Roland Dürre
Dienstag, der 25. Oktober 2016

Winterzeit & Sommerzeit – so sinnlos wie ein Kropf

P1070194Jetzt sag ich mal meine Meinung!

Am 30. Oktober ist es wieder so weit. Da werden die Uhren nachts um 2:00 für eine Stunde angehalten. Dann dürfen sie wieder weiterlaufen. Oder man stellt sie am Morgen um eine Stunde zurück. War es gerade noch 8:00, ist es schlagartig 7:00. Am Abend wird es plötzlich viel zu früh dunkel …

Ich habe dann wieder meine 3 – 5 schummrigen Tage vor mir. Denn irgendwie macht mir die „homöopathische“ Zeitumstellung um nur eine Stunde komischer Weise mehr zu schaffen als ein „Jetlag“ von mehreren Stunden.

Die Unfallstatistik – ob Verkehr oder Haushalt – weist zur Zeitumstellung auch wieder einen Ausreißer nach oben aus. Wahrscheinlich stirbt der eine oder andere an der Zeitumstellung. Und am 26. März 2017 geht es dann wieder zurück.

Dieses Manöver soll ja Energie sparen. Nur weiß ich nicht, wie das gehen soll. Wenn dann könnte das ja nur beim Licht stattfinden. Aber wie soll das funktionieren? Die Aktivitäten der Menschen werden doch nur um eine Stunde nach hinten geschoben? Wenn man das Licht eine Stunde früher ausschaltet und dafür eine Stunde früher einschaltet, dann klingt das doch arg nach einem Nullsummenspiel …

Wie die meisten Menschen, die ich kenne, halte ich dieses Zeitumstellungs-Theater für kompletten Unsinn. Für mich ist es ein weiteres Beispiel für unsere trostlose politische Situation: Ein bayerischer Alleingang würde wahrscheinlich zu schwerwiegenden Konflikten mit Berlin führen. Ein deutscher Alleingang ist wegen EU-Recht nicht möglich. Und dass die EU mal etwas sinnvolles beschließt erscheint mir immer unwahrscheinlicher.

So werden wir wahrscheinlich noch Jahre mit diesem Blödsinn leben müssen. Bis diese EU dann mal zerfällt.

RMD

P.S.
Dass Putin in Russland in Russland diesen Blödsinn beendet hat, traue ich mich ja fast gar nicht mehr zu erwähnen, denn der ist ja ein antidemokratischer Diktator, der nicht vom Volk gewählt wurde. Er hat allerdings auf Winterzeit umgestellt – ich würde dagegen auf Sommerzeit umstellen. Weil das besser zu uns passt.

An dieser Stelle möchte ich meinen Dank den tapferen Wallonen aussprechen, dass sie sich dem Wachstums- und Effizienzwahn einer vom Spätkapitalismus dominierten weltweiten Lobbystruktur entgegenstemmen.

Wenn es um Menschlichkeit und Solidarität geht, dann denke ich gerne global. Aber wenn es darum geht, die totale freie Fahrt für Großkonzerne zu schaffen, dann denke ich lokal. Und wünsche mir regionale Schutzmechanismen und keinen Offenbarungseid und die Preisgabe jeglicher Selbstbestimmung.

Auch wenn man für solch eine Meinung gerne ausgebuht wird. Witzigerweise besonders von den Gabriels und Schulzen dieser Welt.

Roland Dürre
Mittwoch, der 16. Dezember 2015

Was ich nicht mag #35 – Systemagenten.

Dürre_RolandNicht zu vermeiden – im Laufe meines „vernetzten Lebens“ bin ich auch immer wieder Politikern und Funktionären von Verbänden und Vereinen begegnet. Die Vertreter von solchen Systemen sind auch nur Menschen. Man darf nicht zu hart mit ihnen ins Gericht gehen. Es ist aber erstaunlich, wie viele ganz verschiedene „Gesichter“ ich hier finde.

In vielen Vereinen gibt es wunderbare Menschen, die mit Kompetenz, Idealismus und Können für eine Sache arbeiten und zum Beispiel fähig sind, Menschen zu integrieren. Aber auch in diesem Kreis treffe ich (zu oft) Menschen, die eben nicht für die gemeinsame Sache wirken sondern ihre „eigene Agenda“ haben. So ist es nur logisch, dass häufig Entscheidungen für die eigenen Interessen und nicht am Gemeinwohl orientiert gefällt werden.

Wende ich meinen Blick weg von den Vereinen – da wo man überwiegend auch ehrenamtlich arbeitet – hinein in die Welt der Verbände und Parteien, dann wird das Bild schnell negativ. Da herrschen die Systemagenten vor, die oft auch noch „Systemagenten“ in eigener Sache sind. So gibt es eine Reihe von Persönlichkeiten im großen wie im kleinen „öffentlichen Leben“, die ich gar nicht so mag.

Meistens sind es Menschen von Mittelmaß, die sich wesentlich aus ihrer Rolle oder ihrem Amt heraus definieren und sich so enorm profilieren und wichtig machen. Weil sie in ihrem sonstigen Leben nicht ernst genommen werden und dies nur kraft ihres Amtes und Rolle kompensieren können. Und ihre geliehene Autorität für den persönlichen Erfolg nutzen.

Oft verstecken sie sich hinter Regeln, betonen Rücksicht nehmen zu müssen, begründen mangelnde Einscheidung durch Sachzwänge, operieren mit moralischen Belehrungen (das geht doch nicht!) und bringen unter dem Strich nichts „nach vorne“. Schlimmer – wegen mangelnder Bildung, Intellekts oder Persönlichkeit bringen sie vieles durcheinander.

