Die Winderhitzer der Völklinger Hütte.

„Die Winderhitzer der Völklinger Hütte. Auch Vintage.“

Obwohl ich E-Mail für Technik von vorgestern halte, habe ich natürlich noch ein paar E-Mail-Adressen. Da kommt viel Belangloses und Mist an.

Meine Aufgabe besteht dann vor allem darin, diese E-Mails zu löschen und meine „Kommunikations-Partner“ zu bitten, doch modernere Kommunikationsformen zu nutzen.

Heute musste ich aber mal wieder so richtig Schmunzeln. Da kam eine E-Mail von einem lieben und langjährigen Freund, den ich auch fachlich für sehr kompetent halte.

Der hat – an ganz viele Menschen (all@XYZ.de) – geschrieben:


Hi,

könnt ihr uns alle bitte mit dieser für mich vollkommen sinnfreien Diskussion in Ruhe lassen!!!!!

Ich habe meine Meinung zu Mail-Verteilern und interner Mail auch in der Umfrage zu den neuen Kommunikationsformen von mir gegeben.

Das ist ein typisches Beispiel dafür, warum E-Mail unternehmens-intern Blödsinn ist und die E-Mail-Verteiler insbesondere sofort abgeschafft werden sollten.

Mit Absicht an all!


🙂 Bei der „sinnfreien Diskussion“ ging es übrigens um das Problem mit „Akkus von I-Phones“ und deren Umtausch.

Ich habe dann geantwortet:


Deine E-Mail lässt mich schmunzeln. 😊

Bin ich doch genau Deiner Meinung – nur noch radikaler. E-Mail ist kein generelles Kommunikationsmittel mehr sondern ein völlig veraltetes, das man selbstverständlich in modernen Unternehmen nicht mehr nutzen sollte.

E-Mails an Dritte sollte man nur noch senden, wenn es einen Anlass gibt, für den man in vergangenen Zeiten tatsächlich einen Brief geschrieben, ein Telegramm aufgegeben (!) oder eine Telefonzelle aufgesucht hätte.

Alles andere sollte man mit Werkzeugen erledigen, die dem Zweck adäquat sind.

Liebe Grüße und ein schönes Wochenende!


Ja – ich mag E-Mails auch nicht. Oft sind sie mit einem Riesen-Footer ausgestattet, der dann noch künstlich mit viel Quatsch und völlig uninteressanten Hinweisen werblicher Art oder blödsinnigen juristischen Belehrungen verlängert ist.

Ich hasse die E-Mail-Dialoge, die mit jedem Dialogschritt eine immer länger werdende neue Inkarnation der Mail verursachen. Denn mit jeder Antwort entsteht eine E-Mail, wo dasselbe alles noch mal drinsteht ergänzt um die letzte Antwort. In der Ur-Zeit des Internets gab es Versuche, die E-Mail-Kommunikation ein wenig erfreulicher zu gestalten. Da gab es z.B. eine gute Regel, die man tofu nannte. Leider wurde „tofu“ aber nur von wenigen angewendet und ist so gescheitert.

Da Kommunikation erfolgt in der Regel als „Thread“ (Faden).  Spätestens seit dies im Chat perfekt möglich ist, ist E-Mail in vielen Fällen verzichtbar. Im „peer2peer“-Thread sehe ich immer sofort was in der letzten Zeit so alles ausgetauscht wurde. Das gilt auch für Menschen, mit denen ich ganz selten kommuniziere und ist da besonders wertvoll. Threads sind auch gut geeignet, wenn mehr als zwei Menschen gemeinsam kommunizieren wollen. Bei E-Mail führt es dann sofort zur katastrophalen Fluten bedingt durch „cc“ und „bcc“.

Dazu kommt, dass ich alltäglich gerne mit Bildern, Sprachnotizen (Audios) oder kleinen Filmen (Videos) kommuniziere. Wie umständlich ist das bei E-Mail für Sender und Absender? Man schaue sich einfach an, wie bbm, wechat, whatsapp, der „messenger“ von FB oder Skype, die „dm“ (direct message) von Twitter usw.  funktionieren. Von Snapchat, dem System mit der modernsten und einfachsten „Benutzer-Oberfläche“ möchte ich hier gar nicht reden.

Noch besser als chat-Systeme eignen sich „communities“ für die geordnete Kommunikation auch in größeren Teams/Gruppen. Im Internet gibt es viele „communities“ z.B. in Google+, die zeigen, wie es geht. Und wie man mit ganz einfachen Maßnahmen innerhalb einer „Organisation“ vortrefflich und trotzdem sehr strukturiert und hocheffizient kommunizieren kann. Und so auf den E-Mail-Blödsinn verzichtet und nicht dauernd die Nicht-Interessierten oder -Beteiligten voll mit Spam voll schüttet!

Im übrigen:

Auch Telefonieren ist OUT. Ich nutze das Telefon nur noch nach terminlicher Absprache, wenn es etwas Wichtiges zu erledigen gibt und ich mit einem Mitmenschen mit voller Aufmerksamkeit darüber sprechen will. So setze ich das Telefon im Auto oder in öffentlichen Räumen wie Zügen nicht mehr ein. Und auch für Wichtiges nutze ich Telefonie nur dann, wenn Bildtelephonie (Hangout, Facetime, Skype, Cisco, Citrix …) nicht möglich ist, weil mein Gesprächspartner das gute alte Telefon bevorzugt.

🙁 Nur zur Erinnerung. Die Funktion „Telefonieren“ ist auf dem Smartphone auch nur eine App für synchrone Sprach-Kommunikation, die es möglich macht, Verbindung mit Adressen aufzunehmen, die aus „Telefon-Nummern“ (Ziffern) bestehen und mit „voice-over-IP“ ein Telefonat emuliert.

