Am Freitag sind sie in der Himmelfahrtskirche München-Sendling,

die arcis vocalisten

Ich verweise kurzfristig auf dieses einzigartige Konzert, nicht nur weil es noch Karten gibt. Vor allem aber deshalb, weil es eine einzigartige Aufführung werden wird, die man nicht versäumen sollte!

Das Besondere ist nicht, dass es À-Cappella, also ohne Musikinstrumente und Orchester gegeben wird. Was von den Sängern mehr abverlangt, weil keine Instrumente da sind, die das spielen, was sie singen sollen.

Sondern, dass es eine Welturaufführung beinhaltet:
Markus Fritz singt selbst bei bei den arcis vocalisten und er hat das Werk
„De Tranquilitate Animi“
nach Worten von Seneca komponiert!!!

Außerdem werden noch eine Messe von Rheinberger und ein paar Stücke von Brahms (Opus 74 No. 1 ) und Kaminski gegeben:

FlyerACapella

Wenn ich an diesem Tage nicht in Frankreich wäre, würde ich auf jeden Fall hingehen.

Nicht nur aber auch weil die Evelyn (EG) mit singt.

RMD

Klaus Hnilica
Donnerstag, der 8. Oktober 2015

Wir schaffen das! Oder die Gnade der Ahnungslosigkeit

Carl und Gerlinde (XLV)

Es gab Tage, da ahnte Carl bereits während des Aufwachens, bei dem Gerlindes elfenhaftes Gesäusel zwar schon an seine Basilarmembranen plätscherte, aber seine Augenlider noch nicht hochgeklappt waren, dass ihm Unangenehmes widerfahren würde.

ZZZZSimg211Entsprechend verkniffen fielen dann natürlich auch seine Gesichtszüge aus, die er während des Verzehrs seines Frühstückseies Gerlinde darbot und die sich eins zu eins in ihrer Miene widerspiegelten, so weit dies neuerdings zwischen den extrem aufdringlichen Illustrationen der ‚Frankfurter Allgemeinen’ überhaupt noch wahrnehmbar war.

Wie wenig ihn sein Gefühl auch diesmal trog, registrierte Carl, als ihm seine Sekretärin Bettina im Büro endlich den üblichen morgendlichen Kaffee servierte. Denn ihre bedeutungsvoll gekräuselten Lippen, weit geöffneten Augen und mehrfachen Versuche, die Kaffeetasse näher an ihn heran zuschieben, verhießen nichts Gutes.

Als sie ihm dabei noch zuflüsterte, dass Dr. Osterkorn um zehn Uhr dreißig zu einem Gespräch im großen Besprechungszimmer bittet – Unterlagen wären nicht nötig – war klar, dass sich seine düstere Ahnung auch dieses Mal erfüllen würde…

Überraschend war dann nur, dass neben Bernie alias Dr. Osterkorn sowie einer Reihe neuer unbekannter Gesichter, nicht nur die drei anderen Spartenleiter anwesend waren, sondern auch beide Geschäftsführer seiner Firma TRIGA.

Dr. Schäufele, dem kaufmännischen Geschäftsführer, oblag offensichtlich die Gesprächsführung, da er sich mit arg zerknautschtem Gesicht und ständigem Getuschel mit seinem Kollegen Dr. Tuchweber, an die Stirnseite des großen Besprechungstisches platziert hatte.

Carl schob sich, seiner gedämpften Stimmung entsprechend, unauffällig neben Miriam Braun, auf den einzigen noch freien Stuhl.

Dr. Schäufele kam sofort zur Sache! Nach dem sehr prononciert verlesenen Grußwort der Konzernleitung aus Düsseldorf verwies er, ohne von seinem Text hochzublicken, auf die gigantische nationale Aufgabe, die durch die dramatische Veränderung der politischen Großwetterlage auf Deutschland zukäme und der sich die Konzernleitung mit großem Respekt und Verantwortungsbewusstsein stellen werde.

Natürlich werde im Rahmen dieser noch nie da gewesenen Herausforderung – hier blickte Dr. Schäufele erstmals von seinem Manuskript hoch – auch die Firma TRIGA ihren angemessenen Beitrag leisten!

Dies umso mehr, fuhr Dr. Schäufele fort, als die Kanzlerin mit ihrem “Wir schaffen das“, ein klares Signal gesetzt habe! In ihrer unverwechselbaren Art, ohne sich in Details zu verlieren, habe sie damit nicht nur jedes Bundesland in Deutschland, jede Kommunen und jede Stadt zu einer Teilhabe an der Willkommenskultur gegenüber den Flüchtlingen aus Syrien eingeladen, sondern auch jeden Staatsbürger und jede Staatsbürgerin. Alle seien aufgerufen, sich an dieser großen gesamteuropäischen Aufgabe zu beteiligen und hinsichtlich ihrer menschlichen und monetären Ressourcen bis an die Grenze des Möglichen zu gehen. Und da die Asylverfahren beschleunigt würden, sei trotz steigender Flüchtlingszahlen dies alles ohne nennenswerte Aufstockung von Bundesmitteln zu bewältigen, so die Kanzlerin!

Es sei kein Wunder, sagte Dr. Schäufele, mit schmalen Lippen, dass die Kanzlerin angesichts dieser vorbildhaften Einstellung von weiten Teilen der Presse gefeiert und vereinzelt sogar mit dem Friedensnobelpreis in Zusammenhang gebracht wurde!

Angespornt von diesen aufrüttelnden Worten der Kanzlerin, appelliere daher auch die Konzernleitung an alle Konzernfirmen, ebenfalls ihren Beitrag zu diesem großen nationalen Programm zu leisten und unbedingt über die Einbindung junger, geschulter und ungeschulter Kriegsflüchtlinge nachzudenken! Wie das im Einzelnen zu geschehen habe, würde, so Dr. Schäufele, eine speziell Arbeitsgruppe zum gegebenen Zeitpunkt konzerneinheitlich erarbeiten und an alle Sparten und Abteilungen der einzelnen Konzernfirmen durchstellen; natürlich mit der Maßgabe, dass sämtliches ungeplante Fremdpersonal innerhalb von drei Jahren derart in die laufenden Arbeitsprozesse eingebunden werden müsse, dass sowohl die aktuellen als auch mittelfristigen Umsatz- und Ergebnisziele nicht negativ beeinflusst werden und es somit zu keinerlei Beeinträchtigung der festgelegten Konzernkennzahlen komme: denn niemand – meine Damen und Herren – mahnte Dr. Schäufele mit sorgenvoller Miene, begleitet von einem heftigen Kopfnicken des Technischen Geschäftsführers Dr. Tuchweber, könne und wolle selbst während dieser schwierigen Wochen und Monate eine Gewinnwarnung des Konzerns riskieren! Niemand könne das wollen! Niemand!

Und um dem vorzubeugen, fiel Dr. Tuchweber seinem kaufmännischen Kollegen, Dr. Schäufele, ins Wort, erwarte er von der gesamten Führungscrew der Firma TRIGA, dass sie so motivierend auf ihre Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen einwirke, dass jeder Einzelne den Ernst der Lage erkenne und zukünftig nicht nur hundert Prozent, sondern die eben schon implizit geforderten hundertzwanzig Prozent seines persönliches Leistungsvermögen abrufe! Denn nur so, mahnte Dr. Tuchweber mit festem Blick in die Runde, werde Deutschland diese gigantische Aufgabe der geordneten Kanalisierung der Flüchtlingsströme bewältigen können.

Angesichts der sich nach diesem eindringlichen Appell der Geschäftsführung ausbreitenden Hochstimmung im Besprechungsraum wagte Carl die Frage, ob auch die Konzernleitung ihrerseits einen eigenen Beitrag erwäge und außerplanmäßig zusätzliche Gelder für diese große nationale Aufgabe bereitzustellen gedenke, nicht mehr laut auszusprechen, sondern nur noch seiner für den Vertrieb von Unterwäsche zuständigen Sitznachbarin Miriam Braun zuzuflüstern.

Doch noch während Miriam Braun, hilflos lächelnd, mehrmals ihre Schultern hochzog, verfestigte sich bei Carl schon die Gewissheit, dass sowohl diese Konzernleitung, als auch seine Geschäftsführung, ähnlich wie die Mitglieder der Bundesregierung, weniger um ihre gut ausgestattete monetäre Versorgung zu beneiden waren, sondern viel mehr noch um die ‚beispiellose Gnade der Ahnungslosigkeit’, mit der sie allesamt gesegnet waren. Hervorgerufen und sichergestellt durch eine alle Bereiche durchdringende hierarchische Ordnungs- und Befehlsstruktur, die wie ein präzis arbeitendes Filtersystem alles aussortierte, was ‚oben’ weder gehört noch gesehen werden wollte!
Ja selbst die Herstellung von läppischen Unterhosen geschah nach diesem Muster.

