Roland Dürre
Sonntag, der 19. Januar 2020

Schon die kleinen Zahlen können ganz schön groß sein.

Hier eine Parabel, die unter anderem das Geheimnis großer Zahlen zeigt. Oder warum Sparen sinnlos ist.

Wer gibt nicht gerne mal ein Bier aus?

Stellen Sie sich vor, Sie sind ein obdachloser Mensch. Ihr Leben hat manche Härte, gerade im Winter.

Sie sind jedoch ein sozialer und kommunikativer Penner, der schon bessere Zeiten erlebt  hat. Und Sie kennen viele Menschen. Diese begegnen Ihnen mit Respekt. Sie werden wertgeschätzt und erleben viel Schönes. So sind Sie trotz Ihrer misslichen Lage glücklich. Und Sie würden von Ihrem Glück gerne etwas zurück geben.

Im Schaufenster des Getränkeladens nahe Ihrem Schlafplatz sehen Sie ein Sonderangebot. Ein schönes 30 Literfass von einer Müncher Brauerei gibt es für 75 €. Das bringt Sie auf die Idee, alle Ihre Freunde und netten Menschen, die Ihnen freundlich begegnen, zu einem Glas Bier einzuladen. Sie nehmen sich vor, das Fass zu kaufen und eine Party zu machen.

Aber die Sache hat einen Haken. Sie haben ja kein Geld, deshalb sind Sie ja obdachlos geworden. Job finden Sie auch keinen mehr. Aber da es um Bier geht, fällt Ihnen das Flaschenpfand ein. Unsere weitsichtige Kanzlerin hatte dies ja eingeführt, um die Altersarmut ein wenig zu lindern.

Sie überlegen sich: Wenn Sie sich von Ihrem ausgefülltem Pennerleben jeden Tag eine Stunde abzwacken und diese Stunde für die Suche von Pfandflaschen und -dosen einsetzen, wie lange brauchen  Sie dann, bis Sie das Geld fürs Fass Bier zusammen haben?

Um diese Fragen zu beantworten setzen Sie Ihre Fähigkeiten aus ihrem vergangenen Managerleben ein. Die erste Frage ist, was gibt der Markt her. Wenn man eine Stunde sucht, wird man im Schnitt eine Bierflasche und eine Dose finden. Das Pfand der Bierflasche bringt 8, das der Dose 25 Cent. Zusammen sind das 33 Cent, also fast 1/3 Euro.

D.h. drei Tage bringen fast einen Euro. Für die 75 Euro brauchen Sie dann 3 x 75 Tage, das sind 225 Tage. Aufgrund des fast fehlen da noch 75 Cent, das heißt Sie brauchen noch 3 Tage mehr. Und nicht zu vergessen, für das Bierfass ist ja auch ein Pfand fällig. Und Fehltage sind auch nicht zu vermeiden. Und wenn Sie das Geld zusammen haben, ist das Fass garantiert auch wieder teurer.

D.h. um das Geld für das Bierfass auf diese Weise zusammenkriegen, werden Sie ein Jahr lang jeden Tag eine Stunde lang auf Flaschensuche gehen müssen.

Besser ist, wenn Sie einen Kredit mit einem Negativzins aufnehmen. Und diesen mit dem Zins tilgen. Das dauert zwar länger, kostet Sie aber nichts. Aber wer gibt Ihnen schon Kredit? Obwohl er ja nichts verlieren kann.

RMD

Roland Dürre
Samstag, der 18. Januar 2020

Widersprüche bei der Widerspruchslösung

Freiheit gibt es nur auf dem Fahrrad, aber nicht im Bundestag.

Die vergangene Woche am Donnerstag (16. 1. 2020) sind die Hunde mal wieder von der Leine gelassen worden. Im Bundestag wurde der Fraktionszwang aufgehoben! Das Gewissen des einzelnen Abgeordneten sollte seine Entscheidung bestimmen.

Das heißt die Abgeordneten durften „frei“ abstimmen. „Weil das Thema ethisch so relevant wäre“. Es ging nämlich um einen Gesetzesvorschlag für eine Widerspruchslösung beim Thema „Organspende“.

Ich persönlich glaube gar nicht, dass das Thema an sich ethisch so herausragend wichtig ist. Die Menschen empfinden es als wichtig, weil letzten Endes wir alle Angst haben, lebendig ausgeschlachtet zu werden. Das ist auch ein Thema im Video „Die Kunst des Negativen Denkens“ von und mit Klaus-Jürgen Grün (Link).

In einem Kommentar habe ich gehört, dass diese Abstimmung immer wieder eine Sternstunde unserer Demokratie gewesen wäre, die die Menschen wieder mit der Politik versöhnt hätte. Ich habe da meine Zweifel. Abgeordnete sollen ihrem Gewissen folgend abstimmen, das haben doch die Väter unseres Grundgesetzes so festgelegt:

… ist er (der Abgeordnete)  bei der Wahrnehmung seines Amts weder an Aufträge noch an Weisungen gebunden, sondern lediglich seinem Gewissen unterworfen. Dies wird in der Rechtswissenschaft als freies Mandat bezeichnet. …
(Artikel 38 des Grundgesetzes für die Bundesrepublik Deutschland)

Was ist also so besonders daran, den „Fraktionszwang“ aufzuheben? Mir fällt als Argument für den „Fraktionszwang“ vor allem ein, dass das die politische Steuerung und Durchsetzung für Interessensgruppen vereinfacht. So können sich die Lobbyisten auf weniger Köpfe konzentrieren, das dürfte die Sache einfacher machen. Gerade bei der inflationären Mehrung der Bundestagsabgeordneten.

Einer Umfrage folgend war die Mehrheit der Deutschen für die Widerspruchslösung (ZDF-Politbarometer).  Allerdings wurde im Bundestag genau andersrum entschieden. 379 Parlamentarier waren dagegen und nur 292 dafür (Tagesschau). Man könnte schließen: Die Aufhebung des Fraktionszwanges ist gefährlich. Weil der Bundestagsabgeordnete ein ganz anderes Gewissen hat als der Bundesbürger.

Aber zurück zur Widerspruchslösung. Ich habe am Mittwoch, dem Tag vor der Abstimmung, das Tagesgespräch am Mittag im 2. Programm des Bayerischen gehört. Da ging es um Anrufe von Bürgern zum Thema Organspende und Pros und Contras zur Widerspruchslösung. Dabei war auch ein „Experte“, der ohne Einschränkung für die Widerspruchslösung war. Natürlich war er Teil der Plantations-Industrie. Aber hatte offensichtlich „Kreide gefressen“ und versuchte menschlich sehr verständnisvoll und ethisch absolut korrekt aufzutreten.

Das Thema war nur insofern ethisch, weil die Frage behandelt wurde:
Darf und soll man Menschen zum Beispiel durch ein Gesetz zu persönlichen Entscheidungen zwingen. Und wenn er sich nicht zwingen lassen will, „per default“ die Entscheidung voreinstellen. Darum ging es, um sonst nichts.

Das ist ein schwieriges Thema. Wissen wir doch aus der Gehirnforschung, dass der Mensch vielleicht gar nicht „frei“ ist. Und die Auffassung, dass Menschen sich bewusst und frei entscheiden könne, wohl ein historischer Irrtum ist.

Dazu habe ich aber nichts gehört.

