Roland Dürre
Montag, der 13. Mai 2019

Wikipedia und das Urheberrecht.

Das Logo der Enzyklopädie

„Prognosen sind schwierig! Besonders wenn sie in der Zukunft liegen“.
Das hat schon unser Münchner Held Karl Valentin gewußt.

Deswegen überlege ich mir mal eine Variante, die aus der Vergangenheit in die Zukunft geht. Also keine Prognose sondern eine nüchterne Extrapolation.

Sehen wir in die Vergangenheit und schauen wir uns die Geschichte der Medien an. Dieser Wirtschaftszweig hat frühzeitig erkannt, dass geistiges Eigentum (wie es das Urheberrecht schafft) viel leichter zu skalieren ist als das mit materiellen Produkte oder gar Dienstleistungen möglich ist. So hat dieses Gewerbe spätestens seit es den Buchdruck gibt, besonders erfolgreich gewirtschaftet.

Der Handel mit geistigem Eigentum ermöglich hohe Margen.

Die Medienfürsten wußten, dass man mit Wissen und Informationen ein gutes Geschäft machen kann, wenn das hergestellte und gehandelte immaterielle Gut dem Eigentums-Begriff unterliegt. So haben sie ganz früh Gesetze kreiert und durchgesetzt, dass man Autoren und sonstigen Herstellern von geistigem Eigentum dieses abkaufen und dann mit diesen viel Geld verdienen kann.

Urheberrecht ist die „Lizenz zum Geld drucken“.

Und sie haben dafür gesorgt, dass die Fristen auf geistiges Eigentum immer rechtzeitig verlängert wurden. So sind werden dieses Gesetze in den USA die „Mickey-Mouse-Gesetze“ genannt, weil es Walt Disney mehrfach gelang, rechtzeitg vor Auslauf eines Schutzrechtes für die Mickey Mouse eine Verlängerung der Urheberrechtszeit zu bewirken.

Wie ist das mit Wissen und Informationen?

Mit der Begründung, dass das Erschaffen von Wissen mit Aufwand verbunden ist, wurde Wissen als „eigentumsfähig“ deklariert. Daher wird dem Urheber das geistige Eigentum zugesprochen, damit dieser daraus einen materiellen Nutzen ziehen kann. Auch ich meine, dass auch Wissensarbeiter fair entlohnt werden sollen. Das heißt aber nicht, dass von „Wissensarbeiter“ geschaffenen Dinge konkretes Eigentum wären und ihnen gehören. Dann müssten man ja die von „Wissenseigentümern“ reden.  Wissen ist aber kein Gut, dass gehandelt werden sollte.

„Wissen ist das einzige Gut, dass sich durch Teilen vermehrt“.

Also sollt es man doch teilen! Wenn Wissen aber zum Eigentum wird und jemanden gehört, dann wird es künstlich verknappt. Dies zum Vorteil einiger weniger und zum Schaden vieler.

So bin ich gegen die Erweiterung des Eigentumsrecht an Dingen um Eigentum von  Wissen, Informationen, Rechten, natürliches Strukuren, Gesetzen, Regeln und ähnlichem. Übrigens auch an Daten, was ja auch immer mehr in Mode kommt.

Nach dem Motto: Meine Daten gehören mir!

Zeitungen und Bücher sind Wirtschaftsgüter, die es seit  Jahrhunderten gibt sind. Das „Herausgeben“ ist ein alter Wirtschaftszweig, der mit der Verbreitung des Drucks gewaltig gewachsen ist. Und sich immer optimale Regeln geschafft hat.

Der kapitalischen Grundordnung und Logik folgend sind durch Verdrängung und Aufkauf wie in jeder Branche auch im Verlagsbereich mächtige Unternehmen entstanden.

„Geistige Güter“ sind leichter zu skalieren.

So wurden die Verlage mächtiger und reicher. Wie sonst nur die Immoblien-Konzerne dank des besonderen Dreiecks – Eigentums-Recht an Boden und Gebäuden, billigem Geld und schnellen Preiserhöhungen – odere andere Spekulanten, die mit Rohstoffe, Wertpapieren, Währungen … spekulierten – konnten sie in unglaublich kurzer Zeit reich und mächtig werden.

Lexika waren ein besonders gutes Geschäft.

Ein wichtiges Geschäft in allen Verlagen war die Herstellung von Enzyklopädien, die auch Lexika genannt. Das war ein gutes Geschäft, denn Lexika waren meist hochpreisige Produkte, die auch relativ schnell veralteten. So hatten die führenden Verlagsgruppen alle mindestens ein Unternehmen in ihrem Imperium, das Lexika produzierte. Und über Jahrzehnte verläßlich relevante Profite erwirtschaftet.

Am Ende gab es diese Lexika auch elektronisch. Sie wurden sündteuer auf billigen Datenträgern ausgeliefert. Das war eine wahre“Lizenz zum Gelddrucken“. Doch es dauerte nicht mehr lange, dann war Schluß mit lustig. Denn das Internet kam. Und eine Gruppe von Verrückten gründete in 2001 eine freie Enzyklopädie, die  Wikipedia genannt wurde.

„Innovation ist kreative Zerstörung“.

Viele haben das schmerzhaft erlebt. Jetzt auch die Verlage, die lange Jahre von den Innovationen beim Buchdruck und in der Kommunikation profititert haben. So ging es zu Ende mit den kommerziellen tollen Gewinnen aus den Enzyklopädie- und Lexikageschäften. Den Verlage dürfte das erhebliche Verluste gebracht haben.  Sie wurden zum Opfer des Internets und von Wikipedia und mussten Unternehmen schließen oder für diese einen neuen Geschäftszweck finden. Das dürfte die deutschen Medienkonzerne sehr geschmerzt haben.

Man sagt, „Das Internet vergißt nichts“! Das ist aber nicht wahr. Ich habe vieles gesucht wie z.B. die ersten Web-Seiten der InterFace Connection GmbH – und habe es nicht gefunden. Es sind die Konzerne, die das gute Gedächtnis haben. Sie vergessen tatsächlich nichts. Und auch für sie gilt, dass „Rache süss ist“!

Jetzt haben sie einen Teilschritt geschafft. Nach vielen Jahren der geduldigen und konsequenten Lobby-Arbeit haben sie die Urheberrechtsreform im Europa-Parlament durch gebracht. Gleich darauf hat die VG-Media die erste Rechnung an Google gesendet. Die Verlage werden sicher zeitnah folgen. Der deutsche Weg soll ja ein „Zahlen an Stelle von Upload-Filter“ sein. Da sind wir gespannt.


Wie steht es aber bei Wikipedia?

Stellen wir die Betrachtung der Medien-Konzerne zurück und wenden wir uns Wikipedia zu. Wikipedia, das ist auf dem ersten Blick eine einzigartig schöne Geschichte – eine freie und unabhängige Gemeinschaft von Ehrenamtlichen schreibt das Wissen dieser Menschen auf. Die Finanzierung des Betriebes geht ganz ohne Werbung und Sponsoring – ausschließlich durch Spenden ihrer Nutzer.

So vernichtete Wikipedia schon wenige Jahre nach seiner Gründung in 2001 alle ihre „Konkurrenten“. Wikipedia ist zum Monopol geworden und die einzige Enzyklopädie, die uns verblieben ist. Das macht sie so wichtig – aber auch zerbrechlich. Als eine einzige Konkurrenz könnte man das Internet an sich betrachten, das aber auch gefährdet ist.

Es fallen Schatten auf das Internet und Wikipedia.

Das Wissen wächst nach wie vor eher exponentiell. Die „work force“ bei Wikipedia aber nicht. Im Gegenteil: Wikipedia ist in meiner Wahrnehmung zum Club der „alten weißen Männer“ geworden. Die Zeit fordert auch hier ihren Tribut.

Junge wie weibliche Menschen bei Wikipedia sind Fehlanzeige. Es sind die typischen Nachwuchssorgen, wie sie auch Schachvereine, die freiwillige Feuerwehren und neuerdings sogar der mächtige DFB haben. Das sind Eindrücke von mir und meinen Freunden in Wikipedia. Statistiken die ich dazu gefunden habe, sind in der Regel 10 Jahre alt und klingen total unglaubwürdig. Man bedenke dabei, dass Wikipedia erst in 2001 gegründet wurde. Das ist gerade 18 Jahre her!