Da aber Carl dieser Gnade nie ausgesetzt sein wollte, ja plötzlich sogar von einer unerwarteten Übelkeit beschlichen wurde, die durchaus auch auf alle anderen im Raum und im Lande übergreifen konnte, sprang er zum Erstaunen der übrigen Gesprächsteilnehmer spontan auf und verließ kopfschüttelnd die Besprechung…

KH

Klaus Hnilica
Donnerstag, der 16. April 2015

Paulas Kiosk oder Kein Leben aus dem Bilderbuch

Paula sagt was sie denkt. Manchmal wenigstens.

Meistens redet sie ohne zu denken. Wie es ihr in den Sinn kommt. Und was sie spürt – im Bauch!

Alle zwei Monate ist sie stumm. Da kommt kein Wort über ihre Lippen.

Die Kunden kennen das. Sie deuten dann auf die Zeitung. Die Zigaretten. Den Liebesroman. Und die ‚Super – Wurstsemmel’!

ZZwurstsemmelDoch wenn sie redet, muss sie sich hundert Lebensgeschichten anhören!

Scheibchenweise: Zwischen Einszwanzig und Zwei Euro! Bei einer Flasche Bier schon mal fünf Minuten und länger!

Und die Susi heult bei der Paula. Hinten im Kiosk. Weil ihr Herbert sie wieder abgewatscht hat. Im Suff.

Und die Conny hat jeden Tag ein Wurstbrot frei und einen heißen Tee. Vom Kiffen kommt sie trotzdem nicht runter. Die arme Sau!

Bei dem ‚feinen FAZ-Fuzzy’ greift die Paula alle zwei Wochen nach unten.

Zum Schmuddelkram. Er kauft das Zeug für einen Freund! Nicht für sich. Klaro! Und der ‚Becks-Bier-Schlucker’ will das Playboy unters PM-Magazin gelegt. Der mit der ‚Süddeutschen’ nimmt noch auto-motor-sport und ‚Mein Pferd’. Und der ‚Hanauer Anzeiger’ den ‚Kicker’.

Die ‚BRIGITTE’s’ kennt Paula alle mit Namen. Die Gauloise Ladies auch!

Sind eigentlich ganz in Ordnung! Ihre Kunden!

Ab und zu gibt’s Stinker. Aber die faltet sich Paula zurecht.

Wenn’s sein muss auch laut! Damit’s alle hören. Selbst die schwerhörigen Alten.
Bei ihr muss alles raus! Egal ob’ s passt. Oder nicht passt.

Auch was ihr an Sandra nicht passt. Ihrer störrischen Tochter.

Oder in der Strasse nicht passt, in der sie wohnt. Oder in der Stadt nicht passt. Oder an Deutschland nicht passt. Oder an der unmöglichen EU nicht passt. Oder sonst in der Welt nicht passt.

Doch letztlich ist ihr die Welt egal. Sie hat genug eigenen Mist um die Ohren. Aber der Dreck in der Welt stinkt noch mehr zum Himmel! Auf den Titelseiten ihrer Zeitungen wird ja nur mehr abgeschlachtet!

Früher gab’s wenigstens Titten und Ärsche. Die die Leute aufregten. Sie auch! Aber nur wenn die größer waren als ihre eigenen Kostbarkeiten: Sie hatte echt Mega–Holz vor der Hütte! Und einen Arsch wie eine hitzige Stute. Hatte der Jürgen immer gesagt. Dieser Drecksack. Der abgehauen ist. Als sie die Sandra im Bauch hatte. Okay – ist vorbei…

Aber sonst war schon mehr Ordnung beim ‚Honni’! Damals in Erfurt. Alles war nicht schlecht gewesen – in der DDR.

Und das Geschäft geht ja hier auch nicht so toll! Was kein Wunder ist! Es raucht ja fast niemand mehr: alle machen einen auf gesund. Wollen mit hundert noch vor der Glotze schnarchen. Und möglichst ohne aufzuwachen in die Grube fallen.

Gott sei Dank gibt’s die Weibsleute! Die paffen wenigstens noch. Alt und Jung. Sie selbst ja auch! Die bringen die Kasse noch zum Klingeln.

Doch wer trinkt denn heute noch tagsüber ein Bier? Die kannste mit der Lupe suchen. Die Jungen haben keine Zeit. Und die Rentner schnapseln lieber!

Ja – sie spendiert schon mal eine Runde. Aber Vorsicht! Die werden gleich unverschämt…

Dafür bleiben ihre ‚Super-Wurstsemmeln’ öfter mal liegen! Das kränkt sie dann schon. Aber die jungen Weiber stopfen sich nur noch grünen Salat in den Rachen. Und rohe Gurken mit der Schale. Vor allem diese bemalten Skelette!

Wie ein Schweinsbraten schmeckt, wissen die gar nicht mehr. Oder eine Schweinshaxe mit Sauerkraut. Machen einen auf Vagina! Oder Veganisch! Was immer das ist? Da kennt sich keine Sau mehr aus.

Ihre Sandra fängt auch schon so blöd an!

Nix schmeckt mehr daheim! Alles ist Scheiße! Und wie die herum rennt! Man muss sich wirklich schämen für das Mädel: Eisenringe ohne Ende in der Larve. Und überall diese scheiß Tätowierungen. Ihr Kevin schaut noch schlimmer aus. Und diese Gott verdammte Glatze! Echt zum Kotzen! Eigentlich möcht’ Paula gar nicht mehr heimgehen. Muss sich eh nur ärgern mit den beiden ‚Tätos’!

Mensch – was für ein Segen ist da ihr Helmut! Ist neben dem Kiosk echt die einzige Freude in ihrem ‚bescheidenen’ Leben. Der kümmert sich wirklich um sie. Besser geht’s nicht! Und das schon seit Jahren!

Ohne ihn und den Kiosk würd’ sie sich echt die Kugel geben! Oder Tabletten einwerfen…

Am Montag – war Paulas Kiosk überraschend zu!

Das gab’s noch nie. Die Kunden murrten und schüttelten die Köpfe.

Susi erzählte später, sie hätte Kiosk mäßig sowieso kürzer treten wollen, die Paula! Und den Helmut heiraten. Alles war bestellt! Letzte Woche dann die Diagnose: Verdacht auf Lungenkrebs!

Genau – das war auch die Paula im ‚Hanauer Anzeiger’: Frau wirft sich vor S-Bahn – einstündige Unterbrechung des Frühverkehrs!

Sie hat der Polizei den Hinweis auf die Conny gegeben. Die war ja nur mehr Hackfleisch. Hatte in letzter Zeit aber auch ständig von ihrem Abgang geträumt! Aber einen der kracht! Einen den alle spüren! Das sei ihre kleine Rache an dem da oben, hat sie gefaselt. Die Paula hat nur gelacht und gesagt, das sei ein Schmarren!

Dem Helmut hat sie den Lungenkrebs auch nicht abgenommen! Nie im Leben, hat sie gesagt, nie im Leben hat der Helmut Krebs…

Am Donnerstag – war er wieder offen. Der Kiosk!

Gott sei Dank! Die Leut’ waren echt happy! Soviel ausgesprochene Freude hätt’ sich die Paula nie träumen lassen. Und dass die Susi hinten nicht plärrt, sondern kichert, auch nicht. Endlich hatte sie ihren versoffenen Herbert rausgeschmissen!
Paula hat Sekt spendiert und auf Susis Courage angestoßen!

Und auf die ‚Hackfleisch Conny’ in der Hölle auch!

Beide haben so gelacht, dass der mit der ‚Süddeutschen’ sich auf die Stirn getippt hat. Und ohne Zeitung gegangen ist. Und der ‚FAZ-Fuzzy’ ohne Schmuddelkram, weil die Paula nicht zum Lachen aufgehört hat. Und die Susi auch nicht!

Da soll einer die Weiber verstehen, hat der ‚Hanauer Anzeiger’ gesagt.

Und hat selber zu lachen begonnen. Und der Helmut hinter ihm auch. Er schien beschwingt…

Hat die Paula am Ende doch richtig gelegen mit ihrer Diagnose, dass alles nicht wahr ist, nix stimmt und sowieso beschissen ist?

Vermutlich schon, sonst hätten alle nicht so gelacht, gell!

