Roland Dürre
Dienstag, der 5. Februar 2019

Zukunft und Wetten.

Wer wettet nicht gerne? Besonders, wenn er sich sehr gut auskennt? Wie die meisten deutschen Männer beim Fußball?

Mich hat die Zukunft schon immer gefesselt. Einer meiner frühen Berufswünsche neben Filmemacher war Zukunftsforscher. Geworden bin ich dann Programmierer und später IT-Unternehmer. Mein Thema war Digitalisierung – so habe ich mich dazu mit Vorhersagen versucht. Meistens lag ich falsch, weil die technologische Entwicklung schneller ging, als ich dachte. Nur bei den Flachbildschirmen war es anders. Da lag ich auch falsch, die Verdrängung der „Röhren-Geräte“ durch die „Flach-Bildschirme“ dauerte deutlich länger als ich es erwartet und vorhergesagt hatte.

Ab und zu habe ich mich auch außerhalb der IT als Vorhersager betätigt. Dazu gibt es  eine lustige Geschichte. Es war eine Wette, bei der ich eine Kiste Champagner gewonnen und bis heute nicht erhalten habe. Obwohl Wettschulden ja Ehrensache sein sollen.

Die Geschichte geht so.

Wir sind im Jahre 1993. Gerade ist der Focus das erste Mal erschienen. Er wird als Alternative zum Spiegel konzipiert, dem deutschen Nachrichtenmagazin, von dem Verlag Hubert Burda Media kreiert und auf den Markt gebracht.

Ein geschätzter Mitarbeiter – nennen wir ihn A. – hat eine der frühen Ausgaben des „Nachrichten-Magazins“ Focus gekauft und auf der Rückfahrt von seinem Kunden gelesen. Er zeigt ihn mir, weil er entsetzt ist. Die Oberflächlichkeit und Tendenziösität des Magazins haben ihm zugesetzt.

April 1961 – Als das Nachrichtenmagazin noch eines war.

A. meint, dass das Projekt Focus scheitern müsse und und dieses Magazin rasch wieder vom Markt verschwinden würde.

Spontan bin ich geneigt, A. zu zustimmen. Auch mich erschreckt das Machwerk. Ich stimme A. zu – Focus ist bunt, grell und simpel.

Auf mich wirkt Focus schon damals oberflächlich und primitiv.

Aber – ist das nicht der Trend unserer Gesellschaft? Und die Zukunft?

So widerspreche ich A. Es entwickelt sich ein kleiner Disput und am Ende kommt es zur Wette.

Der Einsatz ist eine Kiste Champagner.

Die Wette wird formuliert:

 


A. und Roland wetten. Roland geht davon aus, dass es der Focus erfolgreich sein wird und es das Magazin in 10 Jahren noch geben wird. Andreas wettet, dass der Focus vor Ablauf der 10 Jahren wieder verschwinden wird.
Der Verlierer dieser Wette schuldet dem Gewinner eine Kiste guten Champagners.


Ich trage den Text in mein Notizbuch ein und warte. Nach 10 Jahren (2003) habe ich die Wette gewonnen. Bekomme aber keinen Champagner. A. ignoriert meine Forderung.

Heute (2019), nach mehr als 25 Jahren gibt es beide immer noch, den Spiegel und den Focus. Hier die Zahlen der aktuellen Papierauflage (da führt immer noch der Spiegel).


Spiegel:
Die verkaufte Auflage beträgt 712.268 Exemplare, ein Minus von 32,6 Prozent seit 1998.
Focus:
Die verkaufte Auflage beträgt 413.276 Exemplare, ein Minus von 47,2 Prozent seit 1998.


Wer im Online-Bereich führt, weiß ich nicht. Dass die Papierauflagen zurückgehen, wundert nicht. Das scheint mit Ausnahme von ganz wenigen Zeitungen und Magazinen (zum Beispiel brand eins) bei allen gedruckten Medien so zu sein. Die Auflage (in verkaufte Stück) und die inserierte Werbung (in T€) gehen zurück.

Meine Wahrnehmung ist, dass der Spiegel von der Anmutung eher zum Focus geworden ist. Das spricht nicht für die Qualität des Journalismus im ehemaligen Nachrichtenmagazin. Auch nicht, dass die besten Stories die erfundenen sind.

