Klaus Hnilica
Dienstag, der 27. März 2018

Sparmodell WHISKY

Carl und Gerlinde (Folge 58)

Nein Carl beabsichtigte nicht jetzt noch einmal zu erklären, warum er und Gerlinde zwar ursprünglich nach Teneriffa wollten, dann aber doch wieder in Lanzarote gelandet waren und von da erst gestern Nacht heim kamen!

Gerlinde wollte dazu auch nichts sagen: warum mussten Hannelore und Kurt sie auch schon am frühen Sonntagmorgen während des Frühstücks überfallen, nur weil Hannelore wieder einmal nicht erwarten konnte, einen weiteren fantastischen Urlaubsbericht von Gerlinde zu hören, um ihren Kurt endlich auf die Kanarischen Inseln zu bringen.

Leicht genervt fragte Carl, ob sie eine Tasse Kaffe möchten oder gleich den Sekt und die Lachshäppchen, die er und Gerlinde im „Iberostar Lanzarote Park Hotel“ jeden Morgen um diese Zeit als kleinen Brunch einzunehmen pflegten.

Oh – ihr ward wieder im gleichen Hotel wie letztes Jahr? flötete Hannelore, was Gerlinde nur mit einem müden Nicken bestätigte, während sie sich um die Sektgläser kümmerte, da Carl tatsächlich schon in den Keller nach dem Sekt gesprintet war. Ja – wenn’s um Hannelore ging, war er flott!

Komm erzähl doch Gerlinde, wie war’s denn in Lanzarote? Wie war das Wetter? Wie die Leute und die Stimmung? Wir wollen alles haarklein wissen, gell Kurt?

Kurt nickte knapp und Gerlinde sagte, Gott – ja –  alles in allem war’s schon schön!

Na – das klingt ja nicht grad begeistert, brummte Kurt.

Oh – doch ging Carl dazwischen und ließ die Sektkorken knallen.

Leider hatte ich halt gleich nach der ersten Woche diese blöde Erkältung an der ich immer noch herumlaboriere, stöhnte Gerlinde und rotzte zur Bestätigung gleich zwei Tempotaschentücher voll.

Und ich hab’ dauernd gefroren! grinste Carl, während er reihum Sekt einschenkte.

Heißt das, dass es nicht so warm und frühlingshaft war, wie ihr das erwartet habt? fragte Hannelore schon mit dem Sektglas in der Hand.

Für die vielen Dicken schon, feixte Carl, aber für die wenigen Normalgewichtigen wie wir, nicht! Aber jetzt Prost ihr Lieben, auf Euch und uns und dass wir wieder heil zuhause sind.

Der ständige kalte Nordwind war echt blöd dieses Mal, stöhnte Gerlinde mit grandioser Leidensmiene, die Hannelore hartnäckig ignorierte.

Na toll! – deswegen fliegt man 4000 km Richtung Afrika, meinte Kurt süffisant. Er trank sein Glas in einem Zug leer und platzierte es auffordernd gleich wieder neben die Sektflasche, in der noch ein paar Schluckchen drinnen waren.

Länger als eine halbe Stunde habe sie keinen Tag in der Sonne liegen können, wegen dieses blöden Windes. Und nur drei Mal sei sie im Pool geschwommen in den zwei Wochen. Wahrscheinlich habe sie sich da auch die Erkältung geholt, jammerte Gerlinde weiter, da sie schon einmal am Jammern war und sie merkte wie Hannelore dieser Negativbericht immer mehr zusetzte. Aber natürlich war sie mit ihrer Erkältung nicht alleine: schon morgens im Frühstücksraum hustete und schnupfte fast der gesamte Saal in allen Tonlagen, wie ein fein abgestimmter Kirchenchor, wenn sie ankamen, und auch das Flugzeug zurück nach Frankfurt war eine einzige Ladung triefender und hustender Rotznasen gewesen…

Da Carl zu Hannelores Glück wieder frischen Sekt nachgeschenkt hatte und animierend sein Glas hob, musste Gerlinde ihren ‚Rotzreport’ kurz unterbrechen, was Hannelore die Gelegenheit gab, nach ein paar hastigen Schlückchen schnell die Frage einzuwerfen, ob sie wenigstens schöne Ausflüge gemacht hätten.

Ja das schon, meinte Gerlinde nach einer längeren Pause, in der sie, immer noch im Morgenrock, bedächtig ihren Oberkörper hin und her wiegte und an ihrem Glas nippte!

Gleich zu Beginn hätten sie für Mittwoch diesen mehrfach empfohlenen grandiosen Ausflug zu der traumhaften kleinen Fischerinsel ‚La Graziosa’ im Norden von Lanzarote gebucht: 60€ pro Person, mit Mittagessen, Busabholung vom Hotel, Fahrt zum romantischen Hafen Órzola und von da mit einem Katamaran durch den so genannten Rio zur Insel La Graziosa!

Leider regnete es an diesem wunderbaren Mittwoch aber, was selten genug vorkommt, stöhnte Gerlinde und bat Carl, ihr nochmals nachzuschenken, und der sonst übliche Wind hatte sich an diesem Tag auch zu einem veritablen Stürmchen ausgewachsen, so dass man sich überhaupt nicht an Deck aufhalten konnte und deshalb noch ein Glasbodenboot dazu genommen werden musste, um alle Ausflügler trocken unterzubringen. Nach dem Essen auf La Graziosa wurde im Regen aber auf eine weitere Besichtigung der Insel verzichtet und statt  dessen bei wahnwitzigem Seegang – da hinter Graziosa ja 6000 km Atlantischer Ozean liegen – die Insel mit beiden Schiffen umfahren. Dies mit dem Ergebnis, dass sie ununterbrochen kotzen musste und selbst Carl am Ende der Umschiffung sich auch kaum mehr auf den Beinen halten konnte.

Gerlinde brauchte nach diesem Kurzbericht ein weiteres Glas Sekt und sank erschöpft in ihrem Stuhl in sich zusammen, während Carl endlich  auch das Wort ergreifen konnte und ergänzte, dass jeder von ihnen beiden nach diesem Abenteuer eine halbe Stunde unter der heißen Dusche gestanden habe, um einigermaßen wieder warm zu werden. Danach sei aber Gott sei’s gedankt, das Unerwartete passiert, was diesen Urlaub noch rettete…

Und was war das für ein unerwartetes Ereignis? fragte Hannelore neugierig mit neuer Hoffnung in den Augen.

Tja  – ich weiß nicht, ob ich das verraten soll? Was meinst du Gerlinde?

Ihr wäre das egal brummelte Gerlinde, sie möchte nur ein weiteres Glas Sekt.

Das Vierte! stellte Carl leicht besorgt fest.

Na  – und?

Ich sag’s ja nur, hauchte er und schenkte nach.

In einem ähnlichen Zustand, wie jetzt Gerlinde wären sie beide nämlich nach dem gelungen Ausflug auch gewesen, sagte Carl dann zu Hannelore und Kurt. Und ohne nachzudenken hätten sie damals in einem Rutsch hintereinander alle vier kleinen Fläschchen Whisky aus der Minibar weggeschluckt, um einigermaßen zufrieden in ihre Bettchen zu sinken…

Das böse Erwachen kam allerdings am nächsten Morgen, als sie entdeckten, dass eines dieser winzigen 5cl-Fläschen Whisky mit 9.90€  berechnet wurde, was bedeutete, dass sie für diese läppischen vier Fläschchen Whisky – die nicht mehr als vier große Schluck waren – 39.60 € löhnen mussten! Das müsse man sich einmal auf der Zunge zergehen lassen, stöhnte er.

Keine schlechte Rendite für das Hotel stellte – plötzlich hellwach –  der gute Kurt fest!

Und Gerlinde stöhnte in ihrem Stuhl auch auf! Ihr neuerlicher Wunsch nach Sekt wurde allerdings nicht mehr erfüllt.

Stattdessen sagte Carl zu Hannelore, dass man so eine Abzocke natürlich mit ihm nicht machen könnte. Eine kurze Überprüfung der Whisky– Situation im nahen Supermarkt zeigte ihm nämlich, dass dort ein 75cl Fläschchen der gleichen Marke gerade einmal 15.85 € kostete.

Selbst Kurt war mit einem Mal klar, was da zu tun war! Und so nickte er bei jedem Wort bestätigend mit dem Kopf, als Carl, nicht ohne einem gewissen Pathos, verkündete, dass er und Gerlinde daraufhin im Laufe der restlichen 10 Urlaubstage schlicht und ergreifend einfach 10 Flaschen Whisky zusammen weg geschluckt hätten und dadurch nach Abzug der Beschaffungskosten sage und schreibe 1325.- € erwirtschafteten, wie jedermann leicht nachrechnen könne!

Ahhhh – kicherte Hannelore plötzlich, jetzt gehe ihr ein Licht auf: das meinte also Gerlinde, als sie sagte, ihr seid alles in allem doch zufrieden gewesen mit euerem Urlaub!

Ja das meinte sie wohl, bestätigte Carl, da Gerlinde inzwischen auf ihrem Stuhl sanft entschlummert war. Der Sekt tat wohl seine Wirkung!

