Roland Dürre
Freitag, der 21. August 2015

Urlaubsgedanken

Abendessen in GythioAm vierten Tag in Porto Ageranos südlich von Gythio bin ich so richtig im Urlaub angekommen.

In einem paradiesischem Teil unserer Welt: Eine schöne große Bucht mit warmen Wasser, immer Sonne und Wind, kühles Wasser und bestes Essen.

In einer Gegend, in der die Tomaten noch nach Tomaten schmecken und das Fleisch so ist, wie ich es aus meiner Kindheit kenne.

In den warmen Nächten höre ich das natürliche Rauschen des Meeres und das Rascheln des Windes in den Bäumen. Der Sternenhimmel leuchtet in großer Intensität am Himmel. Der Mond ist zunehmend und kündigt an, dass er bald die sanfte Nacht beherrschen wird.

Ein paar Kinder mit ihren Partnern und unsere erste Enkelin sind dabei. Der zweite Enkel ist in Peking schade, dass er nicht dabei sein kann. Es ist schön zu sehen, wie sich die – aus meiner Sicht – dritte Generation entwickelt. Ich werde an die Zeit erinnert, wie meine eigenen Kinder klein waren. Was habe ich doch in meinem Leben alles an Schönem erlebt.

ZeltplatzBlickMeerAuch die „aktive Mobilität“ klappt nach den „Anlauf-Schwierigkeiten“ der ersten Tage. Am frühen Morgen durchschwimme ich die milde Bucht, es geht ganz wie von selber. Die Radtouren in die Berge des Peloponnes sind im Tag integriert wie die Bootsfahrten in die Nachbar-Buchten. Bewegung und unterwegs sein ist wieder normaler Teil des Tagesablaufs, so wie der Spaziergang entlang am Strand zurück vom Schwimmen.

Ich denke an die Heimat, an meine Start-ups und Menteés und an die Kollegen der InterFace. An die PM-Camps und an AktMobCmp. An IF Blog. Habe ich doch genau auf diesem Zeltplatz vor Jahren mein Unternehmertagebuch gestartet. Auf das bin ich schon ein wenig stolz. Bis jetzt sind es mehr als 100 Einträge geworden und ich führe es immer noch ein wenig weiter.

Gerne würde ich wieder mehr für IF-Blog schreiben. Doch die Zeit ist knapp. Bisher habe ich meine Gedanken oft auf Vorrat notiert, die Artikel vorbereitet und dann – wenn die Zeit gepasst hat wie zum Beispiel bei einer Zugfahrt – sie vervollständigt und veröffentlicht.

Ein paar Artikel habe ich noch auf Vorrat und werde sie zeitnah fertigmachen und veröffentlichen. Aber es gibt andere Themen, über die ich gerne schreiben möchte. Weil ich auch die letzten Jahre so viel dazu gelernt habe, nicht zu letzt mit Freunden wie auch im „philosophischen Kolleg“ mit Klaus-Jürgen Grün.

Zum Beispiel meine ich langsam zu verstehen, was Geld denn eigentlich sein könnte. Oder – was mit Geld sicher irgend wie zusammen gehört – was denn Eigentum für eine Bedeutung hat. Oder wie man ein „gutes“ Leben führen könnte. Gut im mehrdimensionalen Sinne. Auch das hat mit Eigentum und Geld zu tun. Vielleicht? Oder auch nicht?

Das Problem ist nur, dass solche Artikel zu schreiben für mich sehr aufwändig ist
.
Zuviel Gedanken und Ideen habe ich im Kopf, zuviel Information und Wissen ist zusammen zu bringen. Schwer sind die Formulierungen, und Recherchieren gehört auch dazu. Ich schätze meinen Aufwand für einen Artikel wie „Was ist das eigentlich, Eigentum“ auf locker eine Woche. Wenn es reicht. Und Zeit ist mein wertvollstes Gut.

Und mir scheint, dass ich sogar hier im Urlaub die Zeit dazu nicht finden werde. Aber probieren werde ich es trotzdem.

