Da habe ich die Welt mit Kinderaugen gesehen. Und konnte sie nur bewundern.

Am 7. Juni habe ich hier viele Fragen gestellt. Vielleicht ist aber besser, erst diesen Artikel zu lesen. Und sich dann meinen Fragen zu widmen.

Es waren Fragen, die sich mit unserer menschlichen Irrationalität beschäftigen.

Fragen, die mir weh getan haben.

Weil wir die Welt ruinieren und uns selber zerstören.

Weil wir eine Gesellschaft sind, die das alles weiß und NICHTS tut.

Weil diese Fragen an sich schon schwer zu verstehen und nicht zu beantworten sind.

Es wird aber noch schlimmer, wenn ich mir überlege, was LEBEN bedeutet.

Und was wir KÖNNEN, ERLEBEN und SCHAFFEN.

Unser KÖNNEN

  • Wir können DENKEN.
  • Wir können REDEN.
  • Wir können FÜHLEN.
  • Wir können LIEBEN.
  • Wir können TANZEN.
  • Wir können MALEN.
  • Wir können SINGEN.
  • Wir können TRÄUMEN.
  • Wir können ERZÄHLEN.

Unser ERLEBEN

  • Wir sind Frau und Mann.
  • Wir bekommen Kinder.
  • Wir leben.
  • Wir sind ratlos.
  • Wir sind hilflos.
  • Wir müssen sterben.
  • Wir pendeln zwischen Ohnmacht und Allmacht.

Von uns ERSCHAFFEN

  • Sprache
  • Schrift
  • Mathematik
  • Musik
  • Das Rad, den Hebel, die Schubkarre, das Fahrrad
  • Werkzeuge, Maschinen und das Internet

So klug sind wir geworden, dass wir fühlen und wissen:

So geht es nicht weiter!

Wir tun aber nichts.

RMD

Roland Dürre
Freitag, der 15. September 2017

Mein USP :-)

 

Was ist mein Wert?

Als ich jung war haben mich manche „Erwachsene“ einen Taugenichts genannt, aus dem niemals etwas werden würde. Eine davon war meine Mutter, die das wörtlich ab und zu mir gesagt hat. Das hat mich schon geärgert und verletzt. War mir aber letztendlich doch nicht so schlimm, wollte ich doch viel lieber ein Taugenichts sein als so werden wie manche erwachsenen Menschen um mich herum, die aus Sicht meiner Mutter bestimmt keine Taugenichtse waren. Und so schlimm ist es dann mit mir als dem schwarzen Schaf in der Herde (wie ich mich öfters gefühlt habe) ja auch nicht gekommen.

Friedlich sein Bier trinken können ist ein großer Wert.

Heute schwätze ich bei vielen Themen mit, halte öfters Vorträge, gebe Impulse und inspiriere junge und ältere, weibliche wie männliche Menschen. So will ich diesen helfen, ein wenig glücklicher und erfolgreicher werden.

Bei einigen jungen „start-ups“ und auch gestandenen Unternehmen bin ich aktiv dabei und helfe dort, die richtigen Fragen zu finden. Denn diese sind die Voraussetzung für Veränderung und Innovation.

Laufend vernetze ich Menschen miteinander (wenn ich meine, dass die zusammen passen) und freue mich, wenn es allen zu Gute kommt.

Da stellt sich mir schon gelegentlich die Frage:
Hast Du eigentlich die Kompetenz dazu?
Die Frage kann ich selber nicht beantworten.

Aber zumindest habe ich beim darüber nachdenken mein „persönliches USP“ gefunden (USP kommt aus dem englischen und ist die Abkürzung für „Unique Selling Proposition“).
🙂 Auf Deutsch könnte man das ganz einfach als
Alleinstellungsmerkmal bezeichnen.
Mein „Alleinstellungsmerkmal“ habe ich der Kombination dreier Besonderheiten meines Lebensweges zu verdanken:

