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Mittwoch, der 26. Dezember 2012

Weihnachtsgruß an alle Sysadmins!

Hier ein Artikel eines lieben IF-Blog-Freundes, der in IF-Blog mit interessanten Kommentaren nicht sparsam ist. Es ist Hans Bonfigt, der für mich völlig überraschend jetzt einmal in die Rolle des Gastautors geschlüpft ist. Hier ist sein:

Weihnachtsgruß an alle Sysadmins

Auf eine ganz bestimmte Art und Weise wurden “wir” EDV-Leute eigentlich schon immer, ja, in unserer Heimat heißt das “veräppelt”. Nein, es hat nix mit den Plagiaten des Herrn Jobs zu tun, sondern es ist aus einem gewissen Unverständnis heraus geboren:
“Erst wenn die Lichter angehen, fangt Ihr an zu arbeiten”, so wurden wir aufgezogen. Na klar, liebe Anwender (ein schlimmeres Schimpfwort kennen wir nicht), wie sollen wir Eure Systeme, die ihr wieder verderkelt habt, denn auch in Ordnung bringen, solange Ihr davor sitzt? Früher ging das gar nicht, denn da hatte man typischer-weise ein Einplatzsystem, an dem halt auch nur einer arbeiten konnte. Irgendwann waren die Maschinen dann ‘multitaskingfähig’, aber die Anwender waren es nicht. Wir sind da wählerischer – wir wollen die Maschine meistens exklusiv für uns.

Und während Ihr spätestens seit vergangenem Freitag auf der Couch liegt, ist eine kleine Minderheit seit Freitagmittag bis jetzt damit beschäftigt, Euren Mist aufzuräumen. Mit maximal zwei Stunden Schlaf in 24 Stunden. Denn wir wissen, was es am morgigen Donnerstag wieder für ein Geblöke gibt, wenn irgendeine Kleinigkeit nicht klappt: “WIR KÖNNEN NICHT ARBEITEN …” !  –  Als ob wir das nicht seit Jahren wüßten.

Ja, jedes Jahr wird der Augiasstall, den Ihr in unseren Systemen anrichtet, fieser und vor allem größer. Und Ihr lernt es einfach nicht. Also, daß Ihr davon ablaßt, Euer Paßwort unter die Mausmatte zu kleben, darauf habe ich eigentlich nie gehofft. Ich weiß ja, was für einen Scheiß Ihr wählt und irgendwo müssen die ganzen facebook-luser ja herkommen. Von Euch so etwas wie ein Minimum an Verantwortungsgefühl zu erwarten – wäre ich so töricht, könnte ich in meinem Job nicht arbeiten.

Aber irgendwie habe ich über die Jahre gehofft, ihr würdet Euch wenigstens die Dinge angewöhnen, die Euch das Leben leichter machen, aber weit gefehlt:

- Keine Leerzeichen und Umlaute in Dateinamen, unsere Rede seit mindestens 20 Jahren. Und vor allen Dingen nicht den ganzen Text Eures Dokuments in den Dateinamen. Gerade Ihr, die ihr nicht einmal den Großbuchstaben ‘O’ von einer Null unterscheiden könnt, solltet doch nicht voraussetzen, daß Umlaute oder auch nur Groß- und Kleinschreibung in Dateinamen plattformübergreifend interoperabel implementiert wären. Schon gar nicht unter Euren geliebten Windows, welches intern nämlich nur die “8.3″-Nomenklatur kennt, die unter DOS schon zum Himmel stank.

- Mindestens genausolange predigen wir Euch, “legt gemeinsam benutzte Dateien zentral ab UND HÖRT AUF, SIE EUCH GEGENSEITIG ZUZUMAILEN”. Und wir sagen Euch auch, “ZITIERT RICHTIG und hängt nicht den ganzen Sarotti von Rede und Gegenrede immer wieder hinten an”. Ja, Jungs und Mädels, und nun sitze ich seit Freitag vor einem 24 TERABYTE großen Mailspool. Den muß ich auf 12 TB zusammenschrumpfen. Und verlaßt Euch drauf, das habe ich getan. Und wo gehobelt wird, da fallen Späne.

- Wie oft haben wir Euch gesagt, ihr sollt Eure Papierkörbe leeren. Aber keine Sorge, auch das habe ich für Euch erledigt. Mit der halstiefen Rasur.

- Bei der Gelegenheit:  Ich habe auch alle Eure Browser-Caches gelöscht.  Denn ich hatte einfach keine Lust, die riesige Pornosammlung, die Ihr euch da zusammengeklickt habt, auch noch mitzusichern und auf das neue SAN zu migrieren, das angeblich erforderlich war.

Ja, die Informationsgesellschaft hat kein schlankes, ebenmäßiges Gesicht mehr, sondern eine aufgedunsene Visage à la Dirk Bach. Wenn ich da so an früher denke:

Das mit den Lochkarten habe ich noch richtig miterlebt, die maximale Sourcefile-Größe lag beim KIENZLE SLM bei 2.780 Zeilen, das paßte in einen handlichen Koffer. Echt lästig, richtig schwer und ‘mal eben eine Kopie ziehen’, das dauerte halt. Mergen war die Hölle. Perfekte Beherrschung der Maschinensprache war Pflicht, denn ein Assemblerlauf mit einer vergleichbaren Anzahl Karten dauerte 2 1/2 Stunden. Wer da nicht manuell patchen konnte, für den war, buchstäblich, “aus die Maus”.

Die ECMA-34 – Kassette war ein Segen. Ja, liebe Anwender, Ihr kennt sie als Musikcassette, aber für Euch war sie eigentlich gar nicht gedacht, sondern für uns. Ein ganzer Lochkartenkoffer paßte nun bequem in die Hemdtasche, 900 Blöcke à 256 Zeichen gingen da drauf und man konnte sie doppelseitig beschreiben. Noch schöner die 8-Zoll-Floppies, da brauchte man die Quelldateien gar nicht mehr zu laden, sondern konnte sie direkt bearbeiten.

Indexsequentielle Dateien auf Disketten, das war erst recht ein Genuß.

Mit den “großen” Festplatten, die nicht mehr alle 14 Tage crashten, gab es eine weitere Revolution: Man brauchte eigentlich gar nicht mehr mit Datenträgern zu hantieren, weil sich ja alles auf dem System befand. Bloß sichern mußte man noch. Die Sicherung mit den Halbzollbändern hatte etwas, die Wartung war durchaus aufwendig, man mußte mit Hilfe eines Oszillographen (ja, so hießen die Dinger früher) die “Katzenaugen” richtig einstellen, die sich aus Schreibkopfsignal und dem um 180° phasenverschobenen Echo des Lesekopfs ergaben. Die Bandmaschinen waren teuflisch schnell und hatten ein schier unendliches Fassungsvermögen.

Mit den Cartridges, ibs. der QIC-Kassette, kamen auch bezahlbare Systeme auf den Markt, unser erstes Schätzchen schaffte 20 MB und brauchte dafür eine halbe Stunde.

Zu dieser Zeit etwa kamen diese unappetitlichen “Commodore” auf den Markt, die aussahen wie ein Brotkasten – wir reden also über die späten 80er Jahre.

Was hat sich eigentlich geändert ?

Ich darf hier über die Feiertage ein komplettes SAN neu aufsetzen, auf dem ALLE, aber auch wirklich alle Daten eines mittelgroßen Unternehmens abgelegt sind. Und ich muß ALLES löschen, natürlich nach vorheriger Sicherheitskopie auf Band und natürlich redundant, und weil es wichtig ist, auch noch dissimilar redundant.

