Auf dem EU-Gipfel beschlossen: Jetzt soll das Bankengeheimnis in ganz Europa fallen. Bis Jahresende! (ARD)

Und als eine Begründung wird eine wie mir scheint “ganz neue aber eigentlich sehr alte Erkenntnis” angeführt: Die großen Konzerne haben ihre Erträge (gesetzeskonform) dezentralisiert, um ihre Steuerschulden zu reduzieren. Allen voran die bösen Apples und Googles, aber natürlich auch die Unternehmen, die vom Copyright leben. Klar, die haben ja eine ganz besondere Erfahrung damit, komplizierte Regeln und Gesetze zu ihren Gunsten zu nutzen. Und alle sind zurzeit in großer Aufriegelung über die bösen Steuersünder-Unternehmen.

Aber:

  • War das nicht seit 1950 und wahrscheinlich auch schon früher so? Die großen deutschen DAX-Konzerne haben auch durch geschicktes Nutzen der Gesetze ihre Steuer reduziert. Und das wussten wir doch alle.
  • Ist nicht die gesetzliche Pflicht der Vorstände von Aktiengesellschaften, (auch steuerlichen) Schaden von dem von ihnen verantworteten Unternehmen abzuwenden?
  • Die Ursache von solchen Optimierungen liegt an unterschiedlichen Steuerregeln und -gesetzen in den verschiedenen Ländern. Eine logische Maßnahme wäre also eine Gleichschaltung der Steuergesetzgebung weltweit. Aber vor einer Weltregierung habe ich noch mehr Angst als vor der EU. So utopisch schön eine geeinte Welt wäre, so unheimlich ist mir die Macht eines solchen Systems.
  • Irland übrigens soll von den Apple-Maßnahmen unheimlich profitiert haben. Wenn wir Europa steuerlich gleich schalten, dann wäre auch Irland leer ausgegangen.

Es ist schon absurd. Alle reden vom “Datenschutz”. Aber wenn es um etwas intimes wie das private Konto geht, dann heiligt plötzlich der Zweck die Mittel. Und schon ist der Datenschutz futsch.

Ich bin absolut für Transparenz. Aber: “Transparenter Bürger” geht nur mit “Transparenten Staat”. Denn Transparenz muss immer symmetrisch sein, gerade bei so ungleichen Machtverhältnissen wie zwischen Bürger und Staat. Denn der Bürger hat seinem Souverän, dem Staat ja alle Rechte abgetreten.

Bis zum “transparenten Staat” ist aber ein weiter Weg. Und hätte auch kein Problem, meine Daten offen zu legen. Auch meine Kontodaten. Aber das geht nur bei symmetrischer Transparenz.

Vor der Allmacht des Staates habe ich immer noch mehr Angst als vor der Macht der Konzerne … Weil ich mich gegen diese leichter wehren kann als gegen den Staat – z.B. ganz einfach durch Konsumverzicht.

RMD

Roland Dürre
Donnerstag, der 23. Mai 2013

Die bösen Steuersünder …

Steuersünder werden heute besonders gern an den Pranger gestellt. Und Steuer-Vergehen werden wie aus einem Mund von Medien, Regierung, Gewerkschaften und sonstigen gesellschaftlichen Gruppierungen und natürlich auch den einfachen Bürgern als etwas ganz besonders Schlimmes verurteilt.

Oft habe ich den Eindruck, dass im diesem Moment der Zeiten die Steuerhinterziehung als das schlimmste aller kriminellen Delikte verurteilt wird.

Da fällt mir Bert Brecht und seine Dreigroschenoper ein. Am Schluss kommt der Bote des Königs und wendet das Schicksal des Verurteilten durch die Begnadigung des Königs ab. Der Chor rät dem Publikum, nachdem Mackie Messer absurderweise auch noch in den Adelsstand erhoben worden ist

“Bestraft das Unrecht nicht zu sehr!”