Dafür wurden einige Thesen kommuniziert, bei denen es mir die Schuhe ausgezogen hat.  Bei den Expertenantworten war es noch schlimmer. Ich berichte ein wenig:

Gleich die erste Anruferin hat einen symmetrischen Entscheidungszwang vorgeschlagen. Ein Formular mit vier Aussagen, von denen man zwei Ankreuzen müsse, wenn man z.B. einen neuen Personalausweis beantrage:

  • Ich bin bereit, nach meinem Tod meine Organe für Transplantationen zur Verfügung zu stellen.
  • Ich bin NICHT bereit, nach meinem Tod meine Organe für Transplantationen zur Verfügung zu stellen.
  • Im Bedarfsfall wünsche ich mir eine Transplantation.
  • Im Bedarfsfall lehne ich eine Transplantation ab.

Zwei davon müsse man ankreuzen.Verweigert man sich, wird angenommen, dass man bereit ist, Organe zu spenden und im Notfall zu erhalten.

Die Motivation dieses Vorschlags ist klar. Man suggeriert, dass es eine „moralische Verpflichtung“ gibt, Organe zu spenden, wenn man im Notfall eines erhalten will.

Organspender haben Vorrang als Empfänger.

Ich weiß nicht, ob man einem Menschen in Not ein Organ verwehren sollte, nur weil er selber meint, dass er keines spenden wolle. Aber die Mehrheit der Anrufer hat diese Regel unterstützt.

Ein anderer Gedanke hat mich überrascht.

Menschen, die ihre Organe selber zerstört haben, sollen kein Recht auf ein fremdes Organ haben.

Damit war gemeint, dass z.B. Alkoholiker oder besser gesagt Alkohol-Kranke kein Recht auf Hilfe haben, wenn sie Ihre Leber kaputt gesoffen haben. Das finde ich nicht richtig. Wie soll ich das Schicksal eines anderen Menschen bewerten können? Besonders wenn er im Unglück gelandet ist.

Der Experte allerdings ging auf die Frage gar nicht ein. Er stufte sie als unwichtig ein, weil dies in der Praxis kaum vorkommen würde. Mehr als 95 % der defekten und zu ersetzenden Organe würden nicht aufgrund von Selbstzerstörung sondern als Folge einer Krankheit oder genetischen Ursachen ausfallen.

Dann ist das mit dem Medikamentenmissbrauch, Rauchen & Saufen, Übergewicht doch gar nicht so schlimm? Wenn die meisten Organe eh kaputt gehen, ohne eigenes Fehlverhalten. Eine eigenartige Antwort. Folge ich dieser Expertenaussage, dann scheint es mir recht unnötig, auf meine Gesundheit zu achten.

Aber das war nicht die einzige fragwürdige Antwort des Experten. Auf den Hinweis eines Anrufers, der sich selber als Arzt (Internist) vorstellte und anmahnte, dass auch die Prognose für den Patienten bei einer Transplantation berücksichtigt werden sollte, kam folgende Aussage: Patienten mit einem Transplantat hätten im Vergleich zu Patienten mit anderen großen Operationen eine viel bessere Prognose. Gerade bei schweren Krebsfällen sei diese sehr gering – und trotzdem würde man operieren. So erlebe ich es auch in meiner Bekanntschaft.

Aber genau das zeigt doch die Schwachstelle unserer „Gesundheits-Systems“. Anstelle in die Vorsorge zu investieren und Menschen human im Notfall zu helfen soweit sinnvoll möglich, bekommen wir gerade eine privatwirtschaftliche Gesundheitsindustrie, die natürlich als oberstes Ziel den „sharehoder value“ hat. Und mit aufwändigen Spitzenprodukten verdient man leichter viel Geld als mit verantworteter Fürsorge.

Das ganze Gesundheitssystem müsste neu gedacht werden. Und wahrscheinlich wäre die teuer Extrem-Medizin nicht das primäre Thema. Es geht um Menschlichkeit und grundsätzliche Qualitäten, die zuerst mal gesichert werden müssen. Und es gilt viele Probleme zu lösen wie die vielen Todesfälle durch Krankenhaus-Keime.

In der privatisierten Praxis und Klinik ist das oberste Ziel, die teuren Maschinen auszulasten, die Umsätze mit teuern Medikamenten zu maximieren und die logistischen Systeme auszulasten. Es fällt auf, dass die medizinischen Kosten in den letzten Monaten eines Lebens oft explodieren. Da wird der Patient nochmal richtig ausgenommen. Wie insgesamt das medizinisch Sinnvolle und Angemessene nur noch zur unwichtigen Randbedingung verkommen ist.

Die Privatisierung wird gefeiert und durchgezogen. Die Kliniken werden streng kaufmännisch geführt, die Akzeptanz durch Design und eine schöne Fassade und gutes Marketing angestrebt. Die medizinischen Prozesse werden optimiert. Mit Spezialisierung und hoher Industrialisierung wird die Qualität der Eingriffe gesichert und die Kosten minimalisiert. Die Behandlung wird zu einem standardisierten Prozess, der auf die individuelle Situation des kranken Menschen gar nicht mehr eingehen kann. Und der Patient? Er wird zur Ressource, mit der man viel Geld verdienen muss. Und die private Gesundheitsindustrie wird in Niedrig- bzw. Minuszins-Zeiten zur Renditen-Oase.

Und da kommt mir eine Idee. Nehmen wir an, ich bin ein junger Mann, dessen Reichtum sein gesunder Körper, eine liebe Frau und eine nette Tochter sind, der aber über keinerlei Vermögen verfügt. Dann könnte ich mir vorstellen, dass ich folgende Verfügung für meinen Tod erstellen würde:

Hiermit verfüge ich, dass meine Organe nach meinem Tod entnommen und für Transplantationen genutzt werden sollen. Als Gegenleistung erwarte ich, dass die Erlöse für die Organe gemäß der beiliegenden Preisliste in voller Höhe an meine Frau gehen.

Das wäre dann keine „Organ-Spenderausweis“ sondern ein „Organ-Verkaufsausweis“. Ethisch glaube ich, wäre so etwas nicht zu beanstanden. Und ist in unserer kommerziellen Welt vielleicht sogar ehrlicher wie das „spenden“. Warum soll ich nicht das Letzte, was von mir bleibt, meinen Lieben hinterlassen? Und warum soll die Transplatations-Industrie nicht auch für ihren Rohstoff bezahlen – so wie jedes andere Gewerbe? Der Metzger muss ja auch seine Schweine und Kühe kaufen und kriegt sie nicht vom Bauern gespendet.

Ich hätte auch noch eine Frage an den Experten. Wie viel Prozent von den in Deutschland gewonnenen Organen sind von Motorrad- und Radfahrern? Oder allgemein von Verkehrsopfern? Auf die Antwort wäre ich gespannt. Vielleicht haben die im Bundestag dann ein gewichtiges Argument mehr gegen Tempo-Limits und die Vision Zero. Aber wahrscheinlich wird der Experte da sagen, so viele sind das gar nicht.

RMD

Roland Dürre
Donnerstag, der 19. Dezember 2019

Wieder am richtigen (?) Pol.

Vom 28. November – 16. Dezember 2019 war ich auf „Südamerika-Expedition“. Die Reise wurde als Expedition Chilenische Fjorde tituliert und als „Unerschöpfliche Quelle der Vielfalt“ angekündigt. Die Reise war ein Superlativ, es wurde nicht zuviel versprochen.

Abschied von der Inspiration in Ushuwaia.

So war ich gut zwei Wochen auf der MS Hanseatic Inspiration, die auf ihrer ersten Fahrt von Hamburg in die Antarktis war. Die Inspiration ist das nagelneue Schwesterschiff der Hanseatic Nature, beide sind für Hapag-Lloyd unterwegs. Gemeinsam mit zirka 140 weiteren Gäste waren wir an Bord, dort haben 168 dienstbare Geister für uns gesorgt. Los ging es in Lima, das Schiff verlassen haben wir im wir im windigen und kalten Ushuwaia.

