Roland Dürre
Sonntag, der 23. August 2015

Unternehmertagebuch #112 – Von sinnlosen Besprechungen.

„Mein Leben nach InterFace ?“

🙂 Gerne erzähle ich aus meiner beruflichen Zeiten. Wass mich da begeistert und was mich da bedrückt hat. Deshalb auch wieder aus dem Urlaub in Griechenland ein kleiner Beitrag zum Unternehmertagebuch:

Im negativen Bereich waren das zum Beispiel die vielen sinnlosen Besprechungen, an denen ich teil nehmen durfte / musste. Die in manchen Fällen einen ganzen Tag dauerten und bei denen die Teilnehmer dann am Abend gar nicht aufhören wollten. Obwohl oder vielleicht weil das Meeting sich schon den ganzen Tag im Kreis drehte. Und ich – wie jeder der Teilnehmer – nicht in der Lage war, sinnvoll auf die Runde einzuwirken.

Dann erzähle ich meinen Zuhörern, dass es in solchen Besprechungen mein einziger Trost war, dass die „Kontierungsuhr“ mitgelaufen ist. Ich also tatsächlich in solchen Fällen für meine Arbeit mit einem Schmerzensgeld entlohnt wurde.

Das ist nur teilweise wahr und eine zynische Ausrede. Aber dann fällt mir ein, dass es auch im eigenen Unternehmen so viele sinnlose Besprechungen gab. Und es stellt sich mir die spannende Frage, warum ich dies zugelassen habe und da überhaupt mitgemacht habe.

Vielleicht war es mangelnde Zivilcourage? War ich zu feige, gerade mich ausserhalb des Systems zu stellen und traditionierte Regeln und Muster zu brechen? Ist die Pflicht zur Besprechung nicht ein Teil der Unternehmensmoral und festgelegt in den Geschäftsordnungen? Und wer verstößt schon gerne gegen Recht und Ordnung? Ich hatte den Mut nicht. Denn dann gab es auch immer mal wieder den Wunsch:

„Wir müssen mehr miteinander reden!“

Und dem stimme ich zu. Auch aus heutiger Sicht. Allerdings bitte nicht in langen und formalen Besprechungen, die dann noch protokolliert werden – natürlich um auf der sicheren Seite zu sein!

Wenn Besprchungen dann im kurzen „SCRUM“-ähnlichen Meeting möglichst stehend oder außerhalb des Unternehmens im freien Raum.

Aber das miteinander reden macht spätestens dann keinen Sinn, wenn man sich nur noch wiederholt und im Kreise dreht. Dann hilft wahrscheinlich nur die einsame Entscheidung und dann die schnelleTrennung.

Zusammenfassend meine ich, dass man alle Regeln und Rituale im Unternehmen permanent hinterfragen sollte. Besonders auch die vielen Meetings, die ja oft auch nur die Folge von festgelegten Ritualen und Prozessen sind. Und dies stetig und fortwährend, immer auf einer objektiven und von Eigeninteressen losgelöster Ebene.

Und wenn man erkannt hat, dass es nichts mehr bringt, dann muss man auch den Mut haben, zu handeln. So wie dies übrigens auch KANBAN in seiner letzten und für mich wichtigsten Regel fordert.

Und das gilt nicht nur für das Unternehmen und seine Projekte sondern auch für die Politik, für unsere sozialen Systeme wie auch für unser Privatleben.

Nicht zuletzt habe ich übrigens einen ganz zynischen Verdacht:
Wenn wir in den Unternehmen nicht so viele Besprechungen hätte, dann wären wir immer schon mittags mit der Arbeit fertig und wüssten nicht, wohin mit der freien Zeit.

RMD

P.S.
Alle Artikel meines Unternehmertagebuchs findet man in der Drehscheibe!

Roland Dürre
Sonntag, der 29. März 2015

DER ZEITKÄFIG.

Eisenkäfig (hier: Florenz, ausgehendes 17. Jahrhundert) als Folterwerkzeug

Eisenkäfig (hier: Florenz, ausgehendes 17. Jahrhundert) als Folterwerkzeug

Vor kurzem habe ich im Artikel „Goldener Stacheldraht“ beschrieben, wie Unternehmen ihre Mitarbeiter in einer Art und Weise vereinnahmen, so dass diese Menschen dann im Laufe der Jahre völlig unselbstständig werden. Und das auf ganz angenehme, ja verführerische Art uns Weise.

