Roland Dürre
Sonntag, der 16. September 2018

Hambacher Forst. Ethik. Primär. Sekundär. Tugend.

Dracula als Metapher.

Vor Jahren habe ich gerne über Ethik geschrieben. Das Thema war für mich ganz einfach. Es ging primär um Tugenden und um die Frage, welche Tugenden primär und welche sekundär sind. Dann begann diese Art von Ethik mich zu langweilen.

Jetzt machen mich die Ereignisse um die Braunkohle im Hambacher Forst betroffen. Betroffen ist eigentlich zu wenig, nein ich bin wirklich entsetzt.

Und ich meine, wir sollten mal wieder über Primär- und Sekundär-Tugenden sprechen.

Als Kind wurden mir viele Tugenden gelehrt. Nicht nur gelehrt, ich wurde richtig darauf gedrillt. Das fing an, dass ich immer artig sein sollte. Immer sauber gewaschen, die (kurzen) Haare adrett gekämmt. Wenn Erwachsene redeten hatten die Kinder still zu sein. Ich sollte gehorchen, brav und nicht aufmüpfig sein. Besonders verboten war aber zu lügen und – Gott sei bei uns – zu stehlen. Der Respekt vor fremden Eigentum und die Wahrheitstreue waren die höchsten Tugenden.

Wie ich heran wuchs habe ich mir dann meine eigenen Gedanken gemacht. Und habe früh verstanden, dass es bei meiner Erziehung so manchen Haken gibt. Und dass zum Beispiel die kategorischen Gebote nicht zu lügen und zu stehlen einer ethischen Prüfung nicht stand halten.

Später habe ich mich mit Philosophie beschäftigt und erinnere mich an die Lektüre eines Briefwechsels zwischen dem älteren Kant und einem jüngeren französischen Philosophen. Da hat der französische Kollege mit seinen Argumenten den damals so berühmten und angesehenen Kant in große Bedrängnis gebracht hat. Die Reaktion von Kant fiel dann sehr unsachlich und in meiner Wahrnehmung emotional aus.

So habe ich gelernt, dass die kategorische Erfüllung des achten Gebots mit Sicherheit sehr viel Schaden verursacht und so nur eine Sekundärtugend sein kann. Es gibt sogar im normalen Leben viele Situationen, in denen uns ethisches Verhalten sozusagen verpflichtet zu lügen, um von uns oder anderen Schaden abzuwenden.

Dass es mit dem siebten Gebot nicht viel anders ist, wurde mir auch schnell klar. Da muss ich gar nicht an Robin Hood und die Fragwürdigkeit einer von Eigentum dominierten Gesellschaft denken, es genügt schon das Gedankenexperiment, dass ein Kind verhungert und durch einen Diebstahl gerettet werden kann.

Deshalb sind die Aktivisten im Hambacher Forst für mich zwar keine Helden, aber besonders auch keine Verbrecher.

Denn sie befolgen Tugenden, die ich für primär halte. Sie sind autonom und machen sich ihr eigenes Bild. Und folgen Tugenden, die ich als primär erachte wie Zivilcourage und konstruktivem Ungehorsam. Dies auch noch sehr verantwortet und auf friedliche Art und Weise.

Das einzige, was ich diesen Menschen in ihren Baumhäusern „ethisch“ vorwerfen könnte, ist dass sie ein „Märtyrertum“ pflegen und sich für eine „gute“ Sache selber schaden. Denn eine wichtige – für mich auch – primäre Tugend ist, sich selber wertzuschätzen und nicht zu ruinieren. Besonders nicht für andere!

Denn dass es so nicht weiter gehen kann, wissen wir doch alle, so wie wir alle letzten Endes unter der Zerstörung unserer Welt leiden werden.

Im Gegensatz zu einem allwissenden Minister weiß ich nicht, was „die Mutter aller unserer Probleme“ ist. Ich denke mir nur, dass unser System einen sehr fragwürdigen Umgang mit den Menschen und mit der Natur pflegt.

Wir haben eine Reihe von Problemen. Die Ursachen dürften Schwachstellen sein, wie Armut, Bildung, Klimaschutz und Mobilität hat. Die Schwachstellen hat unser soziales System, wahrscheinlich weil sich in Staat & Politik Werte, Prioritäten und Machtstrukturen verändert haben.

So wissen wir, dass eine Polarisierung in arm und reich unangenehme Folgen haben kann. Das unser Sozialstaat in eine krisenhafte Zukunft torkelt. Dass unsere Art von individueller Mobilität mit großen Autos mit Verbrennungsmotor keine Zukunft hat. Hierzu wissen wir auch, dass strengere Tempolimits auf  Autobahnen, sonstigen Strassen und auch in den Städten mehr als überfällig sind. Wie auch, dass die Subvention für den Pkw-Verkehr im allgemeinen und im besonderen für Diesel-Fahrzeuge ein Irrsinn ist.

Wenn wir ehrlich sind, wissen wir auch, dass stromangetriebene Fahrzeuge nichts verbessern werden und im Gegenteil eine noch schlechtere Umwelt-Bilanz haben, besonders wenn der Strom, den sie verbrauchen, aus Braunkohle gewonnen wird.

Das gilt übrigens nicht nur für Braunkohle sondern auch für hochwertige Kohle, die in Australien im Raubbau abgebaut, dann an die Küste gekarrt, in großen Häfen in Riesenfrachter verladen und so nach Hamburg gebracht wird. Dort wird sie über andere Verkehrsmittel verteilt – um dann irgendwo in Deutschland verbrannt zu werden. Auch das kann es nicht sein.

Zum wesentlichen Teil wird weltweit der verbrauchte Strom aus Kohle erzeugt. Das gilt heute immer noch! Obwohl es mittlerweile gesellschaftlicher Konsens, dass wir Strom aus vielen uns bekannten Gründen nicht aus Kohle erzeugen dürfen. Den Ausstieg bekommen wir jedoch nicht voran, weil „wirtschaftliche Interessen“ diesem entgegenstehen. Diesen Aussteig brauchen wir aber zeitnah, wenn wir die vielen Verbrennungsmotoren aller Orten durch Elektrische Lösungen ersetzen wollen.

Den Aktivisten im Hambacher Forst steht eine Branche und konkret ein Konzern gegenüber, die über Jahrzehnte den Shareholder Value als dominierendes handlungsleitendes Kriterium hatten. Und das auch mit allen legalen Mitteln und manchmal auch anrüchigen Methoden in sensationellem Ausmaß geschafft hat. Kaum eine Branche konnte ihre Aktionäre über so lange Zeit so gut reich machen wie die EVUs. Dies zu Lasten unserer Umwelt und wie (nicht nur) bei der Kernenergie auf Kosten unseres Staates. Und alles legal und gesetzes-konform, dank eines guten Lobbyismus und mit sanfter Erpressung erreicht.

Jetzt gibt es immer mehr Menschen, die aus vielen guten Gründen dies ändern wollen. Weil sie verstehen, dass wir es beenden müssen. Und zwar zeitnah. Und die Zuvielcourage haben und die Tugend des konstruktiven Ungehorsams über den Gehorsam stellen. Auch wenn sie wissen, dass sie letztendlich keine Chance gegen die Allmacht von Staat & Wirtschaft haben. Und sich so selber schaden.

Für mich sind das keine Kriminellen, sondern Menschen, die wichtige Primärtugenden leben. Ich bedauere nur, dass sie keine Chance haben und dies eigentlich wissen müssten. Aber das ist halt das Problem mit Idealismus und der Idealisten. Das aber zu einer weiteren und ganz anderen Diskussion führt.

RMD

 

Hans Bonfigt
Sonntag, der 2. September 2018

Es plappert der Spiegel am rauschenden Bach … (I)

So richtig verstehen kann ich es selber nicht:

Ich habe gute Laune, es ist schönes Wetter, wir haben zwei wunderschöne Jungkatzen bekommen, die sich mit unserem „alten Herrn“ zunehmend besser vertragen, wirtschaftlich geht es uns einigermaßen.  Alles in Ordnung.

Und dann stöbere ich im „Spiegel online“ und meine Stimmung ist zuverlässig im Keller.  Warum gucke ich überhapt dort hinein ?

Soviel Dummheit, Dünkel und Desinformation — ich könnte schreien vor Wut, denn der Spiegel ist ein Meinungsbildner und das pseudointllektualistische Geplätscher kommt lesefreundlich daher.  Um mir meinen Ärger einmal von der Seele zu schreiben, möchte ich einige SPIEGEL – Artikel einmal teilen.

 

Teil I: ENDLICH schafft die EU die Halogenlame ab, und das ist gut so !

Das deutsche Volk ist schließlich dumm und man muß es zu seinem Glück zwingen.   Denn LEDs sind in jedem Fall die bessere Wahl !

Soweit jedenfalls Markus Becker.   Studium der Anglistik, Geschichte und Germanistik in Bochum und Newcastle upon Tyne, Magister-Abschluss 1999.

Ein wahrer Meister der Argumentation:

„Regt sich heute noch jemand über das Ende der Glühbirne auf? Eben.“

Wie, „Eben.“ ?  Also, wenn sich nach sechs Jahren keiner mehr über einen ganz dummen Blödsinn aufregt, dann legitimiert das den Folgeblödsinn ?   O.K., wenn man das als Erklärung für den „Erfolg“ der EU hernimmt, dann wird bestimmt ein Schuh draus:  „Wir verordnen Schwachsinn, das aber regelmäßig und machen alsbald weiter, wenn sich die Aufregung der Bevölkerung gelegt hat“.

Fakt ist, heute kaum noch bestritten:  Der „Glühlampenerlaß“ der EU sorgte für eine europaweite Kontamination fast aller Haushalte mit gefährlichem Sondermüll.  Der gewünschte Einspareffekt trat nicht ein.  Die Lebensqualität in „modern“ beleuchteten Räumen sank.  Also:  Ich rege mich auch heute noch darüber auf.  Und war froh, unseren kompletten Haushalt schon vor Jahren auf Halogenlampen umgestellt zu haben.

