Roland Dürre
Samstag, der 26. Mai 2018

#DSGVO: Erweiterung der Datenschutzerklärung von IF-Blog

Im Rahmen des Inkraft-Tretens der #DSGVO habe ich meine Datenschutzerklärung im IF-Blog um folgende Ergänzung erweitert:


Ergänzung zur Datenschutzerklärung vom 26. Mai 2018:

Die obige Datenschutzerklärung gibt es in etwa so lange wie es iF-Blog gibt. Ich halte generell nichts vom Sammeln und insbesondere vom Sammeln von Daten. So habe ich in IF-Blog noch nie fremde Daten gesammelt oder für irgendwelche Zwecke zu nutzen versucht.

Das Werkzeug „webmaster“ nutze ich ausschließlich, um zu erfahren, aus welchen Ländern dieser Welt meine Leser kommen.

Früher habe ich ab und zu E-Mails mit Infos zu IF-Blog (neue Artikel und Autoren …) an bestätigte Abonnenten gesendet. Diesen Dienst habe ich schon seit Jahren eingestellt, weil ich solche Benachrichtigungen in Form von E-Mails als nicht mehr zeitgemäß und außerdem als störend empfinde. Jetzt habe ich den dabei entstandenen Datenbestand an E-Mails endgültig gelöscht.


Das bedeutet:

  • Es wird nie wieder News von IF-Blog geben. Ich glaube, dass wird niemanden stören. Ich persönlich finde den News-Wahn eh als Unsinn. Das bringt doch niemanden etwas
  • Ansonsten ist wie auch bisher sicher gestellt, dass bei IF-Blog keine „privaten“ Daten in irgendeiner Weise gesammelt oder für irgend welche Zwecke genutzt werden.

Ich selbst glaube zwar, dass die #DSGVO absolut nichts bringen wird außer noch mehr Überregulierung. So wird sie die Staatsverdrossenheit erhöhen und noch mehr Wähler zu „populistischen“ Parteien treiben. Vielleicht auch die Rechthaberei – die mir gerade in unserem Kulturkreis schon ein wenig auf die Nerven geht. Auch die eh schon weit verbreitete Bereitschaft des „Ignorieren von Gesetzen“ dürfte sie fördern und das Vertrauen in den Staat als weisen, kompetenten und verantwortungsvollen Gesetzgeber weiter erodieren. Das finde ich schade, aber die Herren in Brüssel und Berlin wollen das wohl so.

Beklagen hilft aber auch mir nicht weiter. Ich versuche, so weit wie irgendwie möglich als Mensch wie als Unternehmer gesetzestreu zu handeln. Dies sogar als Radler und Autofahrer. Und das hat für IF-Blog immer gegolten und soll so bleiben. Also halte ich mich an die Vorgaben.

Über die#DSVGO werde ich wahrscheinlich noch ein paarmal schrieben. In einem der nächsten Artikel werde ich mich zu dieser albernen Regel äußern, dass Kinder erst ab Vollendung ihres 16. Lebensjahres selber darüber entscheiden dürfen, wie sie das Internet nutzen wollen. Aber vorher schon die Religion wechseln dürfen.

Angeblich sind Kinder zu dumm fürs Internet und müssen vom Gesetzgeber geschützt werden. Da denke ich ein wenig anders. Ich meine, dass eher die Erwachsenen, die die #DSGVO geschrieben und zu verantworten haben, vom „Internet“ aber so wirklich keine Ahnung haben.

Aber dazu in Zukunft mehr in diesem Blog.

RMD

P.S.
Als Lektüre zum Thema empfehle ich folgenden Link zur #DSGVO. Thomas Stadler twittert unter der Kennung #RAStadler. Ich folge ihm schon seit Jahren und habe aus seinem Blog viel Wichtiges gelernt. An dieser Stelle ihm ein herzliches Dankeschön!

THOMAS STADLER
STANDORT: FREISING, BAYERN, GERMANY
Fachanwalt für IT- Recht und Fachanwalt für Gewerblichen Rechtsschutz in der Kanzlei AFS

Roland Dürre
Donnerstag, der 10. Mai 2018

Welche Werkzeuge brauchen Führungskräfte?

Roland erklärt SCRUM. Aber keine SCRUM-Werkzeuge! Ist auch ein paar Jahre her.

Vor kurzem habe ich einen Artikel gelesen, der die Frage beantworten wollte:

„Welche Werkzeuge braucht ein Product Owner?“

Es war ein langer Artikel. Es stand manch Vernünftiges drin und er lies sich gar nicht schlecht. Vieles klang gut überlegt.

Mir jedoch wurde beim Lesen immer unwohler. Weil das alles irgendwie nicht gestimmt hat. Werkzeuge können sicher auch ab und zu mal nützlich sein. Aber mittlerweile haben wir haben so viele Werkzeuge im Einsatz, dass wir oft vor „lauter Bäumen den Wald nicht mehr sehen“.

So habe ich mir die „Werkzeug-Frage“ dann für andere Weiße-Kragen-Berufe aus meiner fachlichen Welt gestellt. Also:

„Welche Werkzeuge braucht ein Scrum Manager, ein Projekt Manager, ein Quality Manager, ein Requirement Engineer oder ganz allgemein eine Führungskraft, die man heute ja auch gerne als Manager bezeichnet und die zurzeit ja sogar „digital leadership“ beherrschen muss?“
(Meine Skepsis zu diesen „buzzwords“, die man aus digital, smart, manager, leadership, project und weiteren Begriffen dieser Art beliebig kombinieren kann, ist ja bekannt.)

Und ich fühle mich bestätigt, dass wir zu sehr an Werkzeuge glauben. Die bringen nicht wirklich viel und lenken uns vom Wesentlichen ab, das eh schon schwer genug zu finden ist.