  • Erstens: Seit 1969 arbeite ich mit, an und für Computer. Die Deutschen nennen das Informatik. Die ersten zehn Jahre (die siebziger) habe ich vor allem „Industrie-Informatik“ gemacht – so habe ich die „Spielzeug-Computer“ wie Commodore und Atari ein wenig verpasst. Wie dann UNIX zu mir (oder ich zu UNIX) kam, habe ich im PC-Bereich aufgeholt. Das war in den 80igern. In diesen Jahren habe ich viele Verschiedenes gemacht. So war ich bei einigen Betriebssystemen intensiv dabei wie Prozessrechner, Kommunikationsrechner, Mainframes und der Mittleren Datentechnik. Die hieß damals MDT und kam von Firmen wie Kienzle, Nixdorf,  Olivetti und natürlich auch Siemens. Weiter habe ich Software für Datenfernverarbeitung, -speicherung, -banken, Transaktionsmonitoren und vielen Anwendungen mitgewirkt. Und dabei einige Reihe von verschiedenen Assemblern und höheren Sprachen genutzt und zum Teil auch mitentwickelt.
    Für mich der Höhepunkt war die Entwicklung eines Window-Manager, bei der dabei sein durfte. Der lief sowohl auf graphischen wie zeichenbasierten Endgeräten und hieß Collage. Collage war auch ein Produkt der Siemens AG, das aber im Markt keine Chance hatte. Wie das so oft in der Phase des allmählichen Untergangs des Unternehmensbereich Datenverarbeitung der Siemens AG leider der Fall war.
    So ging das weiter und so habe ich eigentlich alles hautnah mit erlebt, was im digitalen Leben wichtig ist. Deshalb nenne ich mich – nicht nur scherzhaft – einen IT-Pionier der zweiten Generation. Die Ehre, bei der ersten Generation dabei gewesen zu sein, überlasse ich den Urvätern der elektrischen Rechensysteme wie Konrad Zuse und meinem ersten Informatik-Lehrer in 1969, Professor F. L. Bauer von der TH München (die sich heute TUM nennt).
    In den 90igern habe ich meine Programmierschuhe nicht nur symbolisch ausgezogen und an den Haken gehängt. Der IT bin ich treu geblieben – das ging ja auch gar nicht anders – und habe versucht, soweit wie möglich bei der Digitalisierung immer auf Augenhöhe dabei zu sein.
  • Zweitens: Ich hatte mein Leben lang großes Glück und habe immer viel gelernt,
    🙂 besonders in den Lebensphasen nach Schule und Studium (aber eben nicht an der Uni)! Die Mathematik hat mir sicher geholfen, ein kritischer Geist zu bleiben. Jedoch habe ich in vielen Disziplinen das wertvollste Wissen von am Anfang älteren und später auch gleich alten und jüngeren Meistern beigebracht bekommen.
    Mancher Lehrer auch außerhalb der fachlichen Arbeit ist mir zum Freund geworden. Beispielsweise möchte ich hier Klaus-Jürgen Grün und Rupert Lay nennen. Es gab noch mehr tolle Menschen, die mich als Lehrer begleitet haben. Das ging los in meiner Zeit bei Softlab – da hatte ich einen sehr klugen Chef. Und musste „persönlichkeits-fördernde“ Seminare besuchen, weil das dort eine Voraussetzung für eine Management-Karriere war (und ich wollte damals noch Karriere machen). Ich erinnere mich aus dieser Zeit an ein Unternehmen namens TPM (Training psychologische Management) aus Frankfurt und seinem Gründer namens Uhlenbrock (oder ähnlich). Bei ihm hatte ich mein erstes Seminar am schönen Starnberger See, in dem ich so richtig viel persönlich profitiert habe. Gelernt habe ich da in solchen Seminaren nicht nur von den Trainern sondern besonders auch von den Teilnehmern, die ich dort getroffen habe.
    Auch bei den vielen Kollegen, zu denen ich fachlich empor geschaut habe und von denen ich unendlich viel fürs Handwerk gelernt habe, will ich mich bedanken.
    Später (in den 90igern) war ich 10 Jahre regelmäßig bei Workshops mit Simon Grand von RISE, einem Institut an der Hochschule St. Gallen. Da habe ich wieder viele großartige Menschen und tolle Unternehmen kennen gelernt und einen wunderbaren Austausch mit diesen gehabt.
    Die letzten zehn Jahre habe ich mich vor allem auf Barcamps herum getrieben und ja selber auch am Entstehen und Verbreiten des PM-Camps mitgewirkt. Das war eine wunderbare Zeit und ich habe noch mehr großartige Menschen kennengelernt als in den Jahren davor.
    Nicht zuletzt muss ich mich bei meinen Kindern bedanken. Es war ein ganz großes Glück, dass ich sieben haben durfte. Oft meine ich, dass ich von und durch meine Kindern noch mehr gelernt habe als vom ganzen Rest.
    So weiß ich, dass Leben und Lernen ein Synonym sind.
    Solange Du lebst, lernst Du.
    Und so lange Du lernst bist Du am Leben!
  • Drittens: Ich war immer ein „Revolutionär“, der für seine „komischen“ Meinungen deutlich mehr gerügt als gelobt wurde. Heute erkläre ich mir das positiv und meine, dass bei mir die Total-Dressur, die man auf Kinder auch schon in den 50iger Jahren anwendet hat, doch nicht alles ausradiert hat und mir so ein Rest von Autonomie, Lebensfreude und Urvertrauen verblieben ist. Und manche Indoktrination abgeprallt ist.
    So habe ich als Angestellter bei Siemens wie bei Softlab schnell gemerkt, dass dies nicht meine Welt ist. Und hatte den Willen  Unternehmer zu werden und das Glück, dass es funktioniert hat.  So konnte ich meine eigene Welt gründen, die InterFace Connection GmbH.
    Die ersten 10 Jahre waren wie ein Traum. Wir waren spielerisch erfolgreich und haben alle Grenzen gesprengt. Leider habe ich später eine Reihe von unternehmerischen und menschlichen Fehler gemacht. Und auch ein paar mal ein wenig Pech gehabt. Das Unternehmen hat es ganz gut überstanden – und ich habe jetzt ein paar Erfahrungen mehr von der Art „wie man es nicht machen soll“, die ich gerne weitergebe.

So mache ich noch ein paar Jahre weiter und fühle mich gut dabei. Und freue mich immer, wenn ich Rückmeldungen bekomme.
🙂 Besonders natürlich über positive.

RMD

Roland Dürre
Mittwoch, der 7. Juni 2017

Einfach mal ein paar Fragen.

Roland mit Schultüte

Wie ich jung war, hatte ich nur wenig Fragen.

Und war oft traurig.

Die Fragen sind mehr geworden.

Antworten wird schwieriger.

Je älter ich werde, desto mehr bekomme ich Gefallen und Freude am Leben.

Und suche nicht mehr nach Antworten.

Weil ich immer weniger verstehe.

Die Fragen aber bleiben …

  • Warum hassen wir? Wissen wir doch, dass der Hass den Hassenden zerfrisst, der Gehasste jedoch wunderbar mit dem Hass leben kann?
  • Warum sind wir gierig aber nicht zufrieden? Wissen wir doch, dass die Gier uns unglücklich, die Zufriedenheit aber glücklich macht.
  • Warum machen so viele Menschen genau das, was sie nicht machen wollen?
  • Warum können Lobbyisten und Marketing-Manager die Menschen so leicht manipulieren?
  • Warum lassen wir uns so gerne fremd steuern?
  • Warum handeln wir gegen unseren Körper, unseren Verstand und unser Herz?
  • Warum handeln wir nicht nach dem Prinzip “Erst geben, dann nehmen” sondern nach “Auge um Auge, Zahn um Zahn”?
  • Warum darf uns Arbeit nicht Spaß machen”?
  • Warum schreien wir nach einer Ordnung, die uns unterdrückt?
  • Warum glauben wir, dass wir selber mit Regelverzicht verantwortungsvoll umgehen könnten, nur die anderen leider nicht?
  • Warum sind wir bereit für ein wenig Sicherheit viel Freiheit aufzugeben?
  • Warum sind wir nicht bereit, im Jetzt zu leben und zerstören das Jetzt durch das Denken ans übermorgen?
  • Warum genießen wir nicht unser Glück und zerstören es durch die Furcht vor kommendes Unglück?
  • Warum machen wir Pläne für Fälle, die eh nicht eintreten werden.
  • Warum haben wir Ängste, von der wir wissen, dass sie doch nur in unserem Kopf stattfinden.
  • Warum zerstören wir Körper von Menschen, die unsere eigenen sein könnten?
  • Warum machen wir sogar unsere Kinder kleiner als sie sind wohl wissend dass wir selber nicht klein gemacht werden wollen?
  • Warum kaufen wir Joghurtbecher, obwohl wir wissen, dass Plastik die Welt zerstört?
  • Warum fahren wir Auto, wohl wissend, dass Autofahren uns träge macht?
  • Warum sind wir nicht in der Lage als schlecht erkannte Gewohnheiten aufzugeben?
  • Warum rechtfertigen wir Falsches gegen eigenes besseres Wissen?
  • Warum machen wir Krieg, obwohl wir wissen dass Kriege in der Regel keine Lösung sind?
  • Warum führen wir Krieg in anderen Ländern, obwohl Krieg bei uns zum Undenkbaren geworden ist?
  • Warum machen wir Terrorismus groß, obwohl wir ihn verabscheuen?
  • Warum ruinieren wir unseren Planeten, obwohl wir nur einen haben?
  • Warum geben wir unserem Körper nicht das, was er braucht: Genug Schlaf und Bewegung, gesunde Ernährung?
  • Warum haben wir Angst, unseren Körper lustvoll erleben?
  • Warum aasen wir mit Zeit, obwohl wir wissen, dass Zeit ein Gut ist, dass nie mehr wiederkommt?
  • Warum denken wir nicht, obwohl wir ein Gehirn haben?
  • Warum halten wir uns für die Krone der Schöpfung?
  • Warum halten wir unsere Gewissheiten und unsere Überzeugungen für Wahrheiten?
  • Warum machen wir aus Naturwelt eine Kulturwelt, ersetzen Naturrauschen wie das Tosen des Meeres durch das Kulturrauschen der lauten Mega-City?
  • Warum glauben wir an Wachstum als Lösung obwohl wir wissen, dass “weniger mehr ist”?
  • Warum erwarten wir, dass man uns in unserer Not hilft, helfen aber anderen nicht wenn sie in Not sind?
  • Warum vergiften wir ohne Not die Luft, die wir täglich atmen wollen?
  • Warum sehnen wir uns nach Geborgenheit und lieben die Einsamkeit?
  • Was ist soziales Miteinander?
  • Was ist Liebe?
  • Wie lösen wir den Spagat zwischen “individuell und kollektiv”?

