Klaus Hnilica
Donnerstag, der 31. Juli 2014

Machtverlust – oder die verdrängte Auslöschung

Udo Liekysz, zweiter Mann der ‚Republik Transistien’, war überzeugt, dass nur er vom Volk und der Führung der Republik ausersehen war, die Nachfolge des ‚großen Führers Jordan Khon’ anzutreten. Doch dann wurde nach dessen Tod überraschend Sandor, der völlig unerfahrene zwanzigjährige Sohn des ‚großen Führers’, auf den Thron gehievt und Liekysz auf demütigende Weise während einer Vollversammlung der Partei verhaftet und eliminiert! Vor welchem Gremium Udo Liekysz die nachfolgende Rede – vermutlich seine letzte – gehalten hat, ist nicht dokumentiert!

„Sie alle haben mich darin gesehen! In diesem mythischen Kleidungsstück! Und wir alle erinnern uns, dass bereits die ersten Kinderlieder in den ‚Jordan Khon Schulen’ sich ausschließlich um dieses unvergleichliche Kleidungsstück drehten. Und mein Gott – wie wahnsinnig sehnten wir uns danach, wenigstens einmal im Leben – und sei es nur für ein paar lumpige Sekunden – auch in diese ‚überirdische Umhüllung’ schlüpfen zu dürfen! Davon träumen wir doch heute noch! Oder?

ZAa MaIMG_5131Natürlich wagt kein Erwachsener, dieses abwegige Verlangen laut auszusprechen: denn wir alle wissen, dass nur ihm – dem Unaussprechlichen – das Privileg zusteht, jede Nacht in einem neu angefertigten, unendlich zarten ‚blauen Seidenpyjama mit tausend Sternen und Planeten’ schlafen zu dürfen: nur er verdient diese höchste Auszeichnung bis ans Ende der Tage – sonst niemand im Sonnensystem!

Vielleicht können Sie sich jetzt vorstellen, was für ein unbeschreibliches Entsetzen mich befiel, als ich mich letzten Dienstag in der Morgendämmerung auf meinem Eisenbett aufrichtete, energisch die nicht vorhandene Bettdecke zurückwarf, meine Beine mühsam über die Bettkante schwenkte und plötzlich feststellen musste, dass mir während des Schlafes genau dieser ‚überirdische blaue Führerseidenpyjama’ abhanden gekommen war – dabei hatte ich die ganze Nacht nur davon geträumt?

Was war da los? Wer konnte das veranlasst haben? Plante jemand gar einen Umsturz?

Es kam noch schlimmer!

Denn ich – Udo Liekysz – der einzig ‚wahre Präsident der Republik Transistien’, steckte nicht nur nicht in dem heiligen ‚blauen Seidenpyjama der tausend Sterne und Planeten’, sondern in einem groben Leinenkittel, der hinten vom Hals ab komplett offen war.

Können Sie sich das vorstellen?

Ganz zu schweigen von dem kalten Eisenrahmen des Bettes, der in meine Oberschenkel drückte und die Blutzufuhr in die unanständig entblößten ‚Präsidentengesäßbacken’ abwürgte. Noch scheußlicher war der grellgelbe Urinfleck – da unten – auf dem Kittel! Mit dieser Deutlichkeit war der auf dem ‚blauen Seidenpyjama’ in der Nacht nicht zu sehen gewesen!

Das können Sie mir glauben! Meine herabhängenden weißen Beine übersät von Hungerödemen – wären auch niemals so unstaatsmännisch herumgependelt, wenn sie noch in den blauen Seidenhosen stecken würden. Das war unbestreitbar!

Reichlich unangenehm war auch die modrige Kälte auf meinem freiliegenden Rücken: Ja – ich Udo Liekysz – der ‚wahre Präsident der Republik Transistien’ – fröstelte sogar ein wenig! Da wurde eindeutig zuviel gespart; ein Versagen der zuständigen Behörde! Ein bisschen Wärme brauchte auch ein Präsident! Das musste auf alle Fälle umgehend in Ordnung gebracht werden! Sobald ich wieder in der Lage war, auf meinen verwelkten Beinen voran zu kommen, werde ich sofort die notwendigen Maßnahmen einleiten… Schließlich tat ich das nicht zum ersten Mal!

Unlängst war ich in einer ganz ähnlichen Situation gewesen! Und was meinen Sie wie schnell die zuständigen Behörden reagiert hatten? Das war selbst für mich überraschend gewesen: denn kaum hatte ich mich an diesem grimmig kalten Montagmorgen deutlich sichtbar auf dem ‚Platz der Republik’ aufgestellt, mich als der neue ‚Präsident der Republik Transistien, der wirklich dem Volk dient’ vorgestellt und mein ‚Neues Programm’ verkündet, als auch schon eine Hundertschaft begeisterter Landsleute in festlichen Uniformen munter schnatternd auf mich zueilte, mich umringte, mich begeistert empor hob – und fast etwas rüde mit sich fortriss! Aber bei dieser spontanen Begeisterung war das kein Wunder gewesen! Im Gegenteil, ich ließ die jubelnden Massen ohne Einschränkung gewähren… Für dieses einfache Volk war ja jede Faser meiner einfachen Kleidung eine kostbare Reliquie! Wer hätte das nicht verstanden?

Drum wollte ich auch kein Aufhebens machen, als ich schon nach kürzester Zeit nur mehr Hemd und Unterhose am Leib hatte und richtig zu frieren begann: denn ich sah doch den freudig erregten Menschen an, wie recht ich mit meinem Eingreifen gehabt hatte! Es war höchste Zeit gewesen, ‚Neues’ zu verkünden, wenn das Land nicht vollständig vor die Hunde gehen sollte!

