Roland DürreDienstag, der 2. April 2013
Vortragseinreichung zum Thema Wissensmanagement
Die “großen Tagungen” als Veranstaltungen mit Frontalbeschallung mag ich nicht mehr. Bin mehr für freie Formate, auf denen man Wissen auf Augenhöhe austauscht. Deshalb habe ich gemeinsam mit Freunden auch das PM-Camp ins Leben gerufen, das sich zu einer schönen Erfolgsgeschichte entwickelt hat. Allein im Juni haben wir drei lokale PM-Camps in Stuttgart, Wien und Bad Homburg nahe bei Frankfurt. Werde demnächst auch darüber berichten.
Trotzdem habe ich vor kurzen für eine Old-Style-Veranstaltung einen Vortrag eingereicht. Und zwar für die 9. Stuttgarter Wissensmanagement-Tage “Wissen verbindet”, die am 12. und 13. November 2013 in der Stuttgarter Liederhalle statt finden. Der Veranstalter der Tagung ist “wissensmanagement – Das Magazin für Führungskräfte”. Der Verlag kommt aus dem mir aus meiner Jugend gut bekannten Neusäß (ganz nahe bei Augsburg).
Den Vortrag habe ich entwickelt, weil ich glaube, dass Wissen unbedingt geteilt werden muss und wir Transparenz und Klarheit brauchen. Deshalb darf das Wissen nicht in irgendwelche Systeme eingesperrt werden. Sondern muss raus in die sozialen Räume der Menschen in den Unternehmen und Institutionen wie in der Gesellschaft. Nur so werden wir unser Wissen zur Anwendung und Wirkung bringen können.
Um “gutes” Wissensmanagement zu machen ist die eingesetzte Technik zweitrangig, vielmehr geht es um die Entwicklung von “guter” Unternehmenskultur”. In diesem Sinne wollte ich mal einen Vortrag vor “Wissensmanagement Profis” halten.
Also fahre ich meinen letzten MS-Rechner hoch, gehe auf die Website des “wissensmanagement” den “Referentenfragebogen”, lade ein grässliches Word-Formular herunter und verbringe einen schönen Samstagnachmittag damit, meine Gedanken für den Vortrag in word (!) zu formulieren.
Zuerst lese ich die einzuhaltenden Termine:
30. April 2013 – Ende der Einreichungsfrist
11. Oktober 2013 – Abgabeschluss für endgültige Dokumentation/Vortragsfolien
12. – 13. November 013 – Kongress
Da fängt das Problem schon an. Woher soll ich heute schon Wissen, was mich zum Thema Wissen bis November noch alles bewegen wird? Hätte heute schon Lust, ein paar Dinge am eingereichten Vortrag zu verändern. Hier der am 23. März von mir ausgefüllte Referentenbogen im Wortlaut:
Referent/in
Name: Dürre
Vorname: Roland. M.
Akademischer Titel: Dipl. Math. Univ.
Position: Vorsitzender des Vorstands
Unternehmen (inkl. Rechtsform): InterFace AG
Postanschrift des Unternehmens: Leipziger Str. 16, 82008 Unterhaching (www.interface-ag.de)
Telefon: 089 – 61049-0
Fax: 089 – 61049-85
Mobil: 0171 48 50 115
E-Mail: roland.duerre@interface-ag.de
Biografie
Kurzlebenslauf, der Ihre berufliche Laufbahn im Überblick darstellt. Veröffentlichung im Internet. (max. 500 Zeichen)
Pionier der 3. Generation Informations- und Kommunikationstechnologie
1969 Studium Mathematik /Informatik bei F.L. Bauer (TUM). Bis 1979 bei Siemens UB D als Student (Entwicklung von IT-Basistechnologien) und in Festanstellung (Betriebssysteme für große „Sonderprojekte“.
Nach 2 Jahren bei Softlab gemeinsam mit Wolf Geldmacher 1983 Gründer der InterFace Connection GmbH, jetzt InterFace AG.
Als Mehrheitsaktionär zuständig für die Zukunft des Unternehmens. Nebenher Blogger und Netzaktivist
(if-blog.de, duerre.de, pm-camp.org …)
Vortragstitel
„Neues Wissen braucht das Unternehmen“
Untertitel
Wie Werte und Kultur helfen, den Wandel anzunehmen und zu nutzen.
Schwerpunkte
4-6 Unterpunkte, die die Schwerpunkte Ihres Vortrags skizzieren
Menschen sind erfolgreich, wenn sie über Ausbildung & Wissen und Mut & Freude an der Arbeit verfügen.
Der Erfolg eines Unternehmens beruht auf Werten und Vertrauen.
Im Unternehmen sind strategische Klarheit und Kommunikation auf Augenhöhe die Herausforderung!
Das Wissen des Unternehmens darf nicht einsperrt sondern muss befreit werden!
„Social Media“ hilft nicht nur bei Wandel & Veränderung.
Abstract
(max. 500 Zeichen)
Die Welt ändert sich. Innovation wird zur „kreativen Zerstörung“. Transparenz und Beteiligung werden eingefordert.
Wie wird Führung im Unternehmen 3.0 dieser Herausforderung gerecht?
Wie sieht eine belastbare Unternehmenskultur im „Heute“ aus?
Wie fällt man öfters die „richtige“ an Stelle der „falschen“ Entscheidung?
Wie erkennt man, was „gut“ und was „schlecht“ ist?
Welche Rolle spielt „Social Media“?
Inhalt
Eine ausführliche Inhaltsbeschreibung
(250 bis 500 Wörter)
“Veränderung und Wandel sind evolutionär bedingt und werden im Unternehmen gemeinsam gelebt und unterstützt. Der immer notwendige kontinuierliche Verbesserungsprozess wird gemeinsam erarbeitet. …
… Die Menschen im Unternehmen wirken in enger Kollaboration zusammen. Die Veränderung wird gespeist aus Ideen, zu denen alle beitragen. Empowering of people ist die Basis für die Zukunft“.
