Klaus Hnilica
Donnerstag, der 5. Dezember 2019

Fritz – und der Stillstand der Zeit

Caro und Fritz (Folge 3)

Als Caro und Fritz unlängst in den Herbstferien bei uns waren, stand Fritz plötzlich vor mir und sagte,

Opa – die Caro ist so gemein…

Warum das denn Fritz?

Weil sie mich überhaupt nicht mit ihrem neuen Scooter mit den großen Rädern fahren lassen will! Dabei würde ich so gerne ausprobieren, wie schnell man mit dem sausen kann…

Tja – vermutlich wird sie dein ‚Gesause‘ mit ihrem Tretroller oder Scooter, wie man heute auf Neudeutsch, sagt, nicht besonders schätzen,lieber Fritz.

Nein – sie will mich nur ärgern…

Wieso, was sagt sie denn?

Ich fahr zu wild, sagt sie und würde bestimmt wieder wo dagegen donnern…

Was ja auch stimmt, du bist wirklich etwas arg ungestüm in letzter Zeit!

Aber bei ihrem neuen Scooter würde ich ganz toll aufpassen…

Das sagst du immer, Fritz – und dann passiert doch jedes Mal ein Malheur!

Aber nur, wenn irgend etwas blöd in der Gegend herumsteht, Opa!

Ja – aber das ist halt ziemlich oft der Fall!

Ach Opa – du hältst immer nur zu Caro!

Nein tu ich nicht, Fritz! – und drum sage ich dir jetzt, was der schlaue Einstein in deiner Situation machen würde, wenn er noch lebte…

Kommt jetzt wieder deine komische Relativitätstheorie?

Du ich wär‘ stolz wenn‘s ‚meine Relativitätstheorie‘ wäre! Aber diese ‚Spezielle Relativitätstheorie‘ gehört leider dem Albert Einstein, der sie 1905 mit nur 26 Jahren veröffentlicht hat, als er noch im Basler Patentamt arbeitete.

Und was hab ich davon?

Nun, der gute Einstein hätte dir gesagt, dass du geduldig sein und lieber dafür sorgen solltest, dass die böse Caro ja nur recht oft, lang und schnell auf ihrem neuen Scooter herum rast…

Und warum,Opa?

Weil dann für Caro die Zeit viel langsamer vergeht als für dich und du viel schneller alt und erwachsen wirst als sie…

Hab ich dann auch öfter Geburtstag und bekomme mehr Geschenke als Caro?

Aber klaro Fritz! Allerdings muss sie dazu wirklich schnell unterwegs sein auf ihrem Scooter!

Wie schnell denn?

Na ja – ungefähr mit 80% der Lichtgeschwindigkeit also 240 000 Kilometer in der Sekunde – oder 864 Millionen Kilometer in der Stunde!

Das ist ja super schnell, Opa!

Das kannst du laut sagen, Fritz! Bedenk‘ doch, dass dein Papa oder die Mama mit eurem VW höchstens 140 Kilometer in der Stunde fähren und ihr deshalb immer etwa dreieinhalb Stunde braucht, bis ihr bei uns seid, während Caro mit ihrem schnellen Scooter dann nur etwa  2 Tausendstel Sekunden für diese Strecke brauchen würde!

Und geht das wirklich?

Na ja eigentlich nicht wirklich – da sie selbst mit einem E – Scooter viel zu viel Energie bräuchte, um diese Geschwindigkeit zu erreichen. Aber dass sie langsamer alt würde bei dieser Geschwindigkeit als du, das stimmt!

Echt?

Ja echt – das sieht man zum Beispiel auch bei den Navigationssystemen, das ihr ja auch in eurem Auto habt und das seine Wegdaten von einem Satellit bekommt der mit 30.000 Kilometer pro Stunde um die Erde rast.Die Uhrzeit, die der hat verläuft auch immer langsamer als die auf der Erde und muss daher so angepasst werden wie die Relativitätstheorie voraus sagt. Wenn das nicht getan würde, würdet ihr immer falsch abbiegen und uns nie finden…

Ja das wär blöd Opa – aber was hilft mir das?

Na – ja Einstein will dir auf diese etwas umständliche Art zumindest theoretisch die Chance ermöglichen, altersmäßig mit Caro gleich zu ziehen. Und wenn das passierte, würde sie bestimmt denken, du seist auch so vernünftig wie sie – und würde dir dann sicher ihren schnellen Scooter leihen…

Opa das kann ja sein, klingt aber ziemlich kompliziert…

So findest du?

Ja! – ich glaube, ich denke mir da lieber einen anderen Trick aus, wie ich an Caros Scooter komme…

Wie du meinst Fritz, aber versuch nicht zu schlau zu sein…

Nee – ich bin ja nicht Einstein…

Tja – wer weiß das schon?

KH

 

Klaus Hnilica
Samstag, der 16. November 2019

Caros Rache – oder die ungewollte Spaghettisierung

Caro und Fritz (Folge 2)

  Und ist der Torsten immer noch so ekelhaft zu dir, fragte ich Caro, als sie mich anrief.

Momentan geht’s.

Und warum das plötzlich?

Weiß ich nicht –  vielleicht weil er momentan lieber mit seinen Kumpels herum rauft. Aber Opa eigentlich ruf ich an, weil Anja mit dir telefonieren will!

Na dann gib sie mir einmal, die kleine Anja! Mal sehen ob sie dieses Mal etwas von sich gibt oder doch wieder nur schweigend lauscht…

Ich hab schon den Lautsprecher angestellt, Opa, du musst nur etwas sagen.

Tja das tat ich dann auch! Aber von Anja kam nix! Zwar hörte sie wohl auf, auf ihrer Schwester Caro herumzuklettern und deren lange Haare als Kletterseil zu benutzen, was lautstark zu vernehmen war, aber plappern tat sie nix, die liebe Anja…

Hm –  und da war auch nix zu machen, egal ob ich redete, ein Liedchen anstimmte, wie ein Schweinchen grunzte, oder die zwitschernde Kohlmeise spielte, Anja schwieg mit eiserner Konsequenz! Also bat ich Caro den Lautsprecher wieder auszuschalten und befragte sie lieber noch einmal zu ihrem ungestümen Torsten. Doch der ließ sie wohl wirklich in Ruhe. Jedenfalls schrie sie mit ihrem gellenden Stimmchen so etwas Ähnliches ins Telefon – mein armes Trommelfell!

