Roland Dürre
Freitag, der 15. August 2014

Start-up (1) – Scheitern

Wie so manchen Sommer schon befinde ich mich beim Zelten in Porto Ageranos. Der Platz liegt auf dem Peloponnes auf dem mittleren Finger, zirka 10 km südlich von Gythio, kurz bevor das wilde Mani beginnt. Vom Zelt sind es gerade 10 Meter zum Meer, die erste Nacht war schon mal so richtig gut. Und da wir die Gegend gut kennen sind wir sofort wieder so richtig zu Hause!

Die Zeit hier nutze ich zum Entspannen, Nachdenken, und nicht zuletzt zum Pläne schmieden. Und natürlich zum Schwimmen und Radfahren, gut Essen und einfach nur so mit den Lieben zusammen zu sein. Und natürlich zum Artikel schreiben (für IF-Blog.de).

Diesmal ist das Schwerpunktthema start ups

Ich kenne viele Menschen. Mit manchen davon bin ich freundschaftlich verbunden. Da sind auch viele junge Kollegen dabei. Mir scheint, dass ich mit der jungen Generation gut kann.

Seit ein paar Jahren beschäftige ich mich mit Gründungen von Unternehmen. So bin ich immer wieder in der Jury eines Business Plan Wettbewerbs, als Mentor betreue ich Menschen und Unternehmen, die im Werden sind (start ups). Dies mal enger, gelegentlich sporadisch. Und stecke so ein wenig in der Szene drin.

Die meisten Teams, die ich kenne und erlebe, sind toll. Fleißig und kreativ versuchen sie mit höchstem persönlichen Engagement auf vielen Ebenen basierend auf einer spannenden Idee ihr Leben eigenverantwortlich zu führen und ein Unternehmen aufzubauen.

Und dann scheitern sie.

Manche scheitern schon beim Start, andere nach Auslauf eines Förderprogrammes wie EXIST oder nach der ersten Finanzierung. Oft dauert der Leidensweg dann eine Weile bis zum endgültigen „Aus“, ab und zu wird am Schluss noch ein „Notausgang“ gefunden. Und nur ganz, ganz wenige werden erfolgreich, allerdings meist auf andere Art und Weise als vorher geplant.

Die meisten, die scheitern, haben einiges an Kraft und oft auch Geld gelassen. Ihnen bleibt nur der Trost, dass sie viel gelernt haben, also irgendwie dann doch „erfolgreich gescheitert“ sind. Das ist aber ein schwacher Trost, denn in bei einer alternativen Lebenslinie zum Beispiel in einem guten Job bei einem Mittelständler hätten sie vielleicht noch mehr für ihre persönliche Zukunft lernen können.

Das bewerte ich als eine gigantische Verschwendung von Kapital, Kreativität, Fleiß („waste“ im Sinne von Kaizen). Auch die Enttäuschung und der Frust der vielen betroffenen jungen Menschen schmerzt mich. Und ich denke mir oft, dass dieses häufige Scheitern in vielen Fällen vermeidbar gewesen wäre.

Denn das massenhafte Scheitern ist gut erklärbar. Die Gründer arbeiten in der Regel genauso, wie es die Expertise einer vergangenen Epoche ihnen vorgibt. Und dieses Muster hat noch nie besonders gut funktioniert, heute geht es in der Regel gar nicht mehr auf. Wie sollen in der Welt von morgen die Erfolgsmuster von gestern auch noch funktionieren?

Und die ganz wenigen Ausnahmen – die übrigens ausnahmslos aufgrund eines zusammen Kommens besonders glücklicher Zufälle basieren – bestätigen diese Regel.

Warum ist das Scheitern normal?

Die Antwort ist einfach. Zum Beispiel versuchen auch große Konzerne immer wieder, neue Produkte in den Markt zu bringen. Diese Konzerne verfügen über alles, was man für eine neue Produkt-Idee braucht: Beliebig viel Kapital, eine renommierte Marke, ein geniales Marketing, eine starke Marketing- und Vertriebs-Organisation, weltweiten Zugang zu den Märkten, tolle Ingenieure und Lieferanten und vieles mehr. Und vor allem, sie kennen ihren Markt, weil sie ihn sich oft über Jahrzehnte „erlernt“ und „erarbeitet“ haben.

Und trotzdem scheitern ihre Produkt-Entwicklungen. Im besten Fall sind nur 10 % solcher Entwicklungen am Markt leidlich erfolgreich. Bei strengeren Messkriterien noch viel weniger.

Nur wie will ein junges Team, das all das nicht hat, da mit halten? Nur mit jugendlicher Unbeschwertheit und Kreativität? Das ist doch Unsinn.

Ein Schluss könnte sein, dass junge Gründer nur eine reelle Chance in ganz neuen Märkten haben. Dann sollten junge Gründer (fast) alle Geschäftsideen, die sich in vorhandenen Technologien und Lösungen meiden. Die Entwicklung scheint diese Annahme zu bestätigen. Hier vielleicht eine erste vorsichtige Empfehlung an start-ups:

Aufpassen beim Eintritt in Märkte, die schon besetzt sind!

Große Konzerne stehen sich natürlich bei kreativen Themen mit ihrer Organisation und ihren Prozessen selber im Weg. Ihr Erfolg hat die negative Seite, dass man zwangsläufig in alten Mustern denkt. Das erkennen sie auch und sie suchen so die Innovation von außen. Sie gründen „acceleration“- und „invest“-Abteilungen und suchen die Kooperation mit „start-ups“. Das ist ja auch die neueste Idee von „unternehmerTUM“ der Technischen Universität wie auch vom neuen Oberbürgermeister der Landeshauptstadt München, Herrn Reiter.

Das Zauberwort „Kooperation von Konzernen und Start-ups“ wird aber auch nicht funktionieren. Denn zum einen leben die alten Unternehmen intensiv die Ablehnung von außen. Das Motto heißt, dass „not invented here“, im eigenen Unternehmen nichts wert ist und nicht sein darf.

Ich habe das beliebig oft beobachtet und auch selbst in einer strategischen Kooperationen mit einem großen Konzern erlebt – dies sogar zweimal. Und ich kenne eine ganze Reihe von Beispielen, bei denen die „unternehmerischen“ Ergebnisse von XXX-Acceleration oder XXX-invest gescheitert sind.

Aber auch das „alte“ Vorgehen ist nur noch in wenigen Ausnahme-Fällen erfolgreich. Ich bringe als Beispiel das Scheitern fast aller „Steuerspar-Modelle“. Wir erleben das seit Jahren nicht nur in den Branchen „Film“, „Immobilien“ ,„Schifffahrt“ oder „alternative Energien“. Auch die großen Verluste von Anlegern bei Projekten im Eisenbahn- oder Kanal-Bau sind gute Beispiele.