Eigentlich zieht es mich, wenn in Deutschland Winter ist, eher in warme Gefilde. Das ist die Westküste Südamerikas eher nicht, spätestens auf der Höhe von Valparaíso wird es (angenehm) kühl. Die Reise wollte ich aber unbedingt machen, da ich in noch nie in Peru und Chile war. Gerade der „ring of fire“, den ich schon in vielen Teilen der Welt gesehen habe, hat mein besonderes Interesse.

Weiter interessiert mich die bewegte Geschichte von Ländern wie Peru, Chile und Argentinien ganz besonders. Diese Länder sind ja nach der disruptiven Ausrottung der indigenen Völker in den Regionen westlich der Anden neu entstanden. Genauso spannend und zum Teil immer noch nicht erforscht gibt es ja in dieser Gegend schon seit 3.000 Jahren Menschen, die ganz eigenständige Hochkulturen entwickelt haben, die kamen und gingen.

Auch die besondere Botanik und Tierwelt in Peru und Chile, Patagonien und Feuerland machen die Reise wertvoll. Natürlich kann man berechtigterweise diskutieren, ob das alles den Aufwand und die enorme Vergrößerung des eigenen Kohlendioxid-Fußabdruckes  rechtfertigt.

Auf der Anreise hatten wir einen schönen Tag in Lima, auf dem Rückweg haben wir in Buenos Aires übernachtet und die besondere Atmosphäre dieser Stadt genossen.

Torres del Paine – das Weltwunder der blauen Türme.

Da es bei den schönen Expeditionsreisen mit Hanseatic-Schiffen in der Regel ein perfektes „offizielles Logbuch“ zur Reise gibt (viel Spaß beim Lesen), habe ich verzichtet, selber ein Tagebuch zu führen. Deshalb gab es seit dem 28. November auch keine Artikel von mir in IF-Blog.

Trotzdem werde ich in IF-Blog ein wenig von der Reise berichten. Und da ich seit gestern wieder weg vom Südpol und zu Hause nahe am Nordpol bin, fange ich heute damit an. Ähnlich wie ich es zu unserer Transib-Reise im Sommer 2019 gemacht habe, werde ich ein paar der Dinge berichten, die mich besonders berührt haben.

Da gibt es einiges an besonderen Eindrücken:

  • Die besondere politische Geschichte der wunderbaren Länder, die ich besucht habe: Peru, Chile und Argentinien wie ihre aktuelle Situation.
  • Die Geschichte der Kulturen und Staaten Südamerikas bis zu den Inkas.
  • Ihre disruptiven Zerstörung inklusive organisierten Völkermords durch die christlichen spanischen Entdecker.
  • Die Folgen der Entdeckung der Neuen auch für die Alte Welt.
  • Die landschaftliche Schönheit der Anden, Patagoniens und des Feuerlandes mit viel Abwechslung (Meereskanäle und Gletscher, Bergwelt und Flachland, Wüste und Regenwald.
  • Die besondere Botanik, Geologie, Petrologie sowie Flora und Tierwelt Südamerikas.
  • Die Erinnerung an die Fragilität der Erde durch die Konfrontation mit den vielen Vulkanen des „ring of fire“.
  • Herausragend waren hier der allfällige Katastrophenschutz gegen Erdbeben und Tsunamis.
  • Anzeichen der Klimakatastrophe an Gletschern und die Zerstörung der Natur.

Aber auch andere Gedanken haben mich beschäftigt:

  • Ist so ein neues Schiff wie die Hanseatic Inspiration eigentlich schon ein „digitales Schiff“? JA/NEIN?
  • Warum sitze ich auf der Rückreise am 16. Dezember 2019 in einer Boing 737 MAX der Aerolinas Argentinas und lese in der Süddeutschen, dass es für diesen Flugzeugtyp ein weltweites Flugverbot gibt?
  • Wieso sind die Städte in Peru und Chile, ob klein oder groß, so sauber, zumindest im Verhältnis deutscher Städte und Kommunen?
  • Wie funktioniert das kaufmännisch, wenn 160 Menschen für 140 Gäste arbeiten.
  • Wie können Menschen mit so geringen Gehältern in Ländern leben, wenn die Lebenkosten genauso hoch wie bei uns sind?
  • Wieso machen die 160 Mitarbeiter aus vielen verschiedenen Nationen an Bord einen so guten Job und haben ein hervorragendes Betriebsklima, obwohl es keine deutsche „Arbeitsgesetzgebung gibt“?
  • Kann es sein, dass die gelebte Eigenverantwortlichkeit ein Grund dafür ist?
  • Wie so hat ausgerechnet diese Specis, zu der wir gehören, einen so völlig unzutreffenden Namen (Homo sapiens)?

Zu all diesen Punkten gibt es viel zu erzählen. Einiges davon werde ich in IF-Blog.de für mich notieren und gerne teilen.

Patagonien!

🙂 Ich könnte auch noch berichten, dass die Barbara am vorletzten Abend mir beim farewell dinner erklärte , dass sie an der Verlosung der für die Reise genutzten und von der Crew bebilderten Seekarte
teilnehmen wolle, dafür 50 € in Lose investiert hätte und diese gewinnen werde. Auf meine Frage, was sie dann mit der gewonnen Seekarte zu machen gedenke, sagte sie, dass sie diese dann gleich durch den Kapitan versteigern lassen würde und den Erlös demselben Zwecke zu führen würde, für den auch die Einnahmen aus dem Losverkauf bestimmt waren.

Nach dem schönen Abendessen ging es dann zur Abschiedsparty. Wie immer sang der Bord-Chor die alten Seemannslieder. Dann kam die Verlosung. Der Erlös aus den Losen betrug knapp 1.500 €. Das Los mit der Nummer 4 gewann, und natürlich war es in Bararas kleiner Sammlung.

Die Barbara nahm die Seekarte entgegen, freute sich über den Gewinn und gab sie dem Kapitän zurück mit der Bitte, sie zu versteigern. Die anschließende Auktion hat allen viel Spaß gemacht, der erlöste Preis waren 5.000 € und die Barbara war die Heldin des Abends. Das war auch ein wunderbares Erlebnis.

RMD

Roland Dürre
Mittwoch, der 10. Juli 2019

Gedankenleere – Schreibblockade.

Römische Kopie eines griechischen Platonporträts, das wohl von Silanion stammt und nach dem Tod Platons in der Akademie aufgestellt wurde, Glyptothek München.

Mit diesem Herrn fing das Unglück an.

Zurzeit habe ich eine Schreibblockade dank zuviel Verstehens oder auch Nichtverstehens. Beides ist für mich dasselbe. Weil alles so klar scheint und es trotzdem keiner versteht.

Vieles um mich herum – ob privat, in der Gesellschaft, Politik und Welt verwirrt mich. Vieles was ich geglaubt habe, ist widerlegt worden. Und ich würde dazu gerne Stellung nehmen. Eine jede Stellungnahme erscheint mir jedoch nur noch lächerlich, also lasse ich es sein.

Ich meine auch, dass uns alles Reden und auch Bemühen nicht weiterhilft. Das ganz laute Rum-Geplärre und Sich-Beklagen über falsche Systeme mit unlauteren und fähigen Systemagenten ist genauso so sinnlos wie die Aktion der Schüler an den Freitagen für die Zukunft.

