16 Wegmarken für freie und agile Schule.

 

Roland mit Schultüte.

Mit jedem Jahr, das ich älter werde, meine ich, dass wir deshalb in unserer Gesellschaft soviel unfassbaren Unsinn, Feindseligkeit und Grausamkeit erleben, weil wir von jung an in einer Art und Weise sozialisiert werden, die uns dann als Heranwachsende und „Erwachsene“ so viel Mist bauen lässt.

Wir werden bei unserer Sozialisierung eingewickelt.

Die erste Windel gleich nach der Geburt könnte eine Metapher für eine solche Einwicklung sein. Die Windel brauchen wir, weil wir sonst zu viel Spuren hinterlassen würden. Und die Einwicklung geht mit jedem Tag unseres jungen Lebens weiter. Wir lernen, was wir tun dürfen und was wir sein lassen müssen, was gut oder schlecht, was richtig oder falsch, was böse oder lieb ist …

Um uns wieder autonom „entwicklen“ zu können, müssen wir uns wieder „auswickeln“ – was natürlich schwer genug bis unmöglich ist.

Ich bewege mich in der Hoffnung (oder Illusion?), dass man als Eltern gemeinsam mit und unterstützt von der externen Instanz, die Schule genannt wird, das Lebensglück der nachfolgenden Generation viel besser hinkriegen könnte, als es derzeit passiert.

Als Reaktion auf meine Artikel zum Thema „Schule“ habe ich gelernt, dass nicht nur mich sondern viele andere Menschen eine große bildungspolitische Ungeduld plagt.

Dann lasst uns doch etwas tun!

In IF-Blog habe ich berichtet (Cristophine I), wie ich bei einem Besuch der Christophine in Marbach erlebt hatte, wie Schule gehen könnte oder müsste. Im Folgeartikel (Christophine II) dazu habe ich argumentiert, warum ich eine neue Form und Implementierung von Schule für zwingend notwendig halte.

Jetzt habe ich ein älteres, ein wenig verschüttetes Papier aus dem Umfeld der Freien Schule Christophine (FSC) entdeckt. Das Papier beschreibt 16 Wegmarken zur Positionierung der FSC. Für mich ist jede der in diesem Papier als „Wegmarke“ benannte Block eine Metapher für eine Dimension eines Denkprinzips, das eine freien Schule haben muss. Da ich es schade finde, wenn solche wertvolle Gedanken ungelesen in Schubladen liege, veröffentliche ich hier die 16 Wegmarken.

Die als Wegmarken bezeichneten Blöcke beschreiben jeweils eine Denk-Dimension und in ihrer Summe die Mentalität (heute auch als mindset bezeichnet), die eine freie Schule haben muss. Sie zeigen, wie Schulkinder, Eltern und Lehrer als die wichtigen Stakeholder einer freien Schule, aber auch Schulleitung und Kollegium als relevante Gremien denken und fühlen.

Gefunden habe ich die „Wegmarken“ als Gliederung der Standortbestimmung dieser besonderen Schule – der marbacher christophine. Ich gehe mal davon aus, dass auch die „Wegmarken“ aus der Feder von Lorenz Obleser stammen, dem „Vater“ der „Marbacher Pädagogik“.

In diesem Artikel steht die „christophine“ für mich als Metapher für „freie, agile und von Lehrern, Eltern und Kindern gemeinsam selbstorganisierte Schule“. Ich vermute, dass es mehr davon gibt und auch viele Pädagogen es genauso machen möchten. Da bin ich froh darüber, denn bald kommen die ersten meiner Enkel in die Schule.

In den folgenden 16 Wegmarken kommen Schulkinder, Lehrer, Eltern aber auch die Gremien wie Lehrerkollegium und Schulleitung zu Wort. Die Aussagen dieser „stakeholder von Schule“ erscheinen mir authentisch.  Sie erläutern narritativ den in den Wegmarken definierten Anspruch der FSC (Freien Schule Christophine), die für mich ein herausragendes Muster für eine funktionierende, agile, selbstorganisierte und freie Schule ist. Die Wegmarke ist so ein Block mit Aussagen der Stakeholder, am Ende jedes Blocks wird (invers) die Bedeutung noch mal zusammengefasst.

Lassen wir jetzt ganz einfach die Wegmarken auf uns wirken. Vielleicht hilft es, wenn wir den Verstand kurz mal ausschalten und uns einfach für die Botschaften öffnen.

 


 

 

Sich öffnen beim Gehen und Denken im Frühling.

 

16 Wegmarken

 

 


 

Wegmarke 1 – Individualität in der Schule

Schulkinder
Ich mache Mathe, schreibe eine Geschichte, arbeite in meinem Schreibschriftheft, übe Rechtschreibung. Wir forschen, beobachten die Katze. Ich gehe hoch tanzen, spiele mit dem Diabolo draußen.

Eltern
Ich glaube nicht, dass ich als Lehrerin im Unterricht angemessen auf ein Kind reagieren könnte, wenn es sich so zeigen würde wie mein Sohn. Er ist schon sehr speziell.

Kollegium
Die Lösungswege der Kinder sind so unterschiedlich. Da war doch noch nie einer wie der andere.

Schulleitung
Wer weiß denn wirklich, wovon er redet, wenn er von Individualität spricht. Das war doch viel zu lange eine unbekannte Größe.

An der Christophine werden die Kinder ermutigt, sich immer wieder auszuprobieren, neu zu formulieren und zu gestalten. In dieser Kultur des Selbstbildens kann jeder, unabhängig von schulischer Leistungsfähigkeit, seine Individualität kennenlernen und seine Identität behaupten. Das gilt für die Schulkinder wie auch für die Erwachsenen. In solchem Umgang miteinander wächst die Anerkennung der Individualität des Gegenübers. Diese Gleichwürdigkeit bereichert den Schulalltag, da alle Schulangehörigen sich produktiv in die verschiedenen Lernprozesse des Unterrichts einbringen können.

 


 

Wegmarke 2 – Lernwege im Schulsaal

Schulkinder
Das mach ich nachher. Ich gehe zuerst lesen.

Eltern
Zum Glück sieht man bei dem Matheheft ja, wie weit die Kinder schon sind.

Schulkinder
Zu leicht? Aber das habe ich doch für N. gemacht. Der ist Erstklässler.

Kollegium
Warum spricht man bei Erwachsenen eigentlich von Weiterbildung und bei Kindern von Dazulernen?

Schulkinder
Jetzt möchte ich Schreibschrift lernen.

Schulleitung
Handlungsorientiert? Das hört sich gut an. Wichtiger ist mir, dass die Kinder sehen, dass sie zur Handlung befähigt sind.

Das Lernen der Kinder gehört nicht nur physiologisch zu den individuellsten und persönlichsten Vorgängen. Es bewegt sich in kognitiven, ästhetischen und sozialen Zusammenhängen. Die Schule Christophine begleitet die Kinder bei der Suche nach den erfolgreichen Lernwegen. Erfahrungen werden über alle Sinneskanäle ermöglicht, da schließlich auch gespeichertes Wissen auf verschiedensten Wegen abgerufen wird. Die individuellen Lernformen charakterisieren die unterschiedlichen Lerntypen. Mit unserer individualisierten Arbeit im offenen Unterricht helfen wir den Kindern mittels ihrer Erfolgserlebnisse ihre Frustrationsgrenzen kennen zu lernen und auch positiv verschieben zu können.

 


 

Wegmarke 3 – Selbstorganisation als Lernziel

Schulleitung Bitte tragt in eure Arbeitszettel ein, was ihr macht.

Kollegium
Das muss alles ich aufschreiben, die Kinder denken nicht dran und vergessen es.

Schulleitung
Du hast schon länger nix mehr gerechnet, oder?

Schulkinder
Heute habe ich Mathe gemacht, weil es meine Mutter gesagt hat. Sonst muss ich es daheim machen.

Schulleitung
Wenn mir ein Kind sagt, es langweile sich, dann sage ich nix. Wenn es fragt, was es machen soll, dann sag ich: mach Mathe. Das wird am liebsten verdrängt.

Eltern Seine Hausaufgaben macht er ganz alleine. Da gibt es nie Theater.

An der Christophine beziehen wir uns auf Erkenntnisse, die zeigen, dass Kinder selbst ausreichend schöpferisches Potenzial mitbringen, um Lernsituationen wahrzunehmen und sich auch selbst in diesen formulieren können. Kinder sind in der Lage ordnend im Sinne von schöpferischem Handeln ihre Umgebung mitzugestalten, um sie ihren Bedürfnissen anzupassen. Die Schule Christophine stellt den Schulkindern die entsprechenden Werkzeuge zur Verfügung, um ihnen in diesem Sinne den entsprechenden Raum zur Verwirklichung zu geben. An der Christophine wird allen Schulangehörigen die Möglichkeit eingeräumt, ihre eigenen Strukturen zu finden, da solcherart entwickelte Strukturen von größerer Stabilität sind. Dies gilt sowohl für das Lernen als auch für das Zusammensein.

 


 

Wegmarke 4 – Eigenaktivität und Zusammenarbeit

Schulkinder
Komm, ich zeige dir, womit du das ganz leicht raus kriegen kannst.

Kollegium
Wenn N. sagt, er macht nichts oder er nicht einmal etwas sagt, dann bin ich immer wieder kurz geschockt.

Schulkinder
Warum fragst du, ob mir das Spaß macht? Ich mache in der Schule nur Sachen, die mir Spaß machen. Deshalb mach ich manchmal eben eine Weile auch nix.
Wir habe in derselben Woche Geburtstag und sind gleich alt. Aber in der wievielten Klasse bist du?

Eltern
Immer wieder hören wir im Elterngespräch, dass er nix arbeitet. Ich habe dich das schon einmal gefragt: Meinst du, dass unser Sohn genügend lernt?

Christophine setzt deutlich auf die Eigenproduktion der Schulkinder. Aus ihr heraus entwickeln sich Fragen, die oft nach einer Fortsetzung in anderen Arbeitszusammenhängen rufen. Sei es nach Mitarbeitern oder Korrektoren, Motivatoren – Partner, die ein Stück Lernweg miteinander gehen. Dass die Schulkinder gerne auf Bewährtes in Form von strukturierten Arbeitsmaterialien zurückgreifen, ist Ausdruck des Bedürfnis nach gewährleistetem Lernfortschritt.

 


 

Wegmarke 5 – Selbstwirksamkeit

Kollegium
Dann geh ins Rathaus und sag das dort.

Schulkinder
Ich frag nachher den Busfahrer.

Eltern
Wir haben dann alle Bäckereien abgeklappert und haben nach dem Rezept für deren Nudeln gefragt.

Schulleitung
Da hast du recht. Es war nicht gut, dass ich das gesagt habe.

Eltern
Dass er aufs Gymnasium geht, ist nicht so wichtig. Hauptsache, er findet in den kommenden Monaten zu sich selbst und kann sich wieder auf die Schule freuen.

Kollegium
Ich will nicht, dass du so frech zu mir bist.

Schulkinder
Jetzt lass ihn doch ausreden …

Lernen ist kein Hinarbeiten auf einen späteren Zustand, sondern Freude auf diesen, wie es der Philosoph Peter Sloterdijk darlegt: „Lernen ist Vorfreude auf sich selbst. Diese Vorfreude auf den nächsten eigenen Zustand ist das, worauf es ankommt.“ Die Schule Christophine besteht darauf, dass der Erhalt der ursprünglichen Lernfreude und die beim Lernen entwickelte Kreativität und Selbstwirksamkeit bedeutsam bleiben. Mag auch die Leichtigkeit verloren gehen, mit der ein Mensch einst lernte: Lernte er stets mit Freude, so kann er auch später noch gerne lernen.

 


 

Wegmarke 6 – Soziale Kompetenzen

Schulkinder
Guck doch auf den Schulkompass. Das ist bei uns der sechste Finger, das Miteinander.

Eltern
Das hat mich schon beeindruckt, wie souverän sich jedes Kind da hingestellt hat.

Kollegium
Man sieht aber auch, wie sich alle immer wieder in Abhängigkeiten verstricken.

