Roland Dürre
Montag, der 6. Januar 2014

Die Deutsche Bahn und der Döner in Lindau

Freitag auf Samstag war ich in der Schweiz. Bei meinem Freund und Partner Wolf. Er wohnt in Goldach am Bodensee. Ich fuhr wie immer mit dem Zug.

Am liebsten fahre ich über Lindau. Die Strecke von München über Buchloe, Kaufbeuern, Kempten, Immenstadt, Oberstaufen führt durchs schöne Allgäu. Ich genieße sie immer sehr. Und kann auf der Fahrt auch ein wenig lesen und diverse Themen vorbereiten.

Blöder Weise kann ich in München keine Fahrkarte nach Goldach kaufen. Geht im Internet und auch am Schalter nicht. Ein Ticket nach St. Margrethen gibt es, aber nicht für die kleinen Orte wie Rorschach oder eben Goldach. So war es auch letzte Woche wieder.

Den Fahrplan nach Goldach via Lindau bekomme ich schon in Deutschland ausgedruckt. Es geht zuerst mal mit dem Alex nach Lindau. Also kaufe ich mir ein “Bayern Ticket”. Das ist bis Lindau gültig, dort muss ich umsteigen.

Normalerweise ist die Umsteigezeit zur S-Bahn nach Bregenz oder sogar direkt nach St. Margrethen gut 20 Minuten. Ich habe also in der Regel ausreichend Zeit, um mir in Lindau das Ticket für die Strecke von Lindau nach Goldach zu kaufen.

Auf meinem Reiseplan ist die Umstiegszeit aber diesmal nur 5 Minuten. Und da ein deutscher Zug nie pünktlich ist, wird es knapp. Auch diesmal ist es so. Mein Alex war zwar die ganze Fahrt pünktlich. Vor Lindau Hbf steht er dann 5 Minuten vor dem Sperrsignal.

Und wir kommen (natürlich) mit Verspätung in Lindau an. Der Anschlusszug nach Bregenz/St. Magrethen wartet, allerdings drängt uns die Stimme aus dem Lautsprecher zur Beeilung. Ich habe aber keine Fahrkarte für die Weiterfahrt. In den Zügen in Österreich kann man auch kein Ticket lösen.

Also muss ich mich ganz schnell entscheiden.

Variante 1: Schwarzfahren.
Das Risiko, erwischt zu werden ist nicht groß. Die Fahrt kostet gut 10,- €, die Strafe meines Wissens 40 €. Die Wahrscheinlichkeit, erwischt zu werden ist wesentlich kleiner als 10 %.  Rein spieltheoretisch spricht also einiges fürs Schwarz-Fahren.

Variante 2: Ticket kaufen.
Wenn ich mir ein Ticket kaufe, komme ich 40 Minuten später an. Und habe weitere Unbequemlichkeiten: Ich muss meinen Freund über meine verspätete Ankunft informieren, weil er mich abholen will. Und muss einmal mehr umsteigen. Und habe in Lindau einen ziemlich langen Aufenthalt vor mir.

Entscheidung: Döner-Mann
Mir fällt der Döner-Mann im Lindauer Bahnhof ein. Der hat einen Döner, der mir besonders gut schmeckt. Also spurte ich nicht zur S-Bahn über Bregenz nach St. Margrethen sondern lenke meine Schritte in Richtung Lindauer Bahnhofshalle.

Zuerst besorge ich mir mein Ticket nach Goldach. Dazu muss ich den österreichischen Fahrkarten-Automaten nutzen. Denn der deutsche kann das nicht. Und zahle 10,50 € für die kurze Strecke von Lindau nach Goldach.
Für die Nicht-Bahnfahrer hier eine Erläuterung: Lindau ist wie früher Salzburg (Deutschland/Österreich) oder St. Margrethen (Österreich/Schweiz) ein Grenzbahnhof, da stehen die Fahrkarten-Automaten zweier Bahngesellschaften.
Dann gehe ich zum Dönermann und will mir einen Döner leisten. Ich habe jetzt Zeit und studiere in Ruhe die Preisliste. In Lindau kostet der “normale” Döner 4 €. Der gute mit Käse 4,50 €. Und der Dürüm Döner sogar runde 5 €!

