Klaus Hnilica
Samstag, der 28. Oktober 2017

Rumpelstilzchen versagt – ein Bericht aus der realen Märchenwelt

Wissen Sie – ich hab’ als Kind schon das Rumpelstilzchen geliebt! Das war so spannend, wie es da im finsteren Wald vor einem Feuerchen tanzte – und „ach wie gut, dass niemand weiß, dass ich Rumpelstilzchen heiß“, geträllert hat! So aufregend war das, dass ich gar keine Worte dafür finde…

Ja und auch wie es dann schon ein paar Sätze weiter in der Geschichte sich vor der Königstochter zerrissen hat – herrlich! Welch eine Konsequenz und Tapferkeit – sich einfach so zu zerreißen! Ich hab’ dieses eindringliche Bild immer in mir getragen!

Und nun die Ernüchterung! Diese unappetitliche „Rumpelstilzchenaffäre“! Sie haben das sicher auch in der Presse gelesen: es geht da um eine Affäre zwischen dem europäischen Hochadel und einem deutschen Müller!

Königs und Müllers sollen zusammen ein übles Ding gedreht haben bei dem es um viel Geld geht!

Europäisches Geld – versteht sich!

Und zwar soll der besagte Müller – genauer ein gewisser ‚Soja-Müller’ – mit dem weltgrößten Sojamehl Versandhaus im Rücken,  zusammen mit einem höchst respektablen europäischen Königshaus versucht haben – aus Stroh Gold zu machen!

Und das obwohl er, der Müller, gar kein Stroh hat, sondern nur ‚Sojakuchen’! Also praktisch nur den Abfall aus der Sojamehlherstellung – aber kein Stroh!

Dabei hätte es für Stroh aus dem Landwirtschaftsfond der Europäischen Kommission ordentlich Subventionen gegeben, aber nicht für Kuchen, also ‚Sojakuchen’, versteht sich!

Für die Aktien des Sojamehl Versandhauses war das natürlich nicht gut! Ja sogar eine regelrechte Katastrophe! Schließlich sind Aktien auch nur Menschen, d. h. hinter ihnen verstecken sich Menschen.

Menschen mit all ihren Stärken und Schwächen! Genau wie bei des Müllers Töchterchen Annegret, die schon seit jeher eine Riesenschwäche für alles Königliche hatte.

Insbesondere seit dem letzten ‚Opernball in Wien’, wo sie mit einem ganz süßen Jungkönig Linkswalzer getanzt hat, Linkswalzer bis sie schwindlig wurde – und  in die blaublütigen Arme des Jungkönigs gesunken ist.

Arme, die sie wegen des niedrigen Aktienkurses, dann auch umgehend vor den Traualtar geleitet haben. Kein Wunder, dass dadurch nicht nur die Liebe dieser beiden Turteltäubchen hochschnellte, sondern auch die Aktienwerte des ‚Sojamehl Versandhauses’! Und wie die hochschnellten!!

Klar, dass dies ein Raunen in der Welt der finanzstarken Oligarchen auslöste und schon nach wenigen Tagen ein so genanntes ‚Rumpelstilzchen’ auf den Plan rief; eines von dem niemand wusste wer es war und woher es kam und wie es wirklich hieß?

Doch emsig wie es war, dieses ‚rumpelnde Stilzchen’, hatte es im Handumdrehen mit den Stimmen Rumäniens, Bulgariens und des frisch vermählten Königreiches bei der Europäischen Kommission eine Mehrheit dafür erreicht, dass ‚Sojakuchen’ zukünftig als Stroh deklariert werden darf und somit durch EU – Gelder vergoldet wird!

Unglaublich was so ein Rumpelstilzchen alles kann, und gut dass niemand weiß wie es wirklich heißt…

Dass bei diesem ‚Deal’ auch der österreichische Rum-Hersteller namens ‚Stroh’, mit einer größeren Liefermenge seines 85%-tigen ‚Stroh-Rums’ an den EU – Ratspräsident Junker, als solch ein Rumpelstilzchen fungiert haben soll, ist allerdings eine dieser hässlichen „Fake News“ aus Russland, die einzig und allein dazu dienen, die Europäische Union zu destabilisieren!

Was ja bei Putin niemand mehr überrascht!

Genau so wenig, wie die Meldung, dass die frisch vermählte ‚Sojamehl Königin’ angeblich durch dieses plötzlich aufgetauchte Rumpelstilzchen geschwängert worden sei – und nicht durch den europäischen Hochadel?

Was für eine weitere bodenlose Verleumdung! Nicht einmal ihren feschen Pilates Trainer haben diese lausigen russischen Hacker bei ihrer Desinformationskampagne der jungen Königin zugestanden. Das ist wirklich zum Junge kriegen!

Was ja auch prompt passiert ist.

Immerhin erklärt diese üble Schwangerschaftsverleumdung, warum Rumpelstilzchen unbedingt das neugeborene Kind der jungen Königin an sich reißen wollte? Natürlich weil es einen Vaterschaftstest verhindern wollte, und überhaupt nicht heiß drauf war, für sein segensreiches Tun, auch noch ein  Rumpelstilzchenleben lang Alimente zu zahlen! Klaro!!

Ähnlich ging es der Königin, die ihrerseits ihr Neugeborenes auch ohne jeden Vaterschaftsnachweis behalten wollte! Und das per Twitter sogar postwendend, samt ihren 10 Millionen Followers, dem Rumpelstilzchen unter die lange Nase rieb!

Hätte sie lieber nicht tun sollen! Die königliche Hoheit! Dieses Herumtwittern! Denn der amerikanische Geheimdienst hat mitgelesen, und ebenso postwendend dem angeblichen russischen Rumpelstilzchen wegen versuchten Raubes eines Königskindes mit einer Klage vor dem Europäischen Gerichtshof gedroht…

Nicht glaubwürdig – und für mich persönlich auch sehr, sehr enttäuschend ist allerdings – dass sich daraufhin dieses unbekannte Rumpelstilzchen angeblich wutentbrannt zerrissen haben soll! Genau wie seinerzeit im Märchen!!

Und das vor den blauen Augen der sojamehligen Königin, die von ihrem Kind nicht lassen wollte! Schrecklich – nicht wahr? Sich einfach so durchzureißen! Der Länge nach – von unten nach oben! Grauslich!

Wo man doch heute nach fast 300 Jahren kultureller Weiterentwicklung so etwas viel eleganter mit einem Sprengstoffgürtel aus dem Internet erledigen kann!

In den Medien wär das auch viel besser rüber gekommen!

Und jeder von uns hätte nach der Selbstsprengung des Rumpelstilzchens vor der Königin, dieses schreckliche Geschehen bestimmt zeitnah über sein Smartphon von irgendeiner Videoüberwachungskamera herunterladen können – d. h. wir wären alle dabei gewesen – ganz Europa wär dabei gewesen!

Auch die übliche stereotype Verurteilung dieser feigen und abscheuenswürdigen Tat durch die Politik hätte viel mehr Bürgerinnen und Bürger erreicht – als dieses stille, egomanische ‚Sich – Selbst – Zerreißen’ des Rumpelstilzchens!

Zu dem sich nicht einmal der IS bekannt hat!

Schade ist das! Schade, dass Rumpelstilzchen so versagt hat! Von so einer Sprengung hätten doch alle etwas gehabt? Auch Sie, Sie und Sie! Ja wir alle. Europa wär durch diese Selbstsprengung echt zusammengesprengt worden! Endlich wäre zusammengesprengt worden –  was zusammen gehört! Schade, wirklich schade…

KH

PS: Das herrliche Poster ist von Meike Schwagmann aus der Autorengruppe ‚ZwanzigZehn‘

Klaus Hnilica
Donnerstag, der 26. November 2015

Die Lawine oder die unschickliche Abkehr von der Hydraulik

Carl und Gerlinde (Folge 46)

Typisch! Immer wenn Carl Zuspruch benötigte, war niemand daheim. Nach einem erwartungsvollen Hallo drückte er daher missmutig die Haustür zu.

ZZZZZimg213Auf der Ablage in der Diele klebte immerhin eine Notiz:
‚Sortiere Winterklamotten in der Bürgerhalle. Komm doch nach! Wird spät. Küsschen Gerlinde’.

Hm-Mist! Statt einem freundlich aufgehellten Gesicht drängte nur die übliche Novemberschwärze vom Garten ins Wohnzimmer. Das letzte Stück Himmel verkrümelte sich schamrot hinter der gelben Tamariske. Mehr Himmel war auch nicht nötig, den brauchte Carl jetzt wirklich nicht. Eher schon das Fegefeuer oder die Hölle…

Noch in der Diele fiel ihm die Tasche aus der Hand. Den Trenchcoat und die Schuhe pfefferte er verdrießlich in Richtung Kleiderablage.

Scheißtag, stöhnte er zum dritten Mal und langte automatisch nach der Brandy-Flasche! ‚Carlos I’! Angewidert fischte er sich ein Glas über der Hausbar und warf sich ächzend auf die Wohnzimmercouch. Teilnahmslos starrte er auf sein Spiegelbild in der nachtschwarzen Scheibe der Terrassentür. Beim ersten ‚Carlos’ prostete er sich noch zu.

