Roland Dürre
Mittwoch, der 30. Januar 2013

Die Rohstoffe des südlichen Amerikas

Unsere Kanzlerin ist sehr fleißig. Rund um die Uhr arbeitet sie. Sie scheut auch keine und noch so lange Dienstreise. So war Frau Merkel gerade mit Tross auf Südamerika-Tour. Mit Brasilien hat sie eine der Supermächte der Zukunft besucht. Dort hat sie um die Rohstoffe gekämpft. Um unsere Rohstoffe. Für Deutschland. Für die deutsche Industrie. Gegen die Chinesen.

Habe ich jetzt vielleicht ein wenig vereinfacht dargestellt. Aber so habe ich es den Medien entnommen.

Aber was ist das wieder für ein Unsinn! Wir haben eine “globalisierte” Welt – besonders in der wirtschaftlichen Dimension. Das erklärte Ziel von EU und USA ist die radikal freie Marktwirtschaft, außer wenn es um die eigene Geschäfte geht. Auch in Europa ist Privatisierung die Zauberformel.

So ist klar, dass die Rohstoffe an den gehen werden, der am meisten dafür bezahlt. Was vielleicht langfristig sogar hilft, das richtige Ziel “keine Verschwendung” zu unterstützen. Nur ist es halt noch nicht so weit. Kann aber schnell passieren.

China aber ist unser Produktions-Land. Seit Jahren schließen wir Produktionsanlagen in Europa und verlagern sie nach Asien. Weil das billiger ist und wir auch so den Lärm und den Dreck von schmutziger Industrie los sind. Und uns nur noch um die Entsorgung des importierten Wohlstandmülls kümmern müssen.

Insofern müssten wir doch eigentlich dafür sorgen, dass China freien Zugang zu den Rohstoffen erhält. Und uns überlegen, wohin wir unseren Wohlstands-Müll exportieren. Wie auch den Atom-Müll, den wir ja jetzt endlich auch gesetzeskonform ins Ausland entsorgen dürfen.

Vielleicht geht die nächste Dienstreise unserer Kanzlerin dann doch wieder nach Afrika. Natürlich für Deutschland.

RMD

Roland Dürre
Montag, der 28. Januar 2013

Die Differenzierung unserer Mütter …

Die Geschichte von den Müttern und ihren Arbeitsplätzen vor ein paar Tagen geht mir immer noch durch den Kopf. Besonders weil ich den Begriff mit den “ausländischen Wurzeln” jetzt noch öfters gelesen und gehört habe.

In offizieller Statistik wurde da von Müttern “mit ausländischen Wurzeln” berichtet. Das Gegenteil von “ausländischen Wurzeln” sind doch die “inländischen Wurzeln”? Oder sind es die “deutschem Wurzeln”? Dann müsste das Gegenteil aber “Mütter mit nichtdeutschen Wurzeln” heißen?

Und haben Mütter wirklich Wurzeln? Und was sind “deutsche Wurzeln”?

Was für ein Blödsinn. Da schlage ich jetzt zurück und differenziere die Mütter mal ganz anders.

Nach “streng katholischen”, “aufgeklärt evangelischen”, “jüdischen”, “islamischen”, “buddhistischen”, “atheistischen” und sonstigen Müttern.

Nach “Barbie-Puppen-Müttern – und nach “Total-besorgt-Müttern”

Nach “Sagrotan-Müttern”, die ihre Buben für die Sauberkeit beschneiden lassen und “Gammel-Müttern”.

Nach “Bonzenmüttern” und “Armutsmüttern”.

Nach “Arbeitermüttern“und “Akademikermüttern”.

Nach “3K-Müttern” (Kirche, Küche, Kinder) und nach “1K-Müttern” (Karriere).

Nach “sittlich anständigen Müttern” und “Müttern mit einem unmoralischen Lebenswandel”.

Nach “allein-erziehenden Müttern” und “gemeinsam-erziehenden Müttern”.

Nach “Null-Kind-Müttern” und “n-Kind-Müttern”.

Dann könnte man Statistiken machen, wie viel Arbeitsplätze für diese Kategorien da sind. Oder sich mal die Wurzeln der Väter anschauen. Danke, mir reicht es!

RMD

Roland Dürre
Mittwoch, der 23. Januar 2013

Die Wurzeln unserer Mütter …

… und ihre Arbeitsplätze.

Heute morgen im Tagesgespräch in Bayern 2 kurz vor sieben höre ich, dass nur jede zweite Mutter mit “ausländischen Wurzeln” einen Arbeitsplatz hätte. Und wundere mich mal wieder. Doppelt.

Inhaltlich, weil dieser Satz doch irgendwie unterstellt, dass es gut und richtig wäre, wenn jede Mutter einen Arbeitsplatz hätte. Und auch, dass die Mütter mit “deutschen Wurzeln” alle einen Arbeitsplatz haben. Die Mütter mit “ausländischen Wurzeln”  wären wieder mal benachteiligt – schließe ich mal. Weiß ich ja nicht …

Obwohl es bei Müttern vielleicht kulturelle Unterschiede geben könnte, die auch die Begleitung der Kinder durch die Mutter betreffen.

Frech finde ich auch die Substitution des Begriffs vom Menschen “mit Migrantenhintergrund” durch den des Menschen “mit ausländischen Wurzeln”. Dieser sprachliche Blödsinn heißt doch wirklich “vom Regen in die Traufe kommen”.

Kann man diesen Mist nicht einfach mal beenden? Wir sind doch alle Menschen. Muss und kann man unsere kulturelle Unterschiedlichkeit wirklich differenzieren und dann noch auf Arbeitsplätze abbilden? Und dann noch irgendwelche Schlüsse daraus ziehen, die wahrscheinlich mehr oder weniger falsch sind?

Oder ist das ganze nur ein versteckter Vorwurf an die Mütter “mit ausländischen Wurzeln”. Dass nämlich diese dem in diesem Lande vorhandenen gesellschaftlichem Druck zur “arbeitenden Mutter” nicht folgen und nicht bereit wären zu arbeiten. Denn nicht zu besetzende Putzfrauen-Stellen gibt es ja in Deutschland genug.