(Zitat aus unseren Unternehmens-Prinzipien):
Problem oder Chance?
Mehr Wissen schafft Veränderung, Veränderung neues Wissen. Diese Entwicklung scheint sich zu beschleunigen. Die Anforderungen der „Welt“ verändern sich rasant. Das Wissen des Unternehmens muss dynamisch bleiben, es darf nicht zum Dogma werden.
Immer mehr Unternehmen werden mit “individueller Hierarchie” scheitern. Am Markt können sie nur mit „neuem Denken“ bestehen, entwickelt sich aus den Erkenntnissen des Unternehmengesamt. Beliebte und wichtige Stichworte sind Crowd und Schwarm. Ein “Mergen&Morphen” des individuellen zu gemeinsamen Wissen findet statt.
Warum ist das so?
Menschen leben in “Sozialen Systemen“. Soziale Systeme können NGOs, Verbände, Vereine, Kirchen oder eben Unternehmen sein.
Unternehmen verfolgen explizit ein ökonomisches Ziel. Dieses besteht darin, den Markt mit Gütern und Dienstleistungen zu versorgen und so seine Mitarbeiter zu ernähren. Sie sind dem permanenten Wandel ihres Umfeldes ausgesetzt und müssen flexibel reagieren.
Mängel sind zu finden, um sie abzustellen. Stärken müssen identifiziert werden, um sie zu nutzen. Risiken und Chancen müssen im Blickfeld bleiben. Ereignisse, die neutral oder nicht bewertbar sind, können schnell relevant werden.
Erst wenn die wichtigen (richtigen) Fragen gefunden werden macht es Sinn, über Lösungen nachzudenken.“Zukunfts-Management” muss Teil der täglichen Routine werden.
Wie ist das zu erreichen?
Basis ist das gemeinsame Erleben und Erlernen der “Welt in und außerhalb des Unternehmens”. Informationen müssen von allen gesammelt werden und allen Beteiligten zugänglich sein. Alle dürfen kommentieren, ergänzen, bewerten, und gewichten … Die “Unternehmens-Crowd” bewertet die Relevanz, entwickelt Strategie und entscheidet letzten Endes operative Maßnahmen.
Was brauchen wir?
Gerade in verteilten Welten sind solche Prozesse nur mit unterstützenden IT-Systemen möglich. Diese müssen wie ein “Spiel“ gestaltet sein („Gamification“). Das Spiel muss den Gewinn des Unternehmens und des Einzelnen garantieren. Im Spiel erworbene Credits müssen als echte “EUROs” Teil des Bonus werden. Der Erfolg steigert das Ansehen im Unternehmen und wird zum positiven Beitrag für Laufbahn und “Karriere”.
Natürlich gelingt so etwas nur in einer offenen, transparenten und freien Unternehmenskultur. Das Unternehmen muss angstfreie Räume realisieren. „Teilen von Wissen” muss für alle Beteiligten sichtbar von Vorteil sein.
Bitte senden Sie uns außerdem ein Photo (Portrait) in digitaler Form (JPEG/GIF, 300 dpi)!
Vielen Dank.
Soweit das ausgefüllte Formular. Ich habe es dann gleich per E-Mail mit Foto an die vorgegebene Adresse gesendet.
Die Antwort kam zeitnah. In Form eines Angebotes, die Stuttgarter Wissensmanagement-Tage zu sponsern.
Das bringt mich ja fast in Versuchung. Denn wenn ich sponsere, könnte es ja sein, dass dies meine Einreichung stützen würde. Man kann ja schlecht einem Sponsor seinen Vortrag absagen.
Jetzt wundert es mich nicht, dass die Vorträge bei solchen Veranstaltungen so oft nach Werbung und Selbstdarstellung klingen. Und deshalb viele Menschen lieber auf barcamps gehen.
Ich werde auf jeden Fall nicht sponsern. Fast tut es mir leid, dass ich eingereicht habe. Wenn der Vortrag trotzdem genommen wird, dann halte ich ihn. Und werde mein bestes geben. Dabei nicht zu sehr frontal zu beschallen, sondern soweit in diesem Rahmen möglich die Zuhörer zum mitmachen einladen.
Und wenn er nicht angenommen wird, dann halte ich ihn halt woanders. Und habe eine gute Story für die Einleitung.
Bei dieser Aktivität habe ich auch die Deutsche Gesellschaft für Wissensmanagement (GfWM) entdeckt. Diese kooperiert mit dem Verlag von “wissensmanagement”. Die Verbands- und Lobbyisten-Strukturen des Wissensmanagement kenne ich noch nicht. Gehe aber mal davon aus, dass es dort ähnlich sein wird wie bei anderen solchen Verbänden im Umfeld Projekt- oder Qualitäts-Management. Da geht es vor allem um Macht und Kohle.
So kommt mir der Gedanke, ein Barcamp für “Wissenteilen!” (WI-Camp) zu gründen. Damit man sich zu Wissensmanagement genauso schön treffen und Wissen austauschen kann wie beim PM-Camp zu Themen rund um Projekt Management. Mitstreiter melden sich einfach bei mir.
RMD
Roland DürreSamstag, der 15. Dezember 2012
Rückblick auf das PM-CAMP 2012 in Dornbirn
Da bekam ich gestern eine E-Mail vom Stefan:
Die Videos zum PM Camp sind fertig. Was ist Euer Eindruck? Änderungswünsche?
“PM Camp 12 rocks”
Habe mir das Video gleich angeschaut – und war begeistert! Keine Änderungswünsche!
Das PM-CAMP 2012 (#pmcamp12) in Dornbirn war für mich zweifelsfrei einer der Höhepunkte diesen Jahres. Deshalb hier auch noch der Link zum Bericht von Stefan übers PM Camp 2012 (als Beitrag in seinem PM-Blog.com).
