Roland Dürre
Sonntag, der 26. Februar 2017

Bitte um eine menschenwürdige Behandlung.

ERFAHREN an Stelle von ERLERNEN!

Bald ist der Fasching vorbei und das Mariechen verschwindet auf dem Speicher. Dort landen auch der Faschings-Garden Gala-Uniformen, deren Zeit im realen Leben eigentlich vorbei sein sollte (so wie das Abschreiten der Ehrenkompanie mit ihren Bajonetten durch Staatsgäste, das ich als eine lächerliche Tradition empfinde. Werden doch heute in einer digitalisierten Welt die Körper nicht mehr mit dem Bajonett sondern durch Drohnen zerstückelt. Das ist nicht zynisch gemeint sondern mit Blick auf die High-Tech-Entwicklung Realität).

An den Schulen und mittlerweile auch an den Universitäten geht am Aschermittwoch der böse Karneval jedoch weiter.

So wiederhole ich mein Credo. 

Vor allem möchte in meinem Leben viel „erfahren“ und „erleben“. Ich möchte Neues ausprobieren und Wissen, das ich benötige mir in der nötigen Tiefe „erarbeiten“. Zielloses Lernen in der klassischen Diktion ist nicht das meine.

Ich weiß, dass ich immer „Teil von“ bin und am „wir“ bewusst teilhaben möchte. Gerne übernehme ich Verantwortung für mein eigenes und das gemeinsame soziale Leben. Dazu brauche keine Motivation von außen, weder ideell noch materiell.

Wertschätzende Rückmeldung und unverzerrte Spiegelung sind mir wichtig. Benotet werden mag ich dagegen nicht, weil ich die „Metrisierung“ meines „Ichs“ ablehne. Weil ich Mensch bleiben und nicht zur Maschine werden will. Deswegen bewerte ich auch nicht andere Menschen und gebe ihnen keine Noten. Den Stolz auf gute Noten empfinde ich im übrigen ähnlich absurd wie wenn ich stolz darauf wäre, ein Deutscher zu sein.

Ich möchte in einer Gesellschaft leben, in der „coachen“ (im Sinne von Unterstützen und Helfen) an die Stelle von (be-)herrschen tritt. In der Kommunikation und Vernetzung frei und keine Macht bei niemand ist und selbst organisierte Netzwerke hierarchische Strukturen ablösen.

So sollten wir uns verabschieden von Begriffen wie „Lebenslanges Lernen“. Lernen ist „bäh“ und dann fürs Gelernte eine Note zu bekommen noch mehr „bääähhh“. Ich selber war ein Meister der „Wissensbulimie“ (die man besser „Wissensbetrug“ nennen sollte) und weiß von was ich rede – auch als Vater von sieben Kindern.

Es ist also nur schlüssig, dass wir unsere Kinder vom Lern- und Benotungsstress befreien müssen. So war ich positiv überrascht, dass sogar Marlies Tepe, die Vorsitzende der Gewerkschaft GEW, alle Schulnoten abschaffen will – von der Grundschule bis zum Abitur. Leider musste ich auch lesen, dass der Widerstand gegen den Vorschlag groß ist.

Ich bin dafür!

RMD

Oder gilt das auch schon in der Gegenwart?

Franziska Köppe hat mich am 3. Januar für Ihren Blog FAHRRADkultur interviewt. Hier ist das Ergebnis.

Die Botschaft von Franziska ist ja „Fahrradfahrer leben länger“. So kann ich nur hoffen, dass die Franzeska recht hat und unserer Leben nicht vorzeitig durch ein Kraftfahrzeug beendet wird. Und dafür ein weißes Fahrrad mehr an einer der Straßen und Kreuzungen steht.

Die Franziska respektiere ich sehr, deshalb war ich im Interview ein wenig vorsichtig. Meine schlimmste Provokation war vielleicht die folgende Aussage (Zitat aus dem Interview):

„Autofahrer sind die Kutscher der Neuzeit. Kutscher waren keine beliebte Berufsgruppe, weil sie in den engen Gassen der Städte mit der Peitsche das gemeine Volk aus dem Wege prügelten. Kutscher galten damals als „Abschaum und Gesindel“?!

