Roland Dürre
Mittwoch, der 15. November 2017

Die Zukunft des Planeten

🙂 Heute geht es mal nicht über elektrische Fahrräder oder Sex sondern um Politik.

Das Wappen von Jamaika

Jamaika

Zurzeit richten sich die Augen vieler Menschen in Deutschland auf das Land des Bob Marley. Es geht um Jamaika, was natürlich nur ein albernes Wortspiel ist. Die „Koalitionsverhandlungen“ in Berlin stehen im Mittelpunkt. Wir sprechen von „Jamaika“ – weil die zum Wappen gehörige Fahne die Farben der beteiligten Parteien (schwarz, gelb, grün) enthält.

Ich muss gestehen, meine Hoffnung in diesen Verhandlungen beruhte auf den Grünen.

Aber was machen die Grünen?

Sie fuhren mit vielleicht richtigen Forderungen nach Berlin, die aber verhandlungs-technisch mit Sicherheit erfolglos sein werden (und auch schon waren), nämlich mit der Forderung nach Abschaltung des Verbrennungsmotors zum Jahre 2030 (1) und von Kohlekraftwerken (2). Vor allem (1) klingt schon arg utopisch. Wir brauchen auch keine allgemeinen Ziele, sondern konkrete Maßnahmen.

Strom muss Kohle ablösen, nicht verbrauchen!

Zu (2) nehme ich nicht Stellung. Denn es ist doch evident, dass wir nur mit Elektrizität das „verfinsternde“ Zeitalter der Verbrennung von fossilen Energien beenden müssen. Die Ablösung von Kohle durch Strom kann aber nicht heißen, dass die Hälfte des Stroms weltweit aus Kohle produziert wird. Das muss Vergangenheit sein (und wird es auch bald werden). Viel spannender finde ich aber (1).

Das Outo ist out!

Jedem muss aber auch klar sein, dass eine „individuelle Mobilität“ basierend auf Strom nicht eins-zu eins so sein kann und wird wie viele von uns das Outo (so geschrieben weil es „out“ ist) nutzen. So wie auch „autonom fahrende Autos“ nicht so fahren werden wie MANN und FRAU es heute tun.

2030 ist bald!

Bis dahin sind es nur noch 12 Jahre – also gerade so lang wie früher mal ein Auto gehalten hat. Insofern wäre die Forderung der Grünen für Jamaika ganz einfach gewesen.

Den Ausstieg vorbereiten!

Dazu gehört ganz schnell die Einführung eines Tempolimits – wegen mir auch gerne schrittweise zum Üben – aber mit dem klaren Endziel noch vor 2020 von maximal Tempo 30 km/h in geschlossenen Ortschaften, 70 km/h auf „Landstrassen“ und 100 km/h auf Autobahnen. Und genauso schrittweise mit einer wirklich relevanten und wirklich drastischen Erhöhung der Besteuerung fossiler Treibstoffe (inklusive Kerosin für Fliegen). Wenn man dann auch noch endlich die gigantische Subvention der „Geschäftswagen“ (zumindest den dominierenden Missbrauch eingeschränken würde), dann hätte das ganze Hand und Fuß!

Schlank und effizient!

Das wäre eine schlanke und effiziente Lösung, die Hoffnung auf eine „sanfte Landung“ machen würde. Damit könnte man sich auch viel Quatsch wie Maut etc. sparen. Nur: leider ist das unpopulär. Und die Grünen wollen, vielleicht aus guten Gründen, eben nicht unpopulär sein. Wobei ich persönlich ja meine, dass Unpopularität eher Wähler bringt denn vergrault

Investitionen in die Zukunft

Und die Einnahmen aus diesen Geldern darf man dann eben nicht für weitere neue Autobahnkreuze in zwei Ebenen mit bis zu 10 Spuren ausgeben, die heute ja konkret als Folge des stattfindenen Ausbaus der Autobahnen auf noch mehr Spuren notwendig erscheinen sondern in den Aufbau und des öffentlichen Verkehrs natürlich in die „Energie-Wende“ – die ja eigentlich nur noch heißt vom Atom- und Kohlestrom. Denn ich meine, dass wir da ansonsten ja schon auf einem guten Wege sind.

RMD

Klaus Hnilica
Donnerstag, der 12. Oktober 2017

Die misslungene Emanzipation

Carl und Gerlinde (Folge 54)

„Herr Ober – bringen Sie mir doch bitte schnellstens einen doppelten Cognac…!“,  rief Carl erregt und schnappte förmlich nach Luft…

„Kommt sofort“, ächzte der vorbei huschende Ober mit dicken Schweißperlen auf seiner weitläufigen Stirn.

„Was ist denn mit dir los, Carl? Musst du dich wirklich schon im Morgengrauen mit Cognac zudröhnen?“ fragte Gerlinde irritiert und nippte mit besorgter Miene an ihrem frisch gepressten Orangensaft.

„Keine Angst, Gerlinde, ich brauche nur was Härteres, um diese Meldung aus der Zeitung verkraften zu können!“

„Und – was ist das für eine Meldung?“ fragte Gerlinde mit hochgezogenen Augenbrauen.

Stell dir vor, der König von Saudi-Arabien und sein ambitionierter Sohn Mohamed bin Salam wollen tatsächlich noch im 21. Jahrhundert den Frauen das Autofahren erlauben!“

„Wie das denn?“

„Ja – ab Juni 2018 – dürfen Frauen in Saudi-Arabien auch ohne Zustimmung ihres Mannes selbst ein Auto lenken. Ist das nicht der absolute Wahnsinn?“.

„Toll! Aber da steckt doch sicher irgendein mieser Ausbeutungsgedanke dahinter, wie ich diese Brüder kenne…“

„Vielleicht – aber bevor du vorschnell verurteilst, meine Liebe, sollten wir uns erinnern, dass auch in Deutschland noch bis 1958 der Ehemann das alleinige Bestimmungsrecht über Frau und Kinder hatte.“

„Na – toll! Aber verschleiern mussten sich die Frauen damals nicht mehr, oder“?

„Nein das nicht – aber selbst wenn Männer ihren Frauen erlaubten zu arbeiten, verwalteten sie ihre Löhne!“

„Super – Zuhälter tun das ja heute noch für ihre Bordsteinschwälbchen“.

„Richtig, da ist eben die Welt noch in Ordnung in diesem patriachalen Milieu!“

„Mir scheint dir fehlt echt der Cognac, Carl! Alkoholisiert redest du nämlich weniger dummes Zeug…“

„Ja aber nur weil ich da meistens gleich einschlafe! Aber wo bleibt denn der unfähige Ober wirklich mit meiner Medizin?“

„Vielleicht ist die Kellnerin da flinker“, sagte Gerlinde, sprang auf und hetzte eine nicht unhübsche junge Kellnerin auf den schlafmützigen Ober.

„Und ohne Zustimmung des Mannes“, fuhr Carl, der offensichtlich nicht mehr zu bremsen war, fort „ durften Frauen noch bis 1962 kein eigenes Bankkonto eröffnen. Was sagst du dazu?“

„Siehste, lieber Carl, genau deshalb will ich vom Heiraten nichts wissen, damit mir das nicht passiert!“

„Diese Vorsichtsmaßnahme, wäre allerdings nicht mehr notwendig, liebste Gerlinde, da schon seit 1969 jede verheiratete Frau in Deutschland voll geschäftsfähig ist.“

„Mensch – das ging ja dann wohl in atemberaubendem Tempo damals voran mit der Emanzipation der Frau – bestimmt war da vor allem die CSU der gnadenlose Schrittmacher…“

„Spötterin“, feixte Carl und wartete immer ungeduldiger auf seinen Cognac…

„Du bist wirklich arm mit deinem Cognac, Carl! Wenn du willst kannst du gern zwischenzeitlich ein bisschen an meinem Orangensaft nuckeln…“

„Soweit wird’s noch kommen, dass wir Männer nicht einmal mehr unseren Cognac süffeln dürfen…“

„Ich fang gleich zu heulen an, Carl“!

„Ja – tu’s nur, sonst heul nämlich ich!“, stöhnte Carl.

„Dazu gibt’s aber wirklich keinen Grund, lieber Carl – außer der Tatsache, dass dein Cognac nicht bei kommt seid ihr Männer nämlich wirklich in keinster Weise zu bedauern, oder?“

„Oh – oh – und was ist mit der ‚ewigen Kanzlerin’ bitte, die ist doch nicht nur Honeckers späte Rache sondern auch die Rache aller Frauen an den Männern für erlittenes Unrecht, oder?“

„Du übertreibst wie immer, Carl!“

„Ich übertreib nicht, denn die ‚ewige Kanzlerin’ würde ja selbst ‚ausgestopft’ noch von allen Frauen und Alten gewählt werden …“

„Statt so dummes Zeug daherzureden, solltest du dich lieber selbst an deine dicke Nase fassen“!

