Roland Dürre
Mittwoch, der 31. Mai 2017

Kleftiko – und am Abend dann im Hospital von Plaka …

Vor zwei Tagen hatte ich meinen Artikel „Nomaden in den Kykladen“ veröffentlicht. Es ging um ein von mir in Milos gefundenem Buch mit dem Titel:
DER ARZT HANS LÖBER
Briefe aus Milos, 1943-1944

Dieser hatte in den Kriegsjahren ein Hospital auch für die einheimische Bevölkerung auf Milos in Plaka begründet. Seine Briefe hatten mich sehr beeindruckt.

Und schon vorgestern war ich dann als „Opfer“ im Hospital zu Plaka. So schnell geht es – und es ging so:

Bist Du in Milos, so ist der Ausflug nach Kleftiko immer ein lohneswertes Ziel.

Am Morgen nach meinem Post ging es per kleinem Schiff zum Ausflug nach Kleftiko. Wir hatten nach unserem Erleben von Griechenland diesmal ziemlich schlechtes Wetter – und sehr starken Wind. So war die Fahrt heftig – wahrscheinlich die heftigste Seefahrt meines Lebens. Auf der Hinfahrt nach Kleftiko ging alles gut. Nach einem schönen und längeren Aufenthalt in der stillen Bucht dort ging es am Nachmittag zurück nach Adamas, dem Haupthafen in Milos.

Die See schien auf dem Rückweg ein klein wenig ruhiger. Dafür fuhr das kleine Schiff jetzt gegen den von der Seite kommenden Wind. Da wir mittags doch einiges getrunken hatte, riskierte ich den Weg zur Toilette im Bug des Bootes. Die Bewegung des Schiffes hatte ich völlig unterschätzt – und so kam es wie es kommen musste, der Seegang liess mich ziemlich heftig im Boot stürzen. Wie man sagt: „Leichtsinn kommt vor dem Fall.“

Dabei verletzte ich mich an der linken Hand, die Kapsel des Ringfingers war wohl ziemlich beschädigt und schwoll heftig an. Eigentlich ist das kein großes Problem – desgleichen ist mir schon öfters passiert und meistens mit nur wenig bleibenden Schäden dann wieder geheilt.

Allerdings trage oder besser trug ich an diesem Finger meinen Ehering. Der ist mir im Laufe der Jahre eh ein wenig eng geworden, so dass er auch bei gesundem Finger nicht mehr abging. Am Abend wurde der Finger dann immer dicker und trotz eines köstlichen Abendessens bekam ich es dann doch mit der Angst zu tun, weil der Ring tief einschnitt.

Jetzt war nicht weit weg von unserem Restaurant ein Goldschmied, bei dem ich Hilfe suchte. Die Chefin dort bemühte sich redlich, mit einer Zange meinen Ring auf zu knipsen, hatte aber keine Chance. Gleich kamen dann noch mehr Griechen dazu und wollten mir helfen. Weil der Finger ein wenig übel aus sah, mussten die meisten Damen ihren Blick mehr oder weniger entsetzt abwenden.

Da die Runde nicht so erfolgreich war, wurde ich dringend ermahnt ins Hospital zu gehen! Ich war skeptisch, war es doch schon deutlich nach 22:00 Uhr. Die fürsorglichen Griechen beruhigten mich aber. Mit dem Taxi wären es nur 5 Minuten nach Plaka, der Arzt dort wäre sehr nett und würde mein Problem ganz schnell lösen.

Da ich irgendwie keinen anderen Ausweg sah, handelte ich wie mir empfohlen und fast befohlen. Ein Taxifahrer brachte mich mit viel Anteilnahme zum Hospital und wartete dort auf mich. Ich wurde von einer freundlichen Krankenschwester empfangen und in zwei Minuten war der Arzt da.

Er war mir schon auf dem ersten Blick hoch sympathisch. Sein fachmännisches Urteil war, dass man den Ring unbedingt öffnen sollte, er machte sich an die Arbeit und nach zwei weiteren Minuten war das Problem gelöst. Dann wurde der Finger noch untersucht und „getaped“ und ich wurde wieder entlassen.

Wie immer in Griechenland war die Gesundheitsvorsorge frei. Da ich gerade das Buch „Der Arzt Hans Löber“ gelesen hatte, das ja in Plaka geschrieben wurde, wollte ich eine kleine Spende machen. Ich erwähnte das Buch meinem Arzt – und er war so erfreut, dass ich dieses Buch kenne, dass er mir gleich ein weiteres schenken wollte. Nur mit großer Mühe gelangt es mir meine Spende los zu werden.

Ich bekam dann das Buch mit einer persönlichen Widmung meines behandelnden Arztes.

Genau so habe ich es Griechenland oft erlebt. Die Menschen sind immer außergewöhnlich freundlich und hilfsbereit. Es gibt Krankenhäuser, die zumindest für die Grundbedürfnisse freie Heilvorsorge anbieten und sich explizit keine Bezahlung erwünschen, weil Helfen sozusagen Ehrensache ist. So war das vor 20 Jahren und ist es Gott sei Dank auch noch heute.

Wie ich aus dem Hospital von Plaka wieder unten in Adamas zurück war, habe ich mich bei allen Menschen, die versucht hatten mir zu helfen, noch mal ganz sehr bedankt. Und alle haben sich so herzhaft und ehrlich mit mir gefreut, dass alles so gut geendet ist. Das habe ich sehr genossen,

Griechenland ist ein besonderes Land. Leider habe das viele Menschen in der EU und in der Administration der BRD nicht begriffen.

Am Tag nach meinem Unfall in Milos wieder gut gelaunt am Strand von Paliochori; am Abend ging es dann weiter mit dem Schiff nach Paros.

Wenn ich daran denke, mir wäre Ähnliches in München passiert. Zum Beispiel im Krankenhaus in Neuperlach hätte das bedeutet: Einen unfreundlichen Empfang, eine längere Wartezeit, eine ausführliche Diagnose (wahrscheinlich inklusive Röntgen und ähnlichem Schnickschnack) und eine Behandlung, die keiner braucht. Und natürlich eine beachtliche Rechnung für unser Gesundheitswesen.

RMD

Roland Dürre
Montag, der 29. Mai 2017

Nomaden in den Kykladen – MILOS

Diesmal haben wir unser Insel-Hopping 2017 am 22. Mai von Piräus kommend in Serifos gestartet. Weiter ging es über Sifnos nach Milos. Morgen werden wir Sifnos in Richtung Paros und Antiparos verlassen – und am 2. Mai geht es dann wieder nach Piräus, zur letzten Nacht in Griechenland vor dem Rückflug von Athen nach München.

Das Buch habe ich (fast) in einem Stück auf meinem Balkon im Hotel Beach Lagada durchgelesen.

Gleich zu unserer Ankunft in Milos habe ich im Museum für Bergbau in Adamas ein Buch gefunden, das so spannend war, dass ich es gleich „am Stück“ gelesen habe. Der Titel des Buches ist

DER ARZT HANS LÖBER
Briefe aus Milos, 1943-1944

herausgegeben und kommentiert von Dr. Hanns-Georg Löber und Gregory Belivanakis.

Dieses Buch hat mich so sehr beeindruckt, dass ich es absolut zum Lesen empfehle. Also, lieber Kykladen-Wanderer: Falls Du mal nach Milos kommt und mehr über diese Insel erfahren willst, dann besorge es Dir.

Hier ein paar Gedanken als Anmerkung:
Viele griechische Inseln waren im zweiten Weltkrieg von der Deutschen Wehrmacht und der Armee des italienischen Verbündeten besetzt und zu militärischen Festungen ausgebaut worden. Dr. Hans Löber war ein Stabsarzt der Marine, der nach dem Einsatz an verschiedenen Fronten unter anderem auch im „Nordmeer“ 1943 den Auftrag bekam, in Milos ein medizinisches „Revier“ aufzubauen, das die medizinische Versorgung der bei den geplanten militärischen Operationen im Mittelmeer verletzten deutschen Soldaten sicher stellen sollte. Das gelang ihm sehr erfolgreich trotz extrem schwieriger Randbedingungen dank seines besonderen Organisationstalents. Quasi nebenher errichtete er auch noch ein Lazarett für die ärztlich nicht gut versorgte Bevölkerung von Milos, das ihm bei der einheimischen Bevölkerung viel Respekt, Wertschätzung und Dank einbrachte.

Zeugnisse der Besatzungszeit Griechenlands durch Deutschland im zweiten Weltkrieg habe ich bei meinen Reisen auf dem Peloponnes und den Kykladen öfters gefunden. Gerade in Kavralyta (siehe meinen Vorbericht zur Peloponnes-Wanderung Anfang Mai 2017) war ich tief betroffen von einem Massaker der deutschen Wehrmacht, die als Reaktion auf Partisanen-Überfälle dort ein paar Dörfer und um die 100 Menschen ermordet hatte.

In diesem Buch sind die Briefe, die Dr. Hans Löber während seiner Zeit auf Milos in die Heimat gesendet hat, wohl ziemlich original veröffentlicht. Dies ergänzt durch knappe Kommentare der Herausgeber und eine Auswahl von historischen Fotografien.

Das besondere am Buch ist die tiefe Menschlichkeit, die die Briefe ausstrahlen. Es sind Berichte und Bekenntnisse eines hoch religiösem und „treuen und redlichen“ Deutschen, treu und redlich meine ich hier im besten Sinne der Worte.

Sie sind aber auch beeindruckende zeitgenössische Dokumente. So erwähnt und kommentiert der Briefe-Schreiber am Rande immer wieder Kriegs- und politische Ereignisse, die ihn auf der Insel erreicht haben. Die Briefe geben seine ungebrochene Lebensfreude genauso wieder wie sein großes persönliches Leiden, verursacht durch den Kriegstod zweier seiner Brüder.

Die Dokumente zeigen aber auch, wie perfekt-perfide die Wehrmacht organisiert war und wie im Kriege Menschen total als Ressourcen für sehr fragwürdige Ziele eingesetzt werden. Und wie auch der zweite Weltkrieg von der Deutschen Administration präzise geplant und umgesetzt wurde, auch bei Randthemen wie Feldpost und Luftfeldpost oder dem deutschen Militärsender in Athen, der in seiner Weihnachtssendung einen Beitrag aus Milos positionierte.

Vor allem ist dies Buch – wenn auch nirgends irgendwie explizit erwähnt – ein beeindruckender Appell für FRIEDEN. Deswegen empfehle ich es jedem redlichem Menschen zur Lektüre.

Milos, 29. Mai 2017

RMD

P.S.
Das Buch ist auch im Internet bestellbar – der Erlös geht an eine Klinik in Milos.

Roland Dürre
Dienstag, der 2. Mai 2017

Bericht vom Wandern im Peloponnes

Vorsicht – Bericht ist noch nicht fertig.
(Habe ihn aus Versehen veröffentlicht. Setze ihn asap fort und verlinke dann hier).

Fotos
Bilder sind wichtig. Deswegen kommen sie zuerst. Man findet sie in Facebook bei Barbaras Album E4 Peloponnes.