Ich meine, das sollte auch für Steuersünder gelten. Gerne sollen sie ihr erschwindeltes Geld dem Staat zurück erstatten müssen. Auch gerne mit Zinseszins. Aber ansonsten verdiente Menschen und Mitbürger würde ich nicht gleich kriminalisieren wollen.

Ergänzend ein paar Gedanken, wie es so einem Steuerzahler in Deutschland geht. Zuerst erstelle ich eine (vereinfachte) Rechnung für einen Unternehmer bzw. Aktionär:

Ein Unternehmen zahlt in Deutschland immer noch ein knappes Drittel an ertragsabhängigen Steuern. Dies sind Gewerbe- und Einkommenssteuer, wobei die Höhe der Gewerbesteuer vom Standort abhängig ist. Bei einem Unternehmensergebnis von 120.000 €  gehen circa 40.000 EURO an den Staat, im Unternehmen bleiben 80.000.

Wenn davon die Hälfte – gleich 40.000 € – ausgeschüttet wird, bekommen die Aktionäre knapp drei Viertel (30.000 €), ein gutes Viertel (10.000 €) wird wieder an den Staat überwiesen.

Wenn der Aktionär sich für diese 30.000 € zum Beispiel einen BMW kauft, beträgt die Mehrwertsteuer 19 % auf Hundert. Beim Staat landet so nochmal ungefähr 1/6 EURO 5.000 €

Ein anderes Beispiel zeigt, wie es einem Angestelltem der Kategorie “Gutverdiener” geht:

Als “Gutverdiener” nehme ich mal einen Single, der 80.000 € Jahresgehalt hat. Der muss von seinem Gehalt zuerst mal die Steuer abgeben. Das sind an Einkommenssteuer 25.404 € und an “Sozi” 1.397 €. Dazu kommen noch die Sozialversicherungsabgaben, die zum Beispiel bei der Sozialversicherung bis zu einer Bemessungsgrenze von 58.500 € erhoben werden. Wenn unserem Gutverdiener netto die Hälfte seines Bruttogehaltes bleibt, kann er sich glücklich schätzen. Und dabei sollte man nicht vergessen, dass der Arbeitgeber auch noch mal einen Beitrag zu den Sozialversicherungskosten beiträgt.

Die Grenze dazwischen Steuern und Sozialabgaben ist nach meiner Meinung sehr fließend. Z.B. werden Steuern und Rentenbeiträge für soziales und die Altersversorgung von Menschen eingesetzt.

Unser “Gutverdiener” kann mit dem verbleibenden Netto-Einkommen Verschiedenes machen:

So kann mit seinem gut versteuerten Geld einkaufen gehen. Dann zahlt der “Gutverdiener” Mehrwertsteuer (19 % oder 7 % auf  dem Hundert). Wenn er eine Haushaltshilfe beschäftigt, muss diese auch wieder “Lohnsteuer” und soziale Abgaben zahlen (und er ihr deshalb ein wenig mehr zahlen). Wenn er sein versteuertes Geld als Rücklage fürs Alter anlegt, zahlt er für den Zins, den er für seine versteuerte Geldanlage bekommt, noch mal Kapitalsteuer. Obwohl der Zins in der Regel niedriger ist als die (nominelle) Geldentwertung.

Trotzdem gibt es eine vielleicht ansonsten ganz vernünftige Partei, die die Steuer für “Gutverdiener” wieder kräftig erhöhen will. Und dies ohne einer der Inflation folgend dynamisch angepasste Obergrenze für “Normalverdiener”! So dass die “Normalverdiener” ganz schnell “Gutverdiener” und dann so richtig zur Kasse gebeten werden.

Ist das alles so sinnvoll? Da könnte man doch auf böse Gedanken kommen …

RMD

P.S.
Liebe Wirtschaftsprüfer, bin froh wenn Ihr mal auf die von mir genannten Zahlen schaut, ob da alles richtig ist. Habe die einfach mal nach meinem aktuellen Wissen so runter geschrieben.