Welcher junge Mensch hat schon Lust auf trockene Arbeit an einer Enzyklopädie, die die Einhaltung strengster Regeln fordert? Besonders wenn der Umgang der „alten weißen Männer“ mit dem Nachwuchs ziemlich rüde ist?

Wikipedia ist eine Infrastruktur des Wissens.

Das Wissen wächst, die genutzte Technologie veraltet. Und die Menschen, die die Infrastruktur pflegen, werden weniger.

Im extremsten Modell stirbt die „work force“ von Wikipedia ganz aus.

Was passiert dann? Ein Wissensinfrastruktur ohne Wartung? Die Qualität der Beiträge sinkt heute schon. Und gibt noch weitere Probleme wie technische Überalterung, schlechte Abstimmung, mangelnde inhaltliche und strukturelle Klarheit, Organisationsengpässe. Es gäbe soviel zu tun in Wikipedia.

Wikipedia dürfte der größte Nutzer fremden Urheberrechts weltweit sein.

Sie sollten bei Wikipedia also ein wenig auf die Urheberrechtsform aufpassen und haben ja auch schon gegen diese mit einem Abschalten ihrer Server demonstriert.

Die Befürworter der Urheberrechtsreform greifen hier beschwichtigend ein:

Wikipedia sei doch gemeinnützig und so nicht davon betroffen!

Aber ist Wikipedia von seinem Wesen her wirklich gemeinnützig? Oben habe ich geschrieben: Wikipedia lebt von den Spenden seiner Nutzer? Auch ich spende nur deshalb für Wikipedia, weil ich mir die Dienstleistung erhalten will. Gewissermassen erpresst mich Wikipedia:

Zahl ein wenig mit, damit Du Deine Dienstleistung weiter bekommst!

Vielleicht ist das „Unternehmen“ Wikipedia ist im Sinne der steuerlichen Definition von „gemeinnützig“ vielleicht doch nicht gemeinnützig? Alle Spender erwarten sich (und bekommen) eine Gegenleistung für das Geld, das sie zahlen. Die Zahlung erfolgt nur scheinbar freiwillig. Wir sind abhängig von Wikipedia und „spenden“ getrieben von der Sorge, dass es sonst Schluss sein könnte mit der für uns wichtigen Gegenleistung.

Große Konzerne sind geduldig und denken langfristig. 

Die Medien-Gruppen haben jetzt Blut geleckt. Die Urheberrechts-Reform hat ihnen gezeigt, dass sich die Lobbyisten-Arbeit lohnt. Den Medien-Konzernen ist sicher klar, dass Wikipedia wirtschaftlich ein spannendes Objekt wäre.

Die Lobbyisten üben ja zurzeit, wie man unliebsamen NGOs die Gemeinnützigkeit entzieht. Mit dem Entzug der Gemeinnützigkeit könnte man Wikipedia weiter schwächen und vielleicht sogar die Existenz-Grundlage entziehen. Und es dann wieder – als Gemeinschaftsunternehmen mehrer Konzerne oder wie auch immer – zurück ins Reich zu holen. So eine Art von Wiedervereinigung. Ich höre schon die Botschaft:

Lobbyisten, auf ins Finanzministerium. Wir kriegen Wikipedia.

Das Gute an dieser Variante:
Zumindest würde dann Wikipedia weiter existieren – wenn auch gespickt mit Werbung und interessen-getriebenen Artikeln. Das würde aber insgesamt in die neue Welt des Internets passen.

Schöne neue Welt!

RMD

Roland Dürre
Donnerstag, der 17. Januar 2019

(Null), Eins, Zwei, Drei, Vier, Fünf. (…)

 

Ein Spaziergang entlang den Zahlen durch die Dimensionen und unser Denken.

 

Roland beim Bauen.

In der Überschrift habe ich den Beginn der natürlichen Zahlen notiert.

Es gibt eine Beziehung der Zahlen mit den Dimensionen, in denen sich unser Denken bewegt.

Und den Möglichkeiten zur Veranschaulichung unserer Erkenntnisse.

 


Was ich nicht sprechen kann, kann ich nicht denken. Die Grenze meiner Sprache ist die Grenze meines Verstandes (Wittgenstein).

Will Denken und Sprache gelingen, müssen wir die Sprache um Bilder und Modelle erweitern. Dazu brauchen wir Räume.


 

Die natürlichen Zahlen gelten als ein Axiom (also ein absolut richtig erkannter Grundsatz oder eine gültige Wahrheit, die keines Beweises bedarf). Sie sind die Basis aller Mathematik. Die Null ist mal eine natürliche Zahl und mal nicht. Es gibt dazu auch (oder nur?) unter Mathematikern verschiedene Meinungen.

(Null)

Zahl:
Ist die Null eine natürliche Zahl?
Man scheint sich aber einig zu sein, dass diese Frage nicht relevant ist. Sondern rein akademisch.

Dimension:
Für mich ist die „Null“ das Nichts und die Leere. Wie soll ich das nicht existierende darstellen? Ein leerer Raum mit der Dimensionen Null kann nur das Nichts sein.

Modell:
Ich wüsste nicht, wie ich das nichts modellhaft darstellen kann.

Eins

Zahl:
In der Regel starten die natürlichen Zahlen mit der 1. Wenn sie mit der Null starten, erhalte ich die Eins addiere, indem ich die Null um Eins erhöhe. Die eins ist nur durch sich selber teilbar, also eine Primzahl.

Dimension:
🙂 Die Eins steht für Singularität. Der entstehende Raum besteht aus einem einzigen Punkt. Die Eins steht so für eine Null-Dimensionale Welt.

Modell:
Das geometrische Modell für die Eins ist der Punkt. Der Punkt ist binär. Entweder gibt es ihn oder nicht. So steht die Eins für „Entscheidbarkeit“. Es geht nur um Existenz und Nicht-Existenz. Um Eins oder Null.

Beispiele:
Im konservativen Denken ist Gott hier ein gutes Beispiel. Entweder es gibt ihn, oder es gibt ihn nicht.
😉 Die Quantentheorie scheint allerdings aktuell dem Paradigma zu folgen, dass es Unentscheidbarkeit gibt.

Zwei

Zahl:
🙂 Eins und eins, das macht zwei. Das weiß jedes Kind. Die Zwei ist etwas besonderes – sie ist die einzige gerade Primzahl!

Dimension:
Es wird eine eindimensionale Welt geschaffen, die einfach und überschaubar bleibt. Der Raum dieser Welt liegt auf einer Gerade, die durch zwei Punkte bestimmt (mit Hilfe zweier Punkte konstruiert) wird. Die Gerade kommt aus der Unendlichkeit und geht in die Unendlichkeit. Wenn sie eine Begrenzung hat, wird sie Strahl genannt,  Bei zwei Begrenzungen wird sie zur Strecke.
Mit Linie, Strahl oder Strecke kann man gut Gegensätze beschreiben (wie gut/böse, dumm/schlau …) .  Will man „Schwarz-Weiß“-Denken vermeiden, kann man gut das „eher mehr so als so“ darstellen.

Modell:
Die Gerade kann nur „ein-dimensionales Denken“ beschreiben, sie ist aufgrund ihrer Unendlichkeit für „nach oben offene Skalen“ geeignet. Das geeignete Beschreibungsmittel könnte der Balken sein.

Beispiele:
Der Tank ist halbvoll. Die Hälfte des Weges ist geschafft.
Eine Strecke könnte aber auch als Entity-Relationship-Modell gesehen werden. Es gibt zwei „Entitäten, die in einer Beziehung“ zu einander stehen.

Drei

Zahl:
Die drei erhält man durch Addition von 1 auf 2. Wir haben eine ungerade Primzahl

Dimension:
 Der Raum wird zur Ebene. So schaffe wir einen zweidimensionalen Raum. Eine Ebene kann ähnliches wie die Gerade beschränkt sein oder ins Unendliche gehen.

