Roland Dürre
Mittwoch, der 9. August 2017

Vielfalt – Beitrag zur Blogparade des PM-Camp Berlin 2017

Gemalt von Christian und Daniel auf dem letzten PM Camp in Dornbirn. (©Visual-Braindump 2016)

Als einer der Mitstarter der PM-Camp-Bewegung verfolge ich die Entwicklung und Ereignisse rund um das PM-Camp auch nach dem Ende des Ur-PM-Camps in Dornbirn weiterhin. Obwohl mir das Thema „Projekt Management“ nicht mehr am Herzen legt.

Ich gehe davon aus, dass es in ein paar Jahren den Zertifikaten zum Projekt Management genauso ergehen wird wie dem Führerschein:
🙂 Weise Menschen werden beides zu ihrem Glück nicht mehr brauchen.

Beim PM-Camp Berlin war ich immer ganz besonders gerne und oft dabei. Das nächste findet vom 7. bis 9. September 2017 statt. Ich mag Berlin als Stadt der VIELFALT, so wie ich das Orga-Team dort ganz besonders  mag und schätze. Und wenn Heiko zur Blogparade
„VIELFALT – in Projekten und darüber hinaus …“
auf ruft bin ich natürlich sofort dabei.

Zur Inspiration habe ich den Beitrag zur „VIELFALT“ von Dr. Eberhard Huber heute morgen ganz schnell gelesen (Eberhard hat gemeinsam mit Dr. Jens Hoffmann, Dr. Marcus Rainer, Dr. Stefan Hagen und meiner Wenigkeit den PM-Camp-Gedanken formuliert und gemeinsam mit weiteren Frauen und Männern vorangetrieben).

PM Camp Berlin 2017 und die Vielfalt


Begriffe: BLAU und ROT sind wie KOMPLEX und KOMPLIZIERT nur als Methapher erträglich.


Das Denken und Diskutieren in „BLAU“ und „ROT“ mag hilfreich sein, wenn diese Begriffe als Metapher akzeptiert werden. Aber auch wirklich nur dann. Die intellektuellen Definitionen und das wissenschaftliche Getue sind mir wie die scheinbar so rationalen Debatten in Social Media ein Graus.

Gleiches gilt für den Disput um die spannende aber völlig sinnlose Frage, was eigentlich der Unterschied zwischen „KOMPLEX“ und „KOMPLIZIERT“ ist?! Da will MENSCH wieder etwas lösen, was eben nicht lösbar ist.

Roland Dürre
Sonntag, der 15. Januar 2017

PM Camp Klausur 2017 – #pmcamp – 20. 01. 2017

Es ist sicher keine Breaking-News – aber am Freitag kommender Woche ist die PM Camp Klausur 2017.

Zur PM Camp Klausur treffen sich einmal im Jahr Vertreter*Innen aller Orga-Teams. Gastgeber des Prozesses ist in diesem Jahr das Orga-Team Dornbirn (Eberhard, Marcus, Stefan, Roland), die logistische Unterstützung erfolgt durch die InterFace AG.

So werden sich am Freitag, den 20. Januar 2017 von 8:00 bis 16:00 die Vertreter der Orga-Teams der PM-Camps Barcelona, Berlin, Dornbirn, Hamburg, Karlsruhe, München, Rhein-Main, Stuttgart und Zürich bei der InterFace AG in Unterhaching treffen.

Die PM-Camp-Klausur ist die Instanz, die an der strategischen Weiterentwicklung der PM-Camp-Bewegung arbeitet. So sind die Ziele der Teilnehmer:

  • Rückblick
    Wie haben sich die PM Camps entwickelt?
    Berichte von Format-Experimenten in 2016
  • Status Quo
    Wo stehen wir aktuell? Was ist uns JETZT wichtig?
  • Ausblick
    Was müssen wir beachten bzw. aktiv angehen, damit die PM Camp Bewegung weiter relevante Impulse in die PM Szene setzen kann?

Ich veröffentliche den Termin, um allen Freunden der PM-Camp-Bewegung oder/und Besuchern von PM-Camps die Gelegenheit zu geben, ihre Gedanken und Ideen der PM-Camp-Klausur zur Verfügung zu stellen.

Wenn Ihr also Anregungen habt, die die Zukunft von PM-Camp betreffen, so sendet diese als E-Mail an mich – ich werde diese sammeln und dann in die Runde einbringen.

Ich freue mich schon auf viele Impulse von und Inspiration durch Euch!

RMD

P.S.
Am Vorabend (Donnerstag, 19. Januar 2017) treffen sich die Frühankommer ab 19:00 im Althaching in Unterhaching. Wer Lust hat, alte Freunde wieder zu sehen, kann gerne dazu kommen.

Roland Dürre
Donnerstag, der 20. Oktober 2016

UNTERSCHEIDE OHNE ZU TRENNEN – #PMCampDOR 2016 – 18.-19. November

logo-dornbirnVor sechs Jahren ist die PM-Camp-Bewegung in Dornbirn gestartet. Seit dem gab es eine ganze Reihe von PM-Camps in vielen Städten Deutschlands, Österreichs und der Schweiz. Alle waren sehr erfolgreich, die Teilnehmer waren immer sehr glücklich und sind in dem Bewusstsein heimfahren, viel Neues erlebt und verstanden zu haben. Und neue Freunde gewonnen zu haben!

Die verschiedenen Orga-Teams der vielen PM-Camps haben immer tolle Themen als Impuls kreiert. In Dornbirn erinnere ich mich da an „Menschen sind keine Ressourcen“, „Muster brechen“, in Berlin zum Beispiel an „Komplex versus kompliziert“ oder „Digital im Projekt“, in Stuttgart unter anderem an „Produkt als Projekt“ und vieles mehr.

Dieses Jahr hat das Orga-Team (da bin ich Teil von) des PM-Camp Dornbirn beschlossen, für das kommende Barcamp am 18. – 19. November 2016 als Impuls zu formulieren:

UNTERSCHEIDE OHNE ZU TRENNEN!

Es war Stefans Vorschlag, der mir sehr gut gefallen hat. Ich meine, dass dieser Satz mit nur vier Worten eine wichtige Botschaft enthält. Die es aber erst zu dechiffrieren gilt. Hier ein Versuch.


Zuerst gucke ich mir den Begriff „unterscheiden“ an und betrachte die Synonyme dazu. Im Openthesaurus.de finde ich zuerst mal:

(sich) abheben (von) · abweichen · anders sein (als) · einer anderen (… z.B. Sorte) zuzuordnen sein · herausfallen · (sich) herausheben · nicht dazugehören · (sich) unterscheiden (von) · verschieden sein · differieren (bildungssprachl.) (geh.) · divergieren (bildungssprachl.) · auseinanderhalten · nicht verwechseln · trennen · unterscheiden · (einen) Unterschied machen (zwischen) · differenzieren (geh.) · distinguieren (gewählt, sehr selten) (geh.) · (sich) (voneinander) unterscheiden · unterschiedlich sein · variieren · voneinander abweichen.

