Klaus Hnilica
Donnerstag, der 5. Dezember 2019

Fritz – und der Stillstand der Zeit

Caro und Fritz (Folge 3)

Als Caro und Fritz unlängst in den Herbstferien bei uns waren, stand Fritz plötzlich vor mir und sagte,

Opa – die Caro ist so gemein…

Warum das denn Fritz?

Weil sie mich überhaupt nicht mit ihrem neuen Scooter mit den großen Rädern fahren lassen will! Dabei würde ich so gerne ausprobieren, wie schnell man mit dem sausen kann…

Tja – vermutlich wird sie dein ‚Gesause‘ mit ihrem Tretroller oder Scooter, wie man heute auf Neudeutsch, sagt, nicht besonders schätzen,lieber Fritz.

Nein – sie will mich nur ärgern…

Wieso, was sagt sie denn?

Ich fahr zu wild, sagt sie und würde bestimmt wieder wo dagegen donnern…

Was ja auch stimmt, du bist wirklich etwas arg ungestüm in letzter Zeit!

Aber bei ihrem neuen Scooter würde ich ganz toll aufpassen…

Das sagst du immer, Fritz – und dann passiert doch jedes Mal ein Malheur!

Aber nur, wenn irgend etwas blöd in der Gegend herumsteht, Opa!

Ja – aber das ist halt ziemlich oft der Fall!

Ach Opa – du hältst immer nur zu Caro!

Nein tu ich nicht, Fritz! – und drum sage ich dir jetzt, was der schlaue Einstein in deiner Situation machen würde, wenn er noch lebte…

Kommt jetzt wieder deine komische Relativitätstheorie?

Du ich wär‘ stolz wenn‘s ‚meine Relativitätstheorie‘ wäre! Aber diese ‚Spezielle Relativitätstheorie‘ gehört leider dem Albert Einstein, der sie 1905 mit nur 26 Jahren veröffentlicht hat, als er noch im Basler Patentamt arbeitete.

Und was hab ich davon?

Nun, der gute Einstein hätte dir gesagt, dass du geduldig sein und lieber dafür sorgen solltest, dass die böse Caro ja nur recht oft, lang und schnell auf ihrem neuen Scooter herum rast…

Und warum,Opa?

Weil dann für Caro die Zeit viel langsamer vergeht als für dich und du viel schneller alt und erwachsen wirst als sie…

Hab ich dann auch öfter Geburtstag und bekomme mehr Geschenke als Caro?

Aber klaro Fritz! Allerdings muss sie dazu wirklich schnell unterwegs sein auf ihrem Scooter!

Wie schnell denn?

Na ja – ungefähr mit 80% der Lichtgeschwindigkeit also 240 000 Kilometer in der Sekunde – oder 864 Millionen Kilometer in der Stunde!

Das ist ja super schnell, Opa!

Das kannst du laut sagen, Fritz! Bedenk‘ doch, dass dein Papa oder die Mama mit eurem VW höchstens 140 Kilometer in der Stunde fähren und ihr deshalb immer etwa dreieinhalb Stunde braucht, bis ihr bei uns seid, während Caro mit ihrem schnellen Scooter dann nur etwa  2 Tausendstel Sekunden für diese Strecke brauchen würde!

Und geht das wirklich?

Na ja eigentlich nicht wirklich – da sie selbst mit einem E – Scooter viel zu viel Energie bräuchte, um diese Geschwindigkeit zu erreichen. Aber dass sie langsamer alt würde bei dieser Geschwindigkeit als du, das stimmt!

Echt?

Ja echt – das sieht man zum Beispiel auch bei den Navigationssystemen, das ihr ja auch in eurem Auto habt und das seine Wegdaten von einem Satellit bekommt der mit 30.000 Kilometer pro Stunde um die Erde rast.Die Uhrzeit, die der hat verläuft auch immer langsamer als die auf der Erde und muss daher so angepasst werden wie die Relativitätstheorie voraus sagt. Wenn das nicht getan würde, würdet ihr immer falsch abbiegen und uns nie finden…

Ja das wär blöd Opa – aber was hilft mir das?

Na – ja Einstein will dir auf diese etwas umständliche Art zumindest theoretisch die Chance ermöglichen, altersmäßig mit Caro gleich zu ziehen. Und wenn das passierte, würde sie bestimmt denken, du seist auch so vernünftig wie sie – und würde dir dann sicher ihren schnellen Scooter leihen…

Opa das kann ja sein, klingt aber ziemlich kompliziert…

So findest du?

Ja! – ich glaube, ich denke mir da lieber einen anderen Trick aus, wie ich an Caros Scooter komme…

Wie du meinst Fritz, aber versuch nicht zu schlau zu sein…

Nee – ich bin ja nicht Einstein…

Tja – wer weiß das schon?

KH

 

Klaus Hnilica
Samstag, der 16. November 2019

Caros Rache – oder die ungewollte Spaghettisierung

Caro und Fritz (Folge 2)

  Und ist der Torsten immer noch so ekelhaft zu dir, fragte ich Caro, als sie mich anrief.

Momentan geht’s.

Und warum das plötzlich?

Weiß ich nicht –  vielleicht weil er momentan lieber mit seinen Kumpels herum rauft. Aber Opa eigentlich ruf ich an, weil Anja mit dir telefonieren will!

Na dann gib sie mir einmal, die kleine Anja! Mal sehen ob sie dieses Mal etwas von sich gibt oder doch wieder nur schweigend lauscht…

Ich hab schon den Lautsprecher angestellt, Opa, du musst nur etwas sagen.

Tja das tat ich dann auch! Aber von Anja kam nix! Zwar hörte sie wohl auf, auf ihrer Schwester Caro herumzuklettern und deren lange Haare als Kletterseil zu benutzen, was lautstark zu vernehmen war, aber plappern tat sie nix, die liebe Anja…

Hm –  und da war auch nix zu machen, egal ob ich redete, ein Liedchen anstimmte, wie ein Schweinchen grunzte, oder die zwitschernde Kohlmeise spielte, Anja schwieg mit eiserner Konsequenz! Also bat ich Caro den Lautsprecher wieder auszuschalten und befragte sie lieber noch einmal zu ihrem ungestümen Torsten. Doch der ließ sie wohl wirklich in Ruhe. Jedenfalls schrie sie mit ihrem gellenden Stimmchen so etwas Ähnliches ins Telefon – mein armes Trommelfell!

Und außerdem, jubelte sie, hätte ihr Papa gestern auf dem Computer die erste echte Aufnahme von einem „Schwarzen Loch“ in unserer Milchstraße gezeigt: eine Sensation, die nur mit vielen Teleskopen und Tricks möglich war, hätte Papa gesagt…

Ja –  sagte ich –  8 Teleskope wurden über den gesamten Erdball mit Atomuhren zeitlich abgestimmt und über ein spezielles Computerprogramm gleichgeschaltet, und auf diese Weise in ein „Riesenteleskop“ verwandelt mit dem man erstmalig so ein geheimnisvolles  „Schwarzes Loch“ sichtbar machen konnte. D.h. man sah auf dem schwarzen Abendhimmel einen hellgelben ausgefransten breiten Lichtkranz, in dessen Mitte tatsächlich ein scharf konturiertes „Schwarzes Loch“ herumlümmelte!

Ja ein deutliches „Schwarzes Loch“, quiekte Caro aufgeregt.

Und wenn du jetzt, unterbrach ich sie, mit Torsten an dem Rand dieses „Schwarzen Loches“ in einem Astronautenanzug entlang düsen würdest und vielleicht deine Zöpfe leichtsinniger Weise aus dem Astronautenhelm  hängen ließest, dann könntest du sogar, ohne dass du den Kopf nach hinten drehen musst, sofort sehen, wenn der böse Torsten doch wieder versuchen würde dich an deinen Zöpfen zu ziehen…

Wie das denn? kreischte Caro.