Ich stehe zu allem, was ich im Interview gesagt habe. Ich möchte hier nur ergänzen, dass ich, je mehr ich ohne Auto lebe („lebe“ im wahrsten Sinne des Wortes) um so mehr mir die Dummheit und Sinnlosigkeit des Autofahrens bewusst wird. Und das gilt für so viele Dimensionen:

  • Für die Falschheit von Image und der Reputation, die man sich durch den Besitz eines Autos sicher unbewusst verschaffen will.
  • Für die belastende Arbeit des Steuerns eines PKW’s, an die man sich gewöhnt und so die Anstrengung ignoriert. Im Gegenteil, man betrügt sich selbst und hat „Freude am Fahren“ oder „erholt sich am Steuer“. Das Auto wird als „bester Freund“ wahrgenommen, es ist der Ort an dem man sich „zu Hause fühlt“.
  • Für den gewaltigen Raub an Bewegung und frischer Luft, den man sich als Autofahrer selber zu fügt, inklusive des Schadens durch die ewige Sitzerei und deren negativen Folgen inklusive von Rückenbeschwerden.
  • Für die sinnlose Vernichtung der Zeit gerade am Steuer eines PKW, die in öffentlichen Verkehrsmitteln viel besser genutzt werden kann.
  • Für das physische (wesentlich mehr als 1 Million Verkehrstote und ein mehrfaches an Schwer- und Leichtverletzten) pro Jahr weltweit wie psychische Leid und Risiko (Doppelbelastung z.B. durch Telefonieren am Steuer).
  • Für die Unfreiheit durchs Auto – es ist der Klotz am Bein – ich muss immer dorthin zurück, wo es steht.
  • Für die Abhängigkeit vom Auto, wenn es nicht mehr fährt geht die persönliche Welt so ein wenig unter.
  • Für die Belastung durchs Auto: Wie oft höre ich – ich habe da keine Zeit, weil ich mein Auto vom / zum Kundendienst holen / bringen muss.
    🙂 Und am Wochenende wird es auf Hochglanz poliert.
  • Für die Rücksichtlosigkeit des Autofahrers gegenüber Umwelt und Gesellschaft. Schadstoffe und Energie-Verschwendung spielen keine Rolle mehr, die externen Zusatzkosten der Mobilität sind beim Auto ein Vielfaches höher sind als bei allen anderen Verkehrsmitteln und die tragen wir alle.
  • Für das billigend in Kauf genommene Risiko andere Menschen zu töten oder verletzten und so auch sich selber enormen Schaden hinzuzufügen …
  • und für manches mehr …

Für mich wird Autofahren so immer mehr zur Metapher für ein falsches Leben. Nur:

 🙂 Das Leben ist zu kurz für ein falsches Leben!

Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass Menschen, bei denen das Auto wie ein Rollstuhl zum erweiterten Körper, also quasi zum Körperteil geworden ist, viele der gelisteten Punkte keines Falls nachvollziehen können. Auch aus eigener Erfahrung kann ich berichten, dass es bei mir mit dem Rauchen ähnlich war … Erst wenn man es nicht mehr tut, versteht man wirklich, wie schlimm es wahr. Aber ich weiß, wie schwer es ist und war mit der Gewohnheit zu brechen.

RMD

 

Der Advent ist sogar für mich trotz einer persönlichen Weihnachts-Skepsis so etwas wie eine besondere und besinnliche Zeit. Die Tage bis Weihnachten werden immer kürzer, an der frischen Luft wird es nass und kalt, man bekommt Lust auf Glühwein kommt – und auf schöne Abende mit Musik für die Seele.


Logo ArcisVocalisten
Ein etwas anderes Weihnachtsoratorium

Was wäre die Advents- und Weihnachtszeit für Musikfreunde ohne das Weihnachtsoratorium?

Nicht nur für Klassikfans gehören die festlichen Klänge zur besinnlichen Jahreszeit einfach dazu. Und dabei ist, wenn das Wort „Weihnachtsoratorium“ fällt, auch sonnenklar, von wem dieses Werk stammt: Natürlich vom Leipziger Thomaskantor Johann Sebastian Bach! Und von keinem anderen. Oder etwa nicht?