Im nächsten Schritt habe ich mir über überlegt, welche Rolle Werkzeuge in meinem Leben gespielt haben. An das Spielzeug im Sandkasten kann ich mich nicht mehr erinnern. In der Schule und im Studium allerdings habe ich (meine) Handschrift und Bücher genutzt. In wenigen Fällen kamen der Zirkel, das Lineal, der Rechenschieber, die Logarithmen-Tafel und einmal die Schreibmaschine (bei der Diplom-Arbeit) zum Einsatz.

Wichtig war das Fahrrad , um überhaupt in die Schule zu kommen. Ja – und fast hätte ich es vergessen – im Bereich der Mathematik war noch der Verstand von Nöten.

Gleich nach dem Vordiplom habe ich Anfang der 70iger Jahre als Werkstudent beim Siemens mit dem Programmieren (das an der TUM war mehr so Spielerei) angefangen und bin zum „Software-Ingenieur“ geworden.

Da waren meine Werkzeuge „Programmier-Formulare“ und weißes Papier. Weiter hatte ich einen der berühmten Druck-Bleistifte von Siemens, mit denen die Abteilungs-Sekretärin immer so knauserten. Die „Formulare“ hatten 80 Spalten, sie waren der Assembler-Syntax folgend bedruckt. Der Assembler für die Prozessrechner der Serie 300 von Siemens hatte übrigens den netten Namen „Prosa“.


🙂 Vorsicht: Jetzt wird es ein wenig fachlich, eher so für Programmierer.

Wenn ich mich richtig erinnere waren die ersten 8 Spalten auf dem Formular den „Sprungmarken“ vorbehalten, die auch „labels“ hießen. Dann kamen Sonderspalten, in denen markiert wurde, ob der linke oder der rechte Akkumulator benutzt wurde und ähnliches. Die letzten 8 Spalten (73 bis 80) dienten der Nummerierung, die man zu Beginn eines neuen Programms tunlichst in 100-Schritten tätigte, damit noch Platz für Einfügungen blieb. Spalte 72 war für den Stern für die Folgekarte. So oder so ähnlich war das.

Mit dem Druck-Bleistift habe ich auf das weiße Papier so eine Art „Ablaufbilder“ gemalt und dann diese in Anweisungen im Formular umgesetzt. Hilfspersonal hat dann die Formular in Lochkarten umgesetzt, für jede Zeile wurde eine Lochkarte gestanzt. Zweimal wurde die Zeile abgetippt. Zuerst wurden die Löcher gestanzt und im zweiten Lauf die gestanzte Karte kontrolliert. So entstand das „Programm“ als Lochkartenstapel.

Wichtige Werkzeuge waren auch die Schachtel oder zumindest ein Gummi den Lockartenstapel. Später bekam ich zusätzlich ein portables Handgerät zum Stanzen von Lochkarten, weil ich vor Ort beim Kunden Korrekturen „patchen“ durfte. Das war eine große Auszeichnung, auf die ich richtig stolz war.

Zusätzlich hatte ich noch ein weiteres Werkzeug von einer ganz anderen Kategorie. Das war der dünne und sehr übersichtliche Siemens-Plastik-Kalender (für den OFK – Oberen Führungskreis gab es diesen in Leder).

Das war es und das war völlig ausreichend an Werkzeugen. Ich erinnere mich noch, wie ich mir damals vom privaten Geld ein Luxus-Werkzeug gekauft habe. Einen Wunderrechner von Texas Instrument. Der war allerdings mehr ein Hobby und nicht zwingend notwendig – deshalb musste ich die zirka 600 DM  auch selber bezahlen. Aber meine Begeisterung und offensichtlich auch mein Einkommen waren groß genug.

Dieser Taschenrechner konnte im oktalen (Ziffern von 0 – 7), dezimalen (Ziffern von 0 – 9) und sedezimalen, auch hexadezimal genannten Zahlensystem (mit Ziffern von 0 – F – da wurden die Ziffern 0 – 9 um A, B, C, D, E und F)“  rechnen  und die Zahlen in umwandeln konnte. Das war ein ab und zu nützliches Werkzeug, aber vor alle ein Teil mit dem man so richtig angeben konnte.

Etwas Selbstverständliches als Hinweis:
Alle Rechner hatten natürlich eine binäre Basis und konnten nur mit Nullen und Einsen rechnen. Sie nutzten das binäre Zahlensystem (0 und 1). Die ersten „Dumps“ bestand nur aus Nullen und Einsen, und den mussten wir lesen können.

Da im binären System die Notation ziemlich länglich wird, wurden schnell größere Einheiten gebildet, die Worte die aus zwei Halbworten, den Bytes bestanden. bei den Prozessrechner das „Wort“ 2 mal 3 Bits (das Byte hatte also nur 3 Stellen), die meisten anderen Systeme hatten aber als  Grundeinheit 4 Bit (= 1 Byte). Die Sprachen mit den 3 Bits wurden oktal notiert, die mit den 4 Bits sedezimal.

So wurden die Dumps kürzer und bestanden je nach Assembler aus den Ziffern 0 bis 7 oder von 0- 9 verlängert um die Buchstaben A – F.

Ich weiß noch heute, dass in irgendeinem der Assembler, den ich programmiert habe, das sedezimale Wort 07FF (binär 0000 1110 1111 1111) die Maschinenanweisung für „Release Control“ war. Den Rest habe ich vergessen.


🙂 Weiter wieder für Manager.

Später habe ich den Siemens- durch einen „Löhn-Kalender“ ersetzt. Das war ein (auch sündhaft teures) kleines Ringbuch mit vielen Fächern, das so in etwa die Funktionen von Outlook vorwegnahm. Es gab es in Plastik und in echtem Leder. Ich hatte sehr schnell die Lederausgabe. Dieses Werkzeug unterstütze meine langjährige Metamorphose vom Programmierer zum Manager/Unternehmer.

Der „Löhn-Kalender“ hatte einen großen Nachteil – er konnte nicht reden. So habe ich Termine in meinem Manager-Leben verpasst, weil ich in meinem Programmierer-Leben so von meiner Arbeit gefesselt war, dass ich nicht merkte, wie die Zeit vergeht.

