Zuwachs an Technik bedingt, wenn damit ein Zuwachs des menschlichen Glücks verbunden sein soll, einen entsprechenden Zuwachs an Weisheit“

Mit Aphorismen und Zitaten ist es wie mit Bibelsprüchen, die man aus einem beliebigen Kontext des „theologischen Selbstbedienungsladens“ ziehen kann. Nun hat Roland mein letztes Zitat dieses Aphorismus‘ wieder aufgegriffen und, Vorsicht, übelster Sozial- und sonstiger „Rassismus“, ich möchte einmal konkretisieren, warum jener meines Erachtens so wichtig ist.

Mein alter Herr war in den 70er Jahren in der Rolle eines Wirtschaftsprüfers für ein Entwicklungshilfeprojekt in Afrika tätig, wovon er seinem etwa zwölfjährigem Sohn berichtete. In Erinnerung geblieben ist mir die Schilderung, daß zehn hochmoderne Reisebusse von Büssing angeschafft und ausgeliefert worden waren, um Menschen täglich in die nächsten größeren Städte zur Arbeit zu bringen und zurück. Das ehrgeizige Projekt war gescheitert aufgrund „mangelnder Akzeptanz der Einheimischen“. Auch mein Vater hatte es mit Russell, insbesondere mit dessen Satz, „Wenn sich Experten einig sind, ist größte Vorsicht geboten“ und suchte die eigens ausgebildeten Busfahrer auf. Die führten aus, daß die Busse schon sehr schön seien, aber immer „kaputt“ gingen.

Und da forschte er einmal nach: Bei Bus 1 war die Batterie leer, bei Bus 2 lag eine Bagatelle mit der Druckluftbremse vor, Bus 3 war zwar vollgetankt, aber wohl zwischendurch leergefahren worden, so daß die Kraftstoffleitung hätte entlüftet werden müssen, Bus 4 hatte einen defekten Kühlwasserthermostaten und die Busse 5 bis 10 „litten“ an ähnlichen Kleinigkeiten. Während seiner Lehrzeit hatte mein Vater oft LKWs gefahren und so war es eine Sache von wenigen Minuten, bis er den ersten Schraubenschlüssel in der Hand hatte und die Busse einen nach dem anderen wieder in Betrieb nahm. Dennoch konnte mein Vater keine Erfolgsgeschichte mit nach Hause bringen: Zwei Tage fuhren die Busse wieder, aber dann kehrte wieder „Normalität“ ein in Form von Bagatellausfällen, mit denen das lokale Team völlig überfordert war.

„Die moderne Technik ist dort hinten einfach noch nicht angekommen, Du kannst denen nicht erklären, was Elektrizität ist. Und es war blödsinnig, die modernsten verfügbaren Busse zu nehmen. Es hätten viel einfachere, robustere Modelle sein müssen. Ohne hydrodynamische Getriebe, ohne Servolenkung. So wird das nie etwas“.

Mein alter Herr wird wohl recht gehabt haben.

Mittlerweile gibt es Heinrich Büssings Nutzfahrzeugfabrik nicht mehr, aber in jedem „Smartphone“ steckt mehr Komplexität als in allen zehn Bussen zusammen! Und spätestens ab sechs braucht man eines, es heißt ja schließlich „Eifon 6“. Wenn es ein „Eifon 5“ ist, darf man sicher sein, daß das arme Kind in der Schule „gemobbt“ wird.

Wenn uns früher als Kindern das Fahrrad kaputt ging, dann reparierten wir es. Ein „Eifon“ muß bei der geringsten Macke in die Spezialwerkstatt, wo es in aller Regel gegen ein neues Modell ausgetauscht wird. Was hätten wir früher jemandem den Vogel gezeigt, der uns gesagt hätte, „wenn Euer Scheinwerferbirnchen durchgebrannt ist, dann braucht Ihr ein neues Fahrrad!“ — bei einem Eifon kann man nicht einmal mehr den Akku wechseln. Also: Ich bleibe dabei: Wer sich so ein Ding als erwachsener Mensch kauft, hat nicht mehr alle Latten am Zaun.

