Roland Dürre
Mittwoch, der 15. Mai 2019

Die wahren Probleme unserer Welt?!

Zwischen Ruinen. In Südgeorgien.

Ich lese oft, dass wir agil und digital werden müssen, weil alles so „vuca“ wäre. Aber ist das nicht ein Luxus-Problem?

Es gibt doch auch ernsthafte Sorgen. Als Folge von Entwicklungen, die vielleicht sogar das Leben an sich bedrohen.

Zurzeit steht die Klimakatastrophe im Zentrum unserer „medialen“ Sorge. Es geht darum, dass die Erwärmung des Planeten verursacht und beschleunigt wird durch die maßlose und immer noch steigende Freisetzung von Kohlendioxyd durch den Menschen und seiner Maschinen.

In einem Dialog mit einem wissenden Menschen ist mir bewußt geworden, dass es noch viel mehr kritische Punkte gibt als nur die von der Verbrennung der fossilen Rohstoffe verursachte Veränderung des Weltklimas.

Ich meine, dass die Ursachen für die vorhersehbaren Probleme geistig und materiell sind. So liste ich mal auf, welche Geisteshaltung dahintersteckt und welche Auswirkungen diese auf unseren Planeten hat. Und nehme immer kurz ganz persönlich Stellung, wie ich da mein eigenes Verhalten einordne.


Als „systemische“ Ursachen für die Misere habe ich zwei (Haupt-)Gründe gefunden.

  • Konsumismus und Kapitalismus
    Die menschliche Gier, unsere Freude an Bequemlichkeit und unsere Jagd nach besonderen Erlebnissen scheint mir eine wesentliche Ursache für die betrübliche Entwicklung unseres Planeten zu sein.
    Wenn ich mein eigenes Leben hier einordne, dann habe ich ein Problem. Ich habe über Jahrzehnte Konsumismus praktiziert und bin auch heute noch dabei. Viele Jahre habe ich viel zu viel Zeug gekauft. Vom kapitalistischen System habe ich profitiert, mein Leben hat es gut mit mir gemeint. Ich kann mich nicht beschweren, außer dass die Welt jetzt ziemlich kaputt ist.

 

  • Fixierung auf Wachstum
    Die Wachstumsprediger habe ich schon in der Schule nicht verstanden. Da war ich schon immer der skeptische Aussenseiter. Das Wachstumsdenken ist nach meiner Meinung absolut kurzsichtig und dumm, besonders im globalen Maßstab. Die Annahme, Wachstum könne unsere Probleme lösen, ist Ursache der Selbstzerstörung der Menschheit.

 

Jetzt zu den konkreten Folgen und physischen Ausprägungen:

  • Rüstungsindustrie und Krieg
    Diese Kombination erscheint mir als das größte aller Übel, die unsere Welt schädigen. Ich meine, wir zerstören uns hier selber maximal und das immer noch mit steigender Tendenz. Bei uns in Deutschland zerstört die Bundeswehr unsere Umwelt sogar im Frieden.
    Warum kapieren die Menschen nicht, dass Rüstung und Kriege nicht nur grausam und unsinnig, sondern auch schlichtweg dumm sind?
    Ich selber bin überzeugt, dass eine Zivilisation sich als solche nur bezeichnen darf, wenn der individuelle wie kollektive Verzicht auf Gewalt zum selbstverständlichen handlungsleitenden Wert geworden ist und meine, dass diese Utopie zu erreichen ist. Und gehe sogar davon aus, dass die Menschheit mehrheitlich dies will und dies so auch möglich ist.
    Um Kriege zu vermeiden, muss man die Rüstungsindustrie abschaffen. Denn die Analyse der Kriege zeigt, dass Kriege immer gemacht worden sind. Mir scheint da oft eine unheilvolle Allianz von Geheimdiensten und Rüstungsindustrie zu existieren. Die Rüstungsindustrie braucht den Krieg, die Geheimdienste implementieren ihn.
    So bin ich betroffen, dass Bayern den mit Abstand größten Anteil an den deutschen Rüstungsexporten hat.
    Ich selber bin hier ethisch gescheitert. Schon bei der Gründung der InterFace Connection und später gemeinsam mit unseren Mitarbeitern haben wir beschlossen, dass unser Unternehmen keine Aufträge für die Rüstungsindustrie annimmt. Wie sich dann unser Unternehmen – vom Markt erzwungen – vom Produkthersteller zum Dienstleister transformieren musste, wurde das durch einen Auftrag von einem Panzer herstellenden Unternehmen wesentlich erleichtert. Der schöne Vorsatz wurde dann der wirtschaftlichen Realität geopfert. Obwohl es wahrscheinlich nicht notwendig gewesen wäre.
    So meine ich, dass ohne Auflösung der Rüstungsindustrie und dem Einstellen aller Kriege die Rettung des Planeten nicht möglich sein wird. Prio EINS ist also die Einführung eines globalen Friedens.

 

  • Vermüllung des Planeten
    Ich weiß nicht, was dem Planeten mehr schadet. Ist es der von uns geschaffene radioaktive Müll, das in die ganze Welt verteilte Plastik oder die allgemeine Verteilung der Elemente des Perioden-Systems in die Umwelt?
    Mein Beitrag zu diesem Problem ist da. Schon seit Jahren kaufe und esse ich mehrheitlich keine Nahrungsmittel mehr, die wie z.B. Joghurts und sonstige Milchprodukte in einem Plastikbecher oder Tetrapak verpackt sind. Auch Flüssigkeiten (gleich ob Bier, Wasser oder Dosenmilch) oder Nahrungsmittel aus Pet-Flaschen oder Dosen meide ich, wie der Teufel das Weihwasser. Manche meine Mitmenschen schmunzeln da über meine Eigenheit.
    Nach meiner Erfahrung kann man auf die meisten Plastikverpackungen und Dosen wirklich gut verzichten. Darüber hinaus sehe ich immer noch beliebig viel Verschwendung. Ich esse immer gerne Essiggurken, und jedes Mal empfinde ich die Vernichtung des wunderschönen Glases mit Deckel als unsinnig. Auch wenn das Glas recycelt wird. In meiner Kindheit war das Einweck-Glas eine wertvolle Ressource. Und die Mutter hat jedes Jahr Essig-Gurken eingemacht.

 

  • Jetzt kommt das Kohlendioxyd-Thema
    Dass es eine Korrelation von Erwärmung der Atmosphäre und der Höhe des Kohlendioxydanteils gibt, ist mittlerweile akzeptiert. Ein paar bezweifeln noch, dass die Kausalität beim Menschen liegt, der das Kohlendioxyd freigelegt wird.
    Mein Beitrag ist immer noch unteroptimal. Am positivsten ist, dass ich auf das Auto zumindest in der Form verzichte, dass ich schon seit Jahren keine Autofahrt mehr gemacht habe, bei der ich alleine im Auto oder im Taxi war. Das hat mir gezeigt, dass man zumindest als Einzelreisender auf das Auto absolut verzichten kann. So bin ich individuell nur noch mit dem Fahrrad und dem ÖPNV unterwegs. Und fühle mich damit überhaupt nicht im Nachteil, im Gegenteil es tut mir gut. Auch Einkaufen geht mir dem Fahrrad sehr gut. Mein Allgemeinbefinden hat sich durch das Streichen des Autos für mich als Mobilitäts-Werkzeug psychisch wie physisch deutlich verbessert.
    Andere Sorgen begleiten mich noch. Zum Beispiel das Fliegen. Die letzten Jahre habe ich immer mehrere Langstreckenflüge gehabt. Immer zu einzigartigen Zielen, die mir unheimlich viel gegeben haben.  Hier fällt mir der Verzicht – im Gegensatz zum Auto – sehr schwer.  so weit wie möglich zu reduzieren.

 

  • Ende der Artenvielfalt
    Das Ende der Artenvielfalt bedeutet für mich so etwas wie der Beginn des Endes des Leben. Warum sollte der Mensch als einziger überleben, wenn die Biologie in ihrer Vielfalt nicht mehr funktionieren kann. Das klingt doch sehr unlogisch.
    Meine Beiträge halten sich im Rahmen der Möglichkeit eines Bewohner eines Häuschens mit einem kleinen Garten. Kein Gift für den perfekten Rasen und die richtigen Pflanzen fürs Leben.

