Roland Dürre
Sonntag, der 19. Januar 2020

Schon die kleinen Zahlen können ganz schön groß sein.

Hier eine Parabel, die unter anderem das Geheimnis großer Zahlen zeigt. Oder warum Sparen sinnlos ist.

Wer gibt nicht gerne mal ein Bier aus?

Stellen Sie sich vor, Sie sind ein obdachloser Mensch. Ihr Leben hat manche Härte, gerade im Winter.

Sie sind jedoch ein sozialer und kommunikativer Penner, der schon bessere Zeiten erlebt  hat. Und Sie kennen viele Menschen. Diese begegnen Ihnen mit Respekt. Sie werden wertgeschätzt und erleben viel Schönes. So sind Sie trotz Ihrer misslichen Lage glücklich. Und Sie würden von Ihrem Glück gerne etwas zurück geben.

Im Schaufenster des Getränkeladens nahe Ihrem Schlafplatz sehen Sie ein Sonderangebot. Ein schönes 30 Literfass von einer Müncher Brauerei gibt es für 75 €. Das bringt Sie auf die Idee, alle Ihre Freunde und netten Menschen, die Ihnen freundlich begegnen, zu einem Glas Bier einzuladen. Sie nehmen sich vor, das Fass zu kaufen und eine Party zu machen.

Aber die Sache hat einen Haken. Sie haben ja kein Geld, deshalb sind Sie ja obdachlos geworden. Job finden Sie auch keinen mehr. Aber da es um Bier geht, fällt Ihnen das Flaschenpfand ein. Unsere weitsichtige Kanzlerin hatte dies ja eingeführt, um die Altersarmut ein wenig zu lindern.

Sie überlegen sich: Wenn Sie sich von Ihrem ausgefülltem Pennerleben jeden Tag eine Stunde abzwacken und diese Stunde für die Suche von Pfandflaschen und -dosen einsetzen, wie lange brauchen  Sie dann, bis Sie das Geld fürs Fass Bier zusammen haben?

Um diese Fragen zu beantworten setzen Sie Ihre Fähigkeiten aus ihrem vergangenen Managerleben ein. Die erste Frage ist, was gibt der Markt her. Wenn man eine Stunde sucht, wird man im Schnitt eine Bierflasche und eine Dose finden. Das Pfand der Bierflasche bringt 8, das der Dose 25 Cent. Zusammen sind das 33 Cent, also fast 1/3 Euro.

D.h. drei Tage bringen fast einen Euro. Für die 75 Euro brauchen Sie dann 3 x 75 Tage, das sind 225 Tage. Aufgrund des fast fehlen da noch 75 Cent, das heißt Sie brauchen noch 3 Tage mehr. Und nicht zu vergessen, für das Bierfass ist ja auch ein Pfand fällig. Und Fehltage sind auch nicht zu vermeiden. Und wenn Sie das Geld zusammen haben, ist das Fass garantiert auch wieder teurer.

D.h. um das Geld für das Bierfass auf diese Weise zusammenkriegen, werden Sie ein Jahr lang jeden Tag eine Stunde lang auf Flaschensuche gehen müssen.

Besser ist, wenn Sie einen Kredit mit einem Negativzins aufnehmen. Und diesen mit dem Zins tilgen. Das dauert zwar länger, kostet Sie aber nichts. Aber wer gibt Ihnen schon Kredit? Obwohl er ja nichts verlieren kann.

RMD

Roland Dürre
Freitag, der 10. Januar 2020

Mein digitaler Alltag.

Alle reden von Digitalisierung. Ich auch.

Ich war schon immer an moderner Technologie interessiert.

Denn ich habe über 50 Jahre dafür gearbeitet. Im Studium als Werkstudent, dann fest angestellt im Werk für Systeme der Siemens AG, später dort beim Vertrieb Sonderprojekte, dann für verschiedene Kunden von Softlab, später als selbstständiger Unternehmer und Unterstützer zahlreicher Startups.

Heute will ich mal prüfen, wie es eigentlich privat bei mir so mit Digitalisierung ausschaut. Dabei lasse ich das Phänomen „smart phone“ und meine diversen Rechner mal außen vor und schau so mehr in den Haushalt und betrachte mein alltägliches Leben.

Der Morgen beginnt mit einer Tasse Kaffee und an einem guten Tag mit einem Frühstücksei. Die Zubereitung von beidem ist mein Job. Die Milch zum Kaffee kommt aus der braunen Glasflasche. Denn die Qualität der Zutaten ist wichtig für einen guten Frühstückskaffee.

So auch die Kaffeemaschine. Ich nutze eine ECM SYNCHRONIKA DUAL BOILER PID. Angeblich so eine Art Mercedes unter den „Zweikreis Siebträgern“. Sie ist kein Vollautomat, an ihr findet sich auch nichts digitales. Sie ist so analog wie die Kaffeetasse.

Gelegentlich gibt es ein Ei zum Frühstück. Dann darf der alte elektrische Eierkocher von Siemens aus dem Schrank raus. Der seit bald 50 Jahren seinen Dienst brav verrichtet. Auch null digital.

Nach dem Morgen-Kaffee radele ich im Sommer zum Schwimmen nach Unterhaching. Da der Weg dorthin kurz ist, nehme ich nicht das elektrische Fahrrad, sondern ein ganz normales mechanisches. An dem ist auch nichts digital.

Beim Eingang ins Freibad habe ich meinen ersten Tageskontakt mit der digitalen Welt. Da muss ich meinen SAISONBADEKARTE im Scheckkartenformat an einen Leser halten (immerhin kontaktlos). Früher hatte ich eine Saisonkarte mit Foto, die ich der freundlichen Dame am Eingang herzeigen musste und die mir einen freundlichen Gruß bescherte.

Leider wurde diese Funktion nicht durch eine moderne Anwendung im Sinne von eGovernment fürs Smartphone erzeugt, so brauche ich weiter eine eigene Karte. Und muss diese jedes Jahr beim Amt persönlich verlängern lassen.

Zumindest gibt es  jetzt einen eigenen Eingang für Dauerkartennutzer, der (fast) immer staufrei ist. Der ist gleich neben der Kasse, so dass die persönliche Begrüßung weiter stattfindet.

