Hans Bonfigt
Montag, der 7. August 2017

Hans im Glück, Version 2017

Wunder dauern etwas länger…

Dr. Ing. Karl Steffens ist seit vielen Jahrzehnten tot. Ich habe ihn nie kennengelernt. Aber aus einer Haushaltsentrümpelung fiel mir seine Diplomarbeit in die Hände. Sie war als Buch gebunden, datierte auf 1930 und beschäftigte sich u.a. mit dem thermischen Wirkungsgrad von Wärmekraftmaschinen. Steffens konstatierte, daß man unter optimalen Bedingungen bei Dieselkraftmaschinen etwa 30 % Wirkungsgrad erreichen konnte.

Heute sind wir bei etwa 40%. Thermisch, wohlgemerkt.

Jetzt nehmen wir noch die mechanischen Verluste dazu, welche entstehen durch Getriebe (unbedingt notwendig ist ein 12-Gang – Automatikgetriebe, es geht gar nicht anders!), Gelenkwellen, Differential und Reifen — wenn wir dafür nochmal 20 Prozent veranschlagen, sind wir bei 32% Gesamtwirkungsgrad.

Unsere Autos werden immer fetter und degenerierter. Roland hat seine Erlebnisse mit „SUV“s ja bereits berichtet, in Deisenhofen bei Oberhaching habe ich jahrelang das immer wieder verblüffende Trauerspiel „Jungmutti parkt Mercedes GL ein“ erleben dürfen, von ständig wechselnden Darsteller*innen.
Mittlerweile hat der unglaublich spießige „GL“ natürlich einen „Einparkassistenten“, neben Massagevorrichtung, Multimedia-Bespaßung, Getränkekühlschrank… Ein Schwimmbad habe ich noch nicht darin vorgefunden, aber ich bin auch nur zweimal zweimal mitgefahren und konnte daher gar nicht alles erkunden.
Das Gewicht von Antrieb und „Luxuskomponenten“ beträgt mittlerweile eine Tonne. Und die muß beispielsweise in der Stadt in ständigem Wechsel beschleunigt und verzögert werden.
So landen wir bei etwa 20 Prozent.

Nun muß der Kraftstoff ja irgendwo herkommen, die Aufbereitung in Raffinerien, der Transport und die Lagerung sowie die Abgabe an Endverbraucher ist auch nicht umsonst zu haben. Wenn ich einen Liter Normalbenzin tanke, dann habe ich schon vorher einen Liter verbraucht.

Der Gesamtwirkungsgrad beträgt also märchenhaft niedrige zehn Prozent! Das entspricht dem Wirkungsgrad einer Dampflok!

Nun sehen wir uns einmal ein „Elektroauto“ an.
Wo kommt der Strom eigentlich her? Gehen wir, der besseren Vergleichbarkeit halber, von einem Kohlekraftwerk aus.
Die erreichen einen Wirkungsgrad von etwa 40%, Förderung, Transport der Steinkohle und Verkokung fordern aber auch nochmal ihren Tribut, sodaß wir maximal von 30% ausgehen können.

Aber davon ist die elektrische Energie noch lange nicht da, wo sie gebraucht wird. Auf dem Transportweg verlieren wir in etwa 30 Prozent durch die Hysterese-, Leitungs- und Wirbelstromverluste in den Transformatoren, die die elektrische Energie passieren muß.
Auch schon für den Leerlauf des Stromnetzes muß man anteilige Kosten ansetzen.

Beim Auto kommen jetzt also 21% an.
Aber die Energie ist noch nicht im Akkumulator. Und auch noch nicht wieder draußen. Und bis das so ist, haben Ladeelektronik, Akkus und Steuerung weitere 30% verbracht.

Das macht dann 14%.

Davon ist das E-Auto aber noch keinen einzigen Meter gefahren.
Wenn wir dann ein „E-Auto“ bewegen, dann erreichen der E-Motor und der vereinfachte Antriebsstrang jeweils 80%, resultierend in 64%. Das ist die Zahl, mit der die „Politische Klasse“ hausieren geht. Und jetzt sind wir ehrlich, multiplizieren mit den 14% von vorhin und erreichen einen Gesamtwirkungsgrad von 9%.

Tja, könnte man sagen, dann haben wir ja Gleichstand: Das Auto mit Verbrennungsmotor 10%, das E-Auto 9%.

Es kommen aber zwei unangenehme Dinge dazu:
Einmal die Heizung. Die haut beim E-Auto so richtig rein und beim Verbrennungsmotor wird die Wärme gratis mitgeliefert.
Hinzu kommt aber noch das gigantische Gewicht der Akkumulatoren, die voll genau so schwer sind wie leer.
Das permanente „Übergewicht“ und die Heizung in der Hälfte der Betriebszeit fressen nochmal 40% der Nutzenergie.

Damit sind wir dann bei fünf Prozent.

Im Ergebnis ist das E-Auto also eine größere Dreckschleuder als der schmutzigste Diesel.

 

Anstatt also auf ein von vornherein totes Pferd zu setzen, könnte die Politik mit Leichtigkeit:

  • unsauberen Fahrzeugen die Betriebszulassung entziehen. Dann nämlich hätten die Nutzer einen Schaden, den sie gerichtlich geltend machen könnten!
  • die Voraussetzungen für umweltfreundliche Fahrzeuge zu schaffen: Maximal 750 Kg Leergewicht für eine Limousine, maximal 75KW. Damit fallen dann automatisch alle dekadenten Extras raus.
  • Platzbeschränkung verfügen! Eine Mutti mit Kind braucht keinen „SUV“. Klare Beschränkung des Parkraums.

Tja, und so könnten sich Ergebnisse einstellen.

-hb

Hans Bonfigt
Freitag, der 21. Juli 2017

The Power and the Glory

Als kleiner Junge fand ich Mädchenspielsachen doof – mit einer Ausnahme: Das „Ministeck“ – Spiel meiner Schwester Susanne.

Die Rasterung fand ich so sensationell: Man konnte in eine große äquidistante Lochrasterplatte verschieden farbige Steckknöpfe drücken und so beliebige Geometrieen erzeugen.

Der Clou: War der Betrachtungsabstand groß genug, dann sah man das Raster nicht, die Kanten, auch wenn sie winklig waren, sahen geradlinig aus. Kreise, obwohl im Raster angenähert, wirkten rund.

Natürlich (also: natürlich für die 60er Jahre) erklärte mir mein Vater auch, wie ein Fernsehbild aufgebaut war: Nämlich als Raster.

Im Bildbeispiel sieht man ein vermittels einer Nipkow-Scheibe erzeugtes „Fernsehbild“.

Der Gedanke, man könne alle Dinge dieser Welt in einen (dreidimensionalen) Raster beschreiben, sofern man nur die Rasterdistanz klein genug machte, faszinierte mich.

Vielleicht etwas zu früh las ich zu jener Zeit Karl-Alois Schenzingers „Atom“, und ja, es fängt damit an, daß Griechen in der Antike darüber diskutieren, ob es ein ‚atomos‘, ein „Unteilbares“ gebe, eine Art gemeinsames Grundmaß. Und die Bewegung eines Pfeils, so wurde nahegelegt, könne man auch betrachten als die Summe fortgesetzter einzelner Status, verschoben um eine oder mehrere dieser „Elementarmaße“.

In der Schule hatten wir erst Brüche, die meiner „Rastertheorie“ nicht widersprachen, dann gab es auf einmal Pi, aber man legte uns zunächst nahe, die Zahl als 22/7 anzunähern. Auch die Sache mit den Quadratwurzeln fand ich spannend, schon allein wegen des praktischen Nutzwertes. Daß diese meine kleine heile Welt ins Wanken bringen würden, kam mir nicht in den Sinn.

Meine kleine Welt war einfach und berechenbar.
Bis zu jener Mathematikstunde.

Mathematiklehrer Günter Skwirblies wollte von uns wissen, wie man denn eine Rechenvorschrift formulieren könnte, um die Quadratwurzel einer beliebigen Zahl zu berechnen.

Eigentlich fing es ganz ruhig und „rasterhaft“ an, einer der beiden Cracks im Kurs schlug vor:
„Legen wir doch einfach ein sinnvolles Intervall fest, innerhalb dessen sich das Ergebnis befinden muß, die initiale Annahme für das Ergebnis sei dann der Mittelwert der Intervallgrenzen.
Um das Ergebnis für die Wurzel aus 16 zu ermitteln, nehmen wir also Null als linke und die 16 als rechte Grenze und bilden den Mittelwert 8. Den quadrieren wir zur Probe – hui, 64 ist größer als 16, also halbieren wir das Intervall und nehmen die 8 als rechte Grenze:
Mittelwert rechts – links ist 4, 4 x 4 = 16 —> Heureka, paßt schon beim 2. Versuch!
Jetzt mit 100:
x1 = 50, 50×50 > 100, neues Intervall [0 50].
x2 = 25, 25×25 > 100, neues Intervall [0 25].
x3 = 12,5, 12,5×12,5 > 100, neues Intervall [0 12.5].
x4 = 6,25, 6,25×6,25 < 100, neues Intervall [6,25 12,5].
x5 = 9,375, 9,375×9,375 < 100, neues Intervall [9,375 12,5].
x6 = 10,9375, 10,9375×10,9375 > 100, neues Intervall [9,375 10,9375]
x7 = 10,15625, 10,15625×10,15625 > 100, neues Intervall [9,375 10,15625]
x8 = 9,76525, …

Wir nähern uns also mit der Genauigkeit I/2, I/4, I/8, I/16, I/32 … denn wir halbieren mit jedem Schritt unsere „Streuung“.

Und für mich war klar: Jeder der bislang ermittelten Quotienten war ein ganzes Vielfaches meines bisher als „irgendwie“ existent geglaubten „Rastermaßes“. Als Lerngruppe fanden wir die Leistung unseres Mitschülers Oliver Hierlein auch beträchtlich!
Eine schöne Rechenvorschrift, und ich konnte mir vorstellen, daß diese ganz modernen, soeben herausgekommen Tischrechner mit Wurzelfunktion genau so arbeiten würden.

The Kick Inside

Im Gegensatz zu uns war der Lehrer aber nicht zufrieden.
„Ihr müßt das Sichtbare umdenken, um ins Mögliche vorzustoßen“.

Und er malte an die Tafel,

gesucht:       sqrt(a) = x

äquivalent:   a = x²

wenn            a = x² ,

dann             a / x   =   x .

Und da spürte ich den Dammbruch. Es durchfuhr mich wie eine Art Schock, wie wenn man man eine Sekunde zu spät bemerkt, daß man ein wertvolles Gepäckstück im gerade anfahrenden Zug liegen gelassen hat:
Wäre x das genaue Ergebnis, würde die Gleichung stimmen.
Wäre das x auf der linken Seite zu klein, wäre es auf der rechten zu groß.
Wäre x auf der linken Seite viel zu klein, wäre es auf der rechten Seite viel zu groß.

Man würde also mit einem beliebigen Wert beginnen können und schon durch die Division auf der linken Seite einen „Komplementär“-Wert erhalten. Der eine zu klein, der andere zu groß, das schreit nach einem arithmetischen Mittel!

