Klaus Hnilica
Samstag, der 28. Oktober 2017

Rumpelstilzchen versagt – ein Bericht aus der realen Märchenwelt

Wissen Sie – ich hab’ als Kind schon das Rumpelstilzchen geliebt! Das war so spannend, wie es da im finsteren Wald vor einem Feuerchen tanzte – und „ach wie gut, dass niemand weiß, dass ich Rumpelstilzchen heiß“, geträllert hat! So aufregend war das, dass ich gar keine Worte dafür finde…

Ja und auch wie es dann schon ein paar Sätze weiter in der Geschichte sich vor der Königstochter zerrissen hat – herrlich! Welch eine Konsequenz und Tapferkeit – sich einfach so zu zerreißen! Ich hab’ dieses eindringliche Bild immer in mir getragen!

Und nun die Ernüchterung! Diese unappetitliche „Rumpelstilzchenaffäre“! Sie haben das sicher auch in der Presse gelesen: es geht da um eine Affäre zwischen dem europäischen Hochadel und einem deutschen Müller!

Königs und Müllers sollen zusammen ein übles Ding gedreht haben bei dem es um viel Geld geht!

Europäisches Geld – versteht sich!

Und zwar soll der besagte Müller – genauer ein gewisser ‚Soja-Müller’ – mit dem weltgrößten Sojamehl Versandhaus im Rücken,  zusammen mit einem höchst respektablen europäischen Königshaus versucht haben – aus Stroh Gold zu machen!

Und das obwohl er, der Müller, gar kein Stroh hat, sondern nur ‚Sojakuchen’! Also praktisch nur den Abfall aus der Sojamehlherstellung – aber kein Stroh!

Dabei hätte es für Stroh aus dem Landwirtschaftsfond der Europäischen Kommission ordentlich Subventionen gegeben, aber nicht für Kuchen, also ‚Sojakuchen’, versteht sich!

Für die Aktien des Sojamehl Versandhauses war das natürlich nicht gut! Ja sogar eine regelrechte Katastrophe! Schließlich sind Aktien auch nur Menschen, d. h. hinter ihnen verstecken sich Menschen.

Menschen mit all ihren Stärken und Schwächen! Genau wie bei des Müllers Töchterchen Annegret, die schon seit jeher eine Riesenschwäche für alles Königliche hatte.

Insbesondere seit dem letzten ‚Opernball in Wien’, wo sie mit einem ganz süßen Jungkönig Linkswalzer getanzt hat, Linkswalzer bis sie schwindlig wurde – und  in die blaublütigen Arme des Jungkönigs gesunken ist.

Arme, die sie wegen des niedrigen Aktienkurses, dann auch umgehend vor den Traualtar geleitet haben. Kein Wunder, dass dadurch nicht nur die Liebe dieser beiden Turteltäubchen hochschnellte, sondern auch die Aktienwerte des ‚Sojamehl Versandhauses’! Und wie die hochschnellten!!

Klar, dass dies ein Raunen in der Welt der finanzstarken Oligarchen auslöste und schon nach wenigen Tagen ein so genanntes ‚Rumpelstilzchen’ auf den Plan rief; eines von dem niemand wusste wer es war und woher es kam und wie es wirklich hieß?

Doch emsig wie es war, dieses ‚rumpelnde Stilzchen’, hatte es im Handumdrehen mit den Stimmen Rumäniens, Bulgariens und des frisch vermählten Königreiches bei der Europäischen Kommission eine Mehrheit dafür erreicht, dass ‚Sojakuchen’ zukünftig als Stroh deklariert werden darf und somit durch EU – Gelder vergoldet wird!

Unglaublich was so ein Rumpelstilzchen alles kann, und gut dass niemand weiß wie es wirklich heißt…

Dass bei diesem ‚Deal’ auch der österreichische Rum-Hersteller namens ‚Stroh’, mit einer größeren Liefermenge seines 85%-tigen ‚Stroh-Rums’ an den EU – Ratspräsident Junker, als solch ein Rumpelstilzchen fungiert haben soll, ist allerdings eine dieser hässlichen „Fake News“ aus Russland, die einzig und allein dazu dienen, die Europäische Union zu destabilisieren!

Was ja bei Putin niemand mehr überrascht!

Genau so wenig, wie die Meldung, dass die frisch vermählte ‚Sojamehl Königin’ angeblich durch dieses plötzlich aufgetauchte Rumpelstilzchen geschwängert worden sei – und nicht durch den europäischen Hochadel?

Was für eine weitere bodenlose Verleumdung! Nicht einmal ihren feschen Pilates Trainer haben diese lausigen russischen Hacker bei ihrer Desinformationskampagne der jungen Königin zugestanden. Das ist wirklich zum Junge kriegen!

Was ja auch prompt passiert ist.

Immerhin erklärt diese üble Schwangerschaftsverleumdung, warum Rumpelstilzchen unbedingt das neugeborene Kind der jungen Königin an sich reißen wollte? Natürlich weil es einen Vaterschaftstest verhindern wollte, und überhaupt nicht heiß drauf war, für sein segensreiches Tun, auch noch ein  Rumpelstilzchenleben lang Alimente zu zahlen! Klaro!!

Ähnlich ging es der Königin, die ihrerseits ihr Neugeborenes auch ohne jeden Vaterschaftsnachweis behalten wollte! Und das per Twitter sogar postwendend, samt ihren 10 Millionen Followers, dem Rumpelstilzchen unter die lange Nase rieb!

Hätte sie lieber nicht tun sollen! Die königliche Hoheit! Dieses Herumtwittern! Denn der amerikanische Geheimdienst hat mitgelesen, und ebenso postwendend dem angeblichen russischen Rumpelstilzchen wegen versuchten Raubes eines Königskindes mit einer Klage vor dem Europäischen Gerichtshof gedroht…

Nicht glaubwürdig – und für mich persönlich auch sehr, sehr enttäuschend ist allerdings – dass sich daraufhin dieses unbekannte Rumpelstilzchen angeblich wutentbrannt zerrissen haben soll! Genau wie seinerzeit im Märchen!!