So bin ich dem „Löhn-Kalender“ untreu geworden und habe ihn gegen einen elektronischen Helfer ausgetauscht. Das war ein Gerät von Texas Instruments, das früher einer Familie von „Electronic Organizer“ (Personal Organizer). Und der konnte zwar weniger als der „Löhn“ – aber er konnte Piepsen. So hat er mich vor meinen Terminen gut vernehmbar angepiepst, so dass sich mein pünktliches Erscheinen zu vereinbarten Besprechungen drastisch verbesserte. Und verglichen mit meinem TI-Rechner für oktales, dezimales und sedezimales Rechnenfast war das kleine Zaubersystem fast schon billig.

Diese Geräte wurden übrigens später mit dem auch neuen Mobil-Telefon (Handy) gekreuzt. Handy und Organizer und sind für mich so etwas wie Vater und Mutter vom heutigen „Smart Phone“.

Soweit meine eigene Werkzeuggeschichte, die dann mit Laptop, Airbook und Tablet weiter ging.

Was für Werkzeuge braucht eine Führungskraft?

Diese Frage ist in etwa so albern wie wenn man fragt: „Welche Werkzeuge braucht ein Koch?“. Ohne auszusagen, was der Koch denn überhaupt kochen soll. Die einzige Antwort, die mir da einfällt ist: „Seinen guten Menschenverstand und wahrscheinlich ein Messer“.

Die korrekte Frage wäre doch, welche Werkzeuge braucht ein Mensch für die Zubereitung eines bestimmten Gerichtes. Wenn ich meinen Gästen ein Käse-Fondue reichen will ist das doch etwas ganz anderes als Kartoffel-Knödel, ein gegrilltes Hähnchen, ein Himbeereis oder ein Gulasch aus der Dose! Beim Käse-Fondue ist das Wichtigste (wie übrigens auch bei Käs-Spatzen) ein hochwertiger Käse mit dem richtigen Geschmack! Und den passenden Wein. Und das richtige Weißbrot. Man sieht, nicht auf die Werkzeuge kommt es an sondern auf die Zutaten!

Jetzt könnten Sie einwenden, dass der Vergleich zwischen einer Führungskraft und einem Koch hinkt. Weil Zweiterer ja ein Handwerk betreibt, bei dem etwas Handfestes und hoffentlich Vernünftiges raus kommt.

So suchen wir einen Beruf, der dem der Führungskraft näher steht? Mir fällt der Pastor ein. Der passt vielleicht besser, denn da kommt ja hinten auch nichts raus, was man essen kann. Wie beim Manager.

ALSO: Was für Werkzeuge braucht der Pastor?

Ich würde sagen:
Die Bibel und eine Brille, wenn er nicht mehr so gut sieht. Aber vielleicht hat er heute die Bibel auf seinem Tablet. Und wenn er ein Excel braucht, dann macht er etwas falsch. So wie die Führungskraft.

RMD

Warum sind Sie als Teilnehmer dabei, was ist Ihr Ziel?

Das ist die Frage, die fast immer kommt, wenn man das erste Mal auf ein „die Persönlichkeit förderndes Seminar“ geht.

Und einmal habe ich als Antwort gehört

„Macht, Kohle und Frauen“.

Die erschien mir als ehrlich. Das scheint mir zumindest bei Männern im Normalfall zu zu treffen. Wen wundert es – auf solchen Seminaren habe ich fast immer nur Männer angetroffen. Das passt ja auch in unsere #metoo-Welt. Letzten Ende läuft es halt so wie es läuft.

Viele andere Antworten habe ich gehört. Die klangen auch schön. Meistens erschienen sie mir aber erstunken und erlogen. Dazu erzähle ich folgende Geschichte aus meinem Leben.


Man muss wissen, dass ich wie viele Manager und Berater im Laufe meines Lebens des öfteren auf Seminaren und Trainings war zur „Förderung/Bildung der Persönlichkeit für Führungskräfte und Manager“. Zu Beginn meines Berufsleben bei Siemens habe ich als ingenieurs-mäßiger Typ so etwas völlig abgelehnt und mich davor gedrückt.

Roland auf dem Wege aus dem Akademie-Hotel in Jena zum Stadion (Carl-Zeiss).

Wie ich dann zur Softlab GmbH gewechselt bin hat sich das geändert. So kam ich so mit 30 zu einem Seminar bei TPM (Training Psychologische Management. Das Seminar war Pflicht. Wenn man „etwas werden“ wollte, musste man dran teilnehmen.

Ich ging sehr skeptisch hin – und kam  begeistert zurück. Ab da habe ich mich vorgedrängt, wenn es die Chance gab einen Kurs „jenseits der Fachlichkeit“ zu bekommen. So kam ich auch zu Rupert Lay, der für mich sehr wichtig werden sollte. Wie auch zu weiteren Mentoren in meinem Leben.

Nicht nur als „newbie“ habe ich immer wieder erlebt, wie die „Trainer“ in der ersten Runde die Teilnehmer nach ihrer Erwartungshaltung gefragt haben. „Warum sind Sie denn hier bei mir“, so oder ähnlich war die typische Frage zum Einstieg ins Seminar.

Heute wende ich diese Frage selber an, weil ich meine, dass sie Sinn macht. Man lernt so die Teilnehmer ein wenig  kennen und kann ihre Interessen und Bedürfnisse erfahren. Dem „Trainer“ ermöglicht sie, eine zu hohe Erwartungshaltung zu korrigieren. Zumindest regt die Frage zum Nachdenken an und kann gut als Übergang zu den wesentlichen Themen genutzt werden, die uns bewegen und in die sich die Teilnehmer einbringen sollen.