Dieser Artikel hat eine Reihe spannender Diskussionen ausgelöst. Auch um den Zeitkäfig, in dem die meisten von uns – ob angestellt oder freiberuflich arbeitend – eingesperrt sind. Denn alles wird in Zeit gemessen, die Arbeit, die Mobilität, die Freizeit. Und stiehlt uns unsere Lebenszeit.

Wie absurd ist doch der Gedanke, dass man jede Woche eine feste Anzahl Stunden seiner Zeit abliefern muss, ganz gleich was ansteht. Das mag in einem „Tayloristischen System“ einleuchten. Man steht am Fließband, macht besondere Handgriffe und bekommt für jede Stunde dieses Tuns ein Stück Geld. Aber der Taylorismus sollte doch für viele von uns Vergangenheit sein.

Die Alternative zu diesem mittlerweile uns als so selbstverständlich vorkommenden Systems waren der sicher auch schwierige Akkordlohn, der dem „Leistungsprinzip“ folgt. Beim Akkordlohn wird nicht mehr nach Zeit sondern nach der Anzahl der hergestellten Teile bezahlt. In auf Kaizen basierenden Strukturen findet man analog den Gruppenakkord. Der ja auch eine positive (Teamarbeit) und eine negative (Gruppendruck) Seite. So richtig mehr gab es da nicht.

Auch die sogenannten Wissensarbeiter (die ehemals mit weißen Krägen und Krawatten unterwegs war und heute lieber Rollis tragen) werden über die abgegebene Zeit abgerechnet. Sie bekommen ein Fixum, für das sie eine Anzahl von Stunden „arbeiten“, also diese Zeit im oder fürs Unternehmen verbringen müssen. Das wird dann ergänzt durch einen variablen Gehaltsteil, der in Zielvereinbarungen (einer modernen Art von Akkordlohn) festgelegt ist.

Dieses „Denken in Arbeitszeit“ hat sich in unseren Gehirnen so tief bei eingeprägt, dass wir es für ganz normal halten. Auch mir in meiner Rolle als Vorstand der InterFace AG ging das so. Es gab Werktage, da war ich nur wenige Stunden am Arbeitsplatz. Und habe in diesen wenigen Stunden oft wesentliches bewirkt. Wenn ich dann aber am frühen Nachmittag zu meinen Kindern heim gegangen bin, dann hat sich mein Über-Ich gemeldet und mir ein schlechtes Gewissen gemacht. +

In meinem neuen Leben merke ich, wie unsinnig das ist. Ich versuche Vorhaben so zu gestalten, wie sie mir wichtig sind. Uns setze soviel Zeit ein, wie fürs Gelingen notwendig ist. Und fühle mich viel freier als früher.

Ich kenne viele Freiberufler, die sich absolut autonom fühlen, aber ganz selbstverständlich im Zeitkäfig stecken. Rechnen sie doch ihren Verdienst als Stunden- oder Tagessatz über die Anzahl der Stunden ab. Bei einer der erwähnten Diskussionen in Twitter hat einer darüber gerätselt, warum sich die meisten „Freiberufler“ ungern als solche bezeichnen. Und sich im Internet so meistens als Seniorberater, als Spezialist für irgendetwas oder als Geschäftsführer (der eigenen 1-Mann GmbH) vorstellen. Einer meinte als Erklärung, dass „freiberuflich“ für „potentiell arbeitslos“ stehen würde. Uns dies klänge doch nicht schön.

Ich denke, dass ein Freiberufler ein Tagelöhner ist – und das ist doch ein ehrlicher aber kein schlechter Begriff. Auch wenn das vielleicht ein wenig nach „Knecht“ klingt. Aber wir sind doch letzten Endes alles Knechte, die einem Herrn, einem System oder einem Wahn dienen.

Es sind aber auch andere (moderne?) Entlohnungssystematiken gut vorstellbar. Gebhard Borck schlägt zum Beispiel in seinem Buch Dein Preis den Wertvertrag als eine Alternative vor. Das ist alles andere als dumm und gefällt mir sehr gut. Aufgrund der vielen und überall installierten Zeitkäfige sind solche oder ähnliche Gedanken für die meisten Freiberufler aber (noch?) Utopie oder zumindest schwer durchsetzbar.

RMD

P.S.
Das Bild ist aus Wikipedia, es stellt einen Eisenkäfig (florentinisch, ausgehendes 17. Jahrhundert), der sich im Foltermuseum in Freiburg im Breisgau befindet. Der Urheber ist Flominator.