Am Montag, den 5. Dezember 2016, kann man sich in der Sendlinger Himmelfahrtskirche davon überzeugen, dass auch einem anderen barocken Meister mit einem Weihnachtsoratorium ein großartiges Werk gelungen ist, das dem Zuhörer direkt ans Herz geht und festliche Weihnachtstimmung wie von selbst entstehen lässt: Die Rede ist vom Weihnachtsoratorium „Mache dich auf, werde Licht“, einem Werk aus der Feder Carl Heinrich Grauns, des Kapellmeisters von Friedrich dem Großen.

Nachdem die Arcis-Vocalisten im Jahr 2014 Grauns Passionsoratoriums „Der Tod Jesu“ aufgeführt und in Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Rundfunk als CD aufgenommen haben, widmet sich das Ensemble nun dem weihnachtlichen Meisterwerk des Kapellmeisters des „Alten Fritz“.

Für den Leiter der Arcis-Vocalisten, Professor Thomas Gropper, machen gerade die Unterschiede zum in der Weihnachtszeit allgegenwärtigen Bach’schen Oratorium einen besonderen Reiz aus:
„Schon das Libretto ist ganz anders angelegt als die Textvorlage zu Johann Sebastian Bachs Weihnachtsoratorium – bei Graun sind nur noch wenige Sätze des Lukas-Evangeliums im Wortlaut verarbeitet, dafür dominieren freie Betrachtungen und Dialoge“, so Gropper. „Und Grauns Musik trägt schon wesentlich stärker als die des Thomas-Kantors die ‚galante‘ Handschrift eines neuen Trends, nämlich des sich bei Entstehung des Werks um 1735 bereits deutlich abzeichnenden empfindsamen Stils.“

Das erst 1999 wieder entdeckte Meisterwerk zeichnet sich durch einen gekonnten Wechsel aus melodisch geprägten und kontrapunktisch anspruchsvollen Chorsätzen sowie gefühlvoll gesanglichen und äußerst farbig instrumentierten Arien aus – festliche Streicher- und Trompetenklänge nebst Weihnachtsstimmung inclusive. Eben ein etwas anderes Weihnachtsoratorium…

(Quelle: Arcis-Vocalisten).


Ich freue mich, wenn es mir gelungen ist, Euch neugierig zu machen. Und die Karten bitte schnell kaufen – es könnte auch wieder ausverkauft werden!

RMD

 

Wie Ihr wisst, weise ich in IF-Blog immer gerne auf die Konzerte der Arcis-Vocalisten hin. Zum einen weil die Evelyn (EG) bei diesem Chor mit großer Leidenschaft dabei ist und zum anderen, weil diese Konzerte für alle Zuhörer immer ganz große Erlebnisse sind!

Mozart

Und das Beste:

Für IF-Blog-Leser, die das Konzert besuchen wollen, gibt es wieder ein kleines Zucker. Einfach bei mir melden mit Stichwort „Mozart“!

RMD

P.S.
Hier noch der Hinweis auf ein weiteres und ganz besonderes Beethoven-Konzert der Arcis-Vocalisten an Silvester!

Für alle, die sich etwas ganz besonderes zum Jahreswechsel gönnen wollen!

Die Konzerte der Arcis-Vocalisten erwähne ich hier immer sehr gerne – nicht nur weil die Evelyn (EG) da mitsingt. Sondern weil die Aufführungen immer einzigartig sind und die Herzen aller Zuhörer mit großer Freude füllen!

Beethoven

Für IF-Blog-Leser, die das Konzert besuchen wollen, gibt es wieder ein schönes Zuckerl …

Einfach bei mir melden mit Stichwort „Beethoven“.

RMD

Roland Dürre
Donnerstag, der 21. Juli 2016

Die Arcis-Vocalisten sind wieder auf Tour: HAYDN!

Nach dem Auftritt ist vor dem Auftritt!

Das ist das Motto der Arcis-Vocalisten! Und so stehen sie gemeinsam mit ihren Partnern schon am 6. August mit einem besonderen Kunstwerk wieder auf der Bühne:

Haydn

Ich kann wieder nicht dabei sein. Weil zwei ganz liebe Freunde von mir ihren 60. Geburtstag freien.

Aber vielleicht schafft Ihr es ja? Es wird sich auf jeden Fall lohnen!