Wahrscheinlich sind es viel zu viele Fragen.

Wenn ich aber noch mal 20 Minuten mehr nachdenke, dann finde ich noch mehr solche Fragen.

Beantworten kann ich sie immer noch nicht.

Jetzt würde mich aber interessieren, welche Fragen Ihr so habt? Und welche meiner Fragen Euch auch wichtig sind?

Oder habt Ihr gar Antworten!?

Danke!

RMD

Hans Bonfigt
Montag, der 15. Mai 2017

Kick it Out …

Das war ein klasse Hardrocktitel der Gruppe ‚Heart‘ in den frühen 80ern.

Und ja: Manche stecken „den Tiger in den Tank“, ich aber lasse gern die Sau heraus. Die Schuld daran trägt mein alter Deutschlehrer Willi Tröster.   Donnerstagmorgens hatten wir in der Mittelstufe immer eine Doppelstunde Deutsch, am Mittwochabend war Willi Tröster mit Kollegen saufen kegeln und daher nicht immer in bester Laune.  Als irgendjemand an einem solchen Donnerstagmorgen das Wort „Reichskristallnacht“ gebrauchte, platzte ihm der Kragen und er polterte los, „Wer mich jetzt nochmal mit so einer apologetischen Scheiße zumüllt, dem hau‘ ich auf sein dummes Maul“.  Und, vielleicht erschrocken über den eigenen Ausbruch, erläuterte er uns:  „Seine Sprache offenbart den Menschen.  Wer Denunziation, Mord, Folter, Raub und Vergewaltigung mit einem Kristallglas assoziiert, das womöglich Schaden genommen hat, der beabsichtigt damit ganz offensichtlich etwas“.  Willi Tröster, großer Verehrer der klaren, konzisen Sprache von Brecht, hielt uns einen Vortrag darüber, daß Sprache wahr und klar sein müsse.

Für mich persönlich war dies eine der wichtigsten Schulstunden meines Lebens, mir wurde schlagartig klar, wie wichtig eine angemessene Sprache ist und wie gefährlich weichgespültes Wischiwaschi.

Ein Mensch mit dauerhaften körperlichen Gebrechen hieß früher „Krüppel“.  Irgendwann war dies einer Gruppe unterbezahlter, unausgelasteter akadementen Bedenkenträger zu direkt und aus dem Krüppel wurde plötzlich ein „Behinderter“.  So ein blühender Blödsinn!  Behindert ist man, wenn man sich den Fuß verstaucht hat.  Keine zehn Jahre später formte sich, vielleicht auf Schulhöfen, die abfällig konnotierte Phrase, „Du bist ja behindert“.   Und schnell mußte eine neue Begrifflichkeit her, die Briten müssen jetzt „Special Friends“ sagen und die grünen Sprachpanscher wollten schon den „Menschen mit speziellen Eigenschaften“ festgeschrieben wissen.

Ich finde, man tut einem Krüppel keinen Gefallen damit, daß man sein körperliches Handicap zu vertuschen sucht.  Ganz im Gegenteil, dies ist eine subtile, aber umso infamere Verhöhnung von Menschen, die weiß der Himmel schon genug Probleme meistern müssen.

Die ‚Porta Nigra‘ in Trier kennt jeder, lateinisch bedeutet dies „schwarzes Tor“.  Ein dunkelhäutiger Mensch wird seit Jahrzehnten als „Neger“ bezeichnet, abgeleitet von ’niger, nigra, nigrum‘, „dunkel, schwarz“.     Ende der Neunziger formierte sich eine selbsternannte „Sprachpolizei“, die, von jeder Sachkenntnis ungetrübt, hinter jeder Autobahn Redewendung einen bösen „Hintergedanken“ vermutete.  „Neger“ und das diffamierende amerikanische „Nigger“ sind aber auch zu ähnlich!

Und so wurde derjenige, der einen Neger „Neger“ nannte, zum Faschisten und vor allen Dingen zum „Rassisten“.   Es weiß zwar bis heute niemand, was „Rassismus“ sein soll, aber wenn ein Begriff von so vielen Dummschwallern immer wieder reflexhaft benutzt wird, daß Dr. Pawlow seine Freude hätte, muß doch wohl etwas dran sein.   Und so drehte sie auf, die Begiffsspirale:  Erst waren es „Massivpigmentierte“, dann „Afrodeutsche“, jetzt sind es „Sonnenverwöhnte“.  Die nicht ganz so Abgedrehten postulierten „Schwarzafrikaner“, als ob es nur in Afrika Neger gäbe.

Ich warte ja darauf, daß der Karneval verboten wird, denn im Bayerischen heißt es ja „Fasching“ und mit Faschismus will man ja nix zu tun haben!  Und überhaupt:  Karneval, „Fleisch, lebe wohl“, das ist ja wohl eine klare Diskriminierung der Veganer*Innen.

