Präpariertes menschliches Gehirn

Präpariertes menschliches Gehirn

Vor einiger Zeit hat mir ein lieber Freund, der wie ich ein Unternehmen gegründet hat, einen kleinen Schrecken eingejagt. Er hat mir erzählt, dass in seinem durchaus sehr erfolgreichen Unternehmen, das schon lange kein Startup mehr ist,

„die vier aktiven Gründer sich nicht mehr so oft sehen würden und dann meistens nicht über die vielen positiven Dinge sondern nur über die wenigen negativen Dinge gesprochen würde.“

Diese Info, die eigentlich nur als Nebensatz gemeint war, hat in mir einen kräftigen Resonanzboden vorgefunden, weil es mich an eigene Erlebnisse erinnert hat. Denn dieser achtsame Gründer verfügt über ein hohes Maß an Sensibilität und Bewusstsein, das mir vielleicht ein wenig gefehlt hat.

Genau diese Nebengeräusche, die man oft nur „unbewusst“ wahr nimmt,  können von zentraler Bedeutung sein. So etwas zu bemerken und dann auch noch richtig und entschlossen zu handeln, das macht den weisen und erfolgreichen Unternehmer aus.

Solche Erkenntnisse dürfen nicht ignoriert werden, auch wenn sie ganz harmlos zu sein scheinen. Vielmehr müssen sie zu hoher Wachsamkeit und Achtsamkeit führen. Denn gilt es doch, auch den kleinsten Anfängen zu wehren.

Es ist nie einfach, ein Team zusammen zu halten, auch wenn es aus nur vier Menschen besteht, die (vermeintlich?) „auf Augenhöhe“ zusammen arbeiten und scheinbar voller Respekt miteinander umgehen. Denn wenn die „Demut“ vor der (für mich) fast „unendlichen“ Herausforderung, ein Unternehmen oder in Wahrheit Menschen zu führen, verloren geht geht es schnell bergab.

Wahrscheinlich bedarf es in so schwierigen Situationen – auch wenn sie erst im Ansatz erkennbar ist, besonderer Maßnahmen, die sehr klug angelegt sein  – aber trotzdem nicht unbedingt erfolgreich sein – müssen. Denn Erfolg ist bei den Lösungsversuchen solcher Probleme garantiert nie garantiert.

Menschen sind große Geheimnisse, die sich auch noch über die Zeit verändern. Frust und Ärger sind elementare Gefühle, von denen keiner gefeit ist. Sie beeinträchtigen das eigene wie fremdes Denken. Und alles, was da im Gehirn stattfindet, ist letzten Endes eine Menge von Kopfgeburten, die zur Bildung von den unterschiedlichsten und oft unbegreiflichen Konstrukten führen. Die wahrscheinlich auch niemand wirklich rational verstehen kann.

So ist es eine Illusion, dass man das alles verstehen und daraus folgend klug handeln kann. Und so kann bei dem einen oder anderen aus Zufriedenheit über die Jahre eine relevante Unzufriedenheit werden. Die vielleicht rational gar nicht nach vollziehbar ist aber zur gefährliche Folgen zeigt. Und auch das beste Wissen aus Fächern wie Philosophie und Psychologie oder auch Gehirnforschung kann uns letzten Ende da nicht helfen.

Weil diese „Lebenswissensschaften“ eben das komplexe im Menschen auch nicht beschreiben können. Sie lehren uns, darüber nachzudenken, wie man leben sollte. Aber auch nicht mehr. Deshalb hilft nur Achtsamkeit und Offenheit. Im Leben anwesend sein, die Liebe walten lassen und sich selbst treu bleiben. Und den Mut zum Ausprobieren haben. Und dabei bereit sein mehr zu geben als zu nehmen. Fürwahr alles sehr schwierig.

P.S.
Alle Artikel meines Unternehmertagebuchs findet man in der Drehscheibe!

P.S.1
Das Bild ist wieder mal aus Wikpedia:
„Frontal lobe animation“ von Polygon data were generated by Life Science Databases(LSDB). – Polygon data are from BodyParts3D.[11]. Lizenziert unter CC BY-SA 2.1 jp über Wikimedia Commons –

Roland Dürre
Dienstag, der 14. Juli 2015

Vom PM-Camp über BGM zu John Izzo…

Etwas Schönes in meinem gegenwärtigen Leben ist, dass ich immer häufiger Menschen kennen lerne, mit denen ich mich verstehe. So gewinne ich laufend weitere Freunde, von und mit denen ich immer wesentliches Neues lerne.

Hier ein Beispiel: 2011 hatten wir das erste PM-Camp in Dornbirn. Es war ein Riesenereignis! Für mich und wie ich glaube auch für alle anderen, die dabei waren. Den erhaltenen Rückmeldungen folgen sind (fast) alle Menschen glücklich und zufrieden vom Camp heimgefahren. Ich auch. Denn dort habe ich viele Menschen kennen gelernt, die sich ernsthaft mit Projekt Management, Führung, Unternehmertum und vielem mehr beschäftigen. Aber letzten Endes vor allem damit, wie sie ein Sinn machendes und erfolgreiches Leben führen können.

Mit den PM-Camps ging es dann richtig los. In Wien, Zürich und vielen Städten in Deutschland finden sie jetzt regelmäßig statt. Und werden immer mehr. Menschen und Communities vernetzten sich so. Und immer wieder sind ein paar davon zu meinen Freunden geworden.

Auf diesem Wege habe ich auch Dr. Marius Poersch kennen, schätzen und mögen gelernt. Marius ist Psychiater, der seinen Job als Arzt sehr ernst nimmt. Er betreut in einer namhaften Klinik Menschen, die im Umgang mit „modernen Arbeitsstressoren“ sich verausgabt haben, zunehmend gestresst sind oder bereits psychisch erkrankt.

In ihm ist die Erkenntnis gereift, dass es zwar eine ehrenwerte Aufgabe ist, Menschen zu helfen und bei ihrer Heilung zu unterstützen. Ihn treibt aber auch die Erkenntnis an, dass es bei vielen Menschen gar nicht so weit hätte kommen müssen, wie es gekommen ist. Wenn – ja wenn die Lebens- und Arbeitsumgebung nur ein klein wenig anders wäre und die eigene Fähigkeit, sich sinnvoll anzupassen.

Und da Marius nicht nur Teil eines „Reparatur-Betriebes“ sein will, hat er unter anderem ein Institut gegründet, (www.erwerbscoaching.de) in dem er gemeinsam mit Gleichgesinnten forscht und untersucht, wie Menschen ein ganzes Erwerbsleben lang sich engagieren und arbeiten können, ohne die eigene Balance zu verlieren und ohne vorzeitig psychisch zu erkranken. Er ist also auf der Suche nach einer Arbeits- und Lebensumgebung, die ein nachhaltig erfüllendes Leben ermöglicht.

Er erforscht aber auch die andere Seite der Medaille – wie denn so die individuelle Einstellung im Sinne von Lebensvorsatz und -führung sein müsse, damit man auch in schwieriger Umgebung lebensbejahend und -erweiternd leben kann.

Dazu hat er eine ähnliche Methode entworfen, wie sie John Izzo in seinem Buch der „5 Geheimnisse“ beschrieben hat. Er führt Interviews mit Senioren, die ein ganzes Erwerbsleben lang gearbeitet haben und sich nun als Rentner oder Pensionäre weiter vielfältig engagieren, da er davon ausgeht, dass diese Gruppe einen Gesundheitsschatz kennt, der z.B. auch vor Burn-out schützt.

