Roland Dürre
Donnerstag, der 6. September 2018

Urlaub. Vorbei. Kurzbericht & Gedanken.

Jetzt sind wir wieder zurück, der Urlaub ist vorbei.

Am ersten Sonntag im September ging es zurück in Richtung Herbst. Nach gut zwei Wochen einfachen Lebens unter griechischer Sonne. Es war kein Luxusurlaub – es war sehr warm, wir waren intensiv in der Natur mit wenig Zivilisation und ganz einfachen sanitären Anlagen. Aber mit viel Schwimmen und Radeln – und täglich gab es viel zum Genießen.

Und wieder Mal ist die Luft draußen.

Beim Radeln haben uns die Dornen geärgert, die immer wieder unsere Reifen durchstochen haben. Mücken haben uns aufgelauert und im Wasser kleine Fische an unseren Mückenstichen geknabbert. Es war es richtig heiß und auch nachts im Zelt gut warm. Der frische Wind vom Meer hat gut getan.

Es war kein Luxus-Urlaub, aber eine wunderbare Zeit, mit vielen Erlebnissen. Mit den Fahrrädern haben wir im wahrsten Sinne des Wortes viel „erfahren“. Bis zu fünf Enkel waren dabei und haben die Tage genauso genossen wie die Erwachsenen. Was natürlich uns besonders gefreut hat.

Es gab auch einmal Regen.

An einem Tag hat es geregnet, anschließend waren die Tage nur ein wenig kühler. Nachts waren die Lichter aus und wir konnten den Sternenhimmel – in der Mitte unseres Aufenthaltes sogar mit Vollmond erleben. Die in der Kindheit gelernten und fast vergessenen Sternenbilder tauchten wieder auf.

Und mir kam in tiefer Nacht der Gedanke, wie es wäre, wenn die Sonne am Morgen nicht mehr aufgehen würde. Wohl wissend, dass dies zurzeit ja noch eher unwahrscheinlich ist. Aber weiß man es wirklich? Zumindest habe ich mich über die Morgensonne jeden Tag so richtig gefreut!

In dieser einfachen Welt habe ich verstanden, wie wichtig für uns Menschen die Sonne ist – und wieso die Menschen über Jahrhunderte sich die Sonne als unsere Göttin ausgekuckt haben.

Die Schönheit der Natur hat uns immer beeindruckt.

Blick von der Fahrradtour.

Nur ein wenig in die Höhe radeln und schon wird die Welt unter uns kleiner. Leider täuscht oft der Anblick – es befindet sich hinter der Schönheit oft (zu) viel Müll. Auch unser Paradies hat Mängel.

Ein zweiter Gedanke hat mich betroffen gemacht. Denn jeden Morgen bin ich in unserer Buch den Strand entlang geschwommen und dann die Strecke auf dem Strand gemütlich zurück gegangen. Mit großer Vorfreude auf den Frühstückscafé. Und dabei bin ich doch über einigen Kleinmüll gestiegen.

Kein Strand frei von Müll.

Und ich dachte mir: „Warum nehme ich eigentlich auf meine Schwimm-/Geh-Tour keine Plastiktüte mit und sammle die vielen Strohhalme ein? Dabei würde ich mir doch wirklich keinen abbrechen. Und dass mich dann andere Menschen mit Sicherheit komisch anschauen würden, auch das sollte ich doch abkönnen.“

🙂 Und vielleicht würde Göttin Sonne sich darüber freuen?

Doch am nächsten Morgen habe ich die kleine Tüte wieder vergessen und auf dem Rückweg den Plastikmüll liegen gelassen.

Auf dem Friedhof von Mavrouni haben die Toten Seeblick.

Auch über Leben und Tod denkt man nach, wenn man so weit weg vom Lärm unserer Städte ist. Und dass Zelten vielleicht auch ein Thema ist, dass im Alter ein bisschen schwieriger werden könnte. Trotzdem würde ich es gerne wieder probieren. Und wenn es mir im nächsten Jahr noch mal gelingt, dann nehme ich  jeden Morgen auf meine Schwimmtour einen kleinen Plastikbeutel in der Badehose mit – und sammel auf dem Rückweg ein wenig vom Müll ein. Und denk mir nichts, wenn ich komisch angeschaut werde!

Versprochen!

RMD

Roland Dürre
Sonntag, der 2. September 2018

SIEMENS. #MeinLeben

Technik von Siemens erlebt auf einem wunderschönen Ausflug zum Veragua-Rainforest zum Puma-Wasserfall Forschungszentrum in Costa Rica

Anfang der 70iger Jahre beim Studieren in München bin ich bei der Siemens AG gelandet. Als Werkstudent in der Kopp-Strasse. Dort war mein Büro – getestet haben wir im IT-Labor im Feurich-Bau. Die Kopp-Strasse war außerhalb, der Feurichbau innerhalb des Standortes „Hofmannstr.“.

Siemens war ein großartiges Unternehmen. Vielleicht das Deutsche Unternehmen.

Unser Motto war „Hochtechnologie für und mit allem was mit Strom zu tun hat“. Es gab mehr als 20 Bereiche, von denen ein jeder technologisch Herausragendes realisierte. Gemeinsam ergänzten sie sich synergisch. Dazu kam eine exzellente kaufmännische Führung des gesamten Unternehmens.

In den technischen Bereichen war Aufbruchstimmung. Die Herausforderungen konnten gar nicht groß genug sein, die gefundenen Lösungen waren genial.

Die Vorstände waren damals nahbar. Ein Siemens-Vorstand hat uns mal sein Rollenverständnis so erklärt:

„Den meisten der gut 25 Bereiche der Siemens AG geht es wirtschaftlich sehr gut. Einige wenige davon gibt es, die schwächeln. Meine Aufgabe ist es, die Schwachen wieder stark zu machen. Dass mir die Arbeit ausgeht, muss ich nicht befürchten, weil es ganz normal ist, dass auch mal wieder ein anderer „starker“ Bereich „schwächelt“.

Das hat mir eingeleuchtet. So ist das Leben, auch in der Wirtschaft. Ewige Top-Peformance gibt es nicht. Dann ist es normal, dass mal das eine oder andere auch schwächelt.