RMD

P.S.
Im Web habe ich diesen Artikel zur Sache gefunden.

Gastautor(en)
Mittwoch, der 26. Dezember 2012

Weihnachtsgruß an alle Sysadmins!

Hier ein Artikel eines lieben IF-Blog-Freundes, der in IF-Blog mit interessanten Kommentaren nicht sparsam ist. Es ist Hans Bonfigt, der für mich völlig überraschend jetzt einmal in die Rolle des Gastautors geschlüpft ist. Hier ist sein:

Weihnachtsgruß an alle Sysadmins

Auf eine ganz bestimmte Art und Weise wurden “wir” EDV-Leute eigentlich schon immer, ja, in unserer Heimat heißt das “veräppelt”. Nein, es hat nix mit den Plagiaten des Herrn Jobs zu tun, sondern es ist aus einem gewissen Unverständnis heraus geboren:
“Erst wenn die Lichter angehen, fangt Ihr an zu arbeiten”, so wurden wir aufgezogen. Na klar, liebe Anwender (ein schlimmeres Schimpfwort kennen wir nicht), wie sollen wir Eure Systeme, die ihr wieder verderkelt habt, denn auch in Ordnung bringen, solange Ihr davor sitzt? Früher ging das gar nicht, denn da hatte man typischer-weise ein Einplatzsystem, an dem halt auch nur einer arbeiten konnte. Irgendwann waren die Maschinen dann ‘multitaskingfähig’, aber die Anwender waren es nicht. Wir sind da wählerischer – wir wollen die Maschine meistens exklusiv für uns.

Und während Ihr spätestens seit vergangenem Freitag auf der Couch liegt, ist eine kleine Minderheit seit Freitagmittag bis jetzt damit beschäftigt, Euren Mist aufzuräumen. Mit maximal zwei Stunden Schlaf in 24 Stunden. Denn wir wissen, was es am morgigen Donnerstag wieder für ein Geblöke gibt, wenn irgendeine Kleinigkeit nicht klappt: “WIR KÖNNEN NICHT ARBEITEN …” !  –  Als ob wir das nicht seit Jahren wüßten.

Ja, jedes Jahr wird der Augiasstall, den Ihr in unseren Systemen anrichtet, fieser und vor allem größer. Und Ihr lernt es einfach nicht. Also, daß Ihr davon ablaßt, Euer Paßwort unter die Mausmatte zu kleben, darauf habe ich eigentlich nie gehofft. Ich weiß ja, was für einen Scheiß Ihr wählt und irgendwo müssen die ganzen facebook-luser ja herkommen. Von Euch so etwas wie ein Minimum an Verantwortungsgefühl zu erwarten – wäre ich so töricht, könnte ich in meinem Job nicht arbeiten.

Aber irgendwie habe ich über die Jahre gehofft, ihr würdet Euch wenigstens die Dinge angewöhnen, die Euch das Leben leichter machen, aber weit gefehlt:

- Keine Leerzeichen und Umlaute in Dateinamen, unsere Rede seit mindestens 20 Jahren. Und vor allen Dingen nicht den ganzen Text Eures Dokuments in den Dateinamen. Gerade Ihr, die ihr nicht einmal den Großbuchstaben ‘O’ von einer Null unterscheiden könnt, solltet doch nicht voraussetzen, daß Umlaute oder auch nur Groß- und Kleinschreibung in Dateinamen plattformübergreifend interoperabel implementiert wären. Schon gar nicht unter Euren geliebten Windows, welches intern nämlich nur die “8.3″-Nomenklatur kennt, die unter DOS schon zum Himmel stank.

- Mindestens genausolange predigen wir Euch, “legt gemeinsam benutzte Dateien zentral ab UND HÖRT AUF, SIE EUCH GEGENSEITIG ZUZUMAILEN”. Und wir sagen Euch auch, “ZITIERT RICHTIG und hängt nicht den ganzen Sarotti von Rede und Gegenrede immer wieder hinten an”. Ja, Jungs und Mädels, und nun sitze ich seit Freitag vor einem 24 TERABYTE großen Mailspool. Den muß ich auf 12 TB zusammenschrumpfen. Und verlaßt Euch drauf, das habe ich getan. Und wo gehobelt wird, da fallen Späne.

- Wie oft haben wir Euch gesagt, ihr sollt Eure Papierkörbe leeren. Aber keine Sorge, auch das habe ich für Euch erledigt. Mit der halstiefen Rasur.

- Bei der Gelegenheit:  Ich habe auch alle Eure Browser-Caches gelöscht.  Denn ich hatte einfach keine Lust, die riesige Pornosammlung, die Ihr euch da zusammengeklickt habt, auch noch mitzusichern und auf das neue SAN zu migrieren, das angeblich erforderlich war.

Ja, die Informationsgesellschaft hat kein schlankes, ebenmäßiges Gesicht mehr, sondern eine aufgedunsene Visage à la Dirk Bach. Wenn ich da so an früher denke:

Das mit den Lochkarten habe ich noch richtig miterlebt, die maximale Sourcefile-Größe lag beim KIENZLE SLM bei 2.780 Zeilen, das paßte in einen handlichen Koffer. Echt lästig, richtig schwer und ‘mal eben eine Kopie ziehen’, das dauerte halt. Mergen war die Hölle. Perfekte Beherrschung der Maschinensprache war Pflicht, denn ein Assemblerlauf mit einer vergleichbaren Anzahl Karten dauerte 2 1/2 Stunden. Wer da nicht manuell patchen konnte, für den war, buchstäblich, “aus die Maus”.

Die ECMA-34 – Kassette war ein Segen. Ja, liebe Anwender, Ihr kennt sie als Musikcassette, aber für Euch war sie eigentlich gar nicht gedacht, sondern für uns. Ein ganzer Lochkartenkoffer paßte nun bequem in die Hemdtasche, 900 Blöcke à 256 Zeichen gingen da drauf und man konnte sie doppelseitig beschreiben. Noch schöner die 8-Zoll-Floppies, da brauchte man die Quelldateien gar nicht mehr zu laden, sondern konnte sie direkt bearbeiten.

