Roland Dürre
Freitag, der 29. März 2013

Zarah Leander – Unverhofft kommt oft!

Vor kurzem hat mir der Andreas folgende E-Mail gesendet:

Hallo Roland,
heute schreibe ich Dir einmal in einer ganz anderen Sache. So nebenbei habe ich angefangen meine Lebensgefährtin zu “managen” und für sie das eine oder andere Konzert zu organisieren. Als “In diversen Genres wildernde Opernsängerin” hat sie neben Ihren Opernpartien und klassischen Konzerten auch einen Abend über Zarah Leander im Programm. Da ich weiß, dass Du Dich für Kunst sehr interessierst will ich den Abend am 13. April im kleinen Konzertsaal im Gasteig nicht unerwähnt lassen.
Es würde mich freuen wenn Du Zeit & Lust hast und zum Gasteig kommst!
Andreas

Der Andreas Lehmann ist ein alter Bekannter. Immer wieder haben sich unsere Wege gekreuzt. Vor Jahrzehnten ist das bei IXOS passiert – in den “wilden Zeiten” der “new economy”. IXOS war ein ganz besonderes DAX- und NASDAQ-Unternehmen. Zuletzt hat uns dann der Zufall des Lebens bei “ISARNETZ – die Münchner Webwoche” in 2012 zusammen gebracht. In der Jury zur Vergabe des “Isarnetz-Award” saßen wir uns plötzlich gegenüber.

Natürlich folge ich der Einladung von Andreas! Hier der Text zur Veranstaltung! Finde ich richtig spannend!

Zarah Leander kehrt nach München zurück!

Zugegeben, es ist nicht die Diva selbst, deren Auftritte in München die Zahl 70 deutlich übersteigen dürften – stellvertretend macht sich das „Duo InterMezzo!“ auf, allen voran Tatjana Conrad, Sängerin und Autorin des Stückes, dem großen Stern am deutschen Himmel der 1930er- Jahre nachzuspüren.

Am Samstag, den 13. April 2013 ist die Wahl-Berlinerin als Zarah Leander mit ihrer theatralen Preziose
„Wollt ihr einen Star seh’n, seht mich an! Zarah Leander in Schatten und Licht“
unter der Regie von Philip Lüsebrink im Kleinen Konzertsaal des Gasteig zu Gast. Ihr Partner David Grant ist als Arne Hülphers, dritter und letzter Ehemann der großen Chanteuse, zu sehen und zu hören.

Wer war Zarah Leander? Mythos. Diva. Soviel ist sicher. Täterin? Opfer?

Die beiden Künstler laden Sie ein, diesen Fragen gemeinsam mit ihnen auf den Grund zu gehen und am Ende vielleicht keine Antwort, so doch ein wenig mehr Verständnis für den großen Stern am Himmel des „Dritten Reiches“ aufzubringen, ohne sich der Trübsal hingeben zu müssen – ganz im Gegenteil: Conrad und Grant möchten in Wort und Klang erzählen, wie diese Frau ihr Publikum eroberte und wünschen sich, dass deren Humor, Charme und Klugheit auch ein wenig Schatten und Licht auf diesen Abend werfen möge.

Neben musikalischen Überraschungen sorgen Ohrwürmer wie „Eine Frau wird erst schön durch die Liebe“ und „Yes, Sir!“ ebenso für „Ufa-Nostalgie“ wie der „Waldemar mit dem schwarzen Haar“ und die Evergreens „Ich weiß, es wird einmal ein Wunder geschehen“ und “Sag’ mir nicht Adieu“.

Dies und einiges „Drunter und Drüber“ erwartet Sie an diesem Abend, der wie ein musikalisch-historischer „Roter Teppich“ sein soll, über den die Erinnerung an die große Zarah Leander das Publikum erreichen kann.

So bin ich am 13. April im kleinen Konzertsaal im Gasteig und freue ich mich auf einen besonderen Abend. Besonders schön wäre es, wenn ich da auch noch ein paar Freunde treffe! Also kommen, es wird bestimmt sehr schön.

RMD

Roland Dürre
Mittwoch, der 5. Dezember 2012

Future is female!

Auch wenn ich keinen Adventskalender mehr mache, so erlaube ich mir doch ein paar “adventliche” Gedanken.

Im Dezember sind die Nächte lang. Die Tage sind kalt und der Radfahrer leidet am eisigen und nass-feuchten Nordwest-Wind. Die Spikes erschweren das Vorankommen im Licht der grellen Scheinwerfer, die Handschuhe sind dann oft doch zu dünn für die Kälte und die Autos stinken noch schlimmer als im Sommer.

Eine gute Zeit zum Nachdenken und auch des sentimentalen Leidens. Und der Radfahrer sinniert über sein Leben. Und warum er glaubt, dass die immer noch so männliche Welt nur ein wenig besser werden kann, wenn sie ein wenig mehr weiblich wird. Es heißt doch auch “die” und nicht “der” Welt.

Und dann fällt ihm die in unserer Zeit leider längst vergessene Ina Deter ein. Das war 1986 und war damals ein ganz wichtiges Lied:

Ina Deter & Band – Frauen kommen langsam aber gewaltig!

Es lohnt sich reinzuhören. Und in youtube findet man noch viel Tolles von Ina: “Mit Leidenschaft”, “Neue Männer braucht das Land”, “Keine Gnade”, “Ich habe Angst”, “Zusammenleben und Freisein” … Alles ganz besondere Lieder!

RMD

Klaus Hnilica
Donnerstag, der 25. Oktober 2012

Pilzgerichte

Carl und Gerlinde (XXVIII)

Es war wie der Einschlag eines Meteoriten!

Zumindest was die Häufigkeit betraf. Nicht hinsichtlich des angerichteten Schadens. Der war zunächst gering!

Doch die Häufigkeit war echt meteoritenartig selten, was bei einem Pilzgericht an sich nicht weiter verwunderlich war, da Pilze ohnehin eher selten sind – und Steinpilze natürlich noch seltener!

Wenn man allerdings den Schleimpilz ‚Physarum polycevalum’ mit einbezog, dann waren Pilze plötzlich gar nicht mehr so selten; ganz abgesehen von den vielen Ekelpilzen, die sich bei den Menschen mit ihren Mycelien an den peinlichsten Stellen festhakten, und von denen wirklich niemand sagen konnte, dass sie nicht jucken würden!