Man könnte das jetzt alles als nervigen Mist abtun, aber insbesondere die zwar inflationär gebrauchte, aber dennoch ungeheuerliche Unterstellung eines „Rassismus“ bereitet mir Sorge:  Denn auch hier hat Willi Tröster recht, „seine Sprache offenbart den Menschen“.   Jeder Mensch mit minimaler Schulbildung weiß:  Biologisch unterscheiden sich ein Indianer, ein Chinese, ein Neger oder ein Eskimo so gut wie gar nicht.   Sehen wir uns Hunde an:  Ein Zwergpudel gehört zur Rasse „Hund“ genauso wie ein ausgewachsener Rhodesian Ridgeback.   Von unterschiedlichen „Menschenrassen“ zu schwafeln ist daher schlichtweg blödsinnig.   Im übrigen glaube ich nicht einmal, daß ein Adolf Eichmann oder ein Reinhard Heydrich ernsthaft an „Rassenunterschiede“ geglaubt haben — das war eher der kranke Wahn von Heinrich Himmler, ideologisch verbrämt von Alfred Rosenberg.

Wenn jemand heute von „Rassismus“ spricht, dann allerdings erkennt er implizit die Existenz von „Menschenrassen“ an und bestätigt unmittelbar Himmlers kranken Typisierungswahn.  Und wo es unterschiedliche „Rassen“ gibt, da gibt es, mit allen furchtbaren Konsequenzen, auch unterschiedliche „Wertigkeiten“.   Heinrich Himmler jedenfalls wäre überglücklich, wenn er wüßte, wie dankbar die „Grünen“ seine krude, kranke Rechtfertigung für die Massenvernichtung „unwerten Lebens“ aufgesogen haben.  Und nicht nur aufgesogen:  Sie besudeln jeden Mitmenschen, dessen Meinung ihnen nicht paßt, mit dieser schmierigen braunen Scheiße.  Schlecht ist, wer Schlechtes denkt.

Geht es auch ein bißchen kleiner ?

Derjenige, der nicht ständig seine Sprache mit Wischwaschi-Ausdrücken kompromittiert, ist ein gefühlloser, unsozialer Hund   —  aber wenn jemand einen „Negerkuß“ kauft, dann darf man diesen in die Nähe einer Massenvernichtung bringen ?

Glücklicherweise haben wir hier nicht nur erbärmliche „Comedians“ der Marke Böhmermann, sondern auch Kabarettisten wie Dieter Nuhr.   Der wurde in Osnabrück von einem Moslem-Spinner verklagt, weil er herausgearbeitet hatte, „Im Islam ist die Frau zwar frei, aber in erster Linie frei davon, alles entscheiden zu müssen“.  Wegen „Beleidigung einer Religionsgemeinschft“.  Skandal eins ist für mich, daß es überhaupt zur Eröffnung eines Verfahrens kam.  Skandal zwei aber ist das widerlich-devote Geschleime eines Springer-Söldners in der „Welt“:  „Pauschale Diffamierungen anstelle von Differenzierungen schaffen nur neue Schreckensbilder, die dem mehrheitlich liberalen europäischen Islam das Wasser abzugraben versuchen.“   So einem devoten Arschkriecher wünsche ich mindestens sieben Jahre in dem Spezialknast, in dem schon der Kollege „Dennis Yüksel“ einsitzt.

Mit der gleichen Vehemenz, mit der die multikulturelle Sprach-GeStaPo neue und alte Täter sucht, werden ausgerechnet diejenigen verteidigt und entschuldigt, die unsere Demokratie ablehnen, elementare Grundrechte mit Füßen treten und ihren Mitmenschen Schaden zufügen.

Dabei erlaubt sich die gleichgeschaltete „Lügenpresse“ ungeheuerliche Widerwärtigkeiten:   Der Schriftsteller Akif Pirincci höhnte öffentlich und unzweideutig in Richtung der „politischen Klasse“, daß man in diesen Zeiten sein Volk nicht mundtot machen könne, denn, Konzentrationslager stünden den Politikern, leider, leider, nicht mehr zur Verfügung.   Was wird berichtet, in wirklich fast allen Medien ?   „Pirincci fordert Konzentrationslager für Flüchtlinge“.   Läßliche Sünde, möchte man annehmen, denn wie üblich hat es einer fabuliert und alle anderen schrieben ab.

Aber bei einer solch‘ ungeheuerlichen Unterstellung:   Darf man da nicht ein Minimum an Recherche erwarten?   Und welche Schlußfolgerungen muß man zwangsläufig ziehen, wenn diese Recherche unterbleibt?   Etwa die, daß, wie in der „Welt“ und im „Völkischen Beobachter“, nur noch Hetze betrieben werden soll mit einem klaren politischen Ziel?

Wer grob fahrlässig die Existenz eines Autors ruiniert, der ist, ganz nebenbei, nicht mehr gar so weit davon entfernt, einen Menschen in ein Konzentrationslager zu sperren.  Autorenschelte hat ja wieder Tradition:   Herr Yüksel wünschte Herrn Sarazzin, daß der nächste Herzinfarkt sein Werk gründlicher verrichten möge – natürlich öffentlich in der „taz“, der es nicht zu peinlich ist, einen Springer-Lohnschreiber zu veröffentlichen.

Von einer derart heruntergekommenen „journalistischen Klasse“, aber auch nicht von den Abteilungen „Betreutes Denken“ aller möglichen Organisationen und Unorganisationen will ich mir nicht vorschreiben lassen, was ich zu denken und zu sprechen habe.  Und da geht es mir wohl nicht allein so:   Wer keinen Zusammenhang sieht zwischen „Trump“-Wahl und „Brexit“, dem ist nicht mehr zu helfen.  Es wollen sich einfach immer mehr Menschen nicht mehr auf der Nase heruntanzen und mit Lügen verhöhnen lassen.

Was auch den erfreulich überraschenden Ausgang der NRW-Wahl erklärt:

Gestelzte „Analysten“ mühen sich wieder verkrampft ab, auch die absurdesten „Ursachen“ für den erdrutschartigen Verlust der SPD zu finden.  Momentan ist es das Versagen der SPD bei der Herstellung „sozialer Gerechtigkeit“.  Was für ein blühender Blödsinn !   Denn die SED, die mit diesem Unwort zumindest in der DDR nicht ganz erfolglos ist, ist gottseidank ‚rausgeflogen aus dem Landtag.