Also:
Wenn mich jemand anruft und ich mich melde mit
„Wer stört denn jetzt schon wieder?“,
dann bitte ich, dies mir nicht übel zunehmen.

Ich bin weiter für jeden erreichbar, der mich braucht: Hier meine physikalische Telefonadresse 0049 171 4850115 (leider sind die symbolischen schon lange aus der Mode gekommen). Aber bitte wirklich nur anrufen, wenn es wirklich wichtig und ganz dringend ist!

Sonst bitte ich zu überlegen, ob es nicht genügt, mir eine asynchrone „(Sprach-)Botschaft“ über einen der Chatter die ich benutze zu senden oder falls es auf ein bestimmtes Thema bezogen ist, diese Nachricht in der entsprechenden Community zu hinterlegen.

RMD

Roland Dürre
Mittwoch, der 12. Oktober 2016

Vortrag gefällig :-) ?

Meine Wenigkeit mit Prof. Dr. Kathrin Möslein im IF-Forum.

Meine Wenigkeit mit Prof. Dr. Kathrin Möslein im IF-Forum.

Eines meiner Lebensziele ist, meine Erfahrung und das von mir akkumulierte und zum Teil sehr aufwendig erworbene Wissen zu teilen – besonders gerne mit jungen Menschen. So halte ich immer wieder Vorträge und Dialoggespräche – sowohl im klassischen Rahmen wie auch im Form von Sessions auf Barcamps und ähnlichen Veranstaltungen.

Folgende Themen habe ich zurzeit im Repertoire:


 

Zum Thema „Führung“:

Was ist das eigentlich – Führen im Unternehmen?;
Untertitel: „Menschen im Unternehmen – Kultur ist alles.“

Vor kurzem gehalten bei AMOS (Allianz) vor gut 50 internen Projekt Managern.

Zum Thema „Digitalisierung und/oder digitaler Wandel“:

Was bei der Digitalisierung gerne vergessen wird.
Untertitel: „Mögliche Auswirkungen auf Gesellschaft und Menschen.“

oder alternativ

Digitale Transformation – Paradies oder Hölle?
Untertitel: „Die schöne neue Welt aus Sicht eines Unternehmers, IT-Pioniers, Bloggers, Familienvaters und Radfahrers.“

Diesen Vortrag halte ich im November auf der DOAG-Jahreskonferenz in Nürnberg und bei einer befreundeten SW-Agentur im Rahmen von „meet-up„.

Zum Thema „SW-Entwicklung“:

„Wie wir in 1984 Scrum gemacht haben, obwohl es Scrum noch gar nicht gab.“
Untertitel: „Wie führt man ein Software-Team – Antwort: Am besten gar nicht!“

Gehalten bei ein paar kleinen SW-Unternehmen / Start-Ups.

Zum Thema „Entlohnung“:

„Wir wollen nicht arbeiten, sondern Geld verdienen!“
Untertitel: “ Wie werde ich mutig und habe Freude und Erfolg.

Vortrag für Start-Ups und Freiberufler. Gehalten auch beim PMCAMP BERLIN vor ein paar Tagen (hat richtig Spaß gemacht).


 

Diese Vorträge sind ein „Schnappschuss“ – Stand heute, den 12. Oktober 2016. Natürlich verändern sich die Vorträge inhaltlich laufend, denn die Dinge ändern sich heutzutage auch schnell.

🙂 Jetzt dürft Ihr euch etwas raus suchen. Wenn Ihr mehr wissen wollt, einfach an mich wenden.

RMD

P.S.
Meine Vorträge halte ich genau dann ohne Honorar, wenn sie einem guten Zweck dienen (Studenten, Hochschulen, Gemeinwohlökonomie und ähnliches). Wenn mich ein System beauftragt, dass sich von meiner Aktivität einen Mehrwert verspricht, dann erbitte ich ein Honorar, dass in Korrelation zum voraussichtlich geschaffenen Mehrwert steht.

Hans Bonfigt
Sonntag, der 21. August 2016

Ende mit Schrecken

Der Roland, zurecht, sagt ja immer, hier im Blog müsse das Positive überwiegen. Und er hat recht. Deswegen fange ich jetzt einmal mit etwas Positivem an.

Denn es gibt junge Leute, die sich eigenständig etwas erarbeiten, das nicht der Erzielung von Einkünften dient, sondern der Erforschung des Wesens der Dinge. Nehmen wir einmal den Herrn Warkus. Der, im Rahmen seines Philosophiestudiums in Marburg, hat die Arbeiten von C.S. Peirce, den „Digitalfritzen“ unter uns bekannt vom ‚Peirce-Operator‘, fortgeschrieben. Er spricht nicht mit mir, uns trennt ein Marianengraben an Gegensätzen, den man dahingehend abstrahieren kann, daß er Gerechtigkeit als hohes Gut erachtet, ich dagegen Ungerechtigkeit als notwendiges Übel.

Dennoch nehme ich mir die Freiheit, jemanden zu bewundern, der „über die Veränderung in Zeichen“ promoviert wurde. Er stellt das bisherige Paradigma von Veränderung, „eine Eigenschaft ist entfallen oder hinzugekommen“ infrage und kombiniert die Sichtweise von Peirce mit semiotischen Ansätzen: Wahrnehmungen werden von der Realität quasi gespiegelt, zum Beispiel die Farbe an einer Wand. Gleichzeitig werden aber auch Wahrnehmungstäuschungen ‚mitgespiegelt‘, zum Beispiel durch den Farbton der Beleuchtung. Das resultierende Ergebnis wird von uns sogleich perzipiert, quasi einem Bewertungsalgorithmus unterzogen. Interessant wäre es jetzt, zu postulieren, daß Veränderungen (nur) dann existieren, wenn sich die Perzeption ändert. Ganz herunterbanalisiert: „Das Wesen der Dinge ist ihr Schein“.