„Wieso das..?“

„Schau dir doch deine ‚männlichen Prachtexemplare’ an – zum Beispiel diesen wunderbaren Herrn Schulz – oder den küssenden Herrn Junker – oder diesen göttlichen Herrn Trump – samt dem grinsenden Kim Jong Un – oder den ewig bayrisch dahersabbernden Herrn Seehofer… oder – oder – oder … im Vergleich zu diesen ehrenwerten Herren ist mir doch selbst eine ausgestopfte Kanzlerin’ immer noch hundert Mal lieber…“

„Leider muss ich dir da ausnahmsweise – höchst widerwillig – zustimmen, liebe Gerlinde: die derzeit agierende Männergilde ist wirklich ein selten erbärmlicher Haufen!“

„Siehste, Carl…“! sagte Gerlinde und unterdrückte taktvoll jegliches Triumphgefühl!

„Aber Gott hat dennoch ein Erbarmen mit uns Männern, Gerlinde:  denn endlich kommt mein sehnlichst erwarteter Cognac!“

Tatsächlich kam wie aus dem Nichts plötzlich die freundliche Kellnerin angetrippelt und platzierte, begleitet von tausendfachen Entschuldigungen und Verrenkungen für die unendlich lange Wartezeit, direkt vor Carl einen riesigen Cognac-Schwenker in den er praktisch hineinspringen hätte können. Und ehe  Gerlinde sich versah hing auch tatsächlich schon sein Kopf bis zum Hals drinnen…

Nur so war auch zu erklären, dass Carl nämlich, gleich nachdem die niedliche Kellnerin höchst ansehnlich wie ein Gazellchen entfleucht war, ganz nüchtern feststellen konnte, dass trotz aller derzeitiger gefühlter Überlegenheit des weiblichen Geschlechts, doch niemand ernsthaft bestreiten könne, dass selbst diese reizende Kellnerin sich immer noch auf ‚Ober’Schenkeln fortbewegt…also was sollte dieses ganze Überlegenheitsgetue? Letztlich waren die Frauen, wie eh und je, doch nur ein ‚Stück vom Mann’, oder?

KH

Roland Dürre
Freitag, der 6. Oktober 2017

Katalonien

Mein Traum von EUROPA

La senyera – Die Flagge Kataloniens.

Zurzeit wird „Katalonien“ heiß diskutiert. Dann gebe ich halt auch meine „five cent“ dazu.

Ich würde mich über eine Trennung Kataloniens von Spanien freuen. Das würde auch Europa nicht schaden. Eher im Gegenteil.

Aus dem EURO käme Katalonien auch nicht heraus. So müsste man sie auch in der EU bleiben lassen und das eventuelle Veto Spaniens bei einem Beitrittsgesuch Kataloniens ignorieren. Weil sie ja eh schon Mitglied waren und es kein Neueintritt mehr ist.

Wegen mir kann dann ja Rest-Spanien die von Franco etablierte Monarchie weiterführen und den Austritt aus der EU beantragen. Empfehlen würde ich es ihnen aber nicht. Sie sollen bloß nicht wieder Franco-Denkmäler aufstellen und bitte die Finger vom Faschismus lassen.

Vielleicht bräuchten wir dann halt noch ein paar Sterne mehr – wie am (im) Himmel?

Aber mir geht es nicht um Katalonien. Mir geht es um eine Vision für Europa, die wahrscheinlich eine Reihe der aktuellen Probleme ein wenig lindern würde.

Man bräuchte ein EUROPA, das ein enger Verbund seiner Regionen (also regionalen Staaten bzw Länder) ist. Diese sollten von halbwegs vergleichbarer Größe sein und so ein wenig mehr auf Augenhöhe zusammen arbeiten können. Meine Annahme:
Je kleiner die Staaten, je größer die Anzahl und je enger der Verbund, desto besser!

Freilich müssten fürs Gelingen ein paar nicht einfache Bedingungen erfüllt werden:

  1. Der Verbund der Regionen Europas muss den Menschen dienen – und nicht den Geschäftemachern, Konzernen und Spekulanten.
    Das ist für mich eine zentrale Bedingung. Daraus folgt, dass um jeden Preis freie Märkte, die gedankenlose Abschaffung von Grenzen nicht die Priorität haben. Grenzenloses Wachstum, maximaler Konsum für alle und beliebiger Reichtum dürfen nicht oberste Ziele der der neuen „Wertegemeinschaft Europa“ sein genauso wie eine falsch verstandene Freiheit ohne Pflichten kein Wert ist.
  2. Europa darf nicht zum Selbstzweck werden.
    Europa darf nicht als Ziel haben, eine Supermacht zu werden und international eine führende Rolle zu haben, vielleicht sogar eine Art „neuer Weltpolizist“ zu sein. Weil es dieses zum einen nicht braucht und ein Europa, welches sich nachhaltig entwickelt, auch ohne Atomwaffen und Flugzeugträger sowieso eine weltweite wichtige Rolle mit großem Einfluss haben wird.
  3. Solidarität darf nicht durch Subventionen gelöst werden.
    Solidarität zwischen Regionen und Menschen kann nicht mit dem Scheckheft gelöst werden, besonders nicht „nur mit dem Scheckheft“. Ein gutes Beispiel sind hier die Subventionen der Landwirtschaft in der alten EU, die genau das zerstört haben, was sie (vielleicht) erhalten wollten.
  4. Die Nationalstaaten müssen weg.
    Das gilt für alle, besonders natürlich für die Großen wie Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien … (und auch Großbritannien, das ja „faktisch“ noch dabei ist). Weil man das ganze nationale Gedröhne und Gestöhne nicht mehr braucht – und es z.B. dem Fußball überlassen könnte.

Punkt 1. und 4. sind mir die wichtigsten

Zu 1.)
Was ist so schlimm, wenn ein Land seine lokalen Märkte und auch Eigenheiten sinnvoll schützt? Was ist so schlimm, wenn Kontrollen gemacht werden, wenn die Kriminalität zu nimmt? Ich meine, dass es ab einer gewissen Größe leider ohne so eine Art von Grenzkontrolle nicht gehen wird. Und dann mag ich die doch lieber systematisch und geordnet organisiert haben als willkürlich wie heute.
Für Lobbyismus und die aktuelle vorhandene Oligarchie von Interessengruppen, die sich Parteien nennen, darf in einem lebendigen und verantwortungsvoll funktionierendem Europa der Regionen endgültig kein Platz mehr sein.
Das mag unvorstellbar klingen, weil dazu die Demokratie erneuert werden und wahrscheinlich auch direkter werden muss. Wir haben ein Recht auf Utopien!
Weil wir das Recht (und die Pflicht) haben, die Kulturen Europas in ihrer Unterschiedlichkeit zu bewahren und die Vielfalt Europas zu erhalten.
Das muss in einem Europa der Regionen explizit erwünscht sein, gemeinsam besprochen und mit geeigneten Maßnahmen unterstützt werden. Sonst wird das nie etwas mit Eruopa.
Und dies zum Wohle aller – nur nicht der Spekulanten und von super-reichen Einzelpersonen oder super-mächtigen Systeme aller Art, besonders wenn sie sich „entpersonalisiert“ und verselbstständigt haben.

Zu 4.)
Wie schön wäre ein Europa bestehend aus überschaubaren Regionen. Dafür gibt es vor allem rationale Gründe. Kleine und selbstorganisierte Systeme funktionieren einfach besser als große, die auch noch von außen geregelt und verwaltet werden.
Flache Hierarchien machen eine sinnvolle Form von Subsidiarität leichter.
Politisch gäbe es dann „im oberen Bereich“ nur noch zwei anstelle der heute drei Ebenen.
Die EU ist in diesem Modell die oberste Ebene und die internationale Präsenz aller Regionen. Sie wird gesteuert vom Rat der Regionen, die ihre Dinge selber regeln dürfen. Die national infizierten und gerechtfertigten Zwischenebenen wie Berlin, Paris, Rom … – oder eben Madrid – würden ersatzlos wegfallen.
Dann bräuchte man auch kein Vetorecht von Einzelstaaten mehr (gleich ob die ein paar 100.000 oder 80 Millionen Menschen vertreten. Dieses würde ersetzt durch eine qualifizierte Mehrheit im Rat der Regionen.
Wenn mal eine Region umkippt oder völlig ausflippt, was immer wieder passieren wird, wäre das eher zu heilen wie heute. Man denke nur, wie unmöglich das ist, einen Staat wie Polen zu beeinflussen. In einem System auf Augenhöhe würde Solidarität auch besser und  direkter erfolgen können, als dies mit der EU-Gießkanne möglich ist.
Die EU müsste also aus „Ländern“ bestehen, von denen keines größer ist als zum Beispiel Bayern sein darf. Wahrscheinlich ist aber sogar Bayern sogar zu groß für eine EU-Region? Auch da böte sich eine sinnvolle Zerlegung und so mindestens eine gute Lösung an.