Beim zweiten ärgerte er sich bereits wieder, dass sein verdammtes Kleinhirn immer noch um das Gesabber der Konzernleitung in der heutigen Besprechung kreiste und auch nicht von dem Beruhigungsgelaber der ‚regierenden Märchentante’ los kam, die durch ihr beharrliches ‚Wir schaffen das – Wir schaffen das – Wir schaffen das’, unbeirrt den schon seit zehn Jahren andauernden Tiefschlaf in ihrem Reich weiter aufrecht zu erhalten versuchte.

Ja – vermutlich war sie sogar selbst das ‚Dornröschen‘!

Was aber nicht einmal der ehrgeizige Prinz Seehofer im flüchtlingsüberfluteten Bayern wusste: denn sonst wäre der niemals so enttäuscht gewesen, dass sie überhaupt nicht aufwachen wollte und nichts mitbekam, was ringsum in ihrem Reich geschah.

Dabei hatte er sich so bemüht und sie ganze zwanzig Minuten vor dem gesamten bayrischen Hofstaat neben sich stehen lassen, um allen zu zeigen, dass sie sehr gut durchhielt, wenn er das Kommando übernahm und regierte und sie stehend neben ihm  weiterschlafen konnte – wie bisher…

Und wahrscheinlich wäre Carl nach dem vierten ‚Carlos’ auch entschlummert, wenn er nicht versehentlich mit der rechten Hand auf die Fernbedienung seines Fernsehers getappt wäre und mit einem Mal einen aufgeregten Fernsehmoderater vor sich gehabt hätte, der ziemlich böse auf einen abwesenden Schäuble eindrosch, weil dieser völlig unschicklich aus der ‚hydraulischen Kollektivsymbolik’ der Bundespolitik bei der Beschreibung des Flüchtlingsthemas ausgebrochen war.

Und der – ach wie schlimm, auf einer vom Moderator kurz eingeblendeten Veranstaltung, den überbordenden Flüchtlingszuzug nach Deutschland mit einer ‚Lawine’ verglich, die ein unvorsichtiger Schifahrer an einem Steilhang ausgelöst haben könnte, indem er unbedacht etwas Schnee bewegt hatte: eine Lawine, von der im Moment niemand wusste, ob sie bereits im Tal war oder erst im oberen Drittel des Hanges.

Schlimm sei das! Menschenunwürdig und katastrophisch sei dieses missratene Bild, so der auf Mainstream gebürstete Moderator! Und total schief sei dieser Vergleich! Schließlich sei die Kanzlerin – ganz im Gegensatz zu dem ehemaligen Alpinisten Schäuble – noch nie alpin in Erscheinung getreten, sondern ausschließlich als Langläuferin und da nur in Niederungen!

Übel, so der Moderator, sei dieser vollkommen unerwartete lawinöse Ausbruch des Finanzministers, aus der von allen Parteien und Medien akzeptierten ‚hydraulischen Kollektivsymbolik’!

Und was das zu bedeuten habe, fragte er, dass Schäuble dies ausgerechnet zu einem Zeitpunkt inszeniere, wo die Kanzlerin spürbar in der Bevölkerung und Partei an Zustimmung verliere? Rüttle da jemand nachhaltig an ihrer Richtlinienkompetenz? Zeigten sich da nicht nur zwischen CSU und CDU tiefe Risse, sondern selbst schon innerhalb der CDU? Ja sogar in der großen Koalition?

Was sei da los? fragt der Moderator offensichtlich nicht nur sich selbst, sondern auch in Richtung Carl, der aber statt einer Antwort mit einer Gegenfrage konterte: Nämlich mit der Frage, ob er, der superkluge Herr Moderator wisse, wie viel Gläschen Brandy er, Carl, schon intus habe: waren das nun vier, fünf, sechs oder sieben? Denn er selbst wisse das nicht mehr.

Dabei sei die Beantwortung dieser Frage für ihn viel wichtiger, so Carl zum Moderator auf dem Bildschirm, als der ganze Lawinenzauber! Denn diese Antwort entscheide letztlich, ob er, Carl, es wagen konnte, jetzt noch in die Bürgerhalle zu gehen und vor die strengen Augen seiner ‚Winterklamotten sortierenden Gerlinde’ zu treten, um vielleicht endlich auch etwas Konkretes für die Flüchtlinge zutun.

Oder aber, ob er Gesichts wahrend lieber daheim bleiben und nichts Praktisches tun sollte? Dafür aber morgen, wenn er wieder nüchtern war, wie bisher eine Lösung nach der anderen klugscheißerisch in die Welt posaunen sollte – zu diesem schwierigen hydraulischen Flüchtlinsthema, das plötzlich von der Politik auch lawinös angegangen wurde…

Hm – wahrlich eine schwierige Entscheidung, sagte sich Carl, die auf keinen Fall vor dem nächsten ‚Carlos’ entschieden werden sollte. Oder?

KH

Klaus Hnilica
Donnerstag, der 29. Oktober 2015

Halloween in Wien oder das Hardwareproblem der Vampire…

Ein Gespräch mit drüben…
WienaktuellfotoNatürlich ist Gottlieb Bissinger auch in der Halloween Nacht in Wien unterwegs! Um drei Uhr morgens landet er aber ziemlich verstört auf einem völlig verwahrlosten Vorortebahnhof. Seltsame Gestalten hängen da herum. Ob er um diese Zeit noch einen Zug nach St. Pölten bekommt weiß er noch gar nicht. Bisher konnte er weder die Bahnsteige noch einen Fahrkartenschalter ausfindig machen. In seiner Ratlosigkeit wählt er wie üblich Mamas Telefonnummer – und die Verbindung nach drüben klappt sogar:

• Hallo Mama! Ich bin’s der Gottlieb! Schön, dass ich dich noch erreich’. Aber wo du bist schlaft man ja eh nimmer, oder?

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• Na ja – du weißt ja wie’s mit meiner Schlaferei steht? Ich schlaf ja erst um drei in der Früh so richtig weg! Die Elfi ärgert das immer, wenn ich bis drei in der Früh an ihr herumknabbern will…

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• Die Elfi? Wer das ist? Das ist meine Neue aus St. Pölten!

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• Na – Mama, die Elfi ist keine von uns.

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• Der Elfi ihre Eltern sind echte ‚No Vamp People’: stink fade Salatfresser, mit Null Bock auf irgendeine Gaudi – und jeden Abend vor der Glotze. Und um Mitternacht liegen die natürlich im Bett und sind nicht so wie unsereiner noch auf einen Blutlutscher unterwegs…

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• Genau Mama – statt ein paar geschmackige Schluckerl Blut, süffelt ihr alter Herr vor der Glotze ununterbrochen Bier – ‚Schwechater’!

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• Na Mama, du brauchst dir da drüben wirklich keine Sorgen um mich machen, das sind ganz ordentliche Leute! Genau wie man sie so kennt, die ‚No Vamp People’: freundlich, sauber, phantasielos – und unheimlich fleißig. Du die ‚hackeln’ wirklich von der Früh bis in die Nacht…

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• Wie? Na – das kann man so nicht sagen, Mama! Da diese ‚No Vamps’ die ganze Nacht durchschlafen, wissen die tagsüber wirklich nicht wo sie mit ihrer Energie hinsollen! Und dann ‚hackeln’ sie halt wie die Deppen! Nicht so wie unsereiner der tagsüber gern ein bisschen durchhängt! Überhaupt wenn man wieder so einen ‚Blutbatzen’ mit schlechtem Cholesterin erwischt hat.

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• Mama! Dieses LDL Cholesterin ist wirklich schlimm! Du glaubst gar nicht wie dir von so einer ‚LDL – Bombe’ am nächsten Tag die Birne weh tut. Am liebsten möchtest du deinen Schädel abschrauben, in die Ecke legen und fortgehen! Echt! Diese jungen ausgefressenen ‚Madln’ wissen gar nicht, was sie uns armen Vampiren antun mit ihrem blöden ‚Fast Food Fraß’ und ihren wahnsinnigen Cholesterinwerten…

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• Ja – du hast vollkommen Recht, Mama! Eigentlich ist das eine Schädigung der Vampirvolksgesundheit, was die bei Mc Donalds mit ihrem Fast Food jeden Tag machen! Denen müsste man echt die Gesundheitsbehörde auf den Hals hetzen!