Weil durch die immense, zusammengepackte Masse von etwa zwanzig Sonnen, im Bauch dieses „Schwarzen Loches“ eine derartige Anziehungskraft herrscht,  dass – wie von der ‚Allgemeinen Relativitätstheorie’ von Albert Einstein vorausgesagt – sich um dieses „Schwarze Loch“ sowohl der kosmische Raum als auch die Zeit im Kreis herum biegen und damit auch die Lichtstrahlen, d. h. wenn du gerade vor dich hinguckst siehst du nicht nur was vor dir passiert, sondern auch alles hinter dir – toll was?

Das ist ja echt der Wahnsinn, Opa!

Ja das ist er –  aber der Wahnsinn wird noch fantastischer, wenn du dem Torsten  einen kleinen unbedachten Schubs geben würdest, durch den er mit einem Bein einen Moment lang ins „Schwarze Loch“ ragen würde: denn dann würde er augenblicklich durch eine wahnsinnig starke Zugkraft an seinen Beinen so auseinander gezogen, dass er sich praktisch und faktisch in ein unendlich langes dünnes Spaghetti verwandeln würde! Und zwar so schnell, dass er nicht einmal spüren würde, wie alle seine Knochen brechen!

Hör auf Opa – so etwas Grässliches will ich gar nicht hören!

Du hast Recht Caro, das ist grauenhaft! Aber andererseits dann auch  wieder nicht: denn da am Rand des „Schwarzen Loches“ gilt nämlich Einsteins ‚Allgemeine Relativitätstheorie’ gar nicht mehr, sondern hier gilt plötzlich die so genannte ‚Quantentheorie’ des Herrn Heisenbergs aus Würzburg und deswegen durchlebt dein böser Torsten nicht nur die Spaghettiwirklichkeit, sondern mit einer gewissen  Wahrscheinlichkeit auch andere Wirklichkeiten. Und auch die, dass er heile bleibt und ihm gar nichts passiert, sondern er dich an der Hand nehmen und mit dir weiter um das „Schwarze Loch“ flanieren kann in seinem Astronautenanzug…

Opa, wenn das so ist, ist mir aber diese ‚Quantentheorie’ oder wie sie heißt, von dem Würzburger lieber, als die ‚Allgemeine  Relativitätstheorie’ vom Einstein…

Das kann ich gut verstehen Caro, denn nach diesem relativ langen Telefonat mit dir, hab ich persönlich rein quantitativ auch genug und brauche jetzt relativ schnell ein Schlückchen Wein! Und grüß mir deine Eltern, Caro! Und gib der kleinen Anja bitte ein festes Busserl von mir!

Tu ich, Opa! Und Tschüss!

Tschüss, Caro, bis demnächst…

K.H.

PS: Übrigens finde ich es super, dass der Fritz gleich dieses Spaghetti-Bild gezeichnet hat – aber er mag ja Spaghetti auch so gerne!

Klaus Hnilica
Dienstag, der 24. September 2019

Carl und die Trendforschung

Carl und Gerlinde (Folge 62)

Carl – hier will Dich eine Dame sprechen“, rief Gerlinde aus der Küche, brachte dann aber das Telefon doch zu Carl ins Arbeitszimmer.

Guten Tag, hier spricht Cornelia Koch vom Institut für Trendforschung! Ich wollte Sie fragen, ob Sie bereit wären an einer unserer Befragungen teilzunehmen?“

Carl atmete kräftig durch und sagte „Ja“!

Vielen Dank! Wir sind ja auf Menschen wie Sie angewiesen, um unsere Arbeit machen zu können.“

Okay“, sagte Carl.

Ich möchte Ihnen jetzt drei Fragen stellen und nach deren Beantwortung Ihnen auch ein Geschenk als kleines Dankeschön überreichen.“

Hm“, machte Carl.

Die erste Frage lautet : Sind Sie verheiratet?“

Wieso?“

Nun – meine erste Frage zielt auf Ihren Familienstand: Sind sie verheiratet?“

Sagen Sie, arbeiten Sie vielleicht für eine Partnervermittlung?“

Nein – natürlich nicht, wir sind das Institut für Trendforschung und wollen ausschließlich gewisse gesellschaftliche Trends ermitteln, darum nochmals die Frage: Sind Sie verheiratet?

Ja und nein!“

Was heißt das nun?“

Ja“, antwortete Carl spontan und hörte Gerlinde kichern, die wohl vor der Tür lauschte…

Gut dann die nächste Frage: Besitzen sie ein Haus?“

Ah Sie arbeiten im Auftrag einer Immobiliengesellschaft und suchen weiterverkaufbare Objekte?“

Nein – wir sind das Institut für Trendforschung und ich würde Sie bitten auf meine Fragen möglichst kurz zu antworten. Also nochmals besitzen sie ein Haus?“

Mehrere“, sagte Carl.

Wie mehrere?“

Ich besitze mehrere Häuser!“

Wie viele, wenn ich fragen darf?“

Sechsundzwanzig!“

Wollen sie mich auf den Arm nehmen?“

Das würde ich nie tun ohne sie vorher nach ihrem Körpergewicht gefragt zu haben!“

Gut – ich notiere Sechsundzwanzig! Nun zur letzten Frage: Wohnen sie in einem Ihrer Häuser oder wohnen Sie zur Miete?“

Ich wohne in einem meiner Häuser zur Miete!“ sagte Carl nun schon ungeduldig.

Und wieso das?“

Weil meine Frau darauf besteht, dass ich Miete entrichte!“

Wieso verlangt Ihre Frau von Ihnen Miete?“

Weil ich sie beauftragt habe von mir Miete zu verlangen…“

Von Ihnen?“

Ja natürlich, von wem denn, wir wohnen ja zusammen!“

Was macht denn das für eine Sinn?“

Das macht den Sinn, dass sie dadurch ihr eigenes Geld hat, um die von mir verlangte Miete zu bezahlen“!

Sie verlangen auch Miete?“

Ja – weil ich dadurch praktisch umsonst wohne?“

Und Ihre Frau?“

Die auch, wenn sie mich endlich heiraten würde…“

Ich danke für das Gespräch!“

Und was ist mit dem Dankeschöngeschenk?“

Das hat sich wohl erübrigt“!

Schweinerei“, sagte Carl laut in Richtung Gerlinde, die plötzlich in der offenen Tür stand.

Toll Carl, wie Du es der armseligen Telefontante gegeben und ihr so richtig eine Lektion erteilt hast – ja wirklich – ich bin stolz auf dich“!

Da sie daraufhin lautlos verschwand, konnte ihr Carl nicht mehr mitteilen, dass er nach dieser Bemerkung schon nächsten Monat die Mietzahlung an sie kürzen werde!

K.H.

Klaus Hnilica
Freitag, der 2. August 2019

Mit Weiß geht’s auch – ich weiß es…

Lieber Roland, ich versteh‘ Deine Sehnsucht nach Frieden und Deinen unerschütterlichen Glauben, dass diese Vision auf unserem Planeten realisierbar sein müsste (siehe  http://if-blog.de/rd/die-teekanne-und-der-frieden/ ),doch ich sehe die Zukunft unserer Erde weiß.

Wenn unsere Erde von Grund auf weiß wäre, wäre nämlich alles gut. Mit ein bisschen weißer Farbe und winzigen Genmanipulationen ließe sich das auch wesentlich leichter realisieren, als beispielsweise das Frieden hemmende Testosteron aus dem männlichen Geschlecht zu entfernen.

