Roland Dürre
Montag, der 5. Januar 2015

Wie die Zeit vergeht …

KettenkarusselWenn ich nur die 31 Jahre meines Lebens bei der InterFace AG reflektiere – was hat sich da doch alles verändert! Auf allen Ebenen und in allen Dimensionen. Betrachte ich die Gesellschaft und die Technologie, oder die Art und Weise wie heute mit Wissen umgegangen wird, dann ist das schon mehr als erstaunlich.

Ganz neue Fächer sind wichtig geworden und haben enorme Fortschritte gemacht – und wie ich meine, die Welt verändert. Dazu gehören neben der Technologie auch Wissenschaften wie die Psychologie, die Gehirnforschung, Behavior Science aber auch die Spieltheorie wie die gute alte Philosophie. Ganz zu schweigen wie sich Werte und Moral, ja die Einstellung im Leben der Einzelnen wie auch in der Gesellschaft und im Kollektiv gewandelt haben.

Diese Entwicklungen haben sich gegenseitig verstärkt und in einem Tempo beschleunigt, das ich nicht mehr als linear sondern eher als „geometrisch bis exponentiell“ wahrgenommen habe und wahrnehme.

Insofern gefällt mir folgendes Modell recht gut, das ich vor kurzem entdeckt habe. Es geht um die Begriffe wissend und unwissend sowie fähig und unfähig.

Diese vier Eigenschaften kann man einer Matrix bestehend aus vier Quadranten zuordnen. Die obere Zeile der Matrix ist die der „Unfähigkeit“, die untere Zeile die der „Fähigkeit“. Die rechte Spalte ist die des „wissend“, die linke Spalte des „unwissend“.

Der Quadrant oben rechts steht so für „wissend unfähig“.

Im Beispiel des Lebens eines Autofahrer heißt das, dass ein Jugendlicher weiß, dass er unfähig ist, ein Auto zu fahren. Der Jugendliche ist also „wissend unfähig“.

Der Quadrant rechts unten steht für „wissend fähig“.

In unserem Beispiel wird der Jugendliche zum jungen Mann macht seinen Führerschein. Jetzt weiß er, dass er fähig ist, ein Auto zu fahren. Und fährt Auto. Der junge Mann ist also „wissend fähig“.

Der Quadrant links unten steht für „unwissend fähig“.

Der älter werdende Mensch fährt viel Auto. Er wird sehr geübt und ist so fähig ein Auto zu fahren, er weiß es aber nicht mehr bewusst. Er ist also des Auto fahrend „unwissend fähig“.

Der Quadrant oben links steht für „unwissend unfähig“.

Wie die Geschichte im letzten Quadrant oben links weiter geht, erahnen wir schon. Der Mann ist zum Greis geworden. Er sollte nicht mehr Autofahren, weil er es nicht mehr kann. Er weiß dies aber nicht. Er fährt also „unwissend unfähig“ weiter.

Das ist doch ein nettes Beispiel. Es hat aber einen Nachteil: Es suggeriert, dass es der Mensch ist, der sich aufgrund seiner altersbedingten Veränderung vom Zustand des „wissend unfähig“ über „wissend fähig“ und „unwissend fähig“ in den Zustand „unwissend unfähig“ wechselt.

Oft ist es die Welt oder Umwelt, dies sich schnell verändert. Beim Eintritt in ein neues soziales System bemerkt man sofort, dass man sich die Fähigkeit des „Teilnehmen können“ erst erarbeiten muss. Das neue System wird erlernt und dann ist man dabei. Nur kann man aufgrund der hohen Veränderungsgeschwindigkeit plötzlich sogar nach einer Phase des „unwissend fähig“ schnell in den rätselhaften Zustand des „unwissend unfähig“ kommen. Weil die Regeln und das Funktionieren des Systems sich so schnell wesentlich verändert haben, dass man es gar nicht bemerkt hat. Und steht dann dumm da und versteht die Welt nicht mehr – in der man vor kurzem noch so gut mithalten konnte.

Ja, ab und zu geht es auch mir wie in einem Kettenkarussell, das immer schneller läuft und mich schwindelig macht.

RMD

P.S.
Das Bild heißt „Wellenflug auf dem Roonkarker Mart“. Ich habe es in Wikipedia beim Karussell-Artikel gefunden, es ist ein eigenes Werk von Wilfried Wittkowsky.