Das soll natürlich keine Zusammenfassung einer Arbeit sein, für die ein außergewöhnlich intelligenter Mann bestimmt zwei Jahre gebraucht hat. Der Ansatz ist interessant und die Begründung ebenfalls. Der praktische Nutzen dieser Arbeit unterdessen ist – ähm – mäßig.

Der Witz ist bekannt:
Schimpft der Dekan mit dem Leiter seines physikalischen Instituts: „Ja SPINNEN denn Sie? Schon wieder eine Viertelmillion Nachtragshaushalt für den neuen Strömungssimulator??? Wie gehen Sie denn mit dem Geld um? Sehen Sie sich einmal die mathematische Fakultät an: Die brauchen nur Bleistift, Papier und Papierkorb. Und die Philosophen erst: Die brauchen nur Bleistift und Papier!“.

Es wäre ganz schlimm, wenn es nicht Menschen wie den Herrn Warkus gäbe. Aber es gibt eine Menge Dampfplauderer und Möchtegerns, die in allen möglichen „Geisteswissenschaften“ promoviert werden. Da ist ja erstmal nix gegen zu sagen, aber dummerweise wollen die nach der Uni auch Geld verdienen. Möglicherweise sogar mehr als ein „einfacher“ Maurer.

Dann landen sie irgendwo in Unternehmen. Und treffen plötzlich Entscheidungen. Das Dumme ist nur, sie sehen die Welt als ihr kleines Modell, und es braucht auch nicht gegebenenfalls angepaßt werden, denn es muß richtig sein, weil nicht sein kann, was nicht sein darf. Und so werden Entscheidungen nicht semiotisch sondern semi-idiotisch getroffen. Bis zum bitteren Ende.

Eine Groß- und Deutschbank betreibt nicht nur ein eigenes Rechenzentrum. Einer der beiden Server, welche einen Großteil von Deutschlands SEPA-Lastschriften abwickeln, steht „full serviced“ in einem externen Rechenzentrum. So, wie vermögende Leute die Ponys für die Töchter „im Vollberitt“ auf einem Pferdehof vollversorgen lassen, so wird dort der Server mit Daten, Strom und einer Wartungsmannschaft versorgt.

Und weil so viele gebildete Akademiker beteiligt sind, die noch nie so einen Rechner gesehen haben, gibt es definierte Schnittstellen und „SLA“s in hierarchischer Form:

Vertragspartner der Bank ist eine indische Firma. Die hat die Wartung des IBM-Rechners bei Hewlett-Packard in Auftrag gegeben. Hewlett-Packard hat zwar weder Ersatzteile noch Know-How, aber die Inder haben ja ein „SLA“, was kann das schon schiefgehen. Hewlett-Packard vergibt die Wartung weiter, an eine hessische Proletentruppe, die nicht einmal eine Klospülung würde reparieren können. Aber sie können ein „SLA“ schreiben.

Und nun passiert es:
Der seltene Fall tritt ein und der IBM-Mainframe fällt aus. Übrigens wegen einer Bagatelle. Über die „SLA-Kette“ gelangt die Proletentruppe zum Server und muß nun die Anweisungen aus Hinterindien ausführen, mit HP als „Relaisstation“. Der einzige, der Ahnung hat, kommt nicht zur Analyse, geschweige denn zur Entscheidung: Das arme Schwein muß alle 15 Minuten „Reports“ schreiben, und zwar an mehrere Stellen. Wenn er mit einer Welle Reports fertig ist, kann er gleich die nächste beginnen.

In Panik ruft der Chef der Proletentruppe einen IBM-Partner an, jener versucht verzweifelt einen AIX-Experten zu bekommen.

Als allerletzte Option (ich bin nicht bankkompatibel) werden wir involviert, denn schon nach dem dritten Tag kommt einer der Inder auf die Idee, daß es doch ganz schön wäre, wenn jemand dabei wäre, der so ein Ding vielleicht einmal einschalten kann (zugegebenermaßen nicht trivial bei IBM). Während der folgenden vier Tage werden, auf Anweisung aus Indien, die lustigsten Dinge getan, unter anderem wird eine baugleiche Maschine im Nachbarrack aufgebaut. Unser Job: Warten.

Jede mögliche einfache Lösung wurde „von oben“ verhindert.

Jeder noch so abstruse Ansatz wurde stattdessen verfolgt, Geld spielte auf einmal keine Rolle.

Bereitwillig angebotenes Fachwissen von Seiten des Endkunden wurde ignoriert oder zurückgewiesen.

Und so endete ein Einsatz in einer peinlichen Katastrophe:

Jemand bei der Bank, ohne akademische Bildung, aber mit dickem Scheckbuch, rief bei IBM an.  Und weil der Scheck hoch war, ließ sich IBM nicht lange lumpen. Per Anordnung: KONTAKTSPERRE für uns mit dem IBM-Mitarbeiter. Naja, beim Frühstück in der Cafeteria haben wir uns dann doch kurz unterhalten: Ein banaler Ausfall eines VRM im primären CEC, das hätte jeder leicht sehen können, dem erlaubt worden wäre, das Ding aufzuschrauben und nachzugucken. Das passende Ersatzteil kam dann drei Stunden später.

Zwei Tage wurden unterdessen benötigt, das von der Proletentruppe auf Anweisung aus Indien verursachte Schlachtfeld zu beseitigen.

Und nun frage ich mich, was wohl passiert wäre, wenn es den Hauptserver erwischt hätte anstatt wie in unserem Fall den Backup-Server. Höchstwahrscheinlich wären noch mehr Parteien involviert worden, die noch mehr Bullshit verzapft hätten. Und Deutschland wäre zwei Wochen ohne Zahlungsverkehr geblieben.