Die Cartridges sind kleiner und schneller geworden. Hier fliegen gerade gut 140 MB pro Sekunde vom Band auf die Platten, pro Sekunde also packt das System also die siebenfache an Daten weg, die man in der 80ern auf eine QIC-20 – Kassette bekam. 3,5 Stunden schrumpfen zu einer Sekunde zusammen.

Eine Produktivitätssteigerung um 1.259 %.

Halt ‘mal, WIRKLICH ?

Das Unternehmen, bei dem ich gerade arbeite, hatte in den 80ern ebenfalls eine QIC-20 – Bandstation, sie hing an einem IBM /38, welches das gesamte Unternehmen mit der notwendigen EDV-Infrastruktur versorgte.

Die neue EDV macht eigentlich nix anderes, sie versorgt genau wie früher 200 Leute mit diversen Programmen. Heute mögen es unwesentlich mehr sein. Eine Migration in den 80ern hat drei Tage gedauert, in der aktuellen Situation komme ich schon jetzt auf fünf. Und vor morgen früh, fünf Uhr, bin ich nicht fertig.
Auf der alten Maschine konnte den Job ein gut ausgebildeter Servicetechniker erledigen, das neue System ist ultrakomplex und vereint so ziemlich alle neueren Technologien in einer Kiste – insbesondere kommt sie nicht mehr ohne Windows und den famosen IBM DRECK-TOR aus – ein in JAVA zusammengestoppelter, atemberaubend stinkender Haufen Sondermüll. Da kommt kein Mensch mehr mit zurecht. Gottseidank bin ich ja auch keiner.

Die alte Maschine war eigentlich nie kaputt, die neue fällt zwar wegen Redundanz auch nicht aus, aber ständig verendet irgendeine Komponente und die dann erforderliche Reparatur treibt einem den Angstschweiß auf die Stirn.

Die alte Maschine war richtig flott, die neue ist es eigentlich auch, aber das JAVA/AJAX/PINGPONG – Neppinterface ist schweinelahm und die Benutzer drehen Däumchen.

Ja, liebe Anwender – KEIN MITLEID !  Ihr wolltet das GUI, Ihr habt es.  Minderwertiger Augenzucker für minderwertige Mitarbeiter, jedem das Seine.

Aber wo ist bloß der Fortschritt geblieben? Irgendwo war er doch?

Die Antwort liefert, und ich zitiere das nochmal, Bertrand Russell:

Jeder Zuwachs an Technik bedingt, wenn damit ein Zuwachs des menschlichen Glücks verbunden sein soll, einen entsprechenden Zuwachs an Weisheit.

Vulgo: Die EDV-Landschaft hat sich vom ‘Tool’ zum ‘Toy’ gewandelt. Mit allen üblen Konsequenzen. Eine Sekretärin der Nordwest AG erzählte mir unlängst, daß sie mit HIT/CLOU, einem Textprogramm der InterFace AG, in etwa zehnmal schneller Briefe erstellen konnte als heute mit einem aktuellen “Word”. Unter Verwendung von etwa einem Tausendstel an Rechnerleistung, Hauptspeicher und Plattenspeicher.

Wir sind träge geworden, fett und degeneriert.

Tja, und es fehlt irgendwie der Spirit. Früher hatte ich Spaß an solchen “Nightflights”, genoß das beruhigende Rauschen der Lüfter und war mir vor allen Dingen sicher, ich würde den Job bis zum Termin hinbekommen.

Dadurch, daß ich überhaupt ein System einigermaßen überschauen kann, bin ich ja erst in der Lage, Verantwortung zu übernehmen.

Heute kann ich mir nicht mehr sicher sein, die Komplexität zu beherrschen. Und wenn ich in den letzten Tagen irgendwas verkackt habe, dann können am Donnerstag 200 Leute nicht arbeiten. Am Freitag auch nicht. Die Woche darauf auch nicht. Denn es sind weder Programme noch Daten da. Löhne und Gehälter funktionieren noch, das wird extern erledigt, aber ob sie auch bezahlt werden können, ist fraglich.

Und ich darf gleich unter die Brücke ziehen.

Und JA, es gibt eine ganze Menge Menschen, die auch jetzt viel wichtigere Dinge tun, beispielsweise eigentlich jeder Lokführer, der nicht, wie ich gerade, nur 200 Menschen “im Rücken” hat, sondern 800. Oder die gestreßten Fahrdienstleiter, denen man kaputte Technik hinstellt, und die trotzdem jeden Tag mit höchster Verantwortung handeln müssen. Gemessen am Grad der Verantwortung relativiert sich übrigens auch die Bezahlung. Was hat denn beispielsweise ein Herr Mehdorn “verantwortet”?

In vielen Dingen sehe ich Roland als Vorbild, ich werde mich in den nächsten Jahren wieder mehr bewegen und den Adminjob, aus dem ein Drittel meines Arbeitsgebietes besteht, langsam aber sicher an den Nagel hängen. Denn der Job ist ermüdend, als Heranwachsender habe ich eine Formulierung von Günter Grass aufgeschnappt, “Ohnmacht erprobt an Gummiwänden”.

Meine Grüße gehen an alle Admins dieser Welt, die, ausgestattet mit Pizza, Cola, Junkfood und Zigaretten, unter hohem Risiko, mit unerbittlicher Deadline und schier unerträglichem Streß es doch immer wieder schaffen, daß ihr Unternehmen am ersten Arbeitstag wieder am Netz ist.

Hans Bonfigt

Über diesen Artikel habe ich mich so richtig gefreut. Lieber Hans, ich darf mich bei Ihnen ganz sehr bedanken.

Roland Dürre
Donnerstag, der 20. Dezember 2012

Kinder sind Männersache

Die Diskussion “über zu niedrige Geburtenraten in Deutschland und was der Staat dagegen machen soll” nervt mich.

;-) Deshalb mache ich mit.

Zuerst mal meine ich, dass der Staat es im Normalfall zuerst mal den Menschen überlassen sollte, wie viele Kinder sie kriegen. Auch eine – vielleicht aus strategischen Gründen – rational oder sinnvoll erscheinende Bevölkerungspolitik wie die Chinas hat zwei Seiten. Ich sehe mich nicht in der Lage, dies “ethisch” zu bewerten.

Besonders aber nerven mich die Forderungen und hierzulande stattfindenden Diskussionen zu Kindertagesstätten (man beachte die Abkürzung Kita!) und zum Betreuungsgeld. So steuere ich auch hierzu meine zwei Cents bei.

Erste Aussage:

Ein Kind sollte man nicht zu früh und zu lang von seiner Mutter trennen. Es könnte sein, dass das Kind so frühe Verlustängste erlebt. Dies könnte zur Folge haben, dass das im Leben so notwendige Urvertrauen nicht ausreichend aufgebaut wird. Wie lange nach der Geburt der notwendige Zeitraum für eine enge Mutter-Kind-Beziehung zu sein hat, weiß ich als Laie nicht. Ich meine aber, dass man versuchen sollte, in solch wirklich wichtigen Dingen immer auf der “sicheren Seite” zu sein. Und da könnte in diesem Fall tatsächlich einmal ein “wenig mehr” besser sein zu wenig.

Also ist es wichtig, dass Mütter die Möglichkeit haben, viel Zeit mit ihren Kleinkindern zu verbringen. Das sollte in einer reichen, modernen und humanen Zivilisation sicher möglich, Gesellschaft, Unternehmen und Staat müssen es nur wollen.