Das Video zum letzten Vortag im IF-Forum in 2014 aus unserer Reihe „Galileo Galilei – Ein Besuch in der Gegenwart“ von Thomas de Padova mit dem Thema “Das Weltgeheimnis”  steht jetzt in meinem YouTube-Channel RolandDuerre zum Download bereit.

Jetzt können auch die, die nicht dabei sein konnten, dem interessanten Vortrag über Galileo Galilei und seinen Zeitgenossen Johannes Kepler folgen:

:

Ich wünsche viel Freude beim Anschauen!

RMD

InterFace_Icon_30Jahre_01-942014 ist bei der InterFace AG das Jahr des Galileo Galilei.

Die drei Vorträge im IF-Forum stehen in diesem Jahr unter dem Motto
„Kosmos, Mensch und Zeitenwende“.

Wir lassen Galilei Galileo bei uns „einen Besuch in der Gegenwart“ machen.

Im ersten IF-Forum am 27. Februar hat uns Jörg Schindler von der „dritten Zeitenwende“ berichtet. Am 17. Juli hatten wir Dr. Stefan Gillessen zu Gast. Er hat uns mit „Groß, größer, am schärfsten“ über den Kosmos gesprochen und uns erläutert, wie er mit seinen Kollegen diesen erforscht. Beide Vorträge können übrigens im Youtube-Channel der InterFace AG angeschaut werden.

Am 23. Oktober haben wir Thomas De Padova zu Gast. Sein Thema ist

ThomasdePadova„Das Weltgeheimnis“

Vor 400 Jahren durchbrechen zwei grundverschiedene Forscher die Grenzen der bekannten Welt. Galileo Galilei blickt in Venedig durch sein Fernrohr und entdeckt die Jupitermonde.

Seine aufsehenerregenden Erkenntnisse veröffentlicht er in »Der Sternenbote«. In Prag verschlingt Johannes Kepler das Büchlein, denn Galileis Beobachtungen passen zu seiner Theorie der Planetengesetze. Zwischen Kepler und Galilei entwickelt sich ein Briefwechsel über den neuen Kosmos. Eine spannende Expedition menschlichen Denkens beginnt – und mit ihr die Wende zur Moderne.

Thomas de Padova
(* 1965 in Neuwied am Rhein) ist ein deutscher Wissenschaftspublizist.

De Padova studierte Physik und Astronomie in Bonn und Bologna. Von 1997 bis 2005 war er als Wissenschaftsredakteur beim Tagesspiegel tätig. Seit 2005 arbeitet er als freier Wissenschaftspublizist. De Padova lebt in Berlin und ist dort seit 2006 Mitglied im Kuratorium des Magnus-Hauses der Deutschen Physikalischen Gesellschaft und Mitglied im Programmbeirat der Urania. Im Januar und Februar 2014 war er „Journalist in Residence“ am Berlin Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte. [Text aus Wikipedia]

Thomas De Padova ist auch der Autor des Wissenschaftsbuchs des Jahres „Weltgeheimnis – Kepler, Galilei und die Vermessung des Himmels“, das in 2010 unter 20.000 Lesern zum besten Wissenschaftsbuch in der Kategorie Naturwissenschaft/Technik gewählt wurde.

Vortrag findet statt am Donnerstag, den 23. Oktober 2014 um 18:30, der Empfang ist ab 18 Uhr in der Seminarzone der InterFace AG in Unterhaching.

Die Anmeldung auch zu diesem IF-Forum geht wie immer ganz einfach per E-Mail. Wir freuen uns schon auf wie immer spannende Diskussionen und schöne Gespräche!

RMD

Roland Dürre
Freitag, der 15. August 2014

Start-up (1) – Scheitern

Wie so manchen Sommer schon befinde ich mich beim Zelten in Porto Ageranos. Der Platz liegt auf dem Peloponnes auf dem mittleren Finger, zirka 10 km südlich von Gythio, kurz bevor das wilde Mani beginnt. Vom Zelt sind es gerade 10 Meter zum Meer, die erste Nacht war schon mal so richtig gut. Und da wir die Gegend gut kennen sind wir sofort wieder so richtig zu Hause!

Die Zeit hier nutze ich zum Entspannen, Nachdenken, und nicht zuletzt zum Pläne schmieden. Und natürlich zum Schwimmen und Radfahren, gut Essen und einfach nur so mit den Lieben zusammen zu sein. Und natürlich zum Artikel schreiben (für IF-Blog.de).