Genauso hilft das sich Aufregen und für eine Sache Kämpfen nichts. Das System ist am Ende. Und es hat es nicht besser verdient. Der diesmalige Niedergang ist anders und auf dem ersten Eindruck nicht so schlimm wie im dritten Reich. Dies hätte uns Warnung sein können. Wir ignorieren aber gerne Warnungen und machen jeden Scheiß.

Immerhin haben wir es diesmal, geschafft, den Planeten zu zerstören. Die Vergangenheitsform ist korrekt, den wir haben den „Punkt ohne Rückkehr“ überschritten. Auch wenn wir dies aufgrund unserer menschlichen Irrationalität nicht wahr haben wollen.

Weder Vernunft noch Dialektik oder Debatten helfen uns weiter. Auch Leidenschaft und Gefühl nicht. Ich glaube auch nicht, dass es nochein richtig oder falsch, gut oder schlecht gibt.Es ist so wie es ist und kommt so, wie es kommen muss. Alles egal.

Die Menschheit hat das wohl auch verstanden, denn es wird nur noch herumgeplärrt aber nichts mehr gemacht.

Ganz allgemein bewirkt jede neue Erkenntnis den Verlust anderer Fähigkeiten.  Innovation ist immer eine Form von kreativer Zerstörung. So wie die Rationalität die Empathie zerstört, Spezialisierung und Taylorismus das Verstehen von  Ganzheitlichkeit kaputt machen, die Realitätsnähe die Fähigkeit zum Träumen raubt, der Individualismus das Gemeinsame (und anders herum) vernichtet und das Schnelle das Langsame.

So wie mehr Kulturwelt ganz simpel weniger Naturwelt impliziert. Und am Schluß bleibt halt nur noch Kulturwelt – und es ist Schluss mit Naturwelt wie dann auch mit dem Leben.

Wir sind alle Teil dieser Entwicklung. Ihr entkommt keiner – so wie niemand der Digitalisierung entkommt. Das ist wie mit der Automobilisierung, der entkam auch keiner – selbst wenn er selber nie Auto gefahren ist.

So wird auch keiner der Klimakatastrophe und der Zerstörung des Planeten entkommen, auch wenn sich persönlich „ideal“ verhält. Die Zerstörung des Planeten ist ein kollektiver Prozess, der in menschlichen Dimensionen wohl unumkehrbar ist und wohl Teil der Evolution war.

Und da die Leute, die so tun, als ob sie die Verantwortung übernehmen würden, aber tatsächlich nur an sich denken (wir nennen sie Politiker), nichts gemacht haben, ist es halt passiert.

Meine Empfehlung wäre, sich in das nicht mehr abzuwendende Schicksal zu fügen und einfach friedlich zu Ende leben. Friedlich mit den allen Geschöpfen und der Natur. Und dabei möglichst darauf verzichten, weiteren Blödsinn zu machen. Vielleicht wird es dann doch noch gut gehen.

Ich bin ratlos – und fühle mich wohl dabei. Mein Gefühl sagt mir, dass es sich am besten als Anarchist und Hedonist lebt. Vorausgesetzt man kommt dabei den Mächtigen und Moralischen nicht in die Quere. Denn dann geht es einem schnell ganz dreckig. Und das will ich nicht.

RMD

München ist ein große Stadt. In München gibt es auch eine große Theatertradition. Früher haben „Das Resi“ (Residenztheater mit all seinen Spielorten) und die Kammerspiele die Szene dominiert und mich fasziniert. Heute finden wir Spitzentheater vor allem im Volkstheater und wohl auch beim Außenseiter aus Freimann – dem Metropoltheater.

Es gibt in München aber auch eine große Bühne des Amateur-Theaters. Herausragend empfinde ich das Theater Ensemble tgsm. Mit dieser Einschätzung möchte ich die vielen anderen ambitionierten „Laiendarsteller“ in München, die in vielen Bühnen mit Leidenschaft spielen, keinesfalls entwerten. Im Gegenteil, beim Theater ist es wie im richtigen Leben – die „Dilettanten“ (Menschen, die es aus Liebhaberei und nicht auch fürs Geld machen) stehen oft den Profis in nichts nach.

Gestern durfte ich beim tgsm etwas ganz besonders erleben. Es war ein Stück, dass leider nur selten aufgeführt wird. Vielleicht weil es unangenehm ist und weh tut.

Furcht und Elend des Dritten Reiches

von Bertolt Brecht (1898 – 1956)

Ich zitiere aus dem Programm des tgsm:


In 30 Szenen beschreibt Brecht 30 Momentaufnahmen des Lebens im 3. Reich und wollte es zunächst „Deutschland – ein Greuelmärchen“ nennen. 1938 fand mit acht Szenen in Paris die Uraufführung statt. Die Szenen stehen für sich, bilden keine fortgesetzte Handlung und fügen sich schließlich doch zu einem Bild des Lebens unter nationalsozialistischer Herrschaft zusammen. Wer da genau hinschaut, versteht die Mechanismen der Diktaturen nämlich: Polarisierung, Angst, Diffamierung von Minderheiten (Feindbild) und tägliche Demonstration der Staatsmacht. Darum ist das Thema auch heute aktuell und wird es immer bleiben.


Ich hatte Angst vor diesem Abend. Einfach weil ich weiß, dass das Grauen und Entsetzen dieser Zeit mich deprimiert. Vor kurzem hat mit nur das Vorbeiradeln am KZ in Dachau eine schlaflose Nacht beschert.

Am Abend (um 22:30) bin ich mit einem tiefen Glücksgefühl heim geradelt. Ganz gegen meine Erwartung. Weil ich großes und wertvolles Theater erlebt hatte.

Vor allem war ich glücklich, weil ich so viele Menschen erlebt habe (um die 25 Schauspieler und um die 15 Unterstützende), die mit unheimlich großen Engagement in ihrer Freizeit völlig ehrenamtlich so etwas Tolles auf die Beine gestellt haben. Und weil ich gefühlt haben, dass diese Menschen die Welt ähnlich sehen wie ich.

Vielen Dank dafür!


Die beste Nachricht:
Es gibt noch ein paar Gelegenheiten, das Stück zu erleben! Hier alle Termine:

1. Juni 2018 (Freitag)
2. Juni 18 (Samstag)
(Pasinger Fabrik, Beginn jeweils 19:30)

7. Juni 2018 (Donnerstag )
8. Juni 2018 (Freitag)
9. Juni 2018 (Samstag)
(Pepper Theater, Neuperlach, Beginn jeweils 19:30)

14 Juni 2018 (Donnerstag)
(Neubiberg, Aula der Volksschule, Am Rathausplatz, Beginn 20:00)

Zum Karten reservieren geht es hier.

Und hier noch ein paar Links zum Appetit machen: Hier eine ausführliche Kritik zur Premiere, an der Konstantin Wecker mit einem Lied zum Schluss dabei war. Bei den natürlich an den weiteren Aufführungen ist er nicht persönlich dabei, dann kommt sein Lied SAG NEIN vom Band. Bei uns haben da alle mitgesungen, so war es auch ohne den Meister persönlich ein wunderbares Erlebnis.

RMD

Roland Dürre
Samstag, der 5. Mai 2018

Die Eigenschaften der Menschen

WARNUNG:
Im Folgenden ein Text, der für viele Menschen nur schwer auszuhalten ist.

Garantiert weit weg von Seminaren und Mentoring aller Art – vor ein paar Jahren in der Südsee.

Nicht die Menschen sind gut oder schlecht sondern ihre Handlungen.

Das ist für mich eine der zentralen Gedanken der Aufklärung.

Ähnlich gilt auch

Nicht die Manager sind richtig oder falsch sondern ihre Entscheidungen.