Irgendwie habe ich ganz andere Döner-Preise im Kopf. Da will ich gar nicht bis in die DM-Zeit zurückgehen.

Jetzt biete ich eine Wette an. In fünf Jahren wird der normale Döner in Lindau Hbf 7,50 € oder mehr kosten. Und das Ticket von Lindau nach Goldach mindestens das doppelte vom Döner.

Wer wettet dagegen?

RMD

P.S.
Am Abend holen wir in St. Margrethen die Barbara ab. Alle Schweizer Züge auf der Anzeige sind pünktlich. Nur für einen Zug – der EC aus Deutschland – ist eine Verspätung angezeigt. Die Ansage auf dem Bahnsteig ist ganz lakonisch: “Wegen eines Ereignisses im Ausland hat der Zug 10 Minuten Verspätung.

Auf der Rückfahrt war es dann ähnlich. Pünktlich in der Schweiz und in Lindau (!) abgefahren, dann in Immenstadt auf den zweiten Zugteil gewartet. In Buchloe dann umgestiegen – glücklicherweise hatte der Anschlusszug nach München auch eine Verspätung …

:-) Weil die “Drehscheibe meines Unternehmertagebuchs” sonst in den Tiefen des Blogs verschwindet, habe ich sie mal nach vorne gezogen. Sind immer schon 91 Einträge geworden.

DrehscheibeLang ist es her:
Im Sommerurlaub 2009 in Griechenland habe ich mal kein Urlaubstagebuch geführt sondern mein “Unternehmertagebuch” begonnen.

Da habe ich einfach mal am Strand in der griechischen Sonne runter geschrieben, was mich an Unternehmen und Unternehmertum so bewegt.

Das Tagebucht führe ich bis heute weiter – und bin immer selbst überrascht wie sich mein Weltbild ändert und für mich trotzdem konvergiert.

Im September des gleichen Jahres habe ich dann eine Übersicht über alles diese Beiträge eingeführt – die Drehscheibe. Und diese dann immer um weitere Artikel meines Unternehmertagesbuchs ergänzt.

Vielleicht scheint am nächsten Sonntag nicht so viel Sonne und animiert den einen oder anderen zum Lesen. Würde mich freuen, so wie ich mich auch über Kommentare freue!

Hier alle Beiträge in der chronologischen Reihenfolge ihres Erscheinens:

#0 – Mein Plan

#1 – der USP – Fall 1: CocaCola

#2 – der USP – Fall 2: Red Adair

#3 – der USP – Fall 3: Die Siemens AG

#4 – der USP – Fall 4: Metallbearbeitung im Mittelstand

#5 – der USP Fall 5: InterFace AG

#6 – der USP: “Summary” oder “Der Weg ist das Ziel”

#7 – “Elevator Pitch ” oder “Alles Müll”

#8 – Das ethische Unternehmen – Ausblick

#9 – Das ethische Unternehmen – 1. Notwendige Bedingungen für Sinngebung, Mission und Leitbild

#10 – Das ethische Unternehmen – 2. Notwendige Bedingung für den Umgang mit Gewinnen

#11 – Das ethische Unternehmen – 3. Notwendige Bedingungen für Produkt und Dienstleistungen

#12 – Das ethische Unternehmen – 4. Notwendige Bedingungen für Mitarbeiter

#13 – Das ethische Unternehmen – 5. Notwendige Bedingungen für den Umgang mit Kunden

#14 – Das ethische Unternehmen – 6. Notwendige Bedingungen für den Umgang mit Lieferanten

#15 – Das ethische Unternehmen – 7. Notwendige Bedingungen für die Unternehmenskultur

#16 – Das ethische Unternehmen – 8. Notwendige Bedingungen für die Führungskultur

#17 – Das ethische Unternehmen – Einschub – Zahlen – Pro Führungskraft – Pro Unternehmen 2.0!

