Roland DürreMittwoch, der 19. Dezember 2012
Frauen und Männer. Ein Facebook-Fund.
Logik 2.0 (w/m).
Schlicht unerreichbar – erzählt von einer Dame (?).
Ich (weiblich) fahre mit dem Bus nach Hause. Der Bus ist knallvoll, also will ich mir das Durchdrängeln zum Stempelautomaten ersparen. Bin gerade dabei, die Frau vor mir zu bitten, meine Karte für mich abzustempeln. Aber wie spreche ich sie am besten an, mit Du oder mit Sie?
An der letzten Haltestelle ist sie nicht ausgestiegen, also fährt sie mit mir bis zur Endstation. Ich schaue sie mir genauer an. Sie hat eine Flasche Wein dabei, also fährt sie sicher zu einem Mann. Die Weinflasche ist nicht gerade die billigste, also muss es ein hübscher Mann sein.
Bei uns im Viertel gibt es nur zwei hübsche Männer – meinen Mann und meinen Liebhaber. Zu meinem Liebhaber kann sie nicht fahren, da ich selbst dorthin unterwegs bin. Also fährt sie zu meinem Mann. Mein Mann hat zwei Geliebte – Katrin und Andrea. Katrin hat jedoch gerade Urlaub …
Ich: “Hallo Andrea, kannst du bitte die Karte für mich stempeln?”
Andrea: “Woher kennst du mich?”
Aus Facebook von Nackt gefällst du mir besser über Matthias Wühle.
Mir gefällt an der Geschichte die unemotionale und so gar nicht männliche Betrachtung eines doch sehr emotionalen Themas … Und hoffe, dass sie weder männer- noch frauenfeindlich sondern einfach nur blöd ist.
Leicht geändert von mir (Roland Dürre).
RMD
Gastautor(en) Dienstag, der 24. April 2012
Die Welt der Insekten …
Wieder mal ein Fundstück aus dem Internet.
Seit vielen Jahren kommen die fleißigen Ameisen jeden Tag fröhlich ins Unternehmen. Sie lieben ihren Job, sind selten krank und arbeiten den ganzen Tag gut gelaunt durch. Alle Aufgaben werden schnell und zur großen Zufriedenheit der Kunden erledigt. Da die Arbeit Spaß macht, summen die Ameisen immer wenn möglich ihr Liedchen.
Aber die Zeiten ändern sich.
Der Generaldirektor (ein großer Hirschkäfer) stellt eines Tages fest, dass er nicht weiß, was die Ameisen machen.
“So kann es nicht weitergehen!”
Er schafft eine neue Stelle für einen Supervisor und stellt dafür den Mistkäfer mit seiner großen Erfahrung von vielen Misthaufen ein. Als erstes geht der Mistkäfer das Thema Arbeitszeit an. Er standardisiert die Anfangs- und Endzeiten und erarbeitet eine komplexe Arbeitszeit-Regel. Diverse Reports werden eingeführt, die Art der Tätigkeit muß aufwändig differenziert werden.
Die eingehenden Reports werden ausgewertet und aufbereitet. Das führt zu einer Arbeitsüberlastung beim Mistkäfer. Der Generaldirektor Hirschkäfer stellt einen hübschen Marienkäfer als Sekretärin für den Mistkäfer ein. Der Marienkäfer richtet auch gleich noch ein Archiv ein und kontrolliert das pünktliche Erstellen der komplizierten Berichte.
Die Ameisen arbeiten trotz allem froh und munter weiter, denn ihre Arbeit gefällt ihnen immer noch. Ihr Liedchen summen sie allerdings seltener.
Der Generaldirektor Hirschkäfer ist begeistert von der Arbeit des Mistkäfers. Endlich hat er Zahlen, die er abends vorm Kamin in Ruhe durchlesen kann. Die sind aber unübersichtlich, also wünscht er sich noch grafische Darstellungen und Analysen. Und vor allem eine schöne Quartals-Prognose. So wird es nötig, neben der Sekretärin Marienkäfer eine Assistenzkraft für den Supervisor einzustellen. Eine Brummfliege wird gefunden. Sie bekommt einen eigenen Farbdrucker, damit die Reports auch schön bunt erstellt werden können.
Die fleißigen Ameise summen ihr Liedchen kaum mehr. Sie beschweren sich, dass sie soviel Schreibkram ausfüllen müssen. Überstunden sind angesagt, um das Arbeitspensum zu schaffen. Generaldirektor Hirschkäfer stellt gleichzeitig fest, dass die Kunden unzufriedener werden.