Um es kurz zu machen – das Laufen war auch dringend mal wieder vonnöten. Ich bin die letzten Jahre viel zu viel Rad gefahren. Das habe ich gemerkt. Also: Runter vom Fahrrad – wieder auf die Füße!

Von 20. Apri bis zum 2. Mai sind wir auf dem Peloponnes gewandert. Mit wenig Gepäck im Rucksack. Da Ziel war der Fernwanderweg von Diakopto nach Gythio.

Es waren großartige Tage. Wir haben auch ein schönes Teilstück geschafft. Und wir wollen bald wiederkommen und weiter laufen.

Ich musste das Laufen erst wieder lernen. Und habe die hohen Berge des Peloponnes schon ein wenig unterschätzt. Nach ein paar Tagen fühlte ich mich schon wieder deutlich besser. Aber es fing grausam an. Die erste Etappe von Kalavryta nach Planitero hatte 18 km, viele Höhenmeter und schlimmer, noch mehr Meter bergab. Wir waren ja auf einer Höhe von 725 Meter in Kavralita gestartet – dem Endpunkt der Zahnradbahn von Diakopta gestartet.

Die haben wir mit Gepäck gemacht. Und das hat mir dann doch sehr zu schaffen gemacht. Am Abend hatten wir Glück. 4 Schweizerinnen im Pick-up kommen von unserem Hotel. So finden wir das Hotel ganz schnell und werden auch hinten auf dem Pick Up zum Restaurant mitgenommen. Trotzdem war ich an diesemm Abend und am nächsten Tag völlig hinüber.

Dann haben wir dazu gelernt, das Gepäck befördern lassen bzw. von einem zentralen Punkt (Kleitoria) drei Tagesrouten mit Taxi-Transfers gemacht.

Am Tag darauf haben wir Rolf Boost kennen gelernt. Er ist Schweizer und ist Autor des Buches E4 Peloponnes. Er kümmert sich um die E4 – und auch um die Wanderer.

Lehren:
Plane nicht, zumindest nicht aus der Ferne.
Die Geh-Zeiten auf den Schildern sind sehr optimistisch.

Jahreszeit:
April/Mai sehr gut – vielleicht die beste Jahreszeit, besonders wenn man sich am griechischen Frühling erfreuen will. Nachts ist es kühl – tagsüber Sommer. Für die Kälte gibt es Öfen – als ob aus einem halben Ölfass gemacht. Von oben mit Holz befeuert. In allen Kafenion und Tavernen findet man diese Öfen, die dann auch Abends schön warm machen.

Einsamkeit:
Wir sind bis auf die erwähnte Schweizer Gruppe an allen Wandertagen keinen einzigen Wanderer getroffen.

Orientierung:
Nicht immer einfach.
Gute Vorbereitung mit Karte macht Sinn – alternativ Track auf mobiles Telefon laden.

Wege:
Sehr abwechslungsreich, wenig geteerte Straßen, ab und zu durch (einfaches) Gelände.
Der Schwierigkeitsgrad ungefährlich (Keine ausgesetzten Stellen, kein Klettern  …), aber oft ganz schön anstrengend.

Landschaft & Wetter:
Einfach wunderschön, sehr abwechslungsreich, tolle Grüntöne und bunte Farben, oft Natur pur, Pflanzenwelt. Auch das Wetter war ein Traum. Regen gab es nur am zweiten Wandertag am Nachmittag. Zu Beginn der Tour war es abends kühl. Es wurde aber jeden Tag wärmer- war aber nie heiß.

Risiken:
3 Schlangen, ein paar Hunde, die laut gebellt haben, aber mehr Angst vor uns zu haben schienen als wir vor ihnen. Erfreulich war, dass wir keine Blasen bekommen haben, also das Blasenpflaster ganz umsonst dabei hatten.

Übernachtungen:
Diakopta, Hotel Chris Paul (1 Nacht, 40 €)
Planitero, Hotel Achais (1 Nacht, 40 €)
Kleitoria, Mont Helmos Hotel (3 Nächte), 100 €)
Dara, Arhontiko Kordopati Traditional Guesthous (1 Nacht, 70 €)
Vytina, Archontiko Nikonlopoulou (2 Nächte, 130 €),
Gythio, Hotel Aktaion (3 Nächte3, 135 €)
Athen, Urban Rooms (1 Nacht, 40 €)
(Alle Preisangaben immer für zwei Personen. Alle waren inkl. Frühstück außer Urban Rooms in Athen).
Sämtliche Hoteis waren zu empfehlen. Nur in das Urban News in Athen würde ich nichr mehr gehen.

Tipp:
Die Wanderung von Elati nach Vytina war ein besonderes schönes Erlebnis außerhalb der E4-Routen. In Gythio haben wir eine weitere Rundwanderung (zirka 20 km) gemacht, die man auf der Website des Camping Gythio findet.

Mobilitätskosten:
(zu zweit und immer die einfache Strecke –
nur der Flugpreis enthält Hin- und Rückflug)

Anreise
Neubiberg – München (Franz-Josef-Srauß), S-Bahn 23,50 €
Flug München-Athen (hin zurück für zwei), Lufthansa 236 €
Athen (Flughafen) – Kiato, Eisenbahn 24,50 €
Kiato – Diakopta, Bus 9,50 €
Diakopta – Kalavryta, Zahnradbahn 19,00 €

Transfer von Vatyna bis Gythio
Divese Kosten für Taxi und Gepäcktransport zirka 130 €
Vatyna – Gythio (Bus)
Vatyna – Tripolis 9,40 €
Tripolis – Gythio 21,20 €

Rückreise
Gythio – Athen (Bus) 52,20
Athen – Flughafen (U-Bahn) 15 € (10 normal, 5 für Senior)
Flieger (siehe Anreise)
S-Bahn vom Flughafen nach Neubiberg 23,50 €

Roland Dürre
Mittwoch, der 19. April 2017

Auszeit.

Auch vom Fahrrad. Auch vom Internet. Aber nicht nur.

Keine Angst – es ist noch nicht „ZEIT AUS“. Ab Morgen (Donnerstag, den 20. April) bin ich weg. Aber nicht auf der Insel. Sondern nur auf der Halbinsel.

Ich probiere etwas Neues, das ich noch nie gemacht habe und mir früher eher nicht so hätte vorstellen können: Wir wollen den Peloponnes zu Fuß durchqueren. Nur mit einem Rucksack auf dem Rücken. Der gar nicht so schwer ist und der trotzdem alles enthält, was wir brauchen. So wollen wir mehr als 250 km auf einfachen Wegen vom Norden nach Süden durch die Berglandschaft wandern. Und jeden Abend in einer schönen Taverne das Leben genießen. Ihr wisst schon – mit Tzatziki und Retsina.

Hier einer der Gründe für den Sinneswandel. Autofahren war auch für mich mal eine selbstverständliche Art der Fortbewegung. Das habe ich mir komplett abgewöhnt. Jetzt bin ich mit dem Fahrrad so verwachsen, dass ich sogar für kürzeste Strecken das Rad nehme. Es ist halt die Macht der Gewohnheit. Das finde ich gar nicht so gut.

Ich vermisse das Gehen und Laufen, dies besonders seitdem ich nicht mehr Fußball spiele. Also „Runter vom Fahrrad und wieder mehr auf die Füße!“ (Folge 2). Sozusagen als Fortsetzung meines alten Mobilitäts-Programm „Raus aus dem Auto und rauf auf’s Fahrrad!“ (Folge 1). Das möchte ich im Alltag wie auch auf unseren Reisen in Angriff nehmen.

So machen wir diesmal nicht Rad- sondern Wanderurlaub. Als Premiere wollen wir als Rucksack-Nomaden das Teilstück des Fernwanderweg E4 von Diakopto nach Gythio bezwingen. Vom 21. April bis zum 1. Mai haben wir uns dafür Zeit genommen. Am Dienstag, den 2. Mai geht es wieder von Athen nach München.

Anreise und Abreise planen wir mit Lufthansa. Vom Flughafen in Athen geht es dann gleich weiter im Zug nach Korinth und mit dem Bus weiter nach Diakopto. Dort wartet ein uns schon bekanntes Hotel auf uns und am Morgen des 21. Aprils soll es dann los gehen. Vom Ziel Gythio geht es dann am 1. Mai mit griechischen Linienbussen zurück nach Athen.

Die Talstation in Diakofto

Wahrscheinlich werden wir mit dem Wandern erst in Kalavryta starten. Auf der ersten Etappe von Diakopto nach Kalavryta (auf griechisch Οδοντωτός σιδηρόδρομος Διακοπτού – Καλαβρύτων) gibt es nämlich eine 22 km lange Schmalspurbahnstrecke, die zum Teil mit Zahnradbetrieb fährt. So sparen wir uns den Anstieg und lassen uns von der Bahn schon mal von Null auf 740 m Höhe bringen.

Kalavryta ist übrigens ein legendärer Ort. Er wird mit dem Beginn der Griechischen Revolution (1821) verbunden. Der Ort hat eine für mich sehr traurige Berühmtheit erlangt. Die 117. Jäger-Division der deutschen Wehrmacht hat dort im Dezember 1943 schnell mal Kalavryta und 25 Dörfer dem Boden gleich gemacht und mehr als 700 Menschen massakriert – einem Befehl zur „schärfsten Form der Sühnemaßnahmen“ folgend. Diesen Ort werden wir kurz besuchen, der Geschichte gedenken und uns dann auf den Weg durch den Peloponnes machen.

Damit der Rucksack leicht bleibt habe ich das Gepäck total optimiert oder besser gesagt minimiert. So werde ich im Gegensatz zu meinen Fahrradreisen auch ohne Laptop unterwegs sein. Dies erstmals seit vielen Jahren. So wird es viel Internet-Abstinenz (EU-Roaming gibt es ja auch noch nicht) und in den nächsten zwei Wochen zumindest aus meiner Feder keine neuen IF-Blog-Artikel geben.

Ich freue mich natürlich trotzdem, wenn Ihr in den IF-Blog.de reinschaut. Meine Empfehlung: Einfach mal IF-Blog zufällig lesen. Zum Beispiel im Suchfeld einen „Begriff“ eingeben und schauen, was da so alles an Artikeln raus kommt.

🙂 Immerhin enthält IF-Blog.de bis heute 3.118 Artikel, davon mehr als 2.400 von mir. Dies zu allen möglichen und unmöglichen Themen. Da sollte für jeden etwas dabei sein.

Und wenn Euch ein Artikel gefällt, dann dürft Ihr diesen gerne teilen – auf Twitter, Facebook, Google+ oder wo auch immer. Das wäre schön und freut den Wanderer ganz sehr. Und als Dankeschön denkt er auf dem Peloponnes ganz oft an Euch. Und vielleicht gibt es dann auch wieder einen Bericht.

RMD

Als letzter Teil meines Berichts ein paar Infos, Tipps und Kommentare – so als Quintessenz der Reise.

Karibik

Meer und Sonne, ein wunderbares Klima, warmes Wasser von unten und oben, eine exotische Welt, das alles ist für mich ein Traum – gerade im Dezember – und war mein wichtigster Beweggrund für die Reise.