Und vielleicht half bei Kurt auch der Sekt nach, als er ohne seine Stimme anzuheben mit größter Selbstverständlichkeit plötzlich sagte, dass er sich bei einem derartigen Sparpotential einen Urlaub auf den Kanaren auch gut vorstellen könnte…

KH

Roland Dürre
Donnerstag, der 8. März 2018

SPORTSOLDATEN in der SCHROTTARMEE

Während der Winter-Olympiade 2018 in Südkorea war ich in der Antarktis. Das ist keine schlechte Idee, wenn man dem kommerziellen Olympia-Terror entgehen will.

Roland in der Antarktis als Teilnehmer der Olympischen Sportart Hot Dog Pølser (original dänische rote Würste) speisen und Bier trinken.

Wenn man sich dem Rummel in den Medien nicht hingeben will, nicht ganz so „national“ eingestellt ist und weder die einzelnen Medaillen noch den 2. Platz der BRD (DEUTSCHLANDS) im Medaillenspiegel der komischen „olympischen“ Winter-Sportarten bejubeln will, dann ist es eine gute Idee, während solcher „sportlicher“ Großereignisse an einen möglichst weit entfernten Ort zu flüchten.

Da werden Sie sagen:
„Was willst Du denn nur schon wieder! Unser „DEUTSCHLAND“ war doch mal wieder richtig erfolgreich! Das ist doch etwas, auf das kann man als Deutscher nur stolz sein.“

Früher war das schlimmer:
In meinen jungen Jahren im letzten Jahrtausend wurde Menschen wie ich auf gerne mal als „Vaterlandsverräter“ tituliert, wenn sie bei der kollektiven Olympia- und WM-Euphorie nicht so richtig mit machen wollte. Besonders daneben war es, wenn man die Erfolge der DDR-Volksarmisten bewundert hat. Weil die ja eh alle gedopt waren.
Insofern ist die Welt schon besser geworden …

Ja, wir sind zweiter geworden!

1 Norwegen Norwegen  14  14  11  39
2 Deutschland Deutschland  14  10  7  31

Allerdings nur zweiter, wenn man bedenkt, dass Norwegen gerade mal 5,3 Millionen Einwohner hat! Wir, die große Nation D haben 82,7 Millionen Einwohnern. Und trotzdem 8 Medaillen weniger (4 Silberne und 4 Bronzene). Ist das nicht peinlich? So relativiert sich der Erfolg.

Schauen wir mal genau hin:
Erfolgreich (oder eigentlich als zweiter eher der Verlierer), das waren nicht wir. Das war der deutsche Zoll, die deutsche Bundespolizei und die deutsche Bundeswehr.

Ich dachte immer, dass der Zoll unsere Waffe im aufkommenden Handelskrieg mit den USA des Mr. Trump ist. Und dass die Bundespolizei wichtige Aufgaben hat wie z.B. die Menschen auf Christkindelmärkten vor Selbstmordattentätern schützen.

Und dass die Bundeswehr für die Abschreckung zuständig ist? Und dann noch unseren NATO-Partnern wie der Türkei beistehen und nebenher auch noch ein paar UNO-Sanktionen und -Einsätze qualifiziert abwickeln soll? So dachte ich.

Alles falsch! Die drei Einrichtungen sind anscheinend für Olympia-Medaillen zuständig. Wie man hört, war sogar die Bundeswehr sehr erfolgreich mit dabei. Bei der doch angeblich nichts funktionieren soll? Man sieht, man darf eben nicht alles glauben, was man so liest.

Zusammenfassend ergibt sich: Gut 100 von unseren 154 Olympiateilnehmern in Pyeongchang sind beim Staat beschäftigt (Polizei, Bundespolizei, Bundeswehr oder Zoll – Quelle).

Quelle rp-online.de

Diesmal hat sogar unsere Eishockeymannschaft „Silber“ geholt. Das waren 25 Profis (Quelle Wikipedia), die aber im Medaillenspiegel nur eine Medaille bekommen! Ist doch auch ungerecht, oder?

Wobei sich die Frage stellt, wer denn der 26. Profi war (siehe Graphik oben).

Wenn ich die 26 Profis abziehe, dann stelle ich fest, dass von 128 Teilnehmern gut 100 Staatsbedienstete sind, das sind dann gut 78 %. Somit haben Zoll, Polizei und BW eine satte 3/4-Mehrheit …

Und ich ärgere mich:
Habe ich doch meinem Vorsatz gebrochen und schon wieder  etwas belangloses geschrieben.
Und hoffe mal,
dass mir wegen diesem belanglosen Artikel nicht „Verrat am Vaterland“ vorgeworfen wird.

RMD

P.S.
Wenn ich es richtig weiß, waren auch die norwegischen Olympia-Helden überwiegend bei der dortigen Armee.

Klaus Hnilica
Donnerstag, der 8. Februar 2018

Mitarbeitermotivation und der virtuelle Slip der Bardame

Carl und Gerlinde (Folge 57)

Irgendwie begann dieses Jahr 2018 seltsam!

Kaum hatte Carl die beschämende Kritik Gerlindes beim letzten Saunaabend, wegen seiner fülligen Figur einigermaßen verdaut, kam sein Chef, Bernie, mit so einem blöden Anliegen, dass Carl  den köstlichen Kaffee seiner Sekretärin Bettina beinahe wieder ausgekotzt hätte.

Und das ausgerechnet an einem Tag, an dem endlich die Sonne schien und Carl noch dachte, dass dies der erste schöne Arbeitstag in diesem beschissenen Winter werden könnte. Doch der Anruf von Dr. Osterkorn um 9 Uhr 17,  mit dem er ihn eiligst zu sich bat, genügte, um ihn von dieser Illusion zu befreien!

Mein lieber Carl, du erinnerst dich doch sicher noch, sagte Bernie, schleimig wie eine Weinbergschnecke, an die wunderbar motivierende Rede von unserem Kaufmännischen GF, Dr. Schäufele, anlässlich des Aufrufes unserer Kanzlerin zur Bewältigung der Flüchtlingskrise vor drei Jahren. Bei der bildlich gesprochen, kein Auge trocken blieb!

Meins blieb trocken, knurrte Carl.

Entschuldige bitte, was bin ich nur für ein miserabler Gastgeber, Carl! Was darf ich dir denn anbieten?

Ein Wasser, bitte…

Okay Wasser, sagte Bernie, sprang auf und gab die Bitte an seine Sekretärin weiter.

Also wie gesagt, diese Rede damals, war einmalig gewesen, wiederholte Bernie geistesabwesend.

Ist denn das damals angesprochene Programm für die Einbindung von Flüchtlingen bei TRIGA auch realisiert worden? fragte Carl.

Ehrlich gesagt, darüber bin ich nicht informiert, aber lassen wir das, denn momentan geht es bei uns, wie du ja weißt, wirklich ums ‚Eingemachte’.

So schlimm? fragte Carl besorgt.

Ja so schlimm! Und deswegen möchte Dr. Schäufele kommende Woche bei der Betriebsversammlung in einem Statement an alle Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen nicht nur den Ernst der Lage schildern, sondern auch zu noch größerer Leistungsbereitschaft aufrufen.

Na – bravo!

Nix  – bravo, Carl, denn Dr. Schäufele will bei dieser Rede nicht nur den Startschuss für die Reorganisation unseres Hauses geben, dabei finanzielle Einschnitte ankündigen, sondern in einem Aufwasch auch gleich die neue Firmenstrategie verkünden.

Etwa die, die diese fürchterlichen Berater – Fuzzy’s Ende 2017 mit uns durchgesprochen haben? schnauzte Carl entsetzt.

Rede bitte nicht so despektierlich über das von Dr. Schäufele empfohlene  Beratungsunternehmen ‚KLARSICHT’ auf das er so stolz ist, sagte Dr. Osterkorn mahnend.

Okay – ich nehm alles zurück, Bernie.

Gut, Carl – aber da sind wir schon beim Punkt. Dr. Schäufele hat mich nämlich gebeten, auf Grundlage der ‚KLARSICHT – Unterlagen’ ein Redekonzept auszuarbeiten! Da ich aber, wie du ja vielleicht weißt, ab morgen für ein paar Tage in der Schweiz Schifahren möchte und schon gebucht habe, wollte ich dich bitten mir dabei unter die Arme zu greifen…

Beim Schifahren?

Ha – ha- du Spaßvogel – natürlich bei der Ausarbeitung des Konzeptes. Dies umso mehr, als ja niemand so gut wie du unser Geschäft, unsere Möglichkeiten, sowie die Ausarbeitung der Firma KLARSICHT kennt.

Welch eine Ehre!

Ja –  und diese Ehrerweisung dauert genau bis nächsten Dienstag um dieselbe Zeit. Da will die Kaufmännische GF nämlich das fertige Redemanuskript auf dem Tisch haben!

Das heißt, ich hab grad mal zwei Arbeitstage Zeit…

Vergiss nicht die Nacht dazwischen, lieber Carl!

Toll – sagte Carl, griff nach dem gelben KLARSICHT – Ordner und schlich mit einem hingehauchten – schönen Urlaub, Bernie – davon.

