Roland Dürre
Donnerstag, der 21. April 2016

Briefkasten-Firmen, Korruption und was so dazu gehört … (Serie) #2

Heute: Bestechung & Schwarze Kassen

Wie ich noch in Anwender-Software gemacht habe, war immer Requirement Engineering angesagt. Immerhin hatte der Begriff den Vorteil, dass das Wort Management nicht drin vorkam. Modern würde man ja wahrscheinlich „Requirement Management“ sagen. Ich bevorzuge aber heute den eher agilen Ansatz eines Systementwurfs mit „user stories“ und „use cases“.

Ganz gleich ob so oder so, immer gibt es etwas Ähnliches wie Entity-Relationship-Modelle (ERM). Es werden Objekte oder besser Klassen von Objekten und eine qualifizierte Beziehung beschrieben, die zwischen diesen besteht.

Das für mich schönste Beispiel für ein ER-Modell ist die Liebe. Da gibt es die Liebende (entity E1, die Liebe (relationship L->) und die Geliebte (entity E2), also E1 L-> E2. Das ganze geht natürlich auch männlich.
🙂  Und wenn das Relationship symmetrisch wird (<-L->), dann sprechen wir von einem „Happy End„.

Sogar die sicher sehr schlauen Jesuiten als Vordenker der katholischen Kirche haben genau diese Metapher gewählt, um das unverständliche und oft angezweifelte Dogma der Dreifaltigkeit als menschenfreundliche Metapher abzutun. Sie haben einfach Gottvater als den Liebenden, den heiligen Geist als die Liebe und Jesus als den Geliebten definiert.

:-) Was waren das noch für Zeiten, wie man diesen Schein als Reserve versteckt in seinem Geldbeutel hatte.

🙂 Was waren das noch für Zeiten, als wir diesen tristen Schein sauber gefaltet und tief versteckt als eiserne Reserve in der Tiefe unseres Geldbeutel hatten.

Bestechung kann auch als Entity-Relationship-Modell definiert werden. Es gibt den Bestecher, die Bestechung und den Bestochenen. Schon vor ein paar Jahrzehnten haben wir im Seminar bei Rupert Lay – damals auch als der Nestor von Ethik in Wirtschaft und Gesellschaft bezeichnet – das Thema Bestechung heiß diskutiert und debattiert.

Die Erkenntnis im Kreis der Manager war damals, dass die Bestechung zumindest eines deutschen Beamten zweifelsfrei ein „Nogo“ wäre, weil sie definitiv vom Gesetzgeber verboten wäre. Eine Bestechung eines Einkäufers einer definitiv korrupten Gesellschaft – um zum Beispiel Arbeitsplätze zu erhalten – könne aber ethisch durchaus zu rechtfertigen sein. Weil es ja sonst ein anderer tun würde. Und das Finanzamt würde ja auch genau deshalb eine Erklärung wie „besondere Aufwendung“ ohne Empfängerangabe in einem vernünftigen Rahmen akzeptieren.

Soweit die Management-Denke der 80iger Jahre. Ich sah und sehe das ein wenig anders. Zum einen, weil diese Logik ja alles recht fertigen würde, auch den Einsatz von weiteren unredlichen Mitteln – wie zum Beispiel Gewalt – und zum anderen, weil auf diese Art und Weise das Rad der Korruption nur noch schneller gedreht werden würde.

Wie sieht Bestechung in der (erlebten) Praxis aus?

In der Regel basiert Bestechung auf einem System von schwarzen Kassen. Denn sie funktioniert nur, wenn Bestecher (E1) und Bestochener (E2) nicht bekannt werden. Also muss das Geld möglichst früh anonym aus dem Unternehmenskreislauf entnommen und ins Schattenreich des Schwarzgeldes gebracht werden.

Dort herrscht Regellosigkeit los, bzw. die Regeln werden von einzelnen Personen festgelegt. Die sind bekanntermaßen schwach und können leicht verführt werden. Besonders wenn sie als sozialem Rahmen ein korruptes System haben, dass es ja mit seinen schwarzen Kassen vormacht.

Menschen mögen sich selber am meisten. Und ihr Gerechtigkeitssinn protestiert, wenn so ein korrupter Mensch einer fremden Welt auch noch soviel Geld kriegen soll. Also zweigen sie – für mich gut nachvollziehbar – einen wesentlichen Betrag aus dem Bestechungsgeld an sich ab. Alles andere wäre ja mehr als dumm.

Ich gehe mal davon aus, dass (mehr als) die Hälfte der Bestechungssummen gar nicht bei den Bestochenen landet sondern bei den Bestechern hängen bleibt. Das macht Bestechung so problematisch. Denn plötzlich wird das ERM symmetrisch, der Bestecher will die Bestechung genauso wie der Bestochene, sie werden zu Komplizen und die Notlüge „man muss ja bestechen, weil es die Regel ist“ steht auf noch schwächeren Beinen.

Das an beide Seiten geflossene Geld muss natürlich irgendwo hin – und wieder wird uns klar, warum es so viele Scheinfirmen gibt. So schließt sich der Kreis zum ersten Artikel meiner kleinen Serie. In den nächsten beiden Artikeln beschreibe ich dann ganz konkret, wie ich bestochen werden sollte.