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• Aber komm Mama, das ist doch lächerlich! Du kannst dich ja sicher noch erinnern, was in Österreich mit so einer Anzeige passiert? Die wird doch sofort von ‚oben’ kassiert! Wer kümmert sich denn in Wien schon um ein paar ‚Blutlutscher’? Wahrscheinlich müssten wir auch erst in verrosteten ‚Schinackln’ über den Neusiedlersee schippern und uns ins Wasser schmeißen, dass die da ‚oben’ aufwachen…

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• Entschuldige Mama – du hast Recht, das war jetzt echt daneben! Ich geb’s zu und behaupte das Gegenteil! Aber ich bin halt unheimlich aufgeladen…

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• Warum geladen? Du – als Vampir hast du doch heute jede Menge Probleme, die noch viel schlimmer sind als dieses blöde Cholesterin! Was glaubst du Mama, was uns zum Beispiel diese beschissenen Kabel zu schaffen machen, die den jungen Leuten praktisch Tag und Nacht aus den ‚Ohrwascheln’ hängen, nur weil die ununterbrochen mit ihren Smartphones in irgendeiner App herumgurken oder sich ihr Hirn mit Popmusik zudröhnen…

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• Naa! Diese Kabel kennst du gar nicht, Mama! Die hat es vor ein paar Jahren überhaupt noch nicht so gegeben…

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• Wieso diese Kabel schlimm sind Mama? Das ist doch klar – du kannst doch praktisch in keinen Hals mehr beißen, ohne dass du diese blöden Kabel zwischen die Zähne kriegst!

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• Du sagst es Mama – mit unseren langen Eckzähnen verheddern wir uns doch ständig! Wenn dann diese nervösen Dinger beim Beißen noch dauernd herumwackeln, dann wickelt sich dieser Kabelkram wie ein Lasso um unsere Eckzähne und wir sind praktisch gefangen! Weißt du wie blöd das ist?

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• Na – Mama das nicht, aber wenn man wegrennt, reißt man den angebissenen ‚Madln’ fast jedes mal die Kopfhörerstöpsel aus den ‚Ohrwascheln’ und die Smartphones aus der Hand…

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• Du bist ‚leiwand’ Mama, was glaubst du was da los ist? Diese jungen ‚Gfrieser’ plärren sich doch einen ab, als würden sie abgestochen! Selbst wenn du denen schon ein Liter Blut rausgelutscht hast! Du die werden einfach nicht mehr müd’, Mama! Die sind alle bis oben hin mit ‚Red Bull’ abgefüllt!

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• Naaa – das Beißen an sich macht den meisten Madln nicht so viel aus! Außer man versaut ihnen das T-Shirt! Aber schlimm ist halt, wenn sie nicht mehr ‚online’ sind, das ist die eigentliche Katastrophe!

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• Genau – aber wenn du halt bei jedem Zubeißen mehr Kabel als Blut in der Goschen hast, dann brauchst du dich nicht wundern, wenn so was passiert.

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• Mama! Du hast da drüben wirklich keine Ahnung mehr, was sich bei uns abspielt! Du, wenn ich nicht bei jedem Biss, wie ein Haftlmacher aufpass’, dann filmen mich diese frechen Luder schon beim ersten Anbeißen mit ihren Smartphones und stellen mich schneller auf YOUTUBE als ich ausgelutscht und mir die Gosch abgewischt hab’! Das ist unheimlich, Mama…

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• Ja! Und du kannst dir vielleicht vorstellen wie die Elfi durchdreht, wenn sie mich dann wieder auf YOUTUBE sieht, wie ich bei einer Anderen Blut sauge? Du die holt fast jedes Mal der Herzkasperl und ich bin für den Rest der Woche gestorben…

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• Na – schön ist das nicht Mama, wirklich nicht…

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• Aber bitte fang jetzt nicht wieder damit an, dass ich daheim in Natternbach bleiben und nur an der Annerose herumbeißen hätte sollen…

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• Mama! – ich hab dir schon hundertmal gesagt, dass so eine Bauerndirn’ nichts für mich ist! Ich hab wirklich keine Lust immer nur im Kuhstall in einen stinkenden Schweißhals zu beißen – das mag ich nicht Mama, davor graust mir…

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• Aber Mama, was glaubst du, wie überirdisch im Vergleich dazu diese Ausländerinnen riechen, die da haufenweise in der Nacht auf der Kärntnerstrasse in Wien herumtanzen!

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• Ja – du da duftet’s nach allen Nationen, die du dir nur vorstellen kannst…

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• Und wenn dann so eine Japanerin oder Chinesin vor dem frisch runtergeputzten Stephansdom steht, nach oben schaut, photographiert und ihren weißen Hals reckt, dann ist das einfach himmlisch! – wenn du da zuschnappen kannst!

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• Mama – was heißt ich soll mich nicht versündigen – das ist wirklich himmlisch!

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• Du hast ja Recht Mama – die Elfi ist natürlich auch himmlisch – aber in einem ganz anderen Sinn!

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• Wieso? Na ja du die Elfi schleicht in letzter Zeit echt nur mehr wie so ein überirdisches Gespenst herum!

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• Na ja du weißt, was ich für einen gesunden Appetit auf Blut hab’! Da bin ich ganz der Papa, aber das hält nicht jede längere Zeit durch – war ja bei der Herta, meiner Vorletzten, auch nicht anders gewesen!

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• Ja schad! Die Elfi ist wirklich ein super liebes Mädchen: blutarm aber lieb!!

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• Du Mama, das kann eh sein, dass du sie heute noch kennen lernst, ich hab nämlich einen wahnsinnigen ‚Hunger’ auf Blut – hoffentlich hält sie das aus!

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• Du ich muss jetzt wirklich Schluss machen! Da schauen schon ein paar Leutchen in dieser komischen Wartehalle so seltsam! Ich fürchte, wenn ich noch lang weiterred’, dann wollen die mein Blut, Mama! Aber mach dir keine Sorgen ich pack das schon! Servus, Mama – und sei lieb zu der Elfi – sie verdient’s wirklich – Servus!

KH

PS.
Das Foto ist von Google

Roland Dürre
Freitag, der 10. April 2015

Was ist das Sein, was ist der Mensch, was bin ich?

Und was wird aus mir, wenn ich tot bin?

🙂 „Was ist das Sein?“
Das ist nicht nur eine Grundfrage der Philosophie sondern auch ein wunderschöner Song von Pigor, in dem er so richtig „heideggert“.

Pigor ist einer meiner Lieblingskabarettisten, er verpackt auf unnachahmliche Art Themen des täglichen Lebens und sogar der Philosophie in ganz besondere Lieder. Die mögen dann süßsauer und bitter sein, sie sind aber immer lustig.

Die Frage der Philosophen nach dem Sein ist das eine. Ich bin kein Philosoph. Über die Frage: „Was ist der Mensch?“, insbesondere „Was bin ich?“ oder noch verschärft „Was bleibt von mir nach meinem Tod?“ mache ich mir aber schon Gedanken. Was passiert also, wenn sozusagen im Sinne des BGB die „natürliche Person“ des Roland Dürre erlischt?

Und im Laufe meiner Jahrzehnte habe ich (für mich) eine Antwort gefunden. Zurzeit würde ich die folgendermaßen formulieren:

Ich bestehe vereinfacht betrachtet aus vier Modulen, die man schön in ein Achsenkreuz einordnen könnte. Die vier Quadranten sind mein Körper, meine Seele, mein Eigentum und das von mir Erlebte und Bewirkte.

Dabei sind Körper und Eigentum materielle und klar zu beschreibende Dinge. Nach meinem Tod bleiben sie zuerst mal von mir übrig. Meine Seele dagegen und das zusammengefasst Erlebte, Erfahrene, Gelernte und auch im Leben und vielleicht sogar nach meinem Tod von mir „Bewirkte“, das sind die immateriellen Dinge, die ich nicht so leicht formulieren kann.

Und da stellen sich natürlich weitere Fragen. Also – gehen wir es an und analysieren die vier Module!

Der Körper.

Ich beginne mit meiner sterblichen Hülle – meinem Körper. Hier bin ich mir mittlerweile ziemlich sicher, dass es mir gleichgültig ist, was mit meinem Körper nach meinem Tode passiert. Es spielt für mich keine Rolle, ob dieser (ich?) verbrannt, beerdigt, eingefroren oder für wissenschaftliche Zwecke genutzt werde. Eine Empfehlung an meine Nachkommen wäre, dass ich anonym bestattet werde, damit sie keinen unnötigen Stress (Grabpflege etc.) mit mir haben.

In meiner Jugend hätte ich gesagt, dass meine Asche irgendwo verstreut werden soll, wo ich mal glücklich war (auf einem Fussballfeld, in einem Wald oder sonst in einer schönen Gegend, durch die ich mal geradelt bin). Heute ist mir das auch nicht mehr so wichtig.

Das Eigentum.

In meinem ganzen Leben hatte ich viel Glück. So ist es mir unter anderem gelungen, ein klein wenig Reichtum zu erwerben. Im Sinne des aktuell gültigen Eigentum-Begriffes habe ich Aktien (von der InterFace AG), ein paar Immobilien und ein wenig Geld, präziser formuliert ein kleines virtuelles Guthaben bei einer „Bank“. Das freut mich sehr. Aber alles hat zwei Seiten. So gibt es jetzt so eine Art Moral oder Überich, das meint, ich solle ein Testament zu machen. Ich habe aber eine Abneigung gegen Planung und besonders Vorgaben für andere. Ist es für mich doch schon schwer genug, für mich zu denken, warum soll ich das auch noch für andere machen?