 

  • Ernährung
    Heute ist für viele Menschen eine Mahlzeit ohne Fleisch gar nicht mehr denkbar. Deutschland ist zu einem der größten Fleischexporteure der Welt geworden.
    Ich meine, das macht doch keinen Sinn. Tierfabriken produzieren auf unappetitliche und grausame Art und Weise als industrielles Massengut. Mit Kalorien aus der ganzen Welt.
    Wie ich jung war, gab es in der Familie in den fünfziger Jahren nur am Sonntag den danach benannten Braten. Werktags waren in der Regel fleischlose Mahlzeiten angesagt. Dann kam in kleinen Schritten der Wohlstand. Am Dienstag Abend wurden die „Wiener Würstchen“ und am Freitag ein geräucherter Hering zum festen Bestandteil des Speiseplans. Das war noch etwas besonderes. Und dann ging der Wahnsinn los …

 

  • Bodenverbrauch
    Ganz gleich ob es für Verkehr, Wohnen, Fabriken oder Energie ist, wir vernichten täglich Boden ohne Ende. Manche von uns haben zwei Wohnungen, die meisten dann noch einen Arbeitsraum dazu. Die Wohnungen werden laufend größer. Eine Einzelperson braucht mindestens ein Zweizimmer-, ein Paar eine Vierzimmerwohnung. Senioren bewohnen alleine das Haus zu Ende zu Ende. Der Wohnraumbedarf wird pro Kopf jedes Jahr größer.
    Ich bin froh, dass uns gelungen ist, unser schönes großes Haus nach dem Auszug der meisten Kinder aufzugeben und in ein kleineres umzuziehen.

 

  • Regulierung der Flüsse
    Gerade habe ich wieder eine Studie gelesen, wie verheerend die Folge der Regulierung der Flüsse auf unsere Welt sind. Allein das war schon eine sehr nachdenklich machende Geschichte.
    Ich bin öfters am Main entlang geradelt. Auch an den schiffbaren Teil. Und wundere mich immer, wenn ich in Sommerhausen auf der Terrasse der „Gaststätte Anker“ sitze, dass ich so selten ein Schiff sehe. Das dann meistens ein Fluß-Kreuzfahrer ist. Dabei sollte hier der ganze Verkehr vorbeiziehen, für den der Rhein-Main-Donau-Kanal als die wichtigste Schiff-Fahrtstraße gebaut und die Donau ausgebaut wurde. Ähnliches denke ich mir, wenn ich an das neue Schiffshebewerk Niederfinow für den Verkehr auf Neiße und Oder denke.
    Hier kann ich wahrscheinlich nicht mehr dazu beitragen, als gegen den immer wieder versuchten weiteren Ausbau der Donau zu sein.

 

  • Wasser
    Wasser ist Basis von Leben. Trotzdem vernichten und beschädigen wir in großem Stil unser Trinkwasser in großem Stil.
    Ich bemühe mich, Wasser zu sparen. Das hat mir schon mein Großvater beigebracht. So versuche ich, der Verschwendung entgegen zu wirken. Wenn ich Schwimmen gehe, dann dusche ich halt nicht zu Hause. Wie ich meine, dass einmal am Tage gründlich waschen genügt. Wir haben drei vom Dach gespeiste große Wasserbehälter und nutzen diese, um den Garten zu gießen. Leider habe ich es noch nicht geschafft, die Toilettenspülung weg von Trinkwasser auf Brauchwasser umzustellen.

Die konkreten Bedrohungen sind vielfältig.

Das Thema mit dem Kohlendioxid steht bei mir nur an 3. Stelle. Eigentlich ist das egal, weil alles zusammengehört und ohne eine Veränderung unseres „mind sets“ (vielleicht zu übersetzen mit „Handlungs-Mentalität“) im Sinne von Abwendung von Konsumismus, Kapitalismus und Wachstumsglaube wird keine erfolgreiche Wende möglich sein. Allein die „geistige Veränderung“ dürfte eine kaum zu bewältigende Herkules-Aufgabe sein.

Alle konkreten Bedrohungen (Rüstung, Vermüllung, Kohlendioxid, Artenvielfalt, Ernährung, Bodenverbrauch, Regulierung der Flüsse, Wasser …) hängen zusammen. Wahrscheinlich gibt es noch mehr. Wir müssen alle angehen und dürfen uns nicht nur auf ein Thema wie Kohlendioxid kaprizieren. Eine Umstellung unseres Lebensstiles wird Teil der Transformation sein müssen. Es geht um das gesamtheitliche Umdenken und Verändern unseres Lebens. Die Frage könnte sein: Lohnt das sich noch – oder sollen wir lieber noch ein wenig auf dem Vulkan tanzen?

Mein Verstand sagt mir, dass es für die Rettung schon zu spät ist.

Im Anthropozän wurden Entwicklungen eingeleitet, die sich verselbstständigt haben und Folgeentwicklungen bewirken werden, die die ganz große Katastrophe erst noch auslösen und den Untergang wahrscheinlich beschleunigen werden.

Mein Gefühl sagt mir, dass Resignation der falsche Weg ist.

Deswegen darf es auch kein „WEITER SO“ geben und wir sollten „eine große Transformation“ zumindest probieren. Soll diese Transformation gelingen sollen, wird sie ALLES verändern müssen. Dies wird nur global funktionieren und muss extrem lokal beginnen.

Und ich meine, wir sollten es gemeinsam probieren! Und wundere mich, dass Politik, Wirtschaft und viele gesellschaftlich relevante Institutionen gar nichts dazu beitragen.

RMD

Roland Dürre
Sonntag, der 28. April 2019

Die Löcher in der Hose!

Am schönsten ist es, wenn man nackt sein kann.

Sommer ist schön.

Da muss man meistens nicht so viel anziehen. Im Frühling, Herbst und Winter jedoch ist in unserer Region Kleidung wichtig. Weil wir sonst schnell mal krank werden.

Und da wir im Wohlstand leben, habe ich wie die meisten Menschen hierzulande viel zu viel Zeug im Kleiderschrank.

Ausmisten fällt mir schwer.

Das hat mehrere Gründe … Zum einen tut es mir leid um gut erhaltene Kleidungsstücke. Es könnte ja mal eine Gelegenheit geben, wo das Kleidungsstück genau das richtige wäre, selbst wenn ich es seit Jahren nicht mehr angezogen hatte. Ich bin auch sparsam und mag gut erhaltene Dinge nicht einfach vernichten. Zudem hängen da oft Erinnerungen daran. Das gilt auch für Handtücher, Bettwäsche und andere Textilien.

Schlampig rumlaufen ist böse.

Als Kind hat meine Mutter mir ziemlich energisch beigebracht, dass ich nicht schlampig rumlaufen soll. Da musste ich öfters eine geliebte Hose wegwerfen, nur weil am Knie ein Loch war. Und geflickte Hosen auch waren schlampig. Zudem signalisierten sie Armut. Damals wollte man alles, aber nicht arm sein.

Die Erziehung hat funktioniert.

So habe ich später sehr darauf geachtet habe, keine beschädigte Kleidung zu tragen. Habe viele Anzüge und Krawatten gekauft. Wollte immer schick gekleidet sein. Kurze Hosen waren die Ausnahme in der Freizeit. Die waren ja auch im Business unvorstellbar.

Das hat sich geändert. Heute ziehe ich – sobald es halbwegs warm ist, nur noch kurze Hosen an. Wenn meine kurze Jeans abgefuckt ist und ein paar Löcher hat, dann bin ich stolz darauf. Zeigt das doch, dass ich mittlerweile die Dinge nicht mehr wegwerfe. So ziehe ich auch gerne „ausgewaschene“ Pullover und T-Shirts an.

Und werde immer noch geschimpft, wenn ich so rumlaufe. So wie als Kind, nur dass es heute nicht mehr meine Mutter ist, die mich schimpft. Weil die schon tot ist.

