Der 22. Oktober war für uns (Christian, Knud und mich) ein harter aber sehr schöner Tag. Am Vormittag haben wir uns in Nürnberg getroffen um am Abend etwas auszuprobieren. Wir hatten eine Idee, wir wollten „Wichtiges kreativ kommunizieren“. Einfach mal ein paar Aussagen machen, die nachhaltig hängen bleiben sollten.

Wir, das waren Christian Botta, Knud Johanssen und meine Wenigkeit. So haben wir uns in einem kleinen Appartement im Kongress-Zentrum in Nürnberg getroffen. Weil wir an diesem Mittwoch am Abend eine kleine Show machen wollten. So mussten wir noch ein wenig üben.

Im Vorfeld wir hatten uns genau dreimal kurz getroffen, unsere Idee ausgebrütet und dann den Inhalt wie die Dramaturgie gemeinsam in einem „shared document“ zur Überbrückung der Raumzeit-Schwelle entwickelt.

Ab 11:00 haben wir das „Jammen“ geübt und geprobt. Bis um 16:00 Uhr ging das so, dann haben wir durch geschnauft. Um 17:00 war es dann soweit, zum Abschluss des „soft tracks“ der DOAG-Jahreskonferenz  es ging raus auf die Bühne. Mit „Kreativer Kommunikation“.

Hier das Foto nach getaner Arbeit:

Christian,  unser „Gastgeber“ Dietmar Neugebauer, Knud und meine Wenigkeit
(von links nach rechts).

Aber vorher galt:
„Gestern, Heute und Morgen“ und vor allem
„Nicht Jammern sondern Jammen!“

Hier die Uraufführung vom 22. November 2017.

Mit und von uns: (am Stift), (mit ALTO, dem Altosaxophon, unser Rapper und Bauchredner). Und ich (  – am „Sprech“) war auch dabei!

RMD

P.S.
Hier auch noch der Link zum Video:
Und für alle, die es lieber nach lesen, werde ich im nächsten Post meine Texte veröffentlichen.

Roland Dürre
Sonntag, der 19. November 2017

Der Weg als Metapher für unser Leben.

Bei jetzt schon vier Hochzeiten meiner Kinder durfte ich die Hochzeitsrede halten. Bei der Vorbereitung dieser Ansprache gebe ich mir immer (sehr) viel Mühe und versuche wichtige Gedanken zu formulieren.

Da sind gerne Gedanken dabei, von denen ich weiß, dass sie mir selber viel geholfen haben. Die es lohnen könnte, sie auch andere Menschen weiterzugeben. Besonders an das Hochzeits-Paar und an möglichst viele andere Menschen.

Deshalb veröffentliche ich auch hier ein paar zentrale Gedanken aus meiner letzten Hochzeitsrede. Auch weil heute Sonntag ist. 


Der Weg als Metapher für unser Leben. 

Der Weg des Lebens beginnt mit der Geburt und endet mit dem Tod. Unser wertvollstes Gut auf diesem Wege ist die Zeit, die wir auf diesem Wege verbringen. Die Zeit ist deshalb so wertvoll, weil sie nie zurück kommt. Wenn man Freundschaft oder Geld verliert, kann dieses zurück kommen, nicht so die Zeit.

Am Beginn unseres Weges steht die Geburt.

Wir tauchen in der Welt auf und befinden uns in einer Gemeinschaft. Wir treffen Menschen, die uns auf diesem Wege begleiteten, die wir nicht kennen. Wir haben sie uns nicht heraus gesucht. In der Regel ist das unsere Familie.

Wege finden zusammen und trennen sich.

Wachsen wir heran, treffen wir auf unseren Wege weitere Menschen, die einen Strecke  gemeinsam mit uns zurücklegen: Die Kindergärtnerin, der Lehrer, unsere ersten Freunde ….

So gehen wir unseren Weg, auf manchen Teilstrecken gemeinsam mit mehr und mal mit weniger Menschen. Neue Gesichter kommen hinzu, viele Wege trennen sich für eine längere Zeit oder auch für immer.

Wir sind „Sammler und Jäger“.

Auf diesem Lebensweg sammeln wir „Spielzeuge“ aller Art, an denen wir uns ergötzen und/oder die uns „wehtun“. Diese Spielzeuge kommen oft aus der Vergangenheit. Es können Erinnerungen, Enttäuschungen, Niederlagen, Verletzungen … sein.

Andere weisen in die Zukunft und machen uns das Leben genauso schwer. Da möchte ich Lebensträume, Hoffnungen, Ängste, Erwartungen, Projektionen … benennen.

Wir besitzen nicht sondern werden besessen.

So wird unserer Lebens-Rucksack, den wir auf unserem Wege mit uns schleppen, immer größer und schwerer. Er und sein Inhalt werden zu unserem Lebens-Ballast, an dem wir schwer tragen.

Eines Tages heiraten wir. Wir feiern Hochzeit.

„Hochzeit“ ist für mich die bewusste Entscheidung – ein abgelegtes Kommitment  – den eigenen Lebensweg mit einem Menschen in einer besonderen Art und Weise gemeinsam zu gehen. Ein gegenseitiges „Komm mit mit mir!“

Es beginnt etwas Neues. So ist eine Hochzeit bestimmt kein schlechter Zeitpunkt, gemeinsam die Rucksäcke zu leeren oder noch besser, sie am Wegrande stehen zu lassen.

Legt Eure Rucksäcke ab!

Denn: Das Leben findet im jetzt und heute statt. Wenn aber Vergangenheit und Zukunft unser Denken und Handeln bestimmen, dann leben wir nicht!

Deshalb geht meine Bitte an das Brautpaar, heute auch darüber nachzudenken, ob und wie Ihr den heutigen Tag dazu nutzen wollt (und könnt), Euch vom Gerümpel der Vergangenheit für die Zukunft frei zu machen. Also:

Damit Ihr jeden Tag Eures Lebens immer mehr in wachsender Freude und mit zunehmenden Mut verbringen könnt!


Einen Teil der hier niedergelegten Gedanken verdanke ich unter anderem dem Buch Ein Tag mit der Liebe von Moshen Charifi, das ich zur Lektüre nur empfehlen kann. Charifi berichtet in diesem Buch in einer wunderbaren achtsamen und „gewaltfreien“ Sprache von einem Dialog von LIEBE und VERLIEBTHEIT, der auf einem gemeinsamen Spaziergang stattfindet.


Für Katherina und Martin entworfen für den 27. Oktober 2017. Und für alle Menschen auf dieser Welt. In Liebe!

RMD

Roland Dürre
Samstag, der 11. November 2017

Strom im Fahrrad.

