Roland DürreDonnerstag, der 2. Mai 2013
Nicht nur die großen Abenteuer finden im Kopf statt
Ethik und Aufklärung sind auch nur eine Art von Glauben
Das hat mich schon eiskalt getroffen.
Ich dachte immer, ich würde nicht glauben. Würde alles in Frage stellen und Aufklärung und Vernunft folgen. Würde versuchen “ethisch” zu handeln. Ethisch im dem Sinne, dass ich versuche Entscheidungen einer Güterabwägung zu unterwerfen, die einem von mir sittlich verantwortetem Wertesystem folgt. Also einem Wertesystem, das ich mir bewusst erarbeitet habe und bei dessen Erarbeitung ich darauf geachtet habe, dass dieses mit dem Weltkonsens, der sich z.B. in der Goldenen Regel oder in der UNO-Charta findet, kompatibel ist. Und bei dem Werte wie Toleranz und Zivilcourage sehr wichtig sind.
Und dann ist mir aufgefallen, dass diese meine Gewissheit auch nur ein Glaube ist. So habe ich an etwas geglaubt, so wie etwa die Christen, Juden, Moslems an einen personalisierten Gott glauben, so wie Menschen anderer Religionen an andere Götter oder allgemein etwas Höheres glauben. Oder so wie die Atheisten halt glauben, dass es eben keinen Gott gibt. Und wahrscheinlich schon bald eine atheistische Religion gründen werden. Was ich zwar logisch finde aber doch auch ein Widerspruch in sich ist.
Die Gottesfrage habe ich mir übrigens nie gestellt. Zumindest solange nicht wie ich mich erinnern kann. Einfach weil mir klar war, dass ich solchen Themen nicht kann. Wußte ich doch, dass ich nichts weiß.
Heute würde ich sagen “Ich glaube, dass ich nichts weiß”. Ich weiß ja nichts und kann ja gar nichts wissen … Findet ja alles nur im Kopf statt. Und wie soll ich wissen, ob es etwas gibt, dass wir Menschen ja selber erfunden haben?
Ein Teil meines Glaubens ist auch, dass es keine Wahrheit gibt. Weil auch die Wahrheit nur im Kopf statt findet. Und nicht nur, dass es in den Köpfen sehr chaotisch zu geht. Nein, der Kopf hat zwar viel Fantasie, aber für die Realität ist er wohl zu begrenzt. Wie sollen da Wahrheiten herauskommen – wenn wir eh alles nur selber erfunden und empfunden haben?
So meine ich heute zu wissen, dass alles was wir meinen zu wissen, nur ein Glaube ist, sozusagen eine Art von Religion. Und mir bleibt nur die Hoffnung, dass mir mein Glaube – an Aufklärung und Vernunft (die es ja wahrscheinlich auch nicht gibt, weil es ja auch nur unsere Erfindungen sind) – mir persönlich mehr hilft als der Glaube anderer. Besonders wenn diese mir (und uns) ihren Glauben immer wieder aufzwingen wollen – und mit Strafe drohen, wenn wir ihn nicht annehmen.
Die zweite Hoffnung ist, dass mein Glaube an Aufklärung, Ethik und Vernunft vielleicht ein klein weniger humaner und sozialer ist, als die Glaubensvarianten, die sich auf dieser Welt so tummeln.
Von der Illusion, dass Aufklärung und Vernunft und Ethik Wahrheit wäre, habe ich aber Abschied genommen.
RMD
P.S.
Das war jetzt so ein Text, wie er nur auf einsamen Zugfahrt entsteht, diesmal von München nach Stuttgart.
Roland DürreSonntag, der 28. April 2013
Evolution, Innovation und “dominante Logik”
Letzte Woche durfte ich an einer besonderen Konferenz teilnehmen: Es war die LEADERSHIP FOR INNOVATION, unterstützt von der Peter Pribilla-Stiftung. Das Thema war VISUALIZING THE INVISIBLE. Die Veranstaltung fand statt in München an der TUM beim IAS auf dem Campus Garching und zwar am 25 und 26. April 2013.
Dass es eine eher konventionelle Tagung war hat nicht gestört. Es gab einige sehr “innovative” Sessions. Als erstmals Teilnehmender habe ich sehr schnell gemerkt, dass es hier vor allem um das “sich treffen” ging – im Rahmen eines wichtigen Netzwerks und mit den richtigen Leuten.
Ganz logisch war so die Krönung der beiden Tage die Abendveranstaltung “Network Convention 2013″ am Freitag zu Ehren von Herrn Prof. Reichswald, der am 1. April seinen 70igsten Geburtstag feiern konnte. Und im wahrsten Sinne des Wortes ging es dabei im Seehaus im Englischen Garten um “Boundless Interaction”.
An diesen zwei Tagen habe ich mit manchen Menschen über hoch spannende Themen gesprochen. Auf mich kam so viel Neues zu, dass ich all das nach der Tagung erstmal verarbeiten musste. Nach der ersten Verdauung hier ein paar persönliche Gedanken dazu.
