Roland Dürre
Sonntag, der 29. Januar 2017

Demokratische Schmerzen.

Mein Über-Ich drängt, ja zwingt mich, mich an allen Wahlen zu beteiligen, ob Gemeinde, Land, Bund oder Europa. Es sagt mir, dass ich sonst die Demokratie gefährde, die mir ein wichtiges Gut ist. Ich entdecke aber immer mehr, dass „etwas faul im Staate ist“. Es ist aber nicht die Demokratie, die stinkt, sondern das System dahinter.

Eine der Gründe dafür dürfte die „Oligarchie der Parteien“ (nach Karl Jaspers) sein, die (fast) ganz Europa in Geißelhaft genommen hat. Immer mehr kommen wir in den „Genuss“ der Früchte dieser Entwicklung, die in den letzten Jahrzehnten immer stärker wird.

Weiter stört mich, dass es einen übermächtigen Einfluss von Kräften auf Gesellschaft und Politik gibt, die man gemeinhin Lobbyisten nennt. Der Lobbyismus ist zum Teil des Systems geworden und beherrscht und beschädigt das Gemeinwesen – oft scheinbar nach belieben. Immer wieder erlebe ich, dass die so geschaffenen realen (und oft nicht transparenten) Machtstrukturen brachial die Bemühungen und Erfolge von engagierten Gruppen und Menschen hinwegfegen. Der dadurch entstehende Schaden an Mensch und Zukunft wird vorsätzlich ignoriert, weil es den Mächtigen oft nur um Geld und Macht geht.

Zusätzlich gibt es einen historischen (Geburts-)Fehler. In den meisten mir bekannten demokratischen Systemen wählt man (fast) immer – direkt oder indirekt – einen Chef. Die Wahl bestimmt, wer „an die Macht kommt“. Das kann eine Kaste oder eine Einzelperson sein. Ich mag die Macht aber nicht an Systeme und auch nicht an Einzelwesen abgeben. Weil das nicht mehr zeitgemäß ist.

Niels Pflaeging hat vor kurzem eine Frage getwittert:

„Jede #Führung muss geteilt werden!“
Oder
„Ist #Führung ein kollektives, ein soziales Phänomen, das immer präsent ist in sozialen Gruppen?“

Ich hätte vielleicht in diesen Sätzen #Führung durch den Begriff #Macht ausgetauscht. Aber gleich ob Führung oder Macht, ich mag den ersten Satz und halte die zweite Aussage für überholt.

Das mag früher so gewesen sein, aber ein solches Bild passt nicht mehr in eine Welt, die von Anteilnahme, Achtsamkeit, Demokratie, Freiheit, Gleichheit,  Respekt, Teilhabe, Wertschätzung …geprägt sein und vor allem von (Menschen-)Freundlichkeit an Stelle von Feindseligkeit leben sollte.

Unternehmen und alle anderen sozialen Systemen brauchen keine starken Führer. Das meine ich nicht erst seit Trump. Ich mag keine Mächtigen, gleich ob man sie Präsidenten oder Bundeskanzler nennt. Machtzentren und Machtkämpfe halte ich für unter optimal. Persönlich stoßen sie mich ab, ich habe keinen Bock mehr zu so etwas. Aber auch das Handlungs-Muster der „Mutter Theresa“ (totale Hingabe für andere) ist mir suspekt wie auch Menschen, die sich als Märtyrer für gesellschaftliche, politische oder andere Ziele aufopfern.

Nicht nur in politischen Systemen wünsche ich mir an der Spitze Koordinatoren, die organisieren und vernetzen. Der gesellschaftliche Konsens zu den zentralen Themen muss gemeinsam erarbeitet werden und wir (als der Souverän) müssen die Möglichkeit haben, über die gut vorbereiteten Alternativen und Entscheidungen dann letzten Endes abzustimmen.

Das mag Zukunft sein. Heute bleibe ich aber in der in diesem Punkt noch unerfreulichen Gegenwart und beschreibe meine „demokratischen Schmerzen“, die in den letzten Wochen nochmal zugenommen haben. Eigentlich wollte ich ein paar Persiflagen in der „Ich-Form“ schreiben, in der sich Politiker vorstellen. Anfangen wollte ich mit dem SPD-Spitzen-Politiker Sigmar Gabriel. In etwa so:

„Mein Name ist Sigmar Gabriel. Ich bin 57 Jahre alt. Bis vor kurzem war ich Wirtschaftsminister. Wie ich das geschafft habe ist mir bis heute ein Rätsel geblieben. War ich mein Leben lang doch nur in der Erwachsenen-Bildung bei der Gewerkschaft nahen Unternehmen und vor allem als politischer Funktionär tätig. Und mit diesem CV bin ich Wirtschaftsminster der mächtigen BRD geworden! Und Vize-Kanzler! Erstaunlich, aber der Erfolg spricht doch wirklich für mich. Jetzt wird behauptet, ich könnte als Spitzenkandidat die SPD nicht in den Wahlkampf führen. Ja, meine Partei, diese Undankbare, haben mich geschasst, weil mich angeblich die Menschen in Deutschland nicht so positiv wahr nehmen. Obwohl ich doch so erfolgreich war und die deutsche Wirtschaft boomt wie nie. Und es Arbeitslose eigentlich ja gar nicht mehr gibt. Aber ich kenne mich aus mit Intrigieren und Machtspielen. Und immer kannst Du halt nicht gewinnen. Das macht mir aber nichts – Deutschland ist eh zu klein für mich geworden. Und in Europa kannst Du eh mehr werden, schau da mal den Genossen Schulz an, den Hundling. Dann rette ich mal die Welt und werde jetzt mal schnell Außenminister der BRD. Das ist doch ein toller Job für einen Vollblut-Politiker wie mich. Wollte ich doch auch schon länger ein wenig weniger arbeiten, immerhin werde ich noch mal Vater (dass muss man in meinen Alter auch erst mal schaffen). Den Außenminister mache ich doch mit links und ein bisschen durch die Welt reisen wollte ich auch schon immer. Tut doch gut, wenn das Baby dann schreit und ich unterwegs sein kann …“

Ich breche meine Persiflage hier ab, weil ich es nicht richtig und ein wenig gemein finde, solche Sachen im Namen einer fremden Personzu schreiben, auch wenn das ja eine verbreitete Form von „Satire“ und Kabarett ist. Meine Schmerzen gehen davon auch nicht weg, denn diese haben viele Quellen. Heute berichte ausschließlich von meinen SPD-Schmerzen, die nur ein kleiner Teil meines demokratischen Schmerzes sind. Ich verstehe einfach immer weniger, was bei der SPD passiert.

Es beginnt mit dem Amt des Bundespräsidenten. Im Gymnasium habe ich gelernt, dass es ein Ziel der Väter des Grundgesetzes war, dass der Bundespräsident aus der Mitte des Volkes kommen und deshalb besser kein Politiker sein sollte. Da habe ich wohl in der Schule – wie so oft – etwas falsch verstanden. Denn im Grundgesetz lese ich den Artikel 55 (Unvereinbarkeiten) nach. Dort steht:


(1) Der Bundespräsident darf weder der Regierung noch einer gesetzgebenden Körperschaft des Bundes oder eines Landes angehören.

(2) Der Bundespräsident darf kein anderes besoldetes Amt, kein Gewerbe und keinen Beruf ausüben und weder der Leitung noch dem Aufsichtsrate eines auf Erwerb gerichteten Unternehmens angehören.


Die Sätze im Grundgesetz sind ja eindeutig in der Gegenwart geschrieben. Mein Lehrer hat also unrecht gehabt und der Herr Frank-Walter Steinmeier darf tatsächlich direkt aus dem Ministeramt ins Schloss Bellevue und Villa Hammerschmidt ziehen.

Walter Steinmeier kenne ich persönlich nicht. Trotzdem ist er ein Mensch, vor dem ich aufgrund seines Auftretens und Handelns viel Respekt habe. Aber auch er hat sein Arbeitsleben im Elfenbeinturm der Politik verbracht und dort seine Karriere geschnitzt. Er war dabei sehr erfolgreich und wurde mit dem Ministerposten als hohes politisches Amt belohnt.vWahrscheinlich war er für viele Menschen der letzte prominente Sympathie-Träger der SPD.

Jetzt wird er einfach so mir nichts dir nichts durch (geheime?) Parteiabsprachen Bundespräsident. Die Strippenzieherei geht weiter. Den durch dieses Manöver frei werdende Posten des Außenministers übernimmt einfach der nicht so beliebte Wirtschaftsminister. Seine Nachfolgerin – Brigitte Zypries – ist eine Übergangskandidatin und bezeichnet sich selber als Übergangs-Ministerin. Das alles passiert in politisch nicht ganz so einfachen Zeiten. Zum besten des deutschen Volkes?

Der neue Außenminister Sigmar Gabriel wurde von seiner Partei als Vorsitzender nicht mehr geduldet und wegen seiner Unbeliebtheit auch nicht als Kanzlerkandidat aufgestellt. Er musste also weg. Vor dem Mikrophon erzählt er, dass er als werdender Vater ein wenig kürzer treten will. Und fliegt am Tage nach seiner Amtsübernahme dann sofort nach Paris, um sich mit den dortigen Auslaufmodellen zu treffen. Aber ob beliebt oder unbeliebt, das politische Rampenlicht ist halt im Ausland noch schöner.

Es geht aber noch weiter. Die neue Hoffnung der SPD ist ein Mann, der mir vor allem wegen seiner politischen Unauffälligkeit aber auch als umtriebiger „Meister der Seilschaftspflege“ aufgefallen ist. Seit 1994 lässt er es sich im Europa-Parlament gut gehen. Davor und überlappend (1987 bis 1998) war Schulz Bürgermeister von Würselen (Nordrhein-Westfalen). In 2012 hat er es geschafft; dank Proporz und geheimer Absprache wird er der Präsident des Europäischen Parlaments.

