Roland Dürre
Mittwoch, der 12. Juli 2017

Warum wir Christophine brauchen! (I)

Am 21. Juni bin ich nach Marbach gefahren, der „Schiller-Stadt“. In Freiberg am Neckar habe ich übernachtet und am 22. Juni ganz in der Früh ging es weiter nach Marbach. Ein Freund aus alten Tagen – Thomas Kleiner – hat mich an diesen Tagen sehr freundlich begleitet. Dank ihm habe ich mich mit Lorenz Obleser und Ruth Martinelli und knapp 20 Kindern zwischen 6 und 10 Jahren getroffen. Denn ich habe tatsächlich einen Vormittag lang in der freien Schule „Christophine“ in Marbach die „Schulbank“ gedrückt. Das ist natürlich falsch formuliert, denn in der Christophine drückt keiner die Schulbank. Aber ich habe an diesem Vormittag etwas so Schönes und Großartiges erlebt, dass mir die Tränen kamen.

Ich habe erlebt, wie

SCHULE

sein kann, so dass sie allen Spaß macht! Sogar den Kindern und den Lehrern!

Aber zuerst die „Bad News“:

Ich bin schon länger ein wenig traurig. Meine Enkel sind wunderbare und ziemlich weise kleine Menschen. Aber in mehr oder weniger Jahren kommen sie in die Schule. Und dann ist Schluss mit lustig. Ich wüsste auch nicht, wie ich sie vor diesem Schicksal bewahren kann, das die meisten Kinder in Deutschland mit Vollendung ihres sechsten Lebensjahres heim sucht.

Denn Schule – wie ich sie selbst in Erinnerung habe und bei der Begleitung meiner sieben Kindern erlebt habe – ist grauenhaft. Nicht nur in Deutschland und vielen Ländern Europas ist Schule sehr rückständig und wirklich schlimm, sondern mit wenigen Ausnahmen weltweit so z.B. auch und gerade in Asien.

Schule, so wie sie heute ist, verkorkst unsere Kindern, so wie sie uns verkorkst hat. Das beschädigt unsere Gesellschaft und schadet unserer Zukunft. Viele Menschen erholen sich erst im Erwachsenen-Alter Schritt für Schritt von Schule, manche schaffen das nie.

Im folgenden berichte ich, was ich am klassischen Schulsystem so schlimm finde und begründe, warum wir das ändern müssen, wenn wir gesellschaftlichen Fortschritt wie Frieden und mehr Gerechtigkeit erlangen wollen.


Der Bildungsalltag in Deutschland (und wohl weltweit) ist mehr als traurig! #Fakt


Bildung in unserem System bedeutet „dressiertes und autoritäres Lernen in einem quasi-militärischem Format“. Wissens-Bulimie ist angesagt. Das beginnt schon in der Grundschule. So schlimm wie zu den Zeiten des berühmten aber unsäglichen deutschen Pädagogen Dr. Moritz Schreber ist es glücklicherweise nicht mehr.

Roland mit Schultüte.

Aber immer noch wird dressiert. Den Kindern wird „Disziplin“ beigebracht. Sie müssen sitzen und dürfen sich nicht entfalten. Den Kindern wird im Stunden-Takt vorgegeben, was sie machen müssen. Selbstorganisation und -bestimmung sind ausgeschlossen. Wo kämen wir denn da hin, wenn die Kinder so Lernen und Üben würden, wie sie es wollen?

Agil, schlank oder transparent sind in den Schulen Fremdworte. Es gibt eine klare Hierarchie Lehrer-Kinder, die im übrigen immer weniger funktioniert. Schule entgleist so auch immer öfters. Dann sind die Kinder schuld und die mangelnde Sozialisierung wird als Grund genannt. Den „schwarzen Peter“ bekommen die Eltern zugeschoben. Weil sie bei der „Erziehung“ versagt haben. Das mag auch ab und zu stimmen, in den meisten Fällen ist dem aber nicht so und die Eltern leiden gemeinsam mit ihren Kindern unter der Schule.


Leistung ist in der Schule die absolute Maxime, schlimmer oft als im echten Leben. #brutal


Die Leistungsgesellschaft wird schon mal vorbeugend geübt. Es wird geprüft, benotet und bewertet, was das Zeug hält. In der Grundschule geht es um den Übertritt ins Gymnasium. Der klappt nur, wenn das Kind sich dem System Schule anpasst und unterwirft. Das ordnende Prinzip der Schule ist ganz klar hierarchisch. Das Zauberwort ist Autorität, man lernt zu folgen.

Die Kinder erfahren, dass man alles zu Lernende wie das Vorgehen dazu mehr oder weniger kritiklos zu akzeptieren hat. Und links und rechts des Bildungsweges sehen wir dann die Opfer.


Wenn Schule nicht funktioniert, dann geben Lehrer und Gesellschaft den Eltern die Schuld. #Frechheit


Weil die versäumt haben ihren Kindern Respekt beizubringen. Vor den Lehrern. Wie schon geschrieben, das trifft ab und zu wirklich zu, aber in der Regel eben nicht.

Damit die Kinder in dieser miserablen Situation den „Übertritt“ schaffen, gibt es ein Heer von meist schwarz arbeitenden Nachhilfe-Lehrern, die in den wenigen verbleibenden freien Stunden der Kinder diese dann zusätzlich traktieren und so – meistens mit viel Tränen – mehr oder weniger erfolgreich über die Noten-Schwelle zum Gymnasiums schieben.

Ich war auch ein „respektloses Kind“. Und habe oft das mir Gesagte angezweifelt und das auch artikuliert. Und wurde dafür immer wieder bestraft. Weil der Lehrer immer Recht hat. In der Schule herrscht kollektiver Gehorsam. Ein Befehl ist eben ein Befehl, dem man folgen muss. So ging es auch mir.


Mein kindliches „Anders sein“ wurde mir öfters sehr vorwurfsvoll zurück gemeldet. Dabei wollte ich nur „Ich sein“. #traurig


Im späteren Leben habe ich dann den Spieß umgedreht. Meine „schlechten Eigenschaften“, für die ich ja auch bestraft wurde, habe ich dann intellektuell trickreich gerechtfertigt als positive Werte wie „Zivilcourage“ und „konstruktiven Ungehorsam“, die mich auszeichnen.