Auch „trennen“ ist kein einfacher Begriff. Hier finde ich im selben Thesaurus noch mehr Synonyme:

abwracken · atomisieren · auflösen · aufspalten · aufteilen · auftrennen · auseinanderbauen · auseinandernehmen · demontieren · fragmentieren · partagieren · pulverisieren · spalten · teilen · tranchieren · trennen · unterteilen · untertrennen · zergliedern · zerlegen · zersetzen · zerspalten · zersplittern · zerteilen · zertrennen · isolieren · separieren · trennen · vereinzeln · zerstreuen · zerteilen · ablösen · abmachen · abtrennen · entfernen · loslösen · trennen · separieren (fachspr.) · abhängen (ugs.) · abkuppeln (ugs.) · loseisen (ugs.) · auseinanderbekommen · auseinanderbringen · voneinander lösen · locker machen · lockern · lösen · losmachen · trennen · abkoppeln · abkuppeln · losbinden · trennen · (einander) entgegensetzen · entzweien · polarisieren · scheiden · spalten · trennen · verfeinden · auflösen · dissoziieren ·  abscheiden · absondern · abspalten · auf die Seite legen · auf die Seite tun · ausgliedern · ausmustern · ausrangieren · aussieben · aussondern · aussortieren · beiseitelegen · eliminieren · entfernen · entnehmen · extrahieren · herauslesen · herausnehmen · herauspicken · heraussuchen · isolieren · selektieren · separieren · streichen · trennen · auslesen (fachspr.) · (sich) das Beste herauspicken · (sich) die besten Stücke herauspicken · guten ins Töpfchen, die schlechten ins Kröpfchen (tun) · geschieden werden (von) · (sich) scheiden lassen (von) · (sich) trennen (von) · nicht mehr zusammen sein mit (ugs.) · auseinanderhalten · nicht verwechseln · trennen · unterscheiden · (einen) Unterschied machen (zwischen) · differenzieren (geh.) · distinguieren (gewählt, sehr selten) (geh.) · auseinandergehen · getrennte Wege gehen · nicht mehr zusammen sein · (sich) scheiden lassen · (sich) trennen · Schluss machen (ugs.) · absondern · abspalten · isolieren · separieren · trennen · segregieren (geh.) · sondern (geh.)

Im Thesaurus sind zu beiden Begriffen noch spannende Assoziationen festgehalten, die ich hier weggelassen habe. Sonst wäre es noch mehr Text geworden.


Begriffe sind in der Kommunikation von zentraler Bedeutung. In meiner Wahrnehmung haben die Synonyme zu „unterscheiden“ überwiegend einen positiven Klang. Sie hängen oft mit „Menschlichem“ zusammen. Die Synonyme zu „trennen“ dagegen klingen für mich eher negativ oder bestenfalls funktional und kalt. Zusammengefasst gefällt mir von der Anmutung her „unterscheiden“ so einfach viel besser als „trennen“.

Kann es so einfach sein? Unterscheiden ohne zu trennen, einfach weil die Synonyme von „unterscheiden“ sich einfach besser anfühlen als die von „trennen“? Für mich passt das, weil ich lieber positiv denn negativ denke. Und übe, mir dieses positive Denken auch aktiv an zu leben. Weil ich lieber ein positiver denn ein negativer Mensch sein möchte. Denn wenn ich selber positiv bin, kann ich auch ganz von selbst zu anderen Menschen positiv sein. Und wenn ich Negatives in mir habe, dann bekomme ich Frust. Der muss natürlich wieder raus. Und ich lasse ihn an anderen aus.

Es ist also ganz einfach. Unterscheiden und nicht trennen! Weil wir lieber miteinander wollen und nicht gegeneinander. Nur so kann ich fürs eigene Glück und für den eigenen Erfolg sorgen. Und nur wenn ich mir selber Respekt und Wertschätzung entgegen bringen kann, gelingt dies mir auch gegenüber anderen Menschen. So kann ich andere Menschen nur ein wenig glücklicher und erfolgreicher machen, wenn mir dies bei mir selber gelingt. Und das Glück und der Erfolg von anderen Menschen tut dann wieder mir selber gut. Denn wir sind zwar alle Individualisten aber als solche auch immer „TEIL VON UNS“.

Ich meine:
Jeder von uns ist anders. Das sollten wir würdigen und berücksichtigen. Das ist schön und darf aber kein Grund sein,  andere zu moralisieren, bewerten und trennen. Und daraus die Feindseligkeit zu entwickeln, die so schnell alles zerstören kann.

Genau das wollen wir auch auf #PMCampDOR auf keinen Fall machen! Wenn wir unterscheiden ohne zu trennen wird es ein ganz tolles und menschenfreundliches Camp werden! Also – ganz schnell anmelden und kommen! Ich freue mich aufs Wiedersehen!

RMD

P.S.
In der Blog-Parade zu #PMCampDOR 2016 finden sich noch weitere Beiträge zu „UNTERSCHEIDEN OHNE ZU TRENNEN“. Ich meine, es lohnt sich, da ein wenig herum zu stöbern.

Roland Dürre
Donnerstag, der 28. Juli 2016

Unterscheide, ohne zu trennen! #PMCampDOR 2016

pmcamp-logo-dornbirnNach dem PM-Camp ist vor dem PM-Camp. Das gilt auch fürs Orgateam des #PMCampDOR, das am 18. und 19. November 2016 wieder seine Tore öffnen wird. 2015 hatten wir in Dornbirn das Thema „Muster brechen“. Vielleicht wollten wir die steigende Komplexität und Dynamik, die uns verwirrt, damit einfach aufbrechen.

Heute erkennen wir die Vielfalt der Möglichkeiten besser. Wir entwickeln uns täglich in hohem Tempo weiter, die Lerngeschwindigkeit nimmt zu. Dank der Informationsgesellschaft sehen wir weiter über die Horizonte hinaus und können unser eingeschränktes Bild von „Welt“ erweitern. Das füllt unsere Herzen und Köpfe mehr als je zuvor.

Auch gegen die einfache Erkenntnis, dass Zukunft nicht vorhersagbar ist, sträuben wir uns nicht mehr. So wie wir immer deutlicher erkennen, dass der Mensch eben nicht die Krone sondern nur ein kleiner Teil der Schöpfung ist und dass unser für uns so wichtiger Mikrokosmos letzten Endes nur eine Illusion ist, die wir selber und ganz unbewusst konstruiert haben.

Dass wir uns Jahrhunderte dem Irrtum hingegeben haben, wir könnten mit unserem Kleinhirn alle Dinge durchdringen und auf Basis von unserem Wissen rational entscheiden. Und wir bemerken, dass der allergrößte Teil unseres Wissens und unserer Erfahrungen eben nicht einfach abrufbar ist sondern sich auf fast unheimliche Art und Weise bei uns meldet.

Besonders stellen wir fest, dass wir Entscheidungen nicht rational treffen sondern die Vernunft  im nach hinein Begründungen und Rechtfertigung liefert. Wir verlassen langsam den Jahrhunderte lang eingeschlagenen Irrweg, dass wir Herr über unser Handeln und so schuldfähig sind. Und beginnen dann der neuen Technologie ein wenig die wahre Dimension von sozialer Interdependenz.

Um in diesem neuen Leben bestehen zu können, müssen wir wahrscheinlich Unterschiede und Widersprüche erkennen und nutzen. Vereinfachen, Simplifizieren oder gar Trivialisieren wird uns nicht weiterhelfen, wenn wir im Frieden mit uns selber und so in Zufriedenheit leben wollen. Das ist die Voraussetzung um auf Feindbilder verzichten lernen und im sozialen Frieden mit der Natur und unseren Mitmenschen. Also, die Dinge so annehmen wie sie sind und mehr differenzieren und weniger klassifizieren.

RMD

Roland Dürre
Samstag, der 23. April 2016

Neue Barcamps braucht das Land!

Jetzt weiß ich, warum meine Begeisterung für Barcamps nachlässt …

PM_BannerDiese Woche war ich beim ersten (!) Barcamp eingeladen, das einer der ganz großen deutschen Weltkonzerne in seinem Unternehmen veranstaltete. Die „Unkonferenz“ galt als Experiment und hatte als Thema eines der modernen „Führungsprinzipien“.

Man wollte mal etwas Neues ausprobieren und hat dazu zirka 50 interne Mitarbeiter und ein paar externe eingeladen (einer davon war ja ich). Die Mitarbeiter aus dem Konzern waren fast alles junge „high potentials“, darunter viele persönliche Assistent*innen von Vorständen bzw. Bereichs- oder Produktverantwortlichen.

Von den Freiheitsgraden war das Barcamp ein wenig eingeschränkt. So wurde das „Prinzip der Füße“ und die Rollen der „Schmetterlinge und Bienen“ bewusst nicht formuliert. Ich habe nachgefragt, die Veranstalter waren in der Sorge – nach meiner Meinung zu unrecht, dass es dann dass doch zu viel der Innovation sein könne.