Die Zeit vergeht schnell. Noch vor einem Jahr stand ich der Elektro-Mobilität per Fahrrad eher skeptisch gegenüber. Zumindest in München. Denn hier ist ja alles (mit Ausnahme an den Ufern der Isar) so richtig flach.

Mein e-Bike London von Utopia auf seiner ersten Bahnreise im
IC 2304 von München nach Naumburg mit Ziel Magdeburg.

Jetzt stehen bei uns im Haushalt 4 (in Zahlen vier) Elektro-Fahrräder. Und ich bin begeistert von der elektrischen Unterstützung beim Fahrrad.

War das Fahrrad an sich schon eine geniale Kombination von Mensch und Mechanik, so verbindet das e-Bike diese aufregende Kombination noch mit einem Motor. Das e-Bike realisiert so eine einzigartige Symbiose von Mensch und Maschine. Die ist so toll, dass mir die Lust am Auto jetzt endgültig vergangen ist. Was ist Autofahren doch für eine erbärmliche Art der Fortbewegung im Vergleich zum Radeln.

Ein wichtiger Grund fürs Radeln war mir immer die Bewegung. Ein bisschen war meine Sorge, dass diese körperliche Ertüchtigung beim e-Bike zu kurz kommen könnte. Das ist aber nicht so. Nach einer längeren Tour mit einem e-Bike bin ich genauso – aber doch anders – erschöpft als ich es mit konventionellen Rädern bin. Wenn ich mich nach „elektrischen“ 50 Kilometern hinsetze, möchte ich am liebsten gleich weiter fahren. Und merke dann erst nach ein paar Minuten der Ruhe, wie anstrengend es doch war.

Das Geheimnis löst sich einfach. Ich fahre mit dem e-Bike eine wesentlich höhere Trittfrequenz. Das geht locker und schont die Gelenke. Mein Schnitt ist in der Regel um ein zirka Drittel höher als „ohne Strom“. D.h. ich habe zwar die Unterstützung aus der Batterie – aber bin wesentlich schneller. Und habe oft den Eindruck, dass ich körperlich genauso viel oder mehr leiste wie vorher. Und die Kraft aus dem Akku vor allem die höhere Geschwindigkeit erlaubt – ich aber dann gar nicht weniger tue als ohne elektrischen Antrieb.

Strecken bis so um die 10 km fahre ich nur mit meinen konventionellen Rädern. Die wesentlich höhere Trittfrequenz, die ich mir beim Fahren mit e-Bikes angewöhnt habe, behalte ich dann bei. Und bin ganz überraschend jetzt auch mit meinen schönen alten Rädern schneller als früher. Was ich auch toll finde.

Alle meine elektrischen Fahrräder sind echte e-Bikes, d.h. Räder, bei denen die Elektronik nur elektrische Unterstützung liefert, wenn der Radler selber tritt. Und ab 25 km/h dann abschaltet. Und das reicht mir völlig. Mit meinen e-Bikes fahre ich im Sparmodus („economy“) ganz locker einen Schnitt von 18 km. Das heißt für 9 km brauche ich eine halbe Stunde. Und damit kommt man als Radler in München ganz schön weit. Z.B. von mir in Neubiberg zum Isartor. Oder vom Marienplatz nach Riem. München wird so richtig klein. Und alle Vorteile des Fahrrades wie unkompliziertes Parken am Ziel usw. bleiben am e-Bike erhalten.

Wenn ich es eilig habe, geht auch ein Schnitt von mehr als 20 km. Dazu muss ich einfach ein höheres Programm einlegen. Das heißt, ich fahre 10 km in einer halben Stunde. Und mit dem e-Bike sind wie mit dem Bike die Entfernungen in München meistens deutlich kürzer als mit dem Auto.

Insofern sind die sogenannten S-Pedelec für mich kein Thema. Der Geschwindigkeitsbereich bis und um die 25 km/h ist mir angenehm und für meine Fahrten völlig ausreichend. Da fühle ich mich sehr wohl und sicher – schneller brauche ich es es wirklich nicht.

Eine meiner Sorgen, waren die Reichweite und das „Handling“. Beides ist kein Thema. Es ist erstaunlich, wie viel Entfernungskilometer und Höhenmeter die modernen Akkus schaffen. Und das „Handling“ ist verblüffend einfach. Darüber berichte ich aber mehr und detailliert, wenn ich die drei Rad-Typen vorstelle, die in unserem Haushalt laufen.

Das ganze fing mit einem Lastenrad (e-Cargo) an. Dann kamen zwei „elektrische Mountainbikes“ dazu. Und am Schluss ein wunderbares Reiserad. Alle drei Fahrrad-Typen stelle ich in den nächsten Wochen in IF-Blog vor. Sie haben alle eine unterschiedliche Technologie und ihre Besonderheiten. Und ich liebe alle drei.

RMD

Roland Dürre
Montag, der 2. Oktober 2017

FRAGEN (NICHT NUR) FÜR UNTERNEHMER.

Als nicht mehr ganz taufrischer aber noch junger Unternehmer im Büro in Unterhaching (1993 ?).

Am 7. Juni habe ich hier viele eher menschliche und allgemeine Fragen gestellt.

Und diese am 1. Oktober durch ein paar Thesen ergänzt, was denn „Mensch sein“ ausmacht.

Der aktuelle gesellschaftliche Konsens, wenn es denn noch einen gibt, wird mir immer unverständlicher.

Heute hier ein paar Fragen, die unsere „soziale Markt-Wirtschaft“ betreffen. Soweit es diese bei uns überhaupt noch erwünscht ist – denn schon länger existiert sie nur noch sehr eingeschränkt.

Die Wirtschaft ist für die Menschen da. Und nicht die Menschen für die Wirtschaft. Das gleiche muss auch für Unternehmen gelten. Diese sind auch für die Menschen da – und nicht die Menschen für die Unternehmen.

Die Definition:
Unternehmen sind soziale Systeme mit einem ökonomischen Zweck.

Der Zweck eines Unternehmens ist die Herstellung von Produkten und/oder das Generieren von Dienstleistung. Sie entwickeln Strukturen und organisieren sich. Unternehmen haben ihre Ordnung, die auch für die Menschen und nicht gegen die Menschen sein sollte.

Die Regel:
Gemeinwohl geht vor Maximierung des Profits!
In einer sozialen Markt-Wirtschaft müssen Unternehmen gemeinsam eine Gemeinwohl-Ökonomie realisieren. Einfluss über Lobbyismus zum eigenen Vorteil geht genauso nicht wie Externalität (die Externalisierung von Kosten). Das Prinzip „Gewinne werden privatisiert, die Verluste sozialisiert“ darf nicht gelten!