Das Scheitern hatte mehrheitlich als Ursache nicht, dass Betrüger oder unseriöse Geschäftsleute am Werk waren. Das hat es auch gegeben. Aber meistens ist die Ursache des Scheiterns solcher Projekte, dass die dahinter liegenden Geschäftsmodelle und -pläne falsch waren. Obwohl sie von Experten „professionell“ erstellt wurden, die ihren Markt bestens kannten.

Und von anderen Experten, wie zum Beispiel von Banken kritisch geprüft wurden. Und das ehrlich, denn die Banken haben ja geprüft, weil sie sich selbst auch dran beteiligen wollten – und sie wollten ja auch keine Verluste machen.

Auch da habe ich ganz persönliche Erfahrungen. In einem Fall hat die von mir hoch eingeschätzte Sparkasse München einen geschlossenen Immoblilien-Fonds in jena auf „Herz und Nieren“ geprüft, und ein paar Millionen verloren. Ich war auch dabei, den ich habe der Prüfung der Stadtsparkasse vertraut, aber glücklicherweise nur einen Betrag im unteren fünfstelligen Bereich verloren.

Aber wenn die von Experten geschriebenen und von vielen anderen Experten validierten Business Pläne nicht funktionieren, wie soll dann ein junges Gründungs-Team ohne Erfahrungen und Marktkenntnis ihr neues Unternehmens-Schiffchen erfolgreich in eine nicht vorhersagbare Zukunft führen?

So gesehen erscheinen doch Gründungen von neuen Unternehmen als aussichtslos oder zumindest als tollkühne Abenteuer, auf die sich eigentlich kein ernsthafter Mensch einlassen darf.

Ich denke mir aber, dass es möglich ist,die Erfolgswahrscheinlichkeit eines start-ups von gefühlten 1 : 100 vielleicht sogar auf 1 : 1 (Erfolg zu Scheitern) zu verbessern.

Ich weiß, dass das dies eine sehr mutige Aussage ist und habe mir vorgenommen, in meinen zwei Wochen auf einem Zeltplatz ganz im Süden des Peleponnes auf Mani ein paar Artikel zum Thema „start-up“ hier im IF-Blog zu schreiben. Für die von mir betreuten „start-ups“ wie für alle anderen Leser auch.

RMD

P.S.
Beginnen werde ich in der nächsten Folge mit meinem eigenen Werdegang. Ich glaube, da kann man schon viel daraus lernen.

Roland Dürre
Dienstag, der 3. Juni 2014

20./21./22. Juni – PM-Camp in Berlin #pmcamp14ber

„Zusammenarbeit im 21. Jahrhundert“ sowie das Thema „Weisheit und Intuition der Vielen“

Das sind die beiden Schwerpunkte des PM-Camp Berlin vom 20. bis 22. Juni 2014 – das ist von Freitag Abend bis Sonntag Nachmittag.

Das klingt doch spannend!

So werde ich mich an meinem Geburtstag am späten Abend in das Bett eines Schlafwagen vom Nachtzug von München nach Berlin legen und ans Ziel schaukeln lassen. Und freue mich schon jetzt auf das Wiedersehen mit vielen Freunden und besonders dem Heiko (Heiko Bartlog).

Heiko ist Mitglied des Orga-Teams vom PM-Camp Berlin und hat wahnsinnig viel für die Veranstaltung geackert. Mich hat er gefragt, ob ich eine Session zu den beiden spannenden Themen des Berliner PM-Camps machen wolle. Das fand ich sehr nett.

Ja, Lust habe ich immer. So mache mir mal Gedanken. Themen habe ich auch viele. Ich liste mal auf, was mir so einfällt:

  • Zielvereinbarungen

    In 30 Jahren als „Chef“ der InterFace AG (und auch schon vorher passiv als Mitarbeiter bei Siemens AG und Softlab GmbH) habe ich sehr überraschende Erfahrungen mit Zielen und Zielvereinbarungen gemacht habe. Dabei habe ich gelernt, dass Zielvereinbarung in vieler Hinsicht sehr problematisch sind, so dass vielleicht in Zukunft immer mehr auf eine solche „Steuerung von Menschen durch materielle Belohnung“ verzichtet werden wird.

    So könnte ich meine Lebensgeschichte mit Bezahlmodellen und Erstellung von Zielen als Unternehmer wie im Projekt berichten.

  • Der Wandel im Management

    Hans Ulrich, wohl der Begründer des St. Gallener Management Modells, hat Anfang der 80iger Jahre einen wunderbaren Aufsatz „8 Thesen zum Wandel“ im Management geschrieben. Mittlerweile gibt es das St. Gallener Management Modell in der Version V4.0. Gemeinsam mit Professor Dr. Johannes Rüegg-Stürm und vielen Schweizer Unternehmern haben wir dieses Modell reviewt. Und dabei erkannt, wie einzigartig und aktuell auch heute noch die Thesen von Hans Ulrich sind.

  • Führung – Prinzipien und Werte

    Als Teilnehmer einer Blog Parade, die angestossen durch Bernd Geropp gerade läuft, habe ich festgestellt, wie vielseitig die Antworten auf die simple Frage von Bernd „Was sind deine drei relevanten Führungsprinzipien?“ sind. Ich habe lange nachgedacht, und dann war es mir plötzlich ganz klar: Ich bin ein ALO-Mann (agile, lean, open). Aber wie geht das in der Praxis. Oder warum geht das so oft leider nicht? Und was könnte man machen, dass es öfters erfolgreich genutzt wird?

  • Führung ist Kommunikation!

    Ein anderes Thema ist Kommunikation. Kommunikation war schon immer schwierig. Aber auch hier haben sich die Menschen und ihre Werte, Erwartungen, Interessen und Bedürfnisse verändert, und zwar radikal. Ebenso so wie „basic beliefs“ und „basic behavior“. Nur haben es viele Chefs, Projektmanager, Vorstände und andere Vorgesetzte nicht erkannt. Und so kommunizieren viele wie von vorgestern – und das in vielerlei Hinsicht. Da könnte man so viel verbessern – und muss es auch, wenn man „Zukunft“ erfolgreich gestalten will.

  • „Zukunft ist nicht vorsehbar“
    und „Entscheidungen erfolgen immer unter Unsicherheit“.

    Das ist so. Und auch in Manager-Kreisen setzt sich das Bewusstsein, dass es so ist, immer mehr durch. Also ein weiteres spannendes Thema für eine Sitzung.

