Roland Dürre
Montag, der 5. Januar 2015

Wie die Zeit vergeht …

KettenkarusselWenn ich nur die 31 Jahre meines Lebens bei der InterFace AG reflektiere – was hat sich da doch alles verändert! Auf allen Ebenen und in allen Dimensionen. Betrachte ich die Gesellschaft und die Technologie, oder die Art und Weise wie heute mit Wissen umgegangen wird, dann ist das schon mehr als erstaunlich.

Ganz neue Fächer sind wichtig geworden und haben enorme Fortschritte gemacht – und wie ich meine, die Welt verändert. Dazu gehören neben der Technologie auch Wissenschaften wie die Psychologie, die Gehirnforschung, Behavior Science aber auch die Spieltheorie wie die gute alte Philosophie. Ganz zu schweigen wie sich Werte und Moral, ja die Einstellung im Leben der Einzelnen wie auch in der Gesellschaft und im Kollektiv gewandelt haben.

Diese Entwicklungen haben sich gegenseitig verstärkt und in einem Tempo beschleunigt, das ich nicht mehr als linear sondern eher als „geometrisch bis exponentiell“ wahrgenommen habe und wahrnehme.

Insofern gefällt mir folgendes Modell recht gut, das ich vor kurzem entdeckt habe. Es geht um die Begriffe wissend und unwissend sowie fähig und unfähig.

Diese vier Eigenschaften kann man einer Matrix bestehend aus vier Quadranten zuordnen. Die obere Zeile der Matrix ist die der „Unfähigkeit“, die untere Zeile die der „Fähigkeit“. Die rechte Spalte ist die des „wissend“, die linke Spalte des „unwissend“.

Der Quadrant oben rechts steht so für „wissend unfähig“.

Im Beispiel des Lebens eines Autofahrer heißt das, dass ein Jugendlicher weiß, dass er unfähig ist, ein Auto zu fahren. Der Jugendliche ist also „wissend unfähig“.

Der Quadrant rechts unten steht für „wissend fähig“.

In unserem Beispiel wird der Jugendliche zum jungen Mann macht seinen Führerschein. Jetzt weiß er, dass er fähig ist, ein Auto zu fahren. Und fährt Auto. Der junge Mann ist also „wissend fähig“.

Der Quadrant links unten steht für „unwissend fähig“.

Der älter werdende Mensch fährt viel Auto. Er wird sehr geübt und ist so fähig ein Auto zu fahren, er weiß es aber nicht mehr bewusst. Er ist also des Auto fahrend „unwissend fähig“.

Der Quadrant oben links steht für „unwissend unfähig“.

Wie die Geschichte im letzten Quadrant oben links weiter geht, erahnen wir schon. Der Mann ist zum Greis geworden. Er sollte nicht mehr Autofahren, weil er es nicht mehr kann. Er weiß dies aber nicht. Er fährt also „unwissend unfähig“ weiter.

Das ist doch ein nettes Beispiel. Es hat aber einen Nachteil: Es suggeriert, dass es der Mensch ist, der sich aufgrund seiner altersbedingten Veränderung vom Zustand des „wissend unfähig“ über „wissend fähig“ und „unwissend fähig“ in den Zustand „unwissend unfähig“ wechselt.

Oft ist es die Welt oder Umwelt, dies sich schnell verändert. Beim Eintritt in ein neues soziales System bemerkt man sofort, dass man sich die Fähigkeit des „Teilnehmen können“ erst erarbeiten muss. Das neue System wird erlernt und dann ist man dabei. Nur kann man aufgrund der hohen Veränderungsgeschwindigkeit plötzlich sogar nach einer Phase des „unwissend fähig“ schnell in den rätselhaften Zustand des „unwissend unfähig“ kommen. Weil die Regeln und das Funktionieren des Systems sich so schnell wesentlich verändert haben, dass man es gar nicht bemerkt hat. Und steht dann dumm da und versteht die Welt nicht mehr – in der man vor kurzem noch so gut mithalten konnte.

Ja, ab und zu geht es auch mir wie in einem Kettenkarussell, das immer schneller läuft und mich schwindelig macht.

RMD

P.S.
Das Bild heißt „Wellenflug auf dem Roonkarker Mart“. Ich habe es in Wikipedia beim Karussell-Artikel gefunden, es ist ein eigenes Werk von Wilfried Wittkowsky.

