Roland Dürre
Mittwoch, der 12. Juli 2017

Warum wir Christophine brauchen! (I)

Am 21. Juni bin ich nach Marbach gefahren, der „Schiller-Stadt“. In Freiberg am Neckar habe ich übernachtet und am 22. Juni ganz in der Früh ging es weiter nach Marbach. Ein Freund aus alten Tagen – Thomas Kleiner – hat mich an diesen Tagen sehr freundlich begleitet. Dank ihm habe ich mich mit Lorenz Obleser und Ruth Martinelli und knapp 20 Kindern zwischen 6 und 10 Jahren getroffen. Denn ich habe tatsächlich einen Vormittag lang in der freien Schule „Christophine“ in Marbach die „Schulbank“ gedrückt. Das ist natürlich falsch formuliert, denn in der Christophine drückt keiner die Schulbank. Aber ich habe an diesem Vormittag etwas so Schönes und Großartiges erlebt, dass mir die Tränen kamen.

Ich habe erlebt, wie

SCHULE

sein kann, so dass sie allen Spaß macht! Sogar den Kindern und den Lehrern!

Aber zuerst die „Bad News“:

Ich bin schon länger ein wenig traurig. Meine Enkel sind wunderbare und ziemlich weise kleine Menschen. Aber in mehr oder weniger Jahren kommen sie in die Schule. Und dann ist Schluss mit lustig. Ich wüsste auch nicht, wie ich sie vor diesem Schicksal bewahren kann, das die meisten Kinder in Deutschland mit Vollendung ihres sechsten Lebensjahres heim sucht.

Denn Schule – wie ich sie selbst in Erinnerung habe und bei der Begleitung meiner sieben Kindern erlebt habe – ist grauenhaft. Nicht nur in Deutschland und vielen Ländern Europas ist Schule sehr rückständig und wirklich schlimm, sondern mit wenigen Ausnahmen weltweit so z.B. auch und gerade in Asien.

Schule, so wie sie heute ist, verkorkst unsere Kindern, so wie sie uns verkorkst hat. Das beschädigt unsere Gesellschaft und schadet unserer Zukunft. Viele Menschen erholen sich erst im Erwachsenen-Alter Schritt für Schritt von Schule, manche schaffen das nie.

Im folgenden berichte ich, was ich am klassischen Schulsystem so schlimm finde und begründe, warum wir das ändern müssen, wenn wir gesellschaftlichen Fortschritt wie Frieden und mehr Gerechtigkeit erlangen wollen.


Der Bildungsalltag in Deutschland (und wohl weltweit) ist mehr als traurig! #Fakt


Bildung in unserem System bedeutet „dressiertes und autoritäres Lernen in einem quasi-militärischem Format“. Wissens-Bulimie ist angesagt. Das beginnt schon in der Grundschule. So schlimm wie zu den Zeiten des berühmten aber unsäglichen deutschen Pädagogen Dr. Moritz Schreber ist es glücklicherweise nicht mehr.

Roland mit Schultüte.

Aber immer noch wird dressiert. Den Kindern wird „Disziplin“ beigebracht. Sie müssen sitzen und dürfen sich nicht entfalten. Den Kindern wird im Stunden-Takt vorgegeben, was sie machen müssen. Selbstorganisation und -bestimmung sind ausgeschlossen. Wo kämen wir denn da hin, wenn die Kinder so Lernen und Üben würden, wie sie es wollen?

Agil, schlank oder transparent sind in den Schulen Fremdworte. Es gibt eine klare Hierarchie Lehrer-Kinder, die im übrigen immer weniger funktioniert. Schule entgleist so auch immer öfters. Dann sind die Kinder schuld und die mangelnde Sozialisierung wird als Grund genannt. Den „schwarzen Peter“ bekommen die Eltern zugeschoben. Weil sie bei der „Erziehung“ versagt haben. Das mag auch ab und zu stimmen, in den meisten Fällen ist dem aber nicht so und die Eltern leiden gemeinsam mit ihren Kindern unter der Schule.


Leistung ist in der Schule die absolute Maxime, schlimmer oft als im echten Leben. #brutal


Die Leistungsgesellschaft wird schon mal vorbeugend geübt. Es wird geprüft, benotet und bewertet, was das Zeug hält. In der Grundschule geht es um den Übertritt ins Gymnasium. Der klappt nur, wenn das Kind sich dem System Schule anpasst und unterwirft. Das ordnende Prinzip der Schule ist ganz klar hierarchisch. Das Zauberwort ist Autorität, man lernt zu folgen.

Die Kinder erfahren, dass man alles zu Lernende wie das Vorgehen dazu mehr oder weniger kritiklos zu akzeptieren hat. Und links und rechts des Bildungsweges sehen wir dann die Opfer.


Wenn Schule nicht funktioniert, dann geben Lehrer und Gesellschaft den Eltern die Schuld. #Frechheit


Weil die versäumt haben ihren Kindern Respekt beizubringen. Vor den Lehrern. Wie schon geschrieben, das trifft ab und zu wirklich zu, aber in der Regel eben nicht.

Damit die Kinder in dieser miserablen Situation den „Übertritt“ schaffen, gibt es ein Heer von meist schwarz arbeitenden Nachhilfe-Lehrern, die in den wenigen verbleibenden freien Stunden der Kinder diese dann zusätzlich traktieren und so – meistens mit viel Tränen – mehr oder weniger erfolgreich über die Noten-Schwelle zum Gymnasiums schieben.

Ich war auch ein „respektloses Kind“. Und habe oft das mir Gesagte angezweifelt und das auch artikuliert. Und wurde dafür immer wieder bestraft. Weil der Lehrer immer Recht hat. In der Schule herrscht kollektiver Gehorsam. Ein Befehl ist eben ein Befehl, dem man folgen muss. So ging es auch mir.


Mein kindliches „Anders sein“ wurde mir öfters sehr vorwurfsvoll zurück gemeldet. Dabei wollte ich nur „Ich sein“. #traurig


Im späteren Leben habe ich dann den Spieß umgedreht. Meine „schlechten Eigenschaften“, für die ich ja auch bestraft wurde, habe ich dann intellektuell trickreich gerechtfertigt als positive Werte wie „Zivilcourage“ und „konstruktiven Ungehorsam“, die mich auszeichnen.

Aber das Schulsystem basiert halt auf Unterordnung. Es gibt eine Ordnung. Die muss es geben, weil Menschen Ordnung brauchen. Die ist aber nicht für die Schüler da sondern für das System und somit gegen die Schüler. Denn nur so können System und Lehrer die Schüler in einer Klasse gleich schalten (meint Schule). Von Acht bis Neun müssen alle rechnen, von Neun bis Zehn ist Lesen angesagt. Von Zehn bis Elf dann Leibesertüchtigung und von Elf bis Zwölf Schreiben. Und von Zwölf bis Eins kommt die Religionskunde. In der Schule muss man die meiste Zeit sitzen und sich „brav“ benehmen. Wenn nicht, dann hagelt es Strafen.

Das alles mit der Begründung, dass es anders nicht gehen würde und nur so Lernen effizient realisiert werden könne. Was eine große Lüge ist!


Die Ganztagsschule macht es noch schlimmer. Die uns so wichtigen freien Nachmittage fürs Spielen, Denken, Erleben und „Leben üben“ gibt es nicht mehr. #nogo


Jetzt kommt die Ganztags-Schule. Kinder werden immer öfters auch noch zum Mittagessen transportiert und mit „convenient food“ gleich geschaltet. Die Schulen ähneln Kasernen und sind keine Stätten der Entfaltung und der offenen Begegnung auf Augenhöhe.

Schulen werden nach militärischem Vorbild organisiert und betrieben; die kleinen Menschen werden verwaltet, ihr Stellenwert entspricht dem von Rekruten in der Grundausbildung der vergangenen Wehrpflicht-Zeit. Die neuen Gebäude der mir bekannten Gymnasien (korrekter Bildungs-Fabriken oder -Kasernen) in Neubiberg, Ottobrunn und Höhenkirchen-Siegertsbrunn strahlen dies auch architektonisch aus.

Es gibt lange Gänge mit vielen Türen, die wie Schläuche zu den vielen Klassenzimmer führen. Die Fenster kann man oft nicht öffnen und die Klima-Anlage produziert schlechte Luft, so dass die „Lehrkräfte“ über Kopfschmerzen klagen. Die Anmutung dieser Bildungsfabriken erinnert eher an Kasernen als an einen freiem Ort, an dem man lernt und sich ins Leben einübt. Und da diese Bauten billigst gebaut sind (bei der Ausschreibung ist der Preis das wesentliche Kriterium, so dass in der Regel der billigste Anbieter gewinnt), bemerkt man schon nach kurzer Zeit den Verfall.

Dafür wächst der administrative Overhead. So wird Bildung immer teurer – aber beim „Endkunden Kind“ kommt davon nicht viel an.