Schulleitung
Unsere Schule lebt vom Miteinander. Vom gemeinsamen Spielen bis zum Teilen unserer Erkenntnisse. Alles andere können doch Hauslehrer abdecken.

Die Fähigkeit, sich in der Gemeinschaft zu orientieren und zu behaupten, ist wichtig. Der Erwerb von Fachkompetenzen in der Schule ist am Lernort Schule kaum ohne Gemeinschaft zu bewerkstelligen. Die auffällige Zahl an Kindern ohne Geschwister ist eine Besonderheit. Bei gleichzeitigem Verschwinden von Freiräumen für Kinder außerhalb der Schule ist dem sozialen Lernraum, wie ihn Schule bietet, eine wichtige Rolle zugekommen. Wie die Schulkinder im Schulgeschehen, so muss sich die ganze Schule in der Bildungslandschaft behaupten.

 


 

Wegmarke 7 – Wissen und Kompetenzen

Schulleitung
Bitte frage R., der hat sich gestern mit dem selben Thema beschäftigt.

Eltern
Ich bin immer ganz erstaunt, was er erzählt.

Schulkinder
Jeder kann irgendwas. Jeder kann einem was zeigen.

Kollegium
Den Anspruch haben wir doch wohl, dass ein Kind an der weiterführenden Schule ohne Nachhilfe bestehen kann.

Wir räumen den Kulturtechniken Rechnen und Schreiben einen möglichst großen Raum ein. Unsere Schule ist ein Ort voller Herausforderungen. Das Lernen und Arbeiten erfährt größte Wertschätzung. In diesem Sinn versteht sich unsere Schule als tatsächlicher Erfahrungsraum, in dem es viel zu erkennen und zu genießen gibt, aber nur wenig zu konsumieren. Der hohe Aufforderungscharakter soll nicht nur auf die Schulkinder wirken, sondern auch auf die Erwachsenen.

 


 

Wegmarke 8 Schule als Erfahrungsraum

Kollegium
Wenn du das machen möchtest, dann organisiere, was du brauchst. Ich helfe dir gerne. Sag mir Bescheid.

Eltern
Wir Eltern wissen doch gar nicht, wie die Schule ihre Erfahrungen gemacht hat.

Schulleitung
Die Schule ist ja ein Ort, der lernt.

Schulkinder
Das kann ich nicht. Das mag ich nicht mehr. Das ist abgestürzt.

Kollegium
Lass uns überlegen, warum das mit dieser Arbeit nicht geklappt hat.

Schulkinder Ich will, dass wir darüber abstimmen … Aber da gibt es doch schon eine Regel. Eigentlich haben wir gesagt … Ich bin die Kreisleitung und mache das jetzt so. Du kannst das anders machen, wenn du die Kreisleitung hast. Das will ich im Schlusskreis vorstellen.

Um Lernen zu ermöglichen, setzen wir keineswegs nur auf originelle Situationen. Erkenntnis muss nicht quasi epiphanisch im Schulsaal einschlagen. Viel Erfahrung tut sich auf bei den vielen kleinen Mühen, die der Schultag einem abverlangt. In diesem Sinn verstehen wir das gewohnte Arbeiten auch als ein Üben, das die Handlungsmöglichkeiten erweitern kann.

 


 

Wegmarke 9 – Schule im Kontext der Stadt

Schulkinder
Wir sollten wieder einmal dort hingehen.

Schulleitung
Ich bin mir sicher, dass die Kinder, wo sie auch hinkommen, ernst genommen werden. Weil alle unsere Schule Christophine kennen.

Schulkinder
„Lieber Herr Bürgermeister, wir wollen Sie besuchen und mit Ihnen über die kaputte Ampel sprechen.“ – „ Sehr geehrte Polizei, können Sie bitte zu uns kommen. Drei Viertklässler müssen die Fahrradprüfung machen.“

Kollegium
Endlich habe wir es wieder einmal ins Museum geschafft.

Schulleitung
Der Turnverein bietet uns die dritte Stunde an.

Eltern
Eltern müssen immer etwas beitragen. Alles kann Schule doch gar nicht leisten. Ich gehe mit meinem Sohn zum Malen und zum Turnen.
Vielen Dank, dass ihr mit den Kindern den Ausflug gemacht habt.

Unsere Stadt Marbach und ihr regionales Umfeld ist der Humus, in dem unsere Schule gedeiht und unser Lernen gelingt. Von hier kommen die Schulkinder, hierher fahren sie mit dem Bus und der Eisenbahn. Wir können an der Stadtmauer klettern, an der Burgruine hüpfen, in Schillers Geburtshaus Gedichte lesen. Hier haben wir Nachbarn, die mit uns schimpfen, wenn die Erdbeeren im Garten unbefugt geerntet werden.

 


 

Wegmarke 10 Angstfreie Schule

Eltern
Mein Sohn bedauert es immer, wenn keine Schule ist.

Schulleitung
Ohne Sorge bin ich jedenfalls nicht immer, wenn ich in die Schule gehe. Im Schulsaal sehe ich mich dann aber wieder ausreichend souverän ausgestattet.

Kollegium
Das ist doch normal, wenn man auf den anstehenden Schultag mit Respekt guckt.

Schulkinder
Wenn einer im Garten mit einem Stock herum fuchtelt, dann habe ich Angst. Aber nur, dass er mich trifft. Wenn er mich trifft, dann werde ich dafür sorgen, dass derjenige eine Woche Stockverbot kriegt.

Vor Furcht dürfen wir uns nicht fürchten. Angst machen aber dürfen wir niemandem. Wir sind eine Ermutigungsschule, die sich an Fehlern freuen kann, die Ausrutscher als Gelegenheit zur Pause nimmt und über einen Patzer auch einmal lachen will. Emotionen regulieren die Qualität des Lerngeschehens im Schulsaal. Mit unseren Befindlichkeiten können wir uns aber auch selbst im Wege stehen.

 


 

Wegmarke 11 -Rolle der Erwachsenen

Schulleitung
Schau mal, ich habe das hier für dich rausgesucht. Du hast doch noch das eine ungelöste Problem.

Schulkinder
Ich brauche das eine Werkzeug, weißt du, wo das ist?

Kollegium
Ich greife auf, was von den Kindern kommt. Wenn mir zu wenig kommt, dann fange ich selbst an etwas zu werken, schöpfen im Sinne unseres Arbeitsbegriffs.

Schulkinder
Das habe ich mir alles selbst beigebracht.

Eltern
Ihr begleitet doch die Kinder mehr bei ihrem Lernen, oder?

Bei uns gibt es nur eine Lehrerin. Aber jeder ist hier mal Meister, Schulmeister, und auch Lernbegleitung. Es gibt Mitspieler. Und Verantwortungsträger. Das sind die Chefs. Das ist dann aber keine Frage des Alters, sondern eher eine der Ansprüche. Des Könnens und des Wollens.

 


 

Wegmarke 12 – Gemeinsame Reflektion im Schulsaal

Kollegium
Was können wir ändern, damit das beim nächsten Mal besser klappt?

Schulleitung
Unsere Schule braucht einen institutionalisierten Ort für Zweifel. Zweifel an der Pädagogik, am eigenen Tun, an den Materialien, der Politik, eben für alles, worüber man sich die Haare rauft.

Kollegium
Innovativ? Die Kinder sind konservativer als ich.

Schulleitung Unsere Schule ist jetzt in der dritten Halbzeit. Wie bisher werde ich nicht weitermachen.

Das gemeinsame Gespräch wird schon mit unserer Möblierung kenntlich gemacht. Wir haben ein Versammlungseck, die Quadratur unseres pädagogischen Kreises. Hier hat die Gemeinschaft ihren festen Ort, bespricht sie die schwierigen Dinge und trifft sie sich für die Freuden an der leichten Muße. Die Verantwortung für die Gesprächsleitung wechselt regelmäßig. Dadurch findet eine Erziehung statt, die nicht nur zu einem demokratischen Bewusstsein führen soll, sondern selbst in diskursiven Zusammenhängen und demokratischen Verhältnissen ihren Platz hat.

 


 

Wegmarke 13 – Schule feiert

Schulleitung
Herzlich willkommen zu unserem großen Fest im Mai, unserem Schauspiel zum Jahresschluss, zu unserem großen Fest am ersten Ferientag …

Schulkinder
Wir müssen heute drei Geburtstage feiern. J. und C. hatten in den Ferien.

Schulleitung
Das ist doch allein schon jedes Mal ein Fest wert, wenn jemand etwas Tolles geschafft, etwas Neues entdeckt hat. Das ist ein Grund zum Feiern, sag ich dann.

Schulkinder
Wir könnten doch wieder einmal das eine Lied singen. Ach, nöö.

Orientiert am Beispiel der Bürgergesellschaft kommen an der Christophine die Menschen zusammen, um ihre Angelegenheiten in die Hand zu nehmen und damit zu einem gelingenden Schulleben beizutragen. Dazu gehört die Regelung von Alltagsproblemen genauso wie die Planung und Durchführung von Schulfesten oder Ausflügen. Die Erwachsenen regen diesen Auseinandersetzungsprozess an, indem sie auf bevorstehende Ereignisse hinweisen, oder Missstände zur Diskussion bringen.

 


 

Wegmarke 14 –  Schule versus Familie

Kollegium
Die Partnerschaft mit den Familien haben wir ja in unserem Schulvertrag deutlich hervorgehoben.

Eltern
Das ist das, was ich allen immer sage. Hier spricht man viel mehr miteinander.

Schulkinder
Das darfst du nicht bestimmen. Du bist nicht meine Mutter.

Schulleitung
Das Plaudern zwischen Tür und Angel zähle ich aber nicht zum verbindlichen Austausch zwischen Schule und Familie. Das ist eher das Schmiermittel für gemeinsames pädagogisches Handeln.

Schulkinder
Am Samstag war ich mit meiner Mama wieder zum Putzen da. Da hatte ich das ganze Schulhaus für mich alleine.

In vielen Schulsituationen macht sich ein familiärer Geist bemerkbar. Dieser sorgt dafür, dass die Schulangehörigen sich geborgen fühlen in ihrer Gruppe, sich aufgehoben in ihrem Tun wissen. Es gibt intime Situationen voller Selbsterkenntnis und auch Zuneigung. Weil aber auch unsere Schule eine eigenständige Institution, eine Bildungseinrichtung ist, lassen wir keine Aufgaben der Familie auf uns delegieren. Schule und Familie sind zwei Dispositive, die nicht den selben Regeln unterworfen sein müssen.

 


 

Wegmarke 15 – Vielfalt in der Schule

Schulleitung
Ich will schon ein Repräsentant der Vielfalt sein.

Eltern
Die Familien kommen doch aus den verschiedensten Milieus.

Schulleitung
Wir motivieren jeden, uns im Schulsaal zu besuchen. Und wer hospitieren will, der muss im Gegenzug etwas mitbringen, dass auch wir etwas von dem Besuch haben.

Kollegium
Starwars, Ninjago und James Bond. Viele Ideen kommen nicht immer zusammen.

Die stete Aufforderung zur Entscheidung verlangt allen Schulangehörigen viel ab. Die dadurch entstehende Pluralität der Schularbeiten und Anregungen gewährleistet, dass Inhalte sich multiplizieren können und überraschende Reibungsflächen und Berührungspunkte entstehen. Es ist Aufgabe der Schule, den Schulkindern einen beherzten Zugriff auf die eigene Kraft, die eigenen Bilder zu ermöglichen, um ihnen eine Alternative zu eindimensionalen Angeboten der Konsumgesellschaft zu bieten.

 


 

Wegmarke 16 – Große Ziele und bescheidene Ansprüche.

Schulkinder
Die Kinder entscheiden selbst … Das hast du selbst immer gesagt.

Schulleitung
Die pädagogische Entwicklung und das ökonomische Wachstum sind harmonisch verbunden. Wo keine Schulden ab zu tragen sind, da ist Lernen einfacher.

Eltern
Unser Mitdenken ist ja immer an die Entwicklung der Kinder gekoppelt. Irgendwann sind die an einer anderen Schule,.

Kollegium
Die Christophine ist unser Arbeitsplatz. Wo alles größer und besser wird, da kann man eines Tages ja vielleicht auch einmal ein wenig mehr verdienen als heute?