Die angenommene Korrelation von Anzahl von Kita-Plätzen zur Anzahl von Geburten halte ich für möglich und vielleicht erklärbar, aber nicht für kausal. So könnte es sein, dass in einer “Kinder-freundlichen” Gesellschaft es einfach eine größere Bereitschaft gibt, auch in so etwas wie Kitas zu investieren. Dass ein Paar die Entscheidung, ob es ein Kind bekommt, von der Verfügbarkeit eines Kita-Platzes abhängig macht, leuchtet mir jedoch nicht so recht ein.

Zweite Aussage:

Etwas anderes und vielleicht Relevantes fällt mir aber immer mehr auf. Es sind nicht die Frauen, die die Anzahl der Kinder bestimmen! In meiner Umwelt kenne ich zahlreiche Paare, bei der die Frau ganz gerne ein Kind (oder mehr davon) hätte oder gehabt hätte. Und in den meisten Fällen ist/war der Mann die treibende Kraft bei der Entscheidung gegen Kinder oder nur für ein Kind.

Die Frauen – ausgleichend und partnerschaftlich – akzeptieren das. Sie lieben (und fürchten) ihre Männer und wollen diese nicht mit “unangemessenen und irrationalen Forderungen” in emotionale Schwierigkeiten bringen. Wahrscheinlich fällt es den Frauen auch ein wenig leichter, die männliche Vorgabe zu akzeptieren und “vernünftiger Weise” auf Kinder zu verzichten, weil Kinderlosigkeit ja auch ganz bequem ist, den Lebensweg zumindest vermeintlich weniger kompliziert macht (siehe Karriere und Selbstverwirklichung) und so durchaus seine Vorteile zu haben scheint.

Also:

Die Annahme, dass die Frauen über die Anzahl der Kinder entscheiden und das von staatlicher Infrastruktur oder Karrieremöglichkeiten abhängig machen, erscheint mir in unserem Kulturkreis mittlerweile als ziemlich falsch. Nein – die Männer bestimmen überwiegend die Anzahl der Kinder in einer Partnerschaft. Fragen Sie einfach mal mit Ihnen befreundete Paare, wie viel Prozent der Anteil des Mannes bei der “gemeinschaftlichen” Entscheidung war!

RMD

P.S.
Future is female!

Roland Dürre
Sonntag, der 16. Dezember 2012

Ein besonderer Weihnachtsgruß

Von meinem Freund Klaus-Jürgen Grün aus dem Reich der Philosophie und seinem Team von PhilKoll habe ich einen besonderen Weihnachtsgruß erhalten.

;-) Den stelle ich jetzt ins globale und ewige Internet, das ja bekanntlich nichts vergisst, denn schöne Texte will ich teilen und der Nachwelt erhalten.

In seiner Preisschrift: “Über die Grundlage der Moral” gibt Arthur Schopenhauer seinen Begriff vom Fest der Liebe bekannt:

“Der Geschmack ist verschieden;

aber ich weiß mir kein schöneres Gebet als Das, womit die Alt-Indischen Schauspiele (wie in früheren Zeiten die Englischen mit dem für den König) schließen.

Es lautet:
Mögen alle lebenden Wesen von Schmerzen frei bleiben.”

An anderer Stelle erinnert er daran, dass die ausgesprochene Religion der Liebe

wahrlich eine große und wesentliche Unvollkommenheit darin (habe), dass sie ihre Vorschriften beschränkt und die gesammte Thierwelt rechtlos lässt.

Anders dagegen in Momenten des Glücks

der Brahmanist oder Buddhaist nicht etwa ein “te Deum” plärrt, sondern auf den Markt geht und Vögel kauft, um vor dem Stadtthore ihre Käfige zu öffnen.

Das lass ich mal ohne weitere Worte so stehen!

RMD

P.S.
Arthur Schopenhauer (* 22. Februar 1788 in Danzig; † 21. September 1860 in Frankfurt am Main) war ein deutscher Philosoph, Autor und Hochschullehrer. Den Doktortitel der Philosophie an der Universität Jena erhielt Schopenhauer am 18. Oktober 1813 für seine Schrift “Ueber die vierfache Wurzel des Satzes vom zureichenden Grunde”.
:-) Also vor bald 200 Jahren!

P.S.1
Bild und Unterschrift sind aus dem zentralen Medienarchiv Wikimedia Commons.

Roland Dürre
Freitag, der 7. Dezember 2012

Verbände und Vereinigungen

Wenn ich mit Verbänden zu tun habe, bekomme ich immer so komische Gefühle. Die sich dann auch meistens bestätigen. Nur – das Unbehagen im Bauch hilft mir nicht weiter. So versuche ich mein Unbehagen zu formulieren

Ich meine, dass sich die meisten der vielen Verbände und Vereinigungen, die wir in Deutschland so haben, überholt haben. Sie dienen in der Regel nicht mehr ihrem ursprünglichen Zweck, für den man sie erfunden hat. Die Nähe zu ihren Mitgliedern ist im Laufe der Jahre verloren gegangen. Die verbliebenen Mitglieder sind noch da, weil sie sie sich persönliche Vorteile versprechen oder Angst haben, eine Nichtmitgliedschaft könnte ihnen Nachteile bringen bzw. Risiken eröffnen.

Ein komisches Überich hindert die verbliebenen “Mitglieder” am Austritt. Oder sie sind ganz einfach zu träge, um auszutreten. Man hat sich daran gewöhnt. Der Beitrag erscheint nur gering, und so ein paar kleine Annehmlichkeiten scheint die Mitgliedschaft doch zu bringen.

Sind aber die ganzen Verbände und Vereinigungen heute noch zielführend? Neue Kreise entstehen und entwickeln sich. Zugehörigkeit muss nicht mehr organisiert werden, sie findet statt. Politischer Druck kann auch anders als durch Verbände ausgeübt werden. Und noch einen Vorteil haben freie “communities”: Wenn man den Kreis nicht mehr braucht, dann löst er sich von selber auf. Was für ein Segen.

Aber was ist mein Problem mit den Verbänden und Vereinigungen? Ich meine, dass Verbände zwangsläufig zu Systemen werden. Und die sich dann zu leicht und zu zügig verselbstständigen.

Am Anfang arbeitet so ein System meistens noch für die “edlen Ziele”, die den Gründern zu eigen waren. Aber nur zu schnell ändert sich das. Dem System wird dann der eigene Erhalt immer wichtiger. Und kaum gehen ein paar Jahre ins Land, wird der Erhalt zum prioren Ziele des System. Und früher ober später und zwangsläufig bleibt der eigene Erhalt der ausschließliche Zweck  des Systems. Und wenn es ganz schlimm wird, entpersonalisiert sich das System und fängt an, seine Umwelt beherrschen oder zumindest massiv fürs eigene Wohl beeinflussen zu wollen.

Neben den von Menschenhand geschaffenen Systeme gibt es auch noch “Über-Systeme”, die sich irgendwie ganz von selbst entwickelt haben und plötzlich die Welt beherrschen (Finanzwirtschaft, der internationale Terrorismus …). Aber die gehören hier nicht her, denn das sind nicht die Vereinigungen, über die ich hier schreibe.

Wenn die Verbände, die ich meine, ein gewisses Maß an systemischer Macht erreichen, entsteht häufig und ziemlich zwangsläufig eine Art von “Funktionärsfeudalismus”. Das ist auch ganz logisch. Denn das “System im Verband” will ja überleben. So belohnt es seine Systemagenten, die Funktionäre, mit Wohltaten wie angenehme Arbeitsbedingungen, ein gutes Einkommen, vorteilhafte Regelungen, viele Freizeiteinrichtungen, wohlwollende Nachsicht bei Inkompetenz oder mangelndem Einsatzwillen, einem hohen sozialen Status, schöne Reisen, großzügige Pensionszusagen und manches mehr.