Aber das Schulsystem basiert halt auf Unterordnung. Es gibt eine Ordnung. Die muss es geben, weil Menschen Ordnung brauchen. Die ist aber nicht für die Schüler da sondern für das System und somit gegen die Schüler. Denn nur so können System und Lehrer die Schüler in einer Klasse gleich schalten (meint Schule). Von Acht bis Neun müssen alle rechnen, von Neun bis Zehn ist Lesen angesagt. Von Zehn bis Elf dann Leibesertüchtigung und von Elf bis Zwölf Schreiben. Und von Zwölf bis Eins kommt die Religionskunde. In der Schule muss man die meiste Zeit sitzen und sich „brav“ benehmen. Wenn nicht, dann hagelt es Strafen.

Das alles mit der Begründung, dass es anders nicht gehen würde und nur so Lernen effizient realisiert werden könne. Was eine große Lüge ist!


Die Ganztagsschule macht es noch schlimmer. Die uns so wichtigen freien Nachmittage fürs Spielen, Denken, Erleben und „Leben üben“ gibt es nicht mehr. #nogo


Jetzt kommt die Ganztags-Schule. Kinder werden immer öfters auch noch zum Mittagessen transportiert und mit „convenient food“ gleich geschaltet. Die Schulen ähneln Kasernen und sind keine Stätten der Entfaltung und der offenen Begegnung auf Augenhöhe.

Schulen werden nach militärischem Vorbild organisiert und betrieben; die kleinen Menschen werden verwaltet, ihr Stellenwert entspricht dem von Rekruten in der Grundausbildung der vergangenen Wehrpflicht-Zeit. Die neuen Gebäude der mir bekannten Gymnasien (korrekter Bildungs-Fabriken oder -Kasernen) in Neubiberg, Ottobrunn und Höhenkirchen-Siegertsbrunn strahlen dies auch architektonisch aus.

Es gibt lange Gänge mit vielen Türen, die wie Schläuche zu den vielen Klassenzimmer führen. Die Fenster kann man oft nicht öffnen und die Klima-Anlage produziert schlechte Luft, so dass die „Lehrkräfte“ über Kopfschmerzen klagen. Die Anmutung dieser Bildungsfabriken erinnert eher an Kasernen als an einen freiem Ort, an dem man lernt und sich ins Leben einübt. Und da diese Bauten billigst gebaut sind (bei der Ausschreibung ist der Preis das wesentliche Kriterium, so dass in der Regel der billigste Anbieter gewinnt), bemerkt man schon nach kurzer Zeit den Verfall.

Dafür wächst der administrative Overhead. So wird Bildung immer teurer – aber beim „Endkunden Kind“ kommt davon nicht viel an.


Jedes soziale System braucht eine Ordnung. Kinder wie Erwachsene suchen Halt. Die Ordnung der Schule sollte für die Kinder und nicht gegen sie sein. #Prinzip


In der Schule gibt kein Eingehen auf die großartige Vielfältigkeit der kleinen Menschen. Aus Gründen der Effizienz und der beschränkten Mittel ist dies schon gar nicht möglich und auch nicht gewollt. Es wird normiert und vermessen, zertifiziert und benotet. Leistung wird gelehrt,

Kurz: Man wird indoktriniert, damit man funktioniert. Denn die Gesellschaft braucht brave Konsumenten. Autonomie und Kritikfähigkeit sind nicht erwünscht.

Ab und zu gibt es dann einen Trost: Denn die Lehrerin ist wirklich nett. Aber die „netten“ Lehrerinnen sind selten. Auch weil das Hauptkriterium bei der „Vergabe“ der knappen Stelle die Noten der Bewerberinnen sind. Die Kandidaten mit den besten Noten sind aber meistens nicht die besten Lehrer (Pädagogen).

Viele Lehrer, die so eine „staatliche“ Anstellung feiern dürfen, die „netten“ und auch „die nicht so netten“, kapitulieren früher oder später vor einem Bildungssystem, dass sich entpersonalisiert hat. Die anderen verdingen sich bei Privatschulen, werden Taxifahrer oder geben Nachhilfeunterricht.


Man sollte auch Kinder so behandeln als ob sie Menschen wären! Macht man aber nicht! #Wahnsinn


Diese Aussage (allerdings von keinem Lehrer sondern einem Unternehmer, der nicht „Kinder“ sondern „Mitarbeiter“ gesagt hat) habe ich wirklich mal so wörtlich gehört. Das war ja wohl nur ein Versprecher. Dennoch vermute ich, dass der, dem das passiert ist, im tiefsten Inneren auch so dachte und fühlte. Und der eine oder andere Lehrer, den ich kenne, spricht so von seinem „Job“, dass ich ihm diesen Versprecher auch zutraue. Arbeitnehmer haben Gewerkschaften. Es gibt ein Arbeitszeitgesetz. Für Schüler gilt das aber nicht – die haben keine Lobby. Nur ein Beispiel von vielen …

Kinder haben auch keine Lobby. Man denke nur an die Feindseligkeit von braven und satten Bürgern, wenn es um Kinderlärm in der Nähe ihrer Immobile geht. Wehe es soll in ihrer Nähe ein Kindergarten oder ein Spielplatz gebaut werden. Wütende Anliegerproteste wegen eines neuen Kindergarten habe ich selber in Riemerling (Waldparkstr.) erlebt. Da ging es aber nicht so sehr gegen die SUV-Muttis, die neuen Verkehr generieren, sondern um den Lärm, den Kinder machen.

Aber jetzt zu den Unternehmen.


Unternehmen wissen, dass Motivation nachhaltig nur intrinsisch geht. Schule praktiziert vor allem extrinsische Muster. #passt-nicht


Heute wollen alle, ob Allianz oder Siemens, das Arbeitsleben verändern. #newwork ist angesagt, die Unternehmen wollen so innovativer und kreativer zu werden. Einer der Protagonisten dieser Bewegung ist Thomas Sattelberger, der Saulus/Paulus der #newwork-Bewegung. Er „promotet“ sich wie kein zweiter und eilt mit seiner Heilsbotschaft durch die Lande. Nach seiner Konzern-Karriere ist er vor allem durch „Augenhöhe, der Film“ bekannt geworden.

Jetzt zieht er durch die Lande und kritisiert die Zustände in den heimischen Unternehmen. Zurecht. Aber nicht die in den Schulen. Sein Lebenswerk möchte er mit einem Sitz im Bundestag krönen – und zwar für die FDP (Passt das zusammen, die Kombination von FDP und #newwork?). Ich würde mich freuen, wenn Herr Sattelberger sich im Bundestag dann für agile und menschliche Schulen einsetzen würde. Aber auch da fehlt mir der Glaube.