    Ich meine dass ein Team, das offen und auf Augenhöhe zusammenarbeitet, besser erkennen kann, was „gut“ oder „schlecht“ zum Beispiel für ein Projekt ist und so gemeinsam mehr „richtige“ denn „falsche“ Entscheidungen fällen kann als es z.B. einem einsamen Projekt Manager möglich ist.

  • Kollektive Konstrukte erkennen!

    Projekte oder Unternehmen sind soziale Systeme, meistens mit einem dezidierten Zweck. Soziale Systeme neigen aber dazu kollektive Konstrukte zu entwickeln, die sich auf eigene Art und Weise verstärken. Das wird beschleunigt, wenn sich die normativ und strategisch Verantwortlichen zu Systemagenten entwickeln. Dann können sich soziale Systeme schnell verselbstständigen und entpersonalisieren.

    Dies kann nur vermieden werden, wenn es im Unternehmen oder Projekt eine Kultur der Zivilcourage (des Bürgermuts) gibt, die die Mehrheit gemeinsam lebt und sich so mit konstruktivem Ungehorsam gegen eine Perversion der kollektiven Konstrukte des Systems wehren kann. Sprich eine durch „Crowd“ garantierte Immunität die soziale System hindert.

Das alles sind Themen, die mich faszinieren. Zu denen ich auch viel erlebt und von Mentoren gelernt habe. Gerne teile ich dazu meine Erfahrung. So etwas muss aber immer zum Verlauf des barcamp und damit auch des PM-Camps passen. Deshalb möchte ich mich immer erst kurzfristig entscheiden, worüber ich rede. Zum Beispiel durch Eindrücke des Impulsvortrags und den Rückmeldungen der Zuhörer in der Diskussion. Oder des ersten Tages des PM-Camps.

Außerdem lasse ich gerne anderen den Vortrag und werde erst aktiv, wenn ich merke, dass es ein wenig bei der Findung der Sessions klemmt. Außer es hat mich irgendwas so richtig angezündet :-).

Ich freue mich also, in Berlin dabei sein zu können. Und zum Rest sage ich nur: Schau mer mal. Sprich – nicht so viel planen, sondern die Dinge sich entwickeln lassen.

Das PM-Camp Berlin wird aber auf jeden Fall Klasse werden! Kann ich jetzt schon versprechen!

RMD

P.S.
Ich möchte die Gelegenheit nutzen, hier auch auf die beiden nächsten PM-Camps nach Berlin hinzuweisen:

Das PM Camp Rhein-Main steht ganz im Zeichen von „Projektkommunikation“. Es findet vom Abend des 26. Juni bis zum Nachmittag des 28. Juni in Bad Homburg statt #pmcamprm bzw. #pmcamp14rm. Da bin ich leider verhindert, weil wir in Unterhaching am 27. Juni unsere große 30-Jahre-Feier haben, zu der ja auch alle PM-Campler eingeladen sind.

Im Juli geht es vom 24. bis zum 26. (auch wieder Donnerstag Abend bis Samstag Nachmittag) in München weiter. Beim PM-Camp München ist das Motto „Wissen teilen – Wissen vermehren“. Und der „tag“ klingt auch vertraut: #pmcampmuc oder #pmcamp14muc. Und natürlich bin ich beim PM-Camp in meiner Heimatstadt dann auch wieder dabei!

Roland Dürre
Mittwoch, der 14. Mai 2014

Das sinnvollste elektrische Gerät in meinem Haushalt ?

Oft habe ich schon komische Ideen.

So fange ich eines Abends an, darüber nachzudenken, welches unserer vielen elektrischen Geräte im und um den Haushalt herum eigentlich das nützlichste ist. Und überlege mir, was ich davon eigentlich so wirklich brauche.

Das Bügeleisen erscheint mir eingeschränkt sinnvoll. Ich könnte die Hemden ja zur Reinigung bringen. Die Schuhputzmaschine, den elektrischen Dosenöffner, die elektrische Kaffeemühle und die große Bierdosen kühlende Heimzapfanlage können es nicht sein, habe ich doch diese Geräte und noch ein paar mehr gemeinsam mit den elektrischen Weihnachtskerzen beim Umzug abgeschafft.

Da macht der Kühlschrank zum Bier kühlen schon mehr Sinn. Allerdings könnte ich Bier auch in den zahlreichen Kneipen rings um unser Haus trinken – und hätte dann immer Gesellschaft.

Eine kleine Kühltruhe dagegen gibt es noch. Die ist aber nicht mehr so voll, esse ich doch die Nahrungsmittel lieber frisch. Und versuche ich doch auch generell eher weniger zu essen. Die Kinder sind ja auch fast alle außer Haus. So finde ich Lebensmittel zu horten nicht richtig, weil ich dann immer unter dem Zwang stehe, die Haltbarkeit des Lagers zu prüfen und die Sachen aufessen zu müssen.

Da fällt mir unser in die Wasserleitung integrierter Wassersprudler und -kühler ein. Eine tolle Sache, er war lange Zeit der Stolz der Familie. Aber jetzt ist er schon seit über zwei Wochen kaputt – weil die Firma Grohe auch nicht mehr so fix wie früher ist – und siehe da, es geht auch ohne. Weil man Wasser auch so vom Wasserhahn trinken kann.

Bleiben wir in der Küche. Da gibt es die Herdplatte (Induktion mit virtuellem Kochfeld) und den Herd, den Dampfgarer mit Wasseranschluss, die Spülmaschine und die Brotschneidemaschine, den ESGE-Zauberstab, den Eierkocher, die Küchenmaschine(n), die elektrische Zitronen- und Apfelsinenpresse, die Getreidemühle, das Gerät zum Sahne schlagen, das Gerät zum ein Folie einschweißen – alles elektrisch. Und im Keller steht auch noch eine Micro-Welle.

Zurück zum Trinken. Die elektrische Kaffeemaschine wird viel benutzt. Und Kaffee trinke ich wirklich sehr gerne und (wahrscheinlich) zu viel. Notwendig brauchen tu ich diese Maschine aber auch nicht, kann ich doch lecker arabischen Kaffee im Topf kochen. Habe ja auch noch einen Filter für die Kaffeekanne, einen Kaffeestempel und die kleine italienische Espressomaschine, die alle wie meine beiden guten alten Kaffeemühlen ganz ohne Elektrik funktionieren.

Der Joghurt-Zubereiter steht beim Flohmarktzeug, ihn brauche ich wirklich nicht. Den Staubsauger nutze ich nicht so gerne, weil er Lärm macht. Lieber beseitige ich die Reste am Boden mit dem Besen und der Kehrschaufel. Teppichboden ist bei uns ein „nogo“ und Teppiche gehören an der frischen Luft ausgeklopft und nicht besaugt. Den elektrischen Rasierer nutze ich nur im Notfall, weil ich mich lieber nass rasiere. Dafür schätze ich die elektrische Zahnbürste sehr – aber brauche ich sie wirklich?