Was Carls Sekretärin Bettina, dann Dr. Schäufeles Sekretärin nach zwei Tagen übergab, war fast exakt, was Bernie und der Berater KLARSICHT wollten, denn es hieß da:

  „Global gesehen steht das gesamte Trikotagengeschäft vor einer Revolution! Die Globalisierung im Wäschebereich ist omnipräsent und nicht mehr wegzudiskutieren. Die Digitalisierung macht selbst vor der Unterhose nicht halt. Trotzdem sind in der Zukunft, neben dem ‚virtuellen Slip für die Bardame’ und der ‚intelligenten Unterhose vom Kleinkind bis zum Greis’, vor allem Kostensenkungen das Gebot der Stunde.

Aber Innovationen im ‚Bereich Unterwäsche’ werden dennoch zur Überlebensfrage. Und das für einen Kunden, der immer anspruchsvoller und immer mehr im Mittelpunkt stehen wird. Er und der Unterhosen tragende Mitarbeiter sind unser größtes Gut!

Exzellenz darf nicht nur unsere Herzen regieren, sondern muss uns auch unten rum warm halten –  insbesondere an kalten Wintertagen! Die es trotz Klimaerwärmung immer wieder geben wird!

Für TRIGA bedeutet das, dass wir auf jeden Fall wachsen müssen! Nicht nur als Firma, sondern auch unseren Unterhosen müssen wir entwachsen, da nur so der permanente Neukauf sichergestellt ist. Das sind wir den Investoren schuldig! Wir müssen das Gebot der Stunde annehmen und die Nummer eins im Trikotagengeschäft werden. Schließlich  haben wir die besten und saugfähigsten Unterhosen, Unterhemden und Dessous. Und das fähigste Personal in Unterhosen!

Der Markt ist da, werte Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen und die Kunden haben viel Geld. Unsere Chancen sind gewaltig, denn die Unterleiber der Menschheit wollen von unseren Unterhosen umschmeichelt werden.

 Auf keinen Fall dürfen wir aus Angst vor dieser riesigen Aufgabe uns in die eigenen Hosen machen. Das sind wir den Unterhosen und unserem Konzern Board schuldig!

Denn ein kurzer Blick zurück zeigt ja, dass TRIGA das letzte Jahr nur  begrenzt gemeistert hat! Und das obwohl wir alle heroisch gekämpft haben. Aber der große Erfolg blieb aus. Dies trotz größtem Druck von oben!! Dafür danken wir allen Managern. Und türlich auch allen unermüdlichen Mitarbeitern. Die wir ja auch haben. Selbst wenn das Ziel verfehlt wurde.

Auf jeden Fall akzeptieren wir dieses Jahr nur den ‚Fast Start’!

Einen ‚Fast Start’ ohne jede Anfangsprügelei um die neuen Zielvorgaben, die deutlich angehoben werden müssen: denn wir wollen dieses Jahr nicht, wie sonst immer, das verschlampte erste Quartal aufholen müssen.

Das ist inakzeptabel und nervt!

Mit Sicherheit wird dieses Jahr, falls die Ergebnisse nicht den erwarteten Verlauf  zeigen sollten, das gesamte TRIGA – Management in Meetings und Einzelgesprächen der Belegschaft so lange helfen, bis die vorgegeben Ziele erreicht werden!! Denn verlieren Sie bitte nie aus dem Auge, dass jede über der Zielvorgabe hinaus produzierte Unterhose – eine Unterhose mehr ist!

Doch trotz der im letzten Jahr nicht erreichten Ziele, wollen wir jedem einzelnen Mitarbeiter bei TRIGA dafür danken, dass er sich nicht zu schade war mitzuhelfen! Und wir ehren alle Innovatoren, die uns ein Stück weit  unsere Zukunftskraft vor Augen geführt und gezeigt haben, dass Höchstleistungen möglich sind –  wenn wir sie nur wollen: Erfolg ist kein Geheimnis sondern eine Charakterhaltung!

Drum werte Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen lautet unser diesjähriges Motto für TRIGA: Wir machen nicht in die Hosen, sondern unsere Hausaufgaben!

Dazu wünsche ich Ihnen im Namen der Konzernleitung und des gesamten TRIGA – Managements eine glückliche Hand und viel Erfolg!“

Da Carl anschließend mit Gerlinde nach Teneriffa geflogen war, hatte er keine Rückmeldung mehr bekommen, wie sein Konzeptvorschlag aufgenommen worden war.

Sicher gut, denn es war ja bis auf Kleinigkeiten, exakt das ‚Gedöns‘ der KLARSICHT – Berater! So wie Dr. Osterkorn es gewünscht – und Carl es verstanden hatte. Und die kleinen versteckten, sachlichen Boshaftigkeiten fielen dem Kaufmann  Dr. Schäufele bestimmt nicht auf…

KH

Klaus Hnilica
Sonntag, der 28. Januar 2018

Saunaaufguss

Carl und Gerlinde (Folge 56)

Das Jahr 2018 hatte eigentlich super begonnen.

Jedenfalls für Carl. Für Gerlinde sicher auch.

Gleich am dritten Sonntag im Monat, also noch im Januar, nachmittags in die Sauna zu gehen, war eine prima Idee von Gerlinde gewesen.

Natürlich lag sie schon längst splitternackt genüsslich ausgestreckt auf ihrem Saunatuch, als Carl endlich in die überhitze Kabine gestakst kam.

Ihren kritischen Blick, während er seine Handtücher auf der Saunabank arrangierte, kannte und spürte er – der war nicht neu…

Wenn du dich weiter so wenig bewegst, kannst du demnächst meine Büstenhalter übernehmen, kicherte sie flapsig – und schwitzend.

Soll das heißen, dass dir deine Brüstchen eigentlich zu klein sind und uns daher demnächst eine Schönheitsoperation ins Haus steht?, fragte Carl scheinheilig – noch nicht schwitzend.

Nein das mein ich nicht. Ich bin mit meinen Brüsten vollkommen zufrieden.

Also keine Brustvergrößerung mit inkludierter Straffung demnächst, murmelte Carl und streifte immer wieder über sein ohnehin perfekt liegendes Saunatuch. Auch das mehrfach gefaltete Handtuch auf dem Kopfteil lag längst tadellos.

Nein Carl – aber bei dir wär’ allerlei zu straffen, wenn ich dich so anschau’.

Tja – dann schau halt nicht…

Tu’ ich eh meistens nicht, aber manchmal, wie jetzt, passiert es doch und dann muss ich feststellen, dass du ziemlich schwammig geworden bist, lieber Carl.

Carl schwang sich endlich wortlos auf seine sorgfältigst abgedeckte Saunabank. Vorher grinste er Gerlinde noch genervt zu.

Vor allem deine Brüstchen hängen immer mehr und mehr! stellte Gerlinde beharrlich fest.

Hm – und deswegen soll ich mich mit deinen BHs anfreunden?, fragte Carl mit ersten Schweißperlen im Gesicht, am Bauch und zwischen den Gesäßbacken.

Nein das sollst du nicht – aber du könntest ja vielleicht statt dessen etwas weniger Schokolade in dich hineinarbeiten.

Es muss ja nicht jeder deinem Schlankheitswahn frönen und so ein Knochengestell sein, wie du, liebe Gerlinde!

Nein muss man nicht: aber man muss auch nicht so faul und verfressen sein wie du in letzter Zeit, lieber Carl.

Du bist ganz schön biestig heute, sagte Carl. Er wälzte sich von seiner Saunabank umständlich herunter und schöpfte vier Kellen Wasser auf die Saunakohle. Er wusste, dass Gerlinde das zu heiß wurde.

Sie stöhnte auch kurz auf, sagte dann aber: mach’ nur, Carl, das empfindliche Herzchen hast ja du!

Weißt du, Gerlinde, am liebsten würde ich dich unter die kalte Dusche stellen und festhalten bis du wieder zu dir kommst und friedlich wirst.

Dann tu’ s doch, Carl! Du kannst mich auch auspeitschen, aufs Streckbett ketten oder sonst irgendwie quälen, aber…

Was aber?

Aber du könntest auch deine Großhirnrinde aktivieren und vielleicht darüber nachdenken, ob du nicht auch deinen apollinischen Leib einmal etwas quälen solltest, statt immer nur…

Was genau meinst du mit quälen? unterbrach sie Carl gequält.

Ich meine schlicht und einfach, dass du dich mehr bewegen könntest und etwas gesünder ernähren.

Aha, stöhnte Carl und drehte sich schwitzend und ächzend auf seinem Saunatuch nach links, so dass er Gerlinde erstmals im Blick hatte.

Du willst damit wohl andeuten, fuhr er fort, dass bei uns jetzt auch diese ‚neuen Zeiten’ eingeläutet werden sollen!

Gott  wie dramatisch du immer wirst, wenn dir etwas gegen den Strich geht, stöhnte Gerlinde.

Na das muss man ja wohl werden, wenn jetzt statt Sex, Drugs und Rock’n Roll plötzlich mit Laktoseintoleranz, Veganismus und Helene Fischer gedroht wird!

Du immer mit deinen Sprüchen, Carl!

Ja – ich immer mit meinen Sprüchen.

Was ist denn daran so schlecht, wenn man seine Gesundheit im Auge hat und auf seinen Körper achtet? Murmelte Gerlinde in sich hinein.