RMD

Roland Dürre
Freitag, der 15. August 2014

Start-up (1) – Scheitern

Wie so manchen Sommer schon befinde ich mich beim Zelten in Porto Ageranos. Der Platz liegt auf dem Peloponnes auf dem mittleren Finger, zirka 10 km südlich von Gythio, kurz bevor das wilde Mani beginnt. Vom Zelt sind es gerade 10 Meter zum Meer, die erste Nacht war schon mal so richtig gut. Und da wir die Gegend gut kennen sind wir sofort wieder so richtig zu Hause!

Die Zeit hier nutze ich zum Entspannen, Nachdenken, und nicht zuletzt zum Pläne schmieden. Und natürlich zum Schwimmen und Radfahren, gut Essen und einfach nur so mit den Lieben zusammen zu sein. Und natürlich zum Artikel schreiben (für IF-Blog.de).

Diesmal ist das Schwerpunktthema start ups

Ich kenne viele Menschen. Mit manchen davon bin ich freundschaftlich verbunden. Da sind auch viele junge Kollegen dabei. Mir scheint, dass ich mit der jungen Generation gut kann.

Seit ein paar Jahren beschäftige ich mich mit Gründungen von Unternehmen. So bin ich immer wieder in der Jury eines Business Plan Wettbewerbs, als Mentor betreue ich Menschen und Unternehmen, die im Werden sind (start ups). Dies mal enger, gelegentlich sporadisch. Und stecke so ein wenig in der Szene drin.

Die meisten Teams, die ich kenne und erlebe, sind toll. Fleißig und kreativ versuchen sie mit höchstem persönlichen Engagement auf vielen Ebenen basierend auf einer spannenden Idee ihr Leben eigenverantwortlich zu führen und ein Unternehmen aufzubauen.

Und dann scheitern sie.

Manche scheitern schon beim Start, andere nach Auslauf eines Förderprogrammes wie EXIST oder nach der ersten Finanzierung. Oft dauert der Leidensweg dann eine Weile bis zum endgültigen „Aus“, ab und zu wird am Schluss noch ein „Notausgang“ gefunden. Und nur ganz, ganz wenige werden erfolgreich, allerdings meist auf andere Art und Weise als vorher geplant.

Die meisten, die scheitern, haben einiges an Kraft und oft auch Geld gelassen. Ihnen bleibt nur der Trost, dass sie viel gelernt haben, also irgendwie dann doch „erfolgreich gescheitert“ sind. Das ist aber ein schwacher Trost, denn in bei einer alternativen Lebenslinie zum Beispiel in einem guten Job bei einem Mittelständler hätten sie vielleicht noch mehr für ihre persönliche Zukunft lernen können.

Das bewerte ich als eine gigantische Verschwendung von Kapital, Kreativität, Fleiß („waste“ im Sinne von Kaizen). Auch die Enttäuschung und der Frust der vielen betroffenen jungen Menschen schmerzt mich. Und ich denke mir oft, dass dieses häufige Scheitern in vielen Fällen vermeidbar gewesen wäre.

Denn das massenhafte Scheitern ist gut erklärbar. Die Gründer arbeiten in der Regel genauso, wie es die Expertise einer vergangenen Epoche ihnen vorgibt. Und dieses Muster hat noch nie besonders gut funktioniert, heute geht es in der Regel gar nicht mehr auf. Wie sollen in der Welt von morgen die Erfolgsmuster von gestern auch noch funktionieren?

Und die ganz wenigen Ausnahmen – die übrigens ausnahmslos aufgrund eines zusammen Kommens besonders glücklicher Zufälle basieren – bestätigen diese Regel.

Warum ist das Scheitern normal?

Die Antwort ist einfach. Zum Beispiel versuchen auch große Konzerne immer wieder, neue Produkte in den Markt zu bringen. Diese Konzerne verfügen über alles, was man für eine neue Produkt-Idee braucht: Beliebig viel Kapital, eine renommierte Marke, ein geniales Marketing, eine starke Marketing- und Vertriebs-Organisation, weltweiten Zugang zu den Märkten, tolle Ingenieure und Lieferanten und vieles mehr. Und vor allem, sie kennen ihren Markt, weil sie ihn sich oft über Jahrzehnte „erlernt“ und „erarbeitet“ haben.