Werner Lorbeer
Sonntag, der 12. Mai 2013

Auf den Lehrer kommt es an!

Dr. Werner LorbeerWir wissen doch vermeintlich ganz gewiss:

“Je höher die Bildungsausgaben, desto besser die Bildung.”

“Je kleiner die Klasse, desto größer ist der Lernerfolg.”

“Je mehr Computer im Unterricht, desto moderner ist die Bildung.”

Und:

“Deutschland ist bei den Bildungsausgaben ganz weit hinten.”

Vier Thesen, die unsere Bildungselite in den Redaktionsstuben begeistert vertritt und in jeder Anmoderation wiederholt. Je “Prechtiger*” die Hypothese, desto besser.

Leider sind alle vier Hypothesen empirisch widerlegt. Bayern gibt weniger Geld je Schüler als Berlin aus und hat mehr Erfolg, die Mathematikleistung ist unabhängig von der Klassengröße, der Computereffekt auf das Lernen verschwindet unter all den anderen einflussreichen Variablen und schließlich liegt die BRD in den Bildungsausgaben im Mittelfeld.

Gerade letzteres ziehe ich sogar in Zweifel; denn es ist eine OECD Studie, die das feststellt. Dazu muss man wissen, dass Bemühungen privater Bildungsträger wie Handwerks- und Industriebetriebe sowie ihrer Kammern von diesen Pariser Herren und Damen noch nicht einmal zur Kenntnis genommen werden. Ja, ihre Statistiken verwechseln den deutschen “Meister” mit dem englischsprachigen “Master” und setzen ihn in den Statistiken gleich.

Wo ist nun etwas nachzulesen, wenn man sich der Lehr-/Lernwirlichkeit in Wahlkampfzeiten annähern möchte?

Da habe ich eine Literaturempfehlung:

“Auf den Lehrer kommt es an” Autor Rainer Werner, Studienrat am John-Lennon-Gymnasium Berlin.

Es ist wohl kein Wunder, dass man kritische Schriften am ehesten aus Berlin und Bremen erhält; denn dort wüten die Ideologen am grimmigsten.

wl

*) “Prechtiger” ist eine Anspielung auf den Fernsehphilosophen Richard David Precht, der ja auch mal bei Jauch war, um seine hoch fliegenden Reformideen für die Schule zu bewerben. Am Ende blieb davon nicht viel.

Roland Dürre
Dienstag, der 30. April 2013

Der NSU-Prozess und die Medien

Von Systemen und ihren Agenten, Epikie und Zivilcourage

Jetzt wird ein Prozess in München wohl wieder verschoben. Das ist sicher für viele Menschen bitter, denn es geht um ein besonders trauriges Kapitel unserer Geschichte. Das sich nach dem Prozess unter Umständen als “noch trauriger” erweisen wird.

Der NSU-Prozess ist aber auch ein gutes Beispiel für eine andere negative Entwicklung in unserer Gesellschaft: Unsere sozialen Systeme verselbstständigen und entpersonalisieren sich. Ihre Mitarbeiter werden zu Systemagenten und entfernen sich immer mehr von der Realität. Sie ignorieren die Erfordernisse der Gesellschaft und unterwerfen sich bei ihren Entscheidungen einer Überregelung, fragwürdigen Verordnungen und ihrer eigenen Paranoia.

So wird von vorne herein aus “Sicherheitsbedenken” bei diesem Prozess ein zu kleiner Gerichtssaal gewählt. Wie weit sind wir aber gekommen, wenn wir im Gericht nicht mehr für eine vernünftige Sicherheit sorgen können? Darf die rechte Szene unsere Entscheidungsfreiheit wirklich in diesem Maße beeinträchtigen?

