Roland Dürre
Dienstag, 26. März 2013

Reiche Arme …

Hier ein Ausschnitt aus einer Diskussion, die ich als so eine Art „Briefwechsel im Internet“ mitbekommen habe.

In den fünfziger und sechziger Jahren waren Kurzgeschichten der Science Fiction ein beliebtes, aus den USA importiertes Genre. Frederik Pohl, Repräsentant einer Strömung, die ich hier einfach mal als “Social Fiction” bezeichne, veröffentlichte unter anderem eine Geschichte mit dem Titel “Die Armen Reichen”. Ausgangspunkt ist eine Konsumgesellschaft, die damit beschäftigt ist, eine von Robotern hergestellte Überproduktion von Gütern und Dienstleistungen an den Mann zu bringen. Die Bürger sind mit Rationierungskarten ausgestattet, je niedriger die soziale Stellung, desto höher die mindestens zu konsumierenden Rationen. Das heißt, wer einen ausgibt, lässt hier den anderen bezahlen.

Luxuriöse Villenviertel sind also die Elendsviertel und Laubenpieperkolonien eine Art Beverly Hills. Dass der Autor letzten Endes aus dieser genialen Idee nicht viel macht, ist hier nicht von Bedeutung.

Erinnerungen an besagte Geschichte kamen auf, als ein Freund meine Aufmerksamkeit auf einen Artikel in der “Welt” lenkte. Dort steht:

Die Vermögen der Privathaushalte in Deutschland sind einer Studie der Bundesbank zufolge deutlich kleiner als in Euro-Krisenländern wie Spanien oder Italien. Das mittlere Vermögen deutscher Haushalte belaufe sich auf rund 51.400 Euro netto, teilte die Bundesbank am Donnerstag in Frankfurt am Main mit. In Italien betrage das Haushaltsvermögen rund 163.900 Euro, in Spanien rund 178.300 Euro.

In Frankreich belaufe sich das Vermögen der Haushalte im Mittel auf 113.500 Euro, erklärte die Bundesbank weiter. Der für Österreich ermittelte Wert liege mit 76.400 Euro näher am deutschen Niveau. In Deutschland selbst falle das mittlere Vermögen im Osten mit 21.400 Euro deutlich geringer aus als im Westen mit 78.900 Euro je Haushalt.
[In diesem Artikel finden sich noch mehr interessante Zahlen zu Eigentum in diversen Ländern der EU]

Im Vergleich zu hochverschuldeten Krisenstaaten wie Spanien ist damit das vorbildliche, hochproduktive Deutschland beim Vermögen (Aktiva minus Passiva) bettelarm. Selbst die Franzosen, die ja statistisch 6 Wochen pro Jahr weniger als die Deutschen arbeiten, stehen bedeutend besser da. Vielleicht liegt es daran, dass die Reallöhne von 2000 bis 2010 um 4,5% gesunken sind oder daran, dass die Germanen ihr Geld lieber in Malle verballern als “Schaffe, schaffe, Häusle baue” zu praktizieren?

Kommentare über die Aussagekraft von Durchschnitten (Was wird da eigentlich durchgeschnitten und was ist der Belag auf der Schnitte?) überlasse ich lieber dem Statistiker. Mir dämmert jedoch die logische Folgerung:

Je ärmer die Staaten, desto reicher die Bürger und je ärmer die Bürger desto reicher die Staaten.
Oder
Staaten, die nicht wirtschaften können, schaffen reichere Bürger.

Das hat die EZB längst erkannt, na klar, aber Rettungsschirme gibt es nur für die Reichen.

Ich weiß jetzt, Reichtum kommt nicht aus Sparsamkeit und Arbeit, sondern aus Verschuldung und Ausgeben. Das ist ein innovatives, realitätsnahes, wirtschaftliches Konzept.

Warum habe ich eigentlich BWL studiert? Errrare humanum est!

Der Autor dieses Textes ist mir gut bekannt. Er macht gerne auf Widersprüche aufmerksam. Ich finde die Zahlen im Angesicht der aktuellen Entwicklungen zumindest spannend. Will damit aber keinesfalls Ressentiments gegen unsere europäischen Freunde wecken. Irgendwie zeigen mir aber auch diese Zahlen wieder, dass der Karren wohl wirklich verfahren ist. Und wir um eine große Reform nicht herum kommen, denn sonst kommt die „große Reform“ ohne unser Zutun über uns.