Und der allseits beklagte Klimawandel wäre praktisch hinfällig, da ein weißer Planet den größten Teil des Sonnenlichtes reflektierte und die Erderwärmung so verunmöglichen würde. Außerdem wäre die ‚Biosphäre‘ – also alle Pflanzen und Lebewesen –  seit Äonen an die Farbe  ‚Weiß‘ gewöhnt. Zumindest dort wo es den Winter schon immer gab.

Doch auch sonst lösten sich in einer weißen Welt alle Konfliktpotentiale in weißen Nebel auf: jede Art von Rassismus wäre obsolet, da ja alle Menschen naturgemäß weiß wären. Die weiße Kopf- und Gesichtsbehaarung würde zusätzlich den Unterschied zwischen den Generationen und Geschlechtern weiter reduzieren, insbesondere wenn alle in weißen Kleidern steckten.

Die Anzahl der Bücher würde sich fundamental reduzieren, da weiße Schrift auf weißem Papier vollkommen neue Perspektiven lieferte und jeder Mann, jede Frau und jedes Kind unschwer mit einem Buch auskäme. Die Seitenzahl dieses Buches wäre ebenso unerheblich. Es sei denn man benötigte zur Stabilisierung eines wackelnden Tisches ein besonders dickes oder dünnes Buch.

Dieser Aspekt würde sich ähnlich dramatisch in der Malerei und Fotografie fortsetzen und mit einem Schlag die üblichen kapitalistischen Machenschaften in der Kunstszene auf ein Minimum reduzieren. Und jedes Gejammer, dass damit das ‚Gelbe vom Ei‘ im Kunsthandel verschwände erübrigte sich, da es ja nur mehr das‚Weiße vom Ei‘ gäbe. Ganz zu schweigen von der weltweiten Geißel der Farbenblindheit, die die Menschheit mit einem Male los wäre.

Geschriebene Hassbotschaften entfielen gänzlich in der weißen Welt, da sie bei weißer Schrift auf weißem Grund nichts ausrichten und keinerlei Hass mehr verbreiten könnten.Die mächtigen Konzerne Appel, Facebook, Alphabet und Amazon bekämen in dieser Welt ein vollkommen neues Gesicht, ihr Börsenwert würde mit Sicherheit auf einen Kleckerlebetrag schrumpfen oder gänzlich verschwinden…

Ähnliches ergäbe sich generell für die gesamte Digitalisierung.

Und wenn zusätzlich in Deutschland durch eine minimale Rechtschreibreform die Worte ‚weiße‘ und ‚weise‘ angeglichen würden, wären wir alle nicht nur weiße Staatsbürger und Wähler sondern auch weise Staatsbürger und Wähler, die munter und zufrieden in ewigem Frieden dahin lebten! Schriftlich ließe sich das allerdings nicht beweisen, da jede weiße Begründung, selbst wenn sie noch so weise wäre, auf weißem Grund unsichtbar bliebe

K H

Klaus Hnilica
Samstag, der 16. März 2019

Teneriffa und seine diebischen Elstern

Carl und Gerlinde (Folge 61)

Also ehrlich –  jedem normalen Menschen bereitet es doch ein diebisches Vergnügen, wenn er endlich einmal ohne jede Hemmung schadenfroh sein darf. Bei Carl ist das jedenfalls so!

Und ganz besonders kann er diese Schadenfreude genießen, wenn es um Teneriffa geht. Jene Insel, auf die sich Gerlinde vor etlichen Jahren für ein paar Wochen zurückgezogen hatte, als sie in einem Anfall geistiger Umnachtung meinte, sie müsse sich von ihm trennen. Doch welche klarsichtige Frau trennt sich schon von einem wie Carl?

Keine – meint jedenfalls Carl.

Und Gerlinde tat dies letztlich ja auch nicht wirklich! Denn sobald sie eingesehen hatte, welche grandiosen Vorzüge dieses Wunderwerk von einem Mann hatte, kuschelte sich auch wieder erstaunlich zügig zu ihm zurück.

Natürlich war er froh gewesen, als sie wieder bei ihm war: schließlich hatten sie sich doch all die Jahre blendend verstanden. Und er hatte bis heute nicht begriffen, warum sie diese Auszeit damals haben musste – und auch noch ausgerechnet auf dieser blöden Insel Teneriffa! Die er noch nie leiden konnte. Und auf die er nie und nimmer jemals  fliegen wollte.

Und auf der er nun doch wieder mit Gerlinde – des lieben Friedens willen – gelandet war. Genau wie diese sieben Millionen anderen Touristen, die Jahr für Jahr hier aufkreuzten. Und alt waren, dick waren, aus England kamen und Deutschland und Frankreich und – wer hätte das für möglich gehalten – auch aus Russland…

Und dieses „Barceló“ in Puerto Santiago mit seinen vier Sternen war ja kein schlechtes Hotel, das musste Carl schon zugeben. Auch wenn er sich das nur widerwillig eingestand: dieser Hotelbau lag ja wirklich so malerisch wie ein Kreuzfahrtschiff an der schwarzen Lavaküste, dass man glaubte, es würde jeden Moment in See stechen. Direkt hinein in den Atlantik, vorbei an San Sebastian, der Hauptstadt von Gomera, wie einst Christoph Columbus, der dann auch, wie Carl und Gerlinde, Tag und Nacht nur mehr das blaue Meer vor der Nase hatte – und die steife Prise vom Westen her.

Zugegeben, die traumhafte Promenade an dem kleinen Fischerhafen vorbei, war auch nicht übel in diesem Städtchen Puerto Santiago und das trotz der vielen üblen Bausünden entlang dieser Promenade, bis weit ins Hinterland hinein, ja selbst noch die schwarzen Vulkanhänge hoch.

Lustig war der einsame Taucher, angekettet an ein Stahlgeländer! Wahrscheinlich um ihn vor Dieben zu schützen und dem kräftigen Kalima, der stetig von Afrika herüber wehte. In seiner Brusttasche staken Prospekte einer Taucherschule, doch seine beiden Arme hingen erstaunlich freudlos nach unten. Und obwohl die linke Hand vermutlich ein frustrierter Terrier schon weg gebissen hatte, zeigte seine rechte Hand in rotem Handschuh, weiter tapfer in den dreißig Meter tiefen Abgrund eines schwarzen Barancos, der unmittelbar hinter ihm in das nahe Meer mündete, dessen mächtige Wellen seit Millionen von Jahren Tag und Nacht an der schwarze Lavaküste hochschnellten und an ihr nagten.

Links hinter dem Taucher blickte man auf den neu errichteten prächtigen Festplatz der Stadt, der weit ins Meer hinausragte und an dessen Beginn die Statue eines verdienten Spaniers stand, umgeben von Guanchen, denen seinerseits die Spanier kräftig zugesetzt und im Namen des Christentums ganze Arbeit geleistet hatten: außer Spuren in den Genen der heutigen Bevölkerung war von ihnen nichts mehr übrig geblieben.

Carl und Gerlinde schlenderten fast jeden zweiten Tag an dem Festplatz vorbei, in Richtung Arena, genossen den prächtigen Blick aufs Meer und steuerten regelmäßig eines der typischen Lokale an, um bei Cortado und Aqua con Gas gemütlich das muntere Treiben auf den kleinen Stränden zu beobachten.

Donnerstags auch! Nur blies der Kalima noch stärker als die Tage zu vor, so dass sie mittags, als sie wieder weiter schlenderten, quasi in eine permanente Geräuschglocke gehüllt waren. Unzählige Touristen waren auf den breiten Gehsteigen unterwegs und praktisch jedes Lokal entlang der Straße war fest in Händen halb nackter sonnenverbrannter alter Männer, die zumeist schweigend mit ihren weißhaarigen Frauen hinter riesigen Biergläsern hockten, doch wenn sie etwas sagten, klang das Englisch, sehr selten Deutsch und nie Spanisch..