Also, once again, with feeling:

Start mit x=50 (viel zu groß),
100/50 = 2; Mittelwert 26
100/26= 3,846, Mittelwert 14,923
100/14,923 = 6,71, Mittelwert 10,812
Die vierte Näherung lag schon bei 10,03 !
Das war aber nicht alles.
Dieses schnelle, „zweierpotenz-unabhängige“ Konvergieren der Iteration ließ mich spüren, „es gibt da wohl noch etwas außerhalb einen auch noch so feinen Rasters“.

Die Kraft und die Herrlichkeit

Die Etappen der vergangenen 90 Minuten wurden dann noch einmal von einer Mitschülerin wiederholt, „Intervallschachtelung versus schnell konvergierenden Algorithmus“ und, pragmatisch wie Frauen nun einmal sind, fand sie die Intervallschachtelung viel nützlicher, weil universeller. Das brachte mich in Rage und ich sagte, „Das eine ist das Schleppnetz der Phantasielosen — aber das andere ist die Kraft und die Herrlichkeit“. Das tat ich auch in Anspielung auf das Buch von Graham Greene, welches wir im Deutschunterricht unlängst gelesen hatten.
„Die Kraft und die Herrlichkeit“ – vor der Klasse gab das ein fürchterliches Gelächter und mir war der emotionale Ausbruch sehr peinlich.
Aber geschämt habe ich mich nicht dafür. Denn ich habe damals instinktiv gespürt, was für eine unglaubliche Macht hinter einem einzigen Algorithmus stecken kann.

Um die Sache zu einem Ende zu bringen:
Meinem Vater trotzte ich einen programmierbaren Taschenrechner ab. Und ich wollte keinen Müll von Texas Instruments. Und tatsächlich kaufte mir mein Vater, dem es zu dieser Zeit wirtschaftlich wirklich nicht gut ging, einen HP19C.

Jugendliebe mit 14:  Hewlett-Packard 19C von 1974

Erst heute kann ich ermessen, was das heißt, Mitte der siebziger Jahre für eines von zwei Kindern 948 Mark auszugeben — das wären heute 4.000,– Euro. Ich bin ihm dafür sehr dankbar, er spürte, daß er mir in Mathematik nicht mehr, wie bisher, weiterhelfen konnte und ließ mich meiner Wege ziehen – aber nicht, ohne mir Rüstzeug und viel Liebe mit auf den Weg zu geben.

Diesen Taschenrechner besitze ich noch heute und selbstverständlich funktioniert er auch noch. Und die ‚ENTER‘ – Taste hat immer noch die charakteristische, präzise Haptik wie 1974.

Das Finden von Algorithmen ist mein Beruf geworden. Es tut mir leid, dem (von mir außerordentlich geschätzten) Chris Wood sagen zu müssen, daß, im Gegensatz zu seiner kürzlich geäußerten Ansicht, ich gar keine Lust habe, irgendwelchen Mist hergelaufener ‚Game&Graphics‘ – Hanseln zu optimieren.
„Arbeiten“ an Videospielen oder gar an „Tabellenkalkulationen“ halte ich eines Mannes für unwürdig.

Eben weil der programmierbare Taschenrechner so langsam und so begrenzt war, war ich auf Algorithmen angewiesen, die möglichst effizient waren. Und deren Entwurf kann man lernen.

Sparsamkeit ist keine Dagobertianische Neurose.
Sparsamkeit ist die Mutter der Effizienz.

Und der Vater der Effizienz ist die Strategie. Mann kann nicht mit „Power“ oder Geschwindigkeit das wettmachen, was man bei der Bestimmung der Richtung versaut hat.

Und aus diesem Grunde brauchen wir genau kein Internet an Schulen, kein „WLAN“ und keine Superrechner. Wir brauchen etwas anderes: Neulich sah ich eine Dame namens „Gesche Jost“, „Internetbotschafterin“ der Bundesregierung. „Oh Gott, noch so eine Yoga-Bewußtseinstante“, denke ich mir und will den Fernseher abschalten — aber weit gefehlt: Die Dame stellte einen universellen Einplatinenrechner vor, den „Calliope“.

Abgeguckt hat man dieses Gerät vom BBC Micro:BIT, aber hey, besser gut abgeschaut als grün selbst erfunden.
Es handelt sich in beiden Fällen um ein System, mit dessen Prozessor man direkt kommunizieren kann und der gnadenlos genau das ausführt, was man ihm eingibt. Man kann mit solchen Geräten spielerisch begreifen, wie so ein Computer „gestrickt“ ist und gleichzeitig viele Probleme lösen. Das ganze zu einem phantastisch günstigen Preis!
DAS ist Lehrmaterial zum Anfassen, das regt die Phantasie an – ganz im Gegensatz zum verschwulten „Ipad“, bei dem alles darauf abgestellt ist, einen dummen, unmündigen, charakterlosen Opportunisten zu sedieren.  Wenn ich mir die „Produkte“ von Apple ansehe, dann muß ich immer an „The Wall“ von Pink Floyd denken, „I have become comfortably numb“.

Wir brauchen mehr von diesen einfachen, effizienten Werkzeugen, anhand derer Pädagogen nachvollziehbar zeigen können, wie schwachsinnig „JAVA“ ist. Und es gibt dieses Gerätchen nicht nicht nur in Blau, für Jungs, sondern auch in Rosa, für Mädchen!

Als die Formeln laufen lernten

Doch so ein kleines von-Neumann – Maschinchen ist nie Selbstzweck. Es macht eine Summenformel lebendig, es läßt Iterationen konvergieren – oder eben nicht. Man kann alle Zwischenergebnisse ansehen und das Maschinchen auch anweisen, unter ganz bestimmten Bedingungen zu stoppen.
Sicher:
Viele Aspekte der Computertechnik kann man in der „Wikiblödia“ nachschlagen, aber das ersetzt NIEMALS eigene Erfahrungen!
Wenn ich, um Zeit zu sparen, irgendetwas aus der „Wikipedia“ verwende, dann ist der Pfusch schon vorprogrammiert, weil ich etwas umsetze, das ich nicht verstanden habe.

Die Freude und das Glücksgefühl, wenn ein selbsterstelltes Programm funktioniert, wenn eine selbstentwickelte Schaltung zum Leben erwacht, sind einzigartig. Was tun mir die ganzen „Geisteswissenschaftler“ leid, da arbeiten sie teilweise jahrelang an einer Dissertation und nachher werden sie niemals, niemals wissen, ob sie mit ihren Vermutungen richtig lagen.   Gut, bei vielen kann man das ja auch als Gnade betrachten.

Was von den Vätern Du ererbt,  erwirb‘ es, um es zu besitzen

Wenn wir einmal junge Musikerinnen betrachten, nehmen wir jetzt einmal Alice Sara Ott, Julia Fischer oder Sophie Pacini: Das sind drei junge Frauen, die als kleine Kinder von intelligenten, liebevollen Eltern individuell gefördert wurden. Es sind aber auch Menschen, die eigene Wege gegangen sind, Frau Fischer ist legendär für ihre Dispute mit diversen Dirigenten und Sophie Pacinis Chopin – Interpretationen sind, ähmmm, außergewöhnlich.
Aber die Waldsteinsonate spielt sie bereits jetzt, in jugendlichem Alter, authentischer als ihre berühmte Mentorin Marta Argerich. Das bestimmt auch deswegen, weil sie Barockmusik im allgemeinen und Beethoven im speziellen umfassend studiert hat.

Aber bei all ihrer Virtuosität sind alle drei jungen Frauen fröhliche, aufgeschlossene und humorvolle Menschen geblieben.

Wenn man sich freut, solche Menschen zu seinen Zeitgenossen zu zählen, dann sollte der Dank auch ein kleines bißchen an die Eltern gehen. Denn die Erziehung der Kinder wird vor allen Dingen von diesen wahrgenommen. Und ein Kind kostet viel, viel Geld.

Wenn man sich dagegen ansieht, wie in anderen „Kulturräumen“ Kinder quasi am Fließband produziert und dann weitestgehend sich selbst überlassen werden, dann ahnt man, woher das unmöglich dreiste, intolerante und fremdbestimmte Handeln der „unbehandelten Rohdiamanten“ herrührt.

Und das macht mich richtig traurig: „Kinder kommen nicht auf andere Leute“, pflegten in meiner Kindheit viele Älteren zu sagen und meinten damit: „Asoziale Eltern, asoziale Kinder“. Dagegen habe ich vierzig Jahre opponiert. Vehement opponiert. Und warum opponiert man besonders vehement? Weil man sich vor allem selbst von der Unwahrheit überzeugen will. Die Unwahrheit ist laut, die Wahrheit ist leise.  Die Traurigkeit auch.

Die Geschichte mit dem Algorithmus will ich noch weitererzählen und um einige historische Informationen ergänzen. Der beschriebene, schnell konvergierende Algorithmus entstammt aus einem Lehrbuch des bekannten Heron von Alexandria, war aber wohl schon weitaus früher bekannt.

Isaac Newton fand später einen allgemeinen Algorithmus zur Lösung von beliebigen Gleichungen von der Form f(x) = 0 .
Das Verfahren ist ebeno genial wie einleuchtend:
Auch hier wird ein initialer Wert bestimmt. Die nächste Näherung ist der Schnittpunkt der Tangente an die Funktion durch den Punkt (x|f(x)) mit der x-Achse. Diese „geometrisch“ hergeleitete Näherung wäre rechnerisch x – f(x) / f'(x).
Im Falle von f(x) = x² – a , also unserer ursprünglichen Aufgabenstellung, erhalten wir für x(neu):

x – (x²-a) / 2x =
x – x/2 + a/2x =
1/2x + 1/2 a/x =

1/2 (x + a/x) .

Und damit erhalten wir exakt die gleiche Rechenvorschrift, wie sie Heron vor etwa 2.000 Jahren formuliert hat!

Die Angelegenheit mit der ersten Ableitung, dem Differenzenquotienten und dem cleveren Trick, dessen Nenner gegen Null konvergieren zu lassen, überzeugte mich als Heranwachsenden schließlich doch, daß es eine Welt geben mußte jenseits des idealisierten „Ministeck“ meiner Schwester.

Und wieder war es der Taschenrechner, der mich bei meinen Erkundungen in diese Welt begleitete. Ich habe von dem kleinen Gerät sofort profitiert und tue es noch heute.

Aber so nobel dieses Geschenk auch war, so viele Algorithmen ich in der Folge auf dem Gerät implementierte:

Am Anfang war Mathematiklehrer Günter Skwirblies mit seinem Satz, „Ihr müßt das Sichtbare umdenken, um ins Mögliche vorzustoßen“.

-hb,
in Dankbarkeit.

Hans Bonfigt
Donnerstag, der 11. Mai 2017

Entartete Kunst

Vor ein paar Wochen hatte ich einen unschönen Disput mit einem unserer Programmierer.  „Einen riesigen Haufen Sondermüll hast Du da zusammengestoppelt“, habe ich ihn angebrüllt.   „Damit kann kein normaler Mensch etwas anfangen“.