In einem meiner ersten Seminare bei einem prominenten Trainer habe ich folgende Antworten auf diese zentrale Frage gehört:

… ich habe Fehler und möchte einige davon abstellen …

… ich habe eine Reihe von Talenten, die ich ausbauen will …

… ich möchte endlich einen entscheidenden Karriere-Schritt machen, den ich schon lange anstrebe …

… ich möchte Klarheit über mein Leben gewinnen und Struktur in dasselbige bringen …

… ich strebe eine selbstständige und eigenverantwortliche Aufgabe an, weil mich mein aktuelles abhängiges Dienstverhältnis in dem systemischen Konzern, dem ich angehöre unglücklich macht …

Manche der Teilnehmer haben dann auf Nachfrage durch den Trainer länglich beschrieben, wie toll ihre Person und Position sei, und dass sie weiter „nach oben“ wollten. Und dass sie jetzt eben lernen möchten, wie sie noch besser und noch wichtiger werden können.

Das hat mich da schon ein wenig geärgert. Es war alles so unwirklich, künstlich, synthetisch. Vor mir war ein Mann (natürlich männlich) an der Reihe, der schon äußerlich den Erfolg zu verkörpern schien und der auch mir durchaus als „charismatisch“ vorkam. Er hat es ganz kurz gemacht:

Ich möchte mehr Erfolg haben!

Auf die Frage des Trainers, was er denn unter Erfolg verstehen würde, kam seine Antwort, wie aus der Pistole geschossen:

Erfolg? Das wäre für ihn mehr Macht, mehr Kohle (Geld), mehr Frauen – wobei ihm die Reihenfolge gleich wäre.

Wow! Das war es. Ich empfand diese Aussage irgendwie ehrlich als die der Vorredner, die mir jetzt als Heuchler erschienen. Vielleicht hat ihn diese Heuchelei genauso genervt wie mich.

Als letzter in der Runde ich dran. Weise entschloss ich mich zu sagen, dass

… ich mir da keine Gedanken gemacht hätte und das Seminar erst mal einfach so auf mich zukommen lassen möchte …

Diese auch nicht ganz ehrliche sondern sorgfältig abgewogene Aussage hat mir eine ganze Reihe von ziemlich auf mich herab schauende Blicke eingebracht. Ich konnte Unverständnis herauslesen. Wie kann man nur auf so ein teueres Seminar gehen, ohne jedes Ziel!?

Besonders von den „Heuchlern“ kamen diese Blicke.  War auch kein Wunder, ich war damals der mit Abstand jüngste Teilnehmer und der Einzige in Jeans und Rolli. Ohne den feinen Zwirn, den die edle Runde trug. Aber ich hatte gelernt: Es geht um Macht, Geld, Sex. Das ist mir damals bewusst geworden. Und darüber lohnt es sich schon, ein wenig nachzudenken. Nicht nur wegen #MeToo.

Denn was ist Macht? Ich meine, Macht entsteht, wenn man besondere Persönliche Eigenschaften hat oder aufgrund von Position und von Besitz. Am besten ist es in unserer Gesellschaft, man verfügt über alles:

  • Persönliche Eigenschaften
    Positiv könnten dazugehören gutes Aussehen, eine angenehme Stimme, eine gewisse Körpergröße, elegante aber passende Kleidung, eine Anmutung von Authentizität, gute Bildung und Ausbildung, eine angenehmen Persönlichkeit, gute Manieren und natürlicher Autorität. Solche Menschen kommen schon sicher mal eher in gute Positionen als andere.
  • Position
    Wichtige Positionen im Staat oder in wichtigen Institutionen „verleihen“ Macht. Die Macht des Amtes überträgt sich auf die Person. Systemagenten tun so, als ob die Macht des Systems, das sie vertreten zu ihrer eigenen geworden ist.
  • Besitz
    Besitz macht mächtig. Andere wollen am Besitz teilhaben und unterwerfen sich deshalb dem Besitzenden. Ich habe übrigens mit Absicht Besitz und nicht Eigentum geschrieben. Denn es interessiert niemanden, ob das Imperium wackelt, wichtig ist, dass es leuchtet.

Unser Protagonist wollte also mehr Macht (also Persönlichkeit, Position und Besitz). Aber er wollte auch Kohle. Kohle als kumpelhaft genutztes Synonym für Geld. Wobei wir wieder bei der Macht sind.

Unserer Gesellschaft ist nur ein Grundrecht wichtig, das die Wahrung von Besitzstand. Wir haben auch einen Glaubenssatz: „Mit Geld kann man sich alles kaufen“. Auch die Macht. Man braucht nur genug davon. So werden Geld und Macht zum Synonym.

Unser Protagonist wollte aber auch noch Sex. Einfach weil er in seiner (oder in allgemeiner) Denke davon ausgeht, das man mit genug Macht und Geld alles bekommt. Auch alle Frauen.

Vielleicht wollte unser Erfolgs-Protagonist nur einen Witz machen. So wie bei Immobilien. Da gibt es drei zentrale Kriterien: Lage, Lage und Lage. Und vielleicht wollte er nur sagen, dass Macht, Geld und Sex in unserer #MeToo-Welt eh nur drei Synonyme sind (das selbe bedeuten) ? Oder vereinfacht Geld, Geld, Geld.

Ich fürchte, das kennzeichnet unsere Gesellschaft. Sie polarisiert. Geld macht Macht – und – Macht macht Geld. Und wer beides hat, hat alles. So läuft unsere Gesellschaft und der Planet gegen die Wand.

Und was machen wir? Wir regen uns über Sexismus auf. Dies wahrscheinlich sogar zu recht. Aber wir sollten wegen dem bisschen Sexismus die restliche Katastrophe nicht vergessen, die unsere Welt ruiniert (das mit dem Geld und der Macht …).

Als Mentor ist die genannte Frage übrigens auch gut zum Einstieg geeignet. So frage ich neue Mentées gerne, was sie von unser Mentoring als Ergebnis für  die Zukunft  sein soll. Da höre ich oft schönere Aussagen.

Auf die zentrale Frage hat mir ein junger Mann mal geanwortet, dass es sein Ziel ist, im Leben etwas gegen Verschwendung zu tun. Weil er „waste“ verabscheuen würde. Und dass man mich deswegen als Mentor für ihn ausgesucht hätte! Weil bekannt sie, dass ich auch keinen „waste“ mag!

Das stimmt und hat mich begeistert. Wir haben uns an die Arbeit gemacht. Und es wurde gut!