Natürlich haben wir früher den Polizeifunk abgehört, indem wir unsere Radiogeräte, welche schon für den internationalen Markt ausgelegt waren, ein wenig umjustierten. Wir nannten die Geräte auch nicht „Radio“, sondern „Superhet“, weil wir wußten, daß der drinsitzende Tuner nach dem Überlagerungsprinzip arbeitete, weil eine feste Zwischenfrequenz mit besserer Selektivität herausgefiltert werden konnte.

Ja, wir hatten eine Beziehung zu den Geräten und wuchsen mit ihnen. Es war ein Freudentag, als unsere Familie ein größeres „SABA Lindau“ – Radiogerät bekam, das man sich nicht „mal eben so“ kaufen konnte, sondern für das mein Vater lange und hart gearbeitet hatte. Dieses Gerät repräsentierte schon „Spitzentechnologie“ in Form eines „Integrierten Schaltkreises“, nämlich einer Röhre des Typs EABC80:

„Das gute alte Dampfradio“ war schon komplizierter als man sich gemeinhin vorstellen konnte, aber das Prinzip kannte jeder. Das Radiogerät hat seinen Dienst mehr als 30 Jahre zur besten Zufriedenheit erledigt. Ein Eifon hält maximal zwei Jahre.

Mit dem „Dampfradio“ aber gab es bereits in der Kommunikationstechnik die tollsten Möglichkeiten, die später dazu beitrugen, einen Kanal mehrfach zu nutzen, beispielsweise die Einseitenbandmodulation.

Wenn wir von moderner Internetkommunikation reden, dann ist diese das Ergebnis einer fieberhaften, internationalen und koordinierten Suche nach der „Mehrfachnutzung“ von Leitungen. Diese ist keineswegs selbstverständlich! Wenn wir vor 30 Jahren von Hamburg nach München telephonierten, dann war eine physikalische Drahtverbindung, sogar vierfach, über die gesamte Strecke durchgeschaltet und diente exklusiv den beiden Gesprächspartnern. Nun stelle man sich den Aufwand vor, man müßte jeden Internetcomputer mit jedem verbinden!

Also ersann man nicht nur unterschiedlichste Modulationsverfahren, welche typischerweise nicht nur die Amplitude, sondern zusätzlich auch die Phasenlage des Trägers beeinflußten und damit deutlich effektiver wurden, sondern man teilte Kanäle in Zeitschlitze auf („TDMA“) oder versuchte einen Kanal durch ‚chaotisches‘ Trial-and-Error‘ mehrfach zu nutzen („CSMA/CD“). Einen gigantischen Durchbruch unterdessen erzielte die Einführung einer „paketorientierten“ Übertragung, deren weitaus bekannteste Variante schon vor einem Vierteljahrhundert „IP“ hieß, und dreimal dürfen Sie raten, liebe Leser, wofür das „I“ steht.  Mit „IP“ war es erstmals möglich, von jedem Endgerät jeden Dienst eines jeden Systems zu nutzen.

Wer heute von einer „innovativen CLOUD-Lösung“ spricht, ist ein dummer Schwätzer, der die Grundlagen des Phänomens „Internet“ nachhaltig nicht verstanden hat. Denn der innovative, proaktive Dummschwätzer verfügt zwar über Spitzentechnik in seiner Hemdtasche, aber sein Verstand ist nicht annähernd mitgewachsen. Denn sonst wüßte er, daß unzählige Unternehmen und Institutionen seit Jahrzehnten „Cloud-Technologie“ wie selbstverständlich nutzen.

Wie weit Unverständnis und fast schon perfide zu nennende Borniertheit gehen, zeigt in kaum zu übertreffender Dreistigkeit „Telekom“ – Chef Höttges, welcher von Google, Amazon und anderen „Volumenanbietern“ eine „Mautgebühr“ verlangt, mit der im Wortsinn perversen Begündung, „Die benutzen unsere Leitungen und wir bekommen dafür keinen Pfennig“. Als ob Google von sich aus etwas schicken würde, was der zahlende, und zwar an die „Telekom“ zahlende, Endkunde nicht abrufen würde! Und ja, der Kunde ruft auch die Werbung ab, die Google nicht „mitschickt“, sondern die der Browser des „Telekom“-Kunden dynamisch nachlädt.