Und jetzt muß ich Abbitte leisten.  Denn „schuld“ war wieder einmal „das System“.

Schleichwerbung in Foren zu vermeiden ist Ehrensache, daher nur kurz:  Wir entwickeln unter anderem zumeist größere Telephonanlagen.  Mein Hauptaugenmerk liegt dabei auf Einfachheit, Durchschaubarkeit und Zuverlässigkeit.

Und deswegen werden unsere Anlagen seit Jahr und Tag mit einer einfachen Konfigurationsdatei eingerichtet, in der Form,

4711, Meier, Horst Meier, <Standort>, <Rechte>,  <Telephontyp>, <ID>

Ein Teilnehmer — eine Zeile.   Selbstverständlich banal maschinell erstellbar.  Und naturgemäß auch versionierbar !  Ach ja:  „Variablen“ gibt es natürlich auch und mit einem Wald- und Wieseneditor kann man auch die komplexesten Änderungen automatisieren.

Mit einem solchen Konzept aber hatte ich die Rechnung ohne die geschätzte Kundschaft gemacht.  Ausgerechnet diejenigen, die vom technisch-wissenschaftlichen Verständnis im 18. Jahrhundert verhaftet sind, belehrten mich, „Wir sind im 21. Jahrhundert angekommen.  Wir möchten unsere Telephonanlage einfach mit dem ‚Webbrauser‘ bedienen können“.

Nachdem dieses Malmot und ähnlich dümmliche Sentenzen fast wöchentlich an uns herangetragen wurden, mußten wir das tun, von dem jeder normal intelligente Mensch weiß, daß nur Schwachsinn herauskommen kann:  „modernisieren“.

Aber wir haben es wenigstens richtig gemacht:  Ein anspruchsvolles „Graphical User Interface“ erzeugt eine gewohnte „klick-und-warte“ – Umgebung für den degenerierten Mausschubser und erzeugt genau die Konfigurationsdatei, die diesem so verhaßt ist.  Und damit man nach wie vor auch effizient mit der Anlage umgehen kann, reflektiert unser graphisches Luserland auch manuelle Änderungen in dieser Konfigurationsdatei.

Die Ernüchterung bei der Präsentation war groß:  Ein EDV-Leiter forderte mich auf, doch einmal einen Telephonapparat anzulegen.  Ich war schon dabei, die Zeile zu tippen, aber da meinte die Mannschaft, „Nein, mit dem WEBINTERFACE und dem WIZARD !!!“.

Um es kurz zu machen:  Es poppten tausenderlei Fenster auf, in denen Informationen abgefragt wurden, die gar nicht benötigt wurden, es mußte erst ein Standort ausgewählt, dann ein Benutzer angelegt, dann zu einer bestimmten Gruppe hinzugefügt werden, danach mußte man eine „Einheit“ anlegen (wie ich dieses Wort HASSE seit der unglückseligen „Wiedervereinigung“) und final, wo wir schon die „Vereinigung“ gestreift haben, den Benutzer mit der „Einheit“ Telephon logisch verbinden.   Naja, für geeignete Werte von ‚logisch‘.  LOGISCH war vor allem, daß mein Unterfangen komplett in die Hose ging und ich mich und die Firma bis ins Pleistozän blamierte.

Das anschließende firmeninterne Debriefing (wir wollen ja schließlich im 21. Jahrhundert bleiben) fand in einer entsprechend aufgeheizten Stimmung statt und es kam nichts gutes  dabei heraus.  Und das war gut so!  Denn warum soll man einen stinkenden Haufen bürokratischen Sondermüll schönreden ?   Lediglich die Frage, was die Ursache und was das Problem war, konnte nicht geklärt werden.

Bis heute.   Da fiel es mir wie Schuppen von den Augen.

Denn da mußte ich aus der Ferne den Router eines Kunden konfigurieren.  Eigentlich baut die Firma LANCOM ganz ordentliche Geräte.  Und man gibt sich viel Mühe, die Konfiguration zu vereinfachen.

Dummerweise hat man ein paar wegen Talentlosigkeit relegierte Designerstudenten an die Bedieneroberflächlichkeit herangelassen und hier nun mein ungeschminkter Bericht:

Der EDV-Leiter des Kunden öffnet das „LANconfig“ – Programm, und während sich dieses stöhnend hochquält, erfahre ich zu meinem Entsetzen, daß dieses Juwel nur für Microsoft Windows erhältlich ist.  Ja, spinnen denn die?  Ich kenne Unternehmen, in denen es aus gutem Grund verboten ist, „Windows“ auch nur zu betreiben — und schon gar nicht in einer kritischen Umgebung, in der Router normalerweise vorzufinden sind.

Nach dem Start wollen wir einen Firmwareupgrade vornehmen.  Klar, daß damit das „Konfigurationstool“ selbst obsoleter Schnee von gestern sein wird.  Wir aktualisieren also erstmal das „Tool“:   160 MB werden heruntergeladen.  160 MB!   Danach laden wir das Router-Image: 16 MB.

Sage ich zum Kunden, „also ist der Anlasser zehnmal so groß wie der Motor“.  Das sieht der Kunde anders:  „Das ist doch bloß eine Firmware, aber das Konfig-Interface beinhaltet doch die gesamte Funktion!“.  Wie bitte?   Die „Firmware“ beinhaltet ein komplettes Betriebssystem, einen Webserver, SSL-Bibliotheken UND den gesamten Funktionsumfang.   Die Bedienungsoberflächlichkeit ruft doch nur ein paar Windows-Bibliotheken auf — und ist trotzdem zehnmal so fett wie das Gesamtsystem.  Helmut Kohl hat sich zum Krüppel gefressen und wog zu seinen schlechtesten Zeiten „nur“ etwa 150 Kg.  Man stelle sich jetzt einmal nur die feiste „Birne“ des aufgequollenen Oggerheimers einmal als 1.500 Kg – Geschwulst vor, um das ganze Ausmaß der Degeneration zu verstehen.

Nach dem Firmware-Upgrade, der erstaunlicherweise funktioniert hatte, wollten wir jetzt zwei simple Firewall-Regeln einrichten.  Und jeder, der über rudimentäre Netzwerkkenntnisse verfügt, weiß:  Eine Firewallregel besteht im wesentlichen aus Quelle, Protokoll, Ziel und Aktion.  Einfach und übersichtlich in einer Zeile.   So kann man das erfassen.  Und jeder weiß auch:  Ein IP(v4) – Adreßobjekt schreibt sich zum Beispiel 1.2.3.4/32, seit über 15 Jahren.  Und damit kann man einzelne Netze ebenso beschreiben wie einen einzelnen Rechner.  So gesehen kann also jeder mit grundlegenden Kenntnissen eine Firewall-Regel verstehend schreiben.

Nun wollten wir eine einfache Regel mit dem „Assistenten“ erfassen.  Und da hatte ich dann das déjà vu.  Denn es poppten auf einmal wieder verschachtelt Fenster auf.  Anstatt daß wir schreiben durften, „10.20.0.0/16“, mußten wir aus einer Fülle von ‚Situationsfenstern‘ wählen, und innerhalb dieser Fenster gab es neue Fenster mit Zusatzreitern.  Für jedes Feld der Firewallregel wiederholte sich das üble Spiel mit den Fenstern, natürlich mit unterschiedlichen Schikanen:  Bei „Aktion“ war „REJECT“ schon vorbelegt, wir wollten unterdessen „DROP“ und mußten den gutgemeinten Default erst einmal aus einer „COMBO-Box“ löschen.

Fatal dabei:  Es hat sich die peinliche Unsitte eingebürgert, statt vernünftiger Erklärungen sogenannte „Screenshots“ als Bedienungsleitung zu veröffentlichen, damit auch Gesamtschüler den Inhalt abtippen können.  Mit dieser „explosiven“ Vermehrung der Fenster (anstatt einem einzigen zur Eingabe der Regel poppten in etwa zwanzig davon auf) bläht sich auch die Dokumentation auf wie ein Hefekuchen.

Leider aber war das Ergebnis unserer Bemühungen nicht von Erfolg gekrönt:  Irgendein Häkchen, irgendeinen „Reiter“ in einem Subfenster hatten wir wohl vergessen.  Wohlgemerkt:  Es handelt sich um einen Router, den ich kenne wie meine Westentasche.  Mit den üblichen Werkzeugen wären die Regeln in unter einer Minute angelegt und hätten funktioniert.

Aber der Kunde möchte auf sein geliebtes „Windows“ nicht verzichten und bucht jetzt einen „Lehrgang“.  Da will ich dann nicht weiter stören.

 

Statt Vereinfachung findet also eine gigantische Komplikation statt:

  • Die gängigen „Werkzeuge“ sind alle kaputt,
  • ob es Webserver und JAVA/PHP/Perl sind
  • oder ihre maroden Gegenstücke, die „Webbrowser“.
  • Essentielle Informationen gehen in der Informationsflut unter,
  • der logische Bezug wird auseinandergerissen.
  • Peinliche Übersetzungen erschweren das Verständnis.
  • Die resultierenden Systeme sind inhärent unsicher, undeterministisch und instabil
  • Urplötzlich ist man versionsabhängig
  • und schlußendlich vergeudet man die einzige Ressource, die wir nicht nachbestellen können:  seine eigene Lebenszeit.

Das Attribut „Entartete Kunst“ wurde in der „nationalsozialistischen“ Ideologie für Darstellungen verwendet, die den ihr innewohnenden Vorstellungen von „geistiger Gesundheit“ zuwiderliefen.

Wenn aber ein „Bedienungshilfesystem“, welches ursprünglich dazu gemacht war, einen Anwender zu unterstützen, diesen behindert, beschneidet, gefährdet und verwirrt, dann möchte ich dieses sehr gerne als „entartet“ oder „pervertiert“ bezeichnen.  Und die „Schöpfer“ würde ich nicht mit Stumpf und Stiel ausrotten wollen, aber ‚mal ganz ehrlich:  Deutschland braucht auch Straßenkehrer.

Zum Schluß meine Abbitte an den Peter, der bei uns die graphische Programmierung übernimmt:   Nimm‘ meine Entschuldigung an.  Denn ich habe gesehen, wie grotteschlecht andere auch einfachste Anforderungen umsetzen.   Und nachdem ich Art und Qualität der verwendeten „Werkzeuge“ gesehen habe, weiß ich:    Damit wird es niemals ein sauberes graphisches Bedienungssystem geben.

-hb

Roland Dürre
Sonntag, der 7. Mai 2017

Quo Vadis – Digitale Transformation?

In eigener Sache.
Mit dem Thema „Digitalisierung“ setzte ich mich häufig auch in Vorträgen auseinander. Deshalb fahre ich auch am nächsten Freitag (12. Mai)  wieder auf’s Oberland IT Camp. Sowohl um ein wenig aufzuklären, aber vor allem um Neues zu Lernen und zu Erleben.