Und es stellen sich wieder Fragen:

  • Warum dürfen Unternehmen Dinge anbieten, die keiner braucht? Und die Nachfrage danach künstlich herstellen?
  • Warum haben Unternehmen aus Branchen wie Rüstung oder Genussmittel (Tabak) die mit Abstand besten Margen?
  • Warum agieren Konzerne so oft kriminell?
  • Warum werden kriminelle Unternehmen auch noch subventioniert und gesellschaftlich akzeptiert?
  • Wie kann es sein, dass bei Unternehmen der „Gesundheitsbranche“ (Medizin, Pharmazie …) der Shareholder Value wichtiger ist als der Auftrag, Menschen gesund zu machen?
  • Warum haben sich so viele Unternehmen (soziale Systeme mit ökonomischen Zweck) entpersonalisiert und systemisch verselbstständigt?
  • Warum gibt es immer noch “disziplinarische” Vorgesetzte?
  • Warum ist die Zeit nach wie vor das Maß für Arbeit.
  • Warum stehen sogar bei High-Tech-Unternehmen “Stechuhren”?
  • Warum sind Einkommen nicht transparent?
  • Wieso braucht es „Human Resource Departments“?
  • Warum verdienen Top-Manager oft das Zigfache ihrer Mitarbeitern?
  • Für was braucht man Vertrieb, wenn man gute Produkte hat?
  • Welche Aufgaben hat denn das Marketing außer zum Konsum zu manipulieren?
  • Was sind das für Unternehmen, die mit Lobbyismus die Regeln zu ihren Gunsten verändern und so beliebig Schaden am Gemeinwohl verursachen?
  • Warum ist die (unreflektierte) „Sorge um die Arbeitsplätze“ der Freibrief für den Erhalt sinnloser wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Strukturen und Umweltzerstörung?
  • Warum gehen „Veränderung und Wandel“ genau dann schon gar nicht, wenn das wirtschaftliche Interessen bedroht?
  • Warum werden bei solchen Dingen immer die wirtschaftlichen Risiken bedroht, die Chancen aber einfach ignoriert und weg diskutiert?
  • Warum hat das Interesse der Shareholder immer Priorität vor den Bedürfnissen der anderen Stakeholder (Mitarbeiter, Kunden, Lieferanten …)?
  • Warum glauben so viele Menschen, dass Privatisierung das Allheilmittel für alle Probleme ist?
  • Warum werden kommunale und/oder staatliche Unternehmen immer noch als Unternehmen zweiter Klasse belächelt, obwohl doch zum Beispiele viele Stadtwerke zeigen, dass sie ihr Geschäft sehr gut beherrschen.
  • Was bringen „ethische“ Feigenblätter wie „CSR“ (Corporate Social Responsibilty) oder „BGM“ (Betriebsgesundheits-Management) für die Praxis?
  • Warum versteht man nicht, dass Unternehmen als soziale Systeme eher biologischen Lebewesen ähnlich und keine Maschinen sind, bei denen durch Drehen an den richtigen Schrauben Umsatz und Gewinn beliebig gesteuert und gemehrt werden kann?
  • Warum ist der Verbraucher zwar in der Theorie die „geschützte heilige Kuh“ nur in der Praxis das immer mehr „missachtete und gejagte Konsum-Vieh“?
  • Wie kann es sein, dass der Shareholder Value immer noch das Maß aller Dinge ist?
  • Warum geht es immer ausschließlich um Wachstum und Größe?
  • Und viele Fragen mehr …

Eigentlich ist es klar, wie es sein sollte. Umso schlimmer, dass dies jeder weiß und es keinen interessiert. Vielleicht weil Geld die einzige Metrik ist, die etwas gilt und an die alle glauben.

Das oberste Grundrecht in der alternden BRD (Bundesrepublik Deutschland) ist nicht mehr die „Würde des Menschen“ sondern die „Wahrung des Besitzstandes“.

RMD

Da habe ich die Welt mit Kinderaugen gesehen. Und konnte sie nur bewundern.

Am 7. Juni habe ich hier viele Fragen gestellt. Vielleicht ist aber besser, erst diesen Artikel zu lesen. Und sich dann meinen Fragen zu widmen.

Es waren Fragen, die sich mit unserer menschlichen Irrationalität beschäftigen.

Fragen, die mir weh getan haben.

Weil wir die Welt ruinieren und uns selber zerstören.

Weil wir eine Gesellschaft sind, die das alles weiß und NICHTS tut.

Weil diese Fragen an sich schon schwer zu verstehen und nicht zu beantworten sind.

Es wird aber noch schlimmer, wenn ich mir überlege, was LEBEN bedeutet.

Und was wir KÖNNEN, ERLEBEN und SCHAFFEN.

Unser KÖNNEN

  • Wir können DENKEN.
  • Wir können REDEN.
  • Wir können FÜHLEN.
  • Wir können LIEBEN.
  • Wir können TANZEN.
  • Wir können MALEN.
  • Wir können SINGEN.
  • Wir können TRÄUMEN.
  • Wir können ERZÄHLEN.

Unser ERLEBEN

  • Wir sind Frau und Mann.
  • Wir bekommen Kinder.
  • Wir leben.
  • Wir sind ratlos.
  • Wir sind hilflos.
  • Wir müssen sterben.
  • Wir pendeln zwischen Ohnmacht und Allmacht.

Von uns ERSCHAFFEN

  • Sprache
  • Schrift
  • Mathematik
  • Musik
  • Das Rad, den Hebel, die Schubkarre, das Fahrrad
  • Werkzeuge, Maschinen und das Internet

So klug sind wir geworden, dass wir fühlen und wissen:

So geht es nicht weiter!

Wir tun aber nichts.

RMD

Roland Dürre
Samstag, der 30. September 2017

Ach wie schön ist das Leben ohne dauernd zu telefonieren …

Aus Gründen, die mir selber nicht ganz klar sind, komme ich zurzeit nicht zum Schreiben. Vielleicht, weil ich das Leben sehr genieße und mir viele Freiräume nehme. Und IF-Blog darbt.

Also nutze ich aus Effizienz-Gründen die Gedanken, die ich mit anderen Menschen austausche als Basis für Artikel. So auch heute.

Wenn ich z.B. einen neuen Partner habe und wir planen, uns häufig und intensiv auszutauschen (zusammenzuarbeiten), dann bitte ich diesen, mir keine E-Mails mehr zu senden und schlage vor, auf ein Chatter seiner Wahl umzusteigen. Und starte für uns einen „Thread“.

Weiter bitte ich meinen Partner, mich nur im „Notfall“ anzurufen (wenn ich mich zum Beispiel zu einer Verabredung nicht pünktlich einfinde) oder er etwas ganz Wichtiges auf dem Herzen hat, dass er einfach sofort los werden will/muss.

Bei Bedarf lege ich ein „shared document“ oder einen gemeinsamen Dokumenten-Raum an und die Zusammenarbeit kann los gehen.