Da darf natürlich der Seitenhieb auf den Verfassungsschutz nicht fehlen, der vielleicht mehr für die Sicherheit unserer Judikative sorgen sollte als mit wahrscheinlich rechtswidrigen und höchst umstrittenen Aktionen seiner zwielichtigen V-Leuten unserer Demokratie einen Bärendienst nach dem anderen zu erweisen.

Und wegen den Ängsten vor einer fehlenden Revisionssicherheit des Urteils werden dann die Gesetze in einer Art ausgelegt, die mit dem praktischen Bedürfnis der Gesellschaft nichts mehr zu tun hat. Natürlich konnte es nicht angehen, dass zum Beispiel die türkische Presse zur Prozessbeobachtung nicht zugelassen wurde. Genauso wie es nicht sein kann, dass jetzt eine FAZ mit ihren vielen Lesern von der Berichterstattung ausgeschlossen werden soll.

Prozesse und Regeln hatten hier zu oft Vorrang vor gesundem Menschenverstand und vernünftigen Überlegungen. Lieber legte man den Wortlaut des Gesetzes maximal restriktiv aus und ignorierte die Absicht, das Ziel und den Sinn der Gesetze. An Stelle des Suchens nach sinnvollen und belastbaren Lösungen beugte man sich sklavisch vor dem vermeintlich Unabänderlichen.

Die Epikie, eine wichtige wenn auch wenig bekannte Tugend wird in unseren Systemen zu oft vergessen. Epikie heißt knapp formuliert, dass “man die Gesetze des Staates so einhält, wie ein vernünftiger Gesetzgeber es gemeint und gewollt hätte”. Für die Anwendung von Epikie ist oft eine weitere primäre Tugend notwendig, nämlich die Zivilcourage, auch Bürgermut genannt. Diese Tugenden brauchen wir, gepaart mit gesundem Menschenverstand, beides angewandt basierend auf gesellschaftlich anerkannten Werten.

Und ich meine, dass es in unserer Gesellschaft Teile gibt, bei denen diese Tugenden wie auch der gesunde und wertebasierte Menschenverstand immer mehr verloren gehen. Das macht aber nichts, weil es viele Menschen gibt, da ist dies alles vorhanden und kommt immer mehr zum Einsatz und zur Wirkung. Unter dem Strich bin ich so ganz optimistisch.

:-) Meine Leser aber dürfen sich heraussuchen, welche Kreise ich da jeweils meine …

RMD

Roland Dürre
Samstag, der 27. April 2013

Die Reichen besteuern …

Vor ein paar Jahr(zehnt)en wurden ja die “gut verdienenden” ein wenig steuerlich entlastet. Ein wenig zu viel meinen zurzeit immer mehr. Vielleicht haben sie ja recht.

Und so gibt es eine Reihe von Initiativen und Parteien, die in ihre Programme hineinschreiben, dass die wohlhabenden und besser verdienenden Bürger (die in der BRD geblieben wie Uli Hoeneß und nicht ausgewandert sind wie unser Kaiser Beckenbauer, der Müller von der Milch oder der Schumi) mehr belastet werden müssen.

Die Grünen und die SPD wollen den Spitzensteuersatz erhöhen und so die BRD vor dem Kapitalismus retten. Ich meine, auch mit solchen Dingen müssen wir leben.

Aber ein immer wieder gemachter Fehler sollte vermieden werden: Wenn man Zahlen festlegt, ab denen Einkommen höher und/oder Vermögen besonders besteuert werden, dann sollte man diese Zahlen nicht fix sondern von vorne herein flexibel machen. Indem man diese z.B. automatisch an die Geldentwertung hängt.

Sonst hat man das Problem wahrscheinlich nur zu schnell wieder. Die “offizielle” Inflation erscheint harmlos zu sein, aber das Geld verliert mehr als rasant den Wert. Das kann mit vielen Beispielen trivial belegt werden. Und schwuppdiwupp muss man die Steuersystematik wieder ändern, weil ganz plötzlich dann auch die “Normalverdiener” in eine nicht mehr zumutbare Steuersituation hinein gerutscht sind.