Weil er mir so unauffällig erschien, habe ich mal in Wikipedia nachgeschaut. Jetzt bitte ich jeden, der sich immer noch überlegt die SPD zu wählen, bei Gelegenheit den Lebenslauf von Martin Schulz in Wikipedia nachzulesen. Da kann man erahnen, wie man durch Partei-Zugehörigkeit und -politik mit einfachen Tricks Karriere machen kann. Ein Beispiel, dass in der SPD interne Politik für die Karriere wichtiger ist als der Einsatz für die Sozialdemokratie.

Für mich ist Herr Schulz ein „Gabriel im Quadrat“. Da kommt wieder der Schmerz: Für mich ist Europa soviel mehr als EURO und EU. Der neue SPD-Spitzenmann erscheint mir als Symbol und Metapher des schlechten Zustand einer EU, die von Nationalstaaten und wirtschaftlichen Interessen dominiert und von kleinen Ländern boykottiert wird. In den Werten ist sie uneins, politisch zerrissen, mega-bürokratisiert und über-reguliert. Eigentlich wollen alle raus, nur trauen sie es nicht. Die von vielen als unverzichtbar beschworene EU gefährdet die Vision eines menschenfreundlichen und demokratischen Europas der Regionen. Aber vielleicht haben da EU und SPD etwas gemeinsam, die SPD scheint ja die Sozialdemokratie genauso vergessen zu haben wie die Politiker in EU die Menschen in Europa.

Martin Schulz soll jetzt der Retter der SPD werden, einer Partei die wir als Hoffnungsträger für eine Erneuerung der Demokratie gut gebrauchen könnten. Ob er mit seinen Methoden die SPD retten kann, bezweifle ich. Dass er die Sozialdemokratie aber nicht neu beleben wird, da bin ich mir ziemlich sicher.

Auch dass die USA auf den Trump gekommen sind und ganz andere Sorgen haben, das hilft mir nicht weiter. So werden meine Schmerzen nicht weniger.

RMD

Roland Dürre
Dienstag, der 6. Dezember 2016

Bald darf ich den Bundeskanzler wählen …

Falsch, eigentlich wähle ich ja eine Partei, …

Hier mit Klaus Hofeditz bei der Strategie Klausur 2016 von PM-Camp.org in Berlin.

Hier mit Klaus Hofeditz bei der Strategie Klausur 2016 von PM-Camp.org in Berlin.

… die dann gemeinsam mit anderen den Kanzler aus mauschelt. Und vielleicht wird dann der Spitzenkandidat der Partei, die die meisten Stimmen bekommen hat, auch Kanzler. Muss aber nicht so sein.

Für die Bundestagswahl im nächsten Jahr tut sich ein Hoffnungsschimmer für mein Über-Ich „Dumusstwählen“ auf. Mein Über-Ich sagt mir nämlich, dass ich als Demokrat zur Wahl gehen muss. Mein Gewissen untersagt mir aber, die „normalen“ Parteien zu wählen. So habe ich ein Dilemma.

Aber es gibt Hoffnung: Serdar Somuncu wird für „Die PARTEI“ als Bundeskanzler kandidieren. So habe ich mal geprüft, ob er eine valide Alternative ist. Und kam dabei auf den Gedanken, ob ich mich nicht einfach selber zur Wahl stellen und so um das Amt des Kanzlers bewerben soll.

🙂 Denn wenn ich kandidiere, dann weiß ich ja, wenn ich wählen muss! Jetzt bin ich mal zynisch: So schwierig ist es gar nicht Bundeskanzler zu werden. Wahrscheinlich ist es einfacher als jemals zuvor. Der Trump hat’s ja auch zum Präsidenten geschafft. Und Populismus kann ich auch. Besser als mancher denkt. 🙂

Allerdings: Ich habe überhaupt keine Lust in meinem Alter von 66 Jahren mich noch mal in solch eine Tretmühle zu begeben. Und die fast schon greisen Kandidaten, die alle auf jung machen (nicht nur im US-Wahlkampf), sind mir eh ein Graus.

Also:

Kein Bundeskanzler Roland Dürre. Aber vielleicht doch Serdar Somuncu? Immerhin mag er Woody Allen und Bert Brecht. So unrecht kann er dann doch gar nicht sein. Dass er Türke ist, stört mich auch nicht. Ich mag Menschen aus anderen Kulturkreisen.

Wahrscheinlich kann er den Kanzler auch besser als ich. Habe ich doch viel zu viel „morbide Freude am Untergang pervertierter Systeme“.

RMD

Roland Dürre
Dienstag, der 25. Oktober 2016

Winterzeit & Sommerzeit – so sinnlos wie ein Kropf

P1070194Jetzt sag ich mal meine Meinung!

Am 30. Oktober ist es wieder so weit. Da werden die Uhren nachts um 2:00 für eine Stunde angehalten. Dann dürfen sie wieder weiterlaufen. Oder man stellt sie am Morgen um eine Stunde zurück. War es gerade noch 8:00, ist es schlagartig 7:00. Am Abend wird es plötzlich viel zu früh dunkel …

Ich habe dann wieder meine 3 – 5 schummrigen Tage vor mir. Denn irgendwie macht mir die „homöopathische“ Zeitumstellung um nur eine Stunde komischer Weise mehr zu schaffen als ein „Jetlag“ von mehreren Stunden.

Die Unfallstatistik – ob Verkehr oder Haushalt – weist zur Zeitumstellung auch wieder einen Ausreißer nach oben aus. Wahrscheinlich stirbt der eine oder andere an der Zeitumstellung. Und am 26. März 2017 geht es dann wieder zurück.

Dieses Manöver soll ja Energie sparen. Nur weiß ich nicht, wie das gehen soll. Wenn dann könnte das ja nur beim Licht stattfinden. Aber wie soll das funktionieren? Die Aktivitäten der Menschen werden doch nur um eine Stunde nach hinten geschoben? Wenn man das Licht eine Stunde früher ausschaltet und dafür eine Stunde früher einschaltet, dann klingt das doch arg nach einem Nullsummenspiel …

Wie die meisten Menschen, die ich kenne, halte ich dieses Zeitumstellungs-Theater für kompletten Unsinn. Für mich ist es ein weiteres Beispiel für unsere trostlose politische Situation: Ein bayerischer Alleingang würde wahrscheinlich zu schwerwiegenden Konflikten mit Berlin führen. Ein deutscher Alleingang ist wegen EU-Recht nicht möglich. Und dass die EU mal etwas sinnvolles beschließt erscheint mir immer unwahrscheinlicher.

So werden wir wahrscheinlich noch Jahre mit diesem Blödsinn leben müssen. Bis diese EU dann mal zerfällt.

RMD

P.S.
Dass Putin in Russland in Russland diesen Blödsinn beendet hat, traue ich mich ja fast gar nicht mehr zu erwähnen, denn der ist ja ein antidemokratischer Diktator, der nicht vom Volk gewählt wurde. Er hat allerdings auf Winterzeit umgestellt – ich würde dagegen auf Sommerzeit umstellen. Weil das besser zu uns passt.

An dieser Stelle möchte ich meinen Dank den tapferen Wallonen aussprechen, dass sie sich dem Wachstums- und Effizienzwahn einer vom Spätkapitalismus dominierten weltweiten Lobbystruktur entgegenstemmen.

Wenn es um Menschlichkeit und Solidarität geht, dann denke ich gerne global. Aber wenn es darum geht, die totale freie Fahrt für Großkonzerne zu schaffen, dann denke ich lokal. Und wünsche mir regionale Schutzmechanismen und keinen Offenbarungseid und die Preisgabe jeglicher Selbstbestimmung.

Auch wenn man für solch eine Meinung gerne ausgebuht wird. Witzigerweise besonders von den Gabriels und Schulzen dieser Welt.

Roland Dürre
Donnerstag, der 8. September 2016

HELLO WORLD – Ein offener Brief – #FRIEDEN

Weiße Taube auf blauem Grund, eine Variante der Friedenstaube: Seit den 1980er Jahren verbreitetes Symbol der westeuropäischen, vor allem der deutschen Friedensbewegung, entworfen im Kontext des Widerstands gegen den NATO-Doppelbeschluss.

Weiße Taube auf blauem Grund, eine Variante der Friedenstaube: Seit den 1980er Jahren verbreitetes Symbol der westeuropäischen, vor allem der deutschen Friedensbewegung, entworfen im Kontext des Widerstands gegen den NATO-Doppelbeschluss.

Vor kurzem hatte ich ein tolles Gespräch mit einem Menschen, den ich sehr schätze und lieb gewonnen habe. Ich will ihn für unser Projekt FRIEDEN gewinnen. Am nächsten Tag habe ich ihm geschrieben – hier meine Gedanken dazu als offenen Brief.

Lieber Freund!

im Abstand einer Nacht möchte ich mich nochmal für das Gespräch gestern bedanken.

Du hast mir die richtigen und wichtigen Fragen gestellt. Das ist ein großer Wert. Denn Lösungen findet man nur, wenn man vorher die richtigen Fragen findet.

Hier der Versuch einer zusammenfassenden Antwort auf Deine klugen Fragen zum Projekt FRIEDEN (Warum und Wie):

Für mich ist FRIEDEN die allgemeine Metapher für das Gegenteil von all dem, was nach meiner Meinung in unserer Gesellschaft schief läuft.

Weltweit (mit ganz wenigen und sehr fragwürdigen Ausnahmen) dominiert ein Wirtschafts-System, das die Menschen manipuliert. „Shareholder Value“ und die eigene Bereicherung der handelnden Akteure setzt es in ungeahnter Konsequenz über alles. Auch der Krieg dient hier als Mittel zum Zweck.

Diesem System ist das Wohlbefinden, die physische und psychische Gesundheit der Menschen und auch unser Planet völlig egal. Ich kann das für viele Branchen belegen, auch durch besondere Insights die ich aufgrund meines Netzwerkes habe.

