Roland Dürre
Mittwoch, der 10. August 2016

Bayerische Verfassung, Gemeinwohl-Ökonomie …

… Augenhöhe, Intrinsify.me, Demokratisches Unternehmen, Holokratie – und Buddhismus im Management … all das mag ich –
aber bitte kein CSR!

Vajrasattva (Tibet)

Vajrasattva (Tibet)

Die meisten von uns wollen das selbe, nämlich eine Wirtschaft, die für die Menschen da ist. Und in der die Menschen eben nicht für die Wirtschaft da sind.

So liebe ich die Bayerische Verfassung, die in einem Artikel präzise darauf hinweist, welches großartige Recht es ist, in einem Gemeinwesen ein Gewerbe ausüben zu dürfen – und wie dieses Recht die Unternehmer bzw. Gewerbetreibenden verpflichtet und ihnen so vorschreibt, dass die angebotenen und bereit gestellten Güter und Dienstleistungen zuerst mal den Menschen Nutzen bringen müssen.

Und in einem zweiten Artikel in dieser wunderbaren Verfassung wird dann das ganze noch mal explizit für die Finanzwirtschaft unterstrichen! Die das aber nicht interessiert und mehrheitlich Dinge anstellt, die zumindest in Bayern verfassungswidrig wären,
;-( wenn denn die Bayerische Verfassung für diese Themen noch von Belang wäre.

Ich spreche von Artikel 151 Bindung wirtschaftlicher Tätigkeit an das Gemeinwohl; Grundsatz der Vertragsfreiheit und 157 Kapitalbildung; Geld- und Kreditwesen. Es sind aber bei weitem nicht die einzigen wirklich lesenswerten Artikel, in der Bayerischen Verfassung gibt es da noch einige mehr

Genauso schätze ich die Bewegung der Gemeinwohlökonomie um ihren Protagonisten Christian Felber. Die haben eine Gemeinwohl-Matrix erarbeitet, an derer man prüfen kann, welchen Beitrag das Unternehmen, in dem man arbeitet oder das man vielleicht sogar „führt“ zum sozialen und gesellschaftlichen Leben leistet. Auch darüber lohnt es, sich zu informieren.

Das Projekt Augenhöhe mit dem gleichnamigen Film habe ich bewundert, weil da belegt wurde, dass es durchaus erfolgreiche Unternehmen gibt, die auf Augenhöhe funktionieren.

Wie mir auch die kühnen Gedanken der Menschen von intrinsify.me sehr nahe stehen, genauso wie auch die klaren Überlegungen der von Andreas Zeuch inspirierten Unternehmens-Demokraten, die glaubhaft machen, dass „demokratische Unternehmen“ besser funktionieren. Und die den wunderbaren Slogan geprägt haben:

ALLE MACHT FÜR NIEMAND!

Sogar die Freunde der Holokratie (holocracy) imponieren mir, auch wenn ich da die Gefahr einer Ermüdungsdemokratie sehe, die leicht zu „holocrazy“ führen kann.

Vor kurzem aber habe ich einen jungen Unternehmer kennen gelernt. Er heißt Julian Sametinger und hat eine Bachelor-Arbeit (zum Lesen draufklicken, sehr lesenswert!) mit dem Thema „Buddhismus im Management“ geschrieben. Es ist eine wunderbare Arbeit, die sich spannender wie mancher Krimi liest. Und da steht auch eigentlich wieder alles drin. Diese Arbeit ist auch der Anlass gewesen, warum ich den Post hier schreibe.

Vor all diesen Gedanken habe ich großen Respekt, allein ihre Existenz erfüllt mich mit großer Dankbarkeit.

Aber bitte kommt mir nicht mit CSA (Corporate Social Responsity). Das ist geheuchelt, produziert von universitären Ethik-Dampfplauderern, abgestimmt in staatlich eingesetzten Ethik-Kommissionen. Ich finde ich da überwiegend schwülstiges Geschwafel, wie wir es von Politikern und Lobbyisten kennen. Jedoch mit stattlicher staatlicher Kohle graphisch schön aufbereitet auf aufgeblähten Hochglanz-Folien und Plakaten der einschlägigen Verbände.

Gerne nenne ich hier auf Anfrage schlimme und auch nicht so schlimme Professoren wie deren oft absurde Machwerke und andere eher lächerliche Aktivitäten. Da ich in diesem Blog dem Positiven jedoch mehr Raum als dem Negativen geben möchte, mache ich hier Schluss.

Ich bedanke mich fürs Lesen und wünsche eine gute Nacht!

RMD

Roland Dürre
Freitag, der 8. Juli 2016

Kann man Komplexität reduzieren?!

Vor kurzem habe ich ein Wissensangebot von Thomas Kleiner in IF-AGORA integriert. Die Botschaft war

„Komplexität
sinnvoll reduzieren
ohne sie zu trivialisieren!“

Thomas bietet Managern Seminare an, mit denen er ihnen helfen möchte, in komplexer Welt besser zurecht zu kommen. Und ist eigentlich immer ausverkauft.

Dieses neue Angebot habe ich dann auch getwittert. Mit dem Kurztitel „Komplexität sinnvoll reduzieren!“ Sofort bekam ich negative Rückmeldungen wie „diese Aussage wäre komplett #fail“ oder „da bin ich aber gespannt, wie das funktionieren soll“.

Unser Kater Lenin, genannt Wladi.Sein Bruder Stalin, genannt Joschi, ist ausgezogen.

Unser Kater Lenin, genannt Wladi. Sein Bruder Stalin, genannt Joschi, ist ausgezogen. Ein nicht nur biologisch komplexes Lebewesen.
Owner:
Barbara Dürre (cat)
Maresa Dürre (photo)

Jetzt muss man wissen, dass die Unterscheidung zwischen „kompliziert“ und „komplex“ im Internet stark diskutiert wird. In Berlin gab es sogar mal ein PM-Camp zu diesen Begriffen im Umfeld von Projekt-Management.

Projekt-Manager haben da kräftig debattiert, wie man komplexe Projekte von komplizierten differenzieren und bewältigen könne.

Ich selbst ahne nur, dass in komplexer Welt die dominante Logik auch nicht weiter hilft. Aber wenn wundert es. Versagt sie doch oft schon in ganz einfachen Welten?

Ein von mir sehr geschätzter Protagonist des Themas „komplex versus kompliziert“ ist übrigens Niels Pflaeging. Bei ihm bin ich zwar nie sicher, ob seine Analyse richtig ist, aber seine Schlüsse sprechen mir voll aus dem Herzen.