Die komplette Gurkentruppe „Telekom“ ist ein erschreckender Beweis dafür, was passiert, wenn Russels Satz konsequent nicht beachtet wird.

 

Der „Zuwachs an Weisheit“ darf aber keineswegs reduziert werden auf „Zuwachs an technischem Verständnis“.

Speziell in der DDR gab es richtige „Röhrenkünstler“, die theoretisch und praktisch allerbestens ausgebildet waren, sei es „offiziell“ oder in privater Arbeit. Was der typische „Zoni“ aber nie kennengelernt hatte, war Demokratie.

Nach der unglückseligen „Wiedervereinigung“ bekam der Zoni, qua 1:1 – Umtausch, alles gratis: Bananen, Cola, Farbfernseher und Beate Uhse. „Westautos“ vor allen Dingen. Eine eingereiste DDR-Familie, der ich einen prima Farbfernseher geschenkt hatte, beschwerte sich bei Bekannten über mich, „Er hat uns ein Gerät gegeben, mit dem wir nicht einmal RTL gucken können“. Genau diese Familie „engagiert“ sich mittlerweile in der „NPD“, das Oberhaupt befindet sich seit Jahren, wer hätte das gedacht, „in einer beruflichen Umorientierungsphase“.

Kann man es verübeln? Es wurde ein tolles Schlaraffenland versprochen, „blühende Landschaften“, Wohlstand für alle und Friede, Freude, Eierkuchen. Stattdessen sollte man auch hier arbeiten müssen? Nett zu Kunden sein? Und diesen verdammten „Briketts“ und „Fidschis“, die man schon zu DDR-Zeiten schon so gehaßt hatte, gesellten sich jetzt auch noch Asylanten zur Seite? Das konnte nicht sein – und so kam es, daß die ersten Flüchtlingsunterkünfte brannten. Als ich im Fernsehen etwa 1990 die Hoyerswerda-Bilder sah, habe ich geheult.

Mittlerweile haben unsere „Brüder und Schwestern“ größtenteils einen luxuriösen Internetanschluß mit einem Durchsatz zwischen 6.000 und 25.000 MBit/s. Und unsere Bundesregierung möchte noch weit mehr. Da darf ich doch ‚mal fragen, unter Zugrundelegung der Prämisse, „Jeder Zuwachs an Technik bedingt, wenn damit ein Zuwachs des menschlichen Glücks verbunden sein soll, einen entsprechenden Zuwachs an Weisheit“, worin besteht denn verdammt nochmal der Zuwachs an menschlichem Glück, wenn der demokratiefeindliche Pöbel über „Facebook“ die allerübelste Hetze auskippt ?

Technik, Wissen um Technik und Wissen um die mit der Nutzung von Technik einhergehenden Verantwortung müssen miteinander wachsen. Am Beispiel der unsäglichen „Bundeskanzlerin“ können wir sehen: Die Demokratie ist einfach noch nicht in der ehemaligen DDR und unter deren Bürgern angekommen. Wie sonst könnte sich beispielsweise Merkel entblöden, im Falle „Bin Laden“ der amerikanischen Regierung „für die gelungene Aktion“, i.e. den Mord eines mutmaßlichen Attentäters ohne Gerichtsverhandlung, zu gratulieren? Im Namen der Bundesregierung?

Wenn „Facebook“-Abschaum aus den „neuen Bundesländern“ das Bild eines ertrunkenen Kleinkindes mit „Wir Feiern!“ kommentiert, dann ist das eklig, aber weder verwunderlich noch strafbar – es wird ja keiner gezwungen, sich einzuschreiben in diese Asozialensuhle. Wenn Merkel öffentlich Gewaltverbrechen billigt, dann ist das knallhart strafbar.

Zusammenfassend: Weder kann ein großer Teil der DDR-Bevölkerung mit dem Internet umgehen — noch ist die „Kanzlerin“ in der Lage, ein Mobiltelephon verantwortungsvoll zu nutzen.