Indexsequentielle Dateien auf Disketten, das war erst recht ein Genuß.

Mit den “großen” Festplatten, die nicht mehr alle 14 Tage crashten, gab es eine weitere Revolution: Man brauchte eigentlich gar nicht mehr mit Datenträgern zu hantieren, weil sich ja alles auf dem System befand. Bloß sichern mußte man noch. Die Sicherung mit den Halbzollbändern hatte etwas, die Wartung war durchaus aufwendig, man mußte mit Hilfe eines Oszillographen (ja, so hießen die Dinger früher) die “Katzenaugen” richtig einstellen, die sich aus Schreibkopfsignal und dem um 180° phasenverschobenen Echo des Lesekopfs ergaben. Die Bandmaschinen waren teuflisch schnell und hatten ein schier unendliches Fassungsvermögen.

Mit den Cartridges, ibs. der QIC-Kassette, kamen auch bezahlbare Systeme auf den Markt, unser erstes Schätzchen schaffte 20 MB und brauchte dafür eine halbe Stunde.

Zu dieser Zeit etwa kamen diese unappetitlichen “Commodore” auf den Markt, die aussahen wie ein Brotkasten – wir reden also über die späten 80er Jahre.

Was hat sich eigentlich geändert ?

Ich darf hier über die Feiertage ein komplettes SAN neu aufsetzen, auf dem ALLE, aber auch wirklich alle Daten eines mittelgroßen Unternehmens abgelegt sind. Und ich muß ALLES löschen, natürlich nach vorheriger Sicherheitskopie auf Band und natürlich redundant, und weil es wichtig ist, auch noch dissimilar redundant.

Die Cartridges sind kleiner und schneller geworden. Hier fliegen gerade gut 140 MB pro Sekunde vom Band auf die Platten, pro Sekunde also packt das System also die siebenfache an Daten weg, die man in der 80ern auf eine QIC-20 – Kassette bekam. 3,5 Stunden schrumpfen zu einer Sekunde zusammen.

Eine Produktivitätssteigerung um 1.259 %.

Halt ‘mal, WIRKLICH ?

Das Unternehmen, bei dem ich gerade arbeite, hatte in den 80ern ebenfalls eine QIC-20 – Bandstation, sie hing an einem IBM /38, welches das gesamte Unternehmen mit der notwendigen EDV-Infrastruktur versorgte.

Die neue EDV macht eigentlich nix anderes, sie versorgt genau wie früher 200 Leute mit diversen Programmen. Heute mögen es unwesentlich mehr sein. Eine Migration in den 80ern hat drei Tage gedauert, in der aktuellen Situation komme ich schon jetzt auf fünf. Und vor morgen früh, fünf Uhr, bin ich nicht fertig.
Auf der alten Maschine konnte den Job ein gut ausgebildeter Servicetechniker erledigen, das neue System ist ultrakomplex und vereint so ziemlich alle neueren Technologien in einer Kiste – insbesondere kommt sie nicht mehr ohne Windows und den famosen IBM DRECK-TOR aus – ein in JAVA zusammengestoppelter, atemberaubend stinkender Haufen Sondermüll. Da kommt kein Mensch mehr mit zurecht. Gottseidank bin ich ja auch keiner.

Die alte Maschine war eigentlich nie kaputt, die neue fällt zwar wegen Redundanz auch nicht aus, aber ständig verendet irgendeine Komponente und die dann erforderliche Reparatur treibt einem den Angstschweiß auf die Stirn.

Die alte Maschine war richtig flott, die neue ist es eigentlich auch, aber das JAVA/AJAX/PINGPONG – Neppinterface ist schweinelahm und die Benutzer drehen Däumchen.

Ja, liebe Anwender – KEIN MITLEID !  Ihr wolltet das GUI, Ihr habt es.  Minderwertiger Augenzucker für minderwertige Mitarbeiter, jedem das Seine.

Aber wo ist bloß der Fortschritt geblieben? Irgendwo war er doch?

Die Antwort liefert, und ich zitiere das nochmal, Bertrand Russell:

Jeder Zuwachs an Technik bedingt, wenn damit ein Zuwachs des menschlichen Glücks verbunden sein soll, einen entsprechenden Zuwachs an Weisheit.

Vulgo: Die EDV-Landschaft hat sich vom ‘Tool’ zum ‘Toy’ gewandelt. Mit allen üblen Konsequenzen. Eine Sekretärin der Nordwest AG erzählte mir unlängst, daß sie mit HIT/CLOU, einem Textprogramm der InterFace AG, in etwa zehnmal schneller Briefe erstellen konnte als heute mit einem aktuellen “Word”. Unter Verwendung von etwa einem Tausendstel an Rechnerleistung, Hauptspeicher und Plattenspeicher.

Wir sind träge geworden, fett und degeneriert.

Tja, und es fehlt irgendwie der Spirit. Früher hatte ich Spaß an solchen “Nightflights”, genoß das beruhigende Rauschen der Lüfter und war mir vor allen Dingen sicher, ich würde den Job bis zum Termin hinbekommen.

Dadurch, daß ich überhaupt ein System einigermaßen überschauen kann, bin ich ja erst in der Lage, Verantwortung zu übernehmen.

Heute kann ich mir nicht mehr sicher sein, die Komplexität zu beherrschen. Und wenn ich in den letzten Tagen irgendwas verkackt habe, dann können am Donnerstag 200 Leute nicht arbeiten. Am Freitag auch nicht. Die Woche darauf auch nicht. Denn es sind weder Programme noch Daten da. Löhne und Gehälter funktionieren noch, das wird extern erledigt, aber ob sie auch bezahlt werden können, ist fraglich.

Und ich darf gleich unter die Brücke ziehen.