KH

PS: Das Foto ist von Google

Klaus Hnilica
Donnerstag, der 13. November 2014

Glücklich die Unglücklichen…

Carl und Gerlinde (XXXVII)

Oh Gott – warum ausgerechnet nach diesem himmlischen Steak mit Champignons und Broccoli? Sogar der Riesling hatte die richtige Temperatur. Was nicht selbstverständlich war bei Gerlinde. Doch heute war sie perfekt – die Temperatur! Und dann das… ZZDimg130

Aber irgendwie hatte alles schon so blöd angefangen, als Carl vom Büro heimgekommen war: Gerlinde spitzte völlig unerwartet schmollend ihr knallrotes Mäulchen nach dem flüchtigen Begrüßungskuss und blieb schweigend vor ihm stehen. Ihr fordernder Blick während dieser stummen Geste war irgendwie peinlich. Unter dem Vorwand aufs Klo zu müssen, beendete Carl schließlich diesen grotesken Prolog! Ihm war aber klar, dass der Höhepunkt des Trauerspiels noch ausstand…

Und dies ausgerechnet an einem Tag, an dem in der Firma wieder einmal der Katastrophenknüppel ausgepackt worden war! Zwar hatte der umtriebige Spartenleiter Dr. Osterkorn die siebzehn Power Point Folien mit permanent sinkenden Auftragseingängen in allen Bereichen der Wäschesparte bei TRIGA anfangs kommentarlos vorbeihuschen lassen, dann aber doch ohne jede Vorwarnung auf die brutalst mögliche Art das volle Ausmaß der ‚russischen Unterwäschekatastrophe’ an die Projektionswand geklatscht!

Denn seit Putin Mitte des Jahres in der gesamten Eurasischen Wirtschaftszone ein Einfuhrverbot und Produktions- und Verkaufsverbot für Spitzenunterwäsche erlassen hatte, gab es praktisch keine Aufträge mehr von den beiden russischen Unterwäschegroßhändlern ‚ARMED’ und ‚Suwen’! Der gesamte Geschäftsverkehr mit Russland war von einem Tag auf den anderen zusammengebrochen. Und das nur, weil Väterchen Putin meinte, neben der Ukraine sich auch um die Gesundheit seiner Landsleute kümmern zu müssen! Schließlich setzten diese nicht saugenden Spitzenhöschen und satanischen High Heels seinem ohnehin schon durch Wodkaüberflutungen arg geplagten Völkchen in ungeahntem Ausmaß zu: denn die dadurch eingeschleusten faschistischen Geißeln, ‚Blasenkatarr’ und ‚Fußfehlstellung’, drohten nun auch noch die russischen Frauen zu dezimieren…

Carl zögerte!

Sollte er wirklich diesen kompletten Firmen-Schmarren vor Gerlinde ausbreiten und ihr die Laune verderben? Wo sie doch nach der arg wirren Begrüßungsstarre jetzt wieder richtig quicklebendig vor ihm herumzappelte und mit traumhaften Leckereien lockte. Und das alles bestimmt in einem ihrer bezaubernden roten Spitzenhöschen, wie sie Putin gar nicht mochte, da war er sich ganz sicher…

Nein – das tat er nicht!

Dazu war er auch viel zu müde und abgespannt!

Am Liebsten hätte er ohne ein weiteres Wort und ohne Gerlinde – aber mit dem schönen Riesling – nur das superbe Essen in sich hineingeschaufelt und Country Music gehört… Doch das rote Spitzenhöschen war nicht zu bremsen: denn kaum hatte Carl das zarte Steak zwischen seinen Zähnen zermalmt, durchgespeichelt, in den Magen versenkt und mit drei Gläsern Riesling abgelöscht, als Gerlinde ihn schon mit der Frage überfiel – ob er glücklich sei?

Carl prostete ihr abwiegelnd zu und versuchte lachend die Frage zu übergehen! Ja er entblödete sich nicht einmal – obwohl er unfähig war, auch nur noch einen Bissen in sich hineinzuwürgen – sie zu fragen, ob sie nicht doch noch eine klitzekleine ‚Nachspeiseüberraschung’ für ihn bereit hielte?

„Natürlich“ sagte Gerlinde verschmitzt, „ich möchte wissen, ob du glücklich bist, Carl“? „Heißt das, meine Nachspeise ist was zum Knabbern? Nämlich die Frage ‚bin ich glücklich’?“ fragte Carl neugierig.

„Ja!“

„Was bringt dich denn dazu?“, sagte Carl irritiert.

„Na ja, ich möchte es halt wissen? Hannelore ist nämlich nicht glücklich!“

„Was bei dieser überspannten Kuh, wirklich kein Wunder ist“! polterte Carl.

„Warum denn gleich so heftig“?

„Weil ich plötzlich das Gefühl habe, dass da schon wieder irgendjemand Unruhe stiften will! Wäre ja nicht das erste Mal?“ geiferte er.

„Sei doch nicht gleich so empfindlich, Carl! Man wird doch noch eine schlichte Frage stellen dürfen?“

„Ja gut, Gerlinde, frag! Befrage mich soviel und so lang du willst über das ‚Glück’! Aber erwarte bitte nicht, dass ich darob auch noch vor ‚Glück’ zerfließe! Ehrlich gesagt, wär’s nicht nur schade um das wunderbare Steak in mir, sondern ich weiß tatsächlich nicht, was dieses von dir nachgefragte ‚Glück’ ist, oder nicht ist?“ sagte Carl gereizt.

„Geht’s vielleicht weniger theatralisch?“

„Natürlich! Ich weiß aber wirklich nicht, was du mit ‚glücklich sein’ meinst?“ entrüstete sich Carl und suchte vergeblich Trost bei seinem längst raumtemperierten Riesling.

„Weiß ich auch nicht! Aber in der Werbung sind ja auch immer alle glücklich!“

„Denkst du da etwa an dieses himmlische ‚Abführmittelglück’ der verblühten Blonden, der in jedem ihrer Spots die Gedärme ‚glücks-bringend’ entknotet werden?“ frotzelte Carl.

„Ja, zum Beispiel!“

„Oder meinst du die strahlende Omi, die dank Voltaren plötzlich ihre Enkelchen wieder entdeckt, da sie sich zu ihnen hinunterbücken kann?“ ätzte Carl.

„Auch die…!“

„Du siehst aber schon“, giftete Carl weiter, „dass es immer Frauen sind, die spontan glücklich werden – nie Männer?“

„Wie immer neigst du zur Vereinfachung, lieber Carl! Es gibt nämlich schon ein ‚Glück’ außerhalb der Werbung, das sehr wohl euch Männer auch angeht?“

„Ich höre…?“ Carl spitz.

„Zum Beispiel das oft beschworene Glück in der Liebe?“

„Hm“ brummte er.

„Oder anders gesagt: bist du nun glücklich mit mir – oder bist du es nicht?“

„Gott – was soll das denn jetzt, Gerlinde! Ich dachte mit diesem Thema wären wir endgültig durch?“ stöhnte Carl.

„Na dann sag doch einfach ‚Gerlinde ich bin glücklich mit dir’!“

„Aber natürlich, das weißt du doch“, säuselte Carl gelangweilt.

„Dann weißt du also doch, was ‚glücklich sein’ heißt?“

„Ich ahne es vielleicht, Gerlinde! Und es hat sicher eine Menge mit Sicherheit und Zufriedenheit zu tun, wenn du so willst“, sagte Carl fast feierlich.

„Heißt das im Klartext, dass du zumindest zufrieden bist mit mir?“

„Ja – wenn du so willst! Aber ich bin mit allem hier zufrieden, liebe Gerlinde“, warf Carl sentimental ein, „auch wie du alles sauber hältst, auch mit dieser halbvollen Flasche Riesling, die gleich leer sein wird und natürlich auch, wenn wir danach ins Bettchen hüpfen…“

„Ist eigentlich diese Reihenfolge – Sauberkeit – Riesling – Bett – zufällig hingesagt oder ganz bewusst von dir so gewählt worden?“

„Wenn ich ehrlich sein soll, mag ich diese Reihenfolge“, sagte Carl erstaunlich selbstbewusst, „irgendwie ist sie für mich richtig und wichtig, wenn ich etwas wie ‚Glück’ empfinden soll!“

„Und meinst du deine Reihung würde eine kleine Variation aushalten?“

„Welche Variation denn…?“ fragte Carl zögernd.