Und was meinen Sie, in welch erschütterndem, heruntergekommenen Zustand selbst der Präsidentenpalast war? Sie können sich das nicht vorstellen? Die oft hinter vorgehaltener Hand gescholtenen Prunkräume des ‚Präsidenten der Republik Transistien’ bestanden in Wirklichkeit aus einer einzigen jämmerlichen Kammer mit Bett, Tisch, Stuhl und zwei Eimern: in einem konnte man sich waschen, in den anderen wurde hinein gekackt. Da beide stanken, war es gar nicht leicht, sich für den richtigen zu entscheiden!

Aber was sollte es – bei der Armut draußen im Land, war es nur recht und billig, dass auch der ‚Präsident der Republik’ sich in Bescheidenheit übte! Ich war natürlich zunächst von der Kargheit des Raumes überrascht, als man mich im Überschwang der Begeisterung, gepaart mit ein wenig Schalkhaftigkeit, schon von der Tür aus auf das harte Eisenbett geknallt hatte. Vielleicht war ich ja auch mit dem Kopf ein klein wenig gegen die Wand gekracht und kurz bewusstlos gewesen, denn als ich zu mir kam, waren alle meine Landsleute weg und ich ganz alleine…

Was ja auch in Ordnung war, schließlich mussten die sich um ihre Familien kümmern, das Leben war hart genug außerhalb des Präsidentenpalastes. Da hatte ich es viel besser! Ich war versorgt! Wenn auch auf eine sehr einfache Art! Ja – ich stand wirklich vor einer gigantischen Aufgabe in dieser ‚Neuen Republik Transistien’!

Nur um Ihnen ein Beispiel zu geben wie ungeschult alleine das Personal im Präsidentenpalast war: Als sich nach etlichen Tagen immer noch niemand um mich kümmerte, da man wohl auch drastische Personaleinsparungen angeordnet hatte, um das Land wieder auf Vordermann zu bringen, bekam ich doch langsam Hunger und fror auch wieder. Durch Klopfzeichen und Rufe konnte ich mich soweit bemerkbar machen, dass sich endlich ein Untergebener zeigte, dem ich meine Anweisungen erteilen konnte! Aber was soll ich Ihnen sagen, der Mann war nicht nur schlampig gekleidet und mürrisch – sondern gab mir statt einer Antwort – links und rechts eine schallende Ohrfeige! Und als ich mir verwundert die Backe rieb und fragte was das soll, gab er mir noch einen Tritt in den Hintern, dass ich in hohem Bogen auf mein Bett segelte.

Nun Sie werden mir sicher beipflichten, dass man in diesem Fall nicht gerade von ausreichend geschultem Personal sprechen konnte! Wenngleich ich schon auch erwähnen sollte, dass diese gezielte ‚Schnellmassage’ an Kopf und Hinterteil meinen Kreislauf prächtig in Schwung brachte und ich danach sogar eher schwitzte als fröstelte – ja das musste ich dem Mann zugestehen, das hatte er erreicht!

Aber natürlich ist noch jede Menge zu tun in der ‚Neuen Republik’, und ich habe deshalb auch überhaupt keine Zeit, noch länger hier zu referieren, sondern muss sofort meine Ministerriege zusammenrufen! Wissen Sie, die Entleerung der beiden Eimer in der Präsidentensuite darf unter keinen Umständen noch länger hinausgezögert werden! Vielleicht spüren Sie ja auch schon den beißenden Geruch?

Und die Wäscheklammer auf der Nase, kann und darf nicht zur Dauerlösung werden! Lasst uns endlich handeln! Ich, der ‚wahre Präsident der Republik Transistien’ ermächtige Euch dazu!“

KH

PS: Nach einer Idee von Detlef Knoll

Roland Dürre
Freitag, der 2. Mai 2014

Unternehmen gründen heute!

Wenn ich heute bei so Business-Wettbewerben dabei bin und / oder Business Pläne lese, dann gewinne ich den Eindruck, dass …

… es keine Bayerische Verfassung gibt, die dem Gewerbetreibenden vorschreibt, dass sein Gewerbe auch einen Nutzen für die Allgemeinheit haben muss.

… alle Gründer bei der Gründung nur Geld und Macht im Sinn haben (und falls sie männlich sind auch Frauen).

… die Mehrung des „Shareholder-Value“ immer noch das ausschließliche Unternehmensziel ist.

… dass auch nur auf die zarte Andeutung einer Sinnstiftung des Unternehmens sehr oft verzichtet wird.

Denn ich lese und höre überwiegend von Zahlen und Märkten. Umsatz und Ergebnis stehen im Vordergrund. Und das angebotene Produkt wie das aufzubauende Unternehmen sind die Mittel zum Zweck. Der Zweck ist „Geld verdienen“. In großer Ausschließlichkeit. Und wenn dies nicht anders geht, dann halt dadurch, dass das neue Unternehmen nach kurzer Zeit mit hoher Wertsteigerung weiter veräußert werden kann.

Dann denke ich mir:
Da läuft doch irgend etwas falsch.

Sehr häufig lese ich auch, dass man viel Geld (… mehrere Millionen …) bräuchte, um ein starkes Marketing und einen penetranten Vertrieb aufzubauen. Weil das das Hauptproblem wäre.

Und dann denke ich mir:
Warum erfindet Ihr denn nicht einfach Produkte, die die Menschen brauchen?

RMD

Klaus Hnilica
Donnerstag, der 29. August 2013

Verdammt – dieser Trolley?

Carl und Gerlinde (XXXIII)

Ja – Dr. Osterkorn verweigerte Carl den bereits genehmigten Urlaub!

Nein – im August gab es für Führungskräfte noch nie Urlaub: Carl wüsste doch selbst nur zu gut, dass TRIGA um diese Zeit immer die neue Frühjahrskollektion verabschiedet! Und dieses Mal sogar die gesamte Wäschekollektion – nicht nur Damenunterwäsche und Dessous, sagte Dr. Osterkorn.