RMD
Roland DürreFreitag, der 30. November 2012
Der Wandel im Management (Vortrag)
Meine beiden Vorträge der letzten Woche zum “Wandel im Management” verliefen sehr abwechslungsreich. Ich hatte viel Spaß dabei und ich hatte den Eindruck, meine Zuschauer auch. So waren die Rückmeldungen auch sehr schön für mich.
Da die Vorträge sehr interaktiv waren, ist es für mich nicht ganz einfach, sie hier wiederzugeben. Aber ich notiere zumindest mal stichpunktartig ein paar Inhalte, auch wenn so manches aus dem Vortrag fehlt.
Der Wandel kommt. Ob wir wollen oder nicht.
In den beiden Vorträgen ging es um
- Projekt Management
- Management
- Unternehmertum
- Führung
- Innovation als kreative Zerstörung
- craftmanship
- Das Zeitalter des “co”
co-creation, co-programming, co-operation … - Future is female
Warum sitzen so wenig Frauen in Gefängnissen?
Das alles sind Elemente sowohl unserer privaten wie unser Arbeitswelt. In Unternehmen und Institutionen schaffen wir Zukunft. Eine wesentliche Rolle spielen dabei
- die in den sozialen Systemen gelebte Kultur und deren
- Organisation.
Kommunikation, Entscheidungs- und Verantwortungsprozesse ändern sich.
Wer kennt Begriffe wie:
Barcamp, Jam Session, OpenSpace, Fishbowl?
Wer nicht, sollte sie mal in Wikipedia nachlesen.
Wichtig ist heute:
Wissen teilen, Erfahrung weitergeben. Aus der Praxis für die Praxis. Konsumenten wollen zu Produzenten werden.
Man trifft sich auf Augenhöhe. Angstfreie Räume ermöglichen Kreativität.
Wie war das früher?
- Die Bäume sind von oben nach unten gewachsen.
- Oben der Hierarch, klare Kommandostrukturen, disziplinarische Vorgesetzte.
- Und das hat lange gehalten, eine einfache und strukturierte und vor allem stabile Welt.
Beispiel: Deutscher Elektrokonzern (alles was mit Strom zu tun hat) als hierarchische Organisation, kreiert nach dem Muster der Deutschen Reichswehr. Mit Aufbau- und Ablauforganisation, gegliedert in Unternehmensbereiche mit bis zu 10 Hierarchie stufen Stabsabteilungen für Gemeinsamkeiten wie F&E, Marketing und Zentralfunktionen aller Art, mit Identität durch corporate design. - So wurde die Matrix-Organisation mit durchgezogenen/gestrichelten Linien und Stabs- und Zentralabteilungen entwickelt.
- Beispiel: Elektrokonzern, Geschäftsfelder Motoren/Generatoren, Küchengeräte …). Gemeinsam Design etc. Vertrieb etc. Forschung waren zentrale Stabsabteilungen.
- Dieses Organisationmodell war aus der industriellen Revolution entstanden – tayloristisch und mechanisch. Und ging lange Zeit ganz gut.
- Alle paar Jahre musste die Organisation (und meistens auch nur Teile) verändert werden. Aber das war akzeptabel.
Heute geht das nicht mehr – deswegen stöhnen so viele Menschen unter der dauernden Umorganisation ihres Unternehmens. Nur – die reicht nicht aus, um dem Tempo der Veränderung zu folgen. So ist “nach der Umorganisation” immer öfter “vor der Umorganisation”. Schlimmer noch, die neue Umorganisation beginnt schon bevor die alte beendet wurde.
Und auch die Bäume wachsen in der Natur von unten nach oben. Das ist zuerst ein paar Idealisten in der Informatik aufgefallen. Sie haben die Bäume auf dem Kopf gestellt.
- Bäume umdrehen geht aber auch nicht.
- Der CEO würde dann zum Träger von allem (der große Fritz als erster Diener im Staat).
- Man sieht, Bäume reichen nicht aus.
- Auch die neue Kommunikation schafft Veränderung – Veränderung bewirkt Kommunikation
- So passiert der Übergang vom Baum zum Netz in eine Kugel im dreidimensionalen Raum.
(Anmerkung: Sogar in der militärischen Dimensionen und bei kriegerischen Konflikten scheint es so zu sein, dass netz-ähnliche Strukturen letzten Endes den hierarchischen Kommandostrukturen überlegen sind, selbst wenn diese eine große Ressourcenüberlegenheit besitzen.)
Das alles ist nicht neu. Schon in den 80iger Jahren gibt es eine bemerkenswerte Entwicklung zum Beispiel an der Hochschule in St. Gallen. Es entsteht ein neues “Management-Modell”, das die HSG weltberühmt macht. Diese kumuliert in den 8 Thesen des Hans Ulrich – “Management – Aufsätze 2. Teil von 1981 – 1998 zum Wandel im Management”:
- Ungewissheit und die Unvorsehbarkeit der Zukunft als Normalzustand akzeptieren!
Strategie als Planen von Zukunft, akzeptieren, dass Entscheidungen unter Unsicherheit erfolgen. - Die Grenzen des Denkens weiter stecken!
Gegen das aber … und für die Freiheit der Gedanken. Aber auch – Wissen teilen - Sich in den Kategorien “Sowohl-Als-auch” an Stelle von “Entweder-Oder” bewegen!
Schwarz-weiß ist out, Bunt ist in. - Mehrdimensional denken!
Sittlich verantwortete Güterabwägung, Menschen können eigentlich immer nur drei Gedanken parallel behandeln. - Selbstorganisation und Selbstlenkung als Gestaltungsmodell für die Unternehmung verwenden!
Verantwortung, Subsidiarität - Managen als sinngebende und sinnvermittelnde Funktion auffassen!