„Ich mein die leicht abgewandelte Reihenfolge: Sauberkeit – Bettchen und dann erst Riesling! Bei der Reihenfolge könnte ich nämlich auch wieder manchmal glücklich sein!“

„A-h-a“, seufzte Carl und bedauerte spätestens da, dass die Besprechung über die verkorkste Auftragslage bei TRIGA nicht noch andauerte…

KH

Roland Dürre
Mittwoch, der 5. November 2014

Festliches Adventssingen

Und wieder mal mache ich Werbung für den wunderschönen Klang der Stimmen der Arcis-Vocalisten. Ich zitiere:

arcisAbseits vom Trubel und Hektik der Vorweihnachtszeit laden Evelyn (EG) und die für ihre Ausdrucks- und Gestaltungskraft bekannten Arcis-Vocalisten München unter der Leitung von Professor Thomas Gropper auch dieses Jahr wieder zu einem Musikerlebnis ein, das den besinnlichen Zauber der Adventszeit und die Vorfreude auf das Weihnachtsfest lebendig werden lässt.

Von traditionellen Weisen über Werke barocker Tonsetzer wie Michael Praetorius; von Chorälen des Bach´schen Weihnachtsoratoriums über festliche Chöre aus Händels „Messias“ bis hin zu Ausflügen in die Romantik in Gestalt des „Gloria“ aus der doppel¬chörigen Messe in Es-Dur von Josef Gabriel Rheinberger.

Mit ihrem Adventssingen bringen die Arcis-Vocalisten eine Auswahl an stimmungsvollen Werken dar, die sich nicht ohne Grund als „Klassiker“ der adventlichen und weihnachtlichen Vokalmusik etabliert haben. Von hoffnungs- und vertrauensvoller Erwartung bis hin zum Jubel über das Wunder der Weihnacht reflektiert diese Musik die prägenden Emotionen und den Zauber dieser ganz besonderen Zeit des Jahreskreises.

RMD

Klaus Hnilica
Dienstag, der 20. Mai 2014

Fast allein im Bett…

Carl und Gerlinde (XXXV)

Fantastisch – endlich hatte Carl ein ganzes Wochenende für sich!Er konnte tun und lassen was er wollte – und musste mit keiner Gerlinde noch zum Einkaufen hetzen und zum Samstagnachmittagkaffee, bevor es abends nach Frankfurt ins Kino ging! Oder ins Theater, die Oper – oder gar ins Konzert! Trost brachten eigentlich nur die Schoppen danach. Doch auch den dicken Kopf, wenn er gleich am nächsten Tag im Morgengrauen mit Gerlinde um die Wette strampeln musste, da Bewegung ja so gesund war! Selbst bei Regen wurde erst vom Rad gestiegen, wenn die aufgeweichte Haut am Po erste Wellen schlug. Gott sei Dank stieg er wenigstens vom Elektrofahrrad!

ZFast img114 „Endlich hast du einmal Ruhe von mir“, zwitscherte Gerlinde neckisch, als sie Samstagmorgen am Bahnhof aus seinem Auto sprang. Für einen flüchtigen Kuss reichte es grad noch, dann verschwand sie auch schon in ihrer schnatternden ‚Girly Group’: man fuhr nach Köln, um sich weiß Gott was für einen Kram anzuschauen…

Unglaublich! Er saß jetzt tatsächlich ganz alleine zu Hause auf seiner Terrasse! Nur er und sein Bier! Beide linsten zufrieden in einen Garten, der ihnen fast jubelnd entgegenblühte. Welch wunderbare Ruhe. Niemand laberte ihm die Ohren ab. Und niemand beschimpfte sein Bierchen. Er hörte sogar die Vögel singen: die waren ihm noch nie aufgefallen, außer sie lagen ohne Kopf beim Rhododendron, weil Nachbars Angorakatze Stuppsi wieder auf Kriegspfad gewesen war. Aber mit Kopf tirilierten sie jedenfalls beeindruckend, selbst wenn Carl keines dieser emsigen Klangwunder benennen konnte. Schade eigentlich, über Vögel hätte er gerne mehr gewusst; vermutlich gab es da eine ähnliche Vielfalt wie bei den Bieren, die auch beachtlich war.

Eigentlich war es etwas schwül heute Vormittag! Umso mehr genoss Carl die angenehme Kühle auf der Terrasse. Vollkommen entspannt ließ er Schlückchen für Schlückchen in sich hineingurgeln, musste dann allerdings schnell feststellen, dass auch dieses Fläschchen schon wieder leer war. Donnerwetter – das ging ja ratzfatz! Vermutlich war es gar nicht richtig voll gewesen: heutzutage musste man ja mit allem rechnen…

„So und was tun wir jetzt?“ fragte Carl dann laut den Hibiskusstrauch vor ihm, während er in sich hineinhörte, um auch die nächsten Schritte optimal gestalten zu können. Auf keinen Fall wurde auch nur ein Handschlag im Garten gemacht! Das stand fest! Dazu war die ‚Gerlindelose Zeit’ viel zu kostbar. Heute wollte er wirklich einmal so richtig ‚die Seele baumeln lassen’, wie sein Freund Kurt zu sagen pflegte.

Immerhin war es jetzt zehn Uhr und der Vormittag noch blütenweiß und unverbraucht! Gott – die Zeitung! Auf die hätte er beinahe vergessen. Das war’s doch! Dazu einen wunderschönen Espresso – und da ihn heute keine strafenden Gerlindeblicke in die Hölle schickten, durfte er sich auch die eine oder andere seiner feinen ‚Davidoff–Zigarillos’ genehmigen!

Die blöde Espressomaschine war unerwartet sperrig! Doch nach drei ‚Herzinfarkt nahen Anläufen’ und einer nicht unerheblichen Überschwemmung in der Küche hatte er’s geschafft. Danach lauerte allerdings schon die nächste Nobelpreis verdächtige Aufgabe: es musste ihm gelingen, aus Gerlindes tausendfacher bunter ‚Nespressokapselvielfalt’ genau jene Kapsel herauszufischen, die ihn in die von ihr kultivierte Espressoglückseligkeit gleiten ließ! Doch diese Anforderung bewältigte Carl überraschend pragmatisch! Er trank zwei Schnäpse, schloss die Augen, griff sich irgendeine Kapsel und stand dreißig Minuten später schon mit einem herrlich duftenden Etwas auf der Terrasse! Tja wenn es sein musste, konnte er eben alles!

Leider war starker Wind aufgekommen. Es begann auch zu regnen und Carl meinte sogar ein leichtes Grollen aus der Ferne zu hören. Die Zigarillo lockte bei diesem Wetter natürlich nicht mehr so stark. Aber Carl ließ sich die Laune nicht verderben. Er kroch mit seinem Espresso ins Haus zurück, schloss die Terrassentür und machte es sich auf dem ausladenden, weichen Ledersessel bequem. War auch nicht schlecht! Und statt der Zigarillo genehmigte er sich einen prickelnden Aperol Sprizz. Und weil der gar so schmeckte, gleich noch einen hintennach. Ja und dann war da noch die Zeitung gewesen! Doch als er unschlüssig nach ihr zu suchen begann, spürte er plötzlich irgendwie ein leichtes Hungergefühl in sich hochsteigen. Die kleine Portion Heringssalat, die Gerlinde um diese Zeit gelegentlich mit einem Stück Schwarzbrot als Brunch servierte, wär’ jetzt nicht schlecht gewesen. Zugegeben. Aber es ging auch ohne! Ja sogar sehr, sehr gut ohne! Außerdem hinderte ihn niemand daran, das von Gerlinde vorbereitete Spargelrisotto zu wärmen – mit Lachs, den er nur aus dem Keller holen musste. Aber sollte er sich wirklich jetzt in die Küche stellen und herumpatzen? Das wär ja noch schöner gewesen: er schickte doch nicht seine ‚Haushaltsgeliebte’ für ein komplettes Wochenende nach Köln, um selbst in der Küche herumzuturnen? Aber hallo, wo waren wir denn? Er musste sich doch nicht vollständig zum Affen machen. Als Mann war man heutzutage ohnehin von morgens bis abends der Depp, oder?