ZEimg085Da Miriam Braun noch immer Karenzurlaub hatte, war er, Carl, natürlich doppelt und dreifach gefragt! Die versehentlich ausgesprochene Urlaubsbewilligung wär’ wirkungslos, sagte Dr. Osterkorn, alias Bernie, die könne Carl sich an den Hut oder sonst wohin stecken!

„Schick doch deine Gerlinde alleine los, oder mit einer Freundin, die auf sie aufpasst“, ergänzte er augenzwinkernd, als er in Carls enttäuschtes Gesicht schaute.

„Du fährst mir jedenfalls jetzt nicht fort, dich brauche ich!“ raunte er Carl noch zu, bevor er ihn mit einem festen, freundschaftlichen Blick in dessen blauen Augen entließ und mit einem Händedruck verabschiedete, bei dem Carl keine Miene verzog, weil er wusste, dass das gleich einsetzende Taubheitsgefühl in der rechten Hand nach zwei Tagen üblicherweise von selbst abklang…

Und Carl hatte sogar Glück! Hannelore war sofort bereit für ihn einzuspringen. Ohne auch nur einen Augenblick zu zögern nahm sie freudig hüpfend das Opfer auf sich, mit Gerlinde nach Mallorca in die gemütliche Finca bei Cala Mayor zu fliegen, die Carl schon vor Wochen heimlich gebucht hatte, um Gerlinde zu überraschen. Das war also überhaupt kein Problem gewesen, da hatte Bernie auf eine vertrackte Weise Recht gehabt!

Und heute Abend kamen beide zurück! Carl erwartete sie am Hauptbahnhof, Gleis 1: Ankunftszeit 20 Uhr 05!

Welch freudige Überraschung – die S-Bahn vom Flughafen hatte nur 22 Minuten Verspätung! Die Bahn befand sich offensichtlich auf dem richtigen Kurs: noch vor einem Jahr hatten er und Gerlinde fast eine Stunde Verspätung als sie aus Mallorca zurückkamen.

Gott – man war ja schon zufrieden, wenn während der Sommermonate überhaupt noch ein paar Züge über den Hauptbahnhof geleitet wurden! Und eine halbe oder dreiviertel Stunde herumzustehen, war wirklich zumutbar. Ob man zwischen den Schlaglöchern auf den Straßen die Zeit vertrödelte oder auf dem zugigen Bahnsteig herumirrte, war letztlich egal, oder?

Wie interessant auch – bei dem gläsernen Unterstand über den Sitzbänken am Bahnsteigende von Gleis 1 hatte das Planungsteam der Bahn sogar mitgedacht – da konnte man tatsächlich von der Videoüberwachung erfasst werden, wenn man abends niedergetreten wurde! Das war wirklich einmal ein positiver Aspekt!

Momentan saß ein Farbiger in dem Glasgehäuse, er las in einem Buch! Sein schwarzer Trolley stand an der Glaswand. Auch gut zu sehen!

Sonst war kaum jemand am Bahnsteig um diese Zeit: ein junger Bursche ächzte mit seinem Fahrrad aus der Unterführung die Stiege hoch, und auf der Bank unweit von Carl verschlang eine hübsche Blondine mit langen knusprig braunen Beinen einen riesigen Hamburger, der bei ihrer zupackenden Art keine Chance hatte.

Carl schlenderte ziellos den Bahnsteig entlang. Als er umdrehte, sah er, wie der Farbige im gläsernen Unterstand lesend aufstand, lesend zur Stiege ging und auch weiter las als er zügig über die Treppe nach unten in die Unterführung eilte. Den schwarzen Trolley ließ er mutterseelenallein zurück!

Na – der hat ein Gottvertrauen, dachte Carl und ging auf den Trolley zu. Dann stoppte er plötzlich! Er schaute sich um – aber von dem farbigen Besitzer, war nichts mehr zu sehen; der war tatsächlich seinem Gepäck abhanden gekommen!

Auch unten in der Unterführung keine Spur von ihm, soweit Carl das von der Treppe aus beobachten konnte. Aber vielleicht war das ja auch gar nicht sein Gepäckstück gewesen, dachte Carl. Vielleicht war der Trolley schon dagestanden als er sich lesend in den gläsernen Unterstand gesetzt hatte. Carl stand jetzt zwei Meter vor dem Trolley.

Komisch war das schon!

Er überlegte, ob er das unbeaufsichtigte Gepäckstück melden sollte? Aber wo? Und wem?

So einfach war das im konkreten Fall gar nicht.

Es gab ja nirgends mehr Bahnpersonal, das man ansprechen konnte: vielleicht hätten die ihn sogar ausgelacht? Die anderen Fahrgäste schien der vereinsamte Trolley ja auch nicht zu beunruhigen. Und der Bahnsteig bevölkerte sich jetzt zusehends: auch etliche Familien mit Kindern kamen die Treppe hoch…

Carl beschloss abzuwarten!

Vorsorglich vergrößerte er nicht nur die Entfernung zu dem schwarzen Trolley, sondern versuchte auch mehr schützende Masse zwischen sich und dem potentiellen Explosivkörper zu bringen. Aber auf dem Bahnsteig waren nur Anzeigetafeln, Sitzbänke und ein paar Träger, die das Dach hielten. Mehr Masse war da nicht!

Der Stiegenabgang, der war massiv, dahinter konnte er sinnvoll Schutz suchen! Aber was war, wenn der Trolley gerade explodierte, wenn die S-Bahn mit Gerlinde und Hannelore einfuhr?

In zehn Minuten war es so weit! Schlimm, wie rasend schnell die Zeit verging! Eine weitere Verspätung war nicht mehr angekündigt worden. Typisch Bahn! Jetzt war sie auf einmal pünktlich! Immer zum falschen Zeitpunkt.