Neues Managementbild - Sich auf das Wesentliche konzentrieren!
Arbeitsökonomie. - Gruppendynamik ausnutzen!
Kulturen, Symbole, Riten, Rituale,
Heute geht es darum, schnell Erkenntnisgewinn zu produzieren, gemeinsam die Zukunft zu gestalten. So brauchen wir Kreativität, um die richtigen Fragen zur Lösung unserer Probleme zu finden (1. kreative Pflicht). Wenn wir die gefunden haben, müssen wir Wissen einsetzen um Lösungen zu generieren.
Taylorismus und “Mechanismus” geht bei modernen sozialen Systeme nicht mehr. Wir den Erkenntnisgewinn über neue Kommunikationsformate notwendigerweise auch in den Unternehmen und Institutionen nutzen.
(Ausflug ins Privatleben: Auch das traditionierte Familienmodell war tayloristisch und mechanistisch. Wer will das heute noch?)
Leider haben dies bis heute viele Manager noch nicht verstanden und so leben zu viele Unternehmen noch im gestern. Das erklärt auch den Erfolg der “neuen Unternehmen”, die in wenigen Jahren die “alte Industrie” beliebig überholen.
Die Wurzeln für das, was heute und hierzulande passiert, finden wir bei (damals beschimpften) Vordenkern der Bonner Republik wie Adorno und Habermas (Frankfurter Schule):
- Kein äußerer Zwang darf das Gespräch behindern.
- Geltung hat das beste Argument.
- Jeder hat die gleiche Chance zur Beteiligung am Gespräch.
- Jeder muss zur “ungekränkten Selbstdarstellung” fähig sein und sich den anderen transparent machen.
- Jeder muss die Grundentscheidungen seines Lebens thematisieren und kritisieren lassen. (Hierzu dient ein ausgeklügeltes System von Rede und Gegenrede, Begründungspflicht für alle Aussagen und Behauptungen usw.).
- Keiner hat Vorrechte aufgrund von Alter, Erfahrung, Autorität usw.
- Jeder muss bereit sein, mit jedem die Verhaltenserwartungen zu tauschen. Jeder soll jederzeit mit jedem zum Rollentausch bereit sein.
- Diskutiert wird so lange, bis ein Konsens erreicht ist. Ist die neue Wahrheit angenommen, bestimmt sie von da an das Leben und Verhalten der Teilnehmer.
Klingt unerfüllbar und utopisch, aber wird immer mehr in der Realität gelebt:
- Durch Formate wie jam session, barcamp, openspace, fish bowl
- Pecha Kucha, Ignite
- Runde Säle (Bestuhlung)
- Web 2.0 (interaktiv Blogs, Twitter)
- Wikipedia und Open Source
- Social Media wie Facebook und Google+ als logische Konsequenz
These:
Der herrschaftsfreie Diskurs beginnt zu leben. In einer “hybriden” Kombination mit dem Internet (social web) wird die neue Welt der Gemeinsamkeit immer stärker. Eine neue Kommunikations- und “Erkenntnis-Gewinn-Gesellschaft entsteht. Zugehörigkeit und Gemeinsamkeit werden zu immer wichtigeren Werten.
Und Mitmachen macht glücklicher und erfolgreicher!
So habe ich versucht, einen Vortrag für die Zukunft zu halten.
RMD
Roland DürreSamstag, der 20. Oktober 2012
Video: Dr. Eberhard Huber auf dem IF-Forum “Projekt Coaching”
Den abschließenden Beitrag auf unserem fachlichen IF-Forum am 25. September 2012 hat Dr. Eberhard Huber erbracht. Ihm ist es vorzüglich gelungen vor der abschließenden Diskussion in der “Fish Bowl” noch mal alle Fäden dieses wunderbaren Nachmittags zusammen zu fassen.
Die Aufnahme seines Vortrages ist jetzt – “at last but not at least” – auch in Youtube verfügbar.
Das Thema des 3. fachlichen IF-Forums war “Projekt Coaching“, das Motto “best of PM-Camp“. Das waren dann alle Videos von diesem Ereignis.
An Eberhard nochmal ein herzliches Dankeschön für seinen Vortrag, mit dem er wesentlich zum Gelingen unseres IF-Forums beigetragen hat.
Eberhards Motto ist “Projekt” im Team – hier geht es zu seinem Blog “projekt (B)LOG“.
RMD
Roland DürreFreitag, der 19. Oktober 2012
Video: Nadja Schröer-Petranovskaja auf dem IF-Forum “Projekt Coaching”
Nach der “fish bowl” des ersten Blockes und einer kurzen Pause ging es weiter im fachlichen IF-Forum “Projekt Coaching” am 25. September 2012 bei uns in Unterhaching. Der mittlere Vortrag des zweiten Blockes nach Jens wurde von unserer einzigen Referentin gehalten. Nadja Schröer-Petranovskaja sensibilisierte uns mit ihren Geschichten zu “Sinn, Unsinn und Chancen des Lebens”. Und brachte viele Teilnehmer dazu, ein wenig Projekt Management fürs eigene Leben zu starten.
Das Thema des 3. fachlichen IF-Forums war “Projekt Coaching“, dabei war “Best of PM-Camp“.
Nadja ist für diesen Vortrag auch extra aus Hamburg nach Unterhaching angereist. Und am Vorabend habe ich sie vom Flughafen abgeholt und wir hatten gemeinsam einen wunderschönen “Hotpot”. Dafür, für Ihren Vortrag und besonders für die vielen frischen Ideen und Gedanken, mit denen sie uns versorgt, ein besonders herzliches Dankeschön. Es war wirklich ein außergewöhnlicher Beitrag zum Thema Projekte und Coaching. Ich empfehle den Besuch ihrer Seite henneei.