Jedes soziale System braucht eine Ordnung. Kinder wie Erwachsene suchen Halt. Die Ordnung der Schule sollte für die Kinder und nicht gegen sie sein. #Prinzip


In der Schule gibt kein Eingehen auf die großartige Vielfältigkeit der kleinen Menschen. Aus Gründen der Effizienz und der beschränkten Mittel ist dies schon gar nicht möglich und auch nicht gewollt. Es wird normiert und vermessen, zertifiziert und benotet. Leistung wird gelehrt,

Kurz: Man wird indoktriniert, damit man funktioniert. Denn die Gesellschaft braucht brave Konsumenten. Autonomie und Kritikfähigkeit sind nicht erwünscht.

Ab und zu gibt es dann einen Trost: Denn die Lehrerin ist wirklich nett. Aber die „netten“ Lehrerinnen sind selten. Auch weil das Hauptkriterium bei der „Vergabe“ der knappen Stelle die Noten der Bewerberinnen sind. Die Kandidaten mit den besten Noten sind aber meistens nicht die besten Lehrer (Pädagogen).

Viele Lehrer, die so eine „staatliche“ Anstellung feiern dürfen, die „netten“ und auch „die nicht so netten“, kapitulieren früher oder später vor einem Bildungssystem, dass sich entpersonalisiert hat. Die anderen verdingen sich bei Privatschulen, werden Taxifahrer oder geben Nachhilfeunterricht.


Man sollte auch Kinder so behandeln als ob sie Menschen wären! Macht man aber nicht! #Wahnsinn


Diese Aussage (allerdings von keinem Lehrer sondern einem Unternehmer, der nicht „Kinder“ sondern „Mitarbeiter“ gesagt hat) habe ich wirklich mal so wörtlich gehört. Das war ja wohl nur ein Versprecher. Dennoch vermute ich, dass der, dem das passiert ist, im tiefsten Inneren auch so dachte und fühlte. Und der eine oder andere Lehrer, den ich kenne, spricht so von seinem „Job“, dass ich ihm diesen Versprecher auch zutraue. Arbeitnehmer haben Gewerkschaften. Es gibt ein Arbeitszeitgesetz. Für Schüler gilt das aber nicht – die haben keine Lobby. Nur ein Beispiel von vielen …

Kinder haben auch keine Lobby. Man denke nur an die Feindseligkeit von braven und satten Bürgern, wenn es um Kinderlärm in der Nähe ihrer Immobile geht. Wehe es soll in ihrer Nähe ein Kindergarten oder ein Spielplatz gebaut werden. Wütende Anliegerproteste wegen eines neuen Kindergarten habe ich selber in Riemerling (Waldparkstr.) erlebt. Da ging es aber nicht so sehr gegen die SUV-Muttis, die neuen Verkehr generieren, sondern um den Lärm, den Kinder machen.

Aber jetzt zu den Unternehmen.


Unternehmen wissen, dass Motivation nachhaltig nur intrinsisch geht. Schule praktiziert vor allem extrinsische Muster. #passt-nicht


Heute wollen alle, ob Allianz oder Siemens, das Arbeitsleben verändern. #newwork ist angesagt, die Unternehmen wollen so innovativer und kreativer zu werden. Einer der Protagonisten dieser Bewegung ist Thomas Sattelberger, der Saulus/Paulus der #newwork-Bewegung. Er „promotet“ sich wie kein zweiter und eilt mit seiner Heilsbotschaft durch die Lande. Nach seiner Konzern-Karriere ist er vor allem durch „Augenhöhe, der Film“ bekannt geworden.

Jetzt zieht er durch die Lande und kritisiert die Zustände in den heimischen Unternehmen. Zurecht. Aber nicht die in den Schulen. Sein Lebenswerk möchte er mit einem Sitz im Bundestag krönen – und zwar für die FDP (Passt das zusammen, die Kombination von FDP und #newwork?). Ich würde mich freuen, wenn Herr Sattelberger sich im Bundestag dann für agile und menschliche Schulen einsetzen würde. Aber auch da fehlt mir der Glaube.

So wollen die meisten Unternehmen, agiler, schlanker und transparenter werden. Das predigen zumindest die KollegInnen von HR (Human Resource – auch so ein hässlicher Begriff der aktuellen „Arbeitwelt“). Sie suchen innovative Mitarbeiter, die kreativ sind, damit ihre Unternehmen die auch durch Digitalisierung angesagte Transition zu schaffen.

Bei HR spricht man viel von Augenhöhe, #newwork, intrinsify.me, demokratisches Unternehmen, Gemeinwohl-Ökonomie, „shared mobility“ & „shared economy“ und vieles solches mehr. Man schwärmt von vernetzten und selbstorganisierte Teams, von einer neuer Unternehmenskultur und Wertegemeinschaften. Letztere sind auch in der Politik der Renner. Es gibt noch viele mehr von Schlagworten dieses Typs in der neuen Welt der alten Unternehmen.

Nur wie soll das funktionieren, wenn der Nachwuchs schon in der Schule auf das Gegenteil gepolt wird?


Unternehmen wollen agile, kritische und kreative Menschen. Genau das treiben die Schulen den jungen Menschen aus? #Fail


Nur von #newschool, von Selbstorganisation in der Schule, von demokratischen Klassen, von Unterricht auf Augenhöhe und ähnlichem, davon redet keiner. Das ist in Deutschland zumindest unerwünscht, ein großes Tabu!

Durch Europa geistern Begriffe wie #home-schooling, #un-schooling #no-schooling. Sie finden immer mehr Anhänger. Es gibt immer mehr Menschen, die ihre Kinder selber „schulen“ (siehe dazu auch das Video des Vortrags, den Bruno Gantenbein für mich gehalten hat).

In der Schweiz und manchen Ländern der EU ist Home-Schooling ein etablierter und von der Administration unterstützter Prozess. Deutschland ist das einzige Land in der EU, in dem Home-Schooling verboten ist! Denn hierzulande hat man von alternativen Schulen und Denken noch mehr Angst wie der Teufel vom Weihwasser.

Aber vielleicht ist das gut so. Denn so entsteht ein großer Druck auf Eltern. Unschooling geht noch. Wenn Menschen keine Chance haben, auszuweichen, dann finden sie auch Lösungen.


Vielleicht haben wir bald überdurchschnittlich viele eigene und freie Schulen in unserem Land? #Hoffnung


So könnte es sein, dass die Bereitschaft, etwas zu ändern, in Deutschland stärker wächst als in anderen Ländern, die das Ventil „Home-Schooling“ haben.

Roland ohne Schultüte.

Aber zurück zu den Unternehmen. Wie wollen die Mitarbeiter finden, die agil, kreativ, offen … sind, wenn genau das dem Nachwuchs in den Schulen mehr oder weniger ausgetrieben wird?

Denn Kinder werden in der Schulen als Material betrachtet, dass formatiert werde muss. Input sind neugierige freie Wesen. Heraus kommen dann als Output kleine „Professionels“. Die funktionieren, wie man meint, dass dies eine folgsame und leicht steuerbare Gesellschaft braucht. Also werden sie zuerst mal fleißige Arbeiter, tapfere Konsumenten und brave Bürger,  deren erste Pflicht es ist, mit allem einverstanden zu sein, was von oben verkündet wird.


Wir rufen nach Eliten, die unsere massiven Probleme lösen, beschränken uns aber aufs Mittelmaß und schimpfen auf den Populismus. Und fördern das Mittelmaß in den Schulen. #Widerspruch


Warum müssen die Kinder schon so früh kapieren, dass „das Leben kein Pony-Hof ist“ und sie dem „Leistungsprinzip“ unterliegen, wenn sie „etwas werden wollen“. Das sie genauso den Sachzwängen folgen müssen wie ihre Eltern und die anderen Erwachsenen?

Sie werden vermessen und benotet. Immer gilt es, besser zu sein als die anderen. Erfolg ist alles. Es geht darum, die nächste Stufe einer meist nicht sinngebenden Karriere zu schaffen. Mit welchen Mitteln auch immer.

Emotionalität, Erotik, das Leben, die Liebe, die Fähigkeit Konflikte zu lösen und zuhören können, was Glück sein, was Leben bedeuten und wie man besser Sterben könnte … – all das spielt keine Rolle im Lehrplan. Priorität hat, dass das Kind eine „professionelle Resource“ für den Kampf an der Wirtschaftsfront wird.

Und lernt, dass es Wohlstand und Sicherheit wie die Teilnahme am der Gesellschaft so wichtigem Wachstum nur dann gibt, wenn man die eigene Meinung besser nicht sagt und noch besser auch nicht denkt.

Die frustrierten und verunsicherten Kinder gehen dann aus Trotz und Protest zum Beispiel ins Tattoo-Studie, weil sie dort endlich mal etwas Beständiges bekommen. Oder machen anderen Unsinn. Als letzte Ersatzhandlung vor der Aufgabe des eigenen Lebens …


Gute Unternehmer (Führungskräfte, Manager …) machen Ihre Mitarbeiter größer und nicht täglich kleiner. #Weisheit


Ich liebe das Prinzip des „biophilen Handelns“. Das heißt (jetzt in meiner Wiedergabe):

Handele stets so, dass Dein Handeln das Leben Deiner Mitmenschen in seinen vielen Dimensionen eher mehren denn mindern kann.