DOMINANTE LOGIK
Eines der wesentlichen Probleme unserer Art scheint es zu sein, dass wir unternehmerisch wie privat Herausforderungen immer mit “Dominanter Logik” zu lösen versuchen. Das “echte” Leben aber ist immer Teil der Evolution und die ist alles andere als “dominant logisch”. Innovation ist jetzt unser Versuch, die Evolution zu unseren Gunsten zu beeinflussen.
Das erscheint mir eine der zentralen Aufgaben des unternehmerischen Wirkens: Die Evolution, die jedes Unternehmen sowieso durchlebt, so zu beeinflussen, dass negative Folgen im Rahmen des evolutionären “älter werden” durch positive “innovative Veränderungen” zumindest ausgeglichen werden.
Und das geht nicht mit Ratio und Logik. Die Wirkungslosigkeit von dominanter Logik kann man wiederum nicht mit dominanter Logik begründen, sondern nur mit Erfahrung und Lebenswissen. Unternehmer müssen so im “Jetzt” leben und herausfinden, was gut und was schlecht fürs Unternehmen ist und dann hoffentlich mehr richtige als falsche Entscheidungen fällen.
Wenn man Entscheidungen mit dominanter Logik aus allgemeinen Regeln ableitet, wird man scheitern. Es kommt zu vielen falschen Entscheidungen, manche davon mit wesentlichen negativen Folgen. Das zeigt die Erfahrung. Um im innovativen Sinne mehr richtige Entscheidungen zu finden, müssen die Entscheidungskriterien auf Kultur und Werten basieren.
Beispiele für durchaus übliche (und nach meinem Verständnis schädliche) Wirtschafts-Regeln sind “Wachstum muss sein”, “Wir müssen in jedem Geschäftsfeld die Nummer eins weltweit sein” oder “Shareholder Value ist das ausschließliche Unternehmensziel”. Das sind unreflektierte Plattitüden, aber keine sinnvolle Quellen für Handlungsleitung.
Hier ein paar Beispiele für nützliche Kultur-Regeln: “Die goldene Regel“, “Menschen sind keine Ressourcen”, “Kreativität sucht angstfreie Räume”, “Gelingende Kommunikation braucht Augenhöhe”, “Wissen teilen schafft neues Wissen”, “Führung heißt Respekt haben”, “Achtsamkeit und Zivilcourage sind die Tugenden” ….
Die Anwendung solcher und ähnlicher Regeln wird für mehr richtige Entscheidungen sorgen im Sinne einer nachhaltigen, die Ressourcen schonenden und so innovativen Entwicklung eines Unternehmen, das letztendlich ja auch nur ein soziales System mit einem wirtschaftlichen Zweck ist.
Und Management, welches eine nachhaltige Entwicklung eines Unternehmens wirklich will, muss seine Entscheidungen nach diesen Kultur-Regeln ausrichten. Das darf (und muss) dann auf Rationalität und gesunden Menschenverstand aufbauen. Denn auch Ethik hat viel mit Vernunft zu tun – sonst kann sie schnell zu falschen Dogmen führen. Der Evolution werden wir auch so nicht auskommen, aber vielleicht können wir diese so ein wenig durch Innovation zu unseren Gunsten beeinflussen.
Oft versuchen Unternehmensführer, aus Fehler zu lernen und das Gelernte auf die Zukunft zu übertragen. Auch da vermute ich, dass das nicht funktioniert, wenn es auf Basis von “dominante Logik” gemacht wird. Weil dominante Logik bei Menschen und ihren sozialen Systemen immer wieder versagt.
Oft bin ich versucht, diese Thesen mit “dominanter Logik” zu beweisen. Das kann natürlich nicht gelingen. Denn das Sensationelle an Evolution ist eben, dass sie eben nicht rational begründbar sondern zweckfrei ist – und so nichts mit “dominanter Logik” zu tun hat. Sie ist kein Überleben der Passendsten („Survival of the Fittest“) und wohl auch kein “Großer kollaborativer Prozeß“. Innovation ist immer abhängig vom Strom der Evolution. Nur wir Menschen maßen uns an, mit Ratio und Logik Evolution innovativ gestalten zu können. Brauchen dazu aber “Evolutionswissen”, das ebenl nicht in Spreadsheets abgebildet werden kann.
Ja – und dann gibt es noch diese für mich zentrale Eigenschaft:
OPEN
Ohne “OPEN” werden wir kein “Evolutionswissen” schaffen! Wir müssen unser Wissen und unsere Erfahrung teilen, und zwar mit ganz vielen anderen Menschen. Vorbehaltlos und auf Augenhöhe. Nur so können wir die positive Innovation als Veränderung der Evolution schaffen, um die Dinge in unseren Unternehmen wie auf dieser unserer einzigen Welt zu verbessern. Und das wird nie das Werk eines einzelnen Menschen sein, sondern von ganz vielen, die in oft unterschiedlichsten Rollen zusammen wirken.
Zu schnell wird die Evolution sonst uns Menschen von diesem Planeten runter fegen.
Das wäre zwar im kosmischen Maßstab kein großes Unglück, aber schad wär’s halt schon.
Allgemein würde ich sagen, dass man das Unsichtbare eben nicht sehen kann. Besonders nicht als Einzelwesen. Aber vielleicht kann man es gemeinsam Erahnen, sozusagen Erfühlen?
