Hans Bonfigt
Sonntag, der 2. September 2018

Es plappert der Spiegel am rauschenden Bach … (I)

So richtig verstehen kann ich es selber nicht:

Ich habe gute Laune, es ist schönes Wetter, wir haben zwei wunderschöne Jungkatzen bekommen, die sich mit unserem „alten Herrn“ zunehmend besser vertragen, wirtschaftlich geht es uns einigermaßen.  Alles in Ordnung.

Und dann stöbere ich im „Spiegel online“ und meine Stimmung ist zuverlässig im Keller.  Warum gucke ich überhapt dort hinein ?

Soviel Dummheit, Dünkel und Desinformation — ich könnte schreien vor Wut, denn der Spiegel ist ein Meinungsbildner und das pseudointllektualistische Geplätscher kommt lesefreundlich daher.  Um mir meinen Ärger einmal von der Seele zu schreiben, möchte ich einige SPIEGEL – Artikel einmal teilen.

 

Teil I: ENDLICH schafft die EU die Halogenlame ab, und das ist gut so !

Das deutsche Volk ist schließlich dumm und man muß es zu seinem Glück zwingen.   Denn LEDs sind in jedem Fall die bessere Wahl !

Soweit jedenfalls Markus Becker.   Studium der Anglistik, Geschichte und Germanistik in Bochum und Newcastle upon Tyne, Magister-Abschluss 1999.

Ein wahrer Meister der Argumentation:

„Regt sich heute noch jemand über das Ende der Glühbirne auf? Eben.“

Wie, „Eben.“ ?  Also, wenn sich nach sechs Jahren keiner mehr über einen ganz dummen Blödsinn aufregt, dann legitimiert das den Folgeblödsinn ?   O.K., wenn man das als Erklärung für den „Erfolg“ der EU hernimmt, dann wird bestimmt ein Schuh draus:  „Wir verordnen Schwachsinn, das aber regelmäßig und machen alsbald weiter, wenn sich die Aufregung der Bevölkerung gelegt hat“.

Fakt ist, heute kaum noch bestritten:  Der „Glühlampenerlaß“ der EU sorgte für eine europaweite Kontamination fast aller Haushalte mit gefährlichem Sondermüll.  Der gewünschte Einspareffekt trat nicht ein.  Die Lebensqualität in „modern“ beleuchteten Räumen sank.  Also:  Ich rege mich auch heute noch darüber auf.  Und war froh, unseren kompletten Haushalt schon vor Jahren auf Halogenlampen umgestellt zu haben.

Beleuchten wir einmal den EU-Folgeschwachsinn in seinem gesamten Spektrum, ‚mal sehen, ob mir das ohne Magisterabschluß in Newcastle upon Tyne gelingt:

  • Energieeffizienz:   Im überwiegenden Teil des Jahres müssen wir heizen.   Nix gegen Newcastle upon Tyne, aber was man dort garantiert nicht lernt:  „Energie geht nicht verloren„.  Dieser Satz hat als „1. Hauptsatz der Thermodynamik“ eine gewisse Popularität erlangt, ist aber alles andere als trivial.   Die aufgenommene Leistung wird in der Halogenlampe zu etwa 15% in sichtbares Licht gewandelt.  Der Verlust von 85% heizt als Infrarotstrahler die Umgebung.  In den meisten Fällen ist dies willkommen.  Der „Verlust“ sorgt nämlich 1:1 für Energieeinsparung beim Heizen.
  • Lichtspektrum:  Die Halogenlampe erreicht eine „natürliche“, einigermaßen lineare Verteilung der Lichtenergie auf das (sichtbare) Spektrum.  Über meinem Schreibtich hängt ein 300 W – Halogenbrenner, der, in Reflektortechnik, für eine schattenfreie, ideale Lichtverteilung sorgt.  Nun dient ab und zu mein Arbeitsplatz lediglich dazu, um in Intervallen von einer Stunde draufgucken zu können, wie sich ein bestimmter Prozeß entwickelt.  Da vergeude ich nicht sinnlos 300 W.  Es gibt also eine zusätzliche LED-Beleuchtung.  Die, nebenbei bemerkt, so richtig teuer war.  Sobald ich aber längere Zeit bei dieser Beleuchtung arbeite, bekomme ich Kopfschmerzen und meine Konzentration läßt nach.  Zunächst führte ich dies auf Interferenzen zwischen Bildschirm-wiederholfrequenz (60 Hz) und Lichtfrequenz (50 oder 100 Hz) zurück, aber ich habe mir schon seit längerem einen hervorragenden LED-Bildschirm gegönnt.  Nein, die Frequenz ist es nicht, es ist die fiese, die blauen Farbtöne anhebende, spektale Zusammensetzung, die mein Wohlbefinden beeinträchtigt.  „JAAA, aber die neuen Geräte sind doch viiiiiiiiiiiiiel besser“, so überbieten sich die Schreiberlinge.  Wir haben Freunde in Freising, die richtig Spaß haben an der neuesten LED-Technik, aber in deren Wohzimmer bekommen sowohl meine Frau (lichttechnisch desinteressiert) als auch ich zuverlässig Kopfschmerzen.  Ich wette, nach ein paar Laphroaig würde das verschwinden, aber dummerweise saufe ich nicht mehr.
  • Lebensdauer:  Mittlerweile sollte es sich auch in der selbsternannten Akademenz herumgesprochen haben:  Leistungsreduktion um zehn Prozent verlängert die Lebensdauer von Halogen- und sonstigen Glühlampen um den Faktor 10, im Journalisten-Laiendummsprech also um „900 Prozent“.  LED-Leuchtmittel dagegen werden schnell schwächer und fallen in der Praxis früher aus als eine Halogenlampe.  Das ist nun der primitiven, „kostenoptimierten“ Spannungsversorgung geschuldet, die dem VW-Konzern alle Ehre gemacht hätte.   Dazu  komme ich noch.
  • Herstellungskosten:  Selbst wenn wir die absoluten Beträge vergleichen, ohne sie in Bezug zu setzen zur tatsächlichen Lebensdauer, obsiegt hier ganz klar die Halogenlampe.
  • Umweltverträglichkeit und Recycling:  Auch hier ein klares Plus für die Halogenlampe.
  • Lichtfrequenz:  Einer Doppelwendel aus Wolframfaden ist es wumpe, ob sie von einer positiven oder von einer negativen Halbwelle des Netzwechselstroms durchlaufen wird.  Einer Leuchtdiode jedoch nicht!  Die Halogenlampe braucht also keinen Gleichwichter, um eine Lichtfrequenz von 100 Hz zu erhalten.  Dabei glättet die Trägheit des Wolframfadens die Welligkeit.   Das mit der Welligkeit ist so eine Sache, wegen I=U/R ∧ P=U*I ⇔ P=U²/R wächst mit zunehmender Spannung die (Momentan-)Leistung im Quadrat, wir haben es also mitnichten mit einem sinusförmigen Verlauf zu tun.  Gleichzeitig kühlt der Wolframfaden nach jedem Leistungsmaximum wesentlich schneller ab als im Durchschnitt, da die abgestrahlte Leistung (Boltzmann/Stefan) in der vierten Potenz mit der Temperatur steigt (oder abnimmt).  Nicht zu vergessen:  Der ohmsche Widerstand nimmt mit der Temperatur zu.  Wir haben es hier also schon bei einer „einfachen“ Halogenlampe mit einer komplexeren Betrachtung zu tun, die garantiert nicht von Journalisten verstanden werden kann, die berufsbedingt (oder sollte ich besser sagen „berufungsbedingt“ oder „selbstberufungsbedingt“ schon bei der Division zuverlässig scheitern.  Wir können uns aber merken:  Bei einer typischen Halogenlampe variiert der Lichtstrom mit einer Frequenz von 100 Hz um etwa 10 Prozent.  Diesen Wert habe ich als 14jähriger einmal mithilfe eines Fototransistors und eines Oszillographen ermittelt.  Größenordnungsmäßig sollte das stimmen, in diesem Alter war ich schweinegut drauf, soff noch nicht, haßte Sport aller Art und beschäftigte mich ausschließlich mit solchem Krams.  Übrigens:  Seinerzeit, anno 1974, hieß ein Oszillograph halt „Oszillograph“ und nicht „Oszilloskop“ resp. „Scope“.  Vor diesen Geräten hatte ich immer einen Mordsrepekt , da fand und finde ich den altmodischen Begriff einfach angemessener.   Neureiche Spinner reden ja auch von ihren „Chronographen“, wenn sie ihre nutzlosen Breitling-Klunker meinen.  Ein Bekannter, seit seinem 15. Lebensjahr Segel- und später auch Motorflieger, unterdessen Berufspilot, bezeichnet Breitling gern als „Fliegeruhr für Nicht-Flieger“, und so geriert sich der Hersteller auch in der Werbung.  Wobei ich den „Navitimer“ seit 30 Jahren sehr schön finde.  Als Nichtflieger.  Aber ich würde ihn dann „Chronometer“ nennen oder, ganz ehrlich:  Uhr.  Entschuldigung für diese Entgleisung, aber ich finde, die Klarheit von Gedanken muß sich in der Klarheit der verwendeten Ausdrücke manifestieren — und umgekehrt.  Zurück zum Thema:  Lichtfrequenz einer Halogenlampe:  100 Hz und 10 Prozent Modulationstiefe, LED: 50 Hz und 100 Prozent Modulationstiefe.  Und das Geflimmer nervt.   Gut, Herrn Juncker nicht, wenn er ausreichend sediert ist.   Gibt aber Leute, die arbeiten müssen.
  • Regelbarkeit: Für die- oder denjenigen, der es bis hierher geschafft hat:  Lassen Sie mich erstmal den Begriff „Regeln“ durch „Stellen“ ersetzen:  Ein Lichtregler sorgt autooperativ für die Einhaltung der gewünschten Lichtstärke.  Der typische „Dimmer“ ist ein „Stellglied“, mit dem man die Lichtstärke variieren kann (heutzutage typischerweise durch Veränderung des Phasenan- oder abschnittswinkels), der aber keineswegs die Stärke des Lichtstroms erfaßt und ggfs. den Stellgrad ändert.  „Stellbarkeit“ wäre der richtige Begriff, den versteht bloß keiner mehr.  Das primitive „Kondensatornetzteil“ dieser billigen „LED-Chinakracher“ besteht unterdessen aus einem einfachen, vorgeschalteten Kondensator.   Mit einem Kondensator kann man in der Tat bei Wechselstrom eine quasi verlustfreie Strombegrenzung erreichen — in etwa so wie seinerzeit mit der Drosselspule der Leuchtstofflampe.  Hört sich bis dahin clever an.  Dummerweise gibt es in einem typischen Haushaltsnetz immer wieder kurzzeitige, heftige Überspannungen („Transienten“), die die extrem überspannungsempfindlichen LEDs glatt zerstören würden.  Deswegen werden auf einmal zwei Dinge notwendig:  Ein Vorwiderstand, der Adolf Hitler der Energieeffizienz, und, parallel zu den LEDs, ein Spannungsbegrenzer.  Diese „Combo“ sorgt dafür, daß einerseits die Effizienz deutlich gemindert wird und andererseits das Variieren der Helligkeit mit einem klassischen „Lichtdimmer“  unmöglich ist.
  • Häßliche Nebeneffekte:  Während eine Halogenlampe als rein ohmsche Last das Lichtnetz linear belastet, sorgt der Kondensator (s.o.) dafür, daß (wenigstens einigermaßen lineare) Blindlast entsteht.  „Blindstrom“ ist Strom, der beim Verbraucher keine Leistung entfaltet, aber permanent nutzlos zwischen E-Werk und Verbraucher mit der Netzfrequenz synchron hin- und hergeschunkelt wird und überall auf dem Übertragungsweg Verluste verursacht.  So ein typisches Beispiel ist ein Klingeltransformator:  Obwohl die Klingel vielleicht nur zweimal pro Woche betätigt wird, muß der Strom ja Tag und Nacht zur Verfügung stehen, man weiß ja nie … .  Also fluktuiert permanent im Transformator ein Magnetfeld – um dieses zu erzeugen, braucht es definitiv Strom. Und dieser Strom, in Höhe des Nennstroms des Transformators, wird fleißig zwischen Erzeuger und Klingeltrafo hin- und hergeschunkelt.   Zuhause fällt kein Verbrauch an, wenn wir einmal von den typischen „Trafoverlusten“ (Hysterese, Wirbelstrom, Wicklungs-widerstand) absehen, weil Strom und Spannung um etwa 90° phasenverschoben sind, aber tatsächlich fließt ein kräftiger Strom über die komplette Übertragungsstrecke und erzeugt überall Verluste.  Früher, als es noch keine EU, dafür aber verantwortungsvolle Elektroingenieure gab, kompensierte man den Blindstrom, welcher von der Drosselspule einer Leuchtstoffröhre verursacht wurde, mit einem parallelgeschalteten Kondensator, den man heute noch vielfach bei alten Installationen sehen kann.  Um den von den bis weit unter die Schamgrenze primitiv gestalteten „Kondensatornetzteilen“ erzeugten Blindstrom zu kompensieren, bräuchte man jetzt analog eine Drosselspule.  Die ist teuer und baut vergleisweise groß und schwer – also läßt man es.
  • Prinzipielle Schwächen:  Jede Diode, also auch eine Leuchtdiode, hat eine gewisse „Durchbruchspannung“, die auch bei absolut baugleichen Exemplaren minimal variirert.  Deswegen weiß jeder Zwölfjährige, der ein paar Dioden parallelschaltete in der Hoffnung, er hätte damit die maximale Stromstärke vervielfacht:  Die ganze Last gehr zunächst durch die Diode mir der geringsten Durchbruchspannung, danach brennt sie durch, die Diode mit der nächsthöheren Durchbruchspannung übernimmt nach dem Prinzip der „Zehn kleinen Negerlein“, ääääh:  Neun, acht, sieben, sechs …   Je mehr Einzeldioden verrecken, desto schneller geht der Exitus voran.  Man kann das verhindern mit Ausgleichswiderständen, aber das kostet wieder… .  So ähnlich ist es auch mit einer Palette LEDs, die eigentlich jede für sich versorgt werden müßte.   Aus Kostengründen tut man das nicht, sondern billigt es, daß die Geräte nach kurzer Zeit teilweise ausfallen.  Interessanterweise verbraucht eine LED-Lampe, bei der einige Dioden ausgefallen sind, genau das gleiche wie eine im (noch) intakten Status.  Ganz nebenher:  Man könnte einen Siebungskondensator einbauen, um damit die LEDs mit beinahe reinem Gleichstrom zu betreiben und das elende „Geflimmer“ aus der Welt zu schaffen:  Aber:  Der Kondensator baut wieder zu groß und zu teuer.

 .

Technisches Fazit:

Nichts gegen die Halogenlampe, aber:  Eine bestimmte Bauform X einfach durch eine LED-Variante Y ersetzen zu wollen, ist absoluter Schwachsinn, umweltschädlich, viel zu teuer und nicht halb so energieeffizient wie gedacht.

Will man vernünftige Lichtlösungen mit LEDs, dann baut man eigens dafür entwickelte Lampen, in denen ein einziges festeingebautes, stellbares Netzteil möglichst viele LEDs versorgt.  Dann nämlich braucht man auch kein „Flackern“ inkaufzunehmen.

Die „Effizienzverordnung“ der EU ist so unsinnig und kontraproduktiv wie die EU selbst.

 

Was sagt der „Wutbürger“ ?

Das kann ich Ihnen, lieber Leser, ziemlich genau sagen:   Ich zitiere einmal meinen Vetter Bernhard, auf moderne Journalisten angesprochen, aus den frühen 90er Jahren, nach dem Genuß einiger Asbach-Cola:

„Das ist doch ganz einfach:   Die Weiber in den Puff und die Männer ins Arbeitslager, damit denen die Flausen aus dem Kopf gehen!“

So schockiert ich vor einem Vierteljahrhundert über diese Äußerung war, so sehr stehe ich heute klammheimlich dahinter.   Es ekelt mich an, wie sich diese überheblichen Pimpfe als Oberlehrer aufspielen und denjenigen Bürgern, welche sie am Kacken halten, mit erhobenem Zeigefinger vorschreiben, was sie zu tun oder zu lassen haben.   Wie sie zu sprechen oder nicht zu sprechen haben.  Und uns Dummerchen die Welt erklären: Warum ein schwuler Kinderficker unsere Gesellschaft bunt bereichert.   Warum die Rücknahme der absolut sinnlosen Zeitumstellung als deutscher Alleingang Schaden für uns alle bringt.   Warum alle, die sich mit dem Thema zu befassen wagen, schlechte Europäer sind im Sinne von „habt Ihr denn keine anderen Sorgen ?“

Und irgendwann werden nicht nur die primitiven Fußball-Hooligans in der braunen Ostzone die Schnauze voll haben, sondern auch der westdeutsche Michel.   Dann wird der Ruhrpott kochen.  Und wer einmal einen Konverterabstich gesehen hat, der weiß, wie der Pott kochen kann.

Wie war das bei Brecht ?

Da kam einmal ein großer roter Bär daher,
der wußte nix von den Sitten hier, das brauchte er nicht als Bär.
Aber er war nicht von gestern und ging nicht auf jeden Teer —
und der fraß die Vöglein im Walde.

Da schwiegen die Vöglein im Walde nicht,
in allen Wipfeln ist Unruh,
über allen Gipfeln spürest Du
jetzt einen Hauch.

(Bertold Brecht, „Die Liturgie vom Hauch“, etwa 1920)

Und da bin ich doch ganz bei Katrin Göring-Eckhard, als sie von bevorstehenden grundlegenden Veränderungen in unserer Gesellschaft schwadronierte:

Und ja, meine Damen und Herren, ich freue mich darauf !

 

-hb, wird fortgesetzt.

Roland Dürre
Donnerstag, der 10. Mai 2018

Welche Werkzeuge brauchen Führungskräfte?

Roland erklärt SCRUM. Aber keine SCRUM-Werkzeuge! Ist auch ein paar Jahre her.

Vor kurzem habe ich einen Artikel gelesen, der die Frage beantworten wollte:

„Welche Werkzeuge braucht ein Product Owner?“

Es war ein langer Artikel. Es stand manch Vernünftiges drin und er lies sich gar nicht schlecht. Vieles klang gut überlegt.

Mir jedoch wurde beim Lesen immer unwohler. Weil das alles irgendwie nicht gestimmt hat. Werkzeuge können sicher auch ab und zu mal nützlich sein. Aber mittlerweile haben wir haben so viele Werkzeuge im Einsatz, dass wir oft vor „lauter Bäumen den Wald nicht mehr sehen“.

So habe ich mir die „Werkzeug-Frage“ dann für andere Weiße-Kragen-Berufe aus meiner fachlichen Welt gestellt. Also:

„Welche Werkzeuge braucht ein Scrum Manager, ein Projekt Manager, ein Quality Manager, ein Requirement Engineer oder ganz allgemein eine Führungskraft, die man heute ja auch gerne als Manager bezeichnet und die zurzeit ja sogar „digital leadership“ beherrschen muss?“
(Meine Skepsis zu diesen „buzzwords“, die man aus digital, smart, manager, leadership, project und weiteren Begriffen dieser Art beliebig kombinieren kann, ist ja bekannt.)

Und ich fühle mich bestätigt, dass wir zu sehr an Werkzeuge glauben. Die bringen nicht wirklich viel und lenken uns vom Wesentlichen ab, das eh schon schwer genug zu finden ist.

Im nächsten Schritt habe ich mir über überlegt, welche Rolle Werkzeuge in meinem Leben gespielt haben. An das Spielzeug im Sandkasten kann ich mich nicht mehr erinnern. In der Schule und im Studium allerdings habe ich (meine) Handschrift und Bücher genutzt. In wenigen Fällen kamen der Zirkel, das Lineal, der Rechenschieber, die Logarithmen-Tafel und einmal die Schreibmaschine (bei der Diplom-Arbeit) zum Einsatz.

Wichtig war das Fahrrad , um überhaupt in die Schule zu kommen. Ja – und fast hätte ich es vergessen – im Bereich der Mathematik war noch der Verstand von Nöten.

Gleich nach dem Vordiplom habe ich Anfang der 70iger Jahre als Werkstudent beim Siemens mit dem Programmieren (das an der TUM war mehr so Spielerei) angefangen und bin zum „Software-Ingenieur“ geworden.

Da waren meine Werkzeuge „Programmier-Formulare“ und weißes Papier. Weiter hatte ich einen der berühmten Druck-Bleistifte von Siemens, mit denen die Abteilungs-Sekretärin immer so knauserten. Die „Formulare“ hatten 80 Spalten, sie waren der Assembler-Syntax folgend bedruckt. Der Assembler für die Prozessrechner der Serie 300 von Siemens hatte übrigens den netten Namen „Prosa“.


🙂 Vorsicht: Jetzt wird es ein wenig fachlich, eher so für Programmierer.

Wenn ich mich richtig erinnere waren die ersten 8 Spalten auf dem Formular den „Sprungmarken“ vorbehalten, die auch „labels“ hießen. Dann kamen Sonderspalten, in denen markiert wurde, ob der linke oder der rechte Akkumulator benutzt wurde und ähnliches. Die letzten 8 Spalten (73 bis 80) dienten der Nummerierung, die man zu Beginn eines neuen Programms tunlichst in 100-Schritten tätigte, damit noch Platz für Einfügungen blieb. Spalte 72 war für den Stern für die Folgekarte. So oder so ähnlich war das.

Mit dem Druck-Bleistift habe ich auf das weiße Papier so eine Art „Ablaufbilder“ gemalt und dann diese in Anweisungen im Formular umgesetzt. Hilfspersonal hat dann die Formular in Lochkarten umgesetzt, für jede Zeile wurde eine Lochkarte gestanzt. Zweimal wurde die Zeile abgetippt. Zuerst wurden die Löcher gestanzt und im zweiten Lauf die gestanzte Karte kontrolliert. So entstand das „Programm“ als Lochkartenstapel.

Wichtige Werkzeuge waren auch die Schachtel oder zumindest ein Gummi den Lockartenstapel. Später bekam ich zusätzlich ein portables Handgerät zum Stanzen von Lochkarten, weil ich vor Ort beim Kunden Korrekturen „patchen“ durfte. Das war eine große Auszeichnung, auf die ich richtig stolz war.

Zusätzlich hatte ich noch ein weiteres Werkzeug von einer ganz anderen Kategorie. Das war der dünne und sehr übersichtliche Siemens-Plastik-Kalender (für den OFK – Oberen Führungskreis gab es diesen in Leder).

Das war es und das war völlig ausreichend an Werkzeugen. Ich erinnere mich noch, wie ich mir damals vom privaten Geld ein Luxus-Werkzeug gekauft habe. Einen Wunderrechner von Texas Instrument. Der war allerdings mehr ein Hobby und nicht zwingend notwendig – deshalb musste ich die zirka 600 DM  auch selber bezahlen. Aber meine Begeisterung und offensichtlich auch mein Einkommen waren groß genug.

Dieser Taschenrechner konnte im oktalen (Ziffern von 0 – 7), dezimalen (Ziffern von 0 – 9) und sedezimalen, auch hexadezimal genannten Zahlensystem (mit Ziffern von 0 – F – da wurden die Ziffern 0 – 9 um A, B, C, D, E und F)“  rechnen  und die Zahlen in umwandeln konnte. Das war ein ab und zu nützliches Werkzeug, aber vor alle ein Teil mit dem man so richtig angeben konnte.

Etwas Selbstverständliches als Hinweis:
Alle Rechner hatten natürlich eine binäre Basis und konnten nur mit Nullen und Einsen rechnen. Sie nutzten das binäre Zahlensystem (0 und 1). Die ersten „Dumps“ bestand nur aus Nullen und Einsen, und den mussten wir lesen können.

Da im binären System die Notation ziemlich länglich wird, wurden schnell größere Einheiten gebildet, die Worte die aus zwei Halbworten, den Bytes bestanden. bei den Prozessrechner das „Wort“ 2 mal 3 Bits (das Byte hatte also nur 3 Stellen), die meisten anderen Systeme hatten aber als  Grundeinheit 4 Bit (= 1 Byte). Die Sprachen mit den 3 Bits wurden oktal notiert, die mit den 4 Bits sedezimal.

So wurden die Dumps kürzer und bestanden je nach Assembler aus den Ziffern 0 bis 7 oder von 0- 9 verlängert um die Buchstaben A – F.

Ich weiß noch heute, dass in irgendeinem der Assembler, den ich programmiert habe, das sedezimale Wort 07FF (binär 0000 1110 1111 1111) die Maschinenanweisung für „Release Control“ war. Den Rest habe ich vergessen.


🙂 Weiter wieder für Manager.

Später habe ich den Siemens- durch einen „Löhn-Kalender“ ersetzt. Das war ein (auch sündhaft teures) kleines Ringbuch mit vielen Fächern, das so in etwa die Funktionen von Outlook vorwegnahm. Es gab es in Plastik und in echtem Leder. Ich hatte sehr schnell die Lederausgabe. Dieses Werkzeug unterstütze meine langjährige Metamorphose vom Programmierer zum Manager/Unternehmer.

Der „Löhn-Kalender“ hatte einen großen Nachteil – er konnte nicht reden. So habe ich Termine in meinem Manager-Leben verpasst, weil ich in meinem Programmierer-Leben so von meiner Arbeit gefesselt war, dass ich nicht merkte, wie die Zeit vergeht.

So bin ich dem „Löhn-Kalender“ untreu geworden und habe ihn gegen einen elektronischen Helfer ausgetauscht. Das war ein Gerät von Texas Instruments, das früher einer Familie von „Electronic Organizer“ (Personal Organizer). Und der konnte zwar weniger als der „Löhn“ – aber er konnte Piepsen. So hat er mich vor meinen Terminen gut vernehmbar angepiepst, so dass sich mein pünktliches Erscheinen zu vereinbarten Besprechungen drastisch verbesserte. Und verglichen mit meinem TI-Rechner für oktales, dezimales und sedezimales Rechnenfast war das kleine Zaubersystem fast schon billig.

Diese Geräte wurden übrigens später mit dem auch neuen Mobil-Telefon (Handy) gekreuzt. Handy und Organizer und sind für mich so etwas wie Vater und Mutter vom heutigen „Smart Phone“.

Soweit meine eigene Werkzeuggeschichte, die dann mit Laptop, Airbook und Tablet weiter ging.

Was für Werkzeuge braucht eine Führungskraft?

Diese Frage ist in etwa so albern wie wenn man fragt: „Welche Werkzeuge braucht ein Koch?“. Ohne auszusagen, was der Koch denn überhaupt kochen soll. Die einzige Antwort, die mir da einfällt ist: „Seinen guten Menschenverstand und wahrscheinlich ein Messer“.

Die korrekte Frage wäre doch, welche Werkzeuge braucht ein Mensch für die Zubereitung eines bestimmten Gerichtes. Wenn ich meinen Gästen ein Käse-Fondue reichen will ist das doch etwas ganz anderes als Kartoffel-Knödel, ein gegrilltes Hähnchen, ein Himbeereis oder ein Gulasch aus der Dose! Beim Käse-Fondue ist das Wichtigste (wie übrigens auch bei Käs-Spatzen) ein hochwertiger Käse mit dem richtigen Geschmack! Und den passenden Wein. Und das richtige Weißbrot. Man sieht, nicht auf die Werkzeuge kommt es an sondern auf die Zutaten!

Jetzt könnten Sie einwenden, dass der Vergleich zwischen einer Führungskraft und einem Koch hinkt. Weil Zweiterer ja ein Handwerk betreibt, bei dem etwas Handfestes und hoffentlich Vernünftiges raus kommt.

So suchen wir einen Beruf, der dem der Führungskraft näher steht? Mir fällt der Pastor ein. Der passt vielleicht besser, denn da kommt ja hinten auch nichts raus, was man essen kann. Wie beim Manager.

ALSO: Was für Werkzeuge braucht der Pastor?

Ich würde sagen:
Die Bibel und eine Brille, wenn er nicht mehr so gut sieht. Aber vielleicht hat er heute die Bibel auf seinem Tablet. Und wenn er ein Excel braucht, dann macht er etwas falsch. So wie die Führungskraft.

RMD

Roland Dürre
Sonntag, der 24. April 2016

Projekt FRIEDEN – Donnerstag, 28. April 2016 – IF-Forum

Am Donnerstag (28. April) um 18:00 starte ich gemeinsam mit Jolly Kunjappu unser Projekt FRIEDEN. Wir freuen uns auf unsere Gäste.

»Jolly Kunjappu – »Jumbo‘s first birthday. Celebrate your life.« Acryl und Wachskreide auf Leinwand

»Jolly Kunjappu – »Jumbo‘s first birthday. Celebrate your life.«
Acryl und Wachskreide auf Leinwand

An diesem Tage werden wir “die Gedanken befreien”, Impulse geben und versuchen, „die freundlichen Menschen“, die wir so mögen, zu inspirieren. Wir wollen die Lust wecken, all die Selbstverständlichkeiten zu hinterfragen.

Wir wollen die Bereitschaft fördern, an der notwendigen großen Transformation unserer Gesellschaft und Lebensart konstruktiv mitzuwirken und so die Voraussetzungen ein wenig zu verbessern, dass wir Zukunft aktiv gestalten können. Denn:
Handeln ist wichtiger denn Reden!

An diesem Abend wollen Jolly und ich in die Vorlage gehen und dann gemeinsam mit Euch Ideen entwickeln und überlegen, was man denn alles machen könnte.
🙂  (Vielleicht ein Schneeballsystem für Frieden und Transformation aufsetzen?)

So wollen wir von unseren Freunden so lernen. Gemeinsam Erkenntnis gewinnen und  an unserer eigenen Aufklärung 2.0 arbeiten.
🙂 Indoktrination und Religionisierung mögen und machen wir nicht, denn wir sind keine Missionare!

FRIEDEN ist für uns ganz einfach die zentrale Metapher für die erforderliche Veränderung, denn Frieden betrifft uns dreifach: Jeden einzelnen ganz persönlich in sich; in unseren Beziehungen zu der Welt, in der wir leben und so auch zu unserer Umwelt; und natürlich auch im Verhältnis individuell zwischen Menschen wie kollektiv zwischen Völkern und Gemeinschaften aller Art unserer wunderbaren Welt.

Und ohne FRIEDEN ist glückliches Leben in Zufriedenheit nicht vorstellbar.

Das Projekt FRIEDEN ist mir persönlich sehr wichtig und hat für mich ab sofort Priorität. Es soll das letzte große Projekt meines Lebens werden, so will ich es in den nächsten Jahren zu meinem zentralen Thema machen. Damit mir dies gelingt ist mir Eure, die Teilnahme meiner Freunde, sehr wichtig.

Trotzdem soll der Donnerstag Abend zuerst mal ein Treffen von eben „den freundlichen Menschen“ unserer Welt in großer FREUDE werden und uns allen viel Mut und Vertrauen geben! Jolly und ich sind uns sicher, dass dies gemeinsam mit Euch exzellent gelingen wird. Und ein paar Überraschungen wird es auch geben …

Hier noch ein Link zu 3 Artikeln in IF-Blog.de zum Thema inklusive der Einladung zur Veranstaltung. Eine kleine Bitte habe ich nur – das Kommen kurz anmelden wegen Futter&Getränke. Dies könnt Ihr als Kommentar im Blog machen oder ganz einfach per E-Mail an die InterFace AG oder gerne direkt an mich.

RMD

Roland Dürre
Samstag, der 30. Januar 2016

Mein persönliches Kopfschütteln

rolandswimmingpoolbesserIch versteh’s halt nicht
oder nicht mehr
oder hab’s noch ich nie verstanden,
ganz ehrlich.

  • dass Vater und Mutter sich so oft und so sinnlos gestritten haben,
  • dass ich (auch) in der Schule geschlagen wurde,
  • dass in meiner Jugend ein völlig sinnloser Krieg in Vietnam getobt hat,
  • dass ein Staat wie die BRD die einzigartige historische Chance vergab, ohne Armee zu leben, und das nur aus Angst vor den Russen … (Wiederaufrüstung).
  • dass die Israelis genau so agieren, wie sie es eigentlich gar nicht dürften.
  • dass die Bundeswehr jetzt 130 Milliarden Euro bis 2030 kriegen soll (wo es an vielen anderen wichtigen Ecken wie bei der Bildung fehlt),
  • dass das Gemetzel auf den deutschen Straßen ignoriert und toleriert wird mit dem Hinweis, dass sonst Arbeitsplätze gefährdet werden,
  • dass man beliebig viel Blödsinn rechtfertigt, weil sonst Arbeitsplätze gefährdet wären,
  • dass die Menschen bei uns sich heute nicht darüber freuen, dass man das Wasser aus allen Wasserhähnen trinken und man sich alles kaufen kann, was das Leben schön macht – so wie die frische Vollmilch mit normaler Haltbarkeit und 3,8 % Fett in der braunen Glasflasche (das ist doch ein großes Glück!).
  • dass die alten Herren im Schwimmbad ihre Duschen minutenlang mit warmen Wasser laufen lassen, und dabei im Vorraum stehen und gemütlich ratschen,
  • dass die Menschen sich Joghurts und ähnliches in Plastikbechern kaufen und die Verpackung oft wichtiger als der Inhalt ist,
  • dass es immer noch Menschen in München gibt, die Walnüsse aus Kalifornien essen,
  • dass das Auto zum selbstverständlichen Fortbewegungs-Mittel geworden ist,
  • dass Sex immer noch ein Tabu-Thema ist,
  • dass so viele glauben, Gefängnisse könnten die Welt besser und sicherer machen,
  • dass andere an den „Kreativismus“ glauben, aber meinen, die „Klima-Katastrophe“ gäbe es gar nicht.
  • und so vieles mehr …

Ja – da muss man doch mit dem Kopf schütteln …
(Mit Dank an Bert Brecht, abgewandelt aus der Dreigroschenoper).

RMD

Roland Dürre
Dienstag, der 19. Januar 2016

Ein Grund, warum ich mich nicht mehr ans Lenkrad setze.

 

„AUTO KRACHT IN BÄCKEREI (HAAR)“

Dürre_RolandGestern (am Montag) habe ich diese Meldung in der SZ gefunden. Ich veröffentliche das, weil ich doch regelmäßig von solchen und ähnlichen Unfällen – oft mit schlimmerem Ausgang – auch in unserer Region lese. In diesem Fall war der Autofahrer mit 66 Jahren noch ziemlich jung.

Vor gar nicht langer Zeit ist zum Beispiel ein deutlich älterer Autofahrer in das Schaufenster eines Spielzeug-Geschäfts an der Kufsteiner-/Ottostrasse in Ottobrunn/Riemerling rein geschossen – und dies aus dem Stand!

Vielleicht sollte man auch mal darüber nachdenken, ob man wirklich Menschen jenseits der Pensionsgrenze so einfach die Fähigkeit zugestehen soll, eine mehrere 100 PS starke, über 1,5 Tonnen schwere und gefährliche Maschine wie z.B. einen SUV zu steuern?

Wenn es schon sein muss und es zu Fuß oder mit Fahrrad und öffentlichem Verkehr wirklich nicht geht, dann könnte doch zum Beispiel ein leichtes und langsames Elektrofahrzeug auch helfen, die ja oft so geliebte individuelle Mobilität bewahren.

Ich selber werde im nächsten Sommer 66. Und fühle mich noch ziemlich fit. Beim genauen Hinein-Hören in den Körper merke ich aber auch, dass das Alter halt da ist und weiter kommt. Und aus guten Gründen spiele ich seit zwei Jahren keinen Fußball mehr.

So steuere ich nur noch sehr selten und mit absolut abnehmender Tendenz ein KFZ, auch weil ich meine glückliche Auto-Bilanz (ich habe in meinem ganzen Leben keinen einzigen Menschen beim Autofahren auch nur leicht verletzt) nicht am Ende noch verpatzen will.

RMD

Detlev Six
Samstag, der 9. Januar 2016

Regelschule für Flüchtlinge

Viele Flüchtlinge kommen aus antidemokratischen und kulturrassistischen Ländern. Sie treffen hier auf ihr Spiegelbild Pegida & Co, die freudig diese Gelegenheit begrüßen, den Kamm schwellen zu lassen. Dazu kommen Flüchtlinge, die keine ideologischen Vorbehalte gegen unsere Gesellschaft haben, denen es hauptsächlich ums Geld geht. Alle gemeinsam sind sie nicht, was Bill Clinton, als die Voraussetzung für das Funktionieren einer Gesellschaft erachtete: „Those who work hard and play by the rules“. Können sie auch nicht sein, also lass sie uns dazu machen.

Wir sollten nicht mehr über Menschenrechte, Menschenwürde, Freiheit, Rechtsstaatlichkeit, Minderheitenschutz, Gleichheit, Gleichstellung, Pluralismus, Moral, Ethik oder noch schlimmer, in zorniger Würde, ganz allgemein über westliche Werte schwadronieren. Alles, was den Erfolg unserer Gesellschaft ausmacht ist ein Zusammenleben, in dem niemand jemand anders auf öffentlichen Plätzen ungebeten in den Schritt greift und in dem der wirtschaftliche Erfolg einem gemeinsamen Willen zum Fortschritt zu verdanken ist. Aus allen unseren herrlichen Werten lassen sich klare Regeln ableiten, für die kein Mensch 20 Semester Philosophie studiert haben muss. Fangen wir an:

1. Regel: Deutsch lernen.
2. Regel: Keiner Frau ungebeten in den Schritt greifen.
Und, und, und.

Die Regelschule ist Pflicht für alle Flüchtlinge, der Abschluss obligatorisch, die Note fließt mit deutlichem Gewicht in die Aufenthaltsbewilligung ein.

Ich kenne die Einwände: Gibt’s alles schon. Nur, wo überall verstreut? Ist irgendjemand für diese Schule verantwortlich? Ist genug Geld und Personal dafür da? Die CSU wehrt sich seit Jahren gegen ein Einwanderungsgesetz mit dem Argument, passende Gesetze gäbe es schon überall irgendwie  und irgendwo. Ja, himmihergottzakramentnoamoi, es ist doch ein himmelweiter Unterschied, ob ich einen Teller bunte Knete quer durch alle Institutionen habe, oder eine feste Einrichtung, wie ein Einwanderungsministerium mit einem maßgeschneiderten Gesetzespaket.

Der größte Mist jetzt ist doch das Versäumnis klarer, verantwortungsvoller Zuständigkeit. Sei es institutioneller oder personeller Art.

In die Regelschule würde ich übrigens auch die schicken, die sich jahrelang an den Regensburger Domspatzen vergangen haben (Schon bemerkt? In der Tagesschau wird zwischen der Köln-Berichterstattung und den Domspatzen-Meldungen immer ein anderer Nachrichtenblock geschaltet, damit es nicht so auffällt, dass auch im gesitteten Deutschland eine Menge Testosteron-Täter herumlaufen. Ich will an dieser Stelle gar nicht wissen, was heute immer noch in einigen Ehen an Ungewolltem vor sich geht).

Was die Regelschule für Flüchtlinge sofort lösen würde: Die Menschen haben eine Aufgabe, ein Ziel und können selbst ihre Perspektive verbessern. Und so banal es klingt: sie sind beschäftigt.

SIX

Roland Dürre
Montag, der 6. Juli 2015

Meine „Destina“?

🙂 Von der Südsee-Insel Runit zur Rosenheimer Straße in München.

„Runit Dome 001“ von US Defense Special Weapons Agency

„Runit Dome 001“ von US Defense Special Weapons Agency

In der SZ am Wochenende (4./5. Juli 2015) habe ich zwei Artikel gefunden, die mich entsetzt haben. Und die ich dann auch fleißig in Facebook, Google+ und Twitter gepostet habe.

Der erste Artikel erschien in der Rubrik Wissen und hat die Überschrift „Dom des Todes“. Es geht um die Hinterlassenschaften der 67 Atombombentests, die die USA zwischen 1946 und 1958 auf den Atollen Eniwetok und Bikini durchgeführt haben.

Der zweite Artikel trägt die Überschrift  „Umfassende menschliche Tragödie“ und berichtet von einer Deklaration, in der Nobelpreisträger bei einem Treffen in Lindau einen entschlossenen Kampf gegen den Klimawandel fordern.

Am ersten Bericht entsetzt mich das Ausmaß der in der Südsee stattfindenden Katastrophe. Sie macht mir wieder bewußt, welche unendliche Gefahr der radioaktive Müll darstellt. Und wie kleinkariert und aussichtslos die aktuelle Bemühung ist, in Deutschland sichere Endlager zu finden. Da wurde doch wieder von der Politik ein Projekt ausgesetzt, dass de facto zum Scheitern verurteilt ist.

Die Menschen wie die Bundesländer, die sich gegen ein Endlager wehren, kann ich gut verstehen. Scheint es mir doch der größte Fehler zu sein, weitere Flecken auf dieser Erde dezentral zu kontaminieren. Denn Sicherheit gibt es hier natürlich nicht.

Vielleicht noch ein Hinweis. In dem angesprochenen Artikel wird auch mal wieder erwähnt, dass Plutonium einer der giftigsten radioaktiven Stoffe ist und über eine Halbwertszeit von bis zu 24 000 Jahren verfügt. Jetzt erscheint 24 000 Jahre in einer Zeit, in der wir dauernd mit Milliarden konfrontiert werden ja fast als niedlich. Nur – es ist erst 2 400 Jahre her, dass die ersten menschlichen Kulturen zur Schrift fanden – und da ist eine Null dazwischen …

Der zweite Artikel hat mich aber fast noch mehr erzürnt. Wir vertrauen in unserem Leben in allen Bereichen auf die Wissenschaft. Wenn wir Nahrungsmittel essen, gehen wir davon aus, dass die Wissenschaft uns gesunde Nahrungsmittel garantiert. Wenn wir fliegen, sind wir uns sicher, dass wir dank Physik nicht abstürzen. Wir lassen uns impfen und vertrauen der Wissenschaft. Beim Autofahren glauben wir an den Airbag und sogar das Radeln beruht auf naturwissenschaftlichen Gesetzen.

Wenn diese Wissenschaft uns aber konvergierende Ergebnisse verschiedener Disziplinen und Quellen liefert und uns diese nicht in der Kram passen, dann tun wir nichts! Mein besonderer Zorn gilt unserer aktuellen Regierung.

Obwohl selber pleite veranstaltet sie in Elmau eine makabre Inszenierung einer „Westlichen Gemeinschaft der Werte“, die Hunderte von Millionen kostet. Und heraus kommen wieder einmal nur ein paar „programmatische Entscheidungen“, die sich schon nach wenigen Tagen wieder nur als Lippenbekenntnisse herausstellen.

Sie zelebriert sich Deutschland als der allwissende Schulmeister und Tugendwächter Europas und entblödet sich nicht Thesen zu produzieren wie „Stirbt der  EURO so stirbt Europa“.  Eine Aussage übrigens, die wie viele andere aus gleicher Quelle keiner dialektischen Hinterfragung stand hält.

Den Griechen verordnet sie ein Programm, dass sogar der IWF als völlig kontraproduktiv bewertet und verlangt von diesen, dass sie die Renten kürzen müssen aber auf keinen Fall die Verteidigungsausgaben reduzieren dürfen.

Und vieles mehr in dieser Art.

Nur ihre Hausaufgaben macht sie nicht, wie z.B. das Einführen eines generellen Tempolimit in Deutschland. Sie beendet nicht die gigantischen Subvention von Geschäftswagen. Auch eine Besteuerung des Flug-Kerosins ist für sie undenkbar.

Und sie sonnt sich im Eigenlob und schaut zu, wie Infrastruktur und Bildung in diesem Lande vor die Hunde gehen. Wie Gewinne privatisiert und Verluste sozialisiert und so die Reichen immer reicher und die Armen immer mehr und immer ärmer werden. Dafür ist sie Nummer 1 in Europa im Indoktrinieren und schaffen von dümmlichen Dogmen.

Dann denke ich mir doch ab und zu, ob mein „Destina“ nicht ist, nur noch gegen diesen Wahn- und Widersinn anzugehen. Dann müsste ich aber mit dem was ich heute so mache wie Vernetzen und Betreuen von Menschen und unterstützen von start ups aufhören. Und ganz so weit bin ich noch nicht.

RMD

P.S.
Werde heute Abend trotzdem das erste Mal seit Jahren bei einer Demonstration dabei sein. Da radle ich dann für eine gerechte Aufteilung der Rosenheimer Strl in München: Radel-Demo Rosenheimer!

P.S.1
Das Bild „Runit Dome 001“ von US Defense Special Weapons Agency ist aus Wikipedia  – http://sonicbomb.com/albums/album61/runit.jpg. Lizenziert unter Gemeinfrei über Wikimedia Commons – https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Runit_Dome_001.jpg#/media/File:Runit_Dome_001.jpg

Roland Dürre
Samstag, der 29. November 2014

Gebhard Borck jetzt auch bei IF-AGORA

Nachlese zum PM-Camp in Dornbirn – #PMCampDOR

Für mich war Gebhard die positive Sensation auf dem letzten PM-Camp und openPM.

Sein Impulsvortrag war das Beste, was ich jemals zu Organisation und Unternehmertum gehört habe. An der Tafel hat er mit Kreide in ganz einfachen Schritten erläutert, an welchen Dingen sich ein Unternehmen der Zukunft orientieren muss. Und das ganze auch noch äußerst lustig und spannend gestaltet.

Vor allem hat er mir klar gemacht, wie gut ein Unternehmen funktioneren kann, wenn es nur die eigentlich so banalen Bedürfnisse der Menschen im Unternehmen sinnvoll befriedigt.

Ja – und jetzt ist Gebhard auch bei mir in der IF-AGORA vertreten! Ist das nicht Klasse?

Hier sein Wissensangebot! Dazu empfehle ich sein aktuelles Sachbuch, das man auch online lesen kann Affenmärchen.

Unsere Impuls-Rednerin des zweiten Tage des #PMCampDOR Dr. Melanie Kaiser hat uns genauso begeistert. Melanie hat uns nicht nur berichtet, wie arme Manager an ihren falschen Entscheidungen sogar krank werden können. Nein, sie konnte uns auch klar machen, wie wichtig Intuition und Ratio auch für glaubhafte Kommunikation ist.

Hier ihr „Wissensangebot“ Burnout.

Und ihren Vortrag vom PM-Camp hält sie bestimmt auch für Sie!

RMD

Roland Dürre
Montag, der 27. Oktober 2014

Toleranz & Religion

Zurzeit denke ich viel über Moral und Ethik nach. Auch weil ich entdeckt habe, dass in fast allen Entscheidungen fast aller Menschen die moralische Vorgaben dominieren. So auch gerade bei meinen falschen Entscheidungen.

Bis vor kurzem dachte ich, dass sich Entscheidungen auf Vernunft und Menschenverstand (Kopf, Ratio) und auf Intuition und Heuristik (Bauch) begründen. Das hatte ich mir auch für meine eigenen so gedacht.

Und jetzt stelle ich fest, dass ich doch öfters völlig (und folgenreich) daneben gelegen bin. Einfach weil ich meinte, „ich müsse so entscheiden, weil es sich so gehören würde.“ Oder mit anderen Worten weil ich unfähig (zu feig?) war, dem „Man macht das so“ oder dem „So geht das nicht“ zu widerstehen. Weil meine Entscheidungen (besonders die schlechten) so von Moral und Moralismen wesentlich beeinflusst wurden. Wie ich meine zu meinem und zum Nachteil Dritter.

In dem Hotpot der Philosophie finden sich neben Moral und Ethik auch oft schwer verdauliche Zutaten wie die „Religion“ oder die Tugend der „Toleranz“.

Denn:

„Religion ist uns heilig!“

und

„Man muss tolerant sein!“

Ich meine auch, dass Toleranz ein hoher Wert ist. Der Ethiker formuliert es so:

Sei immer tolerant!
Toleranz geht vor Moral!
Nur gegen Intoleranz sei intolerant!

Dabei könnte man dem Ethiker entgegnen, dass Intoleranz gegen Intoleranz ja auch schon wieder Intoleranz ist

Betrachten wir die Toleranz in der Praxis am Beispiel der Religion. So schützen Grundgesetz wie die Bayerische Verfassung die „Freiheit der Religionsausübung“ in ganz besonderem Maß, fast auffällig. Und das abgeleitete Gesetz verbietet streng die Verletzung „religiöser Gefühle“. Es fordert nicht Toleranz und Respekt ein, sondern in letzter Konsequenz die Unterwerfung vor den religiösen Gefühlen Dritter.

Diese Forderung geht mir zu weit. Wer will denn festlegen, was eine Religion und was keine Religion ist. Eine Masse verpflichtet sich absolut gegen durchaus hinterfragbare Annahmen und Regeln, die sie letzten Endes selbst erfunden hat. Dabei beruft sie sich auf eine besondere, höhere, externe und nicht erklärbare Instanz. Und gibt diesen „Glauben“ systemisch von Generation zu Generation weiter, was letzten Enden zur Entstehung von Systemen wie den Kirchen führt mit all ihren Vor- aber auch wesentlichen Nachteilen.

Aber wie will man denn entscheiden können, welche Art von zum System gewordenen Glauben überhaupt eine Religion ist? Und wer soll das tun? Lese ich die Kapitel zur Religion in der Bayerischen Verfassung genau nach, so gewinne ich den Eindruck, dass die Väter der Verfassung vor allem an die christliche Religion gedacht haben. Und auch nur an diese in der „besseren“ Variante.

Ist diese absolute Toleranzforderung für „religiöse Gefühle“ also wirklich akzeptabel? Gerade wenn die in ihrer Religion gefangenen Menschen sich im Besitz der absoluten Wahrheit zu wähnen und Dinge fordern oder machen, die im schlimmsten aber häufigen Fall gegen die Menschlichkeit sind?

Vielleicht ist deswegen der schöne Begriff der Toleranz zu einem „buzzword“ verkommen ist wie leider auch Freiheit, Gemeinwohl und Nachhaltigkeit.

Vor kurzem habe ich in einem Kommentar auf einem Blog Toleranz gefordert und diese als herausragende „Primärtugend“ bezeichnet. Und musste aus den Reaktionen lernen, dass es schon Ethiker gibt, die allen Ernstes eine „Toleranzpolizei“ fordern.

RMD

P.S.
😉 Das ist jetzt vorläufig mein letzter Post zu Moral und ähnlichem. Weil gegen Moral und Moralismen zu sein ja auch schon wieder Moral und moralisieren ist.

Ab morgen schreibe ich wieder, was mir so aus dem Alltag einfällt.

Roland Dürre
Mittwoch, der 20. August 2014

Start-up (3) – der pragmatische Weg zur Gründung.

Ich versuche mal Start-up-Situationen von Unternehmen modellartig in drei „Gründungs-Arten“ zu kategorisieren.

  • Die pragmatische Gründung eines Unternehmens.
  • Das Unternehmen wird aus der Retorte konstruiert.
  • Die Gründung durch den „Unternehmer Zufall“.

In diesem Artikel behandele ich nur den ersten Punkt (Pragmatik). In den Folgen 4 (Retorte) und 5 (Zufall) die beiden anderen Arten.

Die Vorstufe zu einer pragmatischen Unternehmensgründung ist oft der Wechsel aus einem angestellten Verhältnis ein freiberufliches. Ich kenne nur ganz wenig Menschen, die in unserer Branche direkt vom Studium kommend freiberuflich tätig wurden. Die meisten haben schon vorher in einem Angestellten-Verhältnis gearbeitet, weil eine erfolgreiche Freiberuflichkeit in der Regel eine gewisse fachliche und sonstige Kompetenz wie auch einen guten Ruf zumindest bei einem Thema erfordert.

Am Markt wird die Situation für Freiberufler aufgrund der Gesetzeslage im übrigen immer schwieriger. Das ist schade, denn so wird der pragmatische Weg über diesen Zwischenschritt auch erschwert. Schon lange müsste der Gesetzgeber ein freiberufliches Erwerbs-Modell neben der Erwerbstätigkeit als Angestellter vernünftig regeln. Aber das werden wir wohl nicht mehr erleben und ist hier nicht so sehr das Thema.

Für mich ist die „pragmatische“ Unternehmensgründung der Normalfall, der auch am erfolgreichsten zu sein scheint. Es gibt viele Menschen aus Handwerks-Berufen wie zum Beispiel Dachdecker, Karosserie-Bauer, Koch, Schreiner, Werkzeugbauer …, die sich genau auf diese Art und Weise in ganz logischen Schritten selbstständig gemacht haben.

Wenn solche Handwerker sich selbständig machen und einen eigenen Betrieb gründen, so geht das meistens völlig geräuschlos, ohne großes Gründungstheater und einer innovativen „Super-Idee“. Jetzt könnte der Einwand kommen: „Verstehen wir, aber das geht doch nur bei Dienstleistungen!“

Dem ist aber nicht so. Es gibt viele Beispiele von handwerklichen Firmen, die auch mit durchaus innovativen Produktideen klein angefangen haben und sehr erfolgreich geworden sind. Gerade in den in letzten Jahren stark gewachsenen Branchen wie Fahrrad und Outdoor habe ich viele Erfolgsgeschichten entdeckt.

Die Ehepaar Rohloff hat mit sehr innovativen Fahrradketten angefangen um dann später die legendäre Rohloff-Schaltung zu bauen, der SON (Schmidt-Original-Nabendynamo), die Ortlieb-Taschen und viel mehr innovative Produkte sind so aus ganz pragmatische Gründungen entstanden.

Auch mein Schreiner aus Südbayern, der sich seine eigene Schreinerei als ganz „normaler Dienstleister“ aufgebaut hat, hat sich mal eine Hundehütte zum Eigenbedarf gefertigt. Die gefiel ihm selbst so gut, dass er sie im Internet angeboten hat. Sie wurde dann zu seinem margen-trächtigsten Produkt, das er einfach in Stückzahlen so zwischendurch produzieren kann.

Ich kenne den Dachdecker, der eine kleine ganz normale Dachdeckerei aufgebaut hat. Die sein Sohn in zweiter Generation zum Unternehmen ausgebaut hat, das weltweit zum Marktführer für besondere Gebäude mit besonders anspruchsvollen Dachkonstruktionen wie Wolkenkratzer, Moscheen, Theater usw. wurde.

Und die Liste an Beispielen kann ich beliebig fortsetzen. Da wundert es mich (eigentlich nicht), dass so wenig Handwerker in den Business-Plan-Wettbewerben vertreten sind. Denn diese scheinen ihre Unternehmen ganz logisch zu gründen, mit ihrem Können und ihrem Know-how, basierend auf einer überschaubaren Einnahmen-/Ausgabenrechnung, ohne komplexen Business Plan, geschweige den einer Teilnahme an einem solchen Wettbewerb. Natürlich nutzen diese dann später bei teuren Produkt-Entwicklungen ab und zu auch mal staatliche Förderungen.

In meinem Verständnis sind die Entwicklung von Software, der Aufbau und Betrieb von IT-Infrastruktur und auch das Managen von IT-Projekten auch „nur“ Handwerk. „Software development as craftsmanship“ ist so zum stehenden Begriff geworden.

So sind auch die meisten Gründungen von Unternehmen der IT-Branche handwerkliche und sehr pragmatische Gründungen, die in der Regel immer zumindest ein paar Jahre lang eine gute Erfolgsgeschichte schreiben.

Warnen möchte ich vor der „ultimative Lösungsidee“, wie sie mir zu oft in den Business-Plan-Wettbewerben präsentiert wird. Das geht hin bis hin zu Spinnern, die eher Mitleid erwecken.

Zu oft ist die „tolle Idee“ dann eben gar nicht so einzigartig innovativ. Und zu oft steht in den Business Plänen ein verräterischer Satz wie:

„Die größten Finanzmittel werden wir wahrscheinlich für Vertrieb und Marketing benötigen. Wir gehen davon aus, dass wir hier eine Vorleistung im sieben-stelligen Bereich erbringen müssen.“

Und dann stelle ich mir die Frage, warum die Möchte-gern-Unternehmer sich nicht ein Produkt- oder Dienstleistungsangebot ausdenken, das der Markt auch wirklich braucht? Und auch, ob denn die Zauberformel „Vertrieb und Marketing“ wirklich die Lösung ist und wie sie konkret aussehen soll?

In den Business-Plan-Wettbewerben überwiegen IT-basierte Geschäftsideen („Wir schreiben eine App“) und solche aus dem Bereich „Pharmazie“ („Wir schaffen eine Wundermedizin für diese oder jene Krankheit“). Oder man will Dinge gleich im großen Anpacken, anstatt sie zuerst im Kleinen auszuprobieren. Das wäre nämlich pragmatisch. Und die Bestätigung einer Idee am Markt würde auch eine seriöse Finanzierung wahrscheinlicher machen, bei der man sein Unternehmen nicht verkauft bevor man es hat.

In einem Business Wettbewerb, bei dem ich Teil der Jury, war hat ein „pragmatischer Gründer“ eines IT-Unternehmens präsentiert. Er war ein Android- und Unix-Spezialist. Der hat aber im Wettbewerb nur noch präsentiert, weil er die Teilnahme wie üblich einige Zeit vorher eingereicht hatte und der Höflichkeit halber kam. Er war ein Android-Spezialist und hat einfach nur sein Know-how verkauft. Und als Basis dafür einen eigenen Android Built gemacht. Und als Basis dafür einen eigenen Android Built gemacht. Sein Unternehmen hatte zum Zeitpunkt der Präsentation schon mehr als 50 Mitarbeiter in verschiedenen Ländern. Seine Kunden waren überwiegend asiatische Hightech-Unternehmen, die für ihre Hardware fürs „Internet der Dinge“ Android- und Linux-basierte Lösungen suchten.

Handwerker oder „pragmatische Gründer“ sind nur selten im „großen Gründungs-Business“ zu finden. Diese scheinen keine Zeit für die Teilnahme an einem Business-Wettbewerb zu haben? Oder den Nutzen einer Teilnahme nicht zu sehen? Es fällt auch auf, dass die erfolgreichen Unternehmer, die vor 30, 20, 10, 5 oder auch nur 2 Jahren gegründet haben, keinen großen Businessplan geschrieben haben und auch an keinem Wettbewerb teilgenommen haben. Und trotzdem (oder vielleicht deshalb) Erfolg hatten.

So würde ich jungen Gründern die Empfehlung aussprechen, es ganz pragmatisch zu machen. Keinen großen Business Plan zu schreiben, sondern mit gesundem Menschenverstand, Mut und Freude ihr Geschäft voranzutreiben und auf eine vernünftige Kostenrechnung zu vertrauen. Frech sein und keine Angst haben.

Und an keinem Wettbewerb teilzunehmen. In dieser Zeit lieber viele Freunde und Verbündete suchen und finden. Falls sie die Phase aber schon hinter sich haben und dadurch zum Beispiel ein wenig Einkommen für einen gewissen Zeitraum sicher gestellt ist, dann rate ich, ganz schnell auf den pragmatischem Weg hin zum Geschäft zu schwenken.

Im nächsten Artikel werde ich mich dann meine Gedanken zu „Gründungen aus der Retorte“ formulieren.

RMD