“Es muss ein Administrator für die Abteilung her, in der die Ameisen arbeiten!”
Für diese verantwortungsvolle Aufgabe wird die Grille eingestellt. Die zirpt lauter als die Ameisen brummen. Als erstes verlangt sie, dass man ihr ein besonderes Büro einrichtet. Die Grille bringt ihre persönliche Assistentin mit, die Heuschrecke. Denn die hat schon immer als Sekretärin bei der Grille gearbeitet.
Die Ameisen haben aufgehört zu singen. Sie werden immer unruhiger, nervöser und skeptischer. Zukunftsangst macht sich breit, der Krankenstand steigt. Die Ziele des Unternehmens werden ehrgeiziger, die Vorgaben höher und die Planzahlen nach oben korrigiert.
Der Generaldirektor Hirschkäfer muss aber in seinen Graphiken feststellen, dass zwar die Kosten aber nicht die Umsätze steigen. So fasst er einen aus seiner Sicht sehr schlüssigen Gedanken:
“Wir müssen untersuchen, wie wir produktiver werden können!”
Gesucht wird ein Berater, der die Produktion der Ameisen nach Einspar-Potentialen untersuchen soll. Gesagt, getan. Als Berater wird eine Stechmücke gefunden. Sie vermisst alle Arbeitsschritte und analysiert die Prozesse des Unternehmen. Aufbau- und Ablauf-Organisation wird verändert. Die Aktion ist teuer, der Nutzen gering.
Beim Lesen der Berichte und Prognosen bemerkt der Generaldirektor Hirschkäfer, dass die Kosten steigen, aber nicht die Umsätze. Im nächsten Quartal drohen große Verluste. Also wendet er sich an “Die Glühwürmchen”, eine bekannte und teure Unternehmensberatung. Sie wird beauftragt, das Unternehmen zu analysieren und einen Rettungsplan zu erarbeiten.
Drei Monate leuchten die Glühwürmchen bei Tag und Nacht in allen Abteilungen der Firma herum. Dann präsentieren sie ihren Abschlussbericht. Das Ergebnis ist:
“Das Unternehmen hat zu viele Mitarbeiter”.
Der Generaldirektor folgt dem Rat. Geschäftsfelder werden ab- und aufgegeben, Bereiche ausgelagert und viele Ameisen gekündigt.
Der Autor ist mir unbekannt, ich habe die Geschichte ein wenig verändert.
RMD
Gastautor(en) Montag, der 2. Januar 2012
Rolo’s Lieblingsgeschichte
Auf diese Geschichte und ihren Autor hat mich Rolo aufmerksam gemacht:
Jobbergeschichte
Wir Jobber steckten Drähte und Spiralen ineinander, legten kleine Plastikscheibchen in ovale rot lackierte Teile aus Metall, und am Ende des Bandes saß Mehdi, der bohrte mit der Maschine ein Loch durch die Eier, dann war das Ding fertig.
In den ersten Wochen hatte ich mich noch bemüht herauszufinden, was ich da eigentlich herstellte, um der Arbeit etwas von ihrer Entfremdung zu nehmen oder so ähnlich. Das Teil sei wohl für Automotoren, sagte der eine, ein Politikstudent aus Sierra Leone, es spiele eine wichtige Rolle im Vergaser. Es sei für den Export nach Japan, sagte der polnische Religionswissenschaftler, dort würde es von gewissen shintoistischen Sekten kultisch verehrt.
Klar war nur, dass die fertigen Teile ziemlich teuer waren. Man munkelte etwas von 300, – Mark pro Stück, aber genau wusste es niemand. Die Eier waren unterschiedlich groß, das wechselte von Woche zu Woche. Der Vorarbeiter stellte die Maschinen passend ein, und wir mussten alle Handgriffe exakt so ausführen, wie er es anordnete.
Er genoss es, Anweisungen zu geben. Bald würden diese Studenten die Universität verlassen und mit ihren wirren Theorien im Kopf die Chefs spielen, aber hier, in der Welt der Praxis, hatte immer noch er das Sagen.
Sein liebster Spruch: »Ihr werdet hier nicht fürs Denken bezahlt, sondern fürs Arbeiten.« Einer vom ganz alten Schlag. Kooperativer Führungsstil, das war für ihn irgend so eine schwule Schweinerei.