Und JA, es gibt eine ganze Menge Menschen, die auch jetzt viel wichtigere Dinge tun, beispielsweise eigentlich jeder Lokführer, der nicht, wie ich gerade, nur 200 Menschen “im Rücken” hat, sondern 800. Oder die gestreßten Fahrdienstleiter, denen man kaputte Technik hinstellt, und die trotzdem jeden Tag mit höchster Verantwortung handeln müssen. Gemessen am Grad der Verantwortung relativiert sich übrigens auch die Bezahlung. Was hat denn beispielsweise ein Herr Mehdorn “verantwortet”?

In vielen Dingen sehe ich Roland als Vorbild, ich werde mich in den nächsten Jahren wieder mehr bewegen und den Adminjob, aus dem ein Drittel meines Arbeitsgebietes besteht, langsam aber sicher an den Nagel hängen. Denn der Job ist ermüdend, als Heranwachsender habe ich eine Formulierung von Günter Grass aufgeschnappt, “Ohnmacht erprobt an Gummiwänden”.

Meine Grüße gehen an alle Admins dieser Welt, die, ausgestattet mit Pizza, Cola, Junkfood und Zigaretten, unter hohem Risiko, mit unerbittlicher Deadline und schier unerträglichem Streß es doch immer wieder schaffen, daß ihr Unternehmen am ersten Arbeitstag wieder am Netz ist.

Hans Bonfigt

Über diesen Artikel habe ich mich so richtig gefreut. Lieber Hans, ich darf mich bei Ihnen ganz sehr bedanken.

Roland Dürre
Donnerstag, der 20. Dezember 2012

Kinder sind Männersache

Die Diskussion “über zu niedrige Geburtenraten in Deutschland und was der Staat dagegen machen soll” nervt mich.

;-) Deshalb mache ich mit.

Zuerst mal meine ich, dass der Staat es im Normalfall zuerst mal den Menschen überlassen sollte, wie viele Kinder sie kriegen. Auch eine – vielleicht aus strategischen Gründen – rational oder sinnvoll erscheinende Bevölkerungspolitik wie die Chinas hat zwei Seiten. Ich sehe mich nicht in der Lage, dies “ethisch” zu bewerten.

Besonders aber nerven mich die Forderungen und hierzulande stattfindenden Diskussionen zu Kindertagesstätten (man beachte die Abkürzung Kita!) und zum Betreuungsgeld. So steuere ich auch hierzu meine zwei Cents bei.

Erste Aussage:

Ein Kind sollte man nicht zu früh und zu lang von seiner Mutter trennen. Es könnte sein, dass das Kind so frühe Verlustängste erlebt. Dies könnte zur Folge haben, dass das im Leben so notwendige Urvertrauen nicht ausreichend aufgebaut wird. Wie lange nach der Geburt der notwendige Zeitraum für eine enge Mutter-Kind-Beziehung zu sein hat, weiß ich als Laie nicht. Ich meine aber, dass man versuchen sollte, in solch wirklich wichtigen Dingen immer auf der “sicheren Seite” zu sein. Und da könnte in diesem Fall tatsächlich einmal ein “wenig mehr” besser sein zu wenig.

Also ist es wichtig, dass Mütter die Möglichkeit haben, viel Zeit mit ihren Kleinkindern zu verbringen. Das sollte in einer reichen, modernen und humanen Zivilisation sicher möglich, Gesellschaft, Unternehmen und Staat müssen es nur wollen.

Die angenommene Korrelation von Anzahl von Kita-Plätzen zur Anzahl von Geburten halte ich für möglich und vielleicht erklärbar, aber nicht für kausal. So könnte es sein, dass in einer “Kinder-freundlichen” Gesellschaft es einfach eine größere Bereitschaft gibt, auch in so etwas wie Kitas zu investieren. Dass ein Paar die Entscheidung, ob es ein Kind bekommt, von der Verfügbarkeit eines Kita-Platzes abhängig macht, leuchtet mir jedoch nicht so recht ein.

Zweite Aussage:

Etwas anderes und vielleicht Relevantes fällt mir aber immer mehr auf. Es sind nicht die Frauen, die die Anzahl der Kinder bestimmen! In meiner Umwelt kenne ich zahlreiche Paare, bei der die Frau ganz gerne ein Kind (oder mehr davon) hätte oder gehabt hätte. Und in den meisten Fällen ist/war der Mann die treibende Kraft bei der Entscheidung gegen Kinder oder nur für ein Kind.

Die Frauen – ausgleichend und partnerschaftlich – akzeptieren das. Sie lieben (und fürchten) ihre Männer und wollen diese nicht mit “unangemessenen und irrationalen Forderungen” in emotionale Schwierigkeiten bringen. Wahrscheinlich fällt es den Frauen auch ein wenig leichter, die männliche Vorgabe zu akzeptieren und “vernünftiger Weise” auf Kinder zu verzichten, weil Kinderlosigkeit ja auch ganz bequem ist, den Lebensweg zumindest vermeintlich weniger kompliziert macht (siehe Karriere und Selbstverwirklichung) und so durchaus seine Vorteile zu haben scheint.

Also:

Die Annahme, dass die Frauen über die Anzahl der Kinder entscheiden und das von staatlicher Infrastruktur oder Karrieremöglichkeiten abhängig machen, erscheint mir in unserem Kulturkreis mittlerweile als ziemlich falsch. Nein – die Männer bestimmen überwiegend die Anzahl der Kinder in einer Partnerschaft. Fragen Sie einfach mal mit Ihnen befreundete Paare, wie viel Prozent der Anteil des Mannes bei der “gemeinschaftlichen” Entscheidung war!

RMD

P.S.
Future is female!

Roland Dürre
Sonntag, der 16. Dezember 2012

Ein besonderer Weihnachtsgruß

Von meinem Freund Klaus-Jürgen Grün aus dem Reich der Philosophie und seinem Team von PhilKoll habe ich einen besonderen Weihnachtsgruß erhalten.

;-) Den stelle ich jetzt ins globale und ewige Internet, das ja bekanntlich nichts vergisst, denn schöne Texte will ich teilen und der Nachwelt erhalten.