Sie leben von der Kraft ihres Systems, das sich manchmal schon im Todeskampf (Agonie) befindet, diesen aber aufgrund seiner Reichtümer lange überleben kann. Dass sie und „ihr“ System immer weniger wertgeschätzt werden, ist ihnen egal sein, sie haben ja den Glanz (und das gute Einkommen) ihres Amtes.

Wie haben solche Menschen es geschafft, in der Hierarchie des Verbandes, Vereins oder der Partei in oft erstaunlich hohe Positionen zu kommen? Es ist ihr „Sitzfleisch“ und die Fähigkeit, negative Rückmeldungen einfach zu ignorieren, das sie auszeichnet. So dienen sie sich in Rollen hoch, die anderen „zu blöd“ sind und bewegen sich beharrlich durch die Instanzen des Systems. Auf dem Wege stecken sie viel ein, ihre wahre Stärke ist das Erdulden, Ignorieren und „stur weiter machen“.

Als Lohn winkt die lang ersehnte Wichtigkeit. Dass diese nur geliehen ist, stört sie nicht. Mit jedem Karriere-Schritt stehen sie ein wenig mehr im Mittelpunkt. Am Ziel können sind sie dank ihres Amtes „ein Jemand“, fühlen sich als Sieger und bekommen oft auch reichen materiellen Lohn (meistens direkt wie indirekt). Beides hätten sie auf einem anderen Weg kaum erreicht.

Die Liste der Personen und Verbände und Parteien die ich hier meine, ist sehr lang. Mir fallen da eine Reihe von Vertretern ein von
Interessensverbänden aller Art, Wirtschaftsverbände und IHKs, Arbeitgeber- und Arbeitnehmerverbände, Groß-Klubs wie z.B. für die Autobürger, diverse Sportorganisationen und kirchliche Verbände. Verbände, die sich Standesvertretungen oder Berufsgruppen fühlen, gehören dazu wie auch die, die sich auf berufliche Themen spezialisieren oder sich im Besitz einer Weisheit für „best practice“ oder ähnlichem wähnen.Sogar NGO’s, die „Gutes“ tun wollen leiden an solchen „Systemagenten“. Und erliegen dann nicht selten dem Kommerz.

Mittlerweile gibt es übrigens eine Inflation an Vereinen und Verbänden, für alles mögliche und jeden Zweck. So werden die Jobs für Systemagenten werden immer mehr. Aber es wird noch schlimmer, wenn ich mir die Parteien und die Lobby anschaue.

So erscheint mir überdurchschnittlich negativ die Situation bei den politischen Parteien und ihren angeschlossenen Institutionen (z.B. zur Förderung zur politischen Meinungsbildung ). Sie sollen Varianten von gesellschaftlichem Konsens generieren, die dann demokratisch zur Wahl gestellt werden können. Das funktioniert nicht mehr. Ein Bürgermeister einer nicht zu kleinen Stadt am Rhein hat mir mal erzählt, dass neue Parteimitglieder in der Regel sich von ihrem Partei-Eintritt private Vorteile erhoffen. Wenn aber die Mitglieder schon so sind, kann man es dann den agierenden Politfunktionären vorwerfen, dass sie ihre Entscheidungen auch an persönlichen Vorteile orientieren?

Wenn solche Personen dann auch noch lamentieren, dass sie die einzigen wären, die etwas tun und den anderen vorwerfen, dass sie nur reden würden, dann platzt mir ab und zu der Kragen.

Ganz schlimm sind die Systemagenten von Lobbys, die Lobbyisten. Diese müssen und sollen die Interessen der Mitglieder ihres Verbandes in Gesellschaft und Politik pressen. Und so oft gegen das Gemeinwohl gerichtete Interessen mit „Zuckerbrot und Peitsche“, sprich mit allen Mitteln durchsetzen. Dies erfordert natürlich eine besonders schlimme Rücksichtslosigkeit gegen der Rest der Welt. Mein Stichwort: „Abschaum und Gesindel“.

RolandSchwimmen1Nur Jammern ist das Eine. Das ist nicht gut. Handeln ist besser. Deshalb müssen wir unsere eigene Trägheit verlassen und aus dem Zuschauen ein Tun machen.

RMD

Roland Dürre
Dienstag, der 24. März 2015

Auto und Autobahn – über alles.

AutobahnkleeblattHeute morgen in der SZ lese ich in der Kategorie „Landkreis“, dass bei einem Autobahn-Einzelprojekt in meiner Nähe, dessen Notwendigkeit ich auch nicht so recht verstehe, die Kosten von geplanten 25 Millionen um 19 Millionen steigen werden und das Projekt jetzt 44,3 € Millionen kosten wird.

Wahrscheinlich werden es in der Retrospektive dann noch mehr.

Ich zitiere aus der SZ, Landkreis München, 24.03.2015, aus einem Artikel mit der Überschrift:

Kostenexplosion an der A 99

Die Verlegung der Anschlussstelle Aschheim/Ismaning an der Autobahn A 99 von der Bundesstraße B 471 zur Kreisstraße M3 wird deutlich teurer als bisher kalkuliert. Das gab Landrat Christoph Göbel (CSU) in der Sitzung des Kreistags am Montagnachmittag im Pullacher Bürgerhaus bekannt. Die Autobahndirektion Südbayern hatte das Landratsamt demnach vergangene Woche darüber informiert, dass die Baumaßnahmen ein Gesamtvolumen von 44,3 Millionen Euro haben werden. Ursprünglich war man von Kosten in Höhe von mehr als 25 Millionen Euro ausgegangen, bei Baubeginn im Sommer 2013 war bereits von 29 Millionen Euro die Rede gewesen. Die neue Anschlussstelle an der Kreuzung der Autobahn A 99 und der Kreisstraße M 3 wird als Vollkleeblatt gebaut und die bisherige Einmündung der M 3 in die Bundesstraße B 471 zu einem Kreisverkehr mit Überführung für den durchgehenden Verkehr umgestaltet.