Reisen mit dem Schiff

Die Karibik ist mit dem Schiff ideal zu bereisen. MeinSchiff 4 dient als Hotel, das in der Nacht fährt und am Tag meistens an Land liegt. So konnten wir komfortabel 8 Länder und 10 Hafenstädte besuchen. Dazu brauchten wir kein einziges Visa. Passkontrollen hatten wir nur bei der Aus- und Einreise in Deutschland und der Ausreise aus der R.D. (Dominikanische Republik). Für die Landgänge ist der Schiffsausweis das einzige notwendige Dokument. Der Pass blieb die ganze Reise im Safeder Suite.

Das Schiff

Mein Schiff 4 ist ein deutsch-sprachiges Schiff. Es ist modern und wirkt gut organisiert. Die Mannschaft strahlt eine gute Stimmung aus. Es erscheint aber auch als ein „convenient“ Produkt und folgt strengen Prozessen, die wohl allen Kreuzfahrtschiffen gemeinsam sind. Für mehr als 2.000 nur Gästen geht das wohl nicht anders. Die Sicherheitsvorkehrungen sind gut, allerdings fragt man sich, ob diese im Ernstfall tatsächlich funktionieren werden.

Die Suiten sind geräumig, zweckmäßig und haben eine gute Anmutung. Die meisten Suiten sind haben einen Balkon. Früher wurden Kreuzfahrtschiffe eher in horizontaler Bauweise erstellt. Die unteren Decks beherbergten neben großen Gemeinschaftsräumen wie die Restaurants, die Theater und Einkaufsbereiche auch die Mannschaftsunterkünfte und Betriebsräume wie Küche, Wäscherei und vieles mehr. Die oberen Decks gehörten den Passagieren. Da die Schiffe ziemlich breit waren, gab es dann mehrere Gänge mit Außen- und Innenkabinen für die Reisenden.

Mit der zunehmenden Breite der modernen Schiffe ändert sich das. „Vertikal“ befindet sich bei modernen Schiffen auf fast allen mittleren Ebenen im Inneren des Schiffes der Mannschafts- und Dienstleistungsbereich. Das ist ein abgeschlossener Bereich mit eigenen Treppenhäusern und Lifts. In den unteren Decks sind so die Gemeinschaftsräume noch größer. Der Passagierbereich liegt jetzt ausschließlich außen, sozusagen um diesen „Mannschafts-Tower“ herum.

So haben fast alle Suiten jetzt einen Balkon. Wir haben unseren sehr genossen. Immer wenn wir im Zimmer waren, kam frische Luft vom Meer über die offene Balkontür zu uns. Gerade Nachts war sehr schön, wir konnten im Zimmer bei ausgeschalteter Klimaanlage die Luft des Ozeans schmecken und das Rauschen des Meeres hören.

MeinSchiff 4 hat zwei Swimming-Pools, beide auf Deck 14 (ein Deck 13 gibt es nicht). Einer davon ist im Aussenbereich und mit 25 Meter erstaunlich groß. Leider werden beide mit „Süsswasser“ und nicht mit Meerwasser betrieben. Das auf dem Schiff vorhandene Nutzwasser wird natürlich per Osmose und/oder Destillation aus Meerwasser gewonnen und tut den Schleimhäuten wie der restlichen Haut nicht gut. Deshalb habe ich ihn kaum genutzt.

Beeindruckend sind die gigantischen Liegestuhl-Lager an den diversen Sonnen- und Innendecks. Fast musste ich an Flüchtlingslager denken. Bei wirklich mehr als 2.000 Passagieren geht das wohl nicht anders. Trotz der Unmengen von Liegen feierte das Deutsche Handtuch-Syndrom kräftig Urstand. Schon früh am Morgen waren die meisten Ligen mit Handtüchern und kleinen ergänzenden Gegenstände wie Büchern, Sonnencrème, Käppies oder ähnlichem reserviert. Dass in der Bordliteratur die Gäste explizit gebeten wurden, dies nicht zu tun, störte offensichtlich niemanden bei diesem Bereich.

„Willkommen zurück in Deutschland“

Nach einem langen Landtag tut das Ankommen im Schiff gut. Schiff und Crew begrüßen dann gerne mit „Willkommen zurück in Deutschland“. Auf dem Schiff ist es erst auch mal wie in Deutschland. Alles scheint zumindest auf dem ersten Blick ordentlich und sauber zu sein und ist es wohl auch im normalen Rahmen tatsächlich. Das gesamte Angebot folgt deutlich dem „deutschem Mainstream“.

Der Service wird allerdings noch stärker als in Deutschland vor allem durch Menschen aus der ganzen Welt erbracht. So habe ich viele Service-Kräfte aus Ost- und Südeuropa aber auch Asien  kennen gelernt. Aber ganz gleich ob es der Zimmerservice ist oder im Restaurant oder an der Bar, man trifft im Service eigentlich nie auf einen deutschen Mitarbeiter.

Die Menschen, die auf dem Schiff werkeln, haben überwiegend auch keinen deutschen Arbeitgeber. In der Regel sind sie bei Agenturen zum Beispiel in der Schweiz (Offiziere), in Zypern (Service) oder auch Manila (Nautik) angestellt. Wie auf Meinschiff werden sie dann von den Betreibern“body geleast“. Das ist natürlich nicht nur bei TUI sondern in der ganzen Branche so.

Auch die Arbeitsweise entspricht wenn dann nur bei sehr großzügiger Auslegung dem Deutschen Arbeitsrecht. Arbeitszeit ist 10 Stunden pro Tag und das 7 Tage die Woche. Bei Bedarf sind Überstunden selbstverständlich. Es gibt nur wenige Tage Urlaub. Bei besonderer Leistung gibt es einen freien Tag – der dann in der Regel für Landgänge eingesetzt wird.

Die Mitarbeiter sind mit ihren Jobs und ihrer Entlohnung zufrieden. Abzüge durch Sozialversicherung gibt es nicht. Die Länder, in denen sie angestellt sind haben sehr günstige steuerliche Konditionen speziell für Seefahrer. Dazu kommt eine verblüffend günstige Krankenversicherung für die meistens jungen Menschen, die allerdings nur die medizinisch wirklich notwendigen Kosten abdeckt. Was nebenbei bemerkt dazu geführt hat, dass in keinem Land Europas so viel Seeleute beschäftigt werden wie in der Schweiz.

Seefrau oder Seemann ist übrigens ein jeder, der auf dem Schiff fährt, ganz gleich ob er in der Nautik, im Hotelbetrieb oder in der Touristik tätig ist. So bleibt trotz eines eher niedrigen Bruttoverdienstes netto ganz gut was über.  Die Lebenskosten sind gering, Trinkgelder gibt es auch noch und man sieht etwas von der Welt. Was will man mehr?

All inclusive

Die TUI hat für Kreuzschifffahrt ist ein „all inclusive“ Geschäftsmodell. Das hat Vorteile und Nachteile. Man konsumiert doch oft mehr als man will (und sollte ?), dafür ist die Abwicklung sehr einfach und bei hohem Konsum spart man richtig Geld. Bei MeinSchiff 4 ist das „all inclusive“ ehrlich. Es ist (fast) alles im Preis mit drin. Auch an den Bars. Ob Cocktails in exzellenter Qualität, der Long Drink, viel Bier und Wein, es gibt ein großes Angebot ausschließlich an Markenprodukten, das komplett im Festpreis enthalten ist.

Nur weniges kostet extra, wie die Spezialitäten in drei Restaurants. An den Bars sind nur ganz wenige und besonders prominente Spirituosen und Weine nicht inklusiv. Das gilt auch für frisch gepressten Orangensaft und Champagner.

Bei den Speisen sind Kaviar und Langusten nicht inklusiv. Kaviar aber gibt es dann auch alle Woche als Teil des normalen Frühstücks. Das Glas frisch gepresster Orangen-Saft und das Wasser in Mein-Schiff gelabelten Flaschen kosten extra. Wobei in den Restaurants und Bars gesprudeltes wie nicht gesprudeltes Wasser inklusiv sind. Auf jedem Deck gibt es Wasserabfüllstellen, bei denen man die auf den Suiten vorhandenen Karaffen umsonst befüllen kann.

Essen

Die Qualität des Essen war gut. Auf dem Niveau wie in guten deutschen Kantinen. Eher wie bei der Münchner Rück (MR) oder Allianz als bei der Siemens AG.

In den (auch inklusiven) „feinen Restaurants“ wie im großen Hauptrestaurant wird ein Menü mit mehreren Gängen und „vornehmen“ Service serviert. Da ist das Essen auch von derselben (guten Qualität) und halt auch noch fürs Auge angerichtet.

Selbstservice und Service sind gut gewichtet, in manchen Restaurants gibt auch beides in benachbarten aber abgegrenzten Bereichen. Der Service kostet keinen Aufpreis, ist also auch immer inklusiv, so auch bei GOSCH am Heck auf Deck 12. Dort waren wir gerne, besonders weil es einen großen Freiluftbereich hat. Die Grill-Bar, ein Deck höher auf 14, ausschließlich im Freiluftbereich, war unser zweiter Favorit. Und die beiden Bars in Richtung Bug am Swimming Pool und ein Deck höher mit ihren wirklich ausgezeichneten Cocktails, auch alles im Freien.

Bewegung

Um genug körperliche Bewegung im Schiff zu haben, gibt es einen ganz einfachen Trick: Nur die Treppen nehmen und prinzipiell nie die Aufzüge nutzen. Wenn man sich das zur festen Regel macht, dann bleibt man bei 14 Decks, der Rezeption auf Ebene 3 und dem Ausstieg an der Wassergrenze bei Deck 2 gut in Schwung …

Unterhaltung

Das „Entertainment“ an Schiff ist wie der Rest. Gut organisiert, akzeptable Qualität, deutscher Mainstream wie Helene Fischer. Das zwar nicht unbedingt meines – aber den meisten Menschen schien es gut zu gefallen. Wie auch die Band, die sicher aus guten Musikern bestand, die aber nach meinem Geschmack ziemlich lustlos gespielt haben. Lokale Musik – wie lokales Essen – ist aber auf solch einem deutschen Schiff nicht angesagt. Dabei wäre es sicher leicht gewesen, zum Beispiel zwischen den beiden Häfen Jamaikas einen Reggae-Band an Bord zu nehmen …

Nicht vergessen darf ich die Fußball-Bundesliga. Da gab es „public-viewing“ auf großer Leinwand  mit englischem Kommentator in der Arena im Freien sowie auch unter Deck. Freitag, Samstag und Sonntag gab es so live ein bis zwei Bundes-Liga-Spiele, was bei Seetagen schon Sinn macht. Dazu gibt es natürlich Bier – in großen Schüsseln liegt das 3-Stripes-Biergut geeist aus Jamaika zum Verzehr bereit. Die Regel heißt Holen und Trinken. Wenn einem das 3-Stripes nicht schmeckt kann sich auch ein Korona (aus Mexiko – mein Favorit) oder eine der vorhandenen InBev Marken (Becks, Franziskaner …) holen. Alles dank „all inclusive“ for free.