Trotzdem ist und bleibt der schleimige Einzeller ‚Physarum polycevalum’ um Vieles unangenehmer als jeder andere Pilz, denn der kann, und das ohne jegliche Hirnaktivität, sich praktisch überall auf kürzestem Weg durch die Welt schleimen, insbesondere da wo Haferflocken herumliegen. Und die liegen ja wirklich überall und nicht nur in Speisekammern, Küchen, Schubladen und auf Fliesenböden.

Aber natürlich niemals auf Gerlindes Küchenboden!

Und schon gar nicht in ihren Schubladen, denn gegenüber Gerlindes Sauberkeit und Ordnung hatte dieser hirnlose  ‚Schleimer’ natürlich‚ ‚nicht die Haferflocke einer Chance’, was ja nicht nur ihr, sondern auch Carl vollkommen klar war.

Aber – das hieß noch lange nicht, wenigstens aus der Sicht von Carl, dass es gerechtfertigt war, dass auch andere Pilze, wie etwa der von ihm heiß geliebte Steinpilz  Boletus edulis aus der Gruppe der Ständerpilze, auch nur mit dieser meteoriteneinschlagartigen Seltenheit in der gemeinsamen Küche auftauchen musste. Der hätte sich da schon ein paar Mal mehr im Jahr in dieser blitzsauberen Küche einnisten und brutzelnd und schmurgelnd  breit machen können. Da hätte Carl wirklich nichts dagegen gehabt!

Im Gegenteil!

Was ja dann letztlich, als logische Konsequenz der Wahrscheinlichkeitsrechnung, eines Mittwochs auch geschah, da Gerlinde, wie sie sagte, an den sich fast obszön anbietenden Steinpilzen bei Emmis Obst – und Gemüsestand auf dem Markt in H. einfach nicht mehr vorbeigehen konnte.

Dies umso mehr, als Emmi bereits Gerlindes begehrlichen Steinpilzblick registriert hatte, während sie mit der üblichen Sorgfalt das gewünschte Obstsortiment aus Mango, Melone, Papaya und Kiwis für sie zusammenstellte und fast beiläufig darauf hinwies, dass doch Carl so schrecklich gerne Steinpilze esse, wie er ihr unlängst gebeichtet hätte, so dass Gerlinde gar keine andere Wahl mehr hatte, als sich von der fürsorglichen Emmi für den offensichtlich von allen Frauen geliebten Carl auch noch eine tüchtige Portion dieser obszönen Steinpilze einwiegen zu lassen. Sechshundert Gramm sollten es schon sein, meinte Emmi spitzbübisch lachend!

Die breiten Bandnudeln konnte Gerlinde dann auch gleich vom Nachbarstand mitnehmen und trotzdem noch mit Hannelore und Kurt genüsslich den vereinbarten Cappuccino bei ihrem Lieblingsitaliener trinken, bevor sie sich daheim auf Carls Pilzfestival vorbereitete…

Carl bemerkte am späten Nachmittag, als er überraschend früh heim kam und die Haustür aufschloss, bereits an seiner Nase –  die sich komischer Weise wie eine Magnetnadel zum Nordpol ganz von selbst in Richtung Küche stellte – dass heute tatsächlich so etwas Fundamentales wie ein Meteoriteneinschlag stattgefunden haben musste: seine nicht gerade kochwütige Gerlinde bereitete ihm sein Lieblingsgericht zu!

Es gab tatsächlich – und das war keine Fata Morgana – ‚Gebratene Steinpilze in Sahne und Wein’!

Grad so als hätte Gerlinde geahnt, dass er heute besonders dringend einer aufbauenden Labung bedurfte, da dieser Tag wieder einmal zu jenen gehörte, die er blitzschnell verdrängen musste, da er sonst morgen in der Firma nicht nur diesen neuen Unmögling Fritz Kogler kaltblütig ermordet hätte, sondern gleich auch noch das ‚goldige Bernielein’, das diesen ‚Schleimpilz Kogler’ in die Sparte ‚Oberbekleidung’ für den Vertrieb geschleust hatte.

Dabei wär’ gegen diesen Fritz Kogler prinzipiell nichts einzuwenden gewesen, außer dass er für einen Mann viel zu schön war, das auch wusste, und seinem schleimigem Charme die jungen Arbeiterinnen genau so hilflos ausgeliefert waren, wie verstreute Haferflocken dem ‚Physarum polycevalum’!

Und das schon seit drei Wochen, da dieser schleimige Fritz auf Wunsch von Dr. Bernhard Osterkorn unbedingt die gesamte Firma TRIGA kennen lernend durchdringen sollte; natürlich auch die Sparte ‚Wirk– und Strickwaren’ für die er, Carl, den Gesamtvertrieb zu verantworten hatte.

Und dass nun ausgerechnet diese dumme, hoch schwangere Kuh, Miriam Braun, die eh schon einmal vom ‚lieben Bernie’ abgebürstet worden war, nicht bemerkte, wie dieser Fritz Kogler sie pausenlos aushorchte und in ihrem Umfeld gegen sie intrigierte, war wirklich zum Heulen!

Für Carl jedenfalls war schon nach zwei Tagen klar gewesen, dass dieser schleimige Fritz, abteilungsmäßig massiv in die ‚Unterwäsche’ der Miriam Braun drängte und sich förmlich verzehrte nach ihrer Stelle, sobald sie in Karenz war. Aber die angeblich so kluge und weltgewandte Miriam Braun, merkte das alles nicht, sondern war trotz, oder vielleicht gerade wegen ihrer Schwangerschaft total hingerissen von diesem Ekel–Fritz.

Und genau das spielte dem immer wieder genial schäbig agierenden ‚Bernie’ in die Karten: denn da Miriam Braun ihn enttäuscht hatte, war für ihn klar, dass dieses Biest Stück für Stück so klein gemacht werden musste, bis sie selbst merkte, dass sie bei TRIGA ein riesiger Irrtum gewesen war und nicht mehr benötigt wurde – der Strahlemann Kogler kam Dr. Osterkorn da gerade recht.

Aber jetzt – daheim – war wenigstens für einen winzigen Moment für Carl die Welt in Ordnung, da seine geliebte Gerlinde sein Lieblingsgericht zubereitet hatte!