RMD

P.S.
Der Tausender ist aus Wikipedia.

Gibt es den Ursuppen-Ungarn?

Antwort von einem Ungarn, der das glaubt:
Klar, uns gibt’s schon immer.

Ungarn sind aber erst um 900 auf das Gebiet des heutigen Ungarn eingewandert.

Quatsch, wir waren immer schon da!

Erst um 1900 ist der Anteil der Ungarn durch Zwangs-Magyarisierung von 45% auf 55% gestiegen.

Lügenblog.

Hab‘ ich aus Wikipedia.

Lügenwikipedia.

Seriöse Zeitungen schreiben das auch.

Lügenpresse.

Die wissenschaftliche Belege sind gut gesichert.

Lügenwissenschaft.

Dasselbe Gespräch könnte auch mit einem Kaczynski-Polen, einem Le-Pen-Franzosen oder einem Pegida-Deutschen so ablaufen.

Der rechte Glaube geht von einer blutreinen Volksgemeinschaft aus und nicht von einer modernen Willensgesellschaft.

Im Gegensatz zu Gott und Gottesteilchen (siehe meinen Post: Neues von Gott und dem großen Bumser), die sich weder beweisen noch verwerfen lassen und dadurch zu den unlösbaren letzten Wahrheiten zählen, geht es bei den  Fragen zur nationalen Reinheit um vorletzte Wahrheiten, die sich dadurch auszeichnen, dass sie sich belegen oder widerlegen lassen.

Sind also Infostände in Ungarn, Polen oder Dresden die Lösung?

Wohl eher nicht.

Oder wie es der geniale Philosoph Dieter Bohlen ausdrückt:

„Das Problem ist: Mach einem Bekloppten klar, dass er bekloppt ist.“

SIX

Roland Dürre
Freitag, der 18. September 2015

„Komplexität L(i)eben“ – Session auf #PMCampBER

Hier der Bericht von der gemeinsamen Session von Maik (Maik Pfingsten) und mir am Samstag, dem zweiten Tag und quasi zum Ende des PM-Camp Berlin #PPMCampBER 2015 (11. – 12. September an der Humboldt-Universität).

Unser Anliegen war, ein paar Gedanken zu berichten und diskutieren, wie man auch in einer komplexen Umgebung ein zufriedenes und erfolgreiches Leben privat wie beruflich (geschäftlich) erreicht.

Dazu haben wir einige Thesen entwickelt:

Wahrheit

Nach unserer Bewertung gibt es keine absolute Wahrheit. Sicher gibt es Gedanken, die eher „richtig“ oder „falsch“ sind. Richtig und falsch hier aber nicht als harte Begriffe verwendet sondern als Metapher für „zielführend“, „nützlich“ und ähnliches. Ansonsten diskutieren wir aber meistens nur über unsere Gewissheiten und schlagen uns für diese gerne die Köpfe ein.

Wir vergessen dabei, dass vieles, an das wir glauben, und manches mehr nur ein Konstrukt unseres Gehirns ist. Und nicht vergessen: Wenn es keine Wahrheit gibt, dann kann auch der kluge Satz, dass es keine Wahrheit gibt auch nicht stimmen. Vielleicht gibt es sie ja – irgendwo, wo wir nicht hinschauen können.

Kompliziert versus komplex

Früher habe ich geglaubt, dass das, was sehr schwierig aber noch determiniert ist, kompliziert ist. Und dass das Komplexe da beginnt wo die „Determiniertheit“ aufhört. Wenn der Ausgang nicht vorhersagbar oder durch einen Algorithmus beschreibbar ist, habe ich von Komplexität gesprochen. Andere haben fürs „Komplizierte“ die Metapher des „Toten“ und fürs „Komplexe“ die des „Lebendigen“ gewählt. So ist denkbar, dass die anorganische Chemie immer nur kompliziert ist, die anorganische aber durch aus komplex werden kann.

Maik hat – aus der Sicht des System-Ingenieurs – eine schöne Beschreibung von „komplex geliefert“. Er malt eine Achsenkreuz. Die  X-Achse beschreibt das Maß der Kompliziertheit, die Y-Achse das Maß der Veränderung und Dynamik. Und in dem Maße wie Kompliziertheit und Dynamik ansteigen, wird das System von kompliziert immer komplexer.

Mit dieser pragmatischen Definition kann ich gut leben. Auch hier liegt die Entscheidung ob komplex oder kompliziert in der Verantwortung des Beobachters. Dazu gab es auf #MCampBER übrigens eine sehr schöne Session von Nico Banz – gleich vor uns und im selben Raum. Mit dieser pragmatischen Definition kann ich gut leben. Auch hier liegt die Entscheidung ob komplex oder kompliziert in der Verantwortung des Beobachters. Ein Freund von mir – Nico Banz – hat mal an einem Beispiel belegt, dass die Bewertung ob komplex oder kompliziert auch in der Physik sehr subjektiv sein kann..

Mittlerweile meine ich, dass die akademische Diskussion über komplex und und kompliziert keinen großen Nutzen bringt. Vielmehr geht es um richtige Entscheidungen und zielführende Projekte.