Das Video zum letzten Vortag im IF-Forum in 2014 aus unserer Reihe „Galileo Galilei – Ein Besuch in der Gegenwart“ von Thomas de Padova mit dem Thema “Das Weltgeheimnis”  steht jetzt in meinem YouTube-Channel RolandDuerre zum Download bereit.

Jetzt können auch die, die nicht dabei sein konnten, dem interessanten Vortrag über Galileo Galilei und seinen Zeitgenossen Johannes Kepler folgen:

:

Ich wünsche viel Freude beim Anschauen!

RMD

Roland Dürre
Mittwoch, der 29. Oktober 2014

Radfahren / Autofahren – oder – Von Analysten und Thinktanks

Ich bin begeisterter und bekennender Radfahrer und so wenn es irgendwie möglich ist nur noch mit dem Fahrrad unterwegs. Dies bei jedem Wetter und bis zu einem Radius von zirka 30 km. In dieser Reichweite bin ich nur ganz gelegentlich öffentlich unterwegs.

Bei größeren Entfernungen fahre ich in der Regel Zug oder fliege, aber nur dann, wenn es mir zwingend notwendig erscheint. Nur bei ganz besonderem Anlass nutze ich noch ein individuell und von Hand gesteuertes Fahrzeug mit Verbrennungsmotor. Das passiert ganz selten im Jahr.

Meine neue Freiheit genieße ich und kann auch ganz objektiv begründen, wie sehr durch diese Veränderung meine Lebensfreude und innere Zufriedenheit gewachsen sind.

Umso mehr hat mich folgende Nachricht überrascht (und auch ein wenig erschüttert), die ich in der SZ vom 25.10.2014 in der Beilage „Mobiles Leben“ gefunden habe:


Autoboom ohne Ende
Von Joachim Becker

Die Kosten für das Autofahren sollen bis zum Jahr 2030 sinken. Die Weltbank prognostiziert, dass sich der Ölpreis in den kommenden Jahren stabilisieren wird. Aus diesem Grund sollen auch die Spritpreise in Deutschland lediglich von 1,60 Euro pro Liter im Jahr 2013 auf 1,81 Euro im Jahr 2030 steigen. Innovationen beim Antrieb dürften den Verbrauch senken, während die Einkommen steigen. Folglich werden PKW als Beförderungsmittel immer attraktiver.

Zu den Kehrseiten des wachsenden Verkehrsaufkommens gehört eine Zunahme der Kosten durch Staus um mehr als 30 Prozent. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Centre for Economics and Business Research (Cebr). Die Studie prognostiziert einen Anstieg der direkten und indirekten Staukosten von 25 Milliarden (2013) auf 33 Milliarden im Jahr 2030. Pro Haushalt bedeutet das ein Wachstum von 1647 Euro (2013) auf 2203 Euro im Jahr 2030 – was mit zwei Prozent pro Jahr auf dem Niveau der angepeilten Inflationsrate liegt. Wenig tröstlich: In den USA sollen die Staukosten sogar um 50 Prozent steigen.


Sich aus eigener Kraft fort zu bewegen ist vielleicht das Beste, was wir für das Biosystem unseres menschlichen Körpers tun können. Es ist wahrscheinlich ein guter Weg, in ein reflektiertes Leben im Einfachen hinein zu gleiten.

Wenn ich radele bewege ich mich, überwinde täglich meinen „inneren Schweinehund“ (der im übrigen mit jedem Tag ein wenig kleiner wird), bin an der frischen Luft und nehme unsere Naturwelt wahr. Ich widerstehe – auch durch die richtige Kleidung Regen, Hagel, Hitze. Ich lerne mich in Geduld und Muße zu üben.

Außerdem verbrenne ich kein Öl, stoße keine Abgase aus, verursache keinen Lärm, gefährde andere Verkehrsteilnehmer deutlich weniger und spare auch noch Geld ein.
Im öffentlichen Verkehrsmittel gewinne ich auf den längeren Strecken viel Zeit, die ich für mich nutzen kann. Wenn ich daran denke, wie viele Jahre ich täglich Stunden in Autos verbracht habe, schmerzt dies mir.

Und dann lese ich solch eine Studie … Und frage mich, was da los ist:

  • Können die Prognosen im Artikel stimmen?
  • Was denken sich die Menschen, wenn sie so etwas lesen?
  • Kann die Zukunft wirklich so werden?
  • Liegen die Analysten da komplett falsch?
  • Warum folgen nicht mehr Menschen meinem Beispiel?