Carl fühlte sich zwar hinter dem Abgangsgebäude sicher, sah aber mit immer größerer Sorge, wie sich der Bahnsteig weiter mit Menschen füllte.

Diese Art von schützender Masse hatte er sich nicht gewünscht!

Warum klaute denn niemand diesen blöden Trolley?

Wo waren die Horden von Gepäckdieben, die sonst alles verunsicherten? Endlich hätten sie sich nützlich machen können.

Was war mit der Videoüberwachung?

Warum reagierte von der Bahnaufsicht niemand?

Das waren echt Defizite in diesen anonymisierten öffentlichen Räumen in der heutigen Zeit, dachte Carl. Und die Zeit lief unerbittlich ab: spätestens in 4 Minuten fuhr die verspätete S- Bahn pünktlich ein – und die Katastrophe war da…

Carl wurde immer zappeliger. Er kaute an seiner Unterlippe und wischte sich mehrmals den Speichel aus den Mundwinkeln. Aus seiner Stirn traten Schweißperlen und seine Hände wurden klebrig.

Sollte er nicht

Aber wie sollte er das begründen, ohne sich zur Lachnummer zu machen? Es gab ja offensichtlich niemand auf dem Bahnsteig, der seine Sorge teilte. War er wirklich der einzige Hellsichtige?

Der Einzige der die Katastrophe kommen sah?

Zwei Minuten noch, dann fuhr die S-Bahn ein!

Carl lief rasch die Treppe hinunter. Da er nichts mehr tun konnte, wollte er wenigstens sich in Sicherheit bringen. Die Unterführung bot optimalen Schutz! Drum war der farbige Dschihadist da auch hinuntergeeilt mit seinem Koran. Klaro!

Carl fiel es plötzlich wie Schuppen von den Augen! In Sekundenschnelle fügte sich alles zusammen und Carl war mitten drin im infernalischen Geschehen: stolperte tatsächlich bereits über unzählige  verstümmelte Tote und Verletzte, registrierte die bis zur Unkenntlichkeit zerfetzten Leiber, die wie Geschoße durch die Luft katapultiert wurden, duckte sich weg vor dieser grauenhaften Anhäufung abgerissener Arme und Beine, die gleich gierigen Fischen in einem Meer von Blut herumzappelten und nach den abgetrennten Köpfen schnappten, die wie Tennisbälle knallend von kollidierenden Betonbrocken abprallten – und dann erst – eine Ewigkeit später – dröhnte der ohrenbetäubende Knall der alles auslösenden Explosion in Carls Ohren, begleitet von einem gewaltigen Beben und orkanartigen Getöse, dem ein unheimlich nachhallendes Geschepper berstender Eisenträger folgte, eingebettet in eine gespenstisch helle Staubwolke, die alles Geschehen zudeckte und in eine wundersam weiße Winterlandschaft verwandelte…

Die letzten Meter zum Bahnhof-Ausgang, legte Carl im Laufschritt zurück – er war ja fit! Von außen her konnte er in dem angerichteten Chaos auch viel sinnvoller bei der Bergung der Leichen und der Verwundeten helfen und seine ganze Kraft bei den gleich einsetzenden Aufräumungsarbeiten einbringen..

Die S-Bahn musste in diesem Augenblick einfahren!Gott, was für eine brüllende Stille!

Carl stand regungslos vor dem Ausgang! Unfähig auch nur die kleinste Bewegung auszuführen. Leichenblass starrte er in die Bahnhofshalle und fürchtete jeden Moment sich übergeben zu müssen…

Offensichtlich erreichten auch schon die ersten Fahrgäste aus der S-Bahn den Ausgangsbereich! Dann braungebrannt und kichernd Gerlinde und Hannelore mit ihren schwarzen Trolleys…

Carl spürte, wie irgendetwas in seiner Brust explodierte! Völlig losgelöst flog er atemlos auf die beiden zu, umarmte, küsste und drückte sie und entschuldigte sich tausendmal für den entsetzlichen Stau in dem er gesteckt war…

KH

Roland Dürre
Sonntag, der 7. Juli 2013

Industrie 4.0

Die nächste Sau wird durchs Dorf getrieben!

RMD

P.S.
In der Kürze liegt die Würze.

Ich empfinde kostenpflichtige öffentliche Toiletten als Symptom des Niederganges unserer Gesellschaft!

Auf den Flughäfen dieser Welt gibt es immer ganz viele Toiletten. Die Anzahl ist gigantisch, jede ist sehr großzügig ausgestattet. Toiletten in Flughafen erlebe ich eigentlich immer als sauber – und selten als überlaufen.

Am Flughafen in München soll ich nach meinem kostenfreien Geschäft sogar noch elektronisch mein Feedback zum Toiletten-Erlebnis abgeben. Durch Knopf-Druck auf Sensoren mit Smiley-Symbolen am Ausgang. Wohl der neustes Schrei. Die Luxus-Toiletten an unserem und allen anderen mit bekannten Airports sind immer kostenlos.

Die Ausrede „Das muss so sein, weil man da ja kein Münzen in der nationalen Währung dabei hat“ zieht auch nicht mehr.  Wir haben eine große gemeinsame Währung in Europa, außerdem verfügt jeder erwachsene Flugzeug-Reisende über mindestens eine Kreditkarte oder ein ähnliches globales Zahlungsmittel (Handy). Und Kinder dürfen auch in den deutschen Malls in der Regel unten durch. Und ein Land mit einer eigenen Währung wie die Schweiz könnte das leicht organisieren, z.B. in Form von 2 Piesel-Münzen bei der Einreise, verwendbar in den kostenpflichtigen Toiletten des Flughafens.