Gott wie das alles duftete…

Auch Gerlinde duftete, als sie ihm mit fröhlich gerötetem Gesicht plappernd entgegenkam; der süffige Riesling für die Soße hatte wohl schon seine Wirkung getan…

Richtig überdreht erzählte sie Carl nach einem köstlich feuchten Begrüßungsküsschen in launigem Durcheinander, wie das heute mit den komischen Pilzen zugegangen war, und wie sie nach deren obszöner Anbiederung einfach zugreifen hatte müssen und sich jetzt  richtig auf diese Pilzherrlichkeit freute, an die sie sich schon ewig nicht mehr herangetraut hatte, während Carl sich immer zwanghafter der ihn umgebenden geruchlichen Vielfalt ausgeliefert sah, lustvoll schnuppernd Gerlinde mehr und mehr in ihren eigenen heiligen Küchenbereich abdrängte, und sein unersättliches Näschen nicht nur ausschließlich in Richtung Bratpfanne streckte, in der die erste Charge der goldbraunen Köstlichkeit bereits gemächlich vor sich hinbrutzelte, sondern auch ihre fleischigen, nackten Arme und ihren Hals bis zu dem leicht aufgehellten, flaumig zarten Haaransatz in seine Schnüffelakrobatik einbezog und eine zapplige Gerlinde mit ihrer Küchengerätschaft, von Mal zu Mal unkonzentrierter, die angebräunten Pilzscheiben zu wenden versuchte…

Mit einem letzten Rest an verbliebenem hausfraulichen Instinkt, versuchte Gerlinde auch noch, den wie eine Python um sie geschlungenen Carl zu dem bereits vorbereiteten Mörser mit frischem Kümmel zu dirigieren, bevor unter spitzen Schreien und einigem anderen Getöse, auch diese notdürftig aufrecht erhaltene Verteidigungsfassade einstürzte und die zunehmend steinerne Pilzpracht – gnadenlos in der Pfanne verkohlte…

Die begleitenden Rauchschwaden ließen kurz darauf nicht nur den Rauchmelder aufheulen, sondern geisterten auch noch tagelang mahnend durchs gesamte Haus.

KH

Klaus Hnilica
Donnerstag, der 6. September 2012

Das ‘Ewig-Weibliche’ zieht Carl ‘hinan’…

Carl und Gerlinde (XXVI)

Ja – wo denn sonst hin? Es konnte ihn doch nur ‚hinan’ ziehen bei dem Vergnügen das er neuerdings wieder mit dem ‚Ewig-Weiblichen’ hatte, das da nachtnächtlich wie früher neben ihm zappelte und tagsüber tagtäglich seinen Haushalt bestens versorgte, und ihn, dieses ‚Ungestüm-Männliche’ zusätzlich noch mit den verwegensten Köstlichkeiten traktierte, wenn er abends ausgepowert, aber nie mehr übellaunig aus der Firma heimkam und sich genüsslich ins aufbereitete ‚Nestchen’ verkroch…

Und diese prima Laune, die er sehr zur Freude seiner Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen und insbesondere seiner Sekretärin Bettina jetzt jeden Morgen mit in die Firma brachte, hielt auch erstaunlich stabil den ganzen Tag über an.

Selbst dann noch, als der liebe ‚Bernie’, alias Dr. Osterkorn, wie ein übermotivierter Seilzieh-Athlet täglich an seinen Nerven eine Art Konditionstraining zu absolvieren schien, und Miriam Braun, die neue ‚Unterwäschevertriebsverantwortliche’ hochschwanger die Welt nur mehr über ihren Mutterbauch wahrnahm und alle Kreativität offensichtlich für die zu erwartenden Zwillinge bunkerte!

Ja – seine robuste Laune war auch abends nicht tot zu kriegen und nächtens schon gar nicht, wenn er Gerlindes anheimelnde Wärme auskosten durfte, ihren Duft einsog und sich an ihrem köstlichen, abgedeckten Körper im Halbdunkel des Schlafzimmerns immer wieder aufs Neue an den elend langen Beindingern delektierte, die permanent tentakelartig zu ihm herüberpendelten, ebenso wie ihre seidenweiche Arme, unter denen er sich jeden Morgen mit größter Vorsicht herausschlängelte, weil er aufstehen und Frühstück machen musste und wollte, während Gerlinde noch in ihrer Traumwelt weiter schmatzend herumsäuselte, was er früher völlig unpassend als ‚Schnarchen’ abgetan hatte.

Und für Carl war auch klar, dass er nach Gerlindes überraschender Heimkehr, an die er nie mehr zu glauben gewagt hatte, nicht klein kariert in den zurück liegenden Monaten herumstochern und sie mit engstirnigen Vorhaltungen nerven wollte.

Nein, das wollte er nicht! Mit welchem Recht auch? Sie waren doch gar nicht verheiratet und dachten auch in Zukunft nicht daran; jeder von ihnen hatte doch diesen wunderbaren Zustand der Ehe schon einmal desaströs hinter sich gebracht.

Natürlich hätte er trotzdem gerne gewusst, was sie so getrieben hatte auf Teneriffa – wo sie ja gewesen war, wie er kürzlich endlich erfahren hatte! Und wen sie da kennen gelernt hatte, auf Teneriffa? Und warum ihr ‚Ehemaliger’ ihr plötzlich so großzügig sein Apartment in Puerto Santiago überlassen hatte? Und wie oft er sie da womöglich besucht hatte? Und wie es überhaupt so mit den Männern in diesem angeblichen traumhaften Puerto Santiago gewesen war?

Aber nein, er fragte nicht! Das war ihre ureigenste Angelegenheit! Eher hätte er sich die Zunge abgebissen, was natürlich auch blöd ausgesehen und weder ihn noch Gerlinde wirklich weiter gebracht hätte…

Letztlich zählte für ihn einzig und allein die Tatsache, dass Gerlinde wieder bei ihm war und das offensichtlich sehr genoss; alles andere war wirklich sch…..egal! Jedenfalls für den Moment!

Und Gott, was für ein Segen war diese ‚zurückgekehrte Sauberkeit’! Alles blitzte, strahlte und duftete wie im Himmel… Das war unbeschreiblich! Und wenn diese fundamentale Freude an Ordnung und Sauberkeit spießig war, dann war er wirklich mit Genuss der größte Spießer auf Erden und im angrenzenden Sonnensystem!