Ein guter Freund – Dr. Andreas Zeuch, als Autor und Unternehmensberater gut bekannt nicht nur im Umfeld von PM-Camp – hat mich mit Marius zusammen gebracht. Ich durfte einer seiner Interview-Kandidaten werden. So trafen wir uns eines Tages an einem schönen sonnigen Nachmittag in Stuttgart zum Gespräch. Praktischerweise am Nachmittag vor dem PM-Camp Stuttgart.

Ich war neugierig und auch ein wenig gespannt, was da auf mich zukommen würde. Aus diesem Nachmittag wurde ein schöner Abend und wunderbares gemeinsames Frühstück. Schon während des Interviews wurde mir einiges aus meinem Leben klar. Anschließend erläuterte mir Marius die fachlichen Hintergründe seiner Methode und die verwendetete Technik. Und mir wurde noch viel mehr über mich selber klar.

Vor wenigen Tagen habe ich Post von Marius bekommen. Im Umschlag war das oben erwähnte Buch. Ich habe mich sehr gefreut – glaube ich doch, mit Marius einen Freund gefunden zu haben und Geschenke von guten Freunden erfreuen mich immer ganz besonders 🙂

Das Buch habe ich schnell gelesen. Obwohl es zweifelsfrei ein wenig amerikanisch und überausführlich ist, liest es sich spannend – und ist eine wichtige Lektüre für alle Menschen, die bereit sind über ihr eigenes Leben nachzudenken. Die im Buch von John Izzo entwickelten Gedanken, Schlüsse und Folgerungen kann ich absolut nachvollziehen.

Das Buch heißt

„Die fünf Geheimnisse, die Sie entdecken sollten, bevor Sie sterben“

Ich meine, dass der Titel für sich spricht. Und im letzten Artikel in IF-Blog kurz darüber berichtet. Ich kann es nur empfehlen.

RMD

P.S.
Ich weiß, dass Dr. Marius Poersch noch weitere Interview-Partner für seine Arbeit sucht – und möchte ihn gerne dabei unterstützen. Wenn Ihr also Senioren kennt, die nach ihrem Erwerbsleben in irgendeiner Art vital und engagiert geblieben sind, so gebt mir doch den Kontakt, ich werde ihn dann weitergeben.

Klaus Hnilica
Donnerstag, der 26. Februar 2015

Verhängnisvolle Mittagsruhe

Carl und Gerlinde (XLI)

ZZZVimg171Ausgerechnet als Carl seine Gerlinde endlich einmal zu der glanzvollen Lingerie– und Wäschemesse „ 5 Elements“ mitnahm, musste das passieren! Ausgerechnet da! Und dass Gerlinde danach nicht nur verwirrt, sondern enttäuscht und zornig war, war wirklich kein Wunder!

Mein Gott wie oft hatte sie auf Carl eingeredet, sie doch einmal zu dieser berühmten Dessous–Messe mitzunehmen, bei der er jedes Jahr für TRIGA die irrsten Auftritte mit den verrücktesten Einfällen und allem sonstigen Drum und Dran organisierte. Und praktisch auf Knopfdruck, immer lächelnd, zwischen den hysterischen, frierenden, hochbeinigen Wäschegören wie ein Hefekrapfen im heißen Bratfett aufging.

Andererseits war es aber auch so, dass dieses wirklich empörende Vorkommnis ohne Gerlindes Beisein gar nicht passiert wäre. Denn ohne sie hätte er niemals dieses Mittagsschläfchen gemacht und wär’ nie mit dieser mehr als seltsamen Situation konfrontiert worden, die gut und gern auch von der Konkurrenz eingerührt worden sein konnte. Oder von der NSA? Oder dem KGB? Wer wusste das schon.

Aber gut, all diese ‚Wenn’ und ‚Aber’ nützten jetzt, da das ‚Kind in den Brunnen gefallen’ war, auch nicht viel! Wobei das in den ‚Brunnen gefallene Kind’ natürlich metaphorisch zu verstehen war, da es kein Kind gab, das in irgendeiner Form Gravitationskräften ausgesetzt gewesen wäre.

Im Gegenteil, um die Ausspähung und eventuelle Verhinderung der ‚möglichen Entstehung eines Kindes’ ging es ja gerade, bei diesem beispiellosen Eklat in dem bekannten Berliner Viersterne Hotel anlässlich der 11. Fashion Week.

Wobei diese ‚mögliche Kindeszeugung’ selbstredend auch nur virtueller Natur war, da Gerlinde – Gott sei’s gedankt – weit über das Alter hinaus war, in dem ein derartiger Aspekt zur unangenehmen realen Überraschung mutieren konnte.

Doch für die üblicherweise einem derartigen Zeugungssprozedere vorausgehenden Verrenkungen und Durchspeichelungen gab es an diesem späten Vormittag schon jede Menge Bedarf von beiden Seiten. Das schon! Und man sah es auch als ideale Einstimmung zu der von Gerlinde dringend gewünschten Mittagsruhe, an diesem zweiten Tag der Lingerie– und Wäschemesse, da sich der abendliche Empfang der internationalen und nationalen Kunden am Vortag bis in den frühen Morgen hineingezogen hatte und viele Köstlichkeiten des üppigen Buffets überreichlich in sehr kostspieligem Alkohol versenkt worden waren. Durchaus auch vom quirligen Organisator Carl und seiner reizenden Begleiterin Gerlinde…

Da erschienen ein paar ruhige Minuten oder Viertelstündchen um die Mittagszeit für beide wirklich als eine äußerst lockende Versuchung.

Und Gerlinde wär’ nicht Gerlinde gewesen, wenn sie dieser Versuchung nicht nur sofort bedingungslos erlegen wäre, sondern sie im Handumdrehen nicht auch noch gleich um ein paar äußerst aufreizende Fantasien, die jeder Kunstreiterin zur Ehre gereicht hätten, bereichert hätte.

Vermutlich erforderten die gezeigten Dressureinlagen dann auch allerhöchste Konzentration von Ross und Reiterin, denn anders wär’ wohl schwer zu verstehen gewesen, warum beide nicht gemerkt hatten, dass urplötzlich unweit des ‚doppelbettigen Vorführparcours’ ein junger unscheinbarer Hotelangestellter – wie es schien – mit vorgebeugtem Oberkörper und gerötetem Gesicht, nicht nur fasziniert die diversen Dressurkunststücke beobachtete, sondern eifrigst auch sein iPhone betätigte…

Irgendwie musste Carl dann wohl doch einen Schatten im rechten Augenwinkel bemerkt haben, denn er drehte unwillkürlich seinen Kopf leicht nach rechts, aber nur so gering, dass die höchst konzentriert agierende Kunstreiterin in keiner Weise abgelenkt wurde, und blickte plötzlich in zwei neugierige Augen über einem gutmütig lächelnden Mund. Ja – der kräftige blonde Haarschopf des jungen Mannes, der wie ein Krönchen über einem in keiner Weise Angst machenden jugendlichen Gesicht saß, verlieh der gesamten Szene sogar noch einen weiteren Anstrich an Normalität.

Auch wie der junge Mann völlig unerschrocken den rechten Zeigfinger an seine Lippen führte und Carl damit bedeutete – bitte – bitte – ruhig zu bleiben, um diese wunderschöne Szene ja nicht durch irgendeine unüberlegte Geste zu zerstören, fügte sich großartig in dieses Bild…

Im Nachhinein schämte sich Carl fast dafür, dass er sich so absolut widerstandslos den Anweisungen dieses seltsamen jungen Mannes gefügt hatte, und Gerlinde auch noch die letzten Schrittchen ihres überirdischen Dressuraktes zu Ende bringen ließ!

Aber für ihn gab es in diesem atemberaubenden Moment schlicht keine Alternative: alles war so ungemein selbstverständlich in diesem harmonischen Ablauf, dass ihm nicht nur jegliche Vorstellung sondern einfach auch die Kraft fehlte, diesen Ablauf abzubrechen!