Besonders beeindruckt mich ein zweites Zitat in dem Artikel. Der Landrat Göbel sagt dazu laut diesem Artikel einfach mal so:

 „Dazu kommt eine allgemeine Kostensteigerung um 15 Prozent“.

Das kann ich mir gut vorstellen. Nur ich höre immer, dass wir zu wenig Inflation haben.

RMD

P.S.
Das Bild „AK-Detail“ ist von Wikoli aus der deutschsprachige Wikipedia. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons.

Roland Dürre
Donnerstag, der 13. November 2014

Laubbläser

Blick aus meinem Schlafzimmer von Neubiberg rüber nach Ottobrunn. Wer findet den Laubbläser?

Blick aus meinem Schlafzimmer in Neubiberg rüber nach Ottobrunn – Wer findet den Laubbläser?

Zurzeit blasen sie wieder.

Allen Ortens.

Schau ich morgens aus meinem Schlafzimmer über den kleinen Park hinweg, schon entdecke ich den ersten.

Auf dem Radweg ins Phönix (dem Schwimmbad in Ottobrunn) kreuze ich gleich die beiden nächsten. Und so geht es weiter.

Es gibt zwei Sorten von Laubbläsern. Die privaten, die in ihrer Luxusvilla neben verschiedenen Autos, Motorräder und Rollern halt auch noch den Rasenmäher und Laubbläser im Gartenhaus stehen haben müssen. Alles mit Verbrennungsmotor, damit es auch so richtig schön knattert. Und dann ab und zu mal rumblasen. Weil man das halt so tut. Diese Wahnsinnigen meine ich in diesem Artikel aber nicht.

Heute geht es mir um die professionellen Laubbläser. Die vom Gemeinde-Auto abgesetzt werden und dann mit Hör- und Mundschutz den ganzen Tag blasen müssen. Manche haben ihren Motor auf dem Rücken wie einen Rucksack, andere müssen das komplette Teil am Schultergurt tragen und manch ausgezeichnete haben ein vierrädriges Vehikel zum Blasen.

Diese Laubbläser ärgern mich besonders, wie mir die Menschen dahinter Leid tun. An feuchten Tagen wie heute morgen sind sie halbwegs erträglich. An den schönen trockenen Werktagen mit ein wenig Sonne sind sie allerdings für mich als Radfahrer die Hölle. Denn die wirbeln oft viel Staub auf – und so manches Partikel landet dann in den Augen des Radlers.

Ich will hier aber nicht über den Unsinn der Laubbläser schreiben. Das sie nur die Firmen wie Stiehl und andere reich machen, ansonsten aber nur lärmen und stinken. Das sie Benzin brauchen, dass oft ekelhaft stinkt – wenn der Laubbläser beim Nachfüllen ein wenig gezittert hat.

Jetzt sitze ich im Zug, im laubbläser-freien Abteil (auch Nutzung des Mobiltelefons ist hier verboten) und fahre zum EnjoyWorkCamp nach Stuttgart.

So muss ich an die Menschen denken, die in den Laubbläser-Kostümen stecken. Vier Stunden im Lärm, zwischendurch eine kleine Brotzeit, dann Mittagessen und nochmal vier Stunden im Lärm. Ganz alleine, unpersönlich. Das Laub von einer Ecke in die andere bewegen – und dann wieder zuschauen zu müssen, wie der Wind es dann wieder wo anders hin verteilt.

Jetzt stelle ich mir vor, wie sie antworten würden, wenn ich sie nach getaner Arbeit frage würde: „Wie war ihr Tag?“. Und fürchte da würde ich nichts Erfreuliches hören.

Dabei könnte es auch anders gehen. Wir könnten Menschen – immer zu zweit – mit einer rollenden Tonne, Schaufeln, Besen und Rechen losschicken. Die könnten sich während der Arbeit unterhalten. Und stolz auf die Anzahl von Tonnen sein, die sie wegschaffen.

Und vielleicht könnte man ihnen noch einen Sack für den Plastik- und sonstigen Müll (Zigarettenschachteln, Papier aller Art, Coffee2GO-Becher, Alu-Dosen …) mitgeben, der mittlerweile alle unsere Wege, Plätze und Straßen verunziert. Und ein Gerät, mit dem sie den Müll aufpicken. Dann könnten die Menschen auch noch stolz sein, dass sie eine Spur der Sauberkeit hinter sich lassen.

Wenn ich diese Menschen fragen würde „Wie war Ihr Tag“ könnten die Antworten vielleicht erfreulicher aussehen als bei den Laubbläsern. Es gibt doch genug Menschen, die ohne Job zu Hause sitzen – sei in Hartz4 oder auf Stütze. Das wäre vielleicht ein wenig teurer, aber bestimmt sinnvoller. Und bewegen an der frischen Luft schadet auch nie.

Jetzt sagen Sie aber bloss nicht, so war das doch früher mal!

RMD

P.S.
Apropos frische Luft: Die Geschichte lehrt noch etwas anderes. Immer wenn ich im Regen oder bei Schnee, allgemein bei schlechten Wetter gut gelaunt an meinem Ziel ankomme, werde ich verblüfft gefragt, wie man denn nur bei solch einem Wetter Radeln könne. Ich sage dann meistens, dass es kein falsches Wetter sondern nur falsche Kleidung gibt.