:-) Ich selbst bin dann ja auch mal froh, dass ich nicht BWL studiert habe.

Meine aber auch, dass man mit Arbeit und Sparsamkeit nicht reich wird. Schon eher durch Schulden machen …

RMD

Roland Dürre
Sonntag, 17. März 2013

Knigge im 21. Jahrhundert

Heute zum Thema Kommunikation, Mail und Message!

Mich dürfen alle Menschen immer anrufen. Die meisten meiner Freunde aber wissen, dass man andere Menschen nur dann anrufen sollte, wenn es etwas ganz, ganz Wichtiges ist. Deswegen werde ich relativ selten angerufen. Es gibt aber auch ein paar Ausnahmen :-) Die rufen mich öfters an. Und da das ganz liebe Menschen sind, verzeihe ich Ihnen.

Aber im Ernst: In den Knigge 2013 würde ich zur Kommunikation manches Neue rein schreiben.

Beim Buchstaben K unter „Kommunikation“ zum Beispiel folgende Gebote:

  1. Rufe keinen Menschen ohne Not an!
  2. Die Telefonfunktion Deines kleinen mobilen Computer verwende nur, wenn Du in einer ausweglosen Situation bist!
  3. Besonders vermeide den leichtfertigen Anruf von unterwegs, gleich ob Du zu Fuß, auf dem Fahrrad, im Auto oder im Zug unterwegs bist!
  4. Telefoniere nur dann, wenn das Gespräch vorher vereinbart ist!
  5. Wenn Du schon telefonieren musst, dann prüfe ob nicht die Kommunikation über ein Hangout oder notfalls Skype die bessere Alternative ist!
  6. Und bereite Dich auf das Gespräch gebührend vor. Fass Deine Gedanken und bereite alle Unterlagen, die Du brauchst rechtzeitig vorher vor.
  7. Und sei dann nicht zu geschwätzig und langatmig!

Bei M unter „Mail“ würde ich folgendes formulieren:

  1. Schreibe eine E-Mails nur dann, wenn Du keine bessere Alternative hast!
  2. Lies mal nach, was TOFU war!
  3. Wenn Du eine Mail schreiben musst, dann verzichte auf einen langen Footer!
  4. Vermeide unbedingt Anhänge mit irgendwelchen vermeintlich juristisch notwendigen und doch so sinnlosen Floskeln!
  5. Sende die E-Mail wenn möglich immer nur an einen Teilnehmer!
  6. Verwende „cc“ wenn überhaupt nur im Sinne der alten Technik „Kopie an“!
  7. Das „bcc“ ist eh verboten!
  8. Ja – und wenn das so eine Ping-Pong-E-Mail ist, dann kürze sie doch mal um den ganzen Quatsch und die vielen Footer!

Bei M unter „Messages“ würde ich formulieren:

  1. Verzichte wenn es geht auf SMS!
  2. Wenn Du unbedingt Leute mit Kurznachrichten versorgen musst, dann verwende das vom Partner bevorzugte Medium. Das könnte „What’s App“, FB Messenger, Twitter DM oder ähnliches sein!
  3. Mach die Kurznachrichten nicht unnütz lang!

Und unter A wie „Allgemeines“ würde ich als Grundregel festlegen

  1. Denke nie in Verteilern sondern immer in Communities!
  2. Transparenz und Offenheit sind die zentralen Werte auch der Kommunikation!
  3. Wenn Du über Menschen schreibst, dann immer so, als ob der Betroffene dies lesen würde!

Da könnte man sicher noch mehr dazu schreiben. Und bei Bedarf bin ich gerne bereit, jeden einzeln dieser Punkte zu begründen. Und werde auch versuchen, mich in Zukunft auch persönlich noch besser an diese meine Regeln zu halten.

RMD

Roland Dürre
Dienstag, 5. März 2013

Wilhelm-Tell Politik

Am Wochenende wurde eine neue Form von Meinungsbildung bei Politikern erfunden. Die geht so: Ein kleines Land macht eine Volksabstimmung. Das Ergebnis wird zwar nicht ganz und teilweise nicht nur von den „Europäern“ falsch verstanden, aber das macht nichts.

Die ganze Welt, allen voran die EU sind überrascht von dieser ganz neuen Idee und finden es sofort supertoll, die Einkommen der Manager zu begrenzen und zu senken. In Deutschland übertreffen sich die Politiker (fast) aller Parteien mit der Forderung, dem Schweizer Volksbegehren zu folgen. Sogar die sonst bei solchen Themen immer widerstrebende FDP findet das Schweizer Modell sehr akzeptabel.