Als Carl dann fast schon beängstigend gut gelaunt mit Gerlinde zurück ging, um im Paraiso del Sol, die übliche Portion gegrillter Sardinen mit reichlich Roséwein einzuwerfen, hatte er plötzlich im Rauschen des Kalimas das Gefühl, dass irgend etwas an ihm kurz vibrierte. Das Handy in der Brusttasche war’s nicht. Nach der zweiten Vibration wusste er, dass es hinten vom Rucksack kam. Er drehte sich blitzschnell um und streifte sogar noch eine der beiden dunkel gekleideten schwarzhaarigen Frauen, die viel zu dicht an ihm waren, aber keinerlei Verwunderung zeigten, sondern unbeirrt weitergingen. Irritiert stand er plötzlich alleine da, nahm sich den Rucksack vom Rücken und starrte ungläubig auf die zwei weit geöffneten Fächer seines Rucksacks mit den Schals, Mützen, der Wasserflasche, den Brillenetuis und der Haarbürste. Geschockt rief er Gerlinde zu, die ein paar Schritte voraus war und nichts bemerkt hatte, dass die beiden Frauen vor ihr – vermutlich Romas – ihn beklauen wollten, aber wohl nichts Interessantes in seinem Rucksack gefunden hatten.

Noch während Carl das rief, spürte er neben einer lähmenden Hilflosigkeit eine rasende Wut in sich hochsteigen und wär am liebsten gleich über diese beiden Taschendiebinnen hergefallen. Aber die ließen sich selbst durch seine Rufe zu Gerlinde nicht aus der Ruhe bringen, sondern taten so als ginge sie das Ganze überhaupt nichts an. Ja sie stellten sich sogar noch zu dem angeketteten Taucher, nahmen ihm ein Prospekt aus der Brusttasche und studierten es zusammen höchst interessiert.

Carl fühlte, dass er da auch hin musste mit seinem offen stehenden Rucksack und war mit wenigen Schritten da. Sein Studium des Prospektes bestand jedoch darin, dass er die beiden dunklen Elstern ununterbrochen fixierte, was diese aber nicht im Geringsten zu stören schien.

Plötzlich stand Gerlinde neben ihm und sagte, „Carl du ich geh jetzt in den Laden dort drüben und kauf mir die Schuhe, die wir uns gestern zusammen angeschaut haben“.

„Okay“, sagte Carl  apathisch, ohne zu wissen was Gerlinde meinte und starrte weiter auf die beiden schwarzen Gespenster vor ihm..

„Aber ich brauch dazu Geld von dir, ich hab keines dabei. Du hast es doch sicher wie üblich da vorne in der Rucksacktasche, oder?“

Noch ehe Carl reagieren konnte, hob sie seinen Rucksack hoch, den Carl am Arm hängen hatte und zauberte aus dem dritten kleinen Rucksachfach, das die beiden Biester nicht geöffnet hatten und in dem nur Aspirin und ein paar andere Medikamente waren, vier 50 Euroscheine heraus und entschwand ohne ein weiteres Wort auf die andere Straßenseite.

Plötzlich hatte Carl doch den Eindruck, dass die mühsam aufrecht erhaltene Fassade der beiden schwarzen Unglücksbringerinnen jäh verfiel: ruckartig stopften sie den Prospekt so energisch in die Brusttasche des Tauchers zurück, dass dieser trotz Befestigung beinahe umstürzte und eilten davon. Je weiter sie weg waren, umso heftiger gifteten sie sich gegenseitig an, schien es Carl, so als machten sie sich gegenseitig  Vorwürfe, gerade eine riesige Chance dilettantisch vertan zu haben.

Und Carl wurde nicht nur schlagartig klar, warum er an seiner frechen Gerlinde gar  so einen Narren gefressen hatte, sondern spürte vor allem die herzerwärmende Kraft berechtigter Schadenfreude in sich hochsteigen…

K.H.

PS:
In  Folge 21 (XXI)
Hinter Sonnenbrillen vor Gomera
genießt Gerlinde ihre Auszeit auf Teneriffa!

(Hinweis der „Redaktion“ zum Suchen: Die frühen „Carl & Gerlinde“ – Geschichten waren mit lateinischen Ziffern numeriert).

Klaus Hnilica
Donnerstag, der 29. November 2018

Zahnarztgeplauder mit Bohrer und Speichelabsauger

Carl und Gerlinde (Folge 60)

Irgendwie hatte Dr. Mittler einen Narren an Carl und Gerlinde gefressen. Er beschwor bei jeder Plombe, jeder Zahnsteinentfernung oder Wurzelbehandlung den äußerst glücklichen Umstand, sie beide zu kennen und mit ihnen plaudern zu können. Manchmal hatte Carl sogar den leisen Verdacht, dass dieser Herr Dr. Mittler heimlich in seine Gerlinde verliebt war, da er sie gar so umschwärmte und mit Komplimenten überschüttete, wenn sie einmal jährlich zur Durchsicht ihrer Zähne bei ihm antanzte.

Da Carl genau wie Dr. Mittler ein begeisterter Wien-Urlauber war, gab es bei jeder Behandlung nur ein Thema – und das hieß Wien!

Dies umso mehr als der gebürtige Dortmunder Dr. Mittler um ein Haar eine Professur in Wien angenommen hätte, sich aber dann letztlich doch für die konkrete ärztliche Tätigkeit ‚am Zahn der Zeit b.z.w der Menschheit‘, wie er jedes Mal laut lachend feststellte, entschlossen hatte und dies bisher auch nicht eine einzige Minute lang bereute.

An Carl bewunderte er nicht nur dessen fabelhafte Kenntnisse bezüglich der wichtigsten einschlägigen Restaurants und Heurigenlokale in Wien, sondern vor allem seine Fähigkeit, nahezu perfekt im Wiener Dialekt sprechen zu können. Davon konnte Dr. Mittler als gebürtiger ‚Ruhri‘, der sich noch immer nicht an die maulfaulen Hessen und deren fürchterlichen Dialekt gewöhnt hatte, nicht genug kriegen: Wörter wie leiwand ,Servus, Beuscherl, Schmäh und Topfenstrudel waren einfach Balsam für seine angeraute Seele und konnte er immer und immer wieder hören, wenn er nicht gerade selbst redete, was er aber ohne Punkt und Komma und ohne jemals Luft zu holen faktisch immer tat, so dass er zwar von Carls herrlichen Wiener Dialekt stets schwärmte ihn aber wohl noch nie so richtig wahrgenommen hatte…

Und natürlich schon gar nicht, wenn Carl während der schwärmerischen Erzählungen über den letzten Wien-Urlaub mit weit geöffnetem Mund vor ihm lag, und er, Dr. Mittler, mit seinem Bohrer eine riesige alte Amalgamplombe im rechten unteren Backenzahn bearbeitete. Deswegen, sagte Dr. Mittler und schaute Zustimmung heischend zur etwas drallen Frau Römer, die links neben Carl mit einem Speichelsauger in dessen Mund herumfummelte und dabei auch seine linke untere Lippe malträtierte, fände er es so sagenhaft wohltuend, dass Carl durch seinen Dialekt ihm diese vertrauten Urlaubsklänge aus Wien in seine Praxis zauberte.