Entscheidung

Die Definition des Begriffes „Entscheidung“ basiert auf zwei Voraussetzungen: Sie muss unter Unsicherheit erfolgen und relevante Folgen haben. Sonst ist es keine Entscheidung.

Spannend im Kontext von Entscheidungen ist auch, dass die Gehirnforschung immer mehr belegt, dass Entscheidungen nur scheinbar von der Ratio (Großhirnrinde) sondern in Wirklichkeit vom Unterbewusstsein und dann eben unbewusst getroffen werden.

🙂 In St. Gallen an der Hochschule wurde übrigens erforscht, dass die große Mehrheit von Management Entscheidungen falsch ist.

Wobei die Unterscheidung zwischen „richtig und falsch“ gar nicht so einfach ist. Es wird noch schwieriger: Wenn man ein Unternehmen oder ein Projekt in der Retrospektive betrachtet, stellt man oft fest, dass die Retrospektive oft zum „Story Telling“ wird. Die gefundenen Stories können zweifelsfrei nützlich sein, allerdings ist bei exakter Forschung (Studium der Protokolle etc.) es gar nicht so einfach, „à posterio“ zu bewerten, welche Entscheidung was bewirkt hat.

Ich wollte immer ein „guter“ Manager und Unternehmer sein. Und richtige Entscheidungen fällen. Und frage mich heute, wie es möglich ist, als Manager „à priori“ richtig zu entscheiden, wenn objektiv sogar im nach hinein nicht definitiv bewertet werden kann, wie die Kausalität war.

Projekte

Hier meine ich, dass es für uns nicht förderlich ist, wenn wir zwischen geschäftlich und privat unterschieden. Die Führung eines Lebens macht mehr Freude, wenn sie ganzheitlich erfolgt. Das heißt, ich muss im Privatleben genauso Handeln wie ich es im Geschäft oder in der Arbeit machen würde. Da gibt es keinen Unterschied.

Gerne stelle ich Dritten die Frage, was sie für mein wichtigstes Projekt halten. Die Antwort überrascht sie oft – aber für mich ist es klar – es ist mein Leben.

Mein Leben ist zweifelsfrei ein Projekt. Es hat einen Anfang und ein Ende. Ich verfüge über ein mehrdimensionales Budget – bestehend aus Zeit, Talent, Wissen, Erfahrung und manchem mehr. Das Ziel meines Lebens ist mein Lebensweg. Ein Teil davon ist mein Tod. Ich möchte gerne versöhnt sterben.

Mein Leben besteht aus vielen Projekten. Manche sind überwiegend privat, andere überwiegend geschäftlich. Es geht also um das richtige Handeln.

Richtiges Handeln

Das ist die wesentliche Frage: Wie soll ich in der Lage sein, richtig zu handeln? Weiß ich doch, dass es keine Wahrheit gibt. Weiß ich doch, das Zukunft nicht vorhersagbar ist. Weiß ich doch, dass ich mich die Konstrukte meines Unterbewusstseins lebe und die Fähigkeit, meiner Vernunft und Rationalität folgend zu Handeln eine Chimäre ist!

Ich meine, es hilft nur handlungsleitende Werte zu finden und diese zu Leben.

Empfehlungen

Ich glaube nicht mehr an Best Practice, Methoden und komplexe Werkzeuge. Ich mag keine Ratschläge (Ratschläge sind auch Schläge). Ich glaube nur noch an Einfachheit und Reduktion auf das Wesentliche. Und ich glaube ans Handwerk, Üben. Auf dem Wege zur Meisterschaft benötige ich Unterstützung von Meister.  So haben mir Mentoren und weise Menschen interaktiv wie als Vorbild in meinem Leben sehr geholfen.

In unserer Session in Berlin habe ich so kurz die Ratschläge von Hans Ulrich und John Izzo berichtet.

Hans Ulrich ist schon seit ein paar Jahren verstorben. Er war der Vater des St. Gallener Management Modells und hat 1982 einen wunderbaren und kurzen Aufsatz geschrieben zum Wandel im Management. Diesen Aufsatz habe ich  am 8. Dezember 2011 im Zug bei der Anreise als Vorbereitung für einen Workshop in St. Gallen gelesen und ich war richtig elektrisiert. Und habe bedauert ihn nicht früher gelesen zu haben.

Hans Ulrich

Hier stichwortartig die „8 Thesen zum Wandel im Management“ von Hans Ulrich mit ebensolchen Anmerkungen:

  1. Ungewissheit und Unvorsehbarkeit der Zukunft als Normalzustand akzeptieren!
    Zukunft ist halt nicht vorsehbar …
  2. Die Grenzen des Denkens weiter stecken!
    Gegen „Das geht doch nicht“ oder “Das haben wir immer schon so gemacht” sein. Die Freiheit der Gedanken nicht unterdrücken. Wissen teilen.
  3. Sich in den Kategorien “Sowohl-Als-auch” an Stelle von “Entweder-Oder” bewegen!
    Schwarz-weiß ist out, Bunt ist in.
  4. Mehrdimensional denken!
    Sittlich verantwortete Güterabwägung, Menschen können eigentlich immer nur drei Gedanken parallel behandeln.
  5. Selbstorganisation und Selbstlenkung als Gestaltungsmodell für die Unternehmung verwenden!
    Verantwortung, Subsidiarität
  6. Managen als Sinn gebende und Sinn vermittelnde Funktion auffassen!
    Neues Managementbild.
  7. Sich auf das Wesentliche konzentrieren!
    Arbeitsökonomie.
  8. Gruppendynamik ausnutzen!
    Kulturen, Symbole, Riten, Rituale …

Diese Thesen hat Hans Ulrich natürlich in erster Linie für das moderne Management formuliert. Sie sind aber für das private Leben genauso nützlich. Müssen sie ja auch – wir wollen ja nicht mehr zwischen Arbeit / Geschäft und privat unterscheiden.