Aber: Die Veranstaltung war wahnsinnig gut.

Ich hatte den Eindruck, dass nach kurzer Skepsis alle Teilnehmer richtig begeistert mit gemacht haben. Und dass es für alle eine tolle Geschichte war. Kein einziger der Teilnehmer hatte sich explizit mit einem Vortrag oder ähnlichem vorbereitet! So haben alle Sessionsgeber nach kurzem Nachdenken spontan ihre Probleme, Sorgen und auch Erlebnisse formuliert. Und das kam an – so wurde in allen Sessions immer an Themen gearbeitet, die wohl brennend wichtig und sehr spannend waren.

Ich habe auch wieder mal viel gelernt und war froh, dabei gewesen zu sein. Besonders habe ich viel besser verstanden, wie große Konzerne heute betreffend Führung und Management ticken. Als Wissens-Beifang wurde mir auch bewusst, dass es tatsächlich in der Regel nicht mehr darum geht, Produkte zu kreieren, die den Kunden nutzen. Denn als erstes geht es um die Bewertung, ob es im Markt noch Bereiche gibt, die unterversorgt sind („produktfreie“ Lücken), von denen jedoch eine Mehrheit der befragten Menschen glaubt, das man so etwas brauchen kann.

Wenn diese Bedingung erfüllt ist, dann geht es nur noch darum, ob es eine gute Marketing-Strategie und ein Vermarktungs-Konzept gibt, dass wesentliche Skalierung und gute Profitabilität (Herstellungskosten / durchsetzbarer Preis) ermöglicht. Dass der Nutzen eines Produkts bei der kreativen Planung so gar keine Rolle mehr spielt, hat mich dann doch ein wenig entsetzt.

Eine (indirekte und) für mich persönlich wichtige Erkenntnis war aber (und deswegen schreibe ich hier), dass mir auf diesem „Konzern-Barcamp“ klar wurde, warum ich immer barcamp-müder werde:

Je länger es ein barcamp gibt, desto mehr Menschen kommen mit vorbereiteten Themen und formulieren nicht mehr spontan und/oder im Kontext des Geschehens ihre Anliegen.

pmcamp3Diese Tendenz sehe ich leider auch immer mehr bei meinen ehemals so richtig geliebten PM-Camps, denen ich bisher immer treu die Stange gehalten habe. Und bin dann mittlerweile am meisten im Kaffeeraum und rede mit den vielen tollen Menschen, die da immer da sind. Auch meine ich bei anderen barcamps zu sehen, dass jedes Jahr die „konfektionierten“ Sessions immer mehr werden und so die Unkonferenz sich nur noch aufgrund ihrer Format-bedingten Freiheit ein wenig von einer guten klassischen Konferenz unterscheidet.

Ein Lösungsansatz könnte so sein:
a) Deutlich zu kommunizieren, dass es besser ist, wenn wir auf barcamps wieder den Moment wirken lassen und sich ausschließlich spontan und aus der eigenen und gemeinsamen Erkenntnis-Situation heraus Sessions anbietet und
b) Die Planungsphasen iterativer und „gemeinsamer“ zu gestalten
(also am Morgen nur die Sessions für den Vormittag festlegen, dann im Forum kurz zu reflektieren, was passiert ist und wie man das am Besten fortsetzen kann).

Die immer wiederkehrende Gradwanderung zwischen individuell (allein) und kollektiv (gemeinsam)  und zwischen agil und im voraus geplant ist sicher nicht einfach hinzukriegen. Aber wir müssen es immer wieder versuchen.

RMD

Roland Dürre
Samstag, der 28. November 2015

PM Camp Dornbirn – zwischen Anspruch und Realität?

pmcamp-logo-dornbirnDas PM-Camp in Dornbirn 2015 war auch im Rückblick recht gelungen. Die meisten (eigentlich alle) Teilnehmer haben sich sehr wohl gefühlt und sind hoch zufrieden nach Hause gefahren. Das finde ich toll.

Viele Teilnehmer haben auch unseren Rückmeldebogen genutzt. So haben uns (das Orga-Team) viele konstruktive Rückmeldungen erreicht. Die arbeite ich gerade durch, so wie auch die Twitter-„Timeline“ zu unserer Unkonferenz. Die „Timeline“ kann man unter dem Hashtag #PMCampDOR nachlesen. Was übrigens viel Spaß macht, es ist eine Retrospektive mit vielen nützlichen Links entstanden.

Das Feedback war statistisch wie in den Einzeläußerungen sehr positiv. Das hat dem Orga-Team gut getan. Barcamps sind etwas Besonderes. Sie basieren auf Freiheit, Augenhöhe, Partizipation, Gleichberechtigung. Das kann man auch als „Schwächen“ sehen. Allerdings Schwächen, die mir persönlich sehr gut gefallen. Ein Barcamp lebt aus dem Augenblick. Man kann es nicht steuern, die „Sitzungen“ (Sessions) entstehen im Kontext zum gerade Erlebten. So soll es sein. Und das ist gut so!

Anders gesagt:
Freiheit und Verschiedenheit können auch polarisieren. Es entstehen Schwerpunkte und Annahmen, die nicht immer jedem gefallen. Das muss man aushalten können, so wie auch Freiheit nicht immer leicht zu ertragen ist. Die Toleranz braucht.

Auch die Demokratie hat ihre problematische Seite. Die äußert sich schon in der Frage, wie man Demokratie am besten organisiert? Ich denke an die leidenschaftliche Diskussion  von „direkter Demokratie versus parlamentarischer“ – die eine gilt als die Lösung (wie in der Schweiz) und wird auch als hochgefährlich eingestuft wird (wie bei uns, weil wir glauben, dass das Volk so dumm ist). Und auf der anderen Seite sind viele mit unserer „parlamentarischen Demokratie“ gar nicht mehr glücklich.

Unkonferenzen sind demokratisch. Sie leben ganz besonders von den Menschen, die teil nehmen. Man trifft sich – im Unterschied zu Konferenzen – in einem relativ freien und nur wenig formatierten Raum. So können sich gruppendynamische Entwicklungen ergeben, die nicht jedermann gefallen. Aber jeder hat auch die Möglichkeit, dagegen zu steuern.

PM-Camps sind sehr pluralistische Treffen. Es trifft sich männlich und weiblich, alt und jung, Berufseinsteiger und -aussteiger, erfolgreiche und weniger erfolgreiche, Studierte und welche dies gelernt haben, ernste und lustige Menschen, „nicht so wohlhabende“ und „reiche“ usw. Vielleicht können solche Barcamps ein wenig den Spagat zwischen ICH und WIR schaffen und die Spannung zwischen „individuellen“ und „kollektiven“ Bedürfnissen lösen.

Und wie für Projekte gilt, dass Technologie und Werkzeuge nicht mehr das Problem sind. Auch die vorhandenen Methoden taugen in der Regel mehr oder weniger. Die meisten Projekte scheitern jedoch, weil es „menschelt“. Das ist auch die Gefahr bei barcamps. Man kann nicht allen alles recht machen. So wurden in Tweets wie in den Feedback-Bögen manche Details gleichzeitig sehr gelobt und kritisiert.

Neben den positiven Rückmeldungen gab es auch Kritik und Vorschläge für Verbesserungen. Die Verbesserungsvorschläge werden wir – soweit sie nicht den Prinzipien der Freiheit des Barcamps widersprechen – sehr ernst nehmen. Genauso wie wir uns die Kritik zu Herzen nehmen werden. Allerdings könnte man auch sagen:
Bei einem Barcamp ist manche Kritik des Teilnehmers auch Kritik an sich selber.

Ich liste mal ein paar der Rückmeldungen auf und kommentiere sie:

Positives Feedback:

Die positiven Rückmeldungen sind die große Mehrheit. Obwohl es Spaß machen würde, hier alle zu zitieren, erwähne ich nur ein paar:

Wenn es das PMCamp noch nicht gäbe, müsste man es erfinden!!