Und Gerlindes erlösender Jubelschrei, gab ihm ja kurz darauf auch Recht! Einen derartigen Freudenschrei über mehrere Terzen, begleitet von einer nicht enden wollende Kaskade gurgelnder Zwischentöne, hatte er eine Ewigkeit nicht mehr gehört! Ja vielleicht so noch nie?

Der unbekannte junge Mann offensichtlich auch nicht, da er mit funkelnden Augen und einem Gesicht höchster Verzückung alles in sich hineinzusaugen schien und unmittelbar danach genau so lautlos verschwand, wie er gekommen war…

Gerlinde registrierte – noch atemlos – zwar mit einem kleinen Anflug an Befremden, dass Carl sich plötzlich aus dem ‚gemeinsamen Parcours’ hochstemmte zur Zimmertür eilte und diese mit der Bemerkung: sie sei nicht gesichert, verriegelte! Fiel aber kurz danach, schnurrend wie eine Katze, in Carls Armen in einen tiefen, erholsamen Schlaf…

Die unscheinbare Warnung auf dem gelben DIN A5 Blatt entdeckte sie – leider vor Carl – erst danach auf dem Tisch:

Falls Sie auf die widersinnige Idee kommen sollten, bei der Hotelleitung Meldung zu erstatten, steht diese kleine Reiterepisode wenige Minuten später auf You Tube im Netz

Spätestens da musste Carl zu seinem allergrößten Bedauern Gerlinde mit der unschönen Wahrheit konfrontieren – und ihr so die „5 Elements“–Messe ein für allemal vermiesen.

Schade eigentlich, denn auch der Rest der Woche war äußerst glanzvoll gewesen, da der Wäschesektor bei TRIGA nach der vorausgegangenen Flaute, wieder richtig Tritt gefasst zu haben schien…

KH

Klaus Hnilica
Donnerstag, der 13. November 2014

Glücklich die Unglücklichen…

Carl und Gerlinde (XXXVII)

Oh Gott – warum ausgerechnet nach diesem himmlischen Steak mit Champignons und Broccoli? Sogar der Riesling hatte die richtige Temperatur. Was nicht selbstverständlich war bei Gerlinde. Doch heute war sie perfekt – die Temperatur! Und dann das… ZZDimg130

Aber irgendwie hatte alles schon so blöd angefangen, als Carl vom Büro heimgekommen war: Gerlinde spitzte völlig unerwartet schmollend ihr knallrotes Mäulchen nach dem flüchtigen Begrüßungskuss und blieb schweigend vor ihm stehen. Ihr fordernder Blick während dieser stummen Geste war irgendwie peinlich. Unter dem Vorwand aufs Klo zu müssen, beendete Carl schließlich diesen grotesken Prolog! Ihm war aber klar, dass der Höhepunkt des Trauerspiels noch ausstand…

Und dies ausgerechnet an einem Tag, an dem in der Firma wieder einmal der Katastrophenknüppel ausgepackt worden war! Zwar hatte der umtriebige Spartenleiter Dr. Osterkorn die siebzehn Power Point Folien mit permanent sinkenden Auftragseingängen in allen Bereichen der Wäschesparte bei TRIGA anfangs kommentarlos vorbeihuschen lassen, dann aber doch ohne jede Vorwarnung auf die brutalst mögliche Art das volle Ausmaß der ‚russischen Unterwäschekatastrophe’ an die Projektionswand geklatscht!

Denn seit Putin Mitte des Jahres in der gesamten Eurasischen Wirtschaftszone ein Einfuhrverbot und Produktions- und Verkaufsverbot für Spitzenunterwäsche erlassen hatte, gab es praktisch keine Aufträge mehr von den beiden russischen Unterwäschegroßhändlern ‚ARMED’ und ‚Suwen’! Der gesamte Geschäftsverkehr mit Russland war von einem Tag auf den anderen zusammengebrochen. Und das nur, weil Väterchen Putin meinte, neben der Ukraine sich auch um die Gesundheit seiner Landsleute kümmern zu müssen! Schließlich setzten diese nicht saugenden Spitzenhöschen und satanischen High Heels seinem ohnehin schon durch Wodkaüberflutungen arg geplagten Völkchen in ungeahntem Ausmaß zu: denn die dadurch eingeschleusten faschistischen Geißeln, ‚Blasenkatarr’ und ‚Fußfehlstellung’, drohten nun auch noch die russischen Frauen zu dezimieren…

Carl zögerte!

Sollte er wirklich diesen kompletten Firmen-Schmarren vor Gerlinde ausbreiten und ihr die Laune verderben? Wo sie doch nach der arg wirren Begrüßungsstarre jetzt wieder richtig quicklebendig vor ihm herumzappelte und mit traumhaften Leckereien lockte. Und das alles bestimmt in einem ihrer bezaubernden roten Spitzenhöschen, wie sie Putin gar nicht mochte, da war er sich ganz sicher…

Nein – das tat er nicht!

Dazu war er auch viel zu müde und abgespannt!

Am Liebsten hätte er ohne ein weiteres Wort und ohne Gerlinde – aber mit dem schönen Riesling – nur das superbe Essen in sich hineingeschaufelt und Country Music gehört… Doch das rote Spitzenhöschen war nicht zu bremsen: denn kaum hatte Carl das zarte Steak zwischen seinen Zähnen zermalmt, durchgespeichelt, in den Magen versenkt und mit drei Gläsern Riesling abgelöscht, als Gerlinde ihn schon mit der Frage überfiel – ob er glücklich sei?

Carl prostete ihr abwiegelnd zu und versuchte lachend die Frage zu übergehen! Ja er entblödete sich nicht einmal – obwohl er unfähig war, auch nur noch einen Bissen in sich hineinzuwürgen – sie zu fragen, ob sie nicht doch noch eine klitzekleine ‚Nachspeiseüberraschung’ für ihn bereit hielte?

„Natürlich“ sagte Gerlinde verschmitzt, „ich möchte wissen, ob du glücklich bist, Carl“? „Heißt das, meine Nachspeise ist was zum Knabbern? Nämlich die Frage ‚bin ich glücklich’?“ fragte Carl neugierig.

„Ja!“

„Was bringt dich denn dazu?“, sagte Carl irritiert.

„Na ja, ich möchte es halt wissen? Hannelore ist nämlich nicht glücklich!“

„Was bei dieser überspannten Kuh, wirklich kein Wunder ist“! polterte Carl.

„Warum denn gleich so heftig“?

„Weil ich plötzlich das Gefühl habe, dass da schon wieder irgendjemand Unruhe stiften will! Wäre ja nicht das erste Mal?“ geiferte er.

„Sei doch nicht gleich so empfindlich, Carl! Man wird doch noch eine schlichte Frage stellen dürfen?“

„Ja gut, Gerlinde, frag! Befrage mich soviel und so lang du willst über das ‚Glück’! Aber erwarte bitte nicht, dass ich darob auch noch vor ‚Glück’ zerfließe! Ehrlich gesagt, wär’s nicht nur schade um das wunderbare Steak in mir, sondern ich weiß tatsächlich nicht, was dieses von dir nachgefragte ‚Glück’ ist, oder nicht ist?“ sagte Carl gereizt.

„Geht’s vielleicht weniger theatralisch?“

„Natürlich! Ich weiß aber wirklich nicht, was du mit ‚glücklich sein’ meinst?“ entrüstete sich Carl und suchte vergeblich Trost bei seinem längst raumtemperierten Riesling.

„Weiß ich auch nicht! Aber in der Werbung sind ja auch immer alle glücklich!“

„Denkst du da etwa an dieses himmlische ‚Abführmittelglück’ der verblühten Blonden, der in jedem ihrer Spots die Gedärme ‚glücks-bringend’ entknotet werden?“ frotzelte Carl.