Und trotzdem scheitern ihre Produkt-Entwicklungen. Im besten Fall sind nur 10 % solcher Entwicklungen am Markt leidlich erfolgreich. Bei strengeren Messkriterien noch viel weniger.

Nur wie will ein junges Team, das all das nicht hat, da mit halten? Nur mit jugendlicher Unbeschwertheit und Kreativität? Das ist doch Unsinn.

Ein Schluss könnte sein, dass junge Gründer nur eine reelle Chance in ganz neuen Märkten haben. Dann sollten junge Gründer (fast) alle Geschäftsideen, die sich in vorhandenen Technologien und Lösungen meiden. Die Entwicklung scheint diese Annahme zu bestätigen. Hier vielleicht eine erste vorsichtige Empfehlung an start-ups:

Aufpassen beim Eintritt in Märkte, die schon besetzt sind!

Große Konzerne stehen sich natürlich bei kreativen Themen mit ihrer Organisation und ihren Prozessen selber im Weg. Ihr Erfolg hat die negative Seite, dass man zwangsläufig in alten Mustern denkt. Das erkennen sie auch und sie suchen so die Innovation von außen. Sie gründen „acceleration“- und „invest“-Abteilungen und suchen die Kooperation mit „start-ups“. Das ist ja auch die neueste Idee von „unternehmerTUM“ der Technischen Universität wie auch vom neuen Oberbürgermeister der Landeshauptstadt München, Herrn Reiter.

Das Zauberwort „Kooperation von Konzernen und Start-ups“ wird aber auch nicht funktionieren. Denn zum einen leben die alten Unternehmen intensiv die Ablehnung von außen. Das Motto heißt, dass „not invented here“, im eigenen Unternehmen nichts wert ist und nicht sein darf.

Ich habe das beliebig oft beobachtet und auch selbst in einer strategischen Kooperationen mit einem großen Konzern erlebt – dies sogar zweimal. Und ich kenne eine ganze Reihe von Beispielen, bei denen die „unternehmerischen“ Ergebnisse von XXX-Acceleration oder XXX-invest gescheitert sind.

Aber auch das „alte“ Vorgehen ist nur noch in wenigen Ausnahme-Fällen erfolgreich. Ich bringe als Beispiel das Scheitern fast aller „Steuerspar-Modelle“. Wir erleben das seit Jahren nicht nur in den Branchen „Film“, „Immobilien“ ,„Schifffahrt“ oder „alternative Energien“. Auch die großen Verluste von Anlegern bei Projekten im Eisenbahn- oder Kanal-Bau sind gute Beispiele.

Das Scheitern hatte mehrheitlich als Ursache nicht, dass Betrüger oder unseriöse Geschäftsleute am Werk waren. Das hat es auch gegeben. Aber meistens ist die Ursache des Scheiterns solcher Projekte, dass die dahinter liegenden Geschäftsmodelle und -pläne falsch waren. Obwohl sie von Experten „professionell“ erstellt wurden, die ihren Markt bestens kannten.

Und von anderen Experten, wie zum Beispiel von Banken kritisch geprüft wurden. Und das ehrlich, denn die Banken haben ja geprüft, weil sie sich selbst auch dran beteiligen wollten – und sie wollten ja auch keine Verluste machen.

Auch da habe ich ganz persönliche Erfahrungen. In einem Fall hat die von mir hoch eingeschätzte Sparkasse München einen geschlossenen Immoblilien-Fonds in jena auf „Herz und Nieren“ geprüft, und ein paar Millionen verloren. Ich war auch dabei, den ich habe der Prüfung der Stadtsparkasse vertraut, aber glücklicherweise nur einen Betrag im unteren fünfstelligen Bereich verloren.

Aber wenn die von Experten geschriebenen und von vielen anderen Experten validierten Business Pläne nicht funktionieren, wie soll dann ein junges Gründungs-Team ohne Erfahrungen und Marktkenntnis ihr neues Unternehmens-Schiffchen erfolgreich in eine nicht vorhersagbare Zukunft führen?

So gesehen erscheinen doch Gründungen von neuen Unternehmen als aussichtslos oder zumindest als tollkühne Abenteuer, auf die sich eigentlich kein ernsthafter Mensch einlassen darf.