Mehr zum Thema Führung und Hans Ulrich gibt es in IF-Blog gibt es zum Wandel im Management und einen weiteren Sessionbericht wie natürlich auch in meinem „Unternehmertagebuch

John Izzo

Der zweite kluge Ratgeber, den ich erwähnt habe, ist John Izzo. Er hat die gemeinsamen Werte von SeniorInnen erforscht, die von der Allgemeinheit als erfolgreich, glücklich und weise wahrgenommen werden. Und bei solchen Menschen etwas Gemeinsames entdeckt, das er „die fünf Geheimnisse“ genannt hat. Es sind Geheimnisse, die man vor seinem Tode kennen lernen sollte.

1. Geheimnis
Sei Dir treu!
Hier geht es um das „Destina“, einen Begriff der aus Südamerika kommt. Dies jedoch nicht im Sinne von Schicksal oder gar Kismet sondern als persönliche Bestimmung und Berufung im Leben.

2. Geheimnis
Lebe so, dass Du später nichts zu bereuen hast!
Probiere auch mal etwas aus! Habe Mut, etwas zu machen, was auf dem ersten Blick als sehr ungewöhnlich erscheint. Diese kann auch eine konkrete Entscheidungshilfe sein.

3. Geheimnis
Lassen die Liebe in Dir lebendig werden!
Zuerst musst Du lernen, dich selbst zu lieben! Denn nur wer sich selber liebt, kann andere lieben. Nimm die Feindseligkeit aus deinem Leben. Mache die Menschenfreundlichkeit zu Deinem Lebensprinzip und die Menschen um Dich größer und nicht kleiner.

4. Geheimnis.
Lebe den Augenblick!
G
enieße und denke nicht zu viel. Streich das „ja aber“ aus Deinem Wortschatz und ersetze es durch  „ja und“. Kapituliere nicht von dem „Man tut das nicht!“.

5. Geheimnis
Gib mehr als Du nimmst!
Man gibt und bekommt viel mehr zurück. Schenke Vertrauen. Öffne Dich und gib etwas von Dir Preis.

Das Buch von John Izzo habe ich in einem eigenen Artikel in IF-Blog ausführlich besprochen. Ich meine, dass es lohnt, es zu lesen und diese Lebensempfehlungen für sich zu prüfen und vielleicht zu übernehmen.

🙂 Wem dies noch nicht genügt, der sollte sich (wieder) mal das Agile Manifest durchlesen. Da steht alles drin. Und sich Schritt für Schritt zum ALO-Mann entwickeln (siehe meinen Artikel Führung-Werte-Prinzipien) und dann agil, lean und open handeln und leben. Und beim „lean“ vielleicht noch daran denken, wie wichtig im Kanban die „Warum-Frage“ ist.

Dann kommst Du noch besser durch die Welt, ganz gleich ob diese kompliziert oder komplex ist, und ganz gleich ob privat oder geschäftlich.

Aber der wichtigste Gedanke: Nehmt Euch selbst nicht ganz so ernst und seht auch den Rest mehr spielerisch.

RMD

Roland Dürre
Donnerstag, der 17. September 2015

Moral und Unmoral

Ein paar Gedanken, die vielleicht die Essenz meines philosophischen Lernens darstellen:

Annahmen:

I.
Die aktuell gültigen Paradigmen der Gehirnforschung scheinen darauf hinzuweisen, dass das menschliche Gehirn „Gutes Handeln“ belohnt. Das „Schlechte Gewissen“, das sich oft nach einer „Bösen Tat“ bildet und uns dann plagt und quält, wird dagegen nicht originär vom Gehirn verursacht sondern wird uns durch Sozialisierung „antrainiert“.

II.
Ein „Moralischer Mensch“ denkt in der Kategorie von „Gut und Böse“. Ein „Unmoralischer“ (= Freier Mensch) denkt in der Kategorie von „Richtig und Falsch“. Er weiß, dass es keine Wahrheit gibt und die Angst wie vieles mehr eine Kopfgeburt ist. Wird er nach dem Gegenteil von „Gut“ befragt, wird er den Begriff  „Schlecht“ aber nicht „Böse“ nennen.

III.
Das Unterbewusstsein dominiert das Bewusstsein (die Ratio oder Vernunft). Es hat die Macht und die Geschwindigkeit und bestimmt unsere Entscheidungen wie unser Leben. Die vielleicht Jahrtausend alte Annahme, dass dies durch unsere Vernunft (unser Bewusstsein) geschieht, ist falsch.