„Ja, zum Beispiel!“

„Oder meinst du die strahlende Omi, die dank Voltaren plötzlich ihre Enkelchen wieder entdeckt, da sie sich zu ihnen hinunterbücken kann?“ ätzte Carl.

„Auch die…!“

„Du siehst aber schon“, giftete Carl weiter, „dass es immer Frauen sind, die spontan glücklich werden – nie Männer?“

„Wie immer neigst du zur Vereinfachung, lieber Carl! Es gibt nämlich schon ein ‚Glück’ außerhalb der Werbung, das sehr wohl euch Männer auch angeht?“

„Ich höre…?“ Carl spitz.

„Zum Beispiel das oft beschworene Glück in der Liebe?“

„Hm“ brummte er.

„Oder anders gesagt: bist du nun glücklich mit mir – oder bist du es nicht?“

„Gott – was soll das denn jetzt, Gerlinde! Ich dachte mit diesem Thema wären wir endgültig durch?“ stöhnte Carl.

„Na dann sag doch einfach ‚Gerlinde ich bin glücklich mit dir’!“

„Aber natürlich, das weißt du doch“, säuselte Carl gelangweilt.

„Dann weißt du also doch, was ‚glücklich sein’ heißt?“

„Ich ahne es vielleicht, Gerlinde! Und es hat sicher eine Menge mit Sicherheit und Zufriedenheit zu tun, wenn du so willst“, sagte Carl fast feierlich.

„Heißt das im Klartext, dass du zumindest zufrieden bist mit mir?“

„Ja – wenn du so willst! Aber ich bin mit allem hier zufrieden, liebe Gerlinde“, warf Carl sentimental ein, „auch wie du alles sauber hältst, auch mit dieser halbvollen Flasche Riesling, die gleich leer sein wird und natürlich auch, wenn wir danach ins Bettchen hüpfen…“

„Ist eigentlich diese Reihenfolge – Sauberkeit – Riesling – Bett – zufällig hingesagt oder ganz bewusst von dir so gewählt worden?“

„Wenn ich ehrlich sein soll, mag ich diese Reihenfolge“, sagte Carl erstaunlich selbstbewusst, „irgendwie ist sie für mich richtig und wichtig, wenn ich etwas wie ‚Glück’ empfinden soll!“

„Und meinst du deine Reihung würde eine kleine Variation aushalten?“

„Welche Variation denn…?“ fragte Carl zögernd.

„Ich mein die leicht abgewandelte Reihenfolge: Sauberkeit – Bettchen und dann erst Riesling! Bei der Reihenfolge könnte ich nämlich auch wieder manchmal glücklich sein!“

„A-h-a“, seufzte Carl und bedauerte spätestens da, dass die Besprechung über die verkorkste Auftragslage bei TRIGA nicht noch andauerte…

KH

Roland Dürre
Sonntag, der 2. November 2014

CANZONE 11

Gerne kündige ich die Konzerte der Arcis-Vocalisten im IF-Blog an. Bei den Arcis-Vocalisten singt die Evelyn Gemkow (EG) mit, die die schöne englische Ausgabe von IF-Blog verantwortet.

Im Team der IF-Autoren gibt es noch einen zweiten „Sänger“: Es ist Axel Maisch, ein langjähriger Freund, der bei InterFace arbeitet. Er hat sich vor kurzem dem Vokalensemble CANZONE 11 angeschlossen, das in 2011 von Tanja Wawra gegründet wurde und besteht aus 16 Sängerinnen und Sängern aus München und Umgebung.

FlyerSIE&ER,28.10.14CANZONE 11 hat in seinem neuen Konzertprogramm die Begegnung der Geschlechter zum Thema gemacht. Es geht um

„Sie & Er“

Denn die unerklärliche und oft so tragische Begegnung zwischen Mann und Frau entlockte den Dichtern aller Jahrhunderte schon immer die wunderbarsten Worte, die lieblichsten Bilder und wildesten Metaphern.

Dass Komponisten, die Tonmaler und klanglichen Wortinterpreten, an diesen Gedanken nicht vorbei kamen und sie mit Klang füllten und sie immer wieder neu interpretierten, ist doch mehr als verständlich.

Im Mittelpunkt von „Sie & Er“ stehen die Liebeslieder-Walzer von Johannes Brahms, dazu Werke von S.E. Johanson, G. Holst, J. Mäntyjärvi und Nils Lindberg.

Konzerte finden am 22.11 (in Augsburg im Zeughaus) und am 23.11. (in München im Konzertsaal der städtischen Sing- und Musikschule) statt.

Weitere Infos gibt es auf der Webseite von Canzone 11 oder via Facebook.

RMD

Roland Dürre
Sonntag, der 26. Januar 2014

Interview für die DOAG

„Da findet eine Evolution statt, die kaum vorhersehbar ist …“

Die Informationstechnologie entwickelt sich schneller als je zuvor. Dr. Dietmar Neugebauer, Vorstandsvorsitzender der DOAG, und Wolfgang Taschner, Chefredakteur der DOAG News, sprachen darüber mit Roland M. Dürre, Vorsitzendem des Vorstands der Interface AG, also mit mir :-). Das ganze anlässlich der großen DOAG-Konferenz 2013 in Nürnberg.

Sie haben die Interface AG gegründet. Was ist deren Geschäftsmodell?
Gestartet im Jahr 1984 als Produkt-Unternehmen sind wir mit der professionellen Textverarbeitungs-Software HIT/CLOU innerhalb weniger Jahre zum europäischen Markführer auf UNIX-Systemen aller Hersteller geworden. Um die Jahrtausend-Wende haben wir uns zum IT-basierten und Branchen-neutralen Dienstleistungs- und Beratungsunternehmen gewandelt. HIT war das UNIX-Textsystem, CLOU die ergänzende 4GL-Maschine für Textgenerierung. Schon in den ersten CLOU-Versionen gab es die Möglichkeit, SQL-Scripten einzubetten, so dass der Textautomat aus der zugewiesenen Datenbank qualifiziert lesen und bei Bedarf auch in sie schreiben konnte. In vielen Einsätzen war dies die Oracle-Datenbank.

Neben der Interface AG gibt es unter dem Dach der IF-Group noch weitere Unternehmen. Was machen diese?
Unsere Tochter-Unternehmen sind spezialisiert auf Dienstleistung im Umfeld besonderer Hersteller-Technologien wie Microsoft oder allgemeiner IT-Technologien wie Virtualisierung. Ein Unternehmen fällt aus der Rolle, es ist die IF-Localization, die Übersetzungen in alle Sprachen organisiert und interkulturelle Anpassungen durchführt.

In welchem Rahmen setzen Sie bei Ihren Kunden Produkte der Firma Oracle ein?
Fast alle unsere Kunden setzen in den geschäftskritischen Prozessen die Oracle-Datenbanken ein. Diese Datenbanken sind die Basis für IT-Anwendungen aller Art.

In welchem Bereich sehen Sie die Stärken der Oracle-Produkte, wo die Schwächen?
Mein Eindruck ist, dass die Oracle-Produkte in der Regel immer sehr gut im Wettbewerb abschneiden. Bedauerlich ist aus meiner Sicht eher, dass es gerade im Middleware-Bereich keine Übersicht über die Vielfalt der Produkte gibt. Da ist noch viel Platz für Oracle nach oben.

Wie beurteilen Sie generell die Produkt-Strategie von Oracle?
Es steht mir nicht an, die Produkt-Strategie von Oracle zu bewerten. Zumal ich gar nicht in der Lage bin, die Vielfalt ganz zu überschauen. Vielleicht wäre da eine Produkt-Landkarte sinnvoll, die alle Produkte und ihre Möglichkeiten beschreibt.