Abstimmung durch „synchrone Kommunikation“ ist gelegentlich notwendig. Die kann „f2f “ (face to face, so heißt das im „new business denglish“) je nach Thema in einem schönen Café oder in einer „Arbeitsumgebung“ (ruhiger Raum mit viel weißen Wänden und auch am besten weißen Tischen) stattfinden.

Ist die Raum-Zeit-Schwelle zu hoch, dann ist „f2f“ zu aufwendig und wir verwenden wenn möglich Telekommunikations-Technologien. Im „worst case“ das klassiche Telefon, meistens aber Bildtelefonie. Die Termine synchronisieren wir im „Chat“, machen aber nur Termine für die nahe Zukunft aus. Weil langfristige Termine unsere Freiheit unnötig einschränken. Und wer weiß ob das Meeting in ein paar Wochen überhaupt noch vonnöten ist?

Sind wir ein Team (mehr als zwei), dann geht die alte Telefonkonferenz gar nicht. Ich bestehe dann in der Regel auf Bildtefonie. Weil ich zu „mehrt telefonieren“ als ziemlich unteroptimal empfinde.
🙂 Im übrigen: Telefonieren ist nur ein synchrones Übertragen von „voice over IP. Aber hier endlich der Artikel dazu.


Meine mobile Telefonnummer ist öffentlich. Im Internet steht sie auf meinen Seiten. Man findet mich dort leicht. Glücklicherweise ruft mich trotzdem keiner an, nicht einmal die bösen Bots, die meine Seiten ja dauernd besuchen sollen um angeblich so etwas zu machen. Teil meiner Signatur ist die Telefonnummer auch, und ich sende immer noch viel zu viele E-Mails. Weil es soviel Unbelehrbare gibt, die auf E-Mail bestehen und sogar noch Dateien (vorzugsweise Word-Dokumente) per E-Mail versenden.

Soviel zum Thema „Internet-Blödsinn“ 🙂 

Bild von Christian und Daniel (©
Visual-Braindump 2016) auf dem letzten PM_Camp in Dornbirn.

Aber auch sonst klingelt das Telefon selten. Meine Freunde rufen mich nur in Notfällen an, weil sie wissen, dass Menschen per Telefon zu stören nicht nur unhöflich ist, sondern dem Angerufenen auch Schaden zufügt. Häufende telefonische Störungen machen es mir unmöglich, konzentriert am Stück zu arbeiten. Und ich mag das Wertvollste, was ich habe, nämlich meine Zeit nicht einfach so verplempern.

So nutze ich das Telefon nur selten. Zum Beispiel, um zu einem vereinbarten Zeitpunkt gut vorbereitet Gedanken auszutauschen. Dies dann möglichst kurz und effizient.

Das klassische Telefon ersetze ich immer mehr durch „Bildtelefonie“ mit FaceTime, Hangout, Skype oder ähnlichem. Ganz einfach, weil ich und mein Gesprächspartner uns dann auch sehen können. Am Rechner sitzen wir ja sowieso, weil wir im Gespräch ja auch Informationen auf einer anderen Ebene (vielleicht visuell oder „audio“) austauschen und gleich im Gespräch die Ergebnisse notieren. Wir machen ja auch meistens ein Protokoll, nicht um uns abzusichern, sondern um unsere Erkenntnisse und Ergebnisse zu bewahren.

Wenn ich dauernd telefonieren würde – wie ich das in meiner Umwelt laufend erlebe – würde ich nur einen Bruchteil der Dinge schaffen, die ich bewirke.

🙂 Und käme dann gar nicht mehr zum Schreiben von IF-Blog-Artikeln. Oder zum „schöne Reisen machen“.

Manche meiner Bekannten gerade bei großen Unternehmen kommen tagsüber vor lauter Besprechungen nicht zum Arbeiten und holen diese dann nachts nach. Telefonieren tun sie dann in den zwei Stunden, die sie täglich im Autos sitzen. Weil das so praktisch ist. Und klagen, dass sie gar keine Freizeit mehr hätten. Früher oder später bekommen sie einen Burnout. Das soll mir nicht passieren.

So ist mein Telefon auch mindestens 12 Stunden am Tag im Modus „nicht stören“. Kein Anrufe stört dann. Wenn ich mein Telefon aktiv kontrolliere, bekomme ich diese Anrufe natürlich mit – und bei Bedarf rufe ich zeitnah zurück. Und dann störe ich gerne, der andere hat es ja bei seinem Anruf billigend in Kauf genommen, mich zu stören.

🙂 Ja mei, ich ärgere halt gerne andere Menschen. Soviel zur „Handy-Etikette“ oder #newwork 4.0.

RMD

Roland Dürre
Freitag, der 15. September 2017

Mein USP :-)

 

Was ist mein Wert?

Als ich jung war haben mich manche „Erwachsene“ einen Taugenichts genannt, aus dem niemals etwas werden würde. Eine davon war meine Mutter, die das wörtlich ab und zu mir gesagt hat. Das hat mich schon geärgert und verletzt. War mir aber letztendlich doch nicht so schlimm, wollte ich doch viel lieber ein Taugenichts sein als so werden wie manche erwachsenen Menschen um mich herum, die aus Sicht meiner Mutter bestimmt keine Taugenichtse waren. Und so schlimm ist es dann mit mir als dem schwarzen Schaf in der Herde (wie ich mich öfters gefühlt habe) ja auch nicht gekommen.

Friedlich sein Bier trinken können ist ein großer Wert.

Heute schwätze ich bei vielen Themen mit, halte öfters Vorträge, gebe Impulse und inspiriere junge und ältere, weibliche wie männliche Menschen. So will ich diesen helfen, ein wenig glücklicher und erfolgreicher werden.

Bei einigen jungen „start-ups“ und auch gestandenen Unternehmen bin ich aktiv dabei und helfe dort, die richtigen Fragen zu finden. Denn diese sind die Voraussetzung für Veränderung und Innovation.

Laufend vernetze ich Menschen miteinander (wenn ich meine, dass die zusammen passen) und freue mich, wenn es allen zu Gute kommt.

Da stellt sich mir schon gelegentlich die Frage:
Hast Du eigentlich die Kompetenz dazu?
Die Frage kann ich selber nicht beantworten.