Und außerdem, jubelte sie, hätte ihr Papa gestern auf dem Computer die erste echte Aufnahme von einem „Schwarzen Loch“ in unserer Milchstraße gezeigt: eine Sensation, die nur mit vielen Teleskopen und Tricks möglich war, hätte Papa gesagt…

Ja –  sagte ich –  8 Teleskope wurden über den gesamten Erdball mit Atomuhren zeitlich abgestimmt und über ein spezielles Computerprogramm gleichgeschaltet, und auf diese Weise in ein „Riesenteleskop“ verwandelt mit dem man erstmalig so ein geheimnisvolles  „Schwarzes Loch“ sichtbar machen konnte. D.h. man sah auf dem schwarzen Abendhimmel einen hellgelben ausgefransten breiten Lichtkranz, in dessen Mitte tatsächlich ein scharf konturiertes „Schwarzes Loch“ herumlümmelte!

Ja ein deutliches „Schwarzes Loch“, quiekte Caro aufgeregt.

Und wenn du jetzt, unterbrach ich sie, mit Torsten an dem Rand dieses „Schwarzen Loches“ in einem Astronautenanzug entlang düsen würdest und vielleicht deine Zöpfe leichtsinniger Weise aus dem Astronautenhelm  hängen ließest, dann könntest du sogar, ohne dass du den Kopf nach hinten drehen musst, sofort sehen, wenn der böse Torsten doch wieder versuchen würde dich an deinen Zöpfen zu ziehen…

Wie das denn? kreischte Caro.

Weil durch die immense, zusammengepackte Masse von etwa zwanzig Sonnen, im Bauch dieses „Schwarzen Loches“ eine derartige Anziehungskraft herrscht,  dass – wie von der ‚Allgemeinen Relativitätstheorie’ von Albert Einstein vorausgesagt – sich um dieses „Schwarze Loch“ sowohl der kosmische Raum als auch die Zeit im Kreis herum biegen und damit auch die Lichtstrahlen, d. h. wenn du gerade vor dich hinguckst siehst du nicht nur was vor dir passiert, sondern auch alles hinter dir – toll was?

Das ist ja echt der Wahnsinn, Opa!

Ja das ist er –  aber der Wahnsinn wird noch fantastischer, wenn du dem Torsten  einen kleinen unbedachten Schubs geben würdest, durch den er mit einem Bein einen Moment lang ins „Schwarze Loch“ ragen würde: denn dann würde er augenblicklich durch eine wahnsinnig starke Zugkraft an seinen Beinen so auseinander gezogen, dass er sich praktisch und faktisch in ein unendlich langes dünnes Spaghetti verwandeln würde! Und zwar so schnell, dass er nicht einmal spüren würde, wie alle seine Knochen brechen!

Hör auf Opa – so etwas Grässliches will ich gar nicht hören!

Du hast Recht Caro, das ist grauenhaft! Aber andererseits dann auch  wieder nicht: denn da am Rand des „Schwarzen Loches“ gilt nämlich Einsteins ‚Allgemeine Relativitätstheorie’ gar nicht mehr, sondern hier gilt plötzlich die so genannte ‚Quantentheorie’ des Herrn Heisenbergs aus Würzburg und deswegen durchlebt dein böser Torsten nicht nur die Spaghettiwirklichkeit, sondern mit einer gewissen  Wahrscheinlichkeit auch andere Wirklichkeiten. Und auch die, dass er heile bleibt und ihm gar nichts passiert, sondern er dich an der Hand nehmen und mit dir weiter um das „Schwarze Loch“ flanieren kann in seinem Astronautenanzug…

Opa, wenn das so ist, ist mir aber diese ‚Quantentheorie’ oder wie sie heißt, von dem Würzburger lieber, als die ‚Allgemeine  Relativitätstheorie’ vom Einstein…

Das kann ich gut verstehen Caro, denn nach diesem relativ langen Telefonat mit dir, hab ich persönlich rein quantitativ auch genug und brauche jetzt relativ schnell ein Schlückchen Wein! Und grüß mir deine Eltern, Caro! Und gib der kleinen Anja bitte ein festes Busserl von mir!

Tu ich, Opa! Und Tschüss!

Tschüss, Caro, bis demnächst…

K.H.

PS: Übrigens finde ich es super, dass der Fritz gleich dieses Spaghetti-Bild gezeichnet hat – aber er mag ja Spaghetti auch so gerne!

Klaus Hnilica
Montag, der 4. November 2019

Ein seltsamer Vergleich – oder?

Caro und Fritz (Folge 1)

  Enkelkinder sind immer eine ziemliche Herausforderung für Großeltern.

Insbesondere wenn sie derart aufgeweckt sind wie die 13-jährige Caro und der 11-jährige Fritz: ihr Opa, der sich immerhin Physiker schimpft, kommt da gelegentlich echt an seine Grenzen, wenn er die Dinge der Welt einfach erklären soll, wie unlängst, als Caro plötzlich loslegte.

Opa, was hat eigentlich ein ‚Arschloch’ mit einem ‚Schwarzen Loch’ zu tun?

Caro, außer dass es auch ein Loch ist wohl nix soweit ich weiß!

Aber warum sagt dann der Torsten, ich sei ein größeres Arschloch als jedes Schwarze Loch am Abendhimmel?

Tut mir Leid das weiß ich nicht – wahrscheinlich weil er keine Ahnung von Schwarzen Löchern hat – oder?

Was oder?

Oder du hast vielleicht auch etwas Unschönes zu ihm gesagt.

Ich hab nur zu ihm gesagt, dass er das größte Ekel in der ganzen Stadt ist.

Na ja – ist ja auch nicht gerade freundlich.

Aber das stimmt, weil er mich immer in der Pause an meinen Zöpfen zieht!