Wirklich ein Genuss der Extraklasse sei das, sagte er grinsend und gewährte Carl eine kurze Pause, damit dieser seinen gequälten Mund ausspülen und die verkrampfte Kieferpartie lockern konnte. Diese jäh zurückgewonnene Entspannung seines Sprechapparates hätte Carl sogar erlaubt, einen kurzen Einwand in schönstem Wiener Dialekt zu formulieren, wenn Dr. Mittler wenigstens für den Bruchteil einer Sekunde seine Ausführungen unterbrochen oder nur ein einziges Mal Luft geholt hätte. Doch da dies nicht geschah, hatte er statt dessen sofort wieder Bohrer und Speichelabsauger im Mund, als er diesen – nach Entspannung lechzend – vorschnell ein zweites Mal schließen wollte.

Aber immerhin konnte Carl anschließend mehrmals ein lautes, röchelndes
„Aaaah!“
von sich geben und schmerzhaft sein Gesicht verziehen, als Dr. Mittler bei der Frage, welche Heurigenlokale in Wien derzeit am angesagtesten seien, mit seinem Bohrer kurz sein Zahnfleisch streifte. Wobei, fuhr er fort, er Carl ja gestehen müsse, dass er die ‚Gösser Bierklinik‘ wegen ihrer herrlich großen Schnitzel ohnehin jedem Heurigenlokal vorziehe.

Da Carl wegen der Verletzung seines Zahnfleisches rechts unten stark zu bluten anfing, drückte ihn Frau Römer energisch an ihren festen Busen, um aus seinen Mund nicht nur den Speichel sondern nunmehr auch das Blut abzusaugen, sodass Carl auf die Frage von Dr. Mittler, ob ihm etwas weh tue, nur einen kurzen Grunzlaut, begleitet von einem leidvollen Blick, von sich geben konnte. Immerhin flüsterte ihm Frau Römer zu, während Dr. Mittler weiter schwadronierte, dass er ohne weiteres auch jederzeit seinen Mund ausspülen könne, wenn er möchte

Carl nahm diese Möglichkeit mit einem gequälten Lächeln dankbar an!

Er spülte dreimal seinen Mund gründlich durch und nahm mit einem Kopfnicken zur Kenntnis, dass Dr. Mittler neben den riesigen Schnitzeln auch in die köstlichen Wiener Mehlspeisen verliebt war, was seiner Frau gar nicht gefiel, da er daraufhin oftmals fürchterliches Sodbrennen bekam und nicht selten noch am nächsten Tag bis Mittag nicht zu gebrauchen war.

Doch dann war‘s auch schon überstanden!

Carl konnte endlich wieder seinen Mund auf und zu klappen, beziehungsweise normal bewegen und auch ein verkniffenes Grinsen aufsetzen, während Dr. Mittler ihn bat, vorne bei Frau Koch einen neuen Termin kurzfristig zu vereinbaren. Das wäre nämlich schon notwendig. Einmal um die neue Plombe noch zu polieren und zum anderen noch ein paar andere Kleinigkeiten an seinen Zähnen zu richten.

Abgesehen davon, sagte Dr. Mittler, freue er sich jetzt schon wieder höllisch auf dieses nächste Zusammentreffen, wenn er wieder Carls herrlichen Wiener Dialekt höre bei dem ihm jedes Mal warm ums Herz werde…

Carl nickte stumm und drückte dem einfühlsamen Herrn Dr. Mittler kräftig die dargebotene Hand.

KH

PS:
Dieser Text ist vollkommen frei erfunden und jede Ähnlichkeit mit existierenden Personen ist rein zufällig.

Klaus Hnilica
Montag, der 13. August 2018

Der Klimawandel und die vertrackte Eiszeit

Carl und Gerlinde (Folge 59)

Übrigens, Gerlinde, unser Freund Kurt hat mir letzten Dienstag, als ich ihn zufällig im REWE traf, unter dem Siegel der Verschwiegenheit zugeflüstert, dass er sich trotz seines fortgeschrittenen Alters von Hannelore zu trennen beabsichtige, falls sie dieses Jahr mit der gleichen Sturheit wie in den vergangenen Jahren darauf bestünde, den nächsten Sommerurlaub wieder gemeinsam zu buchen, sagte Carl bei 28 Grad um Zweiundzwanzig Uhr abends – unmittelbar vor der Eisdiele – und wischte sich wohl zum achtzehnten Mal mit dem selben Papiertaschentuch über die Stirn.

Wobei, ergänzte er, während er Gelinde ins Innere des Salons dirigierte, der Alptraum vor allem von dem Wort ‚gemeinsam‘ ausginge, hätte der Kurt gesagt und dabei gleichzeitig mit seinem üblichen sorgenvollen Kopfgewackel 10 Packungen ‚Philadelphia‘ Quark in seinen Einkaufswagen geschichtet.

Was er nämlich letztes Jahr von Oktober bis zum Jahresende für den diesjährigen Sommerurlaub mitgemacht hätte, gehe auf keine Kuhhaut, selbst wenn diese Haut von einer voll ausgewachsenen trächtigen Milchkuh stammte, so der Kurt im gut gekühlten Lebensmittelbereich bei REWE!

Da sich aber weder Gerlinde noch Carl spontan für einen der zahlreichen leeren Tische im neongelben Licht der subtropisch aufgewärmten Eisdiele – mit weit geöffneter Front zur Straße hin – entscheiden konnten, unterbrach Carl kurz seinen Bericht über Kurts vertrauliche Trennungsoffenbarung und irrte so lange von einem Tisch zum anderen, bis sich Gerlinde im hintersten Winkel des Lokals erschöpft auf einen Stuhl fallen ließ und stöhnend kund tat: entweder hier! Oder ich breche auf der Stelle zusammen!

Carl zog zwar enttäuscht die Augenbrauen hoch, sagte dann aber, als er auch schweißtriefend Platz genommen hatte und dabei fast noch den Nachbartisch gekillt hätte, dass Kurt von 34 Reiseprospekten aus 5 verschiedenen Reisebüros gesprochen hätte, die er mit seiner Hannelore akribisch durcharbeiten hätte müssen, sowie von 18 Vorträgen in unterschiedlichen Volkshochschulen und Bibliotheken über Reisen durch Patagonien und diverse Polregionen, durch Australien und Neuseeland, über die Teilnahme an einer Wüstensafari und 3 verschiedenen Weltreisemöglichkeiten sowie über 4 Meditationsurlaube in österreichischen und griechischen Klöstern – und dies alles nur weil sich Hannelore nicht entscheiden konnte, welche Art von Urlaub sie in welcher Region der Welt wolle…

Gerlinde sagte – vor aufgeschlagener Eiskarte mit ihrem rechten, fast schon steifen Zeigefinger, auf einem Fruchtbecher mit Vanilleeis und reichlich Sahne – dass sie diese Klage von Kurt gar nicht so sehr überrasche und dass sich diese Unentschlossenheit von Hannelore mit zunehmendem Alter wohl immer markanter auspräge; irgendwie sei ihr das auch schon aufgefallen!