Beleuchten wir einmal den EU-Folgeschwachsinn in seinem gesamten Spektrum, ‚mal sehen, ob mir das ohne Magisterabschluß in Newcastle upon Tyne gelingt:

  • Energieeffizienz:   Im überwiegenden Teil des Jahres müssen wir heizen.   Nix gegen Newcastle upon Tyne, aber was man dort garantiert nicht lernt:  „Energie geht nicht verloren„.  Dieser Satz hat als „1. Hauptsatz der Thermodynamik“ eine gewisse Popularität erlangt, ist aber alles andere als trivial.   Die aufgenommene Leistung wird in der Halogenlampe zu etwa 15% in sichtbares Licht gewandelt.  Der Verlust von 85% heizt als Infrarotstrahler die Umgebung.  In den meisten Fällen ist dies willkommen.  Der „Verlust“ sorgt nämlich 1:1 für Energieeinsparung beim Heizen.
  • Lichtspektrum:  Die Halogenlampe erreicht eine „natürliche“, einigermaßen lineare Verteilung der Lichtenergie auf das (sichtbare) Spektrum.  Über meinem Schreibtich hängt ein 300 W – Halogenbrenner, der, in Reflektortechnik, für eine schattenfreie, ideale Lichtverteilung sorgt.  Nun dient ab und zu mein Arbeitsplatz lediglich dazu, um in Intervallen von einer Stunde draufgucken zu können, wie sich ein bestimmter Prozeß entwickelt.  Da vergeude ich nicht sinnlos 300 W.  Es gibt also eine zusätzliche LED-Beleuchtung.  Die, nebenbei bemerkt, so richtig teuer war.  Sobald ich aber längere Zeit bei dieser Beleuchtung arbeite, bekomme ich Kopfschmerzen und meine Konzentration läßt nach.  Zunächst führte ich dies auf Interferenzen zwischen Bildschirm-wiederholfrequenz (60 Hz) und Lichtfrequenz (50 oder 100 Hz) zurück, aber ich habe mir schon seit längerem einen hervorragenden LED-Bildschirm gegönnt.  Nein, die Frequenz ist es nicht, es ist die fiese, die blauen Farbtöne anhebende, spektale Zusammensetzung, die mein Wohlbefinden beeinträchtigt.  „JAAA, aber die neuen Geräte sind doch viiiiiiiiiiiiiel besser“, so überbieten sich die Schreiberlinge.  Wir haben Freunde in Freising, die richtig Spaß haben an der neuesten LED-Technik, aber in deren Wohzimmer bekommen sowohl meine Frau (lichttechnisch desinteressiert) als auch ich zuverlässig Kopfschmerzen.  Ich wette, nach ein paar Laphroaig würde das verschwinden, aber dummerweise saufe ich nicht mehr.
  • Lebensdauer:  Mittlerweile sollte es sich auch in der selbsternannten Akademenz herumgesprochen haben:  Leistungsreduktion um zehn Prozent verlängert die Lebensdauer von Halogen- und sonstigen Glühlampen um den Faktor 10, im Journalisten-Laiendummsprech also um „900 Prozent“.  LED-Leuchtmittel dagegen werden schnell schwächer und fallen in der Praxis früher aus als eine Halogenlampe.  Das ist nun der primitiven, „kostenoptimierten“ Spannungsversorgung geschuldet, die dem VW-Konzern alle Ehre gemacht hätte.   Dazu  komme ich noch.
  • Herstellungskosten:  Selbst wenn wir die absoluten Beträge vergleichen, ohne sie in Bezug zu setzen zur tatsächlichen Lebensdauer, obsiegt hier ganz klar die Halogenlampe.
  • Umweltverträglichkeit und Recycling:  Auch hier ein klares Plus für die Halogenlampe.
  • Lichtfrequenz:  Einer Doppelwendel aus Wolframfaden ist es wumpe, ob sie von einer positiven oder von einer negativen Halbwelle des Netzwechselstroms durchlaufen wird.  Einer Leuchtdiode jedoch nicht!  Die Halogenlampe braucht also keinen Gleichwichter, um eine Lichtfrequenz von 100 Hz zu erhalten.  Dabei glättet die Trägheit des Wolframfadens die Welligkeit.   Das mit der Welligkeit ist so eine Sache, wegen I=U/R ∧ P=U*I ⇔ P=U²/R wächst mit zunehmender Spannung die (Momentan-)Leistung im Quadrat, wir haben es also mitnichten mit einem sinusförmigen Verlauf zu tun.  Gleichzeitig kühlt der Wolframfaden nach jedem Leistungsmaximum wesentlich schneller ab als im Durchschnitt, da die abgestrahlte Leistung (Boltzmann/Stefan) in der vierten Potenz mit der Temperatur steigt (oder abnimmt).  Nicht zu vergessen:  Der ohmsche Widerstand nimmt mit der Temperatur zu.  Wir haben es hier also schon bei einer „einfachen“ Halogenlampe mit einer komplexeren Betrachtung zu tun, die garantiert nicht von Journalisten verstanden werden kann, die berufsbedingt (oder sollte ich besser sagen „berufungsbedingt“ oder „selbstberufungsbedingt“ schon bei der Division zuverlässig scheitern.  Wir können uns aber merken:  Bei einer typischen Halogenlampe variiert der Lichtstrom mit einer Frequenz von 100 Hz um etwa 10 Prozent.  Diesen Wert habe ich als 14jähriger einmal mithilfe eines Fototransistors und eines Oszillographen ermittelt.  Größenordnungsmäßig sollte das stimmen, in diesem Alter war ich schweinegut drauf, soff noch nicht, haßte Sport aller Art und beschäftigte mich ausschließlich mit solchem Krams.  Übrigens:  Seinerzeit, anno 1974, hieß ein Oszillograph halt „Oszillograph“ und nicht „Oszilloskop“ resp. „Scope“.  Vor diesen Geräten hatte ich immer einen Mordsrepekt , da fand und finde ich den altmodischen Begriff einfach angemessener.   Neureiche Spinner reden ja auch von ihren „Chronographen“, wenn sie ihre nutzlosen Breitling-Klunker meinen.  Ein Bekannter, seit seinem 15. Lebensjahr Segel- und später auch Motorflieger, unterdessen Berufspilot, bezeichnet Breitling gern als „Fliegeruhr für Nicht-Flieger“, und so geriert sich der Hersteller auch in der Werbung.  Wobei ich den „Navitimer“ seit 30 Jahren sehr schön finde.  Als Nichtflieger.  Aber ich würde ihn dann „Chronometer“ nennen oder, ganz ehrlich:  Uhr.  Entschuldigung für diese Entgleisung, aber ich finde, die Klarheit von Gedanken muß sich in der Klarheit der verwendeten Ausdrücke manifestieren — und umgekehrt.  Zurück zum Thema:  Lichtfrequenz einer Halogenlampe:  100 Hz und 10 Prozent Modulationstiefe, LED: 50 Hz und 100 Prozent Modulationstiefe.  Und das Geflimmer nervt.   Gut, Herrn Juncker nicht, wenn er ausreichend sediert ist.   Gibt aber Leute, die arbeiten müssen.
  • Regelbarkeit: Für die- oder denjenigen, der es bis hierher geschafft hat:  Lassen Sie mich erstmal den Begriff „Regeln“ durch „Stellen“ ersetzen:  Ein Lichtregler sorgt autooperativ für die Einhaltung der gewünschten Lichtstärke.  Der typische „Dimmer“ ist ein „Stellglied“, mit dem man die Lichtstärke variieren kann (heutzutage typischerweise durch Veränderung des Phasenan- oder abschnittswinkels), der aber keineswegs die Stärke des Lichtstroms erfaßt und ggfs. den Stellgrad ändert.  „Stellbarkeit“ wäre der richtige Begriff, den versteht bloß keiner mehr.  Das primitive „Kondensatornetzteil“ dieser billigen „LED-Chinakracher“ besteht unterdessen aus einem einfachen, vorgeschalteten Kondensator.   Mit einem Kondensator kann man in der Tat bei Wechselstrom eine quasi verlustfreie Strombegrenzung erreichen — in etwa so wie seinerzeit mit der Drosselspule der Leuchtstofflampe.  Hört sich bis dahin clever an.  Dummerweise gibt es in einem typischen Haushaltsnetz immer wieder kurzzeitige, heftige Überspannungen („Transienten“), die die extrem überspannungsempfindlichen LEDs glatt zerstören würden.  Deswegen werden auf einmal zwei Dinge notwendig:  Ein Vorwiderstand, der Adolf Hitler der Energieeffizienz, und, parallel zu den LEDs, ein Spannungsbegrenzer.  Diese „Combo“ sorgt dafür, daß einerseits die Effizienz deutlich gemindert wird und andererseits das Variieren der Helligkeit mit einem klassischen „Lichtdimmer“  unmöglich ist.
  • Häßliche Nebeneffekte:  Während eine Halogenlampe als rein ohmsche Last das Lichtnetz linear belastet, sorgt der Kondensator (s.o.) dafür, daß (wenigstens einigermaßen lineare) Blindlast entsteht.  „Blindstrom“ ist Strom, der beim Verbraucher keine Leistung entfaltet, aber permanent nutzlos zwischen E-Werk und Verbraucher mit der Netzfrequenz synchron hin- und hergeschunkelt wird und überall auf dem Übertragungsweg Verluste verursacht.  So ein typisches Beispiel ist ein Klingeltransformator:  Obwohl die Klingel vielleicht nur zweimal pro Woche betätigt wird, muß der Strom ja Tag und Nacht zur Verfügung stehen, man weiß ja nie … .  Also fluktuiert permanent im Transformator ein Magnetfeld – um dieses zu erzeugen, braucht es definitiv Strom. Und dieser Strom, in Höhe des Nennstroms des Transformators, wird fleißig zwischen Erzeuger und Klingeltrafo hin- und hergeschunkelt.   Zuhause fällt kein Verbrauch an, wenn wir einmal von den typischen „Trafoverlusten“ (Hysterese, Wirbelstrom, Wicklungs-widerstand) absehen, weil Strom und Spannung um etwa 90° phasenverschoben sind, aber tatsächlich fließt ein kräftiger Strom über die komplette Übertragungsstrecke und erzeugt überall Verluste.  Früher, als es noch keine EU, dafür aber verantwortungsvolle Elektroingenieure gab, kompensierte man den Blindstrom, welcher von der Drosselspule einer Leuchtstoffröhre verursacht wurde, mit einem parallelgeschalteten Kondensator, den man heute noch vielfach bei alten Installationen sehen kann.  Um den von den bis weit unter die Schamgrenze primitiv gestalteten „Kondensatornetzteilen“ erzeugten Blindstrom zu kompensieren, bräuchte man jetzt analog eine Drosselspule.  Die ist teuer und baut vergleisweise groß und schwer – also läßt man es.
  • Prinzipielle Schwächen:  Jede Diode, also auch eine Leuchtdiode, hat eine gewisse „Durchbruchspannung“, die auch bei absolut baugleichen Exemplaren minimal variirert.  Deswegen weiß jeder Zwölfjährige, der ein paar Dioden parallelschaltete in der Hoffnung, er hätte damit die maximale Stromstärke vervielfacht:  Die ganze Last gehr zunächst durch die Diode mir der geringsten Durchbruchspannung, danach brennt sie durch, die Diode mit der nächsthöheren Durchbruchspannung übernimmt nach dem Prinzip der „Zehn kleinen Negerlein“, ääääh:  Neun, acht, sieben, sechs …   Je mehr Einzeldioden verrecken, desto schneller geht der Exitus voran.  Man kann das verhindern mit Ausgleichswiderständen, aber das kostet wieder… .  So ähnlich ist es auch mit einer Palette LEDs, die eigentlich jede für sich versorgt werden müßte.   Aus Kostengründen tut man das nicht, sondern billigt es, daß die Geräte nach kurzer Zeit teilweise ausfallen.  Interessanterweise verbraucht eine LED-Lampe, bei der einige Dioden ausgefallen sind, genau das gleiche wie eine im (noch) intakten Status.  Ganz nebenher:  Man könnte einen Siebungskondensator einbauen, um damit die LEDs mit beinahe reinem Gleichstrom zu betreiben und das elende „Geflimmer“ aus der Welt zu schaffen:  Aber:  Der Kondensator baut wieder zu groß und zu teuer.