Würden Sie Ihren Kunden empfehlen, ein Komplettsystem von der Hardware bis zu den Applikationen von einem einzigen Hersteller wie Oracle einzusetzen?
Warum sollte ich nicht? Ich bin schließlich ein alter Fan von Sun-Systemen. Aber im Ernst, eine integrierte und abgestimmte Architektur hat viele Vorteile, die sich wahrscheinlich auch rechnen. Eine Abhängigkeit vom Hersteller besteht ja immer, ganz gleich ob der Anbieter Microsoft, IBM, SAP oder Oracle oder anders heißt.

Was hat Sie damals an Sun so beeindruckt?
Wir waren ja eine UNIX-Firma und ich war mir damals (fälschlicherweise) ziemlich sicher, dass Windows keine Chance im professionellen Einsatz hat. Da habe ich mich freilich gründlich geirrt. Sun war damals neu  und modern – in der grafischen Oberfläche der Sun-Workstations sah ich eine große Zukunft. Zudem waren mir die damaligen Sun-Mitarbeiter auf ihren Veranstaltungen sehr sympathisch.

Was ist Ihnen durch den Kopf gegangen, als Oracle Sun übernommen hat?
Einerseits war ich entsetzt, andererseits hatte ich die Hoffnung, dass diese Akquisition eine große Chance ist. Die große Performance der Oracle Engineered Systems sind ein gutes Beispiel dafür.

Die Interface AG setzt stark auf soziale Medien. Welche Erfahrungen haben Sie damit gemacht?
Persönlich nur die besten. Allerdings ist es nicht immer einfach, die Menschen und auch zentrale Abteilungen zum Mitmachen zu bewegen. Witzigerweise erfahre ich oft aus Facebook, Google+ oder Twitter, was unsere Mitarbeiter gerade so machen, auch dienstlich.

Welche Vorteile sehen Sie im Einsatz der sozialen Medien im Unternehmen?
Ich betrachte das heute als ein unbedingtes Muss. Das Management hat sich über die Jahre verändert, an die Stelle des hierarchisch aufgebauten Systems gibt es heute eine vernetzte Struktur. Bei größeren zusammenarbeitenden Gruppen sind deshalb moderne Hilfsmittel erforderlich, um beispielsweise die zahllosen Besprechungen zu vermeiden. Entscheidend ist jedoch, alle Team-Mitglieder von den Vorteilen der sozialen Medien zu überzeugen.

In welche Richtung wird sich die IT in den kommenden Jahren entwickeln?
🙂 Wenn ich das wüsste, würde ich nicht hier sitzen, sondern auf einer schönen Yacht in der Karibik und einem Glas Champagner in der Hand. Seriös: ich gehe davon aus, dass die IT ihren Weg und dies sehr schnell gehen wird. Da findet eine Evolution statt, die kaum vorhersehbar oder gar bestimmbar ist. Ich gehe aber davon aus, dass die großen Impulse nicht mehr aus Europa und auch nicht mehr so stark wie bisher aus den USA kommen werden, sondern aus Asien. In der Pionierzeit von Unix war der große Nachteil für uns deutsche Anbieter, dass der deutsche Markt so viel kleiner als der Englisch-sprechende war. Heute bestimmen China und auch immer mehr Indien, wo es lang geht.

Was erwarten Sie dabei von einem IT-Unternehmen wie Oracle?
Die Kunst wäre, die richtige Mischung und/oder Gewichtung zwischen „open“ und „proprietär“ zu schaffen. Die Märkte in der IT wandeln sich schnell und sind nicht mehr von einem Unternehmen alleine beherrschbar. So sind technologische Offenheit und strategische Transparenz wünschenswert und bestimmt langfristig auch nützlich für IT-Unternehmen.

Wie sehen Sie den Stellenwert einer Anwendergruppe wie der DOAG?
Ich habe ja eigene Siemens-Erfahrungen, als Mitarbeiter wie als Lieferant. Bei Siemens gab es die Siemens Anwender-Vereinigung. Ich war immer beeindruckt, wie dadurch sehr konstruktive Beziehungen gerade mit Großkunden und Lieferant möglich waren und welcher Nutzen für beide Seiten entstanden ist.

Welche Erfahrungen aus Ihrem langen Berufsleben können Sie an andere Unternehmer weitergeben?
Vielleicht die wichtigste: Immer fähig sein, sich ein eigenes Urteil zu bilden. Und agil bleiben und dogmatische Entscheidungen und Handlungen um alles in der Welt verhindern. Ansonsten versuche ich die Regeln für modernes Management von Hans Ulrich, dem Erfinder des St. Gallener Management Modells zu beherzigen. Diese sind: Die Unvorsehbarkeit von Zukunft als Normalzustand zu akzeptieren, die Grenzen des Denkens weiter stecken, sich besser vom „sowohl als auch” als vom „entweder oder” leiten zu lassen, mehrdimensional zu denken, Selbstorganisation und Selbstlenkung als Gestaltungsmodell zu begreifen, Managen als sinngebende und sinnvermittelnde Funkton aufzufassen, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren und Gruppendynamik auszunutzen. Beachtenswert, dass diese Regeln aus den 1980ger Jahren stammen.

Das Interview ist mittlerweile bei DOAG veröffentlicht – so poste ich es auch mal hier.

RMD

Klaus Hnilica
Donnerstag, der 9. Januar 2014

Der Tod des Magiers

Meine Damen und Herren, bevor ich endgültig abtauche, will ich Ihnen schnell noch die grandiose Geschichte meines Todes erzählen – und bitte haben Sie Verständnis, wenn ich mich kurz fasse, denn in wenigen Minuten wird Jasmine erscheinen und ich fände es mehr als unpassend, wenn sie mich bei Ihnen anträfe…  

XEthan Foto Am besten beginne ich mit einer anderen Todesphantasie! Nämlich der, als ich zum ersten Mal meine innig gehasste Ehefrau Abigail Hadley ganz real an die Wand unseres Kaminzimmers klatschen wollte!

   Und ich muss zugeben – selbst wenn das jetzt nicht unbedingt zu den vorzeigbaren Highlights meines Lebens gehört – dass ich mir bei dieser Vorstellung vom ersten Moment an nicht nur das ‚satte Aufklatschen’ ihres konturlosen Körpers herbeisehnte, sondern sehr schnell auch den sündhaft teueren Francis Bacon gegenüber dem Kamin abhängen ließ, weil sich komischer Weise parallel zu diesem ‚Aufklatschen’ in mir die Vision breit machte ,Abigail nicht nur auf der frisch angelegten weißen Wand kleben zu lassen, sondern sie sogar mit ein paar flinken Mumifizierungstricks und einem güldenen Rahmen gekonnt in eines dieser ausladenden Reliefporträts zu verwandeln, die neuerdings selbst von der Tate Gallery gezeigt werden…   

   Für mich und meine schalkhafte Jasmine wäre damit jedenfalls ein oft geträumter Traum in Erfüllung gegangen, wenn Abigail sich auf diese heroische Art –  einvernehmlich schweigend – hinter uns an die Wand drapiert hätte, während wir auf dem hellen Bärenfell vor dem Kamin die Champagnergläser auf ihr stummes Wohl leerten…

   Gott – was für ein herrlicher, kleiner Spaß wäre das für meine lebenslustige Jasmine gewesen! Doch leider kam es ja dann nicht mehr dazu! Denn dieserunbeschwerte Engel Jasmine, der vor Lebensfreude und Vitalität nur so sprühte, fiel am 21. November – ich werde diesen Tag nie vergessen – um zwölf Uhr Mittag völlig unerwartet in ein schweres Koma!