Da der Kellner bereits zum dritten Mal nach der Bestellung fragte, orderte Gerlinde schließlich mit drohendem Blick in Richtung Carl ihren Fruchtbecher, während Carl vor der aufgeschlagenen mehrseitigen Eiskarte wenigstens ein Mineralwasser mit Sprudel nannte, ansonsten aber noch um etwas Geduld für seine Eisbestellung bat und zu Gerlinde sagte, dass sich der Kurt im REWE ja bei diesem ‚monströsen gemeinsamen Urlaub-Auswahlverfahren‘ vor allem auch deswegen so über Hannelore ärgere, da sie als Ergebnis all dieser Quälerei nun kommenden Samstag eine 2-wöchige Urlaubsreise nach Portugal anträten, und zwar in ein Wellnesshotel an der Algarve, wo es derzeit 42 Grad im Schatten hätte und in 20 Kilometer bereits nicht enden wollende Buschbrände wüteten…

Super – stellte Gerlinde lakonisch fest und orderte bei dem verzweifelnden Kellner wenigstens einen CARLOS I, während Carl sich nunmehr wirklich ernsthaft mit der ‚eisigen Vielfalt‘ auf seiner Karte zu beschäftigten begann und, ohne einen Blick auf den wartenden Kellner zu richten, zu Gerlinde sagte, dass seine Bestellung im Grunde sehr einfach sei, da er nur drei Bällchen Eis ohne alles möchte und sich daher bloß zwischen Dunkler oder Heller Schokolade entscheiden müsse, oder zwischen Vanille, Haselnuss, Stracciatella, Erdbeere, Jogurt, Latte Macchiatto, Sahne–Kirsch, Mango, Maracuja, Zitrone, Banane, Granatapfel, Himbeere, Drachenfrucht, Bounty, Sahnegriess, Zimt, Raffaello und Sanddorn- Hollunder! Nichts leichter als das, grinste er vergnügt.

Doch da der Kellner immer noch wie eine rächende Gottheit vor ihm stand, sagte er, für alle unerwartet, dass er einen Espresso wünsche!

Doppel – oder einfach? fragte der Kellner.

Nein – oder doch eher zwei Kugeln Vanilleeis, sagte Carl.

Also Vanilleeis! tippte der Kellner in sein Gerät.

Nein – bringen Sie mir einfach genau so einen CARLOS I wie ihn Gerlinde hat.

Und als der unfähige Kellner endlich weg war, stellte Carl mit säuerlicher Miene fest, dass er Kurt erstmals wirklich bedauere: denn mit einer so unentschlossenen Partnerin wie Hannelore, würde er vermutlich jeden Tag mehrfach ausrasten, sagte er und schob zufrieden seine Eiskarte zu Gerlinde, die wortlos aufstand und ging.

Hoffentlich nur, um sich die Hände zu waschen?

KH

Klaus Hnilica
Dienstag, der 19. Juni 2018

Integrationsvorteile durch fortschreitende Digitalisierung

Die Frage, wie weit sich Vampire integrieren lassen, ist brandaktuell seit eine neue britische Studie feststellt, dass die fortschreitende Digitalisierung auch in dieser Hinsicht massive Vorteile bietet und vollkommen neue Perspektiven eröffnet!

Und nicht die alten Köpfe und Zöpfe waren es, die diese Revolution eingeleitet haben, sondern wieder einmal ist es die oft gescholtene Jugend, die entscheidende Schritte in diese neue ‚blutjunge Zukunft’ tut: Sie ist es, die nicht nur über Digitalisierung quasselt, wie jeder zweitklassige Provinzpolitiker heutzutage, sondern diese Digitalisierung auch tatsächlich lebt!

Ja sie – die ‚Generation Smartphones’ – gibt im 21. Jahrhundert völlig überraschend und ungeplant den Vampiren ein winziges Zipfelchen ihrer Freiheit zurück, in dem sie sie wieder frei zubeißen lässt!

Denn – ehrlich – was ist geeigneter für den unmittelbaren, zwanglosen Zubiss eines Vampirs, als das entblößte vorgestreckte Hälschen einer fünfzehnjährigen Smartphone-Nutzerin, die gebannt auf ihren Bildschirm starrt – und das ununterbrochen – auf der Straße, im Zug, auf dem Fahrrad, der Toilette und bei den Hausaufgaben?

Nix – aber auch gar nix ist geeigneter!

Und diese Eignung für den schnellen Zubiss gilt natürlich nicht nur für die genannte Fünfzehnjährige, sondern für sämtliche Smartphone-Nutzerinnen und -nutzer, egal welchen Alters und welcher Hautfarbe: alle diese Personen verharren bei ihrer Tätigkeit in der exakt gleichen Position, mit der exakt identischen ‚Bissaufforderung ihres Halses’ vor ihrem Gerät, so dass die oben erwähnte britische Studie sogar die Vermutung äußert, dass der oder die Erfinder des Smartphones unbedingt ‚Vampirhintergrund’ haben mussten oder müssen: Dies umso mehr als alle Smartphoneanwender und -anwenderinnen dermaßen auf ihre Geräte fixiert sind, dass sie nicht nur den schnellen Biss in ihren Hals nicht merken, sondern auch den nachfolgenden Saugakt nicht wahrnehmen!

Ja sie gehen derart in ihrer Smartphonewelt auf, dass sie für keine weitere Wahrnehmung mehr zugänglich sind: erst wenn ungeschickter Weise Blut auf ihre Bildschirme tropft, kreischen sie oftmals auf und werden aggressiv, weil sie selbst mit ihren eigenen Wischbewegungen und eigenem Blut ihre Bildschirme versauen!

Nicht zuletzt deshalb gibt es schon seit Jahren Initiativen führender Vampire in Wirtschaft und Politik, in denen energisch an Firmen wie Apple, Samsung und Nokia appelliert wird – endlich den ‚Blut abweisenden Bildschirm’ auf den Markt zu bringen! Der letztlich unabdingbar ist, wenn diese einmalige Chance der Vampirintegration in die Gesellschaft nicht leichtfertig vertan werden soll: und zwar die Integration aller Vampire! Auch der Ungeschickten – die beim Zubeißen schon mal daneben ‚tröppeln’!

Auf dem Sektor Datenschutz muss natürlich auch massiv nachgebessert werden: Immer wieder passiert es nämlich, dass Smartphonenutzer Vampire bei ihrer Blutmahlzeit photographieren und dies den Gebissenen blitzschnell auf ihre Smartphones spielen!

Erst ab da merken die Gebissenen vielfach, dass sie Blut abgeben und glauben es auch, da sie es ja auf ihren Smartphones sehen – und führen dann schon mal die eine oder andere unangebrachte Abwehrbewegung aus, die erst recht zu unnötigen Blutverlusten führen kann.

Es müssen also schnellstens entsprechende Gesetzesinitiativen mit einhergehendem ‚Filmverbot bei Blutmahlzeiten gestartet werden, und dies nicht in nationalen Alleingängen sondern sowohl auf EU–Ebene als auch bei der UNO, was allerdings keine allzu großen Probleme aufwerfen dürfte, wenn alle Beteiligten das gleiche Blut meinen und davon ihre Münder nicht zu voll nehmen.

Viel schwieriger dürfte ein anderes Problem zu lösen sein.

Nämlich – der Biss in den ‚faltigen Hals eines älteren Menschen’, den auch manche Vampire schätzen, wie die oben zitierte britische Studie bestätigt.

Glücklicherweise gibt es für diese wenigen ‚Feinschmecker’ heutzutage ausreichend ältere Smartphonenutzer – wenngleich deren Verbissenheit und Ausdauer bei weitem nicht an die forsche Jugend herankommt, was den schnellen Zubiss nicht gerade erleichtert!

Aber letztlich ist das nicht das zentrale Problem – bei diesem Problem! Das zentrale Problem ist viel mehr, dass selbst, wenn der Biss am ‚letscherten Faltenhals’ gelingt, das dabei abgesaugte Blut ähnlich schmeckt, wie eine Weinschorle aus einem Achtel Riesling aufgespritzt mit einem Liter Sodawasser!

Nämlich nach nix. Ja weniger als nix!

Was daher kommt, dass heutzutage praktisch in alle älteren Menschen von vereinter Ärzteschaft und Krankenkassen jede Menge teuere Blutverdünner versenkt werden: Dies sicher zum Vorteil der Pharmaindustrie und der blutverdünnten alten Menschen – aber für Vampire ist das der reinste Horror!