Meine persönlich liebste Unterhaltung auf dem Schiff ist aber das Genießen der tollen Aussicht von ganz oben. Besonders in den Häfen oder bei Ein- und Ausfahrten kann ich die „Schönen Ausblicke“ richtig sammeln und Stunden nur mit Schauen verbringen.

Hier der Blick nicht vom großen Schiff sondern nur von der Fähre nach Durchfahrt des Panama-Kanals vom Pazifik auf Panama City.

Internet

Aus anderen Erfahrungen weiß ich, dass Internet auf Schiffen in der Regel über Satellit läuft und so für einen intensiven Nutzer eine echte Zumutung ist. Auf MeinSchiff habe ich es nicht probiert, so weiß ich auch nicht, wie gut es dort war. Aber es war ziemlich teuer.

Also betanke ich mein Mobile Telefon am besten bei den Landgängen. Eine mögliche Art ist dann die Nutzung von Hafen-nahen HotSpots, die für Stundenpässe ein paar USD verlangen. Ich würde aber empfehlen in die Orte zu gehen und entweder einen öffentlich Gratis-Hotspot oder ein Café zu suchen, in dem WLAN als Teil des Konsums im Preis mit drin ist.

Digital

MeinSchiff 4 ist ein ziemlich digitales Schiff. Überall im Schiff sind große „Touch Screens“, die über das Schiff, die Restaurants und das Programm informieren. Die Photos vom Schiffs-Team werden digital angezeigt und erst nach Bestellung ausgedruckt. Die Schiffs-App ist leicht zu nutzen. Über sie kann man auch Ausflüge buchen oder den Stand seines Bordkonto einsehen.

Fahrrad
Auf MeinSchiff 4 gibt es keine Fahrräder, die man sich für private Landausflüge ausleihen kann. Das war ein Service auf MS Europa, den ich sehr geschäft habe. Auf MeinSchiff 4 gibt es Fahrräder nur im Rahmen von organisierten Touren. Die aber sowohl als normal Trecking Räder wie auch als eBike. Sogar e-Roller waren an Bord. Nur fährt man dann die Ausflüge in mann-starken Kolonnen, was mich nicht so begeistert.

Das private Ausleihen von Fahrrädern war in den Zielhäfen war nur einmal möglich. Das scheint in Mittelamerika noch nicht so verbreitet zu sein.

Landausflüge

Im Angebot ist alles – von Ausflügen zu Fuß, mit dem Fahrrad, mit dem Bus und mit Booten unterschiedlicher Größe. Der Jeep-Ausflug ist genauso dabei wie der mit dem Monster-LKW, sogar Ausflüge mit Flugzeugen wurden angebooten. In Cartageno ist mir eine Stadtführung  für MeinSchiff  mit einfachen elektrischen Scootern auf drei Rädern aufgefallen.

Die Schwerpunkte sind Land & Leute wie auch kulturelle, geschichtliche, geographische und geologische Sehenswürdigkeiten. Bei vielen Ausflügen ist der Besuch eines Abenteuer- oder Vergnügungsparks dabei.

Die Ausflüge sind gut organisiert – natürlich immer abhängig von den lokalen Agenturen. Darauf wird auch in den Geschäftsbedingungen klar hingewiesen. Die Führungen sind auf Deutsch und Englisch. Die Sprachkenntnisse der lokalen Guides waren oft schlecht bis absolut ungenügend. Die Ausflüge sind nicht billig, allerdings sind die besuchten Länder auch nicht billig.

Bei unseren privaten Ausflügen hatten wir überwiegend sehr schöne und erfreuliche Kontakte mit den Einheimischen.

Tag & Nacht

Aufgrund der Jahreszeit ist die Sonne ja im Dezember im Süden, die Karibik ist aber nördlich vom Äquator. So war es um die 11 Stunden hell und 13 Stunden dunkel. Das stört aber nicht, denn 10 Stunden Sonne am Tag sind völlig ausreichend.

Die Gäste

Auf dem Schiff durften wir einen Querschnitt durch einen Teil unserer Gesellschaft erlebt haben. Genau die Menschen halt, die sich einen Fernurlaub leisten können. MeinSchiff  ist da eine durchaus preiswerte Variante. Trotzdem hatte ich den Eindruck, dass ein paar der Gäste für ihren Urlaub ganz schön lange gespart hatten oder ihn sogar mit einem Kredit finanziert hatten.

Die Barbara hat gemeint, dass die Tattoo-Dichte deutlich höher gewesen wäre als im Unterhachinger Freibad. Mich stört das nicht, auch wenn ich persönlich Tattoos eher skeptisch gegenüber stehe. So ziert meinen Körper kein Tattoo, nicht einmal das schöne IF-Logo.

Mehrheitlich hatten wir Kontakte mit angenehmen Menschen. Nur einmal musste ich bei Tisch ein paar AfD-Thesen ertragen …

Verschiedenes

  • Sonnencreme
    Immer sinnvoll, die häufige Bewölkung hat es uns jedoch leichter gemacht Sonnenbrand zu vermeiden.
  • Mückenschutz
    Braucht man nicht.
  • Diamanten
    Gibt es überall, auch blau, mit Rückerstattung. Aber auch zu stattlichen Preisen. Mir fehlt das Know-How um zu Bewerten ob sich der Schmuckkauf da lohnen würde.
  • Zigarren
    Riechen gut, sind aber auch teuer und ich rauche ja nicht mehr (ab und zu leider).
  • Kaffee
    gibt es überall – allerdings immer recht stark geröstet und deswegen nicht unbedingt etwas für deutschen Mainstream-Geschmack.
  • Rum
    Gibt es überall – in Hülle und Fülle. Und schmeckt verdammt gut.

Jetzt ist dann bis zur nächsten Fahrt Schluss in IF-Blog.de mit Karibik und Schiffsreise.

RMD

Roland Dürre
Montag, der 2. Januar 2017

Mobil in Mittelamerika vom 17. – 23. Dezember (Zweite Woche)

In diesem Artikel berichte ich über die zweite Woche unserer Rundfahrt mit MeinSchiff 4 durch die nördliche Karibik. Im vorletzten Post hier im IF-Blog habe ich meine Erlebnisse in der ersten Woche dieser Reise vom 9. bis zum 16. Dezember wiedergegeben. Die ersten sieben Tage waren am 16. Dezember in Roatán in Honduras vorbei. Dort waren wir privat unterwegs gewesen und hatten einen wunderschönen langen Spaziergang zu den Westbays.

Von Roatán ging es am Abend in die zweite Woche, die mit einem Seetag am 17. Dezember begann. Puerto Limón in Costa Rica war der erste Zielhafen.

18. Dezember – Puerto Limón – Costa Rica – – BOOT, BUS, ZU FUSS
Ankunft um 7:00 /Abfahrt 22:00; organisierter Ausflug

Heute ist der vierte Advent und wir sind im schönen und warmen Costa Rica angekommen. Dort haben wir einen Ganztages-Ausflug gebucht.

Zuerst geht es mit dem Boot durch die Tortuguero-Kanäle und dann per Bus hoch in den Varagua Regenwald. Wir haben  Glück. Denn unser „Guide“ kommt aus Deutschland und heißt Susanne. Susanne ist als junge Frau 1981 in Costa Rica hängen geblieben und hat einen Costa Ricaner geheiratet. So hat sie in diesem besonderen Land 35 intensive Jahre erlebt. Und hat so viel zu erzählen.

Heute ist sie Großmutter und lebt mit ihrer Familie in Costa Rica. Ihr kleines und großes Glück ist es, mit ihren Enkeln die eigenen Hühner zu füttern.

Außerdem engagiert sie sich in Organisationen für den Schutz der Umwelt und für nachhaltigen und auch für die Einheimischen nutzbringenden Tourismus. Und macht Führungen für Schiffs-Touristen.


Glück hatten wir deswegen, weil es drei Gruppen gab, die dieselbe Tour machten. Die zweite war angekündigt als englisch-sprachige Führung – und so als nur für Leute geeignet, die des englischen mächtig waren. Leider konnte der Guide dieser Gruppe aber kaum Englisch (und natürlich auch kein Deutsch). Die dritte Gruppe war wieder „deutsch-sprachig“. Deren Führer konnte allerdings kaum Deutsch (und überhaupt kein Englisch).


Schlechte Neuigkeiten für die Natur …

Ein trauriger Ausflug auf den Tortuguero-Kanäle, weil das alles verschwinden wird …

Was Susanne uns über die Tortuguero-Kanäle erzählt hat, macht mich ziemlich traurig. Costa Rica hat – wohl aufgrund seiner geographischen Lage – einen einzigartigen Artenreichtum. Den konnten wir auch vom Ausflugsboot so richtig gut bewundern. Da gab es Faultiere mit zwei und drei Zehen, besondere Wasservögel, Krokodile und vieles mehr, was wir alles an den Ufern sehen. Wir bewundern die Mangroven-Wälder und verstehen, wie wichtig sie für das Ökosystem sind.

Und dann erfahren wir, dass dieses ganze Idyll bald verschwinden wird, weil genau hier ein gigantisches Containerterminal für den neuen und ziemlich großen Industriehafen gebaut wird. Und dass die Gebäude an den Ufern so verfallen sind, weil die Bewohner schon lange das Gelände verlassen haben.

Offensichtlich meint die Administration von Costa Rica, dass für die Zukunft eine solch gigantische Infrastruktur gebraucht wird. Warum weiß keiner so richtig. Aber das zählt nicht. Und jetzt wird das Großprojekt nach vielen Jahren des Protests trotz allem gebaut und so manche Hoffnung zerstört. Dies trotz des intensiven und auch internationalen Protestes mit vielen guten Begründungen.

Mein allgemeiner Eindruck auf unserer Reise war, dass die meisten Kräne, die ich in den Häfen von Mittelamerika gesehen habe, eher in ewigen „Dornröschenschlaf“ liegen. Sogar später in Panama, das ja ein richtiger Handel- und Umschlagplatz für Güter ist, hatten die meisten Kräne nichts zu tun.

Aber so ist das wohl auf dieser Welt. Die Politik meint – getrieben von den Lobbyisten der Industrie – mit großen Infrastruktur-Investitionen die lokale Wirtschaft ankurbeln zu können. Und wenn die Dinge dann gebaut sind, kommt in der Regel der große Kater.

In Costa Rica hat Intel mal viele Chips produziert. Die werden jetzt in Asien hergestellt. Wo auch sonst. Letzten Endes leben Länder wie Costa Rica vom Tourismus. Und der lebt von der Natur (übrigens auch in Panama bringt der Tourismus mehr als die cash cow Kanal).

Die Costa Ricaner sind trotzdem gut drauf. Ihr Gruß ist „pura vida“, übersetzt heißt das so etwas wie „Pures Leben“. Wenn sich Menschen in Costa Rica treffen, rufen sie sich „Pura Vida“ zu und sind glücklich. So werde ich das in Zukunft auch machen.