Das wäre doch eine ganze neue Art, die Welt politisch zu einen. Die Schweizer machen weiter ihre Volksabstimmungen. Aber ab sofort für die ganze Welt. Die Administrationen der Welt übernehmen die Ergebnisse und setzen diese um. Das wäre doch ein richtungsweisendes Modell von „lean politics“. Würde auch massenhaft Kosten für Wahlen und Wahlkampf einsparen. Der Lobbyismus würde nur noch in der Schweiz stattfinden – und dort nichts schaden, weil das Volk ja klug genug ist, den Lobbyisten nicht auf dem Leim zu gehen.

In der restlichen Welt könnte man die Parlamente abschaffen und die Regierungen verschlanken. Das Wort von der Globalisierung bekäme für die Politik eine ganz neue Bedeutung. Rein kaufmännisch gesehen eine Riesenersparnis. Die Kosten werden minimalisiert,  Ressourcen nicht sinnlos verschwendet und der Output bestimmt nicht verschlechtert. Ein quasi revolutionärer Fortschritt.

RMD

P.S.
Die Gehälter von Führungskräften betreffend hätte ich aber einen vielleicht besseren Vorschlag. Man lege einfach einen Faktor fest (zum Beispiel zwischen 20 – 30) und multipliziere mit diesem das Jahreseinkommen der am geringsten Verdienenden im Unternehmen. Das Ergebnis wäre dann die obere Einkommensgrenze für die Führungskräfte. Vielleicht könnte man dann auch auf Regulationen wie Mindestlohn und weitere verzichten.

Jetzt warte ich nur noch darauf, dass in der Schweiz einer auf die Idee kommt, auch für Stars, Fußballspieler, Rennfahrer … eine Gehaltsbremse (was für ein schönes Wort – könnte direkt aus Deutschland kommen) einzuführen.

Oder noch schöner, wenn die Schweizer auf die Idee kämmen, dass man den Lobbyismus einfach auf dem politischen Leben verbannen sollte …

Also – liebe Schweizer – legt mal so richtig los!

Roland Dürre
Sonntag, 3. März 2013

Ich liebe Clowns ♡

Gestern war in Ottobrunn so richtig Wahlkampf. Weil heute die Wahl des Bürgermeisters statt findet. So standen an den zentralen Stellen des Unorts die Stände der vier Parteien mit ihren Kandidaten und Protagonisten. Sinnlose Geschenke wurden verteilt, eine Blasmusik auf- und der Kandidat der CSU im Elektromobil vorgefahren. Dumme Sprüche auf den Plakaten wie „Einer von uns“ dominierten den Ort, an Argumenten und Werteaussagen war mal wieder Mangelware.

Mich hat das nicht betroffen, bin ich ja Bürger noch von Riemerling/Hohenbrunn und bald Neubiberg. Die alberne „Marketing-Show“ aber hat mich wieder mal abgeschreckt. Aber auch aufgeschreckt, denn ich darf/soll/muss ja auch bald wieder wählen. Die Wahl des Land- und Bundestag finden ja in diesem Jahr statt.

Am Stand der SPD habe ich auch ein Bild ihres Spitzenkandidaten entdeckt. Das ist der Herr, der für mich die Wahl der SPD bei der Bundestagswahl unmöglich macht. Ein leicht cholerischer „Sozi“ (?), der gerne SPD-regierte Kommunen abkassiert, Rechtsbruch als legitim betrachtet, die Kavallerie in neutrale Staaten schicken will und manches mehr dieser Art von sich gibt.

Und der auch mit wenig Sachkenntnis belastet zu sein scheint, weil er zum Beispiel vergisst, dass beim Kanzlergehalt auch eine ganz gute Altersversorgung dabei ist, von der ein normaler Bürger nur träumen kann. Wie auch eine Beschäftigungsgarantie als Lobbyist für die Zeit nach dem Amt. So eine Art hochwertiger Kündigungsschutz nicht nur für ehemalige Kanzler und Minister.

Wie soll auch ein Politiker mit einer gesunden Selbstbedienungsmentalität an so etwas wie die Altersvorsorge denken. Ist doch für den normalen Politiker eine Selbstverständlichkeit. Wie die staatliche Luxuslimousine – für die ich mich schämen würde. Besonders wenn ich sie auch noch auf Kosten der Bürger fahren würde.