Und das vor den blauen Augen der sojamehligen Königin, die von ihrem Kind nicht lassen wollte! Schrecklich – nicht wahr? Sich einfach so durchzureißen! Der Länge nach – von unten nach oben! Grauslich!

Wo man doch heute nach fast 300 Jahren kultureller Weiterentwicklung so etwas viel eleganter mit einem Sprengstoffgürtel aus dem Internet erledigen kann!

In den Medien wär das auch viel besser rüber gekommen!

Und jeder von uns hätte nach der Selbstsprengung des Rumpelstilzchens vor der Königin, dieses schreckliche Geschehen bestimmt zeitnah über sein Smartphon von irgendeiner Videoüberwachungskamera herunterladen können – d. h. wir wären alle dabei gewesen – ganz Europa wär dabei gewesen!

Auch die übliche stereotype Verurteilung dieser feigen und abscheuenswürdigen Tat durch die Politik hätte viel mehr Bürgerinnen und Bürger erreicht – als dieses stille, egomanische ‚Sich – Selbst – Zerreißen’ des Rumpelstilzchens!

Zu dem sich nicht einmal der IS bekannt hat!

Schade ist das! Schade, dass Rumpelstilzchen so versagt hat! Von so einer Sprengung hätten doch alle etwas gehabt? Auch Sie, Sie und Sie! Ja wir alle. Europa wär durch diese Selbstsprengung echt zusammengesprengt worden! Endlich wäre zusammengesprengt worden –  was zusammen gehört! Schade, wirklich schade…

KH

PS: Das herrliche Poster ist von Meike Schwagmann aus der Autorengruppe ‚ZwanzigZehn‘

Klaus Hnilica
Donnerstag, der 18. Mai 2017

Der Sturz

Ich weiß nicht mehr, wer mir diese Geschichte erzählt hat. Vielleicht der Reiseführer auf der Fahrt ins ‚Manrique Museum’? Oder diese Geologieprofessorin aus Brandenburg? Seit acht Jahren kommt sie im März ins ‚Lanzarote Park Hotel’ in Playa Blanca und liest auch spanische Tageszeitungen, nicht nur dieses dämliche Inselmagazin Lanzarote 37°. Oder hat mir sogar Pedro diese Geschichte als eine seiner nicht zu überbietenden ‚Sprachensalat ’- Variationen an der Pool-Bar serviert?

Ich weiß es nicht mehr…

Aber immer ging’s um diesen zahnlosen Straßenmusikanten!

Ein Schandfleck auf der endlosen meeresnahen Promenade im Südwesten von Lanzarote. So verdreckt und unappetitlich sollte der da nicht sitzen dürfen. Das geht nicht! Nicht auf dieser fantastischen EU–finanzierten Promenade! Auf der bis tief in die Nacht hinein hunderte von Menschen pilgern.

Dieser ‚musizierende Drecksack’ lungert ja nicht nur auf seinem rostigen Klappstuhl vor der letzten Brache an der Promenade herum, wo man ihn kaum wahrnehmen würde, sondern neuerdings fast ausschließlich an der gemauerten Promenadenbrüstung.

Was für ein Auftritt da: ein ‚musizierender Müllhaufen’ vor dem sonnenbestrahlten ewig glitzernden Meer! Mit einem schmierigen Hut am Boden und einem Käppi auf sonnenverbranntem Schädel! Und zwei Triefaugen wie Pfützen…

Meist sabbert er in eine Melodica – eine Art Tastenflöte – aus der immer die gleiche Melodie kriecht. Doch seltsam anrührend! Das muss man ihm lassen. Vielleicht ist es sogar etwas von Mozart? Wenngleich es zu schwermütig sein mag? Leider konnte ich das nie herausfinden.

Als der Konzertsaal in Jameos del Agua in der „Lavablase“ vor sieben Jahren geschlossen worden war, weil Steine aus der Decke fielen, spielte dieser Schandfleck auch schon auf der Promenade in Playa Blanca. Damals soll er sogar ein ziemlich reichhaltiges musikalisches Portfolio gehabt haben.

Und während das Vulkangestein über der Decke mit speziellen Harzen verklebt wurde, saß er auch jeden Tag da. Von den sechs Millionen Euro, die das gekostet haben soll, verlor sich vielleicht sogar der eine oder andere Cent in seinen schäbigen Hut. Wer konnte das schon wissen? Der ‚musizierende Müllhaufen’  sicherlich nicht.

Und dieses Einweihungskonzert anlässlich der festlichen Neueröffnung des renovierten Konzertsaales in Jameos del Agua  ging bestimmt auch vollkommen an ihm vorbei, ebenso die Tatsache, dass der berühmte englische Dirigent John Miguel Smith dirigieren würde und sich sogar Vertreter des spanischen Königshauses angesagt hatten.

Doch dass dieser höchst eitle John Miguel Smith mit seiner viel zu jungen Begleiterin ausgerechnet einen Tag vor diesem pompös angekündigten Eröffnungskonzert vor ihm – dem ‚musizierenden Drecksack’ – ganz blöd gestolpert und im wahrsten Sinn des Wortes in voller Länge hingedonnert war, das hatte er mitbekommen.

Und die spanischen Flüche des feinen Engländers vermutlich auch!

Dabei hatte Betty noch, „attention John“, gerufen, da er offensichtlich eine seltsam einschmeichelnde Melodie wieder erkannte und nur noch Augen für den zerlumpten Verursacher dieser Melodie hatte – aber da war es schon zu spät! Er klatschte in voller Länge auf das gediegene braune Pflaster der Promenade hier in Playa Blanca…

Schimpfend sprang er sofort wieder hoch, begutachtete entsetzt seine grässlich aufgeschürften Hände und Ellbogen, bewegte wie ein Wahnsinniger seine malträtierten Finger und strich immer wieder kopfschüttelnd über das am Bauch aufgerissene blutige T-Shirt.