RMD

Roland Dürre
Samstag, der 5. Mai 2018

Die Eigenschaften der Menschen

WARNUNG:
Im Folgenden ein Text, der für viele Menschen nur schwer auszuhalten ist.

Garantiert weit weg von Seminaren und Mentoring aller Art – vor ein paar Jahren in der Südsee.

Nicht die Menschen sind gut oder schlecht sondern ihre Handlungen.

Das ist für mich eine der zentralen Gedanken der Aufklärung.

Ähnlich gilt auch

Nicht die Manager sind richtig oder falsch sondern ihre Entscheidungen.

„Falsch“ hier im Sinne von „verkehrt“.

Wobei das mit den Entscheidungen noch problematischer ist als mit Handlungen. Bei Handlungen haben oft kausale Folgen. Bei Entscheidungen kann häufig auch à posterio nicht entschieden werden, welche Auswirkungen sie „wirklich“ auf das Unternehmen oder die Welt hatten. Weil immer die Frage ist „Wie wirklich ist die Wirklichkeit?“, das gut nach zu lesen beim Watzlawick. Und scheinbar richtige Entscheidungen zeigen sich oft langfristig als grottenfalsch.

Menschen wie auch „Manager“ darf man nicht mit Eigenschaften versehen wie gut oder schlecht. Sie sind keine Zahnräder, die als Teil im Uhrwerk von Familie oder Unternehmen funktionieren.

Bei Menschen tun wir uns schon mit trivial Messbarem wie „Gewicht“ und „Größe“ schwer. Da kommt eine groß gewachsene Dame mit unfassbar langen Beinen – dann zieht sie ihre Schuhe aus und schrumpft zum Zwerg. Manch Dicker kommt plötzlich als Dünner daher, weil er 20 Kilo abgenommen hat.

Mit Schönheit geht das auch nicht. Da strahlt der Held uns in seiner Ausgeh-Uniforum an; wehe aber er steigt unrasiert und verkatert aus seinem Bett (hier habe ich aus Gender-Gründen ein männliches Beispiel gewählt und auf die Zote mit dem One-Night-Stand und dem (Er-)Schrecken am Morgen verzichtet).

Auch bei der Intelligenz hapert es mit der objektiven Einschätzung. Da misst man den „I.Q.“ – aber was ist mit der Emotionalen Intelligenz, nach zu lesen bei Goleman in seinem Buch „EQ …„.

Wir sollten uns also hüten, jemanden mit Eigenschaften wie dick, groß, schön oder intelligent zu versehen. Das ist leichtfertig und unangemessen. Aber es geht wie immer noch schlimmer.

Es gibt Menschen, die haben mir gesagt, dass ich ein „Kopf-Mensch“ bin. Andere haben mir rückgemeldet, dass ich ein „Bauch-Mensch“ sei.

Das waren Leute, die mir nahe gestanden sind und es wohl auch noch gut mit mir gemeint haben. Sie meinten, sie hätten gelernt das zu beurteilen. Und mitleidig bedauert, dass ich als Kopf- wie als Bauch-Mensch für meinen Job als Manager nicht taugen würde.

Diese – übrigens immer männlichen Personen – haben sich für große Führungspersönlichkeiten gehalten. Ich habe sie für „Idioten“ gehalten oder besser, als solche wahr genommen.

Genau das ist der Punkt:

Es ist immer nur unsere Wahrnehmung.

Wir alle tragen Masken und agieren auf eine Art und Weise, so wie wir halt meinen interagieren zu müssen. Das macht die Kommunikation und das Verstehen nicht einfacher. So sind wir (zu) schnell bereit, unsere Mitmenschen „kleiner“ oder „größer“ zu machen.

Es gibt keine Menschen, die „kopf- oder bauch-gesteuert“, „gefühlskalt“  oder „emphatisch“, „sensibel“ oder „unsensibel“, „schwach“ oder „stark“, „emotional“ oder „emotionslos“ und so weiter sind. Das sind Werte, die kann man nicht messen kann. Auch wenn Scharlatane dies behaupten und verkaufen.

Das sollten wir uns immer wieder bewusst machen.

Ganz besonders sollten wir uns vor unserer  Selbstwahrnehmung in Acht nehmen. Auch diese ist in der Regel falsch!

RMD

P.S.
Letztere Aussage kann ich gut aus meinen Gesprächen mit vielen Menschen belegen, die zu mir als Mentées kommen. Wie oft bin ich entsetzt, wie diese sich selber klein machen.

 

Roland Dürre
Freitag, der 16. März 2018

Impressionen am 15. März in der Früh :-)

Im EC 196 in Richtung Zürich.

Heute besuche ich den Wolf in der Schweiz. Die S-Bahn fährt in Neubiberg um 6:31 ab. Zum Bahnhof in Neubiberg ist’s gut ein Kilometer. So verlasse ich mein Zuhause kurz nach sechs.

Es dämmert schon, es riecht nach Frühling. Durch die Häuser höre ich die S-Bahn eins früher, sie ist pünktlich. Das ist schon mal ein gutes Zeichen.

Der Weg biegt ab zum Gleis. Ich spaziere entlang der Strecke weiter zum Bahnhof und genieße den Tag. Mir fällt ein, dass vor Weihnachten und vor meinen Reisen in die Südsee und in die Antarktis die beiden Bahnsteigs-Uhren in Neubiberg eine um 2 Minuten differierende Zeit angezeigt haben. Genauer: Die südliche ging richtig, die nördliche war um zwei Minuten der Zeit hinterher.

Auf dem Wege begegne ich einem Herrn mit Hund. Auch er macht’s gemütlich. Ich nähere mich dem Bahnhof. Ein nagelneu aussehender Fiat Cenquecento parkt in der Ferne auf den Park&Ride-Plätzen ein und rangiert ein wenig. Eine junge Frau – eher ein wenig pummelig aber top „gedresst“ – steigt aus. Ganz in Schwarz und sehr chic gekleidet. Das alles sehe ich aus der Ferne.