IV.
Es gibt also keinen expliziten freien Willen. Unsere Vernunft macht uns da etwas vor, das nicht valide ist. Wenn es die Freiheit des Menschen gibt, dann findet diese im Unterbewusstsein statt. So folgt das Bewusstsein dominant dem Unterbewusst.

V.
Wir müssen uns lösen von der Vorstellung, dass wir „Böses Tun“ im Bewusstsein frei entscheiden können. So kann eine Bestrafung nicht aufgrund „Unmoralischem Tun“ legitimiert werden; Bestrafung aufgrund von „Schuldhaftigkeit“ ist Unsinn. Es könnte sein, dass dieser Erkenntnis folgend in Zukunft die Bestrafung legitimiert wird, um „Schädliches Tun“ am „WIR“ zu vermeiden.

Ende meines „Philosophischen Diskurs“.

Vier ergänzende und von einander unabhängige Gedanken dazu:

Meine Utopie ist eine eine prinzipiell straffreie Gesellschaft – die natürlich das Recht hat, sich gegen schädliches Tun zu wehren.

Weiter zeigt mir die Wunderwelt der Tiere, ganz gleich ob Säugetiere (und natürlich auch der Menschen), Insekten, Fische …  die enorme Leistungsfähigkeit des Unterbewusstseins.

Der Teil des Gehirns, der die Ratio, unsere Vernunft und unser „Denken“ realisiert, müsste sich noch ganz schön weiterentwickeln, um es mit dem Unterbewusstsein aufzunehmen.

Wer will aber wissen, ob dies passieren wird und wie die Evolution den Menschen noch verändern wird? Ober ob die Gattung Mensch nicht eh bald aussterben wird.

RMD

Roland Dürre
Montag, der 7. September 2015

Die zweite Aufklärung – Ein neues Buch von Rupert Lay!

Mein Mentor Rupert Lay hat im hohen Alter ein neues Buch geschrieben, erschienen als gebundene Ausgabe am 29. Juli 2015 bei Monsenstein und Vannerdat. Es heißt:

Die Zweite Aufklärung:
Eine Einführung in den Konstruktivismus

Ich habe es noch nicht gelesen, schreibe aber hier darüber, weil ich weiß, dass viele Freunde von Rupert den IF-Blog lesen. Und diese schöne Neuigkeit möchte ich Euch nicht vorenthalten.

Rupert Lay hat am 7. September für den Ronneburger Kreis und dessen Freunde in einem langen Vortrag sein Lebenswerk zusammengefasst. In diesem Vortrag hat er einen Teil der Gedanken berichtet, die jetzt in diesem Buch enthalten sind.

Hier ein paar Infos aus dem Klappentext bzw. der Buchbeschreibung in Amazon:

Die Erste Aufklärung (1650 bis 1800) prägte das Denken und Handeln Europas und Nordamerikas. Sie überwand die politischen, ökonomischen und religiösen Selbstverständlichkeiten. Sie schuf jedoch unbemerkt neue, die dem Anspruch der Aufklärung auf humane Gesellschaftsstrukturen keineswegs gerecht wurden. Philosophie sichert die Berechtigung ihres Anspruchs, indem sie damals wie heute Selbstverständlichkeiten kritisch befragt und so eine Zweite Aufklärung in Gang setzt.

Da aus unserem Wissen unser Wollen und aus unserem Wollen unser Handeln erfolgt, muss der Ursprung unseres Wissens erkundet und damit die Legitimation unseres Handelns geprüft werden. Dieses Buch bedenkt die Gründe, warum die Erste Aufklärung niemals zur entsprechenden Praxis fand. Es führt zur neuen Weite einer Zweiten Aufklärung, welche die Voraus-setzungen für eine bessere Verständigung zwischen Menschen schaffen mag. Das Anliegen der Toleranz will eine neue Basis finden und so endlich zu einer humanen Praxis der Aufklärung kommen.

RMD

Roland Dürre
Freitag, der 21. August 2015

Urlaubsgedanken

Abendessen in GythioAm vierten Tag in Porto Ageranos südlich von Gythio bin ich so richtig im Urlaub angekommen.

In einem paradiesischem Teil unserer Welt: Eine schöne große Bucht mit warmen Wasser, immer Sonne und Wind, kühles Wasser und bestes Essen.

In einer Gegend, in der die Tomaten noch nach Tomaten schmecken und das Fleisch so ist, wie ich es aus meiner Kindheit kenne.

In den warmen Nächten höre ich das natürliche Rauschen des Meeres und das Rascheln des Windes in den Bäumen. Der Sternenhimmel leuchtet in großer Intensität am Himmel. Der Mond ist zunehmend und kündigt an, dass er bald die sanfte Nacht beherrschen wird.

Ein paar Kinder mit ihren Partnern und unsere erste Enkelin sind dabei. Der zweite Enkel ist in Peking schade, dass er nicht dabei sein kann. Es ist schön zu sehen, wie sich die – aus meiner Sicht – dritte Generation entwickelt. Ich werde an die Zeit erinnert, wie meine eigenen Kinder klein waren. Was habe ich doch in meinem Leben alles an Schönem erlebt.