Leider viel zu früh verstarb der von mir hochgeschätzte Fuldaer Erzbischof Johannes Dyba. Viele sahen in Walter Mixa einen Nachfolger, was Dyba nicht annähernd gerecht wird:  Es ist nicht so, daß jener Protz und Prunk gehaßt hätte – er hatte ihn einfach nicht nötig, denn er glich durch scharfen Intellekt, charismatische Persönlichkeit, Integrität und brillante, geradezu lustvolle Rhetorik aus.  Aus dem Spiegel, der „Pressestelle des Teufels“, zitiere ich ihn einmal:

„Der Werteverfall hat seinen Preis: Früher dauerte ein Flug nach London mit einer Propellermaschine zwei Stunden. Heute dauert die Reise mit all den Sicherheitsmaßnahmen, trotz Düsenjet, eine halbe Stunde länger. Warum? Weil das moralische Tabu gefallen ist, daß Flugzeuge nicht entführt werden dürfen. Unser ganzes System geht in die Brüche, weil ganz selbstverständliche Tugenden, die aus dem Glauben und aus der christlichen Nächstenliebe erwuchsen, aufgegeben wurden.“

Als Agnostiker möchte ich anmerken, daß diese „selbstverständlichen Tugenden“ vor allem ein Axiom unserer ehemals freiheitlichen Demokratie sind, siehe Artikel 2 Grundgesetz.

Man kann zu Silvio Berlusconi unterschiedlicher Auffassung sein, aber ganz sicher wird ihm keiner unterstellen, jener könnte Dinge nicht konzis und pointiert auf den Punkt bringen: Ob es seinerzeit die paßgenaue Charakterisierung des unsäglich peinlichen Martin Schulz war, ob es um eine kurze, charmante Bezeichnung für die „Bundeskanzlerin“ ging oder um die „Errungenschaften“ der Islamisten:  Berlusconi traf den Punkt. Ich war mit meiner Frau vor einigen Jahren auf der Durchreise in Bologna, als ich den „Cavalliere“ im Hotelfoyer auf einem RAI – Kanal vom Leder ziehen hörte (bitte keine Korrektheit erwarten, schon gar keine politische – mein Italienisch ist arg eingerostet – also: sinngemäß):

„Was hätte denn der Islam jemals geleistet, was die Menschheit vorangebracht hätte? Kennen Sie irgendeine Erfindung, irgendein Produkt, das unser Leben bereichern würde? Ganz im Gegenteil, Islamisten benutzen Technik und Wissenschaft, um andere zu schädigen, um Leben zu vernichten und Staaten zu erpressen. Zudem können Sie die ganze Rückständigkeit der islamischen Staaten daran erkennen, wie erniedrigend Frauen dort behandelt werden“.

Das mag zwar jetzt bei Claudia Roth, Renate Künast und anderen Schönheiten keinen Anklang finden, aber vielleicht gerade deswegen möchte ich diese sinngemäß wiedergegebene Äußerung ergänzen: Die einzige Innovation, die Islamisten dem Internet „geschenkt“ haben, ist das Enthauptungsvideo.

Und jetzt eröffnet der Kongress des „Chaos Computer Clubs“ mit einer „Keynote“, in der „mehr Internet für Flüchtlinge“ gefordert wird.  Und wieder unter Zugrundelegung des Russel’schen Satzes frage ich mich, ob das nicht das genaue Gegenteil des Beabsichtigten bewirkt: Denn bisher haben viele „Flüchtlinge“ Technik nicht gerade so gebraucht, daß damit „ein Zuwachs menschlichen Glücks“ erreicht worden wäre:

  • die eigenen Schicksalsgenossen werden mit Fahrplanauskünften aus den „Windows“-basierten DB-Automaten, welche einer echten Fahrkarte täuschend ähnlich sehen, um ihr Geld betrogen
  • Züge werden mit der Notbremse angehalten, mehrfach pro Fahrt, wodurch Mitreisende und nachfolgende Züge in Gefahr gebracht werden
  • Unter Vorlage falscher oder gefälschter Dokumente werden Verträge mit Internetprovidern geschlossen, erhebliche Schäden enstehen
  • Der Münchner Marienplatz wird blockiert aus Protest gegen eine etwas einsamere Unterkunft, unendliche 900 Meter von der nächsten Siedlung entfernt und kein Internet!!!
  • Beim „Kampf“ um eine freie Steckdose schlägt man sich mit Eisenstangen, die aus demolierten Betten „gewonnen“ wurden, die Köpfe ein

Die Liste ließe sich ziemlich lang und fies fortsetzen, aber ich möchte hier keine „Hetzseite“ gegen Asylanten einrichten.