Dann komme ich an der S-Bahn-Station an. Gehe die Treppe runter und die Treppe hoch. Ich bin zu früh da. Der Bahnsteig ist noch ziemlich leer. Die Dame in Schwarz erkenne ich auf dem Bahnsteig wieder. Sie raucht eine Zigarette. Alles passt zusammen: Neuer Cinquecento, sehr gepflegt und gut gekleidet, mit Zigarette. Eine moderne Frau.

Ich habe Zeit und spaziere am Bahnsteig auf und ab. Bewegung. Noch eine Dame – eher schlank und blond und nicht so gut gekleidet – steht am Bahnsteig und raucht eine Zigarette. Ich mache einen Zeitvergleich der beiden Uhren. Ich glaube es nicht – es ist alles wie früher – die Bahnsteigs-Uhr im Süden zeigt die Zeit zwei Minuten später an als die Uhr im Norden. Ich positioniere mich am Zugende. Weil die S-Bahn am Ostbahnhof wendet und ich am Hbf in München ganz vorne bei der Rolltreppe hoch zum Hbf aussteigen will. Optimierung der Wege.

In Neubiberg begegnen sich die S-Bahnen. Der Gegenzug (stadtauswärts) fährt diesmal zuerst ein. Ich schau in den Zug. Der erste Teil ist ziemlich leer. Da sitzen nur Frauen. Zufall? Oder hat das einen Grund, dass so früh am Morgen überwiegend Frauen in der S-Bahn stadtauswärts fahren?

Mein S-Bahn kommt ein wenig später. Ich sehe schon die drei Stirn-Lichter aus Richtung Ottobrunn kommen. Sie ist (fast) pünktlich. Ich steige ein. Im Abteil ist auch in meiner Richtung Frauenüberschuss. Vielleicht ist das auch so eine „Gender-Sache“, dass Frauen früher S-Bahn fahren müssen als Männer?

Die DB sendet mir einen (unsinnigen) Verspätungsalarm. Und kündigt mir eine Gleisänderung am Zielbahnhof in St.Magrethen an.

Ich bin wieder zu Hause!

RMD
🙂 Geschrieben im EC 196 in Richtung Zürich – fertig geworden auf der Höhe von Buchloe.

Roland Dürre
Dienstag, der 6. März 2018

Durststrecke in IF-Blog!?

Im Januar war ich in der Südsee

und es war großartig.

Im Februar war ich in der Antarktis

und es war großartig.

Beide Reisen waren ganz anders, aber gerade so kurz hintereinander so eine Art von besonderem Wahnsinn.

Auf beiden Reisen habe ich nur ganz wenig Zeit im Internet verbracht. Weil mir die Zeit fürs Internet einfach zu schade war. Wie auch zum Filme anschauen oder ähnlichem.

So habe ich in den ersten beiden Monaten des Jahres 2018 nur zwei Artikel geschrieben. Für mich unvorstellbar. Das heißt aber nicht, dass ich mir keine Gedanken mehr mache. Oder keine Lust zum Schreiben mehr hätte. Im Gegenteil.

Allerdings möchte ich nichts Belangloses schreiben. Die Südsee wie die Antarktis haben mich ganz schön zum Nachdenken gebracht. Auf der Reise habe ich mir viele spannende Gedanken notiert. Die fand ich ganz toll. Aber mit jedem Tag des Reisens kamen mir die Themen immer banaler vor.

Aber ich gehe davon aus, dass diese Zeit des Sammeln und Reflektieren bald vorbei ist. Bin ich ja jetzt wieder in der „realen“ Welt. Und glaube schon, dass ich bald wieder zumindest einen Artikel in der Woche bald wieder schaffen werde. Mit Themen, die mir wichtig sind.

RMD

P.S.
Für die Freunde der Antarktis:
Mir liegt ein wunderbarer Bericht von meiner Reise im Februar vor. Ich hoffe, dass ich ihn bald in IF-Blog veröffentlichen kann. Zur Kostprobe schon mal die Seekarte.

 

Roland Dürre
Sonntag, der 31. Dezember 2017

2018 rauscht herein! Alles Gute!

Liebe Freund*innen!

Es lebe das neue Jahr!

 

Meine Wünsche für und meine Bitte an Euch!

 


 

Das Bild ist von Rolo Zollner (http://www.rolozollner.de/). Es steht unter Common Licence, Ihr dürft es mit Quellen-/Autorenangabe frei nutzen.

Dieses Schweinchen möge Euch viel Glück bringen!

Einen guten Rutsch!

Genießt den Tag!

Lasst die Sau so richtig raus!

Gönnt Euch alles, was Ihr Euch sonst nicht erlaubt!

Ärgert Eure Mitmenschen nach Lust und Laune!

Gleichzeitig liebt und respektiert sie alle!

Erfreut Euch der Welt und ehret die Schöpfung!

Geht dem gesunden Menschenverstand nicht aus dem Weg!

Seit frei!

Lebt in Lust und Freude!

Lasst Euch nicht aus dem Konzept bringen!

Seid autonom und folgt Eurem Stern!

Macht all das, was Ihr wollt!

Denkt zuerst an Euch aber dann auch an die Anderen!

Und werdet auf keinen Fall zum Märtyrer für die gute Sache!

Macht nicht die Dinge richtig sondern macht die richtigen Dinge!

In sechs Worten und zwei Sätzen (und in neu-deutsch):

Enjoy life!

and

Be totally happy!

Und das jeden Tag und jede Nacht des Jahres 2018 – zu 100 %!

Das schreibe ich in Liebe, erfüllt mit großer Dankbarkeit für all das Gute und Schöne, welches ich bis heute erleben durfte. Ich versichere Euch, dass ich trotz vieler mich deprimierender Nachrichten und Erkenntnisse weiter in großer Freude und voller Mut leben werde! Und genau dieses wünsche ich Euch auch!