Da fällt mir etwas ganz wichtiges ein – meine Laptops, Tablets, der Router und der Drucker! Und nicht zu vergessen, das kleine elektrische Gerät, das die „Tans“ zum Überweisen produziert. Das scheint ja alles lebensnotwendig zu sein, obwohl es früher ja auch ohne ging. Da gab es ja noch Telefone, Radios und Fernseher – aber die haben wir ja immer noch und dies auch noch in mehreren Räumen. Obwohl die Fernseher mehr so große Tablets sind, mit denen man halt auch Fernsehschauen kann. Und so richtig viel Fernsehen schaue ich wirklich nicht mehr, da höre ich lieber Radio. Oder nutze den Plattenspieler, der so richtig Freude macht.

Einen anderen schönen Exoten haben wir auch noch, die sich mit elektrischem Antrieb drehende Kompressor-Eismaschine. Mit der macht die Barbara ab und zu ein besonders leckeres Eis (Zimt oder Mango, weil unser Sohn diese Früchte immer aus Indien mitbringt). Aber das auch nur (zu) selten. Fast so selten wie ich die elektrische Eisenbahn im Keller aufbaue und fahren lasse (nie). Aber die hebe ich ja auch für die Enkel auf (obwohl die heutigen Kinder Null Bock auf Eisenbahn spielen haben, weil es ja Computer gibt).

Im Keller gibt es noch eine Bohrmaschine. Die wurde sogar beim Umzug benutzt. Obwohl ich mal gelernt habe, dass die durchschnittliche Nutzung einer Bohrmaschine im Deutschen Haushalt im ganz unteren Minutenbereich liegt. Diverse elektrische Sägen, Klebepistole und mehr so elektrischer Heimwerker-Blödsinn findet sich da auch noch. Da muss ich an „shared economy“ denken. Und sofort an die Haustechnik (Heizung, Solar für Brauchwasser und Photovoltaik), die natürlich auch ziemlich elektrisch ist. Wobei „solar“ übrigens sehr sinnvoll ist.

Aber was ist das wichtigste elektrische Gerät im Haushalt? Die elektrischen Uhren können es doch auch nicht sein, könnte man ja alles mechanisch lösen. Eher der Rasenmäher, der spart Schweiß. Aber das hat man früher auch anders gelöst – Stichwort „Sense“, ein fast nicht mehr gebräuchliches Wort. Und ist Schweiß sparen nicht „out“?

Auch das elektrische Tor würde per Handbetrieb seinen Dienst genauso gut leisten. Elektrische Fahrräder – sogenannte e-bikes – habe ich glücklicherweise noch nicht, sonst hätte ich den ganzen Lade- und Wartungsstress. Dafür habe ich mehrere Fahrrad-Computer (Pro Rad einen) und zwei GPS-Systeme – sind ja auch elektrische Geräte. Und eine Video-gestützte Überwachungsanlage, damit die Fahrräder nicht gestohlen werden. Bezuweilen der böse Dieb beim Stehlen gefilmt wird.

Lampen sind ja eigentlich auch elektrische und sehr wichtige Geräte. Licht ist ja besonders am Abend ganz praktisch.

🙂 Plötzlich fällt mir der Schuhlöffel ein, ein geiles Gerät, das mir jeden Morgen gute Dienste leistet – aber der ist ja nicht elektrisch. Vielleicht wäre das eine Idee für einen Start-Up?

Ist das nicht ein Wahnsinn? Wie viel Elektromotoren sich bei uns im Hause so drehen oder besser nicht drehen! Wenn ich so nachdenke meine ich, dass wir bei meiner Geburt im Jahre 1950 „NULL“ Elektromotoren in unserem Haushalt hatten. Und an Elektrik fallen mir nur Lampen und das Radio ein …

🙂 Aber ich bin ja auch noch aus dem letzten Jahrtausend.

Jetzt aber die Quintessenz: Brauchen wir das alles wirklich? Demnächst werde ich mal überprüfen, wie viel Schuhe ich für wie viele Zwecke so habe. Oder noch einfacher, was ich alles so einkaufe, was ich gar nicht brauche …

RMD

P.S.
Die Barbara schaut mir über die Schulter und meint ganz spontan: Die Waschmaschine ist es! Gern genommen.

Roland Dürre
Dienstag, der 18. März 2014

Ach wie sind wir toll …

Ein Aufruf zur Demut.

Zurzeit ist Deutschland wieder ganz oben auf. Bei uns ist alles super. Wir verteilen beliebig gute Ratschläge. Drohen mit Sanktionen. Und wir haben sogar (fast und/oder bald) einen ausgeglichenen Haushalt. Die Sonne lacht auf Deutschland und alles ist rosa.

Nur stimmt das?

Da gibt es den ESM, der ja zurzeit wieder in der Presse ist. Da bürgt „der Bund“ (Deutschland) mit 190 Milliarden €. Und bisher konnte mir keiner erklären, wie das gut gehen soll. Allerdings kann ich mir gut vorstellen, dass der Betrag über kurz und lang noch erhöht werden wird. Da waren auch schon mal 280 Milliarden € als notwendig im Gespräch.

Weitere Öffentliche Bürgschaften (immer in Milliardenhöhe) gibt es für Banken und ähnliche Unternehmen des „Finanzdienstleistung“-Sektors. Aber nicht nur sondern auch für Waffenexporte – wie dieses Beispiel zeigt.

Leider habe ich keine Aufstellung aller Bürgschaften des Bundes und der Länder zum Beispiel für „Finanzdienstleister“ oder auch insgesamt gefunden. Dürfte dann summiert eine mächtige Zahl sein.

Soviel ich weiß sind Bürgschaften im Haushalt (wie auch in der „Bilanz“) der BRD nicht berücksichtigt. Obwohl man kein Kaufmann sein muss, um zu wissen, dass das mit den Bürgschaften selten gut geht. Aber es gibt noch mehr, das nachdenklich macht.

Von Herrn Ramsauer – da war er noch Verkehrsminister – habe ich gehört, dass jede dritte Brücke in Deutschland schon jetzt oder in naher Zukunft ein Sanierungsfall ist. Das ist nichts Besonderes, denn Infrastruktur muss halt gewartet und erneuert werden. Nur haben wir halt verdammt viel an Infrastruktur, man denke nur an unsere Straßen. Dann gibt es auch noch die veralteten Eisenbahnstrecken und eine malade werdende Energieversorgung. Und von gebildeten Rücklagen habe ich noch nie etwas gehört. Auch nicht von einer Betrachtung unserer technischen Schulden.