Ich komme wieder!

Ich konnte sehr viele Erkenntnisse mitnehmen, Erfahrungen und sehr interessante Bekanntschaften machen!

Weiter so, nicht regulieren!

Die Atmosphäre war sehr vertraut und angenehm, die Gespräche haben auf Augenhöhe stattgefunden!

Da könnte ich so weiter machen – und ganz oft gab es ein

Großes Dankeschön!

und 100 % haben die Frage:

„Würdest Du das PM Camp einem Kollegen / einer Kollegin weiter empfehlen?“

mit JA beantwortet.

Darüber haben wir uns natürlich sehr gefreut. Alle positiven Rückmeldungen werten wir im Orga-Team gewissenhaft aus. Gilt doch für Gemeinschaften, wie für Menschen bei der „Persönlichkeits-Entwicklung“ (oft auch Management oder Führungs-Training genannt), dass man zu erst mal seine Stärken fördern soll und nicht immer versuchen soll, die Schwächen abzubauen. Weil das Zweite meistens eh nicht gelingt und das Erste so viel mehr bringt. So wollen wir auch gerade das, was schon gut ist, noch besser machen.

Ich habe aber auch Beispiele von

negativem Feedback:

das WLAN auf dem Camp war eine Katastrophe …

Ja, das war so. Ich weiß aber, wie sehr sich gerade Stefan im Vorfeld und während der Veranstaltung bemüht hat, an der Uni für eine Verbesserung der Situation zu sorgen. Ich hatte am Vorabend auch noch einen Dialog mit einem der Spezialisten, der mir die Problematik klar machte. An der Uni wurden auch Anstrengungen unternommen, aber sie haben es halt wieder nicht geschafft. Aufgrund hoch komplizierter Sicherheitsaspekte sind die Systeme so aufgesetzt, dass die Techniker es nicht hinkriegen. Natürlich werden wir im nächsten Jahr versuchen, das Thema besser hinzukriegen. Wir sollten aber auch wertschätzen, wie viel die Fachhochschule Dornbirn als Sponsor für uns tut und da ein wenig gnädig sein.

Info zu Parkmöglichkeiten fehlte!
Ja – die lieben Autofahrer 🙂 .

Präzisere Ankündigung der Veranstaltung (Beginn, Ende) auf der Website.
Das kann man natürlich verbessern.

Fotos der Sessiongeber helfen bei der Orientierung.
Leider war „Aebby“ (Eberhard Huber) kurzfristig verhindert, so blieb auch seine Polaroid-Kamera in Baden-Württemberg.

Zu
Ice-Breaking, Moderation und Vorstellungsrunde
waren die Kritiken/Vorschläge sehr gegensätzlich. Die einen wollten eine Vorstellungsrunde, die andern keine. Die einen mehr, die anderen weniger Moderation und/oder „ice-breaking. Ich würde sagen, das war so fifty/fifty.

Viele Gedanken und Verbesserungsvorschläge in den Feedback-Bögen drehen sich um
„Newbees“ und „Klassentreffen von alten PM-Camp’lern) und wie man die Qualitätsverbesserungen von Sessions zum Beispiel durch Coaching-, Mentoring- oder Moderationsangebote erreichen kann.
Eine leichte Mehrheit hat hier eine explizite Unterstützung für Newbees gewünscht, der Rest meinte, dass dies ganz gut „automatisch“ gelungen wäre. Ich meinte auch herauszulesen, dass bei kleineren PM-Camps wie in Barcelona besser gelingt als bei so großen wie in Dornbirn. Also fast indirekt eine Kritik, dass Dornbirn zu groß wird.

Kritik wurde auch an einzelnen Sessions und dem Angebot von Sessions geübt.

Die Sessions waren zu IT-lastig.

Vermisst habe ich die Spiele.

Die Sessions des zweiten Tages sollten mehr auf denen vom Vortag aufbauen.

Prinzip und die Varianten von Sessions sollte im Vorfeld gerade für die „newbees“ besser erklärt werden.

Alles, das den Rahmen für die Sessions verbessert, unterstütze ich. Ich meine aber, dass die Organisatoren sich nicht in den Inhalt der Sessions einmischen sollten. Die gehören den „Teil-Gebern“. Die Organisatoren haben die Chance, durch formulieren des Mottos und Auswahl der Impulsgeber im Vorfeld die Menschen, die an diesen Botschaften interessiert sind oder sich daran reiben wollen zum Kommen zu motivieren. Und das sollte genügen.

Auch Herausforderungen für die Zukunft wurden genannt, hier hat mir eine besonders gut gefallen:

Das hohe Niveau zu halten wird DIE Herausforderung der Zukunft sein.

Das sehe ich auch so!

Nebenbei: Auch im offiziellen Blog der GPM gab es neben (zu) viel Lob einiges an Kritik fürs PM-Camp Dornbirn. Dort hat Reinhard Wagner in einem post vom PM-Camp in Dornbirn berichtet und sich im letzten Absatz doch recht negativ geäußert (… Anspruch konnte das PM Camp nur bedingt gerecht werden. …).
Weil ich hier eine Reihe von Missverständnissen sehe und ich auch persönlich erwähnt wurde, habe ich mich im folgenden mit den Aussagen von Reinhard „dialektisch“ auseinandergesetzt und versuche hier ein paar Dinge richtig stellen.


Hier geht es los mit dem Text des letzten Absatzes von Reinhard im GPM-Blog. Die kursiven Teile sind zusammen der komplette letzte Absatz, den ich 1:1 aus dem Post von Reinhard (RW) kopiert habe. Dahinter mit „normalem“ Font stehen immer meine Kommentare (RMD), so also immer abwechselnd.

(RW) … Das Motto des diesjährigen PM Camp Dornbirn war „Musterbrechen“ (Welche Muster sollten wir im PM brechen und wie kann der Musterbruch gelingen?). Diesem Anspruch konnte das PM Camp nur bedingt gerecht werden. Dies ist aus meiner Sicht auch das Dilemma der gesamten „PM Camp“-Bewegung.
(RMD) Nicht nur das PM-Camp sondern die ganze menschliche Gemeinschaft hat dieses Dilemma, dass Veränderung nicht in dem Masse  gelingt wie dies notwendig oder zumindest wünschenswert wäre. Das belegt die aktuelle Geschichte (Kriege, Terrorismus, Zerstörung des Planeten …).
Mein Problem mit den Sätzen von Reinhard ist, dass ich als Anspruch eines PM-Camps eigentlich nur sehe, a) ein guter Gastgeber zu sein und b) die „richtigen Teilgeber“ zu finden. Das ist auch das Ziel des Orga-Team Dornbirn für „unser“ PM-Camp. Und wie ich meine auch der der gesamten „PM-Camp-Bewegung“.
Jedes Jahr besprechen wir im PM-Forum (unser strategisches Organ aller PM-Camps), wie wir das am besten hinkriegen. Da treffen sich die Vertreter der regionalen Orga-Teams (die operativen Veranstalter, die die Camps machen) und des Kern-Teams (die normative Ebene der Gründer). In dieser Klausur tauschen wir aus, wie wir es besser machen können, dass Ihr – unsere Gäste und Besucher – noch besser Wissen austauschen, Konsens finden und Erkenntnis gewinnen könnt.
Das Orga-Team eines PM-Camps hat vor allem die Rolle des Gastgebers. Es sucht Sponsoren und finanziert so gemeinsam mit den Beiträgen der Teilnehmer/Teilgeber die Veranstaltung. Ergänzend versuchen wir durch gedankliche Anregungen (im Vorfeld ein Motto wie zum Beispiel die Metapher des „Musterbrechen“) und auf dem Camp durch Impulsvorträge (das Was) und Vorschläge zur Methodik (das Wie) das Gelingen zu fördern, ohne aber den Kern eines barcamps zu gefährden. Wir sind achtsam bemüht, dass nicht klammheimlich aus der „Unkonferenz“ eine Konferenz oder Kongress wird.
Zur Erinnerung:
Ein PM-Camp ist nichts anderes als ein Barcamp, dass sich besonders an Projekt Manager, Manager, Unternehmer, Führungskräfte richtet, eigentlich an alle Menschen, die bereit sind Verantwortung für Zukunft zu übernehmen. Es gibt diesen eine Plattform zum Austausch und unterstützt so die Vernetzung.