So beschränkt sich mein Empfehlung an meine „Erben“, sich über den Zuwachs ihres Vermögens aufgrund meines Verscheidens zuerst mal zu freuen und sich friedlich über die Weiterverwendung und Verteilung meines kleinen Vermögens zu einigen. Und habe dabei ein gutes Gefühl, weil ich genau das meiner Frau und meinen Kindern zu traue.

So ist auch die Frage meines Eigentums gelöst. Jetzt wird es aber komplizierter. Beginnen wir mit der Seele.

Die Seele.

Da fängt meine – für mich ganz natürliche – Inkompetenz an. Ich weiß nicht, ob ich eine Seele habe! Und ob es überhaupt Seelen gibt! Noch schlimmer, selbst wenn ich wüsste, dass ich eine Seele habe, wüsste ich nicht was das ist! Genauso kann ich aber nicht ausschließen, dass es in einem höheren Kontext – den ich nach meiner Annahme aber nie verstehen werde – so etwas wie eine Seele gibt. Glücklicherweise hat mein Freund Klaus-Jürgen Grün mir gelehrt hat, dass Angst nur im Kopf stattfindet. So habe ich keine Angst, dass meine Seele mal in der Hölle schmoren muss.

Das Thema „Seele“ ist für mich einfach unfassbar, also lege ich es zu den Akten. Aber was ist mit dem vierten Quadranten, in dem mein Erlebtes, meine Erfahrenung, mein Wissen und besonders die Wirkung steckt, die ich vielleicht entfaltet habe?

Das Erlebtes und Gewirkte.

Das ist sicher auch wieder überwiegend etwas immaterielles. In meinem langen Leben hatte ich viele Begegnungen mit Menschen. Menschen, die mir näher oder auch ferner waren. Menschen, mit denen ich mal eine kürzere Teilstrecke meines Lebens geteilt habe oder auch mit denen ich einen lange Strecke im Lebensweg gemeinsam gegangen bin. Mal intensiver, mal weniger. Es gibt eine Reihe von Menschen, mit denen mich eine starke Gemeinsamkeit verbindet.

Insgesamt kann ich nur hoffen, dass ich mehr konstruktiv als destruktiv gewirkt habe und so ein positiver Saldo herauskommt. Das wäre schön und würde mir genügen.

Hier gibt es aber auch etwas Quasi-Materielles. Das ist das, was ich geschrieben habe. Und beim Schreiben war ich wie auch in anderen Dimensionen meines Lebens eher der „expansive“ Typ. Viele Gefühle und Gedanken habe ich zum Beispiel hier im IF-Blog Preis gegeben.

Und das ist eigentlich die letzte spannende Frage in diesem Artikel:

Was soll ich mit IF-Blog machen?

Wenn ich tot bin, kann ich ja nichts mehr machen. Aber ich könnte meine Nachfolgern eine Empfehlung geben. IF-Blog abschalten? Oder weiter Laufen lassen?

🙂

RMD

Klaus Hnilica
Donnerstag, der 11. Dezember 2014

Was ist los mit Deutschland – schläft es wirklich?

Carl und Gerlinde (XXXVIII)

Als Carl morgens im Badezimmerspiegel seine zerknautschte Visage anstarrte überlegte er kurz, ob er sich gleich eine reinhauen sollte, oder erst nach dem Frühstück! Aber mit leerem Magen ging das ohnehin nicht: diese versifften Mundwinkel und die Schimmelzunge waren viel zu ekelhaft! Außerdem fürchtete er, sich jeden Moment übergeben zu müssen. Kam’s vom Magen? Oder dieser Halloween–Fratze?

ZZWerIII Die heiße Dusche brachte die Erlösung!

Der Wasserstrom über Kopf, Rücken und Gesäß wirkte wie ein belebender Stromstoß. Als dann die Brust, der Bauch und das leblose Würmchen berieselt wurden, kam auch Carls schwabbelndes Großhirn in Schwung. Ja es schlängelte sich sogar die eine oder andere Erinnerung wieder durch seine Alkohol getränkten Synapsen. Auch die stechenden Kopfschmerzen waren fortgewischt. Nur die eineinhalb Liter Pinot Grigio in Blut und Leber mussten noch ausgeschwitzt werden und die gestrigen Gesprächstiraden von Dr. Osterkorn alias Bernie und Miriam auch…

Vollkommen überraschend war dieser ‚weinselige Gedankenaustausch’ gestern Abend bei Bernies Lieblingsitaliener für Carl nicht dahergekommen: Nach dem desaströsen Einbruch der Auftragszahlen im Unterwäschebereich durch die ‚Russlandklatsche’ war natürlich sonnenklar, dass die wichtigsten Spartenleiter bei TRIGA weithin hörbare Schnellschüsse abfeuern mussten.

Carl erinnerte sich dunkel, dass Bernie so etwas Ähnliches von sich gegeben hatte und schäumte sorgfältig seine muffelnden Achselhöhlen ein – puh! das war höchste Zeit…

Letztlich war Bernie auch nur ein Getriebener! Genau wie die Geschäftsführung und der Konzernvorstand: alle mussten die geplanten Renditeziele erreichen. Ohne Rendite – keine Boni! Weder für die Geschäftsführung noch für Bernie und seinen Spartenvertriebsleiter Carl. Und für Miriam, die Verantwortliche im Bereich Unterwäsche, schon gar nicht.

Wisst ihr – wir bräuchten ein komplett neues Narrativ für unsere Unterwäsche, hatte Bernie dann spontan losgeblafft und Miriam mit brunftigen Jungstierblick zugeprostet, die skeptisch ihre Augenbrauen hochzog. Ja – wir benötigen unbedingt eine richtig umstürzlerische Idee, um die Geschichte unserer Slips, Tops und BHs neu erzählen zu können und an unsere Kunden narrativ rüberzubringen! Ja und vielleicht sollten die Tops in den nächsten Jahren doch mal wieder bis zum Nabel reichen und die Damenhöschen wieder Höschen sein, die nicht nur das Schamhaar abdecken und hinten als Pobackenteiler fungieren?

Da Carl sich gerade den Po einschäumte, als dieser Erinnerungsfetzen durch sein Großhirn wehte und mit Entsetzen an Tangahöschen für Männer dachte, ging ein derartiges Beben durch seinen lädierten Körper, dass das herabrieselnde Duschwasser – oh Schreck – krachend gegen die Duschkabine platschte…

Vielleicht hat Putin ja wirklich Recht, hatte Bernie laut vor sich hin monologisiert, wenn er seit Sommer solche ‚Höschenfragmente’ von der russischen Frau fernhält und sie zukunftsweisend wieder in Richtung einer Unterhose dirigiert, die diesen Namen auch verdient. Dass er dabei in einem Aufwasch gleich die Werteskala für das ‚Neue Russland’ nachjustiert, kann ihm eigentlich niemand verübeln! Schließlich durfte das große, stolze Russland niemals auf das jämmerliche Niveau des dekadenten Westens absinken und Idealen huldigen deren aufgegipfelte Verkörperung eine ‚Conchita Wurst’ ist! Ist doch nachvollziehbar, oder?

Und wie stellst du dir das vor, lieber Bernie? Giftete Miriam plötzlich los: sollen wir dann zukünftig auch in Unterhosen bis zum Hals herumrennen und uns unterm Kaschmirkaftan verstecken? Na dann Prost-Mahlzeit, du Putinversteher! Du willst uns doch nur ins neunzehnte Jahrhundert zurückprügeln, damit du wieder ins Russlandgeschäft kommst, oder? Wenn dem so ist, lass es mich beizeiten wissen, ich bin dann schneller weg als du ‚Indianer Jones’ aussprechen kannst!

Carl, der sich endlich bis zu den Zehen durchgeschäumt hatte, war ziemlich erstaunt gewesen, dass Miriam so temperamentvoll ihren Bernie angeraunzt hatte. Das war echt super gewesen und verdiente einen extrakräftigen Massagestrahl auf Rücken und Lenden! Herrlich – wirklich ein Genuss…

Welch eine glückliche Fügung, dass dann das Essen gekommen war, sonst hätten sich Miriam und Bernie richtiggehend ineinander verbissen, aber so konnte Bernie ersatzweise in seinen Lammbraten beißen, Miriam an der überbackenen Goldbrasse knabbern und er sein Lammgulasch in Zitronensauce so hastig reinschaufeln, dass er von daher schon gezwungen war den Mund zu halten.

Da Bernie derlei Artigkeit offensichtlich fremd war und er mit vollem Mund weiterlaberte, ließ er Carl und Miriam voll an seinem zarten Lammbraten teilhaben, indem er ihn auch kleinteilig vor sich auf dem Tischtuch ausbreitete. Andererseits gelang ihm dadurch der nahtlose Übergang von Putin zu Merkel, von der er mehrfach energisch ein ähnliches Narrativ für Deutschland forderte, wie es Putin für das ‚Neue Russland’ geliefert hatte!

Aber du gehst jetzt nicht so weit, Bernie, dass du von ‚Mama Merkel’ nach der ‚Energiewende’ nun auch noch eine vorbildhafte radikale ‚Unterhosenwende’ einforderst, ätzte Miriam ebenfalls nahtlos weiter, während sie ihre Goldbrasse fachfraulich zerlegte.