Den Funktionären gefällt das natürlich. Und ganz selbstverständlich wird der Erhalt des Systems zum Hauptziel auch ihrer Handlungen. Steht für sie doch viel zu viel auf dem Spiel, wenn das System verschwinden würde. Und schon dreht sich die Spirale – vielleicht ganz unbewusst oder auch bewusst – und führt zu einer neuen Art von Feudalismus.

Also bitte – keine Vereine, Verbände, Interessensgruppen etc. mehr gründen. Aus den schon vorhandenen austreten. Dafür freie Gemeinschaften (communities) schaffen, die sich bilden und wachsen aber auch gerne wieder verschwinden dürfen, wenn die Zeit dafür reif ist!

RMD

P.S.
Ich zähle mal ein paar auf:

ADAC, ADFC, BDI, BdU, BdV, Arbeitgeber, Arbeitnehmer, IHK, RK, VdA, VDI, VDE, VDK ….

Es gibt sicher viele Dutzend wenn nicht gar hunderte mehr.

Roland Dürre
Sonntag, der 2. Dezember 2012

ESM und EFSF und der Baron Münchhausen

Ja die lieben Nachrichten. Steht doch gestern in der SZ:


Moody’s stuft ESM und EFSF herab
Ratingagentur entzieht Rettungsschirm Spitzenrating
Erst wurde Frankreich abgewertet, jetzt trifft es folgerichtig den europäischen Rettungsschirm. Die Agentur Moody’s senkt die Bonitätsnoten von ESM und EFSF um eine Stufe. Damit könnte die Rettung des Euros noch teurer werden.

Soweit der Auszug aus der Meldung der SZ.

Zuerst ein paar Zahlen:

Wichtigstes Land für ESM und EFSF ist Deutschland, das mit bisher 29,07 % + haftet. Das “plus” entsteht durch Sonderregelungen wie für die Slowakei, da geht es aber nur um ein bis zwei 100 Millionen €.

Weitere Anteile tragen natürlich auch Frankreich (20,4 %), Italien (17,9 ) und Spanien (11,9).  Das glückliche Österreich ist zum Beispiel auch dabei und zwar mit 2,8 %. Auch zum Bunde (oder zur Bande?) gehören Belgien (3,5 %), Finnland (1,8 %), Griechenland (mit 2,8 % wie Österreich!), Holland (5,7 %), Irland (1,6 %) und Portugal (2,5 %). Da tröstet es nur schwach, dass so finanzstarke Länder wie Malta und Zypern mit nur 0,4 und 0,9 % haften.
(Quelle: SMP, EFSF und ESM – Allianz Global Investors) [PDF] )
Hoffe, dass die Zahlen stimmen, wer weiß das heute schon noch so genau.

Dies bedeutet, dass weit mehr als die Hälfte der Länder, die den Schirm stabilisieren sollen, schon jetzt unter dem Schirm stehen. Alleine Frankreich, Italien und Spanien halten zusammen 50,4 %!

Und für die Dummen erklärt es Moody’s auch noch. Kurz gefasst sagen die:

Die Bonität eines “Schirmes” könne nicht besser sein als die Bonität derer, die diesen halten.

Das ist doch eine ganz einfache und gut nachvollziehbare Folgerung. Und wie regiert die deutsche Politik? Sie meint, Moody’s hätte vergessen, die starke politische Einigkeit von €-Land bei der Bewertung mit einzubeziehen. So habe ich es gestern im Fernsehen gesehen.

Mir fällt dazu nur noch der geniale Baron ein, der tief im Sumpf gefangen die absolut überzeugende Idee hatte, sich einfach am Schopfe zu packen und so wieder aus seiner Bredouille heraus zu ziehen. Schade, dass man Münchhausen auch den Lügenbaron nennt.

;-) Und weil bald Weihnachten ist könnte man rufen: Heißa – das wird lustig werden, das kann eine schöne Bescherung geben!

RMD

Roland Dürre
Sonntag, der 25. November 2012

Parteien, Piraten und Parteiprogramme – Hilfe!

Den Piraten wurde immer vorgeworfen, dass sie kein Programm haben. Und was machen sie jetzt? Sie machen sich eines.

Das ist nach meiner Meinung ein Fehler!

Wenn eine wirklich alternative Partei ein Programm macht, dann sollte das heißen
“Wir haben kein Programm!”

Eine solche Partei müßte in der Lage sein, Werte (die gemeinsamen Werte ihrer Mitglieder) sittlich verantwortet und im Konsens festzulegen. Und sich diese Werte “zu eigen machen”. Da gäbe es viel zu tun.

Warum brauchen wir Werte an Stelle von Programmen?

Menschen mit Programmen meinen manchmal zu leicht, dass sie Recht haben und im Besitz der Wahrheit sind. Das ist gefährlich, weil es die eine Wahrheit nicht gibt. Und wenn sich einer oder gar eine Gemeinschaft im Besitz der Wahrheit wähnt, sollten die Warnglocken immer sofort ganz laut geläutet werden.

Also – keine Programme!

Mir wäre lieber ein Bekenntnis zu Werten und ergänzend eine Aus- oder besser Zusage wie zum Beispiel:

Alle unsere Entscheidungen werden wir im Rahmen einer verantworteten ethischen Güterabwägung, nach bestem Wissen, mit klugem Menschenverstand, unterstützt von neutraler Fachkompetenz und basierend auf den von uns für uns verpflichtend erklärten Werten treffen!

Wär doch ein schönes Kommitment. Würde ich bei einer Partei sein, so würde ich ein “Fünf-Punkte-Manifest” vorschlagen. Vielleicht so in etwa wie das Folgende:

  • Wir verzichten bewusst auf ein Programm.
  • Wir vertrauen den Werten der Aufklärung, dem Wissen, der Vernunft und der Ehrlichkeit (Transparenz).
  • Wir respektieren das Grundgesetz (noch lieber die Bayerische Verfassung) und die Charta der Vereinten Nationen.
  • Wir folgen dem gesunden Menschenverstand und der “Goldenen Regel“.
  • Wir entscheiden auf der Basis von sittlich verantworteten Güterabwägungen, unsere Werte sind für uns handlungsleitend.

Das wäre es dann!

Aber ich glaube nicht, dass es Sinn macht, noch eine Partei zu gründen. Werte-Wünsche für eine neue Partei hätte ich aber schon:

  • Die Freiheit zu fördern im Sinne von “Eigenverantwortet leben zu wollen und dazu in der Lage zu sein”.
  • Eine gewaltfreie Gesellschaft hinzukriegen, mit angstfreien Räumen, minimaler Strafe/Rache und ohne Kriege.
  • Endlich die “Gleichheit” zwischen Frau und Mann zu schaffen,
  • Eine maximale Transparenz auf allen relevanten Ebenen und besonders im öffentlichen Raum herzustellen und
  • ein soziales Klima mit einem relativiertem Recht auf Eigentum und Gewerbefreiheit zu fördern.

Manches davon steht übrigens wunderschön formuliert in der Bayerischen Verfassung, die halt leider ein bisserl utopisch (geworden) ist. Und nicht mehr gilt, da sie vom Grundgesetz überlagert wird. Aber die dennoch ein wirklich schöner Text ist und bleibt.