Die Schule
Christophine wurde aus einer großen bildungspolitischen Ungeduld heraus in die Bildungslandschaft eingebaut. Sie kann inzwischen vier Jahre Unterrichtserfahrung aufweisen. Der Schulträger hat noch vier Jahre, um seine Gründungsschulden abzutragen. Das Schulhaus bietet noch Platz für elf Schulkinder. Solange muss der Wunsch der Eltern nach einer Sekundarstufe warten …

 

 


 

Hier die Quelle dieser Gedanken:
CHRISTOPHINE – marbach – freie schule

Freie Schule Christophine e.V. · Ludwigsburger Straße 24a · 71672 Marbach am Neckar · 07144/305 80 98
info@freie-schule-christophine.de · www.freie-schule-christophine.de
Kreissparkasse Ludwigsburg BLZ 604 500 50 Konto 300 520 11· GLS Gemeinschaftsbank BLZ 430 609 67 Konto 700 5615 700

 

 


 

 

Ich gebe die „Wegemarken“ weiter, weil ich meine, dass diese eine ausgezeichnete und ziemlich allgemeingültige Inspiration sind für alle Menschen, die sich mit Schule beschäftigen und sich nach agiler und freier Schule sehnen!

RMD

Klaus Hnilica
Sonntag, der 28. Januar 2018

Saunaaufguss

Carl und Gerlinde (Folge 56)

Das Jahr 2018 hatte eigentlich super begonnen.

Jedenfalls für Carl. Für Gerlinde sicher auch.

Gleich am dritten Sonntag im Monat, also noch im Januar, nachmittags in die Sauna zu gehen, war eine prima Idee von Gerlinde gewesen.

Natürlich lag sie schon längst splitternackt genüsslich ausgestreckt auf ihrem Saunatuch, als Carl endlich in die überhitze Kabine gestakst kam.

Ihren kritischen Blick, während er seine Handtücher auf der Saunabank arrangierte, kannte und spürte er – der war nicht neu…

Wenn du dich weiter so wenig bewegst, kannst du demnächst meine Büstenhalter übernehmen, kicherte sie flapsig – und schwitzend.

Soll das heißen, dass dir deine Brüstchen eigentlich zu klein sind und uns daher demnächst eine Schönheitsoperation ins Haus steht?, fragte Carl scheinheilig – noch nicht schwitzend.

Nein das mein ich nicht. Ich bin mit meinen Brüsten vollkommen zufrieden.

Also keine Brustvergrößerung mit inkludierter Straffung demnächst, murmelte Carl und streifte immer wieder über sein ohnehin perfekt liegendes Saunatuch. Auch das mehrfach gefaltete Handtuch auf dem Kopfteil lag längst tadellos.

Nein Carl – aber bei dir wär’ allerlei zu straffen, wenn ich dich so anschau’.

Tja – dann schau halt nicht…

Tu’ ich eh meistens nicht, aber manchmal, wie jetzt, passiert es doch und dann muss ich feststellen, dass du ziemlich schwammig geworden bist, lieber Carl.

Carl schwang sich endlich wortlos auf seine sorgfältigst abgedeckte Saunabank. Vorher grinste er Gerlinde noch genervt zu.

Vor allem deine Brüstchen hängen immer mehr und mehr! stellte Gerlinde beharrlich fest.

Hm – und deswegen soll ich mich mit deinen BHs anfreunden?, fragte Carl mit ersten Schweißperlen im Gesicht, am Bauch und zwischen den Gesäßbacken.

Nein das sollst du nicht – aber du könntest ja vielleicht statt dessen etwas weniger Schokolade in dich hineinarbeiten.

Es muss ja nicht jeder deinem Schlankheitswahn frönen und so ein Knochengestell sein, wie du, liebe Gerlinde!

Nein muss man nicht: aber man muss auch nicht so faul und verfressen sein wie du in letzter Zeit, lieber Carl.

Du bist ganz schön biestig heute, sagte Carl. Er wälzte sich von seiner Saunabank umständlich herunter und schöpfte vier Kellen Wasser auf die Saunakohle. Er wusste, dass Gerlinde das zu heiß wurde.

Sie stöhnte auch kurz auf, sagte dann aber: mach’ nur, Carl, das empfindliche Herzchen hast ja du!

Weißt du, Gerlinde, am liebsten würde ich dich unter die kalte Dusche stellen und festhalten bis du wieder zu dir kommst und friedlich wirst.

Dann tu’ s doch, Carl! Du kannst mich auch auspeitschen, aufs Streckbett ketten oder sonst irgendwie quälen, aber…

Was aber?

Aber du könntest auch deine Großhirnrinde aktivieren und vielleicht darüber nachdenken, ob du nicht auch deinen apollinischen Leib einmal etwas quälen solltest, statt immer nur…

Was genau meinst du mit quälen? unterbrach sie Carl gequält.

Ich meine schlicht und einfach, dass du dich mehr bewegen könntest und etwas gesünder ernähren.

Aha, stöhnte Carl und drehte sich schwitzend und ächzend auf seinem Saunatuch nach links, so dass er Gerlinde erstmals im Blick hatte.

Du willst damit wohl andeuten, fuhr er fort, dass bei uns jetzt auch diese ‚neuen Zeiten’ eingeläutet werden sollen!

Gott  wie dramatisch du immer wirst, wenn dir etwas gegen den Strich geht, stöhnte Gerlinde.

Na das muss man ja wohl werden, wenn jetzt statt Sex, Drugs und Rock’n Roll plötzlich mit Laktoseintoleranz, Veganismus und Helene Fischer gedroht wird!

Du immer mit deinen Sprüchen, Carl!

Ja – ich immer mit meinen Sprüchen.

Was ist denn daran so schlecht, wenn man seine Gesundheit im Auge hat und auf seinen Körper achtet? Murmelte Gerlinde in sich hinein.

Tja wenn du nicht verstehst, was ich meine, liebe Gerlinde, kann ich dir auch nicht helfen – aber ich muss jedenfalls an die frische Luft sonst dreh ich noch durch bei soviel überhitztem Schmarren…

Aber Vorsicht, Carl, unsere fette Nachbarin lunzt immer nach deinen Speckhöckerchen und sonst was!

Und du pass auf ihren Rauhaardackel auf, der nagt jeden Knochen an…

KH

Roland Dürre
Sonntag, der 31. Dezember 2017

2018 rauscht herein! Alles Gute!

Liebe Freund*innen!

Es lebe das neue Jahr!

 

Meine Wünsche für und meine Bitte an Euch!

 


 

Das Bild ist von Rolo Zollner (http://www.rolozollner.de/). Es steht unter Common Licence, Ihr dürft es mit Quellen-/Autorenangabe frei nutzen.

Dieses Schweinchen möge Euch viel Glück bringen!

Einen guten Rutsch!

Genießt den Tag!

Lasst die Sau so richtig raus!

Gönnt Euch alles, was Ihr Euch sonst nicht erlaubt!

Ärgert Eure Mitmenschen nach Lust und Laune!

Gleichzeitig liebt und respektiert sie alle!

Erfreut Euch der Welt und ehret die Schöpfung!

Geht dem gesunden Menschenverstand nicht aus dem Weg!

Seit frei!

Lebt in Lust und Freude!

Lasst Euch nicht aus dem Konzept bringen!

Seid autonom und folgt Eurem Stern!

Macht all das, was Ihr wollt!

Denkt zuerst an Euch aber dann auch an die Anderen!

Und werdet auf keinen Fall zum Märtyrer für die gute Sache!

Macht nicht die Dinge richtig sondern macht die richtigen Dinge!

In sechs Worten und zwei Sätzen (und in neu-deutsch):

Enjoy life!

and

Be totally happy!

Und das jeden Tag und jede Nacht des Jahres 2018 – zu 100 %!

Das schreibe ich in Liebe, erfüllt mit großer Dankbarkeit für all das Gute und Schöne, welches ich bis heute erleben durfte. Ich versichere Euch, dass ich trotz vieler mich deprimierender Nachrichten und Erkenntnisse weiter in großer Freude und voller Mut leben werde! Und genau dieses wünsche ich Euch auch!


Als kleinen Tipp fürs Leben bitte ich Euch, immer daran denken:
„Einen Scheiß müssen wir!“

RMD

P.S.
Das Bild ist eine echte Klick-Sau. Bei Google steht es ganz oben! Irrsinnig viele Menschen habe es schon gesehen. Das Arrangement ist von meinem Freund Rolo Zollner. Er hat es für IF-Blog erschaffen, es steht unter Common Licence, Ihr dürft es also mit Quellen- und Autoren-Angabe nutzen.

Arrangement und Foto von Rolo Zollner.

P.S.1
🙂 Die Grüße sind im Kern von 2016. Sie haben mir so gut gefallen, dass ich sie nur leicht verändert habe. Wer hat es gemerkt?

Roland Dürre
Sonntag, der 19. November 2017

Der Weg als Metapher für unser Leben.

Bei jetzt schon vier Hochzeiten meiner Kinder durfte ich die Hochzeitsrede halten. Bei der Vorbereitung dieser Ansprache gebe ich mir immer (sehr) viel Mühe und versuche wichtige Gedanken zu formulieren.

Da sind gerne Gedanken dabei, von denen ich weiß, dass sie mir selber viel geholfen haben. Die es lohnen könnte, sie auch andere Menschen weiterzugeben. Besonders an das Hochzeits-Paar und an möglichst viele andere Menschen.

Deshalb veröffentliche ich auch hier ein paar zentrale Gedanken aus meiner letzten Hochzeitsrede. Auch weil heute Sonntag ist. 


Der Weg als Metapher für unser Leben. 

Der Weg des Lebens beginnt mit der Geburt und endet mit dem Tod. Unser wertvollstes Gut auf diesem Wege ist die Zeit, die wir auf diesem Wege verbringen. Die Zeit ist deshalb so wertvoll, weil sie nie zurück kommt. Wenn man Freundschaft oder Geld verliert, kann dieses zurück kommen, nicht so die Zeit.

Am Beginn unseres Weges steht die Geburt.

Wir tauchen in der Welt auf und befinden uns in einer Gemeinschaft. Wir treffen Menschen, die uns auf diesem Wege begleiteten, die wir nicht kennen. Wir haben sie uns nicht heraus gesucht. In der Regel ist das unsere Familie.

Wege finden zusammen und trennen sich.

Wachsen wir heran, treffen wir auf unseren Wege weitere Menschen, die einen Teil der Strecke gemeinsam mit uns zurücklegen: Die Kindergärtnerin, der Lehrer, unsere ersten Freunde ….

So gehen wir unseren Weg, auf manchen Teilstrecken gemeinsam mit mehr und mal mit weniger Menschen. Neue Gesichter kommen hinzu, viele Wege trennen sich für eine längere Zeit oder auch für immer.

Wir sind „Sammler und Jäger“.

Auf diesem Lebensweg sammeln wir „Spielzeuge“ aller Art, an denen wir uns ergötzen und/oder die uns „wehtun“. Diese Spielzeuge kommen oft aus der Vergangenheit. Es können Erinnerungen, Enttäuschungen, Niederlagen, Verletzungen … sein.

Andere weisen in die Zukunft und machen uns das Leben genauso schwer. Da möchte ich Lebensträume, Hoffnungen, Ängste, Erwartungen, Projektionen … benennen.

Wir besitzen nicht sondern werden besessen.

So wird unserer Lebens-Rucksack, den wir auf unserem Wege mit uns schleppen, immer größer und schwerer. Er und sein Inhalt werden zu unserem Lebens-Ballast, an dem wir schwer tragen.

Eines Tages heiraten wir. Wir feiern Hochzeit.

„Hochzeit“ ist für mich die bewusste Entscheidung – ein abgelegtes Komnitment  – den eigenen Lebensweg mit einem Menschen in einer besonderen Art und Weise gemeinsam zu gehen. Ein gegenseitiges „Komm mit mit mir!“

Es beginnt etwas Neues. So ist eine Hochzeit bestimmt kein schlechter Zeitpunkt, gemeinsam die Rucksäcke zu leeren oder noch besser, sie am Wegrande stehen zu lassen.

Legt Eure Rucksäcke ab!