RMD

P.S.
🙂 Mittlerweile bin ich übrigens schon weiter und arbeite an meinem „neuen Mobilitäts-Programm“ – das Ersetzen des Fahrrads auf den Kurzstrecken durch das „zu Fuß gehen“. Eine gar nicht so einfache Herausforderung.

Roland Dürre
Freitag, der 5. September 2014

Noch ein Barcamp – EnjoyWorkCamp!

Ich mag Barcamps. Besonders natürlich das PM-Camp, an dessen Aufbau ich ja ein wenig mitgewirkt habe. Es gibt aber andere – zum Beispiel das OpenUpCamp. Da war ich auch schon. Jetzt habe ich ein ganz anderes Barcamp gefunden und werde dort auch hingehen. Es ist das EnjoyWorkCamp.

Franziska Köppe ist die Gründerin des EnjoyWorkCamp, das in diesem Jahr am 14. und 15. November 2014 in Stuttgart stattfinden wird. Franziska schreibt dazu:

Wo Freude, Begeisterung und Überzeugung am Werk sind, stellt sich der Erfolg wie von selbst ein. Wir alle tragen die Sehnsucht in uns, Sinnvolles zu tun. Als Unternehmer streben wir danach, wirtschaftlich erfolgreich, sozial verantwortungsbewusst und ehrbar zu sein. Wir wollen die Umwelt und die Natur erhalten. Ständig gibt es im Arbeitsalltag kleine und große Änderungen, die teils immense Auswirkungen auf uns und unser Umfeld haben. Das ist alles gar nicht so einfach. Denn es gibt viele Fragen:

  • Wie hoch ist unser Wert und wie gestalten wir daraus wertorientierte Angebote?
  • Was bringt Eigenverantwortung der Mitarbeiter und wie geht gute Teamarbeit?
  • Ist nicht jede Firma und jede Erwerbstätigkeit ein Hamsterrad?
  • Wie gestalte ich ein Umfeld, in dem es Spaß macht zu arbeiten?
  • Welche Werkzeuge, Architektur, Infrastruktur, Mobilität, Prozesse, Kultur… eignen sich dafür?
  • Wie fördere ich Gemeinwohl in meinem persönlichen Umfeld?
  • Wie schaffe ich mir selbst Freiraum (Zeit und Geld), um Zukunft aktiv gestalten zu können?

Wie oft sind wir für genau dieser Fragen auf eine Konferenz gegangen und haben die Antworten dann beim Plausch in der Kaffeepause gefunden?

Soweit Franziska. Ich werde hingehen, weil ich davon ausgehe, dass das EnjoyWorkCamp genauso wie PM-Camp den Erfahrungsaustausch auf Augenhöhe bietet. Ich freue mich darauf, gemeinsam mit Unternehmern und Führungskräften aus kleinen mittelständischen aber auch großen Unternehmen Lösungen rund um soziale, ökonomische und ökologische Aspekte zukunftsweisender Geschäftsmodelle zu diskutieren.

Mir ist wichtig, dass das Programm von den Teilnehmern selbst gestaltet wird – so dass ich auch meine Bedürfnisse einbringen kann. Und besonders freue ich mich auf das Wiedersehen mit ein paar guten Freunden, die sich schon angemeldet haben. Gemeinsam wollen wir ins Handeln kommen und uns dabei gegenseitig unterstützen.

Hier noch weitere Informationen: Unkonferenz und News und Presse.

Die Vision von EnjoyWorkCamp ist:
Gemeinwohl, Lebensqualität und Freude an der Arbeit!
Das ist noch ein Grund für mich hinzugehen.

RMD

Roland Dürre
Freitag, der 15. August 2014

Start-up (1) – Scheitern

Wie so manchen Sommer schon befinde ich mich beim Zelten in Porto Ageranos. Der Platz liegt auf dem Peloponnes auf dem mittleren Finger, zirka 10 km südlich von Gythio, kurz bevor das wilde Mani beginnt. Vom Zelt sind es gerade 10 Meter zum Meer, die erste Nacht war schon mal so richtig gut. Und da wir die Gegend gut kennen sind wir sofort wieder so richtig zu Hause!

Die Zeit hier nutze ich zum Entspannen, Nachdenken, und nicht zuletzt zum Pläne schmieden. Und natürlich zum Schwimmen und Radfahren, gut Essen und einfach nur so mit den Lieben zusammen zu sein. Und natürlich zum Artikel schreiben (für IF-Blog.de).

Diesmal ist das Schwerpunktthema start ups

Ich kenne viele Menschen. Mit manchen davon bin ich freundschaftlich verbunden. Da sind auch viele junge Kollegen dabei. Mir scheint, dass ich mit der jungen Generation gut kann.