 .

Technisches Fazit:

Nichts gegen die Halogenlampe, aber:  Eine bestimmte Bauform X einfach durch eine LED-Variante Y ersetzen zu wollen, ist absoluter Schwachsinn, umweltschädlich, viel zu teuer und nicht halb so energieeffizient wie gedacht.

Will man vernünftige Lichtlösungen mit LEDs, dann baut man eigens dafür entwickelte Lampen, in denen ein einziges festeingebautes, stellbares Netzteil möglichst viele LEDs versorgt.  Dann nämlich braucht man auch kein „Flackern“ inkaufzunehmen.

Die „Effizienzverordnung“ der EU ist so unsinnig und kontraproduktiv wie die EU selbst.

 

Was sagt der „Wutbürger“ ?

Das kann ich Ihnen, lieber Leser, ziemlich genau sagen:   Ich zitiere einmal meinen Vetter Bernhard, auf moderne Journalisten angesprochen, aus den frühen 90er Jahren, nach dem Genuß einiger Asbach-Cola:

„Das ist doch ganz einfach:   Die Weiber in den Puff und die Männer ins Arbeitslager, damit denen die Flausen aus dem Kopf gehen!“

So schockiert ich vor einem Vierteljahrhundert über diese Äußerung war, so sehr stehe ich heute klammheimlich dahinter.   Es ekelt mich an, wie sich diese überheblichen Pimpfe als Oberlehrer aufspielen und denjenigen Bürgern, welche sie am Kacken halten, mit erhobenem Zeigefinger vorschreiben, was sie zu tun oder zu lassen haben.   Wie sie zu sprechen oder nicht zu sprechen haben.  Und uns Dummerchen die Welt erklären: Warum ein schwuler Kinderficker unsere Gesellschaft bunt bereichert.   Warum die Rücknahme der absolut sinnlosen Zeitumstellung als deutscher Alleingang Schaden für uns alle bringt.   Warum alle, die sich mit dem Thema zu befassen wagen, schlechte Europäer sind im Sinne von „habt Ihr denn keine anderen Sorgen ?“

Und irgendwann werden nicht nur die primitiven Fußball-Hooligans in der braunen Ostzone die Schnauze voll haben, sondern auch der westdeutsche Michel.   Dann wird der Ruhrpott kochen.  Und wer einmal einen Konverterabstich gesehen hat, der weiß, wie der Pott kochen kann.

Wie war das bei Brecht ?

Da kam einmal ein großer roter Bär daher,
der wußte nix von den Sitten hier, das brauchte er nicht als Bär.
Aber er war nicht von gestern und ging nicht auf jeden Teer —
und der fraß die Vöglein im Walde.

Da schwiegen die Vöglein im Walde nicht,
in allen Wipfeln ist Unruh,
über allen Gipfeln spürest Du
jetzt einen Hauch.

(Bertold Brecht, „Die Liturgie vom Hauch“, etwa 1920)

Und da bin ich doch ganz bei Katrin Göring-Eckhard, als sie von bevorstehenden grundlegenden Veränderungen in unserer Gesellschaft schwadronierte:

Und ja, meine Damen und Herren, ich freue mich darauf !

 

-hb, wird fortgesetzt.

Roland Dürre

SIEMENS. #MeinLeben

Technik von Siemens erlebt auf einem wunderschönen Ausflug zum Veragua-Rainforest zum Puma-Wasserfall Forschungszentrum in Costa Rica

Anfang der 70iger Jahre beim Studieren in München bin ich bei der Siemens AG gelandet. Als Werkstudent in der Kopp-Strasse. Dort war mein Büro – getestet haben wir im IT-Labor im Feurich-Bau. Die Kopp-Strasse war außerhalb, der Feurichbau innerhalb des Standortes „Hofmannstr.“.

Siemens war ein großartiges Unternehmen. Vielleicht das Deutsche Unternehmen.

Unser Motto war „Hochtechnologie für und mit allem was mit Strom zu tun hat“. Es gab mehr als 20 Bereiche, von denen ein jeder technologisch Herausragendes realisierte. Gemeinsam ergänzten sie sich synergisch. Dazu kam eine exzellente kaufmännische Führung des gesamten Unternehmens.

In den technischen Bereichen war Aufbruchstimmung. Die Herausforderungen konnten gar nicht groß genug sein, die gefundenen Lösungen waren genial.

Die Vorstände waren damals nahbar. Ein Siemens-Vorstand hat uns mal sein Rollenverständnis so erklärt:

„Den meisten der gut 25 Bereiche der Siemens AG geht es wirtschaftlich sehr gut. Einige wenige davon gibt es, die schwächeln. Meine Aufgabe ist es, die Schwachen wieder stark zu machen. Dass mir die Arbeit ausgeht, muss ich nicht befürchten, weil es ganz normal ist, dass auch mal wieder ein anderer „starker“ Bereich „schwächelt“.

Das hat mir eingeleuchtet. So ist das Leben, auch in der Wirtschaft. Ewige Top-Peformance gibt es nicht. Dann ist es normal, dass mal das eine oder andere auch schwächelt.

Die wirtschaftliche Stärke und die herausragende kaufmännische Kompetenz des Unternehmensgesamt habe ich bewundert. Das hat uns – Siemens – deutlich von Mitkonkurrenten wie AEG oder Telefunken unterschieden. Im Bereich D auch von Nixdorff. Und dass manche Siemens liebevoll ironisch als „Bank mit angeschlossenen Elektrokonzern“ bezeichnet haben, fand ich auch nicht schlecht. Wenn ein Unternehmen „Kohle“ hat, dann macht das durchaus Sinn.

Die Geisteshaltung zumindest in den Ingenieursbereichen hat mich begeistert. Wir haben in einer Art und Weise gearbeitet, wie es mir später Google (in seinen guten Jahren) von Mitarbeitern berichtet wurde. Es gab große technische Herausforderungen, ein hohes Maß an Eigenverantwortung und beim Scheitern eine faire Fehlertoleranz. Ergänzt von einem klaren Berichtswesen aber ohne hinderlichen Prozesse und Einengung durch rollen. Das waren die Tugenden, die uns technologisch nach vorne katapultiert haben. Und wir waren (oft mehr als) auf Augenhöhe mit IBM und den anderen überwiegend amerikanischen Konkurrenten. Die wenigen europäischen Konkurrenten hatten wir eh schon abgehängt.

Ende der 70iger war ich als fest angestellter Mitarbeiter bei Siemens. 1980 musste ich auch nach Neuperlach. Und habe das Unternehmen dann bald verlassen. Weil genau die oben genannten Tugenden verloren gingen.

Rollen wurden festgelegt und Prozesse eingeführt. Bürokratie wurde dominant und alle Entscheidungen dem Kriterium des Shareholder Values unterworfen.  Eine große Lähmung kombinierte sich mit unsinnigen Planungsansätzen und machte das erfolgreiche Arbeiten immer schwieriger bis unmöglich. So ging sie „baden“, die großartige Technologie.

Nach der Gründung meines eigenen Unternehmens habe ich viel Geschäft mit Siemens gemacht. Zu Beginn war das eine ausgezeichnete Situation. Siemens war ein fairer Kunde und Geschäftspartner. Dazu kann und habe ich schon viele positive Geschichten erzählt.

In den neunzigern hat sich dann aber auch das Klima für die Lieferanten mehr und mehr verändert. Ein schönes Bonmot dazu war bei den Lieferanten, dass für Siemens „Partnerschaft ist, wenn der Partner schafft“. Auch dazu kann ich viele Geschichten erzählen.

Dann ist der Abstand von mir und auch der InterFace zu Siemens gewachsen. Den Abstieg des großen deutschen Unternehmens im dritten Jahrtausend habe ich über die Jahre mitverfolgt. Der Schmerz des Ur-Siemensianers war ließ so immer mehr nach und wurde von der morbiden Freunde am Untergang eines kranken Systems ein wenig gelindert.

Jetzt in 2018 gibt es wieder spannende Neuigkeiten aus dem einstigen Elektrokonzern. Das Unternehmen wird neu organisiert. Man will sich „am Sinn orientieren“. Aber was heißt das?