Denn: Das Leben findet im jetzt und heute statt. Wenn aber Vergangenheit und Zukunft unser Denken und Handeln bestimmen, dann leben wir nicht!

Deshalb geht meine Bitte an das Brautpaar, heute auch darüber nachzudenken, ob und wie Ihr den heutigen Tag dazu nutzen wollt (und könnt), Euch vom Gerümpel der Vergangenheit für die Zukunft frei zu machen. Also:

Damit Ihr jeden Tag Eures Lebens immer mehr in wachsender Freude und mit zunehmenden Mut verbringen könnt!


Einen Teil der hier niedergelegten Gedanken verdanke ich unter anderem dem Buch Ein Tag mit der Liebe von Moshen Charifi, das ich zur Lektüre nur empfehlen kann. Charifi berichtet in diesem Buch in einer wunderbaren achtsamen und „gewaltfreien“ Sprache von einem Dialog von LIEBE und VERLIEBTHEIT, der auf einem gemeinsamen Spaziergang stattfindet.


Für Katherina und Martin entworfen für den 27. Oktober 2017. Und für alle Menschen auf dieser Welt. In Liebe!

RMD

Klaus Hnilica
Donnerstag, der 9. November 2017

Hol‘ dir ein Bier…

Miriam war ein Luder!

Alle wussten das – auch der Hermann.

Als Jüngster musste er aber den Bauernhof übernehmen. Es war der größte Hof in Erleinsbach, nur arg heruntergekommen und verschuldet!

Bei den sonntäglichen Stammtischrunden in den umliegenden Wirtshäusern, zu denen Hermann schon lange nicht mehr ging, wurde der Zustand dieses Hofes, wenn’s gut lief mit einem „ja der Hermann hat’ s nicht leicht!“ bedacht, begleitet von einem schäbigen Grinsen oder peinlichem Schweigen. Der eine oder andere spuckte sogar aus, wenn dieser Hof genannt wurde.

Hermanns Geschwister waren froh, dass er sich nach jahrelangem Zögern endlich durchgerungen hatte, den Hof zu übernehmen. Von ihnen hätte sich das keiner antun wollen. Sein älterer Bruder Korbinian arbeitete lieber als Tischler im benachbarten Kopfing und Annegret heiratete schon in jungen Jahren auf einen ansehnlicheren, ertragreicheren Bauernhof. Für den Leitnerbauer war Annegret ein Glücksfall: zwar nicht besonders fesch und schnuckelig, vielleicht sogar etwas froschäugig, dafür aber emsig wie eine Honigbiene, wie ihre Schwiegermutter höchst zufrieden anmerkte, wenn sie vor den Nachbar Bäuerinnen glänzen wollte: Annegret konnte zupacken wie keine andere! Kein Heuschober war ihr zu schwer, kein Traktor zu groß, kein Güllewagen zu stinkig und selbst mit ihrem dicken Schwangerschaftsbauch melkte sie alle Kühe und mistete sie die Stallungen aus.

Ein richtiges ‚Arbeitsviech’ ist meine Alte, stellte der rotgesichtige Leitnerbauer, des öfteren zufrieden am Stammtisch fest und prostete den andern mit seinem vollen Bierkrug zu.

Miriam aber – war kein ‚Arbeitsviech’!

Der Hermann heiratete sie trotzdem! Und das, obwohl sie schon ziemlich abgegriffen war und einen unehelichen Balg mit sich herumschleppte, der aber bei ihrer Tante in Grieskirchen gut untergebracht war. Kein Wunder, dass es für Miriam unter diesen Umständen nicht einfach war im Umfeld ihres Heimatortes Natternbach, wo jeder jeden kannte, einen heiratsfähigen Mann zu finden. Der Hermann kam ihr da gerade recht!

Ihren Balg Paula sah Miriam – Gott sei’s gedankt – nur bei Begräbnissen und Hochzeiten. Das reichte! Denn wann immer Paula ihr unter die Augen trat, war Miriam enttäuscht und verärgert, dass sie genau so unansehnlich und ausgefressen daherkam, wie ihr unsäglicher Vater, der nach wie vor als Schlachter in Wels arbeitete: warum hatte Paula nicht wenigstens ein bisschen was von ihr geerbt?

Ja, sie wusste, wie man sich sexy rausputzte und mit hohem Busen und steilen Arsch den Männern den Kopf verdrehte. Ihr schaute jeder Bauernlümmel nach! Aber der Paula? Höchstens ein Blinder, wenn sie ihm was Freundliches zurief…

Hermann mochte Miriams Paula!

Er hatte sie ein paar Mal bei Familienfeierlichkeiten gesehen und ihr da auch gelegentlich auf ihren dicken Arsch geklopft! Freundschaftlich, so dass sie gekichert hat. Ihren grobschlächtigen Vater, den Josef, kannte er natürlich auch – und auf ihre Mutter, die Miriam, war der Hermann, im Gegensatz zu allen anderen, richtiggehend stolz!

Ja – stolz wie ein Pfau!

Nie im Leben hatte er für möglich gehalten, dass so eine fesche ‚Dern’, einen wie ihn zum Mann haben wollte: ihn, der sich kaum zu benehmen wusste, abgerissen  daherkam und nie ausreichend Kohle hatte. Was konnte er, einer wie ihr, schon bieten?

Na ja – immerhin  einen Bauernhof – und jede Menge Drecksarbeit! Und das von morgens bis abends!

Miriam kam aus einer Handwerkerfamilie!

Ihr Vater war Dachdecker gewesen. Ihre Mutter hatte zwar darauf geachtet, dass immer ein kräftiges Essen und zwei Flaschen Bier bereitstanden, wenn er abends abgearbeitet heim kam, konnte aber trotzdem nicht verhindern, dass er eines Vormittags bei Regen von einem der steilen Kirchendächer rutschte und mausetot war. Genickbruch – und mehrfacher Wirbelsäulenbruch!

Fortan musste Miriams Mutter durch Putzen und Kochen für andere, sich und ihre Tochter, die immer deutlicher zu einem hübschen, drallen Ding heranwuchs, alleine durchbringen. Kein Wunder, dass sich diese Miriam schwor, unbedingt einmal einen Mann zu heiraten, der ihr mehr bieten konnte, als ihr tollpatschiger Vater ihrer Mutter, oder dieser fette Josef, der ihr im Vollrausch die Paula angedreht hatte, aber kaum den Unterhalt zahlen konnte.

Und auf gar keinen Fall war sie bereit, hinter anderen Leuten her zu putzen, wie ihre Mutter das nun Jahr und Tag machen musste. Das war nichts für sie, nein, lieber blieb sie alleine und vertrocknete langsam  – wie ihre Mutter prophezeit hatte!

Vielleicht wirkte Miriam ja gerade deshalb auf Hermann so anziehend, weil sie weder wie eine Bäuerin aussah, noch eine werden wollte?

Ein gewisser Hang, sich besser zu fühlen als Andere, war Hermann immer zu Eigen gewesen. Selbst in der Schule schon. Korbinian und Annegret waren ähnlich und wurden von den anderen Bauern auch oft ausgegrenzt.

Hermann bewunderte vor allem Miriams samtene, helle Haut! Ihr Gesicht zeigte nie die für Bauersfrauen üblichen Frostflecken, die beim Tanzen aufglühten. Sie verstand sich zu kleiden und hätte gut und gerne eine Verkäuferin in Linz sein können.

Über seine ständige Verkündigung gegenüber seinen Geschwistern und anderen Dummschwätzern, dass er sich aus dieser ‚Dachdecker – Miriam’ einen Scheißdreck mache, übersah Hermann, trotz etlicher Warnungen, vermutlich den entscheidenden Moment: denn für alle überraschend, stand er eines Tages, ausgerechnet während der Erntezeit, mit Miriam vor dem Traualtar!

Vom ersten Tag an machte sie ihrem nicht wirklich erstaunten Hermann klar, dass sie nicht im Traum daran dachte, für ihn die Bäuerin zu spielen und ihm vielleicht später auch noch den Arsch abzuwischen.

Miriam hatte andere Pläne und sorgte dafür, schleunigst ins Grundbuch von Hermanns Hof eingetragen zu werden, um endlich den Kredit von der Sparkasse in Grieskirchen zu bekommen, den sie für die Erfüllung ihres Lebenstraumes, nämlich die Eröffnung einer Bar in Wels, benötigte!

Ihr Berater aus der Sparkasse, hatte ihr in sehr persönlichen Gesprächen, die Goldgrube, die da auf sie wartete, aufs Eindringlichste ausgemalt, wenn sie die Sache mit ihm und der entsprechenden Power anginge und sich nicht von ihrem ewig müden Hermännchen dreinreden ließe.

Der Bauernhof als Sicherheit mache alles möglich, versicherte der tüchtige Mann aus der Sparkasse und Miriam tat mit ihren feschen Dirndln ihr Bestes, um ihn in der Spur zu halten!

Allerdings nicht lange, dann waren zwar die Dirndln immer noch in einem prima Zustand, da sie häufig doch bloß in Unterwäsche oder noch weniger arbeitete, aber der Bartraum war ausgeträumt und sie hatte sich ein paar unschöne ‚Kratzer’ mehr eingefangen. Dank ihrer Jugend ließen sich diese jedoch immer noch leidlich kaschieren, wenn sie angezogen war und volle Kriegsbemalung angelegt hatte.

Außerdem war Miriam nicht dumm, sie hatte von ihrem Bankberater zwischen allem Geschmuse, schweißtreibendem Gestöhne und der einen oder anderen Ohrfeige schnell gelernt, wie man einen Notgroschen, selbst bei schwierigstem Seegang, in diversen Steuerparadiesen in Sicherheit bringen konnte.

Und Dario, den sie im ‚Rosenstüberl’ in Linz kennen gelernt hatte, zeigte ihr schon bald nach dem komischen Sparkassenhengst, was sie mit diesem Notgroschen in Südspanien anstellen konnte.

Da Hermanns schäbiger Bauernhof nie das von ihm vorgegaukelte Geld abgeworfen hatte, geschah ihm nur Recht, wenn er jetzt auf den aufgelaufenen Schulden sitzen blieb!

Ihr sei jedenfalls ihre Zeit zu kostbar, um mit so einem wie ihn, die besten Jahre ihres Lebens zu verplempern, rief sie Hermann zu, als Dario ihr ein Ultimatum stellte, endlich zur Sache zu kommen und mit ihm abzuhauen.

So wie er, Hermann, wirtschafte und einen Bockmist nach dem anderen baue, würde er in diesem ‚Saustall von Bauernhof’ selbst in hundert Jahren noch kein Bein auf den Boden bringen, fauchte sie ihn in ihrem roten Hosenanzug von der Haustür‘ her an, während Hermann im Hof den frisch ausgefahrenen Stallmist von seinem Schubkarren in immer höheren Bögen auf den Misthaufen donnerte – und wie immer schwieg!

„Warum schmeißt du dich nicht gleich selbst auf den Misthaufen, Hermann? Das ist doch der richtige Platz für so einen Versager wie du einer bist“, kreischte sie hysterisch und dampfte in seinem hoch betagten Mercedes vom Hof, auf dem es nur noch drei Schweine, zwei alte Kühe und ein Schaf gab, sowie einen Rest an Heu und Stroh, der schon zu schimmeln begann; alle anderen Erträge waren bereits unmittelbar nach der Ernte verkauft worden, um wenigstens die dringlichsten Zahlungen an die Sparkasse tätigen zu können.

Im innersten seines Herzens stimmte Hermann Miriams Einschätzung sogar zu, wenngleich ihr Weggehen – auf diese schäbige Art – ihn innerlich zerriss.

Ohne nachzudenken versuchte Hermann nach diesem Desaster mit Miriam einfach weiter zu werkeln wie bisher: tagsüber arbeitete er für Bekannte in Nachbargemeinden im Pfusch als Maurer, und abends krabbelte er lustlos, mit erbärmlicher Laune, aber jeder Menge Bier, auf den schäbigen Resten seines Hofes herum.

Gelegentlich kam wenigstens seine Schwester Annegret vorbei, wusch ihm die Wäsche, putzte die Küche und zweimal im Jahr die Fenster in der Schlafkammer und der großen Stube. Ohne sie wäre er gänzlich in seinem Dreck erstickt.