Aber zurück zu den Parteien. Wenn jetzt die Piraten auch noch ein Programm anbieten, dann weiß ich wirklich nicht mehr, wen ich wählen soll und schließe mich der Mehrheit der Nichtwähler an.

Denn ich möchte nicht abstimmen müssen zwischen mechanistischen Funktions- und Massnahmenkatalogen und dogmatischen Glaubensbekenntnissen. Beides geschickt verpackt in Schummelprogrammen. Schummelprogramme deshalb, weil – wie auch jetzt bei den Piraten – die schwierigen Themen dann eh ausgeklammert werden (müssen), um überhaupt einen Kompromiss zu erzielen (können). Ein sozialer Konsens ist aber nicht erkennbar so wie auch jede Form eines gesellschaftlichen Entwurfs fehlt.

Es geht nicht darum, Forderungen zu stellen wie die nach einer “bedingungslosen Existenzsicherung” oder “dass die Kernkraftwerke in 3 Jahren abgeschaltet werden müssen”. Oder nach einem Elterngeld oder Erziehungsgeld. Oder “Freie Fahrt für freie Bürger” fordern, je nach Lager für den Autofahrer oder den S-Bahn-Fahrer.

Und belanglose Absichtserklärungen einzubauen, dass man Konflikte halt doch lieber friedfertig lösen möchte. Und immer wenn es schwierig wird, die Entscheidung der Masse zu überlassen wollen. Ohne vorher die notwendige Transparenz zu schaffen.

Nein, es geht darum, wie im Management eine vernünftige Politik zu fahren und dabei mehr richtige als falsche Entscheidungen zu fällen. Und da helfen Programme nichts. Das erscheint auch klar, denn das Tempo der Veränderung ist groß. Und wie will ich mich heute festlegen, was ich in zwei Jahren oder später machen werde, wenn die Faktenlage dann eine ganz andere sein wird? Vom spekulativen Umgang mit unvorhersagbarer Zukunft gerade auch in der Politik habe ich die Nase schon lange voll.

So möchte ich mich bei einer Wahl für Werte entscheiden. Und das Vertrauen in meine Abgeordneten und Politiker haben können, dass diese dann ihren Werten handlungsleitend folgen wollen, dies auch können und tun werden,

:-) Jetzt bin ich auch nicht im Besitz der Wahrheit. Meine aber, dass diese Gedanken es wert sind, diskutieren zu werden. Andererseits:

Liebe Piraten!

Vielleicht ist das der Grund, warum Eure Umfrage-Ergebnisse so schlecht sind? Weil Ihr zu einer “normalen Partei” werdet. Und davon haben wir schon genug davon. Glaube nicht, dass wir da noch eine mehr brauchen. Und so könnte es schnell heißen: Wie gewonnen so zerronnen.

RMD

Roland Dürre
Dienstag, der 20. November 2012

Datenschutz und Industriespionage …

Im Umfeld von Datenschutz und -sicherheit fällt oft der Begriff der Industrie-Spionage. Immer wieder ergehen Warnungen von staatlichen Stellen oder unseren ja so wichtigen Wirtschaftsverbänden:

Die Industriespionage hat sich in den letzten Jahren dramatisch entwickelt!
Und natürlich ständen im Fokus der Spionage deutsche Unternehmen und ihr Know-how.

Diese Sätze finden sich auch in einer Studie von “CORPORATE TRUST – Business Risk & Crisis Management GmbH”, die unter diesem Link abgerufen werden kann. Eine sehr lesenswerte Studie, die zeigt, wie man trefflich Angst machen kann?

Hier finden wir die grelle Warnung vom “Cyberwar, der längst Realität geworden” und “mitten in der Gesellschaft ist”. Der “Computerwurm” „Stuxnet“ darf da auch nicht fehlen, der ja “vermutlich speziell entwickelt wurde, um die Steuerungsanlagen Simatic S7, mit denen Frequenzumrichter von Motoren des iranischen Atomprogramms gesteuert wurden, zu sabotieren”
(Man beachte das Wort “vermutlich”).

Die genauen Ziele der Auftraggeber wären zwar nicht bekannt, die Komplexität des Angriffs zeige jedoch, dass wir uns von einem Zeitalter der Skript-Kiddies und Cracker hin zu einer neuen Dimension der Gefährdung entwickelt hätten - usw.

Das alles sind Originalzitate aus genannter Studie, bei denen mich allerdings schon die martialische Sprachwahl an der Glaubwürdigkeit zweifeln lässt.

Trotzdem nehme ich das Thema Datendiebstahl deutlich ernster als zum Beispiel die Angst vor dem Missbrauch der persönlichen Daten. Ich glaube auch, dass “gestohlene” Daten helfen, schneller ans Ziel zu kommen, wenn man “Neues” entwickelt.

Sehr persönlich erinnere ich mich da an ein Projekt vor knapp 30 Jahren, wo wir den Auftrag hatten, etwas Neues zu entwickeln. Nur hatten wir von dem “Neuen” keine Ahnung. Damals war das Studium der Sourcen der Konkurrenz sehr hilfreich. Und ich weiß bis heute nicht, ob wir die fremden Sourcen rechtmäßig oder sagen wir mal in einer gewissen Grauzone genutzt haben.

Aber ich glaube nicht, dass es mit der Industrie-Spionage so schlimm ist, wie es nicht nur im Internet dargestellt wird. Auch weil diese Angst-Macher-Studien von Firmen kommen, die uns besondere Dienstleistungen und Produkte gegen die Spionage verkaufen wollen. Und natürlich helfen staatliche Stellen und Wirtschaftsverbände gerne mit, diese Sau durchs Dorf zu treiben. Sie haben ja sonst nichts zu tun. Dann lässt schon mal gerne James Bond grüßen. Erzeugt ja auch so ein herrliches Schauern, wie schlecht die Welt und wie machtlos man selbst ist.

Aber überlegen wir doch mal wie es “früher” war!

Wie ich bei Siemens gearbeitet habe, war es streng verboten, vertrauliche Papiere aus dem Werksgelände hinaus zu nehmen. Und vertraulich war fast alles. So gab es einen Zufallsgenerator an der Pforte, der ab und zu ein Licht leuchten ließ. Dann musste man seine Aktentasche öffnen und den Inhalt zur Kontrolle an der Pforte vorzeigen. Dass im Unternehmensgelände das Fotografieren untersagt war, verstand sich als selbstverständlich.

Das war auch noch das Zeitalter der blauen “Micro-Fiche-Filme” und den dazugehörigen Lesegeräten. Micro-Fiche oder besser Mikroform ist die mir erste bekannte Technologie, mit der man sehr viel Daten auf wenig Material speichern konnte. Bei uns waren das in der Regel die Sourcen von kompletten Betriebssystemen, die auf ein kleines Quadrat Film gespeichert wurden und die wir so in der Aktentasche mit uns herumtragen konnten.

Natürlich war es nicht realistisch, dass diese vertraulichen Papiere nie das Unternehmensgelände verlassen durften. Zu einen gab es ja verteilte Standorte. Manche Daten brauchte man beim Kunden. Und ab und zu wollte man auch noch abends ein wenig daheim arbeiten. Deshalb gab es Durchlass-Scheine. Mit solch einem Schein bewaffnet, durfte dann jeder die vertraulichen Papiere mitnehmen. Die höheren Dienstgrade – ich weiß nicht mehr ab welcher AB- oder GB-Stufe – durften geheime Dokumente auch ohne Durchlass-Schein mit sich führen. Weiß auch nicht mehr, ob AB wirklich für “abteilungs-bevollmächtigt” und GB für “general-bevollmächtigt” stand.