Aber ich finde es auch hier notwendig, aus Russell zu lernen: Wir müsssen die Menschen, die hierhin kommen, zunächst einmal mit dem Notwendigsten versorgen, Essen, medizinischer Versorgung, gewaltfreier Unterkunft, Teilnahme, Zitat Sina Trinkwalder, „Teilnahme am gesellschaftlichen Leben durch Arbeit“. Das kann nicht in Ballungszentren wie in Berlin oder in Hamburg klappen, sondern beispielsweise auf dem Land – wo auch Landwirtschft betrieben wird.

Einen Internetanschluß oder ein „Smartphone“ braucht man dazu erst einmal nicht.

 

Wir müssen, sowohl geistig als auch vom technischen Verständnis her, genau so schnell wachsen wie unsere Technologien.

Nicht mehr, aber verdammt nochmal auch nicht weniger.

hb

Hans Bonfigt
Freitag, der 25. Dezember 2015

Freislers Enkel

Etwa 15 Kelvin und 3.500 Km auf dem großen Kreis trennen meine Frau und mich von Deutschland und vor allen Dingen von Weihnachten. Nur für die schlimmsten Notfälle habe ich ein Notebook mitgenommen – aber dummerweise hat das Hotel ein gut angebundenes WLAN installiert. Und so kam, was kommen mußte – zum Zeitvertreib habe ich „mal eben“ http://www.zeit.de aufgerufen.

Und schon ist die Urlaubsstimmung dahin. Aber der Reihe nach:

Es ist schon einige Zeit her, da hängte die bei uns in Westdeutschland bedeutungslose „NPD“ ein paar Plakate auf, zum Beispiel mit einem Motorradfahrer und der Unterschrift „Gas geben!“ oder mit einer alten Dame, kommentiert mit „Mehr Geld für Oma statt für Sinti und Roma“.

Was soll ich sagen, ich habe mich durchaus amüsiert. In Berlin hatten tagsdrauf einige Aktivisten unter das „Gas geben“ – Plakat ein großformatiges Bild des zerlegten Autos von „FPÖ“-Chef a.D. Jörg Haider gehängt. Saubere Replik. Auch der, zumal für „NPD“ – Verhältnisse, gelungene Reim auf dem „Oma“ – Plakat gefiel mir.

Zunächst einmal: Seit Jahrzehnten öden uns diese Spinner mit Stereotypen wie „Deutschland den Deutschen“ etc. an, und jetzt bieten sie immerhin schon einen ganzen Satz ?  O.K., das Prädikat fehlt noch, aber dafür gibt es ein Plus für angewandte Ironie: Sie hätten ja auch einen Opa abbilden können mit der Unterschrift, „Mehr Geld für Heiner statt für Zigeuner“, aber die Verballhornung des notorischen Grünen-Sprechs,

„Es sind keine Zigeuner, sondern SINTI UND ROMA !!1!“,

verdient Anerkennung.

Ziemliche Beachtung fand das Plakat auch in diversen „Stadtparlamenten“, die das „rassistische, diskriminierende Plakat“ kurzerhand entfernen ließen. Die „NPD“ klagte gegen die Maßnahme und bekam gottseidank recht. Denn: Seit wann sind Sinti oder Roma eine „Rasse“? Und vor allen Dingen, wo werden die im Plakat „diskriminiert“? Da schlägt jemand vor, mehr Geld in die Förderung der Rentner zu investieren anstatt in zusätzliche „Integrationsprojekte“.

Wer, zum Teufel, wird hier verunglimpft? Richtig, Niemand.

Nun wissen wir, spätestens seit Claude Shannon, daß eine Nachricht immer aus Inhalt und Botschaft besteht, und im gegebenen Zusammenhang schwingt ein unappetitlicher Subtext mit, der sich an ziemlich niedere Instinkte im Menschen richtet. Nun wohnen einem demokratischen Menschen allerdings nicht nur niedere Instinkte inne und so erreicht das Plakat der peinlichen selbsternannten „Nationalisten“ das genaue Gegenteil. Naja, in Westdeutschland zumindest.