Aber eines muss man dem Herrn S. lassen. Mit Sprache kann er umgehen. Vor allem findet er die richtigen Begriffe für die Dinge. So hat er vor kurzem Politiker als Clowns bezeichnet. Waren zwar ausländische. Aber hat damit doch mal wieder voll ins Schwarze getroffen. Großartig!

Wenn ich mir anschaue, was die Politik heute so bewirkt, sei es in Bayern oder Deutschland, in der EU oder auch in den USA, dann gibt es doch nur einen Begriff, der wirklich passt: Die meisten Politiker sind doch  Clowns. Danke Peer. Das bringt es auf den Punkt und macht es auch ein wenig menschlicher und versöhnlicher.

Wie werden von eifrig geschaftelhubernden Clowns regiert. Und diese Clowns schaffen es auch noch, mich immer wieder zum Lachen bringen. Obwohl es gar nicht zum Lachen ist.

Einen der italienischen Clowns mag ich übrigens. Der ist nämlich gegen alles. Und mir geht es ja auch schon so. Die politische Hilfslosigkeit gefährdet die Zukunft meiner Kinder auf dieser Welt immer mehr. Und ich kann nichts machen.

So überkommt mich die Versuchung „einfach gegen alles zu sein“ immer öfters. Besonders seitdem für mich auch die Piraten nicht mehr wählbar sind. Die haben schlichtweg vergessen, dass sie mit dem Willen zur Veränderung angetreten sind. Und dafür ein dämliches Parteiprogramm mehr geschrieben. Veränderung tut weh. Sie darf nicht von Interessensgruppen gesteuert sein. Nicht auf Besitzstandwahrung basieren und von Buchführermentaltität geprägt sein. Sondern muss einem gesellschaftlichen Konsens folgen, der die Menschen eint und die Gesellschaft nicht spaltet.

Jetzt mahnt mich mein Überich,  zum „Wählen zu gehen“. Weil ich die Demokratie gut finde und dem Rechtsstaat sehr dankbar bin. Und als Bürger eine große Verantwortung habe.

Aber wen soll ich wählen? Die Alternativen sind so alternativlos, dass sich bei mir nur noch Ratlosigkeit breit macht.

RMD

Roland Dürre
Montag, 18. Februar 2013

Wer Bilanz macht, der entdeckt Absurdes.

Ist ja eigentlich klar. Aber diesmal spreche ich nicht von meiner Lebensbilanz. Nein, letzte Woche haben wir gemeinsam mit unserem Partner aus der Gilde der Wirtschaftsprüfer die Bilanz der InterFace AG fertig gestellt. Und da habe ich wieder ein paar sehr absurde Regelungen unserer mittlerweile schon sehr verarmten und von Interessen getriebenen Gesetzgebung entdeckt.

Hier ein Beispiel:

In der Abschlussbesprechung zum Geschäftsjahr 2012 am letzten Freitag entdecke ich in der G&V einen Verlust mit dem Titel „Abschreibungen auf Wertpapiere“.

Das wundert mich. Die InterFace AG hat Wertpapiere? Wusste ich gar nicht. Doch dann fällt mir ein:

Aber klar haben wir Wertpapiere! Bei uns können ja Mitarbeiter einen Teil ihres Überstundenguthabens (wenn sie denn eines haben und dies wollen) in Altersversorgung umwandeln. Der „terminus technicus“ heißt „Langzeitarbeitszeitkonto“ (nomen est omen).

Das heißt die Überstunden eines Kollegen, der bei diesem Programm mitmacht, werden nicht ausgezahlt, sondern seinem persönlichem Guthaben fürs Alter zugeführt. Da dieses Geld ja nicht dem Unternehmen sondern dem Mitarbeiter gehört, muss das Unternehmen verantwortlich damit umgehen und die akkumulierten Gelder auch vor einer Insolvenz sichern. Deshalb haben wir diese Beträge in sogenannte „mündelsichere Papiere“ angelegt und diese an den Mitarbeiter verpfändet. So war auch die Regel.

Bürokratisch ist dieses System wie vieles im Staat recht aufwendig. Es mag aber vielleicht ein sinnvoller Beitrag für die persönliche Altersvorsorge sein. Wenn man davon absieht, dass das Geld bei der Auszahlung wahrscheinlich erstaunlich wenig wert sein wird. Aber das wird ja jeder „Riesterer“ auch so erleben.