Diesmal ist das Schwerpunktthema start ups

Ich kenne viele Menschen. Mit manchen davon bin ich freundschaftlich verbunden. Da sind auch viele junge Kollegen dabei. Mir scheint, dass ich mit der jungen Generation gut kann.

Seit ein paar Jahren beschäftige ich mich mit Gründungen von Unternehmen. So bin ich immer wieder in der Jury eines Business Plan Wettbewerbs, als Mentor betreue ich Menschen und Unternehmen, die im Werden sind (start ups). Dies mal enger, gelegentlich sporadisch. Und stecke so ein wenig in der Szene drin.

Die meisten Teams, die ich kenne und erlebe, sind toll. Fleißig und kreativ versuchen sie mit höchstem persönlichen Engagement auf vielen Ebenen basierend auf einer spannenden Idee ihr Leben eigenverantwortlich zu führen und ein Unternehmen aufzubauen.

Und dann scheitern sie.

Manche scheitern schon beim Start, andere nach Auslauf eines Förderprogrammes wie EXIST oder nach der ersten Finanzierung. Oft dauert der Leidensweg dann eine Weile bis zum endgültigen „Aus“, ab und zu wird am Schluss noch ein „Notausgang“ gefunden. Und nur ganz, ganz wenige werden erfolgreich, allerdings meist auf andere Art und Weise als vorher geplant.

Die meisten, die scheitern, haben einiges an Kraft und oft auch Geld gelassen. Ihnen bleibt nur der Trost, dass sie viel gelernt haben, also irgendwie dann doch „erfolgreich gescheitert“ sind. Das ist aber ein schwacher Trost, denn in bei einer alternativen Lebenslinie zum Beispiel in einem guten Job bei einem Mittelständler hätten sie vielleicht noch mehr für ihre persönliche Zukunft lernen können.

Das bewerte ich als eine gigantische Verschwendung von Kapital, Kreativität, Fleiß („waste“ im Sinne von Kaizen). Auch die Enttäuschung und der Frust der vielen betroffenen jungen Menschen schmerzt mich. Und ich denke mir oft, dass dieses häufige Scheitern in vielen Fällen vermeidbar gewesen wäre.

Denn das massenhafte Scheitern ist gut erklärbar. Die Gründer arbeiten in der Regel genauso, wie es die Expertise einer vergangenen Epoche ihnen vorgibt. Und dieses Muster hat noch nie besonders gut funktioniert, heute geht es in der Regel gar nicht mehr auf. Wie sollen in der Welt von morgen die Erfolgsmuster von gestern auch noch funktionieren?

Und die ganz wenigen Ausnahmen – die übrigens ausnahmslos aufgrund eines zusammen Kommens besonders glücklicher Zufälle basieren – bestätigen diese Regel.

Warum ist das Scheitern normal?

Die Antwort ist einfach. Zum Beispiel versuchen auch große Konzerne immer wieder, neue Produkte in den Markt zu bringen. Diese Konzerne verfügen über alles, was man für eine neue Produkt-Idee braucht: Beliebig viel Kapital, eine renommierte Marke, ein geniales Marketing, eine starke Marketing- und Vertriebs-Organisation, weltweiten Zugang zu den Märkten, tolle Ingenieure und Lieferanten und vieles mehr. Und vor allem, sie kennen ihren Markt, weil sie ihn sich oft über Jahrzehnte „erlernt“ und „erarbeitet“ haben.

Und trotzdem scheitern ihre Produkt-Entwicklungen. Im besten Fall sind nur 10 % solcher Entwicklungen am Markt leidlich erfolgreich. Bei strengeren Messkriterien noch viel weniger.

Nur wie will ein junges Team, das all das nicht hat, da mit halten? Nur mit jugendlicher Unbeschwertheit und Kreativität? Das ist doch Unsinn.

Ein Schluss könnte sein, dass junge Gründer nur eine reelle Chance in ganz neuen Märkten haben. Dann sollten junge Gründer (fast) alle Geschäftsideen, die sich in vorhandenen Technologien und Lösungen meiden. Die Entwicklung scheint diese Annahme zu bestätigen. Hier vielleicht eine erste vorsichtige Empfehlung an start-ups:

Aufpassen beim Eintritt in Märkte, die schon besetzt sind!