RMD
Roland DürreDienstag, der 16. Oktober 2012
Video: Dr. Marcus Raitner auf dem IF-Forum “Projekt Coaching”
Nach dem Eröffnungsvortrag unseres fachlichen IF-Forum durch Dr. Stefan Hagen hat Dr. Marcus Raitner (Esc Solutions) den zweiten Teil des ersten Blocks bestritten. Es war spannend und sehr beeindruckend, wie sich die Argumente und Aussagen der beiden Vortragenden ergänzt haben. Auch der Vortrag von Dr. Marcus Rainter ist jetzt in Youtube verfügbar.
Das Thema des 3. fachlichen IF-Forums war “Projekt Coaching“, dabei waren “Best of PM-Camp“.
Auch an Marcus nochmal ein herzliches Dankeschön für seinen Beitrag, mit dem er einen wesentlichen Beitrag zum Gelingen unseres IF-Forums erbracht hat. Marcus ist der Autor des nach meiner Meinung schönsten Blogs für Projekt Management weltweit – misc.raitner.de.
RMD
Roland DürreMontag, der 1. Oktober 2012
Rückblick aufs IF-Forum #PMcampIFF
Am Dienstag letzter Woche (25. September 2012) hat bei InterFace in Unterhaching das jährliche fachliche IF-Forum stattgefunden. Das Thema in 2012 war “Projekt Coaching” (best of PM-Camp).
Besonders freue ich mich über die vielen guten Rückmeldungen, die wir bekommen haben. Sowohl zur Veranstaltung, aber ganz besonders zu unserem Referententeam. Vielen Dank!
Am meisten zum Gelingen haben unsere Gäste beigetragen. Obwohl wir an diesem Tage in München einen wunderschönen Wiesn-Herbsttag hatten, war in unserem Seminarraum kein Platz mehr frei. Deshalb möchte ich mich ganz besonders bei all denen bedanken, die diesen Nachmittag so aktiv mit uns verbracht haben.
Und noch ein kleiner Hinweis: Während der Veranstaltung ist eine kleine “Twitter Wall” entstanden. Einfach in Twitter nach dem Tag #pmcampiff suchen und man sieht, was zu diesem Nachmittag “getwittert” wurde. Da findet man einiges wieder. Und auch zur Erinnerung noch ein paar Eindrücke:
Dr. Eberhard Huber hält den letzten Vortrag – Thema “Die Kulturzwiebel”.
Wir sind mitten drin in der “Fishbowl” mit Referenten und Gästen.
Die zweite Fishbowl am Ende mit überwiegend weiblicher Besetzung.
Als “Kameramann” war wie immer Friedrich Lehn dabei. Sobald die von ihm erstellten Videos verfügbar sind, werden wir sie veröffentlichen.
Und ein ganz großes Dankeschön an unsere Referenten, von links nach rechts Dr. Eberhard Huber, Dr. Marcus Raitner, Jens Hoffmann, Nadja Schröer-Petranovskaja und Dr. Stefan Hagen.
RMD
P.S.
Die schönen Photos sind von Rolo Zollner.
Roland DürreFreitag, der 7. September 2012
Mehr Details zum IF-Forum am 25. September in Unterhaching
Nur noch gut 2 Wochen!
Am 25. September findet bei uns in Unterhaching wieder ein fachliches und ganz besonderes IF-Forum statt. Es ist das dritte “fachliche IF-Forum” nach 2010 (AGIL) und 2011 (FÜHRUNG).
In 2012 kommen am 25. September die Protagonisten des PM Camp nach München (Unterhaching) und bringen uns das “Beste vom PM Camp”.
Es geht um
Projekte und Arbeiten, Coachen und Gelingen!
Hier die Agenda und eine Vorstellung der Referenten und ihrer Beiträge:
Moderation – Roland Dürre
14:00 - 14:15 Begrüßung (Kornelia Hietmann)
Block I
14:15 - 14:45 Integriertes Projektmanagement (Dr. Stefan Hagen)
14:45 - 15:15 Postindustrielles Projektmanagement (Dr. Marcus Raitner)
15:15 - 15:45 “Fishbowl” zu Block I
Pause
Block II
16:15 - 16:45 Systematische Kreativität (Jens Hoffmann)
16:45 - 17:15 Sinn, Unsinn und Chancen des Lebens (Nadja Schröer-Petranovskaja)
17:15 - 17:45 “Von Zwiebeln und Kulturen” (Dr. Eberhard Huber)
17:45 - 18:30 Fishbowl zu Block II
Anschließend:
Happy Hour (Gespräche, Spaß, Lachen, Getränke und Brotzeit)
Hier die Vorstellung der Referenten mit jeweils einen kleinen Ausblick auf ihre Vorträge:
Dr. Stefan Hagen eröffnet den ersten Block mit seinem Beitrag über “Integriertes Projektmanagement”
Stefan ist Gründer und Inhaber der Hagen Management GmbH.
Stefan lebt im wahrsten Sinne des Wortes
Projektmanagement – Organisation – Strategie
So ist er auch der Autor des wohl meist gelesenen deutschsprachigen Blogs für Projekt Management (pm-blog). Er eröffnet das IF-Forum 2012 mit einem Plädoyer für “Integriertes Projektmanagement”. Hier ein Ausblick auf seine Thesen:
- Probleme im Projektmanagement lassen sich wahrscheinlich nicht mit den herkömmlichen Ansätzen und Methoden lösen. Man betrachte nur die katastrophale Erfolgsquote.
- Integrative Ansätze werden notwendig. Das bedeutet im Wesentlichen, über den Tellerrand hinaus zu schauen.
- Horizontale Integration: Klassische und agile Ansätze
- Vertikale Integration: Menschen in (sozialen) Systemen
- Stefan wird hauptsächlich auf systemische Prinzipien eingehen, die derzeit in den meisten Projekten sträflich vernachlässigt werden.