Vor ein paar Jahren hat dann der Gesetzgeber mal wieder zugeschlagen. In seiner unendlichen Regulierungswut hat er noch ein paar Gesetze mehr zum Thema“Langzeitarbeitszeitskonto“ erlassen. Angeblich um die ach so schlechte Situation zu verbessern, in Wirklichkeit – so vermute ich – eher von den Lobbyisten getrieben.

Den Arbeitgebern wurde damals vorgeschrieben, dass die Anlage solcher Gelder nur noch in sogenannte „Zertifizierte Wertpapiere“ erfolgen darf. Sparbuch oder Festgeld zum Beispiel sind da nicht dabei, obwohl man bei diesen Anlageformaten zumindest ja nominell keinen Verlust haben dürfte.

So mussten wir pünktlich zur Gesetzesänderung unsere „mündelsicheren Anlagen“ in „zertifizierte Wertpapiere“ umwandeln. Und haben da wie immer die Anlagen nach dem prioren Kriterium der Sicherheit ausgewählt.

Und siehe da – genau im Jahre 2012, in dem sich nicht nur der DAX bombastisch entwickelt hat, machen unsere „zertifizierten“ Wertpapiere einen doch erwähnenswerten Verlust.

Was schließe ich daraus?

Dass bei besagtem Gesetz die wesentlichen Anteile von Lobbyisten geschrieben und dann von unserem Gesetzgeber einfach mal ins Gesetz kopiert wurden. So wie wohl mancher unserer Politik- und Nicht-Politik-Doktoren das so gemacht hat. Und solches Kopieren finde ich bei Doktorarbeiten fast weniger schlimm als bei Gesetzen. Und würde mir auch bei der Entstehung von Gesetze noch mehr Transparenz wünschen.

Und mein Vorurteil hat sich weiter verfestigt, dass alles, was sich „zertifiziert“ nennt, doch sehr häufig schon von Haus aus stinkt.

RMD

Roland Dürre
Donnerstag, 7. Februar 2013

Nicht der Mensch ist für die Arbeit da …

… sondern die Arbeit soll dem Menschen dienen.

Dieser Satz ist bestimmt schon von vielen Leuten gesagt worden. Habe aber gerade keine Lust zu recherchieren. Wäre dann ohne Lust ja Arbeit. Außerdem klingt der Satz ja ein wenig nach Marx (Igittigitt).

Aber etwas ist an dem Satz schon dran. Für mich ist Arbeit, wenn ich (unter anderem) nur wegen Geld Dinge machen soll oder muss, die ich partout nicht machen will. Wenn ich mich dagegen auf das „Dinge machen“ freue, dann ist das für mich keine Arbeit sondern Spaß.

Und wahrscheinlich bin ich glücklicher, wenn ich Dinge machen darf, die mir Spaß machen, als wenn ich gezwungen bin, etwas zu machen, das ich eben nicht machen will. Und als „Weißer Kragen“ oder „Wissensarbeiter“ habe ich sogar die Chance, in so eine schöne Situation hineinzukommen. Zumindest ist das mein Ziel für meine letzten Jahre als Werktätiger.

Nur ist das nicht wieder die Arroganz des „Weißen Kragen“? Und für die meisten Menschen eine nicht erfüllbare Utopie? Weil es immer Arbeit geben wird, die so „Bäh“ ist, dass niemand sie machen will. Und man dann doch wieder die „armen Menschen“ braucht, die ihre Existenz sichern müssen. Und so bereit sind für schnödes Geld Dinge zu tun, die sie so gar nicht tun möchten?

P.S.
:-) Trage übrigens ab und zu lieber schwarze Rollis. Hoffentlich ist das nicht die Uniform der Rosinenpicker?

Roland Dürre
Donnerstag, 31. Januar 2013

Acht Arbeitstage zu verschenken …

Sitze bei offenem Fenster im Büro in der Frühlingssonne. Eine Motorwelt hat sich auf meinen Schreibtisch verirrt.

Nur zur Erinnerung für irgendwelche Nerds, die es nicht wissen: Der ADAC ist der wichtigste Verein Deutschlands. Er ist der Club der Autofahrer und hat mehr als 18 Millionen Mitglieder. Damit ist er nach dem US-amerikanischen AAA der zweitgrößte Automobilclub der Welt. Die Motorwelt ist das monatlich als Illustrierte erscheinende zentrale Organ des ADAC.