(RW) Die „jungen Wilden“ (sorry Roland Dürre) wollen sich „krampfhaft“ von den etablierten Größen der Branchen, allen voran die GPM, das PMI oder die PRINCE2-Community abgrenzen.
(RMD) Zu den jungen Wilden: Da sehe ich mich ja nicht mehr ganz so. Mit dieser Metapher habe ich manch jungen start-up gemeint. Die legen schon ganz anders los, als ich es von „etablierten Unternehmen“ gewohnt bin. Und wenn ein Start up mal so richtig Erfolg hat, dann ganz gewiss nicht, weil er in Projekten denkt.
Aber zurück zum Text: Allein schon die Wortwahl „etablierte Größen der Branche“ zeigt die problematische Positionierung von Reinhard. Ich sehe die „PM-Camp-Bewegung“ in keiner Rivalität mit „etablierten Größen der Branche“. Denn wir sind eben kein Verband. Wenn, dann sind wir eine Alternative für die, die sich in einem freien Rahmen treffen wollen, um Wissen und Erfahrung auszutauschen. Auf einem PM-Camp regt man sich gegenseitig zum Nachdenken an. Da treffen sich die ICHs „als Teil vom“ WIR. Das hat nichts mit einem Verband oder ähnlichen Strukturen zu tun. Auch deshalb darf und wird das Orga-Team keine proaktive Empfehlungen geben.
Die „PM-Camp-Bewegung steht übrigens in enger Abstimmung mit openPM, dem offenen Portal mit Plattform zum freien Austausch für alle Projekt Manager. openPM ist ein gemeinnütziger Verein, den ich auch nicht in Rivalität zu den „etablierten Größen“ sehe. So hat auch openPM nichts mit den genannten Vereinen/Verbänden zu tun.
Ich persönlich hüte mich deshalb vor Vereinen und Verbänden, weil in meiner Wahrnehmung diese sich oft im Besitz der „Wahrheit“ wähnen, diese in „Gesetz- und Regelbücher“ fest schreiben und und dann Lehren und so ihr (vieles) Geld verdienen. Da grenze ich mich ab, aber nicht krampfhaft sondern einfach eindeutig im Sinne von klar.

(RW) Das Muster „agil“ versus „traditionell“ wird allzu oft bemüht. In fast allen Diskussionen wird immer wieder der Vergleich „Industriezeitalter ist alt und schlecht“ versus „Informationszeitalter ist jung und gut“ bemüht, das gleiche wird auf „Wasserfall“ versus „Scrum“ usw. übertragen.
(RMD) Hier hat Reinhard wohl etwas falsch verstanden. Mag sein, dass es da vor Jahren Fronten gab. Um diesen Unsinn zu beenden, starteten wir in 2011 in Dornbirn ein PM-Camp mit dem Motto „Brücken bauen“.
So habe ich auf dem PM-Camp in Dornbirn kaum Konflikte „agil“ versus „traditionell“ oder ähnlich wahrgenommen. Im Gegenteil, alle die ich gehört habe – auch die Impulsgeber – haben betont, dass alles seine Rechtfertigung hat, man sich nur gut überlegen muss, was man wann und für welchen Zweck einsetzt.
Ich meine eh, dass zu „agil“ alles was wichtig ist im „agile manifesto“ geschrieben wurde. Das, was dort steht, ist eine Empfehlung, den „gesunden Menschenverstand“ in „Redlichkeit“ zu nutzen. Und das ist doch keine Methode? Sondern eigentlich eine Selbstverständlichkeit. Genauso wie, dass man in Projekten viel falsch machen kann.

(RW) Ein Vortrag sprach sich gegen alle Regeln und „Muster“ aus und propagiert ein paar Folien weiter, dass man ja keine Projekte machen solle (#noprojects).
(RMD) Wenn hier der Impuls von Robert Weisgräber gemeint war, so war das einer der besten Vorträge, die ich seit langem gehört habe. Auch die Rückmelde-Statistik belegt dies. Aber vielleicht ist die Metapher von #noprojects nicht ganz so einfach zu verstehen. Dass man keine Projekte machen soll, habe ich so aber nicht raus gehört. Viel mehr, dass man sich gut überlegen soll, was man tut.

(RW) In einem Workshop zur „Lebendigkeit von Organisationen“ wird versucht, die Wirkmechanismen einer solchen Organisation aufzuzeigen. Auf meine Frage, ob wir das mal am Beispiel der – leider sehr erfolgreichen – Organisation des Islamischen Staates aufzeigen können wird dies brüsk abgelehnt mit dem (Totschlags-)Argument, das passe jetzt gar nicht hier rein.
(RMD) 
Natürlich können Aussagen in Sitzungen nicht immer allen Teilnehmern gefallen. Das hat etwas mit Demokratie zu tun. Ich halte es aber auch für nicht zielführend, die IS als sinnvolles Fallbeispiel zu diskutieren. Nicht nur, weil das mir die IS eine kriminelle faschistische Organisation zu sein scheint (Auch das dritte Reich war faschistisch. Und trotzdem hat der „GröFaZ“ mit agiler Kriegsführung der etablierten Generalissima das Fürchten beigebracht).
Aber natürlich hätte Reinhard Wagner eine eigene Session zu IS machen können oder vielleicht präziser formuliert zum Thema „Moderner Guerillakrieg von faschistoiden Organisationen als erfolgreiche Methode im Kampf gegen militär-technisch überlegene Armeen“. Die hätte ich allerdings nicht besucht (oder wenn, dann nur um mein Unverständnis auszusprechen).

(RW) Schließlich versuchte ein Teilnehmer, das Cynefin-Framework zu diskutieren. Diese endete dann mit der Einteilung, dass alle Ingenieure und Betriebswirtschaftler auf der rechten Seite zu verorten seien (simple oder komplizierte Systeme), wohingegen die Software-Entwickler die kreativen Wilden, also auf der linken Seite des Frameworks zu finden sind. Das bringt natürlich keinen wirklich weiter.
(RMD) 
Auch hier geht es um den Inhalt einer Session. Das hat nichts mit dem PM-Camp Dornbirn zu tun. Ich sehe es persönlich aber ähnlich wie Reinhard Wagner und halte die ganze Diskussionen zu kompliziert/komplex, links/rechts, blau/rot mehr oder wenig für esoterischen Humbug. Wobei man aus falschen Annahmen und falschen Schlüssen durchaus richtiges ableiten kann …

(RW) Statt Muster zu brechen, werden alte Klischees in ein neues Gewand gepackt.
(RMD) 
Den Satz verstehe ich nicht. Aber das pauschal vom PM-Camp Dornbirn zu behaupten empfinde ich schon als starken Tobak. Mir klingt diese irgendwie nach Kulturpessimismus. Ich gestehe aber zu, dass unsere Gesellschaft daran leidet, dass wir immer wieder die alten Muster bemühen. Und Phantasie und Kreativität eher verdrängen. Vielleicht führen hier Reinhard und ich dieselbe Klage.

(RW) Schließlich stellt sich mir die Frage, was die PM Camps mit ihrem Anspruch in der Praxis erreichen wollen.
(RMD) 
Nochmal: PM-Camps bieten einen Rahmen, der es den Menschen ermöglichen soll, sich zu treffen, im Vertrauen zu kommunizieren, Wissen zu teilen, Erkenntnis im redlichen Diskurs zu gewinnen. Es gibt keinen Zweck-Anspruch von Seite der Organisatoren des Camps. Wenn dann geht es darum, dass die Menschen, die kommen, sich gegenseitig größer machen – und eben nicht kleiner wie in vielen Lehrsystemen. Ich gehe aber davon aus, dass „Wissen teilen“ und vom „Gegenüber“ zu lernen für die Praxis meistens wertvoller sind als der Erwerb von Zertifikaten oder schlimmer die „Zertifizierung der Welt“.