Im Übrigen sollen alle Stakeholder profitieren – aber vor allem eben die Shareholder, dann auch ein wenig die Kunden, die Menschen im Unternehmen, die Lieferanten und die externalen sozialen Systeme. Siemens scheint da aus den letzten Jahrzehnten nicht gelernt haben, dass das nicht so funktioniert.

Meine emotionale Distanz zu Siemens ist größer geworden. So kann ich heute Siemens gelassener betrachten als noch vor ein paar Jahren. Und stelle fest:

Der Mitarbeiter steht wieder mal verbal „im Mittelpunkt“. Und da eher im Wege.

Ganz vorne steht der Shareholder, also das Internationale Kapital. Nach meiner Bewertung will Siemens einen Weg gehen, den ich schon ein paar mal bei anderen Unternehmen gesehen habe.

Man zerlegt ein Unternehmen in zwei (hier drei) Teile und bringt die neuen Unternehmen an die Börse. Wenn anschließend jedes Unternehmen für sich alleine einen höheren Börsenwert hat als das alte hatte – dann dürfen die Champagner-Korken knallen. Besonders beim Kapital.

Was dann aus den dreien Nachfolge-Konzernen wird, ist eine andere Geschichte. Mit dem alten Siemens wird das aber nichts mehr zu tun hat.

Macht auch nichts, denn die Zeit des „Wir machen alles, was mit Elektrizität zu tun hat“ ist eh schon lange vorbei. Wie die der deutschen Unternehmen, die gemeinsam mit mehr oder weniger begeisterten Mitarbeitern (und vielen Gastarbeitern) für das „Wirtschaftswunder“ gesorgt haben.

RMD

Gastautor(en)
Freitag, der 20. Juli 2018

Gastbeitrag eines jungen Mannes: Der Transatlantik-Zirkus.

Als Gastautor begrüße ich (Roland Dürre) heute hier Götz, den Sohn von Detlev Six. Detlev hat in IF-Blog viele besondere Beiträge eingebracht, unter anderem die Radiophilosophie. Nur zur Erinnerung an vergangene Zeiten: Die Radiophilosophie besteht aus 80 – wie ich meine ein wenig verkannte – philosophische Beiträge, die dem Motto folgen „Erfolgreich trotz Denkens“.

Aber jetzt und heute überlassen wir seinem Sohn die Bühne zum Thema:

Der Transatlantik-Zirkus:

Man sollte meinen, dass es etwas positives ist, wenn sich die Präsidenten der zwei größten Atommächte treffen um zu reden und Spannungen abzubauen, zumal es nicht das erste Mal ist, dass sich amerikanische und russische Präsidenten in diesem Format treffen. Nun gibt es aber bekanntermaßen Leute, die das anders sehen. Einer davon ist Zeit Kolumnist Matthias Naß, der Trumps Politik „zum Fürchten“ findet. Assistiert wird er dabei von Stefan Kornelius, dem Auslandschef der Süddeutschen, der schreibt: „Die Demokratie erlebt in diesen Zeiten den schlimmsten Rückschlag seit den faschistischen Dreißigerjahren des vorigen Jahrhunderts“. Dass Trump und Putin miteinander reden erinnert Kornelius also an den Aufstieg Adolf Hitlers und für diese Aussage bekommt er von Naß dann auch noch attestiert, ein „besonnener Transatlantiker“ zu sein[1]. Vielen Danke für die Steilvorlage Jungs. Beide sind übrigens Mitglied in der transatlantischen Polit-Lobby Atlantik Brücke, genau wie so viele andere Journalisten[2].

Nun könnte man ja lachen über diese Zirkusveranstaltung, doch es gibt dabei mehrere Probleme: Naß und Kornelius sind keine unbedeutenden Clowns, sondern bedeutende Clowns. Außerdem ist mit diesem einen Beispiel traurigerweise das komplette Meinungsspektrum der Mainstream Medien abgedeckt. Dazu kommt dann, dass es immer noch viele Leute gibt, die sowas für Journalismus halten. Beschäftigen wir uns also mit den Gründen, welche die Mainstream Presse dafür anführt, dass man nicht mit Putin reden solle.

Die „Annexion“ der Krim:

In der UN Charta, dem sog. Völkerrecht, kommen die Begriffe Annexion und Sezession nicht vor, d.h. diese Begriffe sind nicht definiert. Was darin vorkommt ist das „Selbstbestimmungsrecht der Völker“ und die „territoriale Integrität der Staaten“ . Letzteres hat Russland verletzt, als es die grünen Männchen auf die Krim schickte um den Bewohnern dort ersteres zu ermöglichen. Obwohl das Völkerrecht also Abspaltung via Referendum zulässt, die sog. Sezession, argumentiert eine Mehrheit der Experten, dass das Votum nicht völkerrechtskonform sein könne, da es auf einem völkerrechtswidrigem Wege zu stande kam. Es gibt aber auch Experten, die für eine Sezession argumentieren[3]. Auf jeden Fall handelt es sich bei der sog. Annexion der Krim nicht um eine Tatsache, sondern um eine Meinung. Unbestritten ist dagegen, dass die USA z.B. die Insel Guam annektiert haben[4].

Der Krieg in der Ostukraine:

Knallhart verschwiegen wird von den MSM stets die Tatsache, dass Janukovich nicht vom Volk, sondern durch Scharfschützen gestürzt wurde. Diese schossen aus Gebäuden, die zum besagten Zeitpunkt von der Opposition kontrolliert wurden[5]. Nachdem die Bürger im Osten des Landes, die den gewaltsamen Putsch nicht akzeptierten, ihre Unabhängigkeit erklärt hatten, war es die neue ukrainische Regierung, welche die Armee nach Osten schickte und dies „Anti Terror Operation“ nannte. Diese Aktion löste die Kampfhandlungen im Donbass aus und machte die Gegend zu einem beliebten Urlaubsziel für russische Soldaten. Russland macht diesen Krieg zwar möglich durch die Unterstützung ethnischer Russen im Nachbarland, aber ausgelöst haben diesen Konflikt andere.

Die Wahlbeeinflussung:

Zwischen 1946 und 2000 haben die USA 81 Wahlen beeinflusst und Russland bzw. die Sowjetunion 36 [6]. Wenn sich die USA jetzt über eine mutmaßliche Wahlbeeinflussung aufregen, dann ist das ungefähr so, als wenn der Boss eines mexikanischen Drogenkartells die Rocker-Kriminalität in Europa als unethisch kritisieren würde. Dazu kommt noch, dass es bis heute keine öffentlich einsehbaren Beweise gibt. Das meiste beruht auf den Behauptungen der selben Geheimdienste, die schon die Beweise für die Massenvernichtungswaffen des Irak gefälscht haben und selbst diese Behauptungen beinhalten nicht mal den Vorwurf, dass das was Russland getan haben soll, einen Einfluss auf den Ausgang der Wahl gehabt hätte[7]. Moment, was ist mit Muellers Anklagen? Ja, mag sein, dass hier endlich mal Butter bei die Fische kommt, aber zumindest Zweifel kann man auch daran anmelden. Die Angeklagten sind allesamt russische Staatsbürger und in Russland ansässige Firmen. Es war eigentlich nicht damit zu rechnen, dass irgendjemand davon vor Gericht auftauchen würde und somit könnte Mueller damit rechnen, nie Beweise vorlegen zu müssen. Nun ist überraschenderweise doch eine der als Trollfarmen bezichtigten Firmen vor Gericht aufgetaucht, plädiert auf „nicht schuldig“ und möchte Beweise sehen, woraufhin Mueller erst mal versucht hat, die Herausgabe jener Beweise zu verzögern[8]. Die deutschen Medien hatten leider keine Zeit, darüber zu berichten.

Das ist es, wie in der Quintessenz Propaganda funktioniert. Es wird hier eine Information und dort ein Zusammenhang verschwiegen. Fragmentierung und Dekontextualisierung von Informationen nennt man das. Dadurch entsteht ein Zerrbild, auf das dann ein unnatürlich verengtes Meinungsspektrum aufsetzt, welches dieses Zerrbild wie die ganze Wahrheit behandelt. So kann man lügen ohne zu lügen und es wirkt alles sehr realistisch, denn die präsentierten Informationsfragmente sind meist wahr. Das Gesamtbild, das sie ergeben aber nicht. Zur Zeit trommeln die Presstituierten massiv für den kalten Krieg. Eine Annäherung und Entspannung mit Russland soll auf jeden Fall verhindert werden. Es ist aber wichtig, sich von dieser Propaganda nicht das Hirn weichspülen zu lassen. Trump hat seine Fehler, aber sein Kurs gegenüber Russland ist richtig.

[1] https://www.zeit.de/politik/ausland/2018-07/donald-trump-nato-gipfel-usa-demokratie-5vor8
[2] http://spiegelkabinett-blog.blogspot.com/2013/03/journalisten-der-atlantikbrucke-in.html
[3] http://m.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/die-krim-und-das-voelkerrecht-kuehle-ironie-der-geschichte-12884464.html
[4] https://de.m.wikipedia.org/wiki/Kolonien_und_Protektorate_der_Vereinigten_Staaten
[5] https://www.rubikon.news/artikel/propaganda-statt-journalismus
[6] https://en.m.wikipedia.org/wiki/Foreign_electoral_intervention
[7] https://m.youtube.com/watch?v=PSieUmpeDSw
[8] https://www.politico.com/story/2018/05/04/mueller-russia-interference-election-case-delay-570627

Soweit Götz Six.

Mein Resumée? Vielleicht sollten wir mehr den jungen Menschen zuhören und sie auch in Politik und in den Unternehmen ein wenig mehr ans Ruder lassen.

RMD

Hans Bonfigt
Sonntag, der 8. Juli 2018

Papa, Charlie hat gesagt …

… so hieß eine Radiosendung.  Ein eher konservativ eingestellter Vater wurde von seinem Sohn mit den teilweise recht kritischen Thesen eines Mitschülers konfrontiert und hatte seine liebe Not damit, diese zu widerlegen.