Dass er sich beim Sturz auch das klobige silberne griechische Knotenkreuz vom Hals gerissen hatte, merkte er erst, als Betty es ihm mit Tränen in den Augen entgegenhielt. Wie ein Greifvogel schnappte er zu und warf es dem vor Entsetzten erstarrten Straßenmusikanten in seinen schmierigen Hut.

Hastig zog er Betty mit sich fort, um schnellstens der aufgeschreckten, gaffenden Menschenmenge zu entkommen. Seine einzige Sorge galt wohl nur noch dem morgigen Eröffnungskonzert in der „Lavablase“! In Jameos del Agua! Und seinen zerschundenen Armen, dem aufgeschürften Bauch, den blutenden Händen und seinem aufgeschlagenem Kinn. Und hoffentlich hatte ihn niemand erkannt – ihn, den berühmten John Miguel Smith, als er wie ein hingeknallter Frosch bäuchlings die Promenade küsste…

Welch eine Demütigung!

In mindestens einem Fall schien sich allerdings diese Hoffnung nicht erfüllt zu haben: denn als der ‚musizierende Müllhaufen’ seine Schockstarre überwunden hatte und nach dem Kreuz zwischen den wenigen Münzen in seinem Hut fingerte, ging urplötzlich ein seltsames Leuchten über sein vom Alkohol zerstörtes Gesicht, ein Leuchten, das auch noch anhielt, als sich das zahnlose Maul auftat und ein fragendes „Miguel?“ herausdrang…

Und dann wieder: „Miguel – Miguel,  bist du’s?“

Immer aufgeregter wurde der Straßenmusikant, immer panischer,er ließ die vor Schmutz starrende Melodica fallen und drückte auch mit seiner linken Pranke an dem Silberkreuz herum – und immer wieder krächzte er: „Miguel !…Miguel !!…Miguel…!!!“

Aber John Miguel Smith war längst  außer Sicht- und Hörweite, ja er hetzte  wie ein weidwundes Tier mit seiner vollkommen aufgelösten Begleitung die Promenade entlang, um sich schnellstens in seinem Unterschlupf im Hotel Vulcano zu verkriechen!

Da der berühmte Dirigent Smith bekanntermaßen sich jedes Herumschnüffeln in seiner Vita verbat und erbarmungslos sämtliche noch so geringfügige öffentliche Vermutungen beklagte, verhallten auch diese verzweifelten Rufe des alten Mannes im Geplätscher des an der Lavaküste züngelnden Meeres nahe der Promenadenbrüstung.

Trotzdem hatte ich, wie gesagt, irgendwo aufgeschnappt, dass der Straßenmusikant deshalb, und nur deshalb seit damals, diese eine besagte ‚einschmeichelnde Melodie’, die ich bis heute nicht identifizieren konnte, spielt, da er immer noch hofft, sein Miguel – um den er sich als Kind einen Dreck geschert, ja ihn sogar zur Adoption freigegeben hatte – doch noch eines Tages vorbei kommt, und ihn, seinen angeblichen Vater, auf einen Brandy ‚Carlos III’ einlädt…

Ob es wirklich der ‚Carlos III’ ist, von dem dieser vermüllte ‚Musikus’ träumt, dafür möchte ich mich allerdings nicht verbürgen, aber ich lade jeden, der mir etwas Neues über John Miguel Smith zu erzählen vermag, zu einem ‚Carlos I’ in den vorgewärmten Gläsern des Café ‚Gilbert’ an der Promenade in Playa Blanca ein – denn irgendwie sollte dem alten, ‚musizierenden Drecksack’ geholfen werden, meine ich, und warum nicht mit einem guten Brandy?

PS:
Erwähnt sei noch, dass alle Personen und Handlungen dieser Geschichte erfunden sind, doch an dieser Melodie, die zum Sturz des Dirigenten führte, bleib ich dran, die muss ich unbedingt herausfinden…

KH

Roland Dürre
Donnerstag, der 13. April 2017

IT-Treff – Nostalgie 1999 – Es war der Wahnsinn!

Im IF-Blog in den Dokumenten findet sich ein ganz besonderes Schmankerl. Das war dort lange Zeit ganz unten tief versteckt.

Es ist eine Satire auf die New Economy – ein Theaterstück mit dem Titel

Sind wir noch zu retten?

Norbert Weinberger und ich haben es geschrieben. Die Idee kam uns auf einem gemeinsamen Flug von München via Zürich nach Neu-Dehli mit Swiss Air.

Swiss Air war ein mühsam ausgehandelter Kompromiss: Mein Freund und Partner Norbert flog aus Prinzip immer Business Class mit Lufthansa und ich genauso meinen Prinzipien treu immer in der Economy. Da wir gemeinsam fliegen wollten, haben wir uns dann auf Swiss Air in der Business Class geeinigt, weil das damals preislich so ziemlich in der Mitte lag. Der Grund für den Flug war übrigens die offizielle Eröffnung unseres gemeinsamen indischen Tochterunternehmen „AMPERSAND limited“. Damals wuchsen die Bäume schon wieder in den Himmel.

Die Business Class des Swiss-Fliegers von Zürich nach Neu-Dehli war komplett leer. Swiss Air war damals noch eine unabhängige Airline und machte heftig Verlust – das hat die freundliche Besatzung aber nicht gestört. Der Service war exzellent; wir wurden richtig verwöhnt. Während des ganzen Fluges wurden uns von charmanten Schweizer Stewardessen Champagner serviert. Auch das hat uns beschwingt. So haben wir im Flieger auch gleich das Grob-Konzept des Stückes entwickelt.