Als einziger Lichtblick in dieser Trostlosigkeit blieb Hermann nur – Miriams Paula –  die aus irgendeinem unerfindlichen Grund einen Narren an ihm gefressen zu haben schien – oder die einfach bloß ihre blöde Mutter ärgern wollte!

Jedenfalls, kam Paulaschätzchen, wie er sie nannte, nach wie vor, alle paar Monate aus Grieskirchen in ihrem VW Polo unangemeldet angerauscht – und blieb so lange oder kurz, wie es ihr beliebte – und der griesgrämige Hermann lebte jedes Mal schlagartig auf: Er rasierte sich dann sogar, wusch sich, zog ein sauberes Hemd über, schlüpfte in eine seiner zwei Jeans und fuhr mit Paulaschätzchen nach Natternbach einkaufen, da sie für ihn abends immer was Feines kochte und anschließend Bier und Eierlikör mit ihm trank. Sie plapperte auch von ihrer Arbeit als Friseurin munter daher, erkundigte sich ausführlich nach seinen Wehwehchen und schaute jeden Blödsinn im Fernsehen mit ihm an, den er sehen wollte.

Und dreimal im Jahr konnte sie ihn sogar dazu bringen, sich von ihr die Haare schneiden zu lassen, was immer in einem unheimlichen Gewusel und Gelächter endete, insbesondere wenn sie trotz heftigstem Widerstand von seiner Seite, sich genüsslich über die üppigen Haarbüschel in Ohren und Nasenlöchern machte.

Auch den Wildwuchs über den Augen zähmte sie! Und bei seinem mehr als schütteren Haupthaar, gab es buchstäblich bei jedem Haar heftigste Diskussions- und Kicherrunden bezüglich der angemessenen Schnittlänge. Und wenn ihm danach erschöpft die Augen zufielen, lotste sie ihn auch noch in seine stickige Schlafkammer neben der großen Stube, bevor sie sich in ihr Auto schwang und wieder abdampfte…

Von ihrer Mutter sprachen beide nie – das war eine unausgesprochene, stille Vereinbarung, die strikt eingehalten wurde, egal wie stark sie sich zugedröhnt hatten.

 

Doch dann stand Miriam nach gefühlten Hundert Jahren – an einem Abend im November – trotzdem in der großen Stube! Windschief wie ein verzogener Kleiderschrank und ausgetrocknet wie ihre bereits tote Mutter…

Scheu sagte sie,

„Grüß dich Hermann!“

Der aufgedunsene Hermann – mit maroder Hüfte und wehem Knie –  lag seltsam verrenkt auf dem Sofa vor dem Fernseher, schaute kurz zu ihr hin, nahm einen langen Schluck aus einer der Bierflaschen, die griffbereit am Boden neben dem Sofa standen und fixierte ausschließlich den Bildschirm…

„Kennst’ mich nimmer, Hermann?“

„Schon!“

„Und sagst nichts?“

„Naa…“!

„Darf ich mich setzen…?“

„Nimm dir den Hocker beim Ofen.“

„Danke, Hermann.“

„Und hol dir ein Bier!“

„Ich mag kein Bier mehr, Hermann!“

„Auf einmal?“

„Fragst nicht warum?“

„Wirst mir’s schon sagen!“

„Ich! – ich – ich – hab Krebs…!“

„Bin ich daran auch Schuld?“

„Naa – deswegen komm ich auch nicht…“

„Warum denn?“

„Weil ich nicht weiß wo ich hin soll?“

„Wieso?“

„Weil ich mich schäm’ – für alles!“

„Schau, schau…“!

„Ja ich schäm’ mich wirklich, Hermann.“

„Vor wem?“

„Vor deinen Geschwistern – und der Paula – und den Anderen.“

„Und vor mir nicht?“

„Nein, Hermann, vor dir nicht!“

„Aha.“

„Ist aber so…“

„Na ja – wenn’ st – meinst?

„Ja, mein’ ich…“

„Schaust nicht gut aus!

„Weiß ich, Hermann!“

„Hast einen Hunger…?“

„Nein – ich kann nichts Normales mehr essen.“

„Wo fehlt’s denn?“

„In die Därm…!“

„Hm – versteh…“

„Ich hab keine Kraft mehr…“

„Ich auch nicht!“

„Du Depp – bei mir ist es wirklich so…“

„Bei mir auch…“

„Schickst mich weg?“

„Naa – mach dir’s Bett in unserer Kammer, wenn’st magst!“

„Danke, Hermann“..

„Du weißt ja wo alles ist?“

„Ja – Hermann…“

„Wenn’st willst helf’ ich dir …?“

„Geht schon, trink nur dein Bier aus…“

„Okay“…

Als Miriam ihr Teil im vereinsamten Ehebett überzogen und fertig gemacht hatte, legte sie sich hinein, zog sich die Bettdecke über den Kopf und stand von dem Tag an nicht mehr auf.

Und als sie selbst am Heiligen Abend vor Schmerzen immer wieder aufstöhnte und kurze Schreie ausstieß, streichelte Hermann sie mit seinen schwieligen Händen  – bis sie ganz still wurde…

KH

Roland Dürre
Mittwoch, der 12. Juli 2017

Warum wir Christophine brauchen! (I)

Am 21. Juni bin ich nach Marbach gefahren, der „Schiller-Stadt“. In Freiberg am Neckar habe ich übernachtet und am 22. Juni ganz in der Früh ging es weiter nach Marbach. Ein Freund aus alten Tagen – Thomas Kleiner – hat mich an diesen Tagen sehr freundlich begleitet. Dank ihm habe ich mich mit Lorenz Obleser und Ruth Martinelli und knapp 20 Kindern zwischen 6 und 10 Jahren getroffen. Denn ich habe tatsächlich einen Vormittag lang in der freien Schule „Christophine“ in Marbach die „Schulbank“ gedrückt. Das ist natürlich falsch formuliert, denn in der Christophine drückt keiner die Schulbank. Aber ich habe an diesem Vormittag etwas so Schönes und Großartiges erlebt, dass mir die Tränen kamen.

Ich habe erlebt, wie

SCHULE

sein kann, so dass sie allen Spaß macht! Sogar den Kindern und den Lehrern!

Aber zuerst die „Bad News“:

Ich bin schon länger ein wenig traurig. Meine Enkel sind wunderbare und ziemlich weise kleine Menschen. Aber in mehr oder weniger Jahren kommen sie in die Schule. Und dann ist Schluss mit lustig. Ich wüsste auch nicht, wie ich sie vor diesem Schicksal bewahren kann, das die meisten Kinder in Deutschland mit Vollendung ihres sechsten Lebensjahres heim sucht.

Denn Schule – wie ich sie selbst in Erinnerung habe und bei der Begleitung meiner sieben Kindern erlebt habe – ist grauenhaft. Nicht nur in Deutschland und vielen Ländern Europas ist Schule sehr rückständig und wirklich schlimm, sondern mit wenigen Ausnahmen weltweit so z.B. auch und gerade in Asien.

Schule, so wie sie heute ist, verkorkst unsere Kindern, so wie sie uns verkorkst hat. Das beschädigt unsere Gesellschaft und schadet unserer Zukunft. Viele Menschen erholen sich erst im Erwachsenen-Alter Schritt für Schritt von Schule, manche schaffen das nie.

Im folgenden berichte ich, was ich am klassischen Schulsystem so schlimm finde und begründe, warum wir das ändern müssen, wenn wir gesellschaftlichen Fortschritt wie Frieden und mehr Gerechtigkeit erlangen wollen.


Der Bildungsalltag in Deutschland (und wohl weltweit) ist mehr als traurig! #Fakt


Bildung in unserem System bedeutet „dressiertes und autoritäres Lernen in einem quasi-militärischem Format“. Wissens-Bulimie ist angesagt. Das beginnt schon in der Grundschule. So schlimm wie zu den Zeiten des berühmten aber unsäglichen deutschen Pädagogen Dr. Moritz Schreber ist es glücklicherweise nicht mehr.

Roland mit Schultüte.

Aber immer noch wird dressiert. Den Kindern wird „Disziplin“ beigebracht. Sie müssen sitzen und dürfen sich nicht entfalten. Den Kindern wird im Stunden-Takt vorgegeben, was sie machen müssen. Selbstorganisation und -bestimmung sind ausgeschlossen. Wo kämen wir denn da hin, wenn die Kinder so Lernen und Üben würden, wie sie es wollen?

Agil, schlank oder transparent sind in den Schulen Fremdworte. Es gibt eine klare Hierarchie Lehrer-Kinder, die im übrigen immer weniger funktioniert. Schule entgleist so auch immer öfters. Dann sind die Kinder schuld und die mangelnde Sozialisierung wird als Grund genannt. Den „schwarzen Peter“ bekommen die Eltern zugeschoben. Weil sie bei der „Erziehung“ versagt haben. Das mag auch ab und zu stimmen, in den meisten Fällen ist dem aber nicht so und die Eltern leiden gemeinsam mit ihren Kindern unter der Schule.


In der Schule ist Leistung die absolute Maxime, schlimmer oft als im echten Leben. #brutal


Die Leistungsgesellschaft wird schon mal vorbeugend geübt. Es wird geprüft, benotet und bewertet, was das Zeug hält. In der Grundschule geht es um den Übertritt ins Gymnasium. Der klappt nur, wenn das Kind sich dem System Schule anpasst und unterwirft. Das ordnende Prinzip der Schule ist ganz klar hierarchisch. Das Zauberwort ist Autorität, man lernt zu folgen.

Die Kinder erfahren, dass man alles zu Lernende wie das Vorgehen dazu mehr oder weniger kritiklos zu akzeptieren hat. Und links und rechts des Bildungsweges sehen wir dann die Opfer.


Wenn Schule nicht funktioniert, dann geben Lehrer und Gesellschaft den Eltern die Schuld. #Frechheit


Weil die versäumt haben ihren Kindern Respekt beizubringen. Vor den Lehrern. Wie schon geschrieben, das trifft ab und zu wirklich zu, aber in der Regel eben nicht.

Damit die Kinder in dieser miserablen Situation den „Übertritt“ schaffen, gibt es ein Heer von meist schwarz arbeitenden Nachhilfe-Lehrern, die in den wenigen verbleibenden freien Stunden der Kinder diese dann zusätzlich traktieren und so – meistens mit viel Tränen – mehr oder weniger erfolgreich über die Noten-Schwelle zum Gymnasiums schieben.

Ich war auch ein „respektloses Kind“. Und habe oft das mir Gesagte angezweifelt und das auch artikuliert. Und wurde dafür immer wieder bestraft. Weil der Lehrer immer Recht hat. In der Schule herrscht kollektiver Gehorsam. Ein Befehl ist eben ein Befehl, dem man folgen muss. So ging es auch mir.


Mein kindliches „Anders sein“ wurde mir öfters sehr vorwurfsvoll zurück gemeldet. Dabei wollte ich nur „Ich sein“. #traurig


Im späteren Leben habe ich dann den Spieß umgedreht. Meine „schlechten Eigenschaften“, für die ich ja auch bestraft wurde, habe ich dann intellektuell trickreich gerechtfertigt als positive Werte wie „Zivilcourage“ und „konstruktiven Ungehorsam“, die mich auszeichnen.

Aber das Schulsystem basiert halt auf Unterordnung. Es gibt eine Ordnung. Die muss es geben, weil Menschen Ordnung brauchen. Die ist aber nicht für die Schüler da sondern für das System und somit gegen die Schüler. Denn nur so können System und Lehrer die Schüler in einer Klasse gleich schalten (meint Schule). Von Acht bis Neun müssen alle rechnen, von Neun bis Zehn ist Lesen angesagt. Von Zehn bis Elf dann Leibesertüchtigung und von Elf bis Zwölf Schreiben. Und von Zwölf bis Eins kommt die Religionskunde. In der Schule muss man die meiste Zeit sitzen und sich „brav“ benehmen. Wenn nicht, dann hagelt es Strafen.

Das alles mit der Begründung, dass es anders nicht gehen würde und nur so Lernen effizient realisiert werden könne. Was eine große Lüge ist!


