Hans Bonfigt
Freitag, der 21. Juli 2017

The Power and the Glory

Als kleiner Junge fand ich Mädchenspielsachen doof – mit einer Ausnahme: Das „Ministeck“ – Spiel meiner Schwester Susanne.

Die Rasterung fand ich so sensationell: Man konnte in eine große äquidistante Lochrasterplatte verschieden farbige Steckknöpfe drücken und so beliebige Geometrieen erzeugen.

Der Clou: War der Betrachtungsabstand groß genug, dann sah man das Raster nicht, die Kanten, auch wenn sie winklig waren, sahen geradlinig aus. Kreise, obwohl im Raster angenähert, wirkten rund.

Natürlich (also: natürlich für die 60er Jahre) erklärte mir mein Vater auch, wie ein Fernsehbild aufgebaut war: Nämlich als Raster.

Im Bildbeispiel sieht man ein vermittels einer Nipkow-Scheibe erzeugtes „Fernsehbild“.

Der Gedanke, man könne alle Dinge dieser Welt in einen (dreidimensionalen) Raster beschreiben, sofern man nur die Rasterdistanz klein genug machte, faszinierte mich.

Vielleicht etwas zu früh las ich zu jener Zeit Karl-Alois Schenzingers „Atom“, und ja, es fängt damit an, daß Griechen in der Antike darüber diskutieren, ob es ein ‚atomos‘, ein „Unteilbares“ gebe, eine Art gemeinsames Grundmaß. Und die Bewegung eines Pfeils, so wurde nahegelegt, könne man auch betrachten als die Summe fortgesetzter einzelner Status, verschoben um eine oder mehrere dieser „Elementarmaße“.

In der Schule hatten wir erst Brüche, die meiner „Rastertheorie“ nicht widersprachen, dann gab es auf einmal Pi, aber man legte uns zunächst nahe, die Zahl als 22/7 anzunähern. Auch die Sache mit den Quadratwurzeln fand ich spannend, schon allein wegen des praktischen Nutzwertes. Daß diese meine kleine heile Welt ins Wanken bringen würden, kam mir nicht in den Sinn.

Meine kleine Welt war einfach und berechenbar.
Bis zu jener Mathematikstunde.

Mathematiklehrer Günter Skwirblies wollte von uns wissen, wie man denn eine Rechenvorschrift formulieren könnte, um die Quadratwurzel einer beliebigen Zahl zu berechnen.

Eigentlich fing es ganz ruhig und „rasterhaft“ an, einer der beiden Cracks im Kurs schlug vor:
„Legen wir doch einfach ein sinnvolles Intervall fest, innerhalb dessen sich das Ergebnis befinden muß, die initiale Annahme für das Ergebnis sei dann der Mittelwert der Intervallgrenzen.
Um das Ergebnis für die Wurzel aus 16 zu ermitteln, nehmen wir also Null als linke und die 16 als rechte Grenze und bilden den Mittelwert 8. Den quadrieren wir zur Probe – hui, 64 ist größer als 16, also halbieren wir das Intervall und nehmen die 8 als rechte Grenze:
Mittelwert rechts – links ist 4, 4 x 4 = 16 —> Heureka, paßt schon beim 2. Versuch!
Jetzt mit 100:
x1 = 50, 50×50 > 100, neues Intervall [0 50].
x2 = 25, 25×25 > 100, neues Intervall [0 25].
x3 = 12,5, 12,5×12,5 > 100, neues Intervall [0 12.5].
x4 = 6,25, 6,25×6,25 < 100, neues Intervall [6,25 12,5].
x5 = 9,375, 9,375×9,375 < 100, neues Intervall [9,375 12,5].
x6 = 10,9375, 10,9375×10,9375 > 100, neues Intervall [9,375 10,9375]
x7 = 10,15625, 10,15625×10,15625 > 100, neues Intervall [9,375 10,15625]
x8 = 9,76525, …

Wir nähern uns also mit der Genauigkeit I/2, I/4, I/8, I/16, I/32 … denn wir halbieren mit jedem Schritt unsere „Streuung“.

Und für mich war klar: Jeder der bislang ermittelten Quotienten war ein ganzes Vielfaches meines bisher als „irgendwie“ existent geglaubten „Rastermaßes“. Als Lerngruppe fanden wir die Leistung unseres Mitschülers Oliver Hierlein auch beträchtlich!
Eine schöne Rechenvorschrift, und ich konnte mir vorstellen, daß diese ganz modernen, soeben herausgekommen Tischrechner mit Wurzelfunktion genau so arbeiten würden.

The Kick Inside

Im Gegensatz zu uns war der Lehrer aber nicht zufrieden.
„Ihr müßt das Sichtbare umdenken, um ins Mögliche vorzustoßen“.

Und er malte an die Tafel,

gesucht:       sqrt(a) = x

äquivalent:   a = x²

wenn            a = x² ,

dann             a / x   =   x .

Und da spürte ich den Dammbruch. Es durchfuhr mich wie eine Art Schock, wie wenn man man eine Sekunde zu spät bemerkt, daß man ein wertvolles Gepäckstück im gerade anfahrenden Zug liegen gelassen hat:
Wäre x das genaue Ergebnis, würde die Gleichung stimmen.
Wäre das x auf der linken Seite zu klein, wäre es auf der rechten zu groß.
Wäre x auf der linken Seite viel zu klein, wäre es auf der rechten Seite viel zu groß.