In seiner Preisschrift: “Über die Grundlage der Moral” gibt Arthur Schopenhauer seinen Begriff vom Fest der Liebe bekannt:

“Der Geschmack ist verschieden;

aber ich weiß mir kein schöneres Gebet als Das, womit die Alt-Indischen Schauspiele (wie in früheren Zeiten die Englischen mit dem für den König) schließen.

Es lautet:
Mögen alle lebenden Wesen von Schmerzen frei bleiben.”

An anderer Stelle erinnert er daran, dass die ausgesprochene Religion der Liebe

wahrlich eine große und wesentliche Unvollkommenheit darin (habe), dass sie ihre Vorschriften beschränkt und die gesammte Thierwelt rechtlos lässt.

Anders dagegen in Momenten des Glücks

der Brahmanist oder Buddhaist nicht etwa ein “te Deum” plärrt, sondern auf den Markt geht und Vögel kauft, um vor dem Stadtthore ihre Käfige zu öffnen.

Das lass ich mal ohne weitere Worte so stehen!

RMD

P.S.
Arthur Schopenhauer (* 22. Februar 1788 in Danzig; † 21. September 1860 in Frankfurt am Main) war ein deutscher Philosoph, Autor und Hochschullehrer. Den Doktortitel der Philosophie an der Universität Jena erhielt Schopenhauer am 18. Oktober 1813 für seine Schrift “Ueber die vierfache Wurzel des Satzes vom zureichenden Grunde”.
:-) Also vor bald 200 Jahren!

P.S.1
Bild und Unterschrift sind aus dem zentralen Medienarchiv Wikimedia Commons.

Roland Dürre
Freitag, der 7. Dezember 2012

Verbände und Vereinigungen

Wenn ich mit Verbänden zu tun habe, bekomme ich immer so komische Gefühle. Die sich dann auch meistens bestätigen. Nur – das Unbehagen im Bauch hilft mir nicht weiter. So versuche ich mein Unbehagen zu formulieren

Ich meine, dass sich die meisten der vielen Verbände und Vereinigungen, die wir in Deutschland so haben, überholt haben. Sie dienen in der Regel nicht mehr ihrem ursprünglichen Zweck, für den man sie erfunden hat. Die Nähe zu ihren Mitgliedern ist im Laufe der Jahre verloren gegangen. Die verbliebenen Mitglieder sind noch da, weil sie sie sich persönliche Vorteile versprechen oder Angst haben, eine Nichtmitgliedschaft könnte ihnen Nachteile bringen bzw. Risiken eröffnen.

Ein komisches Überich hindert die verbliebenen “Mitglieder” am Austritt. Oder sie sind ganz einfach zu träge, um auszutreten. Man hat sich daran gewöhnt. Der Beitrag erscheint nur gering, und so ein paar kleine Annehmlichkeiten scheint die Mitgliedschaft doch zu bringen.

Sind aber die ganzen Verbände und Vereinigungen heute noch zielführend? Neue Kreise entstehen und entwickeln sich. Zugehörigkeit muss nicht mehr organisiert werden, sie findet statt. Politischer Druck kann auch anders als durch Verbände ausgeübt werden. Und noch einen Vorteil haben freie “communities”: Wenn man den Kreis nicht mehr braucht, dann löst er sich von selber auf. Was für ein Segen.

Aber was ist mein Problem mit den Verbänden und Vereinigungen? Ich meine, dass Verbände zwangsläufig zu Systemen werden. Und die sich dann zu leicht und zu zügig verselbstständigen.

Am Anfang arbeitet so ein System meistens noch für die “edlen Ziele”, die den Gründern zu eigen waren. Aber nur zu schnell ändert sich das. Dem System wird dann der eigene Erhalt immer wichtiger. Und kaum gehen ein paar Jahre ins Land, wird der Erhalt zum prioren Ziele des System. Und früher ober später und zwangsläufig bleibt der eigene Erhalt der ausschließliche Zweck  des Systems. Und wenn es ganz schlimm wird, entpersonalisiert sich das System und fängt an, seine Umwelt beherrschen oder zumindest massiv fürs eigene Wohl beeinflussen zu wollen.

Neben den von Menschenhand geschaffenen Systeme gibt es auch noch “Über-Systeme”, die sich irgendwie ganz von selbst entwickelt haben und plötzlich die Welt beherrschen (Finanzwirtschaft, der internationale Terrorismus …). Aber die gehören hier nicht her, denn das sind nicht die Vereinigungen, über die ich hier schreibe.

Wenn die Verbände, die ich meine, ein gewisses Maß an systemischer Macht erreichen, entsteht häufig und ziemlich zwangsläufig eine Art von “Funktionärsfeudalismus”. Das ist auch ganz logisch. Denn das “System im Verband” will ja überleben. So belohnt es seine Systemagenten, die Funktionäre, mit Wohltaten wie angenehme Arbeitsbedingungen, ein gutes Einkommen, vorteilhafte Regelungen, viele Freizeiteinrichtungen, wohlwollende Nachsicht bei Inkompetenz oder mangelndem Einsatzwillen, einem hohen sozialen Status, schöne Reisen, großzügige Pensionszusagen und manches mehr.

Den Funktionären gefällt das natürlich. Und ganz selbstverständlich wird der Erhalt des Systems zum Hauptziel auch ihrer Handlungen. Steht für sie doch viel zu viel auf dem Spiel, wenn das System verschwinden würde. Und schon dreht sich die Spirale – vielleicht ganz unbewusst oder auch bewusst – und führt zu einer neuen Art von Feudalismus.

Also bitte – keine Vereine, Verbände, Interessensgruppen etc. mehr gründen. Aus den schon vorhandenen austreten. Dafür freie Gemeinschaften (communities) schaffen, die sich bilden und wachsen aber auch gerne wieder verschwinden dürfen, wenn die Zeit dafür reif ist!