Dazu gehören – nur als ein Beispiel – auch Diskussionen mit Vorständen eines sehr relevanten Pharmaziekonzern im Rahmen eines Forschungsprojekts. Und wenn ich dann aktuell die Bewertung der neuesten Medikamente (von 23 ist eines im grünen, wenige im orangen und über die Hälfte im roten Bereich) anschaue, dann weiß ich sehr wohl die Gründe dafür (siehe SZ von gestern).

Leider gilt das für viele (ich meine alle) Branchen – ob Gesundheit ganz allgemein, Nahrungsmittel, Energie, Finanzen (Banken und Versicherungen), Rohstoffe, Handel, Kfz, Kommunikation, Technologie … Dass die Waffenindustrie da dabei ist, ist natürlich klar.

Und dies ist (leider) keine Verschwörungstheorie sondern präzise belegbar.

Auch die EU ist leider eine sehr undemokratische Organisation (geworden?), die dominiert wird von den Interessen der Konzerne und auch letzten Endes auch von diesen gegründet wurde. So wie auch der EURO kein politisches Produkt ist sondern vor allem von „der Wirtschaft“ eingefordert wurde. Gestern hat ein Urteil des EuGH dies wieder einmal belegt (siehe die ZEIT von gestern).

Ich will aber keine Diskussion über solche Missstände lostreten. Viel mehr beschäftigen mich Begriffe wie Reform, Revolution, Veränderung, Wandel, Innovation, Evolution, Transformation. Diese Begriffe sind auch Basis meiner Vorträge, ganz gleich ob es um Digitalisierung, Führung oder Unternehmertum geht.

Das alles sind schwierige Begriffe. Innovation ist für mich „kreative Zerstörung“. Reform ist gewaltfreie Veränderung. Alle schreiben nach Reformen – nur Veränderung will man nicht. Und Veränderung beinhaltet immer Gewalt.

Ich benutze für das Projekt FRIEDEN den Begriff der Transformation. Mein Ziel ist vielleicht, ein kommunikatives Gegengewicht zu schaffen gegen all das „Unfriedliche“. Und das eben nicht auf einer „religiösen“ Ebene. Also nicht durch missionieren.

Sondern durch emotionale und rationale Anstöße zum Nachdenken. Mit der Absicht Menschen so zu inspirieren. So dass sie auf die Idee gebracht werden, eigenverantwortlich zu denken und zu handeln. Ein Schneeball-System, welches Menschen ohne Dogmen und Drogen ihre Autonomie finden lässt – das wäre schön.

Dass mein Herz heiß ist und ich deshalb gerne große Ziele vorgebe, bitte ich zu verzeihen. Zum Teil liegt es daran, weil mir in meinem Leben – zumindest in meiner Wahrnehmung – schon Erstaunliches gelungen ist, das ich selber nie für möglich gehalten hätte.

Andererseits nehme ich mich selber als eher bescheidenen Menschen wahr, der auch mit kleinen Erfolgen gut leben kann. Denn zuerst Mal ist der Weg das Ziel!

Nur: Wegschauen und nichts machen geht schon mal gar nicht.

Als Mentor unterstütze ich Menschen immer nur „homöopathisch“ und freue mich, wenn es mir gelingt andere Menschen ein wenig glücklicher und erfolgreicher zu machen. Und bin dann selber sehr zufrieden und glücklich. Das gilt auch für „meine Startups“.

Mein persönliches Hauptziel ist, in Dankbarkeit leben zu können.

Ganz liebe Grüße und lass uns in Verbindung bleiben!

RMD

Roland Dürre
Dienstag, der 28. Juni 2016

BREXIT

Flag_of_the_United_Kingdom.svgHier auch noch meine 1000 Eurocents zu der nach meiner Meinung unwürdigen Diskussion zum BREXIT.

 

  • Die Menschen, die in GB zur Wahl gingen, haben sich entschieden. Wahrscheinlich mögen sie die EU nicht und schätzen die Nachteile für ihr Land höher ein als die Vorteile. Rational kann man das eh nicht diskutieren, da gibt es zu viele Argumente pro und contra, dies auf soviel unterschiedlichen Ebenen. Die man auch nicht gewichten oder metrisieren kann. Letzten Endes geht es da um Gefühle, also um Bauchentscheidungen.
  • Die Entscheidung, die gefallen ist, sollten alle respektieren, sowohl die Überschlauen in der EU wie auch die, die bei der Entscheidung für einen Verbleib GBs in der EU gestimmt haben. Und besonders die, die abstimmen hätten können und darauf verzichtet haben. Das überhebliche Moralisieren der vereinigten Pro-Europäer der Welt gegenüber den Briten finde ich alles andere als angebracht.
  • Man darf auch nicht vergessen, dass ja weder die britische Regierung noch das britische Parlament durch diese Entscheidung irgendwie gebunden sind. Das heißt, dass eh noch gar nichts passiert ist –  und wie so oft in der Politik so richtig auch nichts passieren wird. Wahrscheinlich werden nur die Geldflüsse gekappt – oder anders kaschiert.
    Jetzt wird ein wenig gemauschelt – und mit jedem Tag, der ins Lande geht – wird das Thema #brexit mehr und mehr in Vergessenheit geraten. Nur noch ein paar 1.000 EU-Funktionäre werden beraten, wie sie eine Lösung hinkriegen, so dass die britische Regierung vor ihren Wählern nicht das Gesicht verliert und die EU auch keinen Schaden hat. Dies so nach Muster von TTIP hinter verschlossenen Türen.
  • Ich persönlich glaube nicht, dass die EU ein bedeutsamer oder gar kritischer  Faktor für die Zukunft Europas ist. Ist halt noch eine Administration mehr. Mehr Sorgen macht mir da die NATO und die zahlreichen nationalen bis nationalistischen Tendenzen. Die Nato wird weiter erweitert, ohne Rücksicht auf die Sorgen und Ängste unserer Nachbarn. Hier vermisse ich eine Diskussion. Und es könnte sein, dass die nationalen Interessen durch den aktuellen Zustand der EU eher befördert denn reduziert werden.
  • Sehe ich die EU als Wirtschaftseinheit, dann bin ich enttäuscht.
    • Als Wirtschaftseinheit dürfte die EU und besonders der EURO eigentlich nur Deutschland (als Platzhirsch) und ein paar Kleinstaaten wie Luxemburg (als Finanzplatz der Europa beherrschenden Konzerne und Banken) oder Estland (als Tor nach Russland) begünstigt haben. Alle anderen sehe ich mehr oder weniger auf der Verlierer-Seite.
    • Sogar im bevorzugten Deutschland herrschen riesige Probleme wie eine große Polarisierung zwischen arm und reich (immer mehr verarmende Menschen, dafür mehr extremer Reichtum) oder bei der Bildung. Auch für diese Entwicklung dürfte die EU eine der Ursachen sein. Und dass z.B. Spanier – um wirtschaftlich überleben zu können – nach Deutschland gehen müssen ist doch bizarr. In anderen Fällen spricht man da von Wirtschaftsflüchtlingen, denen man auf keinen Fall Asyl geben dürfe. Wir sind einig, dass Menschen wegen ihrer Hautfarbe, ihres Geschlechts oder ihrer Religionszugehörigkeit nicht diskriminiert werden dürfen. Sehr wohl aber wegen ihren Passes – und da systematisch und differenziert.
    • Ich meine, dass Regionen das Recht haben, sich gegen zentrale Angriffe von Konzernen oder rücksichtslosen Billigproduzenten zu wehren. Der Versuch mit Subventionen die Entmachtung der Benachteiligten auszugleichen ist in der Geschichte immer wieder gescheitert und hat meistens das Gegenteil des Angestrebten bewirkt. Und hat letzten Endes immer zu einer ungerechtfertigten Bereicherung geführt.
    • Besonders schlimm finde ich, dass die Macht der Lobbyisten in Europa mittlerweile auf allen Ebenen weiter gewachsen ist. Die können das Geschehen in Europa jetzt zentral steuern.
  • Sehe ich die EU als gemeinsamen Lebensraum, dann bin ich enttäuscht. Ich erlebe Regulierung ohne Ende. Kleine Unternehmen besonders im Handwerk auch bei uns in einem Maße bedroht wie kaum jemals in der Geschichte zumindest Westdeutschlands.
    Vieles wurde schlechter und nicht besser wie das Mobilitäts-Angebot durch öffentliche Verkehrsmittel. Dafür wird wohl auf deutschen Druck der Individualverkehr mit Verbrennungsmotor in einem unvorstellbaren Maße gehätschelt.
    Nicht einmal die Mobilität im Netz konnte die EU in den letzten Jahren einheitlich hinkriegen. Der einfache Smartphone-Nutzer stellt das bei jedem Verlassen seiner Heimatregion fest. Zweifelsfrei orientiert sich die Politik der EU auf den Vorteil von Kapital, der Konzerne und Banken. Dass sie eigentlich für die Menschen da sein sollte, vergißt sie. Und die Funktionäre der EU denken sind überwiegend Systemagenten, die zuerst mal ans eigene Wohl und ihren Geldbeutel denken, dies in einem Maße, das  oft noch unverschämter ist als auf den meisten nationalen Ebenen.
  • Sehe ich die EU als .politische Einheit, dann bin ich enttäuscht. Hier nur als Stichwort das unmögliche Verhalten und die komplett fehlende Solidarität beim Umgang mit Flüchtlingen. Und wer ist eigentlich für unsere Außenpolitik gegenüber Russland etc. verantwortlich? Ich sehe da nur gefährliche Defizite.
    Und noch ein provozierender Zusatz:
    Im Rahmen der Globalisierung sollte es eigentlich nur noch einen Staatenbund geben dürfen – das ist die UNO. Denn die Probleme sind eher regional oder global.
  • Die politischen Strukturen und die Arroganz der Funktionäre der EU erinnern mich durchaus an graue Systeme wie den Comecon. Wohin die geführt haben, sollte uns gut bekannt sein. Da soll es mal eine Zeit gegeben haben, in der in der ganzen UDSSR und den meisten ihrer Vasallen-Staaten nur noch eine Brotsorte produziert wurde …
  • Ist es wirklich so schlimm, wenn GB in eine Reihe von kleineren Staatssystemen zerfällt? Folgen sie da nicht nur einer logischen Entwicklung, die sie im Fußball schon lange vorweg genommen haben?
  • Die von mir persönlich erlebte Geschichte lehrt mich, dass eigentlich nach einem Zerfall von großen Systemen alle Beteiligten glücklicher waren als vorher. Vom römischen Reich kann ich nicht sprechen, da habe ich keine Ahnung. Aber ich kenne keinen Slowenen, Kroaten oder andere Menschen aus dem ehemaligen großen Jugoslawien, der dem Zerfall Jugoslawiens nachtrauert. Anfang der 70iger Jahre habe ich Jugoslawien bereist und kann das gut nachvollziehen. Auf meiner Radreise zum schwarzen Meer habe ich einmal einen Serben in Belgrad getroffen, der gemeint hätte, dass manche Menschen in Serbien jetzt endgültig Abstand vom Traum eines Groß-Serbischen Reiches nehmen müssten.
    In Tschechien und in der Slowakei ging es mir ähnlich – in Prag oder Bratislava habe ich niemanden, der sich wieder die ČSR wünscht.
    Und das der schon erwähnte Comecon und die UDSSR sich aufgelöst haben, bedauern doch auch nur ganz wenige. Ich kenne viele ex-DDR Bürger, die sich diese Systeme aber überhaupt nicht zurück wünschen.
    Ein wenig Polemik sei mir gestattet:
    🙂 Wenn sich die BRD vernünftig zerlegen würde, wären die Bayern wahrscheinlich auch nicht so ganz unglücklich. Aber wahrscheinlich sogar zumindest finanziell kaputte Länder wie Berlin-Brandenburg hätten wieder eine Chance zu gesunden und könnten sich nicht auf alle Ewigkeit auf den Almosen anderer Bundesländer ausruhen. Wobei die Ewigkeit hier eine eher endliche sein dürfte – denn trotz mancher gegensätzlicher Beteuerung aus Politikermund wird die Lage von Kommunen und Ländern in ganz Deutschland laufend schlechter (Grundversorgung, Infrastruktur, Bildung, Einkommens-Situation der Menschen …).
  • Zur Freizügigkeit: Ich höre immer, dass ein großer Vorteil für Bürger von EU-Staaten die Freizügigkeit bei der Wahl des Arbeitsplatzes und so auch der Wohnort wäre. Und dass die Briten die Zukunft der „jungen Generation“ verspielt hätten, weil sie jetzt nicht mehr so einfach in den Ländern Europas arbeiten könnten.
    Ich bin mir nicht sicher, ob ein soziales System einer solchen Größe und Vielfalt wie Europa so funktionieren kann. Da muss bestimmt ein wenig gesteuert werden.
    Ein Beispiel dazu:
    In China wollen die meisten Chinesen in Peking leben. Das geht natürlich nicht, also müssen Chinesen, die nach Peking wollen, Voraussetzungen erfüllen. Z.B. müssen sie über ein abgeschlossenes Studium verfügen oder den Nachweis für ein nicht unbeträchtliches Vermögen erbringen.
  • Als weiterer Vorteil der EU wird immer der Wegfall der Grenzkontrollen erwähnt. Grenzkontrollen nehme ich gerne in Kauf, wenn damit der totale digitale Überwachungsstaat vermieden werden kann. Intelligent organisierte Grenzkontrollen (siehe Eisenbahn oder am Flughafen) führen auch nicht zu Staus.
  • Schließlich:
    Ich mag kein Europa von Nationalstaaten, die sämtlich bereit sind, die Freiheit der Sicherheit zu opfern und von denen eine Reihe mich eher an Diktaturen und korrupte Systeme mit faschistischen Tendenzen als an funktionierende Demokratien erinnern.