Große Konzerne stehen sich natürlich bei kreativen Themen mit ihrer Organisation und ihren Prozessen selber im Weg. Ihr Erfolg hat die negative Seite, dass man zwangsläufig in alten Mustern denkt. Das erkennen sie auch und sie suchen so die Innovation von außen. Sie gründen „acceleration“- und „invest“-Abteilungen und suchen die Kooperation mit „start-ups“. Das ist ja auch die neueste Idee von „unternehmerTUM“ der Technischen Universität wie auch vom neuen Oberbürgermeister der Landeshauptstadt München, Herrn Reiter.

Das Zauberwort „Kooperation von Konzernen und Start-ups“ wird aber auch nicht funktionieren. Denn zum einen leben die alten Unternehmen intensiv die Ablehnung von außen. Das Motto heißt, dass „not invented here“, im eigenen Unternehmen nichts wert ist und nicht sein darf.

Ich habe das beliebig oft beobachtet und auch selbst in einer strategischen Kooperationen mit einem großen Konzern erlebt – dies sogar zweimal. Und ich kenne eine ganze Reihe von Beispielen, bei denen die „unternehmerischen“ Ergebnisse von XXX-Acceleration oder XXX-invest gescheitert sind.

Aber auch das „alte“ Vorgehen ist nur noch in wenigen Ausnahme-Fällen erfolgreich. Ich bringe als Beispiel das Scheitern fast aller „Steuerspar-Modelle“. Wir erleben das seit Jahren nicht nur in den Branchen „Film“, „Immobilien“ ,„Schifffahrt“ oder „alternative Energien“. Auch die großen Verluste von Anlegern bei Projekten im Eisenbahn- oder Kanal-Bau sind gute Beispiele.

Das Scheitern hatte mehrheitlich als Ursache nicht, dass Betrüger oder unseriöse Geschäftsleute am Werk waren. Das hat es auch gegeben. Aber meistens ist die Ursache des Scheiterns solcher Projekte, dass die dahinter liegenden Geschäftsmodelle und -pläne falsch waren. Obwohl sie von Experten „professionell“ erstellt wurden, die ihren Markt bestens kannten.

Und von anderen Experten, wie zum Beispiel von Banken kritisch geprüft wurden. Und das ehrlich, denn die Banken haben ja geprüft, weil sie sich selbst auch dran beteiligen wollten – und sie wollten ja auch keine Verluste machen.

Auch da habe ich ganz persönliche Erfahrungen. In einem Fall hat die von mir hoch eingeschätzte Sparkasse München einen geschlossenen Immoblilien-Fonds in jena auf „Herz und Nieren“ geprüft, und ein paar Millionen verloren. Ich war auch dabei, den ich habe der Prüfung der Stadtsparkasse vertraut, aber glücklicherweise nur einen Betrag im unteren fünfstelligen Bereich verloren.

Aber wenn die von Experten geschriebenen und von vielen anderen Experten validierten Business Pläne nicht funktionieren, wie soll dann ein junges Gründungs-Team ohne Erfahrungen und Marktkenntnis ihr neues Unternehmens-Schiffchen erfolgreich in eine nicht vorhersagbare Zukunft führen?

So gesehen erscheinen doch Gründungen von neuen Unternehmen als aussichtslos oder zumindest als tollkühne Abenteuer, auf die sich eigentlich kein ernsthafter Mensch einlassen darf.

Ich denke mir aber, dass es möglich ist,die Erfolgswahrscheinlichkeit eines start-ups von gefühlten 1 : 100 vielleicht sogar auf 1 : 1 (Erfolg zu Scheitern) zu verbessern.

Ich weiß, dass das dies eine sehr mutige Aussage ist und habe mir vorgenommen, in meinen zwei Wochen auf einem Zeltplatz ganz im Süden des Peleponnes auf Mani ein paar Artikel zum Thema „start-up“ hier im IF-Blog zu schreiben. Für die von mir betreuten „start-ups“ wie für alle anderen Leser auch.

RMD

P.S.
Beginnen werde ich in der nächsten Folge mit meinem eigenen Werdegang. Ich glaube, da kann man schon viel daraus lernen.

Am 17. Juli hat ein ganz besonders IF-Forum bei der InterFace AG in Unterhaching stattgefunden. Dr. Stefan Gillessen berichtete in der Reihe „Galilei Galileo – Ein Besuch in der Gegenwart“ über den
Blick in den Kosmos.

Dr. Stefan Gillessen ist Physiker am Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik (MPE) und dort ein außergewöhnlich erfolgreicher Forscher.