RMD
Roland DürreMittwoch, der 3. April 2013
MITDENKEN!
Im projekt (B)LOG von Eberhard Huber “über Projekte und Menschen” habe ich wieder einen schönen Artikel gefunden:
Eberhard beschreibt vier Gründe fürs “Nicht mitdenken”:
- Lösungen sind nicht eindeutig
- Unvollständige Informationen
- Fehlende Gedankenfreiheit
- Angst
Das mag so sein. Ist aber sehr schade. Denn wenn alle im Team, Projekt, Unternehmen willens und fähig wären “mit zu denken”, dann würde alles besser klappen.
Was bedeutet denn Mitdenken?
Für mich heißt Mitdenken, dass man willens und fähig ist, auch sein eigenes Wissen mit einzubringen in die gemeinsame Gestaltung von Zukunft. Wenn dies alle im Team, Projekt, Unternehmen zu den richtigen Themen, zur richtigen Zeit, am richtigen Ort und im richtigen Maß tun würden, bräuchte man wahrscheinlich kein “Projekt Management” mehr. Und die Dinge würden trotzdem bestens gelingen.
Einer der Eckpfeiler fürs Gelingen ist die Kultur im Team, Projekt, Unternehmen, ein zweiter die soziale Vernetzung der Mitglieder des Teams, Projekts, Unternehmens.
Damit die Kultur passt, müssen halt Elemente wie Kommunikation auf Augenhöhe und Transparenz prinzipiell angelegt sein. Werte wie Zivilcourage und konstruktiver Ungehorsam müssen akzeptierte und gelebt werden. Ganz einfach, das soziale System Team, Projekt, Unternehmen muss einen angstfreien und transparenten Wissens- und Schaffens-Raum für Zusammenarbeit schaffen und bilden.
Die Vernetzung lässt sich organisieren und den Rest kann man dann ganz einfach gemeinsam einüben und wird da sehr schnell große Fortschritte erreichen.
RMD
Roland DürreDienstag, der 2. April 2013
Vortragseinreichung zum Thema Wissensmanagement
Die “großen Tagungen” als Veranstaltungen mit Frontalbeschallung mag ich nicht mehr. Bin mehr für freie Formate, auf denen man Wissen auf Augenhöhe austauscht. Deshalb habe ich gemeinsam mit Freunden auch das PM-Camp ins Leben gerufen, das sich zu einer schönen Erfolgsgeschichte entwickelt hat. Allein im Juni haben wir drei lokale PM-Camps in Stuttgart, Wien und Bad Homburg nahe bei Frankfurt. Werde demnächst auch darüber berichten.
Trotzdem habe ich vor kurzen für eine Old-Style-Veranstaltung einen Vortrag eingereicht. Und zwar für die 9. Stuttgarter Wissensmanagement-Tage “Wissen verbindet”, die am 12. und 13. November 2013 in der Stuttgarter Liederhalle statt finden. Der Veranstalter der Tagung ist “wissensmanagement – Das Magazin für Führungskräfte”. Der Verlag kommt aus dem mir aus meiner Jugend gut bekannten Neusäß (ganz nahe bei Augsburg).
Den Vortrag habe ich entwickelt, weil ich glaube, dass Wissen unbedingt geteilt werden muss und wir Transparenz und Klarheit brauchen. Deshalb darf das Wissen nicht in irgendwelche Systeme eingesperrt werden. Sondern muss raus in die sozialen Räume der Menschen in den Unternehmen und Institutionen wie in der Gesellschaft. Nur so werden wir unser Wissen zur Anwendung und Wirkung bringen können.
Um “gutes” Wissensmanagement zu machen ist die eingesetzte Technik zweitrangig, vielmehr geht es um die Entwicklung von “guter” Unternehmenskultur”. In diesem Sinne wollte ich mal einen Vortrag vor “Wissensmanagement Profis” halten.
Also fahre ich meinen letzten MS-Rechner hoch, gehe auf die Website des “wissensmanagement” den “Referentenfragebogen”, lade ein grässliches Word-Formular herunter und verbringe einen schönen Samstagnachmittag damit, meine Gedanken für den Vortrag in word (!) zu formulieren.
Zuerst lese ich die einzuhaltenden Termine:
30. April 2013 – Ende der Einreichungsfrist
11. Oktober 2013 – Abgabeschluss für endgültige Dokumentation/Vortragsfolien
12. – 13. November 013 – Kongress
Da fängt das Problem schon an. Woher soll ich heute schon Wissen, was mich zum Thema Wissen bis November noch alles bewegen wird? Hätte heute schon Lust, ein paar Dinge am eingereichten Vortrag zu verändern. Hier der am 23. März von mir ausgefüllte Referentenbogen im Wortlaut:
Referent/in
Name: Dürre
Vorname: Roland. M.
Akademischer Titel: Dipl. Math. Univ.