Draußen krachte es richtig! Tatsächlich war ein Gewitter aufgezogen. Von wegen ‚schnell mal zum Italiener gehen’, war nicht mehr! Die hereingebrochene Sintflut war schlimmer als alles was er je auf Gerlindes Regenmarathonradtouren erlebt hatte! Selbst Stuppsi wurde vom letzten erreichbaren Vogelnest weggespült und suchte verängstig zwischen den Mülltonnen Schutz. Gerlinde hätte hämisch gegrinst, sie hasste diese Vogelmörderin! Besorgt pilgerte Carl von Fenster zu Fenster, um den Weltuntergang aus allen nur möglichen Blickwinkeln miterleben zu können: auch wie sich seine prächtige Trauerbirke bei jeder neuen Böe in einen ängstlichen Bodendecker verwandelte und Nachbars Riesenfichte frech zu seiner Terrasse herüberfasste – noch ein, zwei Windstärken mehr und sie fingerte mit ihrem Wipfel prompt in seinem vierten Aperol Sprizz herum…

Gegen 15.00 Uhr überfiel Carl ein derartiger Heißhunger, dass er sich kurz entschlossen doch über Gerlindes Spargelrisotto machte. Ohne Lachs, denn das blöde Vieh hatte natürlich vergessen sich rechtzeitig aufzutauen! Na ja – von Fischen konnte man nicht mehr erwarten. Und das Risotto war offensichtlich ähnlich tumb und brannte an – aber es half ihm nichts, Carls Hunger trieb es trotzdem durch seine Speiseröhre und wie es mit den nachgeschütteten Schnäpsen zurecht kam, war dann wirklich nicht mehr sein Problem. Und das Geschirr auf dem Tisch konnte ihm auch gestohlen bleiben. Für ihn gab es jetzt nur noch sein weiches Bettchen im abgedunkelten Schlafzimmer…

Als Carl aus dem Mittagsschlaf hoch schreckte, war es Punkt 18.00 Uhr! Das war knapp – noch ein Viertelstündchen länger und er hätte den Beginn der Sportschau verpasst! Hurtig schlüpfte er in seinen Morgenmantel, schnappte sich ein Bierchen und ein paar Chips und schon saß er vor dem Fernsehapparat! Das heißt er lag mehr als er saß – denn heute konnte er ja genüsslich seine nackten muskulösen Beine in voller Länge auf die kühle Glasplatte des Beistelltisches platzieren. Wenn er sie kurz anhob, was bauchmuskeltechnisch gar nicht ohne war, waren da echt prächtige dunkle Flecken auf der frisch polierten Glasplatte. Carl verzichtete auch freiwillig auf die bequemen Kissen, die er sonst unterlegte. Denn das wär nur der halbe Spaß für Gerlinde gewesen: die richtigen satten Abdrücke brachten nur kräftige, schwitzende Männerbeine! Das war Tatsache!

Tatsache war aber auch, dass Dortmund gegen Leverkusen nicht mehr gewinnen konnte, sondern schon wieder Unentschieden spielte und dass er schon wieder Hunger hatte! Musste er jetzt wirklich den ganzen Fresskram selbst herbeischaffen? Und auch noch Aufdecken und danach wieder alles wegräumen? Nee, das konnte Gerlinde an seinem freien Tag wirklich nicht von ihm wollen – so boshaft konnte selbst sie nicht sein. Energisch zog Carl seine nackten Beine von der Glasplatte, langte im Kühlschrank nach der aufgeschnittenen Zungenblutwurst und trabte dumpf wie ein angezählter Elch auf die Terrasse. Der Abend war überraschend mild nach dem fürchterlichen Unwetter! Carl konnte es gar nicht fassen. Mit ungeahnter neuer Beweglichkeit schaffte er binnen weniger Minuten Weißbrot, Käse, Butter, zwei Flaschen eiskalten Jechtinger Rivaner und die volle Packung Zigarillos auf den Terrassentisch. Und als sich dann auch noch die völlig durchnässte Stuppsi aus der Nacht schälte und ihn verängstigt beäugte, warf er ihr gutgelaunt eine köstliche Zungenblutwurstscheibe nach der anderen hin… Nur – warum dann auch noch Gerlinde aufgetaucht war, konnte sich Carl beim besten Willen nicht erklären, als er in der Nacht kurz aus seinem Tran hoch dämmerte. Sie war es doch, oder? Wenn auch auf der falschen Bettseite? Er hatte ihr doch gerade mehrfach durch ihr flauschig feuchtes Wuschelhaar gekrault? Gerlinde liebte das, sie konnte dann schnurren – wie die Stuppsi… KH

 

Roland Dürre
Montag, der 17. März 2014

Brahms im Herkulessaal – Evelyn ist dabei!

Die Arcis-Vocalisten sind wieder unterwegs!

Und unsere Evelyn, die so toll für Sie und mich die IF-Blog-Artikel ins Englische übersetzt, ist mit von der Partie! Am 29. und 31. März bringt ihr Chor die Frucht seiner Proben seit Beginn dieses Jahres zu Gehör:

Johannes Brahms (1833-1897) – Ein Deutsches Requiem – Nänie

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Samstag, 29. März 2014, 17.00 Uhr, Klosterkirche Schäftlarn

Montag, 31. März 2014, 20.00 Uhr, Herkulessaal der Residenz München

Arcis-Vocalisten & Neue Philharmonie München
Thomas Gropper, Leitung
Hanna Herfurtner, Sopran
Andreas Burkhardt, Bass

Das Stück ist eines der eindringlichsten und wirkungsmächtigsten geistlichen Chorwerke überhaupt: Das „deutsche Requiem“ (op. 45) von Johannes Brahms. Der Komponist machte nicht den Text der klassischen lateinischen Totenmesse einschließlich ihrer drohenden, Strafe verheißenden Elemente zur Grundlage seines Werks, sondern stellte selbst Bibelstellen des Alten und des Neuen Testaments zusammen, bei denen Trost und Hoffnung im Vordergrund stehen.

Aus diesem textlichen Stoff schuf Brahms ein machtvolles, von Würde, Ernst und musikalischer Poesie geprägtes Werk, das den Hörer zugleich erschüttert und besänftigt, sich durch einen atemberaubenden und zwingend geformten Spannungsbogen auszeichnet und durchweg eine über das Ende des irdischen Seins hinausweisende Hoffnung in den Mittelpunkt stellt.

Ergänzt wird das „Deutsche Requiem“ durch Brahms‘ „Nänie“ (op. 82), einen Trauer- und Klagegesang nach dem gleichnamigen Gedicht von Friedrich Schiller. Wie das „Deutsche Requiem“ setzt auch dieses Werk in musikalisch genialer Weise Zuversicht und Trost an die Stelle von Verzweiflung und Resignation.

Die Arcis-Vocalisten präsentieren die beiden Werke gemeinsam mit der Neuen Philharmonie München, einem Ensemble, das sich seit seiner Gründung 2005 zu einem der meistbeachteten jungen Orchester der Region München entwickelt hat und zu Recht einen hervorragenden Ruf genießt.

Karten mit freier Platzwahl im gesamten Kirchenraum  erhalten Sie über München-Ticket oder vorab bei den Arcis-Vocalisten (mailto:newsletter@arcis-vocalisten.de, ohne VVK-Gebühren) für Samstag, den 29. März um 17 Uhr in der Klosterkirche Schäftlarn zu je 25 Euro.

Ebenso für Montag, den 31. März um 20 Uhr im Münchner Herkulessaal der Residenz in folgenden Kategorien.

1. Kategorie 35 Euro
2. Kategorie 30 Euro
3. Kategorie 25 Euro
4. Kategorie 20 Euro

Die Vocalisten und besonders Evelyn freuen sich, wenn auch ein paar IF-Blog-Leser ihr die Ehre geben möchten.

RMD

Klaus Hnilica
Donnerstag, der 31. Oktober 2013

Nordlicht über der Kinzig…

„Gibt es dieses ‚Nordlicht’ wirklich oder nur beim Komasaufen?“ fragte Maria bewusst dümmlich in die schnatternde Runde im „Artemis Palace“ in der Gelnhäuser Straße, wo die schwitzende Stammtisch-Clique bereits gefühlte hundert Jahre auf ihr Gyros wartete…

Quarkteilchen_if_blog„Wie kommst du denn darauf – bei dieser Affenhitze?“ stöhnte Gerald neben ihr, mit einem kaum merkbaren Zucken um seine tropfnasse Oberlippe.

„Ja hat nicht gerade jemand am Tisch übers Nordlicht gelabert?“ wunderte sich Maria. Irritiert schwenkte sie ihre schwarze Haarpracht ins tosende Stimmengewirr.

„Nee“ blökte Gerald, während er ausgelaugt seine Stirne trocknete und das zweite Glas Bier killte, „ich hab nichts Nordlichtmäßiges gehört?“

„Hey – herhören, wer hat gerade ‚Nordlicht’ intoniert?“ trompetete Maria schrill in die wabernde Runde.