RMD

P.S.
Für IF-Blog-Leser, die das Konzert besuchen wollen, gibt es ein kleines Zuckerl …
Einfach bei mir melden mit Stichwort Haydn.

Am Freitag sind sie in der Himmelfahrtskirche München-Sendling,

die arcis vocalisten

Ich verweise kurzfristig auf dieses einzigartige Konzert, nicht nur weil es noch Karten gibt. Vor allem aber deshalb, weil es eine einzigartige Aufführung werden wird, die man nicht versäumen sollte!

Das Besondere ist nicht, dass es À-Cappella, also ohne Musikinstrumente und Orchester gegeben wird. Was von den Sängern mehr abverlangt, weil keine Instrumente da sind, die das spielen, was sie singen sollen.

Sondern, dass es eine Welturaufführung beinhaltet:
Markus Fritz singt selbst bei bei den arcis vocalisten und er hat das Werk
„De Tranquilitate Animi“
nach Worten von Seneca komponiert!!!

Außerdem werden noch eine Messe von Rheinberger und ein paar Stücke von Brahms (Opus 74 No. 1 ) und Kaminski gegeben:

FlyerACapella

Wenn ich an diesem Tage nicht in Frankreich wäre, würde ich auf jeden Fall hingehen.

Nicht nur aber auch weil die Evelyn (EG) mit singt.

RMD

Roland Dürre
Sonntag, der 24. April 2016

Projekt FRIEDEN – Donnerstag, 28. April 2016 – IF-Forum

Am Donnerstag (28. April) um 18:00 starte ich gemeinsam mit Jolly Kunjappu unser Projekt FRIEDEN. Wir freuen uns auf unsere Gäste.

»Jolly Kunjappu – »Jumbo‘s first birthday. Celebrate your life.« Acryl und Wachskreide auf Leinwand

»Jolly Kunjappu – »Jumbo‘s first birthday. Celebrate your life.«
Acryl und Wachskreide auf Leinwand

An diesem Tage werden wir “die Gedanken befreien”, Impulse geben und versuchen, „die freundlichen Menschen“, die wir so mögen, zu inspirieren. Wir wollen die Lust wecken, all die Selbstverständlichkeiten zu hinterfragen.

Wir wollen die Bereitschaft fördern, an der notwendigen großen Transformation unserer Gesellschaft und Lebensart konstruktiv mitzuwirken und so die Voraussetzungen ein wenig zu verbessern, dass wir Zukunft aktiv gestalten können. Denn:
Handeln ist wichtiger denn Reden!

An diesem Abend wollen Jolly und ich in die Vorlage gehen und dann gemeinsam mit Euch Ideen entwickeln und überlegen, was man denn alles machen könnte.
🙂  (Vielleicht ein Schneeballsystem für Frieden und Transformation aufsetzen?)

So wollen wir von unseren Freunden so lernen. Gemeinsam Erkenntnis gewinnen und  an unserer eigenen Aufklärung 2.0 arbeiten.
🙂 Indoktrination und Religionisierung mögen und machen wir nicht, denn wir sind keine Missionare!

FRIEDEN ist für uns ganz einfach die zentrale Metapher für die erforderliche Veränderung, denn Frieden betrifft uns dreifach: Jeden einzelnen ganz persönlich in sich; in unseren Beziehungen zu der Welt, in der wir leben und so auch zu unserer Umwelt; und natürlich auch im Verhältnis individuell zwischen Menschen wie kollektiv zwischen Völkern und Gemeinschaften aller Art unserer wunderbaren Welt.

Und ohne FRIEDEN ist glückliches Leben in Zufriedenheit nicht vorstellbar.

Das Projekt FRIEDEN ist mir persönlich sehr wichtig und hat für mich ab sofort Priorität. Es soll das letzte große Projekt meines Lebens werden, so will ich es in den nächsten Jahren zu meinem zentralen Thema machen. Damit mir dies gelingt ist mir Eure, die Teilnahme meiner Freunde, sehr wichtig.