Position: Vorsitzender des Vorstands
Unternehmen (inkl. Rechtsform): InterFace AG
Postanschrift des Unternehmens: Leipziger Str. 16, 82008 Unterhaching (www.interface-ag.de)
Telefon: 089 – 61049-0
Fax: 089 – 61049-85
Mobil: 0171 48 50 115
E-Mail: roland.duerre@interface-ag.de
Biografie
Kurzlebenslauf, der Ihre berufliche Laufbahn im Überblick darstellt. Veröffentlichung im Internet. (max. 500 Zeichen)
Pionier der 3. Generation Informations- und Kommunikationstechnologie
1969 Studium Mathematik /Informatik bei F.L. Bauer (TUM). Bis 1979 bei Siemens UB D als Student (Entwicklung von IT-Basistechnologien) und in Festanstellung (Betriebssysteme für große „Sonderprojekte“.
Nach 2 Jahren bei Softlab gemeinsam mit Wolf Geldmacher 1983 Gründer der InterFace Connection GmbH, jetzt InterFace AG.
Als Mehrheitsaktionär zuständig für die Zukunft des Unternehmens. Nebenher Blogger und Netzaktivist
(if-blog.de, duerre.de, pm-camp.org …)
Vortragstitel
„Neues Wissen braucht das Unternehmen“
Untertitel
Wie Werte und Kultur helfen, den Wandel anzunehmen und zu nutzen.
Schwerpunkte
4-6 Unterpunkte, die die Schwerpunkte Ihres Vortrags skizzieren
Menschen sind erfolgreich, wenn sie über Ausbildung & Wissen und Mut & Freude an der Arbeit verfügen.
Der Erfolg eines Unternehmens beruht auf Werten und Vertrauen.
Im Unternehmen sind strategische Klarheit und Kommunikation auf Augenhöhe die Herausforderung!
Das Wissen des Unternehmens darf nicht einsperrt sondern muss befreit werden!
„Social Media“ hilft nicht nur bei Wandel & Veränderung.
Abstract
(max. 500 Zeichen)
Die Welt ändert sich. Innovation wird zur „kreativen Zerstörung“. Transparenz und Beteiligung werden eingefordert.
Wie wird Führung im Unternehmen 3.0 dieser Herausforderung gerecht?
Wie sieht eine belastbare Unternehmenskultur im „Heute“ aus?
Wie fällt man öfters die „richtige“ an Stelle der „falschen“ Entscheidung?
Wie erkennt man, was „gut“ und was „schlecht“ ist?
Welche Rolle spielt „Social Media“?
Inhalt
Eine ausführliche Inhaltsbeschreibung
(250 bis 500 Wörter)
“Veränderung und Wandel sind evolutionär bedingt und werden im Unternehmen gemeinsam gelebt und unterstützt. Der immer notwendige kontinuierliche Verbesserungsprozess wird gemeinsam erarbeitet. …
… Die Menschen im Unternehmen wirken in enger Kollaboration zusammen. Die Veränderung wird gespeist aus Ideen, zu denen alle beitragen. Empowering of people ist die Basis für die Zukunft“.
(Zitat aus unseren Unternehmens-Prinzipien):
Problem oder Chance?
Mehr Wissen schafft Veränderung, Veränderung neues Wissen. Diese Entwicklung scheint sich zu beschleunigen. Die Anforderungen der „Welt“ verändern sich rasant. Das Wissen des Unternehmens muss dynamisch bleiben, es darf nicht zum Dogma werden.
Immer mehr Unternehmen werden mit “individueller Hierarchie” scheitern. Am Markt können sie nur mit „neuem Denken“ bestehen, entwickelt sich aus den Erkenntnissen des Unternehmengesamt. Beliebte und wichtige Stichworte sind Crowd und Schwarm. Ein “Mergen&Morphen” des individuellen zu gemeinsamen Wissen findet statt.
Warum ist das so?
Menschen leben in “Sozialen Systemen“. Soziale Systeme können NGOs, Verbände, Vereine, Kirchen oder eben Unternehmen sein.
Unternehmen verfolgen explizit ein ökonomisches Ziel. Dieses besteht darin, den Markt mit Gütern und Dienstleistungen zu versorgen und so seine Mitarbeiter zu ernähren. Sie sind dem permanenten Wandel ihres Umfeldes ausgesetzt und müssen flexibel reagieren.
Mängel sind zu finden, um sie abzustellen. Stärken müssen identifiziert werden, um sie zu nutzen. Risiken und Chancen müssen im Blickfeld bleiben. Ereignisse, die neutral oder nicht bewertbar sind, können schnell relevant werden.
Erst wenn die wichtigen (richtigen) Fragen gefunden werden macht es Sinn, über Lösungen nachzudenken.“Zukunfts-Management” muss Teil der täglichen Routine werden.
Wie ist das zu erreichen?
Basis ist das gemeinsame Erleben und Erlernen der “Welt in und außerhalb des Unternehmens”. Informationen müssen von allen gesammelt werden und allen Beteiligten zugänglich sein. Alle dürfen kommentieren, ergänzen, bewerten, und gewichten … Die “Unternehmens-Crowd” bewertet die Relevanz, entwickelt Strategie und entscheidet letzten Endes operative Maßnahmen.
Was brauchen wir?