In Zukunft werde ich dann darauf hinweisen, dass es viele Menschen gibt, die bei jedem Wetter im freien Arbeiten müssen – wie eben die Laubbläser-Frauen und -Männer.

Roland Dürre
Freitag, der 15. August 2014

Start-up (1) – Scheitern

Wie so manchen Sommer schon befinde ich mich beim Zelten in Porto Ageranos. Der Platz liegt auf dem Peloponnes auf dem mittleren Finger, zirka 10 km südlich von Gythio, kurz bevor das wilde Mani beginnt. Vom Zelt sind es gerade 10 Meter zum Meer, die erste Nacht war schon mal so richtig gut. Und da wir die Gegend gut kennen sind wir sofort wieder so richtig zu Hause!

Die Zeit hier nutze ich zum Entspannen, Nachdenken, und nicht zuletzt zum Pläne schmieden. Und natürlich zum Schwimmen und Radfahren, gut Essen und einfach nur so mit den Lieben zusammen zu sein. Und natürlich zum Artikel schreiben (für IF-Blog.de).

Diesmal ist das Schwerpunktthema start ups

Ich kenne viele Menschen. Mit manchen davon bin ich freundschaftlich verbunden. Da sind auch viele junge Kollegen dabei. Mir scheint, dass ich mit der jungen Generation gut kann.

Seit ein paar Jahren beschäftige ich mich mit Gründungen von Unternehmen. So bin ich immer wieder in der Jury eines Business Plan Wettbewerbs, als Mentor betreue ich Menschen und Unternehmen, die im Werden sind (start ups). Dies mal enger, gelegentlich sporadisch. Und stecke so ein wenig in der Szene drin.

Die meisten Teams, die ich kenne und erlebe, sind toll. Fleißig und kreativ versuchen sie mit höchstem persönlichen Engagement auf vielen Ebenen basierend auf einer spannenden Idee ihr Leben eigenverantwortlich zu führen und ein Unternehmen aufzubauen.

Und dann scheitern sie.

Manche scheitern schon beim Start, andere nach Auslauf eines Förderprogrammes wie EXIST oder nach der ersten Finanzierung. Oft dauert der Leidensweg dann eine Weile bis zum endgültigen „Aus“, ab und zu wird am Schluss noch ein „Notausgang“ gefunden. Und nur ganz, ganz wenige werden erfolgreich, allerdings meist auf andere Art und Weise als vorher geplant.

Die meisten, die scheitern, haben einiges an Kraft und oft auch Geld gelassen. Ihnen bleibt nur der Trost, dass sie viel gelernt haben, also irgendwie dann doch „erfolgreich gescheitert“ sind. Das ist aber ein schwacher Trost, denn in bei einer alternativen Lebenslinie zum Beispiel in einem guten Job bei einem Mittelständler hätten sie vielleicht noch mehr für ihre persönliche Zukunft lernen können.

Das bewerte ich als eine gigantische Verschwendung von Kapital, Kreativität, Fleiß („waste“ im Sinne von Kaizen). Auch die Enttäuschung und der Frust der vielen betroffenen jungen Menschen schmerzt mich. Und ich denke mir oft, dass dieses häufige Scheitern in vielen Fällen vermeidbar gewesen wäre.

Denn das massenhafte Scheitern ist gut erklärbar. Die Gründer arbeiten in der Regel genauso, wie es die Expertise einer vergangenen Epoche ihnen vorgibt. Und dieses Muster hat noch nie besonders gut funktioniert, heute geht es in der Regel gar nicht mehr auf. Wie sollen in der Welt von morgen die Erfolgsmuster von gestern auch noch funktionieren?

Und die ganz wenigen Ausnahmen – die übrigens ausnahmslos aufgrund eines zusammen Kommens besonders glücklicher Zufälle basieren – bestätigen diese Regel.

Warum ist das Scheitern normal?

Die Antwort ist einfach. Zum Beispiel versuchen auch große Konzerne immer wieder, neue Produkte in den Markt zu bringen. Diese Konzerne verfügen über alles, was man für eine neue Produkt-Idee braucht: Beliebig viel Kapital, eine renommierte Marke, ein geniales Marketing, eine starke Marketing- und Vertriebs-Organisation, weltweiten Zugang zu den Märkten, tolle Ingenieure und Lieferanten und vieles mehr. Und vor allem, sie kennen ihren Markt, weil sie ihn sich oft über Jahrzehnte „erlernt“ und „erarbeitet“ haben.

Und trotzdem scheitern ihre Produkt-Entwicklungen. Im besten Fall sind nur 10 % solcher Entwicklungen am Markt leidlich erfolgreich. Bei strengeren Messkriterien noch viel weniger.

Nur wie will ein junges Team, das all das nicht hat, da mit halten? Nur mit jugendlicher Unbeschwertheit und Kreativität? Das ist doch Unsinn.

Ein Schluss könnte sein, dass junge Gründer nur eine reelle Chance in ganz neuen Märkten haben. Dann sollten junge Gründer (fast) alle Geschäftsideen, die sich in vorhandenen Technologien und Lösungen meiden. Die Entwicklung scheint diese Annahme zu bestätigen. Hier vielleicht eine erste vorsichtige Empfehlung an start-ups:

Aufpassen beim Eintritt in Märkte, die schon besetzt sind!