So wollen die meisten Unternehmen, agiler, schlanker und transparenter werden. Das predigen zumindest die KollegInnen von HR (Human Resource – auch so ein hässlicher Begriff der aktuellen „Arbeitwelt“). Sie suchen innovative Mitarbeiter, die kreativ sind, damit ihre Unternehmen die auch durch Digitalisierung angesagte Transition zu schaffen.

Bei HR spricht man viel von Augenhöhe, #newwork, intrinsify.me, demokratisches Unternehmen, Gemeinwohl-Ökonomie, „shared mobility“ & „shared economy“ und vieles solches mehr. Man schwärmt von vernetzten und selbstorganisierte Teams, von einer neuer Unternehmenskultur und Wertegemeinschaften. Letztere sind auch in der Politik der Renner. Es gibt noch viele mehr von Schlagworten dieses Typs in der neuen Welt der alten Unternehmen.

Nur wie soll das funktionieren, wenn der Nachwuchs schon in der Schule auf das Gegenteil gepolt wird?


Unternehmen wollen agile, kritische und kreative Menschen. Genau das treiben die Schulen den jungen Menschen aus? #Fail


Nur von #newschool, von Selbstorganisation in der Schule, von demokratischen Klassen, von Unterricht auf Augenhöhe und ähnlichem, davon redet keiner. Das ist in Deutschland zumindest unerwünscht, ein großes Tabu!

Durch Europa geistern Begriffe wie #home-schooling, #un-schooling #no-schooling. Sie finden immer mehr Anhänger. Es gibt immer mehr Menschen, die ihre Kinder selber „schulen“ (siehe dazu auch das Video des Vortrags, den Bruno Gantenbein für mich gehalten hat).

In der Schweiz und manchen Ländern der EU ist Home-Schooling ein etablierter und von der Administration unterstützter Prozess. Deutschland ist das einzige Land in der EU, in dem Home-Schooling verboten ist! Denn hierzulande hat man von alternativen Schulen und Denken noch mehr Angst wie der Teufel vom Weihwasser.

Aber vielleicht ist das gut so. Denn so entsteht ein großer Druck auf Eltern. Unschooling geht noch. Wenn Menschen keine Chance haben, auszuweichen, dann finden sie auch Lösungen.


Vielleicht haben wir bald überdurchschnittlich viele eigene und freie Schulen in unserem Land? #Hoffnung


So könnte es sein, dass die Bereitschaft, etwas zu ändern, in Deutschland stärker wächst als in anderen Ländern, die das Ventil „Home-Schooling“ haben.

Roland ohne Schultüte.

Aber zurück zu den Unternehmen. Wie wollen die Mitarbeiter finden, die agil, kreativ, offen … sind, wenn genau das dem Nachwuchs in den Schulen mehr oder weniger ausgetrieben wird?

Denn Kinder werden in der Schulen als Material betrachtet, dass formatiert werde muss. Input sind neugierige freie Wesen. Heraus kommen dann als Output kleine „Professionels“. Die funktionieren, wie man meint, dass dies eine folgsame und leicht steuerbare Gesellschaft braucht. Also werden sie zuerst mal fleißige Arbeiter, tapfere Konsumenten und brave Bürger,  deren erste Pflicht es ist, mit allem einverstanden zu sein, was von oben verkündet wird.


Wir rufen nach Eliten, die unsere massiven Probleme lösen, beschränken uns aber aufs Mittelmaß und schimpfen auf den Populismus. Und fördern das Mittelmaß in den Schulen. #Widerspruch


Warum müssen die Kinder schon so früh kapieren, dass „das Leben kein Pony-Hof ist“ und sie dem „Leistungsprinzip“ unterliegen, wenn sie „etwas werden wollen“. Das sie genauso den Sachzwängen folgen müssen wie ihre Eltern und die anderen Erwachsenen?

Sie werden vermessen und benotet. Immer gilt es, besser zu sein als die anderen. Erfolg ist alles. Es geht darum, die nächste Stufe einer meist nicht sinngebenden Karriere zu schaffen. Mit welchen Mitteln auch immer.

Emotionalität, Erotik, das Leben, die Liebe, die Fähigkeit Konflikte zu lösen und zuhören können, was Glück sein, was Leben bedeuten und wie man besser Sterben könnte … – all das spielt keine Rolle im Lehrplan. Priorität hat, dass das Kind eine „professionelle Resource“ für den Kampf an der Wirtschaftsfront wird.

Und lernt, dass es Wohlstand und Sicherheit wie die Teilnahme am der Gesellschaft so wichtigem Wachstum nur dann gibt, wenn man die eigene Meinung besser nicht sagt und noch besser auch nicht denkt.

Die frustrierten und verunsicherten Kinder gehen dann aus Trotz und Protest zum Beispiel ins Tattoo-Studie, weil sie dort endlich mal etwas Beständiges bekommen. Oder machen anderen Unsinn. Als letzte Ersatzhandlung vor der Aufgabe des eigenen Lebens …


Gute Unternehmer (Führungskräfte, Manager …) machen Ihre Mitarbeiter größer und nicht täglich kleiner. #Weisheit


Ich liebe das Prinzip des „biophilen Handelns“. Das heißt (jetzt in meiner Wiedergabe):

Handele stets so, dass Dein Handeln das Leben Deiner Mitmenschen in seinen vielen Dimensionen eher mehren denn mindern kann.

Vielleicht noch einfacher zu leben als die Biophilie-Maxime ist die Die Goldene Regel

„Behandle andere so, wie du von ihnen behandelt werden willst.“

oder in der negativen Fassung als gereimtes Sprichwort

„Was du nicht willst, dass man dir tu, das füg auch keinem andern zu.“


„Biophile Maxime des Handelns“ und die „Goldene Regel“? Warum nutzen wir das nicht für unserer Kinder? #Gute-Frage


Die Kinder werden von klein auf viel zu oft kleiner und nicht größer gemacht. Nicht nur von den Lehrern – sondern auch von den Eltern. Immer wieder erlebe ich, wie Kinder von ihren Eltern massivst belehrt werden, was richtig und was falsch ist. Zeternde Mütter schimpfen ihre Kinder für ganz normales Verhalten. Es wird dümmlich moralisiert und indoktriniert. Was sich gehört und was sich nicht gehört! Was man tut und was man nicht tut. Was geht und was nicht geht. Was man sehen/hören darf und was man auf keinen Fall sehen/hören darf. Was schlecht ist und was gut ist.

Für was man in die Hölle kommt und für was man in den Himmel kommt. Und wenn das Kind mit 6 Jahren in die Schule kommt, geht es so weiter, nur ein wenig professioneller.