Tja wenn du nicht verstehst, was ich meine, liebe Gerlinde, kann ich dir auch nicht helfen – aber ich muss jedenfalls an die frische Luft sonst dreh ich noch durch bei soviel überhitztem Schmarren…

Aber Vorsicht, Carl, unsere fette Nachbarin lunzt immer nach deinen Speckhöckerchen und sonst was!

Und du pass auf ihren Rauhaardackel auf, der nagt jeden Knochen an…

KH

Klaus Hnilica
Dienstag, der 5. Dezember 2017

Die zweite Finsternis

Carl und Gerlinde (Folge 55)

Als Carl aufwachte und quälend langsam zu sich fand, schienen die ersten rudimentären Wahrnehmungen seines noch nicht gänzlich betriebsbereiten Körpers das Öffnen der Augen weiterhin hartnäckig zu unterbinden!

Ja, die synchron mit den herangepeitschten Regenschauer scheppernden Rollläden schoben sogar den üblichen Vorgang der Tagwache bereits zum x-ten Mal auf einen späteren Zeitpunkt, da er trotz seiner nur partiell aktivierten Großhirnrinde zu ahnen schien, dass sich beim Öffnen seiner Augen keinesfalls ein erfreulicher Zustand darbot, sondern lediglich die durch geschlossene Augen hergestellte Finsternis in die zweite Finsternis der herabgelassenen Rollläden übergeführt würde, während die eigentliche Ursache seiner ‚Lidstarre’, nämlich das enervierende Regengeklatsche und Geschepper des Rollladens, in keiner Weise abgestellt oder unterdrückt wurde und für ihn somit nicht die geringste Chance bestand, mit einem freundlichen Tagesbeginn bei Sonnenschein rechnen zu können.

Was also tun an einem Sonntag wie diesen im Advent, der ihn wie durch ein Wunder von sämtlichen Verpflichtungen befreit hatte, da weder im Umkreis von hundert Kilometern eine alte Tante oder Freunde besucht werden mussten, noch Gerlinde neben ihm aufzuwachen gedachte, sondern nach der Geräuschkulisse zu schließen, im Tiefschlaf weiter in ihren verträumten Tauchgängen im Roten oder Toten Meer vor sich hin schnorchelte?

Unter derartigen Umständen konnte sich kein normaler Mensch – und schon gar nicht Carl – freiwillig aus seinem herrlich warmen Bettchen schälen: verfolgten doch alle sich abzeichnenden Widrigkeiten eines möglicher Weise schon heraufziehenden Morgens einzig und allein das Ziel, die durch niedrigen Blutdruck bedingte ohnehin beschissene morgendliche Laune noch beschissener zu gestalten.

Wer konnte und wollte das denn verantworten?, dachte Carl mit immer noch heroisch geschlossenen Augen, während er sich unelegant stöhnend in seinem Bette von links nach rechts wälzte, dies aber gleich korrigierte, da sein schnorchelndes Gerlindchen völlig unerwartet sich ebenfalls ihm zudrehte und ihm eine Böe der Stärke sechs bis acht ins Gesicht prustete, gerade so, als müsste sie ihren Mund tatsächlich vom salzigen Meerwasser befreien.

Wieder in der ursprünglichen Ausgangslage zurück, verweilte Carl, unter Aufrechterhaltung seiner selbst gewählten Finsternis, eine ganze Weile unentschlossen bei dem Gedanken, ob er versuchen sollte noch einmal einzuschlafen, oder ob es schon an der Zeit sein könnte das Frühstück zuzubereiten.

Ja es schlich sich sogar der vermaledeite Gedanke in eine seiner bereits neuronal aktivierten Gehirnwindungen, ob er ausnahmsweise jetzt in der Adventszeit es erstmalig wagen sollte, sich an die sonntägliche Frühstückszubereitung zu machen, um so seiner nach wie vor emsig schnorchelnden Gerlinde bei erwachendem Auftauchen aus den warmen Fluten des Roten Meeres die Überraschung des Jahrhunderts präsentieren zu können, nämlich einen von ihm höchst persönlich arrangierten, prächtig gedeckten Frühstücktisch mit allen von ihr gewünschten morgendlichen Leckereien einschließlich ihres geliebten kräftigen Kaffees…

Was für eine großartige Eingebung und herrlicher Liebesbeweis gegenüber seiner tatkräftigen Gerlinde, die nun schon seit einem halben Jahr auch wieder berufstätig war und jede Art von Entlastung zuhause umso mehr schätzte. Ja – Carl entdeckte sogar trotz seiner immer noch reduzierten Betriebsbereitschaft, dass plötzlich in ihm ein zartes Pflänzchen von Begeisterung aufzukeimen begann, begleitet von einer anrührenden Wärme, die sich nicht nur in seinem Kopf ausbreitete sondern zaghaft auch all seine Gliedmaßen erfasste…

Schön war das!

Sehr schön sogar! Inspirierend und aufbauend – aber auch eine Spur besorgniserregend – fand Carl, wenn er ganz ehrlich mit sich war und auch vor der Tatsache nicht die Augen verschloss, dass er vor Begeisterung zunehmend Schwierigkeiten hatte seine Augen geschlossen zu halten!

Und nicht nur das!

Mit einem Mal hatte er auch das beängstigende Gefühl, dass da etwas Unbekanntes, Fremdes in ihm zu wuchern begann und an ihm zerrte und zog, ja wie ein hässlicher Parasit an seinen Kräften saugte und sich labte.

Das war nicht schön! Gar nicht schön!

Carl spürte präzise und unmittelbar: wenn er jetzt diesen verstörenden Mächten nachgab, war die Nacht gelaufen und der vielleicht schon aufkeimende Morgen auch. Das durfte auf keinen Fall passieren, dachte er. Und schon gar nicht durfte er jetzt die Augen öffnen und doch noch in diese zweite Finsternis fallen, die ihm immer so zusetzte und zu tiefst deprimiert hinterließ…

Das Einzige was da half, war sein zweites Kopfkissen! Wie immer von seiner schnorchelnden Gerlinde in Besitz genommen entzog er es ihr aber jetzt unsanft!  Und noch während er es sich wie schon so oft, gekonnt um den Kopf wickelte, begann er bereits tonlos vor sich hin zu zählen – und war bei Dreitausendachthundertzweiundsiebzig tatsächlich wieder eingeschlafen!

Erst durch Gerlindes energisches zweimaliges Rufen aus der Küche, „Frühstück ist fertig“, wachte Carl wie neugeboren auf. Sich wohlig rekelnd und streckend war er sichtlich zufrieden mit sich, dass er dieser mehr als  verhängnisvollen Frühstücksversuchung mit ihren unabsehbaren Folgen in der Zukunft, mannhaft widerstanden hatte.

Nun fühlte Carl sich auch der zweiten Finsternis gewachsen und öffnete  lächelnd seine Augen…

KH

Klaus Hnilica
Freitag, der 8. September 2017

Nackter Schneckenterror

Carl und Gerlinde (Folge 53)

Irgendwie konnte Carl, diese jäh aufflackernde Mordlust in den Augen seines Nachbars Konrad gut nachvollziehen, wenn das Wort ‚Nacktschnecke’ fiel!

Schließlich hatte dieser friedfertige Solaranlagenbetreiber einen stattlichen Garten – mit einer Unmenge Gemüse und prächtigen Blumenrabatten. Ähnlich wie er selbst! Und er, Konrad, wollte sich und seine Familie auch nicht durch übermäßige Schneckenkorn Anwendung mit ‚Metaldehyd’ vergiften?

Was also tun? Wenn jeden Sommer bei Einbruch der Dunkelheit diese ekelhaften, fingerdicken, braunen ‚Schleim-Schleicher’ wie mordende Guerillabanden sich von allen Seiten des Gartens lautlos über wehrlose Zucchinipflänzchen und frisch gepflanzten Tagetes hermachten, und sich erst am frühen Morgen, wenn alles gnadenlos abgefressen war, wieder hinterhältig in ihre Efeu umrankten Verstecke zurückzogen?

Kein Wunder, dass da nicht nur Konrad sondern auch viele andere Gartenbesitzer mit Kopflampen, Gartenscheren oder messerscharfen Spaten, wie südamerikanische Mordbrigaden durch ihre Gärten streiften und ihr tödliches Handwerk verrichteten – und zwar genau so lautlos und unerbittlich wie diese schleimigen ‚Schneckenmonster’!

Ja – Carl musste zugeben, dass er sich auch liebend gern an derartigen Rachefeldzügen gegen diese ‚Nacktschneckenpest’ beteiligt hätte. Und dass er mit Taschenlampe und Gartenschere auch schon mal heimlich unterwegs war, wenn Gerlinde sich abends außer Haus herumtrieb. Aber deswegen ‚Dauerkrach’ mit Gerlinde provozieren – das wollte er unter gar keinen Umständen!

Schließlich war sein Gerlindchen leidenschaftliche Tierschützerin, die keinem Tier etwas zu leide tun konnte und sich deswegen meistens auch vegetarisch ernährte! Außer ein überfallsartiger Heißhunger zwang sie spontan, einen Berg Schweineschnitzelchen zu braten, oder eine Lammkeule zu schmoren. Oder noch schlimmer, eine hinterhältige Schnake oder Bremse erdreistete sich, nicht in Carls Unterarm zu stechen, sondern ihren lilienweißen Nacken zu attackieren: da konnte sie schon mal todbringend zuschlagen!