RMD

Roland Dürre
Dienstag, der 20. Oktober 2015

Explosion bei IF-Blog

Felix von Leitner auf dem Podium während des Chaos Communication Congress, 2009

Felix von Leitner auf dem Podium während des Chaos Communication Congress, 2009

Vor zwei Wochen sind die Zugriffe bei IF-Blog explodiert. Normalerweise haben wir am Tag eine schöne dreistellige Anzahl von Lesern, plötzlich war diese für ein paar Tage gut vierstellig. Der Grund war einfach: In Fefe’s Blog – dem Blog von Felix von Leitner (fefe), der wohl einer der meist gelesensten hierzulande ist – war ein Link auf IF-Blog.

Das ging wohl so:
Unser Gastautor Hans Bonfigt und fefe kennen sich schon sehr lange und haben sich früher im Usenet kräftig gefetzt. Und eine gute Feindschaft wie eine schöne Freundschaft verbindet. Wahrscheinlich liegen Feindschaft und Freundschaft gar nicht so weit auseinander, wenn man sich gegenseitig Respekt erweist.

blog.fefe.de wird von manchen als „Bild-Zeitung für Nerds“ bezeichnet. Dieser Vergleich hat etwas. Denn es gibt Gemeinsames wie eine sehr plakative Sprache (eher so eine Art „restricted code“), eine einseitige, wenn auch mir recht sympathische Tendenz, keine (wenig) Tabus  …

Zusammenfassend würde ich sagen, dass beides Sprachrohre sind, 🙂 die Vorurteile trefflich bestätigen. Aber es gibt auch treffliche Unterschiede:

Die Bild-Zeitung ist ein Wirtschaftsimperium. Mit vielen Redakteuren und Mitarbeitern, beliebig Kapital im Hintergrund, einem ausgeklügelten Logistik- und Vertriebsnetz; also eine riesige Maschine von Journaille. Und mit wesentlichem politischem Einfluss, denn mancher Politiker dürfte bei dem, was er sagt und tut schon mehr oder weniger auf die BILD-Zeitung schielen.

Felix von Leitner ist zuerst mal ganz alleine. Für ihn rotieren keine Druckmaschinen sondern höchstens mal ein kleiner Server. Sein Angebot ist immer „umsonst“. Die BILD kostet in der Regel Geld, außer man klaut sie. Als „Gratisausgabe“ gibt es sie nur an „besonderen Tagen“ wie dem 1. Oktober, wo sie dann unaufgefordert an fast alle Haushalte in Deutschland verteilt wird. Sie liefert dann doppel- und ganzseitige Anzeigen der deutschen Wirtschafts-Elite wie VW oder Allianz frei Haus, die zumindest mich als Kunde in die Flucht schlagen.

Allerdings hat fefe eine „crowd of nerds“ (da zähle ich mich auch dazu) hinter sich, die ihn mit spannenden Links versorgen. Er muss dann „nur“ noch bewerten, ein wenig kombinieren und kommentieren, und fertig ist die „Zeitung“.

Die BILD-Zeitung hat die BRD medial beherrscht. Ich kann den Einfluss von dem Organ Bild auf Gesellschaft und Politik nicht final abschätzen, meine aber, dass er auch heute noch relevant ist. Vielleicht hat Bild auch den einen oder anderen Wahlkampf in der BRD entschieden, mit Sicherheit aber viele Entscheidungen beeinflusst.

Ich gehe aber mal davon aus, dass sich das in Zukunft ändern könnte. Es wird spannend – Bild oder Blog?
🙂 Meinen Freunden empfehle ich die Lektüre von Fefe’s Blog. Auf jeden Fall eher als die von BILD.

RMD

P.S.
Das Bild ist aus Wikipedia. Es wurde ursprünglich bei Flickr.com hochgeladen und mit Hilfe von Flickr upload bot durch Tullius (Diskussion) hierher übertragen. Zu diesem Zeitpunkt – 16:10, 5 August 2011 (UTC) – war sie bei Flickr unter der Creative-Commons-Lizenz „Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 2.0 generisch“ freigegeben. „Fefe“ ist von melle. Lizenziert unter CC BY-SA 2.0 über Wikimedia Commons – https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Fefe.jpg#/media/File:Fefe.jpg