- Sein Fazit:Wir brauchen einen “Ebenenwechsel”, um bessere Rahmenbedingungen für gelingende Projektarbeit / Teamarbeit zu schaffen.
Die Gedanken von Stefan werden fortgesetzt mit “Postindustrielles Projektmanagement” von Dr. Marcus Raitner.

Marcus promovierte in Informatik an der Universität Passau.
Nach fünf Jahren als Senior Project Manager bei einem großen IT-Dienstleister widmet er sich seit 2010 als Senior Partner und Mitglied der Geschäftsleitung dem Aufbau der esc Solutions GmbH.
Seine Schwerpunkte sind IT-Projektmanagement und IT-Projektcoaching.
Dr. Marcus Raitner betreibt ein bekanntes PM-Blog, ist Mitorganisator des PM-Camps und der Initiator von openPM.
So kündigt Marcus seinen Vortrag an:
Viele Projekte sind Zwei-Klassen-Systeme: Wenige denken und lenken, der Rest führt aus. Planungsapartheid. Unverkennbar die Parallele zur Organisation von Großunternehmen: Industrielles Projektmanagement mit dem vorrangigen Ziel der Effizienz. Industrielles Projektmanagement funktioniert gut, wenn die Komplexität so gering ist, dass die Kreativität der planenden Klasse ausreicht, um die auftretenden Hindernisse zu bewältigen. Nur sind die meisten Projekte eben deutlich jenseits dieser Komplexität. Was dann?
Nach den Vorträgen von Stefan und Marcus findet die erste “Fishbowl” statt. Wir verarbeiten das Gehörte gemeinsam.
Dann machen wir Pause.
Den zweiten Block eröffnet Jens Hoffmann.

Jens, Jahrgang 1967, ist Geschäftsführer und Gründer der Hoffmann Consulting GmbH. Der gebürtige Düsseldorfer begann seine Karriere bereits sehr jung mit 20 Jahren bei Microsoft in München bevor er 1987 zu Roland Berger & Partner wechselte und dort schnell zum Projektleiter an den Standorten Frankfurt, Wien und Zürich aufstieg.
1999 gründete er die Hoffmann Consulting GmbH, ein auf Dienstleistungen für IT und Telekommunikation spezialisiertes Beratungsunternehmen. Seine Tätigkeitsschwerpunkte sind Governance, Risk Management, Compliance und Business Innovation (Business Model Design, Produkt- und Serviceinnovation).
Eines seiner wichtigsten Themen ist Kreativität, also spricht er über
Systematische Kreativität
Neue Herausforderungen identifizieren und wirksam Probleme lösen.
Auch hier ein paar Gedanken von ihm schon mal im Voraus:
Produkte und Dienstleistungen werden wie die sie liefernden Unternehmen immer austauschbarer. Fachliche und soziale Kompetenzen werden vorausgesetzt, jedoch ist Kreativität der Skill, der zur Zeit am stärksten gefragt ist. Die Fähigkeit, Kundenbedürfnisse identifizieren und adressieren zu können und Probleme wirksam lösen zu können, entscheidet als stärkstes Differenzierungsmerkmal über Erfolg oder Misserfolg.
Für viele ist der Zusammenhang von Kreativität und Business ungewohnt. Jens wird einen Überblick geben, wie Kreativität im Business erfolgreich als Prozess etabliert werden kann und systematisch als Individuum oder im Team entwickelt und genutzt werden kann.
Nach dem Vortrag von Jens freuen wir uns auf Nadja Schröer-Petranovskaja.
Mensch, Russin, Psychologin, Projektleiterin, Businessmuse, Fotografin, Mutter, Buchautorin, Bloggerin.
Suchend und findend zwischen Ländern, (Unternehmens-)Kulturen samt ihrer Bewohner und Branchen. Auf nichts festgelegt bis auf:
Es muss einen Sinn haben.
Freiheitsliebend, faul und mutig.
Sie wird uns ihre Gedanken mitteilen über:
Sinn, Unsinn und Chancen des Lebens!
Nadjas Vorträge sind immer ganz besondere Erlebnisse. Ich freue mich schon wahnsinnig auf ihren Impulsvortrag, der Fragen stellen, Fakten miteinander kombinieren und Vorschläge machen wird, wie wir uns unser noch verbleibendes Leben gestalten können.
Übrigens genau die Frage, die auch mich am meisten beschäftigt.
Der Reigen der Vorträge wird abgeschlossen von Dr. Eberhard Huber.

Dr. Eberhard Huber verkörpert Erfahrung und Wissen. Ihn zeichnen aus: 25 Jahre aktive Projekt-Leitung, Trainer und Coach für Projektmanagement, Gruppendynamik und Teamentwicklung. Projektmanagement in Forschung, Lehre (Universitäten Mannheim und Magdeburg) und Praxis.
Sein Credo ist:
Das Zusammenwachsen der Menschen zu einem Team, die Entstehung einer Kooperation, die mehr als eine Anhäufung von Einzelkompetenzen ist, ist in vielen Projekten von glücklichen Zufällen, den Führungsqualitäten oder dem Charisma des Projektleiters abhängig. Hier setzt teamorientierte Projektleitung an, die den Teambildungsprozess im Laufe des Projekts fördernd begleitet. Teamorientierte Projektleitung, die Selbstorganisation zulässt und fördert, ermöglicht vorhandenes Potential wirklich auszuschöpfen.
Eberhard berichtet uns diesmal von
“Von Zwiebeln und Kulturen”
Seine “Zwiebeln” schließen den Kreis zum Eröffnungsvortrag vom Stefan. Kultur und die aktive Förderung derselben kann eine Lösung für den von Stefan geforderten Ebenenwechsel darstellen. Eberhard hat seinen Vortrag bewusst “Von Zwiebeln und Kulturen” getitelt, denn der Plural ist wichtig für das, worauf er hinaus will.