Deshalb hier ein Sammelsurium aus manchen Vorträgen, Diskussionen und Debatten rund um Digitalisierung. Der Stoff würde zweifelsfrei für ein Buch ausreichen, deshalb  zum Teil meine Gedanken hier nur in Stichworten. Für den, der sich auskennt, sollte es aber genügen.


 Digitalisierung – ein großes Missverständnis?
Kein Morgen ohne Heute, kein Heute ohne Gestern!

Mein Vortrag auf der Abendveranstaltung BICCnight it at media im Foyer Funkhaus Bayern, München am 22. 07. 2011 (Foto: Stephan Goerlich) – Das Video zum Vortrag findet sich unten in diesem Artikel.

Abstract:

Wer die Gegenwart verstehen will, muss wissen, wie es zu ihr gekommen ist. Die Geschichte der Digitalisierung ist uralt. In den letzten 50 Jahren hat sich die Entwicklung rasant beschleunigt und in den beiden letzten Jahrzehnten noch mal so richtig an Fahrt aufgenommen. Alles deutet darauf hin, dass die Beschleunigung zumindest die nächsten 20 Jahre nicht nachlassen wird.


Digitalisierung

Die „Digitalisierung“ hat die Gesellschaft massiv verändert, anders aber in einem ähnlichen Ausmaß, wie es die „Industrielle Revolution“ in den letzten drei Jahrhunderten getan hat. Die zweite große „Transformation durch technologische Weiterentwicklung“ liegt jedoch noch vor uns. Sie wird unsere individuelle und soziale Art zu leben nochmal komplett verändern.

So schadet es nicht, sich folgende Fragen zu stellen:

Wie war das mit der Digitalisierung? Wie kam es dazu? Was hat sich bisher verändert? Wo stehen wir heute? Was bedeutet die Digitalisierung für das „analoge“ Wesen Mensch? Wie wird es weitergehen? Und kann es sein, dass die neue Technologie uns wieder „zum rein analog kommunizierenden Wesen“ werden lässt?

In meinem Vorträgen diskutiere ich diese und weitere Fragen auf technischer und sozialer Ebene. Ich versuche das  verständlich und unterhaltsam zu machen, Prognosen zu wagen und die eine oder andere Antwort zu finden. Aber vor allem versuche ein wenig zu provozieren und nachdenklich zu machen.


So stellen sich viele Fragen, die man unterschiedlich beantworten kann.
Ab jetzt eher in Stichworten.

Wozu dient die Digitalisierung eigentlich?
Wo Menschen doch analog kommunizieren?
Sprache und Denken sind im Kopf analog. Das Bedürfnis, Zahlen, Gedanken und Geschichten aufzuzeichnen, entstand schon relativ kurz nach Erfindung der Sprache. Zuerst wohl auch als Anwendung mit wirtschaftlichen Nutzen. Später um „Wissen“ über die Zeiten weiterzugeben und zu verbreiten.

So entstanden Bilder, Symbole, Zahlen, Zeichen und systemische Zeichenvorräte (Alphabet). Immer mit dem Ziel, Sprache (Gedanken, Geschichten) „zu verschriften“. Damit man sie über Zeit und Raum jenseits der mündlichen Weitergabe transportieren konnte. Und der „Kopf“ musste sie „beim Lesen“ wieder „entschriften“ und ins Analoge bringen.

Jeder Zeichenvorrat ist auf die minimale Zeichenmenge {0,1} bijektiv abbildbar. Digitalisierung heißt vor allem, dass das Analoge auf das Digitale abgebildet wird und dann transportiert, verarbeitet aber vor allem auch wieder „analogisiert“ werden kann. So war das. Heute ist die digitale Welt aber so weit, dass sie uns komplett analog bedient.

Geschichte von Digitalisierung:

Schrift als Digitalisierung von Sprache. 24 Zeichen.
Stein, Ton, Papyrus, Papier als Informationsträger.
Früher: 1 Mönch diktiert, viele schreiben mit.
Dann: Druckerpresse, bewegliche Lettern.
Speichern von Ton mechanisch (Wachsscheibe, Drehleier, Schallplatte, Walze).
Die Übertragung von Information erfolgte durch physischen Transport der Speicher.
Interessante Ausnahmen waren verkettete Signale auf optischer und akustischer Basie (Spiegeln an Wachtürme an der italienischen Küste, Trommelketten) in der Regel mit reduzierter Informationsbreite (für einen bestimmten Zweck).

Dann kam die Elektrizität …

Übertragung: Über Kabel mit Strom oder drahtlos (Funk)
Speicherung; Immer noch mechanisch (Lochstreifen/-karten).
Später kamen erste magnetische Tonträger (die übrigens gerade verschwinden).

Protokolle:

Allein die Geschichte der Übertragungsprotokolle wäre ein eigenes Buch wert. So auch hier nur ein paar Stichworte:

MORSE-Code (3-wertig, Kurzton, Langton, Pause = Ende; variable Zeichenlänge maximal vier).
Zur Weitergabe und später Verbreitung von Inhalten (Material und Methode).
TELEX (mechanisch-elektrisch)
CCITT-Code (5 Bit-Code, 31 Zeichen mit 24 Buchstaben plus Sonderzeichen)
Telefon/Telefax – war beides analog mit Leitungsvermittlung.
ISDN und Paketvermittlung (X25) kamen erst später.
Datenfernübertragung ging mit Modem über das Telefonnetz
(Umwandlung von digitalen Signalen durch Modulation ins Analoge und durch Demodulation auf der anderen Seite der Leitung zurück).
Dann kommt die Digitalisierung auch bei der Übertragung. Im Prinzip geht es da immer um das Abtasten von Kurven in äquidistanten Abständen (Rasterung) – so werden auch die von Töne = Musik = Sprache digitalisiert.
Parallel kam die universale Maschine (Computer), der eben nicht nur rechnen konnte, sondern alles.
Die Büchse der Pandorra hat sich geöffnet.
Es kam die CD 1982, ISDN 1989 (Pilot ab 1979).
CD steht für Compact Disk, hieß eigentlich DD für Digitale Disk.
Beim Einstieg in ISDN hatten Bevölkerung und Bundestag große Angst vor der jetzt einfach möglichen Überwachung! Heute ist ISDN abgelöst – wie TELEX in den 80iger Jahren. Und alles kannmehr oder weniger überwacht werden und wird es je nach Bedarf.
Die Datenverarbeitung wurde auch immer digital und bekam Datensichtgeräte.
Auf der Hannover Messe 1980 hab ich mein erstes farbiges Datensichtgerät gesehen. Es war von Tectronix, sah aus wie ein großer Oszillograph und war so teuer wie ein kleines Reihenhaus in München.
Multiplexen auf einer Leitung wird möglich, dann endlich kommt die Datenfernübertragung auf der Basis von Paketvermittlung (Datex-P X25). Aus den Netzen werden erstmalig „Wolken“ – vorher bestanden sie immer aus vielen Verbindungslinien.
Bildschirmtext war die Zukunft. Die Austastlücke des Fernsehers wurde genutzt. Während der Zeit, die der Kathodenstrahl brauchte um von rechts unten wieder nach links zu gehen, wurden ja keine Daten übertragen. Diese Übertragungslücke wurde genutzt, um Daten in die Fernsehausstrahlung einzubetten. Durch Nutzung eines einfachen Rückkanals konnte man sogar eine interaktive Kommunikation über den Fernseher mit den Bildschirmtext-Rechnern herstellen. Sogar Graphik war möglich, die Codierung einfacher Bilder erfolgt im Zeilen- und Spalten-Bildschirm mit Hilfe von Codes basierend auf alpha- und mosaik-Tafeln. Das Ergebnis war zwar plump und der Seitenaufbau langsam, aber immerhin hat es funktioniert. Trotzdem wurde BTX dann bald überholt, aber zum Anschauen der Fußball-Ergebnisse und einfacher Nachrichten hat es lange Jahre ganz gut gedient.

Ein anderer „Dienst“ – Teletex mit noch leitungsbasiertem Punkt-zu-Punkt- Protokoll (Datex-L) und normierten Datensichtgeräten als Stationen sollte der Nachfolger von Telex werden (auch Leitungs-basierend mit Endgerät Fernschreiber). Dies Projekt scheiterte aber vor Inbetriebnahme.


Einschub:
Zweimal durfte ich auf der IFA (Internationale Funk Ausstellung) in Berlin Fortschritt mit „Gänsehaut-Effekt“ erleben. Das war das Farbfernsehen (60iger Jahr) und die CD (siebziger) Jahre. Da erlebte ich beides Mal für mich „Unvorstellbares“. Die Realität kam wieder ein Stück mehr ins Wohnzimmer, real und virtuell begann sich zu vermischen.


Der technische Fortschritt marschiert:

Das Original-Transistor-Radio meines Vaters. Wir haben es in IF-Blog als Logo für unsere Radiophilosophie genutzt.

Nie werde ich das „Transistorradio“ meines Vaters vergessen. Weil er so richtig glücklich über diese Errungenschaft war. Es war ein kleines Gerät von Grundig mit 6 Transistoren. Es lief auf UKW und MW, war klein, hatte Batterien. Jetzt  hatte überall Empfang – auch im Ausland. Das war wichtig im kalten Krieg.

Das Farbfernsehen kam übrigens 1967. Und war für uns Schwarzweiß-Gucker so etwas wie ein technisches Wunder (obwohl wir das technologische Prinzip im Physik-Unterricht gelernt und auch verstanden hatten.
Zitat dazu:
Zum Start des Farbfernsehens 1967 brachte Körting den preiswertesten Farbfernseher auf den Markt, ein Gerät mit 14 Röhren plus Bildröhre mit Zwei-Trafo-Konzept.

Und dann ging es weiter.
Digitale Musik (die Schallplatte wurde von der CD abglöst, die CD vom iPod integriert über MacIntosh und iTunes).
Das Telefonieren wurde drahtlos und dann auch digital.
Die Kommunikation ging nicht mehr nur synchron sondern auch asynchron.


Einschub:
Hier ein Video von einem meiner gut zu diesen Themen passenden Vortrag am 22. 07. 2011 im Foyer des Funkhaus Bayern in München mit dem wunderschönen Titel:

What’s new, pussycat?“

 


Dann kamen Lösungen, wie wir sie heute noch kennen …

e-Mail
Internet
Bildtelefonie
Social Media, FB, Google, Wikipedia …

Das ist mittlerweile alles ein uralter Hut..

Es kam aber auch viel Unsinn:

Aufbewahrungpflicht von E-Mails, Datensammelwut und Datenschutz.
(bald lächerlich und von gestern weil selbstverständlich geworden)
Es kam BIG DATA als weiteres großes Missverständnis.
Beleg dafür sind Sätze wie „Daten als Erdöl der Zukunft“, „Bigdata engine macht aus Daten Dollars“. Das alles ist bestenfalls Bullshit.
Nebenher hat der Taschenrechner das Rechnen im Kopf, auf Papier und den Rechenschieber abgelöst.
😉 Und demnächst sollen die Auto fahrerlos im Stau dem Manager hinterfahren, der die U-Bahn nutzt, um seinen Termin zu schaffen …

Aber was ist der Trend?
Früher hätte ich geschrieben: snapchat, wechat und Konsorten sind Wegweiser in die Zukunft. Das ist aber auch schon wieder alles ein alter Hut.

