Roland Dürre
Samstag, der 23. Mai 2015

Mumbai und seine Hochhäuser.

11352466_10206989829248912_592815073_o11352466_10206989829248912_592815073_oDie Woche in Mumbai wohnen wir bei meinem Sohn in der Anlage Dodha in Mumbai. Es ist eine auf den ersten Blick sehr gepflegte Anlage mit einem schönen Club und Swimmingpool. Sie besteht aus zwei Türmen mit 49 Wohnebenen. Mein Sohn lebt im 29. Stock in hellen Räumen, die deutlich über drei Meter hoch sind. Es ist eine sehr schöne Wohnung mit einem wunderbaren Ausblick aufs Meer. Allerdings wurde genau zwischen Meer und Dodha ein neuer Wolkenkratzer hochgezogen, der vielen Wohnungen der Dodha den Blick auf Meer genommen hat. An diesem können wir gerade noch so knapp vorbeischauen.

Ich habe hier Ende 2013 schon mal gewohnt. In der ersten Nacht in 2015 war ich überrascht, weil Ich es noch lauter in Erinnerung hatte. Was war los? Die Antwort war einfach. Unweit des von uns bewohnten Gebäudes ragen weitere Hochhäuser als Rohbauten in die Luft, unter anderem das beschriebene. Beim letzten Besuch wurde auf diesen Baustellen gearbeitet, und zwar Tag und Nacht – mit einem fast unerträglichen Lärmpegel.

20150522_051554_resizedSeit einem Jahr sind die Bauarbeiten eingestellt. Und werden wohl nie mehr aufgenommen. Denn der Bauunternehmer hat dicht gemacht. Die Hochhäuser gegenüber sind häßliche Bauruinen geworden. Aber es sind nicht die einzigen stillgelegten Baustellen von Wolkenkratzern in Mumbai. An mehreren Stellen in der Stadt sieht man Riesenrohbauten ohne jede Bauaktivität, die oft schon Ruinencharakter haben.

Die Erklärung dafür ist einleuchtend.

Entweder sind die Bauherren „bankrupt“. Denn das System in Indien reich zu werden ist einfach. Man startet zum Beispiel ein Immobilien-Projekt und verkauft die Wohnungen im voraus. Geld gibt es genug in Indien. Dann wird das Gebäude gebaut. Natürlich steigen während dem Bau die Kosten. Aber nicht nur wie in Deutschland um 70 % bei Großprojekten. Auch hier sind die Inder „besser“.

Was macht man, wenn man mit den Kosten nicht hinkommt? Man startet neue Projekte, die konzipiert und verkauft werden. Mit den Einnahmen aus diesen Prospekten wird das erste Gebäude fertiggestellt. Und als Referenz für noch mehr Projekte genutzt, mit denen man die alten finanziert. Nur ist das halt ein Schneeball-Prinzip. Und das ist immer endlich und schon stehen ein paar Betonskelette mehr da. Für mich wie drohende Mahnmale eines entarteten Wirtschaftssystems.

20150522_095506_resizedEs gibt auch stillgelegte Hochhaus-Baustellen, auf denen aus einem anderen Grund Ruhe herrscht. Da hat der Bauherr die Behörden-Auflagen dramatisch ignoriert. Vielleicht in der Hoffnung, dass man zuerst mal vollendete Tatsachen schafft, die man dann mit einem Bakschisch heilen kann. Nur klappt das nicht immer, vielleicht sogar weil der Konkurrent mehr Geld geboten hat. Jetzt verlangt die Behörde den Rückbau.

Nur wie will man einen Wolkenkratzer, der zum Beispiel eine doppelt so große Grundfläche hat wie genehmigt, rückbauen? Also lässt man das Betonskelett mit vielen Stockwerken halt mal stehen. Den Weiterbau braucht man in beiden Fällen ja nicht, denn das Geschäft ist ja schon gemacht. Das Geld ist verteilt und in verschiedenen privaten Kassen gelandet.