Seit ein paar Jahren beschäftige ich mich mit Gründungen von Unternehmen. So bin ich immer wieder in der Jury eines Business Plan Wettbewerbs, als Mentor betreue ich Menschen und Unternehmen, die im Werden sind (start ups). Dies mal enger, gelegentlich sporadisch. Und stecke so ein wenig in der Szene drin.

Die meisten Teams, die ich kenne und erlebe, sind toll. Fleißig und kreativ versuchen sie mit höchstem persönlichen Engagement auf vielen Ebenen basierend auf einer spannenden Idee ihr Leben eigenverantwortlich zu führen und ein Unternehmen aufzubauen.

Und dann scheitern sie.

Manche scheitern schon beim Start, andere nach Auslauf eines Förderprogrammes wie EXIST oder nach der ersten Finanzierung. Oft dauert der Leidensweg dann eine Weile bis zum endgültigen „Aus“, ab und zu wird am Schluss noch ein „Notausgang“ gefunden. Und nur ganz, ganz wenige werden erfolgreich, allerdings meist auf andere Art und Weise als vorher geplant.

Die meisten, die scheitern, haben einiges an Kraft und oft auch Geld gelassen. Ihnen bleibt nur der Trost, dass sie viel gelernt haben, also irgendwie dann doch „erfolgreich gescheitert“ sind. Das ist aber ein schwacher Trost, denn in bei einer alternativen Lebenslinie zum Beispiel in einem guten Job bei einem Mittelständler hätten sie vielleicht noch mehr für ihre persönliche Zukunft lernen können.

Das bewerte ich als eine gigantische Verschwendung von Kapital, Kreativität, Fleiß („waste“ im Sinne von Kaizen). Auch die Enttäuschung und der Frust der vielen betroffenen jungen Menschen schmerzt mich. Und ich denke mir oft, dass dieses häufige Scheitern in vielen Fällen vermeidbar gewesen wäre.

Denn das massenhafte Scheitern ist gut erklärbar. Die Gründer arbeiten in der Regel genauso, wie es die Expertise einer vergangenen Epoche ihnen vorgibt. Und dieses Muster hat noch nie besonders gut funktioniert, heute geht es in der Regel gar nicht mehr auf. Wie sollen in der Welt von morgen die Erfolgsmuster von gestern auch noch funktionieren?

Und die ganz wenigen Ausnahmen – die übrigens ausnahmslos aufgrund eines zusammen Kommens besonders glücklicher Zufälle basieren – bestätigen diese Regel.

Warum ist das Scheitern normal?

Die Antwort ist einfach. Zum Beispiel versuchen auch große Konzerne immer wieder, neue Produkte in den Markt zu bringen. Diese Konzerne verfügen über alles, was man für eine neue Produkt-Idee braucht: Beliebig viel Kapital, eine renommierte Marke, ein geniales Marketing, eine starke Marketing- und Vertriebs-Organisation, weltweiten Zugang zu den Märkten, tolle Ingenieure und Lieferanten und vieles mehr. Und vor allem, sie kennen ihren Markt, weil sie ihn sich oft über Jahrzehnte „erlernt“ und „erarbeitet“ haben.

Und trotzdem scheitern ihre Produkt-Entwicklungen. Im besten Fall sind nur 10 % solcher Entwicklungen am Markt leidlich erfolgreich. Bei strengeren Messkriterien noch viel weniger.

Nur wie will ein junges Team, das all das nicht hat, da mit halten? Nur mit jugendlicher Unbeschwertheit und Kreativität? Das ist doch Unsinn.

Ein Schluss könnte sein, dass junge Gründer nur eine reelle Chance in ganz neuen Märkten haben. Dann sollten junge Gründer (fast) alle Geschäftsideen, die sich in vorhandenen Technologien und Lösungen meiden. Die Entwicklung scheint diese Annahme zu bestätigen. Hier vielleicht eine erste vorsichtige Empfehlung an start-ups:

Aufpassen beim Eintritt in Märkte, die schon besetzt sind!

Große Konzerne stehen sich natürlich bei kreativen Themen mit ihrer Organisation und ihren Prozessen selber im Weg. Ihr Erfolg hat die negative Seite, dass man zwangsläufig in alten Mustern denkt. Das erkennen sie auch und sie suchen so die Innovation von außen. Sie gründen „acceleration“- und „invest“-Abteilungen und suchen die Kooperation mit „start-ups“. Das ist ja auch die neueste Idee von „unternehmerTUM“ der Technischen Universität wie auch vom neuen Oberbürgermeister der Landeshauptstadt München, Herrn Reiter.