(RW) Auf meinen Workshop-Impuls zu „Projektmanagement für soziale Zwecke“ gab es zwar viel Diskussion und begeisterte Redebeiträge, …
(RMD) Frage: „Was ist ein begeisterter Redebeitrag?“! 🙂

(RW) … auf meine Frage, wer nun was konkret machen will, waren alle ziemlich schnell (zum Mittagessen) verschwunden.
(RMD) 
Ist doch sinnvoll. Dazu hätte man ja den zweiten Tag für konkrete Sessions dazu nutzen können._

(RW) Zugegeben, es ist auch bei der GPM ziemlich schwer, die Mitglieder zur Umsetzung des Besprochenen zu bewegen.
(RMD) 
Ich wüsste nicht, warum es bei der GPM einfacher sein sollte als im täglichen Leben.

(RW) Hier erweist sich allerdings, ob es bei „Sonntagsreden“ bleibt, oder den „schönen Worten“ auch konkrete Taten folgen.
(RMD) Schon Seneca hat gesagt „Philosophie heißt nicht Reden sondern handeln“. Und das wir alle viel reden und nichts tuen sehen wir ja nicht nur bei der Veränderung des Klimas durch die Verbrennung von fossilen Brennstoffen. Aber auch hier entdecke ich eine Gemeinsamkeit mit Reinhard.

(RW) Das würde ich mir wünschen, aber vielleicht bleibt das auch nur ein frommer Wunsch zu Weihnachten 🙂
(RMD) Mein (weiß nicht ob frommer) Wunsch nicht nur zu Weihnachten ist, dass die Menschheit ein wenig weiser werden würde.


Auch wenn ich viel Gegenrede halte, möchte ich mich bei Reinhard explizit für seinen Artikel bedanken. Vielleicht ist das ein Beginn für eine leidenschaftliche und wunderbare Diskussion zur Frage:
Wie viel Verbände und Vereine brauchen wir wirklich?
Weil mir da eine ganze Reihe für überflüssig erscheinen und ich mir mehr von Graswurzelbewegungen erwarte.

RMD

P.S.
Die Überschrift dieses Posts ist nicht von mir, sondern vom post vom Reinhard übernommen.

Oder:

Wie ich das erste Mal echtes „Projekt Management“ erlebte.

Beim PM-Camp Berlin habe ich von vier Projekten aus der Vintage Zeit berichtet, die für mich sehr wichtig waren. Und hier angekündigt, dass ich alle vier auch in IF-Blog beschreiben werde.

Projekt 3

Jetzt kommt die Geschichte zum dritten Projekt:

Fernschreiber (Siemens T100) - eingeführt im Jahre 1958 - moderner Nachfolger des T50

Fernschreiber (Siemens T100 – 1958), der moderne Nachfolger des T50

Nach meinem Wechsel innerhalb der Siemens AG weg von UB D WS DF 131 hatte ich gemeinsam mit einem neuen Kollegen, der schnell zum Freund wurde, die technische Verantwortung für ein relevantes und absolut innovatives Groß-Projekt namens DISPOL.

Siemens hatte den Auftrag gewonnen, das Fernschreib-Netz der Polizei Bayerns durch ein Transdata-Netzwerk basierend auf moderner Leitungsvermittlung zu ersetzen. Parallel zur Netzablösung sollten auch die Karteikästen durch eine Datenbank in einem zentralen Host (Mainframe – das war ein BS 1000 System) und die Fernschreiber durch moderne Datensichtgeräte abgelöst werden.

Das war so ungefähr von 1979 – 1981. Ich war noch fest angestellt bei Siemens, allerdings war ich gerade der Entwicklungsabteilung von Transdata/PDN, bzw. der dort eingezogenen „Bürocracy“ entflohen und suchte jetzt mein Heil im „Vertrieb“ bei UB D V S 3. Das war die Abkürzung für „Unternehmensbereich Datenverarbeitung, Vertrieb, Sonderprojekte  3“.
Siehe dazu den Bericht zu meinem Vintage Projekt #2.

Mein Wechsel aus dem Labor zu den Sonderprojekten bewirkte, dass ich aus der lieb gewonnenen und so angenehm privaten Umgebung der Ortenburgstraße (nahe dem Standort Hofmannstr.) nach Neuperlach umziehen musste. Und schnell habe ich verstanden, warum das neue Gebäude an der S-Bahn Neuperlach Süd von vielen Menschen boshaft „Datasibirsk“ oder „Lego-Stadt“ genannt wurde.

Für mich war es noch schlimmer. Ich zog in ein kühles Hochhaus in einem eingezäuntem Areal ein, das mich an ein großes Kasernengelände erinnerte. Beton und kalter HighTech-Schick dominierten. Und ich fühlte mich auch kaserniert, das einzig zivile innerhalb des Geländes ein Obst-Händler, der seine Waren an seinem Stand innerhalb des Standortes feil bot.

Vom ersten Tag fühlte ich mich im nur außen bunten aber innen recht grauen Betonbunker unwohl. Dies obwohl man immerhin noch die Fenster öffnen konnte und es im Inneren des umzäunten Bereiches viel Grün gab. Doch auch das Grün war auf eine sehr nüchterne Art domestiziert – nicht so schön wie man sich z.B. einen Schloßgarten vorstellt sondern mehr so techno-zweckmäßig.

Aber ich hatte Glück. Ich war ja bei den Sonderprojekten – und die fanden eben nicht im heimischen Office statt, sondern draußen in der Welt. Und da ich quasi mit Herrschaftswissen ausgestattet war, war ich jetzt mein eigener Herr und fühle mich wie ein kleiner König.

Und so zog ich es vor, mich überwiegend in der Räumen des Kunden (Bayerisches Landeskriminalamt in der Maillinger Straße) zu bewegen und mich in Neuperlach nur sehen zu lassen, wenn es eben unbedingt notwendig war. Die Räume der Polizei kamen mir trotz strengster Sicherheitsvorkehrungen viel menschlicher vor als der neue High-Tech-Standort der Siemens AG.

Die Flucht aus dem der Bürokratie geopferten „Labor“ war gelungen und ich durfte das richtige Leben erleben. Und das Projekt Dispol war eine tolle Sache. Eine totale Innovation. Gemeinsam mit exzellenten Partnern auf Seite der bayerischen Polizei waren wir ein wunderbares Team, das maximal konstruktiv und auf Augenhöhe zusammen arbeitete. Allerdings kam ich zu einem Zeitpunkt, zu dem das Projekt recht fortgeschritten war.

Und es gab eine Reihe von Geburtsfehlern – in allen möglichen Dimensionen des Projekts. So galt es, zuerst mal eine Reihe von hohen Hürden zu überwinden; da hatten wir ein völlig unsinniges Design, das schon teilweise implementiert war (man wollte ein starres System völlig funktionswidrig mit dynamischen Verbindungsaufbau realisieren), es gab diverse Architekturfehler bei HW und SW, die ganz schnell korrigiert werden mussten (Systeme ohne lokalen Speicher für den schnellen Reload, mangelhafte Testumgebung …), der totale Ausfall von zugesagten Komponenten (ein Beispiel ist hier der Fernschreib-Port, der zwar die Protokolle der damaligen Post trefflich konnte, aber nicht die der Polizei, die schon „elektrisch“ ganz anders waren) und dazu viele weitere „normale“ Herausforderungen, die eben so auftreten, wenn man Dinge das allererste mal macht …

Und es gab auch eine schwierige Anforderung im Vertrag. Denn das neue Produkt DISPOL sollte ein Fernschreiber-Netz ablösen. Und solche Fernschreibernetze hatten (zumindest in Bayern) eine Verfügbarkeit über Jahre wenn nicht Jahrzehnte von echten 100%. Das heißt, sie fielen NIE aus.