RMD

P.S.
Ich zähle mal ein paar auf:

ADAC, ADFC, BDI, BdU, BdV, Arbeitgeber, Arbeitnehmer, IHK, RK, VdA, VDI, VDE, VDK ….

Es gibt sicher viele Dutzend wenn nicht gar hunderte mehr.

Roland Dürre
Sonntag, der 2. Dezember 2012

ESM und EFSF und der Baron Münchhausen

Ja die lieben Nachrichten. Steht doch gestern in der SZ:


Moody’s stuft ESM und EFSF herab
Ratingagentur entzieht Rettungsschirm Spitzenrating
Erst wurde Frankreich abgewertet, jetzt trifft es folgerichtig den europäischen Rettungsschirm. Die Agentur Moody’s senkt die Bonitätsnoten von ESM und EFSF um eine Stufe. Damit könnte die Rettung des Euros noch teurer werden.

Soweit der Auszug aus der Meldung der SZ.

Zuerst ein paar Zahlen:

Wichtigstes Land für ESM und EFSF ist Deutschland, das mit bisher 29,07 % + haftet. Das “plus” entsteht durch Sonderregelungen wie für die Slowakei, da geht es aber nur um ein bis zwei 100 Millionen €.

Weitere Anteile tragen natürlich auch Frankreich (20,4 %), Italien (17,9 ) und Spanien (11,9).  Das glückliche Österreich ist zum Beispiel auch dabei und zwar mit 2,8 %. Auch zum Bunde (oder zur Bande?) gehören Belgien (3,5 %), Finnland (1,8 %), Griechenland (mit 2,8 % wie Österreich!), Holland (5,7 %), Irland (1,6 %) und Portugal (2,5 %). Da tröstet es nur schwach, dass so finanzstarke Länder wie Malta und Zypern mit nur 0,4 und 0,9 % haften.
(Quelle: SMP, EFSF und ESM – Allianz Global Investors) [PDF] )
Hoffe, dass die Zahlen stimmen, wer weiß das heute schon noch so genau.

Dies bedeutet, dass weit mehr als die Hälfte der Länder, die den Schirm stabilisieren sollen, schon jetzt unter dem Schirm stehen. Alleine Frankreich, Italien und Spanien halten zusammen 50,4 %!

Und für die Dummen erklärt es Moody’s auch noch. Kurz gefasst sagen die:

Die Bonität eines “Schirmes” könne nicht besser sein als die Bonität derer, die diesen halten.

Das ist doch eine ganz einfache und gut nachvollziehbare Folgerung. Und wie regiert die deutsche Politik? Sie meint, Moody’s hätte vergessen, die starke politische Einigkeit von €-Land bei der Bewertung mit einzubeziehen. So habe ich es gestern im Fernsehen gesehen.

Mir fällt dazu nur noch der geniale Baron ein, der tief im Sumpf gefangen die absolut überzeugende Idee hatte, sich einfach am Schopfe zu packen und so wieder aus seiner Bredouille heraus zu ziehen. Schade, dass man Münchhausen auch den Lügenbaron nennt.

;-) Und weil bald Weihnachten ist könnte man rufen: Heißa – das wird lustig werden, das kann eine schöne Bescherung geben!

RMD

Roland Dürre
Sonntag, der 25. November 2012

Parteien, Piraten und Parteiprogramme – Hilfe!

Den Piraten wurde immer vorgeworfen, dass sie kein Programm haben. Und was machen sie jetzt? Sie machen sich eines.

Das ist nach meiner Meinung ein Fehler!

Wenn eine wirklich alternative Partei ein Programm macht, dann sollte das heißen
“Wir haben kein Programm!”

Eine solche Partei müßte in der Lage sein, Werte (die gemeinsamen Werte ihrer Mitglieder) sittlich verantwortet und im Konsens festzulegen. Und sich diese Werte “zu eigen machen”. Da gäbe es viel zu tun.

Warum brauchen wir Werte an Stelle von Programmen?

Menschen mit Programmen meinen manchmal zu leicht, dass sie Recht haben und im Besitz der Wahrheit sind. Das ist gefährlich, weil es die eine Wahrheit nicht gibt. Und wenn sich einer oder gar eine Gemeinschaft im Besitz der Wahrheit wähnt, sollten die Warnglocken immer sofort ganz laut geläutet werden.

Also – keine Programme!

Mir wäre lieber ein Bekenntnis zu Werten und ergänzend eine Aus- oder besser Zusage wie zum Beispiel:

Alle unsere Entscheidungen werden wir im Rahmen einer verantworteten ethischen Güterabwägung, nach bestem Wissen, mit klugem Menschenverstand, unterstützt von neutraler Fachkompetenz und basierend auf den von uns für uns verpflichtend erklärten Werten treffen!

Wär doch ein schönes Kommitment. Würde ich bei einer Partei sein, so würde ich ein “Fünf-Punkte-Manifest” vorschlagen. Vielleicht so in etwa wie das Folgende:

  • Wir verzichten bewusst auf ein Programm.
  • Wir vertrauen den Werten der Aufklärung, dem Wissen, der Vernunft und der Ehrlichkeit (Transparenz).
  • Wir respektieren das Grundgesetz (noch lieber die Bayerische Verfassung) und die Charta der Vereinten Nationen.
  • Wir folgen dem gesunden Menschenverstand und der “Goldenen Regel“.
  • Wir entscheiden auf der Basis von sittlich verantworteten Güterabwägungen, unsere Werte sind für uns handlungsleitend.

Das wäre es dann!

Aber ich glaube nicht, dass es Sinn macht, noch eine Partei zu gründen. Werte-Wünsche für eine neue Partei hätte ich aber schon:

  • Die Freiheit zu fördern im Sinne von “Eigenverantwortet leben zu wollen und dazu in der Lage zu sein”.
  • Eine gewaltfreie Gesellschaft hinzukriegen, mit angstfreien Räumen, minimaler Strafe/Rache und ohne Kriege.
  • Endlich die “Gleichheit” zwischen Frau und Mann zu schaffen,
  • Eine maximale Transparenz auf allen relevanten Ebenen und besonders im öffentlichen Raum herzustellen und
  • ein soziales Klima mit einem relativiertem Recht auf Eigentum und Gewerbefreiheit zu fördern.