RMD

Roland Dürre
Samstag, der 20. April 2013

Verbotenes Tun ist ganz normal?

In den “sozialen” und “nicht sozialen” Medien nehme ich heute einen “Hoeneß-Hype” wahr. Das verstehe ich zwar, aber es entsetzt mich. Jetzt wird der Uli Hoeneß an den Pranger gestellt – und das ist unfair.

Ich gehe mal davon aus, dass die große Mehrheit der Menschen mit aussergewöhnlichen Vermögenswerten einen Teil ihres Geldes “schwarz” angelegt hat, obwohl es verboten war und ist. Aber viele, wahrscheinlich alle Menschen machen laufend Dinge, die verboten sind. Der, auf den dies nicht zutrifft, möge sich bei mir melden. Denn er  ist ein Heiliger. Wer es aber leugnet, ist ein Lüger oder Heuchler.

Gerade mit Geld wird es schwierig. Menschen prostituieren sich dafür – oft im wahrsten Sinne des Wortes. Und finden ihre Käufer. Und zwar viele. Dies alles findet täglich und ganz normal statt, auch wenn es verboten ist.

Wie viele Menschen haben in der Jugend einen Diebstahl begangen, obwohl das verboten ist. Und all das ist normal und menschlich. Genauso wie dass Frauen abtreiben, auch wenn es verboten oder moralisch verurteilt wird.

Die Gesellschaft wie jeder von uns hat aber nicht das Recht, immer gleich die moralische Keule schwingen. Weil es alles so normal und menschlich ist. Derjenige werfe den ersten Stein, der frei von Schuld ist.

Reiche Menschen versuchen halt, den komplizierten Steuergesetzen zu entgehen. Und die Grenze zwischen legal und illegal verschwimmt leicht in subjektiver Bewertung. Und verschiebt sich laufend, oft unmerklich und scheibchenweise. Plötzlich sind Dinge  ”kriminell”, die früher vielleicht “Kavaliersdelikte” waren. Zum Beispiel zu Zeiten unseres seligen Ministerpräsidenten Franz-Josef waren Dinge ganz normal, bei denem einem heute die Haare zu Berge stehen.

Und jetzt haben wir plötzlich eine “neue Steuermoral”. Wahrscheinlich auf nicht so ehrenwerten Motiven begründet. Und das was früher normal war, ist plötzlich Pfui. Obwohl wir es immer gewusst haben, dass es so ist, und die Leute, die es gemacht haben, eher in auf bayrisch als “Des is a Hund” geachtet wurden.

Das ist doch genau die bürgerliche Scheinheiligkeit und Verlogenheit, die immer noch auf unserer Gesellschaft lastet (und wahrscheinlich immer lasten wird). Ich hoffe, dass wir nicht zu viele solche “neue Moralismen” bekommen.

Warum die Dinge nicht sachlich und nüchtern korrigieren, ohne die Betroffenen zu verurteilen und gar noch nach Rache zu schreien!? Also nicht Menschen moralisch runtermachen, sondern einfach die Missstände reparieren. Nicht bestrafen sondern kassieren. Und daran denken, dass es keine Gerechtigkeit gibt.

Eine konsequente öffentliche Transparenz aller Vorgänge würde vieles von dem, was heute passiert nicht zu lassen. Diese sollten wir fordern und durchsetzen, wenn wir solche Dinge “verbessern” wollen.

Zurück zum “Fall” Hoeneß. Da hätte ich noch einen Wunsch. Schön wäre es, wenn unser Gemeinwesen das viele Geld, das es jetzt wohl vom Uli im nach hinein kassiert, für etwas Sinnvolles ausgeben würde. Und da habe ich wieder meine Zweifel.

RMD

Roland Dürre
Montag, der 1. April 2013

EILMELDUNG

Ab und zu erfährt man aus Hackerkreisen erstaunliches:

Präsident Giorgio Napolitano hat es geschafft – Italien bekommt einen neuen Ministerpräsidenten!