Schlusssätze:

Ich bin für Vielfalt und gegen Einfalt. Ich mache mir Sorgen, dass zu große Systeme die Einfalt fördern. So bin ich für ein EUROPA der vernetzten und verbundenen Regionen, die sich gerne und freiwillig in die Gemeinschaft integrieren. Einem EUROPA, dass den Regeln der Subsidiarität folgt.

Ich mag kein EUROPA, dass wie eine Marionette an den Fäden von Konzernen und Wirtschaftsinteressen hängt. Ich mag kein EUROPA, das von einer Oligarchie von Parteien regiert wird, die vor allem den Vorgaben der Lobbyisten folgt. Und die alle ihr Geschäft mit  der Angst betreiben.

Mein EUROPA soll agil, offen und schlank verwaltet werden, Grundrechte und Individuelles/Privates respektieren, ethisch verantwortlich entscheiden und auch bereit sein, Besitzstand aufzugeben, wenn es notwendig wird.

Ich träume von einem sozialen und menschenfreundlichen Europa, dass radikal für Frieden eintritt, keine Kriege führt und keine Waffen in die Welt liefert. Und in seiner Politik ernsthaft der Erkenntnis folgt, dass unser Planet schon ziemlich kaputt gemacht worden ist. Und wir die Zerstörung von Umwelt und Natur auch in unseren Micro-Kosmen nicht mehr fortsetzen dürfen. Das Umweltstörung nicht auch noch subventioniert (Kerosin), auf unsinnige gigantische Projekte (S21) verzichtet und dafür Qualität auch in der Breite fördert. Von einem Europa, dass endlich mal von Ideologien und Glaubenssätzen abrückt, wie dass „durch Wachstum alle Probleme gelöst werden“, „das Leben an sich halt ein Kampf gegeneinander ist“ oder „Kinder halt mal erzogen und Menschen für ihre Taten bestraft werden müssten“.

So freue ich mich, dass die Briten mutig für einen BREXIT gestimmt haben. Dies obwohl ich die Selbstverständlichkeiten und Vorurteile von beiden Seiten – der BREXIT-Befürworter und Gegner – oft maßlos dumm und grauenhaft hypothetisch (spekulativ9 fand. Beide Seiten massten sich an, die Zukunft vorher sagen zu können und begründeten ihre Annahmen mit Argumenten, die ich als lächerlich bis kriminell empfunden habe.

Wir müssen uns wohl daran gewöhnen, dass die Skala für Unredlichkeit in der politischen Auseinandersetzung nach oben offen ist. Aber das Zustimmen zum BREXIT ist dennoch ein starkes Signal, das deutlich macht, dass es so nicht weiter gehen kann. Vielleicht bringt es Bewegung in die Politik und die Damen und Herren Politiker ein wenig zum Nachdenken. Bin aber auch da sehr skeptisch. Die Bürger müssen es wahrscheinlich selber richten.

Ganz falsch finde ich aber die ersten Reaktionen der EU-Partner-Regierungen, die so geheißen habe, jetzt müsse der Austritt ganz schnell erfolgen und ein Wiedereintritt müsse definitiv auf alle Zeit (!?) ausgeschlossen werden. Das erinnert mich sehr stark an eine Familie, in der ein Kind ausziehen will. Die Eltern mögen dies aber nicht und drohen dem Kind, dass es nie wieder einziehen dürfe. Vor 50 Jahren war so etwas durchaus üblich, ich habe es öfters erlebt.

RMD

Roland Dürre
Samstag, der 28. Mai 2016

Immer mehr und mehr und mehr … (TTIP)

Wachsen, wachsen, wachsen!

Eine Liliputaner-Parade marschiert durch Gullivers Beine. Illustration von Louis Rhead, 1913.

Eine Liliputaner-Parade marschiert durch Gullivers Beine. Illustration von Louis Rhead, 1913.

Der G7-Gipfel mit US-Präsident Obama und Mrs. Merkel an der Spitze will weltweit “mehr Wachstum”, weil das ja alle Probleme – auch das der Flüchtlinge – lösen würde. Die CDU will mehr und längere Gefängnisstrafen für Wohnungsdiebe, weil angeblich die diesbezügliche Kriminalität zu nimmt. Und mehr und höhere Strafen ja ganz bestimmt die Einbrecher abschrecken.

Die Gewerkschaften wollen mehr sonntägliche Ruhe und stoppen den verkaufsoffenen Sonntag zum Münchner Gründerfest. Die Linken wollen mehr Radikalität und mehr Frische, damit die AfD ihnen nicht weiter Wähler wegnimmt. Die Regierenden in Frankreich wollen mehr „internationale Konkurrenzfähigkeit“, weil sie glauben, dass sie dann wirtschaftlich erfolgreicher wären.

Ich halte das alles für „Bullshit“ und will eigentlich nur mehr Frieden und weniger Konsum. Wenn Wachstum sein muss, dann wünsche ich mir „mehr Weisheit“ und „mehr Vernunft“. Dies nicht nur bei unseren Politikern. Wachstum würde ich auf Bereiche beschränken, wo es nicht schadet. Wie z.B. mehr gutes Theater, dies aber nur dann wenn mehr Menschen auch öfters ins Theater gehen.

Weil wir immer mehr Wachstum brauchen, soll auch das TTIP-Abkommen laut Obama und G7 bis Ende des Jahres zum Abschluss kommen und wirksam werden. Mit allen Mitteln wollen sie die Konjunktur auf unserem Planeten ankurbeln. Es könnte also langsam ernst werden mit TTIP.

Darum meine klare Aussage:

Ich bin gegen TTIP und unbegrenztem Freihandel. Nicht nur weil mit TTIP auf abscheuliche Art und Weise die Demokratie ausser Kraft gesetzt und das Recht der Unternehmen über das von Regierungen und Parlamenten gestellt werden soll. Das allein ist schlimm genug. Auch nicht weil z.B. die Erfahrungen und Folgen in Südamerika mit einem ähnlichen Freihandels-Abkommen alles andere als ermunternd waren. Was ja auch gegen solch ein Abkommen spricht.

Noch viel schlimmer ist für mich, dass der totale Freihandel eigentlich der Vergangenheit angehören sollte und mittlerweile überhaupt nicht mehr im Trend liegt. Weil er den Planeten ruiniert. Und auch zu einem aufgeklärtem Zeitgeist überhaupt nicht passt. Wie vieles andere was wir so produzieren und zum wesentlichen Teil unseres „life style“ gemacht haben ist.