Ganz zu schweigen davon, dass unsere „Externitäten-Bilanz“ (zum Beispiel die Abwälzung von Kosten auf die Umwelt) gar nicht bewertet wird. Aber auch das wird nicht mehr lange funktionieren, man denke nur an die Lasten der Kernenergie, wie z.B. das „Endlager“ für atomaren Müll im Schachtanlage Asse. Die Ewigkeitskosten aus dem Abbau von Steinkohle erscheinen dazu ja fast niedlich.

Bei dieser Situation von einem „ausgeglichenen“ Haushalt zu reden, finde ich infam. Und ich fühle mich als Bürger richtig verarscht. Und ich frage mich, ob die Politiker, die sich und ihre Politik so selbstgefällig loben, es nicht besser wissen oder mich schlicht einfach „verkohlen“ wollen? Haben diese den Ernst der Lage wirklich nicht erkannt – oder wollen sie es einfach nicht? Weil die Erde eben eine Scheibe ist.

RMD

Jetzt hat wieder einer die „volle und politische Verantwortung“ übernommen. Und ist dann zurück getreten bevor er von seinem Verein zurück getreten wurde.

Politiker übernehmen auch gerne „die Verantwortung“, wenn etwas schief gegangen ist. Oder auch nur etwas bekannt wurde, das eigentlich „streng geheim“ und so gar nicht für die Öffentlichkeit bestimmt war. Nur dass Politiker mittlerweile nicht mehr zurücktreten. Das war früher einmal. Wenn sie wirklich untragbar geworden sind, warten sie heute auf einen Ausstieg in lukrative Gefilde.

Die Redewendung von „der Übernahme der Verantwortung“, gerne auch die „volle“ und „politische“, ist zu einem Lippenbekenntnis geworden. Passieren tut dann nicht viel, bestenfalls werden ein paar neue Compliance-Regeln festgeschrieben und feierlich beschworen. Und anschließend wieder klammheimlich umgangen.

Jeder von uns hat schon mal Mist gemacht. Das kenne ich gut. Aber dann fasse ich mich an die eigene Nase und versuche, das angerichtete Schlamassel soweit wie möglich wieder gut zu machen. Über die Folgen sollte ich mich nicht beklagen und auch keine Ausreden erfinden oder auf die anderen „wirklich Schuldigen“ hinweisen.

Und dann besser still sein, denn ein belangloses Statement, in dem feierlich „die Verantwortung übernommen“ wird, braucht keiner und hilft auch keinem.

RMD

Roland Dürre
Sonntag, der 2. Februar 2014

Zwischen “Agil” und “Geplant”, Intuition und Ratio.

Vor kurzem hat mir wieder mal ein Freund berichtet, wie toll seine Teilnahme an einem barcamp am Wochenende gewesen wäre. Wie viel Aufbruchstimmung er da gefühlt hätte und wie viel Energie er mitgenommen hätte. Und wie schlimm es dann war, als er beschwingt vom Wochenende am Montag in den grauen Alltag seines Arbeitsleben eingetaucht und dabei schmerzhaft auf dem harten Boden der Realität gelandet ist.

Da kamen mir wieder so ein paar Fragen in den Kopf, die mich immer mehr ins Grübeln bringen:

Unternehmen und planen:

Warum fällt „agil“ oft so schwer und warum klammen wir uns noch so gerne an „geplant“? Warum akzeptieren wir nicht die Unvorsehbarkeit der Zukunft?

Entscheiden:

Warum misstrauen wir unserer Intuition und treffen dann doch lieber unsere Entscheidungen ganz rational, scheinbar auf der Ebene der Vernunft und abgesichert durch komplizierteste Begründungen?

 Oder „populistisch“ formuliert:

Warum werden intuitiv denkende und handelnde Menschen, die agil durchs Leben gehen und erfolgreich Dinge zu Gunsten aller voranbringen, immer wieder von Apperatschiks ausgebremst, die vor lauter Regeln und Gesetzen all das mühsam aufgebaute wieder einreißen?

Hier meine Antworten …

Ich vermute, dass wir es so einerseits von unseren Altvorderen so gelehrt bekommen haben und andererseits uns unsere Ängste dazu bringen.

Lassen wir zuerst vergangenen Generationen zu uns sprechen:

Wir haben alles im Griff, wir können alles erreichen, wir müssen es nur ordentlich planen. Wir müssen unsere Welt organisieren wie ein Uhrwerk, dann kann nichts mehr passieren. Jungen weinen nicht und Gefühle sind schlechte Ratgeber. Also mach Dich frei von diesen – sie schaden nur. Und vor allem, keine Angst vor dem Fortschritt! Die Technologie kann alles! Kriege sind zum gewinnen da! Also Junge, sei vernünftig! Basta!

Die Generationen vor uns haben das so geglaubt. Sie sind zum Opfer der explosionsartigen Entwicklung im 19. und 20. Jahrhundert geworden, die grenzenlose Möglichkeiten für den Menschen zu versprechen schienen. Da entstand in den Köpfen der Menschen das Gefühl von Omnipotenz, das auf dem Glauben an Technologie und Fortschritt basierte. Der Mensch war plötzlich allmächtig, der Tod wurde verdrängt.

Die plötzlich im Überfluss vorhandene Energie (vor allem aus fossiler Quelle) gepaart mit einem gnadenlosen technologischen Fortschritt schien alles möglich zu machen. So entstand ein Machbarkeits- und Planbarkeits-Wahn, wie es ihn nie vorher in der Geschichte der Menschen gegeben hat. Alles war auf Fortschritt und Modernität ausgerichtet.

Worte und Werte wie „Demut“ und „Achtsamkeit“ wurden belächelt oder an den Pranger der Rückständigkeit gestellt. Mit nie erlebter Rücksichtslosigkeit gegen Natur und Leben wurden Technologie und Fortschritt zu den neuen Heilsbringern erklärt. Der Kampf gegen die Natur ging in voller Härte los. Die Planer der Zukunft in entarteten sozialen Systeme wollten sogar den „neuen Menschen“ schaffen so wie sie ihre neuen Städte gebaut haben.

Der Glaube, dass durch explodierende Technologie gepaart mit unbegrenzt verfügbarer Energie die Zukunft durch Vernunft gesteuert, alles determiniert und mechanistisch entwickelt werden kann, wurde unterstützt  von der gleichzeitig immer stärker gewordenen Angst vor der Freiheit.