Das Zauberwort „Kooperation von Konzernen und Start-ups“ wird aber auch nicht funktionieren. Denn zum einen leben die alten Unternehmen intensiv die Ablehnung von außen. Das Motto heißt, dass „not invented here“, im eigenen Unternehmen nichts wert ist und nicht sein darf.

Ich habe das beliebig oft beobachtet und auch selbst in einer strategischen Kooperationen mit einem großen Konzern erlebt – dies sogar zweimal. Und ich kenne eine ganze Reihe von Beispielen, bei denen die „unternehmerischen“ Ergebnisse von XXX-Acceleration oder XXX-invest gescheitert sind.

Aber auch das „alte“ Vorgehen ist nur noch in wenigen Ausnahme-Fällen erfolgreich. Ich bringe als Beispiel das Scheitern fast aller „Steuerspar-Modelle“. Wir erleben das seit Jahren nicht nur in den Branchen „Film“, „Immobilien“ ,„Schifffahrt“ oder „alternative Energien“. Auch die großen Verluste von Anlegern bei Projekten im Eisenbahn- oder Kanal-Bau sind gute Beispiele.

Das Scheitern hatte mehrheitlich als Ursache nicht, dass Betrüger oder unseriöse Geschäftsleute am Werk waren. Das hat es auch gegeben. Aber meistens ist die Ursache des Scheiterns solcher Projekte, dass die dahinter liegenden Geschäftsmodelle und -pläne falsch waren. Obwohl sie von Experten „professionell“ erstellt wurden, die ihren Markt bestens kannten.

Und von anderen Experten, wie zum Beispiel von Banken kritisch geprüft wurden. Und das ehrlich, denn die Banken haben ja geprüft, weil sie sich selbst auch dran beteiligen wollten – und sie wollten ja auch keine Verluste machen.

Auch da habe ich ganz persönliche Erfahrungen. In einem Fall hat die von mir hoch eingeschätzte Sparkasse München einen geschlossenen Immoblilien-Fonds in jena auf „Herz und Nieren“ geprüft, und ein paar Millionen verloren. Ich war auch dabei, den ich habe der Prüfung der Stadtsparkasse vertraut, aber glücklicherweise nur einen Betrag im unteren fünfstelligen Bereich verloren.

Aber wenn die von Experten geschriebenen und von vielen anderen Experten validierten Business Pläne nicht funktionieren, wie soll dann ein junges Gründungs-Team ohne Erfahrungen und Marktkenntnis ihr neues Unternehmens-Schiffchen erfolgreich in eine nicht vorhersagbare Zukunft führen?

So gesehen erscheinen doch Gründungen von neuen Unternehmen als aussichtslos oder zumindest als tollkühne Abenteuer, auf die sich eigentlich kein ernsthafter Mensch einlassen darf.

Ich denke mir aber, dass es möglich ist,die Erfolgswahrscheinlichkeit eines start-ups von gefühlten 1 : 100 vielleicht sogar auf 1 : 1 (Erfolg zu Scheitern) zu verbessern.

Ich weiß, dass das dies eine sehr mutige Aussage ist und habe mir vorgenommen, in meinen zwei Wochen auf einem Zeltplatz ganz im Süden des Peleponnes auf Mani ein paar Artikel zum Thema „start-up“ hier im IF-Blog zu schreiben. Für die von mir betreuten „start-ups“ wie für alle anderen Leser auch.

RMD

P.S.
Beginnen werde ich in der nächsten Folge mit meinem eigenen Werdegang. Ich glaube, da kann man schon viel daraus lernen.

Am 17. Juli hat ein ganz besonders IF-Forum bei der InterFace AG in Unterhaching stattgefunden. Dr. Stefan Gillessen berichtete in der Reihe „Galilei Galileo – Ein Besuch in der Gegenwart“ über den
Blick in den Kosmos.

Dr. Stefan Gillessen ist Physiker am Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik (MPE) und dort ein außergewöhnlich erfolgreicher Forscher.

Hier sein spannender Vortrag!

Viel Spaß beim Anschauen!

RMD

Roland Dürre
Sonntag, der 29. Juni 2014

Der kleine Unterschied – PM-Camp versus Konferenz

rhein_main-pm-campDieses Wochenende war wieder PM Camp, das dritte in diesem Jahr. Es war das PM-Camp Rhein-Main 2014 in Bad Homburg. Und was ich in Twitter (#PMcampRM) so mitbekommen habe, war es wieder ein tolles PM-Camp. Denn jedes PM-Camp ist anders, aber immer etwas besonderes.