Er staunte ja selbst auch über seine neue Vergnügtheit, wenn er  Gerlinde verwöhnen durfte? Zum Beispiel mit seinen überaus geschätzten leckeren Frühstücksvarianten, bei denen er nebst köstlichem Kaffee und frischen Brötchen, stets auch auf ausgefallene Marmeladen und Käse aus den edelsten Feinkostgeschäften setzte und  sonntags sogar noch norwegischen Lachs und Sekt beifügte! Das war doch was! Und es machte richtig Spaß, zu sehen wie Gerlinde strahlte und sich genussvoll all diesen Leckereien hingab, die er ihr kredenzte. Ja das tat ihm wirklich gut!

Und natürlich verschanzte er sich morgens nicht mehr schweigend hinter den riesigen Seiten einer bekannten Tageszeitung, sondern erzählte munter von unzähligen großen und kleinen kuriosen Vorkommnissen in der Firma, oder von Sachen die er gelesen hatte. Auch von seiner neuen Position berichtete er häufig. Wieder und wieder wollte er auch von ihr hören, was sie von dieser oder jener Wäschekollektion hielt, vor allem der letzten, für die Herren der Schöpfung; und wie sie Frau Brauns Schwangerschaftsprobleme beurteilte, und ob sie ihn nicht doch endlich einmal in der Firma besuchen und Bettina, seine Sekretärin, kennen lernen wollte ?

Und wenn ihn nicht alles täuschte, war seine kleine ‚Spottdrossel’ Gerlinde manchmal sogar ein klitzekleines Bisschen stolz auf ihren Carl und was er so erreicht hatte, während  sie auf den Kanaren herumgeturnt war und sich mehr schlecht als recht durchgeschlagen hatte – mit hoffentlich nicht allzu vielen fremdartigen Körperkontakten?

Als Gerlinde ihn dann an einem der darauf folgenden Freitage auch noch bat sie und Hannelore um siebzehn Uhr zu einer Vernissage in B. zu begleiten, wo es um ‚Die Darstellung des Weiblichen durch das Weibliche’ ging und nur Künstlerinnen ihre Werke zeigten, zerfloss Carl förmlich und wirkte richtig glücklich; er versprach gerne früher aus dem Büro zu kommen, obwohl er schon ahnte, dass er  wieder das einzige männliche Wesen unter den Kunstenthusiasten sein würde, genau wie bei diesen typischen ‚Frauenfilmen’, die er sich neuerdings auch wegen Gerlinde antat.

Auch sonst waren bei dieser Vernissage nur Frauen zugange: ein junge Sängerin sorgte für beachtliche Stimmung und eine bekannte Schriftstellerin las sehr ordentlich eine selbst verfasste Kurzgeschichte zu einem Gemälde. Die Vorstellung der Künstlerinnen besorgte selbstredend auch ein weibliches Mitglied der Stadtverordneten-Versammlung; nur der Bürgermeister durfte kurz, als Mann, zwei Sätze zur Begrüßung sagen, um sich alsdann schneller als der Blitz in Luft aufzulösen, so dass er, Carl S., wirklich als einziges nennenswertes männliches Wesen die volle Breitseite der künstlerischen  Weiblichkeit an diesem Nachmittag abbekam und genießen durfte, abgesehen von zwei unscheinbaren, verschrumpelten Männeken, die teilnahmslos vor sich hindösten…

Doch kühles Bier gab es schon, wie Gerlinde tröstend feststellte! Und auch Berge von  köstlichen Häppchen! Was Carl aber nur mehr als läppische Nebensächlichkeit abtat, schließlich wollte er sich voll ganz auf die recht beachtlichen Kunstwerke der diversen Künstlerinnen konzentrieren…

Und trotzdem hing dann am Ende dieser sehr geglückten und von allen Anwesenden bejubelten Vernissage der Haussegen bei Carl und Gerlinde schief, als sie ziemlich betüddelt, von Hannelore heimgefahren wurden.

Dabei hatte Carl es wirklich als Kompliment gemeint, als er im  Kreis einer glücklich strahlenden Künstlerinnengruppe um Gerlinde und Hannelore, die beide Bilder gekauft hatten, viel zu laut darauf hinwies, dass er echt überrascht wäre, wie gut heutzutage auch Frauen malten. Selbst beim besten Willen könnte er keinerlei qualitativen Unterschied mehr zu malenden Männern erkennen! Wirklich, das wäre echt phänomenal sagte er anerkennend mehrfach hintereinander, mit betont ausdrucksstarker Stimme, zwischen etlichen weiteren Gläschen Sekt – und war dann vollkommen platt, als er sich plötzlich nur mehr zwei schweigenden, aber nicht unbekannten Damen mit versteinerten Mienen gegenüber sah… Spätestens da ahnte er, dass wieder etwas schief gelaufen war!

KH

Roland Dürre
Donnerstag, der 30. August 2012

Verschwendung

IF-Blog hat sein Sommerloch. Ich bin für zwei Wochen in Griechenland am Strand und pflege duerre.de. Da ergänze ich die  “Stichworte” um ein paar neue “Stichwort-Artikel”. Gestern waren meine Gefühle zum Thema “Verschwendung” dran.

Verschwendung

Ich bin gegen vieles. Besonders gegen Verschwendung. Die geht mir auf den Wecker.

Nur – wenn ich gegen Verschwendung bin, mache ich mich klein. Weil die Verschwendung mein Feind ist, der einfach überall auf mich lauert. Materiell und in der Zeit. Und mich so häufig betroffen macht.

Also will ich nicht gegen Verschwendung sein, ich möchte für das Gegenteil stehen. Aber was ist das Gegenteil von Verschwendung?

Da erinnere ich mich an einen Satz, den ich von Klaus Töpfer gehört habe: “Im biologischen Sinne ist ein System nachhaltig, wenn es keinen Abfall produziert!”. OK, so definiere ich Abfall und Müll als negative Verschwendung.

Daraus könnte ich schließen, dass ich Nachhaltigkeit mehre, wenn ich die negative Verschwendung minimiere. Und habe für mich festgelegt, dass das Gegenteil von negativer Verschwendung die Nachhaltigkeit ist. Und bin jetzt noch mehr für Nachhaltigkeit.