Die wirtschaftliche Stärke und die herausragende kaufmännische Kompetenz des Unternehmensgesamt habe ich bewundert. Das hat uns – Siemens – deutlich von Mitkonkurrenten wie AEG oder Telefunken unterschieden. Im Bereich D auch von Nixdorff. Und dass manche Siemens liebevoll ironisch als „Bank mit angeschlossenen Elektrokonzern“ bezeichnet haben, fand ich auch nicht schlecht. Wenn ein Unternehmen „Kohle“ hat, dann macht das durchaus Sinn.

Die Geisteshaltung zumindest in den Ingenieursbereichen hat mich begeistert. Wir haben in einer Art und Weise gearbeitet, wie es mir später Google (in seinen guten Jahren) von Mitarbeitern berichtet wurde. Es gab große technische Herausforderungen, ein hohes Maß an Eigenverantwortung und beim Scheitern eine faire Fehlertoleranz. Ergänzt von einem klaren Berichtswesen aber ohne hinderlichen Prozesse und Einengung durch rollen. Das waren die Tugenden, die uns technologisch nach vorne katapultiert haben. Und wir waren (oft mehr als) auf Augenhöhe mit IBM und den anderen überwiegend amerikanischen Konkurrenten. Die wenigen europäischen Konkurrenten hatten wir eh schon abgehängt.

Ende der 70iger war ich als fest angestellter Mitarbeiter bei Siemens. 1980 musste ich auch nach Neuperlach. Und habe das Unternehmen dann bald verlassen. Weil genau die oben genannten Tugenden verloren gingen.

Rollen wurden festgelegt und Prozesse eingeführt. Bürokratie wurde dominant und alle Entscheidungen dem Kriterium des Shareholder Values unterworfen.  Eine große Lähmung kombinierte sich mit unsinnigen Planungsansätzen und machte das erfolgreiche Arbeiten immer schwieriger bis unmöglich. So ging sie „baden“, die großartige Technologie.

Nach der Gründung meines eigenen Unternehmens habe ich viel Geschäft mit Siemens gemacht. Zu Beginn war das eine ausgezeichnete Situation. Siemens war ein fairer Kunde und Geschäftspartner. Dazu kann und habe ich schon viele positive Geschichten erzählt.

In den neunzigern hat sich dann aber auch das Klima für die Lieferanten mehr und mehr verändert. Ein schönes Bonmot dazu war bei den Lieferanten, dass für Siemens „Partnerschaft ist, wenn der Partner schafft“. Auch dazu kann ich viele Geschichten erzählen.

Dann ist der Abstand von mir und auch der InterFace zu Siemens gewachsen. Den Abstieg des großen deutschen Unternehmens im dritten Jahrtausend habe ich über die Jahre mitverfolgt. Der Schmerz des Ur-Siemensianers war ließ so immer mehr nach und wurde von der morbiden Freunde am Untergang eines kranken Systems ein wenig gelindert.

Jetzt in 2018 gibt es wieder spannende Neuigkeiten aus dem einstigen Elektrokonzern. Das Unternehmen wird neu organisiert. Man will sich „am Sinn orientieren“. Aber was heißt das?

Im Übrigen sollen alle Stakeholder profitieren – aber vor allem eben die Shareholder, dann auch ein wenig die Kunden, die Menschen im Unternehmen, die Lieferanten und die externalen sozialen Systeme. Siemens scheint da aus den letzten Jahrzehnten nicht gelernt haben, dass das nicht so funktioniert.

Meine emotionale Distanz zu Siemens ist größer geworden. So kann ich heute Siemens gelassener betrachten als noch vor ein paar Jahren. Und stelle fest:

Der Mitarbeiter steht wieder mal verbal „im Mittelpunkt“. Und da eher im Wege.

Ganz vorne steht der Shareholder, also das Internationale Kapital. Nach meiner Bewertung will Siemens einen Weg gehen, den ich schon ein paar mal bei anderen Unternehmen gesehen habe.

Man zerlegt ein Unternehmen in zwei (hier drei) Teile und bringt die neuen Unternehmen an die Börse. Wenn anschließend jedes Unternehmen für sich alleine einen höheren Börsenwert hat als das alte hatte – dann dürfen die Champagner-Korken knallen. Besonders beim Kapital.

Was dann aus den dreien Nachfolge-Konzernen wird, ist eine andere Geschichte. Mit dem alten Siemens wird das aber nichts mehr zu tun hat.

Macht auch nichts, denn die Zeit des „Wir machen alles, was mit Elektrizität zu tun hat“ ist eh schon lange vorbei. Wie die der deutschen Unternehmen, die gemeinsam mit mehr oder weniger begeisterten Mitarbeitern (und vielen Gastarbeitern) für das „Wirtschaftswunder“ gesorgt haben.

RMD

Roland Dürre
Samstag, der 11. August 2018

Was ich so mache #MeinLeben

Seit Jahren darf ich im „Forum Agile Verwaltung | Austausch und kollegiale Beratung“ (einer „geschlossenen Gruppe“ in Facebook) teilhaben. Das macht mir viel Freude und ich lerne dort viel. Jetzt gab es dort einen Aufruf, dass alle Mitglieder der Gruppe sich vorstellen sollen. Dabei habe ich gerne mitgemacht. Hier mein Beitrag:


 

Bei fav17! Großen Dank an Jan Fischbach, Meister der Agilität und hier mein Fotograf.

Ich fühle mich in dieser Gruppe als Gast, der an interessanten Themen schnuppern und zu hören wie lernen darf. Dabei bin ich, weil ich mal im Forum Agile Verwaltung einen Vortrag halten durfte (über die „Unvorhersehbarkeit von Zukunft“).

Zu meiner Person: Durch mein Studium der Mathematik mit Nebenfach Informatik gestartet in 1969 an der Technischen Universität München wurde ich zum Programmierer. Nach Lehrjahren bei Siemens AG und Softlab GmbH gründete ich gemeinsam mit Wolf Geldmacher Anfang der Achtziger Jahre die InterFace AG. Bei einem PM-Camp habe ich Thomas Michl kennen und schätzen gelernt.