20150522_051605_resizedUnd es geht um viel Geld. Überschlagsweise rechne ich mal die Türme, in denen ich bei meinem Sohn wohne: Ich zähle 6 Wohnungen auf einer Ebene, das sind bei 50 Ebenen 300 Wohnungen. Je nach Lage im Turm kosteten die Wohnungen (bevor das unvollendete Hochhaus davor gebaut wurde) zwischen einer (unten) und zwei Millionen USD (oben). Rechnen wir mal 1,5 Millionen im Schnitt pro Wohnung, dann kommen wir auf ein Projektvolumen in Höhe von 450 Millionen USD. Da ist dann genug Geld drin, damit alle reich werden können, die Finanziers, die Verkäufer, die Projekteure, die Rechtsanwälte …

Den Schaden haben die Käufer der Wohnungen. Die sind aber in der Regel so reich, dass es nicht so stört. Außerdem wissen die schon, wie und wo sie sich das Geld wiederholen. Am Schluß ist es halt die Allgemeinheit. Wie üblich – die Gewinne sind schon privatisiert, die Verluste werden sozialisiert – irgendwann mal in der Zukunft.

So sieht man sie immer öfters in der Stadt, diese Bauruinen von Mumbai. Aber so richtig zu stören scheint das niemanden. Bestimmt nicht die armen ganz unten in den Straßenschluchten. Warum sich gegen Dinge auflehnen, die man eh nicht ändern kann?

Man sieht in Mumbai aber auch immer wieder neue Wohntürme, an denen fleißig gearbeitet wird. Darunter sind auch die Gebäude, die dann in ein paar Jahren die höchsten reinen Wohngebäude der Welt sein sollen …

Wohlgemerkt, ich will hier nicht Indien oder Mumbai kritisieren – ich muss bei meinen Beobachtungen immer an uns zu Hause denken!

RMD

P.S.
Das Gebäude, in dem ich zurzeit lebe, ist vielleicht 15 Jahre alt. Manches erscheint hier aber auch schon so, dass man es eigentlich schleunigst renovieren sollte. Zumindest wenn man so mitteleuropäisch sozialisiert wurde wie ich.

Roland Dürre
Samstag, der 14. Februar 2015

Sein Leben ändern – aber wie?

Lebenskunst nach Rupert Lay, Hermann Schmitz und Wilhelm Schmid

Der wichtigste Mentor in meinem Lebens war Rupert Lay. Noch vor Gründung der InterFace AG durfte ich das erste Mal zu Anfang der 80iger Jahre an einem Seminar von Rupert Lay in Frankfurt teilnehmen. Das ist jetzt mehr als 30 Jahre her. Dieses Treffen war der Beginn einer langjährigen Zusammenarbeit, die zu einer tiefen Freundschaft führte, über die ich sehr glücklich bin.

Carsten Lange (auch ein Freund aus dem über Rupert entstandenem Netzwerk) von Lange Kommunikation hat mich auf diese Doktorarbeit hingewiesen. Ich habe dann mit dem Autor Stephan Thiele Verbindung aufgenommen und mit ihm einen sehr schönen Dialog gehabt.

Hier ist die Doktorarbeit von Stephan Thiele auch über Rupert Lay zum Download:

Sein Leben ändern - aber wie? (638)

Von der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig zur Erlangung des Grades eines Doktors der Philosophie – Dr. phil. – genehmigte Dissertation von Stephan Thiele, geboren am 3. Juli 1966 in Zeven.

Es ist mir sehr wichtig, Materialien von oder zu Rupert Lay für möglichst viele Menschen verfügbar zu machen. Besonders natürlich auch für meine vielen Freunde, die ich über Rupert kennen gelernt habe. Deshalb findet man in meinem Youtube-Channel (Roland Dürre) auch viele Videos mit Vorträgen von Rupert Lay, manche davon aus der Zeit des „Ronneburger Kreises“.

Mir scheint diese Doktorarbeit ein sehr wichtiger Beitrag für alle Menschen zu sein, die bereit sind über die Ausrichtung ihres Leben nach zu denken. Und man darf auch immer anderer Meinung sein, sogar der Autor hat mir berichtet, dass er heute einige Thesen und Themen anders formulieren würde.

Ich bedanke mich ganz herzlich bei Carsten Lange (dem Hinweisgeber) und Stephan Thiele (dem Autor).

RMD

P.S.
Weil der Zustand der Menschheit heute kritischer denn je ist, gilt der absolute Imperativ: „Du musst dein Leben ändern“ (nach Rilke)
(These von Peter Sloterdijk)

Seit vielen Jahren bin ich mit Schachgroßmeister Gerald Hertneck befreundet. Gerald ist deutlich jünger als ich, Ende der 70iger Jahren habe ich mit dem damals noch sehr jungen Gerald und seinem Freund Robert Zysk viel „geblitzt“. Das war im SK Obermenzing. Ich und meine Schachfreunde waren schon „erwachsen“ und wir hatten viel Spaß mit den jungen und lustigen Burschen.

Gerald hat später als schon sehr erfolgreiches Schachspieler gemeinsam mit weiteren Mitstreitern die Münchner Schachstiftung gegründet.

Aufgrund der aktuell laufenden Schach-WM hat er uns eine E-Mail gesendet:

Liebe Schachfreunde,

GeraldHertneckder Count-Down für das Schach-Ereignis des Jahres läuft! Am Samstag den 8. November startet in Sotschi das WM-Duell zwischen Titelverteidiger Magnus Carlsen und dem indischen Herausforderer Vishy Anand! Die offizielle Turnierseite findet sich hier (http://www.sochi2014.fide.com/).

Vor einem Jahr in Chennai siegte Carlsen deutlich und ohne Niederlage mit 6,5:3,5. Magnus Carlsen ist zwar nach wie vor die Nummer 1 der Welt und geht daher als Favorit in das Duell. Doch bei seinen letzten beiden Turnieren, der Schacholympiade in Tromsö und dem GM-Turnier in St. Louis musste sich Carlsen jeweils mit dem zweiten Platz begnügen. Vishy Anand überraschte im März viele Experten mit seinem souveränen Sieg beim Kandidatenturnier, und noch im September gewann er in Bilbao das Grand Slam-Finale.

Meines Erachtens liegt der psychologische Vorteil auf Seiten des langjährigen Weltmeisters Anand, da er diesmal als Herausforderer ins Rennen geht, der wenig zu verlieren hat, während Carlsen im schlimmsten Fall den WM-Titel abgeben muss, was auch zur Verringerung seines Marktwerts führen würde.

Auch bin ich der Meinung, dass Anand eröffnungstheoretisch besser vorbereitet in den Kampf gehen wird, und aus der Niederlage vom letzten Jahr gelernt hat – insbesondere wird er wohl versuchen, dynamischer zu spielen, und sich nicht so oft in die Lieblingsdomäne von Carlsen drängen lassen. Ich rede hier von leicht besseren Endspielen, die Carlsen mit großer Geduld und enormer Ausdauer zum Sieg führen kann.

Kurzum, aus meiner Sicht sind die Chancen in diesem spannenden Match völlig ausgeglichen, auch wenn der Unterschied der ELO-Zahl eine deutliche Sprache spricht, nämlich 2792 bei Anand zu 2863 ELO bei Carlsen. Dies entspricht einer statistischen Gewinnerwartung von etwa 60 zu 40 Prozent. Aber gerade in einem Match über 12 Partien spielen auch die Psychologie sowie die Wettkampfdynamik eine nicht unerhebliche Rolle!

Nun stellt sich natürlich noch die Frage, wie man den Partien des WM-Kampfes am besten folgen kann. Heuer hat sich die Süddeutsche Zeitung entschieden, erstmals in Kooperation mit der Münchener Schachakademie eine Online Berichterstattung zu bieten. Unter diesem Link (http://www.sueddeutsche.de/thema/Schach-WM) wird Ihnen nach jeder Partie ein bis zu 10-minütiges Video mit Großmeister Stefan Kindermann geboten, in dem er die Höhepunkte der Partie bespricht und anschaulich illustriert. Wir würden uns freuen, wenn Sie sich die Zeit nehmen, diesen Berichten zu folgen.

Gerald Hertneck

Hier noch ein paar Informationen und die Kontaktdaten der Münchner Schachstiftung:

Mit dem innovativem Trainingskonzept „Schach nach Königsplan“ vermittelt die Münchner Schach Stiftung Kindern und Jugendlichen wertvolle Fähigkeiten für ihre weitere Entwicklung.

Neben der Konzentrationsfähigkeit und der Entwicklung effektiver Denkstrukturen stehen Motivation und Vertrauen in die eigenen geistigen Fähigkeiten im Zentrum des Förderprogramms.

Die positiven Auswirkungen des Schachtrainings auf mathematische Fähigkeiten, Lese-und Rechtschreibkompetenz sowie die emotional-soziale Entwicklung von Schulkindern sind in zahlreichen wissenschaftlichen Studien klar belegt.

Ich selbst habe das auch erlebt. Wie ich mit zirka 12 Jahren begonnen habe, im Verein Schach zu spielen, sind meine „Schulischen Leistungen“ im Gymnasium schlagartig nach oben gegangen. Und ich bin fest überzeugt, dass ich in meiner ganzen beruflichen Zeit der Beschäftigung mit dem Schachsport viel zu verdanken habe.

An der Stiftung bewundere ich besonders, dass sie in der Tat vielen Kindern, die in einer unterprivilegierten Lebenssituation schon als für die Gesellschaft verloren schienen wieder ins soziale Leben zurückgebracht und erfolgreich gemacht hat.

Kontaktdaten:
Münchener Schachstiftung
Zweibrückenstraße 8
80331 München
fon (0 89) 95 89 43 30
fax (0 89) 95 89 43 32
info@mucschach.de
www.mucschach.de

Roland Dürre
Freitag, der 11. Juli 2014

Roland Dürre – Hierarchie oder Netz

Jetzt ist auch mein Vortrag an unserem fachlichen IF-Forum

“Selbstorganisation als Gestaltungsmodell für Unternehmen”

am 27. Juni 2014 frei als Video verfügbar (creative commons – Namensnennung).

Viel Spaß beim Anschauen!

Jetzt fehlt nur noch die Hinführung zum Thema von Wolfgang Menauer. Der kommt dann morgen.

Großen Dank an Friedrich (Friedrich Lehn).

RMD

Roland Dürre
Montag, der 7. Juli 2014

Eberhard Huber – „Resilienz vor Effizienz“

Ein erster Vortrag von unserem fachlichen IF-Forum

“Selbstorganisation als Gestaltungsmodell für Unternehmen”

am 27. Juni 2014 ist jetzt frei verfügbar (creative commons – Namensnennung).

Viel Spaß beim Anschauen!

Einen großen Dank an den Referenten (Dr. Eberhard Huber)!

Ich gehe davon aus, dass es mit den anderen Vorträgen jetzt „Schlag auf Schlag“ geht. Dafür großen Dank an Friedrich (Friedrich Lehn).

RMD

Roland Dürre
Dienstag, der 3. Juni 2014

20./21./22. Juni – PM-Camp in Berlin #pmcamp14ber

„Zusammenarbeit im 21. Jahrhundert“ sowie das Thema „Weisheit und Intuition der Vielen“

Das sind die beiden Schwerpunkte des PM-Camp Berlin vom 20. bis 22. Juni 2014 – das ist von Freitag Abend bis Sonntag Nachmittag.

Das klingt doch spannend!

So werde ich mich an meinem Geburtstag am späten Abend in das Bett eines Schlafwagen vom Nachtzug von München nach Berlin legen und ans Ziel schaukeln lassen. Und freue mich schon jetzt auf das Wiedersehen mit vielen Freunden und besonders dem Heiko (Heiko Bartlog).

Heiko ist Mitglied des Orga-Teams vom PM-Camp Berlin und hat wahnsinnig viel für die Veranstaltung geackert. Mich hat er gefragt, ob ich eine Session zu den beiden spannenden Themen des Berliner PM-Camps machen wolle. Das fand ich sehr nett.

Ja, Lust habe ich immer. So mache mir mal Gedanken. Themen habe ich auch viele. Ich liste mal auf, was mir so einfällt:

  • Zielvereinbarungen

    In 30 Jahren als „Chef“ der InterFace AG (und auch schon vorher passiv als Mitarbeiter bei Siemens AG und Softlab GmbH) habe ich sehr überraschende Erfahrungen mit Zielen und Zielvereinbarungen gemacht habe. Dabei habe ich gelernt, dass Zielvereinbarung in vieler Hinsicht sehr problematisch sind, so dass vielleicht in Zukunft immer mehr auf eine solche „Steuerung von Menschen durch materielle Belohnung“ verzichtet werden wird.

    So könnte ich meine Lebensgeschichte mit Bezahlmodellen und Erstellung von Zielen als Unternehmer wie im Projekt berichten.

  • Der Wandel im Management

    Hans Ulrich, wohl der Begründer des St. Gallener Management Modells, hat Anfang der 80iger Jahre einen wunderbaren Aufsatz „8 Thesen zum Wandel“ im Management geschrieben. Mittlerweile gibt es das St. Gallener Management Modell in der Version V4.0. Gemeinsam mit Professor Dr. Johannes Rüegg-Stürm und vielen Schweizer Unternehmern haben wir dieses Modell reviewt. Und dabei erkannt, wie einzigartig und aktuell auch heute noch die Thesen von Hans Ulrich sind.

  • Führung – Prinzipien und Werte

    Als Teilnehmer einer Blog Parade, die angestossen durch Bernd Geropp gerade läuft, habe ich festgestellt, wie vielseitig die Antworten auf die simple Frage von Bernd „Was sind deine drei relevanten Führungsprinzipien?“ sind. Ich habe lange nachgedacht, und dann war es mir plötzlich ganz klar: Ich bin ein ALO-Mann (agile, lean, open). Aber wie geht das in der Praxis. Oder warum geht das so oft leider nicht? Und was könnte man machen, dass es öfters erfolgreich genutzt wird?

  • Führung ist Kommunikation!

    Ein anderes Thema ist Kommunikation. Kommunikation war schon immer schwierig. Aber auch hier haben sich die Menschen und ihre Werte, Erwartungen, Interessen und Bedürfnisse verändert, und zwar radikal. Ebenso so wie „basic beliefs“ und „basic behavior“. Nur haben es viele Chefs, Projektmanager, Vorstände und andere Vorgesetzte nicht erkannt. Und so kommunizieren viele wie von vorgestern – und das in vielerlei Hinsicht. Da könnte man so viel verbessern – und muss es auch, wenn man „Zukunft“ erfolgreich gestalten will.

  • „Zukunft ist nicht vorsehbar“
    und „Entscheidungen erfolgen immer unter Unsicherheit“.

    Das ist so. Und auch in Manager-Kreisen setzt sich das Bewusstsein, dass es so ist, immer mehr durch. Also ein weiteres spannendes Thema für eine Sitzung.

    Ich meine dass ein Team, das offen und auf Augenhöhe zusammenarbeitet, besser erkennen kann, was „gut“ oder „schlecht“ zum Beispiel für ein Projekt ist und so gemeinsam mehr „richtige“ denn „falsche“ Entscheidungen fällen kann als es z.B. einem einsamen Projekt Manager möglich ist.

  • Kollektive Konstrukte erkennen!

    Projekte oder Unternehmen sind soziale Systeme, meistens mit einem dezidierten Zweck. Soziale Systeme neigen aber dazu kollektive Konstrukte zu entwickeln, die sich auf eigene Art und Weise verstärken. Das wird beschleunigt, wenn sich die normativ und strategisch Verantwortlichen zu Systemagenten entwickeln. Dann können sich soziale Systeme schnell verselbstständigen und entpersonalisieren.

    Dies kann nur vermieden werden, wenn es im Unternehmen oder Projekt eine Kultur der Zivilcourage (des Bürgermuts) gibt, die die Mehrheit gemeinsam lebt und sich so mit konstruktivem Ungehorsam gegen eine Perversion der kollektiven Konstrukte des Systems wehren kann. Sprich eine durch „Crowd“ garantierte Immunität die soziale System hindert.

Das alles sind Themen, die mich faszinieren. Zu denen ich auch viel erlebt und von Mentoren gelernt habe. Gerne teile ich dazu meine Erfahrung. So etwas muss aber immer zum Verlauf des barcamp und damit auch des PM-Camps passen. Deshalb möchte ich mich immer erst kurzfristig entscheiden, worüber ich rede. Zum Beispiel durch Eindrücke des Impulsvortrags und den Rückmeldungen der Zuhörer in der Diskussion. Oder des ersten Tages des PM-Camps.

Außerdem lasse ich gerne anderen den Vortrag und werde erst aktiv, wenn ich merke, dass es ein wenig bei der Findung der Sessions klemmt. Außer es hat mich irgendwas so richtig angezündet :-).

Ich freue mich also, in Berlin dabei sein zu können. Und zum Rest sage ich nur: Schau mer mal. Sprich – nicht so viel planen, sondern die Dinge sich entwickeln lassen.

Das PM-Camp Berlin wird aber auf jeden Fall Klasse werden! Kann ich jetzt schon versprechen!

RMD

P.S.
Ich möchte die Gelegenheit nutzen, hier auch auf die beiden nächsten PM-Camps nach Berlin hinzuweisen:

Das PM Camp Rhein-Main steht ganz im Zeichen von „Projektkommunikation“. Es findet vom Abend des 26. Juni bis zum Nachmittag des 28. Juni in Bad Homburg statt #pmcamprm bzw. #pmcamp14rm. Da bin ich leider verhindert, weil wir in Unterhaching am 27. Juni unsere große 30-Jahre-Feier haben, zu der ja auch alle PM-Campler eingeladen sind.

Im Juli geht es vom 24. bis zum 26. (auch wieder Donnerstag Abend bis Samstag Nachmittag) in München weiter. Beim PM-Camp München ist das Motto „Wissen teilen – Wissen vermehren“. Und der „tag“ klingt auch vertraut: #pmcampmuc oder #pmcamp14muc. Und natürlich bin ich beim PM-Camp in meiner Heimatstadt dann auch wieder dabei!

Roland Dürre
Donnerstag, der 20. März 2014

Wo bleibt der Turnaround ?

Zu meinem Artikel „Ach wie sind wir toll …“ bekam ich in Facebook folgenden Kommentar von Joerg Rothermel:

Naja – wenn ich D mit AUS vergleiche, sind die Politiker in D (fast) alle kompetenter, die Infrastruktur in D ist um eine Grössenordnung besser und Frauen haben in D bessere Chancen. Ohne die reichsten Ressourcen der Welt wäre AUS so verschuldet wie – sagen wir mal – Griechenland :-((

Meine Antwort war:

Roland Dürre: Lieber Jörg, ich stimme völlig zu: In Deutschland ist die Situation wahrscheinlich viel besser als in fast allen Ländern. In vielen Ländern dürfte die Situation im Verhältnis zu Deutschland sogar abgrundtief schlechter sein. Wenn ich mir dann aber überlege, dass wir alle ja „in einer Welt“ leben, die global eng zusammen hängt, dann bekomme sogar ich Angst.

Genau das ist es. Deutschland und den meisten von uns geht es fast schon unheimlich gut. Und wir klagen trotzdem.

Das ist schlimm. Aber wir sehen auch negative gesellschaftliche Signale wie die zunehmende Polarisierung in „arm“ und „reich“. Folgen wir rationaler Erkenntnis, dann werden die Prognosen auch für uns schnell düster. Wenn dann die mittlerweile globale Welt zumindest auf den ersten Blick noch sehr viel mehr Elend aufweist und man kaum etwas „Besseres“ findet, ist das ein schwacher Trost. Vernunftmäßig kritisch betrachtet passt folgendes Bild zu unserer Lage:

Wir sind in einer Sackgasse mit extrem hohen Tempo unterwegs. Und beschleunigen weiter, wissen aber nicht, wann wir auf die Mauer am Ende der Straße prallen.

So scheint mir ein Turnaround notwendig. Dafür brauchen wir gesellschaftlichen Konsenz und vor allem individuelle Verhaltensänderung. Und ich glaube sogar, dass wir in Deutschland für einen Turnaround besser aufgestellt sind als viele andere Nationen oder Staaten. Und auch immer mehr Menschen bei uns das kapiert haben und bereit wären, ihr Verhalten zu ändern. Meine dumme Frage ist nur:

Wo bleibt der Turnaround? Warum ändern nur so wenig ihr Verhalten? Gerade auch bei uns? Und was trägt da die Politik bei?

Denn zuerst einmal muss man „vor der eigenen Türe“ kehren. Und sich nicht darüber freuen, dass es woanders noch schlimmer ist.

RMD

Roland Dürre
Dienstag, der 24. Dezember 2013

Feindseligkeit und Misstrauen

Je älter ich werde und je mehr ich so dazu lerne desto mehr erkenne ich, dass Feindseligkeit die Hauptursache von Misserfolg und Missmut ist. Feindseligkeit kriecht leider nur zu oft aus allen Ritzen des Menschlichen. Und meistens völlig unnötig.

Wie der Hass ist die Feindseligkeit ein Parodoxon. Ein Mensch hasst einen anderen und will diesen zerstören. Dem Gehassten tut der Hass aber nichts an, dafür zerstört er den Menschen, der hasst. Der Hassende zerstört sich also immer zuerst mal selbst. Und der Gehasste kann sich ins Fäustchen lachen …

So ist es auch mit der Feindseligkeit. Man ärgert sich über irgend etwas oder irgend wen. Und will es irgendwie seiner Umgebung zeigen, vielleicht ganz unbewusst den eigenen Unmut kund tun. So wird man feindselig nach außen und schadet sich dabei doch selbst am meisten.

Die Angst ist die Mutter der Feindseligkeit. Sie nährt diese und deren Geschwister. Die große Schwester der Feindseligkeit ist das Misstrauen, der kleine Bruder die Betrübnis. Betrübnis wie die Trauer, der Kummer, das Unglück und das Herzweh sind das Gegenteil von Freude. Sie zerstören diese und führen in die Frustration. Diese aber ist der Feind von Erfolg und Zufriedenheit. Die Angst zerstört so den Mut und ohne Mut keine Freude.

Das Gegenteil von Feindseligkeit ist die Menschenfreundlichkeit. Das gelingt am besten, wenn man gut und schlecht zu unterscheiden lernt und dann öfters das Richtige denn das Falsche macht.

Dazu darf man freilich nicht nach den anderen schielen oder dem „Man macht das aber so!“ unterwerfen. Eigene Vorurteile müssen in Frage gestellt werden und Entscheidungen dem Lebensziel folgen. Das bedeutet auch, dass Handlungen nicht wegen nebensächlichen Kontexts und aus falsch verstandener Rücksichtnahme erfolgen dürfen.

Und vor allem Vertrauen muss der „Default“ werden. Nur so kann die eigene Feigheit und die immer im Kopf statt findende Angst überwunden werden. Angst, Misstrauen, und Feindseligkeit machen uns kaputt. Wir sollen aber kaputt machen, was uns kaputt macht. Also müssen wir Anti-Angst, Anti-Misstrauen und Anti-Feindseligkeit zu unseren Werkzeugen machen und uns einüben im Mut haben, Vertrauen entwickeln und Freude genießen. Denn das sind die einfachsten Schlüssel zum Erfolg …

Das hat übrigens nichts mit „Gut-Menschentum“ zu tun. Nein, dieses „Gut-sein“ ist egoistisch. Es geht ja darum, uns selber erfolgreich zu machen. Nur wenn wir erfolgreich sind, können wir andere erfolgreich machen. Nur wenn es uns gut geht, können wir zu anderen gut sein.  Und wir sollten nur dann die Welt retten wollen, wenn wir dabei auch an uns denken, denn wir sind auch ein und für uns sehr wesentlicher Teil dieser Welt.

RMD

Roland Dürre
Donnerstag, der 10. Oktober 2013

Rupert Lay, Ethik und Konstruktivismus

Nach ein wenig Pause hat Rupert wieder einen langen Vortrag gehalten. Es war am 7. September 3013 in Frankfurt. Er hat ihn für seine Freunde und den Ronneburger Kreis erarbeitet, ich habe mich sehr gefreut, dabei sein zu dürfen.

Eilika Emmerlich hat die  Aufnahme des Vortrages organisiert und gemeinsam mit Studio Pieper die Produktion realisiert.

So freue ich mich, dass ich zwei brandneue Videos von diesem Vortrag von Rupert Lay veröffentlichen darf. Wegen der Länge des Vortrages sind es zwei Videos geworden, denn Rupert hat viele Erkenntnisse seines Lebens an diesem Tag in einem Vortrag verdichtet.

Hier sind

Teil 1

und

Teil 2

Viel Freude und Gewinn beim Anschauen!

RMD

P.S.
Und am 29. März 2014 will Rupert Lay wieder für uns sprechen.

Roland Dürre
Samstag, der 20. Juli 2013

DATENSCHUTZ

Richard GutjahrRichard Gutjahr (in Twitter unter @gutjahr zu finden) bezeichnet sich selbst als
Journalist und Blogger, seiner Zeit oft voraus.

Ziemlich früh habe ich ihn im „Netz“ entdeckt, mit seinen Beiträgen spricht er mir (leider) aus dem Herzen.

Der aktuelle Post in gutjahrs blog heißt

Verschlüssel’ doch!

Dieser Artikel hat mich zu einem Kommentar bewegt. Aus Bequemlichkeit allerdings nur in Facebook, was eigentlich falsch ist. Hier meine noch ein wenig überarbeiteten Anmerkungen:

Wir haben das Recht des Ausübens von Gewalt an den Staat abgegeben, er hat so das Gewaltmonopol. Das ist klug, aber auch gefährlich. Der Staat hat deshalb eine unheimliche Macht. Wenn der Staat „böse“ oder „schlecht“ wird (was immer passieren kann und laufend passiert), wird er zu unserer schlimmsten Bedrohung. Deshalb muss „Staat“ transparent sein und jederzeit und in allen (!) Dimensionen von den Bürgern kontrolliert werden können!

Dies muss die zentrale Forderung auch beim Datenschutz sein. Denn wenn der Staat nicht für alle Bürger zu 100 % transparent ist, sind die Tore des Missbrauchs weit geöffnet. Ich kann mir kein (!) Thema vorstellen, bei dem in einer transparenten Gesellschaft eine staatliche Transparenz dem Gemeinwesen und Gemeinwohl wirklich schaden könnte. Das umfasst auch Sicherheits- und andere oft konstruierte Bedenken. Paranoia verursacht immer mehr Schaden als Nutzen!

Die transparente Gesellschaft ist so eine notwendige Bedingung für eine gelingende „digitale“ Gesellschaft. Denn Staat kann nur in einer transparenten Gesellschaft wirklich transparent sein. So braucht „NEULAND“ neben Toleranz und Respekt auch Transparenz als zentralen Wert. Wir müssen also einen gesellschaftlichen Konsens anstreben, dass wir eine freie, offene und transparente Gesellschaft haben wollen! Das wäre die Aufgabe unserer politischen Kräfte

Appelle, die Daten selber besser zu schützen, sind nur lächerlich. Die Gesetze zum Schutz von Daten stiften NULL Nutzen, bewirken aber beliebig viel Blindleistung.

Und immer daran denken: Der Staat ist der Gesetzgeber. Und wir erleben gerade, dass sogar ein „noch guter“ Staat seine Gesetze halt so macht oder ändert, wie es ihm passt und nutzt. Von einem schlechten Staat ganz zu schweigen.

Ich möchte noch anmerken, dass ich das Lesen von gutjahrs blog nur empfehlen kann!

RMD