Das Stück haben wir Monate später gemeinsam mit Unternehmerfreunden am 29. Juni 1999 vor weit mehr als 500 Zuschauern beim IT-Treff 99 im überfüllten Schlachthof zu München uraufgeführt. Es war eine Riesengaudi, das Publikum hat getobt. Für uns – die Darsteller – war es der Wahnsinn. Und dazu noch wunderschöner Ausblick auf die Ereignisse zur Jahrtausendwende.

Wie kam es zum IT-Treff? Mitte der 90iger Jahre war es nicht immer so ganz einfach für IT-Unternehmen in Deutschland. Die Stimmung war da gar nicht so gut. Deshalb wollten ein paar mutige IT-Unternehmer*Innen etwas tun, um die Stimmung zu verbessern. Das waren wir Muschka Utpadel-Domdey,  Alfred Bauer, Hans Nagel, Dr. Christian Roth, Markus Winkler und eben der Norbert und ich. Unser Idee war sozusagen „Feiern gegen die Krise“. So haben wir den IT-Treff  gegründet. und die ganze Münchner IT-Szene eingeladen. Und siehe da – alle kamen.

Stars wie Gerhard Polt und Django Asül sind bei uns aufgetreten und haben ihr Programm für uns um IT-spezifische Themen erweitert. Die Bayerische Regierung war immer dabei – an die originellen Grußadressen von Staatssekretär Hans Spitzner kann ich immer noch gut erinnern. Es gab immer heiße Musik – mit der George Greene Hotline Band haben wir im Schlachthof sogar eine eigene CD produziert, die man auch heute noch gerne hört.

Und die Branche hat wieder getanzt. Das war 1996, 1997 und 1998. 1999 war der letzte IT-Treff – und da haben wir (die Veranstalter) das Kabarett selber gemacht. Hier ist unsere IT-Treff Satire (1734) „Sind wir noch zu retten?“ – zum Lesen oder Nachspielen.

Weil sie so schön ist und ein so großer Erfolg war, habe ich für kleine und große Theater eine Prämie ausgesetzt, wenn die das Stück spielen. Es gibt sozusagen eine „negative Aufführungsgebühr“ (Tantieme), kostet also keine 10 % der Brutto-Einnahmen oder so sondern es gibt etwas drauf. Das Stück ist kurz aber sehr prägnant Stück – auch als Vorspiel für etwas anderes wie eine Feier geeignet.


 

Hier der Flyer zum IT-Treff 1999 von außen

und von innen

RMD

Roland Dürre
Sonntag, der 23. November 2014

Das Ende von offener Kollaboration

Heute eine fiktive Geschichte, wie sie tatsächlich passiert hätte sein können.

220px-Jekyll-mansfieldDie Geschichte handelt von zwei wichtigen und bekannten Protagonisten, die in derselben Branche tätig sind. Beide arbeiten am selben Thema. Es ist ein neues Thema, mit dem man Geld verdienen kann. Nennen wir die beiden mal Mr. Je und Mr. Hy.

Beide berichten in ihren Blogs ihre Überlegungen und entwickeln dazu allein und gemeinsam mit Anderen neue Ideen im Sinne von „Wissen teilen“ und „gemeinsam Erkenntnis gewinnen“.

Mr. Je findet Gedanken in einem Post im Blog von Mr. Hy spannend. So beginnt ein Dialog zwischen den beiden. Der Dialog findet in Form von Kommentaren zu diesem Post im Blog von Mr. Hy statt.

Es entsteht ein wesentlicher Erkenntnisgewinn, der eine werthaltige Basis für ein Geschäftsmodell umfasst. Großen Anteil daran haben die konstruktiven, kritischen und ergänzenden Kommentare von Mr. Je.

Mr. Hy nutzt die so gewonnenen Erkenntnisse für sein Geschäft und bringt sein Geschäftsmodell erfolgreich voran. Mr. Je erzählt er aber davon nichts, löscht aber ganz schnell den Dialog zwischen ihm und Mr. Je aus seinem Blog.

Mr. Je hat kein Problem damit, dass Mr. Hy aus dem gemeinsamen Dialog ein Geschäft entwickelt. Das ist in Ordnung und der Sinn von „Wissen teilen“ und „offener Kollaboration“. Er hätte sich jedoch gefreut, von Mr. Hy zu hören und vielleicht ein Kooperationsangebot zu bekommen.

Aber dass der Dialog gelöscht wurde, das ärgert ihn!

Die Geschichte ist natürlich von mir frei erfunden. Ähnlichkeiten mit – falls vorhandenen – Gegebenheiten oder lebenden wie schon verstorbenen Personen sind rein zufällig.

RMD

Das Bild ist aus Wikipedia:
en:Henry Van der Weyde (1838-1924; London, England) – http://www.photography-museum.com/jekyll.html / Originally from en.wikipedia;

Roland Dürre
Sonntag, der 2. November 2014

Wie war das doch alles verrückt im letzten Jahrtausend.

Im letzten Jahrhundert, vor der Jahrtausendwende, da war alles anders.

Die Manager glaubten damals noch, dass Zukunft vorhersagbar ist. Noch mehr – sie waren überzeugt, dass Wachstum ewig statt finden könnte.

Die Menschen damals hatten das Gefühl, dass alles machbar ist und dass man dank der Technologie und des Fortschritts alle Probleme lösen kann. Denn der Mensch als Krone der Schöpfung fühlte sich als das omnipotente Wesen – den Tieren weit überlegen. Und er meinte, er könne alles unter Kontrolle bekommen.

Das Motto war schneller, höher, größer, weiter und komfortabler. Die Ingenieure und Technokraten hatten das Sagen. Ein Leben ohne Autos war nicht vorstellbar. Der Individualverkehr mit schweren Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor auch für einzelne Personen war das selbstverständliche Grundrecht eines jeden Menschen – genauso wie der Kurzurlaub in der „DomRep“ oder in Thailand. Eine Gesellschaft galt als „entwickelt“, wenn sich auch die Armen ein Auto leisten konnten!