Und während ich in Unterhaching mit vielen Gästen „30 Jahre InterFace“ gefeiert habe, ist in Bad Homburg etwas ganz besonderes so quasi nebenher entstanden: Ein Team um Falk Schmid, der auch Mitglied des Orga-Teams von PM-Camp RM ist, hat unter Anleitung von Torsten Koerting in weniger als 100 Minuten ein experimentelles Video entwickelt, welches helfen soll, die PM Camp-Idee zu erklären.

Viel Spaß beim Anschauen! Zum Video.

In einer Stunde gemacht! Wow! Da könnte man sich vorstellen, so ein Video auch für ganz andere Einsätze, z.B. in Unternehmen zu gestalten. Hätte ich schon Ideen …

Also, kommt zum ersten PM-Camp in München #pmcampmuc.

🙂 Und noch besser, macht doch auch in Euer Stadt ein PM-Camp!

RMD

Roland Dürre
Sonntag, der 2. Februar 2014

Zwischen “Agil” und “Geplant”, Intuition und Ratio.

Vor kurzem hat mir wieder mal ein Freund berichtet, wie toll seine Teilnahme an einem barcamp am Wochenende gewesen wäre. Wie viel Aufbruchstimmung er da gefühlt hätte und wie viel Energie er mitgenommen hätte. Und wie schlimm es dann war, als er beschwingt vom Wochenende am Montag in den grauen Alltag seines Arbeitsleben eingetaucht und dabei schmerzhaft auf dem harten Boden der Realität gelandet ist.

Da kamen mir wieder so ein paar Fragen in den Kopf, die mich immer mehr ins Grübeln bringen:

Unternehmen und planen:

Warum fällt „agil“ oft so schwer und warum klammen wir uns noch so gerne an „geplant“? Warum akzeptieren wir nicht die Unvorsehbarkeit der Zukunft?

Entscheiden:

Warum misstrauen wir unserer Intuition und treffen dann doch lieber unsere Entscheidungen ganz rational, scheinbar auf der Ebene der Vernunft und abgesichert durch komplizierteste Begründungen?

 Oder „populistisch“ formuliert:

Warum werden intuitiv denkende und handelnde Menschen, die agil durchs Leben gehen und erfolgreich Dinge zu Gunsten aller voranbringen, immer wieder von Apperatschiks ausgebremst, die vor lauter Regeln und Gesetzen all das mühsam aufgebaute wieder einreißen?

Hier meine Antworten …

Ich vermute, dass wir es so einerseits von unseren Altvorderen so gelehrt bekommen haben und andererseits uns unsere Ängste dazu bringen.

Lassen wir zuerst vergangenen Generationen zu uns sprechen:

Wir haben alles im Griff, wir können alles erreichen, wir müssen es nur ordentlich planen. Wir müssen unsere Welt organisieren wie ein Uhrwerk, dann kann nichts mehr passieren. Jungen weinen nicht und Gefühle sind schlechte Ratgeber. Also mach Dich frei von diesen – sie schaden nur. Und vor allem, keine Angst vor dem Fortschritt! Die Technologie kann alles! Kriege sind zum gewinnen da! Also Junge, sei vernünftig! Basta!

Die Generationen vor uns haben das so geglaubt. Sie sind zum Opfer der explosionsartigen Entwicklung im 19. und 20. Jahrhundert geworden, die grenzenlose Möglichkeiten für den Menschen zu versprechen schienen. Da entstand in den Köpfen der Menschen das Gefühl von Omnipotenz, das auf dem Glauben an Technologie und Fortschritt basierte. Der Mensch war plötzlich allmächtig, der Tod wurde verdrängt.

Die plötzlich im Überfluss vorhandene Energie (vor allem aus fossiler Quelle) gepaart mit einem gnadenlosen technologischen Fortschritt schien alles möglich zu machen. So entstand ein Machbarkeits- und Planbarkeits-Wahn, wie es ihn nie vorher in der Geschichte der Menschen gegeben hat. Alles war auf Fortschritt und Modernität ausgerichtet.