Früher war der ADAC vor allem der Lobbyist der „Autofahrer-Community“. Heute ist der Club zu einer Organisation geworden, die vor allem versucht, an das beste ihrer Mitglieder heran zu kommen – an ihr Geld. Dazu dient unter anderem auch die Motorwelt, die (nicht nur) die ADAC-Mitglieder mit Unmengen von Anzeigen zum Kauf von margen-trächtigen „Sonderangeboten“ (oft von hoch profitablen ADAC-Tochterunternehmen) verführen will.

Der Themenschwerpunkt des aktuellen Hefts (Heft 2  Februar 2013) ist „STAU“. Das Heft wirbt für mächtige Investitionen in den Ausbau von Straßen.

Hier ein paar Zitate aus dem Heft:
„Deutschland braucht ein umfassendes Programm zur Straßensanierung.“
Weil uns schon die Titelseite belehrt:
„Nur noch STAU – 595000 km Stillstand – auf deutschen Straßen herrscht Chaos.“

Auf Seite 20 lese ich dann:
„Acht Arbeitstage verbringt jeder deutsche Autofahrer jährlich im Stau.“
Und weiter:
„Bürger und Wirtschaft leiden unter immer schlechteren Straßen, die Politik sieht dem starken Verkehrswachstum tatenlos zu.“

Mir bleibt da wieder mal die Spucke weg. Denn ich glaube, dass wir andere Probleme in Deutschland haben als unsere Straßen (Bildung, Demographie, Energie, Gesellschaft, Klima, …). Dass das Chaos nicht im Stillstand sondern in der Bewegung stattfindet. Dass nicht nur der deutsche Autofahrer sondern auch der „mit den ausländischen Wurzeln“  im Stau steht. Bin für eine sanfte aber stetige Verringerung und De-Emotionalisierung des Individualverkehrs.

Und selbst bin ich froh, dass ich kein „Deutscher Autofahrer“ mehr bin. So habe ich doch acht Arbeitstage gewonnen. Und wenn ich dann noch bedenke, wie viel Stunden „der Deutsche Autofahrer“ dann noch an Zeit, die er nicht im Stau steht, am Steuer arbeiten muss, dann bin ich richtig glücklich. Irgendwie spare ich mir wahnsinnig viel Zeit und Arbeit. Und vom Ersparten verwende ich dann ab und zu ein wenig dafür, einen Artikel in IF-Blog zu schreiben.

RMD

Roland Dürre
Mittwoch, 30. Januar 2013

Die Rohstoffe des südlichen Amerikas

Unsere Kanzlerin ist sehr fleißig. Rund um die Uhr arbeitet sie. Sie scheut auch keine und noch so lange Dienstreise. So war Frau Merkel gerade mit Tross auf Südamerika-Tour. Mit Brasilien hat sie eine der Supermächte der Zukunft besucht. Dort hat sie um die Rohstoffe gekämpft. Um unsere Rohstoffe. Für Deutschland. Für die deutsche Industrie. Gegen die Chinesen.

Habe ich jetzt vielleicht ein wenig vereinfacht dargestellt. Aber so habe ich es den Medien entnommen.

Aber was ist das wieder für ein Unsinn! Wir haben eine „globalisierte“ Welt – besonders in der wirtschaftlichen Dimension. Das erklärte Ziel von EU und USA ist die radikal freie Marktwirtschaft, außer wenn es um die eigene Geschäfte geht. Auch in Europa ist Privatisierung die Zauberformel.

So ist klar, dass die Rohstoffe an den gehen werden, der am meisten dafür bezahlt. Was vielleicht langfristig sogar hilft, das richtige Ziel „keine Verschwendung“ zu unterstützen. Nur ist es halt noch nicht so weit. Kann aber schnell passieren.

China aber ist unser Produktions-Land. Seit Jahren schließen wir Produktionsanlagen in Europa und verlagern sie nach Asien. Weil das billiger ist und wir auch so den Lärm und den Dreck von schmutziger Industrie los sind. Und uns nur noch um die Entsorgung des importierten Wohlstandmülls kümmern müssen.

Insofern müssten wir doch eigentlich dafür sorgen, dass China freien Zugang zu den Rohstoffen erhält. Und uns überlegen, wohin wir unseren Wohlstands-Müll exportieren. Wie auch den Atom-Müll, den wir ja jetzt endlich auch gesetzeskonform ins Ausland entsorgen dürfen.