Der Wochenendausflug nach London oder Madrid wie der Kurztrip nach New York oder Abu Dhabi half den Menschen, ihre Langeweile auf mondäne Art zu vertreiben. Durch Konsum wollte man sich selbst bestätigen und das Glück sich kaufen. Trotzdem war Geiz geil und Geld die neue Religion. Mit dieser Einstellung gelang es trefflich, die Welt zu zerstören.

Die Professoren an den Hochschulen lehrten uns, dass gute Manager nie reagieren müssen, sondern immer agieren können. Denn die Guten sind in der Lage, im voraus zu sehen, was kommen wird. So wie mir 1968 der kettenrauchende und entsprechend hustende Fahrlehrer beibrachte, der aufgrund seines Aussehens den Spitznamen „Old Death“ hatte, dass ein guter (deutscher) Autofahrer immer vorhersehen müsse, was in der nächsten Sekunde passieren könnte.

Die Hochschulen brachten uns auch bei, dass ein Manager immer frei von Emotionen und persönlichen Gefühlen sein müsse. Die Wissenschaft der Entscheidung hat uns empfohlen, als erstes Informationen in ausreichender Menge zu sammeln. Dann müsse man diese ganz objektiv bewerten und analysieren. Erst dann könne man und müsse man frei von Gefühlen, ganz rational und logisch entscheiden. Und dabei müsse man Intuition wie Heuristik als trügerische Störfaktoren ignorieren.

Das war damals auch die Begründung, warum die „normale Frau“ nichts im Management verloren hätte. Weil die Frau – bis auf ganz wenige – einfach zu sehr von ihren Gefühlen gesteuert werden würde. Klar – die Frauen in „hohen“ Positionen im Management waren eher die Ausnahme. Und diese sahen dann auch aus wie Männer.

Die Lehrbücher lehrten auch, dass eine Organisation genau dann gut wäre, wenn der Ober-Manager in der Lage ist, durch das „Drehen an wenigen Schrauben“ das System nach seiner Vorgabe zu steuern.

Die Firmen orientierten sich deshalb mit ihrer Aufbau-Organisation an militärischen Vorbildern. So war Hierarchie angesagt, nur ganz wenige ultra-moderne Unternehmen erlaubten sich eine Matrixkooperation und hatten gar den Mut zur „kooperativen Führung“. Begriffe wie Selbst- und Netzwerkorganisation waren verpönt ebenso wie Transparenz und Agilität gefürchtet wurden. Es galt „Einfalt statt Vielfalt“ und nicht die „Weisheit der Masse“.

Taylorismus, moralisierende Prozesse und Globalisierung galten als das Erfolgsrezept für die Wirtschaft und die Garanten für den Wohlstand der ganzen Welt. Das Ziel der großen Unternehmen war immer die Weltmarktführerschaft. Die Ausbeutung von Menschen und Ressourcen aller Art wuchs parallel geometrisch.

Die Masse dagegen galt als primitiver Mob. Der Bürger wurde für dumm gehalten und für dumm verkauft. Mit Marketing wurden die Massen manipuliert, mit Lobbyismus ihre Interessen ausgeschaltet. Der Wähler in der Demokratie galt als Stimmvieh, sein Verlangen nach Frieden wurde mit erfundenen und groß propagierten Ängsten „overruled“.

Die Regierenden und Regierungen wussten damals viel besser, was für alle gut ist. Sie machten sogar Gesetze, die geltendes Recht außer Kraft setzten und im Grundgesetz festgelegte Rechte igoriert haben. So wurden die Bürger massenhaft belauscht und vergaukelt. Oft um den Interessen und Forderungen fremder Mächte oder mächtiger Konzerne zu genügen.

Sogar Gerichte wurden in extremen Fällen für nicht mehr zuständig erklärt und an ihrer Stelle obskure Schiedsgerichte eingesetzt. Bürger, die gegen Steuergesetze verstossen hatten, wurden streng verfolgt. Gleichzeitig haben dieselben Staaten für die Konzerne „Steuer-Oasen“ geschaffen.

Und das schlimmste: Die Regierungen haben geglaubt, mit Kriegen die Ordnung der Welt gestalten und mit Waffen Frieden schaffen zu können.

Wie bin ich doch froh, dass diese Zeit vorbei ist.

RMD
(20. Juni 2030)

Gastautor(en)
Dienstag, der 12. November 2013

Beobachtungen eines Neulandreisenden.

Ein Freund hat mir folgende Geschichte „aus dem Internet“ gesendet:

Auf dem Planeten Neuland erhebt sich, umgeben vom Ozean der Kommunikation, der Festlandssockel Transmissio, auch als TCP/IP bekannt. Über diesen Sockel ragen verschiedene Inseln aus dem Wasser des Kommunikationsozeans. Die Bäche und Flüsse der Inseln fließen sämtlich in den Kommunikationsozean, so dass alle miteinander verbunden sind.

Neulandologen haben erforscht, dass der Festlandsockel mitsamt den Inseln aus Schichten aufgebaut sind, die sich im Laufe der Zeit aufgetürmt haben.

Die wichtigsten und größten dieser Inseln sind Mailanesien, Usenetania und Wehwehwehstan. Daneben gibt es noch Efteponien, Telnetia und einige andere mehr. Fast alle Inseln sind oder waren bewohnt. Wie das so ist, haben sich die Völker von Humanum im Laufe der Zeit auseinandergelebt und sprechen verschiedene Sprachen.

Die Voelker von Mailanesien und Usenetania haben eng miteinander verwandte Kulturen oder Verhaltencodices, sie koennen sich meist gegenseitig verstehen.  Die Kultur der Mailanesier heisst SMTP, die der Usenetanier NNTP, wenn sie miteinander reden wollen. Beide Völker sprechen Sprachen, die – abgesehen von Dialekten – der Sprache ähneln, die die Mailanesier und die Usenetanier verwenden, wenn sie jeweils in ihren Behausungen miteinander reden.