Als kleinen Tipp fürs Leben bitte ich Euch, immer daran denken:
„Einen Scheiß müssen wir!“

RMD

P.S.
Das Bild ist eine echte Klick-Sau. Bei Google steht es ganz oben! Irrsinnig viele Menschen habe es schon gesehen. Das Arrangement ist von meinem Freund Rolo Zollner. Er hat es für IF-Blog erschaffen, es steht unter Common Licence, Ihr dürft es also mit Quellen- und Autoren-Angabe nutzen.

Arrangement und Foto von Rolo Zollner.

P.S.1
🙂 Die Grüße sind im Kern von 2016. Sie haben mir so gut gefallen, dass ich sie nur leicht verändert habe. Wer hat es gemerkt?

Der 22. Oktober war für uns (Christian, Knud und mich) ein harter aber sehr schöner Tag. Am Vormittag haben wir uns in Nürnberg getroffen um am Abend etwas auszuprobieren. Wir hatten eine Idee, wir wollten „Wichtiges kreativ kommunizieren“. Einfach mal ein paar Aussagen machen, die nachhaltig hängen bleiben sollten.

Wir, das waren Christian Botta, Knud Johanssen und meine Wenigkeit. So haben wir uns in einem kleinen Appartement im Kongress-Zentrum in Nürnberg getroffen. Weil wir an diesem Mittwoch am Abend eine kleine Show machen wollten. So mussten wir noch ein wenig üben.

Im Vorfeld wir hatten uns genau dreimal kurz getroffen, unsere Idee ausgebrütet und dann den Inhalt wie die Dramaturgie gemeinsam in einem „shared document“ zur Überbrückung der Raumzeit-Schwelle entwickelt.

Ab 11:00 haben wir das „Jammen“ geübt und geprobt. Bis um 16:00 Uhr ging das so, dann haben wir durch geschnauft. Um 17:00 war es dann soweit, zum Abschluss des „soft tracks“ der DOAG-Jahreskonferenz  es ging raus auf die Bühne. Mit „Kreativer Kommunikation“.

Hier das Foto nach getaner Arbeit:

Christian,  unser „Gastgeber“ Dietmar Neugebauer, Knud und meine Wenigkeit
(von links nach rechts).

Aber vorher galt:
„Gestern, Heute und Morgen“ und vor allem
„Nicht Jammern sondern Jammen!“

Hier die Uraufführung vom 22. November 2017.

Mit und von uns: (am Stift), (mit ALTO, dem Altosaxophon, unser Rapper und Bauchredner). Und ich (  – am „Sprech“) war auch dabei!

RMD

P.S.
Hier auch noch der Link zum Video:
Und für alle, die es lieber nach lesen, werde ich im nächsten Post meine Texte veröffentlichen.

Roland Dürre
Sonntag, der 19. November 2017

Der Weg als Metapher für unser Leben.

Bei jetzt schon vier Hochzeiten meiner Kinder durfte ich die Hochzeitsrede halten. Bei der Vorbereitung dieser Ansprache gebe ich mir immer (sehr) viel Mühe und versuche wichtige Gedanken zu formulieren.

Da sind gerne Gedanken dabei, von denen ich weiß, dass sie mir selber viel geholfen haben. Die es lohnen könnte, sie auch andere Menschen weiterzugeben. Besonders an das Hochzeits-Paar und an möglichst viele andere Menschen.

Deshalb veröffentliche ich auch hier ein paar zentrale Gedanken aus meiner letzten Hochzeitsrede. Auch weil heute Sonntag ist. 


Der Weg als Metapher für unser Leben. 

Der Weg des Lebens beginnt mit der Geburt und endet mit dem Tod. Unser wertvollstes Gut auf diesem Wege ist die Zeit, die wir auf diesem Wege verbringen. Die Zeit ist deshalb so wertvoll, weil sie nie zurück kommt. Wenn man Freundschaft oder Geld verliert, kann dieses zurück kommen, nicht so die Zeit.

Am Beginn unseres Weges steht die Geburt.

Wir tauchen in der Welt auf und befinden uns in einer Gemeinschaft. Wir treffen Menschen, die uns auf diesem Wege begleiteten, die wir nicht kennen. Wir haben sie uns nicht heraus gesucht. In der Regel ist das unsere Familie.

Wege finden zusammen und trennen sich.

Wachsen wir heran, treffen wir auf unseren Wege weitere Menschen, die einen Teil der Strecke gemeinsam mit uns zurücklegen: Die Kindergärtnerin, der Lehrer, unsere ersten Freunde ….

So gehen wir unseren Weg, auf manchen Teilstrecken gemeinsam mit mehr und mal mit weniger Menschen. Neue Gesichter kommen hinzu, viele Wege trennen sich für eine längere Zeit oder auch für immer.

Wir sind „Sammler und Jäger“.

Auf diesem Lebensweg sammeln wir „Spielzeuge“ aller Art, an denen wir uns ergötzen und/oder die uns „wehtun“. Diese Spielzeuge kommen oft aus der Vergangenheit. Es können Erinnerungen, Enttäuschungen, Niederlagen, Verletzungen … sein.

Andere weisen in die Zukunft und machen uns das Leben genauso schwer. Da möchte ich Lebensträume, Hoffnungen, Ängste, Erwartungen, Projektionen … benennen.

Wir besitzen nicht sondern werden besessen.

So wird unserer Lebens-Rucksack, den wir auf unserem Wege mit uns schleppen, immer größer und schwerer. Er und sein Inhalt werden zu unserem Lebens-Ballast, an dem wir schwer tragen.

Eines Tages heiraten wir. Wir feiern Hochzeit.

„Hochzeit“ ist für mich die bewusste Entscheidung – ein abgelegtes Komnitment  – den eigenen Lebensweg mit einem Menschen in einer besonderen Art und Weise gemeinsam zu gehen. Ein gegenseitiges „Komm mit mit mir!“

Es beginnt etwas Neues. So ist eine Hochzeit bestimmt kein schlechter Zeitpunkt, gemeinsam die Rucksäcke zu leeren oder noch besser, sie am Wegrande stehen zu lassen.

Legt Eure Rucksäcke ab!