Gerade in verteilten Welten sind solche Prozesse nur mit unterstützenden IT-Systemen möglich. Diese müssen wie ein “Spiel“ gestaltet sein („Gamification“). Das Spiel muss den Gewinn des Unternehmens und des Einzelnen garantieren. Im Spiel erworbene Credits müssen als echte “EUROs” Teil des Bonus werden. Der Erfolg steigert das Ansehen im Unternehmen und wird zum positiven Beitrag für Laufbahn und “Karriere”.
Natürlich gelingt so etwas nur in einer offenen, transparenten und freien Unternehmenskultur. Das Unternehmen muss angstfreie Räume realisieren. „Teilen von Wissen” muss für alle Beteiligten sichtbar von Vorteil sein.
Bitte senden Sie uns außerdem ein Photo (Portrait) in digitaler Form (JPEG/GIF, 300 dpi)!
Vielen Dank.
Soweit das ausgefüllte Formular. Ich habe es dann gleich per E-Mail mit Foto an die vorgegebene Adresse gesendet.
Die Antwort kam zeitnah. In Form eines Angebotes, die Stuttgarter Wissensmanagement-Tage zu sponsern.
Das bringt mich ja fast in Versuchung. Denn wenn ich sponsere, könnte es ja sein, dass dies meine Einreichung stützen würde. Man kann ja schlecht einem Sponsor seinen Vortrag absagen.
Jetzt wundert es mich nicht, dass die Vorträge bei solchen Veranstaltungen so oft nach Werbung und Selbstdarstellung klingen. Und deshalb viele Menschen lieber auf barcamps gehen.
Ich werde auf jeden Fall nicht sponsern. Fast tut es mir leid, dass ich eingereicht habe. Wenn der Vortrag trotzdem genommen wird, dann halte ich ihn. Und werde mein bestes geben. Dabei nicht zu sehr frontal zu beschallen, sondern soweit in diesem Rahmen möglich die Zuhörer zum mitmachen einladen.
Und wenn er nicht angenommen wird, dann halte ich ihn halt woanders. Und habe eine gute Story für die Einleitung.
Bei dieser Aktivität habe ich auch die Deutsche Gesellschaft für Wissensmanagement (GfWM) entdeckt. Diese kooperiert mit dem Verlag von “wissensmanagement”. Die Verbands- und Lobbyisten-Strukturen des Wissensmanagement kenne ich noch nicht. Gehe aber mal davon aus, dass es dort ähnlich sein wird wie bei anderen solchen Verbänden im Umfeld Projekt- oder Qualitäts-Management. Da geht es vor allem um Macht und Kohle.
So kommt mir der Gedanke, ein Barcamp für “Wissenteilen!” (WI-Camp) zu gründen. Damit man sich zu Wissensmanagement genauso schön treffen und Wissen austauschen kann wie beim PM-Camp zu Themen rund um Projekt Management. Mitstreiter melden sich einfach bei mir.
RMD
Werner LorbeerDonnerstag, der 28. März 2013
Staatsbankrott: Was ist so üblich?
Man ist überrascht, was alles überrascht!
Wer Geld in eine Bank einlegt, ist Gläubiger der Bank! Keineswegs sichert die Bank “mein Geld”. Lediglich bis zu 100.000 € ist es versichert, der Rest ist bei jeder Pleite Gegenstand des Konkursverfahrens. Natürlich ist das Kapital der Eigner perdu und auch jenes von denen, die der Bank “Papiere”, die von ihr besichert sind, abgekauft haben, wie Bankanleihen oder Derivate etc.
Unheilvoll aber auch nicht überraschend: Wenn die Staaten zahlungsunfähig sind, dann auch die Banken. Weil große Teile der Staatsschulden von den Banken mit den Einlagen ihrer Kunden gekauft wurden. Oder sollten die Banken auf die Staatsfinanzierung verzichten? Private Gläubiger können sich ihrer Schulden jedenfalls nur innerhalb der Rechtsordnung entledigen, damit sind die Schulden der Privaten sicherer, was sich in den letzten Jahren am Anleihemarkt auch wider spiegelt.
Aber wie sollten die enormen Sparkapitalien investiert werden, die die Bürger anhäufen, wenn nicht über Staat und Gebietskörperschaften? Natürlich könnten die Bürger in Sachkapital investieren, aber gerade in Deutschland ist das seltener als im Rest von Europa. Wir haben beispielsweise weniger Wohnungseigentum als die Bürger von Zypern. Es kommt also – von der Altersvorsorge bis zum Ausbildungssparen – vor allem darauf an, die Staaten bei guter Bonität zu halten, um eine wichtige Eigenschaft des Geldes, Aufbewahrung von Wert, zu organisieren.
Wenn ein Staat mehr Geld ausgibt als er per Steuern, Abgaben, Zölle etc. von den Bürgern erhält, reduziert er seine Bonität. Aber er hat die Möglichkeit, auf die Vermögen der Bürger zuzugreifen, weil wir Demokraten alle Rechte an den Souverän abgegeben haben.
Was sind die Möglichkeiten des Staates, um nach der Zahlungsunfähigkeit des Staates ( = niemand ist bereit ihm weiteres Kapital zu geben) wieder zu einer Grundlage für die Einführung einer neuen Währung zu kommen?