Modell:
Jetzt haben wir es geschafft. Im zweidimensionalen Raum können wir uns austoben. Wir haben eine große Auswahl, um unsere Aussagen visuell darzustellen. Wir können Dreiecke oder Mehrecke verwenden, Kreise mit Kuchenstücken. Wir können eine x- und eine y-Achse festlegen und Quadranten bilden. Wir können Männchen und Wolken malen. Die Welt der graphischen Darstellung erscheint schon ganz schön groß.

Beispiele:
Die heilige Dreifaltigkeit als Dreieck, Prozentzahlen als Kuchenstücke.
Das ISO-Schichten-Modell.
Das Modell der Kulturzwiebel als Schnitt durch eine eigentlich drei-dimensionale Welt.

Vier

Zahl:
Es ist eine übersichtliche Zahl, die Vier kommt ja gleich nach der Drei. Und eine schöne Zahl: Sie ist das Ergebnis von 2 mal 2 (oder 2 hoch 2).

Dimension:
Wir sind jetzt im dreidimensionellen Raum angelangt. Das ist der Raum, in dem wir uns bewegen. Trotzdem kann er schon mal unsere Vorstellungskraft überfordern.

Modell:
Zeichnerisch kann man die dritte Dimension zumindest andeuten. Holografische Modelle sind denkbar, die mit aktueller Technik auch mitten unter uns projiziert werden können. Allerdings steigt hier dann der technische Aufwand.
Und auch der gedankliche. Wenn ich versuche, einen Konstruktionsvorgang zu beschreiben, der aus einem Würfel eine Kugel macht, dann tut das meinem Kopf auch schnell mal weh.

Beispiele:
Der Würfel mit seinen sechs Seiten, die Kugel als Modell der Erde.

Fünf

Zahl:
Immer dasselbe. Jetzt 4 + 1 = 5.

Dimension:
Wir haben jetzt 4 Dimensionen. Das ist unsere Welt plus Zeit. Und schon wird es schwieriger.

Modell:
Wir nutzen die eine animierte 3-D Welt. Animation meint, dass die Zeit durch Bewegung simuliert wird. Das ist gemogelt. So werden wir konstruktiv und von zu vielen Varianten überfordert.

Beispiele:
Die Daten einer Drohne in Bewegung.

Größer Fünf:

Zahl:
Bei den Zahlen ist es einfach. Man muss die letzte immer nur um eins erhöhen. Undsoweiter.

Dimension:
Hier versagt die menschliche Vorstellungskraft mehr oder weniger. Die Mathematik geht weiter.

Modell:
Mir fällt keines ein.

Beispiele:
In unserer überkonstruierten Welt haben wir immer wieder Entscheidungen, die von mehr als drei Dimensionen abhängen. Das geht dann meistens auch schief. So ist eine Empfehlung für Entscheidungsfindung, immer nur 3 Dimensionen zu betrachten. Auch weil der Mensch nur 3 Varianten gleichzeitig im Kopf haben kann.

Bei Fünf höre ich besser auf, es wird viel zu kompliziert.
Denn dann kommen wir zu dem, was wir
LEBEN
nennen.

RMD

Roland Dürre
Mittwoch, der 13. Juni 2018

WISSEN. SMART. SMART CONTRACT. RPA.

Beim Denken und Wandern auf den Kykladen.

„Alle“ oder „viele“ reden im Kontext der Digitalisierung unserer Gesellschaft von „smart“. Bei smarten Anwendungen spielt der „smart contract“ eine wichtige Rolle.

Ich schrecke zusammen und denke mir mal wieder „Schluss mit den Buzzwords!“. Denn wenn technischer Fortschritt einfach nur noch smart ist, dann ist mir das zu einfach. Denn für mich ist Digitalisierung nichts anderes als technischer Fortschritt. Ich will wissen, was „smart“ an sich heißt und was ein „smart contract“ denn ist?

Der erste Weg zum Wissen ist für mich, dass ich Menschen frage, die sich da auskennen (müssten). Wenn das nicht reicht werde ich mich auf Wissensjagd ins Internet begeben.

Zuerst befrage ich eine von mir sehr geschätzte (deutsche) Vertreterin eines chinesischen Konzerns, der ausschließlich „smarte“ Produkte verkauft. Ihre Antwort auf meine Frage „Was bedeutet smart?“ ist einfach und einleuchtend. Sie sagt mir:

„Für die Chinesen sind alle Produkte smart, die eine WLAN-Schnittstelle haben und ins Internet können.“

Also: Alles was auf IoT (Internet of Things) macht, ist smart. So einfach ist das. IoT ist halt einfach smart. Meine Gesprächspartnerin hat auch ein gutes Beispiel für mich:

„Eine Waage ist eine Waage. Ist sie aber Teil der wunderbaren IoT-Welt, dann ist sie eine smarte Waage“.

Das verstehe ich. Jetzt weiß ich, was „smart“ ist. Zumindest so fast.

Die Erklärung für den Begriff „smart contract“ und welche zentrale Rolle das sogenannte „Orakel“ dabei spielt, liefert mir ein Informatik-Professor. Der kann es mir gut erklären, ich verstehe es und werde es am Ende des Artikels auch verraten.

Ich bin aber noch nicht ganz befriedigt. Ich würde ja auch gerne anderen Menschen erklären, was „smart“ und ein „smart contract“ ist und ich möchte ja nichts Unrichtiges weitergeben. Weiß ich denn, ob die Chinesen Recht haben. Und wie mein Professor zu seinem Wissen kam?

Vielleicht hat er ja nur eine Quelle genutzt, die ihm plausibel erschien, die aber gar keine Relevanz hat? Wie gründlich war er bei der Prüfung dieser Quelle? Oder hat er am Schluss die Erklärung selber erfunden und keiner außer ihm kennt sie?

Und die vielen Chinesen auf dieser Welt verstehen unter „smart contract“ etwas ganz anderes als mein Prozessor?

Also starte ich meinen Streifzug ins Internet und gehe mal wieder auf Wissensjagd. In Wikipedia müsste ja etwas dazu stehen. Wenn nicht im deutschen, dann werde ich sicher im englischen fündig.

Zu Wikipedia wäre anzumerken, dass da auch immer wieder Unsinn drin steht. Das ist nicht weiter verwunderlich. Kenne ich doch kein Lexikon, wo kein Unsinn drin stehen würde. Als Jugendlicher hatte ich zwei Duden – einen aus der BRD und einen aus der DDR. In beiden stand beliebig viel Unsinn drin – in meiner Wahrnehmung als BRD-Gewächs im DDR-Duden noch mehr als im BRD-Duden. Aber das mögen die DDR-Gewächse vielleicht anders gesehen habe.

Es macht mir übrigens immer wieder richtig Spaß, in den schweren mehrbändigen Werken nach „Unsinn“ zu suchen. Da findet ich oft tolle Dinge. Vielleicht ist die verbleibende Aufgabe der alten Lexika, dem Menschen zu zeigen, an wieviel Unsinn er mal geglaubt hat und auch heute noch glaubt.

Ich möchte aber wirklich wissen, was „smart“ heißt und was ein „smart contract“ ist. Also, auf ins Internet! Unter Smart finde ich den Hinweis aufs wiktionary und dort als Bedeutung von „smart“ geschickt, durchtrieben, pfiffig, findig, elegant, hübsch und schneidig, als Synom aufgeweckt, diplomatisch, erfahren, geschickt, gewandt, gewählt, geübt, kultiviert, raffiniert, routiniert, sicher, taktisch, weitläufig, weltgewandt, weltmännisch, wendig, apart, chic, elegant, fein, fesch, piekfein, rassig, schick, schmuck, schneidig, schnieke, schnittig, stilvoll, todschick und vornehm. Ist das nicht schön? Nur – ich stelle mir die sicher dumme Frage, was das mit Digitalisierung zu tun hat?

Also suche ich weiter, diesmal nach smart contract. Und finde gleich im deutschen Wikipedia einen Artikel, den ich jetzt nicht unbedingt komplett als Unsinn aber zumindest als eher unverständlich bezeichnen würde.