„Ich“, rief Kurt hinten von der Tischecke, „ich hab der Martha – quasi zur Abkühlung – von unserer letzten Kreuzfahrt zum Nordkap erzählt und von den irren Nordlichtern, die wir jeden Abend gucken mussten – echt der Wahnsinn!“

„Na siehst du – doch Nordlicht! Ich bin ja nicht taub! Aber du, Gerald, solltest dir vielleicht statt Biersaufen einmal deine Löffelchen durchpusten lassen, was hältst du davon?“

„Haha – sehr witzig“ nuschelte Gerald, trocknete sorgfältig sein verschwitztes Gesicht mit zwei Papiertaschentüchern und orderte gleich das dritte Bier da er schon einmal am Reden war …

„Und Kurt…weißt du jetzt wie so ein ‚Nordlicht’ entsteht?“ fragte Maria angriffslustig.

„Ja … oder vielmehr, nein!“, sagte der braungebrannte hoch aufgeschossene Kurt und verzog bedauernd sein feucht glänzendes Gesicht.

„Unser Reiseführer hatte es zwar dreimal am Tag erklärt, aber ich hab’s vergessen und auch nie richtig kapiert, wenn ich ehrlich bin. Auf jeden Fall hat es irgendetwas mit dem Erdmagnetfeld zu tun.“

„Und? Ist das alles?“ hakte Maria keck nach.

„Ja – mehr weiß ich nicht mehr, Frau Oberlehrerin…“

„Das ist ja weniger als Nichts, Herr Kurt… Wie war grad ihr Name?“

„Kannengießer“!

„Setzen – gibt eine Sechs, Herr Kannengießer!“

„Ich sitz ja schon“, lachte Kurt und wandte sich wieder seiner bunt bemalten Nordkap – Martha zu.

„Und – du Johannes, weißt du vielleicht wie dieses ominöse ‚Nordlicht’ zustande kommt?“ fragte Maria, nagend wie sie nun einmal war, plötzlich ihr Gegenüber, nachdem sie Johannes vorher kurz fixiert hatte.

Sie streifte dabei aufreizend eine ihrer schwarzen Haarsträhne hinter ihr abstehendes rechte Ohr und genoss die Verlegenheit, in die sie den ‚stillen Töpfer’, wie sie den Industriekeramiker spöttisch nannte, mit ihrer überraschenden Frage brachte.

Johannes war tatsächlich sehr schweigsam! Und unauffällig!

Die schütteren, schmutzig blonden Haare, kurz geschnitten, taten ein Übriges, wobei das großflächige Gesicht stark gewann, wenn er sein verschmitztes Grinsen aufsetzte.

Er war dreißig, Junggeselle und schaffte es trotz seiner zurückhaltenden Art bei jeder Stammtischrunde am dritten Freitag im Monat, Maria gegenüber zu sitzen; grad so als wollte er sicher stellen, dass wirklich alle ihre boshaften Giftpfeile wie beim heiligen Sebastian, ausschließlich in seinem Körper landeten und niemand anderen verletzten.

Vielleicht war das auch der entscheidende Grund, warum er immer noch in dieser Runde saß, seit ihn Kurt vor acht Monaten mitgebracht hatte: denn von der Firma Heraeus in Hanau war er zu einem zweijährigen Forschungsprogramm im Bereich Industriekeramik geholt worden und war ganz neu in Rodenbach.

Und die Gluthitze des Sommers kam ihm wohl gerade zupass: wie sonst war bei all seiner Zurückhaltung zu erklären, dass er ständig gute Laune hatte und immer öfter die Getränkerechnung für alle übernahm; auch für die ‚giftige Maria’, wie er feixend anmerkte, ihr aber damit nur ein nachsichtiges Lächeln abrang, bei dem sie gerade mal den linken Mundwinkel nach unten zog.

Maria hatte mit der brütenden Hitze im „Artemis Palace“ auch kein Problem: als sie ihr Gyros ohne großflächigen Schweißausbruch in sich hineingearbeitet hatte, posaunte sie sofort wieder zwei Mal hintereinander die ‚Nordlicht – Frage’ in Richtung Johannes und das total verblasste, grauenhafte Wandgemälde der Akropolis hinter ihm!

Da Johannes aber noch immer an einem größeren Tintenfischlappen herumkaute, sagte er nur „so, tu ich das“? als Maria spöttisch meinte, dass er doch sonst immer so klugscheißerisch daherkomme.

„Ja das tust du“, warf Maria schneidend ein; die andern horchten für einen Moment auf.

„Tu ich das wirklich?“

„Ja schon manchmal…“ schallte es von allen Seiten.

„Oh – das tut mir aber Leid“, sagte Johannes mit einem leicht rötlichen Farbton im Gesicht: „als Besserwisser wollte ich nämlich nie gelten, wenn ich mich recht entsinne – trotzdem Prost allerseits!“ Er hob sein Glas, prostete vergnügt allen zu und schluckte den restlichen Amthystos – eine Art griechischer ‚Grüner Veltliner’ – in einem Zug weg.

„Prima, dass wir das geklärt hätten – aber jetzt  wieder zum ‚Nordlicht’, lieber Johannes, so schnell kommst du mir nicht davon, gell!“ sagt Maria nach einer winzigen Pause freundlich, aber doch so, dass Johannes wusste, was er zu tun hatte.

Denn obwohl ihm der Anblick des orange funkelnden Longdrinks, an dem Maria ununterbrochen wie ein indisches Rüsselschwein herumsaugte, bis in die Gedärme weh tat, sagte er tapfer, „gut ich will es versuchen! Aber vorher müssen ein paar Grundlagen abgeklärt werden, sonst wird das nichts! Einverstanden?“

„Wenn’s sein muss?“ grunzte Maria.

„Also, Maria, weißt du was ‚ionisierte Teilchen’ sind?“

„Du meinst jetzt aber mit ‚Teilchen’ nicht die oberst leckeren Quarkteilchen, vom Bäcker Briegel oder die noch geileren mit Butterstreusel, die ich so gern in mich hinein spachtle? Die sind nämlich alles andere als ‚ionisiert’, lieber Johannes…“

„Johannes – du Saukerl, ist dieses ‚Ionisieren’ was Schweinisches?“, blaffte Kurt von seiner Tischecke dazwischen.

„Oder was geil Antikes?“ kicherte seine buntige Nordkap – Martha.

„Oder meinst du mit Teilchen nur eines dieser langweiligen ‚Atome’, die jeder nachhaltig denkende Deutsche neuerdings gefälligst zu meiden hat?“ fragte Maria plötzlich überraschend ernst und nippte zur Betonung ihrer spontan aufgesetzten Seriosität auch gekonnt damenhaft an ihrem ‚orangefarbenen Gülleextrakt’.

„Guck mal da“, spottete Hermine, neben ihrer Freundin Maria, „unsere Nervensäge macht jetzt einen auf Naturwissenschaft, das ist ja ganz was Neues!“

„Sag wenn ich das richtig checke, Johannes, meinst du doch mit ‚Ionisieren’, dass aus dem Atom ein Elektron rausgedonnert wird und das Restatom sich affengeil in ein ‚positives Ion’ umwandelt, oder?“ fragte Maria in die eingetretene Stille und lümmelte sich aufreizend jetzt mit beiden Ellbogen auf den Tisch.

Johannes, leicht verstört von Marias wetterleuchtenartig aufblitzenden Physikkenntnissen, schloss seinen offen stehenden Mund und gackerte in Richtung Maria, „ja – das – mein ich, Maria! Ge – ge – nau das mein ich…!“

„Und meinst du auch, dass bei dieser ‚Ionisation’, die anderen Elektronen dieses aufgegeilten Atoms auf höhere Energieniveaus geschubst werden und echt einen bunten Lichterwahnsinn erzeugen, wenn sie wieder auf die niedrigeren Niveaus zurückpurzeln?“

Johannes nickte nur stumm, da sich sein Mund, bei soviel physikalischem Sachverstand, wieder von selbst aufgeklappt hatte…

„Wie und das soll dieses ‚überirdische Nordlicht’ sein? Das ist doch nicht dein Ernst, Johannes – oder hast du’s grad verschluckt, weil du deinen Rachen nicht mehr zukriegst?“ kicherte Maria sichtlich zufrieden über die Reaktion auf ihr voll abgefahrenes Physikreferat; schließlich hatte sie erst vor ein paar Wochen ein supergeiles Abitur hingelegt…

„Nein Maria, das ist natürlich noch kein Nordlicht“, antwortete Johannes leicht angesäuert, aber auch beeindruckt, ohne Maria aus den Augen zu lassen und jetzt doch mit einigen Schweißperlen auf der Stirn, „das hängt nämlich von den Umständen ab, wo und wie diese ‚Ionisierung der Atome’ passiert!“

„Von welchen Umständen denn, los erzähl, du Schlauberger?“ drängte Maria.

