Roland Dürre
Dienstag, der 10. Mai 2016

Zukunft, Evolution, Transformation & digital!

Am Samstag Abend vor einer Woche sind wir nach Italien aufgebrochen und am Morgen in Orvieto ausgestiegen. Drei Tage haben wir mit dem Rad zum Tagungsort Castel Gandolfo gebraucht. Die Tour zum Albaner See südwestlich um Rom herum war eine tolle Vorbereitung auf das international besetzte
„10th NETWORK MEETING OF THE PETER PRIBILLA FOUNDATION (MAY, 4th – MAY, 6th 2016, ROME)“, bei dem ich dabei sein durfte.

Die Tagung war intensiv und fordernd. So waren wir im Anschluß erstmal einen Tag richtig faul und haben uns in Labico dem Luxus hingegeben. Anschließend sind wir drei Tage durch Italien geradelt. Die erste Tour ging von Labico nach Terracina (zirka 80 km). Dann ging es weiter nach Nettuno (zirka 75 km). Nach Ostia waren es dann von Nettuno nur noch gut 50 km, so dass wir schon am frühen Nachmittag angekommen sind und noch Zeit hatten, das antike Ostia mit dem Rad zu besuchen und Ostia allgemein zu genießen.

Auf den drei Tagestouren durch den wunderbaren Frühsommer Italiens  durch die Provinzen Roma und Latina hatte ich viel Zeit, das Erlebte zu reflektieren. Es war in der Tag ein besonderes Treffen.

Morgen ist unsere Tour zu Ende, es geht nach Rom. Dort wartet der Nachtzug, der uns am Donnerstag früh in München absetzen soll. So möchte ich heute noch ein paar Erinnerungen vom Treffen aufschreiben.

Lido di Ostia, von der zentralen Seebrücke aus bewundert und fotografiert.

Lido di Ostia, von der zentralen Seebrücke aus bewundert und fotografiert :-).

Das Treffen der „Pribilla-Foundation“ stand im Zeichen der „Digitalen Transformation“, die uns immer mehr erfasst, bewußt wird und ein enormes Tempo vorlegt.

Eröffnet wurde die Tagung  von einem Impulsvortrag Manfred Broys, dem Vorsitzenden des Digitales Zentrum.Bayern. In einem präzisen „Rundumschlag“ erläuterte er das Thema „Digitalisierung“. Basierend auf spannenden Fakten machte er klar, was da eigentlich passiert. Ich durfte eine der drei Kurzanmerkungen (3 Minuten) zu diesem Vortrag halten. Hier die Zusammenfassung meines Beitrages, ein wenig ergänzt, denn 3 Minuten sind arg kurz:

„Die digitale Transformation dürfte die Evolution und unsere Zukunft massiv beeinflussen. Vielleicht hilft sie, die notwendige Große Transformation zu schaffen, die die Menschheit dringend braucht.“

Zu jedem der in diesem Satz genutzten Begriffe habe ich eine These aufgestellt, sprich meine „basic believes“ formuliert. Hier sind sie:

  • Zukunft
    Ich meine, dass Zukunft nicht vorhersagbar ist!
    Das ist auch die erste These des für mich großen und leider schon verstorbenen Management-Wissenschaftlers Hans Ulrich aus St. Gallen, der in den 80iger-Jahren mit seinem Aufsatz „8 Thesen zum Wandel im Management“ die Lehre vom Management revolutionierte.
    Es mag zwar möglich sein, wenn man die Werkzeuge der Wissenschaft mit gesundem Menschenverstand anwendet, ab und zu Vorhersagen für die Zukunft zu machen, die richtig sind. Also eine Art von „Botschaft aus der Zukunft“ zu empfangen, die zu korrekt zu interpretieren aber nie gelingt.
    Mir scheint, dass die Zukunft der Menschheit mit der Metapher eines Bootes auf einem Fluss beschrieben werden kann. Der Fluß fließt in „weißes Gebiet“. Das Boot bewegt sich flußabwärts auf dem Fluss.
    Die Flussgeschwindigkeit des Flusses kann man messen wie auch z.B. sein Gefälle und weitere Daten. Daraus lassen sich aber nur sehr begrenzte Schlüsse ziehen, wie es wohl weiter geht. Mit dem Fernglas als Werkzeug kann man ein wenig in die Ferne sehen, aber auch das hilft nur sehr eingeschränkt.
    Der weitere Verlauf des Flusses (wird er breiter oder geht es reißend durch eine enge Schlucht, kommt eine Kehre oder ein Wasserfall oder versickert der Fluß plötzlich im Boden?) ist nicht vorhersagbar.
    Und in dieser Metapher wissen wir nicht einmal, ob die Menschheit das Boot auf dem Fluß oder das Wasser des Flusses ist (oder vielleicht nur ein Fischschwarm?).
  • Evolution
    Evolution hat keinen Zweck. Vielleicht versucht das Leben so sein Überleben zu sichern, wir wissen aber nicht warum und wieso.
    Ich meine, dass – so wie die Zukunft nicht vorhersagbar ist – kann auch die Evolution nicht gesteuert werden. Wir können eben kein „steering committee“ aufstellen und sagen „Bitte steuert die Evolution!“. Das wird nicht funktionieren (so wie es in den großen Unternehmen und sozialen Systemen übrigens auch nicht funktioniert).
  • Transformation
    Ich meine, dass die Evolution als nächsten Schritt wieder mal eine große Transformation machen muss und wird. Die ist notwendig, wenn es mit der Menschheit weiter gehen soll. Sie wird kommen – ganz gleich ob die Menschheit dann weiterleben oder aussterben wird. Wir wissen nichts über diese Transformation, außer dass sie eine für uns wesentliche Veränderungen bringen dürfte und uns wahrscheinlich stark überraschen wird. Der Zeitpunkt für diese Transformation kommt immer näher und dürfte schon in wenigen Generation passieren.
  • Die digitale Transformation
    Es wäre schön, wenn die digitale Transformation zu einem positiven Treiber dieser großen Transformation werden würde. Ich sehe da eine gute Chance. Schon jetzt verändert sich die Welt durch Digitalisierung – wie ich finde – zum Besseren.
    Die freundlichen Menschen vernetzen sich, die Kombination digital+sozial ermöglicht ein konstruktives Miteinander wie es früher kaum möglich war. Dank der „digitalen“ Welt entwickelt sich so etwas wie eine „Aufklärung 2.0“, die mir wichtiger zu sein scheint als das „buzzword“ von der „Industrie 4.0“, die ja nur „normaler“ digitaler technischer Fortschritt ist.

Bleibt die Frage, was wir beitragen können, dass Digitalisierung die Welt positiv verändert?

Ich weiß es natürlich auch nicht. Mein Glaube hierzu ist, dass wir nicht zu viel Reden sollten sondern Handeln müssen. Jeder auf seine Art und Weise, so wie er es am besten kann. Und dies im Verbund und Netzwerk mit den „freundlichen Menschen“ unserer Gesellschaft, wie ich sie auch auf der schönen Veranstaltung in wunderbarer Umgebung tatsächlich so zahlreich kennen gelernt habe!

RMD

P.S.
Auf der Tagung habe ich ein Buch erwähnt, das vielleicht ein wenig helfen kann, eine Ahnung zu bekommen, wie ganz anders schon unsere „kleinen“ Kinder denken – und wie hilflos das alte Denken in Schulung und Bildung dem gegenüber steht (

Erfindet Euch neu! Eine Liebeserklärung an die vernetzte Generation. von Michel Serres.

Roland Dürre
Dienstag, der 24. November 2015

Weltkrieg III

Flag the Islamic State of Iraq and the Levant

Flag of the Islamic State of Iraq and the Levant

Zum Terrorismus gäbe es viel zu sagen. Aber aus meiner Sicht wird da häufig das Falsche geschrieben. So ist mir Vieles unverständlich, was ich anlässlich der Attentate von Paris gehört und gelesen habe. Manches wurmt mich, weil es mir so flach und unreflektiert erscheint.

Mich stört auch die Reaktion auf und der Umgang unserer „Eliten“ mit den Ereignissen und der aktuellen Situation.

Ich finde es schlimm, dass die Ursachen für die Entwicklung vergessen und auch nicht nachgefragt werden. Haben wir doch seit Jahrhunderten eine ausgeprägte koloniale Situation in dieser Welt. Die reichen Länder beherrschen die armen, beuten sie aus und vergewaltigen sie förmlich.