Zurück zum Wissensangebot. Man muss wissen, dass Thomas Kleiner ein kluger Philosoph ist. Seine Magisterarbeit behandelt „Das Menschenbild im Werk von Rupert Lay“. Nicht nur deswegen hat er den „Konstruktivismus“ studiert und wie ich meine auch verstanden.

Die Theorie des „Konstruktivismus“ hat mich in meinem Weltbild bestärkt, dass die Bestimmung, ob ein System oder Projekt komplex oder kompliziert ist, ausschließlich in der kognitiven Erkenntnis des Beobachters liegt.

Ich meine auch, dass Kompliziertheit und Komplexheit mit wissenschaftlichen Methoden und Metriken nicht erfasst oder gemessen werden können. Das ist ein philosophisches Thema oder wie man früher gesagt hätte, eines der „Metaphysik“.

„Komplex“ ist für uns genauso schwierig zu verstehen wie „unendlich“. Komplex steht für etwas, das man nicht rational definieren kann. Ich kenne nur Metaphern, die Komplexität vermitteln sollen, aber keine einzige von mir als valide nachvollziehbare objektive Definition.

So finde ich die „sinnvolle Reduktion“ von „Komplexität“ durchaus „zielführend“ möglich, betrifft sie doch die subjektive  Wahrnehmung von scheinbarer Realität und den Umgang mit dieser. Und natürlich meine ich auch, dass man sich davor hüten sollte, Komplexität zu trivialisieren.

🙂 Nein, an Komplexität sollte man sich erfreuen und sie genießen!

Ich bringe ein Beispiel:
Da muss jetzt unser Hauskater herhalten. Offiziell heißt er übrigens Lenin, die (Rest-)Familie nennt ihn Wladi, weil sie Lenin als Namen nicht mögen. Sein Bruder Stalin (von der Familie Joschi genannt) ist leider ausgezogen. Er hat sich mit Lenin nicht mehr verstanden.

Kater „Wladi“ Lenin ist sicher ein höchst komplexes System, so wie alle Säugetiere. Die Komplexheit von Lenin reduziere ich, in dem ich den Kater einfach als Katze und Haustier betrachte. Dadurch kann ich einen großen Erfahrungsschatz der Menschheit aus dem Umgang mit Katzen nutzen, ohne dass ich das Tier deswegen trivialisiere. Ich kann ihn sogar mögen und sein Handeln nachvollziehen. Obwohl ich die Komplexheit einer Katze nie verstehen werde.

Angst machen wir alle die Menschen, die meinen, man (MENSCH) könnte alles wissen und alles machen – und die versuchen „komplexe“ Systeme schnell und mit harten Eingriffen zu verändern. Besonders groß wird meine Besorgnis dann, wenn es um die Umwelt (die Natur) oder unsere Gesundheit (auch die Natur) geht.

Ich habe das Schicksal einer Reihe von alten Menschen erlebt. Wie die Medizin ihre letzten Jahre zerstört hat, weil sie mit wissenschaftlicher Rationalität diese Menschen heilen wollte. Wie hilfreich wäre es da gewesen, wenn man durch Reduktion und Vereinfachung sich an die einfachen Regeln der Vernunft gehalten hätte.

Ähnliches erscheint mir unserem Planeten gerade zu widerfahren.

Viel zu viele Menschen glauben, man könnte die Welt in komplex und kompliziert einordnen und sie mit Rationalität zum Besseren verändern. Ich halte das für eine Art von „Omnipotenter Geisteskrankheit“ und habe die Sorge, das da sehr oft die „Rechnung ohne den Wirt gemacht wird“ – nur merken wir das oft erst viel später.

RMD

Oder: Unternehmertagebuch #118 – Werde glücklich!

Vor bald 18 Monaten habe ich meinen Job als Vorstandsvorsitzender der InterFace AG „an den Nagel“ gehängt. So wie ich vor vielleicht 18 Jahren meine „Programmierstiefel“ wortwörtlich und symbolisch an einen anderen Nagel gehängt habe.

Seit bald 1,5 Jahren bin ich frei.

Und ich habe es geschafft – für mich fast sensationell – mich in meinem neuen Leben auf jeden Morgen und jeden Abend zu freuen. Auf die nächste Stunde und das nächste Treffen.

Morgens stehe ich auf und freue mich, dass mein Körper und sogar mein Verstand noch funktionieren. Ich schaue meine Hände und meine Füße an. Sie sind noch da so wie meine Augen, Ohren, die Nase und vieles mehr. In meiner Wahrnehmung funktionieren die Organe und mein Herz schlägt wie schon seit 66 Jahren. Ist das nicht unglaublich schön?

Ergänzend dazu kommt, dass ich materiell unabhängig bin und mir meine Grundbedürfnisse gut erfüllen kann. Wie die meisten von uns, die wir in dieser Welt so privilegiert sind.

In diesem Artikel schreibe ich, wie ich es geschafft habe glücklicher zu werden. Welche Geheimnisse ich dazu entdeckt und welche Regeln ich gefunden habe. Und welche Projekte mir Freude machen.

Meine Geheimnisse.

izzo5GeheimnisseFünf dieser Geheimnisse stehen im Buch von John Izzo:

„Die fünf Geheimnisse, die Sie entdecken sollten, bevor Sie sterben.“

Diese fünf Geheimnisse sind eine wichtige Untermenge meiner Geheimnisse. Die Lektüre dieses Buches empfehle ich jedem, auch wenn es ein klein wenig „amerikanisch“ ist. Ersatzweise könnte auch das Lesen meines IF-Blog-Artikels zum Buch ausreichen, da steht das meiste drin, nur viel kürzer.

Ask-an-Answer_1m-185x300Ein weiteres Geheimnis ist es, die richtigen Freunde, Partner und Lehrmeister zu finden. So ist zum Beispiel Jolly Kunjappu vor ein paar Jahren in mein Leben getreten. Ganz plötzlich und zufällig.

Heute begleitet er mich auf meinem Lebensweg als Freund und Lehrer (der er gar nicht sein will). Er ist mein Partner im Projekt FRIEDEN. Die Überschrift dieses Artikels ist von ihm.

Er ist nur einer von vielen, die mir viel geben. Ich bin froh, dass sehr viel junge Menschen da dabei sind. An dieser Stelle möchte ich mich bei Euch allen dafür bedanken!

Meine Regeln.