Mir erschien als kleiner Junge die Welt als undeterministisch.  Mir war nicht klar, wie weit sich die Menschen, die sich nicht schämen, sich selbst als „politische Klasse“ zu bezeichnen, vom tatsächlichen Leben entfernt waren.

Und so fragte ich meinen Vater oft nach Ursachen und Wirkungen und erhielt verblüffend einfache Erklärungen, über die meine Mutter sagte, daß ich so etwas nie, nie, niemals in der Schule weitererzählen solle.

 

Auch jetzt noch hätte ich einige Fragen an meinen Vater, und ich weiß verdammt genau, was er gesagt hätte.

Papa, warum werden amerikanische VW-Kunden entschädigt und deutsche nicht ?

„Nun, Junge — weil sich die Bundesregierung wieder völlig unnötig und unqualifiziert eingemischt hat.  Für diejenigen Fahrzeuge, welche ohne Manipulation die Zulassungskriterien nicht mehr erfüllen können, muß die ‚Allgemeine Betriebserlaubnis‘ durch das Kraftfahrt-Bundesamt entzogen werden.

Dadurch entstünde den Kraftfahrzeugbesitzern ein tatsächlicher Schaden, welchen sie umgehend und einfach gerichtlich geltendmachen könnten.  Gleichzeitig hätte man, national wie international, ein starkes Zeichen gesetzt, daß die Politik nicht die Marionette unserer Schlüsselindustrie ist.

Aber Du kennst unsere Bundeskanzlerin, die leider „Richtlinienkompetenz“ hat, die sie häufig bis zum Rechtsbruch überzieht.  Sie hatte nicht das Rückgrat, die Verärgerung der vielen hunderttausend VW – Fahrer auf sich zu laden.  Auf einen Rechtsbruch mehr oder weniger kommt es Frau Merkel nicht an, wenn sie dadurch vermeiden kann, vom Wähler abgestraft zu werden.“

 

Papa, warum bekommt eine „geflüchtete“ Großfamilie 7.000 Euro im Monat ?

„Tja, Junge – die Behörden sagen, die bekommen das gleiche wie eine einkunftslose deutsche Familie.

Und weißt Du was ?  Eigentlich ist das richtig.  Wer sind wir denn, daß wir sagen, ‚für die menschenwürdige Versorgung eines fremden Kindes brauchen wir weniger als für ein deutsches‘ ?   Es gibt keine Menschen erster und zweiter Klasse.  Das ist ein ganz wichtiger Grundwert unserer Kultur, den es zu schützen gilt — auch und gerade vor den respektlosen Sozialschmarotzern, die hier einfallen.

Daß eine große Familie ohne Ernährer zwischen 4.000 und 10.000 Euro vereinnahmt (denke an Krankenkassen, Kosten für Sozialarbeiter, Justiz- und Gefängniskosten für die ältern Kinder usw., usf.), das ist der Siegeszug der möchtegernsozialistischen Verteilungspolitik des Willy Brandt.

Denn das Beipiel der Asyltouristen, über das sich so viele aufregen, zeigt einfach nur, zu welchem Exzeß die vermeintliche ‚Förderpolitik für sozial Schwache‘ geführt hat.   „Pflege und Erziehung der Kinder sind das natürliche Recht der Eltern und die zuvörderst ihnen obliegende Pflicht“.  Das haben die grünen Schmeißfliegen genausowenig begriffen wie die Sozis.  Die einen wollen die Kinder in Ganztagsschulen zwangsindoktrinieren, die anderen blasen der asozialen Unterschicht Zucker in den Arsch, um sich eine Stammwählerschaft zu sichern.

Also:  Eigentlich müßte man verantwortungslosen Eltern, die Kinder in die Welt setzen, ohne dafür aufzukommen, die Stütze auf ein Minimum kürzen — dann gäbe es im Falle der Asyltouristen ebenfalls keine Exzesse“.

 

Papa, warum gibt es Streit über den Umgang mit kriminellen Einwanderern ?

„Tja, Junge:  Du glaubst mir ja nicht, daß rot/grün den Untergang Deutschlands will.  Dabei siehst Du doch selbst die Plakate:  ‚Deutschland, Du dreckiges Stück Scheiße‘ hängt direkt neben einem mit ‚Refugees welcome — bring your families‘.  Ist das eine Art, Gäste zu begrüßen — in einem ‚dreckigen Stück Scheiße‘ ?   Hier kannst Du sehen:  Denen gehen die Leute am Arsch vorbei, aber sie wollen die Chance nutzen, um uns zu schädigen.

Ansonsten kann ich nicht nachvollziehen, warum über neue Gesetze diskutiert wird, wo wir doch ein funktionierendes Rechtssystem haben ?  Wenn einer nach einem illegalen Grenzübertritt erwischt wird, besteht zunächst einmal ein Anfangsverdacht einer kriminellen Handlung.   Das rechtfertigt Untersuchungshaft, ohne Mobiltelephone und ohne Möglichkeiten, weiter straffällig zu werden.

Die Polizei müßte einfach nur so aufmerksam gegenüber sogenannten „Migranten“ sein wie gegenüber den Deutschen.  Und wenn die merken, sie können sich hier nicht aufführen wie zuhause, dann kehrt sofort wieder Ruhe ein.

Wir können stolz sein auf unser Asylrecht – aber diejenigen, die es mißbrauchen, nehmen denen, die wirklich auf unsere Hilfe angewiesen sind, dringend benötigte Ressourcen weg und stiften sozialen Unfrieden.  Und da weiß ich gar nicht, wieso wir verpflichtet sein sollen, Betrüger wieder genau dorthin zu bringen, wo sie hergekommen sind.

Aber weißt Du — alle drei Situationen haben eines gemeinsam:

Sondergesetze helfen niemandem — wir müssen nur unserem bestehenden Rechtsrahmen Geltung verschaffen !“

 

Nun war mein Vater strammer CDU-Wähler und ich bin RAF-Sympathisant, insofern glaube ich, daß er zuviel Angst vor den „Sozis“ gehabt hat, welche weder unter August Bebel noch unter Willy Brandt etwas zuwege gebracht haben.  Denen eine ernsthafte Absicht zu unterstellen, und sei es nur eine zerstörerische, halte ich für abwegig.

Ansonsten kann ich meinem alten Herrn nur rechtgeben.

 

Aber vielleicht haben Sie, lieber Leser, plausiblere Antworten für mich ?

-hb

Roland Dürre
Montag, der 9. April 2018

Doppelagenten

 

Doppelagent Dnalor in Warnemünde

Ironie und Realität

Als leidenschaftlicher Leser von John le Carré (Verräter wie wir) und Herbert Rosendorfer (Das Messingherz) kenne ich mich mit Geheimdiensten und deren Praktiken natürlich bestens aus.

Zurzeit gibt es ja wieder einen genialen „use case“, den ich heute kompetent besprechen und fachlich analysieren will. Lapirks oder so ähnlich.

Die beiden erwähnten Bücher sind übrigens zwei absolut geniale und lesenswerte Werke, vielleicht empfehle ich das Messingherz noch einen Hauch mehr. Aber jetzt zum Thema – es geht heute um den „Doppelagentenmord“!


Gehen wir davon aus, Sie sind ein Geheimdienstler eines noch EU-Landes und wollen einen Doppelagenten beseitigen, der Ihnen stinkt.

Ein Doppelagent hat zwei „Arbeitgeber“ über Jahre gegeneinander ausgespielt. Von beiden wurde er gut bezahlt. Keiner der beiden kann sich jemals ganz sicher sein, wem seine Gunst wirklich gehört hat. Vielleicht beiden? Dies gilt auch für den Arbeitgeber, der ihn am Schluss als (lästige?) Laus im Pelz sitzen hat und ihm die Rente finanziert.

So ist Doppelagent schon so eine von Art Königsklasse der Geheimdienstliga, übertroffen wahrscheinlich nur von dem sehr seltenen 3- oder 4-fach Agenten. Andererseits – ein Doppelagent dürfte doch immer zuerst mal ein Agent der eigenen Sache sein …

Die Arbeitgeber eines Doppelagenten sind in einer blöden Situation. Denn immer bleibt ihnen der Verdacht, dass in „Wirklichkeit“ sie die Beschissenen waren. Aber „Wirklichkeit“ ist bei Geheimdiensten eh unwichtig, geht es da doch viel mehr um „Unwirklichkeit“!

Wenn Sie jemand umbringen, dann geben Sie natürlich nicht  gerne zu, dass Sie es waren. Auch nicht bei einem Doppelagenten. Bei diesem bietet es sich jedoch förmlich an, den Verdacht auf den zweiten Arbeitgeber zu richten.

Dazu gibt es für den Doppelagentenmord zwei Möglichkeiten, die einfache oder die doppelte Indirektion. Die intelligentere aber auch aufwändigere Variante ist zweifelsfrei die doppelte Indirektion. In Kurzform geht diese so:

Sie richten den Verdacht – zum Schein – ein wenig auf sich selber. Und beweisen ganz ruhig, dass Sie es gar nicht selber gewesen sein können. Sondern es der andere Arbeitgeber des Ermordeten (eigentlich Hingerichteten?) gewesen sein muss.

Natürlich lassen Sie in keiner der beiden Variante den Doppelagenten durch Ihre eigenen Agenten umbringen. Das erledigt in der Regel ein befreundeter Geheimdienst. Gemeinsam mit diesem legen Sie (unbedingt leicht widerlegbare) Spuren aus, die auf ihre eigenen Organisation deuten und (möglichst unwiderlegbare), die zeigen, dass es der Andere war.

Mit gut vorbereiteten Indizien zeigen Sie, dass Sie es ja gar nicht gewesen sein können! Aber der Andere die Schuld auf Sie schieben will! Ungeheuerlich! Und schon ergibt sich der einfache Schluss, dass es nur der Andere gewesen sein kann. Der ist ja sowieso ein Böser, was leicht zu beweisen ist, denn Sie sind ja der Gute.

Diese Variante (sich selbst zum Schein in Verdacht bringen und dann herausfinden, dass es der andere war) kann durchaus klappen, besonders wenn sie virtuos und geduldig gespielt wird. Und der andere kann dann ganz schön bescheuert am Schluss dastehen.