ZeltplatzBlickMeerAuch die „aktive Mobilität“ klappt nach den „Anlauf-Schwierigkeiten“ der ersten Tage. Am frühen Morgen durchschwimme ich die milde Bucht, es geht ganz wie von selber. Die Radtouren in die Berge des Peloponnes sind im Tag integriert wie die Bootsfahrten in die Nachbar-Buchten. Bewegung und unterwegs sein ist wieder normaler Teil des Tagesablaufs, so wie der Spaziergang entlang am Strand zurück vom Schwimmen.

Ich denke an die Heimat, an meine Start-ups und Menteés und an die Kollegen der InterFace. An die PM-Camps und an AktMobCmp. An IF Blog. Habe ich doch genau auf diesem Zeltplatz vor Jahren mein Unternehmertagebuch gestartet. Auf das bin ich schon ein wenig stolz. Bis jetzt sind es mehr als 100 Einträge geworden und ich führe es immer noch ein wenig weiter.

Gerne würde ich wieder mehr für IF-Blog schreiben. Doch die Zeit ist knapp. Bisher habe ich meine Gedanken oft auf Vorrat notiert, die Artikel vorbereitet und dann – wenn die Zeit gepasst hat wie zum Beispiel bei einer Zugfahrt – sie vervollständigt und veröffentlicht.

Ein paar Artikel habe ich noch auf Vorrat und werde sie zeitnah fertigmachen und veröffentlichen. Aber es gibt andere Themen, über die ich gerne schreiben möchte. Weil ich auch die letzten Jahre so viel dazu gelernt habe, nicht zu letzt mit Freunden wie auch im „philosophischen Kolleg“ mit Klaus-Jürgen Grün.

Zum Beispiel meine ich langsam zu verstehen, was Geld denn eigentlich sein könnte. Oder – was mit Geld sicher irgend wie zusammen gehört – was denn Eigentum für eine Bedeutung hat. Oder wie man ein „gutes“ Leben führen könnte. Gut im mehrdimensionalen Sinne. Auch das hat mit Eigentum und Geld zu tun. Vielleicht? Oder auch nicht?

Das Problem ist nur, dass solche Artikel zu schreiben für mich sehr aufwändig ist
.
Zuviel Gedanken und Ideen habe ich im Kopf, zuviel Information und Wissen ist zusammen zu bringen. Schwer sind die Formulierungen, und Recherchieren gehört auch dazu. Ich schätze meinen Aufwand für einen Artikel wie „Was ist das eigentlich, Eigentum“ auf locker eine Woche. Wenn es reicht. Und Zeit ist mein wertvollstes Gut.

Und mir scheint, dass ich sogar hier im Urlaub die Zeit dazu nicht finden werde. Aber probieren werde ich es trotzdem.

RMD

Klaus Hnilica
Donnerstag, der 6. August 2015

Rache gibt Kraft!

img201 (2)-adjust-contrast-cut-swirlAls ich unlängst in dem Kurzessay ‚Nur Verzeihen befreit’ dargestellt habe, warum wir nach Möglichkeit immer verzeihen sollten, wenn wir innerlich oder äußerlich verletzt wurden – ja es um unser selbst Willen sogar erlernen und üben sollten – war mir schon klar, dass von dem Gegenpol des ‚Verzeihens’, nämlich der ‚Rache’ eine ungeheure Anziehung ausgehen muss, wenn er eine derartige Wirkkraft in der menschlichen Gesellschaft entfalten kann.

Die griffige Formulierung für diese Faszination fehlte mir allerdings!

Umso erstaunter war ich, als ich vor wenigen Tagen genau die gesuchte Formulierung fand. Und zwar in Siri Hustvedts jüngstem Roman „Die gleißende Welt“.

Siri Hustvedt legt sie ihrer Protagonistin Harry in den Mund; sie lässt sie sagen:

Rachegedanken entstehen immer aus quälender Hilflosigkeit. Aus „ich leide“ wird „du sollst leiden“! Und machen wir uns nichts vor: Rache gibt Kraft! Sie fokussiert uns und feuert uns an, und sie unterdrückt das Leid, weil sie die Emotion nach außen kehrt. Im Leid geraten wir aus den Fugen. In der Rache verdichten wir uns zu einer einzigen, auf ein Ziel gerichteten spitzen Waffe. Wie destruktiv sie letzten Endes auch sein mag, eine Zeit lang dient sie einem nützlichen Zweck!

Ich meine, dass Siri Hustvedt mit dieser Aussage genau das Verlockende an der Rache trifft, das uns wie ein Sog zu ihr hinzieht. Aber natürlich erkennt sie auch, wie zerstörerisch Rache letztendlich immer ist. Und leider bestätigen die aktuellen Ereignisse in der arabischen Welt ja jeden Tag aufs Neue, dass Kulturen, die auf Rache und Vergeltung basieren, niemals zur Ruhe kommen werden…

KH

Roland Dürre
Montag, der 13. Juli 2015

Erfahrungen, die ich einem jeden Menschen wünsche!

Die 5 Geheimnisse des John Izzo

izzo5GeheimnisseDemnächst werde ich über die Arbeit von Dr. Marius Poersch und seinen Freunden berichtet.

Marius hat mich im Rahmen seiner Untersuchungen interviewt und mir dann als Dankeschön das Buch „Die fünf Geheimnisse, die Sie entdecken sollten, bevor Sie sterben“ von John Izzo geschenkt.