Die Ganztagsschule macht es noch schlimmer. Die uns so wichtigen freien Nachmittage fürs Spielen, Denken, Erleben und „Leben üben“ gibt es nicht mehr. #nogo


Jetzt kommt die Ganztags-Schule. Kinder werden immer öfters auch noch zum Mittagessen transportiert und mit „convenient food“ gleich geschaltet. Die Schulen ähneln Kasernen und sind keine Stätten der Entfaltung und der offenen Begegnung auf Augenhöhe.

Schulen werden nach militärischem Vorbild organisiert und betrieben; die kleinen Menschen werden verwaltet, ihr Stellenwert entspricht dem von Rekruten in der Grundausbildung der vergangenen Wehrpflicht-Zeit. Die neuen Gebäude der mir bekannten Gymnasien (korrekter Bildungs-Fabriken oder -Kasernen) in Neubiberg, Ottobrunn und Höhenkirchen-Siegertsbrunn strahlen dies auch architektonisch aus.

Es gibt lange Gänge mit vielen Türen, die wie Schläuche zu den vielen Klassenzimmer führen. Die Fenster kann man oft nicht öffnen und die Klima-Anlage produziert schlechte Luft, so dass die „Lehrkräfte“ über Kopfschmerzen klagen. Die Anmutung dieser Bildungsfabriken erinnert eher an Kasernen als an einen freiem Ort, an dem man lernt und sich ins Leben einübt. Und da diese Bauten billigst gebaut sind (bei der Ausschreibung ist der Preis das wesentliche Kriterium, so dass in der Regel der billigste Anbieter gewinnt), bemerkt man schon nach kurzer Zeit den Verfall.

Dafür wächst der administrative Overhead. So wird Bildung immer teurer – aber beim „Endkunden Kind“ kommt davon nicht viel an.


Jedes soziale System braucht eine Ordnung. Kinder wie Erwachsene suchen Halt. Die Ordnung der Schule sollte für die Kinder und nicht gegen sie sein. #Prinzip


In der Schule gibt kein Eingehen auf die großartige Vielfältigkeit der kleinen Menschen. Aus Gründen der Effizienz und der beschränkten Mittel ist dies schon gar nicht möglich und auch nicht gewollt. Es wird normiert und vermessen, zertifiziert und benotet. Leistung wird gelehrt,

Kurz: Man wird indoktriniert, damit man funktioniert. Denn die Gesellschaft braucht brave Konsumenten. Autonomie und Kritikfähigkeit sind nicht erwünscht.

Ab und zu gibt es dann einen Trost: Denn die Lehrerin ist wirklich nett. Aber die „netten“ Lehrerinnen sind selten. Auch weil das Hauptkriterium bei der „Vergabe“ der knappen Stelle die Noten der Bewerberinnen sind. Die Kandidaten mit den besten Noten sind aber meistens nicht die besten Lehrer (Pädagogen).

Viele Lehrer, die so eine „staatliche“ Anstellung feiern dürfen, die „netten“ und auch „die nicht so netten“, kapitulieren früher oder später vor einem Bildungssystem, dass sich entpersonalisiert hat. Die anderen verdingen sich bei Privatschulen, werden Taxifahrer oder geben Nachhilfeunterricht.


Man sollte auch Kinder so behandeln als ob sie Menschen wären! Macht man aber nicht! #Wahnsinn


Diese Aussage (allerdings von keinem Lehrer sondern einem Unternehmer, der nicht „Kinder“ sondern „Mitarbeiter“ gesagt hat) habe ich wirklich mal so wörtlich gehört. Das war ja wohl nur ein Versprecher. Dennoch vermute ich, dass der, dem das passiert ist, im tiefsten Inneren auch so dachte und fühlte. Und der eine oder andere Lehrer, den ich kenne, spricht so von seinem „Job“, dass ich ihm diesen Versprecher auch zutraue. Arbeitnehmer haben Gewerkschaften. Es gibt ein Arbeitszeitgesetz. Für Schüler gilt das aber nicht – die haben keine Lobby. Nur ein Beispiel von vielen …

Kinder haben auch keine Lobby. Man denke nur an die Feindseligkeit von braven und satten Bürgern, wenn es um Kinderlärm in der Nähe ihrer Immobile geht. Wehe es soll in ihrer Nähe ein Kindergarten oder ein Spielplatz gebaut werden. Wütende Anliegerproteste wegen eines neuen Kindergarten habe ich selber in Riemerling (Waldparkstr.) erlebt. Da ging es aber nicht so sehr gegen die SUV-Muttis, die neuen Verkehr generieren, sondern um den Lärm, den Kinder machen.

Aber jetzt zu den Unternehmen.


Unternehmen wissen, dass Motivation nachhaltig nur intrinsisch geht. Schule praktiziert vor allem extrinsische Muster. #passt-nicht


Heute wollen alle, ob Allianz oder Siemens, das Arbeitsleben verändern. #newwork ist angesagt, die Unternehmen wollen so innovativer und kreativer zu werden. Einer der Protagonisten dieser Bewegung ist Thomas Sattelberger, der Saulus/Paulus der #newwork-Bewegung. Er „promotet“ sich wie kein zweiter und eilt mit seiner Heilsbotschaft durch die Lande. Nach seiner Konzern-Karriere ist er vor allem durch „Augenhöhe, der Film“ bekannt geworden.

Jetzt zieht er durch die Lande und kritisiert die Zustände in den heimischen Unternehmen. Zurecht. Aber nicht die in den Schulen. Sein Lebenswerk möchte er mit einem Sitz im Bundestag krönen – und zwar für die FDP (Passt das zusammen, die Kombination von FDP und #newwork?). Ich würde mich freuen, wenn Herr Sattelberger sich im Bundestag dann für agile und menschliche Schulen einsetzen würde. Aber auch da fehlt mir der Glaube.

So wollen die meisten Unternehmen, agiler, schlanker und transparenter werden. Das predigen zumindest die KollegInnen von HR (Human Resource – auch so ein hässlicher Begriff der aktuellen „Arbeitwelt“). Sie suchen innovative Mitarbeiter, die kreativ sind, damit ihre Unternehmen die auch durch Digitalisierung angesagte Transition zu schaffen.

Bei HR spricht man viel von Augenhöhe, #newwork, intrinsify.me, demokratisches Unternehmen, Gemeinwohl-Ökonomie, „shared mobility“ & „shared economy“ und vieles solches mehr. Man schwärmt von vernetzten und selbstorganisierte Teams, von einer neuer Unternehmenskultur und Wertegemeinschaften. Letztere sind auch in der Politik der Renner. Es gibt noch viele mehr von Schlagworten dieses Typs in der neuen Welt der alten Unternehmen.

Nur wie soll das funktionieren, wenn der Nachwuchs schon in der Schule auf das Gegenteil gepolt wird?


Unternehmen wollen agile, kritische und kreative Menschen. Genau das treiben die Schulen den jungen Menschen aus? #Fail


Nur von #newschool, von Selbstorganisation in der Schule, von demokratischen Klassen, von Unterricht auf Augenhöhe und ähnlichem, davon redet keiner. Das ist in Deutschland zumindest unerwünscht, ein großes Tabu!

Durch Europa geistern Begriffe wie #home-schooling, #un-schooling #no-schooling. Sie finden immer mehr Anhänger. Es gibt immer mehr Menschen, die ihre Kinder selber „schulen“ (siehe dazu auch das Video des Vortrags, den Bruno Gantenbein für mich gehalten hat).

In der Schweiz und manchen Ländern der EU ist Home-Schooling ein etablierter und von der Administration unterstützter Prozess. Deutschland ist das einzige Land in der EU, in dem Home-Schooling verboten ist! Denn hierzulande hat man von alternativen Schulen und Denken noch mehr Angst wie der Teufel vom Weihwasser.

Aber vielleicht ist das gut so. Denn so entsteht ein großer Druck auf Eltern. Unschooling geht noch. Wenn Menschen keine Chance haben, auszuweichen, dann finden sie auch Lösungen.


Vielleicht haben wir bald überdurchschnittlich viele eigene und freie Schulen in unserem Land? #Hoffnung


So könnte es sein, dass die Bereitschaft, etwas zu ändern, in Deutschland stärker wächst als in anderen Ländern, die das Ventil „Home-Schooling“ haben.

Roland ohne Schultüte.

Aber zurück zu den Unternehmen. Wie wollen die Mitarbeiter finden, die agil, kreativ, offen … sind, wenn genau das dem Nachwuchs in den Schulen mehr oder weniger ausgetrieben wird?

Denn Kinder werden in der Schulen als Material betrachtet, dass formatiert werde muss. Input sind neugierige freie Wesen. Heraus kommen dann als Output kleine „Professionels“. Die funktionieren, wie man meint, dass dies eine folgsame und leicht steuerbare Gesellschaft braucht. Also werden sie zuerst mal fleißige Arbeiter, tapfere Konsumenten und brave Bürger,  deren erste Pflicht es ist, mit allem einverstanden zu sein, was von oben verkündet wird.


Wir rufen nach Eliten, die unsere massiven Probleme lösen, beschränken uns aber aufs Mittelmaß und schimpfen auf den Populismus. Und fördern das Mittelmaß in den Schulen. #Widerspruch


Warum müssen die Kinder schon so früh kapieren, dass „das Leben kein Pony-Hof ist“ und sie dem „Leistungsprinzip“ unterliegen, wenn sie „etwas werden wollen“. Das sie genauso den Sachzwängen folgen müssen wie ihre Eltern und die anderen Erwachsenen?

Sie werden vermessen und benotet. Immer gilt es, besser zu sein als die anderen. Erfolg ist alles. Es geht darum, die nächste Stufe einer meist nicht sinngebenden Karriere zu schaffen. Mit welchen Mitteln auch immer.

Emotionalität, Erotik, das Leben, die Liebe, die Fähigkeit Konflikte zu lösen und zuhören können, was Glück sein, was Leben bedeuten und wie man besser Sterben könnte … – all das spielt keine Rolle im Lehrplan. Priorität hat, dass das Kind eine „professionelle Resource“ für den Kampf an der Wirtschaftsfront wird.

Und lernt, dass es Wohlstand und Sicherheit wie die Teilnahme am der Gesellschaft so wichtigem Wachstum nur dann gibt, wenn man die eigene Meinung besser nicht sagt und noch besser auch nicht denkt.

Die frustrierten und verunsicherten Kinder gehen dann aus Trotz und Protest zum Beispiel ins Tattoo-Studie, weil sie dort endlich mal etwas Beständiges bekommen. Oder machen anderen Unsinn. Als letzte Ersatzhandlung vor der Aufgabe des eigenen Lebens …


Gute Unternehmer (Führungskräfte, Manager …) machen Ihre Mitarbeiter größer und nicht täglich kleiner. #Weisheit


Ich liebe das Prinzip des „biophilen Handelns“. Das heißt (jetzt in meiner Wiedergabe):

Handele stets so, dass Dein Handeln das Leben Deiner Mitmenschen in seinen vielen Dimensionen eher mehren denn mindern kann.

Vielleicht noch einfacher zu leben als die Biophilie-Maxime ist die Goldene Regel

„Behandle andere so, wie du von ihnen behandelt werden willst.“

oder in der negativen Fassung als gereimtes Sprichwort

„Was du nicht willst, dass man dir tu, das füg auch keinem andern zu.“


„Biophile Maxime des Handelns“ und die „Goldene Regel“? Warum nutzen wir das nicht für unserer Kinder? #Gute-Frage


Die Kinder werden von klein auf viel zu oft kleiner und nicht größer gemacht. Nicht nur von den Lehrern – sondern auch von den Eltern. Immer wieder erlebe ich, wie Kinder von ihren Eltern massivst belehrt werden, was richtig und was falsch ist. Zeternde Mütter schimpfen ihre Kinder für ganz normales Verhalten. Es wird dümmlich moralisiert und indoktriniert. Was sich gehört und was sich nicht gehört! Was man tut und was man nicht tut. Was geht und was nicht geht. Was man sehen/hören darf und was man auf keinen Fall sehen/hören darf. Was schlecht ist und was gut ist.