Morgen!

Wahrscheinlich betrifft es nur die entwickelten Gesellschaften – die anderen werden eh noch ärmer und werden ganz andere Sorgen haben. Aber bei uns könnte sich Vieles (Alles?) ändern:

Chat kills E-Mail
Podcast kills Post
Audio kills Lesen&Schreiben
Video kills Audio (Telefon)
… ???

Die klassische Form der Mobilität wird sich radikal ändern.
3D wird den Alltag verändern.
Dokumente werden wohl doch bald verschwinden.
Geld wird richtig virtuell werden.
Eigentum, Besitz und Recht werden virtuell werden – mit allen Konsequenzen.

Die goldene Regel ist „Was einfach ist und nutzt, das gewinnt.“

Die Messie-Kultur verlässt die reale Welt (Besitz belastet!) und geht ins Virtuelle.
Man geht weg von Sachwerten, eine gut gefühlte digitale Börse ist wichtiger als komische Sachwerte, die eh nur Stress machen.
Viele Hypes, über die mancher sich heute noch gerne erregt, werden selbstverständlich werden – oder ganz verschwinden.
Die Menschen werden noch mehr über Dinge reden, von denen sie keine Ahnung haben.
Die Maschinen werden bestimmen wo es lang geht.
Neue Werkzeuge werden den Trend bestimmen.
Lernen und Bildung wird sich völlig verändern.
Was passiert mit den Schule und Universitäten? Vielleicht werden ein paar als nostalgische Überbleibsel aus vergangenen Zeiten überleben.
Smart Solutions arbeiten für uns, ohne dass uns das bewusst sein wird.
Smart Solutions werden „shared economy“ ermöglichen, vielleicht retten sie so die Welt? Oder schieben den Untergang zumindest ein wenig hinaus?
Systeme der künstliche Intelligenz werden durch selbstständiges lernen immer schneller immer klüger – und die Menschen dafür immer dümmer?
Neue Technologie kann es auch ohne den Menschen, weil sie selbst direkt mit der Welt kommuniziert.
Gesellschaftlich entstehen „Verschwörungstheorien“ von völlig neuen Dimensionen.
Die Menschen werden immer mehr  Audio, Video und dreidimensionales Erleben nutzen. Die Fähigkeit des quasi „automatischen“ Lesens und Schreibens als selbstverständlich beherrschten Kulturtechnik wird verschwinden. Ein rudimentärer Analphabetismus wird sich entwickeln. Die meisten Menschen werden Lesen und Schreiben genauso verlernen wie sie Kopfrechnen und das Rechnen auf Papier schon seit vor einiger Zeit verlernt haben. Weil man es halt nicht mehr brauchen wird.

Aber welche Technologien spielen schon heute eine wichtige Rolle und werden wohl richtig relevant für die Zukunft werden?
Oder: Auf was sollten wir heute unsere Aufmerksamkeit lenken?

  • Sensoren
    Bis vor kurzem hat die ganze IT immer mit den Menschen oder besten Falls mit anderen „digitalen Systemen“ kommuniziert. Durch den Einsatz von Sensoren kann die IT plötzlich direkt mit der Welt arbeiten – sie braucht den Menschen als Mittler nicht mehr.
  • Smart Solutions
    Smart bedeutet im Kontext mit Lösung die Kombination von „digitaler Technik“ und „sozialer Veränderung“.
    Kurzform: smart = sozial + digital
  • Weiter entwickelte Lösungen, die man heute mit buzzwords wie augmented, merged oder virtual reality bezeichnet.
  • Autonome und integrative Systeme aller Art, wahrscheinlich ganz andere als die an man heute denkt. Also eher nicht das fahrerlose Auto. Lassen wir uns überraschen!
  • Das Problem wird immer die Benutzerschnittstellen sein. Wenn man sich zum Beispiel die schlechten Noten auch für viel genutzte „deutsche Apps“ anschaut, könnte man meinen, dass die Entwicklung von Apps eine gute Zukunft haben wird.

Dann zum Abschluss noch Warnung und eine

These:

Die Zukunft – basierend auf digitaler Technologie – bringt die „Analogisierung“ des Alltages und eine gewaltige gesellschaftliche Veränderung durch Smart Solutions!

Warnung

Digitalisierung ist ein uralter Hut! Das war einmal! Dinge wie Datenschutz sind erledigt. Die Diskussion darüber lenkt uns nur ab, die aktuellen Entwicklungen zu verfolgen. Und die quasi „automatisch“ entstehende gesellschaftliche Veränderung in eine humane Richtung zu steuern.

Darüber lohnt es sich meines Erachtens zu diskutieren und debattieren. Aber bitte zuerst nachdenken!

RMD

Roland Dürre
Donnerstag, der 16. Februar 2017

1985 objektorientiert – heute agil digital lean open social.

Dieses Buch habe ich im Herbst 1985 auf der Uniforum druckfrisch erworben und als erster nach München gebracht.

Vor kurzem habe ich dieses Buch wieder gefunden. Das hat mich daran erinnert, dass ich im Februar 1985 (Dallas, Texas) und 1986 (Anaheim, California) gemeinsam mit Freunden auf Uniforum-Konferenzen war. Es war großartig, die Uniforum war damals die UNIX-Konferenz in USA. Diese hatte Tausende von begeisterten Besuchern, die aus aller Welt kamen. Dort habe ich eine riesige Aufbruchstimmung erlebt.

Es gab damals auch eine kleine Sensation. Druckfrische Exemplare des ganz neuen Buches zu C++ von Bjarne Stroustrup (siehe Foto links) wurden mitten hinein die Konferenz geliefert und direkt von der Palette weg verkauft. Ich habe ein paar Exemplare erworben und mit nach Hause genommen. Das dürften die ersten Bücher zu C++ gewesen sein, die Münchner Boden erreicht haben.

Da ist mir wieder eingefallen: In den 80iger Jahren habe ich immer wieder Vorträge zu Software-Entwicklung gehalten. Ein zentrales Thema war damals der Wandel in der Programmierung, das zentrale Schlagwort immer wieder OBJEKTORIENTIERT.

Ich habe auch als Auftragsarbeit für IT-Manager diverse Vorträge zum Thema „OBJEKTORIENTIERTE Programmierung“ verfertigt. So auch für ein „hohes Tier“ der Siemens AG im UB D bei D AP (oder war das damals schon SNI?). Er hatte den Auftrag, seinem „Führungskreis“ zu erläutern, was OBJEKTORIENTIERTHEIT denn überhaupt so wäre. Der Vortrag kam laut Rückmeldung gut an – genutzt hat es freilich nichts.

🙂 Heute programmiert die ganze Welt „objektorientiert“. Für meinen Geschmack sogar einen Tick zu sehr.

Später habe ich „meine Programmierstiefel“ an die Wand gehängt und bin so etwas wie ein „Unternehmer“ geworden.

Jetzt war ich nicht mehr als Technologie-Evangelist unterwegs sondern habe über Führung und Management gesprochen. Und besonders das „smarte“ Pentagramm der Begriffe „agil“, „digital“, „lean“, „open“, „social“ und deren Zusammenhänge „gepredigt“.

So habe ich berichtet, warum Mut und Freude der Menschen in den Unternehmen eine zentrale Voraussetzung auch für den wirtschaftlichen Erfolg ist. Und begründet, wie notwendig gegenseitiger Respekt und Wertschätzung untereinander (nicht nur) im Unternehmen sind. Warum Augenhöhe und gemeinsames Teilhaben und Verantworten die Voraussetzung für Innovation sind. Und warum Menschen keine „Resourcen“ sind. Und wie man den Wandel nur agil schaffen kann.

„Pro Agil“ auf dem Podium der DOAG Jahreskonferenz in 2013.

Ich habe erklärt, warum Prozesse, Regeln  und Bürokratie die notwendige Veränderung verhindern. Welch hoher Schaden durch „Tayloristische Entwicklungen“ in der Organisation entsteht und wie viel Verschwendung (waste als Gegenteil von „lean“) eine überbordende Verwaltung und die daraus folgende Verbürokratisierung des Unternehmens verursachen. Und dass es keinen Sinn macht, sich in endlosen Besprechungen zu tummeln.

Und dass Abteilungen wie „human resource“, „customer relation ship management“, „marketing“, „legal service“ etc. den Erfolg des Unternehmens eben nicht absichern sondern eher gefährden.

Und dass die jungen und guten Leute lieber für Unternehmen arbeiten, bei denen Vertrauen das zentrale Element ihrer Kultur ist.

Das kann ich alles gut begründen. Habe ich doch selber miterlebt, wie wir Software-Entwickler einen (nach meiner Meinung wesentlichen Beitrag) zu einem neuen Verständnis von Arbeit geleistet haben, der jetzt immer mehr auch in ganz anderen Branchen um sich greift (#newwork). Und so die Welt mit verändert hat.

Ob mein Trommeln für „agil, digital, lean, open, social“ als „smartes“ Pentagramm etwas nutzt? Ich bin mir nicht sicher.

Ich habe auch den Eindruck, dass meine Zuhörer das überwiegend genauso sehen. So würde ich mich freuen, wenn wir in der Deutschen Wirtschaft nicht so viel von Industrie 4.0 sondern mehr von Unternehmenskultur sprechen würden. Ganz gleich ob 2.0 oder 5.0.

Auch die großen Bosse müssen verstehen, dass unsere Unternehmen und wir nur dann gut überleben werden, wenn wir bereit sind unsere Gewissheiten in Frage zu stellen und unsere Gewohnheiten zu ändern.

Ich verstehe ja, dass es weh tut, Hierarchien wie lieb gewonnene Pfründe und gewohnte Strukturen in Frage zu stellen. Besonders wenn man Boss ist. Aber ich bitte zu bedenken: Wir leben nicht mehr in der Welt der Fließbänder von Henry Ford und auch die hohe Zeit der Schlachthöfe von Chicago geht zu Ende.

RMD

P.S.
Den Stern habe ich aus dem zentralen Medienarchiv Wikimedia Commons eingebunden.

Es ist jetzt fünfzehn Jahre her, seitdem in der Münchner Stadtverwaltung konzeptlos auf Kosten des Steuerzahlers mit einer Frickelei begonnen wurde, die rein ideologisch motiviert war und im Chaos enden mußte. Eine post-mortem – Analyse.

„Wann ana deppert is, dann is er bei Disco-Musik genauso deppert wie bei Beethoven.“

Dieses Zitat von Friedrich Gulda reicht eigentlich völlig zur Erklärung der Situation in München aus. Schon mein Vater pflegte zu sagen, „Von mir aus könnte unser Computer eine Waschmaschine sein, mich interessiert nur, ob ich mit den Auswertungen etwas anfangen kann oder nicht“.

Einem Anwender ist es wurschtegal, mit welchem Betriebssystem er arbeitet. Er möchte seinen Job erledigt bekommen und nicht gegängelt werden.