Große Konzerne stehen sich natürlich bei kreativen Themen mit ihrer Organisation und ihren Prozessen selber im Weg. Ihr Erfolg hat die negative Seite, dass man zwangsläufig in alten Mustern denkt. Das erkennen sie auch und sie suchen so die Innovation von außen. Sie gründen „acceleration“- und „invest“-Abteilungen und suchen die Kooperation mit „start-ups“. Das ist ja auch die neueste Idee von „unternehmerTUM“ der Technischen Universität wie auch vom neuen Oberbürgermeister der Landeshauptstadt München, Herrn Reiter.

Das Zauberwort „Kooperation von Konzernen und Start-ups“ wird aber auch nicht funktionieren. Denn zum einen leben die alten Unternehmen intensiv die Ablehnung von außen. Das Motto heißt, dass „not invented here“, im eigenen Unternehmen nichts wert ist und nicht sein darf.

Ich habe das beliebig oft beobachtet und auch selbst in einer strategischen Kooperationen mit einem großen Konzern erlebt – dies sogar zweimal. Und ich kenne eine ganze Reihe von Beispielen, bei denen die „unternehmerischen“ Ergebnisse von XXX-Acceleration oder XXX-invest gescheitert sind.

Aber auch das „alte“ Vorgehen ist nur noch in wenigen Ausnahme-Fällen erfolgreich. Ich bringe als Beispiel das Scheitern fast aller „Steuerspar-Modelle“. Wir erleben das seit Jahren nicht nur in den Branchen „Film“, „Immobilien“ ,„Schifffahrt“ oder „alternative Energien“. Auch die großen Verluste von Anlegern bei Projekten im Eisenbahn- oder Kanal-Bau sind gute Beispiele.

Das Scheitern hatte mehrheitlich als Ursache nicht, dass Betrüger oder unseriöse Geschäftsleute am Werk waren. Das hat es auch gegeben. Aber meistens ist die Ursache des Scheiterns solcher Projekte, dass die dahinter liegenden Geschäftsmodelle und -pläne falsch waren. Obwohl sie von Experten „professionell“ erstellt wurden, die ihren Markt bestens kannten.

Und von anderen Experten, wie zum Beispiel von Banken kritisch geprüft wurden. Und das ehrlich, denn die Banken haben ja geprüft, weil sie sich selbst auch dran beteiligen wollten – und sie wollten ja auch keine Verluste machen.

Auch da habe ich ganz persönliche Erfahrungen. In einem Fall hat die von mir hoch eingeschätzte Sparkasse München einen geschlossenen Immoblilien-Fonds in jena auf „Herz und Nieren“ geprüft, und ein paar Millionen verloren. Ich war auch dabei, den ich habe der Prüfung der Stadtsparkasse vertraut, aber glücklicherweise nur einen Betrag im unteren fünfstelligen Bereich verloren.

Aber wenn die von Experten geschriebenen und von vielen anderen Experten validierten Business Pläne nicht funktionieren, wie soll dann ein junges Gründungs-Team ohne Erfahrungen und Marktkenntnis ihr neues Unternehmens-Schiffchen erfolgreich in eine nicht vorhersagbare Zukunft führen?

So gesehen erscheinen doch Gründungen von neuen Unternehmen als aussichtslos oder zumindest als tollkühne Abenteuer, auf die sich eigentlich kein ernsthafter Mensch einlassen darf.

Ich denke mir aber, dass es möglich ist,die Erfolgswahrscheinlichkeit eines start-ups von gefühlten 1 : 100 vielleicht sogar auf 1 : 1 (Erfolg zu Scheitern) zu verbessern.

Ich weiß, dass das dies eine sehr mutige Aussage ist und habe mir vorgenommen, in meinen zwei Wochen auf einem Zeltplatz ganz im Süden des Peleponnes auf Mani ein paar Artikel zum Thema „start-up“ hier im IF-Blog zu schreiben. Für die von mir betreuten „start-ups“ wie für alle anderen Leser auch.

RMD

P.S.
Beginnen werde ich in der nächsten Folge mit meinem eigenen Werdegang. Ich glaube, da kann man schon viel daraus lernen.

Roland Dürre
Sonntag, der 25. Mai 2014

Ein Splitter meiner medizinischen Geschichte …

Die Mandeln müssen raus!

DiakonissenhausMehr als 50 Jahre meines Lebens habe ich bewusst erlebt. So habe ich natürlich auch eine medizinische Geschichte. Damit meine ich meine Interaktionen mit Ärzten und Krankenhäusern wie auch die Eingriffe von Ärzten in meinen Körper.

Die Liste der Eingriffe von Medizinern an meinem Körper ist glücklicherweise kurz. Glücklicherweise, weil das Verhältnis von nützlichen zu schädlichen medizinischen Maßnahmen und Behandlungen bei mir so 1 : 2 ist. Und meine besten Arztbesuche immer die waren, wenn der „Gottinweiß“ gesagt hat, dass „man da etwas machen kann, aber nicht muss“ und ich daraufhin sehr froh war, der Behandlung zu entkommen..

Hier eine meiner schlechten Erfahrungen. Ich erzähle es, weil es mir gut tut, es mir von der Seele zu schreiben.

Im Winter in der Zeit meiner letzten Klasse in der Volksschule (1959/1960) hatte mich eine Erkältung besonders heftig erwischt. Nicht weil ich ein schwächliches Kind gewesen wäre, sondern eher weil ich immer unartig war und die vielen guten Ratschläge meiner „erwachsenen Umwelt“ ignoriert habe. Und dann bei Frost eben doch keine Mütze aufgesetzt habe, so wie es mir aufgetragen war. Meine Eltern pflegten dann zu sagen „Wer nicht hören will, der muss fühlen!“ oder auch nur „Selber schuld!“.