Aber was war das für eine wundersame (und völlig unsinnige) Firewall? Doch auch nicht sicherer als die heutigen Wälle, die die IT anbietet?

Das haben dann auch die ersten beiden Kollegen aus der DDR bestätigt, die wir noch während der Wende einstellten. Die kamen direkt von Robotron Dresden. Und haben uns erzählt, dass sie natürlich bei Robotron alle neuen Pläne der Siemens-Chip-Entwickler postwendend auf ihren Schreibtischen hatten. Nur anfangen konnten sie damit nichts. Der notwendige Rohstoff (hochreines Silizium) konnte in der DDR nicht beschafft werden und die Werkzeuge hatten sie auch nicht, die für die Herstellung selbst nur der Prototypen nötig gewesen wären.

Ich weiß natürlich nicht, ob unsere ex-DDR-Ingenieure hier nur eine gute Story erzählen wollten, kann mir aber vorstellen, dass es wirklich so war. Insofern meine ich, dass Daten immer in Hände kommen, in die sie nicht gehören. Nur macht das meistens gar nichts aus, auch wenn es einen vielleicht zu Recht ärgert.

Ich glaube aber auch, dass sich die Methoden gewandelt haben. Und die neuen Methoden sind viel effizienter, obwohl sie partout nichts mit IT zu tun haben. Betrachten wir China, das Land, dessen Unternehmen man hierzulande gerne unterstellt, dass sie westliche Firmen auszuspionieren versuchen. Haben die es denn überhaupt nötig oder gibt es nicht viel einfachere Methoden?

Denn so lesen wir bei “invest in Bavaria” bei “China in Bayern”:

Derzeit sind mehr als 130 chinesische Unternehmen wie z.B. Huawei Technologies, Pearl River Piano, ZTE, Yingli Solar, ET Solar und knapp 11.000 chinesische Staatsbürger in Bayern heimisch. Davon lebt etwa ein Drittel im Raum München. Rund 3.000 in Bayern studierende Chinesen sind Beleg für die Attraktivität der bayerischen Hochschullandschaft.

Ich weiß auch, dass in den “infrastruktur-schwachen” aber oft wunderschönen bayerischen Landschaften es chinesische Niederlassungen gibt, die nichts anderes machen als F&E (Forschung und Entwicklung), oft besser bekannt als R&D (research and development). Diese Unternehmen werden sogar noch von bayerischen Gemeinden stark subventioniert und ihre Ansiedlung entsprechend groß gefeiert. Denn F&E ist in der Regel eine saubere Branche, die keine Umwelt schädigt und intelligente Ingenieure anzieht.

Und was machen die chinesischen F&E-Unternehmen als erstes? Ist doch klar! Sie werben ihren deutschen Konkurrenten die Ingenieure ab. Und zwar die besten! Die genau das richtige Know-How haben, das man in China braucht. Und die deutschen Ingenieure kommen gerne, es lockt sie das preiswerte Leben an einen schönen Ort, die Aussicht, in modernen Labors F&E machen zu können und meistens auch noch ein deutlich besseres Gehalt. So können sich die Chinesen die besten Leute mit dem richtigen Wissen aussuchen. Das ist doch viel effizienter als Netze und Server zu cracken und hacken!

Und das ist auch gut so, denn wir leben nun mal in einer globalen Welt und ich mag die Chinesen als freundliche Menschen mit guter Küche … Und ich erinnere mich  “Wissen ist der einzige Rohstoff, der durch Teilen mehr wird”!

Und lese ich oben genannte “Studie” dann doch wieder mit ganz anderen Augen. “Angst machen” ist halt oft ein erfolgreiches Mittel im Vertrieb …

RMD

P.S.
DIe Bilder sind aus dem zentralen Medienarchiv Wikimedia Commons eingebunden. Sie sind von Nichtich und Tomasz Sienicki [user: tsca, mail: tomasz.sienicki at gmail.com]

Roland Dürre
Samstag, der 27. Oktober 2012

Unsere lieben persönlichen Daten – Der Brief und das Eigentum?

Ergänzend zu den Überlegungen in meinem letzten Artikel zum Datenschutz ein Exkurs zu ähnlichen Problemen am Beispiel des so ganz harmlosen Briefs?

Die Sprache ist Voraussetzung für komplexere Kommunikation zwischen intelligenten Lebewesen. Mit der Sprache kam die Schrift. Die Schrift hat den Brief ermöglicht. Der Brief war für viele Jahrhunderte der Inbegriff von bilateraler Kommunikation über Raum und Zeit.

Aber wer schreibt heute noch Briefe? Wer überhaupt hat das wunderbare Geheimnis des Briefe-Schreiben und Empfangen noch selbst erlebt? Ich habe aus den ersten beiden Jahrzehnten meines Lebens noch ganz schwache Erinnerungen daran:

Für einen Brief braucht man Papier. Auf das schreibt man, früher gerne mit Tinte – und ganz ordentlich mit der schönst möglichen Schrift, die man so drauf hat. In der Regel gibt es eine ausgesuchte und höfliche Anrede. Der Text geht dann über eine oder mehrere Seiten, die entsprechend nummeriert werden. Das Werk wird mit einer Grußformel sowie Ort und Datum abgeschlossen und schließlich unterschrieben. Früher sogar gesiegelt.

Dann nimmt einen Umschlag, faltet das Papier und stecke es in den Umschlag. Der  wird zugeklebt, auf die Vorderseite der Empfänger und auf die Rückseite der Absender geschrieben. Das musste so sein, denn es gab eine – wie ich meine vernünftige – Postregel: Briefe ohne korrekten Absender wurden vor grauer Vorzeit nicht befördert. Klingt auch im Zeitalter von Spam ganz vernünftig.

Dann wird der Brief korrekt mit einer oder mehreren Briefmarken frankiert - oft unter Nutzung der Zunge. Die korrekte Frankierung ist ganz wichtig, sonst kommt der Brief nach einigen Tagen wieder zurück.

Schließlich wird der Brief in einen öffentichen Briefkasten geworfen. Früher waren das gelbe Kästen mit einem Horn. Der Schlitz in diesem gelben Kasten ist der Eingang zu einer Cloud, genannt Post. Aufgabe der hinter der Cloud liegenden Organisation war es, Briefe und damit die in diesem enthaltenen Informationen zuverlässig und schnell an Adressen in der ganzen Welt zu transferieren.

Die Post garantiert auch das Postgeheimnis. Das ist nicht immer verlässlich, denn zu allen Zeiten gab und gibt es Instanzen, die – ungesetzlich oder legitimiert durch eigenartige, aus Angst entstandene Gesetze – so einen Brief öffnen und den Inhalt prüfen. Abhängig vom Inhalt wird der Brief dann von diesen wieder verschlossen und weiter gesendet – oder auch mal behalten. Diese Instanzen arbeiten sehr geschickt. Der Empfänger merkt das oft gar nicht, dass der Briefes geöffnet, gelesen und wieder verschlossen wurde.

Das aber nur zum Verständnis von Briefpost. Mir jedoch geht es um die Frage, wer denn der Eigentümer eines solchen Briefes und dessen Inhalt ist?

So ein Brief wurde vom Absender erstellt (aufwändige Schreibart) und finanziert (Papier, Tinte, Umschlag, Porto). Der Empfänger bekommt ihn dann durch einen Boten aus der Cloud (Briefträger genannt) übergeben.