#18 – Das ethische Unternehmen – 9. Notwendige Bedingungen für die Entscheidungskultur

#19 – Das ethische Unternehmen – 10. Notwendige Bedingungen für den Umgang mit Ressourcen

#20 – Das ethische Unternehmen – 11. Notwendige Bedingungen für den Umgang mit allen Stakeholdern

#21 – Das ethische Unternehmen – 12. Die trivialen Gebote des redlichen Kaufmanns

#22 – Das Ethisches Unternehmen – 13. Summary: “Ein biophiles Unternehmen”

#23 – Wir alle sind Unternehmer!

#24 – Die eigene Gründung – Motivation

#25 – Die eigene Gründung – Partnersuche

#26 – Die eigene Gründung – Planung

#27 – Die eigene Gründung – Start

#28 – “Eine kleine Geschichte” oder “Alles hängt von den Menschen ab”

#29 – “Das Tandem” oder “Eurasia”

#30 – Drehscheibe (hier befinden Sie sich)

#31 – Warum braucht man überhaupt Unternehmer?

#32 – “Prozessgläubig?” oder “Die Menschheit zerfällt in 2 Teile!”

#33 – “Prozesse über alles!” oder “Alles ISO?”

#34 – “Risk Management?” oder “Die Stärken sind wichtiger!”

#35 – “Die drei Erfolgskriterien!” oder “Unternehmenskultur oder Management?”

#36 – “Unternehmer: Jäger oder Sammler”

#37 – “Unternehmer: Hobbygärtner oder Modelleisenbahner”

#38 –”Das Joch des Unternehmers …”

#39 – “Das Risiko des Unternehmers …

#40 – “Sind wir unser Geld wert?”

#41 – “Wie konnte Queen Victoria das britische Empire nur regieren?” ♫

#42 – “Die Entscheidungsinsel”

#43 – “Persönliche Haftung – ja gerne”

#44 – “Ungesunde Ziele – ungesunde Strategie”

#45 – “Planen&Ehrgeiz” oder “Was hat eine Radtour mit einem Unternehmen gemein?”

#46 – “Unternehmensforschung” versus “Operation Research”

#47 – Erfolgsrezept für Unternehmer – Reflektieren und Leben!

#48 – “Leidenschaft&Sinn”

#49 – “Love it …” oder “Die Basics von Unternehmertum”

#50 – “Treiben oder getrieben werden” oder “Erfolg und Mittelmaß”

#51 – “Der Topmanager und die Menschen”

#52 – “Charisma und Führung”

#53 – “Von Ego- und Alterozentrierten”

#54 – “Drei mal drei Buchstaben”

#55 – “Die Parabel vom Kiosk”

#56 – “Die Starken fördern, die Schwachen ignorieren”

#57 – Umdenken im Management

#58 – Der Fakten-Manager

#59 – Persönliches Setup

#60 – Der Frust des Managers

#61 – Vorstellung auf modern

#62 – Zahlen lesen, Zahlen folgen!?

#63 – Die Skills des “Führenden”

#64 – Project Management goes Brecht

#65 – Was ist das eigentlich – Projekt Management? (Definitionsversuch I)

#66 – Was ist das eigentlich – Projekt Management? (Definitionsversuch II)

#67 – Was ist das eigentlich – Projekt Management? (Definitionsversuch III)

#68 – Wie entstehen eigentlich Projekte?

#69 – Projekte sind schädlich für die Gesundheit Ihres Unternehmens!

#70 – Reporting – für wen berichte ich denn eigentlich?

#71 – Über die Notwendigkeit von unvernünftigen Entscheidungen

#72 – Ungeliebte Meetings

#73 – Die Rolle des AR in der kleinen AG

#74 – Konkurrenzfreie Gemeinschaftsunternehmen in der Nachfolge staatlicher Monopole?