Wir müssen also die Nationalstaaten zerlegen. Bei der BRD Deutschland wäre es einfach, wir haben ja schon eine relativ vernünftige Länderstruktur. Die könnte man einfach übernehmen (und gerne auch noch verbessern, wie im letzten Absatz beschrieben). Klein-Länder wie Bremen oder Hamburg würde ich belassen. Wenn derzeit ein Estland ein EU-Land sein kann, warum sollen dann in Zukunft nicht die beiden stolzen deutschen Hansestädte nicht eine Region sein dürfen – wie dann auch Estland sein würde?

Wenn wir EUROPA heilen wollen, dann dürfen und müssen wir sehr wohl solche Utopien haben und anstreben! Sonst wird das nie etwas! Und dann kommt tatsächlich der Katzenjammer!

RMD

P.S.
Noch ein positiver Gedanke zur so schädlichen gemeinsamen Währung:
Ich meine ja, dass es die beste Lösung wäre, wenn es nach „Reifegrad/Zustand“ der Regionen es für diese verschiedene Währungen gäbe (ich nenne sie mal EURO1, EURO2 und EUROn). Aber das ist ein sehr kompliziertes Thema, das ich an dieser Stelle nicht diskutieren möchte.

Aber ein positiver Gedanke zu nur einem EURO möchte ich formulieren. Es könnte sein, dass ein EURO für alle Regionen – trotz vieler Nachteile auch einen großen Vorteil haben könnte: Ein EURO für alle wäre so etwas wie der eisernen Ring, der die Regionen zusammen hält. Und so einen Austritt unmöglich macht und hilft die immer wieder kommenden regionalen Krisen zu überstehen. Dazu wäre wieder eine Utopie notwendig – nämlich eine andere Währungspolitik der EZB als jetzt unter „Super-Mario“ Draghi.

Roland Dürre
Sonntag, der 10. September 2017

Noch ein „Coming Out“ – #BTW2017

Eine zynische aber leider ernst-traurige Parteien-Parodie.

In zwei Wochen muss ich wieder zur Wahl gehen.

Vielleicht vor 50 Jahren.

Mein bürgerliches „Überich“ zwingt mich dazu. Meine ich doch, dass die Demokratie eindeutig eines der besseren politischen Systeme ist, auch wenn die unsere durch „Wahl-Marketing“, der Dominanz der Lobbys bei Gesetzgebung und Regierungsarbeit und einer Oligarchie der Parteien ganz schön pervertiert wurde und großen Schaden genommen hat.

😉 Außerdem bekommt ja die Partei, die ich wähle nicht nur meine Stimme sondern auch noch einen Euro vom Staat (wenn gewisse Bedingungen erfüllt sind).

So bereite ich mich seit längerem auf den nächsten Wahlsonntag vor. Hier der aktuelle Stand meiner Bewertung, bei der ich nach dem Ausschluss-Verfahren vorgegangen bin:

Die große „Volks-Parteien“ CDU und CSU kann ich aus geschichtlichen Gründen nicht wählen. Beide haben die Wiederbewaffnung Deutschlands gegen den damaligen Willen des deutschen Volkes zu verantworten. Diese wurde durch ihren Protagonisten Adenauer gleich nach Ende des 2. Weltkriegs gezielt vorbereitet und so früh wie nur irgendwie möglich – ich würde sagen – kriminell durchgesetzt.
Damit wurde eine einmalige historische Chance vergeben, die Deutschland vielleicht als einziges Land hatte – aufgrund seiner erbärmlichen Geschichte im 20. Jahrhundert. Eine Folge der Gründung der „Bundeswehr“ war dann auch die drei Jahre später erfolgte Wiederaufrüstung der DDR durch den Aufbau der „Volksarmee“ – und schon standen sich zwei Deutsche Staaten bis an die Zähne bewaffnet an einer brutalen Grenze gegenüber.
Ohne die Wiederbewaffnung wäre auch das Wiederaufblühen der deutschen Waffen-Industrie nicht möglich gewesen. Ein weiteres Nebenergebnis war ein „Wehrpflicht“ genannter Zwangsdienst, der 18 Monate meines Lebens eingefordert hat.
Darüber hinaus haben die beiden „C-Parteien“ die politische und gesellschaftliche Prägung der Bundesrepublik bis heute zu einem opportunistischem und egoistischem Wohlstandssystem unterstützt. Der Schutz von Besitzstand wurde zum obersten gesellschaftlichem Wert. Darüber kann auch das „C“ im Namen nicht hinweg täuschen.
Der Staat wurde unter CDU geführten Regierungen zur Marionette der Industrie, Umweltzerstörung (Luft, Wasser, Boden, Natur) wurde gebilligt und sogar gefördert (!) wie der Krieg auf den Straßen. Das Bildungssystem bekam als oberste Aufgabe, Menschen zu Konsumenten zu machen und vorbereitend als Arbeitskräfte für die Industrie zu dressieren. Dir gesellschaftliche Solidarität wurde falsch verstandenen Freiheiten geopfert.
Parteien, die bis heute glauben, dass das alles richtig war, werde ich nicht wählen.

Die SPD wie die Grünen kann ich auch nicht mehr wählen, da sie nicht nur dies alles unterstützt haben sondern sogar den Einsatz der Bundeswehr im Ausland erst ermöglicht haben. Die Rot-Grüne Koalition hat damals ein Tabu gebrochen:
Die Bundeswehr wurde nicht mehr ausschließlich zur Verteidigung eingesetzt sondern „um Verantwortung in der Welt zu übernehmen“. So werden seither von der BRD nicht nur Waffen sondern auch Krieg exportiert.
Der polemische Reim „Wer hat uns verraten? Sozialdemokraten“ trifft leider bei geschichtlicher Betrachtung für die SPD nur zu schlimm zu. Da hilft mir mein sympathisches Ideal einer sozialen Demokratie auch nicht mehr.
Die Grünen habe sich in meiner Bewertung von einer idealistisch-moralischen Partei zu einer indoktrinierten Veranstaltung entwickelt – außerdem nehme ich wahr, dass die Veränderung von einer Partei in Opposition zur Regierungspartei dort in ganz schlechter Weise stattgefunden hat – Ideale wurden zu Hauf für Posten und Macht geopfert.

Die FDP mag ich nicht wählen. Die negativen historischen Verdienste kenne ich nicht so detailliert, weil die Partei mir nie besonders aufgefallen ist. In meiner Wahrnehmung war und ist die FDP aber eine Partei, die – abgesehen von wenigen Protagonisten – immer sehr opportunistisch agiert hat und vor allem als Klientel-Partei funktioniert hat. Und noch mehr Großspenden aus der Industrie bekommen hat als die anderen genannten Parteien. Außerdem: Menschen, die FREIHEIT fordern und propagieren aber nicht wissen, was Freiheit ist, die mag ich nicht unterstützen.

Dann schauen wir mal, welche Parteien es noch so gibt?

Erfolgreich ist zurzeit die AfD. Dass ich die nicht wählen mag und kann, das muss ich hier nicht begründen. Wie auch dass die NPD für mich nicht wählbar ist. Die NPD scheint ja glücklicher Weise nicht mehr relevant zu sein. Obwohl die oben genannten Parteien aus mir nicht einsichtigen Gründen immer wieder die NPD verbieten wollen und nicht die AfD.

Dann gucke ich mir die „Freien Wähler“ und die Freie Bürger Union (FBU) an. Laut Wikipedia bezeichnen sich mehrere Wählergruppen und eine Kleinpartei als „Freie Bürger Union“, die in verschiedenen deutschen Städten und Landkreisen vertreten sind. Regionaler Schwerpunkt der Gruppierungen ist Bayern. Und weiter: Die besteht aus bürgerlich-konservativ oder rechtsliberal orientierten örtlichen Kommunalpolitikern und -aktivisten, zum Teil ehemaligen Abgeordneten der CDU/CSU, die nicht mehr Mitglied ihrer Partei sind. Kann ich nicht wählen.
Die Freien Wähler möchten u.a. die kommunale Selbstverwaltung stärken. Als Grund für den Antritt zu Wahlen auf Landes- und Bundesebene wird unter anderem ausgeführt, dass die Landes- bzw. Bundespolitik die Eigenständigkeit der Kommunen „aushöhlt“. Die Partei tritt dagegen für eine eigene Finanzhoheit der Kommunen ein. Auf europäischer Ebene fordert die Partei, dass der Ausschuss der Regionen einen festen Platz im Parlament erhalten sollte. Kann ich auch nicht wählen.