Vielleicht noch einfacher zu leben als die Biophilie-Maxime ist die Die Goldene Regel

„Behandle andere so, wie du von ihnen behandelt werden willst.“

oder in der negativen Fassung als gereimtes Sprichwort

„Was du nicht willst, dass man dir tu, das füg auch keinem andern zu.“


„Biophile Maxime des Handelns“ und die „Goldene Regel“? Warum nutzen wir das nicht für unserer Kinder? #Gute-Frage


Die Kinder werden von klein auf viel zu oft kleiner und nicht größer gemacht. Nicht nur von den Lehrern – sondern auch von den Eltern. Immer wieder erlebe ich, wie Kinder von ihren Eltern massivst belehrt werden, was richtig und was falsch ist. Zeternde Mütter schimpfen ihre Kinder für ganz normales Verhalten. Es wird dümmlich moralisiert und indoktriniert. Was sich gehört und was sich nicht gehört! Was man tut und was man nicht tut. Was geht und was nicht geht. Was man sehen/hören darf und was man auf keinen Fall sehen/hören darf. Was schlecht ist und was gut ist.

Für was man in die Hölle kommt und für was man in den Himmel kommt. Und wenn das Kind mit 6 Jahren in die Schule kommt, geht es so weiter, nur ein wenig professioneller.


Was kleine Menschen wollen und was sie nicht wollen, das interessiert keinen. #schlimm


In der Schule wird man formatiert und zwar in jene Form gebracht – die in unserem aktuellen Bild des guten Erwachsenen entspricht. Kinder müssen in unsere Welt passen. Sie lernen im Verkehr zu überleben. Sie werden zu jungen Konsumenten, die sich über Äußeres und Besitz definieren. Sie müssen funktionieren, dürfen aber nicht sein und machen, was sie selber wollen.

In der Schule geht es dominant um „Vernunft“, die Ratio und der IQ stehen im Vordergrund. Es geht darum, Verständnis für die vielen Absurditäten unseres Lebens zu entwickeln, das Absurde als selbstverständlich hinzunehmen und so ein Teil des Absurden zu werden.

Das soziale Leben und wie auch das Gemeinwohl spielen nur eine geringe Rolle. Emotionen und Erotik, Liebe und Freundschaft, wird nicht geübt wie auch nicht die Fähigkeit des „Konflikte-Lösen“. Denn unsere Systeme basieren auf Leistung, Unterwerfung, Anpassung. Sie leben von der Austauschbarkeit, der Gleichförmigkeit, der (monetären) Metrisierung und davon, dass die Bürger wie Lemminge den gesellschaftlichen Vorgaben blind folgen. Kritikfähigkeit und Autonomie im Sein, Denken und Handeln stören da nur.


Nur wenn wir die Kinder anders sozialisieren, werden wir die latente Feinseligkeit in uns Menschen reduzieren. #Zukunft


Die alten Rollenspiele sind auch in der Schule nicht tot zu kriegen. Die Jungen müssen immer noch kleine Helden“ sein und dürfen nicht weinen. Von den Mädchen wird erwartet, dass sie demütig und duldsam sind. Gefühle dürfen heute beide Geschlechter zeigen man zeigen, aber eben besser


Willst du erfolgreich sein, dann musst du Mrs. oder Mr. Pokerface werden! #Karriere-Regel


Emotionen darf man nicht zu sehr an sich heranlassen, das gilt als schädliche und störende Schwäche. Du musst stark sein und darfst nie deine Schwäche zeigen. So bekommt das Herz Eisenringe. Zuneigung darf besser nicht gezeigt werden, die universelle Liebe zur Schöpfung gilt als Spinnerei. Haltung als äußere Schale wird anerzogen, aber leider nicht als großer innerer Wert vermittelt.

Mit so einer dümmlichen Sozialisierung unseres Nachwuchs werden wir die Volkskrankheit Alexithymie nie eindämmen! Vor kurzem hat ein Mann in meinem Alter in meiner Nähe geweint, wie er mir vom Tode seiner Enkelin bei der Geburt erzählt hat. Ich weiß nicht, ob ich das noch könnte. Wenn ich aber einen kitschigen Film anschaue, dann kommen mir die Tränen. Ist das nicht schrecklich?

Wie viele von uns fürchte ich, dass ich von „Emotionen aus zweiter Hand“ abhängig bin, zweifelsfrei ein Ergebnis meiner frühen und langjährigen Erziehung. So übe ich bewußt, mich wieder für echte Emotionen  zu öffnen. Das ist mit 67 Jahren nicht einfach.


Der Mensch ist die Krönung der Schöpfung! Aber er muss in die Welt hinein gepasst werden. #Erziehung


Ich bin froh, dass die Welt sich wandelt – zumindest in den mir bekannten entwickelten und privilegierten Gesellschaften. Mir scheint, dass immer mehr Menschen sich nach neuen „sozialen Erfolgs-Mustern“ sehnen. Die sind auch bitter notwendig, denn genau die alten Muster haben großes Unheil über den Planeten gebracht.

Nur in den Schulen hat sich das bisher nicht herumgesprochen. Und an den Universitäten wird die Situation auch immer schlimmer. Es gibt #newwork zuhauf aber keine relevante Bewegung #newschool. Zahlreiche Menschen aus der Bildungsindustrie (aktive Lehrer und Bildungs-Bürokratie-Verwalter) haben mir berichtet, dass es seit vielen Jahren immer schlimmer wird.


Schule muss für die Kinder da sein. Nicht die Kinder für die Schule! #Grundprinzip


Lehrpläne und Vorgaben der Kultusministerien machen es jedes Jahr ein wenig schwieriger, den kleinen Menschen gerecht zu werden. Dazu kommt eine wachsende und ausufernde Administration, die die Zeit auffrisst, die für die Schüler da sein wollte. So wird das System auch immer teurer und ineffizienter.


Soweit die schlechte Nachricht. Aber jetzt die gute Nachricht. #positiv


In meinem folgenden Artikel werde ich berichten, wie die Bürger sich wehren und ganz neue Dinge begründen. Denn es gibt sie tatsächlich, die Christophine.

Aber dazu mehr in meinem Artikel „Christophine 2“, der hoffentlich bald an dieser Stelle erscheinen wird. Da werde ich eine Schule beschreiben, die mich vom Leitbild und der praktischen Arbeit überzeugt hat. Und die beweist, dass es auch anders geht – und dies sehr gut.

RMD

Klaus Hnilica
Donnerstag, der 18. Mai 2017

Der Sturz

Ich weiß nicht mehr, wer mir diese Geschichte erzählt hat. Vielleicht der Reiseführer auf der Fahrt ins ‚Manrique Museum’? Oder diese Geologieprofessorin aus Brandenburg? Seit acht Jahren kommt sie im März ins ‚Lanzarote Park Hotel’ in Playa Blanca und liest auch spanische Tageszeitungen, nicht nur dieses dämliche Inselmagazin Lanzarote 37°. Oder hat mir sogar Pedro diese Geschichte als eine seiner nicht zu überbietenden ‚Sprachensalat ’- Variationen an der Pool-Bar serviert?

Ich weiß es nicht mehr…

Aber immer ging’s um diesen zahnlosen Straßenmusikanten!

Ein Schandfleck auf der endlosen meeresnahen Promenade im Südwesten von Lanzarote. So verdreckt und unappetitlich sollte der da nicht sitzen dürfen. Das geht nicht! Nicht auf dieser fantastischen EU–finanzierten Promenade! Auf der bis tief in die Nacht hinein hunderte von Menschen pilgern.

Dieser ‚musizierende Drecksack’ lungert ja nicht nur auf seinem rostigen Klappstuhl vor der letzten Brache an der Promenade herum, wo man ihn kaum wahrnehmen würde, sondern neuerdings fast ausschließlich an der gemauerten Promenadenbrüstung.

Was für ein Auftritt da: ein ‚musizierender Müllhaufen’ vor dem sonnenbestrahlten ewig glitzernden Meer! Mit einem schmierigen Hut am Boden und einem Käppi auf sonnenverbranntem Schädel! Und zwei Triefaugen wie Pfützen…

Meist sabbert er in eine Melodica – eine Art Tastenflöte – aus der immer die gleiche Melodie kriecht. Doch seltsam anrührend! Das muss man ihm lassen. Vielleicht ist es sogar etwas von Mozart? Wenngleich es zu schwermütig sein mag? Leider konnte ich das nie herausfinden.