Gott – was  war das nur für ein Theater gewesen, als er vor zwei Jahren mit Bierfallen dem Nacktschneckenterror beizukommen versuchte und  dazu mehrere mit Bier gefüllte Marmeladegläser im Garten  schneckenstrategisch versenkt hatte! Und diese Gläser morgens – wie es sein sollte – rammelvoll mit ertrunkenen Nacktschnecken waren. An sich kein unschöner Tod – sollte man meinen – so im ‚Krombacher’ zu ertrinken. Aber sein sensibles Gerlindchen war da anderer Meinung!

Sie bekam fast einen Schreianfall, als er ihr unvorsichtiger Weise eines der gut gefüllten Gläser mit den ‚ausgeschleimten’ Nacktschnecken zeigte, bevor er sie in die Kanalisation entsorgte.

Zugegeben –  richtig appetitlich sah das nicht aus!

Aber besonders gelitten hatten diese armen Schneckchen mit ihren winzigen Gehirnen auch nicht, nach allem was er darüber gelesen hatte.

Da Gerlinde aber selbst in mehrstündigen Gesprächen davon nicht zu überzeugen war, wurde ihm schnell klar, dass er vielleicht den Kampf gegen die ‚Nacktschnecke’ auf diesem Weg gewinnen konnte, aber seine ‚nackte Gerlinde’ dabei sicher verlor! Das war die Sache natürlich nicht Wert, da sollten diese goldigen Schneckchen doch lieber ungehemmt den ganzen Garten auffressen – wenn sie und Gerlinde das denn so wollten!

Völlig unerwartet kam die Lösung des Problems dann ausgerechnet von Gerlindes Freundin Hannelore! Denn Hannelores tierlieber Kurt hatte  nämlich folgendes Vorgehen gegen die böse Nacktschnecke entwickelt: morgens streifte er mit Teilen der FAZ vom Vortag durch das taufrische Gras seines Gärtchens und sammelte mit den riesigen Doppelblättern der Zeitung immer zwei oder drei gut gesättigte Nacktschnecken auf ihrem schleimigen Nachhauseweg ein, packte noch das eine oder andere Blatt einer angenagten Funkie dazu und formte anschließend handliche, mehrschichtig verpackte Päckchen,  umspannt von Gummiringen.

Diese drei bis vier täglichen Päckchen im Sommer mit den noch lebenden Nacktschnecken verschwanden anschließend lautlos in der Biotonne –  und außer den Schnecken waren alle glücklich!

Natürlich durfte die Papierschicht dieser ‚Schneckenpost’ nicht zu dünn sein, sonst war in ‚Null Komma nix’ alles durchgeschleimt und die niedlichen Nacktschneckchen saßen anderen Tags morgens schon wieder munter auf der Unterseite des Biotonnendeckels und das Verpackungsprozedere konnte von Neuem beginnen, und zwar so lange bis die Tonnen montags entleert wurden.

Tja – und genau das war die Schwäche dieses von Carls Tierfreunden  konzipierten ‚Nacktschneckeneliminierungsprogramms’!

Carl entdeckte nämlich plötzlich bei sich eine bisher unbekannte Sentimentalität, als die eine oder andere ‚schleimige Pflanzenfresserin’  trotz sorgfältigster Verpackung auch bei ihm wieder morgens am Rand oder unter dem Deckel der Biotonne saß und gottergeben vor sich hindöste!

Komisch? – plötzlich taten ihm die schleimigen Monsterchen, die noch gestern seine Zucchini angenagt hatten, auf einmal leid und er merkte verschämt, dass er nicht mehr die Kraft besaß, diese Biester wieder in die Tonne zurück zu schicken, nachdem sie sich so tapfer aus ihren ‚FAZ – Verließen’ befreit hatten, sondern musste ihnen –  fast zwanghaft die Freiheit schenken…

Gerlinde und Hannelore zerdrückten sogar ein paar Tränchen, als er ihnen unlängst diese Schwäche bei einem Glas Bier beichtete – soviel Sensibilität hatten sie diesem gelegentlich doch recht groben Carl nie und nimmer zugetraut. Rührend war das – wirklich rührend…

Nach der dritten Flasche Bier fand Carl das genau so rührend, wie seine beiden Verehrerinnen, hielt es aber für klüger, lieber nicht zu erwähnen, dass er diesen ‚Wenigen die durchkamen’ schon die Freiheit schenkte –  aber natürlich die viel, viel verlockendere Freiheit im Nachbargarten – und nicht in seinem!

Und da ja Nacktschnecken von Natur aus verschwiegen sind, bestand auch keinerlei Gefahr, dass dieses kleine Geheimnis zwischen ihm und den Nacktschneckchen jemals ans Tageslicht drang…

KH

 

Klaus Hnilica
Donnerstag, der 17. August 2017

„Don Carl“ – oder der heroische Kampf um die Unterhose

Carl und Gerlinde (Folge 52)

Mit größerem Vergnügen war Carl in jüngster Zeit selten in seine Unterhose gestiegen! Es war dieses herrliche Gefühl des ‚Umhüllt seins’, des ‚Geschützt seins’, das er genoss.

Ein Genuss, den er sich neuerdings sogar mehrfach am Tag ins Bewusstsein rief – und der sich seltsamer Weise noch verstärkte, wenn er tagsüber durch unauffälliges Herumzupfen an seinen Hosen das darin eingeengte Gemächt neu positionieren durfte!

Ja – „durfte“ – nicht „musste“ – wie er es früher empfunden hatte!

Denn seit offensichtlich vom Süden Deutschlands her sich eine Bewegung breit zu machen drohte, in der sich die üblichen Verdächtigen /1/ mit Bayrischer Wollust über die Herrenunterhose hermachten, die in der christlich–abendländischen Kultur seit bald 300 Jahren bestens verankert war, läuteten bei Carl in mehrfacher Hinsicht die Alarmglocken!

Ja – es war geradezu ein ‚Schock mit Aura’, der sich in Carl breit machte, als er am 13. August 2017 in den sozialen Netzwerken auf diesen besagten if-blog–Eintrag /1/ stieß, in dem in nicht allzu ferner Zukunft einer Welt ohne Herrenunterhosen das Wort geredet wurde: einer Welt, in der von einem Tag auf den anderen jegliches berechtigte Tragen einer Unterhose bei Männern in Abrede gestellt wurde, da offensichtlich sämtliches Wundreiben, lästiges Jucken, ekelhaftes Kitzeln und männlichkeits-bedrohendes Einzwicken in messerscharfe Reißverschlüsse ganz offensichtlich ignoriert, geleugnet oder unter einen ‚Kaftan’ gesteckt wurde.

Einem ‚Kaftan’, der angeblich nur der Freiheit diente – nämlich der Freiheit des ‚hemmungslosen Baumeln lassen des Gemächts’ und des damit verbundenen ‚angeblichen Wohlgefühls’!

Dies natürlich mit unabsehbaren Folgen für Leib – Leben – Gesundheit – Moral – Gesellschaft und Wirtschaft! Nicht nur für Deutschland und der Europäischen Union, sondern letztlich für das gesamte christliche Abendland und Tausende von Unterhosen produzierende Arbeiterinnen und Arbeiter.

Und war der Zeitpunkt wirklich zufällig?

Hatte nicht erst vor wenigen Monaten Putin in der gesamten Eurasischen Wirtschaftszone sämtliche Aktivitäten im Bereich der Damendessous verboten mit ähnlich verheerenden Folgen für TRIGA?

War das etwa nun der ausgleichende gender-erforderliche Gegenschlag gegen die Herren der Schöpfung, nach dem vorher gegen die Damenwelt gewütet worden war?

Und war es wirklich Zufall, dass diese Kampagne ausgerechnet von Bayern ausging? Oder war das vielleicht doch ein abgekartetes Spielchen zwischen Putin und Seehofer?

Aber als Carl all diese Aspekte in der wenige Tage zurückliegenden Besprechung zur ‚Entwicklung neuer Marketingstrategien’ bei TRIGA vorbrachte, war er nicht nur entsetzt über die Gleichgültigkeit seiner Kolleginnen und Kollegen, sondern vor allem über die Reaktion von Bernie – d.h. von Dr. Osterkorn – dem Leiter des Bereichs Trikotagen bei TRIGA: denn der schien die Tragweite dieses Vorgangs in keiner Weise zu begreifen – wie so oft fehlten ihm auch dieses Mal wieder die Antennen für neue Trends in Mode und Gesellschaft!

Übrigens ähnlich wie Gerlinde beim morgendlichen Frühstück!

Die auch nur lachte und ihn, Carl, fast mitleidig als Spinner abtat, der wieder einmal Gespenstern hinterherlief. Und als Carl daraufhin beleidigt aufstand, ohne seinen Frühstückskaffee mehr »

Klaus Hnilica
Samstag, der 8. Juli 2017

Ehe für alle? Nicht für Carl…

Carl und Gerlinde (Folge 51)

Nein – bitte nicht! Alles nur nicht heiraten…“ hörte Carl seine Gerlinde stöhnen, als er auf wunden Knien vor ihr lag und mit treuem Hundeblick zum x-ten mal um ihr schlankes Händchen anhielt.