Gut das mag ja so sein – aber der Vergleich zwischen A – Loch und Schwarzem Loch ist trotzdem wissenschaftlich nicht haltbar!

Und warum nicht wissenschaftlich?

Nun weil die Schwarzen Löcher im Kosmos eher wie riesige Abflusslöcher wirken, die schon seit über Milliarden von Jahren nur alles in sich hinein saugen – und zwar nicht nur alle Sterne rundherum, sondern auch deren Licht. Und bei A – Löchern ist es ja, wie jedermann weiß so, dass da nur etwas rauskommt und nicht rein gesogen wird…

Ja  – und was sogar unheimlich stinkt!

Das kannst du aber laut sagen, Caro! Das Schwarze Loch dagegen würde sogar den Gestank in sich hineinsaugen! D, h. da riechste nix und siehste nix! Drum heißt es ja auch ‚Schwarzes Loch’!!

Und was ist dann ein Schwarzes Loch genau, Opa, von dem auch der Fritz dauernd quasselt?

Ja dem Fritz hab ich unlängst schon einmal davon erzählt und dass es die überall im Weltraum gibt, dass die aber niemand sehen kann, da sie ja auch alles Licht in sich hinein fressen…

Und warum weiß man dann überhaupt, dass es sie gibt?

Hm –  gute Frage! Aber man kann eben mit großen Teleskopen beobachten, wie ein Schwarze Loch über Milliarden von Kilometern andere Sterne und Planeten zu sich hinzieht und sie in ihren normalen Himmelsbahnen stört, ähnlich wie wenn man in einer vollen Badewanne den  Abflussstöpsel zieht, da bewegt sich auch plötzlich aller Badeschaum in  Richtung  Abfluss, der alles in sich hineinsaugt. Und den Badeschaum musst du dir nur als Sterne vorstellen, die alle in den Abfluss reingesaugt werden, allerdings fließen die dann nicht ab, sondern pappen hinterm Abfluss  immer dichter und fester zusammen.

Und warum saugt das Schwarze Loch so stark, Opa?

Tja Caro – weil es das tut, was ihm die allgemeine Relativitätstheorie zuflüstert!

Und was flüstert diese Relavatitätstheorie – oder wie die heißt?

Die sagt, also vielmehr der Herr Einstein, der diese Theorie ausgearbeitet hat, sagt, dass ein so genanntes Schwarzes Loch, wenn es schon drei Sterne von der Größe unserer Sonne in sich hineingestopft hat, immer unersättlicher wird und auch alles weitere aus seiner Umgebung anzieht und in sich hinein frisst, bis es nach etwa fünfzig Sonnen und  mehr eines Tages explodiert…

Und wann passiert das?

Na ja das dauert schon ein paar Milliarden Jährchen! Also wir erleben das nimmer, Caro!

Hm – und würde dieses Schwarze Loch auch den blöden Torsten verschlucken.

Natürlich – man müsste ihn nur nahe genug hin stupsen…

Das wär super, Opa, dann hätte ich endlich meine Ruhe in den Pausen

Oh – oh! Caro du bist ganz schön brutal!

Mir egal…

Das sollte es dir aber nicht sein – wenngleich der böse Torsten vermutlich gar nix spüren würde, wenn er da in das Schwarze Loch rein flutschte.

Und warum spürt der nix, Opa?

Das erzähl ich dir, wenn du den bösen Torsten am Leben lässt, in ein paar Tagen einmal – aber jetzt muss ich kochen, Caro. Ich hab nämlich der Oma versprochen, dass ich heute für uns alle Schnitzerl mit Erdapfelsalat mache…

Super Opa, da freu ich mich schon drauf – und dem Schwarzen Loch geben wir davon nix, gell?

Überhaupt nix bekommt dieses Schwarze Loch von uns  – das soll ruhig einmal ein paar Tage fasten nach ihren dreißig oder vierzig Sonnen in den letzten Milliarden Jahren!!

KH

PS: Und in spätestens zwei Wochen erzählt dieser Opa seiner Caro und dem Fritz, wie diese komische Relativitätstheorie dafür sorgt, dass dieser böse Torsten leider oder lieber Gott sei Dank, nichts spürt, wenn er im gierigen Schwarzen Loch verschwindet.

Klaus Hnilica
Dienstag, der 8. Januar 2019

Ein nachhaltiger Übersetzungsfehler ?

Da nach der ’stillen Zeit‘ wieder etwas ‚Ruhe‘ eingekehrt ist, mag es vielleicht von einigem Interesse sein, einmal kurz inne zu halten und zu reflektieren, welche evolutionären Veränderungen selbst geschriebene Texte durchmachen können, insbesondere im Buch der Bücher – der Bibel /1/:

So gibt es, in den frühen, hebräisch verfassten Versionen des Buches Jesajas eine Prophezeiung, die das Wort alma verwendet, um die Mutter eines Jungen namens Immanuel (übersetzt „Gott ist mit uns“) zu beschreiben.

Für alma gibt es in einigen Sprachen, so auch im Altgriechischen keine direkte Übersetzung, doch eine grobe Übersetzung könnte „junge Frau“ bedeuten, oder „junge Frau die noch kein Kind getragen hat“.

Zu Lebzeiten von Jesus sprachen die Juden allerdings nicht mehr Hebräisch sondern Griechisch und Aramäisch. Infolge dessen wurde aus alma das griechische parthenos das eine spezifische Bedeutung hat, nämlich „Jungfrau“! Der biologische Fachbegriff Parthenogenese („Jungfrauenzeugung“) geht darauf zurück: Er beschreibt eine eingeschlechtliche Fortpflanzung ohne Männchen, wie sie bei einigen Insekten und Reptilien vorkommt.

Somit wurde durch die mutierte Übersetzung eines einzigen Wortes aus der „jungen Frau“ eine „Jungfrau“ und aus dem Kind der Messias! Und die Geschichte der Zeugung Jesus ist mit einem Mal eine ganz andere geworden…

Matthäus und Lukas machen in ihren Evangelien aus dieser fehlerhaften Übersetzung sogar eine Wahrheit und für eine Milliarde Katholiken wird diese zu einem Glaubenssatz. Und genau dies besingen wir in unseren Weihnachtsliedern.