„Na ja vom Erdmagnetismus am Nordpol, zum Beispiel …“

„Hey – warum das denn?“

„Weil am Nordpol die Erdmagnetlinien direkt senkrecht ins Meer gehen…“

„Oder ins Eis“, warf Maria ein, „was dann doppelt cool ist, oder?“

„Ja – so könnte man sagen, deswegen sieht man ja bei uns über der Kinzig zum Beispiel ums Verrecken kein Nordlicht, weil die Erdmagnetlinien nicht senkrecht in die Kinzig stürzen sondern flach drüber liegen, wenn du weißt was ich meine…“

„Meinst du flach liegen…oder flach legen, Johannes? Da ist nämlich ein feiner Unterschied, wie du vielleicht auch wissen könntest…“

„Ich wusste es doch, dass dieses ‚Ionisieren’ eine Sauerei ist!“ plärrte Kurt ins allgemeine Gegröle.

„Aber abgesehen von diesen angeblich flach liegenden Erdmagnetlinien über der Kinzig…“, bohrte Maria weiter „von welchen ‚anderen geilen Umständen’ hängt denn das Nordlicht noch ab? Mach’s doch nicht so unnütz spannend, Johannes!“

„Vom Sonnenzyklus… liebe Maria – und dieser komischen Elf-Jahres-Periode“!

„Sag bloß, dass die Scheiß-Sonne, die uns so schwitzen lässt, auch eine Periode hat? Das ist ja echt abgefahren, oder?“ kreischte Maria, zog endlich wenigstens einen ihrer Ellbogen vom Tisch und strich eine weitere feuchte Haarsträhne so nach hinten, dass Johannes für einen Moment ihre schweißglänzenden unbehaarten Achselhöhlen sah…

„Jetzt wird’s aber unappetitlich, gell, Maria“ ging Hermine dazwischen, während der Rest der Rund, völlig ermattet, Maria nur noch schweigend zuprosten konnte…

Johannes lächelte auch nicht mehr, er hatte endgültig die Lust an der ‚Entstehung des Nordlichtes’ und seiner ‚wissenschaftlichen Erklärung’ verloren.

Und da auch alle anderen, nicht nur vom ‚Griechischen Essen’ und der ‚Griechischen Hitze’ im Lokal genug hatten, sondern auch von Marias nagendem Nordlichtverhör, blies Kurt spontan zum Aufbruch und bereitete damit auf eine eher uncoole Weise dem Nordlichtspuk ein überraschendes Ende.

Sogar Maria hielt den Mund, während sie reihum alle umarmte und ihren Schweiß austauschte…

Aber als nach endlosen Wochen, an einem Dienstag im November, an dem Maria zufällig ihren einundzwanzigsten Geburtstag feierte, um achtzehn Uhr, in ihrer Wohngemeinschaft im Alten Dorf, in der sie mit einigen anderen hauste seit sie in Frankfurt studierte, ihr iPhone dröhnte und Johannes dran war, war sie schon arg erstaunt

Und noch verblüffter war sie, als Johannes meinte, dass er sich entschuldigen wolle, weil er damals im August wegen der subtropischen äußeren Umstände mit seiner Erklärung des Nordlichtes nicht zu Ende gekommen war und sich anschließend nicht mehr blicken lassen hatte.

„Drum“ – sagte er – nachdem er mehrfach tief Luft holte, möchte er heute an ihrem Geburtstag, rein zufällig und natürlich nur, wenn sie nichts Besseres vor hätte, ihr zwar das Nordlicht auch nicht erklären, aber ihr wenigstens die Chance bieten, es richtig cool anschauen zu können… wenn sie möchte?

„Was anschauen?“

„Das Nordlicht!“

„Wo denn?“

„Wo – wo – wo, frag doch nicht so viel, Maria …“

„Aber ich will wissen wo?“

„Na – wo schon, über der Kinzig natürlich, ist doch klaro, oder?“

„Du hast ja echt einen Sprung in der Schüssel!“

„Nein Maria, das sieht man wirklich heute!“

„Du vielleicht, weil du besoffen bist, wie es scheint, oder?“

„Nee – du auch Maria und sogar dann, wenn du nur wieder ununterbrochen deine komische ‚Orangengülle’ schlapperst …“

„Aber du hast doch selbst gesagt, dass es über der Kinzig kein Nordlicht geben kann, wegen diesem flachliegenden Erdmagnetfeld“

„Ja das war gestern, Maria, aber heute gibt es eines…“

„Mir scheint jetzt willst du mich flachlegen, du Scherzbold, oder?“

„Nein, will ich nicht – also möcht ich schon – wenn du weißt was ich meine, aber nicht heute!“

„Wann denn dann?“

„Weiß ich nicht Maria, aber heute möchte ich dir das Nordlicht zeigen – wirklich…“

„Also ganz wirklich nur das Nordlicht, Johannes?“

„Ja so wirklich wie es wirklicher nicht geht…“

„Cool – dann vertraue ich dir halt, Johannes und komme – oder holst du mich ab, ich weiß ja gar nicht wo ich hin soll?“

„Natürlich, ich steh doch schon vor deinem Haustor…

„Dann komm doch hoch!“

„Ja wenn ich darf?“

„Klaro du Blödmann…!“

Und unabhängig davon, welch krachender Unsinn dann im ‚Rodenbacher Boten’“ und im ‚Hanauer Anzeiger’ stand, über dieses angebliche Laserspektakel an der Kinzig im Vogelschutzgebiet bei Erlensee – das gerade nur solange gedauert haben soll, dass deren dreiste Verursacher, die sich weder um die verärgerte Bevölkerung noch aufgeschreckte Tiere scherten, selbst nach Wochen noch nicht ausfindig gemacht werden konnten – wollte Maria nach diesem Dienstag absolut nicht mehr über ‚Nordlichter’ reden und auch nichts mehr darüber hören. Aber bestimmt nicht deswegen, weil ihr die aufgeschreckten Vögel leid getan hätten…

Und bei den darauf folgenden Stammtischtreffen im „Artemis Palace“ saß sie auch nie mehr Johannes gegenüber, sondern giftete neben ihm in die Runde, während er wie früher still in sich hineinschmunzelte und selbst noch aus dieser abwehrtechnisch ungünstigen Position, den einen oder anderen ihrer Giftpfeile einzufangen versuchte.

Die Hände der beiden blieben während dieser Treffs, komischer Weise weitgehend unsichtbar! Praktisch geisterten sie nur mehr beim Trinken und während des Verzehrs des Gyros, beziehungsweise der üblichen Tintenfischlappen über den Tisch – und natürlich, wenn Johannes die Rechnung für sich und Maria bezahlte.

Und als Kurt Kannengießer einmal keck die Frage in den Raum donnerte, ob sie denn beide keine Unterarme mehr hätten, da man die überhaupt nicht mehr sähe, grad so als wären sie amputiert worden, grinsten Johannes und Maria sich nur gegenseitig an und dann in die Runde – ohne auch nur ein winziges Bisschen rot anzulaufen…

Echt cool!

KH

PS:
Diese Geschichte ist aus dem neuen Buch „LichterWahnSinn“ der Autorengruppe Wortspieler; das Foto ist von Ralf Weingärtner

Roland Dürre
Donnerstag, der 10. Oktober 2013

Tweets zum Twittern und Bloggen #188

Hier meine Tweets der letzten Woche zum Thema:
Bloggen und Twitter, Weisheiten und Regeln

131003 Wer akzeptiert, muss bezahlen – Vorsicht – Twitterer und Blogger. #Twitter #Bloggen #Weisheit

131004 Wer alle Büsche scheut, kommt selten zu Holze – so auch beim Twittern und Bloggen? #Twitter #Bloggen #Weisheit

131005 Wer alle Dinge wüsste, würde bald reich – so auch beim Bloggen und Twittern? #Twitter #Bloggen #Weisheit

131006 Wer alle Welt fressen will, muss ein großes Maul haben – so auch beim Bloggen und Twittern. #Twitter #Bloggen #Weisheit

131007 Wer allen dient, macht sich keinem verbindlich – so auch beim Twittern und Bloggen. #Twitter #Bloggen #Weisheit

131008 Wer allerlei Holz aufliest, hat bald einen Arm voll – auch beim Twittern und Bloggen. #Twitter #Bloggen #Weisheit

131009 Wer alles will verfechten, der hat gar viel zu rechten – so auch beim Twittern und Bloggen. #Twitter #Bloggen #Weisheit

Jeden Tag kommt ein neuer Tweet dazu. Siehe unter twitter.com und “follow” RolandDuerre!
Viel Spaß beim Folgen!