Dank unseres Produktes CLOU/HIT haben wir (InterFace) viele Kunden aus dem Behördenbereich (Polizei und Justiz der Länder, die Bundesagentur für Arbeit, Kommunen und manche Behörden auf Bundes- und Länderebene) gewonnen und dabei Vieles gelernt.

Bei der Entwicklung von CLOU/HIT haben wir schnell verstanden, dass kundenorientierte Entwicklung von komplexen SW-Produkten „in alter Denke“ nicht mehr funktioniert und deshalb „hierarchisch organisierte Gruppen“ durch „vernetzte Teams ersetzt. Das war damals revolutionär und irrsinnig erfolgreich.

Heute bin ich nicht mehr „operativ“ tätig, sondern beschränke mich, das Erlebte (Wissen & Erfahrung ?) – vorzugsweise an junge Menschen – weiterzugeben. Das können Einzelpersonen wie Teams (start-ups) sein.

Ich versuche keine Ratschläge zu verteilen (Ratschläge sind auch Schläge) sondern beschränke mich aufs Inspirieren und Generieren von Impulsen. Und versuche, gemeinsam mit allen Beteiligten gute (die richtigen?) Fragen zu finden. Weil eine kluge Frage die Voraussetzung für eine kluge Antwort ist.

Mit dem Hauptziel, andere und besonders junge Menschen erfolgreicher und glücklicher zu machen.


Ich denke, dass diese Vorstellung mein aktuelles „Wirken“ ein wenig beschreibt.

RMD

Roland Dürre
Sonntag, der 22. Juli 2018

Liebe & Hass.

Da gibt es so ein paar „Sprichworte“. Die haben mir früher ganz gut gefallen. Wie zum Beispiel:

(i) No pain no gain!

(ii) No risk no fun!

(iii )No hate no love!

Die passen zu vielen Gelegenheiten. Manche werden mit der Pflege solcher Sprüche berühmt. All diese Sprüche haben eines gemeinsam – sie signalisieren, dass es das eine ohne das andere nicht gibt.

Irgendwie waren solche Gedanken auch ein wenig Teil meiner „Küchenphilosophie“, sie gehörten zu meiner zynischen Einstellung zum Leben.

Mittlerweile halte ich von diesen vielleicht klugen Sätzen nichts mehr. Ich möchte gewinnen, ohne zu leiden. Mich freuen, ohne etwas riskieren zu müssen. Und vor allem lieben können ohne hassen zu müssen.

Ich glaube, dass es eine Grundsatzentscheidung eines jeden Menschen ist, ob er sich an (i – iii) halten will. Oder lieber darauf verzichten und sich aufs Positive beschränken will?

RMD

Roland Dürre
Samstag, der 26. Mai 2018

#DSGVO: Erweiterung der Datenschutzerklärung von IF-Blog

Im Rahmen des Inkraft-Tretens der #DSGVO habe ich meine Datenschutzerklärung im IF-Blog um folgende Ergänzung erweitert:


Ergänzung zur Datenschutzerklärung vom 26. Mai 2018:

Die obige Datenschutzerklärung gibt es in etwa so lange wie es iF-Blog gibt. Ich halte generell nichts vom Sammeln und insbesondere vom Sammeln von Daten. So habe ich in IF-Blog noch nie fremde Daten gesammelt oder für irgendwelche Zwecke zu nutzen versucht.

Das Werkzeug „webmaster“ nutze ich ausschließlich, um zu erfahren, aus welchen Ländern dieser Welt meine Leser kommen.

Früher habe ich ab und zu E-Mails mit Infos zu IF-Blog (neue Artikel und Autoren …) an bestätigte Abonnenten gesendet. Diesen Dienst habe ich schon seit Jahren eingestellt, weil ich solche Benachrichtigungen in Form von E-Mails als nicht mehr zeitgemäß und außerdem als störend empfinde. Jetzt habe ich den dabei entstandenen Datenbestand an E-Mails endgültig gelöscht.


Das bedeutet:

  • Es wird nie wieder News von IF-Blog geben. Ich glaube, dass wird niemanden stören. Ich persönlich finde den News-Wahn eh als Unsinn. Das bringt doch niemanden etwas
  • Ansonsten ist wie auch bisher sicher gestellt, dass bei IF-Blog keine „privaten“ Daten in irgendeiner Weise gesammelt oder für irgend welche Zwecke genutzt werden.

Ich selbst glaube zwar, dass die #DSGVO absolut nichts bringen wird außer noch mehr Überregulierung. So wird sie die Staatsverdrossenheit erhöhen und noch mehr Wähler zu „populistischen“ Parteien treiben. Vielleicht auch die Rechthaberei – die mir gerade in unserem Kulturkreis schon ein wenig auf die Nerven geht. Auch die eh schon weit verbreitete Bereitschaft des „Ignorieren von Gesetzen“ dürfte sie fördern und das Vertrauen in den Staat als weisen, kompetenten und verantwortungsvollen Gesetzgeber weiter erodieren. Das finde ich schade, aber die Herren in Brüssel und Berlin wollen das wohl so.

Beklagen hilft aber auch mir nicht weiter. Ich versuche, so weit wie irgendwie möglich als Mensch wie als Unternehmer gesetzestreu zu handeln. Dies sogar als Radler und Autofahrer. Und das hat für IF-Blog immer gegolten und soll so bleiben. Also halte ich mich an die Vorgaben.

Über die#DSVGO werde ich wahrscheinlich noch ein paarmal schrieben. In einem der nächsten Artikel werde ich mich zu dieser albernen Regel äußern, dass Kinder erst ab Vollendung ihres 16. Lebensjahres selber darüber entscheiden dürfen, wie sie das Internet nutzen wollen. Aber vorher schon die Religion wechseln dürfen.

Angeblich sind Kinder zu dumm fürs Internet und müssen vom Gesetzgeber geschützt werden. Da denke ich ein wenig anders. Ich meine, dass eher die Erwachsenen, die die #DSGVO geschrieben und zu verantworten haben, vom „Internet“ aber so wirklich keine Ahnung haben.