Aber zumindest habe ich beim darüber nachdenken mein „persönliches USP“ gefunden (USP kommt aus dem englischen und ist die Abkürzung für „Unique Selling Proposition“).
🙂 Auf Deutsch könnte man das ganz einfach als
Alleinstellungsmerkmal bezeichnen.
Mein „Alleinstellungsmerkmal“ habe ich der Kombination dreier Besonderheiten meines Lebensweges zu verdanken:

  • Erstens: Seit 1969 arbeite ich mit, an und für Computer. Die Deutschen nennen das Informatik. Die ersten zehn Jahre (die siebziger) habe ich vor allem „Industrie-Informatik“ gemacht – so habe ich die „Spielzeug-Computer“ wie Commodore und Atari ein wenig verpasst. Wie dann UNIX zu mir (oder ich zu UNIX) kam, habe ich im PC-Bereich aufgeholt. Das war in den 80igern. In diesen Jahren habe ich viele Verschiedenes gemacht. So war ich bei einigen Betriebssystemen intensiv dabei wie Prozessrechner, Kommunikationsrechner, Mainframes und der Mittleren Datentechnik. Die hieß damals MDT und kam von Firmen wie Kienzle, Nixdorf,  Olivetti und natürlich auch Siemens. Weiter habe ich Software für Datenfernverarbeitung, -speicherung, -banken, Transaktionsmonitoren und vielen Anwendungen mitgewirkt. Und dabei einige Reihe von verschiedenen Assemblern und höheren Sprachen genutzt und zum Teil auch mitentwickelt.
    Für mich der Höhepunkt war die Entwicklung eines Window-Manager, bei der dabei sein durfte. Der lief sowohl auf graphischen wie zeichenbasierten Endgeräten und hieß Collage. Collage war auch ein Produkt der Siemens AG, das aber im Markt keine Chance hatte. Wie das so oft in der Phase des allmählichen Untergangs des Unternehmensbereich Datenverarbeitung der Siemens AG leider der Fall war.
    So ging das weiter und so habe ich eigentlich alles hautnah mit erlebt, was im digitalen Leben wichtig ist. Deshalb nenne ich mich – nicht nur scherzhaft – einen IT-Pionier der zweiten Generation. Die Ehre, bei der ersten Generation dabei gewesen zu sein, überlasse ich den Urvätern der elektrischen Rechensysteme wie Konrad Zuse und meinem ersten Informatik-Lehrer in 1969, Professor F. L. Bauer von der TH München (die sich heute TUM nennt).
    In den 90igern habe ich meine Programmierschuhe nicht nur symbolisch ausgezogen und an den Haken gehängt. Der IT bin ich treu geblieben – das ging ja auch gar nicht anders – und habe versucht, soweit wie möglich bei der Digitalisierung immer auf Augenhöhe dabei zu sein.
  • Zweitens: Ich hatte mein Leben lang großes Glück und habe immer viel gelernt,
    🙂 besonders in den Lebensphasen nach Schule und Studium (aber eben nicht an der Uni)! Die Mathematik hat mir sicher geholfen, ein kritischer Geist zu bleiben. Jedoch habe ich in vielen Disziplinen das wertvollste Wissen von am Anfang älteren und später auch gleich alten und jüngeren Meistern beigebracht bekommen.
    Mancher Lehrer auch außerhalb der fachlichen Arbeit ist mir zum Freund geworden. Beispielsweise möchte ich hier Klaus-Jürgen Grün und Rupert Lay nennen. Es gab noch mehr tolle Menschen, die mich als Lehrer begleitet haben. Das ging los in meiner Zeit bei Softlab – da hatte ich einen sehr klugen Chef. Und musste „persönlichkeits-fördernde“ Seminare besuchen, weil das dort eine Voraussetzung für eine Management-Karriere war (und ich wollte damals noch Karriere machen). Ich erinnere mich aus dieser Zeit an ein Unternehmen namens TPM (Training psychologische Management) aus Frankfurt und seinem Gründer namens Uhlenbrock (oder ähnlich). Bei ihm hatte ich mein erstes Seminar am schönen Starnberger See, in dem ich so richtig viel persönlich profitiert habe. Gelernt habe ich da in solchen Seminaren nicht nur von den Trainern sondern besonders auch von den Teilnehmern, die ich dort getroffen habe.
    Auch bei den vielen Kollegen, zu denen ich fachlich empor geschaut habe und von denen ich unendlich viel fürs Handwerk gelernt habe, will ich mich bedanken.
    Später (in den 90igern) war ich 10 Jahre regelmäßig bei Workshops mit Simon Grand von RISE, einem Institut an der Hochschule St. Gallen. Da habe ich wieder viele großartige Menschen und tolle Unternehmen kennen gelernt und einen wunderbaren Austausch mit diesen gehabt.
    Die letzten zehn Jahre habe ich mich vor allem auf Barcamps herum getrieben und ja selber auch am Entstehen und Verbreiten des PM-Camps mitgewirkt. Das war eine wunderbare Zeit und ich habe noch mehr großartige Menschen kennengelernt als in den Jahren davor.
    Nicht zuletzt muss ich mich bei meinen Kindern bedanken. Es war ein ganz großes Glück, dass ich sieben haben durfte. Oft meine ich, dass ich von und durch meine Kindern noch mehr gelernt habe als vom ganzen Rest.
    So weiß ich, dass Leben und Lernen ein Synonym sind.
    Solange Du lebst, lernst Du.
    Und so lange Du lernst bist Du am Leben!
  • Drittens: Ich war immer ein „Revolutionär“, der für seine „komischen“ Meinungen deutlich mehr gerügt als gelobt wurde. Heute erkläre ich mir das positiv und meine, dass bei mir die Total-Dressur, die man auf Kinder auch schon in den 50iger Jahren anwendet hat, doch nicht alles ausradiert hat und mir so ein Rest von Autonomie, Lebensfreude und Urvertrauen verblieben ist. Und manche Indoktrination abgeprallt ist.
    So habe ich als Angestellter bei Siemens wie bei Softlab schnell gemerkt, dass dies nicht meine Welt ist. Und hatte den Willen  Unternehmer zu werden und das Glück, dass es funktioniert hat.  So konnte ich meine eigene Welt gründen, die InterFace Connection GmbH.
    Die ersten 10 Jahre waren wie ein Traum. Wir waren spielerisch erfolgreich und haben alle Grenzen gesprengt. Leider habe ich später eine Reihe von unternehmerischen und menschlichen Fehler gemacht. Und auch ein paar mal ein wenig Pech gehabt. Das Unternehmen hat es ganz gut überstanden – und ich habe jetzt ein paar Erfahrungen mehr von der Art „wie man es nicht machen soll“, die ich gerne weitergebe.

So mache ich noch ein paar Jahre weiter und fühle mich gut dabei. Und freue mich immer, wenn ich Rückmeldungen bekomme.
🙂 Besonders natürlich über positive.

RMD

Roland Dürre
Mittwoch, der 7. Juni 2017

Einfach mal ein paar Fragen.

Roland mit Schultüte

Wie ich jung war, hatte ich nur wenig Fragen.

Und war oft traurig.

Die Fragen sind mehr geworden.