Im Winter gehe ich ins Hallenbad in Ottobrunn, ins Phoenix. Da gibt es Coins. Die heißen wirklich so. Eine Coin enthält am Anfang 11 Zugänge (zum Preis für 10), zum Beispiel zum Frühschwimmen. Die „Coin“ macht den Eingang automatisiert möglich und dient auch zum Verriegeln des genutzten Kleiderschrank. Leider funktioniert das System nicht ganz so zuverlässig wie früher die Münzschränke.

Nach dem Schwimmen in Unterhaching besuche ich ab und zu die Kollegen bei der InterFace. Meine Schlüssel geht nicht mehr, denn die haben jetzt Dongles. Das sind Plastikteile mit Elektronik drin und einem Druckknopf. Hinhalten und zweimal draufdrücken, so geht das „Sesam Öffne Dich“. Noch ein Teil wollte ich dann doch nicht mehr haben. Also muss ich dort klingeln

Wenn ich mit der S-Bahn fahre, dann nutze ich Streifenkarten. Die stempel ich ganz mechanisch ab. Nur die Reisen mit der Bahn lade ich mir aufs Handy. Weil ich meine Reisen zu Hause in Ruhe planen und im Preis-Dschungel der DB die besten Preise finden will. Wobei beides für manche Bahnnutzung nicht möglich ist. Zum Beispiel muss ich bei der Fahrradreservierung für den EC (Eurocity) doch wieder an den Fahrkarten-Schalter.

Wenn der Schaffner im Zug mein „Handyticket“ lesen will, dann nutzt er ein digitales Instrument, das aus dem Museum zu kommen scheint. Mit zittriger Hand versucht er dann mit einem Infrarot-Leser den QR-Code auf der Anzeige meines Handys zu lesen. Meistens gelingt ihm das auch nach einiger Zeit.

Also, insgesamt verwöhnt mich das Leben noch nicht so sehr mit digitalen Möglichkeiten. Wobei ich durchaus möchte. Bei einem effizienten Micro-Payment wäre ich sofort dabei. Wobei die Betonung auf effizient liegt.

Unser Heim hat aber schon zwei IoT-Anwendungen!

Für die Solaranlage gibt es eine App, mit der man von überall (wenn man im Internet ist) die Betriebsdaten ablesen kann. Wenn die Anlage also viel Strom produziert, dann weiß ich im Urlaub, dass daheim die Sonne scheint. Das ist dann sehr tröstlich, gerade wenn es am Urlaubsort regnet.

Das geht aber auch anders mit meiner Haus 4.0-Technik. Denn ich habe eine Videoüberwachung installiert. Im alten Haus hatte ich nur eine Attrappe. Da war die recht alte Alarmanlagen sehr störanfällig, deshalb hatte ich sie außer Betrieb genommen. Aber die Lichter weiter blinken lassen.

Beim Umzug ins neue Haus habe ich dann nach einer Atrappe gesucht. Und gelernt, dass sogar schlechte Attrappen teuer sind als ein kleines Stück „digitale Technologie“, das nicht nur bei Tag und Nacht gute Bilder macht, sondern diese für einen längeren Zeitraum speichert und beliebig hin übertragen kann.

Das ist meine zweite IoT-Anwendung im Haushalt. Und die Bilder der Kamera kann ich auch von überall in der Welt sehen. So sehe ich auch, wie das Wetter ist und wenn das Gartentor offensteht. Dann muss ich allerdings zu Hause anrufen und die aktuellen Bewohner bitten, den Knopf zu drücken um das Tor elektrisch zu schließen. Also auch eine noch sehr eingeschränkte IoT-Anwendung.

Viel mehr habe ich nicht zu bieten. Erwähnenswert ist vielleicht meine neueste Errungenschaft – einer dieser genialen Kopfhörer, die den externen Lärm vernichten können. So dass man z.B. auch im Flieger seine Ruhe hat. Der nutzt allerdings Bluetooth, zu Hause an der Stereo-Anlage wie unterwegs am Smart-Phone. Das ist natürlich keine IoT-Vernetzung sondern eine ganz primitive Peer2peer-Verbindung. Aber das Ding hat schon tolle Features.

Vor kurzem war ich im Urlaub. Auf der Hanseatic Inspiration, einem Schiff, das zum Zeitpunkt meiner Reise gerade ein paar Wochen im Einsatz war. Ich habe mich mit dem sehr kompetenten IT-Officer ausgetauscht. Und der har mi erzählt, dass sie praktisch keine IoT-Technologie an Bord hätten. Das hat mich ein wenig getröstet – und überrascht.

Für zu Hause könnte ich mir noch einen Thermo-Mix kaufen. Der kann IoT. Aber so ein Gerät brauche ich halt wirklich nicht. So frage ich mich schon: Wie soll es bei uns mit Haushalt 4.0  nur vorwärts gehen?

Und meine geliebte Alexa hat die Barbara auch außer Betrieb genommen. So wird das nie was!

RMD

Roland Dürre
Dienstag, der 31. Dezember 2019

Heute Abend feiern wir den Jahreswechsel. Wir verlassen das Jahr 2019 und treten ein in 2020. Die alten Römer hätten es MMXX geschrieben. Zwei Tausender und zwei Zehner.

 

MMXX

Happy and Cool!

 

Ich habe jedes Jahr das selbe Bild in meinen Silvester-Glückwünschen drin. Das Kunstwerk ist ein Arrangement von Rolo Zollner. Es steht unter Common Licence, Ihr dürft es mit Quellen-/Autorenangabe frei nutzen. Es hat sich viele Jahre als Glücksbringer bewährt.

So habe ich jedes Jahr auch ziemlich dieselben Wünsche für das neue Jahr.

Dass der sich anbahnende Wandel möglichst gewaltfrei stattfinden möge.

Dass Kriege uns verschonen.

Dass unsere gesellschaftlichen Werte Toleranz und Freiheit auch in den vor uns liegenden schwierigen Zeiten erhalten bleiben.

Dass wir respektvoll zusammen leben, und bereit sind, uns zu ehren und lieben.

So dass wir viel zum Freuen und Feiern haben werde.

Allen IF-Blog-Leserinnen und -lesern wünsche ich nur Gutes. Ein gesundes und gelingendes Jahr 2020!

RMD

Roland Dürre
Donnerstag, der 28. November 2019

Klassentreffen.