Ich denke mir aber, dass es möglich ist,die Erfolgswahrscheinlichkeit eines start-ups von gefühlten 1 : 100 vielleicht sogar auf 1 : 1 (Erfolg zu Scheitern) zu verbessern.

Ich weiß, dass das dies eine sehr mutige Aussage ist und habe mir vorgenommen, in meinen zwei Wochen auf einem Zeltplatz ganz im Süden des Peleponnes auf Mani ein paar Artikel zum Thema „start-up“ hier im IF-Blog zu schreiben. Für die von mir betreuten „start-ups“ wie für alle anderen Leser auch.

RMD

P.S.
Beginnen werde ich in der nächsten Folge mit meinem eigenen Werdegang. Ich glaube, da kann man schon viel daraus lernen.

Roland Dürre
Mittwoch, der 25. September 2013

Von Füssen nach Bad Tölz

So ein letztes Mal:

Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte.

Diesmal drei (fast wortlose) Bilder von unserer heutigen Etappe von Füssen noch Bad Tölz (mehr als 100 km, diesmal mit enttäuschend wenig Höhenmetern).

2013BadTölz

Kann man schöner Radeln?

2013BadTölz1

Ein Blick nach links.

2013BadTölzNachvorne

Die drei Tage durchs Allgäu waren ein großes Glück. Und weil man aufhören soll, wenn es am schönsten ist, sind wir heute um 18:00 Uhr mit der BOB von Bad Tölz dann nach Holzkirchen und weiter nach Unterhaching geradelt. Wenn ich ehrlich bin, dann nicht nur deswegen, sondern wegen der schlechten Wettervorhersage für morgen und weil ich ein wenig Stress im Unternehmen habe.

Aber sobald es wieder passt, heißt es dann: Nach Bad Tölz – und von dort die Tour weiterfahren zum Königssee. Die Hälfte der Strecke vom Bodensee zum Königssee haben wir ja schon.

RMD

Roland Dürre
Dienstag, der 24. September 2013

Von Oberstaufen nach Füssen

oder nochmal

Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte.

Deshalb wieder ein paar (fast wortlose) Bilder von unserer heutigen Radfahrt von Oberstaufen nach Füssen (fast 80 km, diesmal mit auch ein paar “bösen” Höhenmetern).

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Start in den Morgen.

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Nebel über dem See.

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Flieger im Himmel.

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Barbara am Straßenrand.

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Es ist ein langer Weg!

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Wir hätten es auch einfacher haben können …

2013Füssen1

Jedoch war es wieder wunderschön.

RMD

P.S:
Die Bilder sind von mir. Einfach so unterwegs mit S5 aufgenommen und natürlich NULL nach bearbeitet.

Roland Dürre
Montag, der 23. September 2013

Von Rorschach/Goldach nach Oberstaufen …

oder

Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte.

Deshalb ein paar (wortlose) Bilder von unserer heutigen Radfahrt von Rorschach am Bodensee nach Oberstaufen (gut 80 km mit vielen „guten“ Höhenmetern).

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Es war schön.

2013Oberstaufen2

Es war schöner.

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Es war noch schöner.

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Es war am schönsten.

2013Oberstaufen5

Es war am schönsten mit der Barbara!

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Es war einfach ein wunderschöner Tag.

RMD

Roland Dürre
Freitag, der 30. August 2013

Abschied aus dem Paradies

DSC_1659Der Urlaub geht zu Ende – am Sonntag früh geht es nach Patras zur Fähre mit Ziel Venedig.

Es waren wieder wunderschöne Tage. Zwei Wochen sind wir jetzt hier – und ich fühle mich zwei Jahre jünger.

Jeden Tag war ich morgens im Wasser in „unserer“ Bucht. Und einmal am Tag ging es mit den Rädern in die trockene Hitze des hiesigen Breitengrades.

🙂 Und immer unterwegs im Trikot der Telekom.

Pässe und Berge haben wir erklommen, die frischen Winde und das warme Wasser des Mittelmeeres genossen.