Aber dazu in Zukunft mehr in diesem Blog.

RMD

P.S.
Als Lektüre zum Thema empfehle ich folgenden Link zur #DSGVO. Thomas Stadler twittert unter der Kennung #RAStadler. Ich folge ihm schon seit Jahren und habe aus seinem Blog viel Wichtiges gelernt. An dieser Stelle ihm ein herzliches Dankeschön!

THOMAS STADLER
STANDORT: FREISING, BAYERN, GERMANY
Fachanwalt für IT- Recht und Fachanwalt für Gewerblichen Rechtsschutz in der Kanzlei AFS

Roland Dürre
Donnerstag, der 10. Mai 2018

Welche Werkzeuge brauchen Führungskräfte?

Roland erklärt SCRUM. Aber keine SCRUM-Werkzeuge! Ist auch ein paar Jahre her.

Vor kurzem habe ich einen Artikel gelesen, der die Frage beantworten wollte:

„Welche Werkzeuge braucht ein Product Owner?“

Es war ein langer Artikel. Es stand manch Vernünftiges drin und er lies sich gar nicht schlecht. Vieles klang gut überlegt.

Mir jedoch wurde beim Lesen immer unwohler. Weil das alles irgendwie nicht gestimmt hat. Werkzeuge können sicher auch ab und zu mal nützlich sein. Aber mittlerweile haben wir haben so viele Werkzeuge im Einsatz, dass wir oft vor „lauter Bäumen den Wald nicht mehr sehen“.

So habe ich mir die „Werkzeug-Frage“ dann für andere Weiße-Kragen-Berufe aus meiner fachlichen Welt gestellt. Also:

„Welche Werkzeuge braucht ein Scrum Manager, ein Projekt Manager, ein Quality Manager, ein Requirement Engineer oder ganz allgemein eine Führungskraft, die man heute ja auch gerne als Manager bezeichnet und die zurzeit ja sogar „digital leadership“ beherrschen muss?“
(Meine Skepsis zu diesen „buzzwords“, die man aus digital, smart, manager, leadership, project und weiteren Begriffen dieser Art beliebig kombinieren kann, ist ja bekannt.)

Und ich fühle mich bestätigt, dass wir zu sehr an Werkzeuge glauben. Die bringen nicht wirklich viel und lenken uns vom Wesentlichen ab, das eh schon schwer genug zu finden ist.

Im nächsten Schritt habe ich mir über überlegt, welche Rolle Werkzeuge in meinem Leben gespielt haben. An das Spielzeug im Sandkasten kann ich mich nicht mehr erinnern. In der Schule und im Studium allerdings habe ich (meine) Handschrift und Bücher genutzt. In wenigen Fällen kamen der Zirkel, das Lineal, der Rechenschieber, die Logarithmen-Tafel und einmal die Schreibmaschine (bei der Diplom-Arbeit) zum Einsatz.

Wichtig war das Fahrrad , um überhaupt in die Schule zu kommen. Ja – und fast hätte ich es vergessen – im Bereich der Mathematik war noch der Verstand von Nöten.

Gleich nach dem Vordiplom habe ich Anfang der 70iger Jahre als Werkstudent beim Siemens mit dem Programmieren (das an der TUM war mehr so Spielerei) angefangen und bin zum „Software-Ingenieur“ geworden.

Da waren meine Werkzeuge „Programmier-Formulare“ und weißes Papier. Weiter hatte ich einen der berühmten Druck-Bleistifte von Siemens, mit denen die Abteilungs-Sekretärin immer so knauserten. Die „Formulare“ hatten 80 Spalten, sie waren der Assembler-Syntax folgend bedruckt. Der Assembler für die Prozessrechner der Serie 300 von Siemens hatte übrigens den netten Namen „Prosa“.


🙂 Vorsicht: Jetzt wird es ein wenig fachlich, eher so für Programmierer.

Wenn ich mich richtig erinnere waren die ersten 8 Spalten auf dem Formular den „Sprungmarken“ vorbehalten, die auch „labels“ hießen. Dann kamen Sonderspalten, in denen markiert wurde, ob der linke oder der rechte Akkumulator benutzt wurde und ähnliches. Die letzten 8 Spalten (73 bis 80) dienten der Nummerierung, die man zu Beginn eines neuen Programms tunlichst in 100-Schritten tätigte, damit noch Platz für Einfügungen blieb. Spalte 72 war für den Stern für die Folgekarte. So oder so ähnlich war das.

Mit dem Druck-Bleistift habe ich auf das weiße Papier so eine Art „Ablaufbilder“ gemalt und dann diese in Anweisungen im Formular umgesetzt. Hilfspersonal hat dann die Formular in Lochkarten umgesetzt, für jede Zeile wurde eine Lochkarte gestanzt. Zweimal wurde die Zeile abgetippt. Zuerst wurden die Löcher gestanzt und im zweiten Lauf die gestanzte Karte kontrolliert. So entstand das „Programm“ als Lochkartenstapel.

Wichtige Werkzeuge waren auch die Schachtel oder zumindest ein Gummi den Lockartenstapel. Später bekam ich zusätzlich ein portables Handgerät zum Stanzen von Lochkarten, weil ich vor Ort beim Kunden Korrekturen „patchen“ durfte. Das war eine große Auszeichnung, auf die ich richtig stolz war.

Zusätzlich hatte ich noch ein weiteres Werkzeug von einer ganz anderen Kategorie. Das war der dünne und sehr übersichtliche Siemens-Plastik-Kalender (für den OFK – Oberen Führungskreis gab es diesen in Leder).

Das war es und das war völlig ausreichend an Werkzeugen. Ich erinnere mich noch, wie ich mir damals vom privaten Geld ein Luxus-Werkzeug gekauft habe. Einen Wunderrechner von Texas Instrument. Der war allerdings mehr ein Hobby und nicht zwingend notwendig – deshalb musste ich die zirka 600 DM  auch selber bezahlen. Aber meine Begeisterung und offensichtlich auch mein Einkommen waren groß genug.

