Roland Dürre
Samstag, der 5. Mai 2018

Die Eigenschaften der Menschen

WARNUNG:
Im Folgenden ein Text, der für viele Menschen nur schwer auszuhalten ist.

Garantiert weit weg von Seminaren und Mentoring aller Art – vor ein paar Jahren in der Südsee.

Nicht die Menschen sind gut oder schlecht sondern ihre Handlungen.

Das ist für mich eine der zentralen Gedanken der Aufklärung.

Ähnlich gilt auch

Nicht die Manager sind richtig oder falsch sondern ihre Entscheidungen.

„Falsch“ hier im Sinne von „verkehrt“.

Wobei das mit den Entscheidungen noch problematischer ist als mit Handlungen. Bei Handlungen haben oft kausale Folgen. Bei Entscheidungen kann häufig auch à posterio nicht entschieden werden, welche Auswirkungen sie „wirklich“ auf das Unternehmen oder die Welt hatten. Weil immer die Frage ist „Wie wirklich ist die Wirklichkeit?“, das gut nach zu lesen beim Watzlawick. Und scheinbar richtige Entscheidungen zeigen sich oft langfristig als grottenfalsch.

Menschen wie auch „Manager“ darf man nicht mit Eigenschaften versehen wie gut oder schlecht. Sie sind keine Zahnräder, die als Teil im Uhrwerk von Familie oder Unternehmen funktionieren.

Bei Menschen tun wir uns schon mit trivial Messbarem wie „Gewicht“ und „Größe“ schwer. Da kommt eine groß gewachsene Dame mit unfassbar langen Beinen – dann zieht sie ihre Schuhe aus und schrumpft zum Zwerg. Manch Dicker kommt plötzlich als Dünner daher, weil er 20 Kilo abgenommen hat.

Mit Schönheit geht das auch nicht. Da strahlt der Held uns in seiner Ausgeh-Uniforum an; wehe aber er steigt unrasiert und verkatert aus seinem Bett (hier habe ich aus Gender-Gründen ein männliches Beispiel gewählt und auf die Zote mit dem One-Night-Stand und dem (Er-)Schrecken am Morgen verzichtet).

Auch bei der Intelligenz hapert es mit der objektiven Einschätzung. Da misst man den „I.Q.“ – aber was ist mit der Emotionalen Intelligenz, nach zu lesen bei Goleman in seinem Buch „EQ …„.

Wir sollten uns also hüten, jemanden mit Eigenschaften wie dick, groß, schön oder intelligent zu versehen. Das ist leichtfertig und unangemessen. Aber es geht wie immer noch schlimmer.

Es gibt Menschen, die haben mir gesagt, dass ich ein „Kopf-Mensch“ bin. Andere haben mir rückgemeldet, dass ich ein „Bauch-Mensch“ sei.

Das waren Leute, die mir nahe gestanden sind und es wohl auch noch gut mit mir gemeint haben. Sie meinten, sie hätten gelernt das zu beurteilen. Und mitleidig bedauert, dass ich als Kopf- wie als Bauch-Mensch für meinen Job als Manager nicht taugen würde.

Diese – übrigens immer männlichen Personen – haben sich für große Führungspersönlichkeiten gehalten. Ich habe sie für „Idioten“ gehalten oder besser, als solche wahr genommen.

Genau das ist der Punkt:

Es ist immer nur unsere Wahrnehmung.

Wir alle tragen Masken und agieren auf eine Art und Weise, so wie wir halt meinen interagieren zu müssen. Das macht die Kommunikation und das Verstehen nicht einfacher. So sind wir (zu) schnell bereit, unsere Mitmenschen „kleiner“ oder „größer“ zu machen.

Es gibt keine Menschen, die „kopf- oder bauch-gesteuert“, „gefühlskalt“  oder „emphatisch“, „sensibel“ oder „unsensibel“, „schwach“ oder „stark“, „emotional“ oder „emotionslos“ und so weiter sind. Das sind Werte, die kann man nicht messen kann. Auch wenn Scharlatane dies behaupten und verkaufen.

Das sollten wir uns immer wieder bewusst machen.

Ganz besonders sollten wir uns vor unserer  Selbstwahrnehmung in Acht nehmen. Auch diese ist in der Regel falsch!

RMD

P.S.
Letztere Aussage kann ich gut aus meinen Gesprächen mit vielen Menschen belegen, die zu mir als Mentées kommen. Wie oft bin ich entsetzt, wie diese sich selber klein machen.

 

Roland Dürre
Mittwoch, der 18. Februar 2015

MENSCHEN ÄRGERN.

Auch das ist ein Ergebnis aus dem Treffen mit Ardalan, von dem ich im letzten Artikel berichtet habe. Er hat mir unter anderem erzählt, dass er gerne andere Menschen ärgert“.

Das „andere Menschen ärgern“ hat mich berührt. Ich habe mir überlegt, was es bedeutet, „andere Menschen zu ärgern“! Und was man damit bewirken könnte.

Da kam ich auf folgende Gedanken:

Viele (wahrscheinlich alle) Menschen meinen sich immer wieder im Besitze der Wahrheit …

Dabei gehen wir davon aus, dass es die absolute Wahrheit nicht geben kann. Wenn, dann sind es unsere Gewissheiten, die wir für wahr halten. Diese „Gewissheiten“ können aber von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich sein und sich widersprechen.

Besonders gefährlich sind die Gewissheiten, die nicht aus der erlebten Erfahrung entstanden sind sondern aus zukünftigem (und so eingebildetem) Erleben. Wenn Menschen also meine, dass sie etwas wüssten, das sie noch gar nicht erlebt haben, und dies dann auch noch verallgemeinern und ihren Mitmenschen überstülpen wollen, wird es leicht sehr gefährlich.

Solche Gewissheiten könnte man auch „Dogma“ nennen. Mein Beispiel dazu:

Es gibt Menschen, die wissen, wie es nach dem Tode weitergeht – obwohl sie noch nie gestorben bin. Oder die wissen, dass Asylanten schlecht für Deutschland sind. Obwohl sie noch nie mit einem zu tun hatten.

Wie kann ich einen Menschen besser ärgern, als wenn ich es schaffe, an seinen Wahrheiten ein wenig nur zu rütteln? Ihm helfen, seine Gewissheiten zu hinterfragen? Und vor allem ihm seine Sicherheit zu nehmen, die auf meistens sehr schlichten und dummen Dogmen beruht?

Wenn dies auch noch so gelingen würde, dass der Betroffene das nicht gleich merkt, sondern es ihm erst im Nachhall des Gesprächs so langsam bewusst wird, dann aber nachhaltig – das wäre doch meisterhaft. Könnte ein ganz besonderer Weg des „Coaching“ sein?

🙂 Ich will jetzt auf jeden Fall so wie Ardalan auch „Menschen ärgern“! Und fange gleich heute damit an.

Und ärgere zuerst mal Euch!

RMD

Jetzt frage ich Euch: Wollt Ihr mitmachen beim „Menschen ärgern“?