Als Playboy auf MS EUROPA (20**)

1950 Geburt in Augsburg-Göggingen.

1956 Einschulung in eine Volksschule in Augsburg bei St. Anton.

1960 Wechsel ins Gymnasium Jakob-Fugger

1969 Abitur und Start Studium Mathematik / Informatik an TH München.

1970 Einberufung zur Wehrpflicht.

1976 Wechsel vom Studenten und Taglöhner zum Angestellten.

1980 Vater geworden.

1982 Im Management-Training gelernt, dass Kommunikation vor allem Zuhören heißt.

1984 Gründung eines IT-Unternehmen.

...

2018 Endlich das Buch zur „gewaltfreien Kommunikation“ gelesen.

2019 Kulturschock beim Klassentreffen.

Der Leser, der mich kennt, hat es wohl schon gemerkt. Die tabellarischen Daten sind wichtige Meilensteine meines Lebens. So ist es richtig, dass ich in diesem Jahr zwei 50-jährige Jubiläen hatte:

  • Ich habe offiziell 50 Jahre intensiv in Informatik oder besser Digitalisierung gewirkt.
  • Und ich hatte vor 50 Jahren in Augsburg im Jakob Fugger Abitur abgelegt.

Und heute liege ich nach meinem erstem und sehr schönem Tag in Lima ein wenig müde im Hotelbett. Und denke nach, weil es noch zu früh zum Einschlafen ist.

Ich reflektiere die letzten Wochen vor dem Abflug nach Lima. Die waren ziemlich stressig – und da ging einiges unter. Wie das Klassentreffen Ende Oktober. Meine Abiturklasse hatte 50-jähriges Jubiläum gefeiert. Es war das erste Wiedersehen nach mehr als fünf Jahren.

Wir waren 24 Schüler in der Klasse, als wir 1969 Abitur machten. Im Laufe der Jahre sind zwei der Kameraden gestorben, so leben heute noch 22. Und von diesen war immerhin ein Dutzend da. Zwei hatten trotz Zusage kurzfristig abgesagt, alle anderen bis auf einen langfristig. Eine gute Ausbeute.

Das Treffen war in Neusäß nahe Augsburg in einer unerfreulichen Kneipe.

Wir waren 12 weiße alte Männer und die Barbara (die kommt immer mit) an einem langen Tisch. Im lauten Saal waren fünf lange Tische, alle ähnlich besetzt. Das Durchschnittsalter bei uns und im Saal war um die 70, die wenigen Frauen die dabei waren, machten das Bild nicht besser.

Der Service war wie in vielen deutschen Gasthäusern nicht aufmunternd, das Essen recht „convenient“. Auf der Rückfahrt wurde ich sehr nachdenklich. Und musste lange nachdenken, bis ich wusste warum.

Wahrscheinlich waren wir von der Ausbildung her der beste der fünf Tische. Meine Klassenkameraden waren alle schlaue Bürschchen, die ihr Studium bestanden haben und im Leben doch recht erfolgreich agiert hatten. Sie hatten alle tolle Positionen, füllten Ämter wie Richter aus, hatten es zum Wirtschaftsprüfer oder Apotheker gebracht.

Wir hatten eine Reihe Lehrer in der Runde (in Augsburg gab es 1969 nur eine Pädagogische Hochschule, die anderen Fakultäten kamen erst später und der Augsburger ist vom Typ her eher des Sesshafte). Und die sein auch alle mindestens stellvertretende Rektoren geworden.

Auch sonst waren meine Klassenkameraden eher vernünftige Menschen. gewesen Eher pazifistisch gesonnen und sozial eingestellt.

Aber zum Klassentreffen war ich in der konservativsten Runde gelandet, die ich seit langem erlebt hatte. Und mir wurde klar, warum Deutschland Zukunft nicht mehr kann.

Wir hatten an diesem Abend die üblichen Themen: Neben Schwanks aus der Vergangenheit ging es um das Auto, die Digitalisierung und den Klimaschutz.

Mit meiner Bewertung diese Themen bin ich auf den Bauch gefallen. Ich glaube nämlich folgendes.

  • zum Auto:
    Ich fahre keines mehr, auch weil ich keine Zeit mehr zum Auto fahren habe und ich ohne Auto glücklicher lebe als mit.
  • zur Digitalisierung:
    Ich gehe davon aus, dass das Internet die wichtigste Maschine der Menschheit ist und wir ohne diese unseren Planeten nicht mehr retten werden können und
  • zum Klimaschutz:
    Ich glaube dass es schon zu spät für die Rettung des Planeten sein dürfte, und wenn die Welt nicht an der Erwärmung verursacht durch Kohlendioxyd krepieren wird, dass sie es dann an der vielfältigen Zerstörung des Ökosystems etwa durch Plastik, Radioaktivät und Zubetonierung tun wird.

Und ich habe kapiert:
Jeder meiner Klassenkameraden kann mir erklären, wie ein Verbrennungsmotor beim Auto funktioniert. Egal, ob es ein Benziner oder Diesel ist. Oder ein Zwei-Takter. Wahrscheinlich geht auch das Prinzip vom Wankel-Motor.

Aber keiner von ihnen wird sein Lebtag lang verstehen, wie eine Programmiersprache funktioniert. Was der Unterschied zwischen einem Compiler und einen Interpreter ist. Wie eine relationale Datenbank aufgebaut ist und was eine blockchain als funktionalen Wert bringt. Sogar die Genialität eines Hyperlinks werden sie nicht begreifen.

So lassen sie sich auch nicht von KI beeindrucken und empfinden die ganze moderne Zauberei der elektronischen Geräte als ein Strohfeuer, dass bald wieder erlöschen wird. Weil man die ganzen Spielzeuge wie das Internet ja eh nicht brauchen würde.

Sie stellen sich vor, dass sich das die ganze Digitalisierung wieder verschwinden wird, genauso wie die Klimaveränderung, die Vermüllung der Welt durch Plastik oder das Verschwinden der biologischen Artenvielfalt.

Sie glauben auch, dass unser gut bürgerlicher Wohlstand nicht für unser restliches Leben sondern auch für Generationen nach uns gesichert sein wird.Dafür würde die EU schon sorgen.

Weil in ihre Köpfe einfach nicht rein geht, dass auch Dinge passieren können, die nicht passieren dürfen.

So war der Klassentreffen-Konsens am Ende der Runde:

Der Planet könne ja gar nicht am Ende sein, weil das einfach nicht gehen würde.