Dies hat sich beginnend noch vor dem „langen 19. Jahrhundert“ über die Neuzeit hinweg bis in die Jetztzeit nicht geändert. Auch die „Unabhängigkeit“ der Unterdrückten hat da nicht nichts verbessert. Mag sein, dass im 21. Jahrhundert die Methoden vielleicht ein wenig sublimer erscheinen als im 19. und 20. Jahrhundert. Das bedeutet aber nur, dass sie nicht mehr so augenfällig sind wie früher. An Effizienz betreffend des Maß an Ausbeutung haben sie aber nicht verloren, im Gegenteil.

Dies hat einen großen Haufen von Zunder in die Welt gebracht. Die Politik der letzten Jahrzehnte – im übrigen nicht nur des Westens und auch nicht nur der USA – hat dann den vorhandenen Zunder auch noch mit Brandbeschleunigern angereichert. Und spätestens die Reaktion des „Westens“ auf 9/11 war das Zündholz, dass alles in Brand gesetzt hat.

Aber was machen die Franzosen jetzt? Die selben Fehler wie der Westen sie seit längerem macht. Sie bomben ganz schnell mal richtig kräftig zurück. Und treffen dabei natürlich auch (und wahrscheinlich vor allem) zivile Gebäude und Krankenhäuser. Und so eben auch Kinder, Frauen und unschuldige Zivilisten. Wie das halt bei solchen Angriffen ist. So wird in das Feuer gleich noch mal kräftig hinein geblasen und für Terroristennachschub gesorgt.

Mich stört auch, wie mit unterschiedlicher Elle gemessen wird. Nicht lange vor den Attentaten in Paris wurde von der IS ein russischer Flieger in die Luft gesprengt. Mit über 200 Toten. Die Menschenopfer im russischen Flieger wurden aber sehr gelassen hingenommen. Wo blieb da die Betroffenheit und die Trauerminuten – und die russischen Fahnen in Europa? Ich muss gestehen, ich kannte die russischen Farben bis dahin gar nicht. Bin ich ja westlich des eisernen Vorhangs aufgewachsen.

Andere Anschläge wie z.B. der in Beirut werden gar nicht zur Kenntnis genommen. Weil wir an diesen bestenfalls mit unserer Lüsternheit nach Sensationen und Katastrophen interessiert sind.

Bei den Anschlägen in Frankreich war aber alles anders. Warum eigentlich? Da kamen die Solidaritätsadressen zu Hauf. Überall gab es Schweigeminuten, die Avatare im Internet leuchteten in den französischen Farben. Weil wir Angst haben, dass dies in Berlin oder München auch passieren könnte?

In den Zeitungen ist das schon am Morgen nach den Attentaten gesteigert worden. Die haben gleich vom dritten Weltkrieg gesprochen, der jetzt da wäre. Beim Bäcker am Samstag nach dem Attentat habe ich in den Zeitungen eine Reihe solcher Schlagzeilen gesehen. Und vorgestern las ich, dass die „Welt sich im Kampf gegen den Terrorismus formiert“ (SZ vom 22. November).

In meinem Leben habe ich viele Menschen gut gekannt und gemocht, die verstorben sind. Manche durch Alter und Krankheit. Andere sind in den Alpen geblieben, einer kam von einer Flugreise nicht zurück.

Seit meiner Kindheit erreichen mich aber immer wieder vor allem die Toten, die auf den Straßen sterben. Das war die größte Anzahl und bei mancher Verlust traf mich sehr tief. So erinnere ich mich an eine junge und so lebensfrohe Frau, die ganz kurz bei InterFace Computer war. Schon nach einer Woche blieb am Montag morgen ihr Arbeitsplatz leer. Sie war am Wochenende in ihrer Heimat im Saarland und hatte auf dem Rückweg nach München eine Autopanne. Wie sie ausgestiegen ist wurde sie auf einer Autobahn-Einfahrt einfach tot gefahren. Einfach so. Wie ein Wild.

Sind Verkehrsopfer weniger schmerzlich als Kriegstote? Ist das nicht seltsam, dass wir die Verkehrsopfer vergessen. Warum trauern wir nicht jeden Abend für die Toten des Verkehrstages?

Man kann den Schmerz über den Verlust eines Menschen nicht be – oder aufrechnen. Aber ich glaube nicht, dass der Unterschied so groß ist, wenn ein lieber Angehöriger auf der Heimfahrt überfahren wird oder in einem Café bei einem terroristischem Anfall stirbt.