An Platz ZWEI in Google finde ich auf einer viel gelesenen Bitcoin-Seite eine konkrete Erklärung vom smarten Vertrag. Die hat als Überschrift:

„Smart Contracts sind das Herzstück von Blockchain-Technologien. Sie sorgen für eine dezentrale Ausführung von „Verträgen“ und sollen für eine Konsistenz im Netzwerk sorgen.“

Und so geht es in dem Artikel weiter. Auweia! Vielleicht ist das doch mehr Unsinn als nur unverständlich. Das ist nicht, was ich gesucht habe.

Mir fällt wieder das Beispiel meines Freundes, dem Informatik-Professor, ein. Er hat es mir so erklärt:


Nehmen wir an, die Partner eines Vertrages sind „eine“ Autoversicherung und ein „KFZ-Halter“. Eine „normaler Vertrag über die Versicherung des Autos“ wird zu einem „smarten“, wenn der Vertrag eine besondere Bedingung enthält, die von einem Dritten – dem sogenannten „Orakel“ – abhängt. Das Orakel ist wichtiges Bestandteil des Vertrages. Es informiert beide Vertragspartner über Veränderungen, seine Bekanntmachung bewirkt dann eine automatische Änderung des Vertragsinhaltes.

Das Orakel könnte das Kraftfahrt-Bundesamt in Flensburg sein. Wenn im Vertrag eine Klausel steht, der die Beitragshöhe abhängig von dem Punktstand des Halters in Flensburg macht und die Versicherung nach einer Änderung desselbigen die Abbuchung vom Konto des Versicherten einem festgelegten „Algorithmus“ automatisch verändern kann, dann wäre das ein „smart contract“.


So könnten alle Versicherungsgesellschaften, die in Deutschland Autos versichern, automatisch mit einem Provider und diversen Orakels ihr Geschäft machen und bräuchten keine Sacharbeiter mehr. Sicher ein „smarter Gedanke“.

Das Ganze gibt es aber schon und nennt sich dann RPA (robotic process automation) und könnte helfen Kosten zu senken. Und Mitarbeiter zu entlassen, weil die meisten Kosten verursachen. Und hat eigentlich weniger – wie viele meinen – mit Algorithmen zu tun sondern mehr mit Programmierung.

Jetzt mag ich aber Abkürzungen noch weniger als Buzzwords (wurden diese doch von den Nazis breit eingeführt). Und über RPA und ähnliches mag ich mich jetzt nicht auch noch auslassen. Mache ich dann alsbald. So beende ich diesen Artikel mal lieber an dieser Stelle!

RMD

Roland Dürre
Donnerstag, der 15. März 2018

Landgang Antarktis (mit Reisebericht).

Roland beim Landgang in der Antarktis.

Alle Teilnehmer an einer Antarktis-Expedition müssen vor dem Landgang verpflichtend an einer Informations-Veranstaltung teilnehmen. Da wird gezeigt, wie ernst es der Weltgemeinschaft mit dem Schutz der unberührten Natur des antarktischen Kontinents ist.

Gleichzeitig ist die ganze Antarktis und vor allem auch Südgeorgien ein einzig großes Museum, dass viele Geschichten von Expeditionen und Wissenschaft erzählt, aber auch den Geologen wesentliche Aufschlüsse über die Geschichte unserer Welt liefert.

Es gibt zehn Regeln für den Landgang in der Antarktis und Südgeorgien, die beim Betreten des Antarktischen Festlandes wie seiner Inseln unbedingt beachtet werden müssen.

  • Ruhe bitte!
  • Distanz bitte (Pinguine 5 Meter, Robben und Seevögel 15 Meter)!
  • Nichts zertreten!
  • Bringen Sie keine Pflanzen und Tiere mit!
  • Respektieren Sie Schutzgebiete!
  • Erhalten Sie historische Stätten und Denkmäler!
  • Verzichten Sie auf „Souvenirs“!
  • Respektieren Sie die wissenschaftliche Forschung!
  • Denken Sie an Ihre Sicherheit!
  • Erhalten Sie die Unberührtheit der Antarktis!

Das beinhaltet auch dass man nicht ausspuckt, schnäuzt oder gar pieselt (bieselt).

Roland bei der Rückfahrt zum Schiff.

Diese Regeln dienen auch dem Schutz der Tiere. Ich war positiv überrascht, wie ernst alle Teilnehmer diese genommen haben und sich konsequent an die Vorgaben gehalten haben.

Auch ich habe mich daran gewöhnt, keinen grünen Fleck zu betreten. Das ungeschützte „Nießen“ haben wir alle vermieden. Der fahrlässige Verlust eines Papier-Taschentuchs war ausgeschlossen.

So war jeder Landausflug ein beeindruckendes Erlebnis. Das Licht, die reine Luft und die wunderschöne Natur haben uns tief beeindruckt. Historische Gebäude als Zeugnisse von einer grausamen Industrie (Walfang), die mit dem Versprechen eines guten Verdienstes Menschen in einen grauenhaften Job unter schwersten Bedingungen weit weg von der Heimat und Überbleibsel aller Art von Offenbarung.

Zurück in Deutschland war ich entsetzt, wie achtlos wir im Großen wie im Kleinen in unserer Heimat mit unserer Natur umgehen. Mich hat noch vielmehr als vor der Reise die Vermüllung unsere Radwege, Straßen und Städte entsetzt wie auch die gigantische Versiegelung unserer schönen Landschaft. Und wie viel Lärm und schlechter wir uns auch in den schönen Wohngegenden unserer Städte ganz freiwillig aussetzen.

An dieser Stelle auch für meine Freunde ein Bericht zur Reise, verfasst und illustriert von unserer großartigen Lektorin Dr. Katrin Knickmeier. Wir haben (nicht nur) bei ihr soviel gelernt und ich kann den Besuch dieses besonderen Kontinents nur empfehlen.

RMD

Hans Bonfigt
Montag, der 7. August 2017

Hans im Glück, Version 2017

Wunder dauern etwas länger…

Dr. Ing. Karl Steffens ist seit vielen Jahrzehnten tot. Ich habe ihn nie kennengelernt. Aber aus einer Haushaltsentrümpelung fiel mir seine Diplomarbeit in die Hände. Sie war als Buch gebunden, datierte auf 1930 und beschäftigte sich u.a. mit dem thermischen Wirkungsgrad von Wärmekraftmaschinen. Steffens konstatierte, daß man unter optimalen Bedingungen bei Dieselkraftmaschinen etwa 30 % Wirkungsgrad erreichen konnte.

Heute sind wir bei etwa 40%. Thermisch, wohlgemerkt.

Jetzt nehmen wir noch die mechanischen Verluste dazu, welche entstehen durch Getriebe (unbedingt notwendig ist ein 12-Gang – Automatikgetriebe, es geht gar nicht anders!), Gelenkwellen, Differential und Reifen — wenn wir dafür nochmal 20 Prozent veranschlagen, sind wir bei 32% Gesamtwirkungsgrad.

Unsere Autos werden immer fetter und degenerierter. Roland hat seine Erlebnisse mit „SUV“s ja bereits berichtet, in Deisenhofen bei Oberhaching habe ich jahrelang das immer wieder verblüffende Trauerspiel „Jungmutti parkt Mercedes GL ein“ erleben dürfen, von ständig wechselnden Darsteller*innen.
Mittlerweile hat der unglaublich spießige „GL“ natürlich einen „Einparkassistenten“, neben Massagevorrichtung, Multimedia-Bespaßung, Getränkekühlschrank… Ein Schwimmbad habe ich noch nicht darin vorgefunden, aber ich bin auch nur zweimal zweimal mitgefahren und konnte daher gar nicht alles erkunden.
Das Gewicht von Antrieb und „Luxuskomponenten“ beträgt mittlerweile eine Tonne. Und die muß beispielsweise in der Stadt in ständigem Wechsel beschleunigt und verzögert werden.
So landen wir bei etwa 20 Prozent.

Nun muß der Kraftstoff ja irgendwo herkommen, die Aufbereitung in Raffinerien, der Transport und die Lagerung sowie die Abgabe an Endverbraucher ist auch nicht umsonst zu haben. Wenn ich einen Liter Normalbenzin tanke, dann habe ich schon vorher einen Liter verbraucht.

Der Gesamtwirkungsgrad beträgt also märchenhaft niedrige zehn Prozent! Das entspricht dem Wirkungsgrad einer Dampflok!