Und bin genauso für die positive Verschwendung, wie sie uns die Natur mit ihrer Schönheit, ihren Farben und ihrer Vielfalt schenkt. Oder die Verschwendung der Menschen, wenn sie mir ihre Liebe geben.

RMD

Roland Dürre
Sonntag, der 5. August 2012

Walk your talk

Eigentlich der Satz zum Sonntag. Ein wunderschöner Satz. So kurz und so klug. Könnte man übersetzen mit:

“Mach das, was Du sagst”

Klingt so einfach. Ist aber so schwer zu befolgen. Das scheint mir das Hauptproblem zu sein. Wir wissen alle, wie es gehen würde und was man machen müsste. Nur machen wir es nicht.

Ist mir gestern beim schönen Hallenfest beim Manfred in Schierling bewusst geworden. So viele gute Gespräche mit tollen Menschen. Alles Menschen, die viel wissen, nachdenken und die Dinge (nach meiner Meinung) auch sehr vernünftig bewerten.

Nur – das Umsetzen ist halt so schwierig. Und dann geht man anders als man redet. Obwohl es sehr wohl so ginge wie man redet. Und es wahrscheinlich besser für einen selbst wäre, den Weg, den man für richtig hält, zu gehen. Auch wenn er ein wenig mühsamer ist.

Das ist wohl die Tragik des Menschen. Darum mein großer Respekt von allen Menschen, die tatsächlich den Weg so gehen wie sie reden. Auch da kenne ich ein paar.

Hut ab vor Euch!

Leider klappt das mit dem “Walk your talk” auch bei mir noch nicht oft genug. Ich bin aber Optimist und weiß, dass es genügt, wenn es jeden Tag auch nur ein klein wenig besser wird.

RMD

Klaus Hnilica
Donnerstag, der 12. Juli 2012

Ochsenblut und Hexenzauber

Martin und Gernot gehörten zusammen wie die Sonne und der helle Tag – wo der eine war, war auch der andere!

Sobald einer der Buben morgens seine Augen aufrubbelte, sprang er von seinem platt gedrückten, nach Urin stinkenden Strohballen in der grob gezimmerten Bettstelle und rannte noch in Schlaflumpen über die Straße zum anderen. Oft stießen sie auch an den Pfützen der Hauptstraße, die sich zwischen den beiden Gehöften durchzwängte zusammen und knobelten aus, bei wem sie weiterschliefen.

Seit Menschengedenken wurden in den beiden gegenüberliegenden Gutshöfen Ochsen gezüchtet. Martins und Gernots Eltern hatten die Höfe vor etlichen Jahren in Rodenbach übernommen und da sie ähnlich aneinander klebten wie ihre Söhne, sorgte das im Dorf  immer wieder für  böses Getratsche:

„Wahrscheinlich“, tuschelten die Leute, „wissen diese drecks Ochsenzüchter vor lauter sodomitischer Geilheit gar nicht mehr, welcher der beiden Buben ihr eigener ist“?

Aber Martin und Gernot scherten sich nicht um dieses Getuschel.

Als sie nach etlichen Jahren die Höfe von ihren Eltern übernahmen und an einem Dienstag im Mai ihre Frauen Gertrud und Hildegard heirateten, blieben sie trotz allen Geredes genau so unzertrennlich wie vorher. Schon bald nach der Hochzeit gebar Gertrud unter Schmerzensschreien, die einen ganzen Tag lang im Dorf zu hören waren, einen kräftigen Sohn, den ihr Mann auf den Namen Siegfried taufen ließ, und Hildegard schenkte ihrem Gernot eine Berta, bei der alles viel leichter ging. Aber es war halt nur ein Mädchen!

Auch da witzelten die Dörfler: Siegfried käme auf Martins Freund Gernot raus und Berta hätte den gleichen  Silberblick wie Martins Schwester.

„Ach lasst doch dieses blöde  Volk quatschen“, sagten Martin und Gernot zu ihren genervten Frauen, wenn die klagten, weil sie sich wieder einmal von einigen dieser bigotten Dörflern scheinheilige Unverschämtheiten anhören hatten müssen. „Schade nur, dass zu uns niemand was sagt“, riefen sie dann lachend und streckten feixend ihre rechten Fäuste, an denen alle Finger fehlten, drohend gegen den Wolken verhangenen Himmel von Rodenbach.

Berta und Siegfried wuchsen genau so wild und ungestüm heran wie vormals ihre Väter und allen war klar, dass die beiden auch wieder heiraten und Ochsen züchten würden, wie es dem ehernen Gesetz dieser Höfe entsprach…

Doch dann kam alles anders!

Denn auch in diesem gottverlassenen Dorf Rodenbach trieben es die Hexen immer dreister und schickten den ratlosen Bauern und Handwerkern grässliche Hagelschauer und sintflutartige Regen, Feuersbrünste, die große Teile des Alten Dorfes einäscherten – und die Pestilenz…

Selbst als bereits jeden Sonntag von der Kanzel der kleinen Kirche in Rodenbach die Gläubigen aufgerufen wurden, jedwedes Anzeichen von Hexerei sofort der Inquisition  zu melden, und auch schon zwei Hexen im Ort aufgespürt und in Bruchköbel hingerichtet worden waren, fühlte sich die Dorfgemeinde immer noch durch die allgegenwärtige Hexenbrut bedroht! Diese teuflischen Hexen seien es auch, rief der Pfarrer zornig den verängstigten Menschen in den prallvollen Kirchenbänken entgegen, die die Pestilenz immer näher an Rodenbach heranlockten und Alt und Jung ins Verderben rissen, wenn nicht endlich die heilige Inquisition diesem satanischen Spuk den Garaus machte!