Unsere Sinne wurden von den Düften und Geräuschen des Südens gefangen. Und alle Speisen waren frisch und köstlich.

So bedanke ich mich ganz herzlich bei allen Menschen, die es mir ermöglicht haben, die wunderbare Zeit hier wieder einmal zu erleben.

RMD

Roland Dürre
Dienstag, der 20. August 2013

Leben im Paradies !

DIGITAL CAMERAEigentlich wollte ich schreiben:

In unserem kleinen Paradies beim Porto Ageranos in Vathi, Mani im Süden des Peloponnes auf dem mittleren Finger ist alles so wie früher.

Das trifft zu aufs Essen, auf das Meer und das Wetter zu und wie wir uns wohl fühlen. Auf die Menschen, die wir treffen und die Ruhe, die wir genießen.

Aber tatsächlich ist manches anders geworden.

DIGITAL CAMERAMein „Schwimm“ jeden Morgen geht jetzt weiter als früher. Und jetzt bin ich doch die ersten vier Tage tatsächlich jeden Morgen nach Gythio geradelt.

Da habe ich eine Süddeutsche für die „Kinder“ gekauft, im Hafen einen griechischen Kaffee Medium süss getrunken, ein wenig Zeit gelesen und dann ein wenig mit dem Nexus im Internet gewesen. Weil es da auch ein freies WLAN „touristiko“ gibt.

Und dann in der heißen griechischen Mittagssonne gemütlich die 14 km zum Zeltplatz zurückgeradelt.

DIGITAL CAMERAVom Café aus habe ich einen Kreuzfahrer der MSC im Hafen von Gythio gesehen. Anscheinend haben auch die Kreuzfahrer Gythio wieder entdeckt. Und die Fähre von Gythio fährt auch wieder nach Kreta. Sollten die Zeiten für Gythio wieder besser werden. So schön wie die kleine Hafenstadt ist, so sehr hätte sie es verdient.

Überraschend ist auch, dass von unseren Kindern keines mehr streitet, wer denn 🙂 (mit einer kleinen Ausnahme) schon wieder abspülen muss. Im Gegenteil, die Freiwilligen konkurrieren fast um die Wette! Das ist natürlich für uns Eltern schon ein wenig ungewohnt.

Und gestern Abend wollten plötzlich die Kinder früher als die Alten ins Bett gehen. Eine weitere ganz neue und sensationelle Erfahrung.

So verändert sich die Elternwelt, wenn die Kinder erwachsen werden.

RMD

Roland Dürre
Samstag, der 17. August 2013

Urlaub im Paradies ?

DIGITAL CAMERAJetzt bin ich in Gythio. Und bin glücklich. Obwohl Haching gerade verloren hat. Weil ansonsten alles einfach wieder passt.

Das angenehme Klima, die Landschaft, der schöne Zeltplatz, der stetige sanfte Wind. Am Morgen das wunderbare Schwimmen die Bucht direkt vor unserem Zelt. Die Radtouren in die Berge mit ihren wunderschönen Aussichten.

Die Freundlichkeit der Griechen und das köstliche Essen jeden Abend. Auch das Frühstück und die wundervollen Weintrauben und Melonen zum Mittagessen. Die Anreise war auch ruhig und unproblematisch – ich konnte so meine Artikel zu barcamps und PM-Camp gut nach vorne bringen.

Drei Kinder sind auch schon wieder bei uns. Und eine Tochter mit ihrem Mann wird noch kommen. Alles ist traumhaft und wunderschön.

Ein paar Dinge auf der Reise haben allerdings mich nachdenklich und ein wenig traurig gemacht. Kleine Wermutstropfen im Kelch der Freude. Weil da einfach etwas falsch ist.

DIGITAL CAMERADas erste ist eher eine Kleinigkeit. Man könnte es mit „Auf Wiedersehen, Europa“ bezeichnen. Die Reise mit der Fähre von Italien nach Griechenland hat sich zu vor 25 Jahren kaum verändert. Lästig waren damals die langen Warteschlangen bei der Ausschiffung. Da hat früher die Grenzpolizei des Einreiselands die Dokumente kontrolliert. Mal weniger gründlich und mal mehr. So hat man ab und zu lange Zeit im heißen Schiff in einer Warteschlange stehen müssen, bevor man endlich raus durfte. Das war lästig, aber man hatte sich daran gewöhnt.