Schimpfen hilft bei mir nicht mehr so richtig.

Da freue ich mich drüber. Und auch im Urlaub mache ich um jeden T-Shirt-Laden einen großen Bogen.

RMD

Roland Dürre
Freitag, der 19. April 2019

Das wahre Gesicht unserer Politiker.

Auch ein Grund für meine Politik-Verdrossenheit.

Die Farben des kapitalistischen Feudalismus …

Jeder weiß, dass Fliegen die Umwelt besonders stark beeinträchtigt und die Klima-Katastrophe wesentlich befördert.

Die Bundeswehr hat (deswegen) eine eigene Flugbereitschaft. Die hat früher mal dem Transport von Truppen und Material gedient.

Heute bringt sie Politiker (und wie ich annehme hohe Offiziere und Generäle) an Ziele, an diese meinen dringend erreichen zu müssen.

Wie über die meisten technischen Sparten der Bundeswehr hört man, dass auch diese Einheit in einem schlechtem Zustand wäre. Immer wieder lesen wir von Ausfällen und Beinahe-Unglücken. So ist vor kurzem eine Global 5.000 (Hersteller Bombardier) kurz nach dem Abflug instabil geworden und musste umkehren und notlanden, wobei immerhin beide Flügel am Boden aufschlugen.

Interessanterweise hätte genau diese Maschine einen Tag darauf unseren Bundespräsidenten von Berlin nach Stuttgart bringen sollen, weil dieser am 17. April in Heilbronn die Buga eröffnen sollte.

Jetzt kann man die Frage stellen, wie wichtig die Buga ist und ob da unser Bundespräsident unbedingt eine Rede halten muss. Immerhin gäbe es ja wichtigere Aufgaben, wo er sich engagieren könnte. Aber sei es drum, wenn die BUGA ihn ruft, dann ist halt die Frage, ob er dafür extra einen eigenen Jet benutzen muss.

Als kürzeste Verbindung mit der Bahn von Berlin nach Heilbronn habe ich 5 Stunden und 47 Minuten gefunden. So schlecht ist das ja gar nicht. Es wäre interessant zu prüfen, wie lange die Reise mit dem Staatsflieger dauert. Mit Umsteigezeiten usw.

Allerdings muss man bei der Bahn eine hohe Wahrscheinlichkeit für Unpünktlichkeit einrechnen. Aber vielleicht kriegt die DB der Zug ja pünktlich, wenn ein wichtiger Staatsrepräsentat wie der Bundespräsident an Bord ist? Dürfte ja selten genug der Fall sein.

… der mittlerweile ganz Europa unter Kontrolle hat.

Auf dem direkten Weg beträgt die Entfernung zwischen Berlin und Heilbronn 478 Kilometer.  In China (oder auch Frankreich) macht das ein Zug in 2 – 3 Stunden.

So weit sind wir noch nicht, so braucht auch der ICE von München nach Hamburg (781 Kilometer) 5 Stunden 35 Minuten, der TGV von Paris nach Marseille (765 Kilometer) dagegen nur 3 Stunden 11 Minuten (Quelle Spiegel).

Das macht einen Unterschied von gut 2 Stunden 20 Minuten auf gut 750 km. Dieser Sachverhalt wäre schon wieder eine Anfrage an das Deutsche Verkehrsministerium wert, wie so etwas passieren konnte. Auf den Autobahnen soll es übrigens ähnlich aussehen – obwohl es in Frankreich eine allgemeine Geschwindigkeitsbegrenzung auf Autobahnen gibt.

Trotzdem könnte man auf den Gedanken kommen, Fernreisen in Deutschland mit dem Zug und nicht dem Flieger durchzuführen. Und wenn die Verbindung mit dem Zug so schlecht ist, dass es wirklich nicht zumutbar ist, dann könnte man auf die Idee kommen, einem Platz in einem „normalen Flieger“ zu nehmen, der „eh fliegt“.

Jetzt wird ja der Frank-Walter Steinmeier noch als halbwegs integrer Politiker wahr genommen. Obwohl das Gemauschel bei seiner Wahl mich irretiert hat. Und er bei der SPD ist. Aber vielleicht wurde er ja Bundespräsident, weil er bei der SPD gestört hat.

Wie schön wäre es, wenn ein Politiker, der in ein wichtiges Amt gekommen ist, auch ein wenig über die Zukunft des Planeten nachdenkt? Und dann vielleicht auch symbolische Zeichen setzen würde, indem er unnötige Reisen sein lässt und keinen eigenen Flieger für sich nutzt. Das wäre dann ein Beleg für Integrität.

Ein Umdenken bei der Flugbereitschaft der Bundeswehr würde ich mir auch wünschen. Als Antwort auf die Kritik an ihrem Flugpark hört man, dass das alles ja schon gelöst wäre, weil ja schon drei neue Flieger bei Airbus bestellt wären.

Die fast verunglückte Maschine war übrigens keine 10 Jahre alt. Dazu habe ich gelesen, dass dies für ein Flugzeug kein Alter wäre. Weil Flugzeuge viel länger leben würden. Das heißt, die Flugbereitschaft geht bei ihren Investitionen davon aus, dass sie noch für ein paar Jahrezehnte Politiker und Generäle privatmaschinenähnlich durch die Gegend fliegen wird. Was da wohl die Kinder dazusagen werden, die jeden Freitag für unseren Planeten protestieren gehen?

Für mich (und wahrscheinlich auch für die kommenden Jungwähler) wird wählen noch schwieriger. Mag ich doch nur noch Menschen wählen, die eben nicht – sobald sie was sind – den Regierungsflieger wie selbstverständlich nutzen und sich wie kleine Kinder über die große Staatslimousine (und das sogar öffentlich vor der Kamera!) freuen. Weil sie jetzt am Ziel sind und für ihren Jahrzehnte langen Einsatz als fleißiger Parteisoldat belohnt werden.

Ich würde lieber Menschen wählen, die trotz ihrer feudalistischen Position weiter mit dem Öffentlichen Personen Nachverkehr (ÖVNP) und/oder mit dem Fahrrad unterwegs sind.

Wobei ich erlebe, dass für die meisten Politiker das Nutzen des ÖPNV gegen „ihre Menschenwürde“ ist, so wie das Tempolimit auf den Autobahnen gegen den „gesunden Menschenverstand“. Menschen, die eine solche Vorstellung von „Menschenwürde“ und „Menschenverstand“ haben, werde ich nicht wählen.

Ganz kurz formuliert:

Ich würde mir wünschen, dass der oberste Repräsentant des Staates durch sein Handeln zeigt, dass er die Probleme der Menschen ernst nimmt und beispielhaft vorangeht. Und eben nicht seine „Dienstreisen“ mit einem eigenen Flugzeug wahrnimmt. Wenn er fliegen muss, weil das Ziel in einem anderen Erdteil liegt und der Termin von wirklicher Relevanz ist, gönne ich ihm in einem Linienflieger die „business class“. Aber ein eigenes Flugschiff? Anstelle des Führersonderzugs?

Und in eigener Sache habe ich mir vorgenommen, mein Flugverhalten weiter zu verbessern. Innerdeutsche Flüge habe ich schon eine Ewigkeit nicht mehr gemacht. Langstreckenflüge hatte ich in der Vergangenheit zu viele. In 2019 werde ich sie deutlich reduzieren. Und weiter versuchen, sie tendenziell auf Null zu bringen. Und mit meinen Radeltouren werde ich mich auf Bayern, Deutschland und Nachbarländer reduzieren. Halt nur noch Ziele anpeilen, wo ich mit dem Zug gut hinkomme. Also kein Cuba und ähnliches mehr.

RMD

Ich bin gerne auf See und am Meer, weil die Seeluft meinem Hals gut tut. Seit mir als Kind die Mandeln entfernt wurden, leide ich unter mehr oder weniger chronischen Halsschmerzen. Doch nach ein paar Tagen Seeluft sind diese weg.