So haben wir tatsächlich einen „World War III“. Und zwar seit vielen Jahrzehnten. Die Verkehrsflächen sind die aktuellen Schlachtfelder. Denn auf den Straßen des Planeten sterben jährlich 1,3 bis 1,4 Millionen Menschen – aller Klassen und Nationen. Dazu kommt ein mehrfaches an Schwerverletzten und Verletzten. Wenn das kein Krieg ist?

In Deutschland sind es immer noch weit über 3.000 Verkehrstote pro Jahr. In meiner Jugend gab es Jahre, da waren es über 20.000 – und das allein in der BRD. Wir haben also tatsächlich in Deutschland auch in diesem Krieg einen Fortschritt erzielt, aber noch lange keinen Frieden erreicht. Auch 3.000 sind zu viel und die genannte Zahl ist im Steigen.

Um die große Zahl zu verstehen gehe man mal einfach zu einem Fußballspiel mit 3.000 Besuchern und stelle sich vor, dass die alle tot in Autos oder auf den Straßen liegen würden!

Wahrscheinlich sterben auch in Europa an jedem Fussball-Wochenende Fans oder Spieler auf dem Wege zum Spiel ihres Vereines. Wen interessiert es? Vor ein paar Wochen gab es in der WWK-Arena in Augsburg immerhin eine Schweigeminute für bei der Anfahrt verunglückte Fans des FCA.

Aber warum gibt es keine keine Trauerminute für unsere Verkehrstoten und die der Welt? Weil niemand das Gemetzel auf den Straßen interessiert. Und weil das Geschäft Priorität hat.  Wie übrigens auch beim Terrorismus.

So gibt es keinen internationalen Aufschrei und keine Brandreden von Politikern für einen humanen Verkehr. „Keine Welt formiert sich“ gegen die Toten im Straßenverkehr so wie im Kampf gegen den Terror. Und den Nationalregierungen ist es für mich unverständlicher Weise auch völlig egal.

Mit einer Ausnahme: Das kleine Land Schweden bemüht sich ernsthaft um eine Vision Zero und will seine Straßenverkehrstoten definitiv auf Null bringen – Respekt!

Der IS dagegen besteht aus Verrückten, die erst mal den nahen Osten und dann die Welt erobern wollen. Die ein Terror-Regime aufgebaut haben, dass mich an das der Nazis erinnert. Obwohl sie wohl derzeit die stärkste Formation des Terrors sind, sind sie aber schwach. Man könnte sie recht einfach austrocknen.

Aber was machen wir?

Wir kaufen ihnen Öl ab. Weil es billiger ist. So befindet sich in jedem Tank unserer Autos metaphorisch ein Anteil IS-Sprit. Ihre Waffen und Ausrüstung bekommen sie auch von uns. So holen wir unser „Ölgeld“ wieder zurück. Und wir bescheren diesen Verbrechern  auch noch den Zulauf von weiteren Menschen aus aller Welt. Ist das nicht ein Skandal?

Aber wir verdrängen den real existierenden dritten Weltkrieg und bagetellisieren auch noch die Klimaveränderung. Die den vierten Weltkrieg verursachen könnte!

Ich meine, es gibt gute Gründe, der Wissenschaft zu glauben. Gerade wenn unterschiedliche Disziplinen und Schulen zu den selben Ergebnissen kommen. Wie es ausschaut werden die Schäden durch die Klimaveränderung noch viel wesentlicher sein als die vielleicht 75 Millionen Verkehrstoten seit des Endes des zweiten Weltkrieges.

Der dann auf uns zu kommende Umweltkrieg wäre dann wohl der vierte Weltkrieg. Der wird dann wohl auf zwei Ebenen Verluste bringen: Die Opfer, die die sich die Natur mit immer mehr werdenden Katastrophen auf verschiedenen Ebenen holt. Und die anderen, die im Kampf der „frühen Verlierer“ gegen die scheinbar „noch nicht Verlierer“ fallen werden.

Und natürlich hoffen wir auch hier wieder, dass wir nicht die „early looser“ sind. Leben wir doch glücklicherweise in einer „klimatisch so begünstigten Zone“. Ist das nicht schändlich? Und irren wir uns da vielleicht nicht?

Aber auch hier gibt es keine Aussicht auf Programme und gemeinsames Handeln. Nirgendwo, weder national oder weltweit. Dabei ist die ja in wenigen Wochen startende Umwelt-Konferenz in Paris wohl wirklich die allerletzte Chance, das Schlimmste abzuwehren.