Es war Hagen, ein Neffe von Martin, der in Gelnhausen lebte und weit in der Welt herumgekommen war, der den beiden Freunden dringend riet, sich auch dieser heiligen Bewegung anzuschließen: „Wartet nicht bis ihr mit euerem wenig gottgefälligen Leumund selbst  Opfer der Inquisition werdet! Stellt euch an die Spitze! Helft  mit, die Hexenbrut auf die  Scheiterhaufen zu bringen; diese heiligen Feuer dürfen nie verlöschen“! rief er Martin und Gernot sonntags beim Frühschoppen im ‚Gasthaus zum Schützenhof’ zu und beglückwünschte sich selbst mit  einer neuen Runde Met zu seiner prächtig florierenden Tischlerei: Särge, Särge und nochmals Särge! Jammerschade, dass er nicht in der Lage war noch hundert mal mehr Särge herzustellen, klagte er, die Leute würden sie ihm selbst zum doppelten Preis aus den Händen reißen…

Als Hagen in ein heiseres Raunen fiel, krochen Martin und Gernot  förmlich  in ihn hinein, um ihn noch zu verstehen: “Macht es doch wie die da unten vor Afrika“, raunte Hagen, „die stellen aller Orten ‚heilige, rote Stühle’ auf, wie man hört! Denn wenn diese stinkenden Hexen sich bei ihren nächtlichen Ausritten an ihren geilen Besenstielen wund gerieben hätten, müssten sie unbedingt  einmal in der Nacht  absitzen, sagt man“.

„Doch gnade ihnen Gott, diesen verdammten Verführerinnen“! krächzte Hagen, „wenn die auch nur ein einziges Mal auf diesen ‚roten Stühlen’ aufhockten, ließ sie die ‚heilige Kraft Gottes’ augenblicklich stocksteif erstarren! Für die Wächter der Inquisition war es dann ein Leichtes, dieses verfaulte Hexengesindel im Morgengrauen von den ‚roten Stühlen’ zu pflücken und an Fleischerhaken  in die Abdeckerei zu schleifen“.

„Und wisst ihr, womit diese Stühle, die ich euch natürlich in meiner Tischlerei trotz der vielen Särge leicht noch anfertigen könnte, geweiht werden?“ fragte er nach dem dritten Humpen Met, „die werden in geweihtes Ochsenblut getaucht, versteht ihr? In geweihtes Ochsenblut, dem die Wächter der Inquisition noch geheime Substanzen beimengen, um das dunkle Rot der Sünde noch wochenlang leuchten zu lassen“!

„Und da diese ‚roten Stühle’ durch das Ochsenblut an heißen Tagen schon nach wenigen Stunden unangenehm rochen, sorgten Schwärme von Schmeißfliegen von den benachbarten Misthaufen Gott sei Dank dafür, dass sich kein anständiger Christenmensch irrtümlich auf diesen ‘Hexenfallen’ niederließ“, fügte Hagen noch mit einem schäbigen Grinsen hinzu und machte sich schleunigst auf den Heimweg, da er seine Alte schon maulen hörte, wenn er wieder zu spät zum sonntäglichen Schweinebraten kam, den ihm die reichlichen Profite aus den Särgen unschwer ermöglichten.

Bald danach stand tatsächlich so ein müffelnder ‚roter Stuhl’ beim östlichen Wehrturm in Rodenbach! Und in der nächsten Nacht einer an der Ecke Mühlstrasse – Bachstrasse! Und ein Dritter in der Kirchstraße, nahe der Hainstrasse! Und noch einer bei der Befestigungsmauer – und einer draußen beim ‚Weidertsbörnchen’, wo immer noch viele Rodenbacher morgens ihr Trinkwasser holten! Und allesamt stanken sie derart in den hellen Tag, dass sich selbst Gott für diese ‚säuischen Stühle’ schämte, wie ein vorbei humpelnder Soldat besoffen in die stechende Sonne grölte…

Offiziell hatten Martin und Gernot kein Wort über die ‚roten Stühle’ verlauten lassen, sondern sie klamm heimlich ab der Nacht zur Sonnenwende aufgestellt. Trotzdem musste sie irgendwer dabei beobachtet haben, denn seit diesem Tag  verstummte jedes Gerede sowohl über die beiden, als auch ihre Familien und ihren angeblichen sodomitischen Lebenswandel!

Auch der Pfarrer pries vom ersten Tag an lauthals die ‚heilige Bestuhlung von Rodenbach’ und nannte sie einen großen, göttlichen Sieg im ewigen Kampf gegen das Böse! Und dies obwohl weder unmittelbar danach, noch später jemals eine dieser  ‚stocksteif erstarrten Hexen’ auf den ‚roten Stühlen’ entdeckt wurden, sondern nur  Marder und Ratten sich  nächtens darunter versteckten und die Dorfbewohner erschreckten, die sich jede Woche aufs Neue über den widerlichen Geruch dieser ‘Hexenfallen’ beklagten. Aber niemand wagte sie anzutasten…

Doch wenn Martin und Gernot damals schon geahnt hätten, welches  Unglück diese ‚roten Stühle’ über ihre Familien bringen würden, hätten sie sich nie und nimmer bei jedem Frühschoppen, unausgesprochen, dafür feiern lassen und sich verschmitzt zugegrinst!

Und dass dieses Unglück ausgerechnet über Berta und Siegfried hereinbrechen würde, konnte damals erst recht niemand ahnen, da die beiden Kinder trotz der schweren Zeiten unbekümmert, wie die wilden Zicklein heranwuchsen und zumindest nach außen hin wegen ihrer fröhlichen Unbefangenheit und rührigen Hilfsbereitschaft von allen im Ort geliebt wurden! Die beiden waren doch ausgesprochene Glückskinder, denen niemand Böses wollte!

Vor allem Siegfried, der schon von frühester Kindheit an, an geheimen Orten unter der Anleitung seines Vaters vortrefflich mit der Armbrust schoss! Und trotz allem Bitten und Flehen von Gertrud, Siegfried nicht auch in diese verdammte Wilderei hineinzuziehen, die nur Unglück brachte und Martin bereits  alle Finger der rechten Hand gekostet hatte, nahm ihn dieser schon in ganz jungen Jahren mit auf seine nächtlichen Jagdtouren, in denen er mit Gernot hinter Wildsauen und Wölfen her war, die ihnen und den anderen Bauern jeden Sommer die Felder verwüsteten und die Schafe rissen…

Schlaf schien der Siegfried, genau wie sein Vater, nicht zu brauchen! Auch nicht als er einige Jahre später, unerschrocken ganz  alleine nächtens unterwegs war! Komisch war nur, dass er plötzlich immer seltener mit gewilderter Beute heim kam und immer gereizter auf Martins aber auch Bertas Nachfragen reagierte. Ja er verbat sich sogar von einem Tag auf den anderen mit hochrotem Kopf zornig ihre dreisten Verhöre, wie er sagte und überhaupt jede Art von Einmischung: Schließlich wären sie noch lange nicht Mann und Frau und wer wüsste schon ob sie das jemals werden würden…?