Was kleine Menschen wollen und was sie nicht wollen, das interessiert keinen. #schlimm


In der Schule wird man formatiert und zwar in jene Form gebracht – die in unserem aktuellen Bild des guten Erwachsenen entspricht. Kinder müssen in unsere Welt passen. Sie lernen im Verkehr zu überleben. Sie werden zu jungen Konsumenten, die sich über Äußeres und Besitz definieren. Sie müssen funktionieren, dürfen aber nicht sein und machen, was sie selber wollen.

In der Schule geht es dominant um „Vernunft“, die Ratio und der IQ stehen im Vordergrund. Es geht darum, Verständnis für die vielen Absurditäten unseres Lebens zu entwickeln, das Absurde als selbstverständlich hinzunehmen und so ein Teil des Absurden zu werden.

Das soziale Leben und wie auch das Gemeinwohl spielen nur eine geringe Rolle. Emotionen und Erotik, Liebe und Freundschaft, wird nicht geübt wie auch nicht die Fähigkeit des „Konflikte-Lösen“. Denn unsere Systeme basieren auf Leistung, Unterwerfung, Anpassung. Sie leben von der Austauschbarkeit, der Gleichförmigkeit, der (monetären) Metrisierung und davon, dass die Bürger wie Lemminge den gesellschaftlichen Vorgaben blind folgen. Kritikfähigkeit und Autonomie im Sein, Denken und Handeln stören da nur.


Nur wenn wir die Kinder anders sozialisieren, werden wir die latente Feinseligkeit in uns Menschen reduzieren. #Zukunft


Die alten Rollenspiele sind auch in der Schule nicht tot zu kriegen. Die Jungen müssen immer noch kleine Helden“ sein und dürfen nicht weinen. Von den Mädchen wird erwartet, dass sie demütig und duldsam sind. Gefühle dürfen heute beide Geschlechter zeigen man zeigen, aber eben besser


Willst du erfolgreich sein, dann musst du Mrs. oder Mr. Pokerface werden! #Karriere-Regel


Emotionen darf man nicht zu sehr an sich heranlassen, das gilt als schädliche und störende Schwäche. Du musst stark sein und darfst nie deine Schwäche zeigen. So bekommt das Herz Eisenringe. Zuneigung darf besser nicht gezeigt werden, die universelle Liebe zur Schöpfung gilt als Spinnerei. Haltung als äußere Schale wird anerzogen, aber leider nicht als großer innerer Wert vermittelt.

Mit so einer dümmlichen Sozialisierung unseres Nachwuchs werden wir die Volkskrankheit Alexithymie nie eindämmen! Vor kurzem hat ein Mann in meinem Alter in meiner Nähe geweint, wie er mir vom Tode seiner Enkelin bei der Geburt erzählt hat. Ich weiß nicht, ob ich das noch könnte. Wenn ich aber einen kitschigen Film anschaue, dann kommen mir die Tränen. Ist das nicht schrecklich?

Wie viele von uns fürchte ich, dass ich von „Emotionen aus zweiter Hand“ abhängig bin, zweifelsfrei ein Ergebnis meiner frühen und langjährigen Erziehung. So übe ich bewußt, mich wieder für echte Emotionen  zu öffnen. Das ist mit 67 Jahren nicht einfach.


Der Mensch ist die Krönung der Schöpfung! Aber er muss in die Welt hinein gepasst werden. #Erziehung


Ich bin froh, dass die Welt sich wandelt – zumindest in den mir bekannten entwickelten und privilegierten Gesellschaften. Mir scheint, dass immer mehr Menschen sich nach neuen „sozialen Erfolgs-Mustern“ sehnen. Die sind auch bitter notwendig, denn genau die alten Muster haben großes Unheil über den Planeten gebracht.

Nur in den Schulen hat sich das bisher nicht herumgesprochen. Und an den Universitäten wird die Situation auch immer schlimmer. Es gibt #newwork zuhauf aber keine relevante Bewegung #newschool. Zahlreiche Menschen aus der Bildungsindustrie (aktive Lehrer und Bildungs-Bürokratie-Verwalter) haben mir berichtet, dass es seit vielen Jahren immer schlimmer wird.


Schule muss für die Kinder da sein. Nicht die Kinder für die Schule! #Grundprinzip


Lehrpläne und Vorgaben der Kultusministerien machen es jedes Jahr ein wenig schwieriger, den kleinen Menschen gerecht zu werden. Dazu kommt eine wachsende und ausufernde Administration, die die Zeit auffrisst, die für die Schüler da sein wollte. So wird das System auch immer teurer und ineffizienter.


Soweit die schlechte Nachricht. Aber jetzt die gute Nachricht. #positiv


In meinem folgenden Artikel werde ich berichten, wie die Bürger sich wehren und ganz neue Dinge begründen. Denn es gibt sie tatsächlich, die Christophine.

Aber dazu mehr in meinem Artikel „Christophine 2“, der hoffentlich bald an dieser Stelle erscheinen wird. Da werde ich eine Schule beschreiben, die mich vom Leitbild und der praktischen Arbeit überzeugt hat. Und die beweist, dass es auch anders geht – und dies sehr gut.

RMD

Roland Dürre
Sonntag, der 26. Februar 2017

Bitte um eine menschenwürdige Behandlung.

ERFAHREN an Stelle von ERLERNEN!

Bald ist der Fasching vorbei und das Mariechen verschwindet auf dem Speicher. Dort landen auch der Faschings-Garden Gala-Uniformen, deren Zeit im realen Leben eigentlich vorbei sein sollte (so wie das Abschreiten der Ehrenkompanie mit ihren Bajonetten durch Staatsgäste, das ich als eine lächerliche Tradition empfinde. Werden doch heute in einer digitalisierten Welt die Körper nicht mehr mit dem Bajonett sondern durch Drohnen zerstückelt. Das ist nicht zynisch gemeint sondern mit Blick auf die High-Tech-Entwicklung Realität).

An den Schulen und mittlerweile auch an den Universitäten geht am Aschermittwoch der böse Karneval jedoch weiter.

So wiederhole ich mein Credo. 

Vor allem möchte in meinem Leben viel „erfahren“ und „erleben“. Ich möchte Neues ausprobieren und Wissen, das ich benötige mir in der nötigen Tiefe „erarbeiten“. Zielloses Lernen in der klassischen Diktion ist nicht das meine.

Ich weiß, dass ich immer „Teil von“ bin und am „wir“ bewusst teilhaben möchte. Gerne übernehme ich Verantwortung für mein eigenes und das gemeinsame soziale Leben. Dazu brauche keine Motivation von außen, weder ideell noch materiell.