Für was man in die Hölle kommt und für was man in den Himmel kommt. Und wenn das Kind mit 6 Jahren in die Schule kommt, geht es so weiter, nur ein wenig professioneller.


Was kleine Menschen wollen und was sie nicht wollen, das interessiert keinen. #schlimm


In der Schule wird man formatiert und zwar in jene Form gebracht – die in unserem aktuellen Bild des guten Erwachsenen entspricht. Kinder müssen in unsere Welt passen. Sie lernen im Verkehr zu überleben. Sie werden zu jungen Konsumenten, die sich über Äußeres und Besitz definieren. Sie müssen funktionieren, dürfen aber nicht sein und machen, was sie selber wollen.

In der Schule geht es dominant um „Vernunft“, die Ratio und der IQ stehen im Vordergrund. Es geht darum, Verständnis für die vielen Absurditäten unseres Lebens zu entwickeln, das Absurde als selbstverständlich hinzunehmen und so ein Teil des Absurden zu werden.

Das soziale Leben und wie auch das Gemeinwohl spielen nur eine geringe Rolle. Emotionen und Erotik, Liebe und Freundschaft, wird nicht geübt wie auch nicht die Fähigkeit des „Konflikte-Lösen“. Denn unsere Systeme basieren auf Leistung, Unterwerfung, Anpassung. Sie leben von der Austauschbarkeit, der Gleichförmigkeit, der (monetären) Metrisierung und davon, dass die Bürger wie Lemminge den gesellschaftlichen Vorgaben blind folgen. Kritikfähigkeit und Autonomie im Sein, Denken und Handeln stören da nur.


Nur wenn wir die Kinder anders sozialisieren, werden wir die latente Feinseligkeit in uns Menschen reduzieren. #Zukunft


Die alten Rollenspiele sind auch in der Schule nicht tot zu kriegen. Die Jungen müssen immer noch kleine Helden“ sein und dürfen nicht weinen. Von den Mädchen wird erwartet, dass sie demütig und duldsam sind. Gefühle dürfen heute beide Geschlechter zeigen, nur nicht im Berufsleben.


Willst du erfolgreich sein, dann musst du Mrs. oder Mr. Pokerface werden! #Karriere-Regel


Emotionen darf man nicht zu sehr an sich heran lassen, das gilt als schädliche und störende Schwäche. Du musst stark sein und darfst nie deine Schwäche zeigen. So bekommt das Herz Eisenringe. Zuneigung darf besser nicht gezeigt werden, die universelle Liebe zur Schöpfung gilt als Spinnerei. Haltung als äußere Schale wird anerzogen, aber leider nicht als großer innerer Wert vermittelt.

Mit so einer dümmlichen Sozialisierung unseres Nachwuchs werden wir die Volkskrankheit Alexithymie nie eindämmen! Vor kurzem hat ein Mann in meinem Alter in meiner Nähe geweint, wie er mir vom Tode seiner Enkelin bei der Geburt erzählt hat. Ich weiß nicht, ob ich das noch könnte. Wenn ich aber einen kitschigen Film anschaue, dann kommen mir die Tränen. Ist das nicht schrecklich?

Wie viele von uns fürchte ich, dass ich von „Emotionen aus zweiter Hand“ abhängig bin, zweifelsfrei ein Ergebnis meiner frühen und langjährigen Erziehung. So übe ich bewußt, mich wieder für echte Emotionen  zu öffnen. Das ist mit 67 Jahren nicht einfach.


Der Mensch ist die Krönung der Schöpfung! Aber er muss in die Welt hinein gepasst werden. #Erziehung


Ich bin froh, dass die Welt sich wandelt – zumindest in den mir bekannten entwickelten und privilegierten Gesellschaften. Mir scheint, dass immer mehr Menschen sich nach neuen „sozialen Erfolgs-Mustern“ sehnen. Die sind auch bitter notwendig, denn genau die alten Muster haben großes Unheil über den Planeten gebracht.

Nur in den Schulen hat sich das bisher nicht herumgesprochen. Und an den Universitäten wird die Situation auch immer schlimmer. Es gibt #newwork zuhauf aber keine relevante Bewegung #newschool. Zahlreiche Menschen aus der Bildungsindustrie (aktive Lehrer und Bildungs-Bürokratie-Verwalter) haben mir berichtet, dass es seit vielen Jahren immer schlimmer wird.


Schule muss für die Kinder da sein. Nicht die Kinder für die Schule! #Grundprinzip


Lehrpläne und Vorgaben der Kultusministerien machen es jedes Jahr ein wenig schwieriger, den kleinen Menschen gerecht zu werden. Dazu kommt eine wachsende und ausufernde Administration, die die Zeit auffrisst, die für die Schüler da sein wollte. So wird das System auch immer teurer und ineffizienter.


Soweit die schlechte Nachricht. Aber jetzt die gute Nachricht. #positiv


In meinem folgenden Artikel werde ich berichten, wie die Bürger sich wehren und ganz neue Dinge begründen. Denn es gibt sie tatsächlich, die Christophine.

Aber dazu mehr in meinem Artikel Christophine 2, der hoffentlich bald (ist dann der 23. August geworden) an dieser Stelle erscheinen wird. Da werde ich eine Schule beschreiben, die mich vom Leitbild und der praktischen Arbeit überzeugt hat. Und die beweist, dass es auch anders geht – und dies sehr gut.

RMD

Klaus Hnilica
Donnerstag, der 18. Mai 2017

Der Sturz

Ich weiß nicht mehr, wer mir diese Geschichte erzählt hat. Vielleicht der Reiseführer auf der Fahrt ins ‚Manrique Museum’? Oder diese Geologieprofessorin aus Brandenburg? Seit acht Jahren kommt sie im März ins ‚Lanzarote Park Hotel’ in Playa Blanca und liest auch spanische Tageszeitungen, nicht nur dieses dämliche Inselmagazin Lanzarote 37°. Oder hat mir sogar Pedro diese Geschichte als eine seiner nicht zu überbietenden ‚Sprachensalat ’- Variationen an der Pool-Bar serviert?

Ich weiß es nicht mehr…

Aber immer ging’s um diesen zahnlosen Straßenmusikanten!

Ein Schandfleck auf der endlosen meeresnahen Promenade im Südwesten von Lanzarote. So verdreckt und unappetitlich sollte der da nicht sitzen dürfen. Das geht nicht! Nicht auf dieser fantastischen EU–finanzierten Promenade! Auf der bis tief in die Nacht hinein hunderte von Menschen pilgern.

Dieser ‚musizierende Drecksack’ lungert ja nicht nur auf seinem rostigen Klappstuhl vor der letzten Brache an der Promenade herum, wo man ihn kaum wahrnehmen würde, sondern neuerdings fast ausschließlich an der gemauerten Promenadenbrüstung.

Was für ein Auftritt da: ein ‚musizierender Müllhaufen’ vor dem sonnenbestrahlten ewig glitzernden Meer! Mit einem schmierigen Hut am Boden und einem Käppi auf sonnenverbranntem Schädel! Und zwei Triefaugen wie Pfützen…

Meist sabbert er in eine Melodica – eine Art Tastenflöte – aus der immer die gleiche Melodie kriecht. Doch seltsam anrührend! Das muss man ihm lassen. Vielleicht ist es sogar etwas von Mozart? Wenngleich es zu schwermütig sein mag? Leider konnte ich das nie herausfinden.

Als der Konzertsaal in Jameos del Agua in der „Lavablase“ vor sieben Jahren geschlossen worden war, weil Steine aus der Decke fielen, spielte dieser Schandfleck auch schon auf der Promenade in Playa Blanca. Damals soll er sogar ein ziemlich reichhaltiges musikalisches Portfolio gehabt haben.

Und während das Vulkangestein über der Decke mit speziellen Harzen verklebt wurde, saß er auch jeden Tag da. Von den sechs Millionen Euro, die das gekostet haben soll, verlor sich vielleicht sogar der eine oder andere Cent in seinen schäbigen Hut. Wer konnte das schon wissen? Der ‚musizierende Müllhaufen’  sicherlich nicht.

Und dieses Einweihungskonzert anlässlich der festlichen Neueröffnung des renovierten Konzertsaales in Jameos del Agua  ging bestimmt auch vollkommen an ihm vorbei, ebenso die Tatsache, dass der berühmte englische Dirigent John Miguel Smith dirigieren würde und sich sogar Vertreter des spanischen Königshauses angesagt hatten.

Doch dass dieser höchst eitle John Miguel Smith mit seiner viel zu jungen Begleiterin ausgerechnet einen Tag vor diesem pompös angekündigten Eröffnungskonzert vor ihm – dem ‚musizierenden Drecksack’ – ganz blöd gestolpert und im wahrsten Sinn des Wortes in voller Länge hingedonnert war, das hatte er mitbekommen.

Und die spanischen Flüche des feinen Engländers vermutlich auch!

Dabei hatte Betty noch, „attention John“, gerufen, da er offensichtlich eine seltsam einschmeichelnde Melodie wieder erkannte und nur noch Augen für den zerlumpten Verursacher dieser Melodie hatte – aber da war es schon zu spät! Er klatschte in voller Länge auf das gediegene braune Pflaster der Promenade hier in Playa Blanca…

Schimpfend sprang er sofort wieder hoch, begutachtete entsetzt seine grässlich aufgeschürften Hände und Ellbogen, bewegte wie ein Wahnsinniger seine malträtierten Finger und strich immer wieder kopfschüttelnd über das am Bauch aufgerissene blutige T-Shirt.

Dass er sich beim Sturz auch das klobige silberne griechische Knotenkreuz vom Hals gerissen hatte, merkte er erst, als Betty es ihm mit Tränen in den Augen entgegenhielt. Wie ein Greifvogel schnappte er zu und warf es dem vor Entsetzten erstarrten Straßenmusikanten in seinen schmierigen Hut.

Hastig zog er Betty mit sich fort, um schnellstens der aufgeschreckten, gaffenden Menschenmenge zu entkommen. Seine einzige Sorge galt wohl nur noch dem morgigen Eröffnungskonzert in der „Lavablase“! In Jameos del Agua! Und seinen zerschundenen Armen, dem aufgeschürften Bauch, den blutenden Händen und seinem aufgeschlagenem Kinn. Und hoffentlich hatte ihn niemand erkannt – ihn, den berühmten John Miguel Smith, als er wie ein hingeknallter Frosch bäuchlings die Promenade küsste…

Welch eine Demütigung!

In mindestens einem Fall schien sich allerdings diese Hoffnung nicht erfüllt zu haben: denn als der ‚musizierende Müllhaufen’ seine Schockstarre überwunden hatte und nach dem Kreuz zwischen den wenigen Münzen in seinem Hut fingerte, ging urplötzlich ein seltsames Leuchten über sein vom Alkohol zerstörtes Gesicht, ein Leuchten, das auch noch anhielt, als sich das zahnlose Maul auftat und ein fragendes „Miguel?“ herausdrang…

Und dann wieder: „Miguel – Miguel,  bist du’s?“

Immer aufgeregter wurde der Straßenmusikant, immer panischer,er ließ die vor Schmutz starrende Melodica fallen und drückte auch mit seiner linken Pranke an dem Silberkreuz herum – und immer wieder krächzte er: „Miguel !…Miguel !!…Miguel…!!!“

Aber John Miguel Smith war längst  außer Sicht- und Hörweite, ja er hetzte  wie ein weidwundes Tier mit seiner vollkommen aufgelösten Begleitung die Promenade entlang, um sich schnellstens in seinem Unterschlupf im Hotel Vulcano zu verkriechen!

Da der berühmte Dirigent Smith bekanntermaßen sich jedes Herumschnüffeln in seiner Vita verbat und erbarmungslos sämtliche noch so geringfügige öffentliche Vermutungen beklagte, verhallten auch diese verzweifelten Rufe des alten Mannes im Geplätscher des an der Lavaküste züngelnden Meeres nahe der Promenadenbrüstung.