Nein natürlich nicht, mampfte Bernie, aber ‚unsere Angela’ könnte das Deutsche Volk doch einmal mit einem hübschen, brauchbaren ‚Narrativ für Deutschland’ überraschen, statt es permanent mit sinnentleerten Worthülsen einzulullen! Es täte uns gut endlich aufzuwachen und uns mehr um den Rest der Welt zukümmern, statt ihn ständig mit unseren Ängsten zu quälen! Nur ‚German Angst’ ist ein bisschen wenig, oder Carl?

Ja dem konnte Carl unter der Dusche nur zustimmen und endlich den tierisch guten Massagestrahl abdrehen: Denn nach der Wassermassage war ‚Kaltduschen’ angesagt! Und das erforderte mindestens die gleiche Überwindung wie die Entwicklung eines Narrativs für Deutschland…

Aber siehe da, Osterkörnchen war nicht zu bremsen gewesen, ihn verlangte nach Miriams Rüffel und dem Lammbraten, nicht nur sofort nach einem Tiramisu, sondern er kam praktisch zeitgleich selber mit narrativen Ideen daher. Oder war’s Miriam gewesen? Die meinte wir sollten in einem neuen Narrativ für Deutschland nicht mehr nur den zweiten Weltkrieg, den Wiederaufbau und den Holocaust gebetsmühlenartig repetieren und auch nicht nur über die Überwindung der Ost – West – Spaltung und Europa reden, sondern vielmehr die Tatsache hervorheben, dass Deutschland neuerdings ein höchst begehrtes Einwanderungsland ist und zum Beispiel während der letzten beiden Fußballweltmeisterschaften sogar plötzlich als hip, multikulti, fröhlich und bunt galt!

Da hatte Carl dann auch schon genug von der ‚Kaltdusche’! Bibbernd sprang er aus der Duschkabine, rubbelte sich laut stöhnend mit dem Badehandtuch ab und wollte partout nicht mehr daran erinnert werden, dass er nach Miriams klugen Einwurf – vielleicht schon etwas angesäuselt – unbedingt auch die ‚Energiewende’ in das neue Deutschlandnarrativ einbinden wollte und mit schwerer Zunge darauf bestand, dass sich dadurch quasi von selbst ein gravierender Paradigmenwechsel im Unterwäschegeschäft ergäbe: denn warme Unterwäsche führe zwangsläufig zu einer Reduktion der Heizleistung und damit auch des CO2 Ausstoßes in die Umwelt! Das sei doch klar wie Kloßbrühe!

Und gestützt auf diese Fakten könnte Frau Merkel in ihrer wenig präzisen Art vermutlich dann wirklich allen Skeptikern seelenruhig entgegensäuseln, dass das Land der ‚Dichter und Dämmer’ in den von der Regierung massiv geförderten warmen Unterhosen sehr wohl seine ehrgeizigen Klimaziele in der Europäischen Gemeinschaft erreichen wird! Ja diese sogar noch überbieten werde, wenn in der großen Koalition, konform mit Herrn Sigmar Gabriel, noch vor Jahreswechsel – abweichend vom Koalitionsvertrag – beschlossen würde, dass neuerdings auch ‚Thermounterwäsche’ ähnlich umfangreich gefördert würde wie die Wärmedämmung der Gebäude, ohne dass dadurch natürlich die schwarze Null von Herrn Schäuble in Gefahr geraten dürfte, was zwar nicht dem Weltklima aber doch der CDU immens schaden würde – und allein das zählte! Letzteres sagte Frau Merkel zwar nicht in Carls Gedankenwelt, dachte sie aber.

Kurz danach musste bei ihm der Film gerissen sein, denn an den Jubelschrei von Bernie hatte er keine Erinnerung mehr – und wie er nach Hause gekommen war wusste nur Gerlinde, die ihn aber heute Morgen nicht sehen wollte, was schon ein bisschen komisch war, oder?

KH

Roland Dürre
Sonntag, der 2. November 2014

Wie war das doch alles verrückt im letzten Jahrtausend.

Im letzten Jahrhundert, vor der Jahrtausendwende, da war alles anders.

Die Manager glaubten damals noch, dass Zukunft vorhersagbar ist. Noch mehr – sie waren überzeugt, dass Wachstum ewig statt finden könnte.

Die Menschen damals hatten das Gefühl, dass alles machbar ist und dass man dank der Technologie und des Fortschritts alle Probleme lösen kann. Denn der Mensch als Krone der Schöpfung fühlte sich als das omnipotente Wesen – den Tieren weit überlegen. Und er meinte, er könne alles unter Kontrolle bekommen.

Das Motto war schneller, höher, größer, weiter und komfortabler. Die Ingenieure und Technokraten hatten das Sagen. Ein Leben ohne Autos war nicht vorstellbar. Der Individualverkehr mit schweren Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor auch für einzelne Personen war das selbstverständliche Grundrecht eines jeden Menschen – genauso wie der Kurzurlaub in der „DomRep“ oder in Thailand. Eine Gesellschaft galt als „entwickelt“, wenn sich auch die Armen ein Auto leisten konnten!

Der Wochenendausflug nach London oder Madrid wie der Kurztrip nach New York oder Abu Dhabi half den Menschen, ihre Langeweile auf mondäne Art zu vertreiben. Durch Konsum wollte man sich selbst bestätigen und das Glück sich kaufen. Trotzdem war Geiz geil und Geld die neue Religion. Mit dieser Einstellung gelang es trefflich, die Welt zu zerstören.

Die Professoren an den Hochschulen lehrten uns, dass gute Manager nie reagieren müssen, sondern immer agieren können. Denn die Guten sind in der Lage, im voraus zu sehen, was kommen wird. So wie mir 1968 der kettenrauchende und entsprechend hustende Fahrlehrer beibrachte, der aufgrund seines Aussehens den Spitznamen „Old Death“ hatte, dass ein guter (deutscher) Autofahrer immer vorhersehen müsse, was in der nächsten Sekunde passieren könnte.

Die Hochschulen brachten uns auch bei, dass ein Manager immer frei von Emotionen und persönlichen Gefühlen sein müsse. Die Wissenschaft der Entscheidung hat uns empfohlen, als erstes Informationen in ausreichender Menge zu sammeln. Dann müsse man diese ganz objektiv bewerten und analysieren. Erst dann könne man und müsse man frei von Gefühlen, ganz rational und logisch entscheiden. Und dabei müsse man Intuition wie Heuristik als trügerische Störfaktoren ignorieren.

Das war damals auch die Begründung, warum die „normale Frau“ nichts im Management verloren hätte. Weil die Frau – bis auf ganz wenige – einfach zu sehr von ihren Gefühlen gesteuert werden würde. Klar – die Frauen in „hohen“ Positionen im Management waren eher die Ausnahme. Und diese sahen dann auch aus wie Männer.

Die Lehrbücher lehrten auch, dass eine Organisation genau dann gut wäre, wenn der Ober-Manager in der Lage ist, durch das „Drehen an wenigen Schrauben“ das System nach seiner Vorgabe zu steuern.

Die Firmen orientierten sich deshalb mit ihrer Aufbau-Organisation an militärischen Vorbildern. So war Hierarchie angesagt, nur ganz wenige ultra-moderne Unternehmen erlaubten sich eine Matrixkooperation und hatten gar den Mut zur „kooperativen Führung“. Begriffe wie Selbst- und Netzwerkorganisation waren verpönt ebenso wie Transparenz und Agilität gefürchtet wurden. Es galt „Einfalt statt Vielfalt“ und nicht die „Weisheit der Masse“.

Taylorismus, moralisierende Prozesse und Globalisierung galten als das Erfolgsrezept für die Wirtschaft und die Garanten für den Wohlstand der ganzen Welt. Das Ziel der großen Unternehmen war immer die Weltmarktführerschaft. Die Ausbeutung von Menschen und Ressourcen aller Art wuchs parallel geometrisch.

Die Masse dagegen galt als primitiver Mob. Der Bürger wurde für dumm gehalten und für dumm verkauft. Mit Marketing wurden die Massen manipuliert, mit Lobbyismus ihre Interessen ausgeschaltet. Der Wähler in der Demokratie galt als Stimmvieh, sein Verlangen nach Frieden wurde mit erfundenen und groß propagierten Ängsten „overruled“.

Die Regierenden und Regierungen wussten damals viel besser, was für alle gut ist. Sie machten sogar Gesetze, die geltendes Recht außer Kraft setzten und im Grundgesetz festgelegte Rechte igoriert haben. So wurden die Bürger massenhaft belauscht und vergaukelt. Oft um den Interessen und Forderungen fremder Mächte oder mächtiger Konzerne zu genügen.

Sogar Gerichte wurden in extremen Fällen für nicht mehr zuständig erklärt und an ihrer Stelle obskure Schiedsgerichte eingesetzt. Bürger, die gegen Steuergesetze verstossen hatten, wurden streng verfolgt. Gleichzeitig haben dieselben Staaten für die Konzerne „Steuer-Oasen“ geschaffen.

Und das schlimmste: Die Regierungen haben geglaubt, mit Kriegen die Ordnung der Welt gestalten und mit Waffen Frieden schaffen zu können.