Nach der Bootsrundfahrt geht es weiter mit dem Bus in den Varagua Regenwald. Die Busfahrt ist allein schon ein Abenteuer. Über extrem schlechte und enge Straßen mit vielen schmalen Windungen kämpft sich der Bus extrem langsam nach oben. Der Bus-Fahrer strahlt dabei eine durch nicht zu erschütternde Ruhe aus und zeigt keine Anzeichen von Ungeduld. Obwohl es  ab und zu wirklich zum Atem anhalten ist.

Oben angekommen wird unsere Stimmung gleich wieder besser. Nicht nur weil es ein ordentliches lokales Essen gibt. Sondern weil es ein so schöner Ort ist und uns die pralle Natur des Regenwalds in ihren Bann schlägt.

Wir haben hier ein sehr abwechslungsreiches Programm. Nachttiere wie den Rotaugenfrosch können wir in einem Gebäude sehen, in dem am Tage die Nacht herrscht. Es gibt eine wunderschöne Voliere für viele bunte Schmetterlinge und einen kleinen Zoo mit Reptilien aller Art. Wir lernen viel, über die Farben der Schmetterlinge, das Gift der Frösche und Schlangen, das Leben im Regenwald und Manches mehr.

Ein wenig nachdenklich bin ich dann doch auf den 350 Stufen wieder nach oben vom Puma-Wasserfall zur Talstation der Seilbahn.

Ein Highlight ist der Vortrag eines jungen Mannes, der uns berichtet, was er als Forscher und sein Institut für das Überleben für zum Beispiel vom Aussterben bedrohten Froscharten tun. Er erläutert seine spanischen Folien auf Spanisch. Susanne übersetzt ihn ausgezeichnet wie auch alle ihre  Erläuterungen wertvoll und unterhaltsam sind.

Ein weiterer Höhepunkt ist die Fahrt mit der Seilbahn in das Tal der Puma-Wasserfälle steil hinab durch den Regenwald. Wir sehen unter anderem auf Augenhöhe zahlreiche Affen, die in den Bäumen turnen. Es ist das „pura vida“ – auch wenn es mich ein wenig nachdenklich macht, dass wir nicht mehr die Schönheit des ursprünglichen Regenwaldes mit seinen großen Bäumen erleben dürfen, sondern nur noch die Ausprägung des sekundären und tertiären Regenwaldes. Denn die großen Baum-Riesen des ursprünglichen Regenwalds hat homo sapiens dort auch schon vor langer Zeit durch Raubbau beseitigt.

Als Alternative zu unserem Ausflug hätten wir auch eine Fahrt mit einem Oldtimer-Zug buchen können. So etwas gibt es in Costa Rica auch. Die Bahn wurde wohl beim großen Erdbeben Anfang der 90iger Jahre zerstört. Das Unternehmen, das geprüft hat, ob sich ein Wiederaufbau lohnen würde, war gleichzeitig der größte Busbetreiber in Costa Rica. Und so wurde nur in Puerto Limón eine Teilstrecke für touristische Zwecke wieder aufgebaut und der Rest der Strecke aufgegeben.

19. Dezember – Colón – Panama – – BUS, BOOT
Ankunft um 7:00 /Abfahrt 17:00; organisierter Ausflug

Die Fahrt von Puerto Limón nach Colón war mit neu Stunden eher kurz. Und in Colón hatten wir wieder einen Ausflug gebucht. Denn Barbara und ich wollten doch mal wieder – wenn auch nur für kurze Zeit – auf dem Pazifik sein, von dort die Sky Line von Panama City sehen und vor allem einen Teil des Panama-Kanals befahren.

Das wollten wohl viele. So war dieser Ausflug sehr beliebt. Sechzehn Busse standen nur für unser Schiff bereit, die Einteilung Passagiere der Busse erfolgte in fast militärischer Block-Abfertigung im Theater. Alle wollen den Panama-Kanal (oder zumindest einen Teil davon) durchfahren. Und ich meine, dass sich hat sich dieser Ausflug gelohnt hat.

Von Colón aus fahren wir zuerst zirka eine Stunde nach Gamboa. Wir haben eine wunderbare Führerin, die das pure Leben ausstrahlt. Ihr Englisch ist zwar ein wenig „restricted code“ aber ausgezeichnet zu verstehen. Ihr Vortrag ist großartig, ab und zu legt sie ein beachtliches kabarettistisches Talent an den Tag. Es macht richtig Spaß, die Zeit auf der Fahrt geht im Flug dahin.

Wir fahren vorbei am Gefängnis von Manuel Noriega vorbei, das auf mich wie ein Gebäude so zwischen Schloss und Festung wirkt. Gamboa liegt ziemlich in der Mitte der 82 km, die der Schiffsweg auf dem Panama-Kanal vom Atlantik zum Pazifik misst. In Gamboa sind wir in zwei große Fähren (zumindest deutlich größer als die bisherigen Ausflugsboote) umgestiegen, die uns zum Pazifik bringen sollen. Es sind einfache Schiffe mit offenen Decks auf zwei Ebenen. Da es ein richtig warmer Tag ist und die Schiffe gut voll sind, sind die schattigen Plätze sehr begehrt und werden schnell rar.

Der Führer auf dem Schiff hat leider nicht die Qualitäten der Dame im Bus. Die Lautsprecher sind zu laut eingestellt und die Fahrt wird ziemlich anstrengend. Die Fahrtzeit kann nicht exakt vorhergesagt werden, da sie vom Verkehr abhängt. Wenn ein großer Brummer kommt, dann hat er Vorfahrt. Er zahlt ja auch enorm für den Transfer. Die Maut für die ganz großen Schiffe, die aufgrund eines Neubaus einer Teilstrecke jetzt auch durch können, soll bis zu einer Million USD betragen.

Die Fahrt soll vier bis fünf Stunden dauern. Die Passage der Schleusen auf dem Weg nach Panama-City, mit denen wir je nach Wasserstand einen Höhenunterschied von zirka 30 Metern überwinden, beeindruckt uns jetzt nicht so sehr. Immerhin sind wir ja erfahrende Hausboot-Fahrer und kennen uns mit Schleusen gut aus. Zudem waren wir schon oft am ruhigen Rhein-Main-Donau-Kanal und haben vor kurzem das Oder-Schiffs-Hebewerk auf unserer Radtour von Penemünde nach Berlin besucht. So beeindrucken uns die Schleusen nicht so sondern eher die große künstlich geschaffene Seen-Landschaft.

Die engste Stelle des Kanals, der Gaillard Cut, liegt auf unserem Weg. Die beiden Gipfel – mindestens einer davon gestutzt – sind sehenswert. Bei den Schleusen kommen wir am ziemlich vollen Kanal-Beobachtungsgebäude vorbei. Da ist ziemlich viel los.

Ein wenig überraschend kommt, gerade wie wir in den Miraflores-See einfahren, die Durchsage, dass wir heute den Kanal sehr schnell durchfahren haben und wir schon in einer Dreiviertel-Stunde am Ziel sein werden. Das wären dann nur 3,5 Stunden Fahrtzeit. Aber bevor es durch die Puente de las Américas geht stoppt die Kanal-Verwaltung unser Fährboot.

Wir müssen waren, bis ein Container-Gigant kommt. Wir warten, fast zwei Stunden bis der vorbei ist, dann es geht weiter. So werden es dann doch noch an die fünf Stunden Fahrtzeit.

Raus aus dem Miraflores-See geht es in den Pazifik bis nach Balboa, die äußerste Insel einer kleinen Reihe von Inseln, die über einen Damm mit dem Festland verbunden sind. Wir stehen am Heck und sehen, wie die Puente de las Américas immer kleiner wird.  Die Silhouette von Panama City zieht an Backbord an uns vorbei, das ist schon alles sehr beeindruckend.

In Balbao verlassen wir unsere Fähre und steigen wieder in den Bus. Unser toller Guide erwartet uns wieder und verkürzt uns die Zeit im Bus. Der fährt die komplette Autobahn vom Pazifik an den Atlantik durch und wir sind wieder beim Schiff – rechtzeitig zur Abfahrt um 18:00. Die macht besonders viel Spaß – denn um 18:00 local time sieht man noch einiges von Panama im Licht der untergehenden Sonne.

20. Dezember – Cartagena – Kolumbien – – ZU FUSS / TAXI
Ankunft um 9:00 /Abfahrt 20:00; privat unterwegs

Die beiden letzten Tage hatten wir zwei Tagesausflüge, die uns durchaus gefordert haben. So wollen wir es heute geruhsam angehen lassen und gehen mal wieder privat los.

Kurz vor der Altstadt nach einem längeren Fußweg vom Containerhafen. Eine Brücke fehlt noch – dann sind wir da.

Cartagena ist mit mehr als einer Million Einwohnern eine richtig große Stadt. Die Silhouette der Stadt besteht aus vielen Hochhäusern und ist nicht weniger beeindruckend als die von Panama City.  Es gibt aber – zum Teil noch umgeben von der ursprünglichen und gut erhaltenen Stadtmauer – auch eine gemütliche Altstadt, die mit vielen Museen und anderen Attraktionen lockt.

Unser Schiff liegt im Containerhafen. Der Stadtplan der Hafen-Info lässt vermuten, dass es fast 10 km bis zur Altstadt sind. Aber der Weg ist ziemlich klar, also spazieren wir los. Und wieder dasselbe Spiel mit den vielen vielen Taxifahrern, die uns alle erklären wollen, dass der Weg viel zu weit wäre. Wir haben es aber mittlerweile gut geübt, den Sirenen widerstehen zu können …

Der Verkehr auf der zweispurigen und trotzdem schmalen Einbahnstraße ist dicht. Auch die Fußwege sind ziemlich belebt. Oft sind wir zu Fuß schneller als die Autos. Wir freuen uns, wenn wir zu Fuß einen Bus mit den „organisierten Ausflüglern“ von MeinSchiff 4 überholen.

In den Staus stecken auch viele kleine gelben Taxis , die hier als öffentlicher Nahverkehr etikettiert sind. Es gibt aber auch viele öffentliche Busse. Ich entdecke, dass eine ganze Reihe der gelben Taxis rein elektrisch unterwegs sind. Es sind Fahrzeuge von KIA.

Es ist ein sehr beeindruckender Spaziergang hin zum alten Hafen. Wir überqueren die Mündung und sehen ein großes Tor in der Stadtmauer. Da ist sie, die Altstadt. Sehr verlockend, es gibt viele Museen, Bars und Lokale und Geschäfte.

Wir nehmen uns viel Zeit und bummeln und stöbern herum. Dann sind wir so richtig müde. Also geht es zurück zum Genießen aufs Schiff und wir suchen uns ein Taxi. Das finden wir schnell und haben einen wunderschönen Spätnachmittag auf dem Schiff.

Unsere Reise geht nun langsam zu Ende. Wir müssen jetzt wieder zurück von Kolumbien in die Dominikanische Republik. Unser vorletztes Ziel vor dem Heimflug von La Romana ist Santo Domingo. Bis dahin ist es noch ein gutes Stück des Weges, deshalb geht es am Abend um 20 Uhr los zu unserem letzten Seetag am 21. Dezember.

Es wird eine wunderschöne Ausfahrt, noch ziemlich lange sehen wir die Lichter von Cartagena und Kolumbien und nehmen langsam Abschied von Mittelamerika. Auch wenn wir nicht mehr in Panama sind, leiste ich mir für den deutschen und griechischen Sommer 2017 einen Panama-Hut.