Hier sein spannender Vortrag!

Viel Spaß beim Anschauen!

RMD

gillessenHeute Abend findet das zweite IF-Forum mit Dr. Stefan Gillessen statt. Er wird uns „aus dem Kosmos“ berichten, der Titel seines Vortrages ist

„Groß, größer, am schärfsten …“

Hier geht es zur Einladung.

Die Veranstaltung findet wie immer im Seminarbereich der InterFace AG in Unterhaching statt. Ab 18 Uhr heißen wir dort unsere Gäste willkommen.

Mit dem Vortrag wollen wir pünktlich um 18:30 starten.

Noch gibt es einige wenige freie Plätze. Für all die, die nicht kommen können, übertragen wir den Vortrag live im Internet.

InterFace_Icon_Galileo_mit-claim-rundUnter http://www.ustream.tv/channel/IF-Forum können Sie ab zirka 18:15 den Video-Stream zum Vortrag sehen.

Zusätzlich zur Übertragung werden wir einen Video-Mitschnitt anfertigen und auf youtube (Kanal InterFace AG) zur Verfügung stellen.

Wir freuen uns auf viele Gäste – live und im Internet.

RMD

Roland Dürre
Freitag, der 11. Oktober 2013

„Die klugen Tiere im Zoo“ oder „Academica“

GiraffenGelegentlich bin ich mit Professoren auch der Fakultät Wirtschaft und Philosophie zusammen. Wir sprechen dann zum Beispiel über Wirtschaftsethik und -moral. Und ich  gewinne den Eindruck, dass die Academica ein schöner Zoo ist. In diesem leben tolle Tiere.

Die sind sehr gepflegt und gut gefüttert. Sie strotzen vor Gesundheit, weil sie medizinisch bestens versorgt werden. Ihr glattes Fell glänzt. Wenn sie die Zähne fletschen sehen wir ihr makeloses Gebiss. Man merkt, dass sie über ein hervorragendes Wissen und einen präzisen Verstand verfügen. Meistens sind sie auch sehr sympathisch.

Elefantenherde1Diese Tiere haben viel Zeit zum Nachdenken. Es gibt da nur einen kleinen Haken. Ihr Wissen ist oft sehr abstrakt und theoretisch. Denn diese Tiere sitzen im Zoo. Dort sind sie meistens auch geboren worden. Nur in der Freiheit haben sie nie gelebt

Und im Zoo versuchen sie, zu erforschen, wie das Leben in freier Wildbahn so sein könnte. Natürlich können sie das nur erahnen. Denn sie leben ja im Zoo.

Oft treffen sie mit ihren Gedanken ins Schwarze. Ab und zu bringt ihre Ahnung seltsame Blüten hervor. Und da geht dann vieles einfach daneben.

African_BuffaloTrotzdem leisten die Tiere im Zoo eine wertvolle Arbeit. Sie erarbeiten und vermitteln uns, den Tieren in freier Wildbahn, viele schöne Theorien. Mit denen können wir spielen und uns eine eigenen Meinung bilden. Was denn da so dran ist und was nicht.

Allerdings leben wir ja auch nicht in freier Wildbahn. Vielleicht gelegentlich in einem Biotop. Kulturwelt herrscht vor, Naturwelt gibt es nicht mehr.

Wenn ich an die Tiere im Zoo denke, dann  fällt mir noch etwas anderes ein, so rein assoziativ:

Die süßesten Früchte fressen nur die großen Tiere.

Kommt mir auch irgendwie passend vor. Oder ist das nur der Grund, warum die großen Säugetiere in der Regel Vegetarier sind? Vielleicht sollte uns das zu denken geben?

RMD

P.S.
Das Foto der Giraffe ist von John Walker (Images of Africa), des Elefanten von Ikiwaner und der afrikanische Büffel von Stefan Ehrbar.

🙂 Und weil es so schön ist, dann doch noch das Lied vom Peter Alexander aus dem Jahre 1952:

Roland Dürre
Samstag, der 6. Juli 2013

2. IF FORUM 2013: “Jean Paul & Hypertext”

Nur noch fünf Tage – am Donnerstag ist es soweit!

KlappertFrau Dr. Annina Klappert
ist unsere Referentin des zweiten IF-Forum im Jahre 2013. Ihr Thema wird sein:

Jean Paul und der Hypertext

Dazu wird sie am Donnerstag, den 11. Juli 2013 bei InterFace in Unterhaching im IF-Forum extra für uns einen Vortrag halten.