Wie bin ich doch froh, dass diese Zeit vorbei ist.

RMD
(20. Juni 2030)

Roland Dürre
Montag, der 27. Oktober 2014

Toleranz & Religion

Zurzeit denke ich viel über Moral und Ethik nach. Auch weil ich entdeckt habe, dass in fast allen Entscheidungen fast aller Menschen die moralische Vorgaben dominieren. So auch gerade bei meinen falschen Entscheidungen.

Bis vor kurzem dachte ich, dass sich Entscheidungen auf Vernunft und Menschenverstand (Kopf, Ratio) und auf Intuition und Heuristik (Bauch) begründen. Das hatte ich mir auch für meine eigenen so gedacht.

Und jetzt stelle ich fest, dass ich doch öfters völlig (und folgenreich) daneben gelegen bin. Einfach weil ich meinte, „ich müsse so entscheiden, weil es sich so gehören würde.“ Oder mit anderen Worten weil ich unfähig (zu feig?) war, dem „Man macht das so“ oder dem „So geht das nicht“ zu widerstehen. Weil meine Entscheidungen (besonders die schlechten) so von Moral und Moralismen wesentlich beeinflusst wurden. Wie ich meine zu meinem und zum Nachteil Dritter.

In dem Hotpot der Philosophie finden sich neben Moral und Ethik auch oft schwer verdauliche Zutaten wie die „Religion“ oder die Tugend der „Toleranz“.

Denn:

„Religion ist uns heilig!“

und

„Man muss tolerant sein!“

Ich meine auch, dass Toleranz ein hoher Wert ist. Der Ethiker formuliert es so:

Sei immer tolerant!
Toleranz geht vor Moral!
Nur gegen Intoleranz sei intolerant!

Dabei könnte man dem Ethiker entgegnen, dass Intoleranz gegen Intoleranz ja auch schon wieder Intoleranz ist

Betrachten wir die Toleranz in der Praxis am Beispiel der Religion. So schützen Grundgesetz wie die Bayerische Verfassung die „Freiheit der Religionsausübung“ in ganz besonderem Maß, fast auffällig. Und das abgeleitete Gesetz verbietet streng die Verletzung „religiöser Gefühle“. Es fordert nicht Toleranz und Respekt ein, sondern in letzter Konsequenz die Unterwerfung vor den religiösen Gefühlen Dritter.

Diese Forderung geht mir zu weit. Wer will denn festlegen, was eine Religion und was keine Religion ist. Eine Masse verpflichtet sich absolut gegen durchaus hinterfragbare Annahmen und Regeln, die sie letzten Endes selbst erfunden hat. Dabei beruft sie sich auf eine besondere, höhere, externe und nicht erklärbare Instanz. Und gibt diesen „Glauben“ systemisch von Generation zu Generation weiter, was letzten Enden zur Entstehung von Systemen wie den Kirchen führt mit all ihren Vor- aber auch wesentlichen Nachteilen.

Aber wie will man denn entscheiden können, welche Art von zum System gewordenen Glauben überhaupt eine Religion ist? Und wer soll das tun? Lese ich die Kapitel zur Religion in der Bayerischen Verfassung genau nach, so gewinne ich den Eindruck, dass die Väter der Verfassung vor allem an die christliche Religion gedacht haben. Und auch nur an diese in der „besseren“ Variante.

Ist diese absolute Toleranzforderung für „religiöse Gefühle“ also wirklich akzeptabel? Gerade wenn die in ihrer Religion gefangenen Menschen sich im Besitz der absoluten Wahrheit zu wähnen und Dinge fordern oder machen, die im schlimmsten aber häufigen Fall gegen die Menschlichkeit sind?

Vielleicht ist deswegen der schöne Begriff der Toleranz zu einem „buzzword“ verkommen ist wie leider auch Freiheit, Gemeinwohl und Nachhaltigkeit.

Vor kurzem habe ich in einem Kommentar auf einem Blog Toleranz gefordert und diese als herausragende „Primärtugend“ bezeichnet. Und musste aus den Reaktionen lernen, dass es schon Ethiker gibt, die allen Ernstes eine „Toleranzpolizei“ fordern.

RMD

P.S.
😉 Das ist jetzt vorläufig mein letzter Post zu Moral und ähnlichem. Weil gegen Moral und Moralismen zu sein ja auch schon wieder Moral und moralisieren ist.

Ab morgen schreibe ich wieder, was mir so aus dem Alltag einfällt.

Klaus Hnilica
Donnerstag, der 23. Oktober 2014

Halloween in Hanau oder ‚Wiener Blut‘

Ein vampirischer Telefonsketch
spanish-riding-school

Elias Hupka-Hürlimann wohnt seit geraumer Zeit in Hanau.

Zu Halloween verwirklicht er einen lang gehegten Wunsch: er organisiert in seiner weitläufigen Wohnung in einer Hanauer Altstadtvilla erstmals eine aufwendige Vampir-Party, bei der es an Nichts fehlen soll! Vor allem nicht an Blut bester Qualität! Seine Freundin Susanne rät ihm zu dem berühmten ‚Wiener Blut’ einer bekannten Wiener Agentur in der Blutgasse im 1.Bezirk! An einem Dienstag ruft Elias dort an; nach zweimaligem Läuten meldet sich eine jugendliche Stimme:

• Internationaler Vampir Party Service ‚Blutdurst’ – Gottlieb Bissinger am Apparat – Grüß Gott!

• ……………………………………….

• Das freut mich aber, Herr Hupka-Hürlimann, dass Sie durch eine Empfehlung auf uns gestoßen sind. Das zeigt, dass wir Vieles richtig machen und unsere Kunden zufrieden sind! Oder?

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• Darf ich fragen wo dieses Hanau in Deutschland liegt, von wo Sie anrufen?

• ……………………………………….

• Ah – bei Frankfurt am Main – ja das kennt man natürlich! Hanau ist mir allerdings vollkommen unbekannt. Aber macht ja nix – ist doch schön wenn’s sogar in Ortschaften wie Hanau Vampire gibt, das lässt hoffen?

• ……………………………………….

• Ja – Sie sehen, in Wien gibt es eben nicht nur Heurige und Kaffeehäuser, Herr Hupka-Hürlimann, sondern auch einen sehr gediegenen ‚Blutservice für Vampire’!

• ……………………………………….

• Aber bitte, Herr Hupka-Hürlimann, Sie sollten nicht vergessen, dass wir in Österreich eine Jahrhundert alte Vampirtradition haben.

• ……………………………………….

• Na, na, na, nix England – der erste dokumentierte Vampir kommt aus Istrien in Kroatien, das schon vor über 200 Jahren zur Österreichisch Ungarischen Monarchie gekommen ist – das ist Tatsache!

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• Ja lachen Sie nur – Spaß muss sein, Herr Hupka-Hürlimann! Ist ja leiwand, wenn man sich gleich so gut versteht, dass man lachen kann, das macht alles viel leichter, gell!

• ……………………………………….

• Natürlich ist Wien ein ausgezeichnetes Pflaster für Vampire! Wissen Sie, bei uns weiß man nicht nur ein gutes Schluckerl Wein zu schätzen, sondern immer öfter auch einen gschmackigen Lutscher Blut! Überhaupt wenn er vom richtigen Halserl kommt und den entsprechenden Abgang hat!

• ……………………………………….

• Nein, nein – da ist kein Mangel bei uns! Schauen Sie, wir haben jede Menge Rentner in Wien, ausreichend Sängerknaben und wirklich einen Haufen Lipizzaner! Und Sie werden es vielleicht nicht glauben, aber die ganz jungen Lutscher, sozusagen die ‚blutjungen Zuzler’, üben sehr gern erst an einem letscherten Renterhals, bevor sie ihre richtige Gaudi mit den weißen Halserln der Sängerknaben und Sängermadln haben! Ja und für alle Tag schnappen sie sich schon einmal einen Lipizzaner – das ist einfach Fakt!!

• ……………………………………….

• Natürlich nicht während der Aufführungen der ‚Spanischen Hofreitschule’, Herr Hupka-Hürlimann, das ist doch klar! Aber danach in den Stallungen, wenn die Lipizzaner müde sind und sich kaum noch rühren können…

• ……………………………………….

• Nein, in unserm Servicedienst arbeiten nicht nur Vampire! Das tät’ die Gewerbeaufsicht gar nicht zulassen! Das ist doch bei uns alles streng geregelt, auch die Vampirquote! Vermutlich stammt diese Regelung sogar noch aus der Monarchie?

• ……………………………………….

• Sicher Herr Hupka-Hürlimann, Ordnung muss sein! Das geht gar nicht anders bei unserem heiklen Blutgeschäft. Was glauben Sie, wie viele so genannte ‚Gutmenschen’ ständig hinter uns her sind und uns ein Hackl ins Kreuz hauen wollen! Da können wir gar nicht genug aufpassen…

• ……………………………………….

• Genau! Und weil es halt diese Auflagen beim Personal gibt, Herr Hupka- Hürlimann, beschäftigen wir in unserem Partyservice nur in ganz begrenztem Umfang echte Vampire – alles andere wär’ auch viel zu teuer!