Man würde also mit einem beliebigen Wert beginnen können und schon durch die Division auf der linken Seite einen „Komplementär“-Wert erhalten. Der eine zu klein, der andere zu groß, das schreit nach einem arithmetischen Mittel!

Also, once again, with feeling:

Start mit x=50 (viel zu groß),
100/50 = 2; Mittelwert 26
100/26= 3,846, Mittelwert 14,923
100/14,923 = 6,71, Mittelwert 10,812
Die vierte Näherung lag schon bei 10,03 !
Das war aber nicht alles.
Dieses schnelle, „zweierpotenz-unabhängige“ Konvergieren der Iteration ließ mich spüren, „es gibt da wohl noch etwas außerhalb einen auch noch so feinen Rasters“.

Die Kraft und die Herrlichkeit

Die Etappen der vergangenen 90 Minuten wurden dann noch einmal von einer Mitschülerin wiederholt, „Intervallschachtelung versus schnell konvergierenden Algorithmus“ und, pragmatisch wie Frauen nun einmal sind, fand sie die Intervallschachtelung viel nützlicher, weil universeller. Das brachte mich in Rage und ich sagte, „Das eine ist das Schleppnetz der Phantasielosen — aber das andere ist die Kraft und die Herrlichkeit“. Das tat ich auch in Anspielung auf das Buch von Graham Greene, welches wir im Deutschunterricht unlängst gelesen hatten.
„Die Kraft und die Herrlichkeit“ – vor der Klasse gab das ein fürchterliches Gelächter und mir war der emotionale Ausbruch sehr peinlich.
Aber geschämt habe ich mich nicht dafür. Denn ich habe damals instinktiv gespürt, was für eine unglaubliche Macht hinter einem einzigen Algorithmus stecken kann.

Um die Sache zu einem Ende zu bringen:
Meinem Vater trotzte ich einen programmierbaren Taschenrechner ab. Und ich wollte keinen Müll von Texas Instruments. Und tatsächlich kaufte mir mein Vater, dem es zu dieser Zeit wirtschaftlich wirklich nicht gut ging, einen HP19C.

Jugendliebe mit 14:  Hewlett-Packard 19C von 1974

Erst heute kann ich ermessen, was das heißt, Mitte der siebziger Jahre für eines von zwei Kindern 948 Mark auszugeben — das wären heute 4.000,– Euro. Ich bin ihm dafür sehr dankbar, er spürte, daß er mir in Mathematik nicht mehr, wie bisher, weiterhelfen konnte und ließ mich meiner Wege ziehen – aber nicht, ohne mir Rüstzeug und viel Liebe mit auf den Weg zu geben.

Diesen Taschenrechner besitze ich noch heute und selbstverständlich funktioniert er auch noch. Und die ‚ENTER‘ – Taste hat immer noch die charakteristische, präzise Haptik wie 1974.

Das Finden von Algorithmen ist mein Beruf geworden. Es tut mir leid, dem (von mir außerordentlich geschätzten) Chris Wood sagen zu müssen, daß, im Gegensatz zu seiner kürzlich geäußerten Ansicht, ich gar keine Lust habe, irgendwelchen Mist hergelaufener ‚Game&Graphics‘ – Hanseln zu optimieren.
„Arbeiten“ an Videospielen oder gar an „Tabellenkalkulationen“ halte ich eines Mannes für unwürdig.

Eben weil der programmierbare Taschenrechner so langsam und so begrenzt war, war ich auf Algorithmen angewiesen, die möglichst effizient waren. Und deren Entwurf kann man lernen.

Sparsamkeit ist keine Dagobertianische Neurose.
Sparsamkeit ist die Mutter der Effizienz.

Und der Vater der Effizienz ist die Strategie. Mann kann nicht mit „Power“ oder Geschwindigkeit das wettmachen, was man bei der Bestimmung der Richtung versaut hat.

Und aus diesem Grunde brauchen wir genau kein Internet an Schulen, kein „WLAN“ und keine Superrechner. Wir brauchen etwas anderes: Neulich sah ich eine Dame namens „Gesche Jost“, „Internetbotschafterin“ der Bundesregierung. „Oh Gott, noch so eine Yoga-Bewußtseinstante“, denke ich mir und will den Fernseher abschalten — aber weit gefehlt: Die Dame stellte einen universellen Einplatinenrechner vor, den „Calliope“.

Abgeguckt hat man dieses Gerät vom BBC Micro:BIT, aber hey, besser gut abgeschaut als grün selbst erfunden.
Es handelt sich in beiden Fällen um ein System, mit dessen Prozessor man direkt kommunizieren kann und der gnadenlos genau das ausführt, was man ihm eingibt. Man kann mit solchen Geräten spielerisch begreifen, wie so ein Computer „gestrickt“ ist und gleichzeitig viele Probleme lösen. Das ganze zu einem phantastisch günstigen Preis!
DAS ist Lehrmaterial zum Anfassen, das regt die Phantasie an – ganz im Gegensatz zum verschwulten „Ipad“, bei dem alles darauf abgestellt ist, einen dummen, unmündigen, charakterlosen Opportunisten zu sedieren.  Wenn ich mir die „Produkte“ von Apple ansehe, dann muß ich immer an „The Wall“ von Pink Floyd denken, „I have become comfortably numb“.