Irgendein konservativer (eher reaktionärer) Kunde meinte einmal zu mir, „wenn fremde Leute mit fremdem Geld fachfremde Sachen tun, dann kannst Du dein Unternehmen beerdigen“.

Wohl wahr!

-hb

Roland Dürre
Mittwoch, der 10. August 2016

Bayerische Verfassung, Gemeinwohl-Ökonomie …

… Augenhöhe, Intrinsify.me, Demokratisches Unternehmen, Holokratie – und Buddhismus im Management … all das mag ich –
aber bitte kein CSR!

Vajrasattva (Tibet)

Vajrasattva (Tibet)

Die meisten von uns wollen das selbe, nämlich eine Wirtschaft, die für die Menschen da ist. Und in der die Menschen eben nicht für die Wirtschaft da sind.

So liebe ich die Bayerische Verfassung, die in einem Artikel präzise darauf hinweist, welches großartige Recht es ist, in einem Gemeinwesen ein Gewerbe ausüben zu dürfen – und wie dieses Recht die Unternehmer bzw. Gewerbetreibenden verpflichtet und ihnen so vorschreibt, dass die angebotenen und bereit gestellten Güter und Dienstleistungen zuerst mal den Menschen Nutzen bringen müssen.

Und in einem zweiten Artikel in dieser wunderbaren Verfassung wird dann das ganze noch mal explizit für die Finanzwirtschaft unterstrichen! Die das aber nicht interessiert und mehrheitlich Dinge anstellt, die zumindest in Bayern verfassungswidrig wären,
;-( wenn denn die Bayerische Verfassung für diese Themen noch von Belang wäre.

Ich spreche von Artikel 151 Bindung wirtschaftlicher Tätigkeit an das Gemeinwohl; Grundsatz der Vertragsfreiheit und 157 Kapitalbildung; Geld- und Kreditwesen. Es sind aber bei weitem nicht die einzigen wirklich lesenswerten Artikel, in der Bayerischen Verfassung gibt es da noch einige mehr

Genauso schätze ich die Bewegung der Gemeinwohlökonomie um ihren Protagonisten Christian Felber. Die haben eine Gemeinwohl-Matrix erarbeitet, an derer man prüfen kann, welchen Beitrag das Unternehmen, in dem man arbeitet oder das man vielleicht sogar „führt“ zum sozialen und gesellschaftlichen Leben leistet. Auch darüber lohnt es, sich zu informieren.

Das Projekt Augenhöhe mit dem gleichnamigen Film habe ich bewundert, weil da belegt wurde, dass es durchaus erfolgreiche Unternehmen gibt, die auf Augenhöhe funktionieren.

Wie mir auch die kühnen Gedanken der Menschen von intrinsify.me sehr nahe stehen, genauso wie auch die klaren Überlegungen der von Andreas Zeuch inspirierten Unternehmens-Demokraten, die glaubhaft machen, dass „demokratische Unternehmen“ besser funktionieren. Und die den wunderbaren Slogan geprägt haben:

ALLE MACHT FÜR NIEMAND!

Sogar die Freunde der Holokratie (holocracy) imponieren mir, auch wenn ich da die Gefahr einer Ermüdungsdemokratie sehe, die leicht zu „holocrazy“ führen kann.

Vor kurzem aber habe ich einen jungen Unternehmer kennen gelernt. Er heißt Julian Sametinger und hat eine Bachelor-Arbeit (zum Lesen draufklicken, sehr lesenswert!) mit dem Thema „Buddhismus im Management“ geschrieben. Es ist eine wunderbare Arbeit, die sich spannender wie mancher Krimi liest. Und da steht auch eigentlich wieder alles drin. Diese Arbeit ist auch der Anlass gewesen, warum ich den Post hier schreibe.

Vor all diesen Gedanken habe ich großen Respekt, allein ihre Existenz erfüllt mich mit großer Dankbarkeit.

Aber bitte kommt mir nicht mit CSA (Corporate Social Responsity). Das ist geheuchelt, produziert von universitären Ethik-Dampfplauderern, abgestimmt in staatlich eingesetzten Ethik-Kommissionen. Ich finde ich da überwiegend schwülstiges Geschwafel, wie wir es von Politikern und Lobbyisten kennen. Jedoch mit stattlicher staatlicher Kohle graphisch schön aufbereitet auf aufgeblähten Hochglanz-Folien und Plakaten der einschlägigen Verbände.

Gerne nenne ich hier auf Anfrage schlimme und auch nicht so schlimme Professoren wie deren oft absurde Machwerke und andere eher lächerliche Aktivitäten. Da ich in diesem Blog dem Positiven jedoch mehr Raum als dem Negativen geben möchte, mache ich hier Schluss.

Ich bedanke mich fürs Lesen und wünsche eine gute Nacht!

RMD

Roland Dürre
Freitag, der 8. Juli 2016

Kann man Komplexität reduzieren?!

Vor kurzem habe ich ein Wissensangebot von Thomas Kleiner in IF-AGORA integriert. Die Botschaft war

„Komplexität
sinnvoll reduzieren
ohne sie zu trivialisieren!“

Thomas bietet Managern Seminare an, mit denen er ihnen helfen möchte, in komplexer Welt besser zurecht zu kommen. Und ist eigentlich immer ausverkauft.

Dieses neue Angebot habe ich dann auch getwittert. Mit dem Kurztitel „Komplexität sinnvoll reduzieren!“ Sofort bekam ich negative Rückmeldungen wie „diese Aussage wäre komplett #fail“ oder „da bin ich aber gespannt, wie das funktionieren soll“.

Unser Kater Lenin, genannt Wladi.Sein Bruder Stalin, genannt Joschi, ist ausgezogen.