#75 – Besprechungen 2.0

#76 – Vertrieb

#77 – Eigene unvernünftige Entscheidungen …

#78 – Ich stell mir mal vor, ich wär ein Professor …

#79 – “Boutique-Parabel” (Vertrieb&Marketing 2.0)

#80 – Mein Leben, Project Coaching und die InterFace

#81 – Projekt, Management und Projekt Management

#82 – Was ist das eigentlich, Strategie?

#83 – Was ist das eigentlich, ein Unternehmen?

#84 – Kündigungsschutz

#85 – Der Buchstabe “V”

#86 – Der Buchstabe “R”

#87 – Es ist so einfach …

#88 – Das Genie

#89 – Wissen und Organisation, Führen und Managen, Unternehmer sein

#90 – Das magische Dreieck des Managements.

#91 – Nicht agil oder agil mal anders.

#92 – Guter Rat / Schlechter Rat – Episoden

#93 – Effizienz versus Resilienz

#94 – Geisteshaltung, Vertrauen, Konstruktives & Destruktives

#95 – Entrepreneurship, Start ups, Unternehmertum – irgendwie überhöht?

#96 – Noch mal Strategie!

#97 – Heute mal wieder zum Vertrieb

#98 – Die Ökonomisierung des Lebens

#99 – Goldene Regel für Unternehmen

#100 – Recruitment

#101 – Make or Buy?

Ich habe noch ein wenig mehr vor. Es wird also noch ein paar Artikel geben, die ich dann auch immer hier eintrage.

RMD

P.S.
Beim Schreiben des Unternehmertagebuchs habe ich auch gelernt, dass Unternehmertum gar nichts besonderes, sondern ein ganz normaler Teil des täglichen Lebens ist. Und dass viele Menschen, die mutig im Leben stehen, mehr Unternehmer sind als manche Top-Manager. Ich denke da an alleinerziehende Mütter oder auch Familienväter, an alle Menschen die oft auch in schwierigen Situationen stehen. Aber immer versuchen, ihr Leben in eigener Verantwortung und Freiheit zu leben.

Roland Dürre
Samstag, der 9. November 2013

Mein Vortrag “Wandel im Management” jetzt als Video verfügbar

Am 24. Oktober habe ich einen Vortrag mit obigem Thema an der Universität der Bundeswehr gehalten. Da die Dinge, über die ich dort berichtet habe, mir sehr wichtig sind, habe ich den Vortrag aufgenommen und ihn in Youtube veröffentlicht. Hier ist er:

Viel Spaß beim Anschauen!

RMD

Roland Dürre
Sonntag, der 3. November 2013

brand eins im November

001_b1_05_13_Titel_4c.inddDiesmal kam das brand eins schon früh zu mir. Denn Weihnachten kommt bald. Und ich gehe davon aus, dass die Januar Nummer des brand eins am Heilig Abend auf möglichst vielen Gabentisch liegen soll. Also Tempo machen. brand eins ist übrigens wirklich ein guter Tipp für ratlose “Weihnachts-Schenker”.

Dass der Riss auf der Titelseite nicht echt ist, hatte ich auch schon fast erwartet. Hatte mich doch schon das brand eins des Oktober mit seinem “post-it” richtig rein gelegt.

Der Titel “Richtig Schluss machen” und der “Schwerpunkt Trennung” sprechen mich aber schon wieder an. Schluss machen und Trennen ist schlimm.

Aber auch mir geht es ähnlich, wie Frau Fischer es im Editorial beschreibt. Auch “meine” Trennungen waren für mich immer von Nutzen. Wie gut war es, dass ich Siemens verlassen habe und dann später Softlab, um mein Leben ein Stück eigenverantwortlicher zu führen.