   Aufrecht, aber leichenblass, murmelte Gerlinde in einem hässlichen pinkfarbenen Kleid aus Brüssler Spitze immer den gleichen Satz: „Nein bitte nicht! Alles nur nicht heiraten! Nein bitte nicht! Alles nur nicht heiraten…!“, während sie nervös mit spitzen Fingern an einem Margaritenkranz in ihren Haaren nestelte. Doch Carl starrte sie mit glasigen Augen an, führte hastig einen weiteren goldenen Ring über ihren rechten Ringfinger, obwohl alle viel zu weit waren und immer wieder von ihrer herabhängenden  verschwitzten Hand herunter glitten –  als er es aber fast geschafft hatte und ihre rechte Hand quasi mit einem herrlich glänzenden, güldenen Finger ausgestattet war, schnellte sie mit einem animalischen Schrei hoch und stürzte durch Carl hindurch ins Freie

Schweißgebadet wachte Carl auf!

Sein Inneres bebte; er benötigte eine gute halbe Stunde bis er sich einigermaßen beruhigt hatte.

Gerlinde, die gerade noch wie eine nordkoreanische Rakete durch ihn hindurch gerast war, schnarchte gemütlich neben ihm. Gelegentlich war es eher ein Bellen, was sich aus ihrer Kehle zwängte! Vereinbarungsgemäß piekste er sie dann so lange in ihren rechten Oberarm, bis sie sich in eine Seitenlage bequemte und nur mehr ein frühlingshaftes Säuseln von sich gab…

Leider verfolgte Carl dieser ‚Hochzeitsalptraum’ in jüngster Zeit immer häufiger!

Das  heißt genau genommen seit dem 30. Juni 2017, als der Bundestag nach Angela Merkels hurtiger ‚Ehewende’ mit deutlicher Mehrheit für die Einführung des Rechts auf Eheschließung für Personen gleichen Geschlechts stimmte. Ja –  seither überfiel ihn dieser Alptraum in wechselnden periodischen Zeitintervallen!

Da half auch keine Diskussion mit Gerlinde – oder mit Hannelore und Kurt! Im Gegenteil – die ‚Alptraumfrequenz’ steigerte sich dann sogar, denn Carl sah sich immer deutlicher in ein ‚deprimierendes Abseits geschoben: Tatsache war nämlich, dass ab sofort – außer Verwandte –  alle heiraten konnten und in die überlegene Kategorie der ‚Ehepaare’ aufstiegen, mit all den untrüglichen Merkmalen, wie Eigenheim, Garten, Auto, Kind, Hund – und eben auch einer Ehepartnerin, die man in Gesprächen mit anderen oder bei Geschäftsessen und beim Vorstellen einfach ‚meine Frau nennen konnte!

Angehörige dieser Kategorie wussten, dass sie es geschafft hatten: Sie waren im Leben angekommen, hatten eine der wichtigsten Normen unserer Gesellschaft erfüllt! Ganz egal wie lang diese Norm hielt?

Während Paare wie er, Carl, und seine widerborstige Gerlinde in dieser ‚normierten Gesellschaft’ gerne mit einer Mischung aus Mitleid, Ablehnung und heimlichen Neid konfrontiert waren. Ja  sie  wurden sogar –  für seinen Geschmack viel zu oft – in einen Zustand des ‚Noch – Nicht’ bugsiert! Nämlich, dass sie trotz ihres fortgeschrittenen Alters immer noch nicht die Partnerin, bzw. den Partner fürs Leben gefunden hatten, und ihr Leben wegen ihrer Ungebundenheit letztlich nur ein Leben im Aufschub war: im echten, seriösen Leben waren diese Paare noch lange nicht  angekommen.

Insbesondere Carl nicht ,mit seiner ‚Mätresse’, wie einige seiner Freunde Gerlinde ihm gegenüber immer wieder titulierten, wenn ihr Alkoholpegel jenes Maß erreicht hatte, bei dem Wahrheit nicht nur auf der Zunge lag, sondern sich auch nur allzu leicht aus ihren schmierigen Mäulern schlängelte.

Andererseits, wer war sie denn wirklich, seine Gerlinde?

War sie seine Freundin? Oder seine Lebensgefährtin? Oder seine Partnerin? Seine Putzfrau oder sein Lustobjekt? Oder was eigentlich…

Doch seiner Gerlinde ging das leider alles an ihrem süßen Arsch vorbei! Für sie war Carls Herumgezänke weder nachvollziehbar noch stichhaltig. Vielmehr schrieb sie all seine Schwierigkeiten mit diesem fehlenden gesellschaftlich akzeptierten Begriff für Paare, wie er und sie es waren, immer nur seiner Verklemmtheit zu! Und seinem Alter! Beides hing natürlich eng zusammen, wie sie nachsichtig lächelnd, häufig betonte.

Und wenn sie gar nicht mehr weiter wusste, zitierte sie flugs die eine oder andere amerikanische Studie, in der wissenschaftlich nachgewiesen wurde, dass Männer, sobald sie den Bund der Ehe eingehen, unweigerlich und zwangsläufig an Pfunden zulegen – und dies nicht zu knapp! Und das wollte sie unter allen Umständen vermeiden: denn einen verheirateten Fettsack brauchte sie wirklich nicht. Da war ihr der fast schlanke Carl, im ‚Noch – Nicht’ – Zustand, bei weitem lieber!

Doch obwohl Carl in diesem Punkt in keiner Weise mit Gerlinde konform ging und nach wie vor seine nicht erklärbare singuläre Ehelosigkeit beklagte, musste er zugeben, dass Gerlindes abstruser ‚Fettleibigkeitsvorbehalt’ schon bald seine Alpträume noch grauenvoller gestalteten: denn auf sein Flehen, ihn endlich zu heiraten – antwortete sie plötzlich lachend „ja ich will!“

Doch in dem Moment, als er spürt, wie dieses hin gelächelte „Ja“ seine Seele erwärmte, übermannte ihn auch eine nicht zu bändigende Blähung, die ihn wie einen Heißluftballon immer runder und dicker werden ließ – bis es ihn mit einem lauten Knall  zerriss, und er spürte, wie seine Scham über diese Erlösung selbst die Wut über Gerlindes Lachen übertraf…

KH

 

Klaus Hnilica
Donnerstag, der 1. Juni 2017

Eine unerhörte Bilanz!

Also das hatte er sich damals geschworen: wenn er, ‚Colonel’ Vatter – mit zwei „t“ – Siebzig würde und noch bei klarem Verstand wäre – dann würde er vor der gesamten Großfamilie Vatter – insbesondere seiner Frau Cornelia, Conny seiner Tochter und  seinem Sohn Corni, eine ‚Lebensbilanz’ erstellen! Und da er nicht umsonst von frühester Kindheit an mit dem Nicknamen ‚Colonel’ bedacht worden war, stand damit die ‚gnadenlose Bilanzierung seines Lebens’ unverrückbar fest.

Das heißt so eine ‚Art Bilanzierung’ stand fest! Wie bei der doppelten Buchführung!

Nämlich ein nüchternes Nebeneinander der ‚Aktiva’ und ‚Passiva’ mit anschließender ‚Saldierung’ wie auf einer Waage – stand fest!

Schonungslos und selbstkritisch wollte er unter den ‚Aktiva’ alles benennen, was ihm im Laufe seines großartigen Lebens gelungen war und wie er sämtliche Loser hinter sich gelassen hatte. Und bei den ‚Passiva’ natürlich all das, was den anderen misslungen war! Akribisch und vorurteilslos wollte er deren Misserfolge auflisten, wie sich das nach guter, alter Buchhaltermanier gehörte!

Nach seiner Meinung sollte nämlich jeder aufrechte Mann gegen Ende seines Lebens neutral und uneitel so eine Bilanz ziehen! Eine Bilanz bei der glasklar fokussiert und bewertet wird wo Erfolge vorliegen und wo andere versagt haben.

Selbst die eigene Familie durfte bei einer derartigen Bilanzierung nicht geschont werden, wenn sie denn mit einbezogen werden sollte.

Aber dann musste auch alles auf den Tisch! Und wenn’s nur der Esstisch war – weil der die größte Tafelfläche hatte. Für seine geliebte Cornelia natürlich ein Alptraum: denn dieser Esstisch quoll über vor steinharten Frühstückseiern, zähen Rinderbraten, verkokelten Schnitzeln, halbgaren Hühnerschenkeln, breiigen Bohnen, ausgehärtetem Milchreis und vielen, vielen anderen ‚Köstlichkeiten’ aus ihrer Küche!

Aber nach einem kurzen hysterischen Schreianfall hätte sie sich bestimmt eingekriegt und eingesehen, dass so eine Bilanzierung nur Sinn machte, wenn mit größtmöglicher Ehrlichkeit an sie herangegangen wurde.