Dieser Taschenrechner konnte im oktalen (Ziffern von 0 – 7), dezimalen (Ziffern von 0 – 9) und sedezimalen, auch hexadezimal genannten Zahlensystem (mit Ziffern von 0 – F – da wurden die Ziffern 0 – 9 um A, B, C, D, E und F)“  rechnen  und die Zahlen in umwandeln konnte. Das war ein ab und zu nützliches Werkzeug, aber vor alle ein Teil mit dem man so richtig angeben konnte.

Etwas Selbstverständliches als Hinweis:
Alle Rechner hatten natürlich eine binäre Basis und konnten nur mit Nullen und Einsen rechnen. Sie nutzten das binäre Zahlensystem (0 und 1). Die ersten „Dumps“ bestand nur aus Nullen und Einsen, und den mussten wir lesen können.

Da im binären System die Notation ziemlich länglich wird, wurden schnell größere Einheiten gebildet, die Worte die aus zwei Halbworten, den Bytes bestanden. bei den Prozessrechner das „Wort“ 2 mal 3 Bits (das Byte hatte also nur 3 Stellen), die meisten anderen Systeme hatten aber als  Grundeinheit 4 Bit (= 1 Byte). Die Sprachen mit den 3 Bits wurden oktal notiert, die mit den 4 Bits sedezimal.

So wurden die Dumps kürzer und bestanden je nach Assembler aus den Ziffern 0 bis 7 oder von 0- 9 verlängert um die Buchstaben A – F.

Ich weiß noch heute, dass in irgendeinem der Assembler, den ich programmiert habe, das sedezimale Wort 07FF (binär 0000 1110 1111 1111) die Maschinenanweisung für „Release Control“ war. Den Rest habe ich vergessen.


🙂 Weiter wieder für Manager.

Später habe ich den Siemens- durch einen „Löhn-Kalender“ ersetzt. Das war ein (auch sündhaft teures) kleines Ringbuch mit vielen Fächern, das so in etwa die Funktionen von Outlook vorwegnahm. Es gab es in Plastik und in echtem Leder. Ich hatte sehr schnell die Lederausgabe. Dieses Werkzeug unterstütze meine langjährige Metamorphose vom Programmierer zum Manager/Unternehmer.

Der „Löhn-Kalender“ hatte einen großen Nachteil – er konnte nicht reden. So habe ich Termine in meinem Manager-Leben verpasst, weil ich in meinem Programmierer-Leben so von meiner Arbeit gefesselt war, dass ich nicht merkte, wie die Zeit vergeht.

So bin ich dem „Löhn-Kalender“ untreu geworden und habe ihn gegen einen elektronischen Helfer ausgetauscht. Das war ein Gerät von Texas Instruments, das früher einer Familie von „Electronic Organizer“ (Personal Organizer). Und der konnte zwar weniger als der „Löhn“ – aber er konnte Piepsen. So hat er mich vor meinen Terminen gut vernehmbar angepiepst, so dass sich mein pünktliches Erscheinen zu vereinbarten Besprechungen drastisch verbesserte. Und verglichen mit meinem TI-Rechner für oktales, dezimales und sedezimales Rechnenfast war das kleine Zaubersystem fast schon billig.

Diese Geräte wurden übrigens später mit dem auch neuen Mobil-Telefon (Handy) gekreuzt. Handy und Organizer und sind für mich so etwas wie Vater und Mutter vom heutigen „Smart Phone“.

Soweit meine eigene Werkzeuggeschichte, die dann mit Laptop, Airbook und Tablet weiter ging.

Was für Werkzeuge braucht eine Führungskraft?

Diese Frage ist in etwa so albern wie wenn man fragt: „Welche Werkzeuge braucht ein Koch?“. Ohne auszusagen, was der Koch denn überhaupt kochen soll. Die einzige Antwort, die mir da einfällt ist: „Seinen guten Menschenverstand und wahrscheinlich ein Messer“.

Die korrekte Frage wäre doch, welche Werkzeuge braucht ein Mensch für die Zubereitung eines bestimmten Gerichtes. Wenn ich meinen Gästen ein Käse-Fondue reichen will ist das doch etwas ganz anderes als Kartoffel-Knödel, ein gegrilltes Hähnchen, ein Himbeereis oder ein Gulasch aus der Dose! Beim Käse-Fondue ist das Wichtigste (wie übrigens auch bei Käs-Spatzen) ein hochwertiger Käse mit dem richtigen Geschmack! Und den passenden Wein. Und das richtige Weißbrot. Man sieht, nicht auf die Werkzeuge kommt es an sondern auf die Zutaten!

Jetzt könnten Sie einwenden, dass der Vergleich zwischen einer Führungskraft und einem Koch hinkt. Weil Zweiterer ja ein Handwerk betreibt, bei dem etwas Handfestes und hoffentlich Vernünftiges raus kommt.

So suchen wir einen Beruf, der dem der Führungskraft näher steht? Mir fällt der Pastor ein. Der passt vielleicht besser, denn da kommt ja hinten auch nichts raus, was man essen kann. Wie beim Manager.

ALSO: Was für Werkzeuge braucht der Pastor?

Ich würde sagen:
Die Bibel und eine Brille, wenn er nicht mehr so gut sieht. Aber vielleicht hat er heute die Bibel auf seinem Tablet. Und wenn er ein Excel braucht, dann macht er etwas falsch. So wie die Führungskraft.

RMD

Warum sind Sie als Teilnehmer dabei, was ist Ihr Ziel?

Das ist die Frage, die fast immer kommt, wenn man das erste Mal auf ein „die Persönlichkeit förderndes Seminar“ geht.

Und einmal habe ich als Antwort gehört

„Macht, Kohle und Frauen“.

Die erschien mir als ehrlich. Das scheint mir zumindest bei Männern im Normalfall zu zu treffen. Wen wundert es – auf solchen Seminaren habe ich fast immer nur Männer angetroffen. Das passt ja auch in unsere #metoo-Welt. Letzten Ende läuft es halt so wie es läuft.

Viele andere Antworten habe ich gehört. Die klangen auch schön. Meistens erschienen sie mir aber erstunken und erlogen. Dazu erzähle ich folgende Geschichte aus meinem Leben.