Wir brauchen mehr von diesen einfachen, effizienten Werkzeugen, anhand derer Pädagogen nachvollziehbar zeigen können, wie schwachsinnig „JAVA“ ist. Und es gibt dieses Gerätchen nicht nicht nur in Blau, für Jungs, sondern auch in Rosa, für Mädchen!

Als die Formeln laufen lernten

Doch so ein kleines von-Neumann – Maschinchen ist nie Selbstzweck. Es macht eine Summenformel lebendig, es läßt Iterationen konvergieren – oder eben nicht. Man kann alle Zwischenergebnisse ansehen und das Maschinchen auch anweisen, unter ganz bestimmten Bedingungen zu stoppen.
Sicher:
Viele Aspekte der Computertechnik kann man in der „Wikiblödia“ nachschlagen, aber das ersetzt NIEMALS eigene Erfahrungen!
Wenn ich, um Zeit zu sparen, irgendetwas aus der „Wikipedia“ verwende, dann ist der Pfusch schon vorprogrammiert, weil ich etwas umsetze, das ich nicht verstanden habe.

Die Freude und das Glücksgefühl, wenn ein selbsterstelltes Programm funktioniert, wenn eine selbstentwickelte Schaltung zum Leben erwacht, sind einzigartig. Was tun mir die ganzen „Geisteswissenschaftler“ leid, da arbeiten sie teilweise jahrelang an einer Dissertation und nachher werden sie niemals, niemals wissen, ob sie mit ihren Vermutungen richtig lagen.   Gut, bei vielen kann man das ja auch als Gnade betrachten.

Was von den Vätern Du ererbt,  erwirb‘ es, um es zu besitzen

Wenn wir einmal junge Musikerinnen betrachten, nehmen wir jetzt einmal Alice Sara Ott, Julia Fischer oder Sophie Pacini: Das sind drei junge Frauen, die als kleine Kinder von intelligenten, liebevollen Eltern individuell gefördert wurden. Es sind aber auch Menschen, die eigene Wege gegangen sind, Frau Fischer ist legendär für ihre Dispute mit diversen Dirigenten und Sophie Pacinis Chopin – Interpretationen sind, ähmmm, außergewöhnlich.
Aber die Waldsteinsonate spielt sie bereits jetzt, in jugendlichem Alter, authentischer als ihre berühmte Mentorin Marta Argerich. Das bestimmt auch deswegen, weil sie Barockmusik im allgemeinen und Beethoven im speziellen umfassend studiert hat.

Aber bei all ihrer Virtuosität sind alle drei jungen Frauen fröhliche, aufgeschlossene und humorvolle Menschen geblieben.

Wenn man sich freut, solche Menschen zu seinen Zeitgenossen zu zählen, dann sollte der Dank auch ein kleines bißchen an die Eltern gehen. Denn die Erziehung der Kinder wird vor allen Dingen von diesen wahrgenommen. Und ein Kind kostet viel, viel Geld.

Wenn man sich dagegen ansieht, wie in anderen „Kulturräumen“ Kinder quasi am Fließband produziert und dann weitestgehend sich selbst überlassen werden, dann ahnt man, woher das unmöglich dreiste, intolerante und fremdbestimmte Handeln der „unbehandelten Rohdiamanten“ herrührt.

Und das macht mich richtig traurig: „Kinder kommen nicht auf andere Leute“, pflegten in meiner Kindheit viele Älteren zu sagen und meinten damit: „Asoziale Eltern, asoziale Kinder“. Dagegen habe ich vierzig Jahre opponiert. Vehement opponiert. Und warum opponiert man besonders vehement? Weil man sich vor allem selbst von der Unwahrheit überzeugen will. Die Unwahrheit ist laut, die Wahrheit ist leise.  Die Traurigkeit auch.

Die Geschichte mit dem Algorithmus will ich noch weitererzählen und um einige historische Informationen ergänzen. Der beschriebene, schnell konvergierende Algorithmus entstammt aus einem Lehrbuch des bekannten Heron von Alexandria, war aber wohl schon weitaus früher bekannt.

Isaac Newton fand später einen allgemeinen Algorithmus zur Lösung von beliebigen Gleichungen von der Form f(x) = 0 .
Das Verfahren ist ebeno genial wie einleuchtend:
Auch hier wird ein initialer Wert bestimmt. Die nächste Näherung ist der Schnittpunkt der Tangente an die Funktion durch den Punkt (x|f(x)) mit der x-Achse. Diese „geometrisch“ hergeleitete Näherung wäre rechnerisch x – f(x) / f'(x).
Im Falle von f(x) = x² – a , also unserer ursprünglichen Aufgabenstellung, erhalten wir für x(neu):

x – (x²-a) / 2x =
x – x/2 + a/2x =
1/2x + 1/2 a/x =

1/2 (x + a/x) .