Eines Morgens, es war kurz nach sieben, rief Mehdi, der Exiliraner, den Vorarbeiter: »Die Maschine ist falsch eingestellt.« Der Vorarbeiter sagte: »Das kannst du gar nicht wissen, du dussliger Türke. Arbeite weiter.«
Gegen acht rief Mehdi wieder nach dem Vorarbeiter: »Guck doch mal, die Maschine ist falsch eingestellt. Der Bohrwinkel ist zu steil. Ich denke, wenn man …«
Der Vorarbeiter sagte: »Du wirst hier nicht fürs Denken bezahlt, sondern fürs Arbeiten.«
Mehdi bohrte. Er bohrte und bohrte, 120 Eier in der Stunde. Er grinste vor sich hin, und manchmal schüttelte er ungläubig den Kopf. »Ausschuss«, sagte er. »Leute, gebt euch keine Mühe«, sagte er zu uns, »ich mach eure Arbeit eh zu Schrott. Das ist alles Ausschuss.« Er gluckste leise. Wir waren gespannt, wann sie es merken würden.
Sie merkten es eine halbe Stunde vor Feierabend. Der Abteilungsleiter brüllte, als wäre er in die Metallpresse gefallen. Mehdi fegte schon seine Maschine, als die Hierarchie sich vor ihm aufbaute: der Abteilungsleiter, der Meister, der Vorarbeiter. Er habe doch gesagt, dass die Maschine falsch eingestellt sei, sagte Mehdi. Woher er denn so etwas wissen wolle, wollte der Vorarbeiter wissen.
Mehdi sagte: »Na ja, ich studiere im achten Semester Maschinenbau.« Der Abteilungsleiter fragte Mehdi mit Tränen in den Augen, ob er sich eigentlich klar darüber sei, dass er heute für eine Viertelmillion Mark Schrott produziert habe? »Ach, doch so viel?«, sagte Mehdi, und wir Umstehenden überschlugen die Rechnung im Kopf. Dann kam das ja in etwa hin mit den 300 Mark pro Stück.
Wie ich finde, wirklich eine schöne Geschichte!
Der Autor ist BOV BJERG
Bov Bjerg, geb. 1965. Der ehemalige Berufskraftfahrer ist Redakteur der Zeitschrift »Salbader« und Kolumnist der Berliner Stadtzeitung »Scheinschlag«. Er liest in der »Reformbühne Heim & Welt« und im »Mittwochsfazit«.
(Im Netz: www.bjerg.de)
RMD
P.S.
Rolo ist Rolo Zollner, ein lieber Freund und toller Fotograf. Er gestattet mir ab und zu, Bilder von ihm in IF-Blog.de zu veröffentlichen.
Roland DürreSamstag, der 17. Dezember 2011
Tnuat Ben Dati – die wahre Geschichte.
Es war das Jahr 1968. Der Roland war noch keine 18 Jahre alt und ging ins Jakob-Fugger-Gymnasium zu Augsburg. Wir hatten noch das G9, in sofern war ich in der Vorabitur-Klasse, die eigentlich die 8. war, aber die 12. hieß. Und noch nicht “Kollegstufe”, obwohl man am Ende des Schuljahres schon die ersten Fächer fürs Abitur “ablegte”.
Das war die Zeit, in der ich und meine Freunde sich in der Öffentlichkeit nur ungern ohne Zigarette zeigten und abends das Bier bei der Evi im Rehak (die Kneipe in der Bahnhofstraße zu Augsburg) oder wenn man intellektuell sein wollte, der Rotwein im Republikanischen Club ein “Muss” waren.
Tagsüber verbrachten wir im Sommer die Zeit im “Familienbad” und waren immer ganz schön braun. Nachts dagegen waren wir wenn irgendwie möglich in den amerikanischen Clubs (Hank’s in Oberhausen, Playboy in Pfersee) bei den GI’s. Die waren überwiegend schwarz, weil bei uns die U.S. Army stationiert war. Und das Heer war vor allem “schwarz”.
Wenn wir am frühen Morgen kurz vor dem Sonnenaufgang aus den verrauchten Kneipen in die frische Luft des herannahenden Morgens kamen, dann waren wir trotz aller Bräune eher blass.
Roland DürreSamstag, der 10. Dezember 2011
Adventskalender – 10. Dezember
Noch 14 mal schlafen!