Dieses Buch möchte ich heute zur Lektüre empfehlen.

Um Appetit aufs Lesen zu machen, beschreibe ich die fünf Geheimnisse aus diesem Buch und kommentiere sie ganz kurz und persönlich. So wie ich diese verstanden aber auch selbst in meinem Leben als kleines Erfolgsgeheimnis erfahren habe.

Und keine Angst, ich verrate nicht zuviel. Die Lektüre des Buchs bleibt trotzdem spannend.

1. Geheimnis

Seien Sie sich treu!

Da verstehe ich natürlich darunter, authentisch zu bleiben und im Handeln meinem Stern zu folgen. Den ich sicher zuerst mal finden und dann immer neu bestimmen muss. Der Autor denkt aber weiter. Ihm geht es um das „Destina“, einem Begriff der aus Südamerika kommt und das Schicksal eines jeden Menschen beschreibt. Schicksal jedoch nicht im Sinne von Kismet oder von außen vorbestimmtem Lebensweg ohne Entkommen sondern von frei zu findender Bestimmung und Berufung.

2. Geheimnis

Leben Sie so, dass Sie später nichts zu bereuen haben!

Für mich ist das ein großer Appell auch mal etwas Neues auszuprobieren. Immer mal wieder den Mut aufzubringen, etwas zu machen, was auf dem ersten Blick als sehr ungewöhnlich erscheint. Diese Empfehlung könnte aber auch konkrete Entscheidungshlfe sein. Wenn ich im Zweifel bin, ob ich „den linken oder den rechten Weg“ nehmen soll, könnte ich mich fragen, welches Nichtgehen ich am ehesten später bereuen würde.

3. Geheimnis

Lassen Sie die Liebe in sich lebendig werden!

Das heißt aus meiner Sicht zuerst mal sich selbst zu lieben! Denn nur wer sich selber liebt, kann andere lieben. Zur Liebe gehört aber auch genauso mit Mut und in Freude zu leben, privat wie „in der Arbeit“. Und vor allem möglichst nie aus Feindseligkeit heraus zu handeln sondern wenn irgendwie möglich die Menschenfreundlichkeit als Lebensprinzip zu wählen. Die Dingen des Lebens also positiv anzunehmen und in allen Interaktionen mit anderen Menschen die Partner größer und nicht kleiner zu machen.

4. Geheimnis

Leben Sie im Augenblick!

Genießen und nicht immer zu viel an alles Mögliche denken. Das „ja aber“ aus seinem Wortschatz zu streichen und durch das  „ja und“ zu ersetzen. Nicht immer gleich Bedenken zu haben, warum das doch nicht gehen könne und nicht immer sofort alle Probleme dieser Welt zu sehen. Und vor allem nicht vor dem moralischen „Man tut das nicht!“ zu kapitulieren.

5. Geheimnis

Geben Sie mehr als Sie nehmen!

Ich meine, dass man wahrscheinlich nur geben muss, Und dann fast automatisch viel mehr zurück bekommt, als man gegeben hat. Das beginnt mit dem Vertrauen. Ich treffe einen fremden Menschen. Um Vertrauen herzustellen ist es hilfreich, wenn ich mich öffne und etwas von mir Preis gebe. Und in der Regel wird der andere sich auch öffnen und so entsteht Vertrauen, sicher ein wertvolles Attribut einer jeden Beziehung.

Mir gefallen diese fünf Geheimnisse.

Habe ich Euch jetzt ein wenig Appetit auf die Lektüre gemacht?

RMD

Klaus Hnilica
Freitag, der 3. Juli 2015

Nur Verzeihen befreit

Natürlich saldiert in uns der ‚moralische Buchhalter’ das Böse und Gute!

Klaus Grün hat ihn unlängst im ‚IF-Blog’ sehr anschaulich aus der Anonymität geholt und uns nahe gebracht! Und sicher stimmt jeder zu, dass es ihn gibt.

img198 Denn wir alle leiden seit den frühesten Kindheitstagen an ihm: können keine Kränkung, keine Verletzung und Demütigung (siehe Foto) vergessen, die er unablässig in unseren Gehirnen als Schuld unter ‚Soll’ verbucht.

Auf der ‚Haben’–Seite suchen wir bei dieser Art doppelter Buchführung den Ausgleich: wir notieren da – bewusst oder unbewusst – akribisch auch die angenehmen Dinge, die uns widerfahren: Anerkennung von anderen, spontane Freundlichkeiten uns gegenüber und auch die Freude, wenn wir helfen konnten, etc…

Aber wir registrieren auf der ‚Haben’–Seite auch das ‚klammheimliche Vergnügen’, wenn wir uns erfolgreich rächen konnten für die eine oder andere Schändlichkeit, der wir ausgesetzt waren. Wenn wir außerdem unsere Objekte der Rache noch leiden sehen, steigert das zusätzlich unser Vergnügen…

Spätestens hier, aber eigentlich schon früher, wenn wir unseren Racheplan aushecken, beginnt das persönliche Verhängnis: plötzlich beschäftigen wir uns nämlich in fataler Weise ausgerechnet mit der Person, die uns seelisch oder körperlich (siehe Foto) verletzt hat und die wir hassen und verabscheuen!