Unser Kater Lenin, genannt Wladi. Sein Bruder Stalin, genannt Joschi, ist ausgezogen. Ein nicht nur biologisch komplexes Lebewesen.
Owner:
Barbara Dürre (cat)
Maresa Dürre (photo)

Jetzt muss man wissen, dass die Unterscheidung zwischen „kompliziert“ und „komplex“ im Internet stark diskutiert wird. In Berlin gab es sogar mal ein PM-Camp zu diesen Begriffen im Umfeld von Projekt-Management.

Projekt-Manager haben da kräftig debattiert, wie man komplexe Projekte von komplizierten differenzieren und bewältigen könne.

Ich selbst ahne nur, dass in komplexer Welt die dominante Logik auch nicht weiter hilft. Aber wenn wundert es. Versagt sie doch oft schon in ganz einfachen Welten?

Ein von mir sehr geschätzter Protagonist des Themas „komplex versus kompliziert“ ist übrigens Niels Pflaeging. Bei ihm bin ich zwar nie sicher, ob seine Analyse richtig ist, aber seine Schlüsse sprechen mir voll aus dem Herzen.

Zurück zum Wissensangebot. Man muss wissen, dass Thomas Kleiner ein kluger Philosoph ist. Seine Magisterarbeit behandelt „Das Menschenbild im Werk von Rupert Lay“. Nicht nur deswegen hat er den „Konstruktivismus“ studiert und wie ich meine auch verstanden.

Die Theorie des „Konstruktivismus“ hat mich in meinem Weltbild bestärkt, dass die Bestimmung, ob ein System oder Projekt komplex oder kompliziert ist, ausschließlich in der kognitiven Erkenntnis des Beobachters liegt.

Ich meine auch, dass Kompliziertheit und Komplexheit mit wissenschaftlichen Methoden und Metriken nicht erfasst oder gemessen werden können. Das ist ein philosophisches Thema oder wie man früher gesagt hätte, eines der „Metaphysik“.

„Komplex“ ist für uns genauso schwierig zu verstehen wie „unendlich“. Komplex steht für etwas, das man nicht rational definieren kann. Ich kenne nur Metaphern, die Komplexität vermitteln sollen, aber keine einzige von mir als valide nachvollziehbare objektive Definition.

So finde ich die „sinnvolle Reduktion“ von „Komplexität“ durchaus „zielführend“ möglich, betrifft sie doch die subjektive  Wahrnehmung von scheinbarer Realität und den Umgang mit dieser. Und natürlich meine ich auch, dass man sich davor hüten sollte, Komplexität zu trivialisieren.

🙂 Nein, an Komplexität sollte man sich erfreuen und sie genießen!

Ich bringe ein Beispiel:
Da muss jetzt unser Hauskater herhalten. Offiziell heißt er übrigens Lenin, die (Rest-)Familie nennt ihn Wladi, weil sie Lenin als Namen nicht mögen. Sein Bruder Stalin (von der Familie Joschi genannt) ist leider ausgezogen. Er hat sich mit Lenin nicht mehr verstanden.

Kater „Wladi“ Lenin ist sicher ein höchst komplexes System, so wie alle Säugetiere. Die Komplexheit von Lenin reduziere ich, in dem ich den Kater einfach als Katze und Haustier betrachte. Dadurch kann ich einen großen Erfahrungsschatz der Menschheit aus dem Umgang mit Katzen nutzen, ohne dass ich das Tier deswegen trivialisiere. Ich kann ihn sogar mögen und sein Handeln nachvollziehen. Obwohl ich die Komplexheit einer Katze nie verstehen werde.

Angst machen wir alle die Menschen, die meinen, man (MENSCH) könnte alles wissen und alles machen – und die versuchen „komplexe“ Systeme schnell und mit harten Eingriffen zu verändern. Besonders groß wird meine Besorgnis dann, wenn es um die Umwelt (die Natur) oder unsere Gesundheit (auch die Natur) geht.

Ich habe das Schicksal einer Reihe von alten Menschen erlebt. Wie die Medizin ihre letzten Jahre zerstört hat, weil sie mit wissenschaftlicher Rationalität diese Menschen heilen wollte. Wie hilfreich wäre es da gewesen, wenn man durch Reduktion und Vereinfachung sich an die einfachen Regeln der Vernunft gehalten hätte.

Ähnliches erscheint mir unserem Planeten gerade zu widerfahren.

Viel zu viele Menschen glauben, man könnte die Welt in komplex und kompliziert einordnen und sie mit Rationalität zum Besseren verändern. Ich halte das für eine Art von „Omnipotenter Geisteskrankheit“ und habe die Sorge, das da sehr oft die „Rechnung ohne den Wirt gemacht wird“ – nur merken wir das oft erst viel später.

RMD

Digitale Transformation und Neue Mobilität – Paradies oder Hölle?

Oder:
Die schöne neue Welt aus Sicht eines Unternehmers, IT-Pioniers, Bloggers, Familienvaters und Radfahrers Roland Dürre

Wie er noch bei der GLS-Bank war, hat mich Carsten Schmitz öfters zu schönen Veranstaltungen eingeladen. Da durfte ich urgewald kennen lernen, die Katrin Frische beim „Story Telling“ und einiges mehr erleben. Jetzt sorgt Carsten im Vorstandsstab des HOHENFRIED e.V. unter anderem fürs Netzwerken, Fundraising und die Finanzierung.

Unter anderem hat er in Berchtesgaden eine zwanglose Vortragsrunde ins Leben gerufen:
„Zivilgesellschaftliche Themenabende in der Lederstubn“
Und da auch bei mir angefragt, ob ich sein Projekt mit einem Vortrag unterstützen würde. Das mache ich doch sehr gerne. Es ist ja eine schöne Gelegenheit, mich für seine häufige Gastfreundschaft zu bedanken und für etwas Gutes zu wirken.