Weil wir gestern bei der InterFace AG so eine schöne Weihnachtsfeier hatten und der Blödsinn von gestern so erfolgreich war, ist im heutigen Fenster des Adventskalenders nochmal ein wenig von in meiner Meinung so richtigem Blödsinn, den man wohl nur im Suff ertragen kann! Man beachte die Komplexheit dieses absolut blödsinnigen Satzes.
Also – aufmachen – und auf <more> (mehr) drücken!
mehr »
Roland DürreSonntag, der 16. Oktober 2011
Unternehmertagebuch #55 “Die Parabel vom Kiosk”
Umsatz und Rendite – oder – BWL für Anfänger
Diskussionen über reale Unternehmen führen aufgrund der sehr facettenreichen Komplexität derselbigen schnell ins Chaos. Aus Sachfragen werden Glaubensdinge. Einfachste Zusammenhänge verwirren sich in philosophische und fast kriegerische Auseinandersetzungen. An Stelle von Erkenntnisgewinn und Wissensfortschritt entsteht Frust und De-Motivation.
Das habe ich selbst erlebt. Besonders die (theoretische) Frage “Welche Umsatzrendite ist einem Unternehmen angemessen?” hat einiges an Frust in mein Unternehmerleben gebracht. Deshalb habe ich die Parabel vom Kiosk erfunden:
Stellen wir uns einen ganz kleinen Kiosk an einem Bahnhof vor. Nur ein Mensch passt rein. Der Raum für Waren ist begrenzt, die Kunden werden durch ein offenen Fenster wie an einem Schalter bedient. Der Kioskbetreiber macht die ganze Arbeit.
Der Kiosk bietet zwei Arten von Waren an. Kleine Jägermeister-Flaschen und Zigaretten. Der Aufschlag beim Jägermeister ist 150 %, da der Einkaufspreis 1 €, der Verkaufspreis 2,50 € beträgt. Macht eine Marge von 60 % beim Schnaps. Bei den Zigaretten ist die Marge schlechter. Bei einem Einkaufspreis von 4,50 € wird die Schachtel zu 5 € verkauft, es ergibt sich also ein Aufschlag von 0,50 €, das gibt eine Marge von genau 10% vom Umsatz.
Sabine SammerMontag, der 19. September 2011
Wenn’s nur immer so einfach wäre!
Ein Unternehmen hat seine Spitzenleute auf ein teures Seminar geschickt. Sie sollen lernen, auch in einer ungewohnten Situation Lösungen zu erarbeiten sowie rasch und zielgerichtet zu entscheiden.
Am zweiten Tag wird einer Gruppe von Managern die Aufgabe gestellt, die Höhe einer Fahnenstange zu messen. Sie gehen hinaus auf den Rasen, beschaffen sich eine Leiter und ein Bandmaß. Die Leiter ist aber zu kurz. Also holen sie noch einen Tisch, auf den sie die Leiter stellen. Es reicht immer noch nicht. Sie stellen noch einen Stuhl auf den Tisch. Da das alles sehr wackelig ist, fällt der ganze Aufbau immer wieder um. Alle reden gleichzeitig. Jeder hat andere Vorschläge zur Lösung des Problems. Es ist ein heilloses Durcheinander.
Ein Ingenieur kommt vorbei. Er schaut dem Treiben ein paar Minuten lang zu. Dann zieht er wortlos die Fahnenstange aus dem Boden, legt sie hin, nimmt das Bandmaß und misst die Stange von einem Ende zum anderen. Er schreibt das Ergebnis auf einen Zettel und drückt ihn zusammen mit dem Bandmaß einem der Manager in die Hand. Dann geht er wieder seines Weges.
Kaum ist er um die Ecke, sagt einer der Top-Manager:
“Das war wieder typisch Ingenieur! Wir müssen die Höhe der Stange wissen und er sagt uns die Länge! Deshalb lassen wir diese Leute auch nie in den Vorstand“.
2s
Gastautor(en) Mittwoch, der 27. Juli 2011
Blöd
Immer wieder schicken mir Leser eigenartige Geschichten zu. Hier wieder mal eine Kostprobe als hoffentlich unterhaltsamer Blödsinn für die Wochenmitte. Hören wir dem Erzähler zu …
Ich ging mit meinem Vater (66) ins Einkaufscenter um neue Schuhe zu kaufen. Durch das Herumlaufen wurden wir hungrig und beschlossen, etwas zu essen. Wir gingen in den “Food Court” und fanden auch gleich etwas Leckeres (zu essen) und zwei freie Plätze.