Wem gehört jetzt der Brief? Bei der “Hardware” scheint mir das einfach zu sein. Papier und Umschlag würde ich als juristischer Laie als Geschenk sehen. Tinte und Porto spielen keine Rolle. Die Tinte ist ja mittlerweile verdorben und die Briefmarke entwertet. Der Absender hat dem Empfänger das Papier und den Umschlag geschenkt. Wie ist es jedoch mit dem Inhalt?

Nehmen wir an, Sender und Empfänger wären ein Ehepaar. Die Inhalte im Brief sind Teile der Kommunikation ihrer ehelichen Beziehung. Wem gehört dann der Inhalt: Dem Schreiber (Absender) oder dem Leser (Empfänger)? Oder beiden zu gleichen Teilen? Was ist, wenn der eine den Brief veröffentlichen will – aber der andere nicht?

Ändert sich das Eigentumsrecht, wenn z.B. die Geschäftsgrundlage – sprich die Ehe durch Scheidung – weg fällt? Geht dann das Eigentum am Text an den Schreiber (Absender) zurück? Wer darf dann mit dem Brief Geld verdienen?

Was ist denn, wenn der Brief fremdes Eigentum enthält, z.B. ein Liebesgedicht eines zeitgenössischen Autors, das aus einem Buch abgeschrieben wurde? Bei “gewerblicher Nutzung” wäre das ja Diebesgut. Darf der Empfänger das weitergeben? Oder geht das nur im “privaten” Fall. Oder muss der Empfänger dann das fremde Eigentum zurück geben, den Urheber fragen, und gegebenenfalls dessen Eigentum an ihn zurückgeben?

Und wenn ja, wie geht das? Wie kann ich etwas zurück geben, dass ich gelesen habe. Was passiert, wenn dritte berechtigt oder unberechtigt den Brief lesen? Was haben sie eigentlich gestohlen? Wen haben sie bestohlen – den Sender  (Empfänger) oder den Empfänger (Leser). Welcher Schaden ist entstanden?

Was ist los, wenn der Empfänger den Brief – vielleicht gar ohne ihn zu lesen – vernichtet. Darf er das – oder hat er dann den Sender geschädigt? Er hat ja Daten (Eigentum) des Senders vernichtet. Und was ist, wenn der Sender vor dem Absenden eine Kopie gemacht hat. Darf er die dann Jahre später so veröffentlichen? Ohne den Empfänger zu fragen?

Was passiert denn, wenn der Brief durch einen dritten gefunden wird. Gehört dann der Inhalt dem Finder? Doch wohl nicht. Darf der Sender einschreiten, wenn Kopien des Briefes z.B. durch einen Verlag dem Empfänger abgekauft und als Teil eines Buches veröffentlicht werden?

Was ist, wenn der Brief im nach hinein sehr wertvoll wird? Ist es überhaupt gerecht, wenn ich jemanden einen vermeintlich wertlosen Inhalt abkaufe und dieser plötzlich im Wert steigt, weil die verkaufende Person berühmt geworden ist. Oder wäre das ein Verstoß gegen die guten Sitten?

Gibt es wirklich den Unterschied von Inhalten zwischen privater und gewerblicher Nutzung? Wenn wir im Internet eine Tauschbörse von Briefen hätten, bei der nie Geld im Spiel ist, wäre das eine gewerbliche Nutzung?

Ist das alles nicht Unsinn?

Und jetzt projektieren ich mal solche Gedanken in die Welt von SMS, E-Mails, Twitter, Facebook, Google und des Internets allgemein. Sind da alle diese Fragen sinnvoll zu diskutieren. Müssen sie unbedingt durch Gesetze geregelt werden? Oder sind die Fragen an sich schon sinnlos? Wäre es nicht endlich an der Zeit, beim Thema persönliche Daten, Copyright etc. radikal umzudenken und auch rechtlich ganz von vorne anzufangen?

Und beim Neuanfang die Ohren vorsorglicher Weise ganz konsequent zuzustöpseln und genauso die Sakko-Taschen zuzunähen, damit die Lobby der Inhaltshändler nicht gleich wieder alles mit ihrem Einfluss kaputt macht.

RMD

P.S.
Briefe zwischen zwischen Heisenberg und Einstein sind mir in guter Erinnerung. 1969 hat der Professor Lammel (Analysis I) an der damaligen TH München (heute TUM) aus diesen Briefen vorgelesen. Das war ein sehr schönes wenn auch wohl altmodisches Studentenerlebnis.

:-) Wer es mehr staatsmännisch mag, der kann die Briefe nachlesen, die Voltaire dem “alten Fritz” geschrieben hat. Oder für die ein wenig revolutionären: Jean Paul feiert im nächsten Jahr Geburtstag. Er wird 250 Jahre alt. Ein guter Anlass, die Briefe nachzulesen, die er geschrieben und bekommen hat!

Roland Dürre
Dienstag, der 23. Oktober 2012

Verlorene Zeit(en)

Bei Nadja’s Vortrag zum “Sinn des Lebens” vom letzten IF-Forum mußte ich an die vielen Stunden denken, die ich in meinem Leben sinnlos verbracht habe. Zuerst ist mir die Zeit eingefallen, die ich mit Fernsehen und Autofahren verbracht habe. Es gab so ein paar Jahrzehnte in meinem Leben, in denen ich täglich im Schnitt mehr als fünf Stunden vor dem Fernseher und am Steuer eines Autos verbracht habe.

Einfach mal so los gerechnet, sind das bei 5 Stunden am Tag 1825 Stunden im Jahr. Nehmen wir mal nur 2 Jahrzehnte, dann bin ich in diesem Zeitraum 36.500 Stunden im Auto und vor dem Fernseher gesessen. Und das mit sehr vorsichtigen Annahmen. Irgendwie frustrierend.

Und dann fällt mir ein, dass ich spätestens ab 1977 in meiner beruflichen Laufbahn auch immer mehr Zeit in Besprechungen verbringen musste. Viele davon waren ziemlich unnötig und unproduktiv. Oftmals hätte ich die Zeit lieber für die Projekte genutzt, an denen ich gerade gearbeitet habe.

Das hat sich nicht geändert. In vielen Unternehmen herrscht immer noch ein fast krankhafter Drang zu Besprechungen. Viel zu viele, die viel zu lange dauern. Und weil man so viel Arbeitszeit mit Versprechungen füllt, muss man dann halt oft bis tief in die Nacht nacharbeiten.

Warum macht man so viele Termine, die länger als 20 Minuten sind? Kompetente Leute können und müssen in 20 Minuten sehr viel Information austauschen und gute Entscheidungen fällen.

Nur die Praxis ist halt anders. Besprechungen sollten ja immer gut vorbereitet sein. Deshalb haben sie eine Agenda. Die muss abgearbeitet werden. Und jeder Punkt dauert meistens viel länger als nötig.

Oft läuft das so: Vier TOP (Tagesordnungspunkte) sollen besprochen und entschieden werden. Weil es ganz schwierige TOP sind, haben die Einladenden zwei Stunden geplant. 30 Minuten pro TOP. Der Termin war schwer zu finden, da alle Teilnehmer ja dauernd in Sitzungen sind und die Terminkalender deshalb so voll sind. Deshalb wird das Meeting in frühesten zwei Wochen stattfinden. Wenn der Termin dann stattfindet, haben sich in der Regel zwei der vier TOP schon von selbst erledigt.