Plakat13Juli-Lederstubn

Da ich mal davon ausgehe, dass der Kreis der Besucher sehr gemischt sein wird, werde ich zu Beginn die Interessen meiner Zuhörer abfragen und sortieren. Und dann diese der Reihe nach abarbeiten, sozusagen einen OpenSpeech halten. So wird es auf jeden Fall ein sehr offene und interaktive Veranstaltung werden, die auch bestimmt allen Teilnehmer viel Spaß macht – und aber auch zum Nach-Denken anregen wird.

Anreisen werde ich im Zug mit dem Bayern-Ticket. Zurzeit plane ich die Verbindung zu nehmen, die in Neubiberg am 13. Juli um 14:31 mit der S-Bahn S7 startet und mit Umsteigen am Ostbahnhof und in Freilassing dann in Berchtesgaden Hbf um 17:30 ankommt. Die Rückfahrt plane ich am selben Tag von Berchtesgaden Hbf um 20:31, so dass ich wieder vor Mitternacht in meinem Bett liegen kann.

Natürlich freue ich mich auf Zuhörer aus meinem Bekanntenkreis und nehme sie gerne auf meinem Bayern-Ticket mit.

RMD

Roland Dürre
Sonntag, der 12. Juni 2016

Projekt Frieden – Jolly!

Dieses Jahr haben Jolly und ich das Projekt FRIEDEN gestartet. Ein wunderschönes Ergebnis unseres Kickoffs ist dieses Video.

Es sind gut 61 Minuten, die man nur genießen kann. Die wunderbar positiv inspirieren und viele Impulse geben. Also, nehmt Euch die Stunde Zeit und einen oder mehrere liebe Partner. Macht es Euch gemütlich, schaltet ab und schaut Euch das Video an.
🙂
Vorher ganz entspannen – für die Alkoholiker unter uns gerne bei einem Glas Rotwein.

Denn Jolly ist wirklich ein herausragender Mensch und Mentor der allerersten Klasse. So hat er viele Menschen in seinen Seminaren und durch seine Vorträge glücklicher und erfolgreicher gemacht hat. Auch mich.

Das Projekt Frieden wird ist das ehrgeizigste, an dem ich jeweils beteiligt war. Wir stehen am Anfang und brauchen Freunde, Partner und Unterstützer.

Ich werde laufend auch hier in IF-Blog den Fortschritt über die Ideen, Gedanken und Aktionen des Projektes FRIEDEN berichten. Bisher weiß ich nur, dass es das ehrgeizigste Projekt wird, an dem ich jemals beteiligt war. Und persönlich meine allergrößte Herausforderung.

Als nächstes werde ich dann hier in IF-Blog meinen Vortrag vom Kickoff vorstellen!

RMD

In meinem Unternehmertagebuch #41 habe ich in eine schöne Geschichte erzählt, die ich mal von einer amerikanischen Professorin gehört hatte. Da wurde die Frage beantwortet, warum das British Empire unter Queen Viktoria so einzigartig in Blüte stehen konnte, obwohl die weltweite Kommunikation damals alles andere als einfach war und vor allem sehr lange Zeit benötigte.

Heute möchte ich – auch wieder an einem Beispiel als Metapher – eine andere Frage auf ähnliche Art und Weise beantworten:

Airbus A400M, Schattenrisse, created by Hilbertz, Quelle siehe P.S.

Airbus A400M, Schattenrisse, created by Hilbertz, Quelle siehe P.S.1

Wie kann es sein, dass Airbus mit der Entwicklung von Produkten wie dem A 380 so erfolgreich ist und gleichzeitig mit dem M400 eine Katastrophe zu sein scheint?

A380

Wie so oft erfahren wir ganz einfach alle wichtigen Infos zum A380 in Wikipedia. Ich in in der Tat wirklich beeindruckt, wie gut Airbus das gemacht hat. Einen ganz neuen und außergewöhnlich großen Flieger so präzise zu entwickeln. In ganz anderen Dimensionen vorzustoßen, auch unter Nutzung völlig neuer Materialien.

Die im Projekt aufgetretenen Schwierigkeiten würde ich als normal und im Vergleich mit anderen Großprojekten als absolut unterdurchschnittlich bezeichnen, gerade unter Betrachtung der Verzögerungen bei der Konkurrenz Boeing mit ihrem „dreamliner„.

A400M

Auch über den A400M finden wir alles in Wikipedia. Und seit Jahren erreichen uns schlimme und sehr negative Meldungen zu diesem Projekt. Der schlimmste Zwischenfall dürfte wohl der Absturz eines A400M mit der Fertigungsnummer MSN023 bei seinem ersten Testflug in Spanien am 9. Mai 2015 gewesen sein. Das Projekt A300m scheint dem Außenstehenden total „out of time und budget“. Das ganze scheint so eine richtige „Großprojekt-Katastrophe“ zu sein bzw. noch zu werden.

Jetzt kommt die Frage:

Wie ist es vorstellbar, dass im selben Unternehmen ein Flugzeug so erfolgreich entwickelt wird? Und gleichzeitig die Entwicklung eines anderen so ein extremer Misserfolg wird?

Ich nehme mal an, das die Entwicklung der beiden Flieger zwei unterschiedliche Projekte waren, in denen verschiedene Menschen gearbeitet haben. Und so erscheint mir die Antwort ganz einfach:

Es liegt an den Menschen in den Projekten.

Die Gründe könnten sein:

  • Der A380 war ein ziviles Projekt und wurde
  •  als positive Vision und die große Herausforderung für Airbus kommuniziert.
  • Es stand für Innovation und einer Revolution des Fliegens und wurde
  • zur Metapher für die Zukunft von Airbus.
  • Der A400M war ein Militärflugzeug und
  • in der Wahrnehmung zumindest der Außenstehenden „just another military aircraft“.
  • Dies auch auf jeden Fall in der oberflächlichen Betrachtung basierend auf konservativer Technologie.