  • Nimm Dir jeden Monat etwas Schönes vor.
    Zur Zeit nehme ich mir vor, in jeden Monat zirka 10 besonders schöne Tage zu haben. So sind wir im Mai durch Italien geradelt und haben das mit einen spannenden Kongress verbunden. Im Juni machen wir 10 Tage Insel-Hopping nur mit Rucksack auf den Kykladen. So geht das dann weiter und ich habe immer etwas Schönes, auf dass ich mich freuen kann.
  • Treff Dich nur mit Menschen, die Du magst!
    Wie viel quälende Zeit habe ich mit Menschen verbracht, die ich nicht verstanden habe? Und die mich nicht verstanden haben. In der Hoffnung, es könnte funktionieren. Aber es hat eben nicht funktioniert. Und übrig blieb der Frust.
  • Zu Besprechungen:
    Wie oft habe ich in meinem Leben in sinnlosen Besprechungen gesessen? Und habe gute Miene zum bösen Spiel gemacht. Und dabei viel Lebenszeit verloren. Deshalb sind mir die folgenden Regeln besonders wichtig:

    • Peer-to-Peer geht vor größeren Meetings.
      Ich habe mal gelesen, dass „die Wahrheit immer zu zweit anfängt“. Das ist eine schöne Metapher und ein Hinweis, wie schwierig es ist Besprechungen mit mehr als zwei Menschen durchzuführen. Die Peer-to-Peer-Kommunikation ist der goldene Weg. An Besprechungen von mehr als zwei Menschen nehme ich nur noch in der Rolle des „Gastgebers“ und Moderators teil.
    • Keine Besprechung über 90 Minuten!
      Eigentlich genügen meistens 60 oder weniger Minuten. Die Gefahr ist, dass man bei längeren Meetings das
      Erreichte nur wieder zerredet. Außerdem dreht man sich schnell im Kreise und das Ergebnis (der Beschluss) hängt davon ab, wo man am Ende gerade steht. Welch ein Horror!
      Gerade Besprechungen mit mehr als zwei Menschen führe ich aus guten Grunde am liebsten im Stehen durch.
  • Zu Terminen:
    Mache keine Termine mehr in der Ferne, außer es ist unumgänglich!

    (wie zum Beispiel für eine Aufsichtsratssitzung)
    Begründung: Termine machen unfrei. Sie werden zum Korsett, lähmen und erschweren das Handeln.
    Beispiel: Warum soll ich am Ende eines Gesprächs mit meinem Mentee einen neuen Termin in 3 Monaten vereinbaren? Die bessere Alternative ist doch, dass wir uns genau dann wieder treffen, wenn der Mentee mich braucht. Und das dann möglichst kurzfristig. Als freier Mensch kann ich die Zeit immer einschieben. Auch bei räumlicher Trennung ist ein „Bildtelefonat“ über große Entfernung immer möglich.
  • Wirke homöopathisch!
    Damit meine ich „Dränge Dich nie auf!“, „Versuche nie die Dinge zu kontrollieren!“ oder „Für andere Menschen vorzudenken und sie zu steuern und zu lenken“! Und denke daran: Kleine Dosen sind besser als große. Lass es laufen, dann passiert schon das Richtige!
    Beispiel: Es ist für mich tabu, einen Mentee aktiv zu beeinflussen. Er darf und soll kommen, wenn er es für sinnvoll hält. Und wenn er nicht kommt, dann heißt das doch nur, dass er mich nicht braucht. Und auch das ist gut! Ich will doch nur helfen, dass er oder sie ein wenig glücklicher und erfolgreicher wird.
  • Pflege Dein Netzwerk!
    Du bist ein soziales Lebewesen. Du brauchst den Austausch mit anderen Menschen. Das ist das wichtigste, weil Weiterentwicklung nie isoliert statt findet.
  • Lernen macht Spaß!
    Zurzeit lerne ich wahnsinnig viel in der Praxis. In diesem Jahr habe ich wohl schon eine hohe zweistellige Zahl von Geschäftsplänen mündlich und schriftlich kennen gelernt und bewertet. Das erfolgt im Rahmen meiner Tätigkeit in der Jury bei einem Businessplan Wettbewerb, die ich schon seit ein paar Jahren ausübe. Und lerne dabei soviel. Auch das macht mir Freude und macht mich glücklich.

 

Meine Projekte.

Setz Dir anspruchsvolle Ziele und setz Dich für sie ein. Sei aber auch fehlertolerant gegen Dich selber, wenn es mal nicht klappt! Meine beiden Hauptprojekte neben meinem eigenen Leben und der Familie sind „AktMobCmp“. Da geht es um die „aktiven Mobilität im Alltag“ als wichtiger Teil von zukünftiger Mobilität. Und das Projekt FRIEDEN, auf das ich mich immer mehr konzentrieren werde. Und ich versuche gute Dinge vor dem Entgleisen zu bewahren wie PM-Cmap.

Meine Annahme.

Ich bin überzeugt, dass ich auch als Vorstandsvorsitzender so hätte leben können, wie ich es jetzt mache und dann erfolgreicher und glücklicher gewesen wäre. Ich war jedoch zu feige. Aber ich weiß, dass es geht. Einfach ausprobieren!

RMD

P.S.
Oder nochmal mit Jollys Worten:

» Sei anders, sei du selbst (einzigartig) «
» Be different be yourself (unique)«

und
» Sei kein Sklave eines Systems, sei Meister deines eigenen Lebens «
» Don’t be a slave of a system, be a master of your own life «

Jolly Kunjappu
(aus ASK AN ANSWER 2016)

In meinem Unternehmertagebuch #41 habe ich in eine schöne Geschichte erzählt, die ich mal von einer amerikanischen Professorin gehört hatte. Da wurde die Frage beantwortet, warum das British Empire unter Queen Viktoria so einzigartig in Blüte stehen konnte, obwohl die weltweite Kommunikation damals alles andere als einfach war und vor allem sehr lange Zeit benötigte.

Heute möchte ich – auch wieder an einem Beispiel als Metapher – eine andere Frage auf ähnliche Art und Weise beantworten:

Airbus A400M, Schattenrisse, created by Hilbertz, Quelle siehe P.S.

Airbus A400M, Schattenrisse, created by Hilbertz, Quelle siehe P.S.1

Wie kann es sein, dass Airbus mit der Entwicklung von Produkten wie dem A 380 so erfolgreich ist und gleichzeitig mit dem M400 eine Katastrophe zu sein scheint?

A380

Wie so oft erfahren wir ganz einfach alle wichtigen Infos zum A380 in Wikipedia. Ich in in der Tat wirklich beeindruckt, wie gut Airbus das gemacht hat. Einen ganz neuen und außergewöhnlich großen Flieger so präzise zu entwickeln. In ganz anderen Dimensionen vorzustoßen, auch unter Nutzung völlig neuer Materialien.