Hier eine Liste von Folterinstrumenten, sicherlich unvollständig:
- Währungsschnitt im Tauschverhältnis
- Zwangshypothek auf Immobilien
- Zwangsanleihe für alle Bankguthaben und Depots
- Devisenbewirtschaftung
- Geldersatz durch Berechtigungskarten
- Verbot der Haltung von Gold
- Vermögenssteuer
- Zwangsenteignung von Vermögen
- Erbschaftssteuer
- Rückfall von Grund-und Boden an den Staat
- Steuererhöhungen, Abgabeerhöhungen aller Art
- Inflationierung
- Schuldenschnitt durch Weigerung der Rückzahlung von Staatsanleihen
Eine beachtliche Liste!
wl
Roland DürreMontag, der 25. März 2013
Bewegt Euch! – IF-Akademie – 21. März 2013
Bewegt Euch! in der IF-Akademie war 21. März 2013 ist vorbei. Es war ein sehr schöner Vortrag von Johannes Schmidt. Sobald das Video fertig ist, veröffentlichen wir es.
Nach “Bewegt Euch!” kommt
“Ubuntu & Android im Business Einsatz”
Der Praxis-Test – Was können die Windows Alternativen wirklich? Features, Probleme und Lösungen im Überblick.
Am 16. Mai 2013 wird uns Alexander Jachmann von der IF-Tech AG über den aktuellen Stand dazu berichten. Es wird sich wieder lohnen, also den Termin vormerken! Und die weiteren Termine stehen dann auch schon auf dem Plakat.
RMD
Roland DürreSonntag, der 24. März 2013
“I like” & Facebook oder “WiTuN”
I like Facebook, Google+, Twitter und manches mehr …
Immer wieder höre ich Sätze wie
“… das ganze Zeug wie Facebook und Twitter wäre schlimm … Persönlich würde man das social media ja absolut boykottieren … Virtuelle Freundschaft wäre doch Quatsch, denn man müsse sich doch auch noch persönlich sehen … Und das allerschlimmste wäre doch dieses I like!”
von ansonsten durchaus ernst zu nehmenden Menschen. Die dann in ihr Auto steigen und davon brausen oder sich wieder hinter den Fernseher zurück ziehen, also durchaus Technik nutzen, die mal modern und relevant war.
Zu ihren Aussagen sage ich dann besser nichts mehr. Weiß ich doch, dass jeder Versuch die Dinge (social media) ein wenig zu erklären, völlig sinnlos ist. Gegen dogmatische Besserwisserei kann man nichts ausrichten, besonders wenn die Besserwisser das Subjekt ihrer Besserwisserei gar nicht kennen und so nicht verstanden haben können. Das gilt ganz allgemein.
Im ifcamp (barcamp der InterFace) am letzten BlueFriday (22. März 2013) habe ich eine Session “Wissensmanagement” gemacht. Es ging darum, wie wir Wissen frei machen und teilen können. Um es dann gemeinsam zu bewerten und das Relevante zu identifizieren. Mit dem Ziel in und aus der “crowd” die richtigen oder vielleicht besseren Entscheidungen für die Zukunft zu finden.
Da kam das Gespräch auch auf das “I like” von Facebook. Und wir waren der Meinung, dass dies wohl ein erstes und allereinfachstes Werkzeug für soziale Rückmeldung ist. Um Menschen zu zeigen, dass man etwas gut findet. Oder sie wertschätzt. Oder um einfach nur Sympathie zu zeigen …
In der Session entstand die gemeinsame Bewertung, dass es für Anwendungen, die die “crowd” nutzen wollen” und “gute” social web-Lösungen eine ausgefeilte und neutrale “Rückmeldungstechnologie” braucht. Für solche Systeme ist das eine zwingend notwendige Funktionalität. Ohne eine solche Technologie werden solche Projekte nicht gelingen.
Spontan sind dann auch gleich Verbesserungsvorschläge für “I like” entstanden. Hier ein paar Beispiele.
- Man gebe jedem Teilnehmer nur eine begrenzte Menge von zu vergebenden “I like”.
- Man könnte jeden Monat wieder eine gewisse Anzahl verteilen.
- Die Mitspieler bekommen dynamisch mehr oder weniger ”Rückmeldeeinheiten” entsprechend ihrer sozialen Relevanz, vielleicht wie bei Klout.
- Oder es gibt so etwas wie einen “Page-Rank” für die Mitglieder eines sozialen Systems.
- Man könnte auch die ”Rückmeldeeinheiten” verschiedenen Gewichts einführen …
Kurzum, ich glaube, dass die “Rückmeldungstechnologie” eine ganz wichtige und zentrale Komponente für crowd- und social web-Anwendungen verschiedenster Art ist. Allerdings ist das alles andere als ein triviales Thema; es lohn sich, sich damit zu beschäftigen. Mit Sicherheit gibt es eine Reihe auch von wissenschaftlichen Arbeiten, die hier gute Ideen beinhalten und die wir uns dringend mal anschauen sollten.
Dazu ein Beispiel aus einem anderen Segment, das mich verblüfft hat.