Dann komme ich zu den Piraten. Laut Wikipedia sieht diese Partei sich als als Partei der Informationsgesellschaft und als Teil einer internationalen Bewegung zur Mitgestaltung des von ihr mit dem Terminus der „digitalen Revolution“ umschriebenen Wandels zur Informationsgesellschaft. Das hat mir gefallen, ich habe die Piraten auch schon mal gewählt. Ich empfand sie als Werte-Partei, die glücklicher Weise keine Programmatik hatte, sondern vor allem ihr Know-How zur Digitalisierung als Schwerpunkt einbringen will. Ich kannte auch ein paar Piraten-Mitglieder, die Freiberufler und Klein-Unternehmer waren. Da waren gute Typen dabei.
Dann haben die Piraten aber gemeint, ein Programm schreiben zu müssen und das agile Prinzip des freien Handelns nach bestem Erkenntnisstand aufzugeben. Für mich haben sie so ihre „agile Seele“ gegen erhofften Erfolg eingetauscht. Seitdem ging es (logischerweise) mit den Piraten abwärts – und für mich waren sie nicht mehr wählbar. Eigentlich schade.

Jetzt habe ich schon 10 (in Worten zehn) Parteien analysiert und kann keine davon wählen! Droht mir der Nichtwähler? Lasse ich meinen Wahl-Euro verfallen?
Noch ist es nicht so weit, denn es gibt ja noch ein paar Parteien mehr.

So finde ich Die Linke. Laut Wikipedia entstand die Linke (auch Linkspartei genannt)  durch Verschmelzung der SPD-Abspaltung WASG und der Linkspartei.PDS. Letztere ging im Juni 2005 durch Umbenennung aus der SED-Nachfolgepartei PDS hervor.
So leidet die Linke an einem Stigma, das sie bis heute nicht salonfähig macht. Es sollen auch noch überwiegend SED- und Stasi-Leute an Bord haben, was mir aber auch schon aus demographischen Gründen aber eher unwahrscheinlich erscheint. Wenn ich der Wahlomat-Typ wäre würde ich wahrscheinlich „die Linke“ wählen, denn lese ich das Programm der Linken, dann finde ich da schon viele Punkte, denen ich absolut zustimme.
Andererseits habe ich ein kleines und mühsam erworbenes Vermögen – und es gibt so eine historische Angst in mir, dass die Kommunisten an meine Milliönchen wollen. Wie sagt man? „Nur die dümmsten Kälber wählen ihre Metzger selber.“
Zu den Kälbern: Da gibt es übrigens einen Song, der allerdings gegen die AfD gerichtet ist – und nicht gegen die Linke. Ich möchte aber kein dummes Kalb sein. Andererseits – vielleicht doch ich doch die Linke wählen? Im Sinne von heutiger „demokratischer Redlichkeit“ – will heißen: Wähle die Partei, deren Programm dir am besten gefällt! So kann ich es nicht ausschließen, meine Stimme den Linken zu geben. Zwar ohne Begeisterung. Aber die ist mir schon lange abhanden gekommen.

Aber so weit bin ich noch nicht. Ich suche weiter. Auf dem Radweg nach Unterhaching entdecke ich ein Werbeplakat für „Die Grauen„. Ich denke an meine bescheidene Rente. Wenn ich nur die hätte, dann ging es mir ganz schön dreckig. Obwohl ich Jahrzehnte den Höchstbetrag eingezahlt habe.
Jedoch: Die Grauen haben den Slogan „Für alle Generationen“. Enttäuschung, die sind also gar nicht für uns Rentner. Das finde ich trotzdem schon mal gut, den ich habe Kinder und Enkel. Und denen soll es ja auch gut gehen.
Laut Wikipedia sehen sich „Die Grauen“ in der Tradition der in den 1970er von Trude Unruh gegründeten Bewegung Graue Panther. Im Gegensatz zu dieser sieht sich die Partei nicht als Seniorenpartei, sondern verfolgt einen Generationen übergreifenden politischen Ansatz, der auch im Namenszusatz zum Ausdruck kommen soll. In der Präambel ihres Partei-Programmes formuliert die Partei ihre Philosophie: „In einer sich immer schneller bewegenden, globalisierten Welt wollen die Grauen die Tatkraft der Jugend mit der Erfahrung der Älteren verbinden, um gemeinsam eine lebenswerte Gesellschaft zu formen.“ Das mag gut klingen. Mir sind das aber zu viele Buzzwords. Buzzwords mag ich nicht. So vergesse ich „Die Grauen“ auch gleich wieder.

Langsam verzweifle ich. Ein Dutzend Parteien habe ich gefunden – und nur eine davon erscheint mir eingeschränkt wählbar. Aber – wie sagt man: Man darf nicht aufgeben. Wenn man stürzt, dann muss man wieder aufstehen. Mund abwischen und weitermachen.

So radel ich weiter. Und siehe da, es strahlt mich ein Plakat mit einer besonderen Botschaft an:

Sei kein Horst!

Das verstehe ich sofort. So möchte ich auch nicht sein. Was der Herr Gesundheitsminister vormals allein in Berlin verbrochen und gezeugt hat, ist schon schlimm genug. Und jetzt ist er der König von Bayern.
Nur: Das Plakat ist von „Der Partei“. Laut Wikipedia ist DIE PARTEI „die Partei für Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz, Elitenförderung und basisdemokratische Initiative (Apronym: Die PARTEI). Das ist eine 2004 von Redakteuren des Satiremagazins Titanic gegründete deutsche Kleinpartei mit parodistischem Charakter.“
Weiter können wir dort lesen: Die PARTEI erfüllt die juristischen Anforderungen des Parteiengesetzes, ihre Ernsthaftigkeit wird jedoch gelegentlich in Frage gestellt. Sie ahmt unter anderem Merkmale und Wahlkampfmethoden anderer Parteien nach und nimmt vereinzelt auch an deren Veranstaltungen teil.

Jetzt bin ich ja mehr der Leser vom POSTILLON, aber man sollte ja nie so engstirnig sein. „Die Partei“ wird auch als Satire-Partei bezeichnet. Bei Satire denke ich ans Kabarett. Und mir fallen sofort Menschen wie Bruno Jonas, Claus Wagner, Dieter Hildebrandt, Gerhard Polt, Jörg Hube, Josef Hader, Georg Schramm, Maximilian „Max“ Uthoff, Sigi Zimmerschied, Urban Priol (Pelzig) und Werner Schneyder ein. Nicht zu vergessen den von mir geliebten Hanns Dieter Hüsch. Alles Menschen, die ich häufig erlebt und zum Teil auch persönlich gekannt habe. Die mich alle überzeugt haben. Mit ihrer Empfindlichkeit, ihrem Scharfsinn und ihrer präzisen Logik. Ich bewundere, dass sie trotz allem ihren Humor bewahren konnten. Mit denen ich sehr schnell im redlichen Diskurs zusammen gekommen bin.
Auch die meisten der Kabarettisten, die ich nur vom Fernsehen oder einem Besuch ihrer Veranstaltungen kenne, haben mir gefallen. Insofern macht es vielleicht doch Sinn, eine „Satire-Partei“ zu wählen. Besonders wenn sich diese Partei als Partei für frustrierte Nicht-Wähler anbietet, die auch die Nichtwähler an die Wahl-Urne holen will?
Leider liegt aber auch über dieser Partei ein Schatten. So habe ich vor kurzem in Facebook einen sehr konstruktiven Diskurs verfolgt, der sich damit beschäftigt hat, ob man in Zeiten, in denen es gesellschaftlich abwärts geht und sich große Probleme am Horizont der Zukunft zeigen, also ob man es da verantworten kann, eine Satire-Partei zu wählen? Weil die Zeiten eben alles andere als lustig wären?
Ein ernst zu nehmendes Argument, wie ich finde. Aber vielleicht sollte man die Probleme mit ernstem Humor lösen? So habe ich neben „Der Linken“ endlich eine zweite Partei gefunden, der ich mein Kreuz und einen Euro schenken könnte.

Ich will aber mehr. So komme ich nicht weiter. Also drehe ich mein Denken um und frage mich, welche letzte relevante gesellschaftliche und von mir als positiv wahrgenommene Veränderung in Bayern von einer Partei eingeleitet wurde?