Manches davon steht übrigens wunderschön formuliert in der Bayerischen Verfassung, die halt leider ein bisserl utopisch (geworden) ist. Und nicht mehr gilt, da sie vom Grundgesetz überlagert wird. Aber die dennoch ein wirklich schöner Text ist und bleibt.

Aber zurück zu den Parteien. Wenn jetzt die Piraten auch noch ein Programm anbieten, dann weiß ich wirklich nicht mehr, wen ich wählen soll und schließe mich der Mehrheit der Nichtwähler an.

Denn ich möchte nicht abstimmen müssen zwischen mechanistischen Funktions- und Massnahmenkatalogen und dogmatischen Glaubensbekenntnissen. Beides geschickt verpackt in Schummelprogrammen. Schummelprogramme deshalb, weil – wie auch jetzt bei den Piraten – die schwierigen Themen dann eh ausgeklammert werden (müssen), um überhaupt einen Kompromiss zu erzielen (können). Ein sozialer Konsens ist aber nicht erkennbar so wie auch jede Form eines gesellschaftlichen Entwurfs fehlt.

Es geht nicht darum, Forderungen zu stellen wie die nach einer “bedingungslosen Existenzsicherung” oder “dass die Kernkraftwerke in 3 Jahren abgeschaltet werden müssen”. Oder nach einem Elterngeld oder Erziehungsgeld. Oder “Freie Fahrt für freie Bürger” fordern, je nach Lager für den Autofahrer oder den S-Bahn-Fahrer.

Und belanglose Absichtserklärungen einzubauen, dass man Konflikte halt doch lieber friedfertig lösen möchte. Und immer wenn es schwierig wird, die Entscheidung der Masse zu überlassen wollen. Ohne vorher die notwendige Transparenz zu schaffen.

Nein, es geht darum, wie im Management eine vernünftige Politik zu fahren und dabei mehr richtige als falsche Entscheidungen zu fällen. Und da helfen Programme nichts. Das erscheint auch klar, denn das Tempo der Veränderung ist groß. Und wie will ich mich heute festlegen, was ich in zwei Jahren oder später machen werde, wenn die Faktenlage dann eine ganz andere sein wird? Vom spekulativen Umgang mit unvorhersagbarer Zukunft gerade auch in der Politik habe ich die Nase schon lange voll.

So möchte ich mich bei einer Wahl für Werte entscheiden. Und das Vertrauen in meine Abgeordneten und Politiker haben können, dass diese dann ihren Werten handlungsleitend folgen wollen, dies auch können und tun werden,

:-) Jetzt bin ich auch nicht im Besitz der Wahrheit. Meine aber, dass diese Gedanken es wert sind, diskutieren zu werden. Andererseits:

Liebe Piraten!

Vielleicht ist das der Grund, warum Eure Umfrage-Ergebnisse so schlecht sind? Weil Ihr zu einer “normalen Partei” werdet. Und davon haben wir schon genug davon. Glaube nicht, dass wir da noch eine mehr brauchen. Und so könnte es schnell heißen: Wie gewonnen so zerronnen.

RMD

Roland Dürre
Dienstag, der 20. November 2012

Datenschutz und Industriespionage …

Im Umfeld von Datenschutz und -sicherheit fällt oft der Begriff der Industrie-Spionage. Immer wieder ergehen Warnungen von staatlichen Stellen oder unseren ja so wichtigen Wirtschaftsverbänden:

Die Industriespionage hat sich in den letzten Jahren dramatisch entwickelt!
Und natürlich ständen im Fokus der Spionage deutsche Unternehmen und ihr Know-how.

Diese Sätze finden sich auch in einer Studie von “CORPORATE TRUST – Business Risk & Crisis Management GmbH”, die unter diesem Link abgerufen werden kann. Eine sehr lesenswerte Studie, die zeigt, wie man trefflich Angst machen kann?

Hier finden wir die grelle Warnung vom “Cyberwar, der längst Realität geworden” und “mitten in der Gesellschaft ist”. Der “Computerwurm” „Stuxnet“ darf da auch nicht fehlen, der ja “vermutlich speziell entwickelt wurde, um die Steuerungsanlagen Simatic S7, mit denen Frequenzumrichter von Motoren des iranischen Atomprogramms gesteuert wurden, zu sabotieren”
(Man beachte das Wort “vermutlich”).

Die genauen Ziele der Auftraggeber wären zwar nicht bekannt, die Komplexität des Angriffs zeige jedoch, dass wir uns von einem Zeitalter der Skript-Kiddies und Cracker hin zu einer neuen Dimension der Gefährdung entwickelt hätten - usw.

Das alles sind Originalzitate aus genannter Studie, bei denen mich allerdings schon die martialische Sprachwahl an der Glaubwürdigkeit zweifeln lässt.

Trotzdem nehme ich das Thema Datendiebstahl deutlich ernster als zum Beispiel die Angst vor dem Missbrauch der persönlichen Daten. Ich glaube auch, dass “gestohlene” Daten helfen, schneller ans Ziel zu kommen, wenn man “Neues” entwickelt.

Sehr persönlich erinnere ich mich da an ein Projekt vor knapp 30 Jahren, wo wir den Auftrag hatten, etwas Neues zu entwickeln. Nur hatten wir von dem “Neuen” keine Ahnung. Damals war das Studium der Sourcen der Konkurrenz sehr hilfreich. Und ich weiß bis heute nicht, ob wir die fremden Sourcen rechtmäßig oder sagen wir mal in einer gewissen Grauzone genutzt haben.