Und damit erhalten wir exakt die gleiche Rechenvorschrift, wie sie Heron vor etwa 2.000 Jahren formuliert hat!

Die Angelegenheit mit der ersten Ableitung, dem Differenzenquotienten und dem cleveren Trick, dessen Nenner gegen Null konvergieren zu lassen, überzeugte mich als Heranwachsenden schließlich doch, daß es eine Welt geben mußte jenseits des idealisierten „Ministeck“ meiner Schwester.

Und wieder war es der Taschenrechner, der mich bei meinen Erkundungen in diese Welt begleitete. Ich habe von dem kleinen Gerät sofort profitiert und tue es noch heute.

Aber so nobel dieses Geschenk auch war, so viele Algorithmen ich in der Folge auf dem Gerät implementierte:

Am Anfang war Mathematiklehrer Günter Skwirblies mit seinem Satz, „Ihr müßt das Sichtbare umdenken, um ins Mögliche vorzustoßen“.

-hb,
in Dankbarkeit.

Roland Dürre
Donnerstag, der 20. Juli 2017

Ein Tag mit der Liebe …

Genau vor einem Monat bin ich 67 Jahre alt geworden. Ich hab nur wenig Geschenke bekommen, weil meine Freunde akzeptieren, dass ich schon alles besitze und nichts mehr brauche. Und für sinnlose Gimmicks so gar nichts übrig hab. Dafür bin ich ihnen dankbar.

🙂 Glücklicherweise macht der eine oder andere dann doch mal eine Ausnahme und bricht diese Regel. Auch diesen Menschen bin ich sehr dankbar. So hat mir der Paul das Buch geschenkt:

Ein Tag mit der Liebe von Moshen Charifi 

Das war gut, denn oft habe ich den Eindruck, dass ich in diese Welt hinein mit vielen Augen geboren wurde. Mit diesen Augen habe ich so vieles gesehen und erlebt.

Leider schlossen sich im Laufe meines Lebens immer mehr meiner Augen, sei es bedingt durch meine Sozialisierung im Elternhaus, in der Schule oder warum auch immer.

Seitdem ich älter werde, habe ich den Eindruck, dass das Leben einen Teil meiner Augen wieder geöffnet hat, ein Prozess, den man vielleicht auch „Lernen“ nennen könnte. Und so glaube ich, dass „Lernen“ ein wenig auch als Synonym für „Leben“ steht.

Um es kurz zu machen, ich habe besagtes Buch erst zur Hälfte gelesen und nehme wahr, dass die Lektüre mir wieder „eine ganze Reihe meiner verschlossenen Augen geöffnet hat“. Und mich so wieder ein wenig glücklicher gemacht hat.

Der Inhalt des Buches ist ganz banal und hat es aber so richtig in sich.

So machen sich an einem wunderschönen Sommertag „LIEBE“ und „VERLIEBTHEIT“ zu einem Spaziergang auf. „Verliebtheit“ möchte von „LIEBE“ lernen und „LIEBE“ – die früher auch mal „VERLIEBTHEIT“ war, teilt ihr Wissen gerne mit „Verliebtheit“.

Auf ihrer Wanderung durch den wunderschönen Sommer führen die beiden einen Dialog, in dem es um Liebe geht. Die erfahrene „LIEBE“ unterstützt „VERLIEBTHEIT“ auf ihrer Suche danach.

Dieser Dialog wird zu einer einzigen wunderschönen und großen Metapher, die mir geholfen hat, ein wenig ruhiger und glücklicher zu leben.

🙂 Fast hätte ich geschrieben, ein wenig mehr zur Liebe zu finden. Dieser Anspruch ist mir aber zu mächtig und ich weiß noch nicht, ob ich schon so weit bin (oder jemals so weit sein werde).

Der Dialog zwischen „LIEBE“ und „VERLIEBTHEIT“ ist nur so gespickt von kleinen aber wunderbaren Erkenntnissen. So entschuldigt „Verliebtheit“ eine ihrer Schwächen damit, dass sie „nicht ihr Gesicht verlieren will“.

Die Antwort von „LIEBE““ – jetzt in meinen Worten – jedoch ist, dass man „das Gesicht nicht verlieren kann, sondern nur die Maske, die es maskiert“. In der Tat habe ich viele Masken, und bin immer wieder froh, wenn es mir gelingt eine davon „zu verlieren.

Das ist aber nur ein Beispiel von sehr vielen schönen Erkenntnissen, die Teil der Metapher sind.

Auffällig und besonders schön ist für mich die besondere Qualität des Dialogs zwischen „VERLIEBTHEIT“ und „LIEBE“. Es ist ein Musterbeispiel für eine friedvolle Kommunikation. Selten habe ich so schön erlebt und verstanden, was gewaltfreie Kommunikation sein könnte.

Es hat mich berührt, wie „LIEBE“ immer wieder versucht, ihre Erfahrung und ihr Wissen in nicht „belehrender“ Form an „Verliebtheit“ weiter zu geben. Ohne jede Form von Überheblichkeit oder Anmaßung. Wie es „LIEBE“ gelingt, auf „VERLIEBTHEIT“ einzugehen. Und absolut vermeidet, mit ihrer Überlegenheit „VERLIEBTHEIT“ zu verletzen und so kleiner zu machen.