Als der Konzertsaal in Jameos del Agua in der „Lavablase“ vor sieben Jahren geschlossen worden war, weil Steine aus der Decke fielen, spielte dieser Schandfleck auch schon auf der Promenade in Playa Blanca. Damals soll er sogar ein ziemlich reichhaltiges musikalisches Portfolio gehabt haben.

Und während das Vulkangestein über der Decke mit speziellen Harzen verklebt wurde, saß er auch jeden Tag da. Von den sechs Millionen Euro, die das gekostet haben soll, verlor sich vielleicht sogar der eine oder andere Cent in seinen schäbigen Hut. Wer konnte das schon wissen? Der ‚musizierende Müllhaufen’  sicherlich nicht.

Und dieses Einweihungskonzert anlässlich der festlichen Neueröffnung des renovierten Konzertsaales in Jameos del Agua  ging bestimmt auch vollkommen an ihm vorbei, ebenso die Tatsache, dass der berühmte englische Dirigent John Miguel Smith dirigieren würde und sich sogar Vertreter des spanischen Königshauses angesagt hatten.

Doch dass dieser höchst eitle John Miguel Smith mit seiner viel zu jungen Begleiterin ausgerechnet einen Tag vor diesem pompös angekündigten Eröffnungskonzert vor ihm – dem ‚musizierenden Drecksack’ – ganz blöd gestolpert und im wahrsten Sinn des Wortes in voller Länge hingedonnert war, das hatte er mitbekommen.

Und die spanischen Flüche des feinen Engländers vermutlich auch!

Dabei hatte Betty noch, „attention John“, gerufen, da er offensichtlich eine seltsam einschmeichelnde Melodie wieder erkannte und nur noch Augen für den zerlumpten Verursacher dieser Melodie hatte – aber da war es schon zu spät! Er klatschte in voller Länge auf das gediegene braune Pflaster der Promenade hier in Playa Blanca…

Schimpfend sprang er sofort wieder hoch, begutachtete entsetzt seine grässlich aufgeschürften Hände und Ellbogen, bewegte wie ein Wahnsinniger seine malträtierten Finger und strich immer wieder kopfschüttelnd über das am Bauch aufgerissene blutige T-Shirt.

Dass er sich beim Sturz auch das klobige silberne griechische Knotenkreuz vom Hals gerissen hatte, merkte er erst, als Betty es ihm mit Tränen in den Augen entgegenhielt. Wie ein Greifvogel schnappte er zu und warf es dem vor Entsetzten erstarrten Straßenmusikanten in seinen schmierigen Hut.

Hastig zog er Betty mit sich fort, um schnellstens der aufgeschreckten, gaffenden Menschenmenge zu entkommen. Seine einzige Sorge galt wohl nur noch dem morgigen Eröffnungskonzert in der „Lavablase“! In Jameos del Agua! Und seinen zerschundenen Armen, dem aufgeschürften Bauch, den blutenden Händen und seinem aufgeschlagenem Kinn. Und hoffentlich hatte ihn niemand erkannt – ihn, den berühmten John Miguel Smith, als er wie ein hingeknallter Frosch bäuchlings die Promenade küsste…

Welch eine Demütigung!

In mindestens einem Fall schien sich allerdings diese Hoffnung nicht erfüllt zu haben: denn als der ‚musizierende Müllhaufen’ seine Schockstarre überwunden hatte und nach dem Kreuz zwischen den wenigen Münzen in seinem Hut fingerte, ging urplötzlich ein seltsames Leuchten über sein vom Alkohol zerstörtes Gesicht, ein Leuchten, das auch noch anhielt, als sich das zahnlose Maul auftat und ein fragendes „Miguel?“ herausdrang…

Und dann wieder: „Miguel – Miguel,  bist du’s?“

Immer aufgeregter wurde der Straßenmusikant, immer panischer,er ließ die vor Schmutz starrende Melodica fallen und drückte auch mit seiner linken Pranke an dem Silberkreuz herum – und immer wieder krächzte er: „Miguel !…Miguel !!…Miguel…!!!“

Aber John Miguel Smith war längst  außer Sicht- und Hörweite, ja er hetzte  wie ein weidwundes Tier mit seiner vollkommen aufgelösten Begleitung die Promenade entlang, um sich schnellstens in seinem Unterschlupf im Hotel Vulcano zu verkriechen!

Da der berühmte Dirigent Smith bekanntermaßen sich jedes Herumschnüffeln in seiner Vita verbat und erbarmungslos sämtliche noch so geringfügige öffentliche Vermutungen beklagte, verhallten auch diese verzweifelten Rufe des alten Mannes im Geplätscher des an der Lavaküste züngelnden Meeres nahe der Promenadenbrüstung.

Trotzdem hatte ich, wie gesagt, irgendwo aufgeschnappt, dass der Straßenmusikant deshalb, und nur deshalb seit damals, diese eine besagte ‚einschmeichelnde Melodie’, die ich bis heute nicht identifizieren konnte, spielt, da er immer noch hofft, sein Miguel – um den er sich als Kind einen Dreck geschert, ja ihn sogar zur Adoption freigegeben hatte – doch noch eines Tages vorbei kommt, und ihn, seinen angeblichen Vater, auf einen Brandy ‚Carlos III’ einlädt…

Ob es wirklich der ‚Carlos III’ ist, von dem dieser vermüllte ‚Musikus’ träumt, dafür möchte ich mich allerdings nicht verbürgen, aber ich lade jeden, der mir etwas Neues über John Miguel Smith zu erzählen vermag, zu einem ‚Carlos I’ in den vorgewärmten Gläsern des Café ‚Gilbert’ an der Promenade in Playa Blanca ein – denn irgendwie sollte dem alten, ‚musizierenden Drecksack’ geholfen werden, meine ich, und warum nicht mit einem guten Brandy?

PS:
Erwähnt sei noch, dass alle Personen und Handlungen dieser Geschichte erfunden sind, doch an dieser Melodie, die zum Sturz des Dirigenten führte, bleib ich dran, die muss ich unbedingt herausfinden…

KH

Roland Dürre
Samstag, der 24. Dezember 2016

Frohe Weihnacht

Happy X-Mas from Jamaica!

Der Christbaum in Montego Bay wird gerade aufgestellt.

Klaus Hnilica
Freitag, der 28. Oktober 2016

Eilmeldung – Aus der Anstalt – Spiegelteufel enttarnt!

+Hubert Spiegel berichtete Donnerstag um 11.50 Uhr in der vollbesetzten ‚Anstaltskantine’ über die eigenartigen Umstände, die zur Entlarvung des geheimnisumwitterten ‚Spiegelteufels’ geführt haben. Er begann etwas ungelenk mit den Worten:

img270„Wissen Sie, ich persönlich bin kein Insasse dieser ‚Anstalt’! Aber meine Mama schon! Vor fünf Jahren ist sie auf eigenes Betreiben hier eingeliefert worden! Sie werden es nicht glauben, aber ihr schmeckte die Nudelsuppe in dieser ‚Anstaltskantine’ so gut, dass sie nirgends wo anders mehr hin wollte. Ist schon verrückt, gell?

Na – und ich besuch sie halt jetzt so oft ich kann. Aber immer hat man ja auch keine Zeit! Schließlich müssen wir alle ziemlich ‚hackeln’! Denn wir haben ja alle keinen Geldscheißer daheim…

Aber davon abgesehen – auch wenn das jetzt vielleicht ein bissel komisch klingt  – gehör’ ich nicht zu den Bekloppten hier in der ‚Anstalt’!

Obwohl in der Früh um Sechs – muss ich ehrlich sagen – wenn ich in meinem Bad vor dem Spiegel stehe und mir diese ‚Watschenpappen’ anschau’, die mir da entgegengrinst, bin ich mir oft nicht mehr so sicher, ob ich, der Hubert Spiegel, nicht doch auch zu den Depperten gehör’!

Und auch nicht – ob der, der mir da so blöd entgegen grinst, ich bin? Oder nicht ein ganz anderer? Ein ‚Spanner’ vielleicht? Oder sogar einer von diesen  ‚Stalkern’, wie die Amis sagen…

Kennen Sie das auch, dass so ein ‚Watschenpapperter’ Sie jeden Tag bis ins Badezimmer verfolgt? Bis vor den Spiegel? Das Einzige was mir da hilft ist, dass ich einfach die Zunge raus strecke!

So!!!  Ja – so richtig lang meinen Schlecker raushängen lass’ …

Wenn der andere mir dann nämlich auch seinen Schlecker zeigt, dann weiß ich wenigstens, dass der genau so ein Blödel ist wie ich und ich mir keinen Kopf machen muss, wenn er bei mir im Bad herumlungert – soll er doch!

Schlau, gell?

Na ja, man hat halt so seine Tricks ausgetüftelt über die Jahre – schließlich ist man ja nicht ganz kaputt im Hirn! Sicherheitshalber mach’ ich dann aber schon öfters auch noch einen ‚Ohrwascheltest’!