„Falsch“ hier im Sinne von „verkehrt“.

Wobei das mit den Entscheidungen noch problematischer ist als mit Handlungen. Bei Handlungen haben oft kausale Folgen. Bei Entscheidungen kann häufig auch à posterio nicht entschieden werden, welche Auswirkungen sie „wirklich“ auf das Unternehmen oder die Welt hatten. Weil immer die Frage ist „Wie wirklich ist die Wirklichkeit?“, das gut nach zu lesen beim Watzlawick. Und scheinbar richtige Entscheidungen zeigen sich oft langfristig als grottenfalsch.

Menschen wie auch „Manager“ darf man nicht mit Eigenschaften versehen wie gut oder schlecht. Sie sind keine Zahnräder, die als Teil im Uhrwerk von Familie oder Unternehmen funktionieren.

Bei Menschen tun wir uns schon mit trivial Messbarem wie „Gewicht“ und „Größe“ schwer. Da kommt eine groß gewachsene Dame mit unfassbar langen Beinen – dann zieht sie ihre Schuhe aus und schrumpft zum Zwerg. Manch Dicker kommt plötzlich als Dünner daher, weil er 20 Kilo abgenommen hat.

Mit Schönheit geht das auch nicht. Da strahlt der Held uns in seiner Ausgeh-Uniforum an; wehe aber er steigt unrasiert und verkatert aus seinem Bett (hier habe ich aus Gender-Gründen ein männliches Beispiel gewählt und auf die Zote mit dem One-Night-Stand und dem (Er-)Schrecken am Morgen verzichtet).

Auch bei der Intelligenz hapert es mit der objektiven Einschätzung. Da misst man den „I.Q.“ – aber was ist mit der Emotionalen Intelligenz, nach zu lesen bei Goleman in seinem Buch „EQ …„.

Wir sollten uns also hüten, jemanden mit Eigenschaften wie dick, groß, schön oder intelligent zu versehen. Das ist leichtfertig und unangemessen. Aber es geht wie immer noch schlimmer.

Es gibt Menschen, die haben mir gesagt, dass ich ein „Kopf-Mensch“ bin. Andere haben mir rückgemeldet, dass ich ein „Bauch-Mensch“ sei.

Das waren Leute, die mir nahe gestanden sind und es wohl auch noch gut mit mir gemeint haben. Sie meinten, sie hätten gelernt das zu beurteilen. Und mitleidig bedauert, dass ich als Kopf- wie als Bauch-Mensch für meinen Job als Manager nicht taugen würde.

Diese – übrigens immer männlichen Personen – haben sich für große Führungspersönlichkeiten gehalten. Ich habe sie für „Idioten“ gehalten oder besser, als solche wahr genommen.

Genau das ist der Punkt:

Es ist immer nur unsere Wahrnehmung.

Wir alle tragen Masken und agieren auf eine Art und Weise, so wie wir halt meinen interagieren zu müssen. Das macht die Kommunikation und das Verstehen nicht einfacher. So sind wir (zu) schnell bereit, unsere Mitmenschen „kleiner“ oder „größer“ zu machen.

Es gibt keine Menschen, die „kopf- oder bauch-gesteuert“, „gefühlskalt“  oder „emphatisch“, „sensibel“ oder „unsensibel“, „schwach“ oder „stark“, „emotional“ oder „emotionslos“ und so weiter sind. Das sind Werte, die kann man nicht messen kann. Auch wenn Scharlatane dies behaupten und verkaufen.

Das sollten wir uns immer wieder bewusst machen.

Ganz besonders sollten wir uns vor unserer  Selbstwahrnehmung in Acht nehmen. Auch diese ist in der Regel falsch!

RMD

P.S.
Letztere Aussage kann ich gut aus meinen Gesprächen mit vielen Menschen belegen, die zu mir als Mentées kommen. Wie oft bin ich entsetzt, wie diese sich selber klein machen.

 

Da habe ich die Welt mit Kinderaugen gesehen. Und konnte sie nur bewundern.

Am 7. Juni habe ich hier viele Fragen gestellt. Vielleicht ist aber besser, erst diesen Artikel zu lesen. Und sich dann meinen Fragen zu widmen.

Es waren Fragen, die sich mit unserer menschlichen Irrationalität beschäftigen.

Fragen, die mir weh getan haben.

Weil wir die Welt ruinieren und uns selber zerstören.

Weil wir eine Gesellschaft sind, die das alles weiß und NICHTS tut.

Weil diese Fragen an sich schon schwer zu verstehen und nicht zu beantworten sind.

Es wird aber noch schlimmer, wenn ich mir überlege, was LEBEN bedeutet.

Und was wir KÖNNEN, ERLEBEN und SCHAFFEN.

Unser KÖNNEN

  • Wir können DENKEN.
  • Wir können REDEN.
  • Wir können FÜHLEN.
  • Wir können LIEBEN.
  • Wir können TANZEN.
  • Wir können MALEN.
  • Wir können SINGEN.
  • Wir können TRÄUMEN.
  • Wir können ERZÄHLEN.

Unser ERLEBEN

  • Wir sind Frau und Mann.
  • Wir bekommen Kinder.
  • Wir leben.
  • Wir sind ratlos.
  • Wir sind hilflos.
  • Wir müssen sterben.
  • Wir pendeln zwischen Ohnmacht und Allmacht.

Von uns ERSCHAFFEN

  • Sprache
  • Schrift
  • Mathematik
  • Musik
  • Das Rad, den Hebel, die Schubkarre, das Fahrrad
  • Werkzeuge, Maschinen und das Internet

So klug sind wir geworden, dass wir fühlen und wissen:

So geht es nicht weiter!

Wir tun aber nichts.

RMD

Roland Dürre
Mittwoch, der 12. Juli 2017

Warum wir Christophine brauchen! (I)

Am 21. Juni bin ich nach Marbach gefahren, der „Schiller-Stadt“. In Freiberg am Neckar habe ich übernachtet und am 22. Juni ganz in der Früh ging es weiter nach Marbach. Ein Freund aus alten Tagen – Thomas Kleiner – hat mich an diesen Tagen sehr freundlich begleitet. Dank ihm habe ich mich mit Lorenz Obleser und Ruth Martinelli und knapp 20 Kindern zwischen 6 und 10 Jahren getroffen. Denn ich habe tatsächlich einen Vormittag lang in der freien Schule „Christophine“ in Marbach die „Schulbank“ gedrückt. Das ist natürlich falsch formuliert, denn in der Christophine drückt keiner die Schulbank. Aber ich habe an diesem Vormittag etwas so Schönes und Großartiges erlebt, dass mir die Tränen kamen.

Ich habe erlebt, wie

SCHULE

sein kann, so dass sie allen Spaß macht! Sogar den Kindern und den Lehrern!

Aber zuerst die „Bad News“:

Ich bin schon länger ein wenig traurig. Meine Enkel sind wunderbare und ziemlich weise kleine Menschen. Aber in mehr oder weniger Jahren kommen sie in die Schule. Und dann ist Schluss mit lustig. Ich wüsste auch nicht, wie ich sie vor diesem Schicksal bewahren kann, das die meisten Kinder in Deutschland mit Vollendung ihres sechsten Lebensjahres heim sucht.

Denn Schule – wie ich sie selbst in Erinnerung habe und bei der Begleitung meiner sieben Kindern erlebt habe – ist grauenhaft. Nicht nur in Deutschland und vielen Ländern Europas ist Schule sehr rückständig und wirklich schlimm, sondern mit wenigen Ausnahmen weltweit so z.B. auch und gerade in Asien.