Aber ich glaube nicht, dass es mit der Industrie-Spionage so schlimm ist, wie es nicht nur im Internet dargestellt wird. Auch weil diese Angst-Macher-Studien von Firmen kommen, die uns besondere Dienstleistungen und Produkte gegen die Spionage verkaufen wollen. Und natürlich helfen staatliche Stellen und Wirtschaftsverbände gerne mit, diese Sau durchs Dorf zu treiben. Sie haben ja sonst nichts zu tun. Dann lässt schon mal gerne James Bond grüßen. Erzeugt ja auch so ein herrliches Schauern, wie schlecht die Welt und wie machtlos man selbst ist.

Aber überlegen wir doch mal wie es “früher” war!

Wie ich bei Siemens gearbeitet habe, war es streng verboten, vertrauliche Papiere aus dem Werksgelände hinaus zu nehmen. Und vertraulich war fast alles. So gab es einen Zufallsgenerator an der Pforte, der ab und zu ein Licht leuchten ließ. Dann musste man seine Aktentasche öffnen und den Inhalt zur Kontrolle an der Pforte vorzeigen. Dass im Unternehmensgelände das Fotografieren untersagt war, verstand sich als selbstverständlich.

Das war auch noch das Zeitalter der blauen “Micro-Fiche-Filme” und den dazugehörigen Lesegeräten. Micro-Fiche oder besser Mikroform ist die mir erste bekannte Technologie, mit der man sehr viel Daten auf wenig Material speichern konnte. Bei uns waren das in der Regel die Sourcen von kompletten Betriebssystemen, die auf ein kleines Quadrat Film gespeichert wurden und die wir so in der Aktentasche mit uns herumtragen konnten.

Natürlich war es nicht realistisch, dass diese vertraulichen Papiere nie das Unternehmensgelände verlassen durften. Zu einen gab es ja verteilte Standorte. Manche Daten brauchte man beim Kunden. Und ab und zu wollte man auch noch abends ein wenig daheim arbeiten. Deshalb gab es Durchlass-Scheine. Mit solch einem Schein bewaffnet, durfte dann jeder die vertraulichen Papiere mitnehmen. Die höheren Dienstgrade – ich weiß nicht mehr ab welcher AB- oder GB-Stufe – durften geheime Dokumente auch ohne Durchlass-Schein mit sich führen. Weiß auch nicht mehr, ob AB wirklich für “abteilungs-bevollmächtigt” und GB für “general-bevollmächtigt” stand.

Aber was war das für eine wundersame (und völlig unsinnige) Firewall? Doch auch nicht sicherer als die heutigen Wälle, die die IT anbietet?

Das haben dann auch die ersten beiden Kollegen aus der DDR bestätigt, die wir noch während der Wende einstellten. Die kamen direkt von Robotron Dresden. Und haben uns erzählt, dass sie natürlich bei Robotron alle neuen Pläne der Siemens-Chip-Entwickler postwendend auf ihren Schreibtischen hatten. Nur anfangen konnten sie damit nichts. Der notwendige Rohstoff (hochreines Silizium) konnte in der DDR nicht beschafft werden und die Werkzeuge hatten sie auch nicht, die für die Herstellung selbst nur der Prototypen nötig gewesen wären.

Ich weiß natürlich nicht, ob unsere ex-DDR-Ingenieure hier nur eine gute Story erzählen wollten, kann mir aber vorstellen, dass es wirklich so war. Insofern meine ich, dass Daten immer in Hände kommen, in die sie nicht gehören. Nur macht das meistens gar nichts aus, auch wenn es einen vielleicht zu Recht ärgert.

Ich glaube aber auch, dass sich die Methoden gewandelt haben. Und die neuen Methoden sind viel effizienter, obwohl sie partout nichts mit IT zu tun haben. Betrachten wir China, das Land, dessen Unternehmen man hierzulande gerne unterstellt, dass sie westliche Firmen auszuspionieren versuchen. Haben die es denn überhaupt nötig oder gibt es nicht viel einfachere Methoden?

Denn so lesen wir bei “invest in Bavaria” bei “China in Bayern”:

Derzeit sind mehr als 130 chinesische Unternehmen wie z.B. Huawei Technologies, Pearl River Piano, ZTE, Yingli Solar, ET Solar und knapp 11.000 chinesische Staatsbürger in Bayern heimisch. Davon lebt etwa ein Drittel im Raum München. Rund 3.000 in Bayern studierende Chinesen sind Beleg für die Attraktivität der bayerischen Hochschullandschaft.

Ich weiß auch, dass in den “infrastruktur-schwachen” aber oft wunderschönen bayerischen Landschaften es chinesische Niederlassungen gibt, die nichts anderes machen als F&E (Forschung und Entwicklung), oft besser bekannt als R&D (research and development). Diese Unternehmen werden sogar noch von bayerischen Gemeinden stark subventioniert und ihre Ansiedlung entsprechend groß gefeiert. Denn F&E ist in der Regel eine saubere Branche, die keine Umwelt schädigt und intelligente Ingenieure anzieht.

Und was machen die chinesischen F&E-Unternehmen als erstes? Ist doch klar! Sie werben ihren deutschen Konkurrenten die Ingenieure ab. Und zwar die besten! Die genau das richtige Know-How haben, das man in China braucht. Und die deutschen Ingenieure kommen gerne, es lockt sie das preiswerte Leben an einen schönen Ort, die Aussicht, in modernen Labors F&E machen zu können und meistens auch noch ein deutlich besseres Gehalt. So können sich die Chinesen die besten Leute mit dem richtigen Wissen aussuchen. Das ist doch viel effizienter als Netze und Server zu cracken und hacken!

Und das ist auch gut so, denn wir leben nun mal in einer globalen Welt und ich mag die Chinesen als freundliche Menschen mit guter Küche … Und ich erinnere mich  “Wissen ist der einzige Rohstoff, der durch Teilen mehr wird”!

Und lese ich oben genannte “Studie” dann doch wieder mit ganz anderen Augen. “Angst machen” ist halt oft ein erfolgreiches Mittel im Vertrieb …

RMD

P.S.
DIe Bilder sind aus dem zentralen Medienarchiv Wikimedia Commons eingebunden. Sie sind von Nichtich und Tomasz Sienicki [user: tsca, mail: tomasz.sienicki at gmail.com]