Wer will den noch einen „Raubtier-Kapitalismus“, der einzig dem „shareholder value“ dient? Und unverantwortliche Dinge durchpeitscht, für Profit und Marktmacht. Sind wir mittlerweile nicht schöner Weise wieder auf dem Weg zu regionalen Produkten? Zum „weniger ist mehr“? Haben wir nicht mittlerweile verstanden, dass Konsum nicht glücklich macht sondern eher depressiv? Dass zu viel Trägheit und Vermeidung körperlicher Anstrengung zwar angenehm sein mag aber letzten Endes krank macht? Und zwar ziemlich krank!

Wer will den noch eine weitere Verschärfung der weltweiten Arbeitsteiligkeit, die doch auch nur viele Verlierer schafft, weil sie gute Jobs vernichtet und billige Arbeitsplätze (Ausbeutung) begünstigt. Und den mörderischen Wettlauf zwischen den Völkern fördert, wer am billigsten durch Ausbeutung von Mensch und Natur produzieren kann? Wer will denn noch Konzerne, die mächtiger sind als die Regierungen und die Uno? Lobbys, die alles dominieren? Und Unternehmen, die ihre Kunden manipulieren und betrügen, künstliche Nachfrage generieren und Märkte bestimmen, die Interessen der Menschen aber bestenfalls ignorieren?

Wie wird denn die Konjunktur gemacht? Nicht in dem man Lebensmittel wie Milch immer schlechter und billiger macht. Konjunktur geht nur industriell mit teuren Produkten. Wie Autos und Panzern. D.h. ein Wachstum ist am einfachsten möglich, wenn noch mehr teure Fahrzeuge gebaut und verkauft werden. Dann verdient man doppelt – an den Produkten und weil die Infrastruktur dafür gewaltig ausgebaut werden muss. Also Garagen, Strassen, Brücken, Autobahnen … Oder noch schlimmer: Für die Rüstungsindustrie müssen dann ein paar Kriege gemacht werden!

Aber das wollen wir doch nicht mehr. Wir wollen transparente, schlanke Systeme und durchschaubare Strukturen. Wir wollen starke Regionen in weltweiter Harmonie. Wie die Agenda 21 mal auf ihre Fahne geschrieben hatte:

Think globally, act locally“ or „Think global, act local„.

Und dies bitte mit mehr Menschlichkeit und Rücksicht auf unsere Umwelt.

RMD
Geschrieben heute Abend in Piräus im Hotel Anita beim Anschauen der ersten Halbzeit des Champion League Finales.

P.S.
Eine zynische Hoffnung bleibt ja. Mr. Trump mag das TTIP (aus anderen Gründen als ich) auch nicht. Und mittlerweile sind die Chancen ja gut, dass er der nächste Präsident der USA wird.

Hans Bonfigt
Donnerstag, der 26. Mai 2016

Atom

Was war der Grund für den angeblichen „Störfall“ in Hamm-Uentrop?

Jede Politik gebiert Kompromisse.
Ein Kompromiss ist der Tod jeder genialen Idee.

Politik verhindert zuverlässig jedes geniale Konzept.

Erinnern Sie sich noch an die Winkraftanlage „Growian“?

In den Siebzigern wurde uns eingehämmert, „mit Windenergie kann man keine systemrelevante Menge an elektrischer Leistung erzeugen“, „höchstens 2%“. Um dies zu „beweisen“, schickten Politik und Industrie einen Großprototypen ins Rennen, dessen Scheitern unausweichlich war – was nebenher der Sinn eines Prototypen ist.

Der Mißerfolg wurde weidlich ausgeschlachtet:
„Die Glocken sollen läuten, es waren nichts als Lügen, der Mensch ist kein Vogel, es wird nie ein Mensch fliegen.  Sagte der Bischof den Leuten“.
Und heute wissen wir, daß Windkraft so unwirtschaftlich und ineffektiv ist, daß Bayern sie explizit qua Gesetz verbieten mußte.

Ist der Name „Transrapid“ noch geläufig? Ja, genau: Das geniale System, das den Stator eines Asynchronmotors quasi auf einer Eisenbahnstrecke abrollt und eine berührungs-, friktions-, führungs- und verschleißfreie Fortbewegung ermöglicht.

Was ist daraus geworden: Nix. Wir bauen weiterhin Schienensysteme aus dem vorvorletzten Jahrhundert: Technik von gestern mit der Technologie von vorgestern. Erbärmlicher Lachschlager am Rande: Als „Kompromiß“ war einmal angedacht, eine Transrapid-Strecke als S-Bahn-Ersatz zum Flughafen München zu errichten.  Ich war ja immer der Meinung, daß die Wahrheit einer bizarren Geschichte nicht im Wege stehen sollte, aber was die „politische Klasse“ an Exkrementen auf das Volk scheißt, nachdem sie den Lobbyistenfraß lautstark verdaut hat, das kann man sich gar nicht mehr selbst ausdenken. Auch nicht nach 24 Stunden Dauerberieselung durch „RTLII“ oder „Helene Fischer“.

Ist der „Wankelmotor“ noch ein Begriff? Jener hätte das Zeug gehabt, den Viertakt-„Zappelphilipp“ zu verdrängen. Aber die Idee verschwand im Nirwana.

Allen Konzepten ist eines gemein:

kompromiss

Wenn Politik und Industrie, also Dummheit, Macht- und Habgier, zusammenarbeiten, dann kommt meistens ein Begräbnis 1. Klasse dabei heraus.

Und so war es auch beim genialen Thorium-Hochtemperaturreaktor in Hamm-Uentrop.

Dreißig Jahre sind eine lange Zeit, aber an die Vorgänge im und um den Thorium-Hochtemperaturreaktor kann ich mich gut erinnern. Um Pawloff-Reflexe vorwegzunehmen: Aus guten Gründen war ich vor 30 Jahren Kernkraftgegner, aus guten Gründen bin ich es heute. Nur habe ich es aus Scham stets vermieden, mich mit dem grünen Dummvolk zu solidarisieren.

Und noch eines möchte ich vorwegnehmen: Ganz bewußt habe ich keine der üblichen „Quellen“ wie Wikipedia und Zeitungsartikel verwendet. Das, was ich hier schreibe, habe ich größtenteils selbst erlebt, und ich war „drin“, beispielsweise im Reaktor-„Core“, dem Teil also, der garantiert noch weitere 30 Jahre „sicher eingeschlossen“ sein wird.

Der Thorium-Hochtemperaturreaktor war der einzige Reaktortyp, der sicherheitstechnisch einigermaßen beherrschbar gewesen wäre. Er war systemimmanent sicher wegen seiner thermonuklearen Eigenschaften:

  • Nach Überschreiten einer Temperatur von etwa 1.200°C ist die Reaktivität rückläufig, selbst bei Ausfall aller Wärmetauscher wäre ein „Durchbrennen“ des Reaktors, dessen Wandungen aus meterdickem Graphit sind, unmöglich, denn dieser hält Temperaturen bis 2.500°C stand.
  • Er wird mit Graphit und nicht mit Wasser moderiert.
  • Er vermeidet austenitischen Stahl, der sich über Jahrzehnte hinweg als nicht ausreichend standfest unter extremer Strahlenbelastung erwiesen hat.
  • Die Ableitung der Wärme erfolgt über sechs unabhängige Wärmetauscher mit einem Helium-Primärkreislauf.  Helium hat eine hohe spezifische Wärme und ist insbesondere ein inertes Gas, das völlig stabil bleibt beim Passieren des Reaktors. Außerhalb des Reaktors war also nicht einmal der Primärkreislauf mit nennenswerter Radioaktivität belastet.

Natürlich wäre auch hier ein „größter anzunehmender Unfall“ möglich gewesen, der ähnlich verheerende Folgen gehabt hätte wie die „Leistungsexkursion“ des RBMK-Reaktors in Tschernobyl: Ein Wassereinbruch im Reaktor. Freilich hatte man alles getan, um einen solchen Fall auszuschließen. Darüber könnte man mehrere Bücher schreiben, so gab es de facto gleich drei Wärmekreisläufe. Unbedingt zu erwähnen wäre auch der Trockenkühlturm – aber all dies sprengt einen Blog-Artikel.

Der THTR war überdies im Betrieb ausgesprochen erfolgreich, er lief insgesamt 1,5 Jahre (es war der erste großtechnische Prototyp). Und natürlich gab es Probleme, insbesondere zwei konzeptionelle:

Brennmaterial und Moderator waren kugelförmig, etwa von der Größe eines Tennisballes. Im hexagonal angelegten Reaktorcore war ein riesiger Kugelhaufen gestapelt. Das Helium wurde im Gegenstrom bei 36 bar Überdruck durch den Kugelhaufen geleitet. Nun ist Helium-4, wie schon erwähnt, nicht nur stabil, sondern verfügt auch über eine hohe spezifische, jedoch über eine sehr geringe molare Wärmekapazität. Heißt für den praktischen Betrieb: Enorme Druckerhöhung bei Temperaturanstieg und geringe Viskosität. Es bildeten sich Heißgassträhnen innerhalb des Reaktors, welche die Heliumleitungen im Reaktor irreparabel (und irreversibel) beschädigten. Gleichzeitig wurden, bedingt durch die Leistungsregelung mit Grahitstäben, welche in den Kugelhaufen eingefahren wurden, weitaus mehr Kugeln beschädigt als vorhergesehen. Der Trümmerbruch und der Staub mußten ausgefiltert werden.

Häufiges Stillsetzen und Wiederanfahren war notwendig, und jedesmal mußte eine nicht ganz unerhebliche Menge an Helium freigesetzt werden, welches allerdings, bedingt durch schlechte Filterung, noch reichlich mit radioaktivem Staub kontaminiert war. Es gab eine gesetzlich untermauerte Regelung, daß ein Kernkraftwerk pro Betriebsjahr nur eine ganz bestimmte Menge Radioaktivität freisetzen durfte. Bei vielfachen In- und Außerbetriebnahmen war diese Menge schnell erreicht.