Auch die Barbara wird schwach und bekommt sich einen wunderschönen Damenhut – auch für den heißen Sommer 2017. Nach kurzem aber entschlossenem Handeln mit dem fliegenden Hut-Händler bekommen wir beide Hüte zusammen für 14 USD. Am Flughafen-Shop kostet mein Hut dann 20 USD – die Damenhüte aber deutlich mehr.

22. Dezember – Santo Domingo – Domikanische Republik – – ZU FUSS
Ankunft um 8:00 /Abfahrt 20:00; privat unterwegs

Noch zwei Tage bis Heiligabend.

Das Ende der Reise kommt immer näher. Noch ein voller Tag in der Karibik und noch eine Nacht auf dem Schiff – und dann geht es zurück aus der Wärme. An Heilig Abend wollen wir in München ankommen und dann mit unseren Kindern und deren Partnern feiern.

Also gehen wir noch mal spazieren. Der Weg vom Hafen in die Stadt scheint diesmal richtig kurz. Also auf zu einem letzten Spaziergang in Mittelamerika. Gar nicht weit weg von unserer Anlegestelle überquert eine schwimmende Brücke den Meeresarm zum Hafen. Und dann sind wir auch schon da.

Obwohl Santo Domingo eine Riesenstadt ist – mit vielen Menschen in der Umgebung. Trotzdem hat Santo Domingo hat aber auch eine wirklich liebenswürdige Altstadt. Die war so richtig zum Bummeln für uns. Sie ist ziemlich übersichtlich und besteht aus lauter flachen Gebäuden und ein paar kleinen Parks.

In einem wird gerade ein Film gedreht. Mit großem Aufgebot werden Teile der Straße frei gehalten. Für uns gibt es so viel zu sehen. Und immer wieder begegnen wir einer Gruppe vom Schiff, vorne weg der Guide mit dem schon gut bekannten Schild über dem Kopf haltend.

Bars und Gaststätten mit „free WLAN“ gibt es hier auch. So machen wir Kaffeepause und füttern unsere Handy. Die Rechnung kommt dann in lokaler Währung und umgerechnet in USD und EURO. Die Welt ist klein geworden.

Die Abkürzung der dominikanischen Republik ist übrigens R.D. Das sind meine Initialen. Überall sehe ich Käppies, T-Shirts und andere Andenken-Artikel mit meinen Initialen. So werde ich schwach und kaufe mir ein R.D.-Käppie. An Weihnachten werde ich es meinem Sohn Rupert Dürre (auch ein R.D.) schenken.

Ansonsten genießen wir an diesem Tage unsere Zweisamkeit und freuen uns auf Weihnachten.

23. Dezember – La Romana – Domikanische Republik – – BOOT
Ankunft um 8:00 / Transfer zum Flughafen 14:45; organisierter Ausflug

Es ist unser letzter Tag. Wir haben schon ein paar Tage vorher auf dem Schiff einen organisierten Ausflug für den Vormittag gebucht. Es ist eine Bootsfahrt mit Schnorcheln und Strandbesuch. Er soll um 14:00 zu Ende sein, so haben wir noch genug Zeit bis zum direkten Transfer zum Flieger.

Unser Gepäck haben wir schon am Vorabend gepackt. Die Koffer mussten bis Mitternacht vor die Tür gestellt werden und sind schon abgeholt. Meinen Rucksack mit meinen warmen Kleidern habe ich auch dazu gestellt. Wir sind also vogelfrei und müssen heute am Flughafen das Gepäch nur noch identifizieren und die beiden Koffer beim Check-In abgeben.

Der Ausflug ist wieder gut organisiert. Unser Boot steht am Heck von MeinSchiff 4 zum Einstieg bereit. Die Mannschaft ist zu dritt, eine Schweizerin und zwei Einheimische. Alle sind richtig gut darauf. Unterwegs gibt es Kola, Sprite … und viel Rum. Cuba libre! Zum Essen haben sie Pastelitos dabei, das sind gefüllte Teigtaschen.

Zuerst machen wir einen Schnorchelstopp, dann fahren wir zu einem Strand. Der Bereich mit den blauen Liegestühlen ist für uns reserviert. Die Nutzung eines Liegestühle kostet 2 USD, das Liegen auf einem Handtuch am Strand wie das Schwimmen im Meer sind im Preis mit drin. Ein Kreuzfahrschiff der Reederei „Costa“ ankert vor dem Strand und „tendert“ fleißig offensichtlich überwiegend italienische Gäste an Land. Es geht zu wie am Marienplatz in München.

Es ist der Tag vor Heilig-Abend. Essen, Trinken, Sonne und Wasser genießen und „faul sein“ ist angezeigt. Besonders das Meer in tropischer genießen wir noch mal so richtig und gehen öfters ins Wasser als auf der ganzen Reise. Dann geht es mit dem Boot zurück zum Schiff – Ade Karibik!

Pünktlich setzt uns das Ausflugsboot wieder beim Schiff ab. In der Grillbar auf dem 12. Deck von MeinSchiff 4 verspeisen wir unseren letzten Hamburger und spülen die Reste mit Corona runter. Dann geht es runter zum Bus und ab in den Flieger. Wir wollen ja am nächsten Tag unter dem grünen Baum bei uns zu Hause Weihnachten zu feiern

Am Heilig Abend stehen wir dann morgens um 8:30 am Bahnsteig des Flughafen und warten auf die S-Bahn der Linie 8 zum Ostbahnhof. Der Umstieg zu S7 klappt problemlos, alle Züge sind pünktlich.  In Neubiberg kommen wir gegen 10:00 an. Ich radle zuerst Mal zum Metzger Schlammerl in Ottobrunn und kaufe mir ein paar Weißwürste. Dann geht es zum Bäcker Schlank in Putzbrunn für die Brezeln dazu. Die Mittagsbrotzeit ist gerettet – und – Heilig Abend kann kommen!

Das Hotel, das uns für vierzehn Nächte beherbergt hat und mit uns durch die Karibik fuhr.

Das war es! Ich werde noch einen Artikel mit ein paar Tipps zur Kreuzschifffahrt schreiben – und mich dann wieder anderen Themen zu wenden.

🙂 Wie z.B. was denn eigentlich system-theoretisch betrachtet ein Problem ist.

RMD

Klaus Hnilica
Dienstag, der 29. März 2016

Auf verlorener Sohle

Carl und Gerlinde (Folge 48)

„Entweder hast du die Scheißerei, bist besoffen oder hängst vor der Glotze beim Fußball!“ bellte Gerlinde vom Balkon ins abgedunkelte Zimmer ihres heiß geliebten Hotels Barceló Santiago.

ZZZZZZ_173721„Ach Gerlinde! Sei doch nicht so ekelhaft, wenn ich mir einmal tagsüber ein Bierchen gönne und dem Kloppi seinen FC Liverpool anschaue“, motzte Carl zurück und rekelte sich genüsslich in seinem Bett, ohne den Bildschirm an der Wand auch nur eine Sekunde aus den Augen zu lassen! Schließlich ging’s doch um etwas bei dieser Europa League! Und die tapferen Augsburger hielten nach dem überraschenden Führungstreffer der Klopp Truppe immer noch wacker dagegen…

„Ja, ja red’ du dir nur alles schön! Ich hab’ mir jedenfalls unseren Frühlingsurlaub auf Teneriffa anders vorgestellt!“ meckerte Gerlinde unbeirrt weiter, obwohl ihr Gemecker kläglich unterging im Getöse des Atlantiks an dem schwarzen Riff – gleich unterhalb des Hotels.

Verärgert warf sie sich schon zum fünften Mal an diesem Nachmittag in ihren Liegestuhl und starrte trübsinnig auf das kitschig blaue Meer mit dem archaischen Dreimaster in voller Takelage, von dem aus wieder unzählige genarrte Touristen vergeblich Ausschau nach Delfinen und Walen hielten.

Genau so vergeblich, wie sie seit Stunden ihren Carl in die Frischluft zu lotsen versuchte: dabei hatte sie drei Jahre ihren hartleibigen Urlaubsmuffel bearbeitet, bis er endlich bereit war mit ihr auf diese ungeliebte Insel Teneriffa zu fliegen – auf der ihr ‚Ex-Mann’ Jürgen immer noch das ehemals gemeinsame Apartment hatte.

Ja – volle drei Jahre nagende Überzeugungsarbeit waren das gewesen, und dann hockt dieser Saukerl im Hotelzimmer vor der Glotze, oder ist bestenfalls dazu zu bewegen seinen Buttermilchkadaver ein Stockwerk höher in die Poollandschaft zu schaffen, um ein paar klägliche Runden  zu drehen: natürlich mit Sonnenbrille und den Dickschädel immer schön über Wasser, damit ja die ‚Dauerwelle’ nicht nass wird, dafür aber der Nacken ausreichend schnell versteift, um nach spätestens fünf Minuten wieder aus dem Becken flüchten zu können…

Wenn es denn überhaupt fünf Minuten waren!

Denn der Poolrand wurde ständig von Bier trinkenden englischen Familien belagert, deren ‚brexit’- bereite Väter gerne balgten und häufig ihre widerspenstigen, kindlichen Monster wie fehlgeleitete nordkoreanische Raketen in Richtung Poolmitte katapultierten. Wer da im Pool durchhielt, hatte Glück und Pech gleichzeitig, denn bei diesen Überlebenden war nicht nur das Haupthaar tropfnass, sondern in den ausgelösten Riesenwellen zappelte unwiederbringlich auch jede Sonnenbrille, flink wie ein Zebrafischchen, dem unergründlichen Beckenboden entgegen…

Und wehe, wenn Carlchen auf seiner panischen Flucht vor diesem ‚britischen Tsunamichaos’ noch von einer verirrten Fallwindböe des im Hintergrund lauernden schneebedeckten Teides durchgeschüttelt wurde, dann war der Rest des Nachmittags auch für Gerlinde gelaufen!

Wortlos pflegte Carl bei solch unsäglichen Widrigkeiten sich in seinen übergroßen Bademantel zu werfen, jede noch so verlockende Sonnenliege zu ignorieren und stattdessen festen Schritts in Richtung Pool–Bar zu schreiten!

Selbstredend wich er von da nicht eher, bis er mannhaft vier doppelte ‚Carlos’ in seinen geschundenen Leib versenkt hatte – und das trotz herumnölender Gerlinde!

Kein Wunder, dass Carl nach soviel zur Schau gestellter Durchsetzungskraft dann schon mal einen Tag später, im Anschluss an das obligatorische Frühstückspiegelei, die vollkommen perplexe Gerlinde mit der Frage überraschte, ob sie spontan Lust auf eine kleine Wanderung hätte?

„Wie –  gleich heute?“

„Ja natürlich, wann denn? In zwei Wochen sind wir doch nicht mehr da?“

„ Ja von mir aus – du weißt ich bin immer für schnelle Entscheidungen zu haben, lieber Carl.“

„Deswegen lieb ich dich ja auch so, mein geliebtes Gerlindchen“, schleimte Carl und schaufelte unauffällig die von Gerlinde für sich bereit gehaltene Orangenmarmelade auf sein letztes Stück Weißbrot.