Wertschätzende Rückmeldung und unverzerrte Spiegelung sind mir wichtig. Benotet werden mag ich dagegen nicht, weil ich die „Metrisierung“ meines „Ichs“ ablehne. Weil ich Mensch bleiben und nicht zur Maschine werden will. Deswegen bewerte ich auch nicht andere Menschen und gebe ihnen keine Noten. Den Stolz auf gute Noten empfinde ich im übrigen ähnlich absurd wie wenn ich stolz darauf wäre, ein Deutscher zu sein.

Ich möchte in einer Gesellschaft leben, in der „coachen“ (im Sinne von Unterstützen und Helfen) an die Stelle von (be-)herrschen tritt. In der Kommunikation und Vernetzung frei und keine Macht bei niemand ist und selbst organisierte Netzwerke hierarchische Strukturen ablösen.

So sollten wir uns verabschieden von Begriffen wie „Lebenslanges Lernen“. Lernen ist „bäh“ und dann fürs Gelernte eine Note zu bekommen noch mehr „bääähhh“. Ich selber war ein Meister der „Wissensbulimie“ (die man besser „Wissensbetrug“ nennen sollte) und weiß von was ich rede – auch als Vater von sieben Kindern.

Es ist also nur schlüssig, dass wir unsere Kinder vom Lern- und Benotungsstress befreien müssen. So war ich positiv überrascht, dass sogar Marlies Tepe, die Vorsitzende der Gewerkschaft GEW, alle Schulnoten abschaffen will – von der Grundschule bis zum Abitur. Leider musste ich auch lesen, dass der Widerstand gegen den Vorschlag groß ist.

Ich bin dafür!

RMD

Roland Dürre
Mittwoch, der 17. August 2016

Dankbarkeit.

Zurzeit gibt es in IF-Blog nicht so viel zu lesen. Das liegt daran, dass ich gerade eine Auszeit am schönsten Platz der Welt nehme. Gemeinsam mit Barbara und in Begleitung von Anna (Tochter #2), Sophie (Tochter #3), Caroline (Enkelin #1) Nicolas (Enkel #2) und Patrick (Schwiegersohn #1).
🙂  Die Angaben in Klammern betreffen die zeitliche Reihenfolge.

Blick vom Zelt nach Norden in Richtung Gythio.

Blick vom Zelt nach Süden.

Seit vier Nächten und Tagen sind wir in Porto Ageranos auf dem Peloponnes, zirka 10 km südlich von Gythio, dem alten Hafen von Sparta. Wir schlafen im Zelt, direkt am Strand des Ägäischen Meeres,keine 25 Meter von den Wellen entfernt. Wir leben in der Natur. Das Meer rauscht und singt uns sein Lied. Nachts läßt sich der Vollmond von den Sternen am Himmel feiern. Der Zeltplatz ist nicht sehr voll und wird täglich leerer.

Mein Rhythmus hat sich eingeschwungen. Am Morgen schwimme ich zuerst mal je nach Lust und Laune eine halbe bis ganze Stunde ans andere Ende unserer Bucht. Zurück geht es zu Fuß am Strand. Dann gibt es ein wunderbares Frühstück, frisches Weißbrot mit selbstgemachten Marmeladen, griechischem Käse und Ei er in verschiedenster Zubereitung. Besonders mag ich das Rührei mit frischen Tomaten und Paprika.

Der Vormittag vergeht schnell im Nichtstun. Die beiden kleinen halten uns auf Trab. Wir machen mit unserem Kajak kleinere Ausflüge dem Strand entlang und mit den Rädern mittlere und längere Toruren durch die Berge von Mani. Ab und zu geht es nach Gythio, wo das lokale Leben uns vereinnahmt. Und dies selten ohne Pause im Touristik – dem größten Café mit Blick auf dem Hafen.

Mittags gibt es Tomatensalat und Früchte. Ab und zu ergänzt von frischen Eierfrüchten gebraten mit viel Knoblauch und Olivenöl oder in der Pfanne geröstetem Knoblauchbrot und Abends haben wir soviel Tavernen zur Auswahl, dass es schwierig ist, sich zu entscheiden.

Von der Welt bin ich weit weg. Zwar lade ich mir regelmäßig die Süddeutsche aufs Handy und verfolge den Live-Ticker von Haching. Und pflege meine Chats. Aber das ist es auch schon. Insofern bin ich zurzeit eher ein wenig zurückgezogen und konzentriere mich auf mich selbst.

Auf der Überfahrt von Ancona nach Patra habe ich das kleine Büchlein „Dankbarkeit“ von Oliver Sacks gelesen. Ich habe es von Rolf geschenkt bekommen anläßlich meines Vortrages beim „Lions Club Opera“ in München. Rolf Hüttmann macht viele tolle Dinge und übt unter anderem die Präsidentschaft des Clubs aus. Das Jahr seiner Präsidentschaft hat er unter das Motto „Achtsamkeit“ gestellt und mich zu meinem Vortrag zur digitalen Transformation eingeladen.

Rolf kenne ich erst ein paar Wochen. Er ist ein sehr kluger und weiser Mensch, so durfte ich in den bisherigen wenigen Begegnungen mit ihm schon so viel lernen. Er hat mich erst mit dem Werk von Oliver Sacks bekannt gemacht und mir eine wunderbare Widmung geschrieben und mich darauf aufmerksam gemacht, dass wir soviel hinter uns haben, um Dankbarkeit zu empfinden und hoffentlich noch so viel vor uns haben, um dieses Gefühl steigern zu können.

Erst dank Rolf habe ich verstanden, wie groß das Mass meiner Dankbarkeit ist und wie sehr mich diese glücklich macht.

RMD

Blick vom Zelt nach Norden in Richtung Gythio.

Blick vom Zelt nach Norden in Richtung Gythio.

Roland Dürre
Freitag, der 11. Dezember 2015

Für (noch) bessere Barcamps!

pmcamp-logo-dornbirnBarcamps wie #AktMobCmp oder #pmcamp haben noch viel Luft nach oben. Denn auch Unkonferenzen kann man – wie wohl alles im Leben – verbessern.

Die erste Regel könnte sein.
Ein kleines Barcamp ist besser als ein großes!
Im Sinne von „klein“ aber „fein“.

Weil:
Es geht nicht darum, dass viele Menschen kommen!
Obwohl das uns gefällt. Weil wir einfach auf Wachstum getrimmt sind und alles immer möglichst groß sein soll. Aber das ist es nicht.
Anmerkung: Wahrscheinlich gehen auch große Barcamps. Die müsste man dann als ein n-Tupel von vielen kleinen organisieren.