Allerdings ist sie eher etwas für intelligente Menschen. Und bei Lapirks haben diese Methode wenn dann höchstens die Russen angewendet.

Wenn die Engländer die Täter waren, dann haben sie – wie Geheim-Dienstler in der Regel – die Variante der einfachen Indirektion verwendet. Zwar klappt diese wegen ihrer Plumpheit meistens nicht. Aber das spielt keine Rolle, denn bei Geheimdiensten klappt eh meistens nichts. Nur die Folgen ihrer Aktionen sind oft schlimm.

Die (natürlich nicht in den anspruchsvollen Romanen von le Carré) häufig angewendete Methode der einfachen Indirektion geht so:

Sie (als Geheimdienst) bitten einen (jetzt wirklich nur so zum Beispiel) guten Kumpel aus dem ehemaligen Warschauer Pakt um Unterstützung. Der könnte z.B. einem heute verbündeten Geheimdienst aus dem ehemaligen Ostblock angehören. Also einer, der die Seiten gewechselt hat und von früher Know-How und Materalien aus dem Umfeld des zweiten Arbeitgebers des zu beseitigendem Doppelagenten hat. Dieser beseitigt für ein kleines Entgegenkommen Ihrerseits mit „quasi-russischen“ Methoden den Doppelagenten. Er macht das gerne, denn er mag die Russen ja nicht (mehr) und wischt ihnen gerne eins aus.

Dass er dabei pfuscht und der Doppelagent überlebt ist durchaus normal und nicht schlimm. Wahrscheinlich geht es ja eh um etwas ganz anderes. Das ist dann höheres Geheimdienst-ABC.

Sie melden dann sofort Ihren politischen „Vorgesetzten“, dass die Russen etwas für sie Typisches und sehr Böses angestellt haben. Der Begriff „Vorgesetzten“ ist natürlich Blödsinn, denn als Geheimdienst machen Sie ja eh was sie wollen, von wegen parlamentarischer Kontrolle und so …

Ein Motiv findet sich im Falle eines Doppelagenten immer leicht – in diesem Fall sollen die Mörder damit eine Warnung an andere Doppelagenten bezweckt haben. Klingt zwar ein wenig konstruiert, aber was ist bei Geheimdiensten nicht konstruiert?

Ihre Regierung glaubt das gerne, denn die will sich ja nach vielen Flops profilieren und Stärke demonstrieren. Und will auch gar nicht wissen, wer es wirklich wahr. Denn es könnten ja auch Sie (der eigene Geheimdienst gewesen) sein, denn wie gesagt, welche Regierung traut schon ihrem Geheimdienst? Und so eine unerfreuliche Wahrheit will man ja wirklich nicht wissen.

So ist es für die Regierung am Besten, in die Offensive zu gehen und die andere Seite zu beschuldigen. Je massiver und entschlossener, desto besser, damit auch keiner ins Zweifeln kommt.

Natürlich müssen Sie alle Zeugen beseitigen, in unserem Fall eine verstörte Katze. Da der Geheimdienst ja ein Herz für Katzen hat, wird diese ganz schnell aus „humanen“ Gründen getötet. Und natürlich muss der übliche Prozess ausgelöst werden wie alle Akten vernichten und alle Daten löschen.

Belege kann man auch nicht vorlegen, man darf ja nicht die Quellen (andere Doppelagenten) gefährden. Sonst werden die auch noch ermordet. Ein selten dümmliches Argument übrigens, dass jedoch alle Möglichkeiten eröffnet.


Soweit die Satire

Es könnte aber auch ganz anders gewesen sein. Gerade bei Doppelagenten. Vielleicht hat ein Dritter beide reingelegt, die Briten wie die Russen. Das könnte irgendeine Mafia oder die Amis gewesen sein. Oder ein Einzeltäter? Einfach nur aus Rache. Oder was auch immer? Wir wissen Nichts! Viele Varianten sind denkbar und die „Wahrheit“ dürfte nie herauskommen. Nur eins scheint sicher, die „offizielle“ vom britischen Geheimdienst dargestellte Variante ist sehr unwahrscheinlich.

Und ich stelle mir wieder mal die Frage, was die Geheimdienste eigentlich bringen. Und ob diese per se unkontrollierbaren polizeilich-militärischen Einheiten, die jenseits des Rechtsstaates operieren dürfen, nicht ziemlich gefährlich für Rechtsstaaten wie demokratisch legitimierte Regierungen sind?

RMD

Roland Dürre
Samstag, der 10. März 2018

Könnte sein, dass er Recht hat, der Trump.

Es gibt da wohl zwei einfache und belegbare Fakten:

1) Die EU erhebt im Schnitt höhere Einfuhr-Zölle als die USA

und

2) Die USA importieren mehr Waren aus der EU als sie dorthin exportieren

(Quelle Zeit)

Roland in Süd-Georgien, da wo ein Jahrhundert lang Wale und Robben um des lieben Profits willen abgeschlachtet wurden, auch so eine Art von Globalisierung.

Das scheint doch die Vermutung zu bestätigen, dass der „Partner“ mit den niedrigeren Einfuhrzöllen „der Dumme“, also derjenige ist, der mehr importiert bekommt als er exportieren kann. Klingt doch zumindest in kaufmännischer Denkdimension ganz logisch. Weil letzten Endes der Preis zählt.

Betrachten wir zuerst mal das Auto (als  „Fallbeispiel“):
Der Einfuhrzoll, den die USA für PKWs erheben, beträgt 2.5 %. Die EU erhebt bei Auto-Importen einen Einfuhrzoll von 10 % auf Passagierfahrzeuge (Autos und  PickUps, wenn die Ladefläche kürzer als der halbe Achsenabstand ist). Das heißt, dass die EU beim Auto das 4-fache an Zoll erhebt wie die USA.

Dazu kommt, dass das deutschen Autobauer und ihre Kunden massiv subventioniert werden (Dienstwagen-Privileg, Diesel, Forschungsgelder & Prämien, Verzicht auf Tempolimit und Straßenmaut …).

Ähnlich ist es bei Motorrädern:
Die USA verlangt bei der Einfuhr 2.4%, die EU 8 % auf Motorräder mit einem Hubraum bis 250 ccm und 6 % auf Motorräder mit einem Hubraum über  250 ccm. Also auch hier verlangt die EU mehr als das 3- und 2,5-fache im Verhältnis zur USA.

Allgemein gilt, dass die geltenden Zölle zwischen den beiden Handelspartnern USA und EU bereits vergleichsweise niedrig aber oft unterschiedlich sind. Je nach Quelle lese ich:

„Auf der  EU-Seite liegen sie im Schnitt bei etwa 3 Prozent des Warenwerts, auf US-Seite bei knapp 2,5 Prozent.“
(Zitat und Quelle Handelsblatt)

„Im Durchschnitt aller Produkte betrugen die Einfuhrzölle der USA 2016 Zahlen der Welthandelsorganisation (WTO) zufolge 3,5 Prozent. In der Europäischen Union waren es hingegen 5,2 Prozent, in China sogar 9,9 Prozent.“
(Zitat und Quelle Spiegel)

Beiden Quellen folgend sind die EU-Zölle im Schnitt deutlich höher als die der USA (laut Handelsblatt um 25 %, nach Spiegel fast 50 %. Mehr über die Höhe der Zölle kann man hier lesen).

Die Zahlen aus den beiden Quellen differieren. Vielleicht weil „im Schnitt“ nicht ganz einfach zu berechnen ist, da ja die absoluten Beträge auch von den Volumen abhängig sind. So dürfte der Zoll zum Beispiel auf Autos in der Summe deutlich höher sein als auf Erdnussbutter. Ich würde aber eher der Ich würde da eher der WTO glauben, dann wären wir bei 50 %. Und das wäre dann schon eine wesentliche Ungerechtigkeit.

Betrachtet man die führenden zwanzig Import- und Export-Länder von Stahl im Jahre 2010 (Quelle Wikipedia), dann stellt man fest, dass viele Länder von der Größenordnung her ähnlich viel Stahl exportiert wie sie importiert haben.

Für Deutschland waren das in 2010 ein Export von 25.352 und ein Import 22.733 (in Tausend Tonnen). Ähnlich ausgeglichen ist die Export-/Import-Bilanz bei vielen Ländern wie Großbritannien, Frankreich, Italien, Kanada Österreich, Mexiko Südkorea, Taiwan …

Eher die Ausnahmen sind Länder wie China, Japan, Russland die z.B. doppelt soviel oder deutlich mehr exportiert haben wie importiert. Die USA dagegen hat damals schon doppelt so viel importiert wie exportiert – und der Saldo ist größer geworden.

Aber stellen wir uns jetzt mal vor, die Länder würden jetzt zuerst mal den eigenen Stahl verbrauchen und nur das exportieren, was sie selber nicht benötigen oder eben das importieren, was sie selber nicht produzieren können.

Was für eine gigantische Ersparnis wäre das und welches Vermeiden von Verschwendung und Umweltschaden? Denn das Überwinden der Zeitraumschwelle kostet generell viel mehr als den scheinbar so günstigen Transport.

Diese Gedanken sind in der Welt der spätkapitalistischen Ordnung unpopulär und unbequem. Auch die konservative Betriebswirtschaft des 19. und 20. Jahrhunderts wird solche Annahmen ganz einfach als Unsinn ab qualifizieren.

Denn den alten Theorien folgend ist der freie Welthandel für alle Beteiligten segensreich und überhaupt die Voraussetzung für globalen Wohlstand. Aber was habe ich vom „globalen Wohlstand“ wenn der Planet dabei „futsch geht“? Ist „globaler Wohlstand“ real überhaupt möglich?

Die Globalisierung im Spätkapitalismus folgt doch immer ausschließlich dem Ziel, das weltweite Wohlstandsgefälle zu nutzen um die Gewinne zu mehren. Es geht also immer um die „Nutzung“ von billigen Arbeitskräften. Externalitäts-Kosten wie die Zerstörung der Natur werden – dies seit langem ein geübt – konsequent ignoriert. Dass das Überwinden der Zeitraum-Schwelle deutlich mehr kostet als nur den Transport wird beflissentlich vergessen.