Die Antwort ist einfach – es war der Nichtraucherschutz. Der wurde in Bayern sogar auf der Wiesn eingeführt, was ja lange als absolut undenkbar schien. So kann ich mich dieses Jahr aufs gleichzeitig zur Wahl stattfindende Oktoberfest schon wieder so richtig freuen und werde am Abend des Wahltages dort mit Freunden in rauchfreier Luft zechen. Der Nichtraucherschutz wurde durch einen Volksentscheid „Nichtraucherschutz“ in Bayern am 4. Juli 2010 aufgrund des zuvor erfolgreichen Volksbegehrens „Für echten Nichtraucherschutz!“ abgehalten. Ziel des Volksbegehrens war die Änderung des bayerischen Gesetzes zum Schutz der Gesundheit (Gesundheitsschutzgesetz, GSG), durch welches schließlich ein Rauchverbot in der Gastronomie ohne Ausnahmen eingeführt wurde. Gegen das die C-Partei war, weil es die ganze bayerische Gastronomie ruinieren würde.
Initiiert wurde es von Sebastian Frankenberger und der ÖDP.
Oh, die ÖDP hatten wir in unserer Parteibesprechung ja noch gar nicht. Die haben ein Programm, das mir eigentlich auch sehr entspricht. Allerdings habe ich ein wenig den klammheimlichen Verdacht, dass in dieser Partei doch viel protestantische Genügsamkeit und katholisches Gefrömmel drin sein könnte. Wenn jedoch die Ziele stimmen und ich nicht katholisch gemacht werden soll …

So habe ich jetzt drei Parteien gefunden, die für mich für wählbar halte: Die Linke, die Partei und die ÖDP. In den nächsten drei Wochen werde ich mich da noch ein wenig informieren und Gedanken machen – und mich entscheiden. Weiß ich ja, dass Entscheidung immer unter Unsicherheit erfolgt.

Und jetzt hat es sich fürs erste mal wieder „aus-geouted“.

RMD

P.S.
Heute beim Heimradeln habe ich am S-Bahnhof in Ottobrunn ein Plakat der DKP gesehen. Da stand drauf „Löhne rauf, Rüstung runter“. Klingt ja auch zuerst mal vernünftig und naheliegend. Aber DKP wählen? Wäre auch irgendwie „strange“?

Roland Dürre
Donnerstag, der 10. August 2017

Digitalisierung – Expertengespräch bei InterFace.

Oft hilft der Zufall. Man muss nur die Voraussetzungen schaffen. So geht es immer wieder im Leben. Hier die Geschichte, wie der „IF-Expertentalk” zum Thema „Digitale Transformation“ bei der InterFace AG am 14. Juli 2017 zustande kam.

Dazu muss man wissen, dass mein lieber  IT-Kollege und „Schafkopf-Freund“ Lothar ein langjähriges Mitglied der SPD ist und über viele Jahre der Vorsitzende des Vorstands des SPD-Ortsverein Neubiberg war. In dieser Funktion hatte er mich vor ein paar Jahren eingeladen, einen Vortrag über „Neue Wirtschaft“ (oder so ähnlich) für seine Genossen bei einer SPD-Veranstaltung zu halten.

Das habe ich gerne gemacht, bin ich doch viel unterwegs und versuche die Menschen darauf aufmerksam zu machen, dass Fortschritt zwar wichtig ist, aber man sehr verantwortlich mit diesem umgehen müsse. Um das zu belegen zitiere ich häufig den großen Bertrand Russell:

Jeder Zuwachs an Technik bedingt, wenn damit ein Zuwachs und nicht eine Schmälerung des menschlichen Glücks verbunden sein soll, einen entsprechenden Zuwachs an Weisheit.

Ein Zitat, dass uns alle ein wenig achtsamer und kritisch nachdenklicher machen sollte.


So berichtete mir Lothar beim Karten spielen, dass Thorsten Schäfer-Gümbel (der stellvertretende SPD-Vorsitzende) am Freitag den 14. Juli im Landkreis wäre und zwischen 16:00 und 17:45 der Gast der Landkreis-SPD wäre. Der Gast würde sich „eine Veranstaltung in oder in der Nähe von Unterhaching“ wünschen, dies mit wenig organisatorischen Aufwand.

Und der neue SPD-Vorstand des Ortsvereins wolle für Thorsten Schäfer-Gümbel gerne die Besichtigung eines modernen Betriebes in Unterhaching organisieren, gerne mit einem Bezug zur „Digitalisierung“. Dabei würde er (wegen meines Vortrages vor Jahren bei der SPD) an mich und die Interface AG denken.

Ich habe mich ja aus dem operativen Geschäft der InterFace AG zurückgezogen und versuche als „freundlicher Aufsichtsrat“ das Unternehmen weiter zu begleiten und zu unterstützen. So habe ich den Besuch einer Delegation der SPD im „Headquarter der InterFace AG in Unterhaching natürlich sehr gerne ermöglicht. Auch weil so etwas ein Teil der gesellschaftlichen Verantwortung eines Unternehmens ist.

Und wie es der Zufall so wollte war genau an diesem 14. Juli von 15:00 und 18:00 die quartalsmäßige Sitzung des Aufsichtsrates der InterFace AG geplant. Das heißt an diesem Tage waren meine beiden geschätzten Kolleg*Innen im Aufsichtsrat Dr. Professor Kathrin Möslein (stellvertretende Vorsitzende) und Manfred Broy (Vorsitzender) im Hause.

Und wer könnte besser etwas zur Digitalisierung in Bayern und Deutschland sagen als Manfred Broy, nicht nur weil er der Gründer des Zentrum-Digitalisierung.Bayern (ZD.B) ist. So war es naheliegend, den Vorsitzenden unseres Aufsichtsrates zu bitten, die Aufsichtsratssitzung für die Dauer des Besuchs der SPD-Delegation zu unterbrechen und an einem Expertentalk „Digitalisierung“ mit Bela Bach und Herrn Schäfer-Gümbel teil zunehmen.

Nach dem Expertentalk haben wir dann die Aufsichtsratssitzung wieder aufgenommen und unsere Besucher haben das IF-Lab besucht. Das Video, in dem diese ihren Eindruck vom Besuch wiedergeben, hat mich dann auch sehr beeindruckt.

Hier aber schon mal das Video zum „IF-Expertentalk” zum Thema „Digitale Transformation“ in voller Länge, der am 14. Juli 2017 in Unterhaching bei der InterFace AG statt fand. Dabei waren die Bundestagskandidatin der SPD im Wahlkreis München Land, Bela Bach, der SPD Bundes-Vize Thorsten Schäfer-Gümbel, Prof. Dr. Dr. hc Manfred Broy (Gründungspräsident des Zentrums Digitalisierung.Bayern) und Paul Schuster, Vorstandssprecher der InterFace AG. Der Experten-Talk wurde übrigen ganz großartig moderiert von Bela Bach, die mir gesagt hat, dass sie so etwas noch nie gemacht hätte!

RMD

Roland Dürre
Samstag, der 5. August 2017

Über Theater, Staat und Kirche …

Am Donnerstag, den 3. August war im Torturmtheater zu Sommerhausen Premiere. Aktuell wird ein Stück von Philipp Löhle gespielt mit dem Titel „Der Wind macht das Fähnchen“.

Vier SchauspielerInnen spielen diesmal auf der kleinen Bühne des Torturmtheaters. Es sind Judith Riehl, Nadia Schwienbacher, Christian Buse und David Lindermeier. Bei der Premiere dabei waren auch Oliver Zimmer als Regisseur und natürlich die großartige Angelika Relin, ohne die es das alles nicht geben würde.


Zu Gast im Torturmtheater in Sommerhausen.


Und Barbara und ich durften bei der Premiere dabei sein! Und haben eine besondere Aufführung sehr genossen. Es war ein unwiederbringlicher Abend, über den ich mich einfach nur gefreut habe.

Ihr dürft das Stück auf keinen Fall versäumen. Es läuft (nur!) noch bis zum 30. September, also schon jetzt den Ausflug nach Sommerhausen planen! Hier die Ankündigung des Stücks.


„Das ist sie, mein ganzer Stolz“ – die Familie. Ein Experiment für Mutige?
Neunzehnhundertungerade, als die Welt noch in Ordnung war, beginnt diese Geschichte. Vater, Mutter, Sohn und Tochter lächeln im Zeitraffer in die Kamera für Schnappschüsse am Frühstückstisch oder im Italienurlaub. Doch das Kleinbürgeridyll ist trügerisch, denn sobald es schwierig wird gibt es keinen Zusammenhalt mehr, kein Einstehen für den anderen. Auch Familie ist von ökonomischen Hochs und Tiefs abhängig. Alles fällt auseinander wenn der Papa das Potential des neumodischen „Internetz“ falsch einschätzt und konsequent seine Stelle kündigt – und ausgerechnet diese Konsequenz gibt er dem Sohn im Augenblick der Wahrheit mit auf seinen Lebensweg. 
Auf Krise und Trennung folgen Wiedervereinigung und neue Familienporträts in scheinbarer Eintracht, doch die Idylle hat Risse bekommen, unkittbare.