Über seine Nudeln starrte mein Vater ein junges Mädchen an, welches in unserer Nähe saß. Das Mädchen hatte ihre Haare wie einen Hahnenkamm frisiert. Der leuchtete grell in bunten Farben – grün, orange, rot und blau – alles war dabei. Mein Vater konnte seinen Blick von ihr und den dazu gehörenden Piercings nicht lassen.
Das Mädchen bemerkte es. Jedes Mal, wenn sie wieder in unsere Richtung schaute, erwischte sie meinen Vater, wie er sie anstarrte. Als das Mädchen genug davon hatte, fragte sie sarkastisch:
“Hey, was ist dein Problem alter Mann? Hast du niemals was Wildes in deinem Leben gemacht?”
Da ich die Schlagfertigkeit meines Vaters kannte, schluckte ich schnell alles was ich gerade im Mund hatte herunter. Ich wollte nicht an meinem letzten Bissen ersticken, denn gleich würde etwas besonderes passieren.
So kam es. Mit Würde und ohne dem kleinsten Zwinkern eines Augenlids antwortete mein Vater:
“Doch! Ich hab mal Drogen genommen und danach einen Pfau gevögelt und jetzt frag ich mich, ob Du das Ergebnis bist.”
Von Herbert (Fußball-Spezi) aus dem Internet, der erzählende Autor ist uns unbekannt. Eine wunderschöne Restwoche!
RMD
Roland DürreSonntag, der 24. Juli 2011
Der rote Faden
Ein guter Freund von mir, der Jowi, hat vor einigen Jahren in einem Forum einen Beitrag über die Midlife Crisis geschrieben. Eine Krise, die mal offen, mal zwischen oder hinter den Zeilen ausgetragen wird. Die verleugnet und verschmäht, gehasst und geliebt wird.
Hier sein kurzer, aber wie ich meine auch heute noch plausibler und vor allem sehr persönlicher Beitrag zu diesem Thema:
Gastautor(en) Montag, der 4. Juli 2011
Griechenland / Alles kein Problem
Ein ganz lieber Freund aus der Schweiz hat mir folgende Geschichte gesendet:
Es ist ein trüber Tag in einer kleinen Stadt in einem betroffenen Land, es regnet und alle Straßen sind wie leer gefegt. Die Zeiten sind schlecht, jeder hat Schulden und alle leben auf Pump.
An einem Tag fährt ein deutscher Tourist durch die Stadt und hält bei einem kleinen Hotel. Er sagt dem Eigentümer, dass er sich gerne die Zimmer anschauen möchte, um vielleicht eines für eine Übernachtung zu mieten und legt als Kaution einen 100 Euro Schein auf den Tresen.
Der Eigentümer gibt ihm einige Schlüssel und dann geht’s los:
- Als der Besucher die Treppe hinauf ist, nimmt der Hotelier den Geldschein, rennt zu seinem Nachbarn, dem Metzger und bezahlt seine Schulden.
- Der Metzger nimmt die 100 Euro, läuft die Straße runter und bezahlt den Bauern.
- Der Bauer nimmt die 100 Euro und bezahlt seine Rechnung beim Genossenschaftslager.
- Der Mann dort nimmt den 100 Euro Schein, rennt zur Kneipe und bezahlt seine Getränkerechnung.
- Der Wirt der Kneipe schiebt den Schein zu einer an der Theke sitzenden Prostituierten, die auch harte Zeiten hinter sich hat und dem Wirt einige Gefälligkeiten auf Kredit gegeben hatte.
- Die Hure rennt zum Hotel und bezahlt ihre ausstehende Zimmerrechnung mit den 100 Euro.
- Der Hotelier legt den Schein wieder zurück auf den Tresen.
- In diesem Moment kommt der Reisende die Treppe herunter, nimmt seinen Geldschein und meint, dass ihm keines der Zimmer gefällt und er verlässt die Stadt.
➩ Niemand produzierte etwas.
➩ Niemand verdiente etwas.
➩ Alle Beteiligten sind ihre Schulden los und
➩ schauen mit großem Optimismus in die Zukunft.
So, jetzt wisst Ihr Bescheid. So einfach funktioniert das EU-Rettungspaket.
Der Autor ist uns unbekannt.
RMD
P.S.
Jetzt wissen wir es, Detlev SIX hat es heraus gefunden: Der Autor des Textes ist Cordt Schnibben und die Geschichte stammt aus einem Artikel des vorletzten Spiegels “Die bürgerliche Kernschmelze” (siehe auch seinen Kommentar).