Seltsam ist das schon, oder?

/ 1 / Adam Rutherford: Eine kurze Geschichte von jedem, der jemals gelebt hat

K.H.

Roland Dürre
Donnerstag, der 15. März 2018

Landgang Antarktis (mit Reisebericht).

Roland beim Landgang in der Antarktis.

Alle Teilnehmer an einer Antarktis-Expedition müssen vor dem Landgang verpflichtend an einer Informations-Veranstaltung teilnehmen. Da wird gezeigt, wie ernst es der Weltgemeinschaft mit dem Schutz der unberührten Natur des antarktischen Kontinents ist.

Gleichzeitig ist die ganze Antarktis und vor allem auch Südgeorgien ein einzig großes Museum, dass viele Geschichten von Expeditionen und Wissenschaft erzählt, aber auch den Geologen wesentliche Aufschlüsse über die Geschichte unserer Welt liefert.

Es gibt zehn Regeln für den Landgang in der Antarktis und Südgeorgien, die beim Betreten des Antarktischen Festlandes wie seiner Inseln unbedingt beachtet werden müssen.

  • Ruhe bitte!
  • Distanz bitte (Pinguine 5 Meter, Robben und Seevögel 15 Meter)!
  • Nichts zertreten!
  • Bringen Sie keine Pflanzen und Tiere mit!
  • Respektieren Sie Schutzgebiete!
  • Erhalten Sie historische Stätten und Denkmäler!
  • Verzichten Sie auf „Souvenirs“!
  • Respektieren Sie die wissenschaftliche Forschung!
  • Denken Sie an Ihre Sicherheit!
  • Erhalten Sie die Unberührtheit der Antarktis!

Das beinhaltet auch dass man nicht ausspuckt, schnäuzt oder gar pieselt (bieselt).

Roland bei der Rückfahrt zum Schiff.

Diese Regeln dienen auch dem Schutz der Tiere. Ich war positiv überrascht, wie ernst alle Teilnehmer diese genommen haben und sich konsequent an die Vorgaben gehalten haben.

Auch ich habe mich daran gewöhnt, keinen grünen Fleck zu betreten. Das ungeschützte „Nießen“ haben wir alle vermieden. Der fahrlässige Verlust eines Papier-Taschentuchs war ausgeschlossen.

So war jeder Landausflug ein beeindruckendes Erlebnis. Das Licht, die reine Luft und die wunderschöne Natur haben uns tief beeindruckt. Historische Gebäude als Zeugnisse von einer grausamen Industrie (Walfang), die mit dem Versprechen eines guten Verdienstes Menschen in einen grauenhaften Job unter schwersten Bedingungen weit weg von der Heimat und Überbleibsel aller Art von Offenbarung.

Zurück in Deutschland war ich entsetzt, wie achtlos wir im Großen wie im Kleinen in unserer Heimat mit unserer Natur umgehen. Mich hat noch vielmehr als vor der Reise die Vermüllung unsere Radwege, Straßen und Städte entsetzt wie auch die gigantische Versiegelung unserer schönen Landschaft. Und wie viel Lärm und schlechter wir uns auch in den schönen Wohngegenden unserer Städte ganz freiwillig aussetzen.

An dieser Stelle auch für meine Freunde ein Bericht zur Reise, verfasst und illustriert von unserer großartigen Lektorin Dr. Katrin Knickmeier. Wir haben (nicht nur) bei ihr soviel gelernt und ich kann den Besuch dieses besonderen Kontinents nur empfehlen.

RMD

Hans Bonfigt
Montag, der 7. August 2017

Hans im Glück, Version 2017

Wunder dauern etwas länger…

Dr. Ing. Karl Steffens ist seit vielen Jahrzehnten tot. Ich habe ihn nie kennengelernt. Aber aus einer Haushaltsentrümpelung fiel mir seine Diplomarbeit in die Hände. Sie war als Buch gebunden, datierte auf 1930 und beschäftigte sich u.a. mit dem thermischen Wirkungsgrad von Wärmekraftmaschinen. Steffens konstatierte, daß man unter optimalen Bedingungen bei Dieselkraftmaschinen etwa 30 % Wirkungsgrad erreichen konnte.

Heute sind wir bei etwa 40%. Thermisch, wohlgemerkt.

Jetzt nehmen wir noch die mechanischen Verluste dazu, welche entstehen durch Getriebe (unbedingt notwendig ist ein 12-Gang – Automatikgetriebe, es geht gar nicht anders!), Gelenkwellen, Differential und Reifen — wenn wir dafür nochmal 20 Prozent veranschlagen, sind wir bei 32% Gesamtwirkungsgrad.

Unsere Autos werden immer fetter und degenerierter. Roland hat seine Erlebnisse mit „SUV“s ja bereits berichtet, in Deisenhofen bei Oberhaching habe ich jahrelang das immer wieder verblüffende Trauerspiel „Jungmutti parkt Mercedes GL ein“ erleben dürfen, von ständig wechselnden Darsteller*innen.
Mittlerweile hat der unglaublich spießige „GL“ natürlich einen „Einparkassistenten“, neben Massagevorrichtung, Multimedia-Bespaßung, Getränkekühlschrank… Ein Schwimmbad habe ich noch nicht darin vorgefunden, aber ich bin auch nur zweimal zweimal mitgefahren und konnte daher gar nicht alles erkunden.
Das Gewicht von Antrieb und „Luxuskomponenten“ beträgt mittlerweile eine Tonne. Und die muß beispielsweise in der Stadt in ständigem Wechsel beschleunigt und verzögert werden.
So landen wir bei etwa 20 Prozent.

Nun muß der Kraftstoff ja irgendwo herkommen, die Aufbereitung in Raffinerien, der Transport und die Lagerung sowie die Abgabe an Endverbraucher ist auch nicht umsonst zu haben. Wenn ich einen Liter Normalbenzin tanke, dann habe ich schon vorher einen Liter verbraucht.

Der Gesamtwirkungsgrad beträgt also märchenhaft niedrige zehn Prozent! Das entspricht dem Wirkungsgrad einer Dampflok!