Schon von dem letzten Stück „Eine Sommernacht“ war ich begeistert. Diesmal war es noch schöner – wenn das überhaupt möglich ist. Im Torturmtheater zu Sommerhausen gibt es immer großartiges Theater, „Das Fähnchen“ ist eine spannende Komödie mit viel Witz und Hintergedanken!


Es war ein wunderschöner Theaterabend.


Ein schöner Abschluss eines wunderbaren Tages, den wir auf dem Fahrrad verbracht hatten. Nach zirka hundert Kilometern schöner Radfahrt auf dem Weg von Klingenberg nach Sommerhausen entlang des Mains mit ein paar Abkürzungen durch sanfte Hügel kamen wir in Sommerhausen am späten Nachmittag an. So konnten wir uns noch frisch machen und ein wenig „relaxen“ und trafen dann ein halbes Stündchen vor Beginn der Aufführung im Torturmtheater ein.

Da genossen wir das immer wieder beeindruckende Theater-Foyer und freuten uns auf die Vorstellung. Nicht ganz unfreiwillig belauschte ich dabei eine Unterhaltung (lauschen war so gar nicht nötig) zwischen einem Herrn mittleren Alters (vielleicht so zwischen vierzig und fünfzig) und einem älteren Paar (eher zwischen sechzig und siebzig, wobei die Dame nichts sagte sondern nur ihren Ehemann strafend ansah). Also für mich „so ein kleines Privattheater vor dem richtigen Theater“!


Ein wenig Theater vor dem Theater.


Das bestand aus einem kleinem Streitgespräch, in dem der jüngere immer wieder lautstark seine Entrüstung über das Treiben der Kirche und deren besonderen Rechte, die wohl nicht mehr zeitgemäß wären Ausdruck gab. Der andere versuchte dann mit ein wenig leiserer Stimme die Kirche zu verteidigen.

Der jüngere kritisierte so die Kirchensteuer als Folge eines Konkordates, das wohl aus den 30iger Jahren des letzten Jahrhundert stamme und mit den Nazis ausgehandelt worden wäre. Die Tatsache, dass führende Manager der Kirche wie Kardinäle und Bischöfe auf der Gehaltsliste des Staates stehen würden, ärgere ihn.

Der andere wies dann darauf hin, dass die Kirche ja viel Soziales und Gutes tun würde und das diesen Preis wert wäre. Dann meinte der Ältere, dass die evangelische Kirche besser als die katholische wäre. Der Jüngere konterte sofort mit einem Beispiel, wie sich die evangelische Kirche ziemlich skrupellos an der Diakonie bereichern würde. Und so ging das weiter.

Schließlich beklagte der Jüngere die drei Stunden Religionsunterricht pro Woche, die die Kinder indoktrinieren würde. Der ältere verteidigte dies mit der Behauptung, dass die Schule ja eben nicht nur die Aufgabe hätte, Wissen zu vermitteln, sondern auch Werte. Das war nicht so das ganz hohe Niveau, lauter viel gehörte alte Argumente und nichts Neues. Also nicht so aufregend. Auch das mit dem Werte vermitteln nicht.

(Ist doch meinen Gedanken folgend auch die Aufgabe der Wissensvermittlung nicht zuletzt die Wertebildung. Aber in solche Gespräche mische ich mich schon lange nicht mehr ein.)

So dachte ich über meine  Erfahrungen mit der Kirche nach. Ich musste an meinen Lehrer und Freund Rupert Lay denken. Von ihm habe ich so viel gelernt, vor allem dass ich mich selber wertschätzen und ernst nehmen muss. Und ein autonomer Mensch bleiben soll, der sich nicht leichtfertig beeinflussen lässt.


Der Jesuit Rupert Lay.


Rupert Lebensziel war es, für die Ärmsten der Armen da zu sein. Das waren aber für ihn nicht nur Obdachlose und aus der Gesellschaft ausgestoßene Menschen. Gerade Top-Manager gehörten für ihn in diese Kategorie. Damit dürfte es auch seine Richtigkeit haben. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es in keiner anderen Berufsgruppe (vielleicht Pfarrer ausgenommen) so viel Verrückte gibt wie bei den Vorständen der deutschen und internationalen Konzerne. Verzeihung, mit „Verrückte“ meine ich Menschen, die an massiven psychischen Erkrankungen und Störungen leiden.

Rupert Lay kümmerte sich vorzugsweise um die gesund gebliebenen Manager. Die „kranken“ wurden im Proseminar ausgesiebt, in die Fortgeschrittenen-Seminare ließ er sie nicht rein. Weil sie da wahrscheinlich nur gestört und nichts verstanden hätte.

Die wirklich teuren Teilnahmegebühren für die  Seminare des Rupert Lays gingen wie alle Honorare an seinen Orden, das waren die Jesuiten. Und weil Rupert Lay sein Wirken im Allgemeinen als Seelsorge darstellte, ging auch das Finanzamt leer aus. Denn für Einnahmen aus Seelsorge wird keine Steuer bezahlt. Das hat manchen der tüchtigen Finanzbeamten in Hessen sehr gegrämt, aber irgendwie kam das Finanzamt damals gegen die Macht der Kirchen nicht an.


Heinrich Henckel von Donnersmark – Künstlername Augustinus – und Rupert Lay.


Ich musste auch an Pater Augustinus denken, der mit bürgerlichen Namen Heinrich Henckel von Donnersmark hieß, der ein Freiherr war. Ich kannte auch ihn und schätzte in ebenso. Obwohl Rupert Lay Jesuiten und Augustinus Prämonstratenser-Chorherr war. Aber beide waren die Protagonisten für Ethik in der Wirtschaft. Das hat mir gefallen. Sie waren wichtigen Berater der Spitzen der deutschen Industrie und Politik. Und haben sich als hervorragende Redner und Management-Trainer haben sie sich einen Namen gemacht.

Rupert Lay war dem System Kirche gegenüber deutlich kritischer als der „brave“ Augustinus. Deshalb haben wir (der Ronneburger Kreis) beide zu einem Streitgespräch nach Frankfurt eingeladen. Und waren überrascht, dass dies uns dann viel zu harmonisch war, denn beide gaben sich eigentlich immer nur gegenseitig Recht.

Für mich war Augustinus der beste Redner, den ich kannte. Ich erinnere mich gut an einen Vortrag in Wiesbaden, den er in den 90iger Jahren für ICL hielt – damals ein relevanter IT-Hersteller aus Großbritannien. Da hatte er sich als Manager des „Unternehmens Katholische Kirche“ vorgestellt und seine Aufgabe als „Lobbyist das mächtigste und älteste Unternehmen der Welt“ beschrieben. Das war ganz feine Selbstironie.


Kirchen reden von Frieden und Liebe.


Allerdings hat mir der Vortrag auch zu einer Selbsterkenntnis verholfen, die ich bis heute nur bestätigt sehe. Die Kirche ist ein Unternehmen, dass sich Friede und Liebe auf ihren Schild schreibt. Quasi als Marketing. Seit über 2000 Jahre macht sie das. Diese lange Zeit hat sie gut davon gelebt und ist dabei so richtig reich und wohl auch mächtig geworden. Ich finde es unendlich traurig, dass sie es in diesen 2000 Jahren nicht geschafft (und wohl auch gar nicht gewollt) hat, die Welt ein wenig fried- und liebevoller zu machen. Im Gegenteil, sie und ihre Mitwettbewerber im Markt bewirken bis heute oft das Gegenteil von Friede und Liebe, nämlich Krieg und Hass.

So ist mir spätestens damals klar geworden, dass ich mit so einem System wie Kirche nichts zu tun haben will. Und rede auch gar nicht mehr darüber.

So wie ich die CDU/CSU nicht mehr wähle, weil sie die Wiederbewaffnung der BRD durchgesetzt haben. Gleiches gilt für die SPD und die Grünen. Diese Parteien werde ich mehr wählen, weil sie ein wichtiges Tabu gebrochen haben und die Bundeswehr für Kampfeinsätze ins Ausland entsandt haben.

Eigentlich ist alles ganz einfach.

RMD

P.S.
Und wer mit dem Zug nach Sommerhausen fahren will, der sucht am besten nach dem Zielort Winterhausen. Von Bahnhof in Winterhausen ist es nur ein Kilometer zu Fuß zum Theater.

Roland Dürre
Freitag, der 17. März 2017

Wir kurieren an den Symptomen und ignorieren die Ursachen.

Es lebe der Populismus!