Trotzdem soll der Donnerstag Abend zuerst mal ein Treffen von eben „den freundlichen Menschen“ unserer Welt in großer FREUDE werden und uns allen viel Mut und Vertrauen geben! Jolly und ich sind uns sicher, dass dies gemeinsam mit Euch exzellent gelingen wird. Und ein paar Überraschungen wird es auch geben …

Hier noch ein Link zu 3 Artikeln in IF-Blog.de zum Thema inklusive der Einladung zur Veranstaltung. Eine kleine Bitte habe ich nur – das Kommen kurz anmelden wegen Futter&Getränke. Dies könnt Ihr als Kommentar im Blog machen oder ganz einfach per E-Mail an die InterFace AG oder gerne direkt an mich.

RMD

Roland Dürre
Samstag, der 9. April 2016

arcis vocalisten singen den BELSHAZZAR !!!

Am 7. und 8. Mai, jeweils um 19:00, sind die arcis vocalisten der Chor in der szenischen Aufführung des BELSHAZZAR von Georg Friedrich Händel, die in der Sendlinger Himmelfahrtskirche in englischer Sprache aufgeführt wird!

BelshazzarEvelyn ist natürlich wieder dabei und hat mir geschrieben:

Für mich wird ganz sicher der Belshazzar das absolute Highlight des Jahres: szenisch und auf Englisch. Übrigens – weil Du doch auch so sehr für Frieden kämpfst – wir singen dort Texte wie „Sweet liberty, beautific peace“ und „let war and slavery be no more“ …. alles hochaktuell, wenn man es genau nimmt.

Hier die offizielle Information zum Stück (Quelle arcis vocalisten):

Georg Friedrich Händels 1745 uraufgeführtes Oratorium Belshazzar vereint fesselnde Dramaturgie mit reicher musikalischer Formensprache und typisch „händel‘schem“ kompositorischen Einfallsreichtum. Obwohl ursprünglich zur konzertanten Aufführung bestimmt, scheint das Werk kraft seiner Dramatik eine szenische Aufführung regelrecht zu fordern.

Dem kommen die Arcis-Vocalisten nach, und zwar am 7./8. Mai 2016 in der Sendlinger Himmelfahrtskirche, gemeinsam mit namhaften Solisten und dem Barockensemble L‘Arpa Festante, unter der Leitung von Thomas Gropper und der bewährten Regie von Dieter Reuscher.

Thomas Gropper (Leitung)
Dieter Reuscher (Regie)
Gerrit Jurda (Licht)

Arcis-Vocalisten München
Barockorchester L‘Arpa Festante

Solisten:
Richard Resch (Belshazzar)
Susanne Winter (Nitocris)
Nicholas Hariades (Cyrus)
Andreas Pehl (Daniel)
Thomas Stimmel (Gobryas)

Der Belshazzar ist für alle beteiligten Künstler ein herrausragendes Projekt. Es wird garantiert das Konzert des Jahres und ein großes Fest für alle Mitwirkenden und Besucher. Ich bedauere sehr, dass ich nicht dabei sein kann, bin ich doch die ersten 14 Tage des Wonnemonats in Italien.

RMD

Roland Dürre
Samstag, der 2. April 2016

Mauern !?

Zurzeit weile ich in China. Und schau mir an, wie da die Dinge so sind. Und muss sagen, die Dinge sind in China zum Teil extrem anders. Was ich so sehe, stellt einige meiner Selbstverständlichkeiten schwer in Frage. Und manches meiner Glaubens-Muster wird ziemlich radikal zerbrochen. Ich kann das alles gar nicht so schnell formulieren wie es mich erwischt hat.

Ich fühle, dass die Zeit, in der unsere „Leitkultur“ von den USA – God’s own country – definiert wurde, vorbei ist. Wie war das doch vor 20 Jahren? Wir waren in den USA und wußten, dass das was wir dort erlebten zehn Jahre später in Deutschland ähnlich sein würde.

Doch die Vorherrschaft der USA geht zu Ende – die Frage ist für mich nur noch, ob das „preußische China“ die USA ablöst oder ob das „chaotische“ Indien da noch kräftig mitmischen wird. Nach meinen Erlebnissen in Mumbai im letzten Frühsommer und jetzt in Peking, Pengyao, Xi-an und weiteren Städten tippe ich aktuell mehr auf China.

Hoch die GREAT WALL mit Käppi nach hnten.