Roland Dürre
Montag, der 5. Januar 2015

Wie die Zeit vergeht …

KettenkarusselWenn ich nur die 31 Jahre meines Lebens bei der InterFace AG reflektiere – was hat sich da doch alles verändert! Auf allen Ebenen und in allen Dimensionen. Betrachte ich die Gesellschaft und die Technologie, oder die Art und Weise wie heute mit Wissen umgegangen wird, dann ist das schon mehr als erstaunlich.

Ganz neue Fächer sind wichtig geworden und haben enorme Fortschritte gemacht – und wie ich meine, die Welt verändert. Dazu gehören neben der Technologie auch Wissenschaften wie die Psychologie, die Gehirnforschung, Behavior Science aber auch die Spieltheorie wie die gute alte Philosophie. Ganz zu schweigen wie sich Werte und Moral, ja die Einstellung im Leben der Einzelnen wie auch in der Gesellschaft und im Kollektiv gewandelt haben.

Diese Entwicklungen haben sich gegenseitig verstärkt und in einem Tempo beschleunigt, das ich nicht mehr als linear sondern eher als „geometrisch bis exponentiell“ wahrgenommen habe und wahrnehme.

Insofern gefällt mir folgendes Modell recht gut, das ich vor kurzem entdeckt habe. Es geht um die Begriffe wissend und unwissend sowie fähig und unfähig.

Diese vier Eigenschaften kann man einer Matrix bestehend aus vier Quadranten zuordnen. Die obere Zeile der Matrix ist die der „Unfähigkeit“, die untere Zeile die der „Fähigkeit“. Die rechte Spalte ist die des „wissend“, die linke Spalte des „unwissend“.

Der Quadrant oben rechts steht so für „wissend unfähig“.

Im Beispiel des Lebens eines Autofahrer heißt das, dass ein Jugendlicher weiß, dass er unfähig ist, ein Auto zu fahren. Der Jugendliche ist also „wissend unfähig“.

Der Quadrant rechts unten steht für „wissend fähig“.

In unserem Beispiel wird der Jugendliche zum jungen Mann macht seinen Führerschein. Jetzt weiß er, dass er fähig ist, ein Auto zu fahren. Und fährt Auto. Der junge Mann ist also „wissend fähig“.

Der Quadrant links unten steht für „unwissend fähig“.

Der älter werdende Mensch fährt viel Auto. Er wird sehr geübt und ist so fähig ein Auto zu fahren, er weiß es aber nicht mehr bewusst. Er ist also des Auto fahrend „unwissend fähig“.

Der Quadrant oben links steht für „unwissend unfähig“.

Wie die Geschichte im letzten Quadrant oben links weiter geht, erahnen wir schon. Der Mann ist zum Greis geworden. Er sollte nicht mehr Autofahren, weil er es nicht mehr kann. Er weiß dies aber nicht. Er fährt also „unwissend unfähig“ weiter.

Das ist doch ein nettes Beispiel. Es hat aber einen Nachteil: Es suggeriert, dass es der Mensch ist, der sich aufgrund seiner altersbedingten Veränderung vom Zustand des „wissend unfähig“ über „wissend fähig“ und „unwissend fähig“ in den Zustand „unwissend unfähig“ wechselt.

Oft ist es die Welt oder Umwelt, dies sich schnell verändert. Beim Eintritt in ein neues soziales System bemerkt man sofort, dass man sich die Fähigkeit des „Teilnehmen können“ erst erarbeiten muss. Das neue System wird erlernt und dann ist man dabei. Nur kann man aufgrund der hohen Veränderungsgeschwindigkeit plötzlich sogar nach einer Phase des „unwissend fähig“ schnell in den rätselhaften Zustand des „unwissend unfähig“ kommen. Weil die Regeln und das Funktionieren des Systems sich so schnell wesentlich verändert haben, dass man es gar nicht bemerkt hat. Und steht dann dumm da und versteht die Welt nicht mehr – in der man vor kurzem noch so gut mithalten konnte.

Ja, ab und zu geht es auch mir wie in einem Kettenkarussell, das immer schneller läuft und mich schwindelig macht.

RMD

P.S.
Das Bild heißt „Wellenflug auf dem Roonkarker Mart“. Ich habe es in Wikipedia beim Karussell-Artikel gefunden, es ist ein eigenes Werk von Wilfried Wittkowsky.

Detlev Six
Sonntag, der 24. August 2014

Strategie ist kein Blick in den Rückspiegel.

Sie könnten in die falschen Hände fallen – unsere Waffen.