• ……………………………………….

• Auf keinen Fall – wo denken Sie hin! Bei unserem Partyservice ‚Blutdurst’ ist das so organisiert, dass 70% der Mitarbeiter so genannte N V P sind, also ‚Non Vampire People’ wie das amtlich heißt! Und von den restlichen 30% sind 20% H V P also ‚Hetero Vampire People’ das heißt, die sind mal so mal so, und nur 10%, Herr Hupka-Hürlimann, sind wirkliche P V P also ‚Pure Vampire People’! Sie sehen, die Quote ist wirklich gering!

• ……………………………………….

• Sie sagen es! Das wird in der Presse viel zu viel aufgebauscht! Ehrlich gesagt gibt’s keinen Vampirüberschuss bei uns und in der EU, sondern einen bedauernswerten Mangel! Ein paar mehr würden dem ganzen ‚Dradiwaberl’ mehr als gut tun, das können Sie mir glauben…

• ……………………………………….

• Richtig – Sie sehen das ja an uns! In unserem optimierten Service-Team ‚Blutdurst’ sind wir gerade einmal 6 Mitarbeiter!

• ……………………………………….

• Wie? Sie fragen, ob dann nur 6 Zehntel eines Mitarbeiters bei uns ein reiner Vampir ist?

• ……………………………………….

• Ja das ist vollkommen richtig, Herr Hupka-Hürlimann! Das haben Sie super schnell ausgerechnet! Gratulation!

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• Wie das geht, mit dem 6-Zehntel Mitarbeiter?

• ………………………………………..

. Das ist ganz einfach, das heißt, dass der Hubert, unser einziger Vampir, nur ab Mitternacht im Einsatz ist und akquiriert – so einfach ist das!

• ………………………………………..

• Ja gell, manchmal sind die Dinge einfacher als man denkt? Aber jetzt zu Ihrer Bestellung, Herr Hupka-Hürlimann! Was können wir für Sie tun?

• …………………………………

• Leiwand – das macht natürlich alles viel einfacher, wenn Sie sich schon auf unserer Homepage über sämtliche Produkte und Dienstleistungen informiert haben.

• ……………………………………….

• Selbstverständlich können Sie bei uns alles sofort telefonisch bestellen! Da machen wir überhaupt keine ‚Würschtl’!

• ……………………………………….

• Geben Sie mir doch durch was Sie benötigen, Herr Hupka-Hürlimann und ich tipp’ alles sofort in unseren Zentralrechner:

• ……………………………………….

• Ich versteh – Sie wollen 50 Liter Bio-Blut von der Blutgruppe A und 30 Liter Bio-Blut der Blutgruppe AB, aber keines mit der Blutgruppe B! Das wollen Ihre deutschen Gäste nicht! Interessant das zu hören, Herr Hupka-Hürlimann!

• ……………………………………….

• Ja da haben Sie Recht! Die Blutgruppe B schmeckt ein bisserl sperrig! Pelzig würden ihre Kenner in Hanau sagen! Und sagen Sie, legen Sie Wert auf einen bestimmten Rhesusfaktor?

• ……………………………………….

• Ist Ihnen egal! Das kann ich gut verstehen! Ja da haben Sie vollkommen Recht, vom Gschmackn her spielt der Rhesusfaktor wirklich eine untergeordnete Rolle; überhaupt wenn man einen Blut-Spritz serviert mit viel Eis! Da schmeckt man praktisch keinen Unterschied zwischen den Rhesusfaktoren: weder vom Bukett her noch beim Abgang!

• ………………………………………

• Darf es noch etwas sein, Herr Hupka-Hürlimann?

• ………………………………………

• Wie Sie wollen wissen, was das ‚Bio’ bei unseren Blutprodukten bedeutet?

• ………………………………………

• Natürlich! Blut ist irgendwie immer Bio! Aber bei uns heißt das, dass es wirklich von reinster Qualität ist und eben noch diesen unverfälschten Blutgschmackn hat! Schließlich ist ja unser Haus zertifiziert, wenn Sie wissen was ich meine.

• ………………………………………

• Nun – wie Sie ja aus unserem Lieferprospekt sicher gesehen haben, liefern wir auch Blutprodukte in ganz anderen Geschmacksrichtungen!

• ……………………………………….

• Jawohl! Das ist dann Blut, das wir uns vorwiegend von passionierten Heurigengängern holen und das ganz fein nach ‚Blauem Zweigelt’ oder ‚Grünem Veltliner’ schmeckt! Oder auch nach Riesling! Aber wirklich nur ganz zart! Ist halt was für echte Feinschmecker! Da muss man schon mit einem sehr feinen Züngerl gesegnet sein, Herr Hupka-Hürlimann! Übrigens momentan haben wir auch für die nicht ganz so ‚feine Zunge’ jede Menge Blut mit einem prima Wodka-Gschmackl! Sehr zu empfehlen, wenn man was Wuchtiges möcht’ – nicht so was Fusseliges!

• ………………………………………..

• Genau, Herr Hupka-Hürlimann, dieses Blut kommt täglich frisch aus der Ukraine, und ist von ganz exzellenter Qualität, da es direkt aus den aktuellen Kampfzonen eingeflogen wird!

• ………………………………………..

• Ja – probieren Sie es doch einmal – ist wirklich was ganz Leckeres und Extravagantes, ich bin sicher, ihre Partygäste werden jedes Schluckerl goutieren…

• ……………………………………….

• Also ich ergänze Ihre Bestellung somit um weitere 10 Liter AB mit an Wodka Gschmackl und 5 Liter AB mit an ‚Blauen Zweigelt – Körper’ Prima Herr Hupka-Hürlimann! Zu dieser ausgewogenen Bestellung kann ich Ihnen im Namen unseres Hauses nur herzlichst gratulieren! Wirklich!

• ………………………………………..

• Wie? Wer uns beliefert? Nun des wickeln wir alles über das sehr professionelle Drohnen-Service von Amazone ab! Das funktioniert eins A! Die liefern zuverlässig und pünktlich! Da gibt’s überhaupt keine Probleme!

• ………………………………………..

• Sie sagen es! Amazone kooperiert auch auf diesem Sektor ganz eng mit der NSA und weiß daher praktisch in Echtzeit wo und wann die neuesten Blutquellen sprudeln…

• ………………………………………..

• Ja das ist wirklich eine feine Sache! Anders kann man das nicht bezeichnen! Endlich einmal ein sinnvoller Einsatz moderner Technik! Sonst machen die doch eh nur lauter Blödsinn mit der Technik, oder?

• ………………………………………..

• Ja – also dann nochmals schönen Dank für ihren Auftrag, Herr Hupka-Hürlimann! Ich hoffe Sie beehren uns bald wieder! Und wie gesagt wir werden Sie diskret und prompt beliefern! Wie das dem Stil unseres Hauses entspricht!

• …………………………………………

• Und Servus auch von Kolleg’ zu Kolleg’! Gell’ Du bist auch so ein richtiger Blutlutscher, wie ich?

• …………………………………………

• Irgendwie hört man das gleich raus! Macht Dich sympathisch, auch wenn Du ein Piefke bist! Nix für ungut! Und Servus noch einmal…

KH

Klaus Hnilica
Donnerstag, der 31. Juli 2014

Machtverlust – oder die verdrängte Auslöschung

Udo Liekysz, zweiter Mann der ‚Republik Transistien’, war überzeugt, dass nur er vom Volk und der Führung der Republik ausersehen war, die Nachfolge des ‚großen Führers Jordan Khon’ anzutreten. Doch dann wurde nach dessen Tod überraschend Sandor, der völlig unerfahrene zwanzigjährige Sohn des ‚großen Führers’, auf den Thron gehievt und Liekysz auf demütigende Weise während einer Vollversammlung der Partei verhaftet und eliminiert! Vor welchem Gremium Udo Liekysz die nachfolgende Rede – vermutlich seine letzte – gehalten hat, ist nicht dokumentiert!

„Sie alle haben mich darin gesehen! In diesem mythischen Kleidungsstück! Und wir alle erinnern uns, dass bereits die ersten Kinderlieder in den ‚Jordan Khon Schulen’ sich ausschließlich um dieses unvergleichliche Kleidungsstück drehten. Und mein Gott – wie wahnsinnig sehnten wir uns danach, wenigstens einmal im Leben – und sei es nur für ein paar lumpige Sekunden – auch in diese ‚überirdische Umhüllung’ schlüpfen zu dürfen! Davon träumen wir doch heute noch! Oder?

ZAa MaIMG_5131Natürlich wagt kein Erwachsener, dieses abwegige Verlangen laut auszusprechen: denn wir alle wissen, dass nur ihm – dem Unaussprechlichen – das Privileg zusteht, jede Nacht in einem neu angefertigten, unendlich zarten ‚blauen Seidenpyjama mit tausend Sternen und Planeten’ schlafen zu dürfen: nur er verdient diese höchste Auszeichnung bis ans Ende der Tage – sonst niemand im Sonnensystem!