Es waren bereits effektivere Filter bestellt und m.W. waren diese sogar schon eingetroffen, jedoch noch nicht eingebaut.


Und dann passierte:  Nein, nicht Tschernobyl…

… das sicher auch, aber der Todesstoß für den THTR kam von Jimmy Carter:

Der THTR arbeitete mit hochangereichertem, sprich waffenfähigen Uran. Und zwar in rauhen Mengen, knapp zwei Tonnen waffenfähiges U235 lagerten in Hamm-Uentrop. Möchte mal wissen, wo das Zeug heute herumgammelt, wer weiß, vielleicht in einer Scheune in Südfrankreich, wie damals das Seveso-Gift ?

Nun war den Amerikanern aufgefallen, wie schlampig speziell die BRD mit Nukliden umging (siehe die groteske „Asse“-Situation) und die Allah-Anbeter wurden auch nicht dümmer. Vor dreißig Jahren konnte man sich für ein minimales Bakschisch hochbrisanten Militärsprengstoff aus Bundeswehrbeständen „kaufen“. Der wurde einfach bei einem Manöver irgendwo vergraben und später abgeholt. Mit etlichen tausend Mark wäre man ganz sicher auch an das U235 gekommen.

Und da haben die Amerikaner halt die Notbremse gezogen, zumal sie Kohl und Genscher verständlicherweise abgrundtief verachteten. Strauß wollte das inkarnierte Fähnlein im Wind ja für die ISO vorschlagen, „1 Genscher := Maßeinheit für politische Unzuverlässigkeit“.

Neuen Brennstoff gab es nicht.

Der THTR hatte noch Brennstoff für zwei Jahre, und dann hätte man ihn mit einem komplett anderen Material betreiben müssen, was den thermischen Wirkungsgrad unterirdisch verschlechtert hätte.

Naja, und unerfreulicherweise gab die äußere Betonhülle Wasser an das Graphit des Reaktorcores ab, welches prächtig reagierte.

Sic stanitbus rebus: Operation geglückt, Patient wirtschaftlich tot.


Und dann, zur Freude der Betreiber …

geschah das Unglück von Tschernobyl und die Stimmung im Land kippte schlagartig. Der RBMK wurde ja mit Graphit moderiert, genau wie der THTR!!!1! Oh mein Gott!!! Apropos: Das ganze dumme „Christen-“ und „Grünen“-Stimmvieh zog in die Schlacht. Mann, mann, mann, war das peinlich. Mich deucht, das Einzige, was uns die sogenannten „Flüchtlinge“ an „Bereicherungen“ beschert haben, sind die Christenverfolgungen. Sollte man ausbauen. Nachhaltig. Ein- oder zweimal habe ich auf einem evangelischen Kirchentag versucht, mit „Anti-AKW-Aktivisten“ zu diskutieren – das ist von vornherein sinnlos, wenn „Glaube“ im Spiel ist. In diesem Zusammenhang möchte ich noch auf einen brillanten if-blog – Artikel von Klaus-Jürgen Grün verweisen, Kirchen tagen. Und wenn die Nachkriegs-SPD ja insgesamt widerlich opportunistisch war, in Nordrhein-Westfalen kultivierte sie über Jahrzehnte diesen Opportunismus zur abstrakten Kunstform. „Atom“, das ging jetzt gar nicht mehr.

Und endlich hatte man eine Möglichkeit gefunden, aus dem schwierigen und längst unrentablen Projekt auszusteigen, es fehlte nur noch ein „Paukenschlag“.

Nun wird in der „Lügenpresse“ behauptet, sinngemäß, „Die Techniker wollten ihren radioaktiven Müll dezent loswerden“. Ja, natürlich wollten die das. Aber die waren nicht dämlich, gingen nicht in die Kirchen und wußten stattdessen:

  • man würde 233Pa finden, ein THTR-spezifisches Spaltprodukt und
  • zudem ein Tritiumnuklid, welches entsteht, wenn der verschwindend kleine Restanteil Helium-3 im Kühlkreislauf unter Neutronenbeschuß reagiert.

Kein Einbrecher hinterläßt seine Visitenkarte auf dem Wohnzimmertisch.

Es sei denn, er möchte, daß sie gefunden wird.
Ja, und so wurde es dann auch gehandhabt, man entließ kubikmeterweise kontaminierten Reaktorstaub und Aerosole in die Atmosphäre. Und alle waren zufrieden:

Die Presse hatte ihren geliebten Skandal, der Schuldige war schnell gefunden, nämlich das böse THTR – Prinzip, der Steuerzahler durfte für den Abbruch aufkommen (und darf das auch weiterhin bis 2050)  —  und die „Grünen“ hatten ihren „Sieg“. Last but not least: Die VEW konnte wieder „sichere“ Leichtwasserreaktoren bauen.  Denn das Tschenobyl-Odium klebte jetzt am bösen THTR, nicht aber an den bekannt unsicheren Leichtwasser-Zeitbomben.

Zusammenfassend:

Opportunismus und wirtschaftliche Erwägungen stellen eine erhebliche Gefährdung sinnvoller Projekte dar. Kommt jetzt noch „Zeitgeist“ oder „Volkswille“ hinzu, dann kann man jedes Projekt gleich einäschern.

Wenn ich heute an so mancher Ruine vorbeifahre, sei es die Maxhütte in Sulzbach-Rosenberg oder der THTR in Schmehausen, dann werde ich ganz traurig und mir kommen die letzten Zeilen von Brechts anachronistischem Zug in den Sinn,

Und der Wind in den Ruinen/singt die Totenmesse ihnen,/die dereinst gesessen hatten/hier in Häusern/Große Ratten/schlüpfen aus gestürzten Gassen/folgen diesem Zug in Massen/“Hoch die Freiheit“ piepsen sie,/“Freiheit und Democracy“.

hb

Roland Dürre
Mittwoch, der 27. April 2016

Dumme (?) Fragen?

Hier ein paar aktuelle Ereignisse, die ich fraglich finde:

Negativ-Zins
Es gab mal eine Zeit, da hat man noch Zinsen auf sein Sparbuch bekommen. Jedoch kam die Quellensteuer und hat den Zins gekürzt.
Wenn die Negativ-Zinsen kommen, wie geht das steuerlich? Bekomme ich dann eine automatische Steuergutschrift?

Plastikbeutel
Jetzt gibt es eine freiwillige Selbstverpflichtung des Handels, für die Abgabe von Plastik-Einkaufstüten Geld zu nehmen. Wird nicht viel helfen.
Warum macht man nichts gegen den vielen anderen und wesentlicheren Plastik-Müll (Plastiktüten für Hundekacke, Verpackungsexzesse bei allen Produkten)?

Luxemburg-Leaks.
Endlich steht jemand in dieser Sache vor Gericht.
Warum sind es aber die Whistleblower und nicht die, die betrogen haben?

Rentenerhöhung.
Ganz stolz ist die Regierung dass die Rentner diesmal einen kräftigen Schluck aus der Pulle bekommen.
Warum erzählt sie aber nicht, dass gleichzeitig Rentnereinkommen vermindert wird, weil mancher Rentner jetzt Einkommens-steuerpflichtig wird?

Subvention.
Heute wurde es verkündet: Ab jetzt wird der Kauf von E-Autos subventioniert. Auch der eines Hybrids. Zweiteres verstehe ich noch weniger als Ersteres. E-Autos sind doch wenn dann nur ein kleiner Teil der Lösung, ihre Gesamtbilanz ist alles andere als freundlich.
Wenn man schon unbedingt subventionieren muss, warum dann nicht Lastenfahrräder? Die wirklich etwas bringen?

Ich könnte mit so dummen Fragen ewig weitermachen; zu vielen Themen. Mache ich vielleicht auch bei Gelegenheit. Würde aber auch gerne Eure „dummen Fragen“ veröffentlichen. Einfach mir zusenden. Damit es ein wenig interaktiver wird.

RMD

Roland Dürre
Sonntag, der 24. April 2016

Projekt FRIEDEN – Donnerstag, 28. April 2016 – IF-Forum

Am Donnerstag (28. April) um 18:00 starte ich gemeinsam mit Jolly Kunjappu unser Projekt FRIEDEN. Wir freuen uns auf unsere Gäste.

»Jolly Kunjappu – »Jumbo‘s first birthday. Celebrate your life.« Acryl und Wachskreide auf Leinwand

»Jolly Kunjappu – »Jumbo‘s first birthday. Celebrate your life.«
Acryl und Wachskreide auf Leinwand

An diesem Tage werden wir “die Gedanken befreien”, Impulse geben und versuchen, „die freundlichen Menschen“, die wir so mögen, zu inspirieren. Wir wollen die Lust wecken, all die Selbstverständlichkeiten zu hinterfragen.

Wir wollen die Bereitschaft fördern, an der notwendigen großen Transformation unserer Gesellschaft und Lebensart konstruktiv mitzuwirken und so die Voraussetzungen ein wenig zu verbessern, dass wir Zukunft aktiv gestalten können. Denn:
Handeln ist wichtiger denn Reden!

An diesem Abend wollen Jolly und ich in die Vorlage gehen und dann gemeinsam mit Euch Ideen entwickeln und überlegen, was man denn alles machen könnte.
🙂  (Vielleicht ein Schneeballsystem für Frieden und Transformation aufsetzen?)

So wollen wir von unseren Freunden so lernen. Gemeinsam Erkenntnis gewinnen und  an unserer eigenen Aufklärung 2.0 arbeiten.
🙂 Indoktrination und Religionisierung mögen und machen wir nicht, denn wir sind keine Missionare!

FRIEDEN ist für uns ganz einfach die zentrale Metapher für die erforderliche Veränderung, denn Frieden betrifft uns dreifach: Jeden einzelnen ganz persönlich in sich; in unseren Beziehungen zu der Welt, in der wir leben und so auch zu unserer Umwelt; und natürlich auch im Verhältnis individuell zwischen Menschen wie kollektiv zwischen Völkern und Gemeinschaften aller Art unserer wunderbaren Welt.