Das Glück des Meeres (Foto © Luc Bosma, Bonaire)

Wenn Barbara und ich mit dem Schiff fahren, dann versuchen wir eine Kabine mit Balkon zu bekommen. Und durchträumen die Nächte auf See bei offener Balkontür, atmen die frische Luft des Meeres ein und genießen das Rauschen des Wassers. So auch auf der letzten Karibik-Tour.

Das Schiff fährt nachts von einer Insel zur nächsten. Da die Inseln oft nicht weit auseinander liegen, pflügt das Schiff meistens extrem langsam durchs Meer. Trotzdem legt das Schiff am Morgen noch vor dem Sonnenaufgang im Zielhafen an, denn in der Karibik sind im Dezember die Nächte lang.

Jeden Tag in der früh kommt dann Schock. Die Luft beginnt zu stinken, es wird laut und künstliches Licht dringt in die Kabine. Es ist der unerfreuliche Dreiklang der Zivilisation, mit dem diese uns empfängt.

Zuhause in Neubiberg stinkt und lärmt es Tag und Nacht. So richtig dunkel ist es nirgends mehr. Immer leuchtet eine blöde Strassenlampe oder Leuchtreklame ins Haus. Und am Himmel sieht man die Sterne kaum mehr.

Obwohl ich eher privilegiert wohne, gilt das auch für mein Zuhause. Mit offenen Fenstern schlafen ist mir schon allein aufgrund des brummenden Lärms der peripheren Großstadt rund um die Uhr nicht möglich.

Die Einnahme von Schlaftabletten lehne ich ab, besonders wenn sie zum Bestandteil des normalen Lebens wird. So sind geschlossene Schallschutzfenster und Verdunkelung angesagt. Ich habe mich daran gewöhnt, finde das trotzdem aber gar nicht gut.

Wenn ich das Haus mit dem Fahrrad oder zu Fuß in Richtung Ottobrunn verlasse, bin ich schnell auf Straßen wie der Putzbrunner oder Rosenheimer Landstrasse. Dort fällt mir das Atmen schwer und das Überqueren wird zum Abenteuer. Und auch an den bayerischen Straßenrändern liegt der Müll – so wie wohl überall auf der Welt.

Beim Zurückkommen in die Heimat stellen sich mir dann schnell wieder Sinnfragen:
Brauchen wir den „Motorisierten Individual Verkehr“ (MIV) wirklich? Macht uns der ganze Konsum-Schnickschnack wahrhaftig glücklich? Wünschen wir uns nicht ein weniger von Effizienz und Profit bestimmtes Leben? Wie können wir uns von der permanenten Manipulation befreien? Wäre es nicht besser, einfach zu leben und das Leben nicht zu einer hektischen Jagd nach materiellen Gütern verkommen zu lassen?

Um eventueller Kritik gleich entgegen zu kommen:
Wer wie ich in die Karibik fliegt und dort mit dem Schiff im Kreis fährt, nur um neun Inseln zu besuchen und die Wärme und das Meer zu genießen, der hat natürlich kein Recht sich über den MIV-Fahrer zu beschweren, der am Morgen im vorgeheizten SUV die zwei Kilometer zum Bäcker fährt. Das ist mir sehr wohl bewusst.

So denke ich mir:
Mobilität ist wahrscheinlich ein zentrales Bedürfnis des Wesens Mensch. Da fällt mir der individuelle Verzicht schwer. Aber durch kollektive Massnahmen – wie z.B. die Besteuerung von Kerosin und gerechte Belastung der Verursacher mit den Externalitätskosten – könnte man zumindest das Volumen von Mobilität und deren schreckliche Auswirkungen auf unseren Planeten reduzieren.

Das Argument, dass solche Maßnahmen wieder besonders die Armen treffen würden, zählt meiner Meinung nach nur beschränkt. Schon die Griechen haben erkannt, dass die Forderung nach einer „arithmetischen Gerechtigkeit“ utopisch und wahrscheinlich dumm ist.

Ich vermute mal, dass es diese noch nie gegeben hat und auch nie geben wird. Weil das Leben halt mal so ist wie es ist. Und wäre persönlich durchaus mit einer geometrischen Gerechtigkeit (gemäß der Nikomachischen Ethik von Aristoteles) schon mal ganz zufrieden.

Gerechtigkeit durch Kanonen? (Foto © Luc Bosma, Bonaire)

RMD

Roland Dürre
Donnerstag, der 13. Dezember 2018

Karibik – Inspirationen, Impulse, Gedanken (3) Unsere Welt ist schön.

🙂 Die Welt ist schön – das gilt auch für die Karibik.

In der Karibik wurde unser Auge wieder so richtig mit natürlicher und artifizieller Schönheit gefüttert. Da musste ich an eine Geschichte denken, die jetzt schon ein paar Jahre her ist.

Es war in Guinea. Gemeinsam mit Freunden waren wir auf einem Ausflug zu einem Ziel mit einem besonders schönen Ausblick. Angekommen hat die ganze Gruppe gewetteifert, wie einzigartig schön die Landschaft hier wäre.

Da platzte es aus mir heraus:
„Die Seen in Bayern sind aber auch sehr schön“.

Dabei dachte ich an den Königs-, Ammer- und Starnberger See.

Sonnenuntergang auf Bonaire (Foto © Luc Bosma)

Bis heute werde ich von meinen Freunden wegen dieses Satzes immer wieder ein wenig aufgezogen.

Ich stehe aber zu ihm. Ich kenne keine Reise, auf dem mich die Schönheit dieser Welt nicht begeistert hätte. Das gilt für meine Radltouren in Bayern und Deutschland genauso wie für Reisen in Afrika oder Amerika.

Immer waren die Anblicke toll. So erging es mir auch in der Arktis. Jeder Eisberg war eine großartiger Anblick. Und die Wedell-See  erstrahlte in der Sonne in herausragendem Glanz.

Sogar die Industrie-Ruinen der Wal-Fang-Industrie in Südgeorgien haben sich mir in großer Schönheit präsentiert.

Zwischen Ruinen (eigenes Foto)

So wie sogar der Blick von unserem „Hochhaus-Schiff“ in der „Dominikanischen Republik“ auf die düster aber kräftig rauchenden Schlote im Hafen von La Romana auf bizarre Art und Weise schön war. Und der Blick vom Wolkenkratzer auf die Slums von Mumbai (Bombay) hat auch seinen Reiz.

Es gibt einen Eindruck, den meine Seele auf meinen Reisen aufgenommen hat, der mich besonders beeindruckt hat. Das war auf einer Alpenüberquerung mit dem Rad am Morgen nach einer Übernachtung in der Heidelberger Hütte. Ich würde aber auch hier nicht sagen, dass es die schönste Landschaft meines Lebens war.

Wahrscheinlich gibt es in diesem Kontext nur ein SCHÖN – und kein „schöner“ oder gar „am schönsten“.

Sonnenaufgang auf Bonaire (Foto © Luc Bosma)

RMD

Um mein Fazit gleich mal vorweg zu nehmen:
Unsere Reise durch die Karibik hat mir klar gemacht, dass unser aktuell gelebtes ökonomisch-soziales Lebensprinzip von Konsum und Profit nur in Sonderfällen (wie scheinbar in Deutschland und bei genauer Betrachtung auch dort nicht) funktionieren kann.

Also zuerst mal zu meinem Erleben in der Karibik Erlebten und zu dem, was ich über Land und Menschen dort gelernt habe.

Paradies oder Elend?  (Foto © Luc Bosma, Bonaire)

Wir haben 9 Inseln besucht.

Davon waren zwei französisch: Martinique (vollintegriert) und Gouadeloupe (fast vollständig integrierter Teil des französischen Staates jedoch nicht zur Umsatzsteuer-Union der EU gehörend). Beide sind so Teil der EU. Die drei ABC-Inseln (Aruba, Bonaire, Curaçao) sind Teil des holländischen Königsreiches und die anderen (Barbados, Dominica, Grenada und St. Lucia – alle vier unabhängig und Mitglied des Commonwealth of Nations).