Aber Fluggäste sind halt etwas besonderes und so sind Flughäfen privilegierte Orte. Auch was die Toiletten betrifft. An Bahnhöfen gibt es auch Toiletten. Die dagegen kosten aber richtig Geld. Außer, wenn man als privilegierter Bahnfahrer eine „BahnCard Comfort“ hat. Dann darf man in die Lounge – und kann dort umsonst „pinkeln“. Aber dies auch nur in den großen Städten.

Auch im ZOB (Zentralen Omnibus-Bahnhof) an der Hackerbrücke gibt es es eine moderne und saubere Toiletteanlage. Auch kostenpflichtig und sündteuer.

An den vielen kleinen Bahnhöfen und Busbahnhöfen gibt es aber meistens gar keine Toiletten. Wer viel mit regionalen Landbussen fährt, der weiß, dass so mancher Hub völlig in der Prärie ist.

Politker & Penner

Am Hauptbahnhof bemerkt man die Folgen dieser Politik. Denn in dieser Region gibt es ein wenig mehr Obdachlose. Und Das „Pieseln“ ist denen dann zu teuer. Man sieht und riecht die Folgen.

Jetzt stelle ich mir mal vor, ich bin ein Bahnhof-Penner.

Und schon älter – und muss so vielleicht ein wenig öfters als in jungen Jahren. Wenn ich dann in der Nähe des Hauptbahnhofs residiere und legal „meinen Geschäften“ nachgehen möchte, dann wird das teuer.

Sagen wir, ich muss 10 Mal am Tag. Einmal kostet mittlerweile mmer deutlich mehr als 50 Cent, oft bis zu einem Euro (noch). Dann wird das teuer. Es entstehen Kosten von 5 – 10 EURO am Tag. Nur für die Entsorgung meines Körpers. Wahrscheinlich ist das teurer als die Versorgung desselbigen.

Auch als Pfandflaschen-Sammler käme ich nicht sehr weit. Für die Bierflasche aus Glas gibt es weniger als 10 Cent, und auch die wertvolle Wertstoff-Flasche vom Aldi bringt nur 25 Cent. Das heißt ich muss mindestens 10 Bierflaschen finden um einmal zu pieseln. Am Tag wären das dann nach meiner Rechnung 100 – eine echte Herausforderung für den Penner.

Dann bleibt eigentlich nur eins. Ich muss mobil sein – und zum Flughafen umziehen. Fürchte aber, dass dort die Security genauso fit ist wie die Truppe der WC-Reiniger. Und am Flughafen wird bestimmt kein Platz für Penner sein. Ja, das Leben wird – nicht nur – für Penner immer schwieriger.

Ich finde es immer wieder schlimm, dass unser Gemeinwesen kein Geld mehr für öffentliche Toiletten und ähnlich wirklich wichtige Dinge hat. Die Versorgung mit solcher Infrastruktur  im öffentlichen Raum ist doch eine zentrale Basis-Aufgabe eines Gemeinwesens.

So fordere ich öffentliche, saubere und kostenfreie Toiletten an allen belebten Orten! Und nehme dafür auch eine Video-Überwachung mit Alarmfunktion an solchen Plätzen  in Kauf, damit die Vandalisten solcher Orte erwischt und zur Rechenschaft gezogen werden können.

Bestrafen würde ich die Vandalisten übrigens nicht mehr mit Geldstrafen und Gefängnis. Sondern sie als zur Arbeit an dem Ort als Toilettenmann/-frau verpflichten.

🙂 Inklusive dem Recht, dann auch die Toiletten auf anständige Art und Weise nutzen zu dürfen.

RMD

Roland Dürre
Dienstag, der 26. März 2013

Reiche Arme …

Hier ein Ausschnitt aus einer Diskussion, die ich als so eine Art „Briefwechsel im Internet“ mitbekommen habe.

In den fünfziger und sechziger Jahren waren Kurzgeschichten der Science Fiction ein beliebtes, aus den USA importiertes Genre. Frederik Pohl, Repräsentant einer Strömung, die ich hier einfach mal als “Social Fiction” bezeichne, veröffentlichte unter anderem eine Geschichte mit dem Titel “Die Armen Reichen”. Ausgangspunkt ist eine Konsumgesellschaft, die damit beschäftigt ist, eine von Robotern hergestellte Überproduktion von Gütern und Dienstleistungen an den Mann zu bringen. Die Bürger sind mit Rationierungskarten ausgestattet, je niedriger die soziale Stellung, desto höher die mindestens zu konsumierenden Rationen. Das heißt, wer einen ausgibt, lässt hier den anderen bezahlen.

Luxuriöse Villenviertel sind also die Elendsviertel und Laubenpieperkolonien eine Art Beverly Hills. Dass der Autor letzten Endes aus dieser genialen Idee nicht viel macht, ist hier nicht von Bedeutung.

Erinnerungen an besagte Geschichte kamen auf, als ein Freund meine Aufmerksamkeit auf einen Artikel in der “Welt” lenkte. Dort steht:

Die Vermögen der Privathaushalte in Deutschland sind einer Studie der Bundesbank zufolge deutlich kleiner als in Euro-Krisenländern wie Spanien oder Italien. Das mittlere Vermögen deutscher Haushalte belaufe sich auf rund 51.400 Euro netto, teilte die Bundesbank am Donnerstag in Frankfurt am Main mit. In Italien betrage das Haushaltsvermögen rund 163.900 Euro, in Spanien rund 178.300 Euro.