Die im Projekt aufgetretenen Schwierigkeiten würde ich als normal und im Vergleich mit anderen Großprojekten als absolut unterdurchschnittlich bezeichnen, gerade unter Betrachtung der Verzögerungen bei der Konkurrenz Boeing mit ihrem „dreamliner„.

A400M

Auch über den A400M finden wir alles in Wikipedia. Und seit Jahren erreichen uns schlimme und sehr negative Meldungen zu diesem Projekt. Der schlimmste Zwischenfall dürfte wohl der Absturz eines A400M mit der Fertigungsnummer MSN023 bei seinem ersten Testflug in Spanien am 9. Mai 2015 gewesen sein. Das Projekt A300m scheint dem Außenstehenden total „out of time und budget“. Das ganze scheint so eine richtige „Großprojekt-Katastrophe“ zu sein bzw. noch zu werden.

Jetzt kommt die Frage:

Wie ist es vorstellbar, dass im selben Unternehmen ein Flugzeug so erfolgreich entwickelt wird? Und gleichzeitig die Entwicklung eines anderen so ein extremer Misserfolg wird?

Ich nehme mal an, das die Entwicklung der beiden Flieger zwei unterschiedliche Projekte waren, in denen verschiedene Menschen gearbeitet haben. Und so erscheint mir die Antwort ganz einfach:

Es liegt an den Menschen in den Projekten.

Die Gründe könnten sein:

  • Der A380 war ein ziviles Projekt und wurde
  •  als positive Vision und die große Herausforderung für Airbus kommuniziert.
  • Es stand für Innovation und einer Revolution des Fliegens und wurde
  • zur Metapher für die Zukunft von Airbus.
  • Der A400M war ein Militärflugzeug und
  • in der Wahrnehmung zumindest der Außenstehenden „just another military aircraft“.
  • Dies auch auf jeden Fall in der oberflächlichen Betrachtung basierend auf konservativer Technologie.

Und jetzt frage ich Euch:

Für welches Projekt hättet Ihr Euch entschieden?

P.S.
Alle Artikel meines Unternehmertagebuchs findet man in der Drehscheibe!

P.S.1
Das Bild ist aus Wikipedia. Created by Hilbertz with imaging software in April 2014, veröffentlicht unter CC BY-SA3.0.

Roland Dürre
Mittwoch, der 20. April 2016

Unternehmertagebuch #116 – Social Media: Corporate Twittern

Moderne Unternehmen wünschen sich, dass ihre Mitarbeiter im Unternehmen aktiv „mitmachen“. Eine Partizipation der Mitarbeiter an der Entwicklung und ihre Beteiligung an den Entscheidungen des Unternehmens gilt als positives Asset und als notwendige Bedingung für Zukunftssicherheit. Begriffe wie „demokratisches Unternehmen“ sind in Mode. Manche schwärmen sogar von Holokratie, („Holocracy“, das Wort verunglimpfe ich gerne abwertend zu „Holocrazy“).

Doch habe ich hohen Respekt von den dahinter liegenden Absichten. So wie ich auch die Gedanken zur „Gemeinwohlökonomie“ (z.B. nach Christian Felber) sehr schätze. Aber wie kann ein Unternehmen die notwendige Veränderung schaffen?

Meine Twitter-Fenster.

Meine Twitter-Fenster.

Ich meine, dass beim Versuch, die Kultur in einem Unternehmen zu gestalten, Social Media eine wichtige Rolle spielt – intern wie extern.

Für Wandel und Veränderung sind Kommunikation auf Augenhöhe und ein unternehmensinternes Intranet, das ein wenig wie bekannte Social Media Systeme à la Facebook funktioniert, wichtige Voraussetzungen. Heute redet man in diesem Kontext auch von „Corporate Social Media (CSM)“. Vielleicht haben wir bald neben dem SEO (Search engine officer verantwortlich für search engine optimization) auch einen „SMO“. Wobei dann SM natürlich nicht für sado-maso sondern für Social Media steht (Social Media Officer).

Einem von oben verordneten CSM stehe ich skeptisch gegenüber. Die Mitarbeiter müssen die Transformation machen. Wie auch bei dem sehr aktuellen Thema CSR (Corporate Social Responsibility). Da geht es darum wie ein Unternehmen „ethischen“ Ansprüchen genügt. Auch das muss die Basis wollen und machen.

Meine Skepsis zu CSR durch Führungskräfte versteht man sofort, wenn man zum Beispiel die Bücher des Herrn Otfried Höffe liest. Dessen Bücher sind zur Standardliteratur an den Unis im Fach Ethik geworden. Ich weiß nicht warum – steht da nach meinem doch ein schlimmer Stoff drin, den die armen Wirtschaftsstudenten da lernen müssen und der einem philosophischen Anspruch nicht genügt.

Aber ich bin ja auch ein böser Skeptiker, der sogar das wertvolle BGM (Betriebsgesundheits Management) als einen lächerlichen Begriff empfindet, obwohl es gar nicht mit „C“ anfängt – den Abkürzungen, die mit C anfangen misstraue ich besonders. Nicht nur in der Politik und nicht nur wenn das C für „Christlich“ oder „Corporate“ steht. So wie ich bei allen Kombinationen und Abkürzungen vorsichtig bin, die Begriffe wie Management, Manager oder Officer beinhalten.

Jetzt aber zum konstruktiven Teil meines Artikels. Ich möchte hier am Beispiel von Twitter erläutern, wie man es im Unternehmen hinkriegen kann, dass die Menschen des Unternehmens gerne und sinnvoll bei Coporate Social Media, also nach außen gerichtet, mitmachen. Dies aus Freude und intrinsischer Motivation heraus, ohne irgendwelche Anreize oder ähnliches.

Wie kann ein echtes gemeinsames Twittern eines Unternehmens erreicht werden, das so authentisch im Netz seine Stärke und Kompetenz zeigen und sich als sympathisches Kollektiv von tollen Individualisten dem Markt präsentieren kann.

Wie man sich leicht denken kann, geht das aber nicht durch ein zentral gesteuertes Marketing alter Denke. Nicht nur die Rolle des Marketings muss sich gravierend ändern, auch – durchaus nicht neue – Tugenden wie das Subsidiaritäts-Prinzip aufbauend auf Vertrauen und Fehlertoleranz müssen wieder aufleben.

Bevor ich anfange, möchte ich das „kollektive Twittern eines Unternehmens“ abgrenzen von „funktionaler Twitterei“, wie es die Bahn (@bahn) oder die Telekom mit ihren Twitterkennungen machen (Telekom hilft – @Telekom_hilft – habe ich selbst mal probiert, wie ich in Not war und hat mir sehr geholfen). Das ist sehr sinnvoll und oft ein guter Weg, zu diesen Unternehmen mit seinen Problemen durchzudringen und so oft für die Nutzer die einzige Chance, gehört zu werden, wenn Hotline und andere „normale“ Kanäle zum Unternehmen versagen.