So war ich im Alter von 9 Jahren nach Weihnachten eine Zeitlang ziemlich erkältet und musste so öfters zum Arzt. Unser Hausarzt Dr. Halbeck (ob ich den Namen so ganz richtig in Erinnerung habe, weiß ich nicht) war ein gütiger älterer Herr, der sich – in meiner Wahrnehmung – durchaus bewusst war, wie schwierig das mit der Gesundheit, Medizin, Ursachenerkennung und der richtigen Behandlung so ist.

Deswegen hat er mich auch zum Spezialisten, dem wohl berühmtesten HNO-Arzt (Hals-Nasen-Ohren-Arzt) von Augsburg, einem Dr. Harlander, überwiesen. Auch diesen Namen habe ich mehr so genau im Kopf, ob der Name dieses Herrn also ganz richtig ist weiß ich nicht. So wie ich auch nicht weiß, ob Dr. Halbeck von Dr. Harlander ein „Kick-back“ für die Überweisung bekommen hat …

Dr. Harlander empfing uns freundlich in seiner Praxis, waren wir doch als Beamten-Familie privat versichert. Dr. Harlander hatte eine eindrucksvolle Residenz in einer großen Villa, er war wohl ein ganz reicher und wichtiger Mann in Augsburg. Und im Diakonissen-Haus (einem ganz besonders scheußlichen Krankenhaus in Nähe des Augsburger Hauptbahnhofs) hatte er einen ganzen Satz sogenannter Beleg-Betten.

Und der Dr. Harlander war ein medizinisches Genie. Sofort hat er erkannt, wo es bei mir mangelt! Es sind die Mandeln – die müssen raus! war sein schnelles Urteil. Und meinen Eltern versicherte er, dass ich dann im nächsten Winter nach meinem bevorstehenden Wechsel ins Gymnasium deutlich weniger krank sein würde, was meine Chancen das Abitur zu erreichen deutlich erhöhen würde. Das hat meinen Eltern gut gefallen und so wollten sie, dass er diese bösen Mandeln doch gleich entfernen möge.

Jetzt waren aber die Belegbetten im Diakonissen-Haus des Dr. Harlanders für viele Wochen im voraus belegt. Denn der Dr. Harlander war ein sehr erfolgreicher Arzt, der so seine Ansprüche hatte. Und da auch für Ärzte gilt„ohne Fleiß kein Preis“ hat er operiert, was das Skalpell hergegeben hat. Ein leeres Belegbett war bei Dr. Harlander ausgeschlossen, die mussten immer gut gefüllt sein. So kam ich auf die Warteliste.

Nach dem Winter kam der Frühling und ich war wieder gesund. Aber denkste, das Belegbett war im Wonnemonat für mich reserviert. Und so musste ich bei schönstem Sonnenschein und kerngesund einrücken ins Diakonissenhaus.

An die Operation wie an die restlichen Umstände habe ich keine guten Erinnerungen. Allerdings bekam ich (nach der Operation) täglich ein Eis. Und meine Eltern habe mir ins Krankenhaus auch ein Geschenk mitgebracht. Wiking-Autos im Maßstab HO waren damals meine große Liebe. So bekam ich drei Plastik-Autos in einem hässlichen Cellophan-Beutel zur Belohnung geschenkt, weil ich so tapfer war.

Die drei Autos sahen billig aus. Sie waren auch keine Wiking-Modelle, sondern ein Sonderangebot aus einem der Supermärkte, die damals gerade aufkamen. Sehr plumpe „Fakes“ mit vielen Schwächen im Detail. Ich war enttäuscht. Und musste ab diesem Zeitpunkt ohne Mandeln durchs Leben gehen. Und mag seitdem auch keine „Fakes“ mehr.

Dafür habe ich bis heute häufig und chronisch Halsschmerzen und Rachenbeschwerden. So richtig fit fühle ich mich im Hals eigentlich immer nur, wenn ich mal ein paar Tage am Meer bin. Und kaum bin ich wieder im hohen München oder in klimatisierter Umgebung (Flieger, ICE, modernes Gebäude), schon geht es meinem Hals schlecht.

Heute lese ich, dass es gar nicht so gut ist, wenn Menschen die Mandeln entfernt worden sind. Dass unter anderem bei Menschen ohne Mandeln die Krebserkrankungen im Rachenraum der Statistik folgend etwas häufiger vorkommen.

Dem einen oder anderen unserer 7 Kindern wollte auch der eine oder andere HNO-Spezialist mal die Mandeln entfernen. Und da haben wir immer „Nein“ gesagt. Heute sind alle Sieben erwachsen, haben ihre Mandeln noch und sind zumindest soviel ich weiß kerngesund.

RMD

P.S.
🙂 Das Bild zeigt den Blick auf den Krankenhauskomplex in Augsburg. Mit Blick von der Riegele Brauwelt, die sich direkt neben dem Hauptbahnhof befindet.

Jetzt hat wieder einer die „volle und politische Verantwortung“ übernommen. Und ist dann zurück getreten bevor er von seinem Verein zurück getreten wurde.

Politiker übernehmen auch gerne „die Verantwortung“, wenn etwas schief gegangen ist. Oder auch nur etwas bekannt wurde, das eigentlich „streng geheim“ und so gar nicht für die Öffentlichkeit bestimmt war. Nur dass Politiker mittlerweile nicht mehr zurücktreten. Das war früher einmal. Wenn sie wirklich untragbar geworden sind, warten sie heute auf einen Ausstieg in lukrative Gefilde.

Die Redewendung von „der Übernahme der Verantwortung“, gerne auch die „volle“ und „politische“, ist zu einem Lippenbekenntnis geworden. Passieren tut dann nicht viel, bestenfalls werden ein paar neue Compliance-Regeln festgeschrieben und feierlich beschworen. Und anschließend wieder klammheimlich umgangen.