Die Wahrheit liegt auch hier wieder in der Klarheit!  Wenn der Rattenfänger aus Würselen klare Worte gefunden hätte in Bezug auf Asylmißbrauch, demokratiefreie Zonen in Duisburg und Mißbrauch von EU-Regularien, dann hätten sich vielleicht ein paar Wähler gefunden.  Stattdessen plätschert es, „Die Flüchtlinge bringen uns etwas, das viel wertvoller ist als Gold:  Den Glauben an Europa“.  Das gleiche „Europa“ wohlgemerkt, das es nicht geschafft hat, auch nur die unsäglich alberne, teure und überflüssige Sommerzeit abzuschaffen.

 

Ich vermisse wirklich in diesen Zeiten der gleichgeschalteten, politisch korrekten Larmoyanz solche Menschen wie Bischof Dyba und Franz-Josef Strauß.  Denn die teilten, ebenso wie Helmut Schmidt, die Lebensmaxime von Ludwig Boltzmann:  „Denk‘, was klar ist, sag‘, was wahr ist und verfecht’s, bis es mit Dir gar ist“.   Dabei kommt es überhaupt nicht darauf an, ob man recht hat oder nicht.   Es kommt aber darauf an, daß man seinen Standpunkt vortragen darf.

Und deswegen, Roland, fühle ich mich manchmal verpflichtet, ein paar klare Worte und Wörter zu benutzen.

 

Denn, Roland:  Glauben Sie, daß man heute noch einen Film wie „Das Leben des Brian“ von Monty Python produzieren könnte und würde ?

-hb

Anmerkung des Gastgebers von IF-Blog.de (mir – RMD):
In meinem Kommentar zum letzten Artikel Entartete Kunst von Hans Bonfigt habe ich auf dessen „besondere Sprache“ hingewiesen. Und erwähnt, dass diese doch eine Reihe von Lesern „irritiert“, er- oder sogar abschreckt. Dieser Artikel ist seine Antwort auf diesen Hinweis und wie ich meine eine spannende Erklärung.

Roland Dürre
Dienstag, der 28. Februar 2017

Vorurteile, Aversionen und Ressentiments bringen keinen FRIEDEN.

Der Weg zum FRIEDEN fängt bei mir selber an.

Im letzten Jahr war ich ein paar Tage im philosophischen Kolleg bei meinem Freund Klaus-Jürgen Grün. Jedes Mal habe ich viel Neues entdeckt. Ein Thema unserer philosophischen Untersuchungen war das Ressentiment.

Beim Klaus komme ich ins Nachdenken, in besonderen Gegenden ins Reflektieren.

So habe ich begonnen, über meine eigenen Ressentiments nachzudenken. Für mich sind Aversionen, Ressentiments und Vorurteile die kleinen Schwestern des Hasses. Ich möchte meine finden, damit sich nicht größer werden und sich nicht meiner weiter bemächtigen können.

Wie der Hass sind sie ein Paradox. Auch sie richten sich gegen „die Anderen“, schaden aber vor allem dem, der sie in sich beherbergt. Wie die Angst finden sie im Kopf statt und machen unglücklich und aggressiv.

Und das muss ja nicht sein. Ich mag mich nicht selber beschädigen, weil ich Vorurteile gegen Dritte habe. Das ist doch unlogisch.

So versuche ich, mir meine Aversionen und Ressentiments bewusst zu machen und zu hinterfragen. Ich weiß, dass sie auf Vorurteilen beruhen, also auf völlig blödsinnigen Annahmen. Und dass sie zu schrecklicher Vorverurteilung führen können.

Es geht ja vor allem um die eigenen Selbstverständlichkeit, in der ich lebe. Täglich finde ich in mir ein neues Vorurteil, das Feindseligkeit verursacht negative Kommunikation und ungerechtes Verhalten zur Folge hat.

Schlimmer noch, ich habe festgestellt, dass ich bei anderen Menschen genau die Eigenschaften gar nicht mag, die mich bei mir selber am meisten stören. Dann denke ich mir, dass ich zuerst mal den Fehler bei mir suchen und wenn möglich abzustellen sollte. Und danach die Welt schon oft ganz anders aussieht.

So ist es viel konstruktiver, wenn ich den Weg in Richtung FRIEDEN bei mir selber starte. So werde ich selber stärker und ziehe mich nicht selbst runter, indem ich mich über andere ärger. Weil das sinnlos wie ein Kropf ist, nichts bringt und niemanden außer mir selber schadet.

RMD

Roland Dürre
Montag, der 29. August 2016

Jolly on Stage – 17. September in München!

Jolly glaubt an den Frieden. So wie ich.

Jolly Kunjappu ist Philosoph und Künstler, Unternehmensberater, Trainer und Redner. Vor allem aber ist er Mensch – und Musiker.

Endlich tritt er mal wieder auf. Gemeinsam mit Roykey Creo und weiteren Freunden!

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Karten gibt es bei München-Ticket. Und hier noch ein paar Informationen zum Konzert.

Natürlich wird Jolly auch ein ganz besonderes Lied für FRIEDEN spielen.

Ich freue mich, wenn ich viele von Euch bei Jolly’s  besonderem Konzert treffe!

RMD

Roland Dürre
Mittwoch, der 17. August 2016

Dankbarkeit.

Zurzeit gibt es in IF-Blog nicht so viel zu lesen. Das liegt daran, dass ich gerade eine Auszeit am schönsten Platz der Welt nehme. Gemeinsam mit Barbara und in Begleitung von Anna (Tochter #2), Sophie (Tochter #3), Caroline (Enkelin #1) Nicolas (Enkel #2) und Patrick (Schwiegersohn #1).
🙂  Die Angaben in Klammern betreffen die zeitliche Reihenfolge.

Blick vom Zelt nach Norden in Richtung Gythio.

Blick vom Zelt nach Süden.

Seit vier Nächten und Tagen sind wir in Porto Ageranos auf dem Peloponnes, zirka 10 km südlich von Gythio, dem alten Hafen von Sparta. Wir schlafen im Zelt, direkt am Strand des Ägäischen Meeres,keine 25 Meter von den Wellen entfernt. Wir leben in der Natur. Das Meer rauscht und singt uns sein Lied. Nachts läßt sich der Vollmond von den Sternen am Himmel feiern. Der Zeltplatz ist nicht sehr voll und wird täglich leerer.

Mein Rhythmus hat sich eingeschwungen. Am Morgen schwimme ich zuerst mal je nach Lust und Laune eine halbe bis ganze Stunde ans andere Ende unserer Bucht. Zurück geht es zu Fuß am Strand. Dann gibt es ein wunderbares Frühstück, frisches Weißbrot mit selbstgemachten Marmeladen, griechischem Käse und Ei er in verschiedenster Zubereitung. Besonders mag ich das Rührei mit frischen Tomaten und Paprika.