Hier ein kurzer Ausblick:

Die Datenmengen sind im Laufe des 20. Jahrhunderts stetig gewachsen und mit ihm das Problem des Zugriffs.

Jean Paul nun war schon zu seiner Zeit ein ‚Profi‘ des Sammelns und in seinem Rahmen bereits mit den gleichen Problemen konfrontiert. Mit seiner speziellen Exzerpt-Technik hat er Wissen nicht nur gesammelt, sondern auch intelligent vernetzt.

Wie also, so können wir mit Jean Paul für heute fragen, lassen sich Daten speichern und vernetzen?

Und wie kommen wir von diesen Daten zu neuem Wissen?

Ein kleiner Blick in Jean Pauls Ästhetik soll uns sein Witzkonzept näherbringen und etwas über mögliche Verknüpfungstechniken lernen lassen. Insgesamt soll aus der von Jean Paul in seiner ‘Vorschule der Ästhetik’ theoretisch unterfütterten und seiner poetischen Praxis durchexzerzierten Schreibpraxis herauskristiallisiert werden, warum uns heutige Hypertextsysteme so helfen, wie sie in ihrer Wissensordnung funktionieren und wo ihre Herausforderungen liegen.

Zur Person:

Frau Dr. Annina Klappert promovierte an der Universität Bonn mit der Dissertation „Die Perspektiven von Link und Lücke. Sichtweisen auf Jean Pauls Texte und Hypertexte“. Von 1999-2004 wirkte sie am Forschungskolleg SFB/FK 427 „Medien und kulturelle Kommunikation“ in Köln.

Derzeit ist Frau Klappert Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft an der Universität Erfurt. Dort sind ihre Interessen und Forschungsschwerpunkte: Theorien der Virtualität; Hypertexttheorien; Zettelkästen als Wissenstechnik und digitale Praxis und Gegenwartsliteratur.

Anmeldung:

Dieses IF-Forum findet in unserem Headquarter in Unterhaching in der Seminarzone im Dachgeschoss statt. Beginn ist um 18:00. Wir freuen uns auf unsere Gäste! Die Anmeldung auch zu diesem IF-Forum geht wie immer per E-Mail.


Hier noch ergänzend ein Überblick über unsere drei „Jean Paul Vorträge“ im Jahr 2013.


Ein Besuch in der Gegenwart

Jean Paul Vorträge im IF-Forum

2013 widmet sich das IF-Forum der Aktualität von Jean Pauls Themen und Gedanken.
Mit Vorträgen zu Unternehmertum, Hypertext, Witz und neuen Medien möchten wir neue Perspektiven und Fragestellungen auf das Hier und Jetzt werfen.
Seien Sie dabei!



Jean Paul der Unternehmer

Jean Paul zählte zu den ersten Schriftstellern in Deutschland, die von ihrem Schreiben leben konnten. Und dies, obwohl er unter erschwerten Bedingungen gestartet war. Er gelangte in die geistigen Zentren seiner Zeit: Leipzig, Weimar, Berlin – und erzielte Bucherfolge, die Goethe neidisch werden ließen. Als Jean Paul heiratete, lud ihn sogar die preußische Königin zum Tee ein und schenkte ihm ein Silberservice.

Jean Pauls Aufstieg und Erfolg verdankte sich nicht dem Zufall, sondern einem umsichtigen Vorgehen mit unternehmerischem Instinkt. Selbst als die Zeiten schlecht wurden und die Napoleonischen Kriege halb Europa verheerten, konnte er seine Position halten. Wie Jean Paul Erfolg mit Nachhaltigkeit verband, hat bis heute eine erstaunliche Aktualität.

Referent Bernhard Echte, Literaturwissenschaftler, Ausstellungsmacher und Publizist, war lange Jahre Leiter des Robert Walser-Archivs in Zürich. Heute führt er als Unternehmer den Verlag “Nimbus, Kunst und Bücher”.