Jetzt ist es Zeit für die zweite “Fishbowl“. Gemeinsam werden wir den spannenden Nachmittag abschließen und uns in der Happy Hour von der Anstrengung des intensiven Arbeitens erholen!
Ich finde es toll, dass ich diese Superveranstaltung moderieren darf und freue mich schon auf einen aufregenden und schönen Tag mit Stefan, Marcus, Jens, Nadja, Eberhard und vielen Freunden und Partnern.
Ja – und fast hätte ich es vergessen – Anmeldungen einfach per E-Mail!
RMD
Roland DürreSamstag, der 21. Juli 2012
Auf Kurs bleiben mit Projektmanagement – Kompass in bewegten Zeiten
Am Wochenende lese ich gerne in den Blogs meiner Freunde. Dr. Stefan Hagen (Stefan) weist zum Beispiel in seinem PM-Blog auf das PM Forum 2012 in Nürnberg der GPM hin. Er will auch hingehen, weil er mal wieder so eine klassische Konferenz erleben will.
Ich freue mich schon auf Stefans Bericht vom PM-Forum der GPM – in Stefans PM-Blog wie auch mündlich.
Und ahne auch schon ein so ein wenig, was er da sagen wird.
Ich mag keine klassischen Konferenzen mehr. Besuche sie aber auch immer wieder. Je nach Veranstaltung bin ich dann aber regelmäßig mehr oder weniger enttäuscht (oder besser, es bestätigen sich meine Vorurteile). Ab und zu sind einige brilliante “speaker” da, man trifft auch ein paar Leute, die man gerne mal wieder sieht, aber das war es dann in der Regel.
Bemerkenswert finde ich den Titel der PM-Forums:
“Auf Kurs bleiben mit Projektmanagement – Kompass in bewegten Zeiten”
Da regt sich doch schon der erste Unmut in mir:
Floskeln wie “Bewegte Zeiten” oder “Krise” kann ich nicht mehr hören. Uns geht es so gut wie noch nie. Wenn wir in einer Krise leben, dann muss die Krise etwas sehr schönes sein. Kann man wirklich gut drin aushalten – ich möchte da gar nicht mehr raus.
Ich stelle viel mehr fest, dass wir in einer Zeit leben, in der es uns so richtig gut geht. Die uns allerdings kollektiv (und vielleicht auch individuell ) fett und faul gemacht hat. Wir leben über unsere Verhältnisse – und das auf Pump.
Die einzige Bewegung, die ich feststelle, ist das Zittern der Gesellschaft um ihren Wohlstand und die krampfhaften Bemühungen zur Wahrung unseres Besitzstandes. Von wegen “bewegte Zeiten” und “Krise”.
Und dann kommt ein Verband und predigt uns:
”Auf Kurs bleiben mit Projektmanagement – Kompass in bewegten Zeiten”.
Diesen Satz finde ich sprachlich wie inhaltlich schon ein wenig befremdlich. Vielleicht sollte man ein wenig mehr nachdenken, bevor man solche Slogans kreiert und verbreitet.
Was bedeutet denn “Auf Kurs bleiben”?
Ein sinnvolles und mutiges “Auf Kurs bleiben” erfordert doch viel mehr als Projekt Management? Da muss man doch überhaupt erst mal wissen, wo man hin will! Welches Gesellschaftsmodell das Ziel ist? Da geht es um Kultur und Werte, um Verantwortung, Wissen, Mut, Freude, Respekt, Toleranz, Zivilcourage …
Da könnte ich ja auch schreiben:
Auf Kurs bleiben mit Requirement Engineering“.
Oder noch besser:
Einen Verband für Kursfindung gründen, der dann Kursfinder zertifiziert. Mit dem Motto: Den Kurs finden im herrschaftsfreiem und redlichem Diskurs (Adorno, Habermas).
Das ist natürlich alles nur halbernst gemeint. Aber bei aller Liebe: “Auf Kurs bleiben mit Projekt Management” mag gut klingen, aber ist doch nur eine komplexe und verwirrende Worthülse. Es geht doch darum, zuerst mal den Weg zu finden, den man gehen will. Oder zumindest die Richtung. Und dass ist ein in der Tat sehr schwieriges Projekt. Da wird man Projekt Management nicht als trivial anzuwendendes Lösungsmittel verkaufen können.
Zu suggerieren, dass “Projekt Management der Kompass in bewegten Zeiten” ist, finde ich abenteuerlich oder zumindest sehr einfältig (oder technokratisch gedacht?). Warum tönt man nicht gleich
“Mit PM lösen wir alle Probleme!”?
Aber was soll es. Der Slogan erinnert mich doch eher an das Marketing für die Milchschnitte. Und wahrscheinlich ist er das ja auch – nur einfaches Werbegeblödel, wie wir es überall finden. Weiß nur nicht, ob der Verband sich selbst mit so etwas letztendlich einen Gefallen macht. Auch wenn man sich ja als Herrschaftssystem “Verband” eh im Besitz der sauber in “Standards” zerlegten und zertifizierten Wahrheit wähnt (und vielleicht auch wähnen muss).
Ich wäre entsetzt, wenn z.B. das PM Camp, für das ich mich ein wenig mitverantwortlich fühle, sich mit einem so platten Slogan bewerben würde. Und würde mich im Kreise meiner Freunde dagegen wehren.
Hier noch zum Schmunzeln der einleitende Originaltext aus dem Programmheft PM Forum 2012 (pdf)
International ist das Wetter nach wie vor rau und die Großwetterlage bleibt stürmisch. In Deutschland sind die konjunkturellen Aussichten zwar positiv, aber auch hier müssen sich Unternehmen wieder auf schweren Seegang einstellen. Im stürmischen Auf und Ab der Konjunktur gilt es jetzt, auf Kurs zu bleiben. Dabei zahlt sich aus, dass die Unternehmen in Projektmanagement investiert und so ihre Wettbewerbsfähigkeit verbessert haben. Durch Projektmanagement lassen sich überzeugende Ergebnisse in time und in budget erzielen. Professionelles Projektmanagement ist für deutsche Unternehmen zunehmend ein Erfolgsgarant. Es wird zum Kompass und Richtungsweiser, gleicht Schwankungen aus und hält Unternehmen flexibel und agil, auch in volatilen Zeiten.