Aber wir ignorieren den real existierenden dritten Weltkrieg auf unseren Straßen genauso wie den drohenden vierten bedingt durch klimatische Veränderungen. Dafür machen wir uns mit unserer Angst vor Terrorismus vor der doch eher lächerlichen IS in die Hose. Anstelle diese einfach ganz souverän aus zu trocknen und uns um die wichtigen Dinge zu kümmern.

RMD

P.S.
Die Fahne ist aus Wikipedia. Sie ist schwarz, die Farbe des Todes. Erstellt wurde das bild am 15. Oktober 2006 und hochgeladen von Russavia.

Ich meine, wir sollten uns vor schwarzen Fahnen hüten. Ich mag im übrigen gar keine Fahnen. Wenn es aber unbedingt sein muss, dann sind mir persönlich die lebensfrohen Fahnen in bunten Farben lieber!

 

Werner Lorbeer
Samstag, der 1. August 2015

Energiewende is Germanys Hobbyhorse

FAZ Kohle beliebt_2015-08-01_0001Zugegeben ein wenig polemisch die Überschrift. Auch zugegeben, dass wir „anfangen“ müssen. Darunter verstehe ich allerdings mehr als die Freude über Windräder und Fotovoltaik-Platten oder Schwarmkraftwerke.

Der Rechenstift und der Zahlenvergleich zum unscheinbaren Artikel in der FAZ vom 30.7. zeigt, dass die Erneuerbaren Energien der BRD im Vergleich zum Weltenergieverbrauch in Kohle nur einen Anteil von weniger als 0,00002  %  (2 mal 10 hoch -5 Prozent) ausmachen.

Unsere Energiewende ist im globalen Energie-Vergleich eine technische Spielwiese, eine Art lukratives Hobbyhorse, das viel zu langsam vorankommt und viel zu teuer ist für den Einsatz in der Breite.

Indien, China, Afrika, Amerika, Australien werden sich das Recht ihre Kohle zu verwenden nicht nehmen lassen. Es kommt entscheidend darauf an, zivilisatorische und technische Prozesse zu implementieren, die Lebensstandard und CO2-Ausstoß entkoppeln. Gefragt ist global gesehen die kostengünstige, bezahlbare Lösung. Denn die sehr schlechte Nachricht stand in derselben Ausgabe der FAZ:

Die Weltbevölkerung wächst weiter und zwar schneller als gedacht.

FAZ Weltbevölkerung_2015-08-01_0002Achtung Meinung:
Es lohnt sich wieder einmal über die Relation von Investition/CO2-Einsparung nachzudenken. Es gibt ganz bestimmt im Sinne des CO2 Effizienz-Quotienten bessere Prozesse als die von uns im Rahmen des EEG politisch favorisierten Wege. Wir erinnern uns vielleicht an die Filter für Staub, NOx, SOx und auch CO2? Schnell, effizient, billig! Oder an die mögliche Grünbindung von CO2 durch geeigneten Acker- und Waldbau, die gleichzeitig Afrika und Südamerika nutzen würde.

Ich würde lieber eine EEG-Umlage bezahlen, die den Missbrauch der Atmosphäre als Schüttkippe der menschlichen Zivilisation endlich beendet und international als Energie-Entwicklungshilfe zur Verfügung steht, als weiter die Deutschen Wind- und Solarbarone zu füttern.

wl

Roland Dürre
Donnerstag, der 20. März 2014

Wo bleibt der Turnaround ?

Zu meinem Artikel „Ach wie sind wir toll …“ bekam ich in Facebook folgenden Kommentar von Joerg Rothermel:

Naja – wenn ich D mit AUS vergleiche, sind die Politiker in D (fast) alle kompetenter, die Infrastruktur in D ist um eine Grössenordnung besser und Frauen haben in D bessere Chancen. Ohne die reichsten Ressourcen der Welt wäre AUS so verschuldet wie – sagen wir mal – Griechenland :-((

Meine Antwort war:

Roland Dürre: Lieber Jörg, ich stimme völlig zu: In Deutschland ist die Situation wahrscheinlich viel besser als in fast allen Ländern. In vielen Ländern dürfte die Situation im Verhältnis zu Deutschland sogar abgrundtief schlechter sein. Wenn ich mir dann aber überlege, dass wir alle ja „in einer Welt“ leben, die global eng zusammen hängt, dann bekomme sogar ich Angst.