So nach dem Motto:
„Was nicht sein darf, das kann doch gar nicht sein. Gut, es gäbe ein paar Spinner, die solche Ängste schüren würden. Davon dürfe man sich aber nicht verrückt machen lassen. Und ich wäre ja auch immer schon ein Spinner gewesen. Hätte ich doch nur Science Fiction Bücher gelesen. Und wer in der Computerei arbeite, der müsse ja eh verrückt sein.“

Vielleicht ist es aber auch ganz einfach so,  dass Menschen, die nicht programmieren auch die Welt und ihre Zusammenhänge nicht verstehen können.

Vielleicht haben sie ja Recht?

Das wäre mir fast lieber!

RMD

 

Roland Dürre
Dienstag, der 15. Oktober 2019

Melancholy in October .

In the warm country!

On Thursday, I went to the Sommerhausen Torturmtheater. It was the opening night of “All you Want” by  Mathieu Delaporte and Alexandre de la Patellière. It was a great night and we enjoyed it very much.

Afterwards, I had arranged to meet someone. He never showed. They tell me he fell sick and has to stay in bed.

On Friday, back in Neubiberg, I have a dinner appointment. It was cancelled. Due to sickness.

On Saturday, in the Neubiberg Cabaret “Platform Three“, my friend Lothar is acting as stage director because the professional who was supposed to do it has cancelled. He caught a cold.

On Sunday, I am scheduled to meet my daughter and her boyfriend. Her boyfriend is sick.

So now it has arrived – the evil autumn. And afterwards, the even more ruthless friend winter is waiting to take over. Against climate change.

And I know that, like every year, I, too, will be affected. I will catch cold and suffer from a sore throat more than once.

Why am I stupid enough to stay around? Allegedly, I have freedom to go where I want to go. Nobody forces me to stay. All I would have to do is buy a flight ticket – for instance to La Réunion. Where it is warm and I would still be staying in Europe, even in the EU. My flatrate would be valid and I could pay with Euros and enjoy life.

The French “savoir de vivre“ would really be to my liking. Since, through my taxes, I partly finance this French Paradize, I am actually even entitled to it. And I would not catch a cold. In exchange, my linguistic competence in French would retrieve its old splendour.

All I would have to do is board a flight and then stay in La Réunion for a few months. Until the sun returns to Europe. And then I could return to European Soil in a good mood in April after de-boarding a plane.

I am not going to do it because Barbara wishes to be in Munich for Christmas. With our children and grandchildren. There is no way she can be persuaded to miss it.

To be sure, I know some women who would be quite happy if their husbands were willing to spend the frosty part of their late life in warm climates with them. But those husbands would never come up with the idea.

But you cannot persuade my significant other to go abroad at Christmas. She prefers to suffer – as a just punishment – under my bad mood that was caused by a cold and a sore throat (and by the darkness and the poor weather). But she is quite willing to accept that. I have no chance. And thus, I stay at home.

Perhaps, instead of going to the airport, I should go and see a general practitioner? And maybe I should get a flu vaccination? Except that I do not really believe in such dubious methods.

I would wish to see a clean big data analysis that researches how many of those people who have been vaccinated actually catch the flu. And compare it to an analysis that finds out how many of those without a vaccination caught it. I have been looking for this kind of study intensely, but could not find it.

But probably, due to data security, such an honest study cannot even be considered. And if that is not a hindrance, then the producers of the vaccination material are opposed to it. They are more interested in the mercantile than in the medical results – and (at least so I heard), the former are quite good, thank you very much. I wonder if the same is true for the latter. Or are, perhaps, those results so bad that they would only minimize the sales?

I found a lot of online advertising for the vaccination. And they praised the fact that the new vaccine this year is against four instead of three (1) (1) pathogenes. What a gigantic progress! What a pity that the flu virus mutates with such speed and that there are so many variants.

Perhaps the flu vaccination is a little like the lottery: If, instead of processing three tables in summer, the enthusiastic lottery player will now process four tables in winter, his chances of hitting a jackpot are not really a lot better, are they? Well, those are sad ideas full of autumnal melancholy. Consequently, I am doing really poorly.

And then it gets even worse. Because I remember that the Golf Stream is weakening and might topple at any moment now. Is that good news or bad news? After all, it would mean that local winters get so uncomfortable that my dear wife will immediately be willing to migrate to La Réunion with me.

But then, this is not a hope of mine. Because if it comes to this, it will be too late. Everything at home would lie in ruins. My many wonderful Euros would not help me at all, nobody would be willing to take me in in a nice warm country. And I am not sure if I would wish to flee illegally. I would perhaps remain at home because I would prefer dying of the cold in Germany to drowning in the Mediterranean.

How bad. But now, instead of falling victim to a winter depression, I remain in my autumnal melancholy,

RMD
(Translated by EG)

Roland Dürre
Dienstag, der 30. Juli 2019

Frankfurt in Nauders

 

Wie ich Opfer von für mich unverständlicher Gewalt wurde.

 

Die Norbertshöhe – Postkartenidylle in den Alpen

Im Juli dieses Jahres war ich in Schlanders im schönen Südtirol, um dort beim Trainingslager der SpVgg Unterhaching ein paar Tage dabei zu sein. Dazu sind wir (Barbara, Maresa und meine Wenigkeit) im EC vom Ostbahnhof in München nach Innsbruck gefahren und von dort den Inn-Radweg nach Martina geradelt. Weiter ging es hoch zur Norbertshöhe.

Der Radweg von Innsbruck zur Norbertshöhe ist wunderschön und gut mit einer Übernachtung (wir haben in Zams geschlafen) zu schaffen. Der zweite Tag wird gekrönt von elf Spitzkehren, die von Martina einige Hundert Höhenmeter hoch zur Norbertshöhe führen. Dort ist ein gleichnamiger Alpengasthof, in dem es sich sehr gut übernachten lässt. Dann hat man nur noch eine gemütliche und schnelle Etappe nach Schlanders.

Der einzige Schönheitsfleck auf dieser Route ist die Tatsache, dass man vor Martina einen Teil der schönen Strecke auf einem Radweg fährt, der zwar abgetrennt von aber doch entlang einer befahrenen Landstraße führt.

Nach einer angenehmen und sehr komfortablen Übernachtung auf der Norbertshöhe ging es am Morgen des 5. Juli 2019 weiter auf dem Radweg in Richtung Nauders.

In Nauders wurde ich an diesem Tage zwischen 9:03 und 9:09 Opfer einer Gewalttat, die mich völlig überraschend getroffen hat. Die Daten weiß ich so genau, weil ich die Funktion „meine Zeitachse“ in Google Maps nutze.