Und man glaubt es kaum:

Der Mann, der Italien aus der Krise führen wird, ist Franziskus! Schweren Herzens hat die katholische Kirche zugestimmt und wird Franziskus zuerst mal für einen Zeitraum von 3 Monaten von seiner Aufgabe frei stellen, die katholische Kirche zu retten. Der letzte Papst Benedikts XVI. lebt ja glücklicherweise noch und hat sich sofort bereit erklärt, für diesen Zeitraum noch mal in sein altes Amt zurückzukehren. Auch das ist deutsche Solidarität mit Italien!

Schon morgen wird er sein “Expertenkabinett” vorstellen und Mario Monti seine Absolution erteilen.

Ich glaube, wir Deutsche können uns von unseren italienischen Freunden nur verbeugen. Wieder einmal haben sie es auf geniale Art und Weise geschafft, mit einer charmanten Lösung aus einer bedrohlichen Situation herauszukommen. Diese Wendung wird Italien mit Sicherheit ganz kurzfristig auch wirtschaftlich wieder an die Spitze der EU katapultieren.

Aus oben zitierter Quelle habe ich auch erfahren, dass die Architektin dieser Lösung unsere große Kanzlerin Angela ist. Schon bei ihrem ersten Kurzbesuch hat sie dem Papst darauf hingewiesen, wie wichtig die Rettung Italiens nicht nur für Europa sondern auch die katholische Kirche ist. Denn wie man zweifelsfrei sagen könne, “gäbe es doch ohne Italien kein Rom und ohne Rom könne es doch auch keine katholische Kirche geben”. Und ihm gesagt, dass er “genau der richtige Mann dafür wie auch für die Rettung des EURO wäre”.

Ich glaube, dass diese heute gefallene Entscheidung nicht nur ein Befreiungsschlag für Italien ist. Der 1. April 2013 wird so zu dem Festtage Europas werden. So fordere ich, ihn ab sofort als weiteren Frühlings-Feiertag EU-weit einzuführen!

RMD

Werner Lorbeer
Donnerstag, der 28. März 2013

Staatsbankrott: Was ist so üblich?

Man ist überrascht, was alles überrascht!

Wer Geld in eine Bank einlegt, ist Gläubiger der Bank! Keineswegs sichert die Bank “mein Geld”. Lediglich bis zu 100.000 € ist es versichert, der Rest ist bei jeder Pleite Gegenstand des Konkursverfahrens. Natürlich ist das Kapital der Eigner perdu und auch jenes von denen, die der Bank “Papiere”, die von ihr besichert sind, abgekauft haben, wie Bankanleihen oder Derivate etc.

Unheilvoll aber auch nicht überraschend: Wenn die Staaten zahlungsunfähig sind, dann auch die Banken. Weil große Teile der Staatsschulden von den Banken mit den Einlagen ihrer Kunden gekauft wurden. Oder sollten die Banken auf die Staatsfinanzierung verzichten? Private Gläubiger können sich ihrer Schulden jedenfalls nur innerhalb der Rechtsordnung entledigen, damit sind die Schulden der Privaten sicherer, was sich in den letzten Jahren am Anleihemarkt auch wider spiegelt.

Aber wie sollten die enormen Sparkapitalien investiert werden, die die Bürger anhäufen, wenn nicht über Staat und Gebietskörperschaften? Natürlich könnten die Bürger in Sachkapital investieren, aber gerade in Deutschland ist das seltener als im Rest von Europa. Wir haben beispielsweise weniger Wohnungseigentum als die Bürger von Zypern. Es kommt also – von der Altersvorsorge bis zum Ausbildungssparen – vor allem darauf an, die Staaten bei guter Bonität zu halten, um eine wichtige Eigenschaft des Geldes, Aufbewahrung von Wert, zu organisieren.