Nun sehen wir uns einmal ein „Elektroauto“ an.
Wo kommt der Strom eigentlich her? Gehen wir, der besseren Vergleichbarkeit halber, von einem Kohlekraftwerk aus.
Die erreichen einen Wirkungsgrad von etwa 40%, Förderung, Transport der Steinkohle und Verkokung fordern aber auch nochmal ihren Tribut, sodaß wir maximal von 30% ausgehen können.

Aber davon ist die elektrische Energie noch lange nicht da, wo sie gebraucht wird. Auf dem Transportweg verlieren wir in etwa 30 Prozent durch die Hysterese-, Leitungs- und Wirbelstromverluste in den Transformatoren, die die elektrische Energie passieren muß.
Auch schon für den Leerlauf des Stromnetzes muß man anteilige Kosten ansetzen.

Beim Auto kommen jetzt also 21% an.
Aber die Energie ist noch nicht im Akkumulator. Und auch noch nicht wieder draußen. Und bis das so ist, haben Ladeelektronik, Akkus und Steuerung weitere 30% verbracht.

Das macht dann 14%.

Davon ist das E-Auto aber noch keinen einzigen Meter gefahren.
Wenn wir dann ein „E-Auto“ bewegen, dann erreichen der E-Motor und der vereinfachte Antriebsstrang jeweils 80%, resultierend in 64%. Das ist die Zahl, mit der die „Politische Klasse“ hausieren geht. Und jetzt sind wir ehrlich, multiplizieren mit den 14% von vorhin und erreichen einen Gesamtwirkungsgrad von 9%.

Tja, könnte man sagen, dann haben wir ja Gleichstand: Das Auto mit Verbrennungsmotor 10%, das E-Auto 9%.

Es kommen aber zwei unangenehme Dinge dazu:
Einmal die Heizung. Die haut beim E-Auto so richtig rein und beim Verbrennungsmotor wird die Wärme gratis mitgeliefert.
Hinzu kommt aber noch das gigantische Gewicht der Akkumulatoren, die voll genau so schwer sind wie leer.
Das permanente „Übergewicht“ und die Heizung in der Hälfte der Betriebszeit fressen nochmal 40% der Nutzenergie.

Damit sind wir dann bei fünf Prozent.

Im Ergebnis ist das E-Auto also eine größere Dreckschleuder als der schmutzigste Diesel.

 

Anstatt also auf ein von vornherein totes Pferd zu setzen, könnte die Politik mit Leichtigkeit:

  • unsauberen Fahrzeugen die Betriebszulassung entziehen. Dann nämlich hätten die Nutzer einen Schaden, den sie gerichtlich geltend machen könnten!
  • die Voraussetzungen für umweltfreundliche Fahrzeuge zu schaffen: Maximal 750 Kg Leergewicht für eine Limousine, maximal 75KW. Damit fallen dann automatisch alle dekadenten Extras raus.
  • Platzbeschränkung verfügen! Eine Mutti mit Kind braucht keinen „SUV“. Klare Beschränkung des Parkraums.

Tja, und so könnten sich Ergebnisse einstellen.

-hb

Hans Bonfigt
Freitag, der 21. Juli 2017

The Power and the Glory

Als kleiner Junge fand ich Mädchenspielsachen doof – mit einer Ausnahme: Das „Ministeck“ – Spiel meiner Schwester Susanne.

Die Rasterung fand ich so sensationell: Man konnte in eine große äquidistante Lochrasterplatte verschieden farbige Steckknöpfe drücken und so beliebige Geometrieen erzeugen.

Der Clou: War der Betrachtungsabstand groß genug, dann sah man das Raster nicht, die Kanten, auch wenn sie winklig waren, sahen geradlinig aus. Kreise, obwohl im Raster angenähert, wirkten rund.

Natürlich (also: natürlich für die 60er Jahre) erklärte mir mein Vater auch, wie ein Fernsehbild aufgebaut war: Nämlich als Raster.

Im Bildbeispiel sieht man ein vermittels einer Nipkow-Scheibe erzeugtes „Fernsehbild“.

Der Gedanke, man könne alle Dinge dieser Welt in einen (dreidimensionalen) Raster beschreiben, sofern man nur die Rasterdistanz klein genug machte, faszinierte mich.

Vielleicht etwas zu früh las ich zu jener Zeit Karl-Alois Schenzingers „Atom“, und ja, es fängt damit an, daß Griechen in der Antike darüber diskutieren, ob es ein ‚atomos‘, ein „Unteilbares“ gebe, eine Art gemeinsames Grundmaß. Und die Bewegung eines Pfeils, so wurde nahegelegt, könne man auch betrachten als die Summe fortgesetzter einzelner Status, verschoben um eine oder mehrere dieser „Elementarmaße“.

In der Schule hatten wir erst Brüche, die meiner „Rastertheorie“ nicht widersprachen, dann gab es auf einmal Pi, aber man legte uns zunächst nahe, die Zahl als 22/7 anzunähern. Auch die Sache mit den Quadratwurzeln fand ich spannend, schon allein wegen des praktischen Nutzwertes. Daß diese meine kleine heile Welt ins Wanken bringen würden, kam mir nicht in den Sinn.

Meine kleine Welt war einfach und berechenbar.
Bis zu jener Mathematikstunde.

Mathematiklehrer Günter Skwirblies wollte von uns wissen, wie man denn eine Rechenvorschrift formulieren könnte, um die Quadratwurzel einer beliebigen Zahl zu berechnen.

Eigentlich fing es ganz ruhig und „rasterhaft“ an, einer der beiden Cracks im Kurs schlug vor:
„Legen wir doch einfach ein sinnvolles Intervall fest, innerhalb dessen sich das Ergebnis befinden muß, die initiale Annahme für das Ergebnis sei dann der Mittelwert der Intervallgrenzen.
Um das Ergebnis für die Wurzel aus 16 zu ermitteln, nehmen wir also Null als linke und die 16 als rechte Grenze und bilden den Mittelwert 8. Den quadrieren wir zur Probe – hui, 64 ist größer als 16, also halbieren wir das Intervall und nehmen die 8 als rechte Grenze:
Mittelwert rechts – links ist 4, 4 x 4 = 16 —> Heureka, paßt schon beim 2. Versuch!
Jetzt mit 100:
x1 = 50, 50×50 > 100, neues Intervall [0 50].
x2 = 25, 25×25 > 100, neues Intervall [0 25].
x3 = 12,5, 12,5×12,5 > 100, neues Intervall [0 12.5].
x4 = 6,25, 6,25×6,25 < 100, neues Intervall [6,25 12,5].
x5 = 9,375, 9,375×9,375 < 100, neues Intervall [9,375 12,5].
x6 = 10,9375, 10,9375×10,9375 > 100, neues Intervall [9,375 10,9375]
x7 = 10,15625, 10,15625×10,15625 > 100, neues Intervall [9,375 10,15625]
x8 = 9,76525, …

Wir nähern uns also mit der Genauigkeit I/2, I/4, I/8, I/16, I/32 … denn wir halbieren mit jedem Schritt unsere „Streuung“.

Und für mich war klar: Jeder der bislang ermittelten Quotienten war ein ganzes Vielfaches meines bisher als „irgendwie“ existent geglaubten „Rastermaßes“. Als Lerngruppe fanden wir die Leistung unseres Mitschülers Oliver Hierlein auch beträchtlich!
Eine schöne Rechenvorschrift, und ich konnte mir vorstellen, daß diese ganz modernen, soeben herausgekommen Tischrechner mit Wurzelfunktion genau so arbeiten würden.

The Kick Inside

Im Gegensatz zu uns war der Lehrer aber nicht zufrieden.
„Ihr müßt das Sichtbare umdenken, um ins Mögliche vorzustoßen“.

Und er malte an die Tafel,

gesucht:       sqrt(a) = x

äquivalent:   a = x²

wenn            a = x² ,

dann             a / x   =   x .

Und da spürte ich den Dammbruch. Es durchfuhr mich wie eine Art Schock, wie wenn man man eine Sekunde zu spät bemerkt, daß man ein wertvolles Gepäckstück im gerade anfahrenden Zug liegen gelassen hat:
Wäre x das genaue Ergebnis, würde die Gleichung stimmen.
Wäre das x auf der linken Seite zu klein, wäre es auf der rechten zu groß.
Wäre x auf der linken Seite viel zu klein, wäre es auf der rechten Seite viel zu groß.