Unsere vermeintliche Omnipotenz hat eine Chimäre der Sicherheit geschaffen, die wir uns wünschen und die uns entlastet. Auch wenn sie eine sehr trügerische ist.Je größer unsere vermeintliche Sicherheit, desto größer die Angst vor dem Verlust derselben, desto größer unsere Angst vor Eigenverantwortung und Freiheit.

Jetzt merken immer mehr Menschen, dass dies alles nur eine der vielen Kapriolen waren, denen die Menschen sich in ihrer Geschichte gerne hingegeben haben. Auch die Annahme, dass die Zukunft der Menschen mit Vernunft geplant werden könnte, erweist sich immer mehr als falsch. Wir wissen Bescheid über die Klimakatastrophe, machen aber nichts. Genauso, wie wir Bescheid wissen über die vielen Probleme unserer sozialen und ökonomischen Welt, aber auch hier nichts tun.

Es scheint aber wieder eine Zeitenwende statt zu finden. Plötzlich verändert sich wieder alles rasant. Wir haben das Internet mit neuer Informationsdichte. Wir merken, dass da was falsch läuft.

So sind immer mehr von uns auf der Flucht vor dieser eh nur vermeintlichen Sicherheit. Sie erkennen, dass man Zufriedenheit geschweige denn „Glück“ nicht kaufen kann. Sie wollen sich nicht mehr den Zwängen einer materiell gesteuerten Gesellschaft beugen, die ihre Mitglieder nur noch zu Konsumenten formatiert.

Sie wollen sich nicht mehr von einer in paradoxer Art und Weise ökonomisierten Welt versklaven lassen, sondern einfach wieder leben. Sie wollen ihr Leben eigenverantwortlich und in Freiheit führen. Und haben die Nase voll von den Gesetzen einer spätkapitalistischen und globalisierten Welt.

Ich glaube, dass je mehr wir Menschen es schaffen, wieder ihre Autonomie und Unabhängigkeit zu gewinnen, desto mehr werden wir auch kollektiv bereit sein, unsere Ängste ein wenig zu verdrängen und auch gesellschaftlich den agilen und intuitiven Weg zu gehen. Und unsere Bereitschaft wird steigen, proaktiv die notwendige Transformation anzunehmen, trotz ihren radikalen Folgen mit vielen, nicht absehbaren Alternativen .

Je mehr wir Menschen aber unser Leben auf vermeintlicher Sicherheit gründen und auf dem erworbenen Besitzstand beharren und uns vormachen, wir hätten alles unter Kontrolle, weil ja alles planbar da deterministisch erklärbar und mechanisch gestaltbar ist, desto mehr werden wir keinen Mut haben, intuitiv zu entscheiden und agil zu leben. Und uns gnadenlos mit Szenarios verwirren, die wie unsere Ängste nur in unseren Köpfen stattfinden. Und dann sehr abrupt mit Veränderungen konfrontiert werden, die uns gar nicht mehr gefallen werden.

Wahrscheinlich kann der Kampf um unser Überleben nur mit „agil“ und „intuitiv“ gewonnen werden. Und die große Sängerin Janis Joplin könnte die Zukunft voraus geahnt haben, wie sie in ihrem Song Me & Bobby McGee den Begriff von Freiheit so ganz anders definiert hat:

Freedom’s just another word for nothing left to lose …

RMD

Roland Dürre
Dienstag, der 26. November 2013

Unternehmertagebuch #91 – Nicht agil oder agil mal anders.

Im letzten Beitrag meines Unternehmertagebuch habe ich versucht zu beschreiben, was einen wirklich guten Manager so ausmachen könnte. Und ich habe gefordert, dass dieser agil handeln und entscheiden müsse.

Aber was heißt das, agil? Dazu beginne ich mit dem Gegenteil (dogmatisch?):

Nicht-agile Entscheidungen erlebe ich immer dann, wenn die Entscheider sich im Besitz der Wahrheit wähnen und genauso die Welt und die Konstrukte ihres sozialen Systems bedingungslos übernehmen ohne sie zu hinterfragen. Also über eine nicht reflektierte persönliche und systemische „Vorurteilsstruktur“ verfügen. Wenn diese Vorurteilsstruktur Basis aller Überlegungen ist  und aus ihr mit dominanter Logik zwingend Entscheidungen entwickelt werden, dann kommt es meistens zu unsinnigen Handlungen mit schädlichen Folgen.

Der einfache Grund dafür ist, dass die Welt halt anders tickt, als man denkt. Wenn die vermeintlichen Gewissheiten nicht hinterfragt, emotionaler Einfluss und eigenes empathisches Aufnehmen anderer Meinungen nicht zugelassen wird und Warnungen als unbequem empfunden, unterdrückt oder ignoriert werden, dann passiert es:
Aus „Verantwortungs-Ethik“ wird „Pflicht-Ethik“, die alles Handeln aus der Treue zum System heraus rechtfertigt – auch wenn dieses Handeln dem System und den Menschen schadet.

Agil sein dagegen heißt, immer wieder anderen wie sich selber (!) Fragen zu stellen wie „Woher weißt Du das?“ oder „Woher weißt Du, dass das richtig ist“ und vielleicht unangenehmen Antworten nicht auszuweichen. Also immun sein gegen „das macht man so“ und „das ist halt so“ und immer versuchen, die eigenen Konstrukte mit den Konstrukten anderer Menschen abzugleichen und wenn möglich an der Realität zu validieren.

Das wäre die wichtigste Voraussetzung für einen agilen Manager.

RMD

P.S.
Alle Artikel meines Unternehmertagebuchs findet man in der Drehscheibe!

Roland Dürre
Samstag, der 9. November 2013

Mein Vortrag „Wandel im Management“ jetzt als Video verfügbar

Am 24. Oktober habe ich einen Vortrag mit obigem Thema an der Universität der Bundeswehr gehalten. Da die Dinge, über die ich dort berichtet habe, mir sehr wichtig sind, habe ich den Vortrag aufgenommen und ihn in Youtube veröffentlicht. Hier ist er:

Viel Spaß beim Anschauen!

RMD

Roland Dürre
Sonntag, der 8. September 2013

Unternehmertagebuch #90 – Das magische Dreieck des Managements.

Alleine bei InterFace habe ich jetzt dreißig Jahre Zeit gehabt, darüber nach zu denken, was ich denn eigentlich so mache und was mein Job ist. Wie man meinen Job beschreiben kann und über welche Qualitäten man für diesen Job verfügen sollte. Und ob ich diesen Job gut oder schlecht mache.

Denn ich bin ein Manager.