Wenn ein Staat mehr Geld ausgibt als er per Steuern, Abgaben, Zölle etc. von den Bürgern erhält, reduziert er seine Bonität. Aber er hat die Möglichkeit, auf die Vermögen der Bürger zuzugreifen, weil wir Demokraten alle Rechte an den Souverän abgegeben haben.

Was sind die Möglichkeiten des Staates, um nach der Zahlungsunfähigkeit des Staates ( = niemand ist bereit ihm weiteres Kapital zu geben) wieder zu einer Grundlage für die Einführung einer neuen Währung zu kommen?

Hier eine Liste von Folterinstrumenten, sicherlich unvollständig:

  1. Währungsschnitt im Tauschverhältnis
  2. Zwangshypothek auf Immobilien
  3. Zwangsanleihe für alle Bankguthaben und Depots
  4. Devisenbewirtschaftung
  5. Geldersatz durch Berechtigungskarten
  6. Verbot der Haltung von Gold
  7. Vermögenssteuer
  8. Zwangsenteignung von Vermögen
  9. Erbschaftssteuer
  10. Rückfall von Grund-und Boden an den Staat
  11. Steuererhöhungen, Abgabeerhöhungen aller Art
  12. Inflationierung
  13. Schuldenschnitt durch Weigerung der Rückzahlung von Staatsanleihen

Eine beachtliche Liste!

wl

Roland Dürre
Mittwoch, der 27. März 2013

… oder arme Reiche?

Im letzten Beitrag ging es ja um das “mittlere Vermögen deutscher Haushalte. Laut der Bundesbank beläuft sich dieses auf rund 51.400 Euro netto und ist damit im europäischen Vergleich erstaunlich niedrig.

Das Thema hat mir keine Ruhe gelassen und ich habe mal nachgelesen, wie hoch die gesamte Staatsverschuldung in der BRD ist. Laut Zeit waren Bund, Länder und Gemeinden in 2011 mit etwas mehr als zwei Billionen Euro verschuldet. Pro Einwohner waren das 24.771 Euro. Diese Zahl ist im letzten Jahr noch mal gestiegen. Sie enthält auch nicht die wahrscheinlichen Belastungen die aus den gigantischen Bürgschaften für die “EURO-Rettung” entstanden sind.

Die Annahme, dass auf jedem Deutschen 25.000 Euro öffentliche Schulden lasten, ist so eher zu niedrig. Zudem könnte und dürfte sich diese Zahl sehr leicht in naher Zukunft katapultiv erhöhen. Wenn ich zurück zum Haushaltsvermögen des “durchschnittlichen” Deutschen mit netto 51.400 EURO komme und davon ausgehe, dass zu einem Haushalt im Schnitt mehr als zwei Menschen gehören, dann liegen die Schulden eines “durchschnittlichen” Haushaltes ja jetzt schon bei großzügiger Betrachtung deutlich über 50.000 €.

Kurz gesagt:

Statistisch sind die deutschen Haushalte “öffentlich” höher verschuldet, als sie über privates Netto-Eigentum verfügen

Armes reiches Deutschland?

;-) Wie gesagt, ich bin froh, dass ich nicht BWL und VWL studiert habe!

RMD

Roland Dürre
Dienstag, der 26. März 2013

Reiche Arme …

Hier ein Ausschnitt aus einer Diskussion, die ich als so eine Art “Briefwechsel im Internet” mitbekommen habe.

In den fünfziger und sechziger Jahren waren Kurzgeschichten der Science Fiction ein beliebtes, aus den USA importiertes Genre. Frederik Pohl, Repräsentant einer Strömung, die ich hier einfach mal als “Social Fiction” bezeichne, veröffentlichte unter anderem eine Geschichte mit dem Titel “Die Armen Reichen”. Ausgangspunkt ist eine Konsumgesellschaft, die damit beschäftigt ist, eine von Robotern hergestellte Überproduktion von Gütern und Dienstleistungen an den Mann zu bringen. Die Bürger sind mit Rationierungskarten ausgestattet, je niedriger die soziale Stellung, desto höher die mindestens zu konsumierenden Rationen. Das heißt, wer einen ausgibt, lässt hier den anderen bezahlen.