Und jetzt frage ich Euch:

Für welches Projekt hättet Ihr Euch entschieden?

P.S.
Alle Artikel meines Unternehmertagebuchs findet man in der Drehscheibe!

P.S.1
Das Bild ist aus Wikipedia. Created by Hilbertz with imaging software in April 2014, veröffentlicht unter CC BY-SA3.0.

Komm in meinen Dienst – mach mich reich!

Als vorläufig mal letzten Beitrag in meiner Serie zu Korruption bringe ich ein Erlebnis, dass ich als besonders freches Vorgehen empfand. Es war allerdings auch ein sehr verlockendes Angebot und nicht ganz einfach, nein zu sagen.

Das Geschehen ist nicht ganz so lange her wie die Erfahrungen, die ich in den anderen drei Berichten wieder gegeben habe. In meiner Erinnerung datiere ich es auf Anfang bis Mitte der 90iger.

Wir waren damals ein anerkannter und auch bekannter Lieferant von Support und Service für Produkte erster Hard- und Software-Hersteller und versorgten im Auftrage dieser Unternehmen deren Kunden mit Service- und Support-Leistungen. In Regel lief das in guter Partnerschaft, so gab es schöne „win-win-Situationen“.

Es war die Zeit, in der immer neue Unternehmen – vorzugsweise aus USA aber auch aus anderen Ländern – mit besonderen Software-Lösungen im Service- und Sicherheits-Bereich kometenhaft aufstiegen. Und natürlich war unser Ziel, verschiedene Hersteller zu unterstützen und unterschiedliche Technologien zu unterstützen, um ein breites Angebot am Markt zu haben und unabhängig von einem Hersteller zu bleiben.

Eine Tages erreichte uns wie aus dem Nichts ein Anruf eines renommierten und sehr erfolgreichen Technologie-Anbieters mit der Anfrage, ob wir nicht den exklusiven Service für dessen Produkte in einem größeren Bereich von DACH (Deutschland, Österreich, Schweiz) übernehmen wollten.

Es ist immer schön, wenn das Bargeld in der Kasse klimpert.

Es ist immer schön, wenn das Bargeld in der Kasse klimpert.

Das klang natürlich phantastisch. Heute weiß ich, dass man bei solchen Angeboten eigentlich schon von Haus aus misstrauisch sein muss, denn Wunder passieren in der Unternehmens-Realität eben nie (oder wenn dann nur sehr, sehr selten). Und wenn sie doch passieren, dann haben sie (immer) einen (riesen-großen) Haken. Als Treffpunkt war – wie konnte es anders sein – die Lobby in einem Flughafenhotel vorgeschlagen.

Wir waren neugierig, wollten diese Chance auf jeden Fall prüfen und vereinbarten den Termin. Und es war alles wahr. Der Support-Chef Europa des besagten Unternehmens empfing uns sehr freundlich und entgegenkommend und erklärte uns überzeugend, warum er gerade unser Unternehmen als Kandidaten für die zukünftige Partnerschaft ausgewählt habe. Er bot an, uns für eine sehr attraktive Region den Service für seine Produkte und Kunden komplett und exklusiv an uns zu übergeben. Die notwendige Ausbildung unserer Kollegen an seinen Produkten wurde uns zum Nulltarif angeboten, nur die Arbeitszeit dafür hätten wir aufzubringen. Alles klang nach einer neuen und wunderschönen Partnerschaft.

Aber dann kam der Haken. Unser Gesprächspartner wies uns darauf hin, dass wir in solch einem Modell ja keine Vertriebskosten hätten – und trotzdem exzellente Preise realisieren würden. Alle Aufträge würden ja direkt von seinem Unternehmen kommen und pünktlich bezahlt werden. Also wäre es nur rechtens und für uns keines Falls irgendwie nachteilig, wenn wir eine Vertriebspauschale von 10 Prozent für den mit unserem neuen Auftraggebers getätigten Umsatzes abführen würden. Dazu würden wir regelmäßig Rechnungen von einem in der Schweiz ansässigen Vertriebsunternehmen erhalten, die wir nur pünktlich bezahlen mussten.

Wir haben dann um eine kurze Bedenkzeit gebeten und sind wieder heim gefahren. Und haben schweren Herzens abgelehnt, denn der entgangene Umsatz war für uns durchaus relevant. Die Firma in der Schweiz war übrigens auch eine Art Briefkasten-Firma, wer weiß wo das Geld dann weiter hin ging.

In meiner doch ziemlich langen beruflichen Laufbahn habe ich eine Reihe von ganz konkreten Kick-Back-Geschäften erlebt. Meistens haben dann Personen im Mittelmanagement durch aus sehr renommierter und auch deutscher Unternehmen von ihren Dienstleistern einen „kleinen Rückfluss“ erwartet bzw. verlangt. Das ging dann übrigens auch meistens über Briefkastenfirmen. Aber so ein dreistes Vorgehen wie das von mir hier berichtete habe ich nie erlebt.

RMD

P.S.
Das Bild ist aus Wikipedia.
Von Banknoten: Hermann Eidenbenz für die Deutsche Bundesbank. Münzen: versch. Künstler für die Bundesrepublik Deutschland – Banknoten: Herausgegeben von der Deutschen Bundesbank. Münzen: Herausgegeben von der Bundesrepublik Deutschland, PD-Amtliches Werk.

Roland Dürre
Donnerstag, der 28. April 2016

Briefkasten-Firmen, Korruption und was so dazu gehört … (Serie) #3

Im Land der Roß-Händler …

Nach mehr allgemein gültigen Überlegungen in den beiden letzten Beiträgen (1 und 2) setze ich meine kleine Serie zur Korruption fort und berichte über zwei konkrete eigene Erfahrungen. Hier der erste Fall.