Sondern:
Es geht darum, dass man in Gemeinschaft über zwei Tage viel Spaß hat!
Und dabei noch viel begreift, versteht und tolles Neues entdeckt.
Und das wird eher in kleineren Gruppen möglich sein.

Nur – wie geht das?

Da muss man sich als Veranstalter sicherlich bei der Einladung etwas einfallen lassen. Indem man präzise beschreibt, warum es im Barcamp geht – das Thema also klar definiert, es aber nicht einschränkt sondern so offen wie möglich hält. Und ein klares Motto wählt. So haben wir es auch beim AktMobCmp versucht.

Es geht nicht um die richtigen und falschen Teilnehmer. Es geht um weiblich und männlich, um jung und alt. Es geht um die Bereitschaft, auf Augenhöhe, im gegenseitigem Respekt und in Wertschätzung in der Gemeinschaft auf dem Barcamp Erfahrung, Meinung und Wissen zu teilen. Mit Motivation, Mut, Herz, Kompetenz, Interesse, Engagement, Kritik, Sachwissen, Toleranz … Dies provokativ wie konstruktiv, achtsam und offen, vorsichtig wie mutig, optimistisch und pessimistisch, neugierig und frech, transparent und auf einfache Art und Weise.

Die Veranstalter sind auch in besonderer Art und Weise gefordert. Denn das Barcamp ist Gastgeber und bietet „nur“ den Rahmen, der es möglich macht, dass aus den vielen ICHs ein WIR wird. Die für ein barcamp üblichen zwei Tage sind eine kurze Zeit, die optimal genutzt werden möchte. Umgebung und Atmosphäre müssen passen, der Einstieg muss gelingen.

Für die Themen sind die Veranstalter allerdings nicht verantwortlich. Die Themen werden von den Teilnehmern eingebracht, die wir ja auch „Teilgeber“ nennen. So kommt es auf die gemeinsame Erarbeitung der „Sessions“ an. Das muss für jeden Tag getrennt gemacht werden. Auch innerhalb des Tages kann sich hier dynamisch etwas ändern, nur muss man dann gut aufpassen, dass man nicht unachtsam die Interessen von Teilnehmern verletzt.

Je besser die Sessions gemeinsam (vor)qualifiziert sind, desto besser werden sie gelingen. Gerade das Format der Sessions sollte vorher gemeinsam besprochen und beschlossen werden.

🙂 Die wichtigste aller Sessions ist also die Session, in der die Sessions des Tages beschlossen werden. Was das Anliegen ist, wie es gemeinsam beackert werden soll und welche Früchte man ernten will.

Die Formate von Sessions können sein:

  • Debatte
    Auch „Battle“ genannt. Das ist eine Zwiegespräch zweier Gruppen – ganz im Sinne der klassischen Dialektik – bei der beide Seiten versuchen mit ihren Antworten immer präzise auf die Argumente der anderen Seite einzugehen. Es gibt also zwei Parteien, einen „Schiedsrichter“, der unter anderem die Zeit nimmt und ein Publikum, dass abstimmt, wer die einzelnen Schritte gewonnen hat. Das besondere ist, dass man vorher verlost, wer welche Seite vertritt – so übt man sich auch im negativen Denken)
  • redlicher Diskurs
    Da gibt es von Habermas eine einfache Regel. Jeder gibt sein Argument ab, es geht nur um Argumente und dies ohne Ansehen von Person oder Position.
  • Fishbowl
    Den Begriff findet auch in Wikipedia. Ich würde die „Fishbowl“ als normale Diskussion bezeichnen, die sich auf originelle Art und Weise selbst moderiert
  • Moderierte Konsens-Findung
    Da gibt es diverse Methoden, die alle aufzuführen hier den Platz sprengen würde. Als Beispiel bringe ich hier nur die „Art of Hosting Methode“, wie wir sie beim PM-Camp in Dornbirn 2015 (#PMCampDOR) recht erfolgreich genutzt haben.
    PMCampDOR Intro 2015
  • Kreativer Raum
    Schön ist es immer, wenn etwas Bleibendes entsteht. Das könnte eine Werkstatt- oder Design-Session sein, in der man zum Beispiel einen Trickfilm oder einen Video-Film erstellt. Das geht im guten Team oft erstaunlich schnell und gut.
  • Story-Telling
    Ein paar schöne Fragen, ein ruhiger Raum und schon beginnen die Geschichten. Wichtig ist, dass hier eben nicht debattiert und diskutiert, sondern zuerst mal erzählt und zugehört wird. Hier ein Bericht von einer Veranstaltung dieser Art, bei der ich dabei war.
  • Spiele
    Da gibt es ja vom berühmten SeriousPlay mit Lego die verschiedensten Ansätze. Muss

actmobcmp_100-300x86Wahrscheinlich gibt es noch mehr – wie natürlich auch den normalen Vortrag …

Die Themen kommen natürlich von den Teilnehmern. Wenn die Teilnehmer schon Themen mitbringen, dann können diese wählen, in welcher Form sie ihr Thema vorstellen bzw. interaktiv bearbeiten wollen. Am schönsten ist es natürlich, wenn die Dinge sich in der Veranstaltung entwickeln.

Das bewusste Nutzen solcher Methoden soll den Wert für die Teilnehmer erhöhen, weil sie Neues erleben, aber auch weil so bessere Ergebnisse und Erkenntnisse erreicht werden können.

🙂 Ich kann nur versprechen, beim ActMobCmp oder auch AktMobCmp (beide Schreibweisen sind erlaubt) werden wir uns dazu einiges einfallen lassen.

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RMD

Roland Dürre
Sonntag, der 20. September 2015

Fast vergessen. PM-Camp in Karlsruhe. Am 25./26. September!

pmcamp-logo_karlsruhe_153x70Ich ärgere mich. Fast hätte ich das PM-Camp in Karlsruhe vergessen. Und keine Werbung dafür gemacht. Das darf nicht sein!

Eine große Entschuldigung geht ans Orga-Team nach Karlsruhe. Ich bin tief zerknirscht. Und gelobe Besserung.

Das Motto in Karlsruhe wird sein:

Projekte mit Begeisterung – woher kommt die Magie?

Leider kann ich am nächsten Freitag und Samstag selber nicht dabei sein. Das finde ich sehr schade. Denn das Orgateam in Karlsruhe hat einen guten Job gemacht. Und hätte ein noch ein paar Teilnehmer mehr verdient.