Da aber bereits um elf Uhr der Bus, zu der schon vor Tagen von ihr geplanten ‚Eingehwanderung’ fuhr, erübrigte sich ausnahmsweise jeder Protest!

Viel wichtiger war ihr, dass knapp vierzig Minuten später ihr ‚wandergeiler’ Carl, in voller Ausrüstung mit Rucksack und Wasserflasche neben ihr im Bus nach Santiago del Teide saß, und das für läppische 3 Euro 30 – für beide!

Kostengünstiger ging’s wirklich nicht!

Carl war auch bestens gelaunt: gleich mehrfach betonte er während der flotten, kurvenreichen Fahrt nach oben, dass es vermutlich nur wenige Paare gab, die so spontan und schnell Entschlüsse fassten und  einvernehmlich umsetzten, wie sie beide. Einmalig sei das – wirklich einmalig diese Harmonie zwischen ihnen beiden. Launig kniff er seine Gerlinde so fest ihn ihren nackten Oberarm, dass sie wie ein Ferkelchen quiekte. Und da Carl in Sachen Harmonie immer ausschweifender wurde und auch noch Kurt und Hannelore ins Spiel brachte, bei denen überhaupt nichts klappte, was sie gemeinsam unternahmen, war er bass erstaunt, als Gerlinde schon nach der dritten Station zum Aussteigen drängte und ihn umsichtig direkt zum Einstieg in den vorgesehenen Wanderweg lotste:

10,3 km bis Tamaimo!

„Das ist doch lachhaft“ jauchzte Carl, „das hüpf ich auf einem Bein runter“! Und schon sprang er ohne Wanderstöcke behänd von Stein zu Stein das erste Steilstück nach unten und wartete lachend auf Gerlinde, die sich lieber vorsichtig einwanderte.

Keine Frage, die Strecke war malerisch, die hatte Gerlinde gut ausgewählt. Links und rechts, die um diese Jahreszeit noch unbearbeiteten Terassenfelder, dazwischen gut gefüllte Teiche und grüne Wiesen bis zu den steil aufragenden Bergen dahinter. Und weit und breit kein Mensch, nur vereinzelte Palmen und ganz hinten ein weißes Haus. Irgendwo bellten ein paar Hunde.

Aber der Weg war nicht einfach!

Fast ununterbrochen ging es steil nach unten und auf den gelegentlichen flachen Teilstücken lag ausschließlich messerscharfes Geröll auf dem man echt nicht zu Fall kommen durfte.

Doch mit den guten ‚Lowa-Schuhen’ und hinreichender Kondition alles kein Problem, dachte Carl auch noch, als er schon spürte wie ihm plötzlich der rechte Schuh fort zu schwimmen drohte. Als er den Fuß forschend anhob, merkte er zu seinem Entsetzen, dass die gesamte Profilsohle weg hing; ein kleiner Riss und sie war gänzlich weg!.

„Und was nun?“, fragte Gerlinde besorgt.

„Weiß ich nicht!“

„Was ist mit dem linken Schuh?“

„Da ist sie noch dran – nein! Sie hängt auch schon weg…“

„Oh – Gott, was jetzt?“

„Nichts –  weitergehen“, grunzte Carl wie im Tran.

Und das tat er auch!

Und er tat es noch, als selbst die Restsohle an den Schuhen praktisch schon durchgetreten war. Und auch als die beiden Einlagen in den Schuhen bereits zerfetzt weg hingen! Und die Wandersocken nur mehr aus Löchern bestanden, und das Unterhemd und das T-Shirt um seine Fußsohlen sich in blutige Fransen auflöste…

Aber da hatten sie ja auch schon Tamaimo erreicht! Und eine Bar, von der aus sie, nach Cortado und Wasser – Gott sei’s gedankt – das rettende Taxi ins Hotel ordern konnten…

„Schade“ stöhnte Gerlinde, als sie dem freundlichen, jungen Taxifahrer ihr Ziel genannt hatte, „schade, dass das ausgerechnet am Beginn unseres Wanderprogramms passieren musste“!

Säuerlich stimmte ihr Carl zu, hatte allerdings für sich längst entschieden, dass ‚verlorene Sohlen’ am Ende eines von ‚Gerlinde geplanten Wanderurlaubs’ viel schlimmer waren – trotzdem durfte aus der saftigen Beschwerde an die ‚Firma Lowa’ kein jubelndes Dankesschreiben werden, soweit musste er sich schon, Gerlindes wegen, in der Hand haben…

KH

Roland Dürre
Freitag, der 12. Februar 2016

Drei Floskeln, die Freude und Mut kaputt machen können.

Und zwar bei einem selber wie auch bei seinen Mitmenschen.

So klein ist der Mensch. Am linken Rand Muhamed, Führer und Freund.

Wieder zurück! So klein ist der Mensch. Am linken Rand Muhamed, Führer und Freund.

Letzte Woche habe ich das erste Mal die Gräber und Tempel der Pharaonen gesehen. Da habe ich viel Neues erfahren und hatte Zeit zum Nachdenken.

Drei Floskeln wurden mir bewusst, die das Leben schwer machen können. Die erste ist das
„JA ABER …“

Früh habe ich gelernt, dass man nicht so oft „Ja aber“ sagen soll. Das war beim Management-Training.

Im unternehmerischen Alltag habe ich unter dem „Ja aber“ meiner Mitmenschen ab und zu gelitten. Gebracht hat es wohl nie etwas.

Wie wir beschlossen hatten

Hurra, wir machen unsere erste Kulturreise an den Nil!

kam sie wieder, diese Floskel.

Ich habe sie oft – auch ein paar mal von mir selber – gehört.

 

Ja, aber der Kohlendioxid-Fussabdruck …
(ein Problem, dass ich sehr ernst nehme)
Ja, aber Kulturreisen sind doch immer so anstrengend …
(Fast jeden Tag einen Tempel und manchmal auch zwei …)
Ja, aber die lange Anreise  …
(es waren fast 13 Stunden, mit dem Zug nach Nürnberg, dann mit dem Flieger nach Hurghada am roten Meer und von dort mit dem Bus nach Luxor – nochmal 380 km).
Ja, aber das geht doch nicht, wegen dem Terror …
(und in München stoßen zwei Züge zusammen)
und so weiter …

Und wie dumm wäre es gewesen, wenn wir diese Reise nicht gemacht hätten!

Die zweite Floskel die ich meine ist das
Dagegen Sein!

Wie oft ertappe ich mich selber, dass ich gegen etwas bin:

Ich bin gegen die gigantischen Subventionen von Geschäftswagen. Ich bin gegen Faschismus. Ich bin gegen Dummheit in der Politik. Ich bin gegen den Kohlehafen im Barrier Reef in Australien. Ich bin gegen die Verschwendung von Nahrungsmitteln. Ich bin gegen Bürokratie. Und so weiter …

Erst vor ein paar Jahren hat mir mein Freund Jolly Kunjappu erklärt, dass „das Dagegen Sein“ etwas Negatives ist, das einen selber runter zieht. Überlegen wir uns doch lieber, was schön ist, was wir mögen und wo wir dafür sind. Das gibt uns Mut und Freude.

Die dritte Floskel hat mir Moslam letzte Woche auf unserer Reise ins Bewusstsein gerufen. Moslam war unser Führer bei unserer Reise auf dem Nil, wir haben uns angefreundet. Er ist regelmäßig in Deutschland. So haben wir auch über seine Erlebnisse in meiner Heimat gesprochen und er hat berichtet, wie es ihn berührt, dass seine deutschen Freunde immer sagen:
„Wir müssen …“

Ich kenne das gut von mir. Ich muss nachher gleich Milch einkaufen gehen. Dann muss ich einen Artikel für IF-Blog schreiben und Business-Pläne bewerten. Und dann muss ich mich mit Barbara beim Artemis (dem Griechen gleich neben an) zum Mittagessen treffen. Und heute Nachmittag muss ich dann mit Freunden von der Uni in der Forschungsbrauerei zum Starkbier-Anstoß treffe. Und morgen muss ich dann zur F.re.e gehen …

Aber ist es nicht wunderschön, dass ich Milch einkaufen kann. Als ob es selbstverständlich wäre, dass man gleich um die Ecke so gute Milch in der braunen Flasche mit 3,8 % Fett bekommt. Die noch wie Milch schmeckt! Und ins Artemis gehe ich immer sehr gerne, weil das Essen dort so gut schmeckt und die griechischen Wirtsleute so freundlich sind. Die Forschungsbrauerei ist immer einen Besuch wert und auf der F.re.e warten so viele Impulse auf mich, was ich alles so machen kann, dank der Vielfalt von Kulturen und Landschaften unseres so schönen Planeten.

All das mache ich doch gerne, es ist doch wunderschön – warum muss ich dann das machen?

Zusammenfassend würde ich sagen:
Es lohnt sich „positiv“ zu reden und zu schreiben, dann wird man auch immer mehr so fühlen und denken!

Luxus pur von Luxor nach Assuan. Das Leben ist schön!

Luxus pur von Luxor nach Assuan. Das Leben ist schön!

RMD

Roland Dürre
Freitag, der 21. August 2015

Urlaubsgedanken

Abendessen in GythioAm vierten Tag in Porto Ageranos südlich von Gythio bin ich so richtig im Urlaub angekommen.

In einem paradiesischem Teil unserer Welt: Eine schöne große Bucht mit warmen Wasser, immer Sonne und Wind, kühles Wasser und bestes Essen.

In einer Gegend, in der die Tomaten noch nach Tomaten schmecken und das Fleisch so ist, wie ich es aus meiner Kindheit kenne.

In den warmen Nächten höre ich das natürliche Rauschen des Meeres und das Rascheln des Windes in den Bäumen. Der Sternenhimmel leuchtet in großer Intensität am Himmel. Der Mond ist zunehmend und kündigt an, dass er bald die sanfte Nacht beherrschen wird.

Ein paar Kinder mit ihren Partnern und unsere erste Enkelin sind dabei. Der zweite Enkel ist in Peking schade, dass er nicht dabei sein kann. Es ist schön zu sehen, wie sich die – aus meiner Sicht – dritte Generation entwickelt. Ich werde an die Zeit erinnert, wie meine eigenen Kinder klein waren. Was habe ich doch in meinem Leben alles an Schönem erlebt.

ZeltplatzBlickMeerAuch die „aktive Mobilität“ klappt nach den „Anlauf-Schwierigkeiten“ der ersten Tage. Am frühen Morgen durchschwimme ich die milde Bucht, es geht ganz wie von selber. Die Radtouren in die Berge des Peloponnes sind im Tag integriert wie die Bootsfahrten in die Nachbar-Buchten. Bewegung und unterwegs sein ist wieder normaler Teil des Tagesablaufs, so wie der Spaziergang entlang am Strand zurück vom Schwimmen.