Vielleicht können Sie sich jetzt vorstellen, was für ein unbeschreibliches Entsetzen mich befiel, als ich mich letzten Dienstag in der Morgendämmerung auf meinem Eisenbett aufrichtete, energisch die nicht vorhandene Bettdecke zurückwarf, meine Beine mühsam über die Bettkante schwenkte und plötzlich feststellen musste, dass mir während des Schlafes genau dieser ‚überirdische blaue Führerseidenpyjama’ abhanden gekommen war – dabei hatte ich die ganze Nacht nur davon geträumt?

Was war da los? Wer konnte das veranlasst haben? Plante jemand gar einen Umsturz?

Es kam noch schlimmer!

Denn ich – Udo Liekysz – der einzig ‚wahre Präsident der Republik Transistien’, steckte nicht nur nicht in dem heiligen ‚blauen Seidenpyjama der tausend Sterne und Planeten’, sondern in einem groben Leinenkittel, der hinten vom Hals ab komplett offen war.

Können Sie sich das vorstellen?

Ganz zu schweigen von dem kalten Eisenrahmen des Bettes, der in meine Oberschenkel drückte und die Blutzufuhr in die unanständig entblößten ‚Präsidentengesäßbacken’ abwürgte. Noch scheußlicher war der grellgelbe Urinfleck – da unten – auf dem Kittel! Mit dieser Deutlichkeit war der auf dem ‚blauen Seidenpyjama’ in der Nacht nicht zu sehen gewesen!

Das können Sie mir glauben! Meine herabhängenden weißen Beine übersät von Hungerödemen – wären auch niemals so unstaatsmännisch herumgependelt, wenn sie noch in den blauen Seidenhosen stecken würden. Das war unbestreitbar!

Reichlich unangenehm war auch die modrige Kälte auf meinem freiliegenden Rücken: Ja – ich Udo Liekysz – der ‚wahre Präsident der Republik Transistien’ – fröstelte sogar ein wenig! Da wurde eindeutig zuviel gespart; ein Versagen der zuständigen Behörde! Ein bisschen Wärme brauchte auch ein Präsident! Das musste auf alle Fälle umgehend in Ordnung gebracht werden! Sobald ich wieder in der Lage war, auf meinen verwelkten Beinen voran zu kommen, werde ich sofort die notwendigen Maßnahmen einleiten… Schließlich tat ich das nicht zum ersten Mal!

Unlängst war ich in einer ganz ähnlichen Situation gewesen! Und was meinen Sie wie schnell die zuständigen Behörden reagiert hatten? Das war selbst für mich überraschend gewesen: denn kaum hatte ich mich an diesem grimmig kalten Montagmorgen deutlich sichtbar auf dem ‚Platz der Republik’ aufgestellt, mich als der neue ‚Präsident der Republik Transistien, der wirklich dem Volk dient’ vorgestellt und mein ‚Neues Programm’ verkündet, als auch schon eine Hundertschaft begeisterter Landsleute in festlichen Uniformen munter schnatternd auf mich zueilte, mich umringte, mich begeistert empor hob – und fast etwas rüde mit sich fortriss! Aber bei dieser spontanen Begeisterung war das kein Wunder gewesen! Im Gegenteil, ich ließ die jubelnden Massen ohne Einschränkung gewähren… Für dieses einfache Volk war ja jede Faser meiner einfachen Kleidung eine kostbare Reliquie! Wer hätte das nicht verstanden?

Drum wollte ich auch kein Aufhebens machen, als ich schon nach kürzester Zeit nur mehr Hemd und Unterhose am Leib hatte und richtig zu frieren begann: denn ich sah doch den freudig erregten Menschen an, wie recht ich mit meinem Eingreifen gehabt hatte! Es war höchste Zeit gewesen, ‚Neues’ zu verkünden, wenn das Land nicht vollständig vor die Hunde gehen sollte!

Und was meinen Sie, in welch erschütterndem, heruntergekommenen Zustand selbst der Präsidentenpalast war? Sie können sich das nicht vorstellen? Die oft hinter vorgehaltener Hand gescholtenen Prunkräume des ‚Präsidenten der Republik Transistien’ bestanden in Wirklichkeit aus einer einzigen jämmerlichen Kammer mit Bett, Tisch, Stuhl und zwei Eimern: in einem konnte man sich waschen, in den anderen wurde hinein gekackt. Da beide stanken, war es gar nicht leicht, sich für den richtigen zu entscheiden!

Aber was sollte es – bei der Armut draußen im Land, war es nur recht und billig, dass auch der ‚Präsident der Republik’ sich in Bescheidenheit übte! Ich war natürlich zunächst von der Kargheit des Raumes überrascht, als man mich im Überschwang der Begeisterung, gepaart mit ein wenig Schalkhaftigkeit, schon von der Tür aus auf das harte Eisenbett geknallt hatte. Vielleicht war ich ja auch mit dem Kopf ein klein wenig gegen die Wand gekracht und kurz bewusstlos gewesen, denn als ich zu mir kam, waren alle meine Landsleute weg und ich ganz alleine…

Was ja auch in Ordnung war, schließlich mussten die sich um ihre Familien kümmern, das Leben war hart genug außerhalb des Präsidentenpalastes. Da hatte ich es viel besser! Ich war versorgt! Wenn auch auf eine sehr einfache Art! Ja – ich stand wirklich vor einer gigantischen Aufgabe in dieser ‚Neuen Republik Transistien’!

Nur um Ihnen ein Beispiel zu geben wie ungeschult alleine das Personal im Präsidentenpalast war: Als sich nach etlichen Tagen immer noch niemand um mich kümmerte, da man wohl auch drastische Personaleinsparungen angeordnet hatte, um das Land wieder auf Vordermann zu bringen, bekam ich doch langsam Hunger und fror auch wieder. Durch Klopfzeichen und Rufe konnte ich mich soweit bemerkbar machen, dass sich endlich ein Untergebener zeigte, dem ich meine Anweisungen erteilen konnte! Aber was soll ich Ihnen sagen, der Mann war nicht nur schlampig gekleidet und mürrisch – sondern gab mir statt einer Antwort – links und rechts eine schallende Ohrfeige! Und als ich mir verwundert die Backe rieb und fragte was das soll, gab er mir noch einen Tritt in den Hintern, dass ich in hohem Bogen auf mein Bett segelte.

Nun Sie werden mir sicher beipflichten, dass man in diesem Fall nicht gerade von ausreichend geschultem Personal sprechen konnte! Wenngleich ich schon auch erwähnen sollte, dass diese gezielte ‚Schnellmassage’ an Kopf und Hinterteil meinen Kreislauf prächtig in Schwung brachte und ich danach sogar eher schwitzte als fröstelte – ja das musste ich dem Mann zugestehen, das hatte er erreicht!

Aber natürlich ist noch jede Menge zu tun in der ‚Neuen Republik’, und ich habe deshalb auch überhaupt keine Zeit, noch länger hier zu referieren, sondern muss sofort meine Ministerriege zusammenrufen! Wissen Sie, die Entleerung der beiden Eimer in der Präsidentensuite darf unter keinen Umständen noch länger hinausgezögert werden! Vielleicht spüren Sie ja auch schon den beißenden Geruch?

Und die Wäscheklammer auf der Nase, kann und darf nicht zur Dauerlösung werden! Lasst uns endlich handeln! Ich, der ‚wahre Präsident der Republik Transistien’ ermächtige Euch dazu!“

KH

PS: Nach einer Idee von Detlef Knoll

Roland Dürre
Freitag, der 2. Mai 2014

Unternehmen gründen heute!

Wenn ich heute bei so Business-Wettbewerben dabei bin und / oder Business Pläne lese, dann gewinne ich den Eindruck, dass …

… es keine Bayerische Verfassung gibt, die dem Gewerbetreibenden vorschreibt, dass sein Gewerbe auch einen Nutzen für die Allgemeinheit haben muss.

… alle Gründer bei der Gründung nur Geld und Macht im Sinn haben (und falls sie männlich sind auch Frauen).

… die Mehrung des „Shareholder-Value“ immer noch das ausschließliche Unternehmensziel ist.

… dass auch nur auf die zarte Andeutung einer Sinnstiftung des Unternehmens sehr oft verzichtet wird.

Denn ich lese und höre überwiegend von Zahlen und Märkten. Umsatz und Ergebnis stehen im Vordergrund. Und das angebotene Produkt wie das aufzubauende Unternehmen sind die Mittel zum Zweck. Der Zweck ist „Geld verdienen“. In großer Ausschließlichkeit. Und wenn dies nicht anders geht, dann halt dadurch, dass das neue Unternehmen nach kurzer Zeit mit hoher Wertsteigerung weiter veräußert werden kann.

Dann denke ich mir:
Da läuft doch irgend etwas falsch.

Sehr häufig lese ich auch, dass man viel Geld (… mehrere Millionen …) bräuchte, um ein starkes Marketing und einen penetranten Vertrieb aufzubauen. Weil das das Hauptproblem wäre.

Und dann denke ich mir:
Warum erfindet Ihr denn nicht einfach Produkte, die die Menschen brauchen?

RMD