Und genauso schön ist es, wie „VERLIEBTHEIT“ darauf eingeht, wohlüberlegt antwortet und kluge Fragen stellt. Und „LIEBE“ präzise auf diese Fragen eingeht.

Selten habe ich so –  ohne jede theoretische Belehrung – verstanden, was Achtsamkeit in der Kommunikation bedeutet.

Jetzt werde ich es dem Paul nach machen und dieses Buch auch ein paar Menschen schenken.

RMD

P.S.
Schade finde ich nur, dass ich den Autor – Moshen Charifi – nie kennen lernen durfte. Aber wer weiß, vielleicht passiert das auch noch einmal!

Roland Dürre
Sonntag, der 19. März 2017

Nur mal ein paar Sätze …

Unterwegs in dieser Welt (1984)

Beim Herumkommen gehört.
Zum Nachdenken.

Obwohl oder weil ich Autos (fast) nicht mehr nutze komme ich mehr herum in dieser Welt als je zuvor. Und erlebe so viel Aufregendes und Schönes. Besonders sind das die Menschen, denen ich auf meinen Wegen begegne. Von ihnen erfahre ich manch Kluges, Neues und Wichtiges.

Und immer wenn ich etwas höre, dass mich ins Herz trifft, merke ich es mir und schreibe es auf. Dazu hab ich ein Dokument kreiert, das ich von überall lesen und beschreiben kann. Heute Morgen las ich auf meiner Sonntags-Couch darin – und dachte mir:

„Schade, dass nur ich das lesen kann“.

Also kopiere ich mal ein paar (Ab-)Sätze daraus – überwiegend aus den letzten Tagen –  und teile diese mit Euch.


Zentrales Thema ist der soziale Zusammenhalt. Nur dadurch können wir das friedliche Miteinander sichern. Meine Formate – umgesetzte sowie visionierte in der Schublade – zielen darauf ab, Toleranz durch Beteiligung zu fördern, Vorbehalte abzubauen und den Mehrwert im Miteinander zu erfahren.
(Simon – Speaker, Trainer, Moderator, Macher, Gründer der Gründer-Villa Kempten, Weltverbesserer, Experte für die junge Generation, Ehemann und Vater; vor einer Woche in Kempten kennengelernt; Auszug aus einer E-Mail an mich)

Die schlimmsten Manager sind die, die stolz darauf sind, dass sie ihre Unternehmen vor vielen Fehlentscheidungen bewahrt haben.
(Gründer – weiß nicht mehr, wer es war; gehört bei Business-Plan-Prämierung letzte Woche).

Transition & Speed!
(Stefan – Unternehmer, IT-Spezialist, Schach- und Billardspieler, Familienvater; Motto für das nächste Geschäftsjahr)

Das Drehbuch seines Lebens umschreiben.
und
Mensch – Du kannst echt stolz sein auf Dich!
(Soziologe – im Bayerischen Rundfunk; zur gesellschaftlichen Veränderung durch die junge Generation)

Was, wenn kein Sinn gefunden wird – wenn nur namenloses Entsetzen bleibt?
(Walter Benjamin – Philosoph; der mich nachdenklich macht; viel gehört und gelesen)

Ein Problem ist ein Zustand, der nicht so bleiben kann (und behoben werden muss)
und
Management-Seminare sind “Trickbetrügerseminare”.
(Gerhard Wohland – @GerhardWohland, lernender Berater: Jede Wahrheit ist der Irrtum von Morgen; gehört auf dem PM-Camp Dornbirn 2016)

Vom Optimismus kann man immer ein wenig mehr gebrauchen – zumindest ich.
(Andreas Stichmann – Interview-Partner im Radio, Autor, Wortspiele-Preisträger, Literatur; gerade eben in Bayern2 „radioTexte – Das offene Buch“ gehört)


Ich wünsche einen schönen und friedlichen Sonntag!

RMD

Roland Dürre
Dienstag, der 28. Februar 2017

Vorurteile, Aversionen und Ressentiments bringen keinen FRIEDEN.

Der Weg zum FRIEDEN fängt bei mir selber an.

Im letzten Jahr war ich ein paar Tage im philosophischen Kolleg bei meinem Freund Klaus-Jürgen Grün. Jedes Mal habe ich viel Neues entdeckt. Ein Thema unserer philosophischen Untersuchungen war das Ressentiment.

Beim Klaus komme ich ins Nachdenken, in besonderen Gegenden ins Reflektieren.

So habe ich begonnen, über meine eigenen Ressentiments nachzudenken. Für mich sind Aversionen, Ressentiments und Vorurteile die kleinen Schwestern des Hasses. Ich möchte meine finden, damit sich nicht größer werden und sich nicht meiner weiter bemächtigen können.

Wie der Hass sind sie ein Paradox. Auch sie richten sich gegen „die Anderen“, schaden aber vor allem dem, der sie in sich beherbergt. Wie die Angst finden sie im Kopf statt und machen unglücklich und aggressiv.

Und das muss ja nicht sein. Ich mag mich nicht selber beschädigen, weil ich Vorurteile gegen Dritte habe. Das ist doch unlogisch.