Man würde also mit einem beliebigen Wert beginnen können und schon durch die Division auf der linken Seite einen „Komplementär“-Wert erhalten. Der eine zu klein, der andere zu groß, das schreit nach einem arithmetischen Mittel!

Also, once again, with feeling:

Start mit x=50 (viel zu groß),
100/50 = 2; Mittelwert 26
100/26= 3,846, Mittelwert 14,923
100/14,923 = 6,71, Mittelwert 10,812
Die vierte Näherung lag schon bei 10,03 !
Das war aber nicht alles.
Dieses schnelle, „zweierpotenz-unabhängige“ Konvergieren der Iteration ließ mich spüren, „es gibt da wohl noch etwas außerhalb einen auch noch so feinen Rasters“.

Die Kraft und die Herrlichkeit

Die Etappen der vergangenen 90 Minuten wurden dann noch einmal von einer Mitschülerin wiederholt, „Intervallschachtelung versus schnell konvergierenden Algorithmus“ und, pragmatisch wie Frauen nun einmal sind, fand sie die Intervallschachtelung viel nützlicher, weil universeller. Das brachte mich in Rage und ich sagte, „Das eine ist das Schleppnetz der Phantasielosen — aber das andere ist die Kraft und die Herrlichkeit“. Das tat ich auch in Anspielung auf das Buch von Graham Greene, welches wir im Deutschunterricht unlängst gelesen hatten.
„Die Kraft und die Herrlichkeit“ – vor der Klasse gab das ein fürchterliches Gelächter und mir war der emotionale Ausbruch sehr peinlich.
Aber geschämt habe ich mich nicht dafür. Denn ich habe damals instinktiv gespürt, was für eine unglaubliche Macht hinter einem einzigen Algorithmus stecken kann.

Um die Sache zu einem Ende zu bringen:
Meinem Vater trotzte ich einen programmierbaren Taschenrechner ab. Und ich wollte keinen Müll von Texas Instruments. Und tatsächlich kaufte mir mein Vater, dem es zu dieser Zeit wirtschaftlich wirklich nicht gut ging, einen HP19C.

Jugendliebe mit 14:  Hewlett-Packard 19C von 1974

Erst heute kann ich ermessen, was das heißt, Mitte der siebziger Jahre für eines von zwei Kindern 948 Mark auszugeben — das wären heute 4.000,– Euro. Ich bin ihm dafür sehr dankbar, er spürte, daß er mir in Mathematik nicht mehr, wie bisher, weiterhelfen konnte und ließ mich meiner Wege ziehen – aber nicht, ohne mir Rüstzeug und viel Liebe mit auf den Weg zu geben.

Diesen Taschenrechner besitze ich noch heute und selbstverständlich funktioniert er auch noch. Und die ‚ENTER‘ – Taste hat immer noch die charakteristische, präzise Haptik wie 1974.

Das Finden von Algorithmen ist mein Beruf geworden. Es tut mir leid, dem (von mir außerordentlich geschätzten) Chris Wood sagen zu müssen, daß, im Gegensatz zu seiner kürzlich geäußerten Ansicht, ich gar keine Lust habe, irgendwelchen Mist hergelaufener ‚Game&Graphics‘ – Hanseln zu optimieren.
„Arbeiten“ an Videospielen oder gar an „Tabellenkalkulationen“ halte ich eines Mannes für unwürdig.

Eben weil der programmierbare Taschenrechner so langsam und so begrenzt war, war ich auf Algorithmen angewiesen, die möglichst effizient waren. Und deren Entwurf kann man lernen.

Sparsamkeit ist keine Dagobertianische Neurose.
Sparsamkeit ist die Mutter der Effizienz.

Und der Vater der Effizienz ist die Strategie. Mann kann nicht mit „Power“ oder Geschwindigkeit das wettmachen, was man bei der Bestimmung der Richtung versaut hat.

Und aus diesem Grunde brauchen wir genau kein Internet an Schulen, kein „WLAN“ und keine Superrechner. Wir brauchen etwas anderes: Neulich sah ich eine Dame namens „Gesche Jost“, „Internetbotschafterin“ der Bundesregierung. „Oh Gott, noch so eine Yoga-Bewußtseinstante“, denke ich mir und will den Fernseher abschalten — aber weit gefehlt: Die Dame stellte einen universellen Einplatinenrechner vor, den „Calliope“.

Abgeguckt hat man dieses Gerät vom BBC Micro:BIT, aber hey, besser gut abgeschaut als grün selbst erfunden.
Es handelt sich in beiden Fällen um ein System, mit dessen Prozessor man direkt kommunizieren kann und der gnadenlos genau das ausführt, was man ihm eingibt. Man kann mit solchen Geräten spielerisch begreifen, wie so ein Computer „gestrickt“ ist und gleichzeitig viele Probleme lösen. Das ganze zu einem phantastisch günstigen Preis!
DAS ist Lehrmaterial zum Anfassen, das regt die Phantasie an – ganz im Gegensatz zum verschwulten „Ipad“, bei dem alles darauf abgestellt ist, einen dummen, unmündigen, charakterlosen Opportunisten zu sedieren.  Wenn ich mir die „Produkte“ von Apple ansehe, dann muß ich immer an „The Wall“ von Pink Floyd denken, „I have become comfortably numb“.

Wir brauchen mehr von diesen einfachen, effizienten Werkzeugen, anhand derer Pädagogen nachvollziehbar zeigen können, wie schwachsinnig „JAVA“ ist. Und es gibt dieses Gerätchen nicht nicht nur in Blau, für Jungs, sondern auch in Rosa, für Mädchen!

Als die Formeln laufen lernten

Doch so ein kleines von-Neumann – Maschinchen ist nie Selbstzweck. Es macht eine Summenformel lebendig, es läßt Iterationen konvergieren – oder eben nicht. Man kann alle Zwischenergebnisse ansehen und das Maschinchen auch anweisen, unter ganz bestimmten Bedingungen zu stoppen.
Sicher:
Viele Aspekte der Computertechnik kann man in der „Wikiblödia“ nachschlagen, aber das ersetzt NIEMALS eigene Erfahrungen!
Wenn ich, um Zeit zu sparen, irgendetwas aus der „Wikipedia“ verwende, dann ist der Pfusch schon vorprogrammiert, weil ich etwas umsetze, das ich nicht verstanden habe.

Die Freude und das Glücksgefühl, wenn ein selbsterstelltes Programm funktioniert, wenn eine selbstentwickelte Schaltung zum Leben erwacht, sind einzigartig. Was tun mir die ganzen „Geisteswissenschaftler“ leid, da arbeiten sie teilweise jahrelang an einer Dissertation und nachher werden sie niemals, niemals wissen, ob sie mit ihren Vermutungen richtig lagen.   Gut, bei vielen kann man das ja auch als Gnade betrachten.

Was von den Vätern Du ererbt,  erwirb‘ es, um es zu besitzen

Wenn wir einmal junge Musikerinnen betrachten, nehmen wir jetzt einmal Alice Sara Ott, Julia Fischer oder Sophie Pacini: Das sind drei junge Frauen, die als kleine Kinder von intelligenten, liebevollen Eltern individuell gefördert wurden. Es sind aber auch Menschen, die eigene Wege gegangen sind, Frau Fischer ist legendär für ihre Dispute mit diversen Dirigenten und Sophie Pacinis Chopin – Interpretationen sind, ähmmm, außergewöhnlich.
Aber die Waldsteinsonate spielt sie bereits jetzt, in jugendlichem Alter, authentischer als ihre berühmte Mentorin Marta Argerich. Das bestimmt auch deswegen, weil sie Barockmusik im allgemeinen und Beethoven im speziellen umfassend studiert hat.

Aber bei all ihrer Virtuosität sind alle drei jungen Frauen fröhliche, aufgeschlossene und humorvolle Menschen geblieben.