Und das nicht nur vom Geschmacklichen her, sondern insbesondere bezüglich des Mengenbedarfs: Denn Vampire werden dadurch nicht nur gezwungen, Unmengen an Blut in sich aufzunehmen, sondern gleichzeitig auch zu unzähligen Toilettengängen, um ihr Wasser abzuschlagen, was nicht selten zu punktuellen Blockaden öffentlicher Toiletten führt! Sehr zum Leidwesen von Menschen mit Blasenschwäche!

So dass letztlich nach all dem Gesagten schon noch viel zu tun bleibt, bis auch für Vampire ähnlich paradiesische Zustände in Deutschland gelten, wie nach Aussage der Kanzlerin für den Rest der Bevölkerung!

Doch wenn die noch zu lösenden Probleme von der Politik endlich vorurteilslos und zeitnah angegangen werden und die Gesellschaft ruhig Blut bewahrt, sollten sich die in der britischen Studie aufgezeigten Integrationsvorteile durch die zunehmende Digitalisierung trotzdem rasch realisieren lassen – insbesondere dann, wenn dafür Sorge getragen wird, dass Blut immer dicker bleibt als Weinschorle weil sonst ältere Herrschaften zwangsläufig nach jedem Vampirbiss unvertretbar lange Blutspuren hinter sich herziehen, die ihrerseits wieder massive Probleme beim Datenschutz aufwerfen, was politisch sicher von niemandem gewollt wird; dies umso mehr, als Vampire sich nach nichts mehr sehnen, als endlich in aller Ruhe ihre tägliche Blutmahlzeit verrichten zu können – und sonst nix!

K.H.

Klaus Hnilica
Dienstag, der 27. März 2018

Sparmodell WHISKY

Carl und Gerlinde (Folge 58)

Nein Carl beabsichtigte nicht jetzt noch einmal zu erklären, warum er und Gerlinde zwar ursprünglich nach Teneriffa wollten, dann aber doch wieder in Lanzarote gelandet waren und von da erst gestern Nacht heim kamen!

Gerlinde wollte dazu auch nichts sagen: warum mussten Hannelore und Kurt sie auch schon am frühen Sonntagmorgen während des Frühstücks überfallen, nur weil Hannelore wieder einmal nicht erwarten konnte, einen weiteren fantastischen Urlaubsbericht von Gerlinde zu hören, um ihren Kurt endlich auf die Kanarischen Inseln zu bringen.

Leicht genervt fragte Carl, ob sie eine Tasse Kaffe möchten oder gleich den Sekt und die Lachshäppchen, die er und Gerlinde im „Iberostar Lanzarote Park Hotel“ jeden Morgen um diese Zeit als kleinen Brunch einzunehmen pflegten.

Oh – ihr ward wieder im gleichen Hotel wie letztes Jahr? flötete Hannelore, was Gerlinde nur mit einem müden Nicken bestätigte, während sie sich um die Sektgläser kümmerte, da Carl tatsächlich schon in den Keller nach dem Sekt gesprintet war. Ja – wenn’s um Hannelore ging, war er flott!

Komm erzähl doch Gerlinde, wie war’s denn in Lanzarote? Wie war das Wetter? Wie die Leute und die Stimmung? Wir wollen alles haarklein wissen, gell Kurt?

Kurt nickte knapp und Gerlinde sagte, Gott – ja –  alles in allem war’s schon schön!

Na – das klingt ja nicht grad begeistert, brummte Kurt.

Oh – doch ging Carl dazwischen und ließ die Sektkorken knallen.

Leider hatte ich halt gleich nach der ersten Woche diese blöde Erkältung an der ich immer noch herumlaboriere, stöhnte Gerlinde und rotzte zur Bestätigung gleich zwei Tempotaschentücher voll.

Und ich hab’ dauernd gefroren! grinste Carl, während er reihum Sekt einschenkte.

Heißt das, dass es nicht so warm und frühlingshaft war, wie ihr das erwartet habt? fragte Hannelore schon mit dem Sektglas in der Hand.

Für die vielen Dicken schon, feixte Carl, aber für die wenigen Normalgewichtigen wie wir, nicht! Aber jetzt Prost ihr Lieben, auf Euch und uns und dass wir wieder heil zuhause sind.

Der ständige kalte Nordwind war echt blöd dieses Mal, stöhnte Gerlinde mit grandioser Leidensmiene, die Hannelore hartnäckig ignorierte.

Na toll! – deswegen fliegt man 4000 km Richtung Afrika, meinte Kurt süffisant. Er trank sein Glas in einem Zug leer und platzierte es auffordernd gleich wieder neben die Sektflasche, in der noch ein paar Schluckchen drinnen waren.

Länger als eine halbe Stunde habe sie keinen Tag in der Sonne liegen können, wegen dieses blöden Windes. Und nur drei Mal sei sie im Pool geschwommen in den zwei Wochen. Wahrscheinlich habe sie sich da auch die Erkältung geholt, jammerte Gerlinde weiter, da sie schon einmal am Jammern war und sie merkte wie Hannelore dieser Negativbericht immer mehr zusetzte. Aber natürlich war sie mit ihrer Erkältung nicht alleine: schon morgens im Frühstücksraum hustete und schnupfte fast der gesamte Saal in allen Tonlagen, wie ein fein abgestimmter Kirchenchor, wenn sie ankamen, und auch das Flugzeug zurück nach Frankfurt war eine einzige Ladung triefender und hustender Rotznasen gewesen…

Da Carl zu Hannelores Glück wieder frischen Sekt nachgeschenkt hatte und animierend sein Glas hob, musste Gerlinde ihren ‚Rotzreport’ kurz unterbrechen, was Hannelore die Gelegenheit gab, nach ein paar hastigen Schlückchen schnell die Frage einzuwerfen, ob sie wenigstens schöne Ausflüge gemacht hätten.

Ja das schon, meinte Gerlinde nach einer längeren Pause, in der sie, immer noch im Morgenrock, bedächtig ihren Oberkörper hin und her wiegte und an ihrem Glas nippte!

Gleich zu Beginn hätten sie für Mittwoch diesen mehrfach empfohlenen grandiosen Ausflug zu der traumhaften kleinen Fischerinsel ‚La Graziosa’ im Norden von Lanzarote gebucht: 60€ pro Person, mit Mittagessen, Busabholung vom Hotel, Fahrt zum romantischen Hafen Órzola und von da mit einem Katamaran durch den so genannten Rio zur Insel La Graziosa!

Leider regnete es an diesem wunderbaren Mittwoch aber, was selten genug vorkommt, stöhnte Gerlinde und bat Carl, ihr nochmals nachzuschenken, und der sonst übliche Wind hatte sich an diesem Tag auch zu einem veritablen Stürmchen ausgewachsen, so dass man sich überhaupt nicht an Deck aufhalten konnte und deshalb noch ein Glasbodenboot dazu genommen werden musste, um alle Ausflügler trocken unterzubringen. Nach dem Essen auf La Graziosa wurde im Regen aber auf eine weitere Besichtigung der Insel verzichtet und statt  dessen bei wahnwitzigem Seegang – da hinter Graziosa ja 6000 km Atlantischer Ozean liegen – die Insel mit beiden Schiffen umfahren. Dies mit dem Ergebnis, dass sie ununterbrochen kotzen musste und selbst Carl am Ende der Umschiffung sich auch kaum mehr auf den Beinen halten konnte.

Gerlinde brauchte nach diesem Kurzbericht ein weiteres Glas Sekt und sank erschöpft in ihrem Stuhl in sich zusammen, während Carl endlich  auch das Wort ergreifen konnte und ergänzte, dass jeder von ihnen beiden nach diesem Abenteuer eine halbe Stunde unter der heißen Dusche gestanden habe, um einigermaßen wieder warm zu werden. Danach sei aber Gott sei’s gedankt, das Unerwartete passiert, was diesen Urlaub noch rettete…

Und was war das für ein unerwartetes Ereignis? fragte Hannelore neugierig mit neuer Hoffnung in den Augen.