Die viel gelobte Globalisierung wird mir immer suspekter. Ich weiß nicht, wie es da Mr. Trump geht. Wahrscheinlich dürfte er der letzte sein, der die Umwelt schützen will. Aber vielleicht sind Schutzzölle genau das, was die (Um-)Welt zurzeit wirklich braucht.

RMD

P.S.
Angeblich droht jetzt ein „Wirtschaftskrieg“. Wie schlimm, dass der Begriff „Krieg“ in diesem Zusammenhang so leichtfertig benutzt wird. Ich glaube, mit den Folgen einer Welt mit Zoll-Mechanismen können wir ganz gut leben. Wie auch mit Grenzkontrollen. Die Folgen und das Grauen von jeder Art von echtem Krieg sind eine ganz andere Dimension von Unglück.

Roland Dürre
Mittwoch, der 15. November 2017

Die Zukunft des Planeten

🙂 Heute geht es mal nicht über elektrische Fahrräder oder Sex sondern um Politik.

Das Wappen von Jamaika

Jamaika

Zurzeit richten sich die Augen vieler Menschen in Deutschland auf das Land des Bob Marley. Es geht um Jamaika, was natürlich nur ein albernes Wortspiel ist. Die „Koalitionsverhandlungen“ in Berlin stehen im Mittelpunkt. Wir sprechen von „Jamaika“ – weil die zum Wappen gehörige Fahne die Farben der beteiligten Parteien (schwarz, gelb, grün) enthält.

Ich muss gestehen, meine Hoffnung in diesen Verhandlungen beruhte auf den Grünen.

Aber was machen die Grünen?

Sie fuhren mit vielleicht richtigen Forderungen nach Berlin, die aber verhandlungs-technisch mit Sicherheit erfolglos sein werden (und auch schon waren), nämlich mit der Forderung nach Abschaltung des Verbrennungsmotors zum Jahre 2030 (1) und von Kohlekraftwerken (2). Vor allem (1) klingt schon arg utopisch. Wir brauchen auch keine allgemeinen Ziele, sondern konkrete Maßnahmen.

Strom muss Kohle ablösen, nicht verbrauchen!

Zu (2) nehme ich nicht Stellung. Denn es ist doch evident, dass wir nur mit Elektrizität das „verfinsternde“ Zeitalter der Verbrennung von fossilen Energien beenden müssen. Die Ablösung von Kohle durch Strom kann aber nicht heißen, dass die Hälfte des Stroms weltweit aus Kohle produziert wird. Das muss Vergangenheit sein (und wird es auch bald werden). Viel spannender finde ich aber (1).

Das Outo ist out!

Jedem muss aber auch klar sein, dass eine „individuelle Mobilität“ basierend auf Strom nicht eins-zu eins so sein kann und wird wie viele von uns das Outo (so geschrieben weil es „out“ ist) nutzen. So wie auch „autonom fahrende Autos“ nicht so fahren werden wie MANN und FRAU es heute tun.

2030 ist bald!

Bis dahin sind es nur noch 12 Jahre – also gerade so lang wie früher mal ein Auto gehalten hat. Insofern wäre die Forderung der Grünen für Jamaika ganz einfach gewesen.

Den Ausstieg vorbereiten!

Dazu gehört ganz schnell die Einführung eines Tempolimits – wegen mir auch gerne schrittweise zum Üben – aber mit dem klaren Endziel noch vor 2020 von maximal Tempo 30 km/h in geschlossenen Ortschaften, 70 km/h auf „Landstrassen“ und 100 km/h auf Autobahnen. Und genauso schrittweise mit einer wirklich relevanten und wirklich drastischen Erhöhung der Besteuerung fossiler Treibstoffe (inklusive Kerosin für Fliegen). Wenn man dann auch noch endlich die gigantische Subvention der „Geschäftswagen“ (zumindest den dominierenden Missbrauch eingeschränken würde), dann hätte das ganze Hand und Fuß!

Schlank und effizient!

Das wäre eine schlanke und effiziente Lösung, die Hoffnung auf eine „sanfte Landung“ machen würde. Damit könnte man sich auch viel Quatsch wie Maut etc. sparen. Nur: leider ist das unpopulär. Und die Grünen wollen, vielleicht aus guten Gründen, eben nicht unpopulär sein. Wobei ich persönlich ja meine, dass Unpopularität eher Wähler bringt denn vergrault

Investitionen in die Zukunft

Und die Einnahmen aus diesen Geldern darf man dann eben nicht für weitere neue Autobahnkreuze in zwei Ebenen mit bis zu 10 Spuren ausgeben, die heute ja konkret als Folge des stattfindenen Ausbaus der Autobahnen auf noch mehr Spuren notwendig erscheinen sondern in den Aufbau und des öffentlichen Verkehrs natürlich in die „Energie-Wende“ – die ja eigentlich nur noch heißt vom Atom- und Kohlestrom. Denn ich meine, dass wir da ansonsten ja schon auf einem guten Wege sind.

RMD

Klaus Hnilica
Donnerstag, der 12. Oktober 2017

Die misslungene Emanzipation

Carl und Gerlinde (Folge 54)

„Herr Ober – bringen Sie mir doch bitte schnellstens einen doppelten Cognac…!“,  rief Carl erregt und schnappte förmlich nach Luft…

„Kommt sofort“, ächzte der vorbei huschende Ober mit dicken Schweißperlen auf seiner weitläufigen Stirn.

„Was ist denn mit dir los, Carl? Musst du dich wirklich schon im Morgengrauen mit Cognac zudröhnen?“ fragte Gerlinde irritiert und nippte mit besorgter Miene an ihrem frisch gepressten Orangensaft.

„Keine Angst, Gerlinde, ich brauche nur was Härteres, um diese Meldung aus der Zeitung verkraften zu können!“

„Und – was ist das für eine Meldung?“ fragte Gerlinde mit hochgezogenen Augenbrauen.

Stell dir vor, der König von Saudi-Arabien und sein ambitionierter Sohn Mohamed bin Salam wollen tatsächlich noch im 21. Jahrhundert den Frauen das Autofahren erlauben!“

„Wie das denn?“

„Ja – ab Juni 2018 – dürfen Frauen in Saudi-Arabien auch ohne Zustimmung ihres Mannes selbst ein Auto lenken. Ist das nicht der absolute Wahnsinn?“.

„Toll! Aber da steckt doch sicher irgendein mieser Ausbeutungsgedanke dahinter, wie ich diese Brüder kenne…“

„Vielleicht – aber bevor du vorschnell verurteilst, meine Liebe, sollten wir uns erinnern, dass auch in Deutschland noch bis 1958 der Ehemann das alleinige Bestimmungsrecht über Frau und Kinder hatte.“

„Na – toll! Aber verschleiern mussten sich die Frauen damals nicht mehr, oder“?

„Nein das nicht – aber selbst wenn Männer ihren Frauen erlaubten zu arbeiten, verwalteten sie ihre Löhne!“

„Super – Zuhälter tun das ja heute noch für ihre Bordsteinschwälbchen“.

„Richtig, da ist eben die Welt noch in Ordnung in diesem patriachalen Milieu!“

„Mir scheint dir fehlt echt der Cognac, Carl! Alkoholisiert redest du nämlich weniger dummes Zeug…“

„Ja aber nur weil ich da meistens gleich einschlafe! Aber wo bleibt denn der unfähige Ober wirklich mit meiner Medizin?“

„Vielleicht ist die Kellnerin da flinker“, sagte Gerlinde, sprang auf und hetzte eine nicht unhübsche junge Kellnerin auf den schlafmützigen Ober.

„Und ohne Zustimmung des Mannes“, fuhr Carl, der offensichtlich nicht mehr zu bremsen war, fort „ durften Frauen noch bis 1962 kein eigenes Bankkonto eröffnen. Was sagst du dazu?“

„Siehste, lieber Carl, genau deshalb will ich vom Heiraten nichts wissen, damit mir das nicht passiert!“

„Diese Vorsichtsmaßnahme, wäre allerdings nicht mehr notwendig, liebste Gerlinde, da schon seit 1969 jede verheiratete Frau in Deutschland voll geschäftsfähig ist.“

„Mensch – das ging ja dann wohl in atemberaubendem Tempo damals voran mit der Emanzipation der Frau – bestimmt war da vor allem die CSU der gnadenlose Schrittmacher…“

„Spötterin“, feixte Carl und wartete immer ungeduldiger auf seinen Cognac…

„Du bist wirklich arm mit deinem Cognac, Carl! Wenn du willst kannst du gern zwischenzeitlich ein bisschen an meinem Orangensaft nuckeln…“

„Soweit wird’s noch kommen, dass wir Männer nicht einmal mehr unseren Cognac süffeln dürfen…“

„Ich fang gleich zu heulen an, Carl“!

„Ja – tu’s nur, sonst heul nämlich ich!“, stöhnte Carl.

„Dazu gibt’s aber wirklich keinen Grund, lieber Carl – außer der Tatsache, dass dein Cognac nicht bei kommt seid ihr Männer nämlich wirklich in keinster Weise zu bedauern, oder?“

„Oh – oh – und was ist mit der ‚ewigen Kanzlerin’ bitte, die ist doch nicht nur Honeckers späte Rache sondern auch die Rache aller Frauen an den Männern für erlittenes Unrecht, oder?“

„Du übertreibst wie immer, Carl!“

„Ich übertreib nicht, denn die ‚ewige Kanzlerin’ würde ja selbst ‚ausgestopft’ noch von allen Frauen und Alten gewählt werden …“

„Statt so dummes Zeug daherzureden, solltest du dich lieber selbst an deine dicke Nase fassen“!

„Wieso das..?“

„Schau dir doch deine ‚männlichen Prachtexemplare’ an – zum Beispiel diesen wunderbaren Herrn Schulz – oder den küssenden Herrn Junker – oder diesen göttlichen Herrn Trump – samt dem grinsenden Kim Jong Un – oder den ewig bayrisch dahersabbernden Herrn Seehofer… oder – oder – oder … im Vergleich zu diesen ehrenwerten Herren ist mir doch selbst eine ausgestopfte Kanzlerin’ immer noch hundert Mal lieber…“

„Leider muss ich dir da ausnahmsweise – höchst widerwillig – zustimmen, liebe Gerlinde: die derzeit agierende Männergilde ist wirklich ein selten erbärmlicher Haufen!“

„Siehste, Carl…“! sagte Gerlinde und unterdrückte taktvoll jegliches Triumphgefühl!