Wenn man sich freut, solche Menschen zu seinen Zeitgenossen zu zählen, dann sollte der Dank auch ein kleines bißchen an die Eltern gehen. Denn die Erziehung der Kinder wird vor allen Dingen von diesen wahrgenommen. Und ein Kind kostet viel, viel Geld.

Wenn man sich dagegen ansieht, wie in anderen „Kulturräumen“ Kinder quasi am Fließband produziert und dann weitestgehend sich selbst überlassen werden, dann ahnt man, woher das unmöglich dreiste, intolerante und fremdbestimmte Handeln der „unbehandelten Rohdiamanten“ herrührt.

Und das macht mich richtig traurig: „Kinder kommen nicht auf andere Leute“, pflegten in meiner Kindheit viele Älteren zu sagen und meinten damit: „Asoziale Eltern, asoziale Kinder“. Dagegen habe ich vierzig Jahre opponiert. Vehement opponiert. Und warum opponiert man besonders vehement? Weil man sich vor allem selbst von der Unwahrheit überzeugen will. Die Unwahrheit ist laut, die Wahrheit ist leise.  Die Traurigkeit auch.

Die Geschichte mit dem Algorithmus will ich noch weitererzählen und um einige historische Informationen ergänzen. Der beschriebene, schnell konvergierende Algorithmus entstammt aus einem Lehrbuch des bekannten Heron von Alexandria, war aber wohl schon weitaus früher bekannt.

Isaac Newton fand später einen allgemeinen Algorithmus zur Lösung von beliebigen Gleichungen von der Form f(x) = 0 .
Das Verfahren ist ebeno genial wie einleuchtend:
Auch hier wird ein initialer Wert bestimmt. Die nächste Näherung ist der Schnittpunkt der Tangente an die Funktion durch den Punkt (x|f(x)) mit der x-Achse. Diese „geometrisch“ hergeleitete Näherung wäre rechnerisch x – f(x) / f'(x).
Im Falle von f(x) = x² – a , also unserer ursprünglichen Aufgabenstellung, erhalten wir für x(neu):

x – (x²-a) / 2x =
x – x/2 + a/2x =
1/2x + 1/2 a/x =

1/2 (x + a/x) .

Und damit erhalten wir exakt die gleiche Rechenvorschrift, wie sie Heron vor etwa 2.000 Jahren formuliert hat!

Die Angelegenheit mit der ersten Ableitung, dem Differenzenquotienten und dem cleveren Trick, dessen Nenner gegen Null konvergieren zu lassen, überzeugte mich als Heranwachsenden schließlich doch, daß es eine Welt geben mußte jenseits des idealisierten „Ministeck“ meiner Schwester.

Und wieder war es der Taschenrechner, der mich bei meinen Erkundungen in diese Welt begleitete. Ich habe von dem kleinen Gerät sofort profitiert und tue es noch heute.

Aber so nobel dieses Geschenk auch war, so viele Algorithmen ich in der Folge auf dem Gerät implementierte:

Am Anfang war Mathematiklehrer Günter Skwirblies mit seinem Satz, „Ihr müßt das Sichtbare umdenken, um ins Mögliche vorzustoßen“.

-hb,
in Dankbarkeit.

Roland Dürre
Montag, der 17. April 2017

Lösung

Vor zwei Wochen habe ich eine Logelei formuliert, die mir besonders gut gefällt und die ich als sehr schwierig empfand. Mich erreichte tatsächlich eine richtige Lösung.

Hier ist die Lösung zu dieser Aufgabe vom 3. April 2017. Den formalen Teil habe ich aus der Formulierung von Jörg – dem Gewinner – übernommen.

Die Frage war:

Wie können die Ganoven ihr Überleben sicher stellen?

Und die Lösung ist

🙂 Verblüffend einfach!

Jörg – Der Gewinner!

Die 10 Ganoven ordnen jedem von sich z.B. durch Abzählen eine eindeutige Zahl zwischen 0 und 9 zu!

Wenn ein Ganove dann die jeweils neun Bilder der anderen neun Ganoven sieht, addiert er die Zahlen auf diesen Bildern zusammen und addiert „die ihm gegebene“ Zahl auf die Summe der 9 sichtbaren Zahlen.

Dann wendet er auf das Ergebnis die Operation modulo 10 an und nennt die sich ergebende Zahl (Ziffer). Das macht jeder Ganove bei seinem Interview so.

So wird sicher gestellt, dass genau einer der Ganoven die Zahl nennt, die bei ihm auf dem Bild steht. Der Rest sagt zwar zwangsläufig die falsche Zahl – das stört aber nicht, denn es genügt ja wenn einer die Zahl „errät“, damit alle überleben.
🙂 Man soll also die Hoffnung nie aufgeben – ab und zu hilft sogar die Mathematik.

Die formale Beschreibung der Lösung (nach Dr. Rothermel).

• Gegeben sei die Anzahl der Ganoven: N
• Sei zi die dem Ganoven i gegebene (für ihn) geheime und nicht notwendigerweise eindeutige Ziffer aus der Menge {0, 1, …, N-1} von denen mindestens eine zu erraten ist.
• Sei S die Summe aller vergebenen Ziffern S = Σ zi

Die Ganoven verabreden jetzt folgendes Verfahren:

1. Jeder erhält im Vorfeld eine persönliche (und ihm bekannte) eindeutige Zahl i aus der Menge {0, 1, …, N-1} zugeteilt.

2. Bei der Befragung bildet jeder Ganove jetzt die Summe der Ziffern die er sehen kann – das ist die (eindeutige) Gesamtsumme S minus seiner (ihm unbekannten) Ziffer zi also S – zi . Das ist die einzige Information die er zur Verfügung hat.

3. Da die Ganoven nur an Zahlen im Bereich {0, 1, …, N-1} interessiert sind, verwenden sie modulo N oder die Kongruenzrelation ≡ N. Jeder Ganove ermittelt jetzt eine ganze Zahl x, derart dass folgendes gilt:
x ≡ N i – (S – zi ) oder
x = ( i – (S – zi )) mod N (I)
Mit diesem Verfahren bestimmt genau ein Ganove sein zi richtig !

Beweis:

S ist kongruent mit einer Zahl s aus der Menge {0, 1, …, N-1} oder S ≡ N s also schreibe ich (I) um:
x ≡ N i – (s – zi )
Da sich alle N i’s voneinander unterscheiden, muss eines gleich s sein, damit gilt für einen Gauner:
x ≡ N zi.
Jetzt sind sowohl x als auch zi aus der Menge {0, 1, …, N-1} damit sind sie nicht nur kongruent sondern auch gleich:
y = zi,
und das bedeutet, dieser Ganove bestimme seine Ziffer korrekt.

(Lösung und Beweis sind formuliert von Dr. Jörg Rothermel)

Jetzt empfehle ich, noch mal die Aufgabe zu lesen und ein wenig darüber nachzudenken.

RMD

Roland Dürre
Montag, der 3. April 2017

Eine ganz besondere Aufgabe (Logelei)!

Die Lösung kommt dann in zwei Wochen!

Ein guter Freund hat uns vor kurzem eine Denkaufgabe gestellt. Die Quelle wusste er nicht, sonst hätte ich sie gerne zitiert. Mein Freund konnte die Aufgabe nicht lösen und ich auch nicht. Aber es ist eine wirklich spannende und hoch interessante Aufgabe. Mit einer verblüffend einfachen Lösung inklusive einer mathematisch schönen Begründung. Sie schenkt uns auch ein paar Metaphern für’s Leben.
🙂 Unter anderem, dass die Mathematik auch mal zu etwas nutze sein kann.
Hier kommt die Geschichte:

Hier ein weiblicher Ganove. Auf ihrer Karte steht die Ziffer 1. Aber das weiß sie nicht. Sie kennt ja nur die anderen neun Bilder mit deren Ziffern.

Eine – nicht unsympathische – Gang bestehend aus 10 Personen verstößt laufend auf das Äußerste gegen die herrschende Moral. Die Mitglieder der Gang sind kreativ und klug – so betreiben sie ihre verachtenswerte Handlungen mit großer Geschicklichkeit und entgehen immer wieder dem Arm des Gesetzes. Das ist ihr Glück, denn die vorgeschriebenen Strafe für ihr Verbrechen ist der Tod durch den Strang.