Ich denke an die Heimat, an meine Start-ups und Menteés und an die Kollegen der InterFace. An die PM-Camps und an AktMobCmp. An IF Blog. Habe ich doch genau auf diesem Zeltplatz vor Jahren mein Unternehmertagebuch gestartet. Auf das bin ich schon ein wenig stolz. Bis jetzt sind es mehr als 100 Einträge geworden und ich führe es immer noch ein wenig weiter.

Gerne würde ich wieder mehr für IF-Blog schreiben. Doch die Zeit ist knapp. Bisher habe ich meine Gedanken oft auf Vorrat notiert, die Artikel vorbereitet und dann – wenn die Zeit gepasst hat wie zum Beispiel bei einer Zugfahrt – sie vervollständigt und veröffentlicht.

Ein paar Artikel habe ich noch auf Vorrat und werde sie zeitnah fertigmachen und veröffentlichen. Aber es gibt andere Themen, über die ich gerne schreiben möchte. Weil ich auch die letzten Jahre so viel dazu gelernt habe, nicht zu letzt mit Freunden wie auch im „philosophischen Kolleg“ mit Klaus-Jürgen Grün.

Zum Beispiel meine ich langsam zu verstehen, was Geld denn eigentlich sein könnte. Oder – was mit Geld sicher irgend wie zusammen gehört – was denn Eigentum für eine Bedeutung hat. Oder wie man ein „gutes“ Leben führen könnte. Gut im mehrdimensionalen Sinne. Auch das hat mit Eigentum und Geld zu tun. Vielleicht? Oder auch nicht?

Das Problem ist nur, dass solche Artikel zu schreiben für mich sehr aufwändig ist
.
Zuviel Gedanken und Ideen habe ich im Kopf, zuviel Information und Wissen ist zusammen zu bringen. Schwer sind die Formulierungen, und Recherchieren gehört auch dazu. Ich schätze meinen Aufwand für einen Artikel wie „Was ist das eigentlich, Eigentum“ auf locker eine Woche. Wenn es reicht. Und Zeit ist mein wertvollstes Gut.

Und mir scheint, dass ich sogar hier im Urlaub die Zeit dazu nicht finden werde. Aber probieren werde ich es trotzdem.

RMD

Roland Dürre
Freitag, der 15. August 2014

Start-up (1) – Scheitern

Wie so manchen Sommer schon befinde ich mich beim Zelten in Porto Ageranos. Der Platz liegt auf dem Peloponnes auf dem mittleren Finger, zirka 10 km südlich von Gythio, kurz bevor das wilde Mani beginnt. Vom Zelt sind es gerade 10 Meter zum Meer, die erste Nacht war schon mal so richtig gut. Und da wir die Gegend gut kennen sind wir sofort wieder so richtig zu Hause!

Die Zeit hier nutze ich zum Entspannen, Nachdenken, und nicht zuletzt zum Pläne schmieden. Und natürlich zum Schwimmen und Radfahren, gut Essen und einfach nur so mit den Lieben zusammen zu sein. Und natürlich zum Artikel schreiben (für IF-Blog.de).

Diesmal ist das Schwerpunktthema start ups

Ich kenne viele Menschen. Mit manchen davon bin ich freundschaftlich verbunden. Da sind auch viele junge Kollegen dabei. Mir scheint, dass ich mit der jungen Generation gut kann.

Seit ein paar Jahren beschäftige ich mich mit Gründungen von Unternehmen. So bin ich immer wieder in der Jury eines Business Plan Wettbewerbs, als Mentor betreue ich Menschen und Unternehmen, die im Werden sind (start ups). Dies mal enger, gelegentlich sporadisch. Und stecke so ein wenig in der Szene drin.

Die meisten Teams, die ich kenne und erlebe, sind toll. Fleißig und kreativ versuchen sie mit höchstem persönlichen Engagement auf vielen Ebenen basierend auf einer spannenden Idee ihr Leben eigenverantwortlich zu führen und ein Unternehmen aufzubauen.

Und dann scheitern sie.

Manche scheitern schon beim Start, andere nach Auslauf eines Förderprogrammes wie EXIST oder nach der ersten Finanzierung. Oft dauert der Leidensweg dann eine Weile bis zum endgültigen „Aus“, ab und zu wird am Schluss noch ein „Notausgang“ gefunden. Und nur ganz, ganz wenige werden erfolgreich, allerdings meist auf andere Art und Weise als vorher geplant.

Die meisten, die scheitern, haben einiges an Kraft und oft auch Geld gelassen. Ihnen bleibt nur der Trost, dass sie viel gelernt haben, also irgendwie dann doch „erfolgreich gescheitert“ sind. Das ist aber ein schwacher Trost, denn in bei einer alternativen Lebenslinie zum Beispiel in einem guten Job bei einem Mittelständler hätten sie vielleicht noch mehr für ihre persönliche Zukunft lernen können.

Das bewerte ich als eine gigantische Verschwendung von Kapital, Kreativität, Fleiß („waste“ im Sinne von Kaizen). Auch die Enttäuschung und der Frust der vielen betroffenen jungen Menschen schmerzt mich. Und ich denke mir oft, dass dieses häufige Scheitern in vielen Fällen vermeidbar gewesen wäre.

Denn das massenhafte Scheitern ist gut erklärbar. Die Gründer arbeiten in der Regel genauso, wie es die Expertise einer vergangenen Epoche ihnen vorgibt. Und dieses Muster hat noch nie besonders gut funktioniert, heute geht es in der Regel gar nicht mehr auf. Wie sollen in der Welt von morgen die Erfolgsmuster von gestern auch noch funktionieren?

Und die ganz wenigen Ausnahmen – die übrigens ausnahmslos aufgrund eines zusammen Kommens besonders glücklicher Zufälle basieren – bestätigen diese Regel.

Warum ist das Scheitern normal?

Die Antwort ist einfach. Zum Beispiel versuchen auch große Konzerne immer wieder, neue Produkte in den Markt zu bringen. Diese Konzerne verfügen über alles, was man für eine neue Produkt-Idee braucht: Beliebig viel Kapital, eine renommierte Marke, ein geniales Marketing, eine starke Marketing- und Vertriebs-Organisation, weltweiten Zugang zu den Märkten, tolle Ingenieure und Lieferanten und vieles mehr. Und vor allem, sie kennen ihren Markt, weil sie ihn sich oft über Jahrzehnte „erlernt“ und „erarbeitet“ haben.

Und trotzdem scheitern ihre Produkt-Entwicklungen. Im besten Fall sind nur 10 % solcher Entwicklungen am Markt leidlich erfolgreich. Bei strengeren Messkriterien noch viel weniger.

Nur wie will ein junges Team, das all das nicht hat, da mit halten? Nur mit jugendlicher Unbeschwertheit und Kreativität? Das ist doch Unsinn.

Ein Schluss könnte sein, dass junge Gründer nur eine reelle Chance in ganz neuen Märkten haben. Dann sollten junge Gründer (fast) alle Geschäftsideen, die sich in vorhandenen Technologien und Lösungen meiden. Die Entwicklung scheint diese Annahme zu bestätigen. Hier vielleicht eine erste vorsichtige Empfehlung an start-ups:

Aufpassen beim Eintritt in Märkte, die schon besetzt sind!

Große Konzerne stehen sich natürlich bei kreativen Themen mit ihrer Organisation und ihren Prozessen selber im Weg. Ihr Erfolg hat die negative Seite, dass man zwangsläufig in alten Mustern denkt. Das erkennen sie auch und sie suchen so die Innovation von außen. Sie gründen „acceleration“- und „invest“-Abteilungen und suchen die Kooperation mit „start-ups“. Das ist ja auch die neueste Idee von „unternehmerTUM“ der Technischen Universität wie auch vom neuen Oberbürgermeister der Landeshauptstadt München, Herrn Reiter.

Das Zauberwort „Kooperation von Konzernen und Start-ups“ wird aber auch nicht funktionieren. Denn zum einen leben die alten Unternehmen intensiv die Ablehnung von außen. Das Motto heißt, dass „not invented here“, im eigenen Unternehmen nichts wert ist und nicht sein darf.

Ich habe das beliebig oft beobachtet und auch selbst in einer strategischen Kooperationen mit einem großen Konzern erlebt – dies sogar zweimal. Und ich kenne eine ganze Reihe von Beispielen, bei denen die „unternehmerischen“ Ergebnisse von XXX-Acceleration oder XXX-invest gescheitert sind.

Aber auch das „alte“ Vorgehen ist nur noch in wenigen Ausnahme-Fällen erfolgreich. Ich bringe als Beispiel das Scheitern fast aller „Steuerspar-Modelle“. Wir erleben das seit Jahren nicht nur in den Branchen „Film“, „Immobilien“ ,„Schifffahrt“ oder „alternative Energien“. Auch die großen Verluste von Anlegern bei Projekten im Eisenbahn- oder Kanal-Bau sind gute Beispiele.

Das Scheitern hatte mehrheitlich als Ursache nicht, dass Betrüger oder unseriöse Geschäftsleute am Werk waren. Das hat es auch gegeben. Aber meistens ist die Ursache des Scheiterns solcher Projekte, dass die dahinter liegenden Geschäftsmodelle und -pläne falsch waren. Obwohl sie von Experten „professionell“ erstellt wurden, die ihren Markt bestens kannten.

Und von anderen Experten, wie zum Beispiel von Banken kritisch geprüft wurden. Und das ehrlich, denn die Banken haben ja geprüft, weil sie sich selbst auch dran beteiligen wollten – und sie wollten ja auch keine Verluste machen.

Auch da habe ich ganz persönliche Erfahrungen. In einem Fall hat die von mir hoch eingeschätzte Sparkasse München einen geschlossenen Immoblilien-Fonds in jena auf „Herz und Nieren“ geprüft, und ein paar Millionen verloren. Ich war auch dabei, den ich habe der Prüfung der Stadtsparkasse vertraut, aber glücklicherweise nur einen Betrag im unteren fünfstelligen Bereich verloren.

Aber wenn die von Experten geschriebenen und von vielen anderen Experten validierten Business Pläne nicht funktionieren, wie soll dann ein junges Gründungs-Team ohne Erfahrungen und Marktkenntnis ihr neues Unternehmens-Schiffchen erfolgreich in eine nicht vorhersagbare Zukunft führen?

So gesehen erscheinen doch Gründungen von neuen Unternehmen als aussichtslos oder zumindest als tollkühne Abenteuer, auf die sich eigentlich kein ernsthafter Mensch einlassen darf.

Ich denke mir aber, dass es möglich ist,die Erfolgswahrscheinlichkeit eines start-ups von gefühlten 1 : 100 vielleicht sogar auf 1 : 1 (Erfolg zu Scheitern) zu verbessern.

Ich weiß, dass das dies eine sehr mutige Aussage ist und habe mir vorgenommen, in meinen zwei Wochen auf einem Zeltplatz ganz im Süden des Peleponnes auf Mani ein paar Artikel zum Thema „start-up“ hier im IF-Blog zu schreiben. Für die von mir betreuten „start-ups“ wie für alle anderen Leser auch.

RMD

P.S.
Beginnen werde ich in der nächsten Folge mit meinem eigenen Werdegang. Ich glaube, da kann man schon viel daraus lernen.