Mit ziemlicher Sicherheit

Die Waffen, die der Westen an Gaddafi geliefert hat, treiben ihr Unwesen im gesamten nahen Osten.

Mit den westlichen Waffen an Afghanistan feuern die Taliban.

Der IS ist mit gepanzerten Waffen der USA unterwegs.

Und jetzt sollen wir Waffen an die Peschmerga liefern, gar an die PKK, die ja in Deutschland immer noch als Terroristen-Vereinigung eingestuft ist? Mit der vagen Aussicht, das noch schlimmere Übel des IS zu verhindern? 

Es gilt der Satz von Kierkegaard: Wir können das Leben nur rückwärts verstehen, müssen es aber vorwärts leben. Mit einer strategischen Entscheidung ist der Blick in die Zukunft verbunden, damit Spekulation und Risiko.

Die Spekulation:

Der kurdische Teil des Irak ist der dem Westen kulturell am ähnlichsten in der Region (von Israel abgesehen). Es könnte in Form eines (irakischen) Kurdistan ein Staat mit halbwegs westlichen Werten entstehen (Pluralismus, Demokratie, Marktwirtschaft). Die Hoffnung steht auf einer haltbaren Verbindung von Peschmerga und PKK mit der Aussicht auf Stabilität des neuen Staates. Der Zerfall des Staates Irak wird in Kauf genommen. In drei Teile. Kurdistan, schiitischer Staat, sunnitischer Staat. Der IS ist besiegt. Die Waffen bleiben in Kurdistan.

Das Risiko:

Der schlimmste Fall wäre der totale Sieg der IS und in Folge ein irakisch-syrisches Kalifat, der intoleranteste Staat unter der Sonne. Die Waffen fallen in die Hände des IS.

Die leichteste Verlust-Variante – die PKK verschwindet nach erfolglosem Kampf mit den westlichen Waffen in den türkischen Bergen oder in Syrien.

Dazwischen gibt es noch jede Menge Zwischen-Varianten.

Soweit der äußerliche Akt der Waffen-Entscheidung.

Für uns (Anmerkung des Verfassers: Die Ansprache richtet sich an die Mitglieder der Community „Strategische Moral“)  ist ja vor allem interessant, welche strategische Moral die einzelnen Spieler verfolgen, um den Waffen-Deal zu beeinflussen und um (im Fall des IS) ein Investment in die Gegenbewegung zu bekommen?

Die kurdischen Nord-Iraker an den Westen:
Wir sind die Hoffnungsträger Eurer Werte.

Die PKK an die Peschmerga und den Westen:
Das Blut der Brüder siegt am Ende immer.

Der IS an Mitstreiter und Geldgeber (Katar):
Nur mit uns könnt ihr die Herrschaft des Westens beenden.

Der Rest-Irak (Schiiten/gemäßigte Sunniten) an die USA:
Sollen alle Eure Opfer vergeblich gewesen sein?

Meine Prognose:
Der Westen liefert jede Menge Waffen, Kurdistan wird gegründet und gerät unter die Herrschaft der PKK.

SIX

Dieser Artikel wurde zuerst in der google+ community „Strategische Moral“ veröffentlicht.

Roland Dürre
Sonntag, der 9. März 2014

Krim, Krise, krass.

Wenn mich noch vor kurzem einer gefragt hätte, zu welchem Land die Krim gehört, hätte ich gesagt „zu Russland“. Jetzt haben wir eine „KRIM-KRISE“ und ich habe gelernt, dass die Krim der Ukraine „gehört“. Und jeden Tag ist die Krim-Krise in den Nachrichten, so auch bei Spiegel-Online: Szenarien für die Krim: Sanktionen, Chaos, Krieg.

Die ganze Situation empfinde ich als abstrus. Da ist die Ukraine total pleite. Wie übrigens viele andere Staaten auch. Regiert wird sie von Banditen, die diesen Staat dann auch noch ein wenig ausgeplündert haben. Auch das kennt man von anderen Staaten. Dann wird dieser Staat auch noch vom reichen Nachbar und ehemaligen Verbündeten alimentiert. Wie andere auch. Und erliegt in seiner Armut natürlich auch den Versuchungen des reichen Westens.

Die Menschen sind verarmt und haben die Nase voll. Wie viele andere Menschen in anderen Staaten. Es kommt zu Aufständen und weiteren eigenartigen Ereignissen. Unter anderem mischt sich ein „deutscher Boxweltmeister“ ein. Alte BanditInnen melden sich zu Wort. Und natürlich hat die Ukraine – wie viele anderen Staaten auch – auch noch das Problem eines Vielvölkerstaats mit unterschiedlichen Mehrheiten in  verschiedenen Regionen wie auch noch ein paar Minderheiten dazu.