Kennen Sie den? Der ist nämlich gar nicht so ohne…

Was glauben Sie wie lange dieser ‚Watschentyp’ in meinem Bad gebraucht hat, bis der den begriffen hat und mich überzeugen hat können, dass er wirklich kein schlimmer Finger ist, der mir an die Wäsche will! Das kann ich nämlich überhaupt nicht leiden: diese Schwuchteln fürcht’ ich wie der Teufel das Weihwasser!

Jedenfalls war es am Anfang immer so, dass wenn ich bei dem Ohrwascheltest meinen Schlecker rausgestreckt hab’ – und der ‚Watschenpapperte’ auch – und ich mir dann mit der rechten Hand ans rechte Ohrwaschel gegriffen hab’, weil ich wissen wollt’, was der andere jetzt macht – dann hat dieser ‚Teufel’ sich jedes Mal exakt mit der linken Hand ans linke Ohrwaschel gegriffen… Genau andersrum als ich? Können Sie sich das vorstellen? Und das jedes Mal…

Anfangs bin ich fast verrückt geworden! Ich konnt’ einfach nicht glauben, dass dieser ‚blöde Teufel’ es nicht schafft, so was Einfaches nach zu machen, sondern immer genau das Gegenteil machen muss? Das konnt’ ich echt nicht glauben…

Und ehrlich – ich hab’ mich dann nur an der heraushängenden Zunge orientiert, um sicher zu gehen, dass das wirklich nur der mir bekannte Blödel ist…

Aber einfach war das nicht!

Weil das Hinterfotzige an dem Saukerl war nämlich, dass der sich manchmal schon mit seiner rechten Pratzen auf sein rechtes Ohrwaschel gegriffen hat!

Ja – das hat er schon gemacht! Aber wissen Sie, wann er das gemacht hat? Nämlich genau dann, wenn ich mit meiner linken Hand auf mein linkes Ohrwaschel gegriffen hab’ – ausgerechnet dann hat er es mit der rechten Hand gemacht dieser Saukerl – aber sonst nicht! Nicht ums verrecken…

Und das um Sechs in der Früh und jeden Tag – außer am Sonntag, weil ich mich da nicht wasch’ und gar nicht ins Bad geh’! Da mach ich mich nämlich eh in der Kirche nass –  mit dem Weihwasser!

Also – wer bei so einem Affenzirkus jeden Tag, nicht selbst blöd im Hirn wird, der ist entweder schon komplett vertrottelt, oder bei dem geht – entschuldigen Sie wenn ich das so drastisch sag’ – sowieso alles am Arsch vorbei!

Aber bei mir geht natürlich nichts vorbei, wie Sie sich denken können? Wer bin ich denn? Ich bin doch nicht meine Mama?

Ja – bei meiner Mama, hätte dieser ‚Teufel’ im Badezimmer natürlich ewig so weiter machen können, die hätte sich nicht gewehrt; die hat sich ja immer schon von jedem komischen Schmähführer einwickeln und ausnutzen lassen.

Aber mit mir ging das natürlich nicht! Dazu bin ich doch viel zu abgedreht…

Wissen Sie, wie ich letzten Dienstag diesen Saukerl dann überlistet hab’?

Um Sechs in der Früh! In meinem Bad! Ich wette das erraten Sie nie und nimmer, obwohl es eigentlich total logisch ist, wenn man’s genau nimmt!

Weil – als ich letzten Dienstag –  wieder vor dieser grinsenden ‚Watschenpappen’ gestanden bin – mit einem heraushängenden Schlecker bis zu den Brustwarzen – und dieser Teufel auch seinen Lappen raushängen hat lassen – da bin ich – abgedreht wie ich bin – erst auch wieder ganz langsam mit meiner rechten Hand zum rechten Ohrwaschel gegangen – aber als der andere dann wie immer nur blöd gegrinst hat und mit seiner linken Pratzen zum linken Ohrwaschel greifen wollt’ – da hab ich wie der Blitz meine linke Hand nachgezogen – so dass dieser Armleuchter mir gegenüber gar nichts Anderes tun konnte, als sich auch an sein rechtes Ohrwaschel zu greifen – genau wie er es immer gemacht hat…

Und ich hätte mir wirklich gewünscht, liebe Leut’,  dass Sie das blöde Gesicht sehen hätten können, was mir dieser Trottel mit seiner heraushängenden Zunge da  plötzlich entgegen gehalten hat – so mit beiden Pratzen an beiden Ohrwascheln – und zwar haargenau wie ich – und nichts mehr links! rechts! und so…

Für mich war das wie ein Befreiungsschlag auf’n Kopf kann ich Ihnen sagen!

Denn auf einmal ist mir aufgegangen – dass dieser ‚watschenpapperte Arsch’ mich die ganze Zeit nur abgetäuscht hat, mit seinem ‚Links – Rechts Dradiwaberl’ – und dass der in Wirklichkeit ja gar kein anderer war! Nein absolut nicht! Sondern, dass der eh immer nur ich war! Ja ich, ich, ich – mit mir – und niemand anderem.

Können Sie sich das vorstellen?

Und was glauben Sie, wie wir dann alle zwei gelacht haben, wie wir da draufgekommen sind! Wir haben uns gekringelt vor Lachen – alle zwei – und haben uns richtig abgehauen und überhaupt nimmer eingekriegt…ein Wahnsinn war das – echt!

Und jetzt werden Sie sicher auch versteh’n, warum ich heute da bin!

Ich muss das nämlich unbedingt meiner Mama erzählen – unbedingt! Auch wenn sie wieder meckern wird, weil sie vorher noch ihre Nudelsuppe essen will!

Aber sie muss einfach wissen, dass in meinem Badezimmer niemals ein Fremder gewesen ist – überhaupt nie! Sondern immer nur ich – und das sogar mit mir…

Drum nichts für ungut und Servus alle miteinander – aber ich muss jetzt zu ihr! Sie braucht mich!“

KH

PS: Über dieses Ereignis berichtet der Autor (in Wiener Dialekt) im Rahmen der diesjährigen Halloween-Veranstaltung der ‚Autorengruppe ZwanzigZehn’ im Olof Palme Haus in Hanau.

Roland Dürre
Montag, der 13. Juni 2016

Projekt Frieden – Roland

In diesem Jahr habe ich das Projekt FRIEDEN gestartet. Bei meiner Einleitung vor dem großartigen Beitrag von Jolly habe ich berichtet, warum ich das Projekt FRIEDEN für so wichtig erachte und mich in Zukunft darauf konzentrieren will.

Dieses Projekt braucht so Vieles:

Ein einzigartiges Logo und ein starkes Manifest.
Ein Konzept, welches das Potential hat, eine Milliarde Menschen zu erreichen.
(Das setzt Google als Kriterium für seine Anwendungen an)
Eine tolle „Community“.
Die besten Partner aus allen Sparten.
(Film, Fotografie, Kunst, Marketing Medien, Musik …)
Ideen für die richtigen Aktionen für Frieden.
Und viele und die richtigen Aktivisten!
Vielleicht auch sehr viel Geld
(Aber das ist bestimmt nicht das Wichtigste)

Zurzeit spiele ich mit Gedanken zum Manifest. Hier ein paar Mosaiksteine mit denen ich so experimentiere. Ist aber alles noch im Ideenstadium:

Ganz einfach

Frieden ist der einzige Weg!
Frieden ist die Voraussetzung für alles!
Frieden muss sich nicht rechtfertigen!

Ein wenig länger

JA!
Frieden ist möglich!
Wir brauchen FRIEDEN!
Wir leben in FRIEDEN mit uns!
Wir leben in FRIEDEN mit der Welt!
Wir setzen uns für FRIEDEN ein!
Wir werden immer mehr!
Frieden ist machbar!
UND!
Wer für Frieden ist, muss sich nicht rechtfertigen!

Oder

Frieden geht immer vor Krieg!
Menschlichkeit geht immer vor Unmenschlichkeit.
Liebe geht immer vor Hass!
Toleranz geht immer vor Untoleranz.

Also

Untoleranz der Untoleranz!
Krieg dem Krieg!
Hass dem Hass!

Sind aber alles nur Ideen und Vorschläge. Freue mich auf Rückmeldungen! Dankeschön!

RMD

Roland Dürre
Sonntag, der 12. Juni 2016

Projekt Frieden – Jolly!

Dieses Jahr haben Jolly und ich das Projekt FRIEDEN gestartet. Ein wunderschönes Ergebnis unseres Kickoffs ist dieses Video.

Es sind gut 61 Minuten, die man nur genießen kann. Die wunderbar positiv inspirieren und viele Impulse geben. Also, nehmt Euch die Stunde Zeit und einen oder mehrere liebe Partner. Macht es Euch gemütlich, schaltet ab und schaut Euch das Video an.
🙂
Vorher ganz entspannen – für die Alkoholiker unter uns gerne bei einem Glas Rotwein.

Denn Jolly ist wirklich ein herausragender Mensch und Mentor der allerersten Klasse. So hat er viele Menschen in seinen Seminaren und durch seine Vorträge glücklicher und erfolgreicher gemacht hat. Auch mich.