Die Inselstaaten haben unterschiedliche Währungen:

Gerade auf den holländischen und britischen Inseln ist der US-Dollar die akzeptierte Zweitwährung.

Die Pro-Kopf-Einkommen sind unterschiedlich, z.B. in Barbados betrug es in 2016 16.363 US-Dollar. Nominell entspricht das z.B. dem der Slowakei – mein Eindruck war allerdings, dass das Leben in Barbados deutlich teuerer ist. Auf der durchaus gut entwickelten Insel Bonaire war es bei um die 1.200 US-Dollar, in Dominica sicher darunter. Die Arbeitslosen-Quote ist überall zweistellig, zum Teil auch da nicht im unteren Bereich.

Überall fanden wir Schulen und Universitäten, die Alphabetisierungsraten sind dementsprechend überall recht hoch. Viele Menschen sprechen mehre Sprachen, neben den einheimischen kreolischen Dialekten sprechen die meistens Menschen mindestens eine weitere und oft mehrere Sprachen, vor allem Englisch, Französisch oder Niederländisch. Uns sind aber auch häufig des Deutschen mächtige Menschen begegnet.

Politisch sind die Inseln „parlamentarische Demokratien“, und dass auch schon länger. Man findet dort auch das eine oder andere „Weiße Haus“. Es gibt aber auch interessante und nicht immer lustige Geschichten von korrupten Politikern und Diktatoren.

Auf den Inseln war es natürlich immer schön warm – so um die 26 Grad Celsius waren normal (wir waren ja im „Winter“ dort). Abhängig von der Luftfeuchtigkeit kommt es einem dann auch noch eins Stück wärmer vor. Die Karibik ist also kein Gebiet, wo körperliche Arbeit – vielleicht sogar noch im Akkord – zu keiner Jahreszeit so richtig Freude macht.

Es gibt Inseln mit sehr viel Niederschlag – und dementsprechend vielen Flüssen und Wasserfällen im Regenwald, aber auch sehr karge Inseln mit wenig Niederschlägen, die ihr Trinkwasser importieren oder künstlich herstellen. Zum wesentlichen Teil sind die Inseln vulkanischen Ursprungs, man findet aber z.B. Barbados als Ausläufer eines gefalteten Kalksteingebirges.

Die Besiedlungsgeschichte ist bei den meisten Inseln ähnlich. Die voreuropäischen Einwohner waren häufig Arawak und Kariben. Sie wurden meistens von den europäischen Besetzern ausgerottet. Die Menschen, die heute dort leben, stammen von Europäern, oft von Afrikanern und später Indern ab. Der größte Anteil an der Bevölkerung ist überall in der Karibik – wohl als Folge der Sklaverei – afrikanischen Ursprungs.

Wir haben die Karibik ingesamt als enorm bunt und multi-kulturell erlebt. Es gibt Inseln, die sich rühmen, dass in ihrem Staat 40 Nationalitäten friedlich zusammen leben.

Soziale Absicherung gibt es kaum, auch keine staatliche Rente. Die Menschen machen (trotzdem oder deswegen ?) einen sehr fröhlichen und glücklichen Eindruck. Domenika gilt zum Beispiel als Insel der 100-Jährigen.

Die Kriminalität scheint sehr gering zu sein. Die üblichen Warnungen vor dem Landbesuch waren sehr moderat, nur im Bereich der EU wurde schiffseitig davor gewarnt, dass sich ab und zu auch mal ein Taschendieb aus Paris sich dorthin verirren würde.

Die Inseln sind vielfältig – es gibt das Naturparadies (Dominica mit vielen schönen Wanderwegen) genauso wie die Industrieinsel (Aruba – die eine Hälfte dort ist Tourismusindustrie pur – die andere Hälfte besteht aus dem Flughafen und der Öl- und Salzindustrie).

Gemeinsamkeit

Eines aber scheinen die Inseln gemeinsam zu haben. Wirtschaftlich funktionieren sie nicht so richtig gut . Die französischen Departments dürften so genauso Zuschuß-Projekte sein wie die anderen Inseln.

Die Netzabdeckung erschien mir eher besser als in Deutschland, die Straßen sind häufig in einen katastrophalem Zustand.

Die Einkommensquellen sind je nach Insel überwiegend der Anbau von Nahrungsmitteln wie Bananen, immer noch Zuckerrohr und Gewürze. Es gibt ein wenig Erdöl, die Hauptquelle der Einnahmen dürfte aber der Tourismus sein.

So richtig „lebensfähig“ scheinen diese Inseln alle nicht zu sein. Die jungen Leute wandern aus, weil die Inseln ihnen „nichts bieten“. Wenn es gut läuft, dann kommen sie als erfolgreiche Greise wieder und bringen zumindest ein wenig Kapital zurück. Die Auswanderung ist hoch, die Einwanderung niedrig. Viele Einwanderer, die sich auf den Inseln eine neue Existenz – oft als Unternehmer – aufbauen wollen, geben nach wenigen Jahren wieder auf.

Ein richtig lukratives Geschäft gibt es nicht, die Konkurrenzfähigkeit wird durch Kostenoptimierung und niedrige Einkommen erreicht. Und meistens geht das Geschäft massiv zu Lasten der Natur, dem einzigen Reichtum auch dieser Inseln. Wir haben also auch hier hohe Externalitätskosten.

Das kommt mir ein wenig vor in Europa. Auch in der ja so reichen EU sind die meisten Länder pleite. Immer mehr Menschen verarmen. Das gilt auch bei den Gewinnern wie Deutschland, Österreich und ein paar nördlichen Ländern.

Das gilt auch für große USA. Auch diese haben ihren Wohlstand auf Schulden aufgebaut und leiden unter dem natürlichen Verfall der aufgebauschten Infrastruktur, dem oft allein schon aus Kostengründen gar nicht mehr begegnet werden kann.

Irgendwie waren für mich der Besuch der karibischen Inseln ein modellhaftes Beispiel, dass Wirtschaft aufbauend auf unseren kapitalistischen und komsum- wie profitorientierten Paradigmen nicht mehr funktioniert. Den notwendigen Umbau zu schaffen, das dürfte die größte Herausforderung sein, die sich der Menschheit stellt, so sie ihr Überleben ein wenig verlängern will.

Schiff mit Vogel. (Foto © Luc Bosma, Bonaire)

RMD

Roland Dürre
Dienstag, der 11. Dezember 2018

Karibik – Inspirationen, Impulse, Gedanken (1) Sklaven & Leibeigene.

Wenn Du nach Curaçao kommst, dann heißt es
Welcome to Kura Hulanda Museum.
Dieses Museum befasst sich mit der Geschichte der Sklaverei in Westindien. Der Reisende darf es auf keinem Fall auslassen.

Hütten für die Sklaven der Salzproduktion auf Bonaire (Foto © Luc Bosma)

Wir sind dem Rat unseres Schiffslektors gefolgt und gingen am Morgen gleich nach der Ankunft in Curaçao zum Kura Hulanda Museum. Es hat sich gelohnt.

Das Museum

In Willemstads Ortsteil Otrabanda findet sich das größte anthropologische Museum der Karibik, das „Kura Hulanda Museum“. Auf einer Grundfläche von mehr als 16.000 Quadratmetern und in 15 verschiedenen Gebäuden wird die Geschichte der Menschen beleuchtet, die vom 17. bis ins 19. Jahrhundert aus ihrer afrikanischen Heimat verschleppt wurden und nach dem Transport über den Atlantik als Sklaven auf Curaçao landeten. Die „West Indian Company“ spielte dabei eine zentrale Rolle und Curaçao entwickelte sich rasch zur größten Drehscheibe im Sklavenhandel auf dem amerikanischen Kontinent.

Zum Formalen:
Der Eintritt ins Museum kostet aktuell 10 US-Dollar und für Menschen, die älter als Sechzig sind, nur 7 US-Dollar. Die drei gesparten Dollar haben wir in einen Führer investiert (Kosten bei einer Gruppe pro Person 3 $). Das lohnt sich auf jeden Fall.

Im Museum:
Wir sind  in die düstere Vergangenheit der Insel aber auch der Menschheit eingetaucht und haben das Museum mit großer Betroffenheit verlassen.