   Und keiner unserer viel gepriesenen Londoner Ärzte hatte auch nur die geringste Ahnung, wie es dazu kommen konnte! Der gesamten versammelten Ärzteschaft des berühmten ‚Royal Brompton Hospital’ fiel zu diesem entsetzlichen Vorgang nichts anderes ein, als verlegen die Köpfe zu schütteln – und sich zu schnäuzen!

   Und können Sie sich vorstellen, was das heißt, wenn diese geballte Hilflosigkeit ausgerechnet über einen wie mich hereinbricht? Über Sir Ethan Hadley, den größten Magier Englands, der auf allen Show-Bühnen der Welt zuhause und monetär so ausgestattet ist , dass er diesen armseligen Ärztehaufen jederzeit aufkaufen und verrotten lassen konnte? Oder noch besser: der während seiner magischen Auftritte, jeden Einzelnen dieser unfähigen Dottores, in beliebig kleine ‚antiseptisch präparierte Häppchen’ zersägen hätte können, ohne dass ihm daraus auch nur die geringsten Schwierigkeiten erwachsen wären?  

   Aber selbst diese, zugegebenermaßen bösen Phantasien, waren letztlich nur  Ausdruck meiner absoluten Hilflosigkeit gegenüber dieser bodenlosen Stümperhaftigkeit der Londoner Ärzteschaft!

   Vielleicht war das auch der Grund gewesen, dass ich damals so übertrieben ausrastete, und den mir am nächsten stehenden Arzt spontan anbrüllte und ihm eine schallende Ohrfeige verpasste! Ohne ein weiteres Wort stürmte ich danach Hals über Kopf aus dieser verdammten Klinik, tobte  mehrere Tage wehklagend durch sämtliche Räumlichkeiten meines riesigen Anwesens in Esher, schwor gnadenlose Rache, kroch in jedes mir zugängliche Mauseloch, fiel völlig entkräftet im Heizungskeller schließlich auf einen Haufen ölgetränkter Putzlappen und wollte nur noch sterben…

   Und wenn Bob, unser caretaker, mich damals nicht zufällig entdeckt hätte, da ich mich in dem Ölgestank der Putzlappen mehrfach übergab, wär ich bestimmt ohne jegliches Aufsehen verreckt. Noch unangenehmer wär es allerdings gewesen, wenn Bradley, unser Butler, mich damals vor Bob gefunden hätte! Der hätte mich da wirklich sehr einfach erledigen und entsorgen können. Für Geld tat der wohl alles! Was ich damals allerdings zugegebener Maßen noch nicht wusste…

   Seltsam war nur, dass von dem Augenblick an, als Jasmine aus unser aller Gesichtsfeld verschwand, meine gesamte hinterhältige Mischpoche plötzlich rührend um mich besorgt war! Selbst meine ewig geifernde Abigail, war nicht  wieder zu erkennen: unerwartet zärtlich umsorgte und verwöhnte sie mich Tag und Nacht. Und ich muss zugeben, mir tat das gut, ich genoss diese lange vermissten Wohltaten mehr als mir lieb war.

   Natürlich tauchte im Gefolge von Abigail auch sofort meine Agentin Florence Bloomfield auf und versuchte durch jede Menge Termine mich abzulenken und zu stabilisieren! Ja ich hatte sogar die allergrößte Mühe, sie davon abzuhalten, sofort eine neue Welttournée mit mir zu starten! Um sie zu beruhigen, gab ich ihr zu verstehen, dass dafür gar keine Zeit war, da ich sie dringendst für eine sehr persönliche Aufgabe benötigte!

   Und ich erwartete von ihr – dies jetzt nur für Sie – dass sie dabei ähnlich verlässlich und verschwiegen war wie Freya, das schwarze Schaf der glorreichen Familie Nelson! Während sich nämlich die vornehmen Nelsons mit großem Stolz von Admiral Nelson herleiteten, definierte sich Abigails jüngeres Schwesterchen Freya eher über ‚Lack und Leder’ und ging in ihrem Atelier – wie sie es nannte – sehr kreativ und erfolgreich auf die abwegigsten Phantasien der Londoner High Society ein! Ja ich gebe zu – mir nötigte sie auch allergrößten Respekt ab! Ich schätzte ihre immense Professionalität, ihre versteckte Zuwendung mir gegenüber sowie das stumme Verstehen, wenn sie mich mit harter Peitsche und  bellenden Befehlen entspannte – Details möchte ich Ihnen ersparen!

   Erwartungsgemäß reagierte Florence ähnlich professionell, als ich sie anwies in meinem Namen die Stiftung ‚Ärzte für Hirne’ ins Leben zu rufen, um auf diese Weise ein Maximum an Einfluss auf Jasmines Genesung nehmen zu können.

   Florence war natürlich bei den ersten Gesprächen mit Professor Gordon, einem ausgewiesenen Experten für Komapatienten, dabei. Er hatte schon die aussichtslosesten Fälle erfolgreich zurückgeholt, mich dann aber in vertraulichem Gespräch mit einer Mitteilung konfrontiert, die einen neuerlichen Schockzustand bei mir hervorrief.

   Ich scheue mich auch nicht zuzugeben, dass ich ohne Freya und ihre ‚despotische Fürsorge’ – so nenne ich das einmal – diesen neuerlichen Nackenschlag des Schicksals niemals verkraftet hätte und schon gar nicht Professor Gordons Diagnose!

   „… wir müssen davon ausgehen“, sagte er, „dass Ihrer Bekannten, Jasmine Moore, Gift injiziert wurde! Auch wenn für Sie das jetzt schwer zu ertragen ist, muss ich Ihnen mitteilen, dass sie allem Anschein nach gezielt getötet werden sollte, aber die Dosierung nicht richtig bemessen wurde“.

   „Oh Gott“, stöhnte ich, „wer sollte das denn gewollt haben, das ist doch völlig absurd?“

   „Ich weiß es nicht, Mister Hadley, aber ich bin mir ganz sicher, dass es sich bei dem injizierten Gift um die gleiche Substanz handelt, die Indios im Amazonas noch heute als Pfeilgift verwenden“!

   „Bitte sagen Sie das nicht, Herr Professor Gordon“, flehte ich, „bitte nicht…“! Denn ich wusste sofort, was das bedeutete: hatte doch Abigails Bruder als Anthropologe, viele Jahre im Amazonas gearbeitet und geforscht.

   Und als ich zu allem Überdruss dann noch entdeckte, dass meine Agentin Florence Bloomfield mich bei der Einrichtung der medizinischen Stiftung ‚Ärzte für Hirne’ wieder um ein paar Milliönchen betrügen wollte, war es natürlich Freya, die mich professionell mit Gesichtsmaske und Peitsche für meine tumbe Vertrauensseligkeit wohltuend bestrafte – das muss ich, da heute wohl der Tag der Offenbarungen ist – ganz ehrlich eingestehen!

   Dies umso mehr als sich die Situation durch den zwar erfreulichen, aber höchst verhängnisvollen Anruf von Professor Gordon zusätzlich verschärft hat! Seit er mir nämlich telefonisch übermittelt hatte, dass meine innig geliebte Jasmine Moore nach drei Jahren endlich aus dem Koma aufgewacht sei, gehörte auch Freya plötzlich zu den Personen, vor denen ich Angst habe musste – selbst heute Abend!