Das Projekt Frieden wird ist das ehrgeizigste, an dem ich jeweils beteiligt war. Wir stehen am Anfang und brauchen Freunde, Partner und Unterstützer.

Ich werde laufend auch hier in IF-Blog den Fortschritt über die Ideen, Gedanken und Aktionen des Projektes FRIEDEN berichten. Bisher weiß ich nur, dass es das ehrgeizigste Projekt wird, an dem ich jemals beteiligt war. Und persönlich meine allergrößte Herausforderung.

Als nächstes werde ich dann hier in IF-Blog meinen Vortrag vom Kickoff vorstellen!

RMD

Ich freue mich, dass jetzt das Video vom tollen Vortrag von Bruno Gantenbein aus St. Gallen auf unserem IF-Forum am 23. Juli 2015 auf Youtube veröffentlicht ist und von jedem angeschaut werden kann:

Der Vortrag „Lernen In Innovation“ von Bruno Gantenbein im IF-Forum hat bei mir einen tiefen Eindruck hinterlassen. So ging es auch vielen Zuhörern. Aber manche, die auch von Brunos Thesen sehr beeindruckt waren, haben als wichtigen Einwand gebracht, dass das Berichtete für „normale Menschen“ im „normalen Leben“ und in der „realen Welt“ nicht „lebbar“ wäre. Weil das der Normalbürger sich ja gar nicht leisten könne. Und das ja alles nicht gehen würde. Das klang ab und zu klang richtig resignierend.

Die Ursache scheinen mir zu sein, dass
„die meisten Menschen sich nicht mehr vorstellen können, in einer anderen Welt zu leben als in dieser“
und
„wir nicht mehr das Wichtige vom Unwichtigen unterscheiden können und so das Unwichtige unser Leben dominiert.“

Das scheint mir das Hauptproblem von uns und das unserer Gesellschaft zur sein. Eine in dieser Art nie dagewesene Fremdsteuerung durch Marketing und Lobbyismus manipuliert uns in völlig neuer Weise, ganz anders aber sicher nicht minder gefährlich wie z.B. die religiöse Indoktrination der Menschen im Mittelalter oder wenn wir Pech haben die Manipulation der Menschen durch die Nazis.

Die Formatierung unseres Lebens durch ein übermächtiges aber nicht fassbares Systems hat unsere Autonomie geschliffen. Jetzt bekommen wir Angst und schwafeln von Wandel und Veränderung. Uns fehlt aber jeder Wille, ein anderes Leben jenseits des unseren anzugehen. Wir sind ja oft gar nicht mehr in der Lage uns ein solches nur vorzustellen. So scheint die Kraft verloren gegangen zu sein um Utopien für die Zukunft mehr entwickeln. Die Suche nach Werten und Visionen spielt in unserer Gesellschaft keine Rolle sondern wird eher belächelt. Auch der Versuch, einen neuen „gesellschaftlichen Konsens“ zu schaffen unterbleibt immer wieder schon im Ansatz. So nehmen wir das Gegebene als wahr und alternativlos an.

Der Mut zur Veränderung ist verloren gegangen. Wir haben unsere Abhängigkeit akzeptiert und fügen uns in unser „Sklaven-Dasein“. Sei es von der Technik oder von sozialen Lebensgefügen (unseren Lebenslügen?) vorgegeben. Wir meinen, dass es ohne Auto, Fernsehen und überall elektrische Versorgung nicht mehr geht. Wir glauben, dass die Medizin alles vermag. Dass der Staat unsere Sicherheit garantieren muss und kann. Und dass der Planet das alles schon aushalten wird.

Dabei ist das vieles so leicht zu widerlegen. Sicherheit gibt es nicht. Das alles erleben wir immer wieder. Der plötzliche Tod eines wichtigen Partners oder die überraschende Krankheit werfen uns aus der Bahn. Ein Unglück kann uns schnell erwischen. Aber es gibt auch harmlose Beispiele. Die vom Großvater geerbte ehemals so wertvolle Briefmarkensammlung zeigt uns, für die nicht mal der Altpapierhändler etwas zahlt, zeigt uns, wie schwierig es mit der Sicherheit ist. Viele Dinge, die mal viel wert waren sind heute wertlos. Dieselbe Überraschung habe ich erlebt bei der Auszahlung meiner Direktversicherung erlebt: Wie weit war doch der Wert des ausgezahlte Betrag von der Erwartungshaltung von dem weg, was ich mir beim Abschluss vor Jahrzehnten da vorgestellt hatte. Aus der vorgestellten Eigentumswohnung wurde ein Mittelklassefahrzeug …

Trotzdem  generieren die (Schein-)Sicherheiten unserer modernen Finanzwelt bei manchen von uns die Überzeugung, wir hätten die Risiken unseres materiellen Leben durch Renten und Ersparnisse im Griff. Nur wo wird der EURO in 10 Jahren stehen. Werden wir damit die Probleme der Zukunft lösen können. Was wird Geld denn dann noch wert sein? Haben wir nicht schon von langem gelernt, dass man Geld nicht „fressen“ kann? Dies besonders dann nicht, wenn es virtuell ist und vielleicht einfach mal um die eine oder andere Null gekürzt werden muss.

Dafür kapitulieren wir vor der Angst vor dem Terrorismus. Und sind bereit wegen solcher Kopfgeburten unsere Freiheit in der Gegenwart drein zu geben. Aufgabe von Freiheit als vermeintliche Investition für mehr Sicherheit in Zukunft! Und sind dafür sogar bereit in den modernen (Kreuzzug-)Krieg zu begeben.

So folgen wir dumm-dreisten Parolen oft nicht mehr zurechnungsfähiger Politiker und Wirtschaftsführer. Wir schlucken sinnlose Gesetze, die uns serviert werden, obwohl wir wissen, dass diese mehr Schaden als Nutzen stiften. Und resignieren vor der Dummheit unserer „Volksvertreter“. Und ich sehe mich förmlich nach einem deutschen oder europäischen Frühling. Aber keinem, der wie in Nordafrika von Hunger und Armut getrieben wurde – und so natürlich scheitern musste.

Warum glauben wir unseren Politikern, dass es „ohne den Euro kein Europa gäbe“ und der sogenannte „Grexit“ uns alle ruinieren würde. Warum erzählen uns das die Politiker. Wir wie auch die Politiker wissen doch, dass der Euro denen nutzt, die im Licht stehen. Denen, die im Schatten steht aber schadet. So wie wir alle wissen, dass diese Ausbeutungsstrukturen global wie innerhalb von Europa und auch in Deutschland früher oder später scheitern bzw. zu neuen Konflikten führen müssen.

Aber wir fühlen uns ohnmächtig und sind es vielleicht auch schon und trauen uns nicht mehr, gegen die Strukturen der uns beherrschenden Systeme aus Administration und Wirtschaft auf zu begehren. Und stehen dagegen nicht auf, obwohl wir wissen, dass die Menschen – und das sind wir – im Mittelpunkt von Sozialität, Politik und Wirtschaft stehen sollten – und nicht die Interessen von Systemen, die sich ent-personalisiert und ent-menschlicht haben. Wirtschaft und Staat muss zuerst mal den Interessen der Menschen dienen. Ganz so wie es auch in der Bayerischen Verfassung steht.

Das System der Oligarchie der Parteien (siehe Jaspers) beherrscht uns und die Moral der kaufmännischen Metrik in der Wirtschaft verschärft die Randbedingungen unseres Handelns. So mahlen die systemischen Mühlen weiter und stricken die Netze der Unfreiheit in feinen Maschen immer enger. Dies in kleinen Scheiben so dass es oft gar nicht bemerkt und fast schon als normal empfunden werden kann.

Deshalb:
Lasst uns auch wieder daran denken, dass wir als „natürliche Wesen“ Teil einer „Naturwelt“ sind. Die „Kulturwelt“, die wir uns geschaffen haben, macht uns zwar manches einfacher, hat uns aber auch vieles genommen. Sie hat uns bequem gemacht. Und wir haben vergessen, dass der Preis, den wir gezahlt haben, ein sehr hoher ist.

Ich meine, wir müssen uns wieder mehr – und dies radikal – Gedanken machen, ob wir nicht auch in anderen Welten leben und dort vielleicht glücklicher sein könnten. Mein Lieblingsbeispiel ist ja das „weg vom Auto“ hin zur Freiheit der „aktiven Mobilität“. Es ist aber genauso wichtig, die Arbeits- und Lebenswelten zu betrachten, denen wir uns unterwerfen, sei es in den sozialen Systemen wie Familien. Alle scheinbaren Selbstverständlichkeiten zu hinterfragen und Folgerungen daraus zu ziehen. Früher hätte man gesagt Macht kaputt, was Euch kaputt macht.

Dazu gehört auch ein „Leben im Einklang mit der Natur“, so wie es Seneca formuliert hat. Und damit mehr gemeint hat, als sich biologisch zu ernähren und die Umwelt zu schützen. Sondern auch auf sich selber zu hören.