Jeder von uns hat schon mal Mist gemacht. Das kenne ich gut. Aber dann fasse ich mich an die eigene Nase und versuche, das angerichtete Schlamassel soweit wie möglich wieder gut zu machen. Über die Folgen sollte ich mich nicht beklagen und auch keine Ausreden erfinden oder auf die anderen „wirklich Schuldigen“ hinweisen.

Und dann besser still sein, denn ein belangloses Statement, in dem feierlich „die Verantwortung übernommen“ wird, braucht keiner und hilft auch keinem.

RMD

Jetzt bin ich drei Tage von der Schweiz kommend durch Deutschland geradelt. Und habe bei einem Freund und in zwei Hotels übernachtet. Beim Wolf in Rorschach, dann in Oberstaufen und Füssen in so ganz normalen Touristen-Hotels.

Und jeden Abend im Hotel angekommen musste ich beim Check-In ein Formular ausfüllen. Name, Vorname, Geburtsdatum, Heimadresse, Geburtsdatum und Vorname meiner Frau.

Bei meinem Freund musste ich dies jedoch nicht. Warum da eigentlich nicht? Immerhin habe ich in Rorschach übernachtet. Muss man beim „Privat Übernachten“ nichts ausfüllen? Und kann mir einer sagen, warum eigentlich nicht? Sondern nur im Hotel? Meine Gefährlichkeit ändert sich doch nicht, wenn ich im Hotel übernachte.

Da fällt mir ein, dass ich meine Übernachtungs-Gäste – und ich habe öfters welche – auch kein Formular ausfüllen lasse. Und melden tue ich sie auch nicht. Müsste ich das vielleicht als gesetzestreuer Bürger?

Da ich viel unterwegs bin, muss ich viele solche Formulare ausfüllen. Eine unnötige Arbeit. Dachte immer die Daten sind in meinem Personalausweis. Und auf vielen meiner Plastik-Karten in so kleinen Chips. Also könnte man sie doch auslesen. Dann müsste ich zumindest nicht mehr mit dem Kugelschreiber immer wieder lästig Papier beschmutzen. Mein Geburtsalter und meine Adresse kenne ich doch schon, üben muss ich es doch auch nicht mehr.

Wobei mir das alles eh schon als sinnlos erscheint. Es weiß doch eh ein jeder, wann ich wo ich war und bin. So ist das Ausfüllen doch so eine Art bürokratische Schikane.

Besonders absurd finde ich das Ausfüllen natürlich, wenn ich mein Smartphone am Morgen anschaue. Das begrüßt mich dann jeden Morgen und sagt mir genau wo ich bin, wie das Wetter draußen ist und viel mehr dazu. Und es gibt noch viel mehr Anwendungen, die immer genau wissen, wo ich wann bin.

Trotzdem werde ich wahrscheinlich immer weiter das Anmeldeformular aus füllen müssen. Völlig sinnlos. Wie so vieles in unserer Welt.

🙂 Wobei das jetzt auch nichts ist, was mich so richtig ärgert. Es ist einfach nur blödsinnig.

Also was soll’s. Füll ich halt weiter Formulare aus …

RMD

Roland Dürre
Dienstag, der 17. September 2013

Was ich nicht mag #32 – Die Verkommenheit der Speaker …

Immer wieder gehe ich auf Veranstaltungen von allen möglichen Organisationen, um Neues zu erfahren. Vielleicht auch um ein wenig zu vernetzen. Dort höre ich mir Vorträge an.

Die Sprecher sind oft schillernde Persönlichkeiten und haben klangvolle Titel. Auf ihren Visitenkarten stehen dann Bezeichnungen wie „Autor und Key Speaker“, „Innovationsmacher uns Instruktor“ oder „Trainer und Referent“, oft auch Professor an einem mehr oder wenig renommierten Institut. Natürlich sind sie Mitglied bei der GSA (German Speaker Association) oder anderen Vereinen dieser Art. Und geben vor, sich zu irgendeinem meist nicht sehr präzisen Thema ganz besonders gut auskennen.

Und dann ziehen sie vom Leder. Mit zu offensichtlich angeübter Rethorik präsentieren Sie Folien, die sie schon zigmal vorgetragen wurden und auf denen sie nur Ort und Datum verändert haben. In ihrer Schau verketten sie altbekannte Psycho-Tricks mit Banalitäten, bringen nur auf dem ersten Blick witzige Karikaturen ein. Dafür vermischen sie eifrig populistische mit vermeintlich provokativen Thesen.

Bei jedem Vortrag wiederholen sie die selben flachen Witze und lachen auffällig routiniert an den immer gleichen Stellen. Die Vorurteile ihrer Zuhörer nutzen sie eifrig zur Bestätigung manch krauser These. Im besten Fall machen sie dann noch ein wenig Kabarett.

Dann nehmen sie ihren Scheck und machen sich vom Acker. Von uns werden sie dann auch noch gefeiert, weil wir ja viel schlechtere Vorträge gewohnt sind. Von Menschen, die es gar nicht können, sich aber die Einladung zum Vortrag mit Sponsoring oder ähnlichem erkauft haben.

Die Schau-Redner unter uns scheinen mir immer mehr zu werden, aber ich mag sie nicht. Ein Vortrag sollte demütig und bescheiden sein. Der Referent sollte authentisch und redlich die Dinge berichten, die ihm wichtig sind. Darüber sprechen, was ihn bewegt, sein Wissen und seine Lebenserfahrung teilen und auf den ganzen Schnickschnack verzichten. Denn letzten Endes lenkt der doch vom Inhalt nur ab. Allerdings auch von den Unzulänglichkeiten.