Oder
Reden statt Handeln?

Der große Diktator Charly.

Jetzt habe ich die ersten (Wahlkampf-)Auftritte von Martin Schulz erlebt. Auch aus der Ferne habe ich den Eindruck gewonnen, dass hier wieder ein weiterer und zugegeben talentierter Versuch stattfindet, das allgemeine Unwohl-Befinden vieler Menschen als Resonanzkörper für die eigenen Ziele zu nutzen und dazu ein paar Verbesserungen bei Details zu fordern, die aber insgesamt nur ein Kurieren an den Symptomen bedeuten.

Ich habe in diesen Ansprachen das wahr genommen, was man wohl gemeinhin mit Populismus bezeichnet und das wohl das letzte verbleibende Erfolgsprinzip der aktuellen Politiker-Generation ist. Auf die Idee, die Ursachen zu erforschen um dann im Rahmen eines gesellschaftlichen Konsens durch politische Gestaltung Veränderungen einzuleiten, kommt wohl keiner mehr.

So ist mit Martin Schulz in Europa der nächste Populist im Anrollen. Diesmal für die eine „Volkspartei“. Wieder herrscht das Motto in den von mir gehörten Reden vor:

Wir geilen uns an den Symptomen auf und schimpfen sympathisch auf die Missstände, aber an die Ursachen trauen wir uns nicht heran.

Weil das  ja system-kritisch wäre und nach Veränderung schreien würde. Und das geht doch nicht. Besonders nicht bei der SPD. Denn das haben sich die Genossen, sich seit Jahren selber verboten. Weil sie ja wieder an die Macht wollen. Und auch in Regierungsbeteiligung haben sie alles „system-kritische“ vermieden, wo es nur ging. Weil ja „heilige“ Sachzwänge und systemische Notwendigkeiten der Veränderung im Wege sind.

Die Umweltkatastrophe und Zerstörung des Planeten (Plastik, Klima …) oder die gesellschaftliche Polarisierung der Menschheit mir ihren Folgen wie Flucht wegen Lebensraumvernichtung und mehr davon hat sie genauso kalt gelassen und wurde so lieber beim Regieren einfach außen vor gelassen. Weil es nur gestört hätte.

„Sozialdemokratie First“ ist rhetorisch leicht zu kommunizieren. Nur sie zu machen und an die Ursachen ran zu gehen, das ist ein wenig anspruchsvoller. Man will ja nicht (sehr) unbequem sein und niemanden auch mal weh tun. Nicht mal in den Wahlkampfreden erwähnt man sie, denn schlechte Nachrichten sind unpopulär. Besonders wenn man sie nicht mehr ignorieren kann.

Obwohl auch Realität ein tolles Thema sogar für Populisten sein könnte. Unten habe ich ein Video als Beispiel angehängt. Nur wer über Realität spricht, der darf „keine Angst vor der eigenen Courage“ haben. Die Realität muss man aushalten können. Und sich nicht davor fürchten, dass ihre Erwähnung Wählerstimmen kosten könnte. Man braucht also Mut. Und zurzeit scheint Feigheit höher im Kurs zu stehen. Die Angst findet im Kopf statt und sie regiert die Welt auf wahnsinnige Art und Weise.

So versuche ich hier einmal mehr die Ursachen für die Polarisierung unserer Gesellschaft in immer weniger Reiche und viele Arme zu beschreiben. Also genau da wo man als Sozialdemokrat mal ansetzen müsste.

Die Ursachen für Polarisierung sind:

  • die freie Spekulation mit allem, ob Währungen, Unternehmen, Nahrungsmittel, Rohstoffe, Grund & Boden, copyright, Rechte aller Art …
  • ein Eigentumsrecht, das exorbitant und exzessiv individuelles „geistiges Eigentum“ schützt,
  • ein allgemeines Verständnis von Eigentum, dem das „Eigentum verpflichtet“ völlig abhanden gekommen zu scheint,
  • die gesellschaftliche Legitimierung von illegitimer Einflussnahme von Interessengruppen auf Gemeinwohl-Interessen (genannt Lobbyismus als Tatbestand von Vorteilserschleichung).
  • Propaganda inklusive der Verführung und Manipulation auf allen Ebenen auch des Unterbewusstsein als normale Methode des Wirtschaften (genannt Marketing) Verführung, mit dem Ziel das der Betroffene gegen seinen Willen und seine Vernunft handelt.

Obwohl wir es besser wissen, meinen wir immer noch, dass

  • Wachstum vor Gesundheit,
  • Taylorismus vor Ganzheitlichkeit,
  • Shareholder Value vor Gemeinwohl-Ökonomie gehen.

Wann lernen wir endlich, dass

  • die Interessen  der Stakeholder (Kunden, Mitarbeiter …) vor den Interessen der Shareholder gehen und dass in einer
  • Gesellschaft mit Zukunft soziale Gemeinsamkeit und nicht mehr private Besitzstandwahrung das oberstes Ziel von Individuen und Kollektiven sein darf?

Warum reden also Politiker nie über die Ursachen sondern hauen immer nur populistisch auf die Pauke? Und schreiben immer nur ein Herum-Doktern an Details und Symptomen ins Programm? Und warum sind damit auch noch erfolgreich?

🙂 Hier ein Beispiel für „POPULISMUS“, der mir gut gefällt. Wenn Harald Lesch auch nur zum Teil recht hat (und das könnte ich mir sehr gut vorstellen), dann dürften meine oben erwähnten „gesellschaftlichen Besorgnisse“ bald gar keine Rolle mehr spielen, weil es dann nur noch ums Überleben gehen wird.

Ja – genau diese Rede würde ich gerne mal von einem Politiker hören …

RMD

Roland Dürre
Dienstag, der 21. Februar 2017

RAUF MIT DER RÜSTUNG …

schallt es aus den USA in Richtung EUROPA …

 

 
 
 

Ich finde es schrecklich

  • Dachte ich doch bisher, weltweites Ziel ist es, weniger Kriege zu führen, weniger Menschen zu töten, weniger Elend zu produzieren und weniger Waffen zu bauen.
  • Und dass Waffen immer nur dem Geschäft der betreffenden Industrie nutzen.
  • Ich selber habe auch keinen Krieg in den letzten 50 Jahren erlebt, der ein Problem gelöst hätte. Im Gegenteil.
  • Nebeneffekt: Jetzt weiß ich, dass Griechenland (prozentual vom Bruttosozialprodukt) in der EU am meisten Geld für Rüstung ausgibt (2,4 %) und Deutschland (dank den strengen Auflagen der „Bündnis-Partner“ bei der „Wiedervereinigung“) am wenigsten (1,2 %).
  • So wie ich auch immer wieder höre, dass von allen Ländern der EU es Griechenland am schlechtesten und Deutschland am besten gehen soll.
    🙂 Honi soit qui mal y pense!

 
 
 

und hätte ein paar Fragen.

  • Warum empfiehlt EUROPA im Gegenzug denn den USA nicht einfach, die Ausgaben für den Klimaschutz zu erhöhen?
  • Wie will EUROPA selbstständiger werden, wenn es nicht vehement dem unmoralischen Anliegen der USA widerspricht sondern es wie ein braves Schaf abnickt?
  • Was sind denn die gemeinschaftlichen Werte von USA und Europa, die es zu verteidigen gilt?
    (Soll ich mal raten? Da käme nicht viel dabei heraus.)
  • Muss die NATO wirklich Manöver im Baltikum fahren und schon die nächsten in Polen planen?

Ich verstehe das alles auch deshalb nicht, weil EUROPA wie die USA (und auch der Feindstaat RUSSLAND) doch pleite sind und deren Schulden laufend weiter ansteigen. Und diese „Nationen“ so wie die ganze Welt doch ganz andere Sorge haben, über die sie sich Gedanken machen sollten.

Es ist die „Angst, die die Seele auffrisst“ und im (kollektiven) Kopf der alten Männer aus einer Welt von vorgestern wieder mal so richtig Urstand feiert. Das macht traurig.

RMD

Klaus Hnilica
Dienstag, der 14. Februar 2017

Auweia – Europa – was ist denn das?

Vermutlich weiß gegenwärtig niemand, was dieses so genannte ‚Europa’ eigentlich für ein Gebilde ist, das da wirtschaftlich vor sich hindümpelt, mit steigender Arbeitslosigkeit in den Krisenländern kämpft, das politisch zerstritten ist und in dem Bürger und Eliten sich zunehmend anfeinden, weil sie sich nach sieben Jahren Eurokrise plötzlich auch noch einem nicht enden wollenden Flüchtlingsstrom aus Afrika und dem Nahen Osten gegenüber sehen?