Denn Seneca war ein großer Lehrer, der seinen Schülern helfen wollte, erfolgreich und glücklich zu werden. Ich schließe ich diesen Artikel mit einem weiteren Satz von Seneca, der uns den Aufbruch in andere Welten vielleicht ein wenig leichter macht:

„Nicht weil es schwer ist, wagen wir es nicht, sondern weil wir es nicht wagen, ist es schwer!“

Und – es gibt auch Hoffnung. Was da im Internet auch zurzeit gerade wieder passiert, das gefällt mir durchaus.

RMD

Präpariertes menschliches Gehirn

Präpariertes menschliches Gehirn

Vor einiger Zeit hat mir ein lieber Freund, der wie ich ein Unternehmen gegründet hat, einen kleinen Schrecken eingejagt. Er hat mir erzählt, dass in seinem durchaus sehr erfolgreichen Unternehmen, das schon lange kein Startup mehr ist,

„die vier aktiven Gründer sich nicht mehr so oft sehen würden und dann meistens nicht über die vielen positiven Dinge sondern nur über die wenigen negativen Dinge gesprochen würde.“

Diese Info, die eigentlich nur als Nebensatz gemeint war, hat in mir einen kräftigen Resonanzboden vorgefunden, weil es mich an eigene Erlebnisse erinnert hat. Denn dieser achtsame Gründer verfügt über ein hohes Maß an Sensibilität und Bewusstsein, das mir vielleicht ein wenig gefehlt hat.

Genau diese Nebengeräusche, die man oft nur „unbewusst“ wahr nimmt,  können von zentraler Bedeutung sein. So etwas zu bemerken und dann auch noch richtig und entschlossen zu handeln, das macht den weisen und erfolgreichen Unternehmer aus.

Solche Erkenntnisse dürfen nicht ignoriert werden, auch wenn sie ganz harmlos zu sein scheinen. Vielmehr müssen sie zu hoher Wachsamkeit und Achtsamkeit führen. Denn gilt es doch, auch den kleinsten Anfängen zu wehren.

Es ist nie einfach, ein Team zusammen zu halten, auch wenn es aus nur vier Menschen besteht, die (vermeintlich?) „auf Augenhöhe“ zusammen arbeiten und scheinbar voller Respekt miteinander umgehen. Denn wenn die „Demut“ vor der (für mich) fast „unendlichen“ Herausforderung, ein Unternehmen oder in Wahrheit Menschen zu führen, verloren geht geht es schnell bergab.

Wahrscheinlich bedarf es in so schwierigen Situationen – auch wenn sie erst im Ansatz erkennbar ist, besonderer Maßnahmen, die sehr klug angelegt sein  – aber trotzdem nicht unbedingt erfolgreich sein – müssen. Denn Erfolg ist bei den Lösungsversuchen solcher Probleme garantiert nie garantiert.

Menschen sind große Geheimnisse, die sich auch noch über die Zeit verändern. Frust und Ärger sind elementare Gefühle, von denen keiner gefeit ist. Sie beeinträchtigen das eigene wie fremdes Denken. Und alles, was da im Gehirn stattfindet, ist letzten Endes eine Menge von Kopfgeburten, die zur Bildung von den unterschiedlichsten und oft unbegreiflichen Konstrukten führen. Die wahrscheinlich auch niemand wirklich rational verstehen kann.

So ist es eine Illusion, dass man das alles verstehen und daraus folgend klug handeln kann. Und so kann bei dem einen oder anderen aus Zufriedenheit über die Jahre eine relevante Unzufriedenheit werden. Die vielleicht rational gar nicht nach vollziehbar ist aber zur gefährliche Folgen zeigt. Und auch das beste Wissen aus Fächern wie Philosophie und Psychologie oder auch Gehirnforschung kann uns letzten Ende da nicht helfen.

Weil diese „Lebenswissensschaften“ eben das komplexe im Menschen auch nicht beschreiben können. Sie lehren uns, darüber nachzudenken, wie man leben sollte. Aber auch nicht mehr. Deshalb hilft nur Achtsamkeit und Offenheit. Im Leben anwesend sein, die Liebe walten lassen und sich selbst treu bleiben. Und den Mut zum Ausprobieren haben. Und dabei bereit sein mehr zu geben als zu nehmen. Fürwahr alles sehr schwierig.

P.S.
Alle Artikel meines Unternehmertagebuchs findet man in der Drehscheibe!

P.S.1
Das Bild ist wieder mal aus Wikpedia:
„Frontal lobe animation“ von Polygon data were generated by Life Science Databases(LSDB). – Polygon data are from BodyParts3D.[11]. Lizenziert unter CC BY-SA 2.1 jp über Wikimedia Commons –

Roland Dürre
Dienstag, der 14. Juli 2015

Vom PM-Camp über BGM zu John Izzo…

Etwas Schönes in meinem gegenwärtigen Leben ist, dass ich immer häufiger Menschen kennen lerne, mit denen ich mich verstehe. So gewinne ich laufend weitere Freunde, von und mit denen ich immer wesentliches Neues lerne.

Hier ein Beispiel: 2011 hatten wir das erste PM-Camp in Dornbirn. Es war ein Riesenereignis! Für mich und wie ich glaube auch für alle anderen, die dabei waren. Den erhaltenen Rückmeldungen folgen sind (fast) alle Menschen glücklich und zufrieden vom Camp heimgefahren. Ich auch. Denn dort habe ich viele Menschen kennen gelernt, die sich ernsthaft mit Projekt Management, Führung, Unternehmertum und vielem mehr beschäftigen. Aber letzten Endes vor allem damit, wie sie ein Sinn machendes und erfolgreiches Leben führen können.

Mit den PM-Camps ging es dann richtig los. In Wien, Zürich und vielen Städten in Deutschland finden sie jetzt regelmäßig statt. Und werden immer mehr. Menschen und Communities vernetzten sich so. Und immer wieder sind ein paar davon zu meinen Freunden geworden.

Auf diesem Wege habe ich auch Dr. Marius Poersch kennen, schätzen und mögen gelernt. Marius ist Psychiater, der seinen Job als Arzt sehr ernst nimmt. Er betreut in einer namhaften Klinik Menschen, die im Umgang mit „modernen Arbeitsstressoren“ sich verausgabt haben, zunehmend gestresst sind oder bereits psychisch erkrankt.

In ihm ist die Erkenntnis gereift, dass es zwar eine ehrenwerte Aufgabe ist, Menschen zu helfen und bei ihrer Heilung zu unterstützen. Ihn treibt aber auch die Erkenntnis an, dass es bei vielen Menschen gar nicht so weit hätte kommen müssen, wie es gekommen ist. Wenn – ja wenn die Lebens- und Arbeitsumgebung nur ein klein wenig anders wäre und die eigene Fähigkeit, sich sinnvoll anzupassen.

Und da Marius nicht nur Teil eines „Reparatur-Betriebes“ sein will, hat er unter anderem ein Institut gegründet, (www.erwerbscoaching.de) in dem er gemeinsam mit Gleichgesinnten forscht und untersucht, wie Menschen ein ganzes Erwerbsleben lang sich engagieren und arbeiten können, ohne die eigene Balance zu verlieren und ohne vorzeitig psychisch zu erkranken. Er ist also auf der Suche nach einer Arbeits- und Lebensumgebung, die ein nachhaltig erfüllendes Leben ermöglicht.

Er erforscht aber auch die andere Seite der Medaille – wie denn so die individuelle Einstellung im Sinne von Lebensvorsatz und -führung sein müsse, damit man auch in schwieriger Umgebung lebensbejahend und -erweiternd leben kann.

Dazu hat er eine ähnliche Methode entworfen, wie sie John Izzo in seinem Buch der „5 Geheimnisse“ beschrieben hat. Er führt Interviews mit Senioren, die ein ganzes Erwerbsleben lang gearbeitet haben und sich nun als Rentner oder Pensionäre weiter vielfältig engagieren, da er davon ausgeht, dass diese Gruppe einen Gesundheitsschatz kennt, der z.B. auch vor Burn-out schützt.

Ein guter Freund – Dr. Andreas Zeuch, als Autor und Unternehmensberater gut bekannt nicht nur im Umfeld von PM-Camp – hat mich mit Marius zusammen gebracht. Ich durfte einer seiner Interview-Kandidaten werden. So trafen wir uns eines Tages an einem schönen sonnigen Nachmittag in Stuttgart zum Gespräch. Praktischerweise am Nachmittag vor dem PM-Camp Stuttgart.

Ich war neugierig und auch ein wenig gespannt, was da auf mich zukommen würde. Aus diesem Nachmittag wurde ein schöner Abend und wunderbares gemeinsames Frühstück. Schon während des Interviews wurde mir einiges aus meinem Leben klar. Anschließend erläuterte mir Marius die fachlichen Hintergründe seiner Methode und die verwendetete Technik. Und mir wurde noch viel mehr über mich selber klar.