Die Gang bekommt in der öffentlichen Welt einen legendären Ruf und wird für so manchen einfachen Menschen zum Idol. Für die Staats-Autorität ist diese Entwicklung völlig inakzeptabel. So führen die erhöhten Fahndungs-Bemühungen der Behörden gepaart mit dem zunehmendem Übermut und Leichtsinn der Bandenmitglieder zur Ergreifung der Gruppe.

Alle 10 Bandenmitglieder werden aufgrund ihres schändliches Treiben in einem Schauprozess ganz schnell zum Tode verurteilt. Es gibt aber noch eine mögliche Rettung für die 10 Komplizen – ein gestelltes Gnadengesuch. Das Staatsoberhaupt ist eine sehr kluge und gutmütige Frau, die dies entscheiden muss. Sie gilt als sehr erfahren und weise; es gibt Gerüchte, dass sie sogar ein wenig mit der Gang sympathisiert habe.

In der Tat macht sie es sich nicht einfach. Sie erlässt einen bedingten Gnadenerlass (so ein wenig im Sinne eines „Gottesurteils“):

Vor der Hinrichtung dürfen sich die 10 Mitglieder noch ein letztes Mal sehen. Es findet ein Abschieds-Treffen statt, die 10 Ganoven dürfen den Nachmittag vor der Hinrichtung gemeinsam und ohne Überwachung verbringen.

Hier ein männlicher Ganove. Auf seiner Karte steht die Ziffer 2. Aber das weiß er nicht. Er kennt ja nur die anderen neun Bilder mit deren Ziffern.

Zu Beginn dieses Treffens wird den Ganoven erklärt, wie der Gnaden-Erlass funktionieren wird. Von jedem Bandenmitglied wurde ein Foto gemacht (zwei davon sieht man links). Jedes dieser Fotos wird mit einer Ziffer aus der Menge 0 – 9 {0, 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9} versehen, wobei jede Ziffer beliebig oft verwendet werden kann. Es könnte also sein, dass auf allen Bildern dieselbe Ziffer steht. Oder nur eine Teilmenge genutzt wird wie z.B. {1,2, 3)}. Oder nur gerade oder ungerade Ziffern auf den Fotos stehen. Wie auch immer. Aber auch alle Ziffern könnten genutzt werden. Es ist alles möglich.

Nach dieser Belehrung dürfen sie die vielleicht letzten Stunden ihres Leben gemeinsam verbringen. Wie das Treffen vorbei ist werden sie in Einzelhaft genommen. Dort wird jedem der 10 Bandenmitglieder die 9 Fotos der anderen 9 Mitglieder gezeigt – aber nicht das eigene. Und dann wird er nach der Nummer auf dem eigenen Foto befragt. Und wenn auch nur einer der Ganoven die Ziffer auf seiner Karte richtig errät – dann werden alle begnadigt.

Zuerst denkt man sich, dass die Ganoven so eine gute Chance haben, noch mal Gnade vor Recht zu bekommen und ihrer verdienten Strafe zu entkommen. Und zweifelsfrei hat sich ihre Situation schon mal verbessert. So schlecht ist die Chance ja nicht, dass einer der Zehn die Ziffer auf seinem Bild errät und so sie alle der Hinrichtung entkommen.

Aber so einfach ist es nicht. Es kann auch schief gehen. Und was die weise Regentin vergessen hat (oder vielleicht auch nicht):
Die 10 Ganoven können mit einer einfachen Verabredung sicher stellen, dass ein Ganove zwingend die richtige Zahl sagt, die auf seinem Bild steht.
Und damit garantiert, dass er und seine Kameraden begnadigt werden.

Das ist die kleine Aufgabe: Mit welcher Verabredung schafft es die Gang, das zur Verabschiedung gedachte Treffen für eine Verabredung zu nutzen, mit der sie „ihre Köpfe“ zu 100 % aus der Schlinge ziehen?

In ein paar Wochen werde ich die Lösung veröffentlichen – und bis dahin freue ich mich auf viele E-Mails mit der richtigen Lösung!

RMD

Roland Dürre
Donnerstag, der 21. Januar 2016

Bernd Fiedler – K-Working

Ich sitze ich im ICE 1682 von München nach Berlin auf der Fahrt zur Klausur der PM-Camp-Orgateams. Das WLAN im Zug funktioniert mal wieder nicht (no IP) und ich mache nur ab und zu mal ein wenig „tethering“. Die Bahn „wartet“ das WLAN erst wieder morgen früh um 8:00 (Laut eines Tweets von @DB-Bahn als Antwort auf meine Reklamation über Twitter), obwohl ein einfacher „Reset“ wahrscheinlich genügen würde.

Aber ich habe glücklicher Weise das neue Büchlein von Bernd Fiedler eingesteckt. Bernd ist ein guter Freund. Gerne gehe ich mit ihm gemeinsam auf Vortrags-Tour oder treffe ihn in unserr Schafkopf-Runde. Er ist einer der Menschen, die keine Sorgen bringen sondern immer positiv von den Dingen und der Zukunft sprechen. So macht jedes Treffen mit ihm Spaß.

K-Working-FiedlerJetzt hat er ein kleines Büchlein geschrieben.Und dank der DB habe ich Zeit zum Lesen. Das Buch ist konstruktiv wie sein Autor. K-Working ist der Titel, das Buch beschreibt, wie Wissensarbeiter in einer „neuen Welt“ zusammen arbeiten könnten und sollten. Es macht richtig Mut und bringt Freude.

Es ist aber auch ein kritisches Buch mit erstaunlichen und oft sehr treffenden Thesen. Manchem Unternehmen hält Bernd (s)einen unerbittlichen Spiegel vor. Und oft habe eine beschriebene (bittere) Ist-Situationen selber erlebt und kann die Analyse dazu im Buch nur teilen.

Von außen ist das Buch eher klein und unscheinbar. Aber irgendwie seht alles drin, was es zum Thema Wissensarbeit und Führung zu sagen gibt. Und dies in einer ganz einfachen und ungemein verständlichen Sprache. Spannend und leicht zu lesen. Weil es eben nicht mit weit ausgebreiteten und kompliziert begründeten Theorien missionieren will sondern sich nüchtern auf des Wesentliche beschränkt.

Sogar der Font ist angenehm groß – ich lese ja fast nur noch digital und meine alten Taschenbücher sind für mich doch oft mühsam. K-Working dagegen lässt sich auch im Dämmerlicht des frühen Januar-Morgens und der (angenehm) diffusen Beleuchtung im ICE angenehm lesen.

Es steht alles drin, was wichtig ist. Und das ganz knapp, ohne endlose Wiederholungen, wie ich sie von amerikanischer Management-Literatur gewohnt bin. Da weiß man oft nach den ersten 50 Seiten genau, was noch alles so kommt. Und auf den verbleibenden 300 Seiten wird das dann immer noch ein paar Mal durchgekaut. Ganz anders K-Working!

Das Buch ist als Taschenbuch im epubli – Verlag erschienen, die Sprache ist Deutsch.  Es hat 140 Seiten und die ISBN ist 9783737566599. Und für 14,99 € kann man jetzt schon die 2. Auflage (!) auch bei epubli kaufen.

RMD

Detlev Six
Samstag, der 2. Januar 2016

Neues von Gott und dem großen Bumser.

Sie haben das ganze Jahr geschossen.

Im nahen Osten, um den einzig wahren Gott zu ermitteln.

In Genf auf der Suche nach dem ultimativen Gottesteilchen.

Im nahen Osten soll ein wenig über den Frieden gesprochen werden, der erste maßgebliche Teilnehmer wurde inzwischen erschossen.

In Genf zeigen die Schussmessdaten des Large Hadron Colliders (der große Bumser) eine winzig kleine Erkenntnis-Beule, die möglicherweise in 2016 noch wachsen soll.

Was lernen wir daraus?

Erstens:
Die Suche nach der letzten Wahrheit ist in Wahrheit eine einzige Schießerei.

Zweitens:
Wir sollten statt nach der letzten Wahrheit, nach den vorletzten Wahrheiten suchen.

Möglicherweise gibt es die eine oder andere davon ohne Schusswechsel.

SIX