Nun sehen wir uns einmal ein „Elektroauto“ an.
Wo kommt der Strom eigentlich her? Gehen wir, der besseren Vergleichbarkeit halber, von einem Kohlekraftwerk aus.
Die erreichen einen Wirkungsgrad von etwa 40%, Förderung, Transport der Steinkohle und Verkokung fordern aber auch nochmal ihren Tribut, sodaß wir maximal von 30% ausgehen können.

Aber davon ist die elektrische Energie noch lange nicht da, wo sie gebraucht wird. Auf dem Transportweg verlieren wir in etwa 30 Prozent durch die Hysterese-, Leitungs- und Wirbelstromverluste in den Transformatoren, die die elektrische Energie passieren muß.
Auch schon für den Leerlauf des Stromnetzes muß man anteilige Kosten ansetzen.

Beim Auto kommen jetzt also 21% an.
Aber die Energie ist noch nicht im Akkumulator. Und auch noch nicht wieder draußen. Und bis das so ist, haben Ladeelektronik, Akkus und Steuerung weitere 30% verbracht.

Das macht dann 14%.

Davon ist das E-Auto aber noch keinen einzigen Meter gefahren.
Wenn wir dann ein „E-Auto“ bewegen, dann erreichen der E-Motor und der vereinfachte Antriebsstrang jeweils 80%, resultierend in 64%. Das ist die Zahl, mit der die „Politische Klasse“ hausieren geht. Und jetzt sind wir ehrlich, multiplizieren mit den 14% von vorhin und erreichen einen Gesamtwirkungsgrad von 9%.

Tja, könnte man sagen, dann haben wir ja Gleichstand: Das Auto mit Verbrennungsmotor 10%, das E-Auto 9%.

Es kommen aber zwei unangenehme Dinge dazu:
Einmal die Heizung. Die haut beim E-Auto so richtig rein und beim Verbrennungsmotor wird die Wärme gratis mitgeliefert.
Hinzu kommt aber noch das gigantische Gewicht der Akkumulatoren, die voll genau so schwer sind wie leer.
Das permanente „Übergewicht“ und die Heizung in der Hälfte der Betriebszeit fressen nochmal 40% der Nutzenergie.

Damit sind wir dann bei fünf Prozent.

Im Ergebnis ist das E-Auto also eine größere Dreckschleuder als der schmutzigste Diesel.

 

Anstatt also auf ein von vornherein totes Pferd zu setzen, könnte die Politik mit Leichtigkeit:

  • unsauberen Fahrzeugen die Betriebszulassung entziehen. Dann nämlich hätten die Nutzer einen Schaden, den sie gerichtlich geltend machen könnten!
  • die Voraussetzungen für umweltfreundliche Fahrzeuge zu schaffen: Maximal 750 Kg Leergewicht für eine Limousine, maximal 75KW. Damit fallen dann automatisch alle dekadenten Extras raus.
  • Platzbeschränkung verfügen! Eine Mutti mit Kind braucht keinen „SUV“. Klare Beschränkung des Parkraums.

Tja, und so könnten sich Ergebnisse einstellen.

-hb

Roland Dürre
Samstag, der 22. April 2017

Lösung der Logelei #2

Am 12. April habe ich eine zweite Logelei in IF-Blog.de veröffentlicht.

Die Frage war:
Ist es möglich, eine quadratische Fläche bestehend aus 64 quadratischen Kacheln mit 31 Domino-Steinen (die jeweils so groß wie 2 Kacheln sind) so auszulegen, dass zwei gegenüberliegenden Ecken frei bleiben?

Lösung:
Die Aufgabe wird ganz leicht, wenn wir die Fläche bestehend aus den 64 Kacheln (gedanklich) wie ein ç einfärben.

Denn wir wissen, dass ein Dominostein – so groß wie zwei der Felder (Kacheln) – immer ein schwarzes und weißes Feld bedeckt.

Wir sehen aber auch sofort, dass die gegen über liegenden Felder dieselbe Farbe haben.

Was sagt uns diese Aufgabe?
Wenn man durch Ausprobieren an die Lösung dieses Problems herangeht, dann kann man schnell in die Irre geraten. Durch eine einfache Hilfskonstruktion (wie das Einfärben „wie ein Schachbrett“) wird die Lösung aber sofort klar.

Man muss nur darauf kommen!

RMD

P.S.
Bin in Auszeit. Dieser Artikel wurde vorher geschrieben und automatisch veröffentlicht (2 Wochen nach Aufgaben-Stellung).

Roland Dürre
Montag, der 17. April 2017

Lösung

Vor zwei Wochen habe ich eine Logelei formuliert, die mir besonders gut gefällt und die ich als sehr schwierig empfand. Mich erreichte tatsächlich eine richtige Lösung.

Hier ist die Lösung zu dieser Aufgabe vom 3. April 2017. Den formalen Teil habe ich aus der Formulierung von Jörg – dem Gewinner – übernommen.

Die Frage war:

Wie können die Ganoven ihr Überleben sicher stellen?

Und die Lösung ist

🙂 Verblüffend einfach!

Jörg – Der Gewinner!

Die 10 Ganoven ordnen jedem von sich z.B. durch Abzählen eine eindeutige Zahl zwischen 0 und 9 zu!

Wenn ein Ganove dann die jeweils neun Bilder der anderen neun Ganoven sieht, addiert er die Zahlen auf diesen Bildern zusammen und addiert „die ihm gegebene“ Zahl auf die Summe der 9 sichtbaren Zahlen.

Dann wendet er auf das Ergebnis die Operation modulo 10 an und nennt die sich ergebende Zahl (Ziffer). Das macht jeder Ganove bei seinem Interview so.

So wird sicher gestellt, dass genau einer der Ganoven die Zahl nennt, die bei ihm auf dem Bild steht. Der Rest sagt zwar zwangsläufig die falsche Zahl – das stört aber nicht, denn es genügt ja wenn einer die Zahl „errät“, damit alle überleben.
🙂 Man soll also die Hoffnung nie aufgeben – ab und zu hilft sogar die Mathematik.