Berta war wie vom Donner gerührt, so grob hatte sie Siegfried noch nie angegangen! Weinend versteckte sie sich in ihrer Kammer, verriegelte die Tür, aß nichts mehr, sondern nippte höchstens ein wenig an dem frischen Wasser, dass ihr ihre tief besorgte Mutter Hildegard jeden Morgen in einem Krug vor die Tür stellte.

Aber vielleicht waren es ja nicht nur Siegfrieds rüde Worte gewesen, die sie so verstört hatten, vielleicht hatte sie ja doch schon das eine oder andere Mal die Dörfler tuscheln hören, dass nicht nur die Wildschweine ihren Siegfried in die nächtlichen Wälder zogen, sondern auch die weithin bekannten offenherzigen und gastfreundlichen Töchter der Köhler rund um Niedermittlau! Und dass sie es waren, die ihn schon über Wochen morgens so erschöpft heimkommen ließen, wie die anderen Wilderer auch aus der Umgebung, die sich wie er in den Netzen dieser geilen Köhlerbräuten verfangen hatten…

Und wie man sich heute noch im Alten Dorf erzählt, war Berta auch an diesem verhängnisvollen Totensonntag nicht bereit gewesen, ihre verriegelte Tür auf zu machen, als ihr Vater Gernot und sogar Martin energisch an die Kammertür pochten und sie anfangs flehentlich, später ungeduldig und zornig baten zu helfen, da Siegfried in höchster Not sei!

Nach zwei stürmischen Nächten hatte nämlich die Frau des Bäckers, als sie am Totensonntag Morgen Wasser geholt hatte, den vollkommen erschöpften Siegfried auf dem ‚roten Stuhl beim Weidertsbörnchen’ vorgefunden: ‚stocksteif’ saß er da, mit fieberrotem Kopf, konnte sich weder rühren noch sprechen und an seinem Hals quollen bereits die daumengroßen Beulen  der Pestilenz aus seiner zerfledderten Joppe…

Schreiend war die gute Frau zurück ins Dorf gerannt! Wie von Sinnen rüttelte sie erst an den Haustüren der Ochsengehöfte und dann beim Pfarrhof. Der Pfarrer wusste sofort was zu tun war und ließ schleunigst die Kirchglocken läuten: in dem rasch angesetzten Notgottesdienst verkündete er, dass jetzt nur eine unbefleckte Jungfrau helfen könne! Sie müsse bereit sein sich zu opfern und durch einen Kuss auf Siegfrieds Lippen den Hexenzauber von ihm nehmen, anderenfalls sei er unwiederbringlich verloren und mit ihm das gesamte Alte Dorf!

Nach mehreren Vaterunsern brach die verängstigte Kirchengemeinde schweigend auf – alle wussten was  zu tun war!

Aber Berta öffnete ihre Kammertür nicht!

Da auch Gertruds und Hildegards eindringliches Flehen nichts half, wurde nach kurzer Beratung die schwere Eichentür mit einer Axt aufgebrochen.

Doch der Vogel war ausgeflogen! Durch einen Geheimgang, den nicht einmal ihr Vater Gernot kannte!

Als die aufgebrachte Dorfbevölkerung mit viel Glockengeläute gleich darauf in einer Prozession zum Weidertsbörnchen aufbrach, musste sie verwundert, aber auch erleichtert feststellen, dass Siegfried auch verschwunden war…

Selbst die eiligst herbeigebrachten Jagdhunde von Martin und Gernot fanden keine heiße Spur von den beiden, sondern kamen schon nach kürzester Zeit  winselnd aus den Wäldern zurück, in die sie hineingehetzt worden waren…

Tja – und so wird noch heute im Alten Dorf gerätselt, was da eigentlich passiert war? Einige meinen, es wär ein abgekartetes Spiel zwischen Martin, Gernot und der Bäckersfrau, bei der sie sich nur allzu gerne aufhielten, gewesen, um die zerstrittenen Kinder wieder zusammenzuführen, andere wieder waren sich sicher, dass die unglücklich Liebenden leibhaftig in den Himmel aufgefahren waren, und der Rest der Dorfbevölkerung schwor darauf, dass Siegfried und Berta entweder vom Teufel geholt worden  oder aber ins nahe Bayern geflohen waren – was beides ziemlich auf das  Gleiche hinauslief…

KH

PS: Diese Geschichte ist vollkommen frei erfunden und fußt auf keinerlei historischen Grundlagen; alle eventuelle Ähnlichkeiten sind rein zufälliger Natur.

Roland Dürre
Sonntag, der 1. Juli 2012

Ich liebe Dich – Barbara!

Vor genau einer Woche haben wir Barbaras Geburtstag gefeiert. Es war ein schönes Fest. Unsere Gäste haben sich alle auf der Party wohlgefühlt.  Aber das wichtigste: Auch das Geburtstagskind war mit seiner Feier zufrieden! Und was mag ich mehr, denn eine glückliche Barbara!

Auf dem Fest gab es keine “geburtstagstypischen” Aktivitäten. Aber eine kleine Rede für “meine” Barbara musste ich schon halten!

Hier ist sie so etwa im Wortlaut:

Wie sollte es heute auch anders sein – meine Rede beginnt mit dem Internet. Viele meiner Freunde kennen den Begriff der “time line” (TL) gar nicht. Wir “digital natives” aber wissen, dass wir in einer “time line” leben.

Wenn man “time line” im Lexikon sucht, wird man auch nicht so richtig fündig. Wahrscheinlich passt am besten noch “Zeitlinie”. Aber das mit Englisch/Deutsch ist halt schwierig, man denke nur an die Übersetzungen für Browser (Stöberer) oder Youtube (DeinSchlauch).

Aber die “time line” gibt es nicht nur im Internet. Mein Mentor und Freund Rupert Lay hat das Leben als einen Weg durch die Zeit beschrieben. Dieser Weg hat einen Beginn und ein Ende. Was vor dem Beginn war und nach seinem Ende sein wird, wissen wir nicht.

Aber dieser Weg ist unser Leben. Und damit zuerst mal alles, was wir haben.