Und wäre auf diesem ‚Esstisch der Lebensleistungen’ dann wirklich kein Plätzchen mehr frei gewesen, da etwa auch Conny und Corni ihre ‚Versagenspakete’ verstohlen hinzugefügt hätten, dann wäre er, der ‚Colonel’, natürlich bereit gewesen seine ‚Palette der Erfolge’ auch unter den Tisch zu platzieren. Schließlich war da jede Menge Platz und Conny und Corni hätten sehr anschaulich lernen können, wie die deutsche Spruchweisheit ‚Bescheidenheit ist eine Zier’ nicht nur plakativ vorgezeigt, sondern auch gelebt werden kann! Und hätten damit ganz praktisch erfahren, was die Kanzlerin unlängst gemeint hatte, als sie sagte, dass nur unsere ‚Werte uns einen Begriff von Heimat gäben’…

Ursprünglich dachte er ja, dass so eine ‚Lebensbilanz’ durchaus auch als eine Art ‚Zwischenbericht’, auf speziell Lebensabschnitte fokussiert werden konnte und sich beispielsweise in geeignetem Rahmen schon zu seinem Fünfzigsten Geburtstag gut machen würde – insbesondere bei seiner beispiellosen Karriere!

Doch leider drehte dann wenige Tage vorher seine geliebte Cornelia von einem Tag auf den anderen durch und wollte sich urplötzlich scheiden lassen. Nur weil sie wieder einmal aus einer Mücke einen Elefanten machte, der dieses Mal Marianne hieß! Dabei hatte Cornelia selbst diese Marianne in die Familie eingeführt. Gegen den Willen des ‚Colonels’!

Mein Gott wie himmelte sie die viel jüngere Marianne an! Ein Herz und eine Seele waren die beiden! Und jede Shoppingtour mit ihr, war wie ein Blick ins Paradies gefeiert worden. Cornelia konnte und wollte einfach nicht sehen, dass dieses goldige Mariannchen nur Unfrieden in die harmonische Familie Vatter trug.

Ja er, der ‚Colonel’, musste damals tatsächlich selbst Hand an diese Marianne legen und ihr eine Schranke nach der anderen aufzeigen, die sie nicht zu übertreten hatte – die sie aber immer wieder von neuem aufgezeigt bekommen wollte. Schlimm war das gewesen – an manchen Tagen hatte sie – kaum zu glauben –  bis zu drei Schranken übersteigen wollen!

Letztlich war der ‚Colonel’ heilfroh gewesen als Cornelia endlich eingesehen hatte, dass diese Marianne weg musste. Und zwar unverzüglich! Dass sich Cornelia dann aber in einer Art somnambulen Schockzustand auch gleich scheiden lassen wollte, war übertrieben und bedurfte dringend ärztlicher Behandlung. Natürlich ließ der ‚Colonel’ seiner geliebten Cornelia gegenüber alle nur denkbare Rücksicht walten und verzichtete ihretwegen auch ohne jedes weitere Wort auf den vorhin schon erwähnten ersten ‚Lebensbilanzzwischenbericht’ anlässlich seines Fünfzigsten Geburtstages: schließlich wäre ja in der geplanten Bilanzierung sehr unschön unter den ‚Passiva’ Cornelias Scheidungswunsch gestanden, während er unter die ‚Aktiva’ sein damaliges Aufrücken in den Konzernvorstand platzieren hätte müssen, wenn das Ganze Sinn machen und nicht nur eine plumpe Umdeutung der Wirklichkeit sein sollte.

Aber das wollte er natürlich Cornelia nicht antun! Die war verzweifelt genug!

Auch die Kinder waren dagegen gewesen. Die hatten ja auch kaum etwas vorzuweisen, was unter ‚Aktiva’ verbucht werden hätte können, so dass doch nur wieder er einsam und verlassen dort aufgekreuzt wäre…

Nein – das war schon gut gewesen, dass er damals zum Wohle aller auf diese erste ‚partielle Lebensbilanz’ verzichtet hatte – ein ‚Colonel’ konnte das unschwer verkraften!

Anlässlich des Sechzigsten Geburtstages hätte sich nach der damaligen Logik erneut eine ‚Bilanzzwischenberichtschance’ aufgetan! Er war auch bereit dazu gewesen und hatte Unmengen an Material zusammengetragen und aufgelistet. Aber dann kam dieser unsägliche Datendiebstahl in Mode, bei dem illegal erworbene Informationen über diverse Schweizer Konten den deutschen Finanzbehörden zum Kauf angeboten worden waren. Seit ewigen Zeiten war aus der ganzen Welt auf diesen Konten Schwarzgeld geparkt worden. Und siehe da, urplötzlich war jeder der ein, zwei Milliönchen mehr besaß ein Steuerhinterzieher – und weiß Gott was noch alles!

Klar, dass der ‚Colonel’ da seinen Kindern Conny und Corni ein leuchtendes Beispiel geben und den beiden mit einer der ersten Selbstanzeigen in Deutschland demonstrieren wollte, dass man keine Steuern hinterzog! Und dass man bei einer weißen Weste auch keinerlei Angst vor rechtstaatlichen Maßnahmen haben musste, die sich da plötzlich allerorts in Bewegung zu setzten begannen.

Als sich dann aber überraschend eine Woche vor seinem Geburtstag die Steuerfahnder zu eine Art ‚Vorfeier’ selbst einluden, meinte seine geliebte Cornelia, dass dieses eine Mal eher eine Feier im engsten Familienkreis angemessen wäre. Da ihre Nerven ohnehin stark angegriffen waren, stimmte der ‚Colonel’ natürlich sofort zu und verzichtete bei seinen wenigen Dankesworten auf jede Andeutung einer ‚Lebensbilanzierung’, da er ja bei seinem rigorosen Hang zu Ehrlichkeit und ungeschminkter Wahrheit doch nur wieder Unschönes aus seinem Umfeld hoch gewirbelt hätte. Von den immensen Schwierigkeiten, die sich durch die sehr angegriffene Gesundheit seiner hoch betagten Mutter und seinem noch älteren Vater  ergeben hatten, wollte er gar nicht reden. Beide hatten das anschließende Debakel der Europäischen Finanzwelt nicht lange mehr überlebt – dazu hatten sie viel zu viel Geld verloren…

Zu seinem Siebzigsten Geburtstag aber –  sollte es nun endlich mit der ‚Lebensbilanzierung’ klappen!

Zu mindest einer verknappten Version!

Alles Störende war ja nun weitgehend ausgeschaltet oder hatte sich selbst erledigt: wie etwa Cornelia, die sich vor fünf Jahren von ihrem ‚Colonel’ getrennt hatte und mit einem Musiker in Belgien lebte. Conny ging es angeblich in USA gut mit ihrer Familie, und Corni war in England Direktor eines bedeutenden Bankhauses.

Das Problem war allerdings jetzt, dass zwar niemand mehr störte, aber auch niemand mehr da war, dem er seine grandiosen Erfolge erzählen hätte können, außer den beiden versoffenen Neffen und der schielenden Cousine, mit der er seit dreißig Jahren kein Wort mehr gesprochen hatte! Und Marianne natürlich, mit der er seit sechs Jahren zusammenlebte, da sie nie aufgegeben hatte, alle ihr im Weg stehenden Schranken auch weiterhin zu durchbrechen!

Doch Marianne war zwar eine wundervoll, attraktive Frau, hatte aber keinerlei Verständnis für seine fast schon ‚krankhaft chronische Selbstbeweihräucherung’, wie sie sagte: im Gegenteil sie wollte selbst bewundert werden! Und all der Kram aus der Vergangenheit konnte ihr wirklich gestohlen bleiben!

Aber wenn er – der ‚Colonel’ – schon das Bedürfnis nach einer Bilanzierung seines Lebens verspürte, dann sollte er doch diese großartige Lebensleistung selbst zu Papier bringen! Quasi als Vermächtnis an die gesamte Familie Vatter. Und Zeit hätte er doch jetzt auch, oder?

Mit diesen Worten drückte sie ihrem ‚Colonel’ begleitet von einem hinreißenden Lächeln ein nagelneues, absperrbares, ledergebundenes Notizbuch in seine von Altersflecken übersäten Hände, sowie einen flüchtigen Kuss auf die ausgetrockneten Falten seiner bereits bis zum Nacken reichenden Stirn.

Doch wenn ihm das alles zu mühselig sein sollte, säuselte Mariannchen, könnte er ja auch direkt an Inge, der Putze, die ihn wie immer bestens umsorgen werde, seine Lebensbilanz herantragen: da sie ihr Hörgerät ohnehin meist ausgestellt hatte, könnte er ihr ja tagtäglich aus seinem großartigen Leben berichten – und  dabei in einem Aufwasch auch alle kleinen, großen und noch größeren Schweinereien haarklein in seine Lebensbilanz mit aufnehmen! Da sei doch eine prima Beschäftigung für einen Mann in den besten Jahren! Und freudestrahlend teilte sie ihm – ohne Atem zu holen – mit, dass sie nun aber husch, husch zu ihrem Flugzeug müsste, da sie mit ihrem gemeinsamen Töchterchen Carola zum Golfen in die Algarve flöge! Dabei fächelte sie ihrem ‚Colonel’ atemlos selbst noch von der bereits offen stehenden Tür eine ganze Salve warmherzigster Küsschen zu…

KH

Klaus Hnilica
Donnerstag, der 20. April 2017

Lanzarote oder die gestörte Urlaubswelt des Carl S.