Schule, so wie sie heute ist, verkorkst unsere Kindern, so wie sie uns verkorkst hat. Das beschädigt unsere Gesellschaft und schadet unserer Zukunft. Viele Menschen erholen sich erst im Erwachsenen-Alter Schritt für Schritt von Schule, manche schaffen das nie.

Im folgenden berichte ich, was ich am klassischen Schulsystem so schlimm finde und begründe, warum wir das ändern müssen, wenn wir gesellschaftlichen Fortschritt wie Frieden und mehr Gerechtigkeit erlangen wollen.


Der Bildungsalltag in Deutschland (und wohl weltweit) ist mehr als traurig! #Fakt


Bildung in unserem System bedeutet „dressiertes und autoritäres Lernen in einem quasi-militärischem Format“. Wissens-Bulimie ist angesagt. Das beginnt schon in der Grundschule. So schlimm wie zu den Zeiten des berühmten aber unsäglichen deutschen Pädagogen Dr. Moritz Schreber ist es glücklicherweise nicht mehr.

Roland mit Schultüte.

Aber immer noch wird dressiert. Den Kindern wird „Disziplin“ beigebracht. Sie müssen sitzen und dürfen sich nicht entfalten. Den Kindern wird im Stunden-Takt vorgegeben, was sie machen müssen. Selbstorganisation und -bestimmung sind ausgeschlossen. Wo kämen wir denn da hin, wenn die Kinder so Lernen und Üben würden, wie sie es wollen?

Agil, schlank oder transparent sind in den Schulen Fremdworte. Es gibt eine klare Hierarchie Lehrer-Kinder, die im übrigen immer weniger funktioniert. Schule entgleist so auch immer öfters. Dann sind die Kinder schuld und die mangelnde Sozialisierung wird als Grund genannt. Den „schwarzen Peter“ bekommen die Eltern zugeschoben. Weil sie bei der „Erziehung“ versagt haben. Das mag auch ab und zu stimmen, in den meisten Fällen ist dem aber nicht so und die Eltern leiden gemeinsam mit ihren Kindern unter der Schule.


In der Schule ist Leistung die absolute Maxime, schlimmer oft als im echten Leben. #brutal


Die Leistungsgesellschaft wird schon mal vorbeugend geübt. Es wird geprüft, benotet und bewertet, was das Zeug hält. In der Grundschule geht es um den Übertritt ins Gymnasium. Der klappt nur, wenn das Kind sich dem System Schule anpasst und unterwirft. Das ordnende Prinzip der Schule ist ganz klar hierarchisch. Das Zauberwort ist Autorität, man lernt zu folgen.

Die Kinder erfahren, dass man alles zu Lernende wie das Vorgehen dazu mehr oder weniger kritiklos zu akzeptieren hat. Und links und rechts des Bildungsweges sehen wir dann die Opfer.


Wenn Schule nicht funktioniert, dann geben Lehrer und Gesellschaft den Eltern die Schuld. #Frechheit


Weil die versäumt haben ihren Kindern Respekt beizubringen. Vor den Lehrern. Wie schon geschrieben, das trifft ab und zu wirklich zu, aber in der Regel eben nicht.

Damit die Kinder in dieser miserablen Situation den „Übertritt“ schaffen, gibt es ein Heer von meist schwarz arbeitenden Nachhilfe-Lehrern, die in den wenigen verbleibenden freien Stunden der Kinder diese dann zusätzlich traktieren und so – meistens mit viel Tränen – mehr oder weniger erfolgreich über die Noten-Schwelle zum Gymnasiums schieben.

Ich war auch ein „respektloses Kind“. Und habe oft das mir Gesagte angezweifelt und das auch artikuliert. Und wurde dafür immer wieder bestraft. Weil der Lehrer immer Recht hat. In der Schule herrscht kollektiver Gehorsam. Ein Befehl ist eben ein Befehl, dem man folgen muss. So ging es auch mir.


Mein kindliches „Anders sein“ wurde mir öfters sehr vorwurfsvoll zurück gemeldet. Dabei wollte ich nur „Ich sein“. #traurig


Im späteren Leben habe ich dann den Spieß umgedreht. Meine „schlechten Eigenschaften“, für die ich ja auch bestraft wurde, habe ich dann intellektuell trickreich gerechtfertigt als positive Werte wie „Zivilcourage“ und „konstruktiven Ungehorsam“, die mich auszeichnen.

Aber das Schulsystem basiert halt auf Unterordnung. Es gibt eine Ordnung. Die muss es geben, weil Menschen Ordnung brauchen. Die ist aber nicht für die Schüler da sondern für das System und somit gegen die Schüler. Denn nur so können System und Lehrer die Schüler in einer Klasse gleich schalten (meint Schule). Von Acht bis Neun müssen alle rechnen, von Neun bis Zehn ist Lesen angesagt. Von Zehn bis Elf dann Leibesertüchtigung und von Elf bis Zwölf Schreiben. Und von Zwölf bis Eins kommt die Religionskunde. In der Schule muss man die meiste Zeit sitzen und sich „brav“ benehmen. Wenn nicht, dann hagelt es Strafen.

Das alles mit der Begründung, dass es anders nicht gehen würde und nur so Lernen effizient realisiert werden könne. Was eine große Lüge ist!


Die Ganztagsschule macht es noch schlimmer. Die uns so wichtigen freien Nachmittage fürs Spielen, Denken, Erleben und „Leben üben“ gibt es nicht mehr. #nogo


Jetzt kommt die Ganztags-Schule. Kinder werden immer öfters auch noch zum Mittagessen transportiert und mit „convenient food“ gleich geschaltet. Die Schulen ähneln Kasernen und sind keine Stätten der Entfaltung und der offenen Begegnung auf Augenhöhe.

Schulen werden nach militärischem Vorbild organisiert und betrieben; die kleinen Menschen werden verwaltet, ihr Stellenwert entspricht dem von Rekruten in der Grundausbildung der vergangenen Wehrpflicht-Zeit. Die neuen Gebäude der mir bekannten Gymnasien (korrekter Bildungs-Fabriken oder -Kasernen) in Neubiberg, Ottobrunn und Höhenkirchen-Siegertsbrunn strahlen dies auch architektonisch aus.

Es gibt lange Gänge mit vielen Türen, die wie Schläuche zu den vielen Klassenzimmer führen. Die Fenster kann man oft nicht öffnen und die Klima-Anlage produziert schlechte Luft, so dass die „Lehrkräfte“ über Kopfschmerzen klagen. Die Anmutung dieser Bildungsfabriken erinnert eher an Kasernen als an einen freiem Ort, an dem man lernt und sich ins Leben einübt. Und da diese Bauten billigst gebaut sind (bei der Ausschreibung ist der Preis das wesentliche Kriterium, so dass in der Regel der billigste Anbieter gewinnt), bemerkt man schon nach kurzer Zeit den Verfall.

Dafür wächst der administrative Overhead. So wird Bildung immer teurer – aber beim „Endkunden Kind“ kommt davon nicht viel an.


Jedes soziale System braucht eine Ordnung. Kinder wie Erwachsene suchen Halt. Die Ordnung der Schule sollte für die Kinder und nicht gegen sie sein. #Prinzip


In der Schule gibt kein Eingehen auf die großartige Vielfältigkeit der kleinen Menschen. Aus Gründen der Effizienz und der beschränkten Mittel ist dies schon gar nicht möglich und auch nicht gewollt. Es wird normiert und vermessen, zertifiziert und benotet. Leistung wird gelehrt,

Kurz: Man wird indoktriniert, damit man funktioniert. Denn die Gesellschaft braucht brave Konsumenten. Autonomie und Kritikfähigkeit sind nicht erwünscht.