Der Vormittag vergeht schnell im Nichtstun. Die beiden kleinen halten uns auf Trab. Wir machen mit unserem Kajak kleinere Ausflüge dem Strand entlang und mit den Rädern mittlere und längere Toruren durch die Berge von Mani. Ab und zu geht es nach Gythio, wo das lokale Leben uns vereinnahmt. Und dies selten ohne Pause im Touristik – dem größten Café mit Blick auf dem Hafen.

Mittags gibt es Tomatensalat und Früchte. Ab und zu ergänzt von frischen Eierfrüchten gebraten mit viel Knoblauch und Olivenöl oder in der Pfanne geröstetem Knoblauchbrot und Abends haben wir soviel Tavernen zur Auswahl, dass es schwierig ist, sich zu entscheiden.

Von der Welt bin ich weit weg. Zwar lade ich mir regelmäßig die Süddeutsche aufs Handy und verfolge den Live-Ticker von Haching. Und pflege meine Chats. Aber das ist es auch schon. Insofern bin ich zurzeit eher ein wenig zurückgezogen und konzentriere mich auf mich selbst.

Auf der Überfahrt von Ancona nach Patra habe ich das kleine Büchlein „Dankbarkeit“ von Oliver Sacks gelesen. Ich habe es von Rolf geschenkt bekommen anläßlich meines Vortrages beim „Lions Club Opera“ in München. Rolf Hüttmann macht viele tolle Dinge und übt unter anderem die Präsidentschaft des Clubs aus. Das Jahr seiner Präsidentschaft hat er unter das Motto „Achtsamkeit“ gestellt und mich zu meinem Vortrag zur digitalen Transformation eingeladen.

Rolf kenne ich erst ein paar Wochen. Er ist ein sehr kluger und weiser Mensch, so durfte ich in den bisherigen wenigen Begegnungen mit ihm schon so viel lernen. Er hat mich erst mit dem Werk von Oliver Sacks bekannt gemacht und mir eine wunderbare Widmung geschrieben und mich darauf aufmerksam gemacht, dass wir soviel hinter uns haben, um Dankbarkeit zu empfinden und hoffentlich noch so viel vor uns haben, um dieses Gefühl steigern zu können.

Erst dank Rolf habe ich verstanden, wie groß das Mass meiner Dankbarkeit ist und wie sehr mich diese glücklich macht.

RMD

Blick vom Zelt nach Norden in Richtung Gythio.

Blick vom Zelt nach Norden in Richtung Gythio.

Roland Dürre
Freitag, der 8. Juli 2016

Kann man Komplexität reduzieren?!

Vor kurzem habe ich ein Wissensangebot von Thomas Kleiner in IF-AGORA integriert. Die Botschaft war

„Komplexität
sinnvoll reduzieren
ohne sie zu trivialisieren!“

Thomas bietet Managern Seminare an, mit denen er ihnen helfen möchte, in komplexer Welt besser zurecht zu kommen. Und ist eigentlich immer ausverkauft.

Dieses neue Angebot habe ich dann auch getwittert. Mit dem Kurztitel „Komplexität sinnvoll reduzieren!“ Sofort bekam ich negative Rückmeldungen wie „diese Aussage wäre komplett #fail“ oder „da bin ich aber gespannt, wie das funktionieren soll“.

Unser Kater Lenin, genannt Wladi.Sein Bruder Stalin, genannt Joschi, ist ausgezogen.

Unser Kater Lenin, genannt Wladi. Sein Bruder Stalin, genannt Joschi, ist ausgezogen. Ein nicht nur biologisch komplexes Lebewesen.
Owner:
Barbara Dürre (cat)
Maresa Dürre (photo)

Jetzt muss man wissen, dass die Unterscheidung zwischen „kompliziert“ und „komplex“ im Internet stark diskutiert wird. In Berlin gab es sogar mal ein PM-Camp zu diesen Begriffen im Umfeld von Projekt-Management.

Projekt-Manager haben da kräftig debattiert, wie man komplexe Projekte von komplizierten differenzieren und bewältigen könne.

Ich selbst ahne nur, dass in komplexer Welt die dominante Logik auch nicht weiter hilft. Aber wenn wundert es. Versagt sie doch oft schon in ganz einfachen Welten?

Ein von mir sehr geschätzter Protagonist des Themas „komplex versus kompliziert“ ist übrigens Niels Pflaeging. Bei ihm bin ich zwar nie sicher, ob seine Analyse richtig ist, aber seine Schlüsse sprechen mir voll aus dem Herzen.

Zurück zum Wissensangebot. Man muss wissen, dass Thomas Kleiner ein kluger Philosoph ist. Seine Magisterarbeit behandelt „Das Menschenbild im Werk von Rupert Lay“. Nicht nur deswegen hat er den „Konstruktivismus“ studiert und wie ich meine auch verstanden.

Die Theorie des „Konstruktivismus“ hat mich in meinem Weltbild bestärkt, dass die Bestimmung, ob ein System oder Projekt komplex oder kompliziert ist, ausschließlich in der kognitiven Erkenntnis des Beobachters liegt.

Ich meine auch, dass Kompliziertheit und Komplexheit mit wissenschaftlichen Methoden und Metriken nicht erfasst oder gemessen werden können. Das ist ein philosophisches Thema oder wie man früher gesagt hätte, eines der „Metaphysik“.

„Komplex“ ist für uns genauso schwierig zu verstehen wie „unendlich“. Komplex steht für etwas, das man nicht rational definieren kann. Ich kenne nur Metaphern, die Komplexität vermitteln sollen, aber keine einzige von mir als valide nachvollziehbare objektive Definition.

So finde ich die „sinnvolle Reduktion“ von „Komplexität“ durchaus „zielführend“ möglich, betrifft sie doch die subjektive  Wahrnehmung von scheinbarer Realität und den Umgang mit dieser. Und natürlich meine ich auch, dass man sich davor hüten sollte, Komplexität zu trivialisieren.

🙂 Nein, an Komplexität sollte man sich erfreuen und sie genießen!

Ich bringe ein Beispiel:
Da muss jetzt unser Hauskater herhalten. Offiziell heißt er übrigens Lenin, die (Rest-)Familie nennt ihn Wladi, weil sie Lenin als Namen nicht mögen. Sein Bruder Stalin (von der Familie Joschi genannt) ist leider ausgezogen. Er hat sich mit Lenin nicht mehr verstanden.