Man muss wissen, dass ich wie viele Manager und Berater im Laufe meines Lebens des öfteren auf Seminaren und Trainings war zur „Förderung/Bildung der Persönlichkeit für Führungskräfte und Manager“. Zu Beginn meines Berufsleben bei Siemens habe ich als ingenieurs-mäßiger Typ so etwas völlig abgelehnt und mich davor gedrückt.

Roland auf dem Wege aus dem Akademie-Hotel in Jena zum Stadion (Carl-Zeiss).

Wie ich dann zur Softlab GmbH gewechselt bin hat sich das geändert. So kam ich so mit 30 zu einem Seminar bei TPM (Training Psychologische Management. Das Seminar war Pflicht. Wenn man „etwas werden“ wollte, musste man dran teilnehmen.

Ich ging sehr skeptisch hin – und kam  begeistert zurück. Ab da habe ich mich vorgedrängt, wenn es die Chance gab einen Kurs „jenseits der Fachlichkeit“ zu bekommen. So kam ich auch zu Rupert Lay, der für mich sehr wichtig werden sollte. Wie auch zu weiteren Mentoren in meinem Leben.

Nicht nur als „newbie“ habe ich immer wieder erlebt, wie die „Trainer“ in der ersten Runde die Teilnehmer nach ihrer Erwartungshaltung gefragt haben. „Warum sind Sie denn hier bei mir“, so oder ähnlich war die typische Frage zum Einstieg ins Seminar.

Heute wende ich diese Frage selber an, weil ich meine, dass sie Sinn macht. Man lernt so die Teilnehmer ein wenig  kennen und kann ihre Interessen und Bedürfnisse erfahren. Dem „Trainer“ ermöglicht sie, eine zu hohe Erwartungshaltung zu korrigieren. Zumindest regt die Frage zum Nachdenken an und kann gut als Übergang zu den wesentlichen Themen genutzt werden, die uns bewegen und in die sich die Teilnehmer einbringen sollen.

In einem meiner ersten Seminare bei einem prominenten Trainer habe ich folgende Antworten auf diese zentrale Frage gehört:

… ich habe Fehler und möchte einige davon abstellen …

… ich habe eine Reihe von Talenten, die ich ausbauen will …

… ich möchte endlich einen entscheidenden Karriere-Schritt machen, den ich schon lange anstrebe …

… ich möchte Klarheit über mein Leben gewinnen und Struktur in dasselbige bringen …

… ich strebe eine selbstständige und eigenverantwortliche Aufgabe an, weil mich mein aktuelles abhängiges Dienstverhältnis in dem systemischen Konzern, dem ich angehöre unglücklich macht …

Manche der Teilnehmer haben dann auf Nachfrage durch den Trainer länglich beschrieben, wie toll ihre Person und Position sei, und dass sie weiter „nach oben“ wollten. Und dass sie jetzt eben lernen möchten, wie sie noch besser und noch wichtiger werden können.

Das hat mich da schon ein wenig geärgert. Es war alles so unwirklich, künstlich, synthetisch. Vor mir war ein Mann (natürlich männlich) an der Reihe, der schon äußerlich den Erfolg zu verkörpern schien und der auch mir durchaus als „charismatisch“ vorkam. Er hat es ganz kurz gemacht:

Ich möchte mehr Erfolg haben!

Auf die Frage des Trainers, was er denn unter Erfolg verstehen würde, kam seine Antwort, wie aus der Pistole geschossen:

Erfolg? Das wäre für ihn mehr Macht, mehr Kohle (Geld), mehr Frauen – wobei ihm die Reihenfolge gleich wäre.

Wow! Das war es. Ich empfand diese Aussage irgendwie ehrlich als die der Vorredner, die mir jetzt als Heuchler erschienen. Vielleicht hat ihn diese Heuchelei genauso genervt wie mich.

Als letzter in der Runde ich dran. Weise entschloss ich mich zu sagen, dass

… ich mir da keine Gedanken gemacht hätte und das Seminar erst mal einfach so auf mich zukommen lassen möchte …

Diese auch nicht ganz ehrliche sondern sorgfältig abgewogene Aussage hat mir eine ganze Reihe von ziemlich auf mich herab schauende Blicke eingebracht. Ich konnte Unverständnis herauslesen. Wie kann man nur auf so ein teueres Seminar gehen, ohne jedes Ziel!?

Besonders von den „Heuchlern“ kamen diese Blicke.  War auch kein Wunder, ich war damals der mit Abstand jüngste Teilnehmer und der Einzige in Jeans und Rolli. Ohne den feinen Zwirn, den die edle Runde trug. Aber ich hatte gelernt: Es geht um Macht, Geld, Sex. Das ist mir damals bewusst geworden. Und darüber lohnt es sich schon, ein wenig nachzudenken. Nicht nur wegen #MeToo.

Denn was ist Macht? Ich meine, Macht entsteht, wenn man besondere Persönliche Eigenschaften hat oder aufgrund von Position und von Besitz. Am besten ist es in unserer Gesellschaft, man verfügt über alles:

  • Persönliche Eigenschaften
    Positiv könnten dazugehören gutes Aussehen, eine angenehme Stimme, eine gewisse Körpergröße, elegante aber passende Kleidung, eine Anmutung von Authentizität, gute Bildung und Ausbildung, eine angenehmen Persönlichkeit, gute Manieren und natürlicher Autorität. Solche Menschen kommen schon sicher mal eher in gute Positionen als andere.
  • Position
    Wichtige Positionen im Staat oder in wichtigen Institutionen „verleihen“ Macht. Die Macht des Amtes überträgt sich auf die Person. Systemagenten tun so, als ob die Macht des Systems, das sie vertreten zu ihrer eigenen geworden ist.
  • Besitz
    Besitz macht mächtig. Andere wollen am Besitz teilhaben und unterwerfen sich deshalb dem Besitzenden. Ich habe übrigens mit Absicht Besitz und nicht Eigentum geschrieben. Denn es interessiert niemanden, ob das Imperium wackelt, wichtig ist, dass es leuchtet.