Fürs Unternehmen lohnt sich solche Nutzung von Social Media Kanälen auch, weil so wesentlich Last von den teuren Hotlines genommen werden kann, die allein schon wegen ihrer Überlastung die Kunden verärgern. Und gute social media services sind in der Regel viel preiswerte anzubieten als eben ein klassischer Help Desk.

Dies hat aber mit „Coporate Social Media“ im Sinne „hier twittert die Belegschaft“ nichts zu tun.

Um als Unternehmen gemeinsam twittern zu können, ist zuerst Mal eine gemeinsame Twitterkennung, die von möglichst vielen, am besten allen Mitarbeitern genutzt werden kann. Zu Anfang sollte ein definiertes Team beispielhaft auf dieser Kennung fürs Unternehmen twittern und diese Kennung moderieren. Langfristig ist natürlich eine Moderation von allen Beteiligten in gemeinsamer Verantwortung wünschenswert.

Vielleicht sollte dieses Team auch ein paar Hinweise und organisatorische Hilfestellung geben, welche Art von Kommunikation im Sinne des Unternehmens ist und was eher nicht. Wobei die Mitarbeiter das meistens selber schon auch sehr gut wissen.

Weiter sollte in jeder Filiale in Räumen wie dem Entrée, Teamräumen oder Küche ein Bildschirm vorhanden sein, auf dem eine Twitterwall (hier das  Beispiel der ActMobCmp-Twitter-Wall) mit den aktuellen Tweets läuft. Denn das Lesen der Tweets der Freunde und Kollegen macht Appetit, auch selber zu twittern. So kommt das Mitmachen und die gemeinsame Moderieren ganz von selber.

Twittern steht in diesem Artikel so ein wenig als Metapher für Social Media ganz allgemein. Mit Facebook, Google+ oder auch einem Corporate Blog geht das dann auch nicht viel anderes. Das „Corporate Twittern“ ist so ein guter Einstieg in weitere corporate social media Aktivitäten. Wenn (fast) alle mit Begeisterung dabei sind, dann kann man sich auch mit „Corporate Blogging“ versuchen.

RMD

P.S.
Alle Artikel meines Unternehmertagebuchs findet man in der Drehscheibe!

Roland Dürre
Donnerstag, der 14. April 2016

Alles smart oder was? Smart Cities!

Oder: Warum mir „die freundlichen Menschen“ lieber sind als die „Wutbürger“!

Am 05. April war wieder eine große Veranstaltung in München:
Das „Forum UnternehmerTUM“ in der BMW Welt.

Hier der Originaltext dazu direkt von UnternehmerTUM:
Das Forum UnternehmerTUM ist die größte und wichtigste Netzwerkveranstaltung der UnternehmerTUM mit Gästen aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Gründerszene. Das Forum steht in diesem Jahr unter dem Motto: „Smart Cities“.

So ist es und so bin ich da immer gerne dabei. Jedes Mal treffe ich viele gute Bekannte aus der „Akademischen Welt“ wie auch aus der Unternehmer-Szene. Auch einige der Start-ups, die ich betreue oder mal betreut habe, sind da. So gibt es immer ein schönes Wiedersehen mit vielen Freunden verschiedener Altersklassen. Also war ich auch am 5. April 2016 wieder dabei und weise gerne auf den Bericht zur Veranstaltung hin, der sich in MUNICH STARTUP findet.

munich-startupEs ging los mit einer angenehm kurzen „keynote“. Julian Petrin hat das Treffen mit einem kurzen und präzisen Impuls eröffnet. Seine Worte haben mich sehr beeindruckt. Julian wird als „Urbanist“ und „Stadtvisionär“ bezeichnet. Er ist wohl einer der Gründer, vielleicht sogar der Gründer von Nexthamburg. Er sprach über:
Smart City oder Die liebenswerte Stadt der Zukunft.

Jetzt ist der Begriff „smart“ ja an sich schon ein bisschen ambivalent und Smart City ja ist zuerst Mal ein eher nicht so anheimelnder Begriff, wie auch BMW-Vorstand Peter Schwarzenbauer in der durchaus spannenden Podiumsdiskussion anmerkte.

Julian Petrin hat uns den Begriff aber mit folgender positiver Deutung näher gebracht. Er sieht das „smart“ von „smart city“ als die Summe der Begriffe „digital“ und „sozial“ (smart = digital + sozial). Dabei geht es darum, dass „die freundliche Menschen“ gemeinsam und selber die Dinge in die Hand nehmen und zu gestalten beginnen . Dieses „Selbst machen“ ist nicht zu verwechseln mit dem „Self service“, den Government und Unternehmen aller Art gerne Ihren Kunden anbieten. Vielmehr beschreibt dieser Begriff den Willen gemeinsam Dinge selbst in die Hand zu nehmen, die man früher Dritten aus Politik und Administration überlassen hat. Dazu gehört auch so etwas wie zum Beispiel das „Hacken“ des öffentlichen urbanen Raums oder „freundliche Hausbesetzungen“.

Mir hat der Ausdruck „die freundlichen Menschen“ besonders gut  gefallen. Bei allen meinen Projekten suche ich auch immer den Schulterschluss und die Zusammenarbeit mit eben genau „diesen freundlichen Menschen“ – so auch bei den Barcamps für Projekt Management #PM-Camp und für „Aktive Mobilität im Alltag“ #AktMobCmp oder bei meinem PROJEKT FRIEDEN.

Ich unterstütze auch nur Startups, bei denen ich den Eindruck habe, dass sie aus „freundlichen Menschen“ bestehen. Mit „Wutbürgern“ abgeben will ich mich nicht mehr. Sie richten immer großen sozialen Schaden an, deshalb mag ich mit Ihnen nichts zu tun haben. Außerdem sind in der Regel „die freundlichen Menschen“, die mit Freude und Mut an ihren Projekten arbeiten, wesentlich erfolgreicher.

In der BMW-Welt habe ich nur „die freundlichen Menschen“ getroffen und habe mich so dort sehr wohl gefühlt.

RMD

Roland Dürre
Donnerstag, der 24. März 2016

Unternehmertagebuch #115 – Ein persönliches Interview.

Vor kurzem wurde ich im Vorfeld einer Veranstaltung um ein schriftliches Interview gebeten. Hier meine Antworten (kursiv):

Beim IF-Forum "Jean Paul" (2013)

Beim IF-Forum „Jean Paul“ (2013)

Uns interessiert, wer Sie sind und womit Sie sich im Spannungsfeld Führung und Zusammenarbeit beschäftigen?
Ich sehe mich als Unternehmer, Aktivist, Impulsgeber und inspirierenden Berater.