Denn: Das Leben findet im jetzt und heute statt. Wenn aber Vergangenheit und Zukunft unser Denken und Handeln bestimmen, dann leben wir nicht!

Deshalb geht meine Bitte an das Brautpaar, heute auch darüber nachzudenken, ob und wie Ihr den heutigen Tag dazu nutzen wollt (und könnt), Euch vom Gerümpel der Vergangenheit für die Zukunft frei zu machen. Also:

Damit Ihr jeden Tag Eures Lebens immer mehr in wachsender Freude und mit zunehmenden Mut verbringen könnt!


Einen Teil der hier niedergelegten Gedanken verdanke ich unter anderem dem Buch Ein Tag mit der Liebe von Moshen Charifi, das ich zur Lektüre nur empfehlen kann. Charifi berichtet in diesem Buch in einer wunderbaren achtsamen und „gewaltfreien“ Sprache von einem Dialog von LIEBE und VERLIEBTHEIT, der auf einem gemeinsamen Spaziergang stattfindet.


Für Katherina und Martin entworfen für den 27. Oktober 2017. Und für alle Menschen auf dieser Welt. In Liebe!

RMD

Roland Dürre
Samstag, der 11. November 2017

Strom im Fahrrad.

Die Zeit vergeht schnell. Noch vor einem Jahr stand ich der Elektro-Mobilität per Fahrrad eher skeptisch gegenüber. Zumindest in München. Denn hier ist ja alles (mit Ausnahme an den Ufern der Isar) so richtig flach.

Mein e-Bike London von Utopia auf seiner ersten Bahnreise im
IC 2304 von München nach Naumburg mit Ziel Magdeburg.

Jetzt stehen bei uns im Haushalt 4 (in Zahlen vier) Elektro-Fahrräder. Und ich bin begeistert von der elektrischen Unterstützung beim Fahrrad.

War das Fahrrad an sich schon eine geniale Kombination von Mensch und Mechanik, so verbindet das e-Bike diese aufregende Kombination noch mit einem Motor. Das e-Bike realisiert so eine einzigartige Symbiose von Mensch und Maschine. Die ist so toll, dass mir die Lust am Auto jetzt endgültig vergangen ist. Was ist Autofahren doch für eine erbärmliche Art der Fortbewegung im Vergleich zum Radeln.

Ein wichtiger Grund fürs Radeln war mir immer die Bewegung. Ein bisschen war meine Sorge, dass diese körperliche Ertüchtigung beim e-Bike zu kurz kommen könnte. Das ist aber nicht so. Nach einer längeren Tour mit einem e-Bike bin ich genauso – aber doch anders – erschöpft als ich es mit konventionellen Rädern bin. Wenn ich mich nach „elektrischen“ 50 Kilometern hinsetze, möchte ich am liebsten gleich weiter fahren. Und merke dann erst nach ein paar Minuten der Ruhe, wie anstrengend es doch war.

Das Geheimnis löst sich einfach. Ich fahre mit dem e-Bike eine wesentlich höhere Trittfrequenz. Das geht locker und schont die Gelenke. Mein Schnitt ist in der Regel um ein zirka Drittel höher als „ohne Strom“. D.h. ich habe zwar die Unterstützung aus der Batterie – aber bin wesentlich schneller. Und habe oft den Eindruck, dass ich körperlich genauso viel oder mehr leiste wie vorher. Und die Kraft aus dem Akku vor allem die höhere Geschwindigkeit erlaubt – ich aber dann gar nicht weniger tue als ohne elektrischen Antrieb.

Strecken bis so um die 10 km fahre ich nur mit meinen konventionellen Rädern. Die wesentlich höhere Trittfrequenz, die ich mir beim Fahren mit e-Bikes angewöhnt habe, behalte ich dann bei. Und bin ganz überraschend jetzt auch mit meinen schönen alten Rädern schneller als früher. Was ich auch toll finde.

Alle meine elektrischen Fahrräder sind echte e-Bikes, d.h. Räder, bei denen die Elektronik nur elektrische Unterstützung liefert, wenn der Radler selber tritt. Und ab 25 km/h dann abschaltet. Und das reicht mir völlig. Mit meinen e-Bikes fahre ich im Sparmodus („economy“) ganz locker einen Schnitt von 18 km. Das heißt für 9 km brauche ich eine halbe Stunde. Und damit kommt man als Radler in München ganz schön weit. Z.B. von mir in Neubiberg zum Isartor. Oder vom Marienplatz nach Riem. München wird so richtig klein. Und alle Vorteile des Fahrrades wie unkompliziertes Parken am Ziel usw. bleiben am e-Bike erhalten.

Wenn ich es eilig habe, geht auch ein Schnitt von mehr als 20 km. Dazu muss ich einfach ein höheres Programm einlegen. Das heißt, ich fahre 10 km in einer halben Stunde. Und mit dem e-Bike sind wie mit dem Bike die Entfernungen in München meistens deutlich kürzer als mit dem Auto.

Insofern sind die sogenannten S-Pedelec für mich kein Thema. Der Geschwindigkeitsbereich bis und um die 25 km/h ist mir angenehm und für meine Fahrten völlig ausreichend. Da fühle ich mich sehr wohl und sicher – schneller brauche ich es es wirklich nicht.

Eine meiner Sorgen, waren die Reichweite und das „Handling“. Beides ist kein Thema. Es ist erstaunlich, wie viel Entfernungskilometer und Höhenmeter die modernen Akkus schaffen. Und das „Handling“ ist verblüffend einfach. Darüber berichte ich aber mehr und detailliert, wenn ich die drei Rad-Typen vorstelle, die in unserem Haushalt laufen.

Das ganze fing mit einem Lastenrad (e-Cargo) an. Dann kamen zwei „elektrische Mountainbikes“ dazu. Und am Schluss ein wunderbares Reiserad. Alle drei Fahrrad-Typen stelle ich in den nächsten Wochen in IF-Blog vor. Sie haben alle eine unterschiedliche Technologie und ihre Besonderheiten. Und ich liebe alle drei.

RMD