Datum 11. April 2013 (Donnerstag) | Beginn 18 Uhr | Ort InterFace AG, Unterhaching


Jean Paul und der Hypertext

Schon bevor er zu Jean Paul wurde, las der junge Johann Richter alles, was ihm in die Hände fiel. Kaum ein Buch gehörte ihm. Was er las, wurde in Notizheften exzerpiert. In diesen Heften fanden sich auch Kommentare zu den Ideen, die gerade durch seinen Kopf schwirrten. Seine Einträge versah Jean Paul mit Stichwörtern, neudeutsch Tags. Somit schuf er sich eine riesige Privatenzyklopädie, die sortiert war wie eine moderne Datenbank. Diese bildete die Grundlage seines literarischen Schaffens. Nur mit Hilfe dieser Datenbank gelang es Jean Paul, seinen einzigartigen Stil umzusetzen, der sprunghaft und genau zugleich ist. Er schaffte es, aus der finanziellen Not seiner Jugend eine Tugend zu machen, deren Ergebnis uns heute noch staunen lässt.

Referentin Annina Klappert, ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Seminar für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft der Universität Erfurt. Sie promovierte zu einem Strukturvergleich von Jean Pauls Texten und Hypertexten. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen in Fragen der Medialität, Referentialität und Virtualität.

Datum 11. Juli 2013 (Donnerstag) | Beginn 18 Uhr | Ort InterFace AG, Unterhaching


Jean Paul, der Witz, die Postmoderne und die neuen Medien

Er war ein “Götter-Leugner” und ein “geistreicher Zersetzer”, ein glühender Kosmopolit, Skeptiker und Witze-Macher. Man lobt seine Erziehungslehre Levana, die gegen den verbissenen Ernst in Fichtes Reden an die deutsche Nation Witz und Ironie zur Grundlage einer gesunden Persönlichkeit erhob. Man sieht in seiner Politik der “dritten Position zwischen Deutschtümlern und Bonapartisten” eine Vorwegnahme der postmodernen Unentschiedenheit zwischen den gegensätzlichen Polen der ‚Wahrheit’. Mit seiner Ästhetik der Abschweifung nimmt er die Unterbrechungs- und Absprungsästhetik des Hypertextes im Internet vorweg. Wer war dieser Mann, der seine Heimat kaum verließ und zugleich vielen seiner Zeitgenossen gedanklich und mental so weit voraus gereist war?

Referent Roberto Simanowski ist Professor für Medienwissenschaft an der Universität Basel. Er setzt sich mit den Veränderungen des Schreibens im digitalen Zeitalter auseinander und publiziert das Onlinejournal dichtung-digital – journal für digitale ästhetik.

Datum 07. November 2013 (Donnerstag) | Beginn 18 Uhr | Ort InterFace AG, Unterhaching


Roland Dürre
Sonntag, der 5. Mai 2013

brand eins im Mai

Pünktlich zum Ersten des Wonnemonats war das brand eins des Mai bei mir. Aber erst am Samstag auf der Rückfahrt vom PM-Camp 2013 (Tag nicht nur in Twitter #pmcamp13str) im EC 391 komme ich dazu, mich ein wenig intensiver mit diesem zu befassen. Denn das Leben eines PM ist hart.

🙂 PM übrigens ist für mich nach dem in Stuttgart erlebten jetzt die Abkürzung für „People Manager“. Denn das ist die bessere Bezeichnung für den Job, den man bis vor kurzen noch Projekt Manager oder Projektleiter genannt hat.

Und so würdevoll wie meine Gedanken so erscheint mir auch dieses brand eins. Es kommt ganz in Gold daher. Mit einer ellipsenartiger Strichgrafik in bunten Farben. Auf dem ersten Eindruck hätte ich es fast für ein Magazin der „Haute Couture“ gehalten. Oder zumindest für eine Magazin, das den gehobenen Life Style der High Society vermittelt.

Aber keine Angst, die Titelzeile ist schon wieder „geil“:
Greif zu!
Mit dem Untertitel:
Warum TEILEN und TAUSCHEN die Wirtschaft voranbringen.

Das ist natürlich Wasser auf meine Mühlen. Wieder mal genau meine Themen! Und es kommt noch besser: Frau Fischer überschreibt ihr Editorial mit der schlichten Schlagzeile
Eine neue Dimension!
Wobei das Ausrufezeichen jetzt von mir ist.

Und im Editorial gibt sie sogar zu,
„dass ihr das ganze Gerede über die Sharing Economy ziemlich auf die Nerven ging …“
Und schreibt weiter:
„Die Sharing Economy mag ein Modethema sein – aber dahinter steht eine Entwicklung von gewaltiger Dimension“.