Wie ja den meisten Lesern bekannt ist, habe ich vor über 30 Jahren ein Unternehmen gegründet und war dort als Geschäftsführer und Vorstand tätig.

Schon in den frühen 80iger Jahren wurden Autos als Geschäftswagen in der BRD genauso wie heute subventioniert. Da es damals noch selbstverständlich war, ein Auto zu fahren, haben wir ganz früh unseren Mitarbeitern wahlweise als Teil des Gehalts ein sogenanntes Geschäftsauto angeboten. Bei einem „Geschäftsauto“ spart man die gesamte Mehrwertsteuer, denn man kann alle (!) Ausgaben wie Anschaffung des Fahrzeuges, Ersatzteile, Reifen, Zubehör, Versicherungen, Wartung und Instandsetzung, dazugehörende Dienstleistung und auch die Ausgaben für den gesamten Kraftstoff als normale Geschäfts-Kosten absetzen und spart so die gesamte Mehrwertsteuer und weitere Unternehmenssteuern (Einkommen, Gewerbe).

Über die Laufzeit eines Kraftfahrzeuges macht das schon bei Fahrzeugen der Mittelklasse einen enormen Betrag an Steuerersparnis aus, der die vom Mitarbeiter abzuführende Steuer für den „Geld werten“ Vorteil wesentlich übersteigt. Besonders dann, wenn der Mitarbeiter einen kurzen Arbeitsweg hat. Und „kluge“ Mitarbeiter haben in der Regel einen kurzen Arbeitsweg, wenn auch manchmal nur steuerlich.

Den Subventions-Gewinn (Differenz zwischen ersparter Mehrwertsteuer und der vom Mitarbeiter bezahlten Steuer für „Geld werten Vorteil“) kann man sich trefflich zwischen Mitarbeiter und Unternehmen teilen, so dass beide Seiten von der Subvention für die Automobil-Industrie profitieren. Und da ich damals beim Thema Autofahren noch ziemlich naiv war, habe ich das Argument „Du bekommst einen Geschäftswagen“ kräftig auch bei der Anwerbung von Mitarbeitern eingesetzt.

So wuchs mit der Anzahl der Mitarbeiter auch die Anzahl der Geschäftswagen kräftig. Wir konnten nach kurzer Zeit von einer kleinen Flotte von IF-Autos sprechen, die immer größer wurde (10, 20, 30 …). Wenn man eine Flotte hat, kommt der Autovertreter für die Geschäftskunden und überredet einen mit dem Hinweis auf „die vielen Vorteile“ zu einem Flottenvertrag. Den habe ich dann auch irgendwann mal abgeschlossen.

Auch die Rückseite dieses Scheines hat manches Herz erfreut :-)

Auch die Rückseite dieses Scheines hat manches Herz erfreut 🙂

Jetzt dachte ich, dass wir über so einen Flottenvertrag die Autos günstiger kriegen würden denn als Privatkäufer. Das war aber ein Irrtum, immer wieder erfuhr ich, dass Freunde beim „Privatkauf“ – zwar nach zähem Handeln aber immerhin – einen höheren Einzelrabatt bekamen als ich für die Flotte. Das hat mich geärgert.

Dazu kam, dass die Versprechungen der Flottenvertrags-Händler zwar sehr groß aber der Service unterirdisch schlecht war. So habe ich die Anbieter gelegentlich gewechselt, einmal sogar die Marke. Die Verhandlungen waren immer grauenhaft, denn die Vertriebsleute der Autofirmen haben ihr ganzes, mir sehr unangenehmes vertriebliches Repertoire in penetranter Art und Weise eingesetzt.

Und wie ich partout nicht mehr wollte, kam der Oberverkäufer zu mir. Er beschwor mich eindringlich, dass ich unbedingt bei seinem Hause und seiner Marke bleiben müsse. Alles würde besser werden. Und er könne mir auch ein ganz besonderes Extra anbieten, dass er nur seinen allerbesten Kunden geben würde:

Er würde mir für jedes Fahrzeug, dass das Unternehmen im Rahmen des Flottenvertrages bei ihm kaufen würde, 5 % des Bestellwertes auf ein Konto meiner Wahl überweisen!

Ich war perplex und habe ihm geantwortet, dass ich gar kein Konto für so etwas hätte. Da hat er gesagt, dass er mir bei dem Einrichten eines solchen – gerne auch im Ausland – durchaus behilflich sein könnte. Hat er da eine Briefkastenfirma gemeint?

Zu der Zeit ist die InterFace gut gewachsen. Unsere Autos haben wir immer früh erneuert und so in diesem Jahr gut 10 Autos bestellt. Es war in diesem Jahr sicher ein Einkaufswert von über 250.000 DM. So hätten diese 5 % einen gesamten Zahlungseingang auf das Konto meiner Wahl in Höhe von 12.500 DM bedeutet. Das waren immerhin 12 1/2 Exemplare des abgebildeten Scheines, für den man damals noch sehr viel bekam. Und das Ganze steuerfrei und jedes Jahr mit steigender Tendenz …

Ich habe damals abgelehnt, weil ich ein solches Vorgehen nicht nur als Bestechung sondern vor allem als Betrug an meinen Partnern und Mitarbeitern gesehen habe. Heute bin ich froh darüber, dass ich dieses sehr ernst gemeinte Angebot abgelehnt habe. Marke und Vertriebsunternehmen verrate ich nicht, weil ich davon ausgehe, dass das keine gängige Geschäftspraxis war sondern nur die Machenschaften von Einzelnen. Aber wer weiß?

RMD

P.S.
Der Tausender ist aus Wikipedia.