Wichtig ist uns vor allem Ihre Motivation. Woher nehmen Sie Ihre Energie für Ihre Tätigkeit?
Aus der täglichen Begegnung und dem Zusammenwirken mit vielen anderen Menschen.

An welchen Projekten/Initiativen arbeiten Sie?
Ich betreue und unterstütze Unternehmen (auch die, an denen ich selber beteiligt bin), helfe Startups und Mentées, bin in (fast) allem involviert, was mit „Digitaler Transformation“ – früher auch als Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) bezeichnet – zu tun hat und versuche gesellschaftliche Themen wie „Aktive Mobilität im Alltag“ (als Zukunft von Mobilität) und „Frieden“ (als mein Lebensziel) voranzubringen.

Worüber möchten Sie diskutieren und sich austauschen?
Wie man Unternehmen erfolgreicher und Menschen glücklicher machen kann.

Worüber könnten Sie aus eigner Praxis berichten?
🙂 Über vieles.

Ihr Statement zu Führung und Zusammenarbeit ist:
Führen heißt Unternehmen, Unternehmen heißt Inspirieren, Impulse geben und bewirken dass jeder im Team mitmachen kann und auch tatsächlich mit macht. Dabei sind Mut und Freude am Tun die Garanten für den Erfolg.

Führung und Zusammenarbeit sollten Ihrer Überzeugung nach heutzutage bestimmt sein von …
… Demut vor der Aufgabe und Respekt vor den Menschen.

Bitte greifen Sie eine persönliche Geschichte oder ein Beispiel aus Ihrer Praxis auf.
Eine der (für mich) schönsten Geschichten meines beruflichen Lebens ist die Gründung der InterFace Connection GmbH mit der Entwicklung des Produkts Hit/Clou.

Worin liegt für Sie die Zukunft der Arbeit?
Weg vom Gegeneinander und hin zum Miteinander.

Was ist Ihre Traum/Vision im Hinblick auf innovative Arbeitsmodelle?
Vernetzung und Partizipation an Stelle von Hierarchie.

Was braucht es?
Wichtig ist, dass im Unternehmen agil, offen (transparent) und lean gedacht und gehandelt werden kann.

Was gibt es schon und begeistert Sie?
Gerade in „jungen“ und mittelständischen Unternehmen trifft man den „Dialog auf Augenhöhe“ immer häufiger an. Auch bei großen Unternehmen entstehen immer wieder (erfolgreiche) Biotope, die genauso leben.

Die besondere Herausforderung eines „Dialogs auf Augenhöhe“ für ein Unternehmen ist, dass …
… die Fähigkeit zum Zuhören und die Bereitschaft, das Anderssein anderer anzunehmen, selbstverständlicher Teil der  Unternehmenskultur ist.

Die Vorstellung, ich würde in einem Unternehmen arbeiten, in dem die Zusammenarbeit auf Augenhöhe gelebt wird, löst bei mir aus …
… das Gefühl gemeinsamer Verantwortung, Vertrauen in die Zukunft, Spaß an der Arbeit. Ich bin sehr froh, dass ich dies in meinem beruflichen Leben überwiegend erleben durfte.

Bitte definieren Sie: Was ist Dialog?
Zuhören ist mehr als Reden.

Was ist Augenhöhe?
Gegenseitige Achtung und gelebter Respekt.

Welche Herausforderungen müssen im Großkonzern gemeistert werden?
Dass alle Mitarbeiter sich mit dem System, dem sie angehören, „gesund“ identifizieren und an den Entscheidungen „sinnvoll“ partizipieren können. Dies freiwillig und ohne Indoktrination und Manipulation durch zentrale Stellen.

Welche Fragen stellen sich Ihnen in diesem Zusammenhang?
Ob dies ab einer gewissen Größe überhaupt möglich ist? Und ob Mega-Konzerne überhaupt dazu in der Lage sind? Ob Wachstums wirklich die absolute Vorgabe sein darf? Aber auch, ob Unternehmen ohne Wachstum überhaupt erfolgreich sein können? Vielleicht ist der Spagat, dass Wachstum einerseits notwendig ist, andererseits aber vielleicht schadet, nachhaltig gar nicht bewältigbar!

Haben Sie schon Antworten darauf gefunden oder suchen Sie noch?
Ab und zu denke ich mir, dass Unternehmen eine gewisse Obergrenze an Menschen haben sollten. Und beim Erreichen dieser Grenze sich sinnvoll in kleinere aufteilen sollten.

Welche erfolgreichen Konzepte für die Zukunft verfolgen Sie?
Wahrscheinlich sollte man Unternehmen mehr als „lebendige Organismen“ mit ganz individuellen Werten und eigener Kultur betrachten denn als „maschinenähnliche“ Systeme, die man quasi durch „Hebel umlegen“ steuern kann.

Welchen Ideen/Methoden sind Sie auf der Spur?
Da könnte ich mir folgendes vorstellen:

  • Allgemein: Auch (mega-)große Aufgaben und Projekte durch Netzwerke von kleinen Systemen zu stemmen. 
  • In den Organisationen weniger und vor allem kürzere Besprechungen.
  • Viel peer2peer-Arbeit (die Wahrheit beginnt zu zweit!).
  • Unkonferenzen bringen mehr als zum Beispiel strategische Kick-Off-Meetings oder Tagungen.
  • Barcamps und OpenSpace sind starke reguläre Formate zum Teilen von Wissen/Erfahrung und Erkenntnis-Gewinn.
  • Stärkerer Einsatz von haptischen (serious play) und Visualisierungstechniken (ein Bild sagt mehr als Tausend Worte).
  • und manches mehr …

Ich gehe zufrieden aus dem barcamp, wenn …
… alle Teilnehmer zufrieden nach hause fahren, weil durch vertrauensvolles Teilen von Wissen und Erfahrung eine neue Gemeinsamkeit und Erkenntnisgewinn entstanden ist.

Was ist das Besondere am barcamp?
Im Gegensatz zur klassischen Konferenz ist ein Barcamp selbstorganisiert und hierarchie-frei. Es gibt keine vorgefertigten Vorträge, alle Teilnehmer sind für die Themen verantwortlich, Aktualität und hoher Dynamik können so entstehen.

Warum haben Sie sich angemeldet?
Weil ich so nett eingeladen wurde.