Deshalb hier mein Aufruf. Wer in der Gegend von Karlsruhe lebt, diesen Freitag und Samstag Zeit und Interesse an Projekt Management, Management allgemein, Führung, Unternehmertum und solchen Dingen hat, der soll doch unbedingt zum PM-Camp an der Hochschule für Technik in Karlsruhe kommen.

Das Programm ist spannend wie immer. Es wird sich lohnen und wie immer werden alle PM-Camp-Teilnehmer zufrieden, klüger und glücklicher heimfahren.

Und ich werde in Abwesenheit die Timeline des Tags #PMCampKA verfolgen und freue mich, wenn alle Teilnehmer viel übers Camp twittern!

Und dies Bitte ganz ausnahmsweise:
Wenn Ihr als Reklame für Karlsruhe diesen Artikel ein wenig mehr als üblich twittert, freue ich mich auch!

RMD

Warum ich keine Konferenzen mehr mag, Barcamps aber liebe?
ODER: 
Was auf Barcamps alles so passieren kann!

Gute Laune in Dornbirn auf einem PM-Camp.

Gute Laune in Dornbirn auf PM-Camp

Ich mag keine Konferenzen mehr. Deshalb stehe ich als Redner für solche Veranstaltungen nur noch in Ausnahmefällen zur Verfügung wie demnächst wieder auf der DOAG-Konferenz in Nürnberg.
😉 Oder gegen gute Bezahlung.

Denn wie geht die Redner-Auswahl bei Konferenzen? Mindestens sechs, meistens aber wesentlich mehr Monate vor dem Termin müssen potentielle Referenten ihren Beitrag einreichen. Mit einem konkreten Thema, einem Summary und einer Kurzfassung. Meistens mit vorgegebener Anzahl von Zeichen und einer blöden Word-Vorlage.

Aber wie soll ich im Januar wissen, was mich zum Jahresende bewegt? Woher wissen wie die Dinge sich in den Monaten bis zum Vortrag weiterentwickeln?

Nach Einsende-Schluss tagt das Konferenz-Komitee. Das soll die passenden Beiträge auswählen. Die Juroren im Komitee müssen auf die Veranstaltungs-Sponsoren, die Vertreter zahlreicher Interessen und der Industrie, diverse Amigos, politische Einflussnahme und vieles mehr Rücksicht nehmen. Sie kennen die meisten Einreichenden nicht persönlich, so können sie auch nichts über deren Redner-Qualitäten wissen. Oft fehlt ihnen auch die fachliche Kompetenz.

Junge Referenten, die vielleicht wirklich etwas zu sagen hätten, haben da keine Chance und dementsprechend sieht dann das Konferenzprogramm auch aus.

Die glücklich Ausgewählten müssen ein Manuskript einreichen. Das muss dann auch wieder eine bestimmte Länge haben, die Word-Vorlage ist in der Regel noch schlimmer als die bei der Einreichung. Auch das Manuskript muss immer noch eine ganz schöne lange Zeit vor der Konferenz eingereicht werden. Denn der Begleitband muss ja gedruckt werden.

Da denke ich mir, warum soll ich etwas vortragen, dass doch jeder der Anwesenden schriftlich vorliegen hat? Ich rede immer frei, ohne Powerpoint oder ähnliches. Wenn ich in einem großen Raum spreche, bitte ich meinen Graphiker mir ein paar Dia zu erstellen, die meine Rede emotional unterstreichen. Aber nicht mehr. Was ich genau erzähle weiß ich doch erst am Tag der Veranstaltung – und das ändert sich auch noch während des Vortrages den Rückmeldungen meiner Zuhörer folgend.

Und dann kommt der große Tag. Meistens beginnt die Konferenz mit einem aufwändigem Einführungsbromborium mit Grußworten und ähnlichem. Hier wird dann das Sitzfleisch und die Fähigkeit „wach zu bleiben“ der Zuhörer schon mal geprüft. Und dann wird kräftig „one-way“ beschallt.

Die Referenten lesen brav ihr Manuskript aus dem Tagungsband vor, der eine macht das besser, der andere schlechter. Wortmeldungen sind kaum möglich, ein Diskurs entsteht nie. Oben wird vorab Produziertes runtergeleiert, das unten vom Publikum konsumiert werden soll.

Mit einer lieben Freundin (einer renommierten Professorin) war ich vor kurzem auf einer akademischen Tagung. Da war es auch nicht viel anders. Auf meinen Hinweis, dass die Beiträge schon erstaunlich schwach wären, hat sie mich damit getröstet, dass die Vorträge ja Nebensache wären. Wichtig wäre, sich mal zu treffen und auszutauschen. Und vor allem die Abendveranstaltung würde den Wert des Treffens ausmachen.

Und das stimmt ja auch – wir müssen unser Wissen teilen und miteinander reden, wenn wir weiter kommen wollen. Aber für was brauche die Vorträge tagsüber, die keinen interessieren? Wahrscheinlich ist das dann nur eine Staffage fürs Finanzamt, um reisen und abends gemeinsam bei Speisen und Wein reden zu können..

PM-Camp Berlin 2015, Thema Komplexität by VisualBrainDump

PM-Camp Berlin 2015, Thema Komplexität by VisualBrainDump.

Bei einem Barcamp ist das alles ganz anders. Und nach meiner Meinung viel besser!

Also, was ist ein Barcamp? Natürlich findet Ihr in Wikipedia eine hervorragende Beschreibung. Ich versuche hier aber mal, das Thema ganz anders zu beleuchten.

Stellt Euch vor, 50 bis 100 Menschen treffen sich. Zum Beispiel Blogger, Unternehmer oder Experten. Oder Menschen, die bereit sind eine besondere gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen oder einfach nur gemeinsame Interessen haben.

Vorzugsweise sollten das Menschen sein, die gerne und ganz offen ihre Erfahrungen, ihr Gelerntes aber auch ihre Probleme teilen. Die auf Augenhöhe kommunizieren und an wichtigen Themen partizipieren wollen. Die nach autonomer Aufgeklärtheit streben, die vom redlichen Diskurs des Professor Habermas träumen (vielleicht ohne es zu wissen), die sich alle duzen und die gerne auch die anderen ausreden lassen. Selbst dann muss man eine Tagung nach heutigem Stand irgendwie organisieren.