Mit einem Satz:

Diese selbstverliebte Verkettung von Effekthascherei, Schaueffekten, Halbwahrheiten, mehr oder weniger dezenten Verschwörungstheorien und dem dauernden Spielen mit Effekten aller Art dieser kommerzialisierten neuen Vortragswelt geht mir auf die Nerven.

Und aus eigenem Erleben als Referent weiß ich, dass all das nicht nötig ist.

RMD

Ich empfinde kostenpflichtige öffentliche Toiletten als Symptom des Niederganges unserer Gesellschaft!

Auf den Flughäfen dieser Welt gibt es immer ganz viele Toiletten. Die Anzahl ist gigantisch, jede ist sehr großzügig ausgestattet. Toiletten in Flughafen erlebe ich eigentlich immer als sauber – und selten als überlaufen.

Am Flughafen in München soll ich nach meinem kostenfreien Geschäft sogar noch elektronisch mein Feedback zum Toiletten-Erlebnis abgeben. Durch Knopf-Druck auf Sensoren mit Smiley-Symbolen am Ausgang. Wohl der neustes Schrei. Die Luxus-Toiletten an unserem und allen anderen mit bekannten Airports sind immer kostenlos.

Die Ausrede „Das muss so sein, weil man da ja kein Münzen in der nationalen Währung dabei hat“ zieht auch nicht mehr.  Wir haben eine große gemeinsame Währung in Europa, außerdem verfügt jeder erwachsene Flugzeug-Reisende über mindestens eine Kreditkarte oder ein ähnliches globales Zahlungsmittel (Handy). Und Kinder dürfen auch in den deutschen Malls in der Regel unten durch. Und ein Land mit einer eigenen Währung wie die Schweiz könnte das leicht organisieren, z.B. in Form von 2 Piesel-Münzen bei der Einreise, verwendbar in den kostenpflichtigen Toiletten des Flughafens.

Aber Fluggäste sind halt etwas besonderes und so sind Flughäfen privilegierte Orte. Auch was die Toiletten betrifft. An Bahnhöfen gibt es auch Toiletten. Die dagegen kosten aber richtig Geld. Außer, wenn man als privilegierter Bahnfahrer eine „BahnCard Comfort“ hat. Dann darf man in die Lounge – und kann dort umsonst „pinkeln“. Aber dies auch nur in den großen Städten.

Auch im ZOB (Zentralen Omnibus-Bahnhof) an der Hackerbrücke gibt es es eine moderne und saubere Toiletteanlage. Auch kostenpflichtig und sündteuer.

An den vielen kleinen Bahnhöfen und Busbahnhöfen gibt es aber meistens gar keine Toiletten. Wer viel mit regionalen Landbussen fährt, der weiß, dass so mancher Hub völlig in der Prärie ist.

Politker & Penner

Am Hauptbahnhof bemerkt man die Folgen dieser Politik. Denn in dieser Region gibt es ein wenig mehr Obdachlose. Und Das „Pieseln“ ist denen dann zu teuer. Man sieht und riecht die Folgen.

Jetzt stelle ich mir mal vor, ich bin ein Bahnhof-Penner.

Und schon älter – und muss so vielleicht ein wenig öfters als in jungen Jahren. Wenn ich dann in der Nähe des Hauptbahnhofs residiere und legal „meinen Geschäften“ nachgehen möchte, dann wird das teuer.

Sagen wir, ich muss 10 Mal am Tag. Einmal kostet mittlerweile mmer deutlich mehr als 50 Cent, oft bis zu einem Euro (noch). Dann wird das teuer. Es entstehen Kosten von 5 – 10 EURO am Tag. Nur für die Entsorgung meines Körpers. Wahrscheinlich ist das teurer als die Versorgung desselbigen.

Auch als Pfandflaschen-Sammler käme ich nicht sehr weit. Für die Bierflasche aus Glas gibt es weniger als 10 Cent, und auch die wertvolle Wertstoff-Flasche vom Aldi bringt nur 25 Cent. Das heißt ich muss mindestens 10 Bierflaschen finden um einmal zu pieseln. Am Tag wären das dann nach meiner Rechnung 100 – eine echte Herausforderung für den Penner.

Dann bleibt eigentlich nur eins. Ich muss mobil sein – und zum Flughafen umziehen. Fürchte aber, dass dort die Security genauso fit ist wie die Truppe der WC-Reiniger. Und am Flughafen wird bestimmt kein Platz für Penner sein. Ja, das Leben wird – nicht nur – für Penner immer schwieriger.

Ich finde es immer wieder schlimm, dass unser Gemeinwesen kein Geld mehr für öffentliche Toiletten und ähnlich wirklich wichtige Dinge hat. Die Versorgung mit solcher Infrastruktur  im öffentlichen Raum ist doch eine zentrale Basis-Aufgabe eines Gemeinwesens.

So fordere ich öffentliche, saubere und kostenfreie Toiletten an allen belebten Orten! Und nehme dafür auch eine Video-Überwachung mit Alarmfunktion an solchen Plätzen  in Kauf, damit die Vandalisten solcher Orte erwischt und zur Rechenschaft gezogen werden können.

Bestrafen würde ich die Vandalisten übrigens nicht mehr mit Geldstrafen und Gefängnis. Sondern sie als zur Arbeit an dem Ort als Toilettenmann/-frau verpflichten.

🙂 Inklusive dem Recht, dann auch die Toiletten auf anständige Art und Weise nutzen zu dürfen.

RMD