Heute habe ich im Radio viel von der Gewalttat in Frankfurt gehört. So kam mir mein Erlebnis in Nauders wieder in den Sinn. Und ich erzähle mal, was mir da Unglaubliches passiert ist.

Der Radweg führt  durch den doch sehr touristischen Ort Nauders. Da gibt es viele Geschäfte. Der Weg durch Nauders wird von Fußgängern, Radfahrern und Autos gleichermaßen genutzt.  Bei einem Sportgeschäft, vor dem eine größere Freifläche war haben wir angehalten, die Barbara und Maresa haben das Geschäft besucht und ich blieb draußen bei den Fahrrädern.

Laut Google stand ich gut 5 Minuten vor dem Geschäft. Dann kamen meine Damen wieder raus aus dem Geschäft, bestiegen ihre Fahrräder und fuhren weiter.

Ich wollte auch aufsteigen und hinterherradeln. Genau in diesem Moment bekam ich einen sehr heftigen und mich völlig überraschenden Schlag in den Rücken. Mit Glück und Geschick gelang mir, einen Sturz zu vermeiden.

Und sah ich einen großen und kräftigen Mann, der keinen ganz normalen Eindruck machte, sich sehr raschen Schrittes und in auffallend aufrechter Körperhaltung von mir zu entfernen.

Ich war ratlos, meine Begleiterinnen waren schon losgefahren. Den Mann zu verfolgen und zur Rede zu stellen hatte ich keine Lust. So fuhr ich meinen beiden Damen hinterher und erzählte ihnen von diesem Vorfall.

Die gemeinsame Bewertung war, dass Maßnahmen wie eine Anzeige bei der Polizei nicht sehr zielführend wären und uns nur eine Reihe von Unannehmlichkeiten und Zeitverlust bereiten würden. Wahrscheinlich wäre dann auch ein Arztbesuch notwendig gewesen, wir hätten viel Zeit verloren und wollten lieber weiter fahren.

So haben wir versucht, uns die gute Laune nicht verderben zu lassen und sind weitergeradelt. Und haben die tolle Strecke runter nach Südtirol genossen. Das war auch gut so: die Stelle, wo ich getroffen wurde, hat bei ungeschickten Bewegungen noch ein wenig geschmerzt, aber nach zirka drei Tagen war alles wieder gut.

Beim Weiterfahren habe ich noch gerätselt, was da passiert ist. Die wahrscheinlichste Erklärung der Situation für mich war, dass so eine Art Dorfdepp sich über irgendetwas geärgert hatte und deswegen tätlich wurde. War es mein eBike (es soll ja Leute geben, die sich über Fahrräder und besonders elektrische ärgern)? Habe ich ihn vorher aktiv (als Radler) belästigt? Das glaubte ich nicht, denn ich stand ja schon mehrere Minuten vor dem Geschäft und verhalte mich als Radler in solchen Misch-Verkehrszonen immer sehr rücksichtsvoll vor allem gegenüber Fußgängern. Aber kann ich das ganz ausschließen? Oder war es nur meine Kleidung oder meine Nase, die ihm missfallen hat? Vielleicht war er ja auch nur neidisch, dass ich zwei hübsche Begleiterinnen hatte? Oder hatte mich der Täter  mit einem österreichischen Politiker verwechselt? Wie soll ich wissen, was im Kopf des Angreifers vor sich ging?

Am frühen Mittag bei einer Pause in Glurns  bekam ich dann einen leichten Schock.

Irgendwie hatte sich in meinem Gehirn die Frage fest gefressen:
„Was wäre gewesen, wenn der Angreifer ein Messer als Waffe benutzt hätte“?
Ich sah mich in meiner Phantasie in einer Blutlache liegen, dann im Krankenhaus um mein letztes bisschen Leben kämpfen und dann mit bleibenden Schäden im Rollstuhl meinem Ende entgegen siechen.

Aber wahrscheinlich ist es statistisch ganz normal, dass wenn man 70 Jahre alt wird, man auch mal von anonymer Gewalt getroffen wird. Mir fällt ein, dass einer meiner Söhne mal von Ottobrunner Hauptschülern ohne erkennbares Motiv zusammen geschlagen wurde. Nur weil er dort zum falschen Zeitpunkt über den Bahnhofsplatz lief. Und Gymnasiast war.

Ich darf nur nicht weiterdenken. Denn dann komme ich auf den Gedanken, dass die Wahrscheinlichkeit, dass ein SUV mich vom Fahrrad holt, viel höher ist und die Folgen dann in der Regel viel schlimmer sind, als die meines Abenteuers in Nauders. Nur ist das Überfahren eines Radfahrers (oder auch neuerdings von e-Roller-Fahrern) durch Pkws wie Lkws eine gesellschaftlich tolerierte und alltäglich passierende Gepflogenheit, die häufig stattfindet. Und dann als Unglück bezeichnet und bestenfalls als Ordnungswidrigkeit verfolgt wird.

Passiert jedoch sinnlose Gewalt von warum auch immer geistig gestörten Menschen, dann wird das aber als nationale Katastrophe kommuniziert. Und ganz Deutschland ist betroffen und heult, so dass sogar der Herr Bundesminister des Inneren seinen Urlaub unterbricht.

RMD

Roland Dürre
Sonntag, der 26. Mai 2019

Weltschmerz am Sonntag!

Heute ist Europa-Wahl. Wie ich finde, ein trauriger Tag, an dem sich geziemt über unser Versagen nach zu denken.

Katastrophal gespielt und doch noch gewonnen – passiert auch beim Schach nur selten. In der Realtität fast nie.

Es scheint die Krankheit unserer Zeit zu sein, dass wir alle permanent im Stress sind und so auch den Dingen, die uns wichtig sind, nicht die Zeit geben die wir diesen gerne geben würden.

Daran ist mein „Projekt FRIEDEN“ gescheitert und mit sanfter und aktiver Molbilität AKTMOBCMP komme ich auch nicht so recht weiter.

In meiner Wahrnehmung geht es mir und vielen meiner Freunde da noch besser als vielen anderen Menschen. Oft sind es nur „termintechnische“ Gründe, die uns hindern. Aber uns gelingt es oft schon ganz gut, unsere Prioritäten immer bewusster zu setzen.

Bei „meinen Projekten“ bin ich nicht mehr der Treiber, der ich vielleicht früher mal war. Ich nenne das Altersweisheit.