Die Mailanesier leben teils ganz zurückgezogen und pflegen Kontakte nur zu wenigen anderen Mailanesiern, sie werden auch die „One-to-One-Mailanesier“ genannt, andere Mailanesier pflegen Kontakte zu vielen ihrer Leute, das sind die „One-to-Many-“ oder „Listo-Mailanesier“. Ensprechend sind auch die Regeln, nach denen die Mailanesier über ihre SMTP-Kultur hinaus gegeben haben, gering. Die On-to-One-Mailanesier machen sie unter sich aus, die Listo-Mailanesier überlassen es meistens einer Stelle, Regeln aufzustellen oder auf die Beachtung beschlossener Regeln gelegentlich hinzuweisen.

Anders die Usenetanier. Ihnen ist sind Öffentlichkeit und die Sicherheit vor fremden Eingriffen wichtig. Ihre „NNTP“ genannte Kultur hat daher viele Orte geschaffen, die alle die gleiche Einrichtung haben, so dass eine Störung an einem Ort nicht dazu führt, dass die Öffentlichkeit zusammenbricht, sondern immer auf andere Orte ausgewichen werden kann. Die Usenetanier legen Wert darauf, dass ihre Kultur und ihre vielen Orte keinen Eigentümer und keinen Besitzer haben, sondern dass sich ihnen jeder zu jeder Zeit zugesellen kann. Damit sie sich immer verstehen und austauschen können, haben sie sich Regeln geschaffen, die es jedem ermöglichen, an jeden ihrer Orte zu gelangen und ein gleichberechtigter, freier Bürger ihrer Insel zu sein.

Es muss allerdings konstatiert werden, dass die Bevölkerung von Usenetania seit einiger Zeit einem dramatischen demographischen Wandel unterliegt. Das gilt nicht in gleichem Masse für versprengte Usenetanier, die sich auf kleinen Eilanden niedergelassen haben und zwar noch die Kultur NNTP pflegen, aber keine Verbindung zum eigentlichen Usenetanien haben.

In Wehwehwehstan ist eine Insel mit einer gegenüber den anderen wesentlich staerker zerkluefteten Oberflaeche. Es gibt viele Schluchten und Gipfel, die natürlich alle auf der gleichen Schichtenfolge aufbauen wie die anderen Inseln, je höher man aber klettert, umso mehr differiert der Aufbau und die oberen Schichten der Berge unterscheiden sich untereinander erheblich. Die Kultur in Wehwehwehstan heisst HTTP, man liebt man es dort eher schrill und bunt. Es gibt eine unüberschaubare Anzahl von Plätzen und Orten, aber die Öffentlichkeit und Erreichbarkeit spielt dort keine so große Rolle wie in Usenetanien.

Jeder Clan hat dort seinen eigenen Ort oder seine eigene Nische, den einer, der dem Clan nicht angehört, nicht leicht findet. So haben sich in Wehwehwehstan zahlreiche Dialekte entwickelt und es kann durchaus nicht jeder Einwohner von Wehwehwehstan Kontakt zu jedem anderen aufbauen. Außerdem sind die Bewohner von Wehwehwehstan nicht so sehr an der Frage des Eigentums und Besitzes auf ihrer Insel interessiert, so dass sie weniger Vorsorge gegen die Schließung von Orten oder die Einschränkung ihrer Freiheit treffen. Unter „Freiheit“ verstehen manche von ihnen eher, sich verbergen zu dürfen, neuerdings ist sogar eine Mode der „digitalen Burka“, sie nennen es „Verschlüsselung“, aufgekommen, weil sie erfahren haben, dass sie von ungebetenen Gästen ungefragt beobachtet werden. Diese Erfahrung und den Zorn darueber teilen sie übrigens mit den Mailanesiern.

Eine Eigentümlichkeit der Leute von Wehwehwehstan ist es auch, dass viele von ihnen glauben, sie seien die einzigen Bewohner von Humanum und es gebe außer der Wehwehwehstan keine weiteren Inseln auf dem Planeten. Ja, es gibt sogar Bewohner von Wehwehwehstan, die ihren Berg niemals verlassen und erwarten, dass jemand, der etwas wissen will, ihren Berg besteigt. Hat man diese Mühe – wozu nicht selten eine spezielle Ausrüstung erforderlich ist – auf sich genommen, sind sie aber ein recht gastfreundliches Völkchen, vorausgesetzt, der Gast zeigt Anstrengungen, sich in ihrem Dialekt mit ihnen zu unterhalten und gehört nicht zu den oben erwähnten „ungebetenen Gästen“.

Soweit die Geschichte. Wie ich finde ganz nett, da könnte man noch darauf aufbauen. Ich habe dann noch nach der Quelle geforscht. Es ist Sabine Baer <baerks@t-online.de> in der Newsgroups: free.de.piratenpartei, ihr Subject ist „Postkarte aus Neuland“.

RMD

Roland Dürre
Mittwoch, der 19. Dezember 2012

Frauen und Männer. Ein Facebook-Fund.

Logik 2.0 (w/m).

Schlicht unerreichbar – erzählt von einer Dame (?).

Ich (weiblich) fahre mit dem Bus nach Hause. Der Bus ist knallvoll, also will ich mir das Durchdrängeln zum Stempelautomaten ersparen. Bin gerade dabei, die Frau vor mir zu bitten, meine Karte für mich abzustempeln. Aber wie spreche ich sie am besten an, mit Du oder mit Sie?

An der letzten Haltestelle ist sie nicht ausgestiegen, also fährt sie mit mir bis zur Endstation. Ich schaue sie mir genauer an. Sie hat eine Flasche Wein dabei, also fährt sie sicher zu einem Mann. Die Weinflasche ist nicht gerade die billigste, also muss es ein hübscher Mann sein.