Carl und Gerlinde (Folge 50)

Carl wusste schon immer, dass er nie und nimmer auch nur einen einzigen Tag, ja selbst nur wenige Stunden oder Minuten und Sekunden Urlaub auf den Kanarischen Inseln verbringen würde – und auf Lanzarote schon gar nicht!

Was sollte er auch in dieser pechschwarzen Lavakacke, in der absolut nichts Vernünftiges wuchs, in der aber trotzdem unentwegt neue überfütterte Touristenhorden aus Deutschland und England sich vor Entzücken krümmten, weil sich schon wieder ein zartes grünes Hälmchen nach läppischen zweihundertfünfzig Jahren aus einem erkalteten Magmahaufen vor ihren Augen gen Himmel reckte und bestimmt innerhalb der nächsten Jahrhunderte mit einer Wachstumsgeschwindigkeit von mindestens Neunzehntelmillimeter pro Jahrzehnt der Sonne entgegenraste…

Was sollte dieses Hälmchen auch anderes tun, wo es doch keinerlei Grundwasser in diesem Urlaubsparadies gab und auch der ach so Leben spendende Regen höchstens an achtzehn Tagen bestenfalls ein klitzekleines Bisschen zu tröpfeln gedachte, so dass es selbst die fünfundzwanzig Millionen Jahre alten Vulkankegel neben den Magmawüsten nur zu einem quasi hingehauchten Grünschleier auf ihren kargen Flanken gebracht hatten, da in keiner Vulkanregion der Welt jemals auf derartige Touristenmassen so wenig Regen gefallen war und weiterhin fallen wird – wie auf Lanzarote!

Nee – da wollte Carl nicht hin – nicht ums Verrecken!

Dass er dann trotzdem mit Gerlinde in einer Condor Maschine Richtung Lanzarote saß, war eher ein Versehen und wohl ausschließlich der Tatsache geschuldet, dass er nach den letzten quälenden dreiundvierzig Arbeitswochen dringend ein paar Tage Erholung von seiner Firma und von Gerlindes kanarischem Urlaubsgebrabbel benötigte, mehr war dazu nicht zu sagen! Außer, dass das von Gerlinde gebuchte Iberostar Hotel mit Meerblick auf den ersten Blick und mit einigen Abstrichen gar nicht so übel zu sein schien!

Wenngleich diese Fülle an Meer vor der Nase spätestens nach fünf Tagen schon etwas langweilig wurde, trotz dieses wirklich herrlichen Blau, das es gelegentlich zeigte – das Wasser – und dann Grau und Graublau und mit weißen Schaumkronen bestückt und natürlich in der Nacht eine pechschwarze Schwärze, wenn sich nicht gerade die komisch verdrehte Mondsichel drin spiegelte. Aber zu einer grundlegenden Aufhellung von Carls gestresster Gemütssituation trug dieses barocke Farbenspiel dennoch nicht bei, denn in letzter Konsequenz war dies alles ja doch nur Wasser, Wasser und wieder Wasser – und keine Gebirgslandschaft mit Gletschern, Schluchten und Adlerhorsten, selbst wenn Gerlinde das nicht wahr haben wollte und jedem Genörgel in Sachen Meer sofort einen  Flunsch wie eine Riesenwelle entgegenrollen ließ.

Und  was dieses besagte Meer betraf, gab es auf Lanzarote auch kein Entrinnen entlang der endlosen Promenade!

Nein das war nicht möglich!

Denn wenn sich Carl in Gerlindes Gefolge von Südwesten nach Nordosten bewegte, hatte er es auf der rechten Seite, und andersrum,  von Nordosten nach Südwesten, logischer Weise auf der linken Seite, das Meer! Und wenn er in einem der Millionen Lokale entlang dieser Promenade seinen aufwendig servierten herrlich angewärmten Brandy ‚Carlos I’ schlürfte, hatte er es nicht links oder rechts, sondern natürlich vor der Nase, und bei ‚Garnelen mit Knoblauch’ auch. Und bei Pizza mit anschließendem Cortado auch – außer – er huschte schnell einmal auf die Toilette – anders war diesem aufdringlichen Meer nicht zu entkommen…

Und natürlich umwehte dieses penetrante Meer ein immer noch penetranterer Wind, der oft ein Sturm war und vormittags eisigkalt Carls Haare nach Südosten stellte, wenn er sein Käppi vergessen hatte, und nachmittags getarnt als warmer ‚Calima’ aus dem hundertsechsundvierzig Kilometer entfernten Afrika seinen schütteren Haarschopf gen Westen föhnte und quasi als kostenlose Draufgabe noch beide Nasenlöcher mit feinstem Saharasand auffüllte. Und Gerlindes goldige Nasenlöchelchen auch.

Klar, dass das Meer auch beim mittäglichen Essen ein paar kräftig planschende Wörtchen mitzureden hatte: hatten Carl und Gerlinde nämlich nach neunzig Minuten endlich einen Tisch in Meeresnähe erkämpft, der gerade von einem gewissenhaften Kellner gesäubert und von einem anderen eingedeckt und mit Speisekarten bestückt wurde, so dass wieder ein anderer die Bestellung des ‚Cervezas’ übernehmen konnte und der nächste Kellner nach zwanzig Minuten die der Speisen, so war die Schlacht noch lange nicht geschlagen, da nämlich der plötzliche mittägliche Kellnerwechsel selbstverständlich eine vollkommene Neubestellung der gewünschten Knoblauch-Garnelen und Sardinen erforderte.

Aber was machte das schon, Carl war doch mit Gerlindchen im Urlaub und sie hatten doch diesen absolut himmlischen Blick auf ein tief blaues Meer das selbst noch am Horizont mit dem Blausein nicht aufzuhören gedachte…

Doch wenn dann endlich die bestellten Sardinen nach weiteren dreißig Minuten ankamen, deutlich später als Gerlindes brutzelnde ‚Knoblauch-Garnelen im Pfännchen’, sahen sie selbst für Gerlindes kritisches Carlchen überraschend verlockend aus. Leider auch für die gar nicht scheue Möwe auf der gefährlich nahen Promenadenbrüstung, denn schneller noch als Carl mit der Gabel an seiner ersten Sardine war, war die Möwe mit ihrem Schnabel an seiner zweiten.

Verdutzt schaute ihr Carl nach, als sie mit ihrer Beute flink auf dieses verdammte Meer hinausflog. Da Gerlinde lachend dasselbe tat, konnte er allerdings sein Missgeschick wenigstens dadurch lindern, dass er unbemerkt ihr schnell ein paar Knoblauch-Garnelen entwendete und mit ihrem Cerveza runterspülte.

Dieser Kampf ums Essen setzte sich natürlich am Abend im Speisesaal fort: hier waren es aber nicht die Möwen, die Carl und Gerlinde die noch halbvollen Teller leerten, sondern ein übereifriges Heer von fleißigen Bediensteten, die offensichtlich im Akkord entlohnt wurden, denn was sonst hätte sie veranlassen sollen, derart gewandt ihren Gästen die Teller weg zu ziehen, dass diese nicht selten ihre Gabeln versehentlich in den Tisch rammten, wenn sie nach dem letzten Fitzelchen Geschnetzeltes oder geschmorten Paprika stachen, und nicht selten wurde während eines einzigen Frühstücks dreimal der Tisch abgeräumt und neu eingedeckt und dies alles während Carl und Gerlinde unermüdlich immer neue Frühstückseier, Schälchen mit Marmelade, Butterpäckchen, Croissants, Mohnbrötchen, gebratenen Speck, Teekännchen, Kaffee und Orangensaft anschleppten!

Schlimm war das –  fast genau so schlimm, wie das verdammte Fernsehprogramm, bei dem Carl durch die elende Zeitverschiebung sämtliche Nachrichten über Donald Trump und Recep Erdogan versäumte und oft auch die Bundesliga und den ‚Tatort’, der ja schon seit Jahren praktisch für alle vernünftigen Deutschen – außer Gerlinde – statt durch Kirchgang den Sonntag markierte – was natürlich noch schlimmer war…

Aber am Schlimmsten war dieses fürchterliche Getue um diesen komischen ‚César Manrique’ auf Lanzarote! Der wohl nur in Lavablasen gehaust hatte und sich dazu sogar einen ganzen Konzertsaal für sechshundert Hörer in seine Blase implementieren ließ und eine Disco in sein unterirdisches Verließ einbaute, in der neben der Tanzfläche in einem glasklarem Wassertümpel, weiße fingernagelgroße fast blinde Albinokrebse herumkrabbelten, die sonst nur in tausenden Metern tiefen Meeren existierten, aber  hier und  jetzt in dieser Pfütze ein ganzes Leben lang auf diesen wenigen Quadratmetern Lava die dort wachsenden Algen abgrasten und das Tag um Tag, Woche um Woche, Jahr um Jahr in andauernder Finsternis – was für ein fürchterliches Leben, dachte Carl, wobei ihm bei diesem Gedanken jedes Mal ein kalter Schauer über den Rücken raste. Im Vergleich dazu war doch sein Leben mit Gerlinde – selbst hier auf Lanzarote – das reinste Geschenk des Himmels, oder nicht?

KH