Worte und Werte wie „Demut“ und „Achtsamkeit“ wurden belächelt oder an den Pranger der Rückständigkeit gestellt. Mit nie erlebter Rücksichtslosigkeit gegen Natur und Leben wurden Technologie und Fortschritt zu den neuen Heilsbringern erklärt. Der Kampf gegen die Natur ging in voller Härte los. Die Planer der Zukunft in entarteten sozialen Systeme wollten sogar den „neuen Menschen“ schaffen so wie sie ihre neuen Städte gebaut haben.

Der Glaube, dass durch explodierende Technologie gepaart mit unbegrenzt verfügbarer Energie die Zukunft durch Vernunft gesteuert, alles determiniert und mechanistisch entwickelt werden kann, wurde unterstützt  von der gleichzeitig immer stärker gewordenen Angst vor der Freiheit.

Unsere vermeintliche Omnipotenz hat eine Chimäre der Sicherheit geschaffen, die wir uns wünschen und die uns entlastet. Auch wenn sie eine sehr trügerische ist.Je größer unsere vermeintliche Sicherheit, desto größer die Angst vor dem Verlust derselben, desto größer unsere Angst vor Eigenverantwortung und Freiheit.

Jetzt merken immer mehr Menschen, dass dies alles nur eine der vielen Kapriolen waren, denen die Menschen sich in ihrer Geschichte gerne hingegeben haben. Auch die Annahme, dass die Zukunft der Menschen mit Vernunft geplant werden könnte, erweist sich immer mehr als falsch. Wir wissen Bescheid über die Klimakatastrophe, machen aber nichts. Genauso, wie wir Bescheid wissen über die vielen Probleme unserer sozialen und ökonomischen Welt, aber auch hier nichts tun.

Es scheint aber wieder eine Zeitenwende statt zu finden. Plötzlich verändert sich wieder alles rasant. Wir haben das Internet mit neuer Informationsdichte. Wir merken, dass da was falsch läuft.

So sind immer mehr von uns auf der Flucht vor dieser eh nur vermeintlichen Sicherheit. Sie erkennen, dass man Zufriedenheit geschweige denn „Glück“ nicht kaufen kann. Sie wollen sich nicht mehr den Zwängen einer materiell gesteuerten Gesellschaft beugen, die ihre Mitglieder nur noch zu Konsumenten formatiert.

Sie wollen sich nicht mehr von einer in paradoxer Art und Weise ökonomisierten Welt versklaven lassen, sondern einfach wieder leben. Sie wollen ihr Leben eigenverantwortlich und in Freiheit führen. Und haben die Nase voll von den Gesetzen einer spätkapitalistischen und globalisierten Welt.

Ich glaube, dass je mehr wir Menschen es schaffen, wieder ihre Autonomie und Unabhängigkeit zu gewinnen, desto mehr werden wir auch kollektiv bereit sein, unsere Ängste ein wenig zu verdrängen und auch gesellschaftlich den agilen und intuitiven Weg zu gehen. Und unsere Bereitschaft wird steigen, proaktiv die notwendige Transformation anzunehmen, trotz ihren radikalen Folgen mit vielen, nicht absehbaren Alternativen .

Je mehr wir Menschen aber unser Leben auf vermeintlicher Sicherheit gründen und auf dem erworbenen Besitzstand beharren und uns vormachen, wir hätten alles unter Kontrolle, weil ja alles planbar da deterministisch erklärbar und mechanisch gestaltbar ist, desto mehr werden wir keinen Mut haben, intuitiv zu entscheiden und agil zu leben. Und uns gnadenlos mit Szenarios verwirren, die wie unsere Ängste nur in unseren Köpfen stattfinden. Und dann sehr abrupt mit Veränderungen konfrontiert werden, die uns gar nicht mehr gefallen werden.

Wahrscheinlich kann der Kampf um unser Überleben nur mit „agil“ und „intuitiv“ gewonnen werden. Und die große Sängerin Janis Joplin könnte die Zukunft voraus geahnt haben, wie sie in ihrem Song Me & Bobby McGee den Begriff von Freiheit so ganz anders definiert hat:

Freedom’s just another word for nothing left to lose …

RMD

Roland Dürre
Mittwoch, der 15. Januar 2014

Was ich mag #1 – DuckDuckGo!

Ich mag DuckDuckGo!

Ihr wisst nicht, was DuckDuckGo ist?

Kein Problem, wie immer steht auch alles über DuckDuckGo in Wikipedia. Und ausprobieren kann man es gleich mit diesem Click.