Die GREAT WALL hoch, Käppi nach hinten.

Aber sei es darum, China ist sicher das Land der Mauern. Historisch wie heute, auch im Internet. Dort macht es jetzt dem russischen und weiteren Regimen vor, wie das digitale Mauerbauen geht.

Angeblich gibt China für seine Aktivitäten zur Zensur mehr Finanzmittel aus und setzt dafür mehr Personal ein als für seine Armee. Das klingt unglaublich, ist aber durchaus vorstellbar. Der Gedanke allein hat schon etwas und Zensur ist aufwendig.

So schaue ich mir auch diesmal wieder die große Mauer an. Und kraxle ein wenig auf ihr herum. Und erkläre mir das mit der GREAT WALL so:

Da gibt es eine große chinesische Community (Nation, Reich, Volk, wie auch immer man das nennt). Die hat sich über lange Zeit organisiert und ihre Ordnung gefunden. Durch die Jahrhunderte ist sie groß und mächtig geworden. Mitte des zweiten Jahrtausend hat sie festgestellt, dass die Ordnung um ihren Herrschaftsbereich herum eine andere ist als die eigene. Die Veränderung, die rings herum stattfindet, wurde als Bedrohung empfunden. Also wurde eine Mauer gebaut.

Ist es heute nicht genauso?

Letzen Endes war (und ist) das Ziel der Mauer, die eigene Ordnung zu schützen. Und das ist China mit der GREAT WALL wohl auch gelungen. Jetzt ist es müßig nachzuforschen, ob der Bau der großen Mauer für China kurz-, mittel- und langfristig nützlich war. Ob die Mauer es geschafft hat, die Werte zu bewahren, die es wert waren, bewahrt zu werden. Dies und die Nützlichkeit dürften doch das wichtigste Argument für solche Entscheidungen wie einen gigantischen Mauerbau mit großen Folgen sein.

Chinas Smog und Dunst macht vor der GREAT WALL nicht halt.

Chinas Smog macht vor der GREAT WALL nicht halt.

Ich nehme mal an, dass die große Mauer kurzfristig für China sehr nützlich war. Sie bewahrte die Stabilität des Riesenreiches und machte es so noch mächtiger und reicher.

Aber dass der Nutzen der Mauer nachhaltig war, bezweifle ich. Könnte es sein, dass die Mauer langfristig wesentliche Nachteile mit sich brachte? Dass sie zwar half, eine alte Ordnung zu bewahren, aber das Land als Folge davon immer schwächer wurde? Weil die Dynamisierung zum Erliegen kam. Und China so die Kraft für Zukunft ausging.

Und vielleicht wäre China ohne GREAT WALL Jahrhunderte später nicht in diese unfassbare Schwächephase eingetaucht, aus der es sich erst mit der blutigen und grausamen Revolution eines Mao-tse-Tung über sehr komplexe und schmerzhafte Wege zu befreien wußte?

Und vielleicht hätte es ohne Mauer dann auch keine so radikale Kulturrevolution als Spätfolge gegeben, die schnurstracks in einen überbordenden und oft pervers anmutenden Turbo-Kapitalismus gemündet hat.

Mit einer dem Streben und Handeln einzigen zugrunde liegende Erfolgsmetrik – der Gier nach Reichtum und der Jagd nach Geld?

Und wahrscheinlich wird das mit den chinesischen (und russischen und sonstigen) Mauern im Internet auch mal so sein, dass sie ganz eigene Effekte haben werden, von denen wir heute gar keine Ahnung haben? Und denen am meisten schaden werden, die heute meinen, davon zu profitieren?

Diese Gedanken zu Mauern, Angst und Xenophobie gehen nicht nur Diktaturen an. Auch Noch-Demokratien, wie sie vereinzelt in Europa und der EU hoffentlich noch zu finden sind, sollten mal darüber nachdenken, ob es langfristig wirklich Sinn macht, Mauern zu bauen. Und so bringt mich die große Mauer wieder auf den Gedanken, dass Transparenz und Offenheit der bessere Leitstern ist.

Solche Gedanken berühren mich im beginnenden Zeitalter der Naturkatastrophen und der daraus folgenden Konflikte und Migration ganz besonders.

RMD