Die Verabschiedung der größer gewordenen Kinder in ihr eigenes Leben war eine gute Trennung, genauso wie das vermeintliche Aufgeben von Freiheit beim Start ins Familienleben. Auch vor kurzem das Verlassen unseres letzten Hauses war schmerzhaft. Immerhin haben wir dort  23 Jahre überwiegend sehr glücklich gelebt. Jetzt aber lebe ich in einem anderen und kleineren Haus und bin begeistert.

Am letzten Sonntag habe ich mich – allerdings hoffentlich nur vorübergehend aus diesem und unseren beiden Katzen Minz und Maunz alias Stalin und Lenin alias Joschi und Wladi verabschiedet und bin nach Indien gereist, um meinen Sohn zu besuchen und mit ihm und seinen chinesischen Schwiegereltern ein wenig durch Indien zu reisen.

Und das brand eins ist dabei. Da die Lufthansa zumindest in der Economy-Klasse mit Tageszeitungen nicht mehr so großzügig zu sein scheint, war ich sehr froh, dass ich es im Handgepäck dabei hatte. Denn auf einem so langen Tagesflug lese ich gerne etwas Gutes.

Und so habe ich im Flieger vom Abschied gelesen. Und konnte mich so ein wenig auf meine nächsten Abschiede vorbereiten – auf den von meinem aktuellen Job Ende 2014 und auf die vielen kleinen, die mir so bevor stehen. Und habe fest vor, mich von niemanden und nichts “in Geiselhaft” nehmen zu lassen (siehe Seite 70), sondern weiter “Sprünge und Trennungen” in meinem Leben zu zu lassen.

Ja – und was mich gefreut hat, dass mein Lieblings-Weißbier (Stichwort Unertl) auch im Heft vorkommt. Natürlich sind auch die Zahlen von Lenovo sehr interessant, aber da könnte man einen eigenen Artikel darüber schreiben. Was aber am meisten für dieses brand eins spricht, dass auch mein sehr kritischer Sohn das brand eins von Anfang bis zum Ende  in sich hinein gefressen hat.

:-) Er lebt ja nach zwei Jahren in China jetzt in Indien und kannte brand eins noch nicht.

RMD

Roland Dürre
Freitag, der 11. Oktober 2013

“Die klugen Tiere im Zoo” oder “Academica”

GiraffenGelegentlich bin ich mit Professoren auch der Fakultät Wirtschaft und Philosophie zusammen. Wir sprechen dann zum Beispiel über Wirtschaftsethik und -moral. Und ich  gewinne den Eindruck, dass die Academica ein schöner Zoo ist. In diesem leben tolle Tiere.

Die sind sehr gepflegt und gut gefüttert. Sie strotzen vor Gesundheit, weil sie medizinisch bestens versorgt werden. Ihr glattes Fell glänzt. Wenn sie die Zähne fletschen sehen wir ihr makeloses Gebiss. Man merkt, dass sie über ein hervorragendes Wissen und einen präzisen Verstand verfügen. Meistens sind sie auch sehr sympathisch.

Elefantenherde1Diese Tiere haben viel Zeit zum Nachdenken. Es gibt da nur einen kleinen Haken. Ihr Wissen ist oft sehr abstrakt und theoretisch. Denn diese Tiere sitzen im Zoo. Dort sind sie meistens auch geboren worden. Nur in der Freiheit haben sie nie gelebt

Und im Zoo versuchen sie, zu erforschen, wie das Leben in freier Wildbahn so sein könnte. Natürlich können sie das nur erahnen. Denn sie leben ja im Zoo.

Oft treffen sie mit ihren Gedanken ins Schwarze. Ab und zu bringt ihre Ahnung seltsame Blüten hervor. Und da geht dann vieles einfach daneben.

African_BuffaloTrotzdem leisten die Tiere im Zoo eine wertvolle Arbeit. Sie erarbeiten und vermitteln uns, den Tieren in freier Wildbahn, viele schöne Theorien. Mit denen können wir spielen und uns eine eigenen Meinung bilden. Was denn da so dran ist und was nicht.