Und schon seht Ihr die auch nicht mehr so ganz neue Suchmaschine. Keine intellektuelle Spinnerei wie Wolfram|Alpha. DuckDuckGo kommt ein wenig im Retrolook daher. Und ist vielleicht funktionell auf dem Stand wie Google vor 10 Jahren. Aber schon verblüffend gut. Und wenn wir alle DuckDuckGo unterstützen, dann wird das schon.

Spätestens nach den „Snowdon-Enthüllungen“ (die im übrigen keine waren, denn unsere Hacker wussten das doch schon seit Jahren) ist DuckDuckGo salonfähig geworden. Denn DuckDuckGo sammelt keine Benutzerdaten.

So kann es auch keine „user bubble“ geben. Die will ich nicht und verzichte gerne auf den angeblichen Komfort, den das „Tracking“ und Sammeln meiner Eingaben liefern soll.

Ich wünsche mir, dass eine Suchmaschine bei derselben Anfrage für jeden Benutzer an jedem Ort immer dasselbe Ergebnis liefert. Denn so schlau sollte der Benutzer schon sein, dass wenn er zum Beispiel ein Restaurant namens Bella Roma in Ottobrunn sucht, er dann neben „Bella Roma“ auch Ottobrunn ein gibt.

Also ganz schnell DuckDuckGo ausprobieren! Auch wenn es uns vor der NSA auch nicht schützt.

RMD

Roland Dürre
Freitag, der 29. November 2013

brand eins im Dezember

brandeins122013brand eins
gibt es auch als „App“. Nicht nur auf Papier. Deshalb dieses Bild.

Ich bin aber hier noch ausnahmsweise bei der Papierfraktion. Deshalb schleppe ich das brand eins schon seit gut einer Woche mit mir herum. Und kam immer nur dazu, ein wenig hinein zu schnuppern.

Heute am Freitag ist es dann im Büro doch ein wenig ruhiger. Und ich schaue mir das brand eins genauer an. Quasi zur Vorfreude aufs Wochenende.

Diesmal ist der Schwerpunkt Zeitgeist. „Den Zeitgeist verstehen ist das Motto, die Botschaft auf dem Titelblatt heißt „Du bist so neunziger„. Trifft jetzt auf mich nicht so zu, fühle ich mich doch eher als ein „sechziger“ – allerdings nicht im Fußball – oder ein „siebziger“ – vielleicht sogar ein „50iger“ und hoffe da kein falscher. Schon die 80iger sind mir ein wenig suspekt und von den 90igern will ich gar nicht reden – warum auch immer.

Und was sind wir eigentlich aktuell? Die Null-Nuller?

Zum Heft:

Ich mag es wieder. Auch wenn mich die Heft-Mitte mit 10 Seiten Anzeige mal wieder ermahnt, dass ich mich doch ein wenig schicker an ziehen sollte. Fühle mich da an meine Mutter erinnert, die auch immer an mir auszusetzen hatte, „wie ich denn wieder daher kommen würde“. Da musste ich früher durch – und heutzutage hilft dann nur schnelles Überblättern.

Ansonsten haben mir schon die kurzen Artikel, die ich bisher so anschauen konnte, doch auch wieder einiges Neues gebracht. Nicht nur die „Die Welt in Zahlen“. Soviel auch zum Stichwort „Rohstoffverbrauch“.

Bei ein paar Artikeln habe ich auch eigene Assoziationen. Da haben zum Beispiel vor 20 Jahren zwei Brüder angefangen, aus Lastwagen-Planen Taschen herzustellen (Seite 98). Und waren damit erfolgreich. Da fällt mir dann sofort ein, dass ich so ganz tolle Fahrradtaschen habe. Und dass da jemand wohl vor 25 Jahren angefangen hat, ganz tolle Fahrradtaschen aus LKW-Planen herzustellen. Kann aber auch Zufall sein, wie so vieles im Leben.

Für mich bemerkenswert ist auch das „Kulturgut auf vier Rädern“ auf Seite 112. Auch so ein Thema für sich, sehr interpretationswürdig. Ansonsten ist das Heft wie immer sehr üppig an Artikeln. Da habe ich am Wochenende (und danach) noch viel zu lesen.

Und da bald Weihnachten ist: Ich schenke ja nichts mehr her, was irgendein Gebrauchsgut ist (weil ja jeder Mensch schon alles hat). Also: keinen Wohlstands-Müll für meine Freunde. Meine Geschenke sind Theaterkarten, eventuell selbst gemachten Holunder-Sirup, besondere Weine oder auch mittlerweile Biersorten – und wenn es mir zu passen scheint ein Heft brand eins. Und fahre damit eigentlich ganz gut.

RMD