Die formale Beschreibung der Lösung (nach Dr. Rothermel).

• Gegeben sei die Anzahl der Ganoven: N
• Sei zi die dem Ganoven i gegebene (für ihn) geheime und nicht notwendigerweise eindeutige Ziffer aus der Menge {0, 1, …, N-1} von denen mindestens eine zu erraten ist.
• Sei S die Summe aller vergebenen Ziffern S = Σ zi

Die Ganoven verabreden jetzt folgendes Verfahren:

1. Jeder erhält im Vorfeld eine persönliche (und ihm bekannte) eindeutige Zahl i aus der Menge {0, 1, …, N-1} zugeteilt.

2. Bei der Befragung bildet jeder Ganove jetzt die Summe der Ziffern die er sehen kann – das ist die (eindeutige) Gesamtsumme S minus seiner (ihm unbekannten) Ziffer zi also S – zi . Das ist die einzige Information die er zur Verfügung hat.

3. Da die Ganoven nur an Zahlen im Bereich {0, 1, …, N-1} interessiert sind, verwenden sie modulo N oder die Kongruenzrelation ≡ N. Jeder Ganove ermittelt jetzt eine ganze Zahl x, derart dass folgendes gilt:
x ≡ N i – (S – zi ) oder
x = ( i – (S – zi )) mod N (I)
Mit diesem Verfahren bestimmt genau ein Ganove sein zi richtig !

Beweis:

S ist kongruent mit einer Zahl s aus der Menge {0, 1, …, N-1} oder S ≡ N s also schreibe ich (I) um:
x ≡ N i – (s – zi )
Da sich alle N i’s voneinander unterscheiden, muss eines gleich s sein, damit gilt für einen Gauner:
x ≡ N zi.
Jetzt sind sowohl x als auch zi aus der Menge {0, 1, …, N-1} damit sind sie nicht nur kongruent sondern auch gleich:
y = zi,
und das bedeutet, dieser Ganove bestimme seine Ziffer korrekt.

(Lösung und Beweis sind formuliert von Dr. Jörg Rothermel)

Jetzt empfehle ich, noch mal die Aufgabe zu lesen und ein wenig darüber nachzudenken.

RMD

Roland Dürre
Montag, der 3. April 2017

Eine ganz besondere Aufgabe (Logelei)!

Die Lösung kommt dann in zwei Wochen!

Ein guter Freund hat uns vor kurzem eine Denkaufgabe gestellt. Die Quelle wusste er nicht, sonst hätte ich sie gerne zitiert. Mein Freund konnte die Aufgabe nicht lösen und ich auch nicht. Aber es ist eine wirklich spannende und hoch interessante Aufgabe. Mit einer verblüffend einfachen Lösung inklusive einer mathematisch schönen Begründung. Sie schenkt uns auch ein paar Metaphern für’s Leben.
🙂 Unter anderem, dass die Mathematik auch mal zu etwas nutze sein kann.
Hier kommt die Geschichte:

Hier ein weiblicher Ganove. Auf ihrer Karte steht die Ziffer 1. Aber das weiß sie nicht. Sie kennt ja nur die anderen neun Bilder mit deren Ziffern.

Eine – nicht unsympathische – Gang bestehend aus 10 Personen verstößt laufend auf das Äußerste gegen die herrschende Moral. Die Mitglieder der Gang sind kreativ und klug – so betreiben sie ihre verachtenswerte Handlungen mit großer Geschicklichkeit und entgehen immer wieder dem Arm des Gesetzes. Das ist ihr Glück, denn die vorgeschriebenen Strafe für ihr Verbrechen ist der Tod durch den Strang.

Die Gang bekommt in der öffentlichen Welt einen legendären Ruf und wird für so manchen einfachen Menschen zum Idol. Für die Staats-Autorität ist diese Entwicklung völlig inakzeptabel. So führen die erhöhten Fahndungs-Bemühungen der Behörden gepaart mit dem zunehmendem Übermut und Leichtsinn der Bandenmitglieder zur Ergreifung der Gruppe.

Alle 10 Bandenmitglieder werden aufgrund ihres schändliches Treiben in einem Schauprozess ganz schnell zum Tode verurteilt. Es gibt aber noch eine mögliche Rettung für die 10 Komplizen – ein gestelltes Gnadengesuch. Das Staatsoberhaupt ist eine sehr kluge und gutmütige Frau, die dies entscheiden muss. Sie gilt als sehr erfahren und weise; es gibt Gerüchte, dass sie sogar ein wenig mit der Gang sympathisiert habe.

In der Tat macht sie es sich nicht einfach. Sie erlässt einen bedingten Gnadenerlass (so ein wenig im Sinne eines „Gottesurteils“):

Vor der Hinrichtung dürfen sich die 10 Mitglieder noch ein letztes Mal sehen. Es findet ein Abschieds-Treffen statt, die 10 Ganoven dürfen den Nachmittag vor der Hinrichtung gemeinsam und ohne Überwachung verbringen.

Hier ein männlicher Ganove. Auf seiner Karte steht die Ziffer 2. Aber das weiß er nicht. Er kennt ja nur die anderen neun Bilder mit deren Ziffern.

Zu Beginn dieses Treffens wird den Ganoven erklärt, wie der Gnaden-Erlass funktionieren wird. Von jedem Bandenmitglied wurde ein Foto gemacht (zwei davon sieht man links). Jedes dieser Fotos wird mit einer Ziffer aus der Menge 0 – 9 {0, 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9} versehen, wobei jede Ziffer beliebig oft verwendet werden kann. Es könnte also sein, dass auf allen Bildern dieselbe Ziffer steht. Oder nur eine Teilmenge genutzt wird wie z.B. {1,2, 3)}. Oder nur gerade oder ungerade Ziffern auf den Fotos stehen. Wie auch immer. Aber auch alle Ziffern könnten genutzt werden. Es ist alles möglich.