Bei uns im Viertel gibt es nur zwei hübsche Männer – meinen Mann und meinen Liebhaber. Zu meinem Liebhaber kann sie nicht fahren, da ich selbst dorthin unterwegs bin. Also fährt sie zu meinem Mann. Mein Mann hat zwei Geliebte – Katrin und Andrea. Katrin hat jedoch gerade Urlaub …

Ich: „Hallo Andrea, kannst du bitte die Karte für mich stempeln?“

Andrea: „Woher kennst du mich?“

Aus Facebook von Nackt gefällst du mir besser über Matthias Wühle.

Mir gefällt an der Geschichte die unemotionale und so gar nicht männliche Betrachtung eines doch sehr emotionalen Themas … Und hoffe, dass sie weder männer- noch frauenfeindlich sondern einfach nur blöd ist.

Leicht geändert von mir (Roland Dürre).

RMD

Gastautor(en)
Dienstag, der 24. April 2012

Die Welt der Insekten …

Wieder mal ein Fundstück aus dem Internet.

Seit vielen Jahren kommen die fleißigen Ameisen jeden Tag fröhlich ins Unternehmen. Sie lieben ihren Job, sind selten krank und arbeiten den ganzen Tag gut gelaunt durch. Alle Aufgaben werden schnell und zur großen Zufriedenheit der Kunden erledigt. Da die Arbeit Spaß macht, summen die Ameisen immer wenn möglich ihr Liedchen.

Aber die Zeiten ändern sich.

Der Generaldirektor (ein großer Hirschkäfer) stellt eines Tages fest, dass er nicht weiß, was die Ameisen machen.

„So kann es nicht weitergehen!“

Er schafft eine neue Stelle für einen Supervisor und stellt dafür den Mistkäfer mit seiner großen Erfahrung von vielen Misthaufen ein. Als erstes geht der Mistkäfer das Thema Arbeitszeit an. Er standardisiert die Anfangs- und Endzeiten und erarbeitet eine komplexe Arbeitszeit-Regel. Diverse Reports werden eingeführt, die Art der Tätigkeit muß aufwändig differenziert werden.

Die eingehenden Reports werden ausgewertet und aufbereitet. Das führt zu einer Arbeitsüberlastung beim Mistkäfer. Der Generaldirektor Hirschkäfer stellt einen hübschen Marienkäfer als Sekretärin für den Mistkäfer ein. Der Marienkäfer richtet auch gleich noch ein Archiv ein und kontrolliert das pünktliche Erstellen der komplizierten Berichte.

Die Ameisen arbeiten trotz allem froh und munter weiter, denn ihre Arbeit gefällt ihnen immer noch. Ihr Liedchen summen sie allerdings seltener.

Der Generaldirektor Hirschkäfer ist begeistert von der Arbeit des Mistkäfers. Endlich hat er Zahlen, die er abends vorm Kamin in Ruhe durchlesen kann. Die sind aber unübersichtlich, also wünscht er sich noch grafische Darstellungen und Analysen. Und vor allem eine schöne Quartals-Prognose. So wird es nötig, neben der Sekretärin Marienkäfer eine Assistenzkraft für den Supervisor einzustellen. Eine Brummfliege wird gefunden. Sie bekommt einen eigenen Farbdrucker, damit die Reports auch schön bunt erstellt werden können.

Die fleißigen Ameise summen ihr Liedchen kaum mehr. Sie beschweren sich, dass sie soviel Schreibkram ausfüllen müssen. Überstunden sind angesagt, um das Arbeitspensum zu schaffen. Generaldirektor Hirschkäfer stellt gleichzeitig fest, dass die Kunden unzufriedener werden.

„Es muss ein Administrator für die Abteilung her, in der die Ameisen arbeiten!“

Für diese verantwortungsvolle Aufgabe wird die Grille eingestellt. Die zirpt lauter als die Ameisen brummen. Als erstes verlangt sie, dass man ihr ein besonderes Büro einrichtet. Die Grille bringt ihre persönliche Assistentin mit, die Heuschrecke. Denn die hat schon immer als Sekretärin bei der Grille gearbeitet.

Die Ameisen haben aufgehört zu singen. Sie werden immer unruhiger, nervöser und skeptischer. Zukunftsangst macht sich breit, der Krankenstand steigt. Die Ziele des Unternehmens werden ehrgeiziger, die Vorgaben höher und die Planzahlen nach oben korrigiert.

Der Generaldirektor Hirschkäfer muss aber in seinen Graphiken feststellen, dass zwar die Kosten aber nicht die Umsätze steigen. So fasst er einen aus seiner Sicht sehr schlüssigen Gedanken:

„Wir müssen untersuchen, wie wir produktiver werden können!“

Gesucht wird ein Berater, der die Produktion der Ameisen nach Einspar-Potentialen untersuchen soll. Gesagt, getan. Als Berater wird eine Stechmücke gefunden. Sie vermisst alle Arbeitsschritte und analysiert die Prozesse des Unternehmen. Aufbau- und Ablauf-Organisation wird verändert. Die Aktion ist teuer, der Nutzen gering.

Beim Lesen der Berichte und Prognosen bemerkt der Generaldirektor Hirschkäfer, dass die Kosten steigen, aber nicht die Umsätze. Im nächsten Quartal drohen große Verluste. Also wendet er sich an „Die Glühwürmchen“, eine bekannte und teure Unternehmensberatung. Sie wird beauftragt, das Unternehmen zu analysieren und einen Rettungsplan zu erarbeiten.

Drei Monate leuchten die Glühwürmchen bei Tag und Nacht in allen Abteilungen der Firma herum. Dann präsentieren sie ihren Abschlussbericht. Das Ergebnis ist:

„Das Unternehmen hat zu viele Mitarbeiter!“

Der Generaldirektor folgt dem Rat. Geschäftsfelder werden ab- und aufgegeben, Bereiche ausgelagert und viele Ameisen gekündigt.

Der Autor ist mir unbekannt, ich habe die Geschichte nur wenig verändert.