Ab und zu gibt es dann einen Trost: Denn die Lehrerin ist wirklich nett. Aber die „netten“ Lehrerinnen sind selten. Auch weil das Hauptkriterium bei der „Vergabe“ der knappen Stelle die Noten der Bewerberinnen sind. Die Kandidaten mit den besten Noten sind aber meistens nicht die besten Lehrer (Pädagogen).

Viele Lehrer, die so eine „staatliche“ Anstellung feiern dürfen, die „netten“ und auch „die nicht so netten“, kapitulieren früher oder später vor einem Bildungssystem, dass sich entpersonalisiert hat. Die anderen verdingen sich bei Privatschulen, werden Taxifahrer oder geben Nachhilfeunterricht.


Man sollte auch Kinder so behandeln als ob sie Menschen wären! Macht man aber nicht! #Wahnsinn


Diese Aussage (allerdings von keinem Lehrer sondern einem Unternehmer, der nicht „Kinder“ sondern „Mitarbeiter“ gesagt hat) habe ich wirklich mal so wörtlich gehört. Das war ja wohl nur ein Versprecher. Dennoch vermute ich, dass der, dem das passiert ist, im tiefsten Inneren auch so dachte und fühlte. Und der eine oder andere Lehrer, den ich kenne, spricht so von seinem „Job“, dass ich ihm diesen Versprecher auch zutraue. Arbeitnehmer haben Gewerkschaften. Es gibt ein Arbeitszeitgesetz. Für Schüler gilt das aber nicht – die haben keine Lobby. Nur ein Beispiel von vielen …

Kinder haben auch keine Lobby. Man denke nur an die Feindseligkeit von braven und satten Bürgern, wenn es um Kinderlärm in der Nähe ihrer Immobile geht. Wehe es soll in ihrer Nähe ein Kindergarten oder ein Spielplatz gebaut werden. Wütende Anliegerproteste wegen eines neuen Kindergarten habe ich selber in Riemerling (Waldparkstr.) erlebt. Da ging es aber nicht so sehr gegen die SUV-Muttis, die neuen Verkehr generieren, sondern um den Lärm, den Kinder machen.

Aber jetzt zu den Unternehmen.


Unternehmen wissen, dass Motivation nachhaltig nur intrinsisch geht. Schule praktiziert vor allem extrinsische Muster. #passt-nicht


Heute wollen alle, ob Allianz oder Siemens, das Arbeitsleben verändern. #newwork ist angesagt, die Unternehmen wollen so innovativer und kreativer zu werden. Einer der Protagonisten dieser Bewegung ist Thomas Sattelberger, der Saulus/Paulus der #newwork-Bewegung. Er „promotet“ sich wie kein zweiter und eilt mit seiner Heilsbotschaft durch die Lande. Nach seiner Konzern-Karriere ist er vor allem durch „Augenhöhe, der Film“ bekannt geworden.

Jetzt zieht er durch die Lande und kritisiert die Zustände in den heimischen Unternehmen. Zurecht. Aber nicht die in den Schulen. Sein Lebenswerk möchte er mit einem Sitz im Bundestag krönen – und zwar für die FDP (Passt das zusammen, die Kombination von FDP und #newwork?). Ich würde mich freuen, wenn Herr Sattelberger sich im Bundestag dann für agile und menschliche Schulen einsetzen würde. Aber auch da fehlt mir der Glaube.

So wollen die meisten Unternehmen, agiler, schlanker und transparenter werden. Das predigen zumindest die KollegInnen von HR (Human Resource – auch so ein hässlicher Begriff der aktuellen „Arbeitwelt“). Sie suchen innovative Mitarbeiter, die kreativ sind, damit ihre Unternehmen die auch durch Digitalisierung angesagte Transition zu schaffen.

Bei HR spricht man viel von Augenhöhe, #newwork, intrinsify.me, demokratisches Unternehmen, Gemeinwohl-Ökonomie, „shared mobility“ & „shared economy“ und vieles solches mehr. Man schwärmt von vernetzten und selbstorganisierte Teams, von einer neuer Unternehmenskultur und Wertegemeinschaften. Letztere sind auch in der Politik der Renner. Es gibt noch viele mehr von Schlagworten dieses Typs in der neuen Welt der alten Unternehmen.

Nur wie soll das funktionieren, wenn der Nachwuchs schon in der Schule auf das Gegenteil gepolt wird?


Unternehmen wollen agile, kritische und kreative Menschen. Genau das treiben die Schulen den jungen Menschen aus? #Fail


Nur von #newschool, von Selbstorganisation in der Schule, von demokratischen Klassen, von Unterricht auf Augenhöhe und ähnlichem, davon redet keiner. Das ist in Deutschland zumindest unerwünscht, ein großes Tabu!

Durch Europa geistern Begriffe wie #home-schooling, #un-schooling #no-schooling. Sie finden immer mehr Anhänger. Es gibt immer mehr Menschen, die ihre Kinder selber „schulen“ (siehe dazu auch das Video des Vortrags, den Bruno Gantenbein für mich gehalten hat).

In der Schweiz und manchen Ländern der EU ist Home-Schooling ein etablierter und von der Administration unterstützter Prozess. Deutschland ist das einzige Land in der EU, in dem Home-Schooling verboten ist! Denn hierzulande hat man von alternativen Schulen und Denken noch mehr Angst wie der Teufel vom Weihwasser.

Aber vielleicht ist das gut so. Denn so entsteht ein großer Druck auf Eltern. Unschooling geht noch. Wenn Menschen keine Chance haben, auszuweichen, dann finden sie auch Lösungen.


Vielleicht haben wir bald überdurchschnittlich viele eigene und freie Schulen in unserem Land? #Hoffnung


So könnte es sein, dass die Bereitschaft, etwas zu ändern, in Deutschland stärker wächst als in anderen Ländern, die das Ventil „Home-Schooling“ haben.

Roland ohne Schultüte.

Aber zurück zu den Unternehmen. Wie wollen die Mitarbeiter finden, die agil, kreativ, offen … sind, wenn genau das dem Nachwuchs in den Schulen mehr oder weniger ausgetrieben wird?

Denn Kinder werden in der Schulen als Material betrachtet, dass formatiert werde muss. Input sind neugierige freie Wesen. Heraus kommen dann als Output kleine „Professionels“. Die funktionieren, wie man meint, dass dies eine folgsame und leicht steuerbare Gesellschaft braucht. Also werden sie zuerst mal fleißige Arbeiter, tapfere Konsumenten und brave Bürger,  deren erste Pflicht es ist, mit allem einverstanden zu sein, was von oben verkündet wird.


Wir rufen nach Eliten, die unsere massiven Probleme lösen, beschränken uns aber aufs Mittelmaß und schimpfen auf den Populismus. Und fördern das Mittelmaß in den Schulen. #Widerspruch


Warum müssen die Kinder schon so früh kapieren, dass „das Leben kein Pony-Hof ist“ und sie dem „Leistungsprinzip“ unterliegen, wenn sie „etwas werden wollen“. Das sie genauso den Sachzwängen folgen müssen wie ihre Eltern und die anderen Erwachsenen?

Sie werden vermessen und benotet. Immer gilt es, besser zu sein als die anderen. Erfolg ist alles. Es geht darum, die nächste Stufe einer meist nicht sinngebenden Karriere zu schaffen. Mit welchen Mitteln auch immer.