Die Fragestellung in München hätte lauten müssen
„Was wollen wir erreichen? Welches Betriebskonzept wählen wir? Mit welchen Mitteln setzen wir das Betriebskonzept um?“
und nicht
„wie ersetzen wir eine unübersichtliche Windows-Müllhalde gegen eine noch unübersichtlichere Linux – Sondermülldeponie“?

Es gibt nur wenige Unternehmen, die beim Thema „Linux“ so erbärmlich versagt haben wie die IBM. Da lag es natürlich nahe, ausgerechnet von dort eine „Systemarchitekt*in“ anzuheuern. Ich arbeite lieber mit einem bestechlichen, korrupten Chauvi zusammen als einer „bemühten“ IT-Beraterin.

Jeder Mensch, der bis fünf zählen kann, weiß: Nach fünf Jahren ist ein Arbeitsplatzrechner veraltet. Selbst, wenn er noch funktioniert, bekommt man keine Ersatzteile mehr dafür. Das wirklich allerdümmste, was man tun kann, ist jetzt, einem solchen Stück geplanter Obsoleszenz eine „Software Suite“ quasi auf den Leib zu schneidern.

Ganz im Gegenteil:
Wenn jemand mit einem Funken Verantwortung im Leib fünfzehntausend (!) Computerarbeitsplätze neu gestalten soll, dann wird er erst einmal dafür sorgen, daß der Hardware-Lebenszyklus vom Software-Lebenszyklus entkoppelt wird.

Das ist kinderleicht zu erreichen mit sogenannten „Thin Clients“, die vor Ort keinerlei Einrichtung oder Wartung benötigen, weil sie sich einfach mit dem Rechenzentrum verbinden und, gleichsam wie ein Fernsehgerät, ihre Programme von dort beziehen. Die Technik gab es seinerzeit und mit Kurt Pfeifle stand ein hoch kompetenter Berater zur Verfügung.

Was machte man stattdessen? Weil das „Team“ so wenig Ahnung hatte, war es nicht einmal in der Lage, die Schwierigkeiten abzuschätzen, die sich bei der „Eigenentwicklung“ einer Microsoft-Alternative ergeben würde, wurde zusammen mit der Firma „Sedativ GmbH“ auf Gedeih und Verderb losgelegt.

Mir treibt diese unbeschreibliche Arroganz die Galle hoch: Natürlich ist eine „Windows-Suite“ hochkomplexer Sondermüll auf der Basis kaputter Protokolle. Aber anzunehmen, die Microsoft-Entwickler wären Vollidioten und dem eigenen Team würden durch das Nachbauen von Microsoft-Strukturen niemals vergleichbare Probleme entstehen, weil es ja zu den alleinig GUTEN (TM) gehört, das ist nicht mehr einfache, sondern kriminelle Dummheit.

Taliban sind immer unerträglich …
… ob es sich nun um die brunz-dummen, verbohrten Originale handelt oder um „durchideologisierte“ Polit-Funktionäre. Neulich erzählte mir ein Bekannter, daß die Schulverwaltung seinen Kindern untersagt habe, mit dem Fahrrad zur Schule zu kommen. Begründung: Die Kinder hätten ja keinen Helm auf. Natürlich nicht, sinnvollerweise. Und natürlich hat sich die Familie nicht an die Anordnung gehalten. In der Konsequenz bekamen die Fahrräder der Kinder „Hausverbot“ auf dem Schulhof.

Ähnlich dumm-dreist ist es, funktionierende Fachverfahren, die einigermaßen unter Windows laufen, einzustampfen und unter Linux neu zu entwickeln. Auch hier hätte es einfache Alternativen gegeben: Rechner mit Fachverfahren ins Rechenzentrum auslagern und von den Endstellen transparent darauf zugreifen. Dazu gibt es als Beispiel ein einfaches Programm, den RDP-Wrapper, welcher jede Windows-Kiste zum (Vorsicht, Microsoft-Dilettantensprech) „Terminalserver“ macht.

Das Tolle dabei: Man spart sich Lizenzkosten, aber man manipuliert nicht an „Windows“. Wir haben Kunden, die ihre Fachverfahren zur Galvanik-Optimierung von den einzelnen Produktionsstandorten ausgegliedert haben und dadurch gehoben fünfstellig pro Jahr an Softwarelizenzen sparen — bei gleichzeitiger Verbesserung der Wartung und Verfügbarkeit!

Die Milchmädchenrechnung von den „gesparten Lizenzen“
fällt zusammen wie ein Kartenhaus, wenn man bedenkt, wie viele Mitarbeiter und Externe notwendig sind, um das Eigengefrickel mehr schlecht als recht am Laufen zu halten.

Anstatt konsequent zu sein und auch Mitgliedern der Führungsriege aus guten Gründen die „Nutzung“ von „iPhones“ zu untersagen, wird panisch eine Extra-Serverfarm aufgesetzt, damit der Mailserver „apple-kompatibel“ wird. Mit solchen Extratouren richtet man maximalen Schaden an: Einmal sind es die Kosten, dann aber kommen die Wartungseinsätze wegen garantierter Fehlfunktionen.

Small is manageable ….
mit dieser einfachen Prämisse hätte man das Projekt ohne Quotenfrauen und externe Lobbyisten zügig stemmen können. Nach uraltem Vorbild: Anwendungen zentral auf Servern, Zugriff von überall aus. Das ist ein alter Hut, ein funktionierender obendrein, und besonders dumme Trendlemmige nennen ein solches Konzept jetzt „CLOUD“.

Intelligente Menschen lernen aus Fehlern anderer, normale Menschen lernen aus den eigenen …
… aber nur die ganz großen Dummköpfe lernen nicht einmal aus den peinlichsten Momenten ihres eigenen Versagens.

Womit wir beim Ausblick wären:
„Bewährte Partner“ wie „Computacenta“ (das sind die, die als „Compunet“ die Bundestags-Migration epochemachend versiebt hatten und sich daraufhin umbenennen mußten), Bullshit-Produzenten wie Arthur Anderson (mußten sich schon vor längerer Zeit umbenennen wegen der Enron-Pleite) und natürlich der Garant für Desasterprojekte, die T-Systems, stehen ja bereit.

Die werden jetzt aus einer konzeptlosen Linux-Umgebung eine konzeptlose Windows-Umgebung machen. Was kann da schon schief gehen?

-hb

Roland Dürre
Dienstag, der 7. Februar 2017

Hacked By XwoLfTn …

Logo des Chaos Computer Clubs, der einflussreichsten Vereinigung von Hackern im deutschen Raum, bei dem Sicherheitsfragen sein wesentliches Beschäftigungsfeld sind.

Jetzt ist es passiert:
IF-Blog ist gehackt worden. Schon das zweite mal. Jedes Mal ist Folgendes passiert:
Die Überschrift wird überschrieben – und der Text auch. Beim letzten Mal war es mein Artikel America First, der attackiert wurde.

Da wurde die  Überschrift ersetzt durch
Hacked By XwoLfTn
und der gesamte Inhalt überschrieben mit
Hacked By XwoLfTn – Tunisian Hacker

Beim vorletzten Mal hat es meine EURO-Geschichte getroffen. Mit demselben Effekt. Dieselbe Überschrift und derselbe Inhalt.

Die beiden Artikel konnte ich rekonstruieren. So bin ich froh, dass nicht mehr passiert ist. Aber man sieht, es gibt sie wirklich, die Bösewichte im Internet. Der von mir sehr geschätzte Chaos Computer Club (CCC) hat mal wieder recht. Und auch mein Freund Hans Bonfigt.

Leider weiß ich noch nicht, ob es ein Einzeltäter ist, der mich ärgern will oder ein Bot, der da sein Unwesen treibt. Ich vermute eher das Zweite, besonders wenn ich in Google sehe, wie viel Blogs von genau diesem Effekt betroffen sind.

Jetzt werde ich auf jeden Fall zeitnah die neueste Version von wordpress installieren. Und hoffe dass das hilft. Und wenn Ihr Euch mit wordpress auskennt – oder noch besser – wisst, was da passiert ist und was ich dagegen machen kann, dann freue ich mich auf Hinweise!

Lieben Dank im Voraus!

RMD

Die Winderhitzer der Völklinger Hütte.

„Die Winderhitzer der Völklinger Hütte. Auch Vintage.“

Obwohl ich E-Mail für Technik von vorgestern halte, habe ich natürlich noch ein paar E-Mail-Adressen. Da kommt viel Belangloses und Mist an.

Meine Aufgabe besteht dann vor allem darin, diese E-Mails zu löschen und meine „Kommunikations-Partner“ zu bitten, doch modernere Kommunikationsformen zu nutzen.

Heute musste ich aber mal wieder so richtig Schmunzeln. Da kam eine E-Mail von einem lieben und langjährigen Freund, den ich auch fachlich für sehr kompetent halte.

Der hat – an ganz viele Menschen (all@XYZ.de) – geschrieben:


Hi,

könnt ihr uns alle bitte mit dieser für mich vollkommen sinnfreien Diskussion in Ruhe lassen!!!!!

Ich habe meine Meinung zu Mail-Verteilern und interner Mail auch in der Umfrage zu den neuen Kommunikationsformen von mir gegeben.

Das ist ein typisches Beispiel dafür, warum E-Mail unternehmens-intern Blödsinn ist und die E-Mail-Verteiler insbesondere sofort abgeschafft werden sollten.

Mit Absicht an all!


🙂 Bei der „sinnfreien Diskussion“ ging es übrigens um das Problem mit „Akkus von I-Phones“ und deren Umtausch.

Ich habe dann geantwortet:


Deine E-Mail lässt mich schmunzeln. 😊

Bin ich doch genau Deiner Meinung – nur noch radikaler. E-Mail ist kein generelles Kommunikationsmittel mehr sondern ein völlig veraltetes, das man selbstverständlich in modernen Unternehmen nicht mehr nutzen sollte.

E-Mails an Dritte sollte man nur noch senden, wenn es einen Anlass gibt, für den man in vergangenen Zeiten tatsächlich einen Brief geschrieben, ein Telegramm aufgegeben (!) oder eine Telefonzelle aufgesucht hätte.

Alles andere sollte man mit Werkzeugen erledigen, die dem Zweck adäquat sind.

Liebe Grüße und ein schönes Wochenende!


Ja – ich mag E-Mails auch nicht. Oft sind sie mit einem Riesen-Footer ausgestattet, der dann noch künstlich mit viel Quatsch und völlig uninteressanten Hinweisen werblicher Art oder blödsinnigen juristischen Belehrungen verlängert ist.

Ich hasse die E-Mail-Dialoge, die mit jedem Dialogschritt eine immer länger werdende neue Inkarnation der Mail verursachen. Denn mit jeder Antwort entsteht eine E-Mail, wo dasselbe alles noch mal drinsteht ergänzt um die letzte Antwort. In der Ur-Zeit des Internets gab es Versuche, die E-Mail-Kommunikation ein wenig erfreulicher zu gestalten. Da gab es z.B. eine gute Regel, die man tofu nannte. Leider wurde „tofu“ aber nur von wenigen angewendet und ist so gescheitert.