RMD

Gastautor(en)
Montag, der 2. Januar 2012

Rolo’s Lieblingsgeschichte

Auf diese Geschichte und ihren Autor hat mich Rolo aufmerksam gemacht:

Jobbergeschichte

Wir Jobber steckten Drähte und Spiralen ineinander, legten kleine Plastikscheibchen in ovale rot lackierte Teile aus Metall, und am Ende des Bandes saß Mehdi, der bohrte mit der Maschine ein Loch durch die Eier, dann war das Ding fertig.

In den ersten Wochen hatte ich mich noch bemüht herauszufinden, was ich da eigentlich herstellte, um der Arbeit etwas von ihrer Entfremdung zu nehmen oder so ähnlich. Das Teil sei wohl für Automotoren, sagte der eine, ein Politikstudent aus Sierra Leone, es spiele eine wichtige Rolle im Vergaser. Es sei für den Export nach Japan, sagte der polnische Religionswissenschaftler, dort würde es von gewissen shintoistischen Sekten kultisch verehrt.

Klar war nur, dass die fertigen Teile ziemlich teuer waren. Man munkelte etwas von 300, – Mark pro Stück, aber genau wusste es niemand. Die Eier waren unterschiedlich groß, das wechselte von Woche zu Woche. Der Vorarbeiter stellte die Maschinen passend ein, und wir mussten alle Handgriffe exakt so ausführen, wie er es anordnete.

Er genoss es, Anweisungen zu geben. Bald würden diese Studenten die Universität verlassen und mit ihren wirren Theorien im Kopf die Chefs spielen, aber hier, in der Welt der Praxis, hatte immer noch er das Sagen.

Sein liebster Spruch: »Ihr werdet hier nicht fürs Denken bezahlt, sondern fürs Arbeiten.« Einer vom ganz alten Schlag. Kooperativer Führungsstil, das war für ihn irgend so eine schwule Schweinerei.

Eines Morgens, es war kurz nach sieben, rief Mehdi, der Exiliraner, den Vorarbeiter: »Die Maschine ist falsch eingestellt.« Der Vorarbeiter sagte: »Das kannst du gar nicht wissen, du dussliger Türke. Arbeite weiter.«

Gegen acht rief Mehdi wieder nach dem Vorarbeiter: »Guck doch mal, die Maschine ist falsch eingestellt. Der Bohrwinkel ist zu steil. Ich denke, wenn man …«

Der Vorarbeiter sagte: »Du wirst hier nicht fürs Denken bezahlt, sondern fürs Arbeiten.«

Mehdi bohrte. Er bohrte und bohrte, 120 Eier in der Stunde. Er grinste vor sich hin, und manchmal schüttelte er ungläubig den Kopf. »Ausschuss«, sagte er. »Leute, gebt euch keine Mühe«, sagte er zu uns, »ich mach eure Arbeit eh zu Schrott. Das ist alles Ausschuss.« Er gluckste leise. Wir waren gespannt, wann sie es merken würden.

Sie merkten es eine halbe Stunde vor Feierabend. Der Abteilungsleiter brüllte, als wäre er in die Metallpresse gefallen. Mehdi fegte schon seine Maschine, als die Hierarchie sich vor ihm aufbaute: der Abteilungsleiter, der Meister, der Vorarbeiter. Er habe doch gesagt, dass die Maschine falsch eingestellt sei, sagte Mehdi. Woher er denn so etwas wissen wolle, wollte der Vorarbeiter wissen.

Mehdi sagte: »Na ja, ich studiere im achten Semester Maschinenbau.« Der Abteilungsleiter fragte Mehdi mit Tränen in den Augen, ob er sich eigentlich klar darüber sei, dass er heute für eine Viertelmillion Mark Schrott produziert habe? »Ach, doch so viel?«, sagte Mehdi, und wir Umstehenden überschlugen die Rechnung im Kopf. Dann kam das ja in etwa hin mit den 300 Mark pro Stück.

Wie ich finde, wirklich eine schöne Geschichte!

Der Autor ist BOV BJERG
Bov Bjerg, geb. 1965. Der ehemalige Berufskraftfahrer ist Redakteur der Zeitschrift »Salbader« und Kolumnist der Berliner Stadtzeitung »Scheinschlag«. Er liest in der »Reformbühne Heim & Welt« und im »Mittwochsfazit«.
(Im Netz: www.bjerg.de)

RMD

P.S.
Rolo ist Rolo Zollner, ein lieber Freund und toller Fotograf. Er gestattet mir ab und zu, Bilder von ihm in IF-Blog.de zu veröffentlichen.

Roland Dürre
Samstag, der 17. Dezember 2011

Tnuat Ben Dati – die wahre Geschichte.

Es war das Jahr 1968. Der Roland war noch keine 18 Jahre alt und ging ins Jakob-Fugger-Gymnasium zu Augsburg. Wir hatten noch das G9, in sofern war ich in der Vorabitur-Klasse, die eigentlich die 8. war, aber die 12. hieß. Und noch nicht „Kollegstufe“, obwohl man am Ende des Schuljahres schon die ersten Fächer fürs Abitur „ablegte“.

Das war die Zeit, in der ich und meine Freunde sich in der Öffentlichkeit nur ungern ohne Zigarette zeigten und abends das Bier bei der Evi im Rehak (die Kneipe in der Bahnhofstraße zu Augsburg) oder wenn man intellektuell sein wollte, der Rotwein im Republikanischen Club ein „Muss“ waren.

Tagsüber verbrachten wir im Sommer die Zeit  im „Familienbad“ und waren immer ganz schön braun. Nachts dagegen waren wir wenn irgendwie möglich in den amerikanischen Clubs (Hank’s in Oberhausen, Playboy in Pfersee) bei den GI’s. Die waren überwiegend schwarz, weil bei uns die U.S. Army stationiert war. Und das Heer war vor allem „schwarz“.

Wenn wir am frühen Morgen kurz vor dem Sonnenaufgang aus den verrauchten Kneipen in die frische Luft des herannahenden Morgens kamen, dann waren wir trotz aller Bräune eher blass.

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