Unser Protagonist wollte also mehr Macht (also Persönlichkeit, Position und Besitz). Aber er wollte auch Kohle. Kohle als kumpelhaft genutztes Synonym für Geld. Wobei wir wieder bei der Macht sind.

Unserer Gesellschaft ist nur ein Grundrecht wichtig, das die Wahrung von Besitzstand. Wir haben auch einen Glaubenssatz: „Mit Geld kann man sich alles kaufen“. Auch die Macht. Man braucht nur genug davon. So werden Geld und Macht zum Synonym.

Unser Protagonist wollte aber auch noch Sex. Einfach weil er in seiner (oder in allgemeiner) Denke davon ausgeht, das man mit genug Macht und Geld alles bekommt. Auch alle Frauen.

Vielleicht wollte unser Erfolgs-Protagonist nur einen Witz machen. So wie bei Immobilien. Da gibt es drei zentrale Kriterien: Lage, Lage und Lage. Und vielleicht wollte er nur sagen, dass Macht, Geld und Sex in unserer #MeToo-Welt eh nur drei Synonyme sind (das selbe bedeuten) ? Oder vereinfacht Geld, Geld, Geld.

Ich fürchte, das kennzeichnet unsere Gesellschaft. Sie polarisiert. Geld macht Macht – und – Macht macht Geld. Und wer beides hat, hat alles. So läuft unsere Gesellschaft und der Planet gegen die Wand.

Und was machen wir? Wir regen uns über Sexismus auf. Dies wahrscheinlich sogar zu recht. Aber wir sollten wegen dem bisschen Sexismus die restliche Katastrophe nicht vergessen, die unsere Welt ruiniert (das mit dem Geld und der Macht …).

Als Mentor ist die genannte Frage übrigens auch gut zum Einstieg geeignet. So frage ich neue Mentées gerne, was sie von unser Mentoring als Ergebnis für  die Zukunft  sein soll. Da höre ich oft schönere Aussagen.

Auf die zentrale Frage hat mir ein junger Mann mal geanwortet, dass es sein Ziel ist, im Leben etwas gegen Verschwendung zu tun. Weil er „waste“ verabscheuen würde. Und dass man mich deswegen als Mentor für ihn ausgesucht hätte! Weil bekannt sie, dass ich auch keinen „waste“ mag!

Das stimmt und hat mich begeistert. Wir haben uns an die Arbeit gemacht. Und es wurde gut!

RMD

Roland Dürre
Samstag, der 5. Mai 2018

Die Eigenschaften der Menschen

WARNUNG:
Im Folgenden ein Text, der für viele Menschen nur schwer auszuhalten ist.

Garantiert weit weg von Seminaren und Mentoring aller Art – vor ein paar Jahren in der Südsee.

Nicht die Menschen sind gut oder schlecht sondern ihre Handlungen.

Das ist für mich eine der zentralen Gedanken der Aufklärung.

Ähnlich gilt auch

Nicht die Manager sind richtig oder falsch sondern ihre Entscheidungen.

„Falsch“ hier im Sinne von „verkehrt“.

Wobei das mit den Entscheidungen noch problematischer ist als mit Handlungen. Bei Handlungen haben oft kausale Folgen. Bei Entscheidungen kann häufig auch à posterio nicht entschieden werden, welche Auswirkungen sie „wirklich“ auf das Unternehmen oder die Welt hatten. Weil immer die Frage ist „Wie wirklich ist die Wirklichkeit?“, das gut nach zu lesen beim Watzlawick. Und scheinbar richtige Entscheidungen zeigen sich oft langfristig als grottenfalsch.

Menschen wie auch „Manager“ darf man nicht mit Eigenschaften versehen wie gut oder schlecht. Sie sind keine Zahnräder, die als Teil im Uhrwerk von Familie oder Unternehmen funktionieren.

Bei Menschen tun wir uns schon mit trivial Messbarem wie „Gewicht“ und „Größe“ schwer. Da kommt eine groß gewachsene Dame mit unfassbar langen Beinen – dann zieht sie ihre Schuhe aus und schrumpft zum Zwerg. Manch Dicker kommt plötzlich als Dünner daher, weil er 20 Kilo abgenommen hat.

Mit Schönheit geht das auch nicht. Da strahlt der Held uns in seiner Ausgeh-Uniforum an; wehe aber er steigt unrasiert und verkatert aus seinem Bett (hier habe ich aus Gender-Gründen ein männliches Beispiel gewählt und auf die Zote mit dem One-Night-Stand und dem (Er-)Schrecken am Morgen verzichtet).

Auch bei der Intelligenz hapert es mit der objektiven Einschätzung. Da misst man den „I.Q.“ – aber was ist mit der Emotionalen Intelligenz, nach zu lesen bei Goleman in seinem Buch „EQ …„.

Wir sollten uns also hüten, jemanden mit Eigenschaften wie dick, groß, schön oder intelligent zu versehen. Das ist leichtfertig und unangemessen. Aber es geht wie immer noch schlimmer.

Es gibt Menschen, die haben mir gesagt, dass ich ein „Kopf-Mensch“ bin. Andere haben mir rückgemeldet, dass ich ein „Bauch-Mensch“ sei.

Das waren Leute, die mir nahe gestanden sind und es wohl auch noch gut mit mir gemeint haben. Sie meinten, sie hätten gelernt das zu beurteilen. Und mitleidig bedauert, dass ich als Kopf- wie als Bauch-Mensch für meinen Job als Manager nicht taugen würde.

Diese – übrigens immer männlichen Personen – haben sich für große Führungspersönlichkeiten gehalten. Ich habe sie für „Idioten“ gehalten oder besser, als solche wahr genommen.

Genau das ist der Punkt:

Es ist immer nur unsere Wahrnehmung.

Wir alle tragen Masken und agieren auf eine Art und Weise, so wie wir halt meinen interagieren zu müssen. Das macht die Kommunikation und das Verstehen nicht einfacher. So sind wir (zu) schnell bereit, unsere Mitmenschen „kleiner“ oder „größer“ zu machen.