Allerdings leben wir ja auch nicht in freier Wildbahn. Vielleicht gelegentlich in einem Biotop. Kulturwelt herrscht vor, Naturwelt gibt es nicht mehr.

Wenn ich an die Tiere im Zoo denke, dann  fällt mir noch etwas anderes ein, so rein assoziativ:

Die süßesten Früchte fressen nur die großen Tiere.

Kommt mir auch irgendwie passend vor. Oder ist das nur der Grund, warum die großen Säugetiere in der Regel Vegetarier sind? Vielleicht sollte uns das zu denken geben?

RMD

P.S.
Das Foto der Giraffe ist von John Walker (Images of Africa), des Elefanten von Ikiwaner und der afrikanische Büffel von Stefan Ehrbar.

:-) Und weil es so schön ist, dann doch noch das Lied vom Peter Alexander aus dem Jahre 1952:

Roland Dürre
Sonntag, der 21. Juli 2013

Sind wir noch zu retten … ?

Oder gehen wir im Irrsinn unter …?

Aus aktuellem Anlass ist mir wieder ein Theaterstück eingefallen, das Norbert Weinberger und ich am Ende des letzten Jahrtausend auf einem Flug nach Indien skizziert und anschließend ausgearbeitet haben. Wir sind damals über Zürich von München kommend mit Swiss Air nach Neu-Dehli geflogen, um dort unser Tochterunternehmen “AMPERSAND ltd” zu besuchen. Die Business Klasse war ziemlich leer und gleich mehrere charmante Damen aus der Schweiz kümmerten sich so richtig nett um uns.

Champagner gab es zum Abwinken und der Norbert und ich meinten, dass es Sinn machen würde, die Zeit zu nutzen, um den Schwachsinn des Spätkapitalismus in einem kurzen Sketch zu beschreiben.

Entstanden ist in dieser Nacht ein kurzes Theaterstück mit einfachen Bildern und Botschaften, erzählt von unserer Märchenerzählerin (Muschka):

Zwei Freiberufler und Freunde (Norbert und ich) sind in der Klemme. Deshalb trinken sie auf einer zugigen Parkbank ein Bier. Einem zufällig vorbei kommenden Studenten der BWL (Markus) erzählen sie ihr Dilemma und gründen mit diesem eine Firma. Sie freuen sich schnell über das erste gute Jahresergebnis, aber ihr Wirtschaftsprüfer (Christian) holt sie schnell auf den Boden runter. Er empfiehlt ihnen einen ihm persönlich bekannten Business Angel (Hans). Der löst gleich alle Probleme und bringt sie mit goldenen Flügeln (am Rücken) an die Börse. Die Assistentin des Vorstands (Claudia) gefällt das auch und serviert den Champagner. Jetzt heißt es wachsen, also “hire & buy”. Plötzlich ist die Euphorie raus und das Unglück nimmt seinen Lauf. Aus Mr. Buy wird Mr. Sell (Alfred). Und  am Schluss finden sich die beiden Freunde wieder auf ihrer Parkbank beim Bier.

Soweit die Handlung dieser sehr sentimentalen Satire auf die New Economy von Norbert Weinberger und Roland Dürre als Theaterstück. Uraufgeführt wurde es von den Geschäftsführern und Vorständen der im IT-Treff kooperierenden mittelständischen IT-Unternehmen. Das war am 29. Juni 1999 vor gur 550 Zuschauern, die sich damals im Schlachthof zu München fast tot gelacht haben. Das ist dann bald 15 Jahre her, an der Aktualität des Stückes hat sich aber nichts geändert.