Trotzdem hatte ich, wie gesagt, irgendwo aufgeschnappt, dass der Straßenmusikant deshalb, und nur deshalb seit damals, diese eine besagte ‚einschmeichelnde Melodie’, die ich bis heute nicht identifizieren konnte, spielt, da er immer noch hofft, sein Miguel – um den er sich als Kind einen Dreck geschert, ja ihn sogar zur Adoption freigegeben hatte – doch noch eines Tages vorbei kommt, und ihn, seinen angeblichen Vater, auf einen Brandy ‚Carlos III’ einlädt…

Ob es wirklich der ‚Carlos III’ ist, von dem dieser vermüllte ‚Musikus’ träumt, dafür möchte ich mich allerdings nicht verbürgen, aber ich lade jeden, der mir etwas Neues über John Miguel Smith zu erzählen vermag, zu einem ‚Carlos I’ in den vorgewärmten Gläsern des Café ‚Gilbert’ an der Promenade in Playa Blanca ein – denn irgendwie sollte dem alten, ‚musizierenden Drecksack’ geholfen werden, meine ich, und warum nicht mit einem guten Brandy?

PS:
Erwähnt sei noch, dass alle Personen und Handlungen dieser Geschichte erfunden sind, doch an dieser Melodie, die zum Sturz des Dirigenten führte, bleib ich dran, die muss ich unbedingt herausfinden…

KH

Roland Dürre
Samstag, der 24. Dezember 2016

Frohe Weihnacht

Happy X-Mas from Jamaica!

Der Christbaum in Montego Bay wird gerade aufgestellt.

Klaus Hnilica
Freitag, der 28. Oktober 2016

Eilmeldung – Aus der Anstalt – Spiegelteufel enttarnt!

+Hubert Spiegel berichtete Donnerstag um 11.50 Uhr in der vollbesetzten ‚Anstaltskantine’ über die eigenartigen Umstände, die zur Entlarvung des geheimnisumwitterten ‚Spiegelteufels’ geführt haben. Er begann etwas ungelenk mit den Worten:

img270„Wissen Sie, ich persönlich bin kein Insasse dieser ‚Anstalt’! Aber meine Mama schon! Vor fünf Jahren ist sie auf eigenes Betreiben hier eingeliefert worden! Sie werden es nicht glauben, aber ihr schmeckte die Nudelsuppe in dieser ‚Anstaltskantine’ so gut, dass sie nirgends wo anders mehr hin wollte. Ist schon verrückt, gell?

Na – und ich besuch sie halt jetzt so oft ich kann. Aber immer hat man ja auch keine Zeit! Schließlich müssen wir alle ziemlich ‚hackeln’! Denn wir haben ja alle keinen Geldscheißer daheim…

Aber davon abgesehen – auch wenn das jetzt vielleicht ein bissel komisch klingt  – gehör’ ich nicht zu den Bekloppten hier in der ‚Anstalt’!

Obwohl in der Früh um Sechs – muss ich ehrlich sagen – wenn ich in meinem Bad vor dem Spiegel stehe und mir diese ‚Watschenpappen’ anschau’, die mir da entgegengrinst, bin ich mir oft nicht mehr so sicher, ob ich, der Hubert Spiegel, nicht doch auch zu den Depperten gehör’!

Und auch nicht – ob der, der mir da so blöd entgegen grinst, ich bin? Oder nicht ein ganz anderer? Ein ‚Spanner’ vielleicht? Oder sogar einer von diesen  ‚Stalkern’, wie die Amis sagen…

Kennen Sie das auch, dass so ein ‚Watschenpapperter’ Sie jeden Tag bis ins Badezimmer verfolgt? Bis vor den Spiegel? Das Einzige was mir da hilft ist, dass ich einfach die Zunge raus strecke!

So!!!  Ja – so richtig lang meinen Schlecker raushängen lass’ …

Wenn der andere mir dann nämlich auch seinen Schlecker zeigt, dann weiß ich wenigstens, dass der genau so ein Blödel ist wie ich und ich mir keinen Kopf machen muss, wenn er bei mir im Bad herumlungert – soll er doch!

Schlau, gell?

Na ja, man hat halt so seine Tricks ausgetüftelt über die Jahre – schließlich ist man ja nicht ganz kaputt im Hirn! Sicherheitshalber mach’ ich dann aber schon öfters auch noch einen ‚Ohrwascheltest’!

Kennen Sie den? Der ist nämlich gar nicht so ohne…

Was glauben Sie wie lange dieser ‚Watschentyp’ in meinem Bad gebraucht hat, bis der den begriffen hat und mich überzeugen hat können, dass er wirklich kein schlimmer Finger ist, der mir an die Wäsche will! Das kann ich nämlich überhaupt nicht leiden: diese Schwuchteln fürcht’ ich wie der Teufel das Weihwasser!

Jedenfalls war es am Anfang immer so, dass wenn ich bei dem Ohrwascheltest meinen Schlecker rausgestreckt hab’ – und der ‚Watschenpapperte’ auch – und ich mir dann mit der rechten Hand ans rechte Ohrwaschel gegriffen hab’, weil ich wissen wollt’, was der andere jetzt macht – dann hat dieser ‚Teufel’ sich jedes Mal exakt mit der linken Hand ans linke Ohrwaschel gegriffen… Genau andersrum als ich? Können Sie sich das vorstellen? Und das jedes Mal…

Anfangs bin ich fast verrückt geworden! Ich konnt’ einfach nicht glauben, dass dieser ‚blöde Teufel’ es nicht schafft, so was Einfaches nach zu machen, sondern immer genau das Gegenteil machen muss? Das konnt’ ich echt nicht glauben…

Und ehrlich – ich hab’ mich dann nur an der heraushängenden Zunge orientiert, um sicher zu gehen, dass das wirklich nur der mir bekannte Blödel ist…

Aber einfach war das nicht!

Weil das Hinterfotzige an dem Saukerl war nämlich, dass der sich manchmal schon mit seiner rechten Pratzen auf sein rechtes Ohrwaschel gegriffen hat!

Ja – das hat er schon gemacht! Aber wissen Sie, wann er das gemacht hat? Nämlich genau dann, wenn ich mit meiner linken Hand auf mein linkes Ohrwaschel gegriffen hab’ – ausgerechnet dann hat er es mit der rechten Hand gemacht dieser Saukerl – aber sonst nicht! Nicht ums verrecken…

Und das um Sechs in der Früh und jeden Tag – außer am Sonntag, weil ich mich da nicht wasch’ und gar nicht ins Bad geh’! Da mach ich mich nämlich eh in der Kirche nass –  mit dem Weihwasser!

Also – wer bei so einem Affenzirkus jeden Tag, nicht selbst blöd im Hirn wird, der ist entweder schon komplett vertrottelt, oder bei dem geht – entschuldigen Sie wenn ich das so drastisch sag’ – sowieso alles am Arsch vorbei!

Aber bei mir geht natürlich nichts vorbei, wie Sie sich denken können? Wer bin ich denn? Ich bin doch nicht meine Mama?

Ja – bei meiner Mama, hätte dieser ‚Teufel’ im Badezimmer natürlich ewig so weiter machen können, die hätte sich nicht gewehrt; die hat sich ja immer schon von jedem komischen Schmähführer einwickeln und ausnutzen lassen.

Aber mit mir ging das natürlich nicht! Dazu bin ich doch viel zu abgedreht…

Wissen Sie, wie ich letzten Dienstag diesen Saukerl dann überlistet hab’?

Um Sechs in der Früh! In meinem Bad! Ich wette das erraten Sie nie und nimmer, obwohl es eigentlich total logisch ist, wenn man’s genau nimmt!

Weil – als ich letzten Dienstag –  wieder vor dieser grinsenden ‚Watschenpappen’ gestanden bin – mit einem heraushängenden Schlecker bis zu den Brustwarzen – und dieser Teufel auch seinen Lappen raushängen hat lassen – da bin ich – abgedreht wie ich bin – erst auch wieder ganz langsam mit meiner rechten Hand zum rechten Ohrwaschel gegangen – aber als der andere dann wie immer nur blöd gegrinst hat und mit seiner linken Pratzen zum linken Ohrwaschel greifen wollt’ – da hab ich wie der Blitz meine linke Hand nachgezogen – so dass dieser Armleuchter mir gegenüber gar nichts Anderes tun konnte, als sich auch an sein rechtes Ohrwaschel zu greifen – genau wie er es immer gemacht hat…

Und ich hätte mir wirklich gewünscht, liebe Leut’,  dass Sie das blöde Gesicht sehen hätten können, was mir dieser Trottel mit seiner heraushängenden Zunge da  plötzlich entgegen gehalten hat – so mit beiden Pratzen an beiden Ohrwascheln – und zwar haargenau wie ich – und nichts mehr links! rechts! und so…

Für mich war das wie ein Befreiungsschlag auf’n Kopf kann ich Ihnen sagen!

Denn auf einmal ist mir aufgegangen – dass dieser ‚watschenpapperte Arsch’ mich die ganze Zeit nur abgetäuscht hat, mit seinem ‚Links – Rechts Dradiwaberl’ – und dass der in Wirklichkeit ja gar kein anderer war! Nein absolut nicht! Sondern, dass der eh immer nur ich war! Ja ich, ich, ich – mit mir – und niemand anderem.

Können Sie sich das vorstellen?

Und was glauben Sie, wie wir dann alle zwei gelacht haben, wie wir da draufgekommen sind! Wir haben uns gekringelt vor Lachen – alle zwei – und haben uns richtig abgehauen und überhaupt nimmer eingekriegt…ein Wahnsinn war das – echt!

Und jetzt werden Sie sicher auch versteh’n, warum ich heute da bin!

Ich muss das nämlich unbedingt meiner Mama erzählen – unbedingt! Auch wenn sie wieder meckern wird, weil sie vorher noch ihre Nudelsuppe essen will!

Aber sie muss einfach wissen, dass in meinem Badezimmer niemals ein Fremder gewesen ist – überhaupt nie! Sondern immer nur ich – und das sogar mit mir…

Drum nichts für ungut und Servus alle miteinander – aber ich muss jetzt zu ihr! Sie braucht mich!“

KH

PS: Über dieses Ereignis berichtet der Autor (in Wiener Dialekt) im Rahmen der diesjährigen Halloween-Veranstaltung der ‚Autorengruppe ZwanzigZehn’ im Olof Palme Haus in Hanau.

Roland Dürre
Montag, der 13. Juni 2016

Projekt Frieden – Roland

In diesem Jahr habe ich das Projekt FRIEDEN gestartet. Bei meiner Einleitung vor dem großartigen Beitrag von Jolly habe ich berichtet, warum ich das Projekt FRIEDEN für so wichtig erachte und mich in Zukunft darauf konzentrieren will.

Dieses Projekt braucht so Vieles:

Ein einzigartiges Logo und ein starkes Manifest.
Ein Konzept, welches das Potential hat, eine Milliarde Menschen zu erreichen.
(Das setzt Google als Kriterium für seine Anwendungen an)
Eine tolle „Community“.
Die besten Partner aus allen Sparten.
(Film, Fotografie, Kunst, Marketing Medien, Musik …)
Ideen für die richtigen Aktionen für Frieden.
Und viele und die richtigen Aktivisten!
Vielleicht auch sehr viel Geld
(Aber das ist bestimmt nicht das Wichtigste)

Zurzeit spiele ich mit Gedanken zum Manifest. Hier ein paar Mosaiksteine mit denen ich so experimentiere. Ist aber alles noch im Ideenstadium:

Ganz einfach

Frieden ist der einzige Weg!
Frieden ist die Voraussetzung für alles!
Frieden muss sich nicht rechtfertigen!

Ein wenig länger

JA!
Frieden ist möglich!
Wir brauchen FRIEDEN!
Wir leben in FRIEDEN mit uns!
Wir leben in FRIEDEN mit der Welt!
Wir setzen uns für FRIEDEN ein!
Wir werden immer mehr!
Frieden ist machbar!
UND!
Wer für Frieden ist, muss sich nicht rechtfertigen!

Oder

Frieden geht immer vor Krieg!
Menschlichkeit geht immer vor Unmenschlichkeit.
Liebe geht immer vor Hass!
Toleranz geht immer vor Untoleranz.

Also

Untoleranz der Untoleranz!
Krieg dem Krieg!
Hass dem Hass!

Sind aber alles nur Ideen und Vorschläge. Freue mich auf Rückmeldungen! Dankeschön!

RMD