Da freue ich mich. Ist das nicht phantastisch? Und es wird noch besser – im Schlusssatz ihres Editorials nennt sie sogar die Vorhersagen zur Jahrtausendwende von Jeremy Rifkin „eine hoffnungsvolle Utopie„. Und rennt dabei bei mir wieder offene Türen ein.

Und so begebe ich mich auf eine „kleine Forschungsreise“ ins Innere des Heftes. Und stelle fest, dass es um ganz schön viele Branchen und in verschiedene Kontinente geht. Mit vielen bunten und abwechslungsreichen Artikeln.

Was mir besonders gut gefallen hat?

Da war „auf der Suche nach selbst“ (zu Siemens aufSeite 22), „Das Eigentum wird virtuell“ (kleine Geschichte der IT, Seite 92), „Die Bank in der Hand“ (Die Zukunft ohne Bank, Seite 96) und manches mehr. Und besonders der ganze Schwerpunkt – für mich große Klasse!

Mehr verrate ich nicht – sondern empfehle auch mit dem brand eins des Mai auf Reise zu gehen.

RMD

Roland Dürre
Freitag, der 28. Dezember 2012

Mir aus dem Herzen gesprochen!

Immer wieder lese ich schlaue Bücher. Davon gibt es so viele und immer wieder Neue. Und oft lege ich sie nach ein paar Seiten oder Kapiteln weg. Obwohl sie eigentlich sehr interessant klingen. Weil mir da alles wieder irgendwie so bekannt vorkommt.

Wenn ich auf Tagungen gehe, Kongresse besuche oder auf konservativen Lehrveranstaltungen frontal Wissen vermittelt bekomme, dann stellt sich bei mir oft so ein flaues Gefühl ein. Ich leide unter der „Einbahn-Straße“.

Werden mir dann gar noch Begriffe wie Erfolg, Ethik, Führung, Moral, Planung, Strategie, Unternehmenskultur, Werte, Ziele und Zielvereinbarungen, Zukunft … mit großer Selbstsicherheit nur so um die Ohren gehauen, dann wundere ich mich oft, was da so alles gewusst oder auch nur behauptet wird. Und es grummelt in meinem Bauch. Obwohl ich ja auch gerne über solche Themen rede. Aber mit innerster Überzeugung weiß, dass ich es auch nicht weiß und mit meinen Thesen eigentlich nur zum Nachdenken anregen will. Sozusagen die Absicht verfolge, fremde und auch meine eigenen Gewissheiten in Frage zu stellen.

Ab und zu treffe ich Menschen, die wollen jeden „profilen“ und alles, ob lebendig oder tot, in „Balanced Scorecards“ rein stecken. Auch das „Human Capital“ eines Unternehmens oder einer Gemeinschaft können sie so ermitteln. Dann graut es mir.

Und wenn ich in einer Runde sitze, die Großes bewirken will, eine Herausforderung unheimlich modern und strategisch angeht, große Ziele formuliert, von Luftschloss zu Luftschloss tanzt und am Schluss dann mal wieder der „Berg zwar kreisst und doch wieder nur ein Mäuschen gebiert“, dann fühle ich mich ganz schlecht. Und denke mir, dass ich die Zeit wirklich besser anderswo hätte verbringen können.

Und eines Abends diskutiere ich ein Thema aus der Welt der „Economics“ per E-Mail mit einer sehr lieben Freundin. Uns sie antwortet mir:

… letztlich würde mir für uns auch der Link zu Craftsmanship, Handwerk, Making, Experimenting, Piloting (wo ich meine Interessen sehe) fehlen, denn letztlich ist Economics halt immer ein Gedankenspiel auf Basis von Hypothesen und nicht ein kreativer Ansatz zur Gestaltung der Welt …

Da geht es mir plötzlich sehr gut. Das ist genau, was ich auch will! Es gibt also doch noch Menschen, die nicht nur ich sehr schätze, die das, was ich denke trefflich und ganz spontan auf den Punkt bringen können. Und bedanke mich bei meiner Freundin, die ich jetzt bewusst anonym lasse.

Und freue ich mich wieder auf das nächste Barcamp – wie zum Beispiel unser PM Camp – weil man dort wirklich ehrlich seine Probleme und Ideen bespricht, Erfahrungen ohne Hintergedanken austauscht, Wissen ganz einfach auf einem Marktplatz teilt und Erkenntnisgewinn aus der Praxis für die Praxis sammelt.

RMD