Antworten wird schwieriger.

Je älter ich werde, desto mehr bekomme ich Gefallen und Freude am Leben.

Und suche nicht mehr nach Antworten.

Weil ich immer weniger verstehe.

Die Fragen aber bleiben …

  • Warum hassen wir? Wissen wir doch, dass der Hass den Hassenden zerfrisst, der Gehasste jedoch wunderbar mit dem Hass leben kann?
  • Warum sind wir gierig aber nicht zufrieden? Wissen wir doch, dass die Gier uns unglücklich, die Zufriedenheit aber glücklich macht.
  • Warum machen so viele Menschen genau das, was sie nicht machen wollen?
  • Warum können Lobbyisten und Marketing-Manager die Menschen so leicht manipulieren?
  • Warum lassen wir uns so gerne fremd steuern?
  • Warum handeln wir gegen unseren Körper, unseren Verstand und unser Herz?
  • Warum handeln wir nicht nach dem Prinzip “Erst geben, dann nehmen” sondern nach “Auge um Auge, Zahn um Zahn”?
  • Warum darf uns Arbeit nicht Spaß machen”?
  • Warum schreien wir nach einer Ordnung, die uns unterdrückt?
  • Warum glauben wir, dass wir selber mit Regelverzicht verantwortungsvoll umgehen könnten, nur die anderen leider nicht?
  • Warum sind wir bereit für ein wenig Sicherheit viel Freiheit aufzugeben?
  • Warum sind wir nicht bereit, im Jetzt zu leben und zerstören das Jetzt durch das Denken ans übermorgen?
  • Warum genießen wir nicht unser Glück und zerstören es durch die Furcht vor kommendes Unglück?
  • Warum machen wir Pläne für Fälle, die eh nicht eintreten werden.
  • Warum haben wir Ängste, von der wir wissen, dass sie doch nur in unserem Kopf stattfinden.
  • Warum zerstören wir Körper von Menschen, die unsere eigenen sein könnten?
  • Warum machen wir sogar unsere Kinder kleiner als sie sind wohl wissend dass wir selber nicht klein gemacht werden wollen?
  • Warum kaufen wir Joghurtbecher, obwohl wir wissen, dass Plastik die Welt zerstört?
  • Warum fahren wir Auto, wohl wissend, dass Autofahren uns träge macht?
  • Warum sind wir nicht in der Lage als schlecht erkannte Gewohnheiten aufzugeben?
  • Warum rechtfertigen wir Falsches gegen eigenes besseres Wissen?
  • Warum machen wir Krieg, obwohl wir wissen dass Kriege in der Regel keine Lösung sind?
  • Warum führen wir Krieg in anderen Ländern, obwohl Krieg bei uns zum Undenkbaren geworden ist?
  • Warum machen wir Terrorismus groß, obwohl wir ihn verabscheuen?
  • Warum ruinieren wir unseren Planeten, obwohl wir nur einen haben?
  • Warum geben wir unserem Körper nicht das, was er braucht: Genug Schlaf und Bewegung, gesunde Ernährung?
  • Warum haben wir Angst, unseren Körper lustvoll erleben?
  • Warum aasen wir mit Zeit, obwohl wir wissen, dass Zeit ein Gut ist, dass nie mehr wiederkommt?
  • Warum denken wir nicht, obwohl wir ein Gehirn haben?
  • Warum halten wir uns für die Krone der Schöpfung?
  • Warum halten wir unsere Gewissheiten und unsere Überzeugungen für Wahrheiten?
  • Warum machen wir aus Naturwelt eine Kulturwelt, ersetzen Naturrauschen wie das Tosen des Meeres durch das Kulturrauschen der lauten Mega-City?
  • Warum glauben wir an Wachstum als Lösung obwohl wir wissen, dass “weniger mehr ist”?
  • Warum erwarten wir, dass man uns in unserer Not hilft, helfen aber anderen nicht wenn sie in Not sind?
  • Warum vergiften wir ohne Not die Luft, die wir täglich atmen wollen?
  • Warum sehnen wir uns nach Geborgenheit und lieben die Einsamkeit?
  • Was ist soziales Miteinander?
  • Was ist Liebe?
  • Wie lösen wir den Spagat zwischen “individuell und kollektiv”?

Wahrscheinlich sind es viel zu viele Fragen.

Wenn ich aber noch mal 20 Minuten mehr nachdenke, dann finde ich noch mehr solche Fragen.

Beantworten kann ich sie immer noch nicht.

Jetzt würde mich aber interessieren, welche Fragen Ihr so habt? Und welche meiner Fragen Euch auch wichtig sind?

Oder habt Ihr gar Antworten!?

Danke!

RMD

Hans Bonfigt
Montag, der 15. Mai 2017

Kick it Out …

Das war ein klasse Hardrocktitel der Gruppe ‚Heart‘ in den frühen 80ern.

Und ja: Manche stecken „den Tiger in den Tank“, ich aber lasse gern die Sau heraus. Die Schuld daran trägt mein alter Deutschlehrer Willi Tröster.   Donnerstagmorgens hatten wir in der Mittelstufe immer eine Doppelstunde Deutsch, am Mittwochabend war Willi Tröster mit Kollegen saufen kegeln und daher nicht immer in bester Laune.  Als irgendjemand an einem solchen Donnerstagmorgen das Wort „Reichskristallnacht“ gebrauchte, platzte ihm der Kragen und er polterte los, „Wer mich jetzt nochmal mit so einer apologetischen Scheiße zumüllt, dem hau‘ ich auf sein dummes Maul“.  Und, vielleicht erschrocken über den eigenen Ausbruch, erläuterte er uns:  „Seine Sprache offenbart den Menschen.  Wer Denunziation, Mord, Folter, Raub und Vergewaltigung mit einem Kristallglas assoziiert, das womöglich Schaden genommen hat, der beabsichtigt damit ganz offensichtlich etwas“.  Willi Tröster, großer Verehrer der klaren, konzisen Sprache von Brecht, hielt uns einen Vortrag darüber, daß Sprache wahr und klar sein müsse.

Für mich persönlich war dies eine der wichtigsten Schulstunden meines Lebens, mir wurde schlagartig klar, wie wichtig eine angemessene Sprache ist und wie gefährlich weichgespültes Wischiwaschi.

Ein Mensch mit dauerhaften körperlichen Gebrechen hieß früher „Krüppel“.  Irgendwann war dies einer Gruppe unterbezahlter, unausgelasteter akadementen Bedenkenträger zu direkt und aus dem Krüppel wurde plötzlich ein „Behinderter“.  So ein blühender Blödsinn!  Behindert ist man, wenn man sich den Fuß verstaucht hat.  Keine zehn Jahre später formte sich, vielleicht auf Schulhöfen, die abfällig konnotierte Phrase, „Du bist ja behindert“.   Und schnell mußte eine neue Begrifflichkeit her, die Briten müssen jetzt „Special Friends“ sagen und die grünen Sprachpanscher wollten schon den „Menschen mit speziellen Eigenschaften“ festgeschrieben wissen.