Ich hatte noch nie so drastisch erlebt, wie Sklaverei funktioniert hat. Im Museum geht es um die Sklaven, die in Afrika eingefangen und dann auf Schiffen in die neue Welt transportiert wurden. Aufgrund ihrer geographischen Lage war die Karibik wohl eine wichtige Drehscheibe des Sklavenhandels.

Auf den karibischen Inseln wie Curaçao wurde nicht nur mit Sklaven gehandelt. Die Eroberer aus Europa hatten ja die orignäre Bevölkerung mehr oder weniger ausgerottet. So wurden für die Herstellung begehrter Produkte wie Zuckerrohr, Bananen, Gewürze, Salz (vor allem auf Bonaire) dringend Arbeitskräfte gebraucht. Und die einfachste Quelle für diese waren die lokalen Sklavenmärkte.

Das Museum zeigt, wie grausam die Sklaven behandelt und gehandelt worden sind. In welcher unvorstellbarer Enge sie in niedrigen Zwischendecks von Afrika über den Atlantik gebracht worden sind. Wie sie gejagt und gefesselt wurden und welche Methoden (und Werkzeuge) zur Disziplinierung eingesetzt worden sind. Auch wie der Eigentümer sein Brandzeichen gesetzt hat. Und viele weitere oft grausame Details.

Auch die Abschaffung der Sklaverei wird gezeigt. Im französichen Bereich wurde sie sogar zwei Mal abgeschafft, weil Napoleon sie zwischendurch wieder eingeführt hatte. Die Kolonialherren, die die Sklaverei als letzte abgeschafft haben, waren übrigens die Holländer

Wir haben im Museum auch Urkunden aus Deutsch-Ostafrika gefunden. Das waren so typisch deutsche Dokumente, mit denen noch im Jahr 1913 den Inhabern (ehemaligen Sklaven) bestätigt wurde, dass sie ab dem Ausstellungsdatum den Status der „Eigengehörigkeit“ hatten, also über sich selber verfügen durften. 1913 ist für mich nicht so ganz weit weg, das war kurz vor der Geburt meines Vaters in 1919.

Auch nach der Abschaffung der Sklaverei wurden natürlich weiter Arbeitskräfte in der Karibik benötigt. Die benötigten Arbeiter wurden dann in Indien angeworden. Und schnell haben die Eigentümer der Zuckerrohr-, Bananen- und weiterer Plantagen und Zucker- und Rum-Fabriken gemerkt, dass die neuen Arbeiter billiger waren als die Sklaven davor. Weil diese jetzt für sich selber sorgen mussten. Jetzt könnte der Bösewicht unter uns unken, dass auch die Abschaffung der Sklaverei nicht nur aus „edlen“ Motiven sondern durchaus auch aus „kaufmännischen“ Gründen erfolgt ist. Sie hat sich einfach nicht mehr gerechnet.

Da macht es bei mir „Klick“ – und ich erinnere mich an Erlebnisse in Kenia in den 80iger Jahren. Da habe ich gesehen, wie massenhaft Hafenarbeiter stundenlang vor dem Hafen in Mombasa Schlange standen für einen „1-Tages-Job“, der mit 1 US-Dollar entlohnt wurde. Und nur wenige wurden zum Arbeiten reingelassen. Ähnliches habe ich auf einer Radtour durch Tunesien auch vor einer Kali-Fabrik erlebt. Auch da waren nur wenige in der Masse der Wartenden, die rein durften, die anderen haben dann gegen Mittag unverrichteter Dinge wieder aufgegeben.

Das klingt natürlich billiger, als das Investment in einen Sklaven, für den man dann auch noch sorgen muss und z.B. Wasser herbeischaffen (lassen) muss. Die indischen Arbeiter waren natürlich für ihr überleben selber verantwortlich und mussten es selbst organisieren.

Das Museum hat mich so beeindruckt, dass ich vergessen habe, Fotos zu machen, obwohl das dort ausdrücklich erlaubt ist. Ich musste noch lange darüber intensiv nachdenken und habe einiges recherchiert.

Sklaverei und Leibeigenschaft

Und mir ist eingefallen, dass Sklaverei und Leibeigenschaft wohl zusammen hängen. Und die Sklaverei gar nicht so viel anders ist als das in Europa weit über ein halbes Jahrtausend gelebte und ganz selbstverständliche Prinzip der Leibeigenschaft. Auch hier lohnt sich wieder die Lektüre des entsprechenden Artikels in Wikipedia.

Man entdeckt dann viele überraschende Details, wie z.B. die Einräumung eines gegenseitigen Jagdrechts, um entlaufende Leibeigene (Sklaven?) jenseits der Grenzen zu verfolgen.

Dort versteht man auch, dass es wohl nur einen Unterschied zwischen Leibeigenen und Sklaverei gibt. Das ist wieder ein absolut lesenswerter Artikel in Wikipedia, der mich schockiert hat.

Nach dessen Lektüre empfinde ich den Verweis von Politikern auf unsere „abendländische Wurzeln und christliche Tradition“ nur noch als dümmsten Sarkasmus. Denn das „C“ stand vor gar nicht langer Zeit auch absolut für Sklaverei und Leibeigenschaft. Das war eine sehr trostlose Zeit.

Vielleicht sollten sich die Politiker mal so ein klein wenig mehr geschichtlich informieren, auch wenn in der Schule im Fach Geschichte die  Leibeigenschaft in all seinen Varianten kein Thema war – wie auch bei mir.

Es gibt nur einen Unterschied zwischen der Leibeigenschaft in den deutschsprachigen und weiteren europäischen Ländern und der transatlantischen Sklaverei:

Die versklavten Schwarzen waren schwarz und stammten überwiegend aus Afrika. Früher hat man sie Neger genannt. Nach dem Urteil von Kirche und sogar der zeitgenössischen Philosophie (Kant) waren sie keine Menschen sondern Tiere. Zu Zeiten Darwins war es für eine feine „englische Dame“ unvorstellbar, dass sie im Sinne der Evolutionstheorie von einem Affen abstammen könnte. Tiere waren so weit weg vom dem überhöhten Ideal des „Menschen“, dass man mit ihnen alles machen durfte. Deshalb mochte man am viktorianischen Hof den Ketzer Darwin mit seinen „neuen Ideen“ gar nicht. Und die Schwarzen galten halt als Tiere.

Die „Leibeigenen“ oder „Grundeigenen“, die den Herren gehörten, denen gerade der Grund gehörte, waren zwar eine ziemlich rechtlose Unterschicht. Aber immerhin galten sie noch als Menschen. Sie wurden von der Oberschicht (Feudalismus, und Kirche) auch durch die Religion domestiziert. Sie waren aber das Eigentum anderer Menschen, die komplett über sie verfügenkonnten. Dies direkt oder indirekt als Grundeigene über den Grund, auf dem sie lebten.

In dem Wikipedia-Artikel über Leibeigenschaft finden wir aus heutiger Sicht sehr eigenartige Gesetze und Grausamkeiten, wie Vereinbarungen zwischen Kommunen zum gegenseitige Jagdrecht auf entflohene Leibeigene. Der Satz „Stadtluft macht frei“ erhält eine klare Bedeutung. Denn der Fortschritt – nicht nur der technologische – hat in den Städten stattgefunden.

Ein Eigentumsrecht auch an Menschen war also in unserer Gesellschaft über Jahrhunderte von Jahren genauso selbstverständlich wie heute das Recht auf Eigentum, dinglichen Gegenständen wie an Grund und Boden und kreativ Erzeugtem (Urheberrecht) oder an den eigenen Daten.

Und obwohl wir kräftig dabei sind, das Eigentumsrecht immer mehr zu stärken (besonders zugunsten juristischen Personen wie Konzernen), haben wir das Eigentumsrecht an anderen Menschen abgeschafft. Das ist doch bemerkenswert.