„Aber Gott hat dennoch ein Erbarmen mit uns Männern, Gerlinde:  denn endlich kommt mein sehnlichst erwarteter Cognac!“

Tatsächlich kam wie aus dem Nichts plötzlich die freundliche Kellnerin angetrippelt und platzierte, begleitet von tausendfachen Entschuldigungen und Verrenkungen für die unendlich lange Wartezeit, direkt vor Carl einen riesigen Cognac-Schwenker in den er praktisch hineinspringen hätte können. Und ehe  Gerlinde sich versah hing auch tatsächlich schon sein Kopf bis zum Hals drinnen…

Nur so war auch zu erklären, dass Carl nämlich, gleich nachdem die niedliche Kellnerin höchst ansehnlich wie ein Gazellchen entfleucht war, ganz nüchtern feststellen konnte, dass trotz aller derzeitiger gefühlter Überlegenheit des weiblichen Geschlechts, doch niemand ernsthaft bestreiten könne, dass selbst diese reizende Kellnerin sich immer noch auf ‚Ober’Schenkeln fortbewegt…also was sollte dieses ganze Überlegenheitsgetue? Letztlich waren die Frauen, wie eh und je, doch nur ein ‚Stück vom Mann’, oder?

KH

Roland Dürre
Freitag, der 6. Oktober 2017

Katalonien

Mein Traum von EUROPA

La senyera – Die Flagge Kataloniens.

Zurzeit wird „Katalonien“ heiß diskutiert. Dann gebe ich halt auch meine „five cent“ dazu.

Ich würde mich über eine Trennung Kataloniens von Spanien freuen. Das würde auch Europa nicht schaden. Eher im Gegenteil.

Aus dem EURO käme Katalonien auch nicht heraus. So müsste man sie auch in der EU bleiben lassen und das eventuelle Veto Spaniens bei einem Beitrittsgesuch Kataloniens ignorieren. Weil sie ja eh schon Mitglied waren und es kein Neueintritt mehr ist.

Wegen mir kann dann ja Rest-Spanien die von Franco etablierte Monarchie weiterführen und den Austritt aus der EU beantragen. Empfehlen würde ich es ihnen aber nicht. Sie sollen bloß nicht wieder Franco-Denkmäler aufstellen und bitte die Finger vom Faschismus lassen.

Vielleicht bräuchten wir dann halt noch ein paar Sterne mehr – wie am (im) Himmel?

Aber mir geht es nicht um Katalonien. Mir geht es um eine Vision für Europa, die wahrscheinlich eine Reihe der aktuellen Probleme ein wenig lindern würde.

Man bräuchte ein EUROPA, das ein enger Verbund seiner Regionen (also regionalen Staaten bzw Länder) ist. Diese sollten von halbwegs vergleichbarer Größe sein und so ein wenig mehr auf Augenhöhe zusammen arbeiten können. Meine Annahme:
Je kleiner die Staaten, je größer die Anzahl und je enger der Verbund, desto besser!

Freilich müssten fürs Gelingen ein paar nicht einfache Bedingungen erfüllt werden:

  1. Der Verbund der Regionen Europas muss den Menschen dienen – und nicht den Geschäftemachern, Konzernen und Spekulanten.
    Das ist für mich eine zentrale Bedingung. Daraus folgt, dass um jeden Preis freie Märkte, die gedankenlose Abschaffung von Grenzen nicht die Priorität haben. Grenzenloses Wachstum, maximaler Konsum für alle und beliebiger Reichtum dürfen nicht oberste Ziele der der neuen „Wertegemeinschaft Europa“ sein genauso wie eine falsch verstandene Freiheit ohne Pflichten kein Wert ist.
  2. Europa darf nicht zum Selbstzweck werden.
    Europa darf nicht als Ziel haben, eine Supermacht zu werden und international eine führende Rolle zu haben, vielleicht sogar eine Art „neuer Weltpolizist“ zu sein. Weil es dieses zum einen nicht braucht und ein Europa, welches sich nachhaltig entwickelt, auch ohne Atomwaffen und Flugzeugträger sowieso eine weltweite wichtige Rolle mit großem Einfluss haben wird.
  3. Solidarität darf nicht durch Subventionen gelöst werden.
    Solidarität zwischen Regionen und Menschen kann nicht mit dem Scheckheft gelöst werden, besonders nicht „nur mit dem Scheckheft“. Ein gutes Beispiel sind hier die Subventionen der Landwirtschaft in der alten EU, die genau das zerstört haben, was sie (vielleicht) erhalten wollten.
  4. Die Nationalstaaten müssen weg.
    Das gilt für alle, besonders natürlich für die Großen wie Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien … (und auch Großbritannien, das ja „faktisch“ noch dabei ist). Weil man das ganze nationale Gedröhne und Gestöhne nicht mehr braucht – und es z.B. dem Fußball überlassen könnte.

Punkt 1. und 4. sind mir die wichtigsten

Zu 1.)
Was ist so schlimm, wenn ein Land seine lokalen Märkte und auch Eigenheiten sinnvoll schützt? Was ist so schlimm, wenn Kontrollen gemacht werden, wenn die Kriminalität zu nimmt? Ich meine, dass es ab einer gewissen Größe leider ohne so eine Art von Grenzkontrolle nicht gehen wird. Und dann mag ich die doch lieber systematisch und geordnet organisiert haben als willkürlich wie heute.
Für Lobbyismus und die aktuelle vorhandene Oligarchie von Interessengruppen, die sich Parteien nennen, darf in einem lebendigen und verantwortungsvoll funktionierendem Europa der Regionen endgültig kein Platz mehr sein.
Das mag unvorstellbar klingen, weil dazu die Demokratie erneuert werden und wahrscheinlich auch direkter werden muss. Wir haben ein Recht auf Utopien!
Weil wir das Recht (und die Pflicht) haben, die Kulturen Europas in ihrer Unterschiedlichkeit zu bewahren und die Vielfalt Europas zu erhalten.
Das muss in einem Europa der Regionen explizit erwünscht sein, gemeinsam besprochen und mit geeigneten Maßnahmen unterstützt werden. Sonst wird das nie etwas mit Eruopa.
Und dies zum Wohle aller – nur nicht der Spekulanten und von super-reichen Einzelpersonen oder super-mächtigen Systeme aller Art, besonders wenn sie sich „entpersonalisiert“ und verselbstständigt haben.

Zu 4.)
Wie schön wäre ein Europa bestehend aus überschaubaren Regionen. Dafür gibt es vor allem rationale Gründe. Kleine und selbstorganisierte Systeme funktionieren einfach besser als große, die auch noch von außen geregelt und verwaltet werden.
Flache Hierarchien machen eine sinnvolle Form von Subsidiarität leichter.
Politisch gäbe es dann „im oberen Bereich“ nur noch zwei anstelle der heute drei Ebenen.
Die EU ist in diesem Modell die oberste Ebene und die internationale Präsenz aller Regionen. Sie wird gesteuert vom Rat der Regionen, die ihre Dinge selber regeln dürfen. Die national infizierten und gerechtfertigten Zwischenebenen wie Berlin, Paris, Rom … – oder eben Madrid – würden ersatzlos wegfallen.
Dann bräuchte man auch kein Vetorecht von Einzelstaaten mehr (gleich ob die ein paar 100.000 oder 80 Millionen Menschen vertreten. Dieses würde ersetzt durch eine qualifizierte Mehrheit im Rat der Regionen.
Wenn mal eine Region umkippt oder völlig ausflippt, was immer wieder passieren wird, wäre das eher zu heilen wie heute. Man denke nur, wie unmöglich das ist, einen Staat wie Polen zu beeinflussen. In einem System auf Augenhöhe würde Solidarität auch besser und  direkter erfolgen können, als dies mit der EU-Gießkanne möglich ist.
Die EU müsste also aus „Ländern“ bestehen, von denen keines größer ist als zum Beispiel Bayern sein darf. Wahrscheinlich ist aber sogar Bayern sogar zu groß für eine EU-Region? Auch da böte sich eine sinnvolle Zerlegung und so mindestens eine gute Lösung an.

Wir müssen also die Nationalstaaten zerlegen. Bei der BRD Deutschland wäre es einfach, wir haben ja schon eine relativ vernünftige Länderstruktur. Die könnte man einfach übernehmen (und gerne auch noch verbessern, wie im letzten Absatz beschrieben). Klein-Länder wie Bremen oder Hamburg würde ich belassen. Wenn derzeit ein Estland ein EU-Land sein kann, warum sollen dann in Zukunft nicht die beiden stolzen deutschen Hansestädte nicht eine Region sein dürfen – wie dann auch Estland sein würde?

Wenn wir EUROPA heilen wollen, dann dürfen und müssen wir sehr wohl solche Utopien haben und anstreben! Sonst wird das nie etwas! Und dann kommt tatsächlich der Katzenjammer!

RMD

P.S.
Noch ein positiver Gedanke zur so schädlichen gemeinsamen Währung:
Ich meine ja, dass es die beste Lösung wäre, wenn es nach „Reifegrad/Zustand“ der Regionen es für diese verschiedene Währungen gäbe (ich nenne sie mal EURO1, EURO2 und EUROn). Aber das ist ein sehr kompliziertes Thema, das ich an dieser Stelle nicht diskutieren möchte.

Aber ein positiver Gedanke zu nur einem EURO möchte ich formulieren. Es könnte sein, dass ein EURO für alle Regionen – trotz vieler Nachteile auch einen großen Vorteil haben könnte: Ein EURO für alle wäre so etwas wie der eisernen Ring, der die Regionen zusammen hält. Und so einen Austritt unmöglich macht und hilft die immer wieder kommenden regionalen Krisen zu überstehen. Dazu wäre wieder eine Utopie notwendig – nämlich eine andere Währungspolitik der EZB als jetzt unter „Super-Mario“ Draghi.