Ich finde, man tut einem Krüppel keinen Gefallen damit, daß man sein körperliches Handicap zu vertuschen sucht.  Ganz im Gegenteil, dies ist eine subtile, aber umso infamere Verhöhnung von Menschen, die weiß der Himmel schon genug Probleme meistern müssen.

Die ‚Porta Nigra‘ in Trier kennt jeder, lateinisch bedeutet dies „schwarzes Tor“.  Ein dunkelhäutiger Mensch wird seit Jahrzehnten als „Neger“ bezeichnet, abgeleitet von ’niger, nigra, nigrum‘, „dunkel, schwarz“.     Ende der Neunziger formierte sich eine selbsternannte „Sprachpolizei“, die, von jeder Sachkenntnis ungetrübt, hinter jeder Autobahn Redewendung einen bösen „Hintergedanken“ vermutete.  „Neger“ und das diffamierende amerikanische „Nigger“ sind aber auch zu ähnlich!

Und so wurde derjenige, der einen Neger „Neger“ nannte, zum Faschisten und vor allen Dingen zum „Rassisten“.   Es weiß zwar bis heute niemand, was „Rassismus“ sein soll, aber wenn ein Begriff von so vielen Dummschwallern immer wieder reflexhaft benutzt wird, daß Dr. Pawlow seine Freude hätte, muß doch wohl etwas dran sein.   Und so drehte sie auf, die Begiffsspirale:  Erst waren es „Massivpigmentierte“, dann „Afrodeutsche“, jetzt sind es „Sonnenverwöhnte“.  Die nicht ganz so Abgedrehten postulierten „Schwarzafrikaner“, als ob es nur in Afrika Neger gäbe.

Ich warte ja darauf, daß der Karneval verboten wird, denn im Bayerischen heißt es ja „Fasching“ und mit Faschismus will man ja nix zu tun haben!  Und überhaupt:  Karneval, „Fleisch, lebe wohl“, das ist ja wohl eine klare Diskriminierung der Veganer*Innen.

Man könnte das jetzt alles als nervigen Mist abtun, aber insbesondere die zwar inflationär gebrauchte, aber dennoch ungeheuerliche Unterstellung eines „Rassismus“ bereitet mir Sorge:  Denn auch hier hat Willi Tröster recht, „seine Sprache offenbart den Menschen“.   Jeder Mensch mit minimaler Schulbildung weiß:  Biologisch unterscheiden sich ein Indianer, ein Chinese, ein Neger oder ein Eskimo so gut wie gar nicht.   Sehen wir uns Hunde an:  Ein Zwergpudel gehört zur Rasse „Hund“ genauso wie ein ausgewachsener Rhodesian Ridgeback.   Von unterschiedlichen „Menschenrassen“ zu schwafeln ist daher schlichtweg blödsinnig.   Im übrigen glaube ich nicht einmal, daß ein Adolf Eichmann oder ein Reinhard Heydrich ernsthaft an „Rassenunterschiede“ geglaubt haben — das war eher der kranke Wahn von Heinrich Himmler, ideologisch verbrämt von Alfred Rosenberg.

Wenn jemand heute von „Rassismus“ spricht, dann allerdings erkennt er implizit die Existenz von „Menschenrassen“ an und bestätigt unmittelbar Himmlers kranken Typisierungswahn.  Und wo es unterschiedliche „Rassen“ gibt, da gibt es, mit allen furchtbaren Konsequenzen, auch unterschiedliche „Wertigkeiten“.   Heinrich Himmler jedenfalls wäre überglücklich, wenn er wüßte, wie dankbar die „Grünen“ seine krude, kranke Rechtfertigung für die Massenvernichtung „unwerten Lebens“ aufgesogen haben.  Und nicht nur aufgesogen:  Sie besudeln jeden Mitmenschen, dessen Meinung ihnen nicht paßt, mit dieser schmierigen braunen Scheiße.  Schlecht ist, wer Schlechtes denkt.

Geht es auch ein bißchen kleiner ?

Derjenige, der nicht ständig seine Sprache mit Wischwaschi-Ausdrücken kompromittiert, ist ein gefühlloser, unsozialer Hund   —  aber wenn jemand einen „Negerkuß“ kauft, dann darf man diesen in die Nähe einer Massenvernichtung bringen ?

Glücklicherweise haben wir hier nicht nur erbärmliche „Comedians“ der Marke Böhmermann, sondern auch Kabarettisten wie Dieter Nuhr.   Der wurde in Osnabrück von einem Moslem-Spinner verklagt, weil er herausgearbeitet hatte, „Im Islam ist die Frau zwar frei, aber in erster Linie frei davon, alles entscheiden zu müssen“.  Wegen „Beleidigung einer Religionsgemeinschft“.  Skandal eins ist für mich, daß es überhaupt zur Eröffnung eines Verfahrens kam.  Skandal zwei aber ist das widerlich-devote Geschleime eines Springer-Söldners in der „Welt“:  „Pauschale Diffamierungen anstelle von Differenzierungen schaffen nur neue Schreckensbilder, die dem mehrheitlich liberalen europäischen Islam das Wasser abzugraben versuchen.“   So einem devoten Arschkriecher wünsche ich mindestens sieben Jahre in dem Spezialknast, in dem schon der Kollege „Dennis Yüksel“ einsitzt.

Mit der gleichen Vehemenz, mit der die multikulturelle Sprach-GeStaPo neue und alte Täter sucht, werden ausgerechnet diejenigen verteidigt und entschuldigt, die unsere Demokratie ablehnen, elementare Grundrechte mit Füßen treten und ihren Mitmenschen Schaden zufügen.

Dabei erlaubt sich die gleichgeschaltete „Lügenpresse“ ungeheuerliche Widerwärtigkeiten:   Der Schriftsteller Akif Pirincci höhnte öffentlich und unzweideutig in Richtung der „politischen Klasse“, daß man in diesen Zeiten sein Volk nicht mundtot machen könne, denn, Konzentrationslager stünden den Politikern, leider, leider, nicht mehr zur Verfügung.   Was wird berichtet, in wirklich fast allen Medien ?   „Pirincci fordert Konzentrationslager für Flüchtlinge“.   Läßliche Sünde, möchte man annehmen, denn wie üblich hat es einer fabuliert und alle anderen schrieben ab.