So verschwinde ich am 31. Mai für mehr als drei Wochen nach Russland und China. So wird es im Juni hier im IF-Blog nicht viel von mir zu hören geben.

Nach meiner Rückkunft werde ich Ende Juni / Anfang Juli versuchen, noch mal „voll Gas für AktMobCmp zu geben“. Ich würde gerne noch mehr Menschen für das Thema zu begeistern.

Wobei ich mir oft denke, dass das Projekt FRIEDEN wichtiger ist als die „aktive Mobilität im Alltag“. Wobei das Zweite eh ein Unterthema vom ersten ist. Denn sanfte Mobilität ist ja auch Teil von FRIEDEN, gleich ob wir an den Krieg auf den Straßen oder gegen die Natur denken. Und wenn es keine Autos mehr gibt, wird es darum gehen, die Radfahrer zu befrieden 🙂 (und dann die Fußgänger 🙂 🙂 ).

Ansonsten betrüben mich gerade heute die Ereignisse in der aktuellen Welt. Besonders weil sie die Folge des Versagens meiner Generation sind. In der Oberstufe im Gymnasium vor mehr als 50 Jahren war uns all das schon klar. Wir diskutierten damals genau das, von dem wir heute reden und in dem wir uns heute bestätigt sehen. Uns war klar, was die Folge sein würde. Trotz mancher netter Versuche sind wir wie selbstverständlich den menschlichen Tugenden (?) „Besitzstandwahrung“ und „reich werden ohne Mühe“ gefolgt. Und haben so die heutige Katastrophe herbeigeführt.

Gerade in Deutschland hätten wir alle Möglichkeiten gehabt, nach dem zweiten Weltkrieg eine bessere Welt zu schaffen. Damit meine ich ein soziales Konstrukt für eine nachhaltige Gesellschaft zu schaffen, ohne Rüstung und Militär und in gemeinser Verantwortung für das Leben. Aufbauend auf einer vernünftigen Grundbildung für alle.

Wahrscheinlich hätten wir eine Chance gehabt, in Mut und mit Freude ein wunderschönes Europa der Regionen zu bauen und die Nationalstaaten zu ersetzen.

Das Gegenteil haben wir gemacht. Gerade Deutschland hat Europa gefleddert und es so zerstört. Als Metapher fällt mir der Braunkohle-Bergbau ein. Der europäische Kapitalismus – angetrieben vom Euro – hat wie der Großbagger im Tagebau das Land vernichtet.

Das Internet war unsere zweite große Chance. Auch das machen wir gerade kaputt.

Verantwortlich für diesen Niedergang war natürlich auch unser gesellschaftliches und politisches System und wesentlich die Oligarchie unserer bürgerlichen Parteien. Diese kriegen  jetzt  zu recht ihr Fett abkriegen. Aber sogar deren fällige Abgang ist nicht sicher.

Faktisch waren wir es aber alle gemeinsam, die die Welt kaputt gemacht haben. Die Gier hat uns dazu gebracht, so sind wir gerne den Lügnern und Heuchlern gefolgt.

Perfekte Manipulation pro Auto:
Titelblätter Hobby  1957 – 1965 (das Magazin für deutsche Jung-Ingenieure).

Eine weitere Metapher für das, was in den letzten 50 Jahren völlig falsch gelaufen ist, ist das Auto, ist es doch ein Symbol für „vorwärts Kommen ohne Anstrengung“ und für eine völlig falsch verstandene Freiheit. Das Auto war für die meisten von uns das goldene Lamm, um das wir getanzt sind.

So haben wir eine „Kirche der Vernunft“ implementiert, die Konsumismus als Religion und Wachstum als handlungsleitendes Prinzip hat. Das hat alten Aberglauben durch Neuen ersetzt. Nur der Feudalismus ist geblieben. Und die Zerstörung der Welt wird mit einer Art von „Feudalismus für Alle“ betrieben und gerechtfertigt.

Langsam begreifen wir, dass wir jetzt die Quittung bekommen. Die einen ignorieren as, die anderen flüchten sich ins Land der Träume und begeistern sich für #newwork“, #agile und „demokratisches Unternehmen“. Gemeinsam schauen wir aber alle – gelähmt wie das Kaninchen vor der Schlange der mehrdimensionalen Zerstörung des Planeten tatenlos zu.

Nicht nur die rasante Zunahme des Kohlendioxid und die dadurch bewirkte Klimaveränderung zerstören ihn – obwohl das eigentlich schon hinreichend sein dürfte. Und wir wissen, was zu tun wäre, tun es aber nicht. Der Mut zur notwendigen „großen Transformation“ haben wir nicht

Aber ich möchte Euren Sonntag nicht mit meinen finsteren Gedanken verderben und wünsche Euch alles Liebe, Gute und Schöne! Viel Sonne, Mut und Freude! Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Danke für Eure Freundschaft!

RMD

Roland Dürre
Dienstag, der 5. Februar 2019

Zukunft und Wetten.

Wer wettet nicht gerne? Besonders, wenn er sich sehr gut auskennt? Wie die meisten deutschen Männer beim Fußball?

Mich hat die Zukunft schon immer gefesselt. Einer meiner frühen Berufswünsche neben Filmemacher war Zukunftsforscher. Geworden bin ich dann Programmierer und später IT-Unternehmer. Mein Thema war Digitalisierung – so habe ich mich dazu mit Vorhersagen versucht. Meistens lag ich falsch, weil die technologische Entwicklung schneller ging, als ich dachte. Nur bei den Flachbildschirmen war es anders. Da lag ich auch falsch, die Verdrängung der „Röhren-Geräte“ durch die „Flach-Bildschirme“ dauerte deutlich länger als ich es erwartet und vorhergesagt hatte.

Ab und zu habe ich mich auch außerhalb der IT als Vorhersager betätigt. Dazu gibt es  eine lustige Geschichte. Es war eine Wette, bei der ich eine Kiste Champagner gewonnen und bis heute nicht erhalten habe. Obwohl Wettschulden ja Ehrensache sein sollen.

Die Geschichte geht so.

Wir sind im Jahre 1993. Gerade ist der Focus das erste Mal erschienen. Er wird als Alternative zum Spiegel konzipiert, dem deutschen Nachrichtenmagazin, von dem Verlag Hubert Burda Media kreiert und auf den Markt gebracht.