Und das hat der Kunde natürlich auch von der neuen Lösung erwartet. Zurecht?! Da Siemens (damals) natürlich nicht dumm war, hatten sie im Vertrag ausgehandelt, dass das System zumindest keine Verfügbarkeit von 100 % haben musste. Es durfte auch ab und zu mal ausfallen. Man ahnte wohl, dass die EDV ihre Einschränkungen hatte. Aber eben nur „ab und zu mal“.

So war vertraglich vereinbart, dass die Abnahme erst erfolgte, wenn das System einen gewissen Zeitraum (ich meine zwei Wochen) am Stück lief und die „down-time“ bei ganz wenigen Stunden lag (ich meine es war genau eine).

Das Problem war nur, dass der Wiederanlauf unserer Rechner auch gut eine Stunde erforderte. So bedeutete ein Absturz auch nur eines Systems, dass die zwei Wochen von vorne los gingen und so alle Versuche der Abnahme nach ein paar Tagen, spätestens aber ein paar Tage vor Fristablauf scheiterten …
(Einschub: Auch dieses Problem haben wir triggy gelöst, bei Interesse berichte ich gerne darüber).

Einen Absturz gab es halt immer, denn wir hatten eine Reihe von sporadischen und schwer zu reproduzierenden Fehlern, von denen der eine oder andere halt dann immer vor Ablauf der vier Wochen auftrat. Und die wir halt der Reihe nach „raus-pulen“ mussten. Das „raus-pulen“ von Fehlern braucht aber Zeit. Weil man da Fallen implementieren muss, die den Fehler „fangen“ und ihn reproduzierbar machen. Und diese Zeit hatten wir vertragsbedingt nicht.

Vielleicht noch ein vielleicht interessanter Einschub:
Der Test ging so, dass der Polizeibetrieb in der Phase der Abnahme doppelt lief. Der Echtbetrieb mit den Echtdaten lief weiter auf der alten Technologie des bewährten Fernschreib-Netzes. Die archivierten Originaldaten (Lochstreifen) liefen dann aber zeitversetzt 1:1 über das neue System. Zum Testen. Formal wurden zwar kritische Daten anonymisiert und entschärft. Aber eben nur soweit es möglich war. Und es ist (natürlich) nichts passiert. Weil wir wußten, dass das sensible Daten sind und wir da eine Verantwortung haben. Heute würden die Herren vom Datenschutz wahrscheinlich heulen.

Aber zurück zum Thema:
Das Problem mit der Standfestigkeit des Systems trat erst in der Endphase des Projektes auf (die sich ganz schön lange hinzog). Wegen den beschriebenen Ursachen gab es schon vorher eine Reihe von Problemen.

So geriet das Management in Panik. Das war auch der Grund, warum es mich ins Projekt geholt hatte. Dann hat es verstanden, dass sehr viel zu tun war und versorgte uns mit zusätzlichen Ressourcen! Das waren Consultants und junge Leute, die halt irgendwo im großen Konzern herum sassen und nichts zu tun hatten. Und:
Es installierte einen Projekt Manager! 

Ich berichte zuerst von meinen Erfahrungen mit den Consultants und jungen Leuten, dann vom Projekt Manager.

Die Consultants

Da kamen ein paar. Die sollten uns verstärken, was sie aber in der Regel nicht so richtig getan haben. Besonders erinnere ich mich an zwei Kollegen von der PSE (österreichische Siemenstocher für SW-Entwicklung). Der eine kam aus Wien und der andere aus Graz. Beide waren Doktoren, der eine hatte den akademischen Titel in der Psychologie, der andere in der Physik.

Beide waren höchst sympathische Kerle. Beide waren unglücklich in der Fremde. Der eine vermisste das schöne Wien, der andere Graz. Beide kamen mir sehr intelligent wenn nicht genial vor. Beide hatten einen Namen, der mit einem M. begann. Und beide hatten aber vom System wenig und wie guter Code aussehen sollte gar keine Ahnung.

Das habe ich den beiden aber nie gesagt, weil sie mir eben so richtig sympathisch waren. So durften sie mitspielen und haben das auch brav und gut gemacht. Nur so richtig im Projekt sind sie halt nicht angekommen. Auch weil sie wie Söldner in diesem Projekt „auf Montage“ waren. Und das erhöht Motivation und Leistungsfähigkeit nicht sonderlich. So war auch ihr Wertbeitrag nicht sonderlich relevant.

Die jungen Leute

Ich erinnere mich auch an eine junge Frau und einen jungen Mann, die wir bekommen haben. Beide waren blutjung (Anfang 20, ich war zu Beginn noch keine 30). Die beiden hatten irgendwo bei Siemens eine Ausbildung in Richtung IT gemacht.

Beide waren höchst motiviert, haben aufmerksam zugehört, gut gefolgt und so schnell die Technik wie ihre Aufgabe verstanden. Beide waren auch wahrscheinlich sehr billig – besonders in Relation zu den promovierten Consultants – und haben einen extrem hohen Beitrag zum Gelingen des Projektes geleistet. Aus beiden ist dann übrigens etwas geworden. Aber nicht bei Siemens.
Jetzt fehlt nur noch der neue

Der Projekt Manager

Der Projekt Manager war ein seriöser Herr, der immer Krawatte trug und vom ersten Tag durch hohe Nervosität auffiel. Die ich ich gut verstehen konnte, denn er sollte ja ein Problem lösen, von dem er wirklich keine um nicht zu sagen null Ahnung hatte. Einen wesentlichen Teil sass er bei uns und schrieb unaufhörlich Berichte. Die restliche Zeit war er in Sitzungen in Neuperlach. Er war so etwas wie ein Dolmetscher zwischen den Welten des Management und dem Projekt, das aus Technologie bestand. Der Sprache der Technologie war er nicht mächtig und konnte so das Projekt nie verstehen. Ich mutmasste, dass er auch nicht der Sprache des Managements mächtig war, die ich ja in meiner Zeit im Labor als Versorger von Großprojekten so ein wenig kennen gelernt hatte. Er war ein einsamer Wanderer zwischen zwei Welten.

Unser Projekt Manager hatte eine eigenartige Stimme und so schnell einen Spitznamen weg (Schnarrie). Den haben ihm unsere beiden Damen (W. und C.) gegeben, die die Koordination recht gut durchführten und den Kunden sehr klug betreuten. Vielleicht weil sie sich ärgerten, dass so auch ihre Rollen beschnitten wurden.

Schnarrie hatte für uns einen zweifachen Nutzen. Zum ersten mussten wir uns nicht mehr dem Management gegenüber rechtfertigen, eine Übung, die nicht nur Hans und Mich wie unseren Damen gelegentlich durchaus Zeit und auch Nerven kostete. Und er hatte ein Budget! Das hatten wir vorher nie. Und so gelang es uns, doch eine Reihe von schönen „Siegesfeiern“, wenn wir wieder einen sporadischen Bug oder so gefunden hatte, auf Kosten von Siemens durchzuführen …

Das sollte genügen. Das Projekt DISPOL wurde übrigens ein großer Erfolg und lief Jahrzehnte zur äußersten Zufriedenheit der Bayerischen Polizei. Und brachte der Siemens AG gute Folgeaufträge ein.

RMD

Roland Dürre
Montag, der 26. Oktober 2015

„Change Management“

Zeitgenössische Ganesha-Statue

Zeitgenössische Ganesha-Statue

Das ist auch so ein modernes Unwort. In Kurzform bezeichnet es den Kampf gegen die Denke

„Das haben wir schon immer so gemacht!“

Weil man vermutet, das man etwas verändern muss, damit es „besser“ wird. Die Veränderung will man aber nicht der Evolution oder den „möglichst Vielen“ überlassen. Weil das Vertrauen fehlt, dass die Mitarbeiter oder Bürger „Veränderung“ können (Bürger und Mitarbeiter werden ja immer für dümmer gehalten, als sie sind), unterdrückt man „Graswurzel-Bewegungen“. Man will viel mehr eine Veränderung „von oben“, die durch Manager erzwungen, gesteuert oder irgendwie herbei manipuliert werden soll.