Es gibt keine Menschen, die „kopf- oder bauch-gesteuert“, „gefühlskalt“  oder „emphatisch“, „sensibel“ oder „unsensibel“, „schwach“ oder „stark“, „emotional“ oder „emotionslos“ und so weiter sind. Das sind Werte, die kann man nicht messen kann. Auch wenn Scharlatane dies behaupten und verkaufen.

Das sollten wir uns immer wieder bewusst machen.

Ganz besonders sollten wir uns vor unserer  Selbstwahrnehmung in Acht nehmen. Auch diese ist in der Regel falsch!

RMD

P.S.
Letztere Aussage kann ich gut aus meinen Gesprächen mit vielen Menschen belegen, die zu mir als Mentées kommen. Wie oft bin ich entsetzt, wie diese sich selber klein machen.

 

Roland Dürre
Freitag, der 16. März 2018

Impressionen am 15. März in der Früh :-)

Im EC 196 in Richtung Zürich.

Heute besuche ich den Wolf in der Schweiz. Die S-Bahn fährt in Neubiberg um 6:31 ab. Zum Bahnhof in Neubiberg ist’s gut ein Kilometer. So verlasse ich mein Zuhause kurz nach sechs.

Es dämmert schon, es riecht nach Frühling. Durch die Häuser höre ich die S-Bahn eins früher, sie ist pünktlich. Das ist schon mal ein gutes Zeichen.

Der Weg biegt ab zum Gleis. Ich spaziere entlang der Strecke weiter zum Bahnhof und genieße den Tag. Mir fällt ein, dass vor Weihnachten und vor meinen Reisen in die Südsee und in die Antarktis die beiden Bahnsteigs-Uhren in Neubiberg eine um 2 Minuten differierende Zeit angezeigt haben. Genauer: Die südliche ging richtig, die nördliche war um zwei Minuten der Zeit hinterher.

Auf dem Wege begegne ich einem Herrn mit Hund. Auch er macht’s gemütlich. Ich nähere mich dem Bahnhof. Ein nagelneu aussehender Fiat Cenquecento parkt in der Ferne auf den Park&Ride-Plätzen ein und rangiert ein wenig. Eine junge Frau – eher ein wenig pummelig aber top „gedresst“ – steigt aus. Ganz in Schwarz und sehr chic gekleidet. Das alles sehe ich aus der Ferne.

Dann komme ich an der S-Bahn-Station an. Gehe die Treppe runter und die Treppe hoch. Ich bin zu früh da. Der Bahnsteig ist noch ziemlich leer. Die Dame in Schwarz erkenne ich auf dem Bahnsteig wieder. Sie raucht eine Zigarette. Alles passt zusammen: Neuer Cinquecento, sehr gepflegt und gut gekleidet, mit Zigarette. Eine moderne Frau.

Ich habe Zeit und spaziere am Bahnsteig auf und ab. Bewegung. Noch eine Dame – eher schlank und blond und nicht so gut gekleidet – steht am Bahnsteig und raucht eine Zigarette. Ich mache einen Zeitvergleich der beiden Uhren. Ich glaube es nicht – es ist alles wie früher – die Bahnsteigs-Uhr im Süden zeigt die Zeit zwei Minuten später an als die Uhr im Norden. Ich positioniere mich am Zugende. Weil die S-Bahn am Ostbahnhof wendet und ich am Hbf in München ganz vorne bei der Rolltreppe hoch zum Hbf aussteigen will. Optimierung der Wege.

In Neubiberg begegnen sich die S-Bahnen. Der Gegenzug (stadtauswärts) fährt diesmal zuerst ein. Ich schau in den Zug. Der erste Teil ist ziemlich leer. Da sitzen nur Frauen. Zufall? Oder hat das einen Grund, dass so früh am Morgen überwiegend Frauen in der S-Bahn stadtauswärts fahren?

Mein S-Bahn kommt ein wenig später. Ich sehe schon die drei Stirn-Lichter aus Richtung Ottobrunn kommen. Sie ist (fast) pünktlich. Ich steige ein. Im Abteil ist auch in meiner Richtung Frauenüberschuss. Vielleicht ist das auch so eine „Gender-Sache“, dass Frauen früher S-Bahn fahren müssen als Männer?

Die DB sendet mir einen (unsinnigen) Verspätungsalarm. Und kündigt mir eine Gleisänderung am Zielbahnhof in St.Magrethen an.

Ich bin wieder zu Hause!

RMD
🙂 Geschrieben im EC 196 in Richtung Zürich – fertig geworden auf der Höhe von Buchloe.

Roland Dürre
Dienstag, der 6. März 2018

Durststrecke in IF-Blog!?

Im Januar war ich in der Südsee

und es war großartig.

Im Februar war ich in der Antarktis

und es war großartig.

Beide Reisen waren ganz anders, aber gerade so kurz hintereinander so eine Art von besonderem Wahnsinn.

Auf beiden Reisen habe ich nur ganz wenig Zeit im Internet verbracht. Weil mir die Zeit fürs Internet einfach zu schade war. Wie auch zum Filme anschauen oder ähnlichem.

So habe ich in den ersten beiden Monaten des Jahres 2018 nur zwei Artikel geschrieben. Für mich unvorstellbar. Das heißt aber nicht, dass ich mir keine Gedanken mehr mache. Oder keine Lust zum Schreiben mehr hätte. Im Gegenteil.

Allerdings möchte ich nichts Belangloses schreiben. Die Südsee wie die Antarktis haben mich ganz schön zum Nachdenken gebracht. Auf der Reise habe ich mir viele spannende Gedanken notiert. Die fand ich ganz toll. Aber mit jedem Tag des Reisens kamen mir die Themen immer banaler vor.

Aber ich gehe davon aus, dass diese Zeit des Sammeln und Reflektieren bald vorbei ist. Bin ich ja jetzt wieder in der „realen“ Welt. Und glaube schon, dass ich bald wieder zumindest einen Artikel in der Woche bald wieder schaffen werde. Mit Themen, die mir wichtig sind.

RMD

P.S.
Für die Freunde der Antarktis:
Mir liegt ein wunderbarer Bericht von meiner Reise im Februar vor. Ich hoffe, dass ich ihn bald in IF-Blog veröffentlichen kann. Zur Kostprobe schon mal die Seekarte.