Ein geschätzter Mitarbeiter – nennen wir ihn A. – hat eine der frühen Ausgaben des „Nachrichten-Magazins“ Focus gekauft und auf der Rückfahrt von seinem Kunden gelesen. Er zeigt ihn mir, weil er entsetzt ist. Die Oberflächlichkeit und Tendenziösität des Magazins haben ihm zugesetzt.

April 1961 – Als das Nachrichtenmagazin noch eines war.

A. meint, dass das Projekt Focus scheitern müsse und und dieses Magazin rasch wieder vom Markt verschwinden würde.

Spontan bin ich geneigt, A. zu zustimmen. Auch mich erschreckt das Machwerk. Ich stimme A. zu – Focus ist bunt, grell und simpel.

Auf mich wirkt Focus schon damals oberflächlich und primitiv.

Aber – ist das nicht der Trend unserer Gesellschaft? Und die Zukunft?

So widerspreche ich A. Es entwickelt sich ein kleiner Disput und am Ende kommt es zur Wette.

Der Einsatz ist eine Kiste Champagner.

Die Wette wird formuliert:

 


A. und Roland wetten. Roland geht davon aus, dass es der Focus erfolgreich sein wird und es das Magazin in 10 Jahren noch geben wird. Andreas wettet, dass der Focus vor Ablauf der 10 Jahren wieder verschwinden wird.
Der Verlierer dieser Wette schuldet dem Gewinner eine Kiste guten Champagners.


Ich trage den Text in mein Notizbuch ein und warte. Nach 10 Jahren (2003) habe ich die Wette gewonnen. Bekomme aber keinen Champagner. A. ignoriert meine Forderung.

Heute (2019), nach mehr als 25 Jahren gibt es beide immer noch, den Spiegel und den Focus. Hier die Zahlen der aktuellen Papierauflage (da führt immer noch der Spiegel).


Spiegel:
Die verkaufte Auflage beträgt 712.268 Exemplare, ein Minus von 32,6 Prozent seit 1998.
Focus:
Die verkaufte Auflage beträgt 413.276 Exemplare, ein Minus von 47,2 Prozent seit 1998.


Wer im Online-Bereich führt, weiß ich nicht. Dass die Papierauflagen zurückgehen, wundert nicht. Das scheint mit Ausnahme von ganz wenigen Zeitungen und Magazinen (zum Beispiel brand eins) bei allen gedruckten Medien so zu sein. Die Auflage (in verkaufte Stück) und die inserierte Werbung (in T€) gehen zurück.

Meine Wahrnehmung ist, dass der Spiegel von der Anmutung eher zum Focus geworden ist. Das spricht nicht für die Qualität des Journalismus im ehemaligen Nachrichtenmagazin. Auch nicht, dass die besten Stories die erfundenen sind.

RMD

Roland Dürre
Mittwoch, der 23. Januar 2019

Emphatie, Respekt, Wertschätzung, Zuneigung … Liebe!?

Geschafft?! Der schönste Pass, den ich jemals gefahren bin.

Ich lese (denke und schreibe) viel zu Führungsthemen. Und meine, dass wir schon weit gekommen sind. Und stelle – selbst überrascht – fest:

Von der Leibeigenschaft zu dem heutigen Anspruch an #newwork ist es ein phantastisch weiter Weg gewesen. Den haben wir in nur wenig mehr als 100 Jahren geschafft. Das ist herausragend, auch wenn der Weg sehr blutig war!

Das ist ein gutes Beispiel, dass eine Utopie zur Wirklichkeit werden kann.

All das, von dem wir träumen und das in den bekannten tollen Blogs zu #newwork steht, beschränkt sich aber nicht auf Führung. Nein, es hat eine allgemeine Gültigkeit für unseren gesamten Umgang mit anderen Menschen.

Ganz gleich ob wir uns in einer Beziehung, einer Familie oder in einem irgendwie sonst gearteteten sozialen System wieder finden, das für einen gewissen Zeitraum Menschen vereint. Es ist unser Leben!

Damit will ich sagen, dass die Philosophie, die als Basis fürs Leben gelten sollte genau dieselbe ist, die man Führungsphilosophie nennt! Es gibt da keinen Unterschied. Ob in der Familie wie im Unternehmen – es sind immer Menschen, mit denen ich es zu tun habe.

So sind wir uns mittlerweile einig, dass wichtige Leitlinien fürs Leben Empathie, Freude, Respekt, Wertschätzung, Zuneigung, Mut, Zuversicht und Liebe sind. Und eben nicht Kälte, Frust, Arroganz, Ver- und Missachtung,  Abneigung, Angst, Bedenken und Hass.

Mittlerweile bin ich überzeugt, dass diese Lebens- wie Führungsphilosophie nicht nur für den Umgang mit Menschen gelten darf. Nein, wir müssen auch sozialen System gegenüber mit Empathie, Respekt, Wertschätzung begegnen und uns in diesen in Mut und Liebe bewegen. Und dies gilt genauso für unseren Umgang mit unserer Umwelt und der ganzen Natur mit all Ihren Lebewesen!

Wenn ich nachhaltig lieben will, dann muss ich genauso fähig sein, mich selber zu lieben wie ich in der Lage bin, ALLES zu lieben. Dazu gehören alle anderen Menschen, die Natur und die ganze Welt.

Sonst bleibt es bei „Verliebtheit“. Auch ein schönes Gefühl, dass sich aber auch schnell verflüchtigt!

RMD

Roland Dürre
Montag, der 14. Januar 2019

Kranksein ist schön!

Ab und zu lese ich in IF-Blog.de meine eigenen Geschichten wieder. Das ist ja auch mein Sinn vom IF-Blog – das Schreiben für mich. So habe ich mir vor kurzem mal wieder die Geschichte aus meiner Kindheit durchgelesen:
Wie ich meine Mandeln verloren habe
.

Und dann stelle ich fest, dass ich im Kern alles so berichtet habe, wie ich es in Erinnerung habe. Aber in einem wichtigen Punkt habe ich gemogelt und wesentliche Teile der „Wahrheit“ verschwiegen. Heute schreibe ich die ganze Wahrheit dazu.


 

Der Start zu vier schlimmen Jahren in der „Volksschule“.

Meine Eltern hatten ja beschlossen, dass zum Wechsel ins Gymnasium meine schlechte Gesundheit durch eine medizinische Maßnahme – eben durch die Entfernung meiner Mandeln – stabilisiert werden sollte. Denn in der Volksschule war ich wirklich oft krank.