Genau das ist es. Deutschland und den meisten von uns geht es fast schon unheimlich gut. Und wir klagen trotzdem.

Das ist schlimm. Aber wir sehen auch negative gesellschaftliche Signale wie die zunehmende Polarisierung in „arm“ und „reich“. Folgen wir rationaler Erkenntnis, dann werden die Prognosen auch für uns schnell düster. Wenn dann die mittlerweile globale Welt zumindest auf den ersten Blick noch sehr viel mehr Elend aufweist und man kaum etwas „Besseres“ findet, ist das ein schwacher Trost. Vernunftmäßig kritisch betrachtet passt folgendes Bild zu unserer Lage:

Wir sind in einer Sackgasse mit extrem hohen Tempo unterwegs. Und beschleunigen weiter, wissen aber nicht, wann wir auf die Mauer am Ende der Straße prallen.

So scheint mir ein Turnaround notwendig. Dafür brauchen wir gesellschaftlichen Konsenz und vor allem individuelle Verhaltensänderung. Und ich glaube sogar, dass wir in Deutschland für einen Turnaround besser aufgestellt sind als viele andere Nationen oder Staaten. Und auch immer mehr Menschen bei uns das kapiert haben und bereit wären, ihr Verhalten zu ändern. Meine dumme Frage ist nur:

Wo bleibt der Turnaround? Warum ändern nur so wenig ihr Verhalten? Gerade auch bei uns? Und was trägt da die Politik bei?

Denn zuerst einmal muss man „vor der eigenen Türe“ kehren. Und sich nicht darüber freuen, dass es woanders noch schlimmer ist.

RMD

Roland Dürre
Sonntag, der 9. März 2014

Krim, Krise, krass.

Wenn mich noch vor kurzem einer gefragt hätte, zu welchem Land die Krim gehört, hätte ich gesagt „zu Russland“. Jetzt haben wir eine „KRIM-KRISE“ und ich habe gelernt, dass die Krim der Ukraine „gehört“. Und jeden Tag ist die Krim-Krise in den Nachrichten, so auch bei Spiegel-Online: Szenarien für die Krim: Sanktionen, Chaos, Krieg.

Die ganze Situation empfinde ich als abstrus. Da ist die Ukraine total pleite. Wie übrigens viele andere Staaten auch. Regiert wird sie von Banditen, die diesen Staat dann auch noch ein wenig ausgeplündert haben. Auch das kennt man von anderen Staaten. Dann wird dieser Staat auch noch vom reichen Nachbar und ehemaligen Verbündeten alimentiert. Wie andere auch. Und erliegt in seiner Armut natürlich auch den Versuchungen des reichen Westens.

Die Menschen sind verarmt und haben die Nase voll. Wie viele andere Menschen in anderen Staaten. Es kommt zu Aufständen und weiteren eigenartigen Ereignissen. Unter anderem mischt sich ein „deutscher Boxweltmeister“ ein. Alte BanditInnen melden sich zu Wort. Und natürlich hat die Ukraine – wie viele anderen Staaten auch – auch noch das Problem eines Vielvölkerstaats mit unterschiedlichen Mehrheiten in  verschiedenen Regionen wie auch noch ein paar Minderheiten dazu.

Es passiert, was halt dann so passiert: der alte, zwar gewählte aber vielleicht nicht so ganz legitime Boss wird abgesetzt. Es gibt einen neuen (nicht direkt gewählten) Chef. Und der betont in seiner ersten Rede die „Unverletzlichkeit der territorialen Integrität“. Und hat auch ziemlich fragwürdige Unterstützer.

Und dann gibt es Sanktionen und große Krisenhektik. Einen Aufruhr in der ganzen Welt. Politiker manteln sich auf und sprechen von Sanktionen. Und am Ende wird doch – so oder so – eine neue Ordnung auch in dieser Region stehen.

Parallel feiert man die „Olympischen Spiele der Behinderten“ als Nachgeburt einer eh sinnlosen Olympiade, die nur dem Diktator und den westlichen Unterhaltungskonzernen dient.

Ist das nicht alles Blödsinn?