Tja  – ich weiß nicht, ob ich das verraten soll? Was meinst du Gerlinde?

Ihr wäre das egal brummelte Gerlinde, sie möchte nur ein weiteres Glas Sekt.

Das Vierte! stellte Carl leicht besorgt fest.

Na  – und?

Ich sag’s ja nur, hauchte er und schenkte nach.

In einem ähnlichen Zustand, wie jetzt Gerlinde wären sie beide nämlich nach dem gelungen Ausflug auch gewesen, sagte Carl dann zu Hannelore und Kurt. Und ohne nachzudenken hätten sie damals in einem Rutsch hintereinander alle vier kleinen Fläschchen Whisky aus der Minibar weggeschluckt, um einigermaßen zufrieden in ihre Bettchen zu sinken…

Das böse Erwachen kam allerdings am nächsten Morgen, als sie entdeckten, dass eines dieser winzigen 5cl-Fläschen Whisky mit 9.90€  berechnet wurde, was bedeutete, dass sie für diese läppischen vier Fläschchen Whisky – die nicht mehr als vier große Schluck waren – 39.60 € löhnen mussten! Das müsse man sich einmal auf der Zunge zergehen lassen, stöhnte er.

Keine schlechte Rendite für das Hotel stellte – plötzlich hellwach –  der gute Kurt fest!

Und Gerlinde stöhnte in ihrem Stuhl auch auf! Ihr neuerlicher Wunsch nach Sekt wurde allerdings nicht mehr erfüllt.

Stattdessen sagte Carl zu Hannelore, dass man so eine Abzocke natürlich mit ihm nicht machen könnte. Eine kurze Überprüfung der Whisky– Situation im nahen Supermarkt zeigte ihm nämlich, dass dort ein 75cl Fläschchen der gleichen Marke gerade einmal 15.85 € kostete.

Selbst Kurt war mit einem Mal klar, was da zu tun war! Und so nickte er bei jedem Wort bestätigend mit dem Kopf, als Carl, nicht ohne einem gewissen Pathos, verkündete, dass er und Gerlinde daraufhin im Laufe der restlichen 10 Urlaubstage schlicht und ergreifend einfach 10 Flaschen Whisky zusammen weg geschluckt hätten und dadurch nach Abzug der Beschaffungskosten sage und schreibe 1325.- € erwirtschafteten, wie jedermann leicht nachrechnen könne!

Ahhhh – kicherte Hannelore plötzlich, jetzt gehe ihr ein Licht auf: das meinte also Gerlinde, als sie sagte, ihr seid alles in allem doch zufrieden gewesen mit euerem Urlaub!

Ja das meinte sie wohl, bestätigte Carl, da Gerlinde inzwischen auf ihrem Stuhl sanft entschlummert war. Der Sekt tat wohl seine Wirkung!

Und vielleicht half bei Kurt auch der Sekt nach, als er ohne seine Stimme anzuheben mit größter Selbstverständlichkeit plötzlich sagte, dass er sich bei einem derartigen Sparpotential einen Urlaub auf den Kanaren auch gut vorstellen könnte…

KH

Roland Dürre
Donnerstag, der 8. März 2018

SPORTSOLDATEN in der SCHROTTARMEE

Während der Winter-Olympiade 2018 in Südkorea war ich in der Antarktis. Das ist keine schlechte Idee, wenn man dem kommerziellen Olympia-Terror entgehen will.

Roland in der Antarktis als Teilnehmer der Olympischen Sportart Hot Dog Pølser (original dänische rote Würste) speisen und Bier trinken.

Wenn man sich dem Rummel in den Medien nicht hingeben will, nicht ganz so „national“ eingestellt ist und weder die einzelnen Medaillen noch den 2. Platz der BRD (DEUTSCHLANDS) im Medaillenspiegel der komischen „olympischen“ Winter-Sportarten bejubeln will, dann ist es eine gute Idee, während solcher „sportlicher“ Großereignisse an einen möglichst weit entfernten Ort zu flüchten.

Da werden Sie sagen:
„Was willst Du denn nur schon wieder! Unser „DEUTSCHLAND“ war doch mal wieder richtig erfolgreich! Das ist doch etwas, auf das kann man als Deutscher nur stolz sein.“

Früher war das schlimmer:
In meinen jungen Jahren im letzten Jahrtausend wurde Menschen wie ich auf gerne mal als „Vaterlandsverräter“ tituliert, wenn sie bei der kollektiven Olympia- und WM-Euphorie nicht so richtig mit machen wollte. Besonders daneben war es, wenn man die Erfolge der DDR-Volksarmisten bewundert hat. Weil die ja eh alle gedopt waren.
Insofern ist die Welt schon besser geworden …

Ja, wir sind zweiter geworden!

1 Norwegen Norwegen  14  14  11  39
2 Deutschland Deutschland  14  10  7  31

Allerdings nur zweiter, wenn man bedenkt, dass Norwegen gerade mal 5,3 Millionen Einwohner hat! Wir, die große Nation D haben 82,7 Millionen Einwohnern. Und trotzdem 8 Medaillen weniger (4 Silberne und 4 Bronzene). Ist das nicht peinlich? So relativiert sich der Erfolg.

Schauen wir mal genau hin:
Erfolgreich (oder eigentlich als zweiter eher der Verlierer), das waren nicht wir. Das war der deutsche Zoll, die deutsche Bundespolizei und die deutsche Bundeswehr.

Ich dachte immer, dass der Zoll unsere Waffe im aufkommenden Handelskrieg mit den USA des Mr. Trump ist. Und dass die Bundespolizei wichtige Aufgaben hat wie z.B. die Menschen auf Christkindelmärkten vor Selbstmordattentätern schützen.

Und dass die Bundeswehr für die Abschreckung zuständig ist? Und dann noch unseren NATO-Partnern wie der Türkei beistehen und nebenher auch noch ein paar UNO-Sanktionen und -Einsätze qualifiziert abwickeln soll? So dachte ich.

Alles falsch! Die drei Einrichtungen sind anscheinend für Olympia-Medaillen zuständig. Wie man hört, war sogar die Bundeswehr sehr erfolgreich mit dabei. Bei der doch angeblich nichts funktionieren soll? Man sieht, man darf eben nicht alles glauben, was man so liest.

Zusammenfassend ergibt sich: Gut 100 von unseren 154 Olympiateilnehmern in Pyeongchang sind beim Staat beschäftigt (Polizei, Bundespolizei, Bundeswehr oder Zoll – Quelle).

Quelle rp-online.de

Diesmal hat sogar unsere Eishockeymannschaft „Silber“ geholt. Das waren 25 Profis (Quelle Wikipedia), die aber im Medaillenspiegel nur eine Medaille bekommen! Ist doch auch ungerecht, oder?

Wobei sich die Frage stellt, wer denn der 26. Profi war (siehe Graphik oben).

Wenn ich die 26 Profis abziehe, dann stelle ich fest, dass von 128 Teilnehmern gut 100 Staatsbedienstete sind, das sind dann gut 78 %. Somit haben Zoll, Polizei und BW eine satte 3/4-Mehrheit …

Und ich ärgere mich:
Habe ich doch meinem Vorsatz gebrochen und schon wieder  etwas belangloses geschrieben.
Und hoffe mal,
dass mir wegen diesem belanglosen Artikel nicht „Verrat am Vaterland“ vorgeworfen wird.

RMD

P.S.
Wenn ich es richtig weiß, waren auch die norwegischen Olympia-Helden überwiegend bei der dortigen Armee.