Beim Barcamp ist es ganz einfach. Man stellt genug Räume bereit, in denen die Sessions stattfinden. Ein Raum muss so groß sein, dass alle Teilnehmer reinpassen. Dort werden gemeinsam die Sessions  entwickelt. Deshalb steht in der Mitte dieses Raumes eine Tafel. Auf Ihr ist einer Matrix, bei die Zeilen die Zeit der Sessions vorgeben (zum Beispiel für jede Stunde eine Zeile). Die Spalten markieren die Räume A, B, C …

Beispiel für eine Sessionplanung bei einem PM-Camp

Beispiel für eine Sessionplanung bei einem PM-Camp.

Und jeder, der ein Problem hat, das ihm auf den Nägeln brennt, geht raus an die Tafel, heftet eine Karte mit seinem Thema ran und reserviert so den Raum und die Zeit für seine Session. Dann stellt sich vor und schildert knapp, zu welche Thema er berichten und welche Form er für diese Session vorschlagen möchte. Und wenn genug Karten an der Tafel hängen oder die Tafel voll ist, dann geht es los.

Wenn man dann noch einen schönen Kaffeeraum hat, es dort immer etwas zu essen und trinken gibt, dann ist der Erfolg schon fast gewährleistet. Denn es gibt noch eine Regel:

Jeder beim Barcamp ist frei.

Er kann wie ein Bienchen, das Honig sammelt, eifrig an möglichst vielen Sessions teilnehmen. Er kann aber auch wie ein Schmetterling nur bunt durch die Gegend flattern (Biene und Schmetterling sind die klassischen Metaphern fürs Verhalten bei einem Barcamp) und sich da aufhalten, wo es ihm gerade gefällt.

Wenn ein Teilnehmer merkt, dass er in der falschen Sitzung ist, dann soll er diese verlassen. Das ist bei einem Barcamp nicht unhöflich, im Gegenteil fast eine Pflicht, damit es funktioniert. Deshalb sollten die Türen zu allen Räumen immer offen stehen.

Die Regel sagt auch: Alles was passiert, ist das genau das, was passieren sollte. Wenn zu einer Session nur wenige Besucher kommen, ist es genauso richtig wie wenn alle zu einer kommen. Es schaukelt sich schon zu recht.

Neuerdings versuchen Barcamp-Veranstalter einen Rahmen anzubieten, in dem die Sessions dokumentiert werden können. Es gibt eine besondere Variante des Barcamps, den OpenSpace, da ist die Dokumentation Pflicht und wird von einem sogenannten OpenSpace-Office unterstützt. eingesammelt und zusammengefasst.

Party beim PM-Camp in Dornbirn

Party beim PM-Camp in Dornbirn.

So einfach ist Barcamp. Ein Barcamp dauert in der Regel zwei Tage. Die Party am am Abend des ersten Tages tut immer sehr gut. Am zweiten Tag finden dann oft besonders viele spontane Sessions statt.

Ein Barcamp gilt genau dann als erfolgreich, wenn alle Teilnehmer – die wir beim Barcamp auch „Teilhaber“ nennen – zufrieden und glücklich die Heimreise antreten, mit vollem Herzen und Geist.

Obwohl man von einem Barcamp keine Ergebnisse erwarten soll, passiert dort oft Erstaunliches. Ich kenne Bewegungen und Unternehmen, die als Idee in einer Session entstanden sind. Es bilden sich erstaunlich viele Freundschaften und schöne Netzwerke. Die Anregungen sind immer groß. Barcamps bewirken so viel, helfen Menschen ins Nachdenken zu kommen, Dinge anders zu bewerten und privat wie „beruflich“ oder „geschäftlich“ erfolgreicher zu werden.

actmobcmp_100-300x86Ich war bei Camps wie OpenStartUp oder WorkLifeBalance. Dort und in fünf Jahren PM-Camp habe ich das Beschriebene erlebt. Beim PM-Camp ging es um Projekt Management, Führung und Unternehmertum. Ich habe jetzt gelernt, dass es Wichtigeres gibt. Zum Beispiel wird die Art, wie wir unsere Mobilität gestalten, von zentraler Bedeutung für unsere Zukunft sein. Deshalb habe ich mit Freunden ein neues Barcamp für „Aktive Mobilität im Alltag“ #AktMobCmp gegründet.

Wir starten am 4./5. Januar 2016 in Unterhaching.

RMD

Werner Lorbeer
Mittwoch, der 16. September 2015

OECD Messung widerlegt den Landrat

geometrie„96 Prozent der befragten Schüler haben danach einen Computer zu Hause, 72 Prozent gebrauchen diese Technik in der Schule. In Deutschland nutzen Schüler aus bessergestellten Schichten das Internet mehr zur Informationsbeschaffung als sozial benachteiligte Jugendliche. Dort dienen Computer, um Videos zu schauen, online zu spielen oder zu chatten.“

Nicht dass das unerwartet wäre. Aber es unterstreicht einige pädagogische Hypothesen und vernichtet einige andere. Das Bild zeigt Schülerinnen in einer bilingualen Situation beim Lösen einer Geometrieaufgabe. Das Ergebnis ist echter Kompetenzzuwachs in geistiger Konzentration, Problemlösen, empathischem Zuhören und hin und wieder Erprobung der Eigenschaften eines Geometrieobjekts oder einer Geometrieoperation. Geredet haben sie dabei nicht viel. Aber: Alles aus der Kategorie „Kommunikation“, wenn man an Kompetenz orientierte Formulierungen liebt.

Zu den pädagogischen Hypothesen:

  • – Die Investition in Computer in der Schule führt weder zu besserem Lernerfolg der Schüler noch zu mehr Lernerfolg. Das ist schade für den Landrat aus dem reicheren Landkreis, es ist widerlegt.
  • Der Umgang mit dem Computer und den Netzen für nicht zu zu den gewünschten Kompetenzen im wissenschaftlich-technischen Bereich. Das ist saurer Wein für alle, die das Leben in den sozialen Netzen als Unterrichtsziel verkaufen wollen, die das Rechieren in den pädagogischen Himmel heben und nicht das Verstehen des Gefundenen.
  • Der Bildungsabstand von gleich begabten Kindern ändert sich durch Computereinsatz, Softwareeinsatz, – nicht (wird tendenziell größer). Es ist vielmehr Fleiß und Frustrationstoleranz, die diese Chance setzen.

Es sollte das Ende der Technologie Illusion für das wirkliche erfahrungsbasierte Lernen genutzt werden, um mit den Kindern und Jugendlichen am gewünschten Gegenstand zu lernen wie z.B. Bienenzucht, Kochen, Gärtnern, Robotik …

Ich denke, das würde vielen Freude bereiten.

wl