In Frankreich belaufe sich das Vermögen der Haushalte im Mittel auf 113.500 Euro, erklärte die Bundesbank weiter. Der für Österreich ermittelte Wert liege mit 76.400 Euro näher am deutschen Niveau. In Deutschland selbst falle das mittlere Vermögen im Osten mit 21.400 Euro deutlich geringer aus als im Westen mit 78.900 Euro je Haushalt.
[In diesem Artikel finden sich noch mehr interessante Zahlen zu Eigentum in diversen Ländern der EU]

Im Vergleich zu hochverschuldeten Krisenstaaten wie Spanien ist damit das vorbildliche, hochproduktive Deutschland beim Vermögen (Aktiva minus Passiva) bettelarm. Selbst die Franzosen, die ja statistisch 6 Wochen pro Jahr weniger als die Deutschen arbeiten, stehen bedeutend besser da. Vielleicht liegt es daran, dass die Reallöhne von 2000 bis 2010 um 4,5% gesunken sind oder daran, dass die Germanen ihr Geld lieber in Malle verballern als “Schaffe, schaffe, Häusle baue” zu praktizieren?

Kommentare über die Aussagekraft von Durchschnitten (Was wird da eigentlich durchgeschnitten und was ist der Belag auf der Schnitte?) überlasse ich lieber dem Statistiker. Mir dämmert jedoch die logische Folgerung:

Je ärmer die Staaten, desto reicher die Bürger und je ärmer die Bürger desto reicher die Staaten.
Oder
Staaten, die nicht wirtschaften können, schaffen reichere Bürger.

Das hat die EZB längst erkannt, na klar, aber Rettungsschirme gibt es nur für die Reichen.

Ich weiß jetzt, Reichtum kommt nicht aus Sparsamkeit und Arbeit, sondern aus Verschuldung und Ausgeben. Das ist ein innovatives, realitätsnahes, wirtschaftliches Konzept.

Warum habe ich eigentlich BWL studiert? Errrare humanum est!

Der Autor dieses Textes ist mir gut bekannt. Er macht gerne auf Widersprüche aufmerksam. Ich finde die Zahlen im Angesicht der aktuellen Entwicklungen zumindest spannend. Will damit aber keinesfalls Ressentiments gegen unsere europäischen Freunde wecken. Irgendwie zeigen mir aber auch diese Zahlen wieder, dass der Karren wohl wirklich verfahren ist. Und wir um eine große Reform nicht herum kommen, denn sonst kommt die „große Reform“ ohne unser Zutun über uns.

🙂 Ich selbst bin dann ja auch mal froh, dass ich nicht BWL studiert habe.

Meine aber auch, dass man mit Arbeit und Sparsamkeit nicht reich wird. Schon eher durch Schulden machen …

RMD

Roland Dürre
Sonntag, der 17. März 2013

Knigge im 21. Jahrhundert

Heute zum Thema Kommunikation, Mail und Message!

Mich dürfen alle Menschen immer anrufen. Die meisten meiner Freunde aber wissen, dass man andere Menschen nur dann anrufen sollte, wenn es etwas ganz, ganz Wichtiges ist. Deswegen werde ich relativ selten angerufen. Es gibt aber auch ein paar Ausnahmen 🙂 Die rufen mich öfters an. Und da das ganz liebe Menschen sind, verzeihe ich Ihnen.

Aber im Ernst: In den Knigge 2013 würde ich zur Kommunikation manches Neue rein schreiben.

Beim Buchstaben K unter „Kommunikation“ zum Beispiel folgende Gebote:

  1. Rufe keinen Menschen ohne Not an!
  2. Die Telefonfunktion Deines kleinen mobilen Computer verwende nur, wenn Du in einer ausweglosen Situation bist!
  3. Besonders vermeide den leichtfertigen Anruf von unterwegs, gleich ob Du zu Fuß, auf dem Fahrrad, im Auto oder im Zug unterwegs bist!
  4. Telefoniere nur dann, wenn das Gespräch vorher vereinbart ist!
  5. Wenn Du schon telefonieren musst, dann prüfe ob nicht die Kommunikation über ein Hangout oder notfalls Skype die bessere Alternative ist!
  6. Und bereite Dich auf das Gespräch gebührend vor. Fass Deine Gedanken und bereite alle Unterlagen, die Du brauchst rechtzeitig vorher vor.
  7. Und sei dann nicht zu geschwätzig und langatmig!

Bei M unter „Mail“ würde ich folgendes formulieren:

  1. Schreibe eine E-Mails nur dann, wenn Du keine bessere Alternative hast!
  2. Lies mal nach, was TOFU war!
  3. Wenn Du eine Mail schreiben musst, dann verzichte auf einen langen Footer!
  4. Vermeide unbedingt Anhänge mit irgendwelchen vermeintlich juristisch notwendigen und doch so sinnlosen Floskeln!
  5. Sende die E-Mail wenn möglich immer nur an einen Teilnehmer!
  6. Verwende „cc“ wenn überhaupt nur im Sinne der alten Technik „Kopie an“!
  7. Das „bcc“ ist eh verboten!
  8. Ja – und wenn das so eine Ping-Pong-E-Mail ist, dann kürze sie doch mal um den ganzen Quatsch und die vielen Footer!

Bei M unter „Messages“ würde ich formulieren:

  1. Verzichte wenn es geht auf SMS!
  2. Wenn Du unbedingt Leute mit Kurznachrichten versorgen musst, dann verwende das vom Partner bevorzugte Medium. Das könnte „What’s App“, FB Messenger, Twitter DM oder ähnliches sein!
  3. Mach die Kurznachrichten nicht unnütz lang!

Und unter A wie „Allgemeines“ würde ich als Grundregel festlegen

  1. Denke nie in Verteilern sondern immer in Communities!
  2. Transparenz und Offenheit sind die zentralen Werte auch der Kommunikation!
  3. Wenn Du über Menschen schreibst, dann immer so, als ob der Betroffene dies lesen würde!