Am Anfang des Weges sind wir nicht allein. Wir haben eine liebende Mutter. In der Regel begleitet uns eine umsorgende Familie beim Start. Aber auch das gilt unglücklicherweise nicht für alle Menschen.

Irgendwann müssen wir unseren Weg alleine finden und gehen. Wir treffen Menschen dann Menschen auf den weiteren Strecken dieses Weges. Ein paar davon begleiten uns ein mal kürzeres, mal längeres Stück des Weges. Mal intensiver, mal nur oberflächlich. Manche Menschen treffen wir regelmäßig auf unserem Wege, andere verschwinden bald wieder, manchmal für immer.

So war es auch mir. Ich habe auf meinem Weg immer viele Freunde an meiner Seite gehabt. Das war wunderschön. Manche meiner Wegbegleiter sind heute hier und feiern mit mir die Barbara.

Ich möchte aber uns zuerst an die Menschen erinnern, die heute nicht hier sind – und diese ganz herzlich grüßen. Ihre Abwesenheit hat unterschiedliche Gründe:

  • Manche können nicht da sein, weil sie uns schon für immer verlassen haben. Das tut weh. Nur zu gut sehe ich ein paar Gesichter vor mir, wie sie mit uns gefeiert haben und glücklich waren. Sie wären auf jeden Fall hier, wenn sie noch leben würden. Ich meine, dass es jetzt und immer Sinn macht, an sie zu denken.
  • Ein paar meiner Freunde habe ich vergessen einzuladen. Habe sie telefonisch nicht erreicht, war zu faul, einen Brief zu schreiben. Das tut mir leid – ich hoffe, dass niemand beleidigt ist und bitte die Vergessenen schon mal, mir zu verzeihen.
  • Andere sind im Stress. Sie haben soviel zu tun, müssen auf eine Prüfung lernen oder morgen wieder ganz dringend und ganz wichtig und auch noch ganz früh verreisen. Auch da fühle ich mit. Weil ich gelernt habe, wie falsch es ist, echte oder vermeintliche Zwänge über sein eigenes Leben zu setzen.

Glücklich bin ich mich aber über Euch, sprich die Menschen aus meiner Zeitlinie (TL), die heute hier und da sind. Das seid Ihr!

Und es gibt eine Person unter uns, die mich ganz anders und unvergleichbar auf meinem Wege begleitet.

Das ist die Barbara – unser Geburtstagskind!

Wir wollen sie heute besonders feiern!

Barbara und ich kennen uns jetzt schon seit mehr als 40 Jahre, denn am 5. Februar 1972 haben wir uns das erste Mal getroffen. An einem trüben Samstag in einer Disco in Augsburg. Die Barbara war damals blutjunge 18 Jahre alt – und ich vom Leben eigentlich schon ziemlich angeknackst.

Die folgenden 40 Jahre waren atemberaubend. Es ist unfassbar, was wir beide in diesen Jahren so alles gemeinsam erlebt haben. Für mich hat immer das Schöne überwogen, und ich wünsche mir, dass es bei Dir – liebe Barbara – ähnlich war.

Liebe Barbara, ich habe mir lange überlegt, was ich Dir jetzt sagen soll.

  • Soll ich Deine Tugenden und Dein Können rühmen und loben? Es gäbe allen Grund dazu!
  • Soll ich mich für Deine Toleranz bedanken?
  • Dir erklären, wie attraktiv Du für mich bist?
  • Dir sagen, wie wohl ich mich bei Dir fühle und wie gerne ich gemeinsam mit Dir auf dem Fahrrad in die Welt entfliehe?
  • Und wie froh ich bin, dass es uns gelungen ist, auch schwarze Stunden gemeinsam zu überwinden und diesen zu entfliehen?

Für all das bedanke ich mich gerne bei Dir. Wie auch für das gemeinsam Erreichte. In sozialem und sogar materiellem Wohlstand. Für unsere gemeinsamen Kinder und der schönen Perspektive vielleicht mal noch auf ein völlig neues Leben als Großeltern.

Das alles ist jedoch nicht das Wesentliche.

Denn – Du hast mir geholfen, meinem Leben einen Sinn zu geben. Ja, Du hast mir geholfen, meinem Leben einen Sinn zu geben.

Dafür bedanke ich mich ganz besonders! Hilf mir dabei auch in Zukunft!

Jetzt bitte ich um großen Geburtstags-Applaus für die Barbara, denn der Höhepunkt Rede ist erreicht.

Der George Greene hat dann einen dreifachen Tusch gespielt … Und die Ansprache ging noch ein wenig weiter …

Jetzt möchte ich nur noch den George und seine Musik vorstellen. George spielt heute mit seinen Musikern für uns. Er vertritt die Menschen, die uns in düsterer Zeit eine rettende Botschaft brachten. Damals war das eine Musik aus einer anderen Welt, Blues, Rock’n Roll, Beat, Jazz, Soul, Country …

Musiker sind für mich so etwas wie Krieger für den Frieden. Sie trösten uns, richten uns an trüben Tagen wieder auf und machen uns glücklich. George ist einer davon. Er hat sein Leben lang nur Musik gemacht. Weil er die Musik liebt und Menschen eine Freude machen will.

George wurde so nie der große Star. Aber er hätte das Zeug dazu. Er hat mit vielen der ganz Großen gespielt. Er war der Schlagzeuger von Chuck Berry und Ray Charles. Mit vielen prominenten Musikern ist er aufgetreten und manche Platte aufgenommen. So auch zum Beispiel mit unserem zwar nicht so ganz bekannten aber nicht minder wichtigen bayerischen Isar-Indianer, dem Willy Michl, sound of thunder.

George hat manches wunderschöne Lied geschrieben. Die kann man aber leider nur ganz selten “live” hören, nämlich genau dann wenn George sie mal spielt. Das finde ich schade. Deshalb ist eines meiner vielen Projekte, dem George zu helfen, diese Lieder in einem Studio aufzunehmen. Das mache ich, weil ich fürchte, dass es ohne meine Unterstützung nicht geht.

Und wie immer, wenn ich ein neues Projekt eröffne, suche ich Verbündete. Weil ich weiß, dass wir gemeinsam Dinge bewegen können, die ich alleine nicht schaffe. Und freue mich, wenn Ihr mir dabei helft.

Und dann ging es auf die Tanzfläche – ab zum schwofen … Und der George hat gespielt und gespielt und gespielt …

RMD