Ich zucke da. Weil in meinem Verständnis der Begriff Manager immer mehr für einen zumindest leicht geisteskranken Priester steht, der meint, er hätte überirdische Kräfte und könne durch Zauberei Wunder schaffen.

Das von „Change Management“ erwartete Wunder ist die „Innovation“. Keiner weiß zwar, was Innovation so wirklich ist und wie man sie macht. Der Zauberer und sein Zauber funktionieren natürlich auch nicht. Wenn durch Zufall (oder andere Einflüsse) dann doch mal etwas passiert, beansprucht der Zauberer das Lob und die „Kohle“ gerne für sich.

Das „immer schon so gemacht“ hat mir öfters Frust bereitet. Trotzdem habe ich es nicht komplett negativ gesehen. Er enthält ja eine Art konservative Warnung, die daran erinnert, dass Innovation zwingend eine zwar kreative aber immer auch zumindest gefühlt negative Zerstörung zur Folge hat. So mahnt uns der kritisierte Satz, dass wir trotz des Wunsches nach notwendiger Veränderung auch die Folgen sehen und verantworten müssen. Positiv gesehen enthält er einen Aufruf zur ganzheitlichen Betrachtung einer Herausforderung.

Vor kurzem sind mir dazu noch weitere Sätze eingefallen, die ich auch öfters hören musste wie

„Wo kämen wir denn da hin, wenn das ein jeder so machen würde?“
oder
Was meint denn der, wo er ist …?“

Diese Sätze werden oft sehr unreflektiert ausgesprochen. Da fehlt mir jeder positive Nebenklang. Ich erkenne hier eine noch stärkere „moralische“ Wertung als beim „immer schon so gemacht“. Auch im eigenen Unternehmen habe ich diese Sätze öfters gehört, wenn zum Beispiele junge Mitarbeiter sich ganz spontan durchaus hinterfragbare Regeln wiedersetzt haben. Das war dann die erste Reaktion der Administration, die – natürlich zu aller erst – auf die Einhaltung der Regeln und Gesetze bedacht war.  Meistens ohne eine ausreichende Antwort auf die wichtige Frage „WARUM das Ganze?

Keiner weiß, warum in den von Menschen gebildeten „sozialen Systemen“ sich Regeln und Gesetze ganz selbstverständlich immer und überall exponentionell vermehren. Aber so läuft das immer wieder. Bis die Regelwut das System fest im Griff hat und sich verselbstständigt. Ich nenne das ganze dann gerne „bürocrazy“.

Und spätestens, wenn „bürocrazy“ uns fest im Griff hat, dann  hilft wirklich nur noch das radikale „Brechen von Mustern“. Auch wenn es mutig ist und einen selber erschrecken kann. Wichtig scheint mir aber, dass wir uns beim #musterbrechen die „WARUM-Frage gut beantworten können!

Der ehemalige Bundespräsident Roman Herzog soll mal in der Zeit nach seiner Amtsführung gesagt haben, dass man zuerst die Gesetze mit den ungeraden Nummern abschaffen sollte. Und dann schauen, welche Gesetze man dann vermissen würde. Die könne man dann ja wieder einführen. Und dass man dann dasselbe mit den Gesetzen der geraden Nummern machen sollte.

Irgendwie auch eine gute Metapher fürs #musterbrechen.

RMD

Hinweis zum Bild:
Das Bild ist aus dem Wikipedia-Artikel zu Ganesha. Es ist ein eigenes Werk von onoikobangali.

Roland Dürre
Freitag, der 16. Oktober 2015

Noch 5 Wochen bis #PMCampDOR

pmcamp-logo-dornbirnEnde 2010 traf sich eine kleine Runde von Unternehmern, die nebenher fast alle auch als Blogger unterwegs waren. Sie hatten eine Idee und wollten mal ein barcamp für Projekt Manager ausprobieren. Sie nannten es PM-Camp (PM als Abkürzung für Projekt Management). Das waren Kornelia, Eberhard, Jens, Marcus, Stefan und meine Wenigkeit.

Unser Ziel war, Gastgeber eines freien Treffen von Menschen, Unternehmern, Führungskräften und „Managern“ aller Art zu sein, um jenseits von Konferenzen und Schulungen hautnah Erfahrung und Wissen austauschen zu können. Das ganz demokratisch und auf Augenhöhe. In einer guten Mischung von weiblich und männlich und jung und alt. 2011 auch im November ging es dann los mit dem ersten PM-Camp weltweit in Dornbirn.

Die Zeit verging schnell, in genau 5 Wochen findet dort das fünfte PM-Camp statt. Wir feiern also Jubiläum! Da sind wir schon ein wenig stolz. Auch darauf, dass aus dem 1. PM-Camp eine Bewegung entstanden ist, die jetzt in vielen Orten Europas mit lokalen PM-Camps lebendig ist.

Für Euch wird es langsam Zeit, die Karten zu bestellen. Sonst wächst die Gefahr, dass Ihr leer ausgeht. Denn PMCampDOR ist schon so etwas wie die „Mutter aller PM-Camps“ und da wollen viele hin.

Diesmal haben wir als Impuls die Metapher „Muster brechen“ gewählt. Die Hashttags sind so #PMCampDOR und #musterbrechen.
🙂 Vielleicht wird aus dann und aus die … Denn man weiß nie, was auf einem PM-Camp passiert.

Natürlich will das Orga-Team von Dornbirn das Jubiläum mit einem besonders schönen und gelingendem PM-Camp feiern. Deshalb wollen wir unter anderem unseren „Newbies“, sprich den Gästen, die das erste mal auf einem PM-Camp oder sogar barcamp sind, es ganz leicht machen, gleich so richtig einzusteigen. So weise ich hier auf eine Artikel-Reihe hin, die ich zwar schon 2013/2014 geschrieben habe, die aber immer noch aktuell ist. Da berichte ich, wie denn so ein PM-Camp funktioniert.

Hier sind die Links zu diesen fünf Artikeln:

Meine Weiterbildungsstory – Persönlichkeitsförderung, Seminare, Workshops, barcamps
(wie ich aufs Barcamp kam.)

barcamps und PM-Camp (2) – warum sie so erfolgreich sind.
(weil sie Spaß machen und alle Teilnehmer zufrieden und glücklich heimfahren.)

barcamps und PM-Camp (3) – „Typologie der Sitzungen“
(welche Arten von Sitzungen gibt es?)

barcamps und PM-Camp (4) – Twittern gehört dazu.
(Warum PM-Camps und social media sich so gut ergänzen.)

barcamps und PM-Camp (5) – Regeln
(auf einem Barcamp herrscht Freiheit, weil die Menschen sich sozial verhalten.)

Ein weiterer Artikel informiert pauschal:

Geschichte von und Leitfaden für PM-Camp
(und barcamps allgemein)

Und für alle – nicht nur die „newbies“ – möchte ich hier auf unsere Werte hinweisen, die wir in einem Leitbild zusammengefasst haben. Dazu gibt es auch ein Dokument.

Es ist bestimmt nützlich, sich das noch mal anzuschauen. Und vielleicht gibt es ja auch Änderungs-, Erweiterungs- oder Verbesserungsbedarf. Und den einzubringen und zu diskutieren, dafür ist auch #PMCampDOR die richtige Plattform.

Und hier noch ein kurzes Video zum Thema PM-Camp.

RMD
(auch fürs Orga-Team Dornbirn)

Roland Dürre
Donnerstag, der 15. Oktober 2015

Mein letzter Tweet für heute – Reklame für PMCampDor 2015

aus wird

aus wird

wir sehen uns beim

als Werbetexter 🙂

🙂 geil gell?

Kommt zum #PMCampDOR

RMD