Da könnte man sicher noch mehr dazu schreiben. Und bei Bedarf bin ich gerne bereit, jeden einzeln dieser Punkte zu begründen. Und werde auch versuchen, mich in Zukunft auch persönlich noch besser an diese meine Regeln zu halten.

RMD

Roland Dürre
Dienstag, der 5. März 2013

Wilhelm-Tell Politik

Am Wochenende wurde eine neue Form von Meinungsbildung bei Politikern erfunden. Die geht so: Ein kleines Land macht eine Volksabstimmung. Das Ergebnis wird zwar nicht ganz und teilweise nicht nur von den „Europäern“ falsch verstanden, aber das macht nichts.

Die ganze Welt, allen voran die EU sind überrascht von dieser ganz neuen Idee und finden es sofort supertoll, die Einkommen der Manager zu begrenzen und zu senken. In Deutschland übertreffen sich die Politiker (fast) aller Parteien mit der Forderung, dem Schweizer Volksbegehren zu folgen. Sogar die sonst bei solchen Themen immer widerstrebende FDP findet das Schweizer Modell sehr akzeptabel.

Das wäre doch eine ganze neue Art, die Welt politisch zu einen. Die Schweizer machen weiter ihre Volksabstimmungen. Aber ab sofort für die ganze Welt. Die Administrationen der Welt übernehmen die Ergebnisse und setzen diese um. Das wäre doch ein richtungsweisendes Modell von „lean politics“. Würde auch massenhaft Kosten für Wahlen und Wahlkampf einsparen. Der Lobbyismus würde nur noch in der Schweiz stattfinden – und dort nichts schaden, weil das Volk ja klug genug ist, den Lobbyisten nicht auf dem Leim zu gehen.

In der restlichen Welt könnte man die Parlamente abschaffen und die Regierungen verschlanken. Das Wort von der Globalisierung bekäme für die Politik eine ganz neue Bedeutung. Rein kaufmännisch gesehen eine Riesenersparnis. Die Kosten werden minimalisiert,  Ressourcen nicht sinnlos verschwendet und der Output bestimmt nicht verschlechtert. Ein quasi revolutionärer Fortschritt.

RMD

P.S.
Die Gehälter von Führungskräften betreffend hätte ich aber einen vielleicht besseren Vorschlag. Man lege einfach einen Faktor fest (zum Beispiel zwischen 20 – 30) und multipliziere mit diesem das Jahreseinkommen der am geringsten Verdienenden im Unternehmen. Das Ergebnis wäre dann die obere Einkommensgrenze für die Führungskräfte. Vielleicht könnte man dann auch auf Regulationen wie Mindestlohn und weitere verzichten.

Jetzt warte ich nur noch darauf, dass in der Schweiz einer auf die Idee kommt, auch für Stars, Fußballspieler, Rennfahrer … eine Gehaltsbremse (was für ein schönes Wort – könnte direkt aus Deutschland kommen) einzuführen.

Oder noch schöner, wenn die Schweizer auf die Idee kämmen, dass man den Lobbyismus einfach auf dem politischen Leben verbannen sollte …

Also – liebe Schweizer – legt mal so richtig los!

Roland Dürre
Sonntag, der 3. März 2013

Ich liebe Clowns ♡

Gestern war in Ottobrunn so richtig Wahlkampf. Weil heute die Wahl des Bürgermeisters statt findet. So standen an den zentralen Stellen des Unorts die Stände der vier Parteien mit ihren Kandidaten und Protagonisten. Sinnlose Geschenke wurden verteilt, eine Blasmusik auf- und der Kandidat der CSU im Elektromobil vorgefahren. Dumme Sprüche auf den Plakaten wie „Einer von uns“ dominierten den Ort, an Argumenten und Werteaussagen war mal wieder Mangelware.

Mich hat das nicht betroffen, bin ich ja Bürger noch von Riemerling/Hohenbrunn und bald Neubiberg. Die alberne „Marketing-Show“ aber hat mich wieder mal abgeschreckt. Aber auch aufgeschreckt, denn ich darf/soll/muss ja auch bald wieder wählen. Die Wahl des Land- und Bundestag finden ja in diesem Jahr statt.

Am Stand der SPD habe ich auch ein Bild ihres Spitzenkandidaten entdeckt. Das ist der Herr, der für mich die Wahl der SPD bei der Bundestagswahl unmöglich macht. Ein leicht cholerischer „Sozi“ (?), der gerne SPD-regierte Kommunen abkassiert, Rechtsbruch als legitim betrachtet, die Kavallerie in neutrale Staaten schicken will und manches mehr dieser Art von sich gibt.

Und der auch mit wenig Sachkenntnis belastet zu sein scheint, weil er zum Beispiel vergisst, dass beim Kanzlergehalt auch eine ganz gute Altersversorgung dabei ist, von der ein normaler Bürger nur träumen kann. Wie auch eine Beschäftigungsgarantie als Lobbyist für die Zeit nach dem Amt. So eine Art hochwertiger Kündigungsschutz nicht nur für ehemalige Kanzler und Minister.

Wie soll auch ein Politiker mit einer gesunden Selbstbedienungsmentalität an so etwas wie die Altersvorsorge denken. Ist doch für den normalen Politiker eine Selbstverständlichkeit. Wie die staatliche Luxuslimousine – für die ich mich schämen würde. Besonders wenn ich sie auch noch auf Kosten der Bürger fahren würde.

Aber eines muss man dem Herrn S. lassen. Mit Sprache kann er umgehen. Vor allem findet er die richtigen Begriffe für die Dinge. So hat er vor kurzem Politiker als Clowns bezeichnet. Waren zwar ausländische. Aber hat damit doch mal wieder voll ins Schwarze getroffen. Großartig!