Vielleicht geht die nächste Dienstreise unserer Kanzlerin dann doch wieder nach Afrika. Natürlich für Deutschland.

RMD

Roland Dürre
Montag, 28. Januar 2013

Die Differenzierung unserer Mütter …

Die Geschichte von den Müttern und ihren Arbeitsplätzen vor ein paar Tagen geht mir immer noch durch den Kopf. Besonders weil ich den Begriff mit den „ausländischen Wurzeln“ jetzt noch öfters gelesen und gehört habe.

In offizieller Statistik wurde da von Müttern „mit ausländischen Wurzeln“ berichtet. Das Gegenteil von „ausländischen Wurzeln“ sind doch die „inländischen Wurzeln“? Oder sind es die „deutschem Wurzeln“? Dann müsste das Gegenteil aber „Mütter mit nichtdeutschen Wurzeln“ heißen?

Und haben Mütter wirklich Wurzeln? Und was sind „deutsche Wurzeln“?

Was für ein Blödsinn. Da schlage ich jetzt zurück und differenziere die Mütter mal ganz anders.

Nach „streng katholischen“, „aufgeklärt evangelischen“, „jüdischen“, „islamischen“, „buddhistischen“, „atheistischen“ und sonstigen Müttern.

Nach „Barbie-Puppen-Müttern – und nach „Total-besorgt-Müttern“

Nach „Sagrotan-Müttern“, die ihre Buben für die Sauberkeit beschneiden lassen und „Gammel-Müttern“.

Nach „Bonzenmüttern“ und „Armutsmüttern“.

Nach „Arbeitermüttern„und „Akademikermüttern“.

Nach „3K-Müttern“ (Kirche, Küche, Kinder) und nach „1K-Müttern“ (Karriere).

Nach „sittlich anständigen Müttern“ und „Müttern mit einem unmoralischen Lebenswandel“.

Nach „allein-erziehenden Müttern“ und „gemeinsam-erziehenden Müttern“.

Nach „Null-Kind-Müttern“ und „n-Kind-Müttern“.

Dann könnte man Statistiken machen, wie viel Arbeitsplätze für diese Kategorien da sind. Oder sich mal die Wurzeln der Väter anschauen. Danke, mir reicht es!

RMD

Roland Dürre
Mittwoch, 23. Januar 2013

Die Wurzeln unserer Mütter …

… und ihre Arbeitsplätze.

Heute morgen im Tagesgespräch in Bayern 2 kurz vor sieben höre ich, dass nur jede zweite Mutter mit „ausländischen Wurzeln“ einen Arbeitsplatz hätte. Und wundere mich mal wieder. Doppelt.

Inhaltlich, weil dieser Satz doch irgendwie unterstellt, dass es gut und richtig wäre, wenn jede Mutter einen Arbeitsplatz hätte. Und auch, dass die Mütter mit „deutschen Wurzeln“ alle einen Arbeitsplatz haben. Die Mütter mit „ausländischen Wurzeln“  wären wieder mal benachteiligt – schließe ich mal. Weiß ich ja nicht …

Obwohl es bei Müttern vielleicht kulturelle Unterschiede geben könnte, die auch die Begleitung der Kinder durch die Mutter betreffen.

Frech finde ich auch die Substitution des Begriffs vom Menschen „mit Migrantenhintergrund“ durch den des Menschen „mit ausländischen Wurzeln“. Dieser sprachliche Blödsinn heißt doch wirklich „vom Regen in die Traufe kommen“.

Kann man diesen Mist nicht einfach mal beenden? Wir sind doch alle Menschen. Muss und kann man unsere kulturelle Unterschiedlichkeit wirklich differenzieren und dann noch auf Arbeitsplätze abbilden? Und dann noch irgendwelche Schlüsse daraus ziehen, die wahrscheinlich mehr oder weniger falsch sind?

Oder ist das ganze nur ein versteckter Vorwurf an die Mütter „mit ausländischen Wurzeln“. Dass nämlich diese dem in diesem Lande vorhandenen gesellschaftlichem Druck zur „arbeitenden Mutter“ nicht folgen und nicht bereit wären zu arbeiten. Denn nicht zu besetzende Putzfrauen-Stellen gibt es ja in Deutschland genug.

RMD

P.S.
Im Web habe ich diesen Artikel zur Sache gefunden.