Dann kamen die Segnungen der EU – und die Warteschlangen waren weg. Freie Einreise und Ausreise – das war schön. Jetzt wird wieder kontrolliert. Und zwar so richtig. Bei der Abreise in Venedig mussten zuerst mal alle begleitenden Passagiere – allerdings nicht die Fahrer und deren Autos – durch eine Kontrolle ähnlich dem Flughafen. Mit Scannen aller Gepäckstücke mit einem Detektor. Und mit einem einzigen Schalter für die Passkontrolle. Und das bei einem Schiff mit Fahrgästen, von denen die meisten an Deck schlafen und die so natürlich ziemlich viel Sachen mit sich führen. Eine wohl eher ziemlich sinnlose Aktion.

Wie die Schlange dann länger wurde – und höchstens 10 % der Passagiere durch waren – kam ein wohl höherer Beamter und beendete den Spuk. Ein zweiter Schalter wurde eröffnet und an beiden nur noch geprüft, dass der Name auf dem Ticket identisch mit dem Namen im Pass bzw. Ausweis war. Der Scanner stand nur noch pro forma da.

Jetzt darf man nicht auf die Idee kommen, nach dem Sinn der zuerst so scharfen Kontrolle zu fragen. Mein Eindruck: Man hat wohl einer EU-Regelung ganz formal genüge getan, und nachdem man bewiesen hat, dass es so nicht geht, es einfach anders gemacht. Und das Spiel wird wahrscheinlich bei jedem Schiff nach Griechenland immer wieder aufs neue so gemacht.

Dann ging es zwar flotter, trotzdem stand ich so fast eine drei viertel Stunde in der Warteschlange in Venedig, bis ich aufs Schiff durfte. Und wie ich so in die Mienen der anderen Menschen geblickt habe, hat sich doch der Eindruck aufgedrängt, dass das so keiner versteht. Man hat ein gemeinsames Europa – und fühlt sich sinnlos schikaniert. Das kann es doch nicht sein.

Das zweite war das Schiff. Wir sind mit der Krti 2 der Anek Lines gereist. Ein älteres Schiff, das auf dem ersten Blick durchaus in Ordnung wirkt. Man merkt und fühlt aber förmlich, dass Schiffe wie dieses katastrophale Dreckschleudern sind. Rücksichtslos gegen die Umwelt durchs Mittelmeer jagen und Teer und Müll verbreiten. Und es drängt sich einem der Verdacht auf, dass diese Art des Reisens vielleicht noch schlimmer sein könnte als zu fliegen.

Dabei gäbe es doch wirklich technische Möglichkeiten ohne Ende, solche Transporte ganz anders durchzuführen. Es stellt sich auch die Frage, ob wirklich so viele LKWs und Kfzs von Italien nach Griechenland müssen. Ob es da nicht intelligente Alternativen gäbe. Und wenn das Reisen mit alternativer Technologie langsamer werden würde, ob es dann für Urlauber wie mich nicht auch ausreichend wäre.

Dann haben mich die gigantischen halbfertigen Straßenprojekte auf der Straße von Patras nach Korinth bestürzt. Die mir völlig am Bedarf vorbei geplant zu sein scheinen. Aber auch die Edelautobahn von Korinth in Richtung Sparti. Mit zum Teil ziemlich unnötigen Tunnels. Leer und luxuriös, irgendwie eine Art von falsch verstandener Zukunft oder (vergangenen?) Größenwahn.

Für welche Welt sind denn solche Straßen geplant? Da überfällt mich ein Grauen.

Jetzt beende ich aber die kritischen Gedanken und genieße unseren Urlaub aus vollem Herzen. Ich grüße aus Porto Ageranos in Mani im südlichsten Teil von Europa. Vom Breitengrad betrachtet lebe ich zurzeit auf der Höhe von Nordafrika. Und habe vor, ganz viel zu schwimmen, Rad fahren, genießen und schlafen. Und „nebenher“ ein paar Artikel zu PM-Camp veröffentlichen …

RMD