Ich schreibe gerne Stenografie. Mir kam der Gedanke, dass man diese über Hunderte von Jahren ausgereifte Technologie des “schnellen und ergonomischen (nicht verkrampfenden) Schreibens mit der Hand” für die Texteingabe bei Tablets oder durch Gesten gesteuerte Systeme nutzen könnte. Und siehe da, ein Freund aus der Academica hat dann ganz schnell eine wunderbare Bachelorarbeit gefunden, die dieses Thema sehr gut analysiert hat.
Also – tun wirs;
Wissen Teilen – und Nutzen!
(WiTuN)
RMD
Anmerkung:
Dieser Artikel soll keinesfalls suggerieren, dass ich mit dem, was Facebook oder Twitter alles so treiben, einverstanden bin. Wenn ich z.B. bei Facebook gewisse Tendenzen des Eingriffs in die “sozialen Metriken” beobachte, kann es gut sein, dass ich da schneller weg bin als mancher denkt.
Ein Umkippen von FB ändert aber nichts an meiner Annahme, dass soziale Netzwerke und gemeinsame Wissensanwendungen einen gesellschaftlichen Fortschritt bedeuten. Wäre nur wieder ein Anlass mehr, die alte philosophische und ethische Diskussion aufleben zu lassen: Wie kann man es erreichen, dass die Produktion von Gütern und Dienstleistungen auf anständige Art erfolgt. Was letzten Endes zu einer Diskussion führt über Privatisierung bzw. die soziale Verantwortung von Inhabern der Produktionsgüter.
Roland DürreFreitag, der 22. März 2013
Neues Wissen braucht das Land
… und das Unternehmen 3.0
Bereite zurzeit einen neuen Vortrag über “Wissen in sozialen Systemen” vor. Unternehmen sind in meiner Betrachtung ja nur eine Variante von sozialen Systemen mit ökonomischer Zielsetzung und in der Regel besonderen Abhängigkeits-Strukturen, die vom Gesetzgeber in vielen Gesetzen besonders ausführlich geregelt werden (wertfrei formuliert).
Meine erste These im diesem Vortrag ist, dass “neues Wissen”
- frei von Dogmen,
- ohne Anspruch von Wahrheit
sein muss.
Wissen verändert sich ständig. Gerade “Lebenswissen” kann immer nur den Charakter eines Schnappschusses haben, verändert sich beständig und hat immer nur eine begrenzte Gültigkeit.
Das klingt so selbstverständlich, wird aber ganz anders gelebt.
Die zweite These ist, dass dies
- nur in einem Umfeld von Transparenz und
- bei einem Umgang auf Augenhöhe miteinander
gelingen wird.
So kann Wissen – wie auch Wollen – nicht in Datenbanken eingefangen und eingesperrt werden. Vielmehr muss es frei sein und dynamisch durch permanentes Lernen sich verändern.
Das ist schade, denn Wissen ist der wertvollste Rohstoff den wir haben – dies mit der schönen Eigenschaft, dass er als einziger durch Teilen mehr wird.
Also brauchen wir nicht nur eine “Wirtschaft, die Dinge teilt ” sondern vor allem “Gemeinschaften, die Wissen teilen”. Und auch die Art und Weise, wie wir Wissen teilen, müssen sich wesentlich verändern.
Und da sehe ich beliebig viel Widersprüche zu immer noch aktuellen aber völlig überholten Systemregeln und Transfer-Praktiken wie auch unserem ökonomischen Denken.
Wissen muss endlich befreit werden!
So werde ich in in Zukunft öfters über “neues und freies Wissen schreiben.
RMD
Roland DürreFreitag, der 15. Februar 2013
Bewegt Euch! – IF-Akademie – 21. März 2013
Am 21. März 2013 spricht in der IF-Akademie Johannes Schmidt. Er studiert an der TU München Informatik mit Nebenfach Medizin. “Nebenbei” ist er im IF-Lab der InterFace AG tätig.
Seit Jahren betätigt er sich auch als Unternehmer und hat gemeinsam mit einer Gruppe von Freunden Glassbox Games gestartet. Das junge Team programmierte kleinere Videospiele und Apps aller Art für verschiedene Plattformen.
Glassbox Games wurde von dieser Gemeinschaft gegründet, um Dinge auszuprobieren und Neues zu lernen. Mittlerweile hat Glassbox Games schon kleinere Preisen gewonnen und hat sich zum kleinen Unternehmen entwickelt. Die Ziele sind anspruchsvoller geworden und beinhalten ernsthafte unternehmerische Ambitionen. Und natürlich sind die Glassbox Games und die InterFace AG eng und freundschaftlich verbunden.
In seinem Vortrag wird Johannes sich auf das Thema “Bewegungssteuerung” konzentrieren. Dabei wird er uns die geschichtliche Entwicklung dieser Technologie näher bringen und in einem Praxisteil zeigen, wie einfach mittlerweile die Programmierung dieses technisch so anspruchsvollem Themas geworden ist.
Außerdem wird er ein Projekt aus dem IF-Lab vorstellen, das eine Bewegungssteuerung sinnvoll integriert. Am Ende des Vortrages gibt es dann noch einen kurzen Ausblick auf das, was wir in den nächsten Jahren auf diesem Gebiet erwarten können.