Und ich war gerne krank. Und habe die Krankheit – sprich die Erkältung und den Schnupfen – förmlich gesucht. Die Gründe waren einfach.

Ich habe die Schule am Wittelsbacher Park gehasst. Das hatte eine Reihe von Ursachen.

In den normalen Fächern wie Deutsch und Rechnen habe ich mich gelangweilt. Langweilen ist grausam.

Weiter hat unser Lehrer seine Schüler auch gerne mal körperlich (und vorbeugend!) gezüchtigt. Da gab es schon mal Schläge für alle mit dem schwarzem Kantholz auf die Finger. Ohne Grund. Der Lehrer wollte uns einfach klar machen, was wir bei schlechtem Benehmen zu erwarten hätten. Das war zumindest seine Erklärung – auf eine andere Art und Weise grausamer als die Langweile.

Heute würde ich sagen, dass unser Lehrer einfach ein kranker Sadist war. In Musik hat er mir meine Unfähigkeit bewusst gemacht und im Turnunterricht wurde ich von ihm kommandiert wie ein Hund. Da war totale Unterwerfung angesagt – wie beim Militär.

Der Weg dorthin war eine Qual.

Das schlimmste Fach von allen war für mich der Religionsunterricht. Da präsentierte der Pfarrer auf sadistische Art und Weise einen Gott, den ich als bösartige Kreatur erlebte und der seinen Sohn auf unvorstellbare Art und Weise quälte. Dazu mussten wir Schwarzweiß-Bilder  vom Leidensweg zum Kreuz in ein Heft einkleben. Ich hatte immer Lust, das viele Blut auf den Bildern mit einem roten Stift einzufärben, das habe ich mich aber nicht getraut.

Aber auch der Schulweg war im Winter unerfreulich. Im Sommer hatte ich die Freude des Schulwegs durch den grünen Wittelsbacher Park in Augsburg. Die Vögel zwitscherten und die Sonne leuchtete mir ins Herz.

Im Winter dagegen war alles tot und düster. Das beste war noch, wenn sich das Winter-Elend unter dem weißen Leichentuch des Schnees versteckte.

Dann aber waren schon zur Hälfte des Weges die Schuhe patschnass vom Schnee und die Füsse – wie die Hände – eiskalt. Am Mittag zum Nachhauseweg waren die Schuhe immer noch nass – wie auch meistens noch am nächsten Morgen. Da es aber die einzigen wintertauglichen Schuhe waren, die ich hatte, musste ich sie halt immer wieder morgens für den Weg zur Schule schnüren. Jeden Tag ein wenig nässer.

Im Winter hatte ich keinen Anreiz, gesund zu bleiben. Denn die Fussballwiese, auf der wir uns im Sommer täglich und stundenlang zum Fußball trafen, war zugeschneit oder matschig – und immer leer. Auf dem Hof wurde auch nicht Völkerball gespielt. Irgendwie gab es nicht viele Gründe, heraus aus dem Haus zu gehen.

Der Berg beim Rosenaustadion dagegen war bei Schnee belebt. Nur erschien mir Schlitten- wie Schifahren so etwas von sinnlos. Man rutschte den Berg runter, nur um dann den Schlitten wieder hochzuziehen. Für Sisyphos-Arbeit war ich noch nie zu haben.

Insofern hatte ich im Winter so gar keine Motivation, gesund zu bleiben. Krank sein dagegen war sehr schön.

Denn wenn ich krank war, musste ich nicht zur Schule. Ich durfte im Bett bleiben und mich in meine Bücher versenken. Meine Mutter hat mich verwöhnt. So durfte ich auswählen, was ich zu Mittag essen wollte. Und bekam Schmankerl wie z.B. Wiener Würste, ein bei uns seltener Luxus.

Und am Nachmittag wurde ich mit einer wunderbaren Marzipan-Kartoffel vom Konditor Dichtl verwöhnt. Das war damals noch eine kleine Konditorei in der Rosenaustr. Mittlerweile ist „der Dichtl“ eine Art von Konditorei-Konzern, der in Augsburg eine Reihe von Filialen hat. In denen die Marzipan-Kartoffel immer noch einzigartig schmeckt.

Auch sonst war es schön, krank zu sein. Sogar meine fünf Jahre jüngere Schwester war sehr lieb zu mir, weil sie mit dem kranken großen Bruder Mitleid hatte.

Meine kleine Schwester und ich bei der Brotzeit vor der Waschküche des Wohnhauses in der Rosenaustr. 18 (im Sommer). Da war ich selten krank.

Abends hat mein Vater – wenn er vom Eisenbahneralltag zurück kam – mich am „Krankenbett“ sehr freundlich aufgesucht. Und mich gefragt wie es mir denn ginge – und dann getröstet.

Krank sein war also sehr schön, denn alle waren nett zu mir – ich habe es genossen und im tristen Winter gefördert. Und das hat ganz gut geklappt.

Im Frühsommer 1960 kam dann der Tag der Abrechnung. Der Operationstermin rutschte im Kalender immer näher. Da habe ich mir überlegt, ob ich mich „oute“. Also ob ich gestehen sollte, dass meine Kränklichkeit von mir unterstützt und gespielt wurde. Um die Operation zu vermeiden.

Ich habe darauf verzichtet. Vor allem, weil mir klar war, dass es nichts helfen würde. Denn schon damals war es so, dass Pläne, wenn sie mal gefasst wurden, in aller Grausamkeit umgesetzt worden sind. Auch wenn sie noch so sinnlos waren. So wie heute. Auch wollte ich nicht im Nachhinein als Betrüger dastehen. So habe ich mich tapfer geopfert.


Die Folgen der Operation waren für mich alles andere als erfreulich. Seit 1960 habe ich jeden Winter permanent Halsschmerzen. Trotzdem war ich später nur noch selten krank. Weil ich nicht mehr krank sein wollte. Das Kranksein brachte mir keine Vorteile mehr. Im Gymnasium war die Schule nicht mehr so grausam, im Gegenteil – es war ein wenig ein Hort der Freiheit.

Und spätestens wie ich „werktätig“ wurde, bin ich dann auch im Winter mit den „normal gewordenen“ Halsschmerzen und üblen Erkältungsbeschwerden immer in die Arbeit gegangen. Sei es zu Siemens, Softlab oder in die InterFace. Auch wenn es mir schlechter ging als in meiner Kindheit. Haben doch Aufgaben und Menschen auf mich gewartet. Und das war wichtiger.

RMD