So versuche ich, mir meine Aversionen und Ressentiments bewusst zu machen und zu hinterfragen. Ich weiß, dass sie auf Vorurteilen beruhen, also auf völlig blödsinnigen Annahmen. Und dass sie zu schrecklicher Vorverurteilung führen können.

Es geht ja vor allem um die eigenen Selbstverständlichkeit, in der ich lebe. Täglich finde ich in mir ein neues Vorurteil, das Feindseligkeit verursacht negative Kommunikation und ungerechtes Verhalten zur Folge hat.

Schlimmer noch, ich habe festgestellt, dass ich bei anderen Menschen genau die Eigenschaften gar nicht mag, die mich bei mir selber am meisten stören. Dann denke ich mir, dass ich zuerst mal den Fehler bei mir suchen und wenn möglich abzustellen sollte. Und danach die Welt schon oft ganz anders aussieht.

So ist es viel konstruktiver, wenn ich den Weg in Richtung FRIEDEN bei mir selber starte. So werde ich selber stärker und ziehe mich nicht selbst runter, indem ich mich über andere ärger. Weil das sinnlos wie ein Kropf ist, nichts bringt und niemanden außer mir selber schadet.

RMD

Klaus Hnilica
Dienstag, der 22. September 2015

Ist ’soziale Gerechtigkeit‘ nur ein Missverständnis?

Ja – wenn wir weiter an dem festhalten, was wir bisher dafür halten! /1/

Nach diesen Vorstellungen hält sich nämlich seltsamer Weise auch jeder für sozial gerecht, beklagt aber im gleichen Atemzug die wachsende Ungerechtigkeit in der Welt.

Dieses Missverhältnis scheint unüberbrückbar zu sein.

ApfelpflückerWir sind einfach zu verliebt in unsere unklaren Begrifflichkeiten, ja suhlen uns regelrecht in der Vorstellung, dass die ‚soziale Gerechtigkeit’ eine Art ‚moralische eierlegende Wollmilchsau’ zu sein hat, und nicht etwa nur ein Mindeststandard für das Verhalten von Menschen, der lediglich ein paar Regeln umfasst, an die sich selbst die Böswilligsten zu halten haben!

Wenn wir allerdings Letzteres akzeptieren, stellt sich sehr schnell heraus, dass ‚soziale Gerechtigkeit’ eher wenig mit romantisierter ‚Gleichheit’ zu tun hat, aber sehr viel mit der nicht so romantischen ’Freiwilligkeit’. Und dass deswegen die Politik generell ein inhärentes strukturelles Problem hat, ‚soziale Gerechtigkeit’ herbeizuführen, auch wenn sie noch so eifrig ‚Gerechtigkeitslücken’ aufspürt und zu schließen versucht. In drei Schritten lässt sich das auch unschwer zeigen; man muss nur

   A) auf das allgemeine Prinzip der ‚Tauschgerechtigkeit’ eingehen,

   B) auf die ‚Gleichbehandlung und Ergebnisgleichheit’ und

   C) auf die besonders ins Auge springende ‚Verteilungsgerechtigkeit’.

Gehen wir auf die drei Schritte näher ein:

   A) Denn um eine sehr spezielle Form der ‚Tauschgerechtigkeit’ geht es ja letztlich, wenn im Namen der ‚sozialen Gerechtigkeit’ nach gerechten Preisen und Löhnen gerufen wird!

Etwa wenn es heißt: hier die duftende Alpenbutter, da die lächerlichen Ein-Euro-Achtzig; oder hier das Super-Manuskript und dort das schmale Honorar. ‚Wertgleichheit’ fordert eigentlich hierbei das allgemeine ‚Prinzip der Tauschgerechtigkeit’! Aber wie bestimmt man diese ‚Wertgleichheit’ objektiv bei jedem konkreten Tauschvorgang?

Ist in der Sahara beispielsweise eine Unze Gold für einen Eimer Wasser angemessen, wenn’s ums Überleben geht? Und sind 50 Cent für zwei Liter Milch nicht schon zuviel, wenn eine Laktoseunverträglichkeit vorliegt? Oder wie hoch darf die Honorarforderung für ein angebotenes Manuskript sein, das dann doch nur unter das Bein eines wackelnden Tisches geschoben wird?

Heißt das nicht, dass die ‚Bewertung’ eines Tauschobjektes naturgemäß sehr subjektiv ist und dieser Wert nichts mit Gleichwertigkeit zu tun hat? Dies umso mehr, als der Tausch ja nur zustande kommt, weil jeder Beteiligte die Tauschobjekte unterschiedlich bewertet und gerade darin seinen Gewinn sieht.

Natürlich lässt sich dieser ‚Tauschgewinn’ genauso wenig nachweisen wie der ‚Tauschwert’: aber klar ist auch, dass der Gewinn immer dann vorhanden und nachweisbar ist, wenn der Tausch freiwillig erfolgt! Woraus folgt, dass eine Tauschhandlung immer dann ‚sozial gerecht’ ist, wenn niemand zu ihr gezwungen wird!