Nach dieser Belehrung dürfen sie die vielleicht letzten Stunden ihres Leben gemeinsam verbringen. Wie das Treffen vorbei ist werden sie in Einzelhaft genommen. Dort wird jedem der 10 Bandenmitglieder die 9 Fotos der anderen 9 Mitglieder gezeigt – aber nicht das eigene. Und dann wird er nach der Nummer auf dem eigenen Foto befragt. Und wenn auch nur einer der Ganoven die Ziffer auf seiner Karte richtig errät – dann werden alle begnadigt.

Zuerst denkt man sich, dass die Ganoven so eine gute Chance haben, noch mal Gnade vor Recht zu bekommen und ihrer verdienten Strafe zu entkommen. Und zweifelsfrei hat sich ihre Situation schon mal verbessert. So schlecht ist die Chance ja nicht, dass einer der Zehn die Ziffer auf seinem Bild errät und so sie alle der Hinrichtung entkommen.

Aber so einfach ist es nicht. Es kann auch schief gehen. Und was die weise Regentin vergessen hat (oder vielleicht auch nicht):
Die 10 Ganoven können mit einer einfachen Verabredung sicher stellen, dass ein Ganove zwingend die richtige Zahl sagt, die auf seinem Bild steht.
Und damit garantiert, dass er und seine Kameraden begnadigt werden.

Das ist die kleine Aufgabe: Mit welcher Verabredung schafft es die Gang, das zur Verabschiedung gedachte Treffen für eine Verabredung zu nutzen, mit der sie „ihre Köpfe“ zu 100 % aus der Schlinge ziehen?

In ein paar Wochen werde ich die Lösung veröffentlichen – und bis dahin freue ich mich auf viele E-Mails mit der richtigen Lösung!

RMD

Roland Dürre
Dienstag, der 24. November 2015

Weltkrieg III

Flag the Islamic State of Iraq and the Levant

Flag of the Islamic State of Iraq and the Levant

Zum Terrorismus gäbe es viel zu sagen. Aber aus meiner Sicht wird da häufig das Falsche geschrieben. So ist mir Vieles unverständlich, was ich anlässlich der Attentate von Paris gehört und gelesen habe. Manches wurmt mich, weil es mir so flach und unreflektiert erscheint.

Mich stört auch die Reaktion auf und der Umgang unserer „Eliten“ mit den Ereignissen und der aktuellen Situation.

Ich finde es schlimm, dass die Ursachen für die Entwicklung vergessen und auch nicht nachgefragt werden. Haben wir doch seit Jahrhunderten eine ausgeprägte koloniale Situation in dieser Welt. Die reichen Länder beherrschen die armen, beuten sie aus und vergewaltigen sie förmlich.

Dies hat sich beginnend noch vor dem „langen 19. Jahrhundert“ über die Neuzeit hinweg bis in die Jetztzeit nicht geändert. Auch die „Unabhängigkeit“ der Unterdrückten hat da nicht nichts verbessert. Mag sein, dass im 21. Jahrhundert die Methoden vielleicht ein wenig sublimer erscheinen als im 19. und 20. Jahrhundert. Das bedeutet aber nur, dass sie nicht mehr so augenfällig sind wie früher. An Effizienz betreffend des Maß an Ausbeutung haben sie aber nicht verloren, im Gegenteil.

Dies hat einen großen Haufen von Zunder in die Welt gebracht. Die Politik der letzten Jahrzehnte – im übrigen nicht nur des Westens und auch nicht nur der USA – hat dann den vorhandenen Zunder auch noch mit Brandbeschleunigern angereichert. Und spätestens die Reaktion des „Westens“ auf 9/11 war das Zündholz, dass alles in Brand gesetzt hat.

Aber was machen die Franzosen jetzt? Die selben Fehler wie der Westen sie seit längerem macht. Sie bomben ganz schnell mal richtig kräftig zurück. Und treffen dabei natürlich auch (und wahrscheinlich vor allem) zivile Gebäude und Krankenhäuser. Und so eben auch Kinder, Frauen und unschuldige Zivilisten. Wie das halt bei solchen Angriffen ist. So wird in das Feuer gleich noch mal kräftig hinein geblasen und für Terroristennachschub gesorgt.

Mich stört auch, wie mit unterschiedlicher Elle gemessen wird. Nicht lange vor den Attentaten in Paris wurde von der IS ein russischer Flieger in die Luft gesprengt. Mit über 200 Toten. Die Menschenopfer im russischen Flieger wurden aber sehr gelassen hingenommen. Wo blieb da die Betroffenheit und die Trauerminuten – und die russischen Fahnen in Europa? Ich muss gestehen, ich kannte die russischen Farben bis dahin gar nicht. Bin ich ja westlich des eisernen Vorhangs aufgewachsen.

Andere Anschläge wie z.B. der in Beirut werden gar nicht zur Kenntnis genommen. Weil wir an diesen bestenfalls mit unserer Lüsternheit nach Sensationen und Katastrophen interessiert sind.

Bei den Anschlägen in Frankreich war aber alles anders. Warum eigentlich? Da kamen die Solidaritätsadressen zu Hauf. Überall gab es Schweigeminuten, die Avatare im Internet leuchteten in den französischen Farben. Weil wir Angst haben, dass dies in Berlin oder München auch passieren könnte?

In den Zeitungen ist das schon am Morgen nach den Attentaten gesteigert worden. Die haben gleich vom dritten Weltkrieg gesprochen, der jetzt da wäre. Beim Bäcker am Samstag nach dem Attentat habe ich in den Zeitungen eine Reihe solcher Schlagzeilen gesehen. Und vorgestern las ich, dass die „Welt sich im Kampf gegen den Terrorismus formiert“ (SZ vom 22. November).

In meinem Leben habe ich viele Menschen gut gekannt und gemocht, die verstorben sind. Manche durch Alter und Krankheit. Andere sind in den Alpen geblieben, einer kam von einer Flugreise nicht zurück.

Seit meiner Kindheit erreichen mich aber immer wieder vor allem die Toten, die auf den Straßen sterben. Das war die größte Anzahl und bei mancher Verlust traf mich sehr tief. So erinnere ich mich an eine junge und so lebensfrohe Frau, die ganz kurz bei InterFace Computer war. Schon nach einer Woche blieb am Montag morgen ihr Arbeitsplatz leer. Sie war am Wochenende in ihrer Heimat im Saarland und hatte auf dem Rückweg nach München eine Autopanne. Wie sie ausgestiegen ist wurde sie auf einer Autobahn-Einfahrt einfach tot gefahren. Einfach so. Wie ein Wild.