Es passiert, was halt dann so passiert: der alte, zwar gewählte aber vielleicht nicht so ganz legitime Boss wird abgesetzt. Es gibt einen neuen (nicht direkt gewählten) Chef. Und der betont in seiner ersten Rede die „Unverletzlichkeit der territorialen Integrität“. Und hat auch ziemlich fragwürdige Unterstützer.

Und dann gibt es Sanktionen und große Krisenhektik. Einen Aufruhr in der ganzen Welt. Politiker manteln sich auf und sprechen von Sanktionen. Und am Ende wird doch – so oder so – eine neue Ordnung auch in dieser Region stehen.

Parallel feiert man die „Olympischen Spiele der Behinderten“ als Nachgeburt einer eh sinnlosen Olympiade, die nur dem Diktator und den westlichen Unterhaltungskonzernen dient.

Ist das nicht alles Blödsinn?

Ist nicht auch Jugoslawien zerfallen? Die Tschechoslowakei hat sich in zwei Staaten aufgelöst. Vor kurzem haben „Die deutschen Unternehmer in Katalonien vor den verheerenden Folgen einer Unabhängigkeit der spanischen Region gewarnt“? Und in Italien gibt es auch eine „Liga Nord“! Spielt es wirklich in der Welt so eine Rolle, ob die Krim russisch oder ukrainisch ist? Werden in der nächsten Zeit nicht in vielen Erdteilen Neu-Ordnungen von Staaten und territorialen Grenzen folgen. Zwangsläufig, weil die alten Mäntel nicht mehr passen?

Dass Afrika brennt, interessiert doch auch niemanden. Dafür schützt die EU ihre Grenzen gegen die bösen Wirtschaftsflüchtlinge aus Afrika durch die “Grenzschutzagentur” Frontex (siehe dazu auch meinen Artikel vom 2 4. Januar 2010). Das mit einer Armee, die demnächst kräftig aufgerüstet wird – und das alles ohne parlamentarische Kontrolle.

Aber witzigerweise will die EU der Ukraine jetzt mit 11 Milliarden helfen. Damit sie ihre viel höheren Schulden an die Russen besser zahlen kann? Und dann wahrscheinlich neue Schulden an die EU hat.

Das mit dem „Schulden bezahlen“ wird aber nicht gehen. Weil die Ukraine im Gegensatz zu uns das Gas mit 30 % Freundschafts-Rabatt bekam. Die Russen haben mit dieser Subvention jetzt aber Schluss gemacht. Und die Ukraine braucht viel Gas …

Wie übrigens auch die BRD.

RMD

Roland Dürre
Sonntag, der 2. Februar 2014

Zwischen “Agil” und “Geplant”, Intuition und Ratio.

Vor kurzem hat mir wieder mal ein Freund berichtet, wie toll seine Teilnahme an einem barcamp am Wochenende gewesen wäre. Wie viel Aufbruchstimmung er da gefühlt hätte und wie viel Energie er mitgenommen hätte. Und wie schlimm es dann war, als er beschwingt vom Wochenende am Montag in den grauen Alltag seines Arbeitsleben eingetaucht und dabei schmerzhaft auf dem harten Boden der Realität gelandet ist.

Da kamen mir wieder so ein paar Fragen in den Kopf, die mich immer mehr ins Grübeln bringen:

Unternehmen und planen:

Warum fällt „agil“ oft so schwer und warum klammen wir uns noch so gerne an „geplant“? Warum akzeptieren wir nicht die Unvorsehbarkeit der Zukunft?

Entscheiden:

Warum misstrauen wir unserer Intuition und treffen dann doch lieber unsere Entscheidungen ganz rational, scheinbar auf der Ebene der Vernunft und abgesichert durch komplizierteste Begründungen?

 Oder „populistisch“ formuliert:

Warum werden intuitiv denkende und handelnde Menschen, die agil durchs Leben gehen und erfolgreich Dinge zu Gunsten aller voranbringen, immer wieder von Apperatschiks ausgebremst, die vor lauter Regeln und Gesetzen all das mühsam aufgebaute wieder einreißen?

Hier meine Antworten …

Ich vermute, dass wir es so einerseits von unseren Altvorderen so gelehrt bekommen haben und andererