Klaus Hnilica
Freitag, der 28. Oktober 2016

Eilmeldung – Aus der Anstalt – Spiegelteufel enttarnt!

+Hubert Spiegel berichtete Donnerstag um 11.50 Uhr in der vollbesetzten ‚Anstaltskantine’ über die eigenartigen Umstände, die zur Entlarvung des geheimnisumwitterten ‚Spiegelteufels’ geführt haben. Er begann etwas ungelenk mit den Worten:

img270„Wissen Sie, ich persönlich bin kein Insasse dieser ‚Anstalt’! Aber meine Mama schon! Vor fünf Jahren ist sie auf eigenes Betreiben hier eingeliefert worden! Sie werden es nicht glauben, aber ihr schmeckte die Nudelsuppe in dieser ‚Anstaltskantine’ so gut, dass sie nirgends wo anders mehr hin wollte. Ist schon verrückt, gell?

Na – und ich besuch sie halt jetzt so oft ich kann. Aber immer hat man ja auch keine Zeit! Schließlich müssen wir alle ziemlich ‚hackeln’! Denn wir haben ja alle keinen Geldscheißer daheim…

Aber davon abgesehen – auch wenn das jetzt vielleicht ein bissel komisch klingt  – gehör’ ich nicht zu den Bekloppten hier in der ‚Anstalt’!

Obwohl in der Früh um Sechs – muss ich ehrlich sagen – wenn ich in meinem Bad vor dem Spiegel stehe und mir diese ‚Watschenpappen’ anschau’, die mir da entgegengrinst, bin ich mir oft nicht mehr so sicher, ob ich, der Hubert Spiegel, nicht doch auch zu den Depperten gehör’!

Und auch nicht – ob der, der mir da so blöd entgegen grinst, ich bin? Oder nicht ein ganz anderer? Ein ‚Spanner’ vielleicht? Oder sogar einer von diesen  ‚Stalkern’, wie die Amis sagen…

Kennen Sie das auch, dass so ein ‚Watschenpapperter’ Sie jeden Tag bis ins Badezimmer verfolgt? Bis vor den Spiegel? Das Einzige was mir da hilft ist, dass ich einfach die Zunge raus strecke!

So!!!  Ja – so richtig lang meinen Schlecker raushängen lass’ …

Wenn der andere mir dann nämlich auch seinen Schlecker zeigt, dann weiß ich wenigstens, dass der genau so ein Blödel ist wie ich und ich mir keinen Kopf machen muss, wenn er bei mir im Bad herumlungert – soll er doch!

Schlau, gell?

Na ja, man hat halt so seine Tricks ausgetüftelt über die Jahre – schließlich ist man ja nicht ganz kaputt im Hirn! Sicherheitshalber mach’ ich dann aber schon öfters auch noch einen ‚Ohrwascheltest’!

Kennen Sie den? Der ist nämlich gar nicht so ohne…

Was glauben Sie wie lange dieser ‚Watschentyp’ in meinem Bad gebraucht hat, bis der den begriffen hat und mich überzeugen hat können, dass er wirklich kein schlimmer Finger ist, der mir an die Wäsche will! Das kann ich nämlich überhaupt nicht leiden: diese Schwuchteln fürcht’ ich wie der Teufel das Weihwasser!

Jedenfalls war es am Anfang immer so, dass wenn ich bei dem Ohrwascheltest meinen Schlecker rausgestreckt hab’ – und der ‚Watschenpapperte’ auch – und ich mir dann mit der rechten Hand ans rechte Ohrwaschel gegriffen hab’, weil ich wissen wollt’, was der andere jetzt macht – dann hat dieser ‚Teufel’ sich jedes Mal exakt mit der linken Hand ans linke Ohrwaschel gegriffen… Genau andersrum als ich? Können Sie sich das vorstellen? Und das jedes Mal…

Anfangs bin ich fast verrückt geworden! Ich konnt’ einfach nicht glauben, dass dieser ‚blöde Teufel’ es nicht schafft, so was Einfaches nach zu machen, sondern immer genau das Gegenteil machen muss? Das konnt’ ich echt nicht glauben…

Und ehrlich – ich hab’ mich dann nur an der heraushängenden Zunge orientiert, um sicher zu gehen, dass das wirklich nur der mir bekannte Blödel ist…

Aber einfach war das nicht!

Weil das Hinterfotzige an dem Saukerl war nämlich, dass der sich manchmal schon mit seiner rechten Pratzen auf sein rechtes Ohrwaschel gegriffen hat!

Ja – das hat er schon gemacht! Aber wissen Sie, wann er das gemacht hat? Nämlich genau dann, wenn ich mit meiner linken Hand auf mein linkes Ohrwaschel gegriffen hab’ – ausgerechnet dann hat er es mit der rechten Hand gemacht dieser Saukerl – aber sonst nicht! Nicht ums verrecken…

Und das um Sechs in der Früh und jeden Tag – außer am Sonntag, weil ich mich da nicht wasch’ und gar nicht ins Bad geh’! Da mach ich mich nämlich eh in der Kirche nass –  mit dem Weihwasser!

Also – wer bei so einem Affenzirkus jeden Tag, nicht selbst blöd im Hirn wird, der ist entweder schon komplett vertrottelt, oder bei dem geht – entschuldigen Sie wenn ich das so drastisch sag’ – sowieso alles am Arsch vorbei!

Aber bei mir geht natürlich nichts vorbei, wie Sie sich denken können? Wer bin ich denn? Ich bin doch nicht meine Mama?

Ja – bei meiner Mama, hätte dieser ‚Teufel’ im Badezimmer natürlich ewig so weiter machen können, die hätte sich nicht gewehrt; die hat sich ja immer schon von jedem komischen Schmähführer einwickeln und ausnutzen lassen.

Aber mit mir ging das natürlich nicht! Dazu bin ich doch viel zu abgedreht…

Wissen Sie, wie ich letzten Dienstag diesen Saukerl dann überlistet hab’?

Um Sechs in der Früh! In meinem Bad! Ich wette das erraten Sie nie und nimmer, obwohl es eigentlich total logisch ist, wenn man’s genau nimmt!

Weil – als ich letzten Dienstag –  wieder vor dieser grinsenden ‚Watschenpappen’ gestanden bin – mit einem heraushängenden Schlecker bis zu den Brustwarzen – und dieser Teufel auch seinen Lappen raushängen hat lassen – da bin ich – abgedreht wie ich bin – erst auch wieder ganz langsam mit meiner rechten Hand zum rechten Ohrwaschel gegangen – aber als der andere dann wie immer nur blöd gegrinst hat und mit seiner linken Pratzen zum linken Ohrwaschel greifen wollt’ – da hab ich wie der Blitz meine linke Hand nachgezogen – so dass dieser Armleuchter mir gegenüber gar nichts Anderes tun konnte, als sich auch an sein rechtes Ohrwaschel zu greifen – genau wie er es immer gemacht hat…

Und ich hätte mir wirklich gewünscht, liebe Leut’,  dass Sie das blöde Gesicht sehen hätten können, was mir dieser Trottel mit seiner heraushängenden Zunge da  plötzlich entgegen gehalten hat – so mit beiden Pratzen an beiden Ohrwascheln – und zwar haargenau wie ich – und nichts mehr links! rechts! und so…

Für mich war das wie ein Befreiungsschlag auf’n Kopf kann ich Ihnen sagen!

Denn auf einmal ist mir aufgegangen – dass dieser ‚watschenpapperte Arsch’ mich die ganze Zeit nur abgetäuscht hat, mit seinem ‚Links – Rechts Dradiwaberl’ – und dass der in Wirklichkeit ja gar kein anderer war! Nein absolut nicht! Sondern, dass der eh immer nur ich war! Ja ich, ich, ich – mit mir – und niemand anderem.

Können Sie sich das vorstellen?

Und was glauben Sie, wie wir dann alle zwei gelacht haben, wie wir da draufgekommen sind! Wir haben uns gekringelt vor Lachen – alle zwei – und haben uns richtig abgehauen und überhaupt nimmer eingekriegt…ein Wahnsinn war das – echt!

Und jetzt werden Sie sicher auch versteh’n, warum ich heute da bin!

Ich muss das nämlich unbedingt meiner Mama erzählen – unbedingt! Auch wenn sie wieder meckern wird, weil sie vorher noch ihre Nudelsuppe essen will!

Aber sie muss einfach wissen, dass in meinem Badezimmer niemals ein Fremder gewesen ist – überhaupt nie! Sondern immer nur ich – und das sogar mit mir…

Drum nichts für ungut und Servus alle miteinander – aber ich muss jetzt zu ihr! Sie braucht mich!“

KH

PS: Über dieses Ereignis berichtet der Autor (in Wiener Dialekt) im Rahmen der diesjährigen Halloween-Veranstaltung der ‚Autorengruppe ZwanzigZehn’ im Olof Palme Haus in Hanau.

Klaus Hnilica
Donnerstag, der 25. Februar 2016

Das Dvorak Requiem

ZZZimagesSie war froh.
Und er war froh.
Die Dvorak ging mit ihm – und er mit ihr – zu Margots Geburtstagsfeier.
Erst vor zwei Tagen war er mit der Dvorak auf ‚ihrem Requiem’ gewesen.
Er fand das lustig.
Sie nicht.
Das Dvorak Requiem war unbeschreiblich gewesen! Der Chor gewaltig und die Musik erschütternd wie das Ende der Tage.
Aber soweit war es noch nicht.
Margot war Siebzig geworden und wollte feiern. Ihr Mann war längst tot, und die alten Freunde wurden immer weniger.
Mit dem Golfhotel hatte sie eine feine Adresse gewählt. Leckeres Essen war garantiert. Alles andere wär eine Enttäuschung gewesen. Die Dvorak freute sich darauf. Sie aß für ihr Leben gern. Natürlich mit Folgen! Ein lebenslanger Kampf! Aussichtslos!

Dienstag siebzehn Uhr fünfundvierzig bei ihm, hatten sie gesagt.
Um achtzehn Uhr begann das Fest.
Zwei Stunden vorher rief er die Dvorak an.
Keine Reaktion.
Wahrscheinlich noch unterwegs. Oder sie duschte.
Viel zu schnell griff er gleich wieder zum Hörer.
Nichts!
Wo blieb denn ihr Anruf? Das tat sie doch sonst immer.
Er versuchte es noch etliche Male auf ihrem Handy.
Dumme Pute wollte er sagen. Konnte er aber nicht. Hatte ja keine Verbindung.
Schließlich gab er auf.
Unruhig und enttäuscht fuhr er alleine los…
Aber vielleicht musste sie ja überraschend zu ihrer krebskranken Tochter. Oder ihr uralter Vater wollte plötzlich doch sterben.
Oder sie musste sich erlösen von all’ dem Übel und war neben dem Glas Rotwein eingeschlafen.
Da hätte er nicht stören mögen.

Als er der Erste auf dem Fest war – hatte er Gewissensbisse.
Er hätte doch länger auf die Dvorak warten sollen. Sie wär bestimmt noch gekommen.
Margot war überrascht, dass er sie nicht mitbrachte.
Und seine Frau auch nicht. Aber das wusste sie ja.
Ach, die Dvorak kam bestimmt noch. Die hätte sich sonst auf jeden Fall abgemeldet. War viel zu gewissenhaft.
Niemand hatte da die geringsten Zweifel.
Auch nicht als es schon hoch herging und die Gäste mit der Animateurin allerlei Gymnastik zwischen den köstlichen Speisefolgen machen mussten.
Das hätte die Dvorak nicht mögen.
Als hätte sie es geahnt.
Hat sie ja vielleicht. Sie hasste Gymnastik wie die Pest.
Warum musste man im Alter unbedingt gelenkig sein?

Komisch, ihr Stuhl blieb leer. Obwohl die Lücke am Tisch störend war.
Ihr Gedeck hatte man auch noch nicht weggetan.
Ein eigenartiger Scherz war das schon von ihr.
Einfach nicht erscheinen.
Ohne ein Wort .
Ohne Entschuldigung. Aber bei aller Zuverlässigkeit konnte sie eben auch störrisch sein, dass wussten alle, die sie kannten, die Dvorak.

Das Fest war gediegen!
Alles perfekt organisiert.
Margot gab ihr Bestes und ihre charmante Tochter auch.
Beide waren Profis. Wussten wie man Stimmung macht.
Den schalen Geschmack im Mund hatte wahrscheinlich nur er, als bei der Oldie– Einlage zum Schluss, die gleichen Sänger auftraten wie im Dvorak Requiem.
Die Dvorak hätte gelacht, bei dieser unfreiwilligen Komik.
Lachen konnte sie. Und wie!

Ja und dann war der Abend auch schon vorbei.
Und die Dvorak nicht gekommen.
Schade!
Er zockelte alleine heim und rauchte noch ein Zigarillo.
Ein Glas Rotwein gönnte er sich auch.
Endlich der Anruf:
Arg spät, liebe Frau Dvorak!
Aber sie war es nicht.
Sie war schon tot.
Während der zweiten Vorspeise auf dem Fest, hatte ihr Sohn sie gefunden.
Er war über den Balkon ins Haus gestiegen, da der Haustürschlüssel innen steckte.
Die Dvorak saß auf der Stiege.
Einen Schuh hatte sie schon an.
Dann lehnte sie sich an die Wand und blieb so sitzen.
Eine ganze Nacht – und einen Tag.
Herzstillstand. Sekundentod.
Ihr alter Hund bewachte sie.
Er war taub.
‚Ihr Requiem’ – hätte er nicht hören können…

KH

 

Detlev Six
Samstag, der 2. Januar 2016

Neues von Gott und dem großen Bumser.

Sie haben das ganze Jahr geschossen.

Im nahen Osten, um den einzig wahren Gott zu ermitteln.

In Genf auf der Suche nach dem ultimativen Gottesteilchen.

Im nahen Osten soll ein wenig über den Frieden gesprochen werden, der erste maßgebliche Teilnehmer wurde inzwischen erschossen.

In Genf zeigen die Schussmessdaten des Large Hadron Colliders (der große Bumser) eine winzig kleine Erkenntnis-Beule, die möglicherweise in 2016 noch wachsen soll.

Was lernen wir daraus?

Erstens:
Die Suche nach der letzten Wahrheit ist in Wahrheit eine einzige Schießerei.

Zweitens:
Wir sollten statt nach der letzten Wahrheit, nach den vorletzten Wahrheiten suchen.

Möglicherweise gibt es die eine oder andere davon ohne Schusswechsel.

SIX

Roland Dürre
Sonntag, der 6. Dezember 2015

Was ich nicht mag #34 – Lobbyismus, Marketing und ihre Verbände.

Im letzten Artikel habe ich versucht, meinen Pessimismus zu Best Practice, Methoden, Prozessen, Normierung, Zertifizierung usw. zu formulieren.

bild02791Daran muss ich denken, weil ich im ICE sitze, Hunger habe und trotzdem den per Durchsage im „Bordbistro“ angepriesenen Spaghetti Bolognese tapfer widerstehe. Und das, obwohl ich Spaghetti Bolognese sehr mag, aber eben nicht als „convenient food“.

Besonders, wenn diese heute bundesweit in allen ICEs auf deutschen Schienen angepriesen und serviert werden. Hergestellt und verteilt im Rahmen eines  optimierten und präzise abgearbeiteten Prozess. Mit viel Plastik als Prozessmittel.

Die Erinnerung, wie gut ich vor ein paar Jahren (2009)  in einem rumänischen Speisewagen „gespeist“ habe (im wahrsten Sinn des Wortes), macht es noch schlimmer. Es gab zwar „nur“ Fleisch, Gemüse und Kartoffeln, aber alles so richtig frisch auf dem Gasherd zubereitet. Köstlich. Bei mir kommt Bedauern auf, dass das alles vorbei ist.

Jetzt überlege ich mir, wer diese Entwicklung verursacht hat. Weg von individueller Qualität hin zum gesicherten und sterilen Mittelmaß. Sicher hat die Industrie ihre Mitschuld. Aber auch die Konsumenten haben das kräftig mit ihrem „Geiz ist geil“ befördert.

Aber ich wollte ja über Vereine schreiben. Wegen meinem Ärger, dass es „freie“ Vereine gibt, die diesen Unsinn der Normierung und Zertifizierung in der Welt auch noch befördern. Und jeden „Sch….“ auditieren“ und die angebliche Fähigkeit, diesen „Sch….“ anzuwenden, auch noch für teures Geld zertifizieren.

Aber gehen wir eine Ebene höher in die Welt der Vereine und Verbände. Deutschland ist ja so etwas wie das Land der Vereinsmeierei. Fairerweise muss gesagt werden, dass Vereine sehr unterschiedlich sind und verschiedene Zwecke haben können. Da gibt es NGOs, die in meiner Bewertung sich wie eine Trutzburg durch die Zeit erhalten haben. Dazu rechne ich AI (Amnesty International). Das sind aber in meiner Beobachtung nur ganz wenige. Zu stark ist die Kraft der Korruption, die vieles in den Sumpf oder zumindest in die Mittelmäßigkeit zieht.

Manche Vereine sind mit „edlen“ Motiven gestartet und haben sich zum mächtigen, bürokratisch-kommerziellen System entwickelt. Sofern sie trotzdem immer noch einen wertvollen Beitrag für die Gesellschaft bringen, finde ich das zwar nicht optimal aber zumindest irgendwie in Ordnung. Da denke ich z.B. an das Rote Kreuz, Green Peace, BND (Bund Naturschutz – nicht den anderen, der ja auch gar kein Verein ist) und ähnliche Organisationen.

Es gibt auch Vereine, die für eine Verbesserung in ganz konkreten, auch wirtschaftlichen Bereichen gegründet worden sind, wie der Verein für die Einführung von Normen (DIN). Andere wollten differenziert sozial wirken wollen und konkrete gesellschaftliche Probleme angehen, die der Staat nicht zu lösen schafft . Die finde ich auch OK, solange sie ihrem Auftrag treu bleiben.

Sportvereine sind eine weitere und besondere Kategorie. Sie sind gegründet worden, um eine besondere oder neue Tätigkeit (Sportart?) in Gemeinschaft ausüben zu können. Und das ist doch schön. So ist mir ein Sportverein zum Beispiel für Breitensport lieber als ein Unternehmen, dass seine Fitness-Studios strategisch wie beim Monopoly-Spiel ausbreitet.

Da alle Vereine – wie auch die Unternehmen – soziale Systeme sind, unterliegen sie den normalen Regeln der Entwicklung von Systemen. Oft verlassen sie im Lauf der Zeit die idealistischen Prinzipien der Gründer. Das ist ganz normal. Der Erhalt des eigenen System wird oft (fast ist die Regel) zum Hauptziel des Vereins.

An Stelle des von den Gründern ersonnenen Zwecks wird das Überleben des Systems zum Selbstzweck. Das gepaart mit „systemische“ Gier führt schnell zu (extremer) Kommerzialisierung. Hier ordne ich den Motorsport-Klub ADAC, den Alpensport-Klub Alpenverein und ähnliche Institutionen ein.

Gerade im Segment „Sport“ werden Vereine schnell zu Unternehmen der Unterhaltungsindustrie, der Logik „Brot und Spiele“ folgend. Diese entwickeln dann häufig kriminelle Dach-Organisationen. Weil es halt gigantisch viel Geld zu verdienen gibt. Und das ist immer eine Gefahr. Denn Gier dominiert oft.

Es gibt aber auch Vereine, die nicht aus idealistischen sondern „räuberischen“ Motiven gegründet worden sind. Diese haben von Anfang an nur eine einzige Aufgabe: Sie wollen (müssen) Vorteile ihren Mitgliedern Vorteile verschaffen. Um das zu erreichen, gilt es  Macht zu entwickeln. Rücksichtnahme auf das Gemeinwohl stört da nur.

So sind sie bei der Wahl der Mittel nicht zimperlich, auch Bestechung ist ein übliches Werkzeug. Solche Verbände mag ich noch weniger als die FIFA und ähnliche Verirrungen, wie sie aktuell gehäuft entdeckt werden. Übrigens zum Teil dank „Whistle-Blower“, die wir dringend brauchen.

Wir nennen diese Vereine „Lobbies“. Ihre Angestellten sind die Lobbyisten. Die üben enormen Druck auf Politik und Parlament aus, um für ihre Unternehmen oder Branchen Vorteile durchzusetzen. In der Regel ist ihnen kein Mittel heilig. Wichtig ist ihnen nur, den Auftrag ihrer Mitglieder durchzusetzen. Der heißt: Alle Hindernisse müssen aus dem Weg geschafft werden, die die Mehrung von Umsatz und Gewinn stören könnten. Und Lösungen zu organisieren, mit denen die gemachten Gewinne privatisiert und die ab und zu nicht vermeidbaren Verluste sozialisiert werden können. Da darf es nur ein Bäh geben!

Ich meine:
Der Lobbyismus ist eine der beiden großen Gefahren für die Demokratie. Die andere ist das sogenannte Marketing – für mich die Industrie der Katzengoldverkäufer und Glückseinflüsterer. Die Marketing-Industrie hat ein einfaches Motto „Kauf Dich glücklich!“. Das wird mit filigranen Methoden und Techniken zur Manipulation von Menschen verkündet. So wird die persönliche Entwicklung eines autonomen und selbstverantwortetem Leben (das nennt man Freiheit) zumindest erschwert wenn nicht unmöglich gemacht.

Wahrscheinlich wäre die Welt ein wenig lebenswerter ohne Lobbyismus und Marketing. Aber irgendwie stehen wir dem ganzen so absolut hilflos gegenüber.

RMD

Klaus Hnilica
Donnerstag, der 8. Oktober 2015

Wir schaffen das! Oder die Gnade der Ahnungslosigkeit

Carl und Gerlinde (XLV)

Es gab Tage, da ahnte Carl bereits während des Aufwachens, bei dem Gerlindes elfenhaftes Gesäusel zwar schon an seine Basilarmembranen plätscherte, aber seine Augenlider noch nicht hochgeklappt waren, dass ihm Unangenehmes widerfahren würde.

ZZZZSimg211Entsprechend verkniffen fielen dann natürlich auch seine Gesichtszüge aus, die er während des Verzehrs seines Frühstückseies Gerlinde darbot und die sich eins zu eins in ihrer Miene widerspiegelten, so weit dies neuerdings zwischen den extrem aufdringlichen Illustrationen der ‚Frankfurter Allgemeinen’ überhaupt noch wahrnehmbar war.

Wie wenig ihn sein Gefühl auch diesmal trog, registrierte Carl, als ihm seine Sekretärin Bettina im Büro endlich den üblichen morgendlichen Kaffee servierte. Denn ihre bedeutungsvoll gekräuselten Lippen, weit geöffneten Augen und mehrfachen Versuche, die Kaffeetasse näher an ihn heran zuschieben, verhießen nichts Gutes.

Als sie ihm dabei noch zuflüsterte, dass Dr. Osterkorn um zehn Uhr dreißig zu einem Gespräch im großen Besprechungszimmer bittet – Unterlagen wären nicht nötig – war klar, dass sich seine düstere Ahnung auch dieses Mal erfüllen würde…

Überraschend war dann nur, dass neben Bernie alias Dr. Osterkorn sowie einer Reihe neuer unbekannter Gesichter, nicht nur die drei anderen Spartenleiter anwesend waren, sondern auch beide Geschäftsführer seiner Firma TRIGA.

Dr. Schäufele, dem kaufmännischen Geschäftsführer, oblag offensichtlich die Gesprächsführung, da er sich mit arg zerknautschtem Gesicht und ständigem Getuschel mit seinem Kollegen Dr. Tuchweber, an die Stirnseite des großen Besprechungstisches platziert hatte.

Carl schob sich, seiner gedämpften Stimmung entsprechend, unauffällig neben Miriam Braun, auf den einzigen noch freien Stuhl.

Dr. Schäufele kam sofort zur Sache! Nach dem sehr prononciert verlesenen Grußwort der Konzernleitung aus Düsseldorf verwies er, ohne von seinem Text hochzublicken, auf die gigantische nationale Aufgabe, die durch die dramatische Veränderung der politischen Großwetterlage auf Deutschland zukäme und der sich die Konzernleitung mit großem Respekt und Verantwortungsbewusstsein stellen werde.

Natürlich werde im Rahmen dieser noch nie da gewesenen Herausforderung – hier blickte Dr. Schäufele erstmals von seinem Manuskript hoch – auch die Firma TRIGA ihren angemessenen Beitrag leisten!

Dies umso mehr, fuhr Dr. Schäufele fort, als die Kanzlerin mit ihrem “Wir schaffen das“, ein klares Signal gesetzt habe! In ihrer unverwechselbaren Art, ohne sich in Details zu verlieren, habe sie damit nicht nur jedes Bundesland in Deutschland, jede Kommunen und jede Stadt zu einer Teilhabe an der Willkommenskultur gegenüber den Flüchtlingen aus Syrien eingeladen, sondern auch jeden Staatsbürger und jede Staatsbürgerin. Alle seien aufgerufen, sich an dieser großen gesamteuropäischen Aufgabe zu beteiligen und hinsichtlich ihrer menschlichen und monetären Ressourcen bis an die Grenze des Möglichen zu gehen. Und da die Asylverfahren beschleunigt würden, sei trotz steigender Flüchtlingszahlen dies alles ohne nennenswerte Aufstockung von Bundesmitteln zu bewältigen, so die Kanzlerin!

Es sei kein Wunder, sagte Dr. Schäufele, mit schmalen Lippen, dass die Kanzlerin angesichts dieser vorbildhaften Einstellung von weiten Teilen der Presse gefeiert und vereinzelt sogar mit dem Friedensnobelpreis in Zusammenhang gebracht wurde!

Angespornt von diesen aufrüttelnden Worten der Kanzlerin, appelliere daher auch die Konzernleitung an alle Konzernfirmen, ebenfalls ihren Beitrag zu diesem großen nationalen Programm zu leisten und unbedingt über die Einbindung junger, geschulter und ungeschulter Kriegsflüchtlinge nachzudenken! Wie das im Einzelnen zu geschehen habe, würde, so Dr. Schäufele, eine speziell Arbeitsgruppe zum gegebenen Zeitpunkt konzerneinheitlich erarbeiten und an alle Sparten und Abteilungen der einzelnen Konzernfirmen durchstellen; natürlich mit der Maßgabe, dass sämtliches ungeplante Fremdpersonal innerhalb von drei Jahren derart in die laufenden Arbeitsprozesse eingebunden werden müsse, dass sowohl die aktuellen als auch mittelfristigen Umsatz- und Ergebnisziele nicht negativ beeinflusst werden und es somit zu keinerlei Beeinträchtigung der festgelegten Konzernkennzahlen komme: denn niemand – meine Damen und Herren – mahnte Dr. Schäufele mit sorgenvoller Miene, begleitet von einem heftigen Kopfnicken des Technischen Geschäftsführers Dr. Tuchweber, könne und wolle selbst während dieser schwierigen Wochen und Monate eine Gewinnwarnung des Konzerns riskieren! Niemand könne das wollen! Niemand!

Und um dem vorzubeugen, fiel Dr. Tuchweber seinem kaufmännischen Kollegen, Dr. Schäufele, ins Wort, erwarte er von der gesamten Führungscrew der Firma TRIGA, dass sie so motivierend auf ihre Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen einwirke, dass jeder Einzelne den Ernst der Lage erkenne und zukünftig nicht nur hundert Prozent, sondern die eben schon implizit geforderten hundertzwanzig Prozent seines persönliches Leistungsvermögen abrufe! Denn nur so, mahnte Dr. Tuchweber mit festem Blick in die Runde, werde Deutschland diese gigantische Aufgabe der geordneten Kanalisierung der Flüchtlingsströme bewältigen können.

Angesichts der sich nach diesem eindringlichen Appell der Geschäftsführung ausbreitenden Hochstimmung im Besprechungsraum wagte Carl die Frage, ob auch die Konzernleitung ihrerseits einen eigenen Beitrag erwäge und außerplanmäßig zusätzliche Gelder für diese große nationale Aufgabe bereitzustellen gedenke, nicht mehr laut auszusprechen, sondern nur noch seiner für den Vertrieb von Unterwäsche zuständigen Sitznachbarin Miriam Braun zuzuflüstern.

Doch noch während Miriam Braun, hilflos lächelnd, mehrmals ihre Schultern hochzog, verfestigte sich bei Carl schon die Gewissheit, dass sowohl diese Konzernleitung, als auch seine Geschäftsführung, ähnlich wie die Mitglieder der Bundesregierung, weniger um ihre gut ausgestattete monetäre Versorgung zu beneiden waren, sondern viel mehr noch um die ‚beispiellose Gnade der Ahnungslosigkeit’, mit der sie allesamt gesegnet waren. Hervorgerufen und sichergestellt durch eine alle Bereiche durchdringende hierarchische Ordnungs- und Befehlsstruktur, die wie ein präzis arbeitendes Filtersystem alles aussortierte, was ‚oben’ weder gehört noch gesehen werden wollte!
Ja selbst die Herstellung von läppischen Unterhosen geschah nach diesem Muster.

Da aber Carl dieser Gnade nie ausgesetzt sein wollte, ja plötzlich sogar von einer unerwarteten Übelkeit beschlichen wurde, die durchaus auch auf alle anderen im Raum und im Lande übergreifen konnte, sprang er zum Erstaunen der übrigen Gesprächsteilnehmer spontan auf und verließ kopfschüttelnd die Besprechung…

KH

Roland Dürre
Dienstag, der 8. September 2015

Hi Regierungen, bitte mehr denken beim Gesetze machen!

§ § § § § § § § § § § …. … …

Immer mehr gewinne ich den Eindruck, dass immer schneller immer mehr immer fragwürdige Gesetze immer schlampiger gemacht werden. Sei es auf bayerischer, deutscher oder europäischer Ebene.

Dies möchte ich an harmlosen Beispielen zeigen, harmlos deshalb, weil es Gesetze sind, wegen denen wohl noch nie jemand wesentlich bestraft oder geschädigt worden sein durfte. Und die wahrscheinlich auch nichts Schlimmes bewirkt haben.

Unter anderem sind dies das Kulturgutschutzgesetz, das reformiert und verschärft werden soll, das Telemediengesetz mit seinem Punkt Störerhaftung (betreffend Haftung bei WLAN) und last not least das auch sehr umstrittene Gesetz zur Tarifeinheit.

Das erste Gesetz ist am 10. August 1955 verabschiedet worden. Es sollte den Ausverkauf der deutschen Geschichts- und Kunst Heilgtümer verhindern. Es war wohl eine Reaktion auf Maßnahmen, die Länder wie Ägypten ergriffen haben, um den Kunstraub durch fremde Länder zu erschweren.

Jetzt soll es erneuert werden – und schon jetzt wird eine Debatte geführt, die eigentlich nur den Unsinn dieses Gesetzes klar macht.  Da stellt sich mir die Frage: Warum überprüft man solche Gesetze nicht bevor man sie erneuert? Und fragt sich, welchen Nutzen und welchen Schaden sie eigentlich gebracht haben, Besonders da jedes Gesetz, dass nichts nutzt, allein schon durch seine Existenz schadet? Und warum hat man nicht den Mut, ein Gesetz, dass nichts nutzt einfach abzuschaffen?

Aber nein, an Stelle mal aufzuräumen macht man immer mehr sinnlose Gesetze. Weil man meint, dass „Gesetze abschaffen“ schon sehr mutig wäre. Warum eigentlich?

So sorgt auch das Thema der „Störerhaftung“ als Teil des Telemediengesetzes nur für Verdruss. Auf meinen Reisen bin ich oft begeistert, wie unproblematisch in vielen Ländern der Welt der Zugang zum im Internet funktioniert. Aber wehe du betrittst Deutschen Boden …

Die Störerhaftung scheint mir auch so ein Thema zu sein, das dem besonderen Sicherheitsbedürfnis und der Misstrauenskultur unserer zivilisierten Welt aber auch der deutschen Mentalität (german angst?) entgegen kommt. Wer will hier schon, dass Fremde einen Pfad durch unser Grundstück benutzen?

Ein anderes Beispiel ist das Tarifeinheitsgesetz. Auch das war ein Rohrkrepierer. Ich zitiere zuerst Mal aus Wikipedia:

Seit dem 10. Juli 2015 gilt in Deutschland das Gesetz zur Tarifeinheit (Tarifeinheitsgesetz). Es sieht vor, dass bei kollidierenden Tarifverträgen in einem Betrieb nur die Rechtsnormen des Tarifvertrags derjenigen Gewerkschaft anwendbar sind, die zum Zeitpunkt des Abschlusses des zuletzt abgeschlossenen Tarifvertrags im Betrieb die meisten Mitglieder hat. Das Gesetz wurde von Gewerkschaften und Opposition scharf kritisiert und ist Gegenstand mehrerer Verfassungsbeschwerden.

Bei diesem Gesetz konnte man nicht prüfen, ob es etwas taugt. Denn blöderweise wird es wohl nie angewendet werden, hat es doch schon im ersten Anwendungsfall versagt. Das war die Auseinandersetzung zwischen GDL (Gewerkschaft der Lokomotivführer) und der Bahn AG. Für diese Tarifauseinandersetzung wurde das Gesetz ja eigentlich gemacht.

Und was ist passiert? Die Einigung der beiden Parteien war in der Schlichtung nur möglich, weil diese auf Vorschlag des Schlichters (übrigens einem Landesvater, der „der Linken“ angehört) überein kamen, dieses Gesetz nicht anzuwenden. Und so der Weg zur Einigung frei gemacht wurde.

Für mich klingt das so:
Ich schreibe ein Programm für einen Kunden. Und der schließt gleich mal aus, es einzusetzen. Wäre doch ein Grund, an der Leistungsfähigkeit meines Programms zu zweifeln …

Es gibt übrigens mehr so Gesetze, die nie angewendet worden sind. Wie zum Beispiel das zur Mitarbeiterbeteiligung. Im Frühjahr 2010 beschloss die große Koalition, mit steuerlichen Anreizen die Beteiligung von Mitarbeitern an Unternehmen stärker zu fördern. Ein komplexes Gesetz, das meines Wissens auch noch nie angewendet wurde.

Um dieses wie die drei oben genannten Themen ist es still geworden. Wie auch um das Mautgesetz, auch das ist noch nicht so ganz lange her.

Aber gerade bei Gesetzen dürfte die einfache Weisheit „weniger ist mehr“ gelten. Das Gegenteil ist aber der Fall, aus dem Europäischen und nationalen Wolken hagelt es Gesetz um Gesetz. Und manche Ankündigung jagt uns wie Blitz und Donner einen gehörigen Schreck ein. So will Frau Nahles noch in dieser Regierungsperiode die „Scheinselbstständigkeit“ neu regeln! Mit dem erklärten Ziel, dass auch wirklich ein jeder in die Sozialversicherungskasse einzahlen muss.

Da kann für wahr nichts gutes herauskommen. Ich bin schon mal gespannt.

RMD