Eigentlich bin ich ein Projekt Manager, weil mein berufliches (und privates) Leben aus vielen Projekten besteht. Bei diesen Projekten wirke ich mal mehr und mal weniger mit. Bin aber immer tangiert. Mal stoße ich Projekte an oder versuche ich, sie zu steuern. Oder delegiere sie. Gelegentlich muss ich sie auch beenden. Aber immer bin ich irgendwie involviert. Und wenn es nur das Ergebnis ist, das zurück kommt.

Und in diesen vielen Jahren hat sich mein Bild und Verständnis von Management immer weiter entwickelt. Mal im Zickzack, über die Jahre hinweg aber doch konvergierend. Viele Freunde, Lehrer, Meister und Mentoren haben mich auf diesem Weg begleitet und mir sehr dabei geholfen. So konnte ich viel über Management, Führung, Unternehmertum und all die Themen, die mich so bewegen schreiben (auch in IF-Blog) und zahlreiche Vorträge besonders für junge Menschen halten.

Uns so ist mein kleines und ganz privates Management-Modell entstanden. Ich habe es als Dreieck definiert. Ich hätte es auch mehrdimensionaler definieren können, aber die Zahl drei hat den Vorteil, dass unser endliches Gehirn mit drei Dimensionen noch so leidlich umgehen kann. Und so ist ein Modell mit drei Beinen vielleicht leichter zu verstehen.

Die drei Dimensionen meines Management Modells sind

  • Operatives
  • Führung und
  • Unternehmertum

Ich beschreibe mal, wie ich mir die drei Dimensionen so vorstelle:

  • Operatives
    Das Operative umfasst in meinem Bild das „Selbstverständliche“ im Beruf des Managers. Da geht es um die alltäglichen Dinge und Entscheidungen im fachlichen, kaufmännischen oder auch personalen Bereich. Eine gute fachliche Bildung, gesunder Menschenverstand, die Fähigkeit schnell zu bewerten und solche Dinge mehr sind nützlich und teilweise notwendig. Ein gewisses Maß an Intelligenz, eine gesunde Konfliktfähigkeit, eine ausreichende Sozialisierung und ähnliches sind wünschenswert. Ein bisschen Extrovertiertheit und Selbstvertrauen sind hilfreich. Mut aufzubringen und Freude haben und teilen zu können helfen sehr wie auch eine positive Kommunikationsfähigkeit, dies mündlich wie schriftlich. Auch ein wenig Allgemeinbildung bzw. interdisziplinäre Bildung oder zumindest die Fähigkeit und Bereitschaft, Neues und Fremdes schnell zu erlernen schaden einem solchen operativen Manager nicht.
  • Führen und Führung
    Führen und Führung sind zwei wunderschöne Worte. Für mich geht es da zuerst mal darum, sich selbst führen zu können, das heißt die eigene „Führung“ zu entwickeln. Dann kann man vielleicht versuchen, auch anderen Menschen etwas von Führung abzugeben und beginnen, diese „zu führen“ (Vorsicht – hier stört mich schon die Begrifflichkeit!).
    „Führen“ setzt nach meiner Meinung ein gewisses Maß an Demut vor der Aufgabe und den Menschen in den „sozialen System“ voraus, für die man tätig ist und mit denen man zu tun hat.
    Fähigkeiten, die aus einem operativen „Funktionär“ eine Führungskraft machen, sind Qualitäten wie zu hören zu können, über ein gesundes Maß von Empathie zu verfügen, als Person Werte (eigene aber auch die des Unternehmens) zu verkörpern und zu leben, Kritik auszuhalten, Selbstkritik zu üben und immun gegen zuviel feste Annahmen, Gewissheiten oder gar Dogmen zu sein, also über ein gewisses Maß an Autonomie zu verfügen.
  • Unternehmertum
    Eine Führungskraft wird für mich zum „Entrepreneur“, wenn sie auch noch bereit ist, eine besondere Verantwortung zu übernehmen. Das bedeutet für mich, sie begibt sich absolut jenseits jeder Beliebigkeit. Sie macht sich die „Dinge“ des Unternehmens „zu eigen“ und dies in Form einer gesunden Identifikation. Das bedeutet ein verbindliches Mitwirkens mit dem Mut und der Bereitschaft, auch etwas zu verändern. Dies erfordert die hohe Bereitschaft auch im normativen Bereich eine besondere Verantwortung zu übernehmen und zum Protagonisten für die Weiterentwicklung der Unternehmenswerte und -kultur zu werden.
    Voraussetzung dafür ist, dass man als Entrepreneur nicht mehr von einem „ich muss“ und/oder starken „Überichs“ getrieben wird sondern sich ein geraumes Maß an innerer Freiheit erarbeitet hat. So kommt man in die Lage, die oft kritiklos als selbstverständlich etablierten „Welten“, die jedes soziale System halt so entwickelt, zu hinterfragen. Und immer wieder die philosophische Kernfrage zu stellen: „Woher weißt du das?“ oder „Woher weißt du, dass das richtig ist?“.
    Denn die gedachten Welten, die ein soziales System wie ein Unternehmen entwickelt, sind eben nur eine Versuch von Realitätsabbildung. Im schlimmsten, aber häufigen Fall werden sie zu Glaubenssätzen oder sogar Dogmen.
    Wenn der Manager oder die Führungskraft jetzt versucht mit „dominanter Logik“ Entscheidungen aus diesen etablierten Welten abzuleiten, werden diese natürlich nur zu oft falsch sein. Denn auch mit korrrekter Logik kann man zwar auch aus Falschem etwas Richtiges ableiten. Aber das ist dann ein Zufall, in der Regel wird das nicht so sein.
    Es ist halt sehr menschlich, auf stabilen Bewertungen aufzusetzen wollen. Die machen nämlich das Leben des Managers einfacher, dies aber oft mit schrecklichen Folgen.
    Die Qualitäten des Entrepreneurs würde ich als „agile Kompetenz“ benennen. So sollte ein „Topmanager“, der das Operative beherrscht und gleichzeitig Führungskraft und Entrepreneur ist, besonders gut in der Lage sein, angemessen mit „Irrtum und Zufall“ umzugehen.

Insgesamt meine ich, dass es im Management ganz besonders gelingen muss, den Spagat zwischen der individuellen (eigenen) und kollektiven Welt (des sozialen Systems) zusammen zu bringen. Denn die Erwartungen, Interessen und Bedürfnisse der Menschen in den diversen sozialen Systeme sind halt oft sehr verschieden und sehr unterschiedlich zu denen genau dieser sozialen Systeme. Der Manager muss aber sowohl mit den Menschen wie auch den sozialen Systemen „dealen“ und beide zusammen bringen.

Das ganze klingt nach einer fast übermenschlichen Herausforderung. Da es keine Übermenschen gibt wird es wahrscheinlich auch keinen Menschen geben, der das von mir beschriebene Idealbild erfüllt. So müssen wir nicht unserer eigenen Unvollkommenheit schämen.