Wenn ich mir anschaue, was die Politik heute so bewirkt, sei es in Bayern oder Deutschland, in der EU oder auch in den USA, dann gibt es doch nur einen Begriff, der wirklich passt: Die meisten Politiker sind doch  Clowns. Danke Peer. Das bringt es auf den Punkt und macht es auch ein wenig menschlicher und versöhnlicher.

Wie werden von eifrig geschaftelhubernden Clowns regiert. Und diese Clowns schaffen es auch noch, mich immer wieder zum Lachen bringen. Obwohl es gar nicht zum Lachen ist.

Einen der italienischen Clowns mag ich übrigens. Der ist nämlich gegen alles. Und mir geht es ja auch schon so. Die politische Hilfslosigkeit gefährdet die Zukunft meiner Kinder auf dieser Welt immer mehr. Und ich kann nichts machen.

So überkommt mich die Versuchung „einfach gegen alles zu sein“ immer öfters. Besonders seitdem für mich auch die Piraten nicht mehr wählbar sind. Die haben schlichtweg vergessen, dass sie mit dem Willen zur Veränderung angetreten sind. Und dafür ein dämliches Parteiprogramm mehr geschrieben. Veränderung tut weh. Sie darf nicht von Interessensgruppen gesteuert sein. Nicht auf Besitzstandwahrung basieren und von Buchführermentaltität geprägt sein. Sondern muss einem gesellschaftlichen Konsens folgen, der die Menschen eint und die Gesellschaft nicht spaltet.

Jetzt mahnt mich mein Überich,  zum „Wählen zu gehen“. Weil ich die Demokratie gut finde und dem Rechtsstaat sehr dankbar bin. Und als Bürger eine große Verantwortung habe.

Aber wen soll ich wählen? Die Alternativen sind so alternativlos, dass sich bei mir nur noch Ratlosigkeit breit macht.

RMD

Roland Dürre
Montag, der 18. Februar 2013

Wer Bilanz macht, der entdeckt Absurdes.

Ist ja eigentlich klar. Aber diesmal spreche ich nicht von meiner Lebensbilanz. Nein, letzte Woche haben wir gemeinsam mit unserem Partner aus der Gilde der Wirtschaftsprüfer die Bilanz der InterFace AG fertig gestellt. Und da habe ich wieder ein paar sehr absurde Regelungen unserer mittlerweile schon sehr verarmten und von Interessen getriebenen Gesetzgebung entdeckt.

Hier ein Beispiel:

In der Abschlussbesprechung zum Geschäftsjahr 2012 am letzten Freitag entdecke ich in der G&V einen Verlust mit dem Titel „Abschreibungen auf Wertpapiere“.

Das wundert mich. Die InterFace AG hat Wertpapiere? Wusste ich gar nicht. Doch dann fällt mir ein:

Aber klar haben wir Wertpapiere! Bei uns können ja Mitarbeiter einen Teil ihres Überstundenguthabens (wenn sie denn eines haben und dies wollen) in Altersversorgung umwandeln. Der „terminus technicus“ heißt „Langzeitarbeitszeitkonto“ (nomen est omen).

Das heißt die Überstunden eines Kollegen, der bei diesem Programm mitmacht, werden nicht ausgezahlt, sondern seinem persönlichem Guthaben fürs Alter zugeführt. Da dieses Geld ja nicht dem Unternehmen sondern dem Mitarbeiter gehört, muss das Unternehmen verantwortlich damit umgehen und die akkumulierten Gelder auch vor einer Insolvenz sichern. Deshalb haben wir diese Beträge in sogenannte „mündelsichere Papiere“ angelegt und diese an den Mitarbeiter verpfändet. So war auch die Regel.

Bürokratisch ist dieses System wie vieles im Staat recht aufwendig. Es mag aber vielleicht ein sinnvoller Beitrag für die persönliche Altersvorsorge sein. Wenn man davon absieht, dass das Geld bei der Auszahlung wahrscheinlich erstaunlich wenig wert sein wird. Aber das wird ja jeder „Riesterer“ auch so erleben.

Vor ein paar Jahren hat dann der Gesetzgeber mal wieder zugeschlagen. In seiner unendlichen Regulierungswut hat er noch ein paar Gesetze mehr zum Thema“Langzeitarbeitszeitskonto“ erlassen. Angeblich um die ach so schlechte Situation zu verbessern, in Wirklichkeit – so vermute ich – eher von den Lobbyisten getrieben.

Den Arbeitgebern wurde damals vorgeschrieben, dass die Anlage solcher Gelder nur noch in sogenannte „Zertifizierte Wertpapiere“ erfolgen darf. Sparbuch oder Festgeld zum Beispiel sind da nicht dabei, obwohl man bei diesen Anlageformaten zumindest ja nominell keinen Verlust haben dürfte.

So mussten wir pünktlich zur Gesetzesänderung unsere „mündelsicheren Anlagen“ in „zertifizierte Wertpapiere“ umwandeln. Und haben da wie immer die Anlagen nach dem prioren Kriterium der Sicherheit ausgewählt.

Und siehe da – genau im Jahre 2012, in dem sich nicht nur der DAX bombastisch entwickelt hat, machen unsere „zertifizierten“ Wertpapiere einen doch erwähnenswerten Verlust.

Was schließe ich daraus?

Dass bei besagtem Gesetz die wesentlichen Anteile von Lobbyisten geschrieben und dann von unserem Gesetzgeber einfach mal ins Gesetz kopiert wurden. So wie wohl mancher unserer Politik- und Nicht-Politik-Doktoren das so gemacht hat. Und solches Kopieren finde ich bei Doktorarbeiten fast weniger schlimm als bei Gesetzen. Und würde mir auch bei der Entstehung von Gesetze noch mehr Transparenz wünschen.

Und mein Vorurteil hat sich weiter verfestigt, dass alles, was sich „zertifiziert“ nennt, doch sehr häufig schon von Haus aus stinkt.

RMD