   Im Nachhinein versichere ich Ihnen aber auch, dass ich nie wieder auf mein eigenes Begräbnis gehen werde: denn wie mein Engel Jasmine, damals unmittelbar nach ihrem Aufwachen bei meinem Begräbnis litt – können Sie sich gar nicht vorstellen. Ich konnte es mir übrigens ebenso wenig vorstellen! Und schon gar nicht mit ansehen! Darum verließ ich damals noch während meiner eigenen Einsegnungszeremonie die Trauergemeinde. Natürlich ein unmöglicher Vorgang! Wie übrigens alles bei diesem verlogenen Begräbniszeremoniell, bei dem ich mit perfekter Gesichtsmaske als Butler Bradley, unter den Trauergästen weilte, während Bradley selbst still im eingesegneten Sarg vor sich hindämmerte…

   Gott – was hatte der für ein Theater gemacht, als ich, der tot Geglaubte, mit Bobs Hilfe knapp vor der Einsegnung unversehrt dem Sarg entstieg und den übertölpelten ‚Scheinkiller’ Bradley aufforderte, sich an meiner statt in die Kiste zu legen und ihm zur Erleichterung der kommenden Stunden einen gehaltvollen Spezialtrunk anbot. Gut, ich will das jetzt nicht allzu sehr auswalzen, aber so tapfer, wie seinerzeit dieser Sokrates, leerte  Bradley seinen ‚Schierlingsbecher’ nicht, das können Sie mir glauben! Ja er bettelte sogar ekelhaft weibisch um sein mieses, kleines Leben! Heulte sich die Augen aus dem Kopf und gab ohne Aufforderung meinerseits alle Namen derer Preis, die ihn für ein erkleckliches Sümmchen beauftragt hatten, mich zu eliminieren – und das waren praktisch alle, die ich Ihnen heute Abend genannt habe, außer meiner geliebten Jasmine natürlich, die aber wohl den Verstand verlieren wird, wenn sie erfährt, dass ich noch lebe!

   Freya natürlich auch nicht, aber die hasst mich plötzlich; seit ich ihr zu verstehen gegeben habe, dass ich ab sofort nur mehr für Jasmine da sein werde! Und da ich ja weiß, was Freya mit mir anstellen kann und ich mich ihr gegenüber praktisch kaum zu wehren vermag, möchte ich mich auf schnellstem Weg, möglichst noch heute Abend, mit meiner geliebten Jasmine, irgendwo außerhalb Englands verstecken – aber wo? 

   Jedenfalls muss es dort unbedingt immer warm sein und makrobiotisches Essen geben. Außerdem hasst Jasmine jede Art von Getier, insbesondere Kakerlaken und Stechmücken! Und ich will schriftlich verbrieft haben, dass mir dort auf keinen Fall dieser komische Deutsche Boris Becker mit seiner Lilly über den Weg läuft, das ginge nämlich gar nicht!

   Jetzt  muss ich mich aber wirklich schleunigst verdrücken, Jasmine kann jeden Moment  auftauchen, ihr hysterisches Geschrei, möchte ich Ihnen echt nicht zumuten! Ihnen allen noch einen schönen Abend! Den einen oder anderen von Ihnen werde ich bestimmt wieder bei Freya treffen – doch geben Sie sich nicht der Illusion hin, dass Sie mich dort entdecken werden! Meine Gesichtsmasken und Ganzkörpermieder sind inzwischen mehr als perfekt; nicht einmal Freya wird wissen, ob der berühmte Magier Sir Ethan Hadley ihr noch die Ehre erweist…

KH

Roland Dürre
Dienstag, der 31. Dezember 2013

Ich mache …

🙂 the same procedure as every year …

Selbstreflektion

Einmal im Jahr versuche ich meinen Stern zu norden. Dafür scheint mir der Jahreswechsel gut geeignet. Dann mache ich eine kleine Retrospektive, denke über mich und die Zukunft nach und schreibe mir auf, was dabei herauskommt.

Wer bin ich?

Zur Person:
Roland Maria Dürre, wohnhaft jetzt in Neubiberg bei München.
Bin verheiratet mit Barbara Dürre, sieben Kinder und schon ganz schön alt.
Mit dem, was mir so widerfahren ist, bin ich sehr zufrieden. Die Familie hat sehr geholfen, glücklich zu werden.
Viele Jahre war ich als IT-Pionier der 3. Generation tätig, jetzt bin ich als „Hansdampf in allen Gassen“ unterwegs.
Gemeinsam mit Wolf Geldmacher, Dr. Peter Schnupp und Claus M. Müller habe ich die InterFace AG gegründet. Auch das war auch rückwirkend gesehen eine sehr gute Entscheidung.

Was macht mich aus?
Ich habe einen Körper, der mir bewusst und wichtig ist. Deswegen suche ich die „aktive Mobilität“.
Ich bin Fußgänger und Radfahrer unterwegs, bin in erster Linie Mensch und als Tagelöhner, Familienvater und Reisender zwischen den Welten unterwegs.
Ich sehe mich als Schüler von Rupert Lay und vielen anderen Menschen.
Vielleicht bin ich auch ein klein wenig das, was man einen Unternehmer nennt.
Ich mag das Leben, schätze das Nachdenken und bin für das Hinterfragen aller Dinge. Mag Kreativität und Phantasie.
Ich liebe Fußball und das Schachspiel, welches mich vieles gelehrt hat.
Aufklärung und Frieden sind mir sehr wichtig.
Freiheit heißt für mich, willens und in der Lage sein, mein Leben soweit wie möglich in Eigenverantwortung zu führen.
Dogmen und Moral machen mir Beschwerden.
Für meine Mitmenschen möchte ich Mutmacher sein, persönlich viele Freunde und viel Freude haben und meine wie fremde Angst und Feindseligkeit reduzieren.
Ich glaube an die Zukunft, die wir mit Kreativität, Phantasie und Leidenschaft schaffen können.
Ich bin immer auf der Suche nach Verbündeten.
Und möchte selber vor allem nur eins – leben!

Meine handlungsleitende Maxime:
„Handle und entscheide dich so, dass die Regeln, nach denen du handelst, dir in der Mehrzahl der Anwendungsfälle helfen, eigenes und fremdes personales Leben eher zu mehren als zu mindern“.

🙂 Das wäre es dann. Wird dann Ende 2014 wieder überprüft.

RMD

P.S.
Für den Fall, dass jemand mit mir Kontakt aufnehmen will:
Meine E-Mail-Adressen:
roland@duerre.de; roland.duerre@gmail.com; roland.duerre@interface-ag.de (bis Ende 2014)
Vertreten bin ich in Facebook, Google+, Twitter, Youtube, XING, Wikipedia … – dies immer als RolandDuerre, gelegentlich auch nur als Dürre.
Meine Websites:
duerre.de, if-blog.de

Klaus Hnilica
Donnerstag, der 26. September 2013

Männer in Not – oder die lauernde Erotik im Haushalt

Carl und Gerlinde (XXXIV)

„Du warst beim Friseur!“ stellte Gerlinde überrascht fest, als sie das Glas Spätburgunder hob und Carl mit vollem Mund zuprostete; ein  unerklärlicher Heißhunger zwang sie, gleich noch ein Stück Vollkornbrot mit der köstlichen italienischen Mortadella nachzuschieben, obwohl sie den ersten Bissen noch gar nicht vollständig geschluckt hatte..

ZFimg089„Du – ja – auch – vor – zwei – Tagen …“, würgte Carl in letzter Sekunde aus sich heraus, bevor er mit blutrotem Kopf an einem üblen Hustenanfall zu ersticken drohte: er hatte sich verschluckt!

Immerhin brachte er alles noch soweit unter Kontrolle, dass die im Riesling schwimmende ungarische Salami in seinem Mund, nicht gänzlich über den frisch gedeckten Tisch verteilt wurde.