Hier der Text zum Lesen oder Nachspielen.
IT-Treff Satire (1259)

Es gibt auch ein Video vom Stück, das leider nur von äußerst schlechter Qualität ist. Ich würde mich freuen, wenn eine Bühne (Laien oder Profis) unser Stück aufführen würde und wir so ein neues Video erstellen könnten. So ein Projekt würde ich tatkräftig kräftig unterstützen und lobe 1.000 € für dies erste Bühne aus, die das Stück in einem schönen Rahmen spielt. Da es kurz und einfach zu inszenieren ist, könnte es auch nur als “Vorstück” dienen. So wie eine Vor-Band. Wäre doch mal etwas anderes!

RMD

Roland Dürre
Samstag, der 20. Juli 2013

DATENSCHUTZ

Richard GutjahrRichard Gutjahr (in Twitter unter @gutjahr zu finden) bezeichnet sich selbst als
Journalist und Blogger, seiner Zeit oft voraus.

Ziemlich früh habe ich ihn im “Netz” entdeckt, mit seinen Beiträgen spricht er mir (leider) aus dem Herzen.

Der aktuelle Post in gutjahrs blog heißt

Verschlüssel’ doch!

Dieser Artikel hat mich zu einem Kommentar bewegt. Aus Bequemlichkeit allerdings nur in Facebook, was eigentlich falsch ist. Hier meine noch ein wenig überarbeiteten Anmerkungen:

Wir haben das Recht des Ausübens von Gewalt an den Staat abgegeben, er hat so das Gewaltmonopol. Das ist klug, aber auch gefährlich. Der Staat hat deshalb eine unheimliche Macht. Wenn der Staat “böse” oder “schlecht” wird (was immer passieren kann und laufend passiert), wird er zu unserer schlimmsten Bedrohung. Deshalb muss “Staat” transparent sein und jederzeit und in allen (!) Dimensionen von den Bürgern kontrolliert werden können!

Dies muss die zentrale Forderung auch beim Datenschutz sein. Denn wenn der Staat nicht für alle Bürger zu 100 % transparent ist, sind die Tore des Missbrauchs weit geöffnet. Ich kann mir kein (!) Thema vorstellen, bei dem in einer transparenten Gesellschaft eine staatliche Transparenz dem Gemeinwesen und Gemeinwohl wirklich schaden könnte. Das umfasst auch Sicherheits- und andere oft konstruierte Bedenken. Paranoia verursacht immer mehr Schaden als Nutzen!

Die transparente Gesellschaft ist so eine notwendige Bedingung für eine gelingende “digitale” Gesellschaft. Denn Staat kann nur in einer transparenten Gesellschaft wirklich transparent sein. So braucht “NEULAND” neben Toleranz und Respekt auch Transparenz als zentralen Wert. Wir müssen also einen gesellschaftlichen Konsens anstreben, dass wir eine freie, offene und transparente Gesellschaft haben wollen! Das wäre die Aufgabe unserer politischen Kräfte

Appelle, die Daten selber besser zu schützen, sind nur lächerlich. Die Gesetze zum Schutz von Daten stiften NULL Nutzen, bewirken aber beliebig viel Blindleistung.

Und immer daran denken: Der Staat ist der Gesetzgeber. Und wir erleben gerade, dass sogar ein “noch guter” Staat seine Gesetze halt so macht oder ändert, wie es ihm passt und nutzt. Von einem schlechten Staat ganz zu schweigen.

Ich möchte noch anmerken, dass ich das Lesen von gutjahrs blog nur empfehlen kann!

RMD

Roland Dürre
Sonntag, der 7. Juli 2013

Industrie 4.0

Die nächste Sau wird durchs Dorf getrieben!

RMD

P.S.
In der Kürze liegt die Würze.

Roland Dürre
Mittwoch, der 5. Juni 2013

Berichten oder Teilen?

Mir fällt auf, dass wir früher, wenn wir über Organisationen gesprochen haben, sehr oft das Wort “berichten” verwendet haben. So hieß es laufend zum Beispiel “Herr Meyer berichtet an Frau Müller” (Natürlich meistens andersrum :-) )

Und dieser Begriff des “Berichtens” impliziert doch förmlich eine hierarchische Struktur mit einer absolut nicht kommutativen Relation. Organisation wird schon sprachlich zum Baum, der auf dem Kopf steht. Hier wird “von unten nach oben” berichtet. Und schon drängt sich der nächste Gedanke auf:

Und natürlich von oben nach unten kommandiert. Oder angewiesen? Was ist denn das Gegenteil von “berichten” in diesem Sprachspiel?