Aber bei einer solch‘ ungeheuerlichen Unterstellung:   Darf man da nicht ein Minimum an Recherche erwarten?   Und welche Schlußfolgerungen muß man zwangsläufig ziehen, wenn diese Recherche unterbleibt?   Etwa die, daß, wie in der „Welt“ und im „Völkischen Beobachter“, nur noch Hetze betrieben werden soll mit einem klaren politischen Ziel?

Wer grob fahrlässig die Existenz eines Autors ruiniert, der ist, ganz nebenbei, nicht mehr gar so weit davon entfernt, einen Menschen in ein Konzentrationslager zu sperren.  Autorenschelte hat ja wieder Tradition:   Herr Yüksel wünschte Herrn Sarazzin, daß der nächste Herzinfarkt sein Werk gründlicher verrichten möge – natürlich öffentlich in der „taz“, der es nicht zu peinlich ist, einen Springer-Lohnschreiber zu veröffentlichen.

Von einer derart heruntergekommenen „journalistischen Klasse“, aber auch nicht von den Abteilungen „Betreutes Denken“ aller möglichen Organisationen und Unorganisationen will ich mir nicht vorschreiben lassen, was ich zu denken und zu sprechen habe.  Und da geht es mir wohl nicht allein so:   Wer keinen Zusammenhang sieht zwischen „Trump“-Wahl und „Brexit“, dem ist nicht mehr zu helfen.  Es wollen sich einfach immer mehr Menschen nicht mehr auf der Nase heruntanzen und mit Lügen verhöhnen lassen.

Was auch den erfreulich überraschenden Ausgang der NRW-Wahl erklärt:

Gestelzte „Analysten“ mühen sich wieder verkrampft ab, auch die absurdesten „Ursachen“ für den erdrutschartigen Verlust der SPD zu finden.  Momentan ist es das Versagen der SPD bei der Herstellung „sozialer Gerechtigkeit“.  Was für ein blühender Blödsinn !   Denn die SED, die mit diesem Unwort zumindest in der DDR nicht ganz erfolglos ist, ist gottseidank ‚rausgeflogen aus dem Landtag.

Die Wahrheit liegt auch hier wieder in der Klarheit!  Wenn der Rattenfänger aus Würselen klare Worte gefunden hätte in Bezug auf Asylmißbrauch, demokratiefreie Zonen in Duisburg und Mißbrauch von EU-Regularien, dann hätten sich vielleicht ein paar Wähler gefunden.  Stattdessen plätschert es, „Die Flüchtlinge bringen uns etwas, das viel wertvoller ist als Gold:  Den Glauben an Europa“.  Das gleiche „Europa“ wohlgemerkt, das es nicht geschafft hat, auch nur die unsäglich alberne, teure und überflüssige Sommerzeit abzuschaffen.

 

Ich vermisse wirklich in diesen Zeiten der gleichgeschalteten, politisch korrekten Larmoyanz solche Menschen wie Bischof Dyba und Franz-Josef Strauß.  Denn die teilten, ebenso wie Helmut Schmidt, die Lebensmaxime von Ludwig Boltzmann:  „Denk‘, was klar ist, sag‘, was wahr ist und verfecht’s, bis es mit Dir gar ist“.   Dabei kommt es überhaupt nicht darauf an, ob man recht hat oder nicht.   Es kommt aber darauf an, daß man seinen Standpunkt vortragen darf.

Und deswegen, Roland, fühle ich mich manchmal verpflichtet, ein paar klare Worte und Wörter zu benutzen.

 

Denn, Roland:  Glauben Sie, daß man heute noch einen Film wie „Das Leben des Brian“ von Monty Python produzieren könnte und würde ?

-hb

Anmerkung des Gastgebers von IF-Blog.de (mir – RMD):
In meinem Kommentar zum letzten Artikel Entartete Kunst von Hans Bonfigt habe ich auf dessen „besondere Sprache“ hingewiesen. Und erwähnt, dass diese doch eine Reihe von Lesern „irritiert“, er- oder sogar abschreckt. Dieser Artikel ist seine Antwort auf diesen Hinweis und wie ich meine eine spannende Erklärung.

Roland Dürre
Sonntag, der 14. Mai 2017

ICH.

About Me

Das ist ein Artikel in eigener Sache. Ich benutze ihn als Link, um mich bei Menschen vorzustellen, die ich neu kennen lerne. Will hier also kurz erklären, was ich so mache und wer ich so sein könnte. Zusätzlich zu den trivialen und schönen Tatsachen, dass ich eine große Familie und viele Freunde habe und versuche mein Leben bewusst zu führen und zu geniessen.


Gestern:

Ich bin ein Ex-Programmierer, der irgendwann mal seine Programmierschuhe an den Haken gehängt hat und leidlich erfolgreicher Unternehmer in der IT-Branche wurde.

Heute:

Ich bin frei und finanziell unabhängig. Ich versuche niemanden mehr zu dienen. Und meine Zeit sinnvoll für mich und andere zu nutzen; eben zu leben.

So versuche ich Erfahrung und Wissen zu teilen und dabei möglichst viel zu lernen. Meine wichtigsten Güter sind mein Körper und die Zeit. So verbringe ich dieselbige möglichst nur mit Menschen, die ich besonders wertschätze und mag. So wie ich auch nur „Projekte“ angehe, an die ich glaube und die mir Freude und Spaß machen.

Heute Mittag in der Waldwirtschaft in Großhesselohe. So mit Trump-Käppi.

Als „lernender Mentor auf Augenhöhe“ versuche ich – vor allem aber nicht nur – jungen Menschen zu helfen, ein wenig glücklicher und erfolgreicher zu werden. Das besonders gerne, wenn es um Unternehmer und Unternehmen (besonders gerne Start-Ups) geht. Meine Methode ist „zuhören und dumme Fragen stellen“. Mit kleinen Gruppen veranstalte ich ab und zu „dialektische Workshops“ (so etwas wie Fahnenbildung etc.). Das meiste mache ich in der Regel ohne Entgelt. Geld verlange ich bei besonderen Aktionen, wie z.B. wenn ich jemand helfe seine Firma zu verkaufen.

Ich habe mir gewisse Regeln gegeben wie z.B. keine Meetings mehr länger als 60 Minuten (maximale Ausnahme sind 90 Minuten bei sehr schweren Fällen) zu machen. Termine vereinbare ich wenn irgendwie möglich nur kurzfristig und bei Bedarf.

Insgesamt versuche ich, das Leitbild „agile, lean und open“ zu leben. So ein wenig auch im Sinne des agile manifesto, das man nicht nur auf die Entwicklung von Software anwenden sollte.

Morgen:

Mir würde gefallen, die letzten Jahre meines Lebens Aktivist für FRIEDEN und SANFTE MOBILITÄT zu sein.


🙂 So weit so gut. Mit den besten Empfehlungen!

RMD