Wir dürfen also nicht zu sehr an uns selbst zweifeln, wenn wir bei uns den einen oder anderen Makel oder Mangel entdecken. Aber anhand dieser Kriterienliste können wir uns prüfen, inwieweit wir schon „Top Manager“ sind oder uns noch auf der Stufe eines guten „operativer Managers“ befinden. Oder vielleicht auch schon auf dem Wege zur „Führungskraft“ sind. Und was wir tun können, um noch besser zu werden.

Ja – so ist meine aktuelle Sicht auf die Dinge.

RMD

P.S.
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Ein paar Thesen ….

Wir reden gerne von schlechten oder guten Menschen. Es gibt aber keine schlechte oder gute Menschen, es gibt nur Handlungen, die schlecht oder gut sein mögen. Richten sollte man also nur Handlungen und nicht Menschen.

So habe ich es in etwa in Ethik und Philosophie gelernt.

Mit dem Wissen ist es ähnlich. Es gibt kein gutes und schlechtes, nützliches und unnützes Wissen. Erst die Anwendung von Wissens kann „wirken“ oder etwas „bewirken“. Das Wissen an sich ist nichts wert. Es muss leben, dann kann es nutzen – beim Lösen von Problemen oder auf dem Weg zum Fortschritt oder Innovation.

Dazu muss man Wissen teilen, denn dabei wird es noch mehr. Nur wie kann man das Teilen von Wissen organisieren? Denn Wissen ist etwas dynamisches und immer kontextabhängig. Kontextabhängige Dynamik kann man schlecht in Konserven stecken. Das ist das Problem des Wissens-Management.

Mit dem Begriff „Wissen“ verwandte Worte mögen sein:

Ausbildung • Bildung • (Lebens-)Erfahrung • Erkenntnis • Können • Üben

So komme ich zu Gedanken wie Handwerk bzw. Craftsmanship. Wir entdecken den Meister und den Lehrling. Verstehen, wie wichtig Weitergeben, Vormachen, Lernen und Üben sind! Und wie man solche Prozesse durch ein Vieraugen-Prinzip und p2p-Reviews (peer-to-peer) fördern kann. Und dies nicht nur bei der Entwicklung von Software.

Und es stellen sich mir neue Fragen:

Wo nutze ich Wissen? Wer nutzt Wissen? Sind es die „weißen“ Kragen? Kann man die wirklich „Wissensarbeiter“ nennen?

Und:

Wie wirken Menschen in Organisationen und Unternehmen, die ich soziale Systeme mit einem ökonomischen Ziel nenne?
Wie kann man so ein System erfolgreich und erträglich gestalten?

Ich komme dann auf Ideen wie Selbstorganisation und Selbstbestimmung. So dass das Wissen und die Erfahrung von Vielen auf redliche und herrschaftsfreie Art und Weise zusammen kommen und so Zukunft gestalten kann.

Aber auch in selbstorganisierten Systemen wird es Rollen oder Tätigkeiten geben, die man folgendermaßen bezeichnen kann:

Entscheiden • Führen • Kommunizieren • Managen • Verantworten

Aber was ist das dann in einem solchen System? Hier ein paar Vorschläge:

Entscheiden
Entscheiden findet unter Unsicherheit statt und muss eine wesentliche Auswirkung haben. Sonst ist es keine Entscheidung. Ein „guter“ Entscheider kann versuchen, durch eine sittlich verantwortete Güterabwägung mehr Nutzen als Schaden zu stiften. Aber die Unvorsehbarkeit von Zukunft darf er nicht in Frage stellen und auch nicht versuchen, auf andere Schultern zu legen.

Führen
Führen bedeutet, Voraussetzungen zu schaffen, die es ermöglichen, dass sich im verantworteten Umfeld das personale Leben der betroffenen Menschen in seinen vielen Dimensionen eher entfaltet als reduziert. So wie z.B. einen Angst freien Raum. Und das in Demut vor der Aufgabe des Führens.

Kommunizieren
Voraussetzung für gutes Kommunizieren ist, bereit sein, sich auf Augenhöhe begeben, Zuhören können, über Emphatie zu verfügen, alterozentral denken können und Respekt aufbringen.

Managen
Das heißt eigentlich nur verantwortet mit Veränderung umzugehen. Befindet sich ein Unternehmen in einem stabilen Zustand, macht es in der Regel sehr gute Geschäft. Nur: Zu viel Stabilität bedeutet irgendwann mal des Ende. Veränderung macht das Weiterleben möglich. Wiederrum nur: Veränderung schadet in der Regel den Zahlen. Diesen Spagat immer und immer wieder zu bewältigen nenne ich „Managen“.

Verantworten
Das von mir verantwortete Umfeld ist das, auf das meine Entscheidungen eine Auswirkung haben. Also muss ich mir die Folgen meiner Entscheidungen klar machen. Und darf diese nicht Ignorieren.

Menschen, die Entscheiden, Führen, Kommunizieren, Managen und Verantworten nenne ich Unternehmer.

Unternehmer
Ein guter Manager ist ein Manager, der öfters mal das Richtige denn das Falsche entscheidet. Und der öfters mal korrekt bewerten kann, was gut und was schlecht ist.

Das alles steht im Widerspruch, zu dem, was ich offiziell gelernt habe. So komme ich jetzt zum

Klassischen Irrtum

Viel zu viele Menschen meinen immer noch, dass die Welt planbar ist. Ihr Weltbild ist mechanistisch und tayloristisch. Wissen & dominante Logik halten sie in dieser Kombination als den Garanten für den Erfolg.

Ich glaube das nicht mehr. Das Zeitalter einer stark arbeitsteiligen (tayloristischen) Arbeitswelt mit mechanisierten Prozessen über Menschen hinweg ist im Schwinden. Es war ein sehr vereinfachendes Weltbild, das zwar Wohlstand gebracht hat. Aber zu Grenzkosten, die viel zu hoch war. Um jetzt zu überleben, müssen wir AGIL sein.

RMD

P.S.
Bei InterFace hatten wir mal eine junge Frau zu Gast. Daniela Blettner (mittlerweile Hochschullehrerin) hat für HSG (Hochschule St. Gallen) ihre Doktorarbeit erarbeitet. Das Thema war „Dominante Logik bei der Gründung von Unternehmen“. Und das Ergebnis war erstaunlich: Alle der untersuchten und sehr erfolgreichen Unternehmen waren in ihrem Gründungsprozess frei von „dominanter Logik“. Noch schlimmer, ein paar davon wären fast an „dominant logischer Strategie“ gescheitert.

P.S. 1
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