Da könnte doch der Gedanke kommen, dass vielleicht auch andere Eigentumsrechte reduziert oder abgebaut werden müssen. Zum Beispiel, dass Güter der Allmende auch nicht indivuelles Eigentum. Und dass absurd hohes Eigentum auch nicht sein darf. Und vielleicht, dass juristische und natürliche Personen ein unterschiedliches Recht an Eigentum haben sollten.

Noch eine zynische Anmerkung:
Auf den Schiffen, die von Europa nach Afrika gesegelt sind, um dort Sklaven zu kaufen und diese als versicherte Fracht in die Karibik zu bringen, waren in den Kabinen Missionare, die die Heiden in Afrika bekehren sollten. Die auf der anderen Seite offiziell keine Menschen sondern jagdbares Wild waren. Und dann unten im Rumpf in enge Zwischendecks in eisernen Fesseln transportiert wurden. Und wenn einer davon krank wurde, ging er über Bord, um die gesunden nicht anzustecken. Und das war kein großer Schaden, weil er ja als Fracht gut versichert war.

Auch das lernt man im Museum Kura Hulanda. So hat mich der Besuch im Museum Kura Hulanda mich ziemlich nachdenklich gemacht. Auch weil dort dokumentiert wird, dass die Sklaverei in der Gegenwart wieder zunimmt.

Salzproduktion heute auf Bonaire (Foto © Luc Bosma)

RMD

Roland Dürre
Mittwoch, der 3. Oktober 2018

DIESEL

Selfie zu: „Ich verstehe das nicht.“

Seit Tagen ist das Hauptthema in Medien und Nachrichten „der Diesel“. Das frustriert mich, gäbe es doch gesellschaftlich so viel Wichtigeres zu lösen. Ich verstehe nur noch Bahnhof.

Es ist doch so einfach:

Wenn ich ein schlechtes Produkt kaufe, dann habe ich einen Schaden. Wenn ich dabei betrogen worden bin, kann ich versuchen, den betrügerischen Verkäufer dafür in Haftung zu nehmen.

Das sollte der Rechtsstaat mir garantieren. Wenn dieser nicht mehr funktioniert, weil die Konzerne zu mächtig geworden sind, dann habe ich halt Pech gehabt.

Das gilt wohl so ziemlich für alle Güter, ob Lebensmittel oder Produkte und auch Dienstleistungen – und sollte auch für Autos gelten.

Ich verstehe so vieles mehr nicht!

Warum kommt eigentlich keiner auf die Idee, gerade bei der aktuellen Diesel-Diskussion einfach die Subventionierung der Dieselsteuer abzuschaffen? Wenn der Diesel so schlecht ist? Immer sind es 22 Eurocent pro Liter an Subvention (Diesel wird in Deutschland mit 22 Eurocent weniger besteuert als Benzin), die unsere „Geiz ist geil“-Gesellschaft nach Dieselfahrzeugen gieren lässt. Obwohl der „Diesel“ in der Regel teurer ist, aber rechnen ist halt gerade im Zustand der Gier nicht so einfach.

Dass der Gierige ab und zu auch mal Pech hat, ist doch normal und kein nationaler Notstand. Das meine ich ganz ohne Schadenfreude.

Ich verstehe auch nicht, dass keiner mehr auf die Idee kommt, endlich ein Tempolimit einzurichten. Auf Autobahnen und Landstraßen würde dieses wesentlich Kraftstoff (und viele menschliche Leben) einsparen. Und in den Städten ist doch schon lange klar, dass „Tempo 30“ die Regelgeschwindigkeit sein sollte. Und die „50“ oder „60“ die Ausnahme.

Ich verstehe auch nicht, warum der Diesel so ein Thema ist. De facto geht es doch (hoffentlich bald) allen Verbrennungsmotoren im individuellen Verkehr (und wie ich hoffe nicht nur beim KFZ und Moped, sondern auch beim Rasenmäher und Laubbläser) an den Kragen.

Es geht doch heute nicht mehr darum ob ich einen SUV mit Diesel- oder Benzinmotor fahre, sondern ob man überhaupt noch Auto fährt. Weil es a) die Klimakatastrophe wohl doch gibt und b) ich nicht immer die Abgase in meinen Lungen haben will. Dazu muss ich gar nicht in München auf der Rosenheimer Strasse zur Stoßzeit radeln, da reicht es mir schon auf der Putzbrunner Straße in Ottobrunn am Sonntag Morgen auf der Fahrt zum Bäcker!

Ich verstehe auch nicht, dass das Kerosin für die Flugzeuge wie das Schweröl für die Schiffe genauso besteuert wird wie Benzin, wissen wir doch, dass weniger geflogen werden muss. Wie auch dass immer noch mehr Startbahnen gebaut werden sollen. Und dass wir immer noch Braunkohle (Hambacher Forst) verbrennen wollen und den alternativen Energien das Leben unnötig schwer machen.

Wie ich auch nicht verstehe, dass wir heute den Tag der deutschen Einheit feiern. Sollten wir für die Zukunft den heutigen Tag nicht besser nutzen und an einem anständigem Europa der Regionen arbeiten, in dem die Menschen in Zuversicht und Mut leben können.

Ich verstehe zurzeit Vieles nicht. Nicht nur bei der Mobilität hat uns der Wahnsinn umzingelt. Ist es schon zu spät für unseren Planeten (Permafrost). Fast neige ich zur Resignation?

RMD

Roland Dürre
Sonntag, der 16. September 2018

Hambacher Forst. Ethik. Primär. Sekundär. Tugend.

Dracula als Metapher.

Vor Jahren habe ich gerne über Ethik geschrieben. Das Thema war für mich ganz einfach. Es ging primär um Tugenden und um die Frage, welche Tugenden primär und welche sekundär sind. Dann begann diese Art von Ethik mich zu langweilen.

Jetzt machen mich die Ereignisse um die Braunkohle im Hambacher Forst betroffen. Betroffen ist eigentlich zu wenig, nein ich bin wirklich entsetzt.

Und ich meine, wir sollten mal wieder über Primär- und Sekundär-Tugenden sprechen.

Als Kind wurden mir viele Tugenden gelehrt. Nicht nur gelehrt, ich wurde richtig darauf gedrillt. Das fing an, dass ich immer artig sein sollte. Immer sauber gewaschen, die (kurzen) Haare adrett gekämmt. Wenn Erwachsene redeten hatten die Kinder still zu sein. Ich sollte gehorchen, brav und nicht aufmüpfig sein. Besonders verboten war aber zu lügen und – Gott sei bei uns – zu stehlen. Der Respekt vor fremden Eigentum und die Wahrheitstreue waren die höchsten Tugenden.

Wie ich heran wuchs habe ich mir dann meine eigenen Gedanken gemacht. Und habe früh verstanden, dass es bei meiner Erziehung so manchen Haken gibt. Und dass zum Beispiel die kategorischen Gebote nicht zu lügen und zu stehlen einer ethischen Prüfung nicht stand halten.

Später habe ich mich mit Philosophie beschäftigt und erinnere mich an die Lektüre eines Briefwechsels zwischen dem älteren Kant und einem jüngeren französischen Philosophen. Da hat der französische Kollege mit seinen Argumenten den damals so berühmten und angesehenen Kant in große Bedrängnis gebracht hat. Die Reaktion von Kant fiel dann sehr unsachlich und in meiner Wahrnehmung emotional aus.

So habe ich gelernt, dass die kategorische Erfüllung des achten Gebots mit Sicherheit sehr viel Schaden verursacht und so nur eine Sekundärtugend sein kann. Es gibt sogar im normalen Leben viele Situationen, in denen uns ethisches Verhalten sozusagen verpflichtet zu lügen, um von uns oder anderen Schaden abzuwenden.

Dass es mit dem siebten Gebot nicht viel anders ist, wurde mir auch schnell klar. Da muss ich gar nicht an Robin Hood und die Fragwürdigkeit einer von Eigentum dominierten Gesellschaft denken, es genügt schon das Gedankenexperiment, dass ein Kind verhungert und durch einen Diebstahl gerettet werden kann.

Deshalb sind die Aktivisten im Hambacher Forst für mich zwar keine Helden, aber besonders auch keine Verbrecher.