Kater „Wladi“ Lenin ist sicher ein höchst komplexes System, so wie alle Säugetiere. Die Komplexheit von Lenin reduziere ich, in dem ich den Kater einfach als Katze und Haustier betrachte. Dadurch kann ich einen großen Erfahrungsschatz der Menschheit aus dem Umgang mit Katzen nutzen, ohne dass ich das Tier deswegen trivialisiere. Ich kann ihn sogar mögen und sein Handeln nachvollziehen. Obwohl ich die Komplexheit einer Katze nie verstehen werde.

Angst machen wir alle die Menschen, die meinen, man (MENSCH) könnte alles wissen und alles machen – und die versuchen „komplexe“ Systeme schnell und mit harten Eingriffen zu verändern. Besonders groß wird meine Besorgnis dann, wenn es um die Umwelt (die Natur) oder unsere Gesundheit (auch die Natur) geht.

Ich habe das Schicksal einer Reihe von alten Menschen erlebt. Wie die Medizin ihre letzten Jahre zerstört hat, weil sie mit wissenschaftlicher Rationalität diese Menschen heilen wollte. Wie hilfreich wäre es da gewesen, wenn man durch Reduktion und Vereinfachung sich an die einfachen Regeln der Vernunft gehalten hätte.

Ähnliches erscheint mir unserem Planeten gerade zu widerfahren.

Viel zu viele Menschen glauben, man könnte die Welt in komplex und kompliziert einordnen und sie mit Rationalität zum Besseren verändern. Ich halte das für eine Art von „Omnipotenter Geisteskrankheit“ und habe die Sorge, das da sehr oft die „Rechnung ohne den Wirt gemacht wird“ – nur merken wir das oft erst viel später.

RMD

Roland Dürre
Montag, der 25. April 2016

Die Meister der Reformen.

Die Vorgeschichte zum Artikel:
Zurzeit habe ich lieben Besuch aus China. Gestern am Sonntag (24. April) will unser Besuch die Bundes-Talkshow mit „Anne Will“ sehen.

Was tut man nicht alles für seine Gäste. Also schauen wir gemeinsam „Anne Will“. Das Thema der Sendung ist die Politik der EU und das Verhältnis zu ihrem Partner Türkei, mit besonderer Aufmerksamkeit auf Erdoğan, den zwölften Präsident der türkischen Republik (den ich eher als Diktator wahrnehme). Die Gäste sind überwiegend die bekannten Gesichter … (zur Sendung).

Recep Tayyip Erdoğan 2015

Recep Tayyip Erdoğan 2015
ein großer Reformer?

Zuerst ist es langweilig wie immer. Dann wird Recep Tayyip Erdoğan von einem Teilnehmer als großer Reformer gelobt.

Mich irritiert, dass diese Aussage von den Gesprächspartnern nicht nur sofort bestätigt wird, sondern dies den Diktator in der Runde aufwertet und als Gegenargument die Frage kommt, warum er denn jetzt „seine eigenen (guten) Reformen“ alle wieder abschaffen würde?

Bevor man über und von Reformen quatscht, sollte man sich zuerst mal überlegen, was denn unter „Reformieren“ zu verstehen ist. Ich schaue zuerst mal die Begriffserklärung für Reform in Wikipedia nach.

Gleich als ersten Punkt in der Aufzählung finde ich, dass der Begriff Reform nichts anderes beschreibt als
„Die planvolle und gewaltlose Umgestaltung bestehender Verhältnisse“.

Das erscheint mir doch schon als eine halbwegs valide Definition. Und siehe da – sie ist völlig wertfrei. Nirgends steht hier, dass eine Reform etwas „Positives“ oder Gutes“ sein müsse.

Die Definition fragt auch nicht nach dem Zweck. So bleibt eine Reform eine Reform, auch wenn sie zum Beispiel der Einführung einer (guten oder schlechten) Diktatur oder einer (vielleicht genauso guten oder schlechten) Demokratie dient.

Den eigentlichen Artikel zu Reform in Wikipedia finde ich schwach. Er beschränkt sich auf Beispiele für Reformen in der Geschichte; Politische Reformen im Deutschland der Gegenwart und Kirchliche Reformen. Er suggeriert auch, dass eine Reform nur dann eine Reform ist, wenn es um eine Umgestaltung geht, die zu einer wesentlichen Veränderung führt. 

Das gängige und einzige Mittel zur Umsetzung von Reformen in Demokratien scheint die Gesetzgebung zu sein. Reformieren heißt, ein neues Gesetz zu machen. Woher kommt dann eigentlich der dauernde Ruf „nach neuen Reformen“? Da wir ja nicht die Kraft haben, Gesetze zu streichen, verkommt er zur Forderung nach mehr Gesetzen. Und genau die werden auf Landes-, Bundes- und EU-Ebene eh schon in inflationärer Art und Weise produziert!

Ein gutes Objekt für eine geschichtliche Betrachtung von Reformen und ihre Folgen ist für mich die Geschichte der deutschen Eisenbahn. Zuerst wurden die Länderbahnen zur Deutschen Reichsbahn (DR) zusammengefasst. Dadurch entstand eines der größten Unternehmen der Welt und der weltweit größte Arbeitgeber. Die Vorteile waren simpel, es war jetzt möglich „Einheitsbaureihen“ in großer Stückzahl zu bauen. Diese „Reform“ hat wohl auch zu einer sehr leistungsfähigen Organisation geführt. Angeblich fuhr die deutsche Reichsbahn sogar in den ersten Jahren des zweiten Weltkriegs pünktlicher als die DB AG und ihre Wettbewerber heute.

Nach dem zweiten Weltkrieg wurde die deutsche Bundesbahn (DB) in Westdeutschland die Nachfolgerin der DR. Zur Übernahme der Deutschen Reichsbahn der DDR kam dann die Privatisierung der Deutschen Bundesbahn und die Überführung in die DB AG inklusive einer Zerlegung in viele Eisenbahn-Betriebsgesellschaften und Erweiterung des Betriebes durch „private“ Konkurrenten.

Da kann man jetzt sicher trefflich über den Sinn und Zweck dieser Reformen diskutieren.

Aber zurück zur Talkshow von Anne Will.
Zuerst musste ich bei der Erwähnung der Reformen von Erdoğan an Adolf Hitler denken. War der doch nicht nur der größte Feldherr (GröFaZ) sondern auch der größte Reformer aller Zeiten (GröRaZ)? Sind doch viele Reformen und die daraus resultierende Gesetze, die überwiegend heute noch gelten, im dritten Reich angelegt worden (Arbeit, Mutterschutz, Verhältnis Kirche/Staat inklusive Kirchensteuer, Kulturgutschutz und vieles mehr).