Der Vortrag findet wie immer in unserer Seminarzone statt. Ich kann die Teilnahme nur empfehlen. Johannes wird uns in eine Welt entführen, die vielen von uns fremd ist, aber ganz plötzlich ein relevanter Teil von “normaler IT” werden könnte. Man sollte da auch ein wenig Bescheid wissen …
Beginn ist 18:00, ab 17:30 ist Einlass. Nach dem Vortrag ist wieder eine kleine Happy Hour angesagt, wir machen dann in Bier &Informatik.
Wir freuen uns auf viele Besucher aller Altersklassen!
Glassbox Games hat natürlich auch eine Website und in Facebook finden wir sie auch.
Wer sich für die Spiele interessiert, kann sie hier finden.
RMD
Roland DürreDienstag, der 12. Februar 2013
Altern und Produktivität, Ruhestand und kognitive Leistungsfähigkeit
Den Titel habe ich von Prof. Dr. Axel Börsch-Supan (Direktor des Munich Center for the Economics of Aging MEA) am Max-Planck-Institut für Sozialrecht und Sozialpolitik “geklaut”. Er hat einen starken Vortrag mit dieser Überschrift auf der Veranstaltung “Erfahrung für die Zukunft sichern” der TUM zum „Projekt TUM Emeriti of Excellence“ gehalten.
Von diesem Vortrag habe ich unter dem Titel “Wer rastet, der rostet” schon berichtet. Da gab es für mich neue, gut belegte Erkenntnisse. Professor Börsch-Supan hat konstruktiv begründet, wie falsch die Vorruhestandspraktiken unserer Zeit sind und dass diese allen Beteiligten schaden, den betroffenen Menschen, den so agierenden Unternehmen und uns allen.
Vor kurzem treffe ich einen Freund, den ich sehr schätze. So alt wie ich. Seit ein paar Monaten ist er im “Vorruhestand”. Und bestätigt alles, was ich da im Vortrag dazu gelernt habe.
Hier wie ich den Vorruhestand in unserer Branche oftmals erlebe:
IT ist nahezu komplex (enorm kompliziert) und erfüllt kritische Themen. Wer das weiß, weiß auch, wie wichtig gerade hier gutes Know-How ist.
Ein Freund von mir ist ein Spitzenkenner einer sehr relevanten Datenbank-Technologie. Er kennt sich besonders gut mit extremen Volumen- und Lastsituationen aus. Wahrscheinlich gibt es in Europa nur ganz wenig Spezialisten, die ihm das Wasser reichen können.
Mein Freund ist so alt wie ich. Sein Arbeitgeber ist ein erstklassiger Konzern. Vor Jahren hat dieser Konzern quasi “mit der Gießkanne” seinen älteren Mitarbeitern eine großzügige Vorruhestandregelung angeboten. Auch mein Freund hat diese angenommen.
Ein paar Jahre später ist es dann soweit. Mein Freund geht in den Ruhestand. Das, obwohl er nach wie vor ein Spitzenmann ist. Finanziell war es ein guter Deal für ihn. Er hat aber vor seinem Ausscheiden gemerkt, wie sein Wissen dem Unternehmen fehlen wird. Deshalb möchte er vorher proaktiv an seine Kollegen weitergeben. So in freiwilligen Kursen auch außerhalb der Arbeitszeit. Weil es während der Arbeit aufgrund der großen Belastung keine Luft gibt. Das klappt aber nicht, er ist doch ziemlich enttäuscht weil kein so großes Interesse daran besteht und sein Angebot kaum angenommen wird.
Dann kommt der Tag der Ruhestandes. Und jetzt gibt es nur Verlierer.
Der Konzern:
Ein ganz wichtiges Know-How ist weg. Wenn demnächst zum Beispiel wieder mal ein Werk steht, weil die IT nicht so tut, wie sie es soll, könnte es auch daran liegen, dass da weit im Vorfeld kleine Fehler gemacht worden sind. Und ein bisschen etwas nicht mehr so stimmt wie früher. Weil das Know-How nicht mehr so vorhanden ist und ein paar Dinge nicht mehr so präzise laufen, wie vorher. Und plötzlich hat das wesentliche Folgen- die Ursachen liegen aber ganz wo anders als man vermutet.
Mein Freund:
Am Beginn des Vorruhestandes war alles toll. Die neue “Freiheit” war wunderschön. Es gab noch eine Reihe von nachlaufenden Aktivitäten aus der Arbeitszeit. Gute Vorsätze wurden gefasst – und eingehalten. Nach ein paar Monaten schon sieht es anders aus. Weniger Kontakte, die Vorsätze klappen auch nicht mehr so … Und so langsam kommt der Frust. Erlebe ich hautnah mit.
Diesen Freund gibt es tatsächlich. Es ist aber nicht nur einer. Alles, so wie ich es im Vortrag verstanden hatte, scheint sich in meiner Erfahrung mit mir gut bekannten Menschen zu bestätigen.
Letztendlich passiert in der Praxis dann bei den Menschen genau das, was der Referent berichtet und wovor er gewarnt hat:
Use it – or – lose it.
Man übt sich nicht mehr und verliert seine Skills. Schritt für Schritt. Und dann – aus die Maus.
Schau mer mal, ob ich daraus etwas für mich lernen kann.
RMD