Sind Verkehrsopfer weniger schmerzlich als Kriegstote? Ist das nicht seltsam, dass wir die Verkehrsopfer vergessen. Warum trauern wir nicht jeden Abend für die Toten des Verkehrstages?

Man kann den Schmerz über den Verlust eines Menschen nicht be – oder aufrechnen. Aber ich glaube nicht, dass der Unterschied so groß ist, wenn ein lieber Angehöriger auf der Heimfahrt überfahren wird oder in einem Café bei einem terroristischem Anfall stirbt.

So haben wir tatsächlich einen „World War III“. Und zwar seit vielen Jahrzehnten. Die Verkehrsflächen sind die aktuellen Schlachtfelder. Denn auf den Straßen des Planeten sterben jährlich 1,3 bis 1,4 Millionen Menschen – aller Klassen und Nationen. Dazu kommt ein mehrfaches an Schwerverletzten und Verletzten. Wenn das kein Krieg ist?

In Deutschland sind es immer noch weit über 3.000 Verkehrstote pro Jahr. In meiner Jugend gab es Jahre, da waren es über 20.000 – und das allein in der BRD. Wir haben also tatsächlich in Deutschland auch in diesem Krieg einen Fortschritt erzielt, aber noch lange keinen Frieden erreicht. Auch 3.000 sind zu viel und die genannte Zahl ist im Steigen.

Um die große Zahl zu verstehen gehe man mal einfach zu einem Fußballspiel mit 3.000 Besuchern und stelle sich vor, dass die alle tot in Autos oder auf den Straßen liegen würden!

Wahrscheinlich sterben auch in Europa an jedem Fussball-Wochenende Fans oder Spieler auf dem Wege zum Spiel ihres Vereines. Wen interessiert es? Vor ein paar Wochen gab es in der WWK-Arena in Augsburg immerhin eine Schweigeminute für bei der Anfahrt verunglückte Fans des FCA.

Aber warum gibt es keine keine Trauerminute für unsere Verkehrstoten und die der Welt? Weil niemand das Gemetzel auf den Straßen interessiert. Und weil das Geschäft Priorität hat.  Wie übrigens auch beim Terrorismus.

So gibt es keinen internationalen Aufschrei und keine Brandreden von Politikern für einen humanen Verkehr. „Keine Welt formiert sich“ gegen die Toten im Straßenverkehr so wie im Kampf gegen den Terror. Und den Nationalregierungen ist es für mich unverständlicher Weise auch völlig egal.

Mit einer Ausnahme: Das kleine Land Schweden bemüht sich ernsthaft um eine Vision Zero und will seine Straßenverkehrstoten definitiv auf Null bringen – Respekt!

Der IS dagegen besteht aus Verrückten, die erst mal den nahen Osten und dann die Welt erobern wollen. Die ein Terror-Regime aufgebaut haben, dass mich an das der Nazis erinnert. Obwohl sie wohl derzeit die stärkste Formation des Terrors sind, sind sie aber schwach. Man könnte sie recht einfach austrocknen.

Aber was machen wir?

Wir kaufen ihnen Öl ab. Weil es billiger ist. So befindet sich in jedem Tank unserer Autos metaphorisch ein Anteil IS-Sprit. Ihre Waffen und Ausrüstung bekommen sie auch von uns. So holen wir unser „Ölgeld“ wieder zurück. Und wir bescheren diesen Verbrechern  auch noch den Zulauf von weiteren Menschen aus aller Welt. Ist das nicht ein Skandal?

Aber wir verdrängen den real existierenden dritten Weltkrieg und bagetellisieren auch noch die Klimaveränderung. Die den vierten Weltkrieg verursachen könnte!

Ich meine, es gibt gute Gründe, der Wissenschaft zu glauben. Gerade wenn unterschiedliche Disziplinen und Schulen zu den selben Ergebnissen kommen. Wie es ausschaut werden die Schäden durch die Klimaveränderung noch viel wesentlicher sein als die vielleicht 75 Millionen Verkehrstoten seit des Endes des zweiten Weltkrieges.

Der dann auf uns zu kommende Umweltkrieg wäre dann wohl der vierte Weltkrieg. Der wird dann wohl auf zwei Ebenen Verluste bringen: Die Opfer, die die sich die Natur mit immer mehr werdenden Katastrophen auf verschiedenen Ebenen holt. Und die anderen, die im Kampf der „frühen Verlierer“ gegen die scheinbar „noch nicht Verlierer“ fallen werden.

Und natürlich hoffen wir auch hier wieder, dass wir nicht die „early looser“ sind. Leben wir doch glücklicherweise in einer „klimatisch so begünstigten Zone“. Ist das nicht schändlich? Und irren wir uns da vielleicht nicht?

Aber auch hier gibt es keine Aussicht auf Programme und gemeinsames Handeln. Nirgendwo, weder national oder weltweit. Dabei ist die ja in wenigen Wochen startende Umwelt-Konferenz in Paris wohl wirklich die allerletzte Chance, das Schlimmste abzuwehren.

Aber wir ignorieren den real existierenden dritten Weltkrieg auf unseren Straßen genauso wie den drohenden vierten bedingt durch klimatische Veränderungen. Dafür machen wir uns mit unserer Angst vor Terrorismus vor der doch eher lächerlichen IS in die Hose. Anstelle diese einfach ganz souverän aus zu trocknen und uns um die wichtigen Dinge zu kümmern.

RMD

P.S.
Die Fahne ist aus Wikipedia. Sie ist schwarz, die Farbe des Todes. Erstellt wurde das bild am 15. Oktober 2006 und hochgeladen von Russavia.

Ich meine, wir sollten uns vor schwarzen Fahnen hüten. Ich mag im übrigen gar keine Fahnen. Wenn es aber unbedingt sein muss, dann sind mir persönlich die lebensfrohen Fahnen in bunten Farben lieber!