Aber zurück zum Berichten: Was wird denn berichtet?

In allgemeiner Form wird Wissen berichtet. Das besteht aus allem möglichen: Informationen, Erkenntnissen, Ergebnissen, Entscheidungen …

Fast logisch ist aber der nächste Gedanke:

Würdigt der Begriff des “Teilens” das hohe Gut des “Wissens” nicht viel besser? “Wissen teilen” hat doch schon sprachlich eine ganz andere Kraft als “Wissen berichten”. Und “Wissen teilen” klingt symmetrisch. Man assoziert “teilen” automatisch mit einem Netz.

So komme ich nur über sprachliche Spiele von der Hierarchie zum Netz. Man müsste dann unternehmerisch nur noch die Ablauf- und Aufbauorganisation (so nannte man die “Prozesse” früher) an das neue Verständnis anpassen.

Aber dies erfordert nicht nur ein paar Sprachspiele sondern eine neue Unternehmenskultur. Und genau daran scheint es mir in vielen Projekten, Bereichen, Unternehmen … etc. zu haken.

RMD

Roland Dürre
Samstag, der 25. Mai 2013

Was ich nicht mag #30 Apple und die Steuern

Apple mag ich nicht mehr so sehr. Aber nicht wegen der Optimierung von Steuern, sondern weil sie immer mehr in eine proprietäre Welt gehen und ihre technologische und wirtschaftliche Macht unredlich einsetzen. Der Konzern hat sich verändert. Wie offen war doch so ein OS früher mal. Und heute?

Was ich aber gar nicht mag, ist dass die “Welt” jetzt  Apple so schilt, nur weil sie dem US-Fiskus ein paar Milliarden vorenthalten haben. Ganz einfach, indem sie einen Teil ihrer Gewinne regelkonform in anderen Ländern außerhalb der USA wie Irland versteuert haben. Dort war das billiger und so haben sie halt ein paar der Milliarden, die sie dem US-Fiskus vorenthalten haben, in andere Länder gebracht und bei dieser Transaktion auch für sich einige Milliarden eingespart.

Das war schlecht für den Haushalt der USA, aber gut für die Haushalte von Ländern wie eben Irland. Und gut für Apple, weil es einen Teil der ersparten Gelder wieder investieren kann und gut auch für die Aktionäre von Apple, weil sie so ein wenig mehr Dividende bekommen können.

Was ist da so schlimm daran?

Wir haben eine freie Wirtschaft. Wir denken global und wir leben von der globalen Arbeitsteilung. So operieren die großen Unternehmen auch global. Wenn diese die Regeln und Gesetze, die es hierzu gibt, einhalten – und zwar so wie sie geschrieben und gemeint sind – ist es OK. Werte wie “fair” oder “anständig” in die Handlungen eines Konzerns hinein zu interpretieren, das mag ja nett sein, bringt nichts. Denn dann bräuchte es keine Regeln sondern einen kategorischen Imperativ. Den haben wir aber in der Wirtschaft (vielleicht leider) nicht.

Und wenn es halt Länder mit unterschiedlichen Gesetzen gibt und das Geschäft weltweit ist, dann ist es das Recht und wahrscheinlich sogar die Pflicht der Verantwortlichen Manager und Vorstände, das – solange es innerhalb der Gesetze passiert – auch zu nutzen.

Und dann darf die “Welt” nicht auf diese zeigen und sie beschimpfen. Nein, wenn dann muss sie auch sich selber zeigen. Und vielleicht die Regeln ändern. Ob es dann aber besser wird, weiß ich nicht.

RMD