Der Gedanke nach Vergeltung quält uns über Tage und Nächte, eskaliert in uns und lässt keinen Raum mehr, uns mit den Menschen zu befassen, die wir lieben und die unsere Zuneigung verdienen!

Das heißt, ausgerechnet jenes Subjekt, das uns verletzt hat, bekommt durch unseren ‚Drang nach Vergeltung’ zusätzliche Macht über uns und bestimmt unser Handeln in einer Weise, die wir nie und nimmer gewollt hätten.

Genau das aber vermeiden wir, wenn wir verzeihen können!

Denn – wir lösen uns dann nicht nur von der verletzenden Kränkung, sondern auch von dem Menschen, der sie uns zugefügt hat.

Ich sage nicht, dass das leicht ist!

Aber wenn wir diesen Mechanismus durchschauen, können wir ihn üben und finden immer schneller nach jeder Kränkung unsere innere Ruhe und Gelassenheit wieder.

Nebenbei nähern wir uns Schritt für Schritt dem Ziel, ein ‚autonomer Mensch’ zu werden, der sein Handeln möglichst selbst bestimmt!

Wobei wir aber nie vergessen sollten, dass diese Autonomie beschränkt bleibt und letztlich nur von Fall zu Fall geborgt ist, denn das ‚Tier’ in uns ist mächtig und nur schwer zu zähmen…

KH

PS:

Foto Waldtraud Schmalenberg, der Autor als ‚Konrad Flesser‘ in der szenischen Performance ‚Das Schandmahl‘

Roland Dürre
Dienstag, der 26. Mai 2015

Das Rad in der Fahne.

Flag_of_India.svgHeute nehme ich Abschied von Indien, am Dienstag um 00:40 soll es vom neuen Airport in Mumbai zurück nach München gehen. Eine intensive Woche geht zu Ende.

Meine Eindrücke sind gemischt. Ich habe mich mit der Kultur und der Geschichte des Landes beschäftigt. Zur Fahne Indiens gibt es einen spannenden Artikel in Wikipedia, den ich allen Interessierten sehr zu lesen empfehle.

Das Rad in der frühen Fahne Indiens ist ein Spinnrad. Ergänzend habe ich dazu folgende Geschichte gehört, die so nicht in Wikipedia steht:
Ghandi soll seine Landleute missioniert haben, die Techniken des Spinnen und Weben zu erlernen, damit sie die begehrten Baumwollstoffe aus England selber herstellen können und nicht vom Import aus England abhängig sind. Deshalb haben die Inder ein Spinnrad als Symbol in ihre Fahne integriert.

🙂 So könnte man den großen Ghandi ja als Urahn von Sina Trinkwalder sehen, die quasi in seiner Nachfolge die Fähigkeit Jeans und Kleider herzustellen wieder zurück in die ehemalige Textilstadt Augsburg bringt. Und damit auch gegen die Ausbeutung von Menschen antreten will.

Die in Indien auf jeden Fall stattfindet, und die wesentlich von europäischen und deutschen Unternehmen praktiziert wird. Nicht wenige der großen Marken verbessern mit ihren überdurchschnittlichen Erträgen aus Indien ihre nicht überall so guten Zahlen.

Die guten Zahlen in Indien sind aber das Ergebnis von an die Kolonialzeit erinnernde Strukturen, einer Denke, die Menschen immer noch nur als Arbeitsressourcen betrachtet, einer vernichtenden Externitätenbilanz (damit meine ich nicht nur die billigend in Kauf genommenen Umweltschäden) und ein Ignorieren von (allen) störenden Regeln.

Auch in Indien gibt es massive Bewegungen, die all diesem entgegenwirken und durchaus auch Erfolg haben. Ich habe so eine extreme Vielschichtigkeit der Gesellschaft wahrgenommen; meine wenigen Tage in Bombay haben mich tief ergriffen.

Und je mehr ich das Erlebte verarbeite, so mehr komme ich zum Schluß, dass es eben kein einfaches „richtig“ oder „falsch“ gibt. Ich kann und darf nicht bewerten, was „gut“ oder „schlecht“ ist. Wir sind alle Teil einer Evolution, die wir eben nicht mit moralischem Besserwissen verurteilen dürfen, zu dem wir alle (und auch besonders gern ich) neigen. Auch die besten kausalen und rationalen Erklärungen und klugen Konstrukte helfen letzten Endes nichts. Auf dieser Welt passieren Dinge, die sich meiner Vernunft nicht erschließen.

Das einzige, was mir bleibt, ist in meinem Mikrokosmos konstruktiv für mich und andere zu wirken. Das ist schwer genug und heißt zuerst mal, Entscheidungen und Handlungen zu unterlassen, die offensichtlich destruktive Folgen haben. Und dabei habe ich auch die Pflicht, an mich selber zu denken. Denn ich kann nur konstruktiv wirken, wenn ich dies auch für mich selber schaffe.

RMD

P.S.
Ich freue mich schon so richtig auf ein paar Highlights, die Ende Mai und Anfang Juni vor mir liegen. Eines davon ist das PM-Camp in Zürich #PMCampZUR am 5. und 6. Juni. Das wird ganz großartig werden und soll auch das Thema meines nächsten Artikel dann wieder aus München sein.