Und ohne FRIEDEN ist glückliches Leben in Zufriedenheit nicht vorstellbar.

Das Projekt FRIEDEN ist mir persönlich sehr wichtig und hat für mich ab sofort Priorität. Es soll das letzte große Projekt meines Lebens werden, so will ich es in den nächsten Jahren zu meinem zentralen Thema machen. Damit mir dies gelingt ist mir Eure, die Teilnahme meiner Freunde, sehr wichtig.

Trotzdem soll der Donnerstag Abend zuerst mal ein Treffen von eben „den freundlichen Menschen“ unserer Welt in großer FREUDE werden und uns allen viel Mut und Vertrauen geben! Jolly und ich sind uns sicher, dass dies gemeinsam mit Euch exzellent gelingen wird. Und ein paar Überraschungen wird es auch geben …

Hier noch ein Link zu 3 Artikeln in IF-Blog.de zum Thema inklusive der Einladung zur Veranstaltung. Eine kleine Bitte habe ich nur – das Kommen kurz anmelden wegen Futter&Getränke. Dies könnt Ihr als Kommentar im Blog machen oder ganz einfach per E-Mail an die InterFace AG oder gerne direkt an mich.

RMD

Hans Bonfigt
Donnerstag, der 31. Dezember 2015

Bertrand Russell und das Internet 5.0

Ein spleeniger Amerikaner besucht ein kleines deutsches Dorf, sucht den dortigen Barbier auf und verspricht diesem 100.000 Dollar, wenn er alle Bewohner des Dorfes rasiere, mit Ausnahme natürlich derer, die dies selbst tun.
Mit Freuden fängt er an und als er gerade mit der Hälfte seiner Kunden durch ist, geht ihm ein Licht auf: Wie sollte er es eigentlich mit sich selber halten ?

Um es gnadenlos abzukürzen:  Die Definition „Barbier := Jemand, der Menschen rasiert, die dies nicht selbst tun“ ist eine trickreiche Definition der Leeren Menge.  Die lustige Geschichte erwies sich in Wahrheit als der Tod der seinerzeit existenten Mengenlehre.  Das Russell’sche Paradigma machte einen Erfinder recht bekannt.

Sehr gerne zitieren Roland als „Superintendent“ dieses „Magazins“, aber auch andere Autoren den nachfolgenden, ebenfalls Bertrand Russell zugeschriebenen Satz:

„Jeder Zuwachs an Technik bedingt, wenn damit ein Zuwachs des menschlichen Glücks verbunden sein soll, einen entsprechenden Zuwachs an Weisheit“

Mit Aphorismen und Zitaten ist es wie mit Bibelsprüchen, die man aus einem beliebigen Kontext des „theologischen Selbstbedienungsladens“ ziehen kann. Nun hat Roland mein letztes Zitat dieses Aphorismus‘ wieder aufgegriffen und, Vorsicht, übelster Sozial- und sonstiger „Rassismus“, ich möchte einmal konkretisieren, warum jener meines Erachtens so wichtig ist.

Mein alter Herr war in den 70er Jahren in der Rolle eines Wirtschaftsprüfers für ein Entwicklungshilfeprojekt in Afrika tätig, wovon er seinem etwa zwölfjährigem Sohn berichtete. In Erinnerung geblieben ist mir die Schilderung, daß zehn hochmoderne Reisebusse von Büssing angeschafft und ausgeliefert worden waren, um Menschen täglich in die nächsten größeren Städte zur Arbeit zu bringen und zurück. Das ehrgeizige Projekt war gescheitert aufgrund „mangelnder Akzeptanz der Einheimischen“. Auch mein Vater hatte es mit Russell, insbesondere mit dessen Satz, „Wenn sich Experten einig sind, ist größte Vorsicht geboten“ und suchte die eigens ausgebildeten Busfahrer auf. Die führten aus, daß die Busse schon sehr schön seien, aber immer „kaputt“ gingen.

Und da forschte er einmal nach: Bei Bus 1 war die Batterie leer, bei Bus 2 lag eine Bagatelle mit der Druckluftbremse vor, Bus 3 war zwar vollgetankt, aber wohl zwischendurch leergefahren worden, so daß die Kraftstoffleitung hätte entlüftet werden müssen, Bus 4 hatte einen defekten Kühlwasserthermostaten und die Busse 5 bis 10 „litten“ an ähnlichen Kleinigkeiten. Während seiner Lehrzeit hatte mein Vater oft LKWs gefahren und so war es eine Sache von wenigen Minuten, bis er den ersten Schraubenschlüssel in der Hand hatte und die Busse einen nach dem anderen wieder in Betrieb nahm. Dennoch konnte mein Vater keine Erfolgsgeschichte mit nach Hause bringen: Zwei Tage fuhren die Busse wieder, aber dann kehrte wieder „Normalität“ ein in Form von Bagatellausfällen, mit denen das lokale Team völlig überfordert war.

„Die moderne Technik ist dort hinten einfach noch nicht angekommen, Du kannst denen nicht erklären, was Elektrizität ist. Und es war blödsinnig, die modernsten verfügbaren Busse zu nehmen. Es hätten viel einfachere, robustere Modelle sein müssen. Ohne hydrodynamische Getriebe, ohne Servolenkung. So wird das nie etwas“.

Mein alter Herr wird wohl recht gehabt haben.

Mittlerweile gibt es Heinrich Büssings Nutzfahrzeugfabrik nicht mehr, aber in jedem „Smartphone“ steckt mehr Komplexität als in allen zehn Bussen zusammen! Und spätestens ab sechs braucht man eines, es heißt ja schließlich „Eifon 6“. Wenn es ein „Eifon 5“ ist, darf man sicher sein, daß das arme Kind in der Schule „gemobbt“ wird.

Wenn uns früher als Kindern das Fahrrad kaputt ging, dann reparierten wir es. Ein „Eifon“ muß bei der geringsten Macke in die Spezialwerkstatt, wo es in aller Regel gegen ein neues Modell ausgetauscht wird. Was hätten wir früher jemandem den Vogel gezeigt, der uns gesagt hätte, „wenn Euer Scheinwerferbirnchen durchgebrannt ist, dann braucht Ihr ein neues Fahrrad!“ — bei einem Eifon kann man nicht einmal mehr den Akku wechseln. Also: Ich bleibe dabei: Wer sich so ein Ding als erwachsener Mensch kauft, hat nicht mehr alle Latten am Zaun.

Natürlich haben wir früher den Polizeifunk abgehört, indem wir unsere Radiogeräte, welche schon für den internationalen Markt ausgelegt waren, ein wenig umjustierten. Wir nannten die Geräte auch nicht „Radio“, sondern „Superhet“, weil wir wußten, daß der drinsitzende Tuner nach dem Überlagerungsprinzip arbeitete, weil eine feste Zwischenfrequenz mit besserer Selektivität herausgefiltert werden konnte.

Ja, wir hatten eine Beziehung zu den Geräten und wuchsen mit ihnen. Es war ein Freudentag, als unsere Familie ein größeres „SABA Lindau“ – Radiogerät bekam, das man sich nicht „mal eben so“ kaufen konnte, sondern für das mein Vater lange und hart gearbeitet hatte. Dieses Gerät repräsentierte schon „Spitzentechnologie“ in Form eines „Integrierten Schaltkreises“, nämlich einer Röhre des Typs EABC80:

„Das gute alte Dampfradio“ war schon komplizierter als man sich gemeinhin vorstellen konnte, aber das Prinzip kannte jeder. Das Radiogerät hat seinen Dienst mehr als 30 Jahre zur besten Zufriedenheit erledigt. Ein Eifon hält maximal zwei Jahre.

Mit dem „Dampfradio“ aber gab es bereits in der Kommunikationstechnik die tollsten Möglichkeiten, die später dazu beitrugen, einen Kanal mehrfach zu nutzen, beispielsweise die Einseitenbandmodulation.

Wenn wir von moderner Internetkommunikation reden, dann ist diese das Ergebnis einer fieberhaften, internationalen und koordinierten Suche nach der „Mehrfachnutzung“ von Leitungen. Diese ist keineswegs selbstverständlich! Wenn wir vor 30 Jahren von Hamburg nach München telephonierten, dann war eine physikalische Drahtverbindung, sogar vierfach, über die gesamte Strecke durchgeschaltet und diente exklusiv den beiden Gesprächspartnern. Nun stelle man sich den Aufwand vor, man müßte jeden Internetcomputer mit jedem verbinden!

Also ersann man nicht nur unterschiedlichste Modulationsverfahren, welche typischerweise nicht nur die Amplitude, sondern zusätzlich auch die Phasenlage des Trägers beeinflußten und damit deutlich effektiver wurden, sondern man teilte Kanäle in Zeitschlitze auf („TDMA“) oder versuchte einen Kanal durch ‚chaotisches‘ Trial-and-Error‘ mehrfach zu nutzen („CSMA/CD“). Einen gigantischen Durchbruch unterdessen erzielte die Einführung einer „paketorientierten“ Übertragung, deren weitaus bekannteste Variante schon vor einem Vierteljahrhundert „IP“ hieß, und dreimal dürfen Sie raten, liebe Leser, wofür das „I“ steht.  Mit „IP“ war es erstmals möglich, von jedem Endgerät jeden Dienst eines jeden Systems zu nutzen.

Wer heute von einer „innovativen CLOUD-Lösung“ spricht, ist ein dummer Schwätzer, der die Grundlagen des Phänomens „Internet“ nachhaltig nicht verstanden hat. Denn der innovative, proaktive Dummschwätzer verfügt zwar über Spitzentechnik in seiner Hemdtasche, aber sein Verstand ist nicht annähernd mitgewachsen. Denn sonst wüßte er, daß unzählige Unternehmen und Institutionen seit Jahrzehnten „Cloud-Technologie“ wie selbstverständlich nutzen.