Die türkische Geschichte, wie ich sie gelernt habe:
Als Kinder haben wir in der Schule und im Rahmen der BRD-Sozialisierung gelernt, dass die Türkei und die Türken den Deutschen sehr freundlich gesinnt seien. Militärisch wäre die Türkei immer ein guter Partner gewesen. Die aus dem Mittelalter stammende Angst vor den Türken wäre nicht mehr angebracht. Innenpolitisch wäre die Türkei sicher ein wenig kritisch zu bewerten, da die Trennung von Kirche und Staat naturgemäß in islamischen Staaten nicht so einfach wäre. Das säkulare Erbe von Atatürk (Mustafa Kemal Atatürk), dem Vater aller Türken, würde aber glücklicherweise von den Generälen des starken Militär beschützt, das so auch die Demokratie in der Türkei sicher stellen würde. Und natürlich hat man uns gelehrt, dass die türkischen Gastarbeiter ein wichtiges Moment für die deutsche Wirtschaft wären. Das war es dann schon, was man uns über den Nato-Staat und damals noch baldiges Mitglied der europäischen Gemeinschaft erzählt hat.

Naja, vielleicht hat Erdoğan ja da mit seinen Reformen durchaus etwas verändert.

RMD

Das Bild ist aus Wikipedia Kremlin.ru
Встреча Президента России Владимира Путина с Президентом Турции Реджепом Тайипом Эрдоганом в Баку

Roland Dürre
Donnerstag, der 21. April 2016

Briefkasten-Firmen, Korruption und was so dazu gehört … (Serie) #2

Heute: Bestechung & Schwarze Kassen

Wie ich noch in Anwender-Software gemacht habe, war immer Requirement Engineering angesagt. Immerhin hatte der Begriff den Vorteil, dass das Wort Management nicht drin vorkam. Modern würde man ja wahrscheinlich „Requirement Management“ sagen. Ich bevorzuge aber heute den eher agilen Ansatz eines Systementwurfs mit „user stories“ und „use cases“.

Ganz gleich ob so oder so, immer gibt es etwas Ähnliches wie Entity-Relationship-Modelle (ERM). Es werden Objekte oder besser Klassen von Objekten und eine qualifizierte Beziehung beschrieben, die zwischen diesen besteht.

Das für mich schönste Beispiel für ein ER-Modell ist die Liebe. Da gibt es die Liebende (entity E1, die Liebe (relationship L->) und die Geliebte (entity E2), also E1 L-> E2. Das ganze geht natürlich auch männlich.
🙂  Und wenn das Relationship symmetrisch wird (<-L->), dann sprechen wir von einem „Happy End„.

Sogar die sicher sehr schlauen Jesuiten als Vordenker der katholischen Kirche haben genau diese Metapher gewählt, um das unverständliche und oft angezweifelte Dogma der Dreifaltigkeit als menschenfreundliche Metapher abzutun. Sie haben einfach Gottvater als den Liebenden, den heiligen Geist als die Liebe und Jesus als den Geliebten definiert.

:-) Was waren das noch für Zeiten, wie man diesen Schein als Reserve versteckt in seinem Geldbeutel hatte.

🙂 Was waren das noch für Zeiten, als wir diesen tristen Schein sauber gefaltet und tief versteckt als eiserne Reserve in der Tiefe unseres Geldbeutel hatten.

Bestechung kann auch als Entity-Relationship-Modell definiert werden. Es gibt den Bestecher, die Bestechung und den Bestochenen. Schon vor ein paar Jahrzehnten haben wir im Seminar bei Rupert Lay – damals auch als der Nestor von Ethik in Wirtschaft und Gesellschaft bezeichnet – das Thema Bestechung heiß diskutiert und debattiert.

Die Erkenntnis im Kreis der Manager war damals, dass die Bestechung zumindest eines deutschen Beamten zweifelsfrei ein „Nogo“ wäre, weil sie definitiv vom Gesetzgeber verboten wäre. Eine Bestechung eines Einkäufers einer definitiv korrupten Gesellschaft – um zum Beispiel Arbeitsplätze zu erhalten – könne aber ethisch durchaus zu rechtfertigen sein. Weil es ja sonst ein anderer tun würde. Und das Finanzamt würde ja auch genau deshalb eine Erklärung wie „besondere Aufwendung“ ohne Empfängerangabe in einem vernünftigen Rahmen akzeptieren.

Soweit die Management-Denke der 80iger Jahre. Ich sah und sehe das ein wenig anders. Zum einen, weil diese Logik ja alles recht fertigen würde, auch den Einsatz von weiteren unredlichen Mitteln – wie zum Beispiel Gewalt – und zum anderen, weil auf diese Art und Weise das Rad der Korruption nur noch schneller gedreht werden würde.

Wie sieht Bestechung in der (erlebten) Praxis aus?

In der Regel basiert Bestechung auf einem System von schwarzen Kassen. Denn sie funktioniert nur, wenn Bestecher (E1) und Bestochener (E2) nicht bekannt werden. Also muss das Geld möglichst früh anonym aus dem Unternehmenskreislauf entnommen und ins Schattenreich des Schwarzgeldes gebracht werden.

Dort herrscht Regellosigkeit los, bzw. die Regeln werden von einzelnen Personen festgelegt. Die sind bekanntermaßen schwach und können leicht verführt werden. Besonders wenn sie als sozialem Rahmen ein korruptes System haben, dass es ja mit seinen schwarzen Kassen vormacht.

Menschen mögen sich selber am meisten. Und ihr Gerechtigkeitssinn protestiert, wenn so ein korrupter Mensch einer fremden Welt auch noch soviel Geld kriegen soll. Also zweigen sie – für mich gut nachvollziehbar – einen wesentlichen Betrag aus dem Bestechungsgeld an sich ab. Alles andere wäre ja mehr als dumm.

Ich gehe mal davon aus, dass (mehr als) die Hälfte der Bestechungssummen gar nicht bei den Bestochenen landet sondern bei den Bestechern hängen bleibt. Das macht Bestechung so problematisch. Denn plötzlich wird das ERM symmetrisch, der Bestecher will die Bestechung genauso wie der Bestochene, sie werden zu Komplizen und die Notlüge „man muss ja bestechen, weil es die Regel ist“ steht auf noch schwächeren Beinen.

Das an beide Seiten geflossene Geld muss natürlich irgendwo hin – und wieder wird uns klar, warum es so viele Scheinfirmen gibt. So schließt sich der Kreis zum ersten Artikel meiner kleinen Serie. In den nächsten beiden Artikeln beschreibe ich dann ganz konkret, wie ich bestochen werden sollte.

RMD

P.S.
Der Tausender ist aus Wikipedia.