Ist das der Untergang dieser ‚europäischen Kunstgebilde,’ Europäische Union (EU) und Währungsunion, in dem keine der inkludierten Staatsführungen ein verbindendes Narrativ aufzuzeigen vermag, so dass ersatzweise das dümmliche Geschrei rechter Spaltpilze von einer allein gelassenen Bürgerschaft wie Gralsbotschaften aufgesogen werden?

Oder ist dieses diffuse Gebilde EU deshalb dem Untergang geweiht, weil alle Grenzen offen bleiben müssen? Da sonst der Euro scheitert, wie die deutsche Kanzlerin ihrer Bevölkerung droht und der sie gleich noch in die Stammbücher schreibt, dass sich eine 3000km lange Grenze wie Deutschland sie hat, ohnehin nicht kontrollieren lässt. Genau wie der EU das mit ihrer 14000km – Grenze nicht gelingen wird!

Und wer da besserwisserisch den ‚Schengen–Knüppel ‚ schwinge und meine, dass die Kontrolle dieser Außengrenze doch auf jeden Fall realisiert werden hätte müssen, nach dem Wegfall der  Binnengrenzkontrollen, der habe wohl aus der ebenfalls von den Amerikanern angezettelten Weltfinanzkrise nicht die Bohne gelernt: denn wer habe sich denn damals um die Regeln von Maastricht geschert, als die einzelnen Staatsführungen reihenweise ihre Banken retteten, weil die ökonomischen Lenkungswerkzeuge kläglich versagt hätten, wie sie meinten, und man sich deshalb natürlich gezwungen sah zum ‚Primat der Politik’ zurückkehren?

Und dabei wird geblieben! Basta! Denn über Rettungspakete und weiche Budgetbeschränkungen lassen sich doch mit der ‚EZB des Herren Draghi’ herrlich die Zinsen niedrig halten und ohne jedes Schamgefühl  sogar noch weiter Kredite aufnehmen, ohne sich mit Schuldenabbau und Strukturreformen verzetteln zu müssen, wie dies die üblichen Querköpfe fordern!

Blöd nur, dass Teile der Bevölkerung in der EU und Währungsunion trotzdem immer unzufriedener werden: massenweise laufen die im Süden den Linksparteien zu und im Norden und Osten den Rechtsextremen und Nationalkonservativen, statt sich endlich an ihre Nasen zu fassen und ein Beispiel an Deutschland zu nehmen – bei der Eurokrise, der Flüchtlingskrise und der Energiewende! Das wär’ doch ein Leichtes, oder?

Selbst auf die Gefahr hin, dass der eine oder andere Klugscheißer dann wieder meine, dass Deutschland aus gut gemeinten Gründen durch unabgestimmte Politik das Falsche tue und damit das Friedensprojekt eines geeinten Europas aufs Spiel setze, wie etwa dieser Historiker Heinrich August Winkler, der da sagt: „Zur deutschen Verantwortung gehört auch, dass wir uns von der moralischen Selbstüberschätzung verabschieden, die vor allem sich besonders fortschrittlich dünkende Deutsche aller Welt vor Augen führen. Der Glaube wir seien berufen gegebenenfalls auch im Alleingang das Gute zu verwirklichen, ist ein Irrglaube. Er darf nicht zu unserer Lebenslüge werden!“

Hm – wie verwirrend! Das ist doch nie und nimmer die Meinung unserer Kanzlerin?

Aber vielleicht hat der gute Mann trotzdem Recht?

KH

Roland Dürre
Montag, der 6. Februar 2017

AMERICA FIRST

Roland at PMCampDOR (© Visual-Braindump).

Der aktuelle US-Präsident hat es immer wieder gesagt. Wie ich finde zu oft, denn das „America First“ sollte doch eigentlich eine für einen US-Präsidenten selbstverständliche Aussage sein.

Natürlich kommen für den US-Präsidenten die USA zuerst. Und wahrscheinlich würde sich kein Mensch über „America First“ aufregen, wenn der Mann, der das gesagt hätte, nicht der zugegebener Weise auch für mich schon ein wenig unverständlich handelnde und auftretende Mr. Donald Trump wäre.

Auch für Menschen gilt, dass man zuerst mal an sich selber denken muss bevor man andere denken kann. Wie will jemand, der sich selber nicht wertschätzt denn andere wertschätzen? Deswegen muss und darf auch ein Menschenhaufen im Sinne eines sozialen Systems zuerst Mal an sich selber denken.

So ist mir die Aussage „America First“ als handlungsleitender Wert deutlich lieber als eine USA, die sich als rüpelhafter Weltpolizist sieht und auch so aufführt. In meinem Kopf will es auch nicht rein, dass der Friedensnobelpreisträger Obama als Vorgänger von Trump nur im Jahr 2016 insgesamt 26.171 Bomben in sieben verschiedenen Ländern hat abwerfen lassen (wie der US-Experte für Außenpolitik und nationale Sicherheit, Micah Zenko, auf der Seite der Denkfabrik „Council on Foreign Relations“ schreibt).

Und ich versteh nicht, warum sich darüber keiner bei uns erregt. Vielleicht weil wir der dritt größte Waffenexporteur der Welt sind – und alles was Arbeitsplätze schafft bei uns ohne weiteres Nachdenken per se „gut“ ist. Aber wahrscheinlich bombt die US Army unter Trump genauso weiter, da hilft auch kein Dekret.

Ich bin kein mächtiger Präsident sondern ein einfacher Privatier und Rentner, der gerne mal bloggt. Also mache ich mir Gedanken, was mir „FIRST“ ist. Da ich in Deutsch schreibe mache ich aus dem „FIRST“ ein „ZUERST„.

Ich lebe seit bald drei Jahren in Neubiberg, also könnte man meinen dass ich „ZUERST Neubiberg“ gröle. Aber irgendwie bin ich immer noch in Unterhaching, Riemerling und sogar Ottobrunn heimischer als in Neubiberg. Das sind alles Orte, die südöstlich im Speckgürtel von München liegen und zu denen ich eine besondere Beziehung habe.

Also schreie ich: „ZUERST Oberbayern Süd-Ost!“

Ich bin Radfahrer und nutze gerne den öffentlichen Verkehr. Also brülle ich „ZUERST Neue Mobliltät mit möglichst wenig Verbrennungsmotoren“.

Ich wünsche mir eine maximale Lebensqualität. Und München ist nur einen Kilometer weg von meinem Häuschen: Also rufe ich laut „ZUERST weniger Verkehrslärm und reine Luft in und um München!“.

Auch möchte ich gesund leben und den Planeten nicht mehr mit Plastik zu müllen. Also sage ich
„ZUERST Bewegung und Gesundheit!“
und
„ZUERST gesunde Nahrungsmittel und kein Plastik als Verpackungsmittel
.“

Jetzt verlasse ich meinen Micro-Kosmus. In Oberbayern lebe ich, in Schwaben bin ich aufgewachsen. So bringe ich auch noch ein leises „ZUERST Oberbayern und Schwaben!“ über die Lippen.

Ein „ZUERST Bayern!“ dagegen bleibt schon im Hals stecken. Auch weil Bayern einen Löwenanteil am Waffenexport hat, das ist für mich ein NOGO.

Für das „ZUERST Deutschland!“ fehlt mir dann endgültig der Atem. Die gigantischen Regierungsgebäude in Berlin sind für mich zuerst mal ein gigantisches Symbol der Macht. Alles riecht nach Herrschaft und Großbürgertum. Dazu gehört auch der Bundestag mit den vielen Luxus-Limousinen, die mit laufenden Motoren davor stehen, damit die Chauffeure nicht frieren.

Auch das nach hinten riesige Kanzleramt ist nicht meine Welt (wie auch nicht die „bayerische“ Staatskanzlei in München). In Berlin  sehe ich noch mehr, das ich nicht verstehe. Z.B. leuchtet mir das neue Gebäude des BND überhaupt nicht ein. Ist es doch das größtes Regierungsgebäude, das jemals in Deutschland gebaut wird. Das alle ist nicht meins, da gibt es natürlich kein „ZUERST Berlin!“.

Europa ist für mich noch weiter weg als Deutschland. Also gibt es kein „ZUERST Europa!“ (EUROPE FIRST!).

Wenn ich etwas laut zu sagen habe, dann ein
„ZUERST Frieden und Menschlichkeit!“
und
„ZUERST Menschenfreundlichkeit und Toleranz!“

Falls es denn eines Tages ein friedliches und freies Europa der Regionen als Teil einer Welt gibt, die Gemeinwohl-Ökonomie lebt und keine Kriege mehr führt, dann werde ich rufen

„ONE WORLD !

Aber nur, wenn Politik und Ökonomie zuerst für die Menschen und ihr Gemeinwohl da sind.

RMD