Luxuriöse Villenviertel sind also die Elendsviertel und Laubenpieperkolonien eine Art Beverly Hills. Dass der Autor letzten Endes aus dieser genialen Idee nicht viel macht, ist hier nicht von Bedeutung.

Erinnerungen an besagte Geschichte kamen auf, als ein Freund meine Aufmerksamkeit auf einen Artikel in der “Welt” lenkte. Dort steht:

Die Vermögen der Privathaushalte in Deutschland sind einer Studie der Bundesbank zufolge deutlich kleiner als in Euro-Krisenländern wie Spanien oder Italien. Das mittlere Vermögen deutscher Haushalte belaufe sich auf rund 51.400 Euro netto, teilte die Bundesbank am Donnerstag in Frankfurt am Main mit. In Italien betrage das Haushaltsvermögen rund 163.900 Euro, in Spanien rund 178.300 Euro.

In Frankreich belaufe sich das Vermögen der Haushalte im Mittel auf 113.500 Euro, erklärte die Bundesbank weiter. Der für Österreich ermittelte Wert liege mit 76.400 Euro näher am deutschen Niveau. In Deutschland selbst falle das mittlere Vermögen im Osten mit 21.400 Euro deutlich geringer aus als im Westen mit 78.900 Euro je Haushalt.
[In diesem Artikel finden sich noch mehr interessante Zahlen zu Eigentum in diversen Ländern der EU]

Im Vergleich zu hochverschuldeten Krisenstaaten wie Spanien ist damit das vorbildliche, hochproduktive Deutschland beim Vermögen (Aktiva minus Passiva) bettelarm. Selbst die Franzosen, die ja statistisch 6 Wochen pro Jahr weniger als die Deutschen arbeiten, stehen bedeutend besser da. Vielleicht liegt es daran, dass die Reallöhne von 2000 bis 2010 um 4,5% gesunken sind oder daran, dass die Germanen ihr Geld lieber in Malle verballern als “Schaffe, schaffe, Häusle baue” zu praktizieren?

Kommentare über die Aussagekraft von Durchschnitten (Was wird da eigentlich durchgeschnitten und was ist der Belag auf der Schnitte?) überlasse ich lieber dem Statistiker. Mir dämmert jedoch die logische Folgerung:

Je ärmer die Staaten, desto reicher die Bürger und je ärmer die Bürger desto reicher die Staaten.
Oder
Staaten, die nicht wirtschaften können, schaffen reichere Bürger.

Das hat die EZB längst erkannt, na klar, aber Rettungsschirme gibt es nur für die Reichen.

Ich weiß jetzt, Reichtum kommt nicht aus Sparsamkeit und Arbeit, sondern aus Verschuldung und Ausgeben. Das ist ein innovatives, realitätsnahes, wirtschaftliches Konzept.

Warum habe ich eigentlich BWL studiert? Errrare humanum est!

Der Autor dieses Textes ist mir gut bekannt. Er macht gerne auf Widersprüche aufmerksam. Ich finde die Zahlen im Angesicht der aktuellen Entwicklungen zumindest spannend. Will damit aber keinesfalls Ressentiments gegen unsere europäischen Freunde wecken. Irgendwie zeigen mir aber auch diese Zahlen wieder, dass der Karren wohl wirklich verfahren ist. Und wir um eine große Reform nicht herum kommen, denn sonst kommt die “große Reform” ohne unser Zutun über uns.

:-) Ich selbst bin dann ja auch mal froh, dass ich nicht BWL studiert habe.

Meine aber auch, dass man mit Arbeit und Sparsamkeit nicht reich wird. Schon eher durch Schulden machen …

RMD