Da Kommunikation erfolgt in der Regel als „Thread“ (Faden).  Spätestens seit dies im Chat perfekt möglich ist, ist E-Mail in vielen Fällen verzichtbar. Im „peer2peer“-Thread sehe ich immer sofort was in der letzten Zeit so alles ausgetauscht wurde. Das gilt auch für Menschen, mit denen ich ganz selten kommuniziere und ist da besonders wertvoll. Threads sind auch gut geeignet, wenn mehr als zwei Menschen gemeinsam kommunizieren wollen. Bei E-Mail führt es dann sofort zur katastrophalen Fluten bedingt durch „cc“ und „bcc“.

Dazu kommt, dass ich alltäglich gerne mit Bildern, Sprachnotizen (Audios) oder kleinen Filmen (Videos) kommuniziere. Wie umständlich ist das bei E-Mail für Sender und Absender? Man schaue sich einfach an, wie bbm, wechat, whatsapp, der „messenger“ von FB oder Skype, die „dm“ (direct message) von Twitter usw.  funktionieren. Von Snapchat, dem System mit der modernsten und einfachsten „Benutzer-Oberfläche“ möchte ich hier gar nicht reden.

Noch besser als chat-Systeme eignen sich „communities“ für die geordnete Kommunikation auch in größeren Teams/Gruppen. Im Internet gibt es viele „communities“ z.B. in Google+, die zeigen, wie es geht. Und wie man mit ganz einfachen Maßnahmen innerhalb einer „Organisation“ vortrefflich und trotzdem sehr strukturiert und hocheffizient kommunizieren kann. Und so auf den E-Mail-Blödsinn verzichtet und nicht dauernd die Nicht-Interessierten oder -Beteiligten voll mit Spam voll schüttet!

Im übrigen:

Auch Telefonieren ist OUT. Ich nutze das Telefon nur noch nach terminlicher Absprache, wenn es etwas Wichtiges zu erledigen gibt und ich mit einem Mitmenschen mit voller Aufmerksamkeit darüber sprechen will. So setze ich das Telefon im Auto oder in öffentlichen Räumen wie Zügen nicht mehr ein. Und auch für Wichtiges nutze ich Telefonie nur dann, wenn Bildtelephonie (Hangout, Facetime, Skype, Cisco, Citrix …) nicht möglich ist, weil mein Gesprächspartner das gute alte Telefon bevorzugt.

🙁 Nur zur Erinnerung. Die Funktion „Telefonieren“ ist auf dem Smartphone auch nur eine App für synchrone Sprach-Kommunikation, die es möglich macht, Verbindung mit Adressen aufzunehmen, die aus „Telefon-Nummern“ (Ziffern) bestehen und mit „voice-over-IP“ ein Telefonat emuliert.

Also:
Wenn mich jemand anruft und ich mich melde mit
„Wer stört denn jetzt schon wieder?“,
dann bitte ich, dies mir nicht übel zunehmen.

Ich bin weiter für jeden erreichbar, der mich braucht: Hier meine physikalische Telefonadresse 0049 171 4850115 (leider sind die symbolischen schon lange aus der Mode gekommen). Aber bitte wirklich nur anrufen, wenn es wirklich wichtig und ganz dringend ist!

Sonst bitte ich zu überlegen, ob es nicht genügt, mir eine asynchrone „(Sprach-)Botschaft“ über einen der Chatter die ich benutze zu senden oder falls es auf ein bestimmtes Thema bezogen ist, diese Nachricht in der entsprechenden Community zu hinterlegen.

RMD

P1070216Wir leben ja im Zeitalter des unverantworteten Geschwätzes. Das erlebe ich besonders intensiv, wenn ich höre, was selbst ernannte Propheten zum Thema Digitalisierung so alles herum spekulieren. Wie viel Unsinn da dabei ist. Dann muss ich auch noch feststellen, wie viele auf den Zug aufspringen und das Gehörte oder Gelesene unkritisch nach plärren. Und so Ängste an falschen Stellen schüren, die von den wahren Bedrohungen nur ablenken. Und erstaunlich wer da alles immer so dabei ist.

Ich persönlich betrachte den „digitalen Wandel“ nur als schlichte Fortsetzung der durch Technik bedingten Veränderung im Zeitalter der kompletten Elektrifizierung des Planeten (oder so). Da ich ihn erlebt und selber mit gemacht habe, versuche ich dem oft von einzelnen geäußerten und von vielen nachgeplapperten Blödsinn entgegen zu treten.

Zum Beispiel ist für mich ein „fahrerloses“ Fahrzeug, sei es ein LKW, Bus oder Auto z.B. nichts anderes als technologischer Fortschritt, bei dem Eisen durch IT ersetzt wird. Die neuen Fahrzeuge brauchen halt keine Schienen mehr, sondern nutzen IT um auch ohne Fahrer an ihr jetzt variables Ziel zu finden. Das ist kein Hexenwerk sondern nur schlichte Ingenieursarbeit.

Ein harmloses Beispiel für Panikmache ist in meiner Bewertung auch die so viel zitierte „Filterblase“. Immer mehr Leute behaupten in Sonntagsreden, dass hier eine große Gefahr droht und wir „von Algorithmen“ manipuliert werden. Ich mache es mir einfach und kopiere einen Text aus dem dazugehörigen <a href=“http://if-blog.de/wp-content/uploads/2015/06/P1070216.jpg“><img class=“alignleft size-medium wp-image-52015″ src=“http://if-blog.de/wp-content/uploads/2015/06/P1070216-300×208.jpg“ alt=“P1070216″ width=“300″ height=“208″ /></a> in Wikipedia (Stand heute – 27. Oktober 2016).


Die Filterblase (englisch filter bubble) oder Informationsblase (englisch informational bubble) ist ein Begriff, der vom Internetaktivisten Eli Pariser in seinem gleichnamigen Buch[1] verwendet wird. Laut Pariser entstehe die Filterblase, weil Webseiten versuchen, algorithmisch vorauszusagen, welche Informationen der Benutzer auffinden möchte – dies basierend auf den verfügbaren Informationen über den Benutzer (beispielsweise Standort des Benutzers, Suchhistorie und Klickverhalten). Daraus resultiere eine Isolation gegenüber Informationen, die nicht dem Standpunkt des Benutzers entsprechen.


Nur – das ist doch nichts Neues!

So habe ich von Kindes an in meiner „Filterblase“ gelebt. Kaum konnte ich lesen, habe ich (zuerst in der katholischen Pfarr- und später in der öffentlichen) Bücherei mir genau die Bücher ausgewählt, die nach kurzer Leseprobe meinem WEIB (Eselsbrücke für Werte, Erwartungen, Interessen und Bedürfnisse) entsprochen haben.

Als Zeitungsleser habe ich schnell die SZ dem Münchner Merkur bevorzugt. Später habe ich gelernt, dass die Zeitungen versuchen genau das zu schreiben, was ihre Leser lesen wollen …

Als Jugendlicher ging ich zu den Treffen der „republikanischen Clubs“ und nicht zur jungen Union und zu den Burschenschaften.

Aufgrund meiner Beschränktheit habe ich mich so selber in meine „Blase“ rein gebracht. Damals hat mich das Radio aus dieser raus geholt. Da kam zum Beispiel an Silvester die Lach&Schieß und hat mich auf völlig neue Gedanken und Meinungen gebracht.

Aus dem Radio als „öffentlichem Rundfunk“ ist das Internet geworden. Ich kommuniziere mit anderen Menschen, lese deren Blogs und höre ab und zu sogar deren PodCasts. Ich bin da ein wenig altmodisch und lese noch, weil  ich nicht immer nur mit Kopfhörern herumlaufen mag. Aber auch mein Verhalten wird die Zukunft nicht beeinflussen. So wird „Audio“ im Wissenstransfer und Meinungsaustauch sicher gegen die „Verschriftung von Information“ gewinnen.

So erlebe ich viel Neues und Neuartiges im Netz. Denn das Internet besteht eben nicht nur aus Google und Facebook sondern vor allem aus den Menschen, die ihre Bewertungen und ihr Leben bloggen und podcasten und mich mit vielen Gedanken versorgen, die in der Tat häufig meine Vorurteile widerlegen und mich zu Toleranz ermahnen. Und so lerne ich, Respekt und Wertschätzung für Meinungen und Menschen zu gewinnen, die ich früher einfach so abgelehnt hätte.

Meine Freunde machen es genauso. In dieser „Bubble“ fühle ich ich sehr wohl. Auf die Algorithmen scheiße ich. Und sehe da auch nicht die große Gefahr. Oft habe ich den Eindruck, dass das Internet als neuer „Buhmann“ von der massiven Manipulation durch Werbung und Lobbyismus ablenken soll. Weil es tatsächlich freier und autonomer macht und so den herrschenden Strukturen und Systemen gefährlich wird. Deshalb wird auch von diesen die Freiheit des Internets nicht so gerne gesehen und so die Einschränkung von Freiheit im Netz mit allen Argumenten begründet – und mögen sie auch noch so dümmlich sein.

RMD

Hans Bonfigt
Donnerstag, der 26. Mai 2016

Atom

Was war der Grund für den angeblichen „Störfall“ in Hamm-Uentrop?

Jede Politik gebiert Kompromisse.
Ein Kompromiss ist der Tod jeder genialen Idee.

Politik verhindert zuverlässig jedes geniale Konzept.

Erinnern Sie sich noch an die Winkraftanlage „Growian“?

In den Siebzigern wurde uns eingehämmert, „mit Windenergie kann man keine systemrelevante Menge an elektrischer Leistung erzeugen“, „höchstens 2%“. Um dies zu „beweisen“, schickten Politik und Industrie einen Großprototypen ins Rennen, dessen Scheitern unausweichlich war – was nebenher der Sinn eines Prototypen ist.

Der Mißerfolg wurde weidlich ausgeschlachtet:
„Die Glocken sollen läuten, es waren nichts als Lügen, der Mensch ist kein Vogel, es wird nie ein Mensch fliegen.  Sagte der Bischof den Leuten“.
Und heute wissen wir, daß Windkraft so unwirtschaftlich und ineffektiv ist, daß Bayern sie explizit qua Gesetz verbieten mußte.

Ist der Name „Transrapid“ noch geläufig? Ja, genau: Das geniale System, das den Stator eines Asynchronmotors quasi auf einer Eisenbahnstrecke abrollt und eine berührungs-, friktions-, führungs- und verschleißfreie Fortbewegung ermöglicht.

Was ist daraus geworden: Nix. Wir bauen weiterhin Schienensysteme aus dem vorvorletzten Jahrhundert: Technik von gestern mit der Technologie von vorgestern. Erbärmlicher Lachschlager am Rande: Als „Kompromiß“ war einmal angedacht, eine Transrapid-Strecke als S-Bahn-Ersatz zum Flughafen München zu errichten.  Ich war ja immer der Meinung, daß die Wahrheit einer bizarren Geschichte nicht im Wege stehen sollte, aber was die „politische Klasse“ an Exkrementen auf das Volk scheißt, nachdem sie den Lobbyistenfraß lautstark verdaut hat, das kann man sich gar nicht mehr selbst ausdenken. Auch nicht nach 24 Stunden Dauerberieselung durch „RTLII“ oder „Helene Fischer“.