Doch während er mit Gerlindes Hilfe die schlimmsten Folgen des ‚Wurst-Wein-Chaos’ beseitigte, rang er immer noch nach Luft und hüstelte unentwegt in einem gedämpften Stakkato vor sich hin; aus seinen geröteten Augen drückten dicke Tränen…

„Ich wundere mich ja, dass du meinen Friseurtermin überhaupt wahr genommen hast“, sagte Gerlinde mitleidig spöttelnd, als Carl wieder ansprechbar war; sie leerte ihr halbvolles Glas nach dem überstandenen Schreck in einem Zug.

„Klaro – so was seh’ ich immer…“, krächzte Carl mit belegter Stimme.

„Dann könntest du ja zur Abwechslung auch einmal etwas sagen, oder?“

„Wieso denn, du weißt doch, dass du mir immer gefällst…“!

„Hm – hättest du bei deinem Friseurbesuch nur einen Blick in die neue ‚Bild der Frau’ geworfen, dann wüsstest du, wie wichtig so kleine positive Anmerkungen in Partnerschaften sind, mein lieber Carl!“

„Das mag sein“, sagte Carl und hüstelte sich erneut die Kehle frei, „dafür kenn ich aber die Probleme, die der Jogi Löw mit dem Mats Hummels hat und weiß, dass der Schweini beim Guardiola immer noch nicht richtig angekommen ist…“

„Apropos, Schweini – hast du auch den Schweinkram im „Stern“ gelesen?“ fuhr Gerlinde dazwischen.

„Nein – aber du wirst ihn mir bestimmt gleich erzählen – euch Frauen interessiert ja so etwas immer“, feixte Carl und nippte nach seinem überstandenen Erstickungstod ein erstes Mal wieder vorsichtig an seinem Riesling.

„Du –  ich weiß gar nicht, wie man darüber reden soll, aber laut „Stern“ passieren angeblich im Nachgang zu der Erotiktrilogie ‚Fifty Shades of Grey’ in London plötzlich die abenteuerlichsten Unfälle…“

„Keine Ahnung, Gerlinde – ich hab nur gelesen, dass sich der Poldi bei Arsenal London verletzt hat“, sagte Carl süffisant – jetzt wieder bei voller Stimme, und füllte Gerlindes leeres Glas aufs Neue mit dem seidigen Spätburgunder, der auch schon eine gewisse Wirkung in Gerlindes Äuglein zeigte, denn sie sagte kichernd: „du mit arsenal oder anal oder so haben die Unfälle in London nichts zu tun, die Feuerwehr hat da echt ganz andere Probleme zu lösen, wirklich peinliche…“

„Wie peinlich?“

„Na – die nackigen, entfesselten Gefesselten wissen offensichtlich nicht nur nicht, wie sie ihre Schlüsselchen für die Handschellen wieder finden, wenn sie sich nackig gefesselt haben, sondern müssen auch immer wieder aus allen möglichen Haushaltgeräten befreit werden, in denen sie sich auf die peinlichste Weise verfangen haben…“

„Aus Haushaltsgeräten?“

„Ja – aus Toastern, Staubsaugern und anderen praktischen Gerätschaften – und natürlich sind’s wieder die Männeken, die da rausgeholt werden müssen, lieber Carl…“

„Wie, die müssen aus Toastern befreit werden? Das glaub ich nicht!“

„Doch, Carl – steht laut „Stern“, alles im Londoner Feuerwehrreport…“

„Oh Gott“, stöhnte Carl, trank endlich das angefangene Glas Riesling aus, fuhr sich mehrfach mit einem Papiertaschentuch über seine tränenunterspülten Augen und sagte: “wieso plagen wir uns eigentlich bei TRIGA jede Saison aufs Neue mit immer raffinierteren Wäschekollektionen ab, wenn nach ‚Fifty Shades of Grey’ nicht nur Handschellen und Reitpeitschen die Leutchen in Fahrt bringen, sondern auch die stinknormalen Haushaltgeräte? Die Toaster und Staubsauger? Irgendetwas stimmt doch da nicht Gerlinde, oder?“

„Das ist eine gute Frage, Carl…“ sagte Gerlinde mit flackerndem Blick und unschuldig hochgezogenen Schultern, „aber vielleicht stimmt ja auch mit uns beiden etwas nicht? Vielleicht sind du und ich ja schon so abgestumpft, dass wir überhaupt nicht mehr in der Lage sind, genug Fantasie aufzubringen, um uns solche Dinge vorzustellen?“

„Also bitte – Gerlinde – jetzt gehst du aber zu weit…“

„Wieso zu weit? Hannelore hat schon alle drei Bände der Trilogie durch…“

“Und der Kurt“?

“Der interessiert sich auch nur für die kaputten Sprunggelenke von diesem Grötze oder Grütze…“

“Götze – Mario Götze, liebe Gerlinde… immerhin sind die zierlichen Sprunggelenke dieses ‚Götzen’ mehr als 30 Millionen Euro wert!“

“Na ja, so wertvoll bist du definitiv nicht, lieber Carl, das weiß ich ganz bestimmt – auch wenn ich schon ein bisschen betütelt bin! Aber immerhin könntest du deinen nur geringfügig niedrigeren monetären Wert schnell anheben, wenn du mir noch eines dieser köstlichen Fläschchen Spätburgunder aus dem Keller holst, was meinst du dazu“?

„Aber nur, wenn du mir versprichst, mich nie mit Handschellen zu fesseln – und schon gar nicht nackig…“, insistierte Carl und unterstrich seine Forderung dadurch, dass  er ein weiteres Glas kühlenden Riesling durch seine wieder genese Kehle jagte.

„Versprochen“, flötete Gerlinde.

„Gut, dann mach ich mich vollkommen entfesselt auf den Weg in den finsteren Keller“, grinste Carl.

„Aber vorher musst du mir noch schwören, dass du dich niemals und unter keinen Umständen an meiner Haushaltgerätschaft vergehen wirst! Schwöre das, Carl…“ lallte Gerlinde, schob mit großer Geste ihren schmutzigen Teller samt Besteck weit von sich, und bettete vorsichtig ihr schwer gewordenes Köpfchen auf den Tisch…

„Ich schwöre…“, intonierte Carl laut und sichtlich zufrieden, dass seine Stimmbänder wieder intakt waren.

Aber da Gerlinde bereits deutlich hörbar durch Worte nicht mehr zu erreichen war, sagte Carl auf dem Weg in den Keller zu sich selbst, dass die Alten vormals schon ihre guten Gründe gehabt hätten, darauf zu achten, dass Küchenarbeit und Putzen reine Frauensache blieb…!

Schließlich sollten ja ihre triebhaften jungen Männer möglichst unverstümmelt in die Kriege ziehen können…

Nicht so wie heute, wo die armen Männer nicht nur bei jeder Art von  Frauenkram mitmachen müssen, sondern dabei auch noch von Toastern und Staubsaugern attackiert werden…

Schlimme Zeiten sind das, murmelte Carl in den muffigen Keller – konnte sich dann aber am nächsten Morgen definitiv nicht mehr erklären, warum er voll bekleidet in Hose und Pullover auf seinem Bett lag – und die schlafende Gerlinde mit pinkfarbenen Handschellen an ihn gefesselt war.

KH

Roland Dürre
Montag, der 23. September 2013

Von Rorschach/Goldach nach Oberstaufen …

oder

Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte.

Deshalb ein paar (wortlose) Bilder von unserer heutigen Radfahrt von Rorschach am Bodensee nach Oberstaufen (gut 80 km mit vielen „guten“ Höhenmetern).

2013Oberstaufen1

Es war schön.

2013Oberstaufen2

Es war schöner.

2013Oberstaufen3

Es war noch schöner.

2013Oberstaufen4

Es war am schönsten.

2013Oberstaufen5

Es war am schönsten mit der Barbara!

2013oberstaufen6

Es war einfach ein wunderschöner Tag.

RMD