Ist nicht auch Jugoslawien zerfallen? Die Tschechoslowakei hat sich in zwei Staaten aufgelöst. Vor kurzem haben „Die deutschen Unternehmer in Katalonien vor den verheerenden Folgen einer Unabhängigkeit der spanischen Region gewarnt“? Und in Italien gibt es auch eine „Liga Nord“! Spielt es wirklich in der Welt so eine Rolle, ob die Krim russisch oder ukrainisch ist? Werden in der nächsten Zeit nicht in vielen Erdteilen Neu-Ordnungen von Staaten und territorialen Grenzen folgen. Zwangsläufig, weil die alten Mäntel nicht mehr passen?

Dass Afrika brennt, interessiert doch auch niemanden. Dafür schützt die EU ihre Grenzen gegen die bösen Wirtschaftsflüchtlinge aus Afrika durch die “Grenzschutzagentur” Frontex (siehe dazu auch meinen Artikel vom 2 4. Januar 2010). Das mit einer Armee, die demnächst kräftig aufgerüstet wird – und das alles ohne parlamentarische Kontrolle.

Aber witzigerweise will die EU der Ukraine jetzt mit 11 Milliarden helfen. Damit sie ihre viel höheren Schulden an die Russen besser zahlen kann? Und dann wahrscheinlich neue Schulden an die EU hat.

Das mit dem „Schulden bezahlen“ wird aber nicht gehen. Weil die Ukraine im Gegensatz zu uns das Gas mit 30 % Freundschafts-Rabatt bekam. Die Russen haben mit dieser Subvention jetzt aber Schluss gemacht. Und die Ukraine braucht viel Gas …

Wie übrigens auch die BRD.

RMD

Roland Dürre
Montag, der 28. Oktober 2013

INDIA – welcome in Mumbai

Gut angekommen – die ersten beiden Fotos und eine kleine Anekdote.

Jetzt habe ich die erste Nacht meines diejährigen Aufenthaltes in Indien verbracht. Hier der Blick vom Balkon meines Schlafzimmers, das sich im 29. Stock eines noch wesentlich höheren Gebäudes mit Luxus-Wohnungen befindet.

India2Man beachte die obligatorische Pferderennbahn.

(Nicht nur) die Baustelle rechts verursacht einen ungeheuren Lärm. Eins weiß ich schon nach der ersten Nacht – in Mumbai ist es so richtig laut, die Züge rattern, die Straßen brummen, auf den Baustellen wird rund um die Uhr gearbeitet, da hört man den Lärm der Flugzeuge und Hubschrauber in der Luft kaum mehr …

Ich hätte ein Audio-File inklusive Geräuschpegel mitliefern sollen.

Das Gebäude, in dem ich jetzt ein paar Nächte wohnen werde und von dem aus ich fotografiert habe, ist nicht abgebildet. Es ist zwar erst zwei Jahre alt – und trotzdem schon ganz schön marode. Bin froh, wenn es die nächsten Tage noch durchhält …

Und hier noch eine kleine Episode:

GaneshaAm Flughafen werde ich mit einem geräumigen Toyota-Bus abgeholt. Auf dem Armaturenbrett steht neben dem indischen „Elephanten-Gott“ Ganesha eine Marien-Statue. Ich frage, ob der Fahrer ein Christ ist. Kenne ich doch Inder, die in Indien mit extrem christlicher Erziehung aufgewachsen sind. Und dies auf besondere Art und Weise erlebt haben.

Die Antwort ist einfach. Die „Götter“ auf dem Armaturenbrett sind die übliche Dreingabe des Autohändlers. Und weil das Fahrzeug zwar einen indischen Fahrer hat, aber vor allem für einen „german expert“ bestimmt war, gibt es halt die Marien-Statue dazu. Quasi als multikulturelle Dreingabe.

Das erinnert mich dann an die 60iger und 70iger Jahre in Deutschland. Da hat der VW-Händler aus Stadtbergen auch jedes Fahrzeug mit einer St.-Christopheros-Plakette ausgestattet. Und an einem Sonntag im Jahr konnte man das Fahrzeug auch vom Pfarrer segnen lassen.

Apropos Fahrzeuge: Die mir von Neu-Dehli gut bekannten und recht geliebten TWS (three wheel scooter) habe ich vom Flughafen kommend auch wieder moskito-artig herumschwirren gesehen. Im Süden Mumbais sind sie allerdings nicht zugelassen.

Aber jetzt auf zu neuen Abenteuern!

RMD