Ist der „Wankelmotor“ noch ein Begriff? Jener hätte das Zeug gehabt, den Viertakt-„Zappelphilipp“ zu verdrängen. Aber die Idee verschwand im Nirwana.

Allen Konzepten ist eines gemein:

kompromiss

Wenn Politik und Industrie, also Dummheit, Macht- und Habgier, zusammenarbeiten, dann kommt meistens ein Begräbnis 1. Klasse dabei heraus.

Und so war es auch beim genialen Thorium-Hochtemperaturreaktor in Hamm-Uentrop.

Dreißig Jahre sind eine lange Zeit, aber an die Vorgänge im und um den Thorium-Hochtemperaturreaktor kann ich mich gut erinnern. Um Pawloff-Reflexe vorwegzunehmen: Aus guten Gründen war ich vor 30 Jahren Kernkraftgegner, aus guten Gründen bin ich es heute. Nur habe ich es aus Scham stets vermieden, mich mit dem grünen Dummvolk zu solidarisieren.

Und noch eines möchte ich vorwegnehmen: Ganz bewußt habe ich keine der üblichen „Quellen“ wie Wikipedia und Zeitungsartikel verwendet. Das, was ich hier schreibe, habe ich größtenteils selbst erlebt, und ich war „drin“, beispielsweise im Reaktor-„Core“, dem Teil also, der garantiert noch weitere 30 Jahre „sicher eingeschlossen“ sein wird.

Der Thorium-Hochtemperaturreaktor war der einzige Reaktortyp, der sicherheitstechnisch einigermaßen beherrschbar gewesen wäre. Er war systemimmanent sicher wegen seiner thermonuklearen Eigenschaften:

  • Nach Überschreiten einer Temperatur von etwa 1.200°C ist die Reaktivität rückläufig, selbst bei Ausfall aller Wärmetauscher wäre ein „Durchbrennen“ des Reaktors, dessen Wandungen aus meterdickem Graphit sind, unmöglich, denn dieser hält Temperaturen bis 2.500°C stand.
  • Er wird mit Graphit und nicht mit Wasser moderiert.
  • Er vermeidet austenitischen Stahl, der sich über Jahrzehnte hinweg als nicht ausreichend standfest unter extremer Strahlenbelastung erwiesen hat.
  • Die Ableitung der Wärme erfolgt über sechs unabhängige Wärmetauscher mit einem Helium-Primärkreislauf.  Helium hat eine hohe spezifische Wärme und ist insbesondere ein inertes Gas, das völlig stabil bleibt beim Passieren des Reaktors. Außerhalb des Reaktors war also nicht einmal der Primärkreislauf mit nennenswerter Radioaktivität belastet.

Natürlich wäre auch hier ein „größter anzunehmender Unfall“ möglich gewesen, der ähnlich verheerende Folgen gehabt hätte wie die „Leistungsexkursion“ des RBMK-Reaktors in Tschernobyl: Ein Wassereinbruch im Reaktor. Freilich hatte man alles getan, um einen solchen Fall auszuschließen. Darüber könnte man mehrere Bücher schreiben, so gab es de facto gleich drei Wärmekreisläufe. Unbedingt zu erwähnen wäre auch der Trockenkühlturm – aber all dies sprengt einen Blog-Artikel.

Der THTR war überdies im Betrieb ausgesprochen erfolgreich, er lief insgesamt 1,5 Jahre (es war der erste großtechnische Prototyp). Und natürlich gab es Probleme, insbesondere zwei konzeptionelle:

Brennmaterial und Moderator waren kugelförmig, etwa von der Größe eines Tennisballes. Im hexagonal angelegten Reaktorcore war ein riesiger Kugelhaufen gestapelt. Das Helium wurde im Gegenstrom bei 36 bar Überdruck durch den Kugelhaufen geleitet. Nun ist Helium-4, wie schon erwähnt, nicht nur stabil, sondern verfügt auch über eine hohe spezifische, jedoch über eine sehr geringe molare Wärmekapazität. Heißt für den praktischen Betrieb: Enorme Druckerhöhung bei Temperaturanstieg und geringe Viskosität. Es bildeten sich Heißgassträhnen innerhalb des Reaktors, welche die Heliumleitungen im Reaktor irreparabel (und irreversibel) beschädigten. Gleichzeitig wurden, bedingt durch die Leistungsregelung mit Grahitstäben, welche in den Kugelhaufen eingefahren wurden, weitaus mehr Kugeln beschädigt als vorhergesehen. Der Trümmerbruch und der Staub mußten ausgefiltert werden.

Häufiges Stillsetzen und Wiederanfahren war notwendig, und jedesmal mußte eine nicht ganz unerhebliche Menge an Helium freigesetzt werden, welches allerdings, bedingt durch schlechte Filterung, noch reichlich mit radioaktivem Staub kontaminiert war. Es gab eine gesetzlich untermauerte Regelung, daß ein Kernkraftwerk pro Betriebsjahr nur eine ganz bestimmte Menge Radioaktivität freisetzen durfte. Bei vielfachen In- und Außerbetriebnahmen war diese Menge schnell erreicht.

Es waren bereits effektivere Filter bestellt und m.W. waren diese sogar schon eingetroffen, jedoch noch nicht eingebaut.


Und dann passierte:  Nein, nicht Tschernobyl…

… das sicher auch, aber der Todesstoß für den THTR kam von Jimmy Carter:

Der THTR arbeitete mit hochangereichertem, sprich waffenfähigen Uran. Und zwar in rauhen Mengen, knapp zwei Tonnen waffenfähiges U235 lagerten in Hamm-Uentrop. Möchte mal wissen, wo das Zeug heute herumgammelt, wer weiß, vielleicht in einer Scheune in Südfrankreich, wie damals das Seveso-Gift ?

Nun war den Amerikanern aufgefallen, wie schlampig speziell die BRD mit Nukliden umging (siehe die groteske „Asse“-Situation) und die Allah-Anbeter wurden auch nicht dümmer. Vor dreißig Jahren konnte man sich für ein minimales Bakschisch hochbrisanten Militärsprengstoff aus Bundeswehrbeständen „kaufen“. Der wurde einfach bei einem Manöver irgendwo vergraben und später abgeholt. Mit etlichen tausend Mark wäre man ganz sicher auch an das U235 gekommen.

Und da haben die Amerikaner halt die Notbremse gezogen, zumal sie Kohl und Genscher verständlicherweise abgrundtief verachteten. Strauß wollte das inkarnierte Fähnlein im Wind ja für die ISO vorschlagen, „1 Genscher := Maßeinheit für politische Unzuverlässigkeit“.

Neuen Brennstoff gab es nicht.

Der THTR hatte noch Brennstoff für zwei Jahre, und dann hätte man ihn mit einem komplett anderen Material betreiben müssen, was den thermischen Wirkungsgrad unterirdisch verschlechtert hätte.

Naja, und unerfreulicherweise gab die äußere Betonhülle Wasser an das Graphit des Reaktorcores ab, welches prächtig reagierte.

Sic stanitbus rebus: Operation geglückt, Patient wirtschaftlich tot.


Und dann, zur Freude der Betreiber …

geschah das Unglück von Tschernobyl und die Stimmung im Land kippte schlagartig. Der RBMK wurde ja mit Graphit moderiert, genau wie der THTR!!!1! Oh mein Gott!!! Apropos: Das ganze dumme „Christen-“ und „Grünen“-Stimmvieh zog in die Schlacht. Mann, mann, mann, war das peinlich. Mich deucht, das Einzige, was uns die sogenannten „Flüchtlinge“ an „Bereicherungen“ beschert haben, sind die Christenverfolgungen. Sollte man ausbauen. Nachhaltig. Ein- oder zweimal habe ich auf einem evangelischen Kirchentag versucht, mit „Anti-AKW-Aktivisten“ zu diskutieren – das ist von vornherein sinnlos, wenn „Glaube“ im Spiel ist. In diesem Zusammenhang möchte ich noch auf einen brillanten if-blog – Artikel von Klaus-Jürgen Grün verweisen, Kirchen tagen. Und wenn die Nachkriegs-SPD ja insgesamt widerlich opportunistisch war, in Nordrhein-Westfalen kultivierte sie über Jahrzehnte diesen Opportunismus zur abstrakten Kunstform. „Atom“, das ging jetzt gar nicht mehr.

Und endlich hatte man eine Möglichkeit gefunden, aus dem schwierigen und längst unrentablen Projekt auszusteigen, es fehlte nur noch ein „Paukenschlag“.

Nun wird in der „Lügenpresse“ behauptet, sinngemäß, „Die Techniker wollten ihren radioaktiven Müll dezent loswerden“. Ja, natürlich wollten die das. Aber die waren nicht dämlich, gingen nicht in die Kirchen und wußten stattdessen:

  • man würde 233Pa finden, ein THTR-spezifisches Spaltprodukt und
  • zudem ein Tritiumnuklid, welches entsteht, wenn der verschwindend kleine Restanteil Helium-3 im Kühlkreislauf unter Neutronenbeschuß reagiert.

Kein Einbrecher hinterläßt seine Visitenkarte auf dem Wohnzimmertisch.

Es sei denn, er möchte, daß sie gefunden wird.
Ja, und so wurde es dann auch gehandhabt, man entließ kubikmeterweise kontaminierten Reaktorstaub und Aerosole in die Atmosphäre. Und alle waren zufrieden:

Die Presse hatte ihren geliebten Skandal, der Schuldige war schnell gefunden, nämlich das böse THTR – Prinzip, der Steuerzahler durfte für den Abbruch aufkommen (und darf das auch weiterhin bis 2050)  —  und die „Grünen“ hatten ihren „Sieg“. Last but not least: Die VEW konnte wieder „sichere“ Leichtwasserreaktoren bauen.  Denn das Tschenobyl-Odium klebte jetzt am bösen THTR, nicht aber an den bekannt unsicheren Leichtwasser-Zeitbomben.

Zusammenfassend:

Opportunismus und wirtschaftliche Erwägungen stellen eine erhebliche Gefährdung sinnvoller Projekte dar. Kommt jetzt noch „Zeitgeist“ oder „Volkswille“ hinzu, dann kann man jedes Projekt gleich einäschern.

Wenn ich heute an so mancher Ruine vorbeifahre, sei es die Maxhütte in Sulzbach-Rosenberg oder der THTR in Schmehausen, dann werde ich ganz traurig und mir kommen die letzten Zeilen von Brechts anachronistischem Zug in den Sinn,

Und der Wind in den Ruinen/singt die Totenmesse ihnen,/die dereinst gesessen hatten/hier in Häusern/Große Ratten/schlüpfen aus gestürzten Gassen/folgen diesem Zug in Massen/“Hoch die Freiheit“ piepsen sie,/“Freiheit und Democracy“.

hb