Vor wenigen Tagen habe ich Post von Marius bekommen. Im Umschlag war das oben erwähnte Buch. Ich habe mich sehr gefreut – glaube ich doch, mit Marius einen Freund gefunden zu haben und Geschenke von guten Freunden erfreuen mich immer ganz besonders 🙂

Das Buch habe ich schnell gelesen. Obwohl es zweifelsfrei ein wenig amerikanisch und überausführlich ist, liest es sich spannend – und ist eine wichtige Lektüre für alle Menschen, die bereit sind über ihr eigenes Leben nachzudenken. Die im Buch von John Izzo entwickelten Gedanken, Schlüsse und Folgerungen kann ich absolut nachvollziehen.

Das Buch heißt

„Die fünf Geheimnisse, die Sie entdecken sollten, bevor Sie sterben“

Ich meine, dass der Titel für sich spricht. Und im letzten Artikel in IF-Blog kurz darüber berichtet. Ich kann es nur empfehlen.

RMD

P.S.
Ich weiß, dass Dr. Marius Poersch noch weitere Interview-Partner für seine Arbeit sucht – und möchte ihn gerne dabei unterstützen. Wenn Ihr also Senioren kennt, die nach ihrem Erwerbsleben in irgendeiner Art vital und engagiert geblieben sind, so gebt mir doch den Kontakt, ich werde ihn dann weitergeben.

Klaus Hnilica
Donnerstag, der 26. Februar 2015

Verhängnisvolle Mittagsruhe

Carl und Gerlinde (XLI)

ZZZVimg171Ausgerechnet als Carl seine Gerlinde endlich einmal zu der glanzvollen Lingerie– und Wäschemesse „ 5 Elements“ mitnahm, musste das passieren! Ausgerechnet da! Und dass Gerlinde danach nicht nur verwirrt, sondern enttäuscht und zornig war, war wirklich kein Wunder!

Mein Gott wie oft hatte sie auf Carl eingeredet, sie doch einmal zu dieser berühmten Dessous–Messe mitzunehmen, bei der er jedes Jahr für TRIGA die irrsten Auftritte mit den verrücktesten Einfällen und allem sonstigen Drum und Dran organisierte. Und praktisch auf Knopfdruck, immer lächelnd, zwischen den hysterischen, frierenden, hochbeinigen Wäschegören wie ein Hefekrapfen im heißen Bratfett aufging.

Andererseits war es aber auch so, dass dieses wirklich empörende Vorkommnis ohne Gerlindes Beisein gar nicht passiert wäre. Denn ohne sie hätte er niemals dieses Mittagsschläfchen gemacht und wär’ nie mit dieser mehr als seltsamen Situation konfrontiert worden, die gut und gern auch von der Konkurrenz eingerührt worden sein konnte. Oder von der NSA? Oder dem KGB? Wer wusste das schon.

Aber gut, all diese ‚Wenn’ und ‚Aber’ nützten jetzt, da das ‚Kind in den Brunnen gefallen’ war, auch nicht viel! Wobei das in den ‚Brunnen gefallene Kind’ natürlich metaphorisch zu verstehen war, da es kein Kind gab, das in irgendeiner Form Gravitationskräften ausgesetzt gewesen wäre.

Im Gegenteil, um die Ausspähung und eventuelle Verhinderung der ‚möglichen Entstehung eines Kindes’ ging es ja gerade, bei diesem beispiellosen Eklat in dem bekannten Berliner Viersterne Hotel anlässlich der 11. Fashion Week.

Wobei diese ‚mögliche Kindeszeugung’ selbstredend auch nur virtueller Natur war, da Gerlinde – Gott sei’s gedankt – weit über das Alter hinaus war, in dem ein derartiger Aspekt zur unangenehmen realen Überraschung mutieren konnte.

Doch für die üblicherweise einem derartigen Zeugungssprozedere vorausgehenden Verrenkungen und Durchspeichelungen gab es an diesem späten Vormittag schon jede Menge Bedarf von beiden Seiten. Das schon! Und man sah es auch als ideale Einstimmung zu der von Gerlinde dringend gewünschten Mittagsruhe, an diesem zweiten Tag der Lingerie– und Wäschemesse, da sich der abendliche Empfang der internationalen und nationalen Kunden am Vortag bis in den frühen Morgen hineingezogen hatte und viele Köstlichkeiten des üppigen Buffets überreichlich in sehr kostspieligem Alkohol versenkt worden waren. Durchaus auch vom quirligen Organisator Carl und seiner reizenden Begleiterin Gerlinde…

Da erschienen ein paar ruhige Minuten oder Viertelstündchen um die Mittagszeit für beide wirklich als eine äußerst lockende Versuchung.

Und Gerlinde wär’ nicht Gerlinde gewesen, wenn sie dieser Versuchung nicht nur sofort bedingungslos erlegen wäre, sondern sie im Handumdrehen nicht auch noch gleich um ein paar äußerst aufreizende Fantasien, die jeder Kunstreiterin zur Ehre gereicht hätten, bereichert hätte.

Vermutlich erforderten die gezeigten Dressureinlagen dann auch allerhöchste Konzentration von Ross und Reiterin, denn anders wär’ wohl schwer zu verstehen gewesen, warum beide nicht gemerkt hatten, dass urplötzlich unweit des ‚doppelbettigen Vorführparcours’ ein junger unscheinbarer Hotelangestellter – wie es schien – mit vorgebeugtem Oberkörper und gerötetem Gesicht, nicht nur fasziniert die diversen Dressurkunststücke beobachtete, sondern eifrigst auch sein iPhone betätigte…

Irgendwie musste Carl dann wohl doch einen Schatten im rechten Augenwinkel bemerkt haben, denn er drehte unwillkürlich seinen Kopf leicht nach rechts, aber nur so gering, dass die höchst konzentriert agierende Kunstreiterin in keiner Weise abgelenkt wurde, und blickte plötzlich in zwei neugierige Augen über einem gutmütig lächelnden Mund. Ja – der kräftige blonde Haarschopf des jungen Mannes, der wie ein Krönchen über einem in keiner Weise Angst machenden jugendlichen Gesicht saß, verlieh der gesamten Szene sogar noch einen weiteren Anstrich an Normalität.

Auch wie der junge Mann völlig unerschrocken den rechten Zeigfinger an seine Lippen führte und Carl damit bedeutete – bitte – bitte – ruhig zu bleiben, um diese wunderschöne Szene ja nicht durch irgendeine unüberlegte Geste zu zerstören, fügte sich großartig in dieses Bild…

Im Nachhinein schämte sich Carl fast dafür, dass er sich so absolut widerstandslos den Anweisungen dieses seltsamen jungen Mannes gefügt hatte, und Gerlinde auch noch die letzten Schrittchen ihres überirdischen Dressuraktes zu Ende bringen ließ!

Aber für ihn gab es in diesem atemberaubenden Moment schlicht keine Alternative: alles war so ungemein selbstverständlich in diesem harmonischen Ablauf, dass ihm nicht nur jegliche Vorstellung sondern einfach auch die Kraft fehlte, diesen Ablauf abzubrechen!

Und Gerlindes erlösender Jubelschrei, gab ihm ja kurz darauf auch Recht! Einen derartigen Freudenschrei über mehrere Terzen, begleitet von einer nicht enden wollende Kaskade gurgelnder Zwischentöne, hatte er eine Ewigkeit nicht mehr gehört! Ja vielleicht so noch nie?

Der unbekannte junge Mann offensichtlich auch nicht, da er mit funkelnden Augen und einem Gesicht höchster Verzückung alles in sich hineinzusaugen schien und unmittelbar danach genau so lautlos verschwand, wie er gekommen war…

Gerlinde registrierte – noch atemlos – zwar mit einem kleinen Anflug an Befremden, dass Carl sich plötzlich aus dem ‚gemeinsamen Parcours’ hochstemmte zur Zimmertür eilte und diese mit der Bemerkung: sie sei nicht gesichert, verriegelte! Fiel aber kurz danach, schnurrend wie eine Katze, in Carls Armen in einen tiefen, erholsamen Schlaf…

Die unscheinbare Warnung auf dem gelben DIN A5 Blatt entdeckte sie – leider vor Carl – erst danach auf dem Tisch:

Falls Sie auf die widersinnige Idee kommen sollten, bei der Hotelleitung Meldung zu erstatten, steht diese kleine Reiterepisode wenige Minuten später auf You Tube im Netz

Spätestens da musste Carl zu seinem allergrößten Bedauern Gerlinde mit der unschönen Wahrheit konfrontieren – und ihr so die „5 Elements“–Messe ein für allemal vermiesen.

Schade eigentlich, denn auch der Rest der Woche war äußerst glanzvoll gewesen, da der Wäschesektor bei TRIGA nach der vorausgegangenen Flaute, wieder richtig Tritt gefasst zu haben schien…

KH