Wie weit Unverständnis und fast schon perfide zu nennende Borniertheit gehen, zeigt in kaum zu übertreffender Dreistigkeit „Telekom“ – Chef Höttges, welcher von Google, Amazon und anderen „Volumenanbietern“ eine „Mautgebühr“ verlangt, mit der im Wortsinn perversen Begündung, „Die benutzen unsere Leitungen und wir bekommen dafür keinen Pfennig“. Als ob Google von sich aus etwas schicken würde, was der zahlende, und zwar an die „Telekom“ zahlende, Endkunde nicht abrufen würde! Und ja, der Kunde ruft auch die Werbung ab, die Google nicht „mitschickt“, sondern die der Browser des „Telekom“-Kunden dynamisch nachlädt.

Die komplette Gurkentruppe „Telekom“ ist ein erschreckender Beweis dafür, was passiert, wenn Russels Satz konsequent nicht beachtet wird.

 

Der „Zuwachs an Weisheit“ darf aber keineswegs reduziert werden auf „Zuwachs an technischem Verständnis“.

Speziell in der DDR gab es richtige „Röhrenkünstler“, die theoretisch und praktisch allerbestens ausgebildet waren, sei es „offiziell“ oder in privater Arbeit. Was der typische „Zoni“ aber nie kennengelernt hatte, war Demokratie.

Nach der unglückseligen „Wiedervereinigung“ bekam der Zoni, qua 1:1 – Umtausch, alles gratis: Bananen, Cola, Farbfernseher und Beate Uhse. „Westautos“ vor allen Dingen. Eine eingereiste DDR-Familie, der ich einen prima Farbfernseher geschenkt hatte, beschwerte sich bei Bekannten über mich, „Er hat uns ein Gerät gegeben, mit dem wir nicht einmal RTL gucken können“. Genau diese Familie „engagiert“ sich mittlerweile in der „NPD“, das Oberhaupt befindet sich seit Jahren, wer hätte das gedacht, „in einer beruflichen Umorientierungsphase“.

Kann man es verübeln? Es wurde ein tolles Schlaraffenland versprochen, „blühende Landschaften“, Wohlstand für alle und Friede, Freude, Eierkuchen. Stattdessen sollte man auch hier arbeiten müssen? Nett zu Kunden sein? Und diesen verdammten „Briketts“ und „Fidschis“, die man schon zu DDR-Zeiten schon so gehaßt hatte, gesellten sich jetzt auch noch Asylanten zur Seite? Das konnte nicht sein – und so kam es, daß die ersten Flüchtlingsunterkünfte brannten. Als ich im Fernsehen etwa 1990 die Hoyerswerda-Bilder sah, habe ich geheult.

Mittlerweile haben unsere „Brüder und Schwestern“ größtenteils einen luxuriösen Internetanschluß mit einem Durchsatz zwischen 6.000 und 25.000 MBit/s. Und unsere Bundesregierung möchte noch weit mehr. Da darf ich doch ‚mal fragen, unter Zugrundelegung der Prämisse, „Jeder Zuwachs an Technik bedingt, wenn damit ein Zuwachs des menschlichen Glücks verbunden sein soll, einen entsprechenden Zuwachs an Weisheit“, worin besteht denn verdammt nochmal der Zuwachs an menschlichem Glück, wenn der demokratiefeindliche Pöbel über „Facebook“ die allerübelste Hetze auskippt ?

Technik, Wissen um Technik und Wissen um die mit der Nutzung von Technik einhergehenden Verantwortung müssen miteinander wachsen. Am Beispiel der unsäglichen „Bundeskanzlerin“ können wir sehen: Die Demokratie ist einfach noch nicht in der ehemaligen DDR und unter deren Bürgern angekommen. Wie sonst könnte sich beispielsweise Merkel entblöden, im Falle „Bin Laden“ der amerikanischen Regierung „für die gelungene Aktion“, i.e. den Mord eines mutmaßlichen Attentäters ohne Gerichtsverhandlung, zu gratulieren? Im Namen der Bundesregierung?

Wenn „Facebook“-Abschaum aus den „neuen Bundesländern“ das Bild eines ertrunkenen Kleinkindes mit „Wir Feiern!“ kommentiert, dann ist das eklig, aber weder verwunderlich noch strafbar – es wird ja keiner gezwungen, sich einzuschreiben in diese Asozialensuhle. Wenn Merkel öffentlich Gewaltverbrechen billigt, dann ist das knallhart strafbar.

Zusammenfassend: Weder kann ein großer Teil der DDR-Bevölkerung mit dem Internet umgehen — noch ist die „Kanzlerin“ in der Lage, ein Mobiltelephon verantwortungsvoll zu nutzen.

Leider viel zu früh verstarb der von mir hochgeschätzte Fuldaer Erzbischof Johannes Dyba. Viele sahen in Walter Mixa einen Nachfolger, was Dyba nicht annähernd gerecht wird:  Es ist nicht so, daß jener Protz und Prunk gehaßt hätte – er hatte ihn einfach nicht nötig, denn er glich durch scharfen Intellekt, charismatische Persönlichkeit, Integrität und brillante, geradezu lustvolle Rhetorik aus.  Aus dem Spiegel, der „Pressestelle des Teufels“, zitiere ich ihn einmal:

„Der Werteverfall hat seinen Preis: Früher dauerte ein Flug nach London mit einer Propellermaschine zwei Stunden. Heute dauert die Reise mit all den Sicherheitsmaßnahmen, trotz Düsenjet, eine halbe Stunde länger. Warum? Weil das moralische Tabu gefallen ist, daß Flugzeuge nicht entführt werden dürfen. Unser ganzes System geht in die Brüche, weil ganz selbstverständliche Tugenden, die aus dem Glauben und aus der christlichen Nächstenliebe erwuchsen, aufgegeben wurden.“

Als Agnostiker möchte ich anmerken, daß diese „selbstverständlichen Tugenden“ vor allem ein Axiom unserer ehemals freiheitlichen Demokratie sind, siehe Artikel 2 Grundgesetz.

Man kann zu Silvio Berlusconi unterschiedlicher Auffassung sein, aber ganz sicher wird ihm keiner unterstellen, jener könnte Dinge nicht konzis und pointiert auf den Punkt bringen: Ob es seinerzeit die paßgenaue Charakterisierung des unsäglich peinlichen Martin Schulz war, ob es um eine kurze, charmante Bezeichnung für die „Bundeskanzlerin“ ging oder um die „Errungenschaften“ der Islamisten:  Berlusconi traf den Punkt. Ich war mit meiner Frau vor einigen Jahren auf der Durchreise in Bologna, als ich den „Cavalliere“ im Hotelfoyer auf einem RAI – Kanal vom Leder ziehen hörte (bitte keine Korrektheit erwarten, schon gar keine politische – mein Italienisch ist arg eingerostet – also: sinngemäß):

„Was hätte denn der Islam jemals geleistet, was die Menschheit vorangebracht hätte? Kennen Sie irgendeine Erfindung, irgendein Produkt, das unser Leben bereichern würde? Ganz im Gegenteil, Islamisten benutzen Technik und Wissenschaft, um andere zu schädigen, um Leben zu vernichten und Staaten zu erpressen. Zudem können Sie die ganze Rückständigkeit der islamischen Staaten daran erkennen, wie erniedrigend Frauen dort behandelt werden“.

Das mag zwar jetzt bei Claudia Roth, Renate Künast und anderen Schönheiten keinen Anklang finden, aber vielleicht gerade deswegen möchte ich diese sinngemäß wiedergegebene Äußerung ergänzen: Die einzige Innovation, die Islamisten dem Internet „geschenkt“ haben, ist das Enthauptungsvideo.

Und jetzt eröffnet der Kongress des „Chaos Computer Clubs“ mit einer „Keynote“, in der „mehr Internet für Flüchtlinge“ gefordert wird.  Und wieder unter Zugrundelegung des Russel’schen Satzes frage ich mich, ob das nicht das genaue Gegenteil des Beabsichtigten bewirkt: Denn bisher haben viele „Flüchtlinge“ Technik nicht gerade so gebraucht, daß damit „ein Zuwachs menschlichen Glücks“ erreicht worden wäre:

  • die eigenen Schicksalsgenossen werden mit Fahrplanauskünften aus den „Windows“-basierten DB-Automaten, welche einer echten Fahrkarte täuschend ähnlich sehen, um ihr Geld betrogen
  • Züge werden mit der Notbremse angehalten, mehrfach pro Fahrt, wodurch Mitreisende und nachfolgende Züge in Gefahr gebracht werden
  • Unter Vorlage falscher oder gefälschter Dokumente werden Verträge mit Internetprovidern geschlossen, erhebliche Schäden enstehen
  • Der Münchner Marienplatz wird blockiert aus Protest gegen eine etwas einsamere Unterkunft, unendliche 900 Meter von der nächsten Siedlung entfernt und kein Internet!!!
  • Beim „Kampf“ um eine freie Steckdose schlägt man sich mit Eisenstangen, die aus demolierten Betten „gewonnen“ wurden, die Köpfe ein

Die Liste ließe sich ziemlich lang und fies fortsetzen, aber ich möchte hier keine „Hetzseite“ gegen Asylanten einrichten.

Aber ich finde es auch hier notwendig, aus Russell zu lernen: Wir müsssen die Menschen, die hierhin kommen, zunächst einmal mit dem Notwendigsten versorgen, Essen, medizinischer Versorgung, gewaltfreier Unterkunft, Teilnahme, Zitat Sina Trinkwalder, „Teilnahme am gesellschaftlichen Leben durch Arbeit“. Das kann nicht in Ballungszentren wie in Berlin oder in Hamburg klappen, sondern beispielsweise auf dem Land – wo auch Landwirtschft betrieben wird.

Einen Internetanschluß oder ein „Smartphone“ braucht man dazu erst einmal nicht.

 

Wir müssen, sowohl geistig als auch vom technischen Verständnis her, genau so schnell wachsen wie unsere Technologien.

Nicht mehr, aber verdammt nochmal auch nicht weniger.

hb