Na ja! Da hol mir doch jemand einen Philosophen. Und lass das ja keinen Mittelständler lesen. Welche “buzzwords” fehlen denn hier eigentlich nicht? Wer schreibt denn so etwas, oder noch besser, wer glaubt so etwas? Ein schöner Unsinn. Aber wir wissen jetzt, wie man Unternehmen vor dem drohenden Untergang bewahrt. Ist doch auch schon was.
Die Veranstaltung kostet übrigens für Nicht-Mitglieder schlappe 1.150,00 €, für GPM-Mitglieder ist es um 200 € billiger. Dafür kann man zum Beispiel unseren ewigen deutsch-französischen Journalisten und Publizisten Prof. Dr. Peter Scholl-Latour über “Internationale Brandherde als Herausforderung für die deutsche Politik” oder unseren sich selbst vermarktenden Extrembergsteiger Hans Kammerlander über “Am seidenen Faden. Von Südtirol zum Jasemba (7.350 m): 40 Jahre auf Kurs!” reden hören. Ich kenne beide Referenten und wünsche viel Spaß!
RMD
Roland DürreFreitag, der 29. Juni 2012
Kabarett – Konsument
Ich bin eigentlich ein begeisterter Anhänger vom Kabarett und von Kabarettisten. Habe mit 15 in der Silvesternacht im Radio der Lach&Schieß-Gesellschaft und Dieter Hildebrandt mit Begeisterung gelauscht. Er, Sammy Drechsel, Jörg Hube (der ja auch noch “nebenher” Schauspieler war) und Gerhard Polt waren und sind für mich Idole. Georg Schramm, den Priol, den Pelzig und den Sigi, Hagen Rether, Pigor, Buchholz, die Gruberin und viele andere habe ich verehrt. So habe ich mir immer sehr gerne und häufig Kabarett aller Art angeschaut und so manchen Abend erlebt, der mich begeistert hat.
Vor kurzem hat sich da etwas geändert. Vom PM Camp in Wien (#pmcamp12vie) bin ich nach gut vier Stunden Zugfahrt in München angekommen und direkt zu Vince Ebert (Holger Ebert) gegangen. Und eigentlich hat der “Vince” genau so ein Kabarett gemacht, wie ich es mag.
Es war (zumindest in der ersten Halbzeit) ein großer Appell an die Freiheit. Lustig, redegewandt, sehr kritisch, durchaus intelligent auf dem hohen Niveau eines Naturwissenschaftlers. Ein mutiges Programm, das mir eigentlich so richtig aus dem Herzen gesprochen hat. Auch mit großen Pointen, so wie er z.B. einen gar garstig und sehr misslungenen Kopf auf ein Flipchart malte und in die Runde fragte, ob sich jemand trauen würde, darunter “Mohammed” zu schreiben. Natürlich hat sich keiner gemeldet. Die Angst saß allen in den Knochen.
Klar gab es auch ein paar Plattitüden und manche vorhersagbare Pointe, aber bei so einem langen Programm ist das nicht zu vermeiden. Und ich vertrage ja auch durchaus mal zwischendurch einen plumpen Scherz.
So war das nicht der Grund, dass ich keine Freude am Programm hatte und zur Pause gegangen bin. Und ich wusste auch gar nicht warum ich unbedingt weg wollte. Denn das Programm war eigentlich so gut, dass ich durchaus auf die zweite Halbzeit neugierig war. Aber ich hatte partout keinen Bock zu bleiben. Und musste lange nachdenken, warum das so war.
Und dann fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Ich hatte keine Lust mehr, als Konsument in einem Saal zu sitzen und mir Dinge erzählen zu lassen. Selbst dann, wenn mir mehr oder weniger alles, was da gesagt wurde, gefällt. Obwohl es lustig war und es so viel zum Lachen gab.
Der Kontrast zum PM Camp (einem sehr interaktiven Barcamp) war einfach zu groß. Da durfte ich zuhören, wenn ich wollte. Und etwas sagen, wenn ich wollte. Jetzt hatte ich einfach keine Lust mehr, Marktschreiern zu folgen. Selbst wenn das, was sie sagen, mir gut gefällt. Ich mag nicht mehr passiv sitzen und zuhören. Ich möchte mitmachen. Ich mag nicht mehr nur Konsument sein, sondern auch produzieren.
Da ist mir auch klar geworden, warum ich Fernsehen gar nicht mehr mag. Den angeschalteten Fernseher halte ich nur noch als Berieselungsanlage im Hintergrund aus. Warum ich auch keine Lust auf Kino mehr habe und mir nur noch selten Filme anschauen mag. Wenn dann nur noch besonders empfohlene in einer Clique mit ein paar Kumpels.
Ich habe “Null Bock” darauf, mir Unterhaltung servieren zu lassen!
Und ich habe den Eindruck, dass es immer mehr – gerade jungen Menschen – so geht wie mir.
Die einzige Form von Unterhaltungs-Konsum, der mich begeistert, ist das Theater. Da spielen Menschen mit Leidenschaft für mich. Eine gute Inszenierung ist ein Gesamtkunstwerk. Und die in einem guten Stück vorhandene Dialektik belebt sowohl meine konsumierende wie auch meine produzieren wollende Seele.
Deswegen empfehle ich in München das Volkstheater und die Kammerspiele allen denen ganz besonders, denen es wie mir geht.
RMD