Sind Sie das erste Mal bei einem barcamp dabei oder ein Wiederkehrer?
Ich habe Unkonferenzen wie barcamps schon vor langer Zeit erlebt und dann selber barcamp-Bewegungen gegründet (zum Beispiel PM-Camp für Unternehmertum und Projekt Management oder AktMobCmp für „Aktive Mobilität im Alltag“. Aber auch bei der InterFace AG haben wir immer wieder gemeinsam mit allen Kollegen Barcamps und OpenSpace durchgeführt. Und waren da immer recht erfolgreich, fürs Unternehmen und die Mitarbeiter.

Was gefällt Ihnen an barcamps (allgemein)?
Die demokratische Basis und die in der Regel sich schnell entwickelnde große Offen- und Vertrautheit zwischen allen Teilnehmern.

Welche Themen beschäftigen Sie?
Unternehmertum, Führung, Projekt Management, Zukunft der Mobilität, Frieden.

Bei so schönen Fragen macht das Antworten richtig Spaß!

RMD

P.S.
Alle Artikel meines Unternehmertagebuchs findet man in der Drehscheibe!

Roland Dürre
Mittwoch, der 16. März 2016

Unternehmertagebuch #114 – Inspiration und Impulse

 

Meine Wenigkeit mit Prof. Dr. Kathrin Möslein im IF-Forum.

Meine Wenigkeit mit Prof. Dr. Kathrin Möslein im IF-Forum (2010).

In meinem Unternehmertagebuch habe ich viel über #Führung geschrieben. Und mit Begriffen und Themen um mich geschmissen wie

•• agilAugenhöheBeteiligungBetriebswirtschaftBurn-outCharisma„Craftsmanship“ denkendelegieren könnendemokratisches Unternehmen • EmpathieFairnessFehlertoleranzFlowGemeinwohl-Ökonomie • GeschäftsplanGerechtigkeitGesetzestreue HierarchieHolokratieInnovationLeadership • leanKapitalisierungKlarheitKommunikationsstärke • KontrollingManagementMarketingMethodikMitarbeiterMitbestimmungopen (offen)PartizipationPeer-to-Peer ReviewPersönlichkeitsförderungPlanungProjekt ManagementQualitätRespektScrumservant leading • SinngebungStrategie •  Souveranität • Subsidiarität Teamfähigkeit • Transparenz Unternehmenskultur Verantwortung teilenVertriebVorbild seinWerte • WertegemeinschaftZiele • Zielvereinbarung • Zuhören können ••

und wahrscheinlich vieles mehr dieser Art.

Jetzt stelle ich fest, dass in dieser Liste wie in meinem Tagebuch die beiden wohl wichtigsten Fähigkeiten fehlen, die erfolgreiche Unternehmer auszeichnet.

Inspiration und Impuls

Gerade, wenn ich an die eigene Gründerphase denke. Wir waren so richtig erfolgreich, weil es meinem Partner Wolf und mir gelang, unsere neu eingestellten Kollegen starke Impulse zu geben. Und vor allem, weil wir sie inspirieren konnten.

Eigentlich ging es nur darum, den Menschen, die – durchaus mit Erwartungen zu uns kamen – zu vermitteln, mit welchem Geist wir was erreichen wollten (Inspiration) und was wir machen können und wo wir hin wollen (Impulse). Und sie haben es verstanden und so richtig geil losgelegt.

Und spätestens, wie unsere neuen Mitarbeiter damit begonnen haben, auch auf ihre Teamkollegen inspirierend zu wirken und selber Impulse zu geben, da hatten wir gewonnen und nichts konnte das Team mehr bremsen.

RMD

P.S.
Alle Artikel meines Unternehmertagebuchs findet man in der Drehscheibe!

 

Roland Dürre
Sonntag, der 6. März 2016

Handeln!

Ich zitiere dreimal Seneca:

Seneca, part of double-herm in Antikensammlung Berlin (wikipedia)

Seneca, part of double-herm in Antikensammlung Berlin (wikipedia)

Die Philosophie lehrt handeln, nicht reden!
oder
Unsere Worte sollen nicht unterhalten, sondern wirken!
oder
Nicht schwätzen sondern steuern!

Seneca war ein wichtiger Lehrer und Denker des alten Roms. Wenn ich die Geschichte richtig interpretiere, wollte er seinen Schülern helfen, ein wenig erfolgreicher und glücklicher zu werden. Ein schönes Ziel, dass ich mir für meine Mitmenschen auch gerne zu eigen mache.

Im letzten Jahr war ich wieder viel unterwegs. Ich hatte schöne Tage in einem mich begeisternden Philosophie-Kolloquium mit Klaus-Jürgen Grün (Philkoll). In der Jury beim Business Plan Wettbewerb habe ich soviel Neues erfahren. Auf mehreren PM-Camps habe ich Erfahrung und Wissen mit vielen Menschen geteilt. Viele peer-to-peer-Treffen mit Freunden, „Mentés“, jungen Leuten von Startups und vielen mehr haben mich ganz neue Welten erfahren lassen.

🙂 Insgesamt habe wieder mal mehr gelernt als je zuvor. Und fast erdrückt mich, was ich alles weiß. Und das, obwohl ich weiß, dass ich eigentlich nichts weiß. Und so auch nicht weiß, wie ich mein Wissen einsetzen soll. Das ist schlimm, weil ich irgendwie die Nase voll habe vom Denken und Reden!

Ich möchte etwas Tun! Gemeinsam mit Freunden in einen kooperativen Flow hineingeraten, der etwas bewirkt! Und die richtigen Ergebnisse bringt. Die uns und andere begeistern. Die man umsetzen kann.

Also:
Kein Philosophie-Seminar mehr, von dem ich zwar mit vollem Herzen heimkomme, aber gar nicht so richtig weiß, mit wem ich all das aufregend Neue teilen soll, das mich so beeindruckt. Kein Barcamp mehr, auf dem ich zwar noch mehr hoch sympathische und kluge Menschen kennenlerne, die sich aber letztendlich alle doch überwiegend gegenseitig bestätigen und aus dieser Gemeinsamkeit heraus glücklich heimfahren. Weniger Zuhören und Betreuen von Gruppen oder Einzelpersonen.

Sondern:
Mehr tun und mehr handeln!

Aber wie geht das?
Da war ich zuerst mal ratlos. So habe ich mal wieder eine Anleihe bei meiner Branche genommen. Was haben wir Softworker und IT-ler doch schon alles bewirkt?! Wir haben in den Unternehmen das „Sie“ und „die Krawatte“ abgeschafft und dafür Kühlschrank und Kaffeemaschine eingeführt. Wir haben open source erfunden und das agile manifesto geschrieben. Wir haben mit extreme programming und mobprogramming begonnen und peer-to-peer-reviews gestartet. Wir haben erreicht, dass agile, lean und open gedacht wird. Und Unternehmenskulturen geschaffen, die auf Respekt und Augenhöhe basieren und in denen „Partizipation“ und „Fehlertoleranz“ keine Fremdworte sind.