Natürlich stellt diese Freiwilligkeit beim ‚Tausch’ nicht sicher, dass jeder seine Maximalvorstellung durchsetzt, und sie schützt auch nicht vor Fehlentscheidungen, wie beispielsweise dem unüberlegten Zugriff auf niedrigpreisige Milch trotz Laktoseunverträglichkeit. Aber das muss auch nicht sein. Denn die Bewertung des ‚Tauschgewinnes’ erfolgt ja subjektiv und darf daher dann nicht wieder unter ein falsches Gleichheitsdiktat gestellt werden, nur weil von der irreführenden Intuition ausgegangen wird, diese ‚Gleichheit’ stehe auch beim ‚Tauschgewinn’ in einem engem Zusammenhang mit ‚sozialer Gerechtigkeit’!

Somit lässt sich zusammenfassend sagen, dass Preise und Löhne immer dann sozial gerecht sind, wenn sie ohne Zwang akzeptiert werden können!

   B) Nun zur angeblich sozial gerechten ‚Gleichbehandlung und Ergebnisgleichheit’!

Hier führt die Gleichheitsbesessenheit in eine ähnliche logische Sackgasse, wie sich an einem einfachen Beispiel unschwer zeigen lässt: Stellt man nämlich an eine Rentnerin, einen Sportler und einen sechsjährigen Jungen unter dem Aspekt der Gleichbehandlung die gleiche Forderung, nämlich von einem vier Meter hohen Apfelbaum, an dem eine Leiter lehnt, Äpfel zu pflücken, so wird das Ergebnis sehr unterschiedlich ausfallen: erst nach sehr unterschiedlich gearteten Hilfeleistungen, die in keiner Weise mehr einer Gleichbehandlung entsprechen, werden alle drei Kandidaten zur gleichen Anzahl von Äpfeln gelangen und somit Ergebnisgleichheit erzielen.

Da aber letztlich alle Individuen auf der Erde unterschiedlich sind, wird generell bei Gleichbehandlung nie Ergebnisgleichheit erzielt werden und umgekehrt!

Und obwohl dieser Sachverhalt glasklar ist, fordern wir immer wieder Gleichheit bei sozialer Gerechtigkeit. Aber wäre Gleichheit wirklich sozial gerecht, dann wäre doch auch ein Zustand, in dem es allen Menschen gleich schlecht geht, gerechtigkeitstheoretisch das Großartigste, was man sich nur wünschen kann.

Glücklicherweise glaubt das niemand! Dennoch sträuben wir uns, die logische Konsequenz zu ziehen und Gleichheit nicht mehr als einen Ausdruck sozialer Gerechtigkeit zu betrachten.

   C)  Besonders augenfällig ist die Gleichheitsneigung in Debatten über ‚Verteilungsgerechtigkeit’!

Verteilen bedeutet ausgeben aus einem Vorrat. Verteilungsgerechtigkeit fordert, dass dies nach gewissen Regeln zu erfolgen hat. Am klarsten sind die Gerechtigkeitsverhältnisse aber letztlich nur dann, wenn die Eigentümerin verteilt, denn dann gilt ausschließlich ihr Wille. Es kann zwar vernünftig sein, sich an den Erwartungen Dritter zu orientieren, aber eine Forderung der sozialen Gerechtigkeit ist das nicht. Sondern der wird durch den Schutz von Eigentumsrechten genüge getan.

Wirklich schwierig wird es aber, wenn keine klaren Eigentumsverhältnisse vorliegen, wie das in jedem politischen System der Fall ist, da sich hier die Einflussbereiche der Verteiler und der Empfänger vielfach überschneiden. Da sind Konflikte vorprogrammiert und deren ‚gerechte Lösung’ nicht nur eine theoretische Herausforderung, sondern in den meisten Fällen nur mehr ein hehres Ziel!

Wie einfach haben es im Vergleich dazu Privatpersonen und Unternehmen: sie brauchen nur – nicht zu betrügen, nicht zu stehlen, nicht gewalttätig zu sein und nicht vertragsbrüchig – und schon handeln sie gerecht. Mehr Regeln brauchen sie nicht einzuhalten!

Letztlich ergibt sich aus dieser Beobachtung nicht nur für die Gerechtigkeitstheorie, sondern vor allem für die Wirtschafts- und Sozialpolitik eine überraschende Lösung, nämlich die, möglichst viele Entscheidungen in den privaten Bereich auszulagern, da hier klare und nach dem oben Gesagtem auch ‚sozial gerechte’ Verhältnisse herrschen.

Sicher nur ein frommer Wunsch, denn von dem unhaltbaren ‚gleichheitsgesättigten’ Gerechtigkeitsbegriff werden sich viele trotzdem nicht trennen wollen! Und von der daraus erwachsenen Machtfülle, die dieses ‚übergriffige Gleichheitsverständnis’ ermöglicht, noch weniger!

KH
/1/ Dagmar Schulze Heuling; „Was Gerechtigkeit nicht ist“; Nomos – Verlag Baden – Baden

Roland Dürre
Donnerstag, der 23. Juli 2015

Ada Lovelace und Unschooling?