Denn sie befolgen Tugenden, die ich für primär halte. Sie sind autonom und machen sich ihr eigenes Bild. Und folgen Tugenden, die ich als primär erachte wie Zivilcourage und konstruktivem Ungehorsam. Dies auch noch sehr verantwortet und auf friedliche Art und Weise.

Das einzige, was ich diesen Menschen in ihren Baumhäusern „ethisch“ vorwerfen könnte, ist dass sie ein „Märtyrertum“ pflegen und sich für eine „gute“ Sache selber schaden. Denn eine wichtige – für mich auch – primäre Tugend ist, sich selber wertzuschätzen und nicht zu ruinieren. Besonders nicht für andere!

Denn dass es so nicht weiter gehen kann, wissen wir doch alle, so wie wir alle letzten Endes unter der Zerstörung unserer Welt leiden werden.

Im Gegensatz zu einem allwissenden Minister weiß ich nicht, was „die Mutter aller unserer Probleme“ ist. Ich denke mir nur, dass unser System einen sehr fragwürdigen Umgang mit den Menschen und mit der Natur pflegt.

Wir haben eine Reihe von Problemen. Die Ursachen dürften Schwachstellen sein, wie Armut, Bildung, Klimaschutz und Mobilität hat. Die Schwachstellen hat unser soziales System, wahrscheinlich weil sich in Staat & Politik Werte, Prioritäten und Machtstrukturen verändert haben.

So wissen wir, dass eine Polarisierung in arm und reich unangenehme Folgen haben kann. Das unser Sozialstaat in eine krisenhafte Zukunft torkelt. Dass unsere Art von individueller Mobilität mit großen Autos mit Verbrennungsmotor keine Zukunft hat. Hierzu wissen wir auch, dass strengere Tempolimits auf  Autobahnen, sonstigen Strassen und auch in den Städten mehr als überfällig sind. Wie auch, dass die Subvention für den Pkw-Verkehr im allgemeinen und im besonderen für Diesel-Fahrzeuge ein Irrsinn ist.

Wenn wir ehrlich sind, wissen wir auch, dass stromangetriebene Fahrzeuge nichts verbessern werden und im Gegenteil eine noch schlechtere Umwelt-Bilanz haben, besonders wenn der Strom, den sie verbrauchen, aus Braunkohle gewonnen wird.

Das gilt übrigens nicht nur für Braunkohle sondern auch für hochwertige Kohle, die in Australien im Raubbau abgebaut, dann an die Küste gekarrt, in großen Häfen in Riesenfrachter verladen und so nach Hamburg gebracht wird. Dort wird sie über andere Verkehrsmittel verteilt – um dann irgendwo in Deutschland verbrannt zu werden. Auch das kann es nicht sein.

Zum wesentlichen Teil wird weltweit der verbrauchte Strom aus Kohle erzeugt. Das gilt heute immer noch! Obwohl es mittlerweile gesellschaftlicher Konsens, dass wir Strom aus vielen uns bekannten Gründen nicht aus Kohle erzeugen dürfen. Den Ausstieg bekommen wir jedoch nicht voran, weil „wirtschaftliche Interessen“ diesem entgegenstehen. Diesen Aussteig brauchen wir aber zeitnah, wenn wir die vielen Verbrennungsmotoren aller Orten durch Elektrische Lösungen ersetzen wollen.

Den Aktivisten im Hambacher Forst steht eine Branche und konkret ein Konzern gegenüber, die über Jahrzehnte den Shareholder Value als dominierendes handlungsleitendes Kriterium hatten. Und das auch mit allen legalen Mitteln und manchmal auch anrüchigen Methoden in sensationellem Ausmaß geschafft hat. Kaum eine Branche konnte ihre Aktionäre über so lange Zeit so gut reich machen wie die EVUs. Dies zu Lasten unserer Umwelt und wie (nicht nur) bei der Kernenergie auf Kosten unseres Staates. Und alles legal und gesetzes-konform, dank eines guten Lobbyismus und mit sanfter Erpressung erreicht.

Jetzt gibt es immer mehr Menschen, die aus vielen guten Gründen dies ändern wollen. Weil sie verstehen, dass wir es beenden müssen. Und zwar zeitnah. Und die Zuvielcourage haben und die Tugend des konstruktiven Ungehorsams über den Gehorsam stellen. Auch wenn sie wissen, dass sie letztendlich keine Chance gegen die Allmacht von Staat & Wirtschaft haben. Und sich so selber schaden.

Für mich sind das keine Kriminellen, sondern Menschen, die wichtige Primärtugenden leben. Ich bedauere nur, dass sie keine Chance haben und dies eigentlich wissen müssten. Aber das ist halt das Problem mit Idealismus und der Idealisten. Das aber zu einer weiteren und ganz anderen Diskussion führt.

RMD

 

Roland Dürre
Donnerstag, der 15. März 2018

Landgang Antarktis (mit Reisebericht).

Roland beim Landgang in der Antarktis.

Alle Teilnehmer an einer Antarktis-Expedition müssen vor dem Landgang verpflichtend an einer Informations-Veranstaltung teilnehmen. Da wird gezeigt, wie ernst es der Weltgemeinschaft mit dem Schutz der unberührten Natur des antarktischen Kontinents ist.

Gleichzeitig ist die ganze Antarktis und vor allem auch Südgeorgien ein einzig großes Museum, dass viele Geschichten von Expeditionen und Wissenschaft erzählt, aber auch den Geologen wesentliche Aufschlüsse über die Geschichte unserer Welt liefert.

Es gibt zehn Regeln für den Landgang in der Antarktis und Südgeorgien, die beim Betreten des Antarktischen Festlandes wie seiner Inseln unbedingt beachtet werden müssen.

  • Ruhe bitte!
  • Distanz bitte (Pinguine 5 Meter, Robben und Seevögel 15 Meter)!
  • Nichts zertreten!
  • Bringen Sie keine Pflanzen und Tiere mit!
  • Respektieren Sie Schutzgebiete!
  • Erhalten Sie historische Stätten und Denkmäler!
  • Verzichten Sie auf „Souvenirs“!
  • Respektieren Sie die wissenschaftliche Forschung!
  • Denken Sie an Ihre Sicherheit!
  • Erhalten Sie die Unberührtheit der Antarktis!

Das beinhaltet auch dass man nicht ausspuckt, schnäuzt oder gar pieselt (bieselt).

Roland bei der Rückfahrt zum Schiff.

Diese Regeln dienen auch dem Schutz der Tiere. Ich war positiv überrascht, wie ernst alle Teilnehmer diese genommen haben und sich konsequent an die Vorgaben gehalten haben.

Auch ich habe mich daran gewöhnt, keinen grünen Fleck zu betreten. Das ungeschützte „Nießen“ haben wir alle vermieden. Der fahrlässige Verlust eines Papier-Taschentuchs war ausgeschlossen.

So war jeder Landausflug ein beeindruckendes Erlebnis. Das Licht, die reine Luft und die wunderschöne Natur haben uns tief beeindruckt. Historische Gebäude als Zeugnisse von einer grausamen Industrie (Walfang), die mit dem Versprechen eines guten Verdienstes Menschen in einen grauenhaften Job unter schwersten Bedingungen weit weg von der Heimat und Überbleibsel aller Art von Offenbarung.

Zurück in Deutschland war ich entsetzt, wie achtlos wir im Großen wie im Kleinen in unserer Heimat mit unserer Natur umgehen. Mich hat noch vielmehr als vor der Reise die Vermüllung unsere Radwege, Straßen und Städte entsetzt wie auch die gigantische Versiegelung unserer schönen Landschaft. Und wie viel Lärm und schlechter wir uns auch in den schönen Wohngegenden unserer Städte ganz freiwillig aussetzen.

An dieser Stelle auch für meine Freunde ein Bericht zur Reise, verfasst und illustriert von unserer großartigen Lektorin Dr. Katrin Knickmeier. Wir haben (nicht nur) bei ihr soviel gelernt und ich kann den Besuch dieses besonderen Kontinents nur empfehlen.

RMD