Emotionalität, Erotik, das Leben, die Liebe, die Fähigkeit Konflikte zu lösen und zuhören können, was Glück sein, was Leben bedeuten und wie man besser Sterben könnte … – all das spielt keine Rolle im Lehrplan. Priorität hat, dass das Kind eine „professionelle Resource“ für den Kampf an der Wirtschaftsfront wird.

Und lernt, dass es Wohlstand und Sicherheit wie die Teilnahme am der Gesellschaft so wichtigem Wachstum nur dann gibt, wenn man die eigene Meinung besser nicht sagt und noch besser auch nicht denkt.

Die frustrierten und verunsicherten Kinder gehen dann aus Trotz und Protest zum Beispiel ins Tattoo-Studie, weil sie dort endlich mal etwas Beständiges bekommen. Oder machen anderen Unsinn. Als letzte Ersatzhandlung vor der Aufgabe des eigenen Lebens …


Gute Unternehmer (Führungskräfte, Manager …) machen Ihre Mitarbeiter größer und nicht täglich kleiner. #Weisheit


Ich liebe das Prinzip des „biophilen Handelns“. Das heißt (jetzt in meiner Wiedergabe):

Handele stets so, dass Dein Handeln das Leben Deiner Mitmenschen in seinen vielen Dimensionen eher mehren denn mindern kann.

Vielleicht noch einfacher zu leben als die Biophilie-Maxime ist die Goldene Regel

„Behandle andere so, wie du von ihnen behandelt werden willst.“

oder in der negativen Fassung als gereimtes Sprichwort

„Was du nicht willst, dass man dir tu, das füg auch keinem andern zu.“


„Biophile Maxime des Handelns“ und die „Goldene Regel“? Warum nutzen wir das nicht für unserer Kinder? #Gute-Frage


Die Kinder werden von klein auf viel zu oft kleiner und nicht größer gemacht. Nicht nur von den Lehrern – sondern auch von den Eltern. Immer wieder erlebe ich, wie Kinder von ihren Eltern massivst belehrt werden, was richtig und was falsch ist. Zeternde Mütter schimpfen ihre Kinder für ganz normales Verhalten. Es wird dümmlich moralisiert und indoktriniert. Was sich gehört und was sich nicht gehört! Was man tut und was man nicht tut. Was geht und was nicht geht. Was man sehen/hören darf und was man auf keinen Fall sehen/hören darf. Was schlecht ist und was gut ist.

Für was man in die Hölle kommt und für was man in den Himmel kommt. Und wenn das Kind mit 6 Jahren in die Schule kommt, geht es so weiter, nur ein wenig professioneller.


Was kleine Menschen wollen und was sie nicht wollen, das interessiert keinen. #schlimm


In der Schule wird man formatiert und zwar in jene Form gebracht – die in unserem aktuellen Bild des guten Erwachsenen entspricht. Kinder müssen in unsere Welt passen. Sie lernen im Verkehr zu überleben. Sie werden zu jungen Konsumenten, die sich über Äußeres und Besitz definieren. Sie müssen funktionieren, dürfen aber nicht sein und machen, was sie selber wollen.

In der Schule geht es dominant um „Vernunft“, die Ratio und der IQ stehen im Vordergrund. Es geht darum, Verständnis für die vielen Absurditäten unseres Lebens zu entwickeln, das Absurde als selbstverständlich hinzunehmen und so ein Teil des Absurden zu werden.

Das soziale Leben und wie auch das Gemeinwohl spielen nur eine geringe Rolle. Emotionen und Erotik, Liebe und Freundschaft, wird nicht geübt wie auch nicht die Fähigkeit des „Konflikte-Lösen“. Denn unsere Systeme basieren auf Leistung, Unterwerfung, Anpassung. Sie leben von der Austauschbarkeit, der Gleichförmigkeit, der (monetären) Metrisierung und davon, dass die Bürger wie Lemminge den gesellschaftlichen Vorgaben blind folgen. Kritikfähigkeit und Autonomie im Sein, Denken und Handeln stören da nur.


Nur wenn wir die Kinder anders sozialisieren, werden wir die latente Feinseligkeit in uns Menschen reduzieren. #Zukunft


Die alten Rollenspiele sind auch in der Schule nicht tot zu kriegen. Die Jungen müssen immer noch kleine Helden“ sein und dürfen nicht weinen. Von den Mädchen wird erwartet, dass sie demütig und duldsam sind. Gefühle dürfen heute beide Geschlechter zeigen, nur nicht im Berufsleben.


Willst du erfolgreich sein, dann musst du Mrs. oder Mr. Pokerface werden! #Karriere-Regel


Emotionen darf man nicht zu sehr an sich heran lassen, das gilt als schädliche und störende Schwäche. Du musst stark sein und darfst nie deine Schwäche zeigen. So bekommt das Herz Eisenringe. Zuneigung darf besser nicht gezeigt werden, die universelle Liebe zur Schöpfung gilt als Spinnerei. Haltung als äußere Schale wird anerzogen, aber leider nicht als großer innerer Wert vermittelt.

Mit so einer dümmlichen Sozialisierung unseres Nachwuchs werden wir die Volkskrankheit Alexithymie nie eindämmen! Vor kurzem hat ein Mann in meinem Alter in meiner Nähe geweint, wie er mir vom Tode seiner Enkelin bei der Geburt erzählt hat. Ich weiß nicht, ob ich das noch könnte. Wenn ich aber einen kitschigen Film anschaue, dann kommen mir die Tränen. Ist das nicht schrecklich?

Wie viele von uns fürchte ich, dass ich von „Emotionen aus zweiter Hand“ abhängig bin, zweifelsfrei ein Ergebnis meiner frühen und langjährigen Erziehung. So übe ich bewußt, mich wieder für echte Emotionen  zu öffnen. Das ist mit 67 Jahren nicht einfach.


Der Mensch ist die Krönung der Schöpfung! Aber er muss in die Welt hinein gepasst werden. #Erziehung


Ich bin froh, dass die Welt sich wandelt – zumindest in den mir bekannten entwickelten und privilegierten Gesellschaften. Mir scheint, dass immer mehr Menschen sich nach neuen „sozialen Erfolgs-Mustern“ sehnen. Die sind auch bitter notwendig, denn genau die alten Muster haben großes Unheil über den Planeten gebracht.

Nur in den Schulen hat sich das bisher nicht herumgesprochen. Und an den Universitäten wird die Situation auch immer schlimmer. Es gibt #newwork zuhauf aber keine relevante Bewegung #newschool. Zahlreiche Menschen aus der Bildungsindustrie (aktive Lehrer und Bildungs-Bürokratie-Verwalter) haben mir berichtet, dass es seit vielen Jahren immer schlimmer wird.


Schule muss für die Kinder da sein. Nicht die Kinder für die Schule! #Grundprinzip


Lehrpläne und Vorgaben der Kultusministerien machen es jedes Jahr ein wenig schwieriger, den kleinen Menschen gerecht zu werden. Dazu kommt eine wachsende und ausufernde Administration, die die Zeit auffrisst, die für die Schüler da sein wollte. So wird das System auch immer teurer und ineffizienter.


Soweit die schlechte Nachricht. Aber jetzt die gute Nachricht. #positiv


In meinem folgenden Artikel werde ich berichten, wie die Bürger sich wehren und ganz neue Dinge begründen. Denn es gibt sie tatsächlich, die Christophine.

Aber dazu mehr in meinem Artikel Christophine 2, der hoffentlich bald (ist dann der 23. August geworden) an dieser Stelle erscheinen wird. Da werde ich eine Schule beschreiben, die mich vom Leitbild und der praktischen Arbeit überzeugt hat. Und die beweist, dass es auch anders geht – und dies sehr gut.

RMD