Jetzt könnte man meinen: Die TOPs, die sich erledigt haben, können doch gleich mal gestrichen werden. Dann hat man nur noch halb so viele TOPs wie geplant. Also kann man doch die Zeit der Besprechung auf die Hälfte reduzieren. Also nur eine Stunde an Stelle von zwei besprechen – und dann wieder an die Arbeit gehen. Aber denkste! So etwas habe ich in meiner Zeit als Besprechungsteilnehmer nur selten erlebt.

Nein, meistens werden ganz spontan neue Themen gefunden. Wenn man schon mal zusammen ist. Es wird rumgegockelt, spekuliert, philosophiert. Argumente werden kreuz und quer aber selten zusammenhängend in den Ring geworfen. Ein Teil der Teilnehmer erfreut sich am rethorischen Spiel, andere leiden unter dem oft in Geschwafel ausartenden Wortarien.

Andere flüchten sich in eine Art maskierten Büroschlaf und träumen von besseren Zeiten und schöneren Orten. Nur wer schnarcht, fällt unangenehm auf. Und so wird alle Zeit, die geplant war, dann auch wirklich aufgebraucht. Und meistens wird auch noch überzogen. Warum eigentlich nur?

Ja, ich habe viel zu viel Zeit in meinem Leben vor dem Fernseherm im Auto sondern auch in Besprechungen verbracht. Aber ich schaue nicht zurück, sondern nach vorne.

:-) Also – Fernsehen off, Autofahren off, Besprechungen off.

RMD

Roland Dürre
Samstag, der 13. Oktober 2012

Wer hat Angst vorm schwarzen Mann?

Alle haben Angst vor der “Cloud”. Weil die schwarzen Männer in der Cloud unsere Daten fressen und/oder missbräuchlich nutzen könnten. Unsere wertvollen persönlichen Daten!

Besonders schlimm ist es, wenn die Wolke im Ausland steht. Dann gäbe es ja gar keine Kontrolle mehr. Der amerikanische Geheimdienst könnte unsere Daten lesen. Wenn die Cloud in Deutschland steht (schwebt) ist es aber nicht besser. Vielleicht kann dann der amerikanische Geheimdienst unsere Daten nicht lesen, aber bestimmt der deutsche. Und eigentlich ist es mir gleichgültig, welcher Geheimdienst meine Daten liest.

Warum sind uns unsere Daten so heilig? Ich verstehe das nicht. Nichts ist für mein Leben so unwichtig, wie dies meine Daten sind. Wer von mir etwas wissen will, der soll mich einfach fragen. Gerne antworte ich – auch öffentlich. Das meiste findet man eh unter duerre.de oder if-blog.de.

Wenn ich ein ängstlicher Typ wäre, dann hätte ich schon Angst vor Wolken. Aber ganz anderen. Nämlich denen, von denen ich tatsächlich abhängig bin. Aus denen all das kommt, was ich wirklich zum Leben brauche.

Wasser

Wasser kommt aus dem Wasserhahn. Der ist der Zugang zur Wasser-Cloud. Die ist ziemlich ungesichert. An vielen Stellen könnten Übeltäter es mit Gift versorgen. Den Giftterror im Wasserwerk kennen wir zwar nur aus dem Film – aber nur zu leicht könnte er Realität werden. Ein böser Terrorist würde genügen, uns alle zu verderben.

Wasser aus der Flasche aus dem Supermarkt hilft auch nicht weiter. Zuviel Schwachstellen hat auch diese Cloud, dem Bösewicht sind auch hier Tür und Tor geöffnet. Einen eigenen Brunnen hat kaum mehr einer. Der würde aber auch nichts helfen, weil die Cloud der Dioxine oder der Radioaktivität schon auf dem Wege ist, ihn zu verseuchen.

Aufs Bier ausweichen ist kein rettender Gedanke. Das kommt nur zu oft aus der InBev-Cloud. Und dies auf einem sehr riskanten Weg. Bis es dann endlich im sicheren Hafen meines Kühlschranks ist.

Nahrungsmittel

Alle Nahrungsmittel, ob Gefrierkost, Getreide, Grundnahrungsmittel aller Art, Gemüse und Obst, Fisch oder Fleisch, Kantinenessen, alles kommt aus der Cloud. Und da passiert auch gelegentlich etwas. Mal produziert die Cloud Hühnerfleisch mit ein klein wenig Dioxin, dann sind es tief kühl gefrorenen Erdbeeren. Die kommen aus China und machen unsere Kinder krank. Verstehe zwar nicht, warum wir in Deutschland im Herbst tief gefrorene Erdbeeren aus China essen müssen, hätten wir doch genug Äpfel, Birnen, Pflaumen … im Lande. Aber die Cloud macht es halt möglich, und das Apfelmus kommt ja auch aus der Cloud. Und bestimmt nicht aus der Nachbarschaft.

Aber wir vertrauen der Cloud. Sie wird die Welternährung schon stemmen und uns auch morgen füttern …

Energie

Der Strom kommt aus der Steckdose. Die ist die Schnittstelle zur Cloud. Der Sprit kommt aus dem Zapfhahn an der Tankstelle. Wenn die Cloud uns keinen Strom mehr gibt, gehen die Lichter aus. Wenn der Zapfhahn nur noch tröpfelt, stehen die Autos nur noch unnütz im Wege.

Woher der Strom oder der Sprit kommt, wissen wir nicht. Und wollen es auch gar nicht wissen. Die Cloud wird das schon machen. Mit oder ohne Wende. Außerdem ist die Energie ja nicht so lebensnotwendig wie das Wasser und die Nahrungsmittel. Ist doch nicht so schlimm, wenn der Strom mal schlecht ist.

Geld

Geld kann man nicht essen. Fürs Leben ist es noch unwichtiger als die Energie. Die meisten von uns haben eh zu viel davon. Deshalb kaufen wir uns allen möglichen Unsinn, den wir gar nicht brauchen. Das was vom Geld übrig bleibt lassen wir bei der Bank. So haben wir’s gelernt! Zu viele Jahre hat man uns eingebläut, dass nur das dumme Großmütterchen sein Geld im Strumpf unterm Sofa oder im Kopfkissen versteckt. Nein, wir denken offensichtlich, dass die Geld-Cloud ganz lieb und sogar fürs System relevant ist. Und geben ihr unser ganzes Geld. Damit sie es für uns arbeiten lässt. Und wenn wir zu wenig Geld haben, dann holen wir es uns von ihr.

Wasser, Nahrungsmittel, Energie, Geld und vieles mehr kommt aus der Cloud. Ich wüsste gar nicht, was heute nicht aus der Cloud kommt. Und trotzdem können wir gut schlafen …

Nur wenn unsere Daten in der Cloud sind, dann werden wir um unseren Nachtschlaf gebracht. Warum eigentlich? Haben wir Angst vor unseren Daten? Warum sind wir so in Sorge, dass andere erfahren könnten, wer und was wir wirklich sind?  Erinnern uns unsere Daten an unsere Schandtaten? Quasi als modernes schlechtes Gewissen?

Ich muss gestehen, ich verstehe allgemein die mal kollektive und mal individuelle Hysterie um personenbezogene Daten nicht. Ganz gleich ob diese in der Cloud liegen oder woanders. Habe noch einiges vor im Leben. Aber einen Job würde ich nie machen: Datenschutzbeauftragter.

RMD

P.S.
Kennungen und Passworte zu Internet-Seiten wie Ebay oder zur Bank sind für mich keine Daten sondern Schlüssel. Und auf Schlüssel sollte man schon aufpassen. Auch wenn ich gestehen muss, dass mein Umgang mit meinem Hausschlüssel auch sehr lax ist.