Hier meine Hinführung zum Vortrag „Lernen in Innovation“ von Bruno Gantenbein (bei InterFace AG in Unterhaching am 24. Juli 2015, 18:00, zur Einladung), wie ich sie heute Abend halten möchte. Ich versuche, die Person von ADA LOVELACE, den Begriff des „unschooling“ und das Thema „Projekt-Management“ zu verbinden.

Ada Lovelace 1836, Gemälde von Margaret Sarah Carpenter (1793–1872)

Ada Lovelace 1836,
Gemälde von Margaret Sarah Carpenter (1793–1872)

ADA LOVELACE war eine sehr widersprüchliche Frau, die in meiner Wahrnehmung ein sehr bewegtes – ein erfolgreiches wie auch sehr verzweifeltes – Leben geführt hat. Bei der Beschäftigung mit ihrer Person hat schon die Lektüre ihres Artikels in Wikipedia bei mir eine Reihe von Assoziationen ausgelöst.

Wenn wir es in unserem Handwerk zur Meisterschaft bringen wollen, müssen wir uns in der „best practice“ großer Meister üben und die in „design pattern“ kondensierten Erfahrungen der Menschheit nutzen. Bis wir an einem Punkt kommen, wo es nicht weitergeht – und an dem wir uns vom Gelernten verabschieden müssen. Dann heißt es aufzubegehren und „die Dinge“ sowie das „Das macht man so!“ in Frage zu stellen.

Lernen heißt Muster zu verstehen und zu erfahren, an denen wir uns festhalten können. Lernen in Innovation aber verlangt das Brechen von Mustern. Das Brechen von Mustern und das Entwickeln neuer Muster führt zu kreativer Zerstörung. So zwingt uns das Leben in sozialer Gemeinschaft dazu, den anhaltenden Spagat zwischen individuellem Bedürfnis und kollektiver Vorgabe auszuhalten. Schöner wäre es natürlich wenn wir diese Spannkraft  zur Entfaltung unseres eigenen Lebens nutzen könnten.

Wir alle lieben das formatierte Leben, weil es sicher und bequem ist. Wir sind bereit, uns der Moral zu unterwerfen, weil wir gut sein wollen. Andererseits sehnen wir uns nach Freiheit und Neuem. Weil wir wissen und fühlen, dass eine moralisierte Gesellschaft uns genau die Freiheit nimmt und uns einengt und klein macht.

Das scheint mir in unserer Konsumgesellschaft noch schwieriger zu werden, versucht doch die Welt (Gesellschaft und Wirtschaft) mit Marketing uns  klar zu machen, wie wir uns individualisieren sollen. Das heißt, dass kollektive Manipulation versucht unsere individuellen Bedürfnisse vorzugeben.

So ist es im privaten Leben wie im beruflichen (wenn diese Unterscheidung in einer entwickelten Gesellschaft überhaupt noch zulässig ist). In den sozialen Gemeinschaften unsere privaten Lebens „lavieren“ wir permanent zwischen diesen oft paradoxen Positionen. Und genauso in unserem Berufsleben. Denn auch das Unternehmen, in dem wir „arbeiten“ ist ein soziales System, das halt einen ökonomischen Zweck hat und uns natürlich manipulieren will. Durch Führung. Aber Führung baut auf Kommunikation auf und Kommunikation ist auch wieder nur ein Kombination von Zuhören und Reden.

Selten habe ich den Konflikt zwischen autonomer Selbstbestimmung und Fremdsteuerung so intensiv erlebt wie bei der Lektüre der Biographie der großen Mathematikern. Mir fällt da im Moment nur noch Nietzsche ein, der knapp 30 Jahre nach ADA LOVELACE geboren wurde!

Ich meine:
Wir können nur „gute“ Projektleiter, Manager, Führungskräfte – und Menschen sein, wenn uns die wichtigen Projekte gelingen. Das wichtigste Projekt eines jeden Menschen ist sein eigenes Leben. Das muss als erstes Gelingen, erst dann macht es Sinn, sich in fremdes Leben einmischen.

Das eigene Leben kann aber nur gelingen, wenn wir bereit sind, uns auf die wichtigen Dinge zu besinnen und unsere dem Leben abträgliche Gewohnheiten zu ändern. So muss ich willens und fähig sein, mein eigenes Leben autonom zu entfalten und dort in Ordnung zu bringen, wo es nicht passt.

Ich habe mir da zum Beispiel auch meine Mobilität herausgesucht. Und versuche schädliche Art von Mobilität zu meiden, soweit dies nur möglich ist.

Weil ich mir ganz einfach die Frage stelle: Wie will ich in der Lage sein, mein Leben verantwortet zu führen, wenn ich das bei der Mobilität, für die ich so viel Zeit ausgebe, nicht schaffe? Also muss ich mich und mein Verhalten ändern. Verhalten beruht auf Gewohnheit, die eingeübt sit und die zu verändern so nur durch üben geht. Und beim üben muss ich vor allem lernen, störende Fremdsteuerung ausschalten.

Soweit meine Assoziationen zum zerrissenen Leben der ADA LOVELACE.

Beim folgenden Vortrag von Bruno Gantenbein empfehle ich, auf Parallelen zum eigenen Leben zu achten.

RMD

P.S.
Noch sind Plätze frei. Und das Bild von Lady Lovelace ist aus Wikipedia.