RMD

P.S.
Die Sprichwörter habe ich auf Alle deutsche Sprichwörter gefunden.

Klaus Hnilica
Donnerstag, der 26. September 2013

Männer in Not – oder die lauernde Erotik im Haushalt

Carl und Gerlinde (XXXIV)

„Du warst beim Friseur!“ stellte Gerlinde überrascht fest, als sie das Glas Spätburgunder hob und Carl mit vollem Mund zuprostete; ein  unerklärlicher Heißhunger zwang sie, gleich noch ein Stück Vollkornbrot mit der köstlichen italienischen Mortadella nachzuschieben, obwohl sie den ersten Bissen noch gar nicht vollständig geschluckt hatte..

ZFimg089„Du – ja – auch – vor – zwei – Tagen …“, würgte Carl in letzter Sekunde aus sich heraus, bevor er mit blutrotem Kopf an einem üblen Hustenanfall zu ersticken drohte: er hatte sich verschluckt!

Immerhin brachte er alles noch soweit unter Kontrolle, dass die im Riesling schwimmende ungarische Salami in seinem Mund, nicht gänzlich über den frisch gedeckten Tisch verteilt wurde.

Doch während er mit Gerlindes Hilfe die schlimmsten Folgen des ‚Wurst-Wein-Chaos’ beseitigte, rang er immer noch nach Luft und hüstelte unentwegt in einem gedämpften Stakkato vor sich hin; aus seinen geröteten Augen drückten dicke Tränen…

„Ich wundere mich ja, dass du meinen Friseurtermin überhaupt wahr genommen hast“, sagte Gerlinde mitleidig spöttelnd, als Carl wieder ansprechbar war; sie leerte ihr halbvolles Glas nach dem überstandenen Schreck in einem Zug.

„Klaro – so was seh’ ich immer…“, krächzte Carl mit belegter Stimme.

„Dann könntest du ja zur Abwechslung auch einmal etwas sagen, oder?“

„Wieso denn, du weißt doch, dass du mir immer gefällst…“!

„Hm – hättest du bei deinem Friseurbesuch nur einen Blick in die neue ‚Bild der Frau’ geworfen, dann wüsstest du, wie wichtig so kleine positive Anmerkungen in Partnerschaften sind, mein lieber Carl!“

„Das mag sein“, sagte Carl und hüstelte sich erneut die Kehle frei, „dafür kenn ich aber die Probleme, die der Jogi Löw mit dem Mats Hummels hat und weiß, dass der Schweini beim Guardiola immer noch nicht richtig angekommen ist…“

„Apropos, Schweini – hast du auch den Schweinkram im „Stern“ gelesen?“ fuhr Gerlinde dazwischen.

„Nein – aber du wirst ihn mir bestimmt gleich erzählen – euch Frauen interessiert ja so etwas immer“, feixte Carl und nippte nach seinem überstandenen Erstickungstod ein erstes Mal wieder vorsichtig an seinem Riesling.

„Du –  ich weiß gar nicht, wie man darüber reden soll, aber laut „Stern“ passieren angeblich im Nachgang zu der Erotiktrilogie ‚Fifty Shades of Grey’ in London plötzlich die abenteuerlichsten Unfälle…“

„Keine Ahnung, Gerlinde – ich hab nur gelesen, dass sich der Poldi bei Arsenal London verletzt hat“, sagte Carl süffisant – jetzt wieder bei voller Stimme, und füllte Gerlindes leeres Glas aufs Neue mit dem seidigen Spätburgunder, der auch schon eine gewisse Wirkung in Gerlindes Äuglein zeigte, denn sie sagte kichernd: „du mit arsenal oder anal oder so haben die Unfälle in London nichts zu tun, die Feuerwehr hat da echt ganz andere Probleme zu lösen, wirklich peinliche…“

„Wie peinlich?“

„Na – die nackigen, entfesselten Gefesselten wissen offensichtlich nicht nur nicht, wie sie ihre Schlüsselchen für die Handschellen wieder finden, wenn sie sich nackig gefesselt haben, sondern müssen auch immer wieder aus allen möglichen Haushaltgeräten befreit werden, in denen sie sich auf die peinlichste Weise verfangen haben…“

„Aus Haushaltsgeräten?“

„Ja – aus Toastern, Staubsaugern und anderen praktischen Gerätschaften – und natürlich sind’s wieder die Männeken, die da rausgeholt werden müssen, lieber Carl…“

„Wie, die müssen aus Toastern befreit werden? Das glaub ich nicht!“

„Doch, Carl – steht laut „Stern“, alles im Londoner Feuerwehrreport…“

„Oh Gott“, stöhnte Carl, trank endlich das angefangene Glas Riesling aus, fuhr sich mehrfach mit einem Papiertaschentuch über seine tränenunterspülten Augen und sagte: “wieso plagen wir uns eigentlich bei TRIGA jede Saison aufs Neue mit immer raffinierteren Wäschekollektionen ab, wenn nach ‚Fifty Shades of Grey’ nicht nur Handschellen und Reitpeitschen die Leutchen in Fahrt bringen, sondern auch die stinknormalen Haushaltgeräte? Die Toaster und Staubsauger? Irgendetwas stimmt doch da nicht Gerlinde, oder?“

„Das ist eine gute Frage, Carl…“ sagte Gerlinde mit flackerndem Blick und unschuldig hochgezogenen Schultern, „aber vielleicht stimmt ja auch mit uns beiden etwas nicht? Vielleicht sind du und ich ja schon so abgestumpft, dass wir überhaupt nicht mehr in der Lage sind, genug Fantasie aufzubringen, um uns solche Dinge vorzustellen?“

„Also bitte – Gerlinde – jetzt gehst du aber zu weit…“

„Wieso zu weit? Hannelore hat schon alle drei Bände der Trilogie durch…“

“Und der Kurt“?

“Der interessiert sich auch nur für die kaputten Sprunggelenke von diesem Grötze oder Grütze…“

“Götze – Mario Götze, liebe Gerlinde… immerhin sind die zierlichen Sprunggelenke dieses ‚Götzen’ mehr als 30 Millionen Euro wert!“

“Na ja, so wertvoll bist du definitiv nicht, lieber Carl, das weiß ich ganz bestimmt – auch wenn ich schon ein bisschen betütelt bin! Aber immerhin könntest du deinen nur geringfügig niedrigeren monetären Wert schnell anheben, wenn du mir noch eines dieser köstlichen Fläschchen Spätburgunder aus dem Keller holst, was meinst du dazu“?

„Aber nur, wenn du mir versprichst, mich nie mit Handschellen zu fesseln – und schon gar nicht nackig…“, insistierte Carl und unterstrich seine Forderung dadurch, dass  er ein weiteres Glas kühlenden Riesling durch seine wieder genese Kehle jagte.

„Versprochen“, flötete Gerlinde.

„Gut, dann mach ich mich vollkommen entfesselt auf den Weg in den finsteren Keller“, grinste Carl.

„Aber vorher musst du mir noch schwören, dass du dich niemals und unter keinen Umständen an meiner Haushaltgerätschaft vergehen wirst! Schwöre das, Carl…“ lallte Gerlinde, schob mit großer Geste ihren schmutzigen Teller samt Besteck weit von sich, und bettete vorsichtig ihr schwer gewordenes Köpfchen auf den Tisch…

„Ich schwöre…“, intonierte Carl laut und sichtlich zufrieden, dass seine Stimmbänder wieder intakt waren.

Aber da Gerlinde bereits deutlich hörbar durch Worte nicht mehr zu erreichen war, sagte Carl auf dem Weg in den Keller zu sich selbst, dass die Alten vormals schon ihre guten Gründe gehabt hätten, darauf zu achten, dass Küchenarbeit und Putzen reine Frauensache blieb…!

Schließlich sollten ja ihre triebhaften jungen Männer möglichst unverstümmelt in die Kriege ziehen können…

Nicht so wie heute, wo die armen Männer nicht nur bei jeder Art von  Frauenkram mitmachen müssen, sondern dabei auch noch von Toastern und Staubsaugern attackiert werden…

Schlimme Zeiten sind das, murmelte Carl in den muffigen Keller – konnte sich dann aber am nächsten Morgen definitiv nicht mehr erklären, warum er voll bekleidet in Hose und Pullover auf seinem Bett lag – und die schlafende Gerlinde mit pinkfarbenen Handschellen an ihn gefesselt war.

KH