Und wir haben auch das Hackathon erfunden. Da treffen sich tüchtige Programmierer mit ihren Laptops am Wochenende, bauen ihr WLAN auf und schreiben zum Beispiel eine Software für eine NGO. Die dann schon am Montag läuft und beim nächsten Hackathon weiterentwickelt wird.

Das gibt es übrigens jetzt auch jenseits der IT. Kenne ich doch ein Beratungsunternehmen, da nehmen die Herren Berater einmal im Jahr Auszeit und sich dann ein langes Wochenende treffen, um z.B. mit professioneller Anleitung ein Gebäude für einen Kindergarten zu bauen. Das gefällt mir!

Könnten man so z.B. eine Art Hackathon machen, das als Ergebnis aber nicht eine Software sondern einen tollen Businessplan hat? Der aus zwei Komponenten besteht – aus der Geschäftsidee und der Umsetzung? Könnte man auf diese Art nicht auch einen Beitrag leisten, der die zum Beispiel zweifelsfrei durch Flüchtlinge entstehenden Probleme in Positives zu verwandeln kann? Und so wieder zum Beispiel die Voraussetzung für Kreierung von „Flüchtlingsunternehmen“ schafft?

Man müsste doch vorher nur ein paar wichtige Bedingungen festlegen.

  • Das Flüchtlings-Unternehmen muss dem Gemeinwohl dienen. Damit die Menschen erkennen, dass da etwas positives passiert, das allen hilft.
  • Das Flüchtlings-Unternehmen darf etablierten Strukturen keine Konkurrenz machen. Weil es dann gleich wieder einen großen und nicht sehr produktiven Ärger gibt.
  • Die Mitarbeiter aus den Kreisen der Mitarbeiter müssen im Unternehmen eine Arbeit, die die Würde der Menschen respektiert und
  • Das Flüchtlings-Unternehmen muss sich selbst organisieren und steuern. D.h. es darf kein Management von außen geben. Der Beitrag erfahrener Unternehmer und Manager darf also kein operativer sein sondern muss sich auf die Hilfe zur Selbsthilfe beschränken, also aufs coachen & beraten.

Was können wir also machen?

Wir (20 – 30 Unternehmer, Manager und Expergen) treffen uns zu einer Art von „Hackathon“. Dort wird aber nicht programmiert, sondern ein Businessplan erstellt. Zwei Tage lang, in Klausur. Am ersten Tag kreieren wir die Geschäftsidee. Und spätestens am zweiten Tag erarbeiten wir die Umsetzung. Nennen wir so eine Veranstaltung mal StartMaker. Dazu brauchen wir nur 2 Tage – und die richtigen Leute. Ein paar davon kenne ich schon. Und bin sicher, dass da tolles Entstehen kann.

Was haltet Ihr davon?

RMD

Roland Dürre
Freitag, der 22. Januar 2016

Unternehmertagebuch #113 – Vom Flow und der Wertegemeinschaft

"Mein Leben nach InterFace ?"

„Mein Leben nach InterFace ?“

Auf der Hinfahrt nach Berlin hat mich das Buch K-Working von Bernd Fiedler inspiriert. Bernd betrachtet auch Unternehmen als eine Gemeinschaft und beschreibt, wie der für den Erfolg so wichtige „Flow“ entstehen kann.

Jetzt auf der Rückfahrt nach München habe ich Zeit, über das Gelesene nachzudenken.

Menschen brauchen und bilden Gemeinschaften. Freiwillig und unfreiwillig. Auch ein Unternehmen ist eine Gemeinschaft (ein soziales System), das jedoch einen ökonomischen Zweck hat, sprich die Herstellung von Waren oder die Bereitstellung von Dienstleistungen. Dazu gehört auch die Versorgung der Mitarbeiter mit einem Existenz sicherndem Einkommen und das Erwirtschaften eines angemessenen Ergebnisses.

Gemeinschaft ist nicht gleich Gemeinschaft. Eine Wertegemeinschaft ist etwas anders als eine Interessens- oder Zweckgemeinschaft. In kritischen Situationen entstehen Schicksalsgemeinschaften. Wenn es z.B. ums Überleben geht.

Nur zum Nachdenken: Auch Ehen sind Gemeinschaften. Wann ist eine Ehe eine Werte-, Zweck-, Interessens- oder Schicksalsgemeinschaft?

Bernd geht in seinem Buch jetzt davon aus, dass ein Unternehmen, dessen Teams eine Wertegemeinschaft bilden, vergleichsweise wenig Regeln, einen minimalen organisatorischen Rahmen und auch keine aufwändige Gesellschaftsform braucht. Und das in solchen Unternehmen der gewünschte „Flow“ sich quasi ganz von selbst bildet und immer stärker wird. Und das so ein Unternehmen nahezu spielerisch erfolgreich werden kann. Ein Gedankengang, dem ich nur zu gerne zustimme.

Bei einer „Schicksalsgemeinschaft“ dagegen sieht es anders aus. Sind dort doch die Mitglieder der Teams einem gemeinsamen Ziel (vielleicht sogar dem des Überlebens) unterworfen und müssen so zwangsläufig die eigenen Interessen hinten an stellen. So braucht es Hierarchie, strenge Regeln müssen eingeführt und durch Sanktionen abgestützt werden. Und vom spielerischen „Flow“ bleibt nicht mehr viel.

Im Unternehmen erscheint die Wertegemeinschaft als Sonderfall. Nur die ersten Jahre nach der Gründung klappt das ab und zu, dann straucheln sie. Die Ursachen mögen Wachstum und Größe sein.

Oft ist der Grund für die Veränderung Misstrauen und negatives Denken. Gerade Führungskräfte werden leicht davon befallen. Der „angstfreie“ Raum wird schmäler, Vertrauen zieht gegen Misstrauen den kürzeren, sprich die hässliche Realität holt das Unternehmen ein. So wird der „Flow“ zerstört und im besten Fall entsteht eine Interessens- oder Schicksalsgemeinschaft.

Führt das negative Denken zum negativen Handeln ist es dann oft „aus mit der Maus“. Schnell wird aus der Wertegemeinschaft eine Schicksalsgemeinschaft. Der „Flow“ ist futsch, die Unternehmenskultur und ihre Werte gehen „hopps“ und die Führung hat ein Problem, die neuen Probleme zu beherrschen.

RMD

P.S.
Alle Artikel meines Unternehmertagebuchs findet man in der Drehscheibe!