Aber ich sprach ja auch von Demokraten und nicht von einem Gemenge, welches zu 1/3 gar nicht und zu 1/3 SED, „NPD“ und sonstige geistigen „Führer“ wählt.

Das Urteil erging also sicherlich zu Recht, ich habe dies mit einer gewissen Genugtuung zur Kenntnis genommen und mich auch gefreut, daß die Justiz immer noch ein gewisses Korrektiv in unserem zum „Gesinnungskonsens“ verkommenen politischen Wertekanon darstellt.

Umso schlechter wurde meine Laune dann bei Ansicht des „Zeit“-Artikels:

Bundesjustizminister Heiko Maas stank dieses Urteil und er bemühte eine „Rechtsprofessorin“ um der kraft Gesetz unabhängigen Richterschaft einmal deutlich aufzuzeigen, wie sie demnächst zu urteilen hätten.

Es wäre ein Fehler, auf den verbalen Dünnschiß der „Schmahl“-Juristin genauer einzugehen, weil er auf einer, im wortwörtlichen Sinne, furchtbaren Fehlannahme basiert:

„Schmahl verweist unter anderem darauf,

  • dass das Verbot systematischer Rassendiskriminierung zu den „unbestrittenen Normen“ des unveränderbaren Völkerrechts gehört. Das Verbot sei nicht nur in der EU-Grundrechtscharta, sondern in vielen Erlassen der Europäischen Union und diversen Menschenrechtsverträgen verankert, darunter in der Antirassismuskonvention ICERD.
  • dass der ICCPR-Pakt über bürgerliche und politische Rechte nach Auslegung des UN-Menschenrechtsausschusses die Meinungsfreiheit „explizit herausstellt“. Rassenhetze sei damit allerdings nicht vereinbar.
  • dass der Europäische Menschenrechtsgerichtshof bei rassistischen und xenophoben Äußerungen „einen eher restriktiven Kurs zu Lasten der Meinungsfreiheit verfolgt“.“

Nun weiß jeder Besucher einer allgemeinbildenden Schule: SICHER gibt es unterschiedliche Rassen, Katzen, Vögel, Menschen, Esel — aber nun überhaupt keine unterschiedlichen MENSCHENrassen! Der Wahn von der Existenz unterschiedlicher Menschenrassen war der Antrieb für Heinrich Himmlers idiotischen Rassenwahn mit seinen entsetzlichen Auswirkungen!

Denn wo es mehrere „Rassen“ geben kann, ergibt sich fast zwangsläufig die Frage nach einer „höherwertigeren“.  Nicht zu reden von den entsetzlichen Konsequenzen, wenn jemand eine „Rasse“ ‚reinhalten‘ oder gar ‚reinigen‘ will!

Auch wenn die Autorin innerhalb ihres Schlechtachtens konzediert, daß man den Begriff der ‚Rasse‘ eigentlich seriös gar nicht verwenden könne, tut sie es weiterhin – und entblödet sich auch nicht, schon im Titel ihres Elaborates die Plakate, die Gegenstand ihrer Untersuchung sind, als „rassistisch“ zu bezeichnen.

Wer aber andere als „rassistisch“ zeiht, bejaht damit implizit die Existenz von „Rassen“ und ist damit vielleicht subtiler in der Argumentation, aber ganz sicher um keinen Deut besser als der böse „Rassist“.

Wo aber nun überhaupt die Plakate diskreditieren oder „ausgrenzen“, bleibt die Verzapferin des „Gutachtens“ schuldig, stattdessen sondert sie ab, daß es sich bei „Schmähungen“ wie auf den Plakaten „um einen Angriff auf die Menschenwürde“ handele, „die sich jeder Abwägung entzieht“.

„Sie sind ja ein schäbiger Lump, Sie!“, so hätte sich ein bekannter deutscher Jurist ein paar Jahre früher die Arbeit erleichtert.

Heinrich Himmler hat sich seinen Richtern durch Suizid entzogen. Lebte er noch, er müßte fasziniert und begeistert sein, daß der Schoß für seine kruden Rassentheorien immer noch so fruchtbar ist – und das vor allem in der deutschen Justiz, die bis heute nicht wirklich geläutert ist. Denn hier wurde ein „Gefälligkeitsgutachten“ verzapft, denn sonst wäre ein solches Geplapper von einer deutschen Professorin nicht erklärbar.

Und die ganzen Claqueure, angefangen bei den Grünen, den Desinformationspostillen wie „Spiegel“, „Sueddeutsche“ und seit einiger Zeit auch der „Zeit“ – eine illustrere Akklamationsgemeinschaft könnte sich Himmler auch heute nicht vorstellen.

Wo soll die Hexenjagd enden? Wenn jemand postuliert, „Kein Geld mehr für den DFB und die widerwärtig randalierenden Fußball-Hooligans“ – muß er dann als „Rassist“ weggesperrt werden?

Oder wenn jemand „die große Verschwulung“ beklagt? Naja, der Buchhandel wollte Pirinccis Bücher, wenn schon nicht verbrennen, so aber doch öffentlich shreddern.

Mein alter Herr pflegte zu sagen,
„Wir gehen nicht daran kaputt, daß wir zu viele Extremisten haben,
wir gehen daran kaputt, daß wir zu wenige Demokraten sind.“

Das trifft es immer wieder.
Von einer lächerlichen „NPD“ geht seit fünfzig Jahren keine Gefahr aus, sehr wohl aber von einer Gefälligkeits- und Gesinnungsjustiz, die von einem opportunistischen „Minister“, der gerade eben wieder in einer zentralen politischen Frage „umgekippt“ ist, initiiert wird.

 

Nachtrag

Per Mail werde ich darauf hingewiesen, daß die Überschrift vielleicht ein wenig „grob“ sei für eine „einfache gutachterliche Rechtsbeugung“.

Dem kann ich zwar nicht folgen, aber ich habe den fatalen Zusammenhang zwischen der Freislerschen Gesinnungsjustiz und dem vorliegenden Gefälligkeitsgutachten nicht dargestellt.

Eigentlich auch nicht notwendig, denn nachdem es klar keine „Rassen“ unter Menschen gibt, sind natürlich auch alle albernen EU- und sonstigen „Ratifizierungen“ Makulatur.

Daß sich Opportunisten wie Heiko Maas einen feuchten Kehricht um den „EUMGH“ kümmern, zeigt sich auch darin, daß er soeben eine Generalüberwachung aller Bürger installiert hat, die eben dieser EUMGH vor kurzer Zeit als menschenrechtswidrig untersagt hat.

Ganz am Schluß ihrer Ausführungen läßt die Autorin definitiv die Sau heraus, mit „Überlegungen“ wie:

  • „Geld für Oma statt für Sinti und Roma“ könne man ja auch so lesen, daß beabsichtigt sei, den Sinti und Roma Geld wegzunehmen,
  • weil es ihnen nicht zustehe.
  • Wenn aber die Sinti und Roma Geld bekommen würden, was ihnen nicht zusteht, dann wären sie ja kriminelle Sozialschmarotzer!
  • Eine Herabwürdigung als kriminelle Sozialschmarotzer aber stellt eine klare Diskriminierung einer ethnischen Gruppe dar. Zwar erkenne sie als Gutachterin an, daß ein Gericht immer die „mildere“ Intention berücksichtigen müsse, aber aus herbeigezerrten „Unterlagen“ gehe zweifelsfrei hervor, daß die erste, unmittelbar einleuchtende und allgemein verständliche Aussage keinesfalls gemeint sein könne.

Eine solche perfide, mit allerlei Vermutungen gespickte „Deduktion“ ist genau die Art und Weise der Rechtsbeugung, wie sie Roland Freisler zwar nicht am „EUMGH“, sondern am „VGH“ zelebriert hat. Mir wird Angst und Bange, wenn ich das lese und ich fühle mich an Brechts „anachronistischen Zug“ erinnert,

„Einige uns’rer besten Bürger,
einst geschätzt als Judenwürger,
nun geknebelt, seht Ihr schreiten
für das Recht der Minderheiten“

Ähnlich peinlich, vor allen Dingen aber immer auf obskuren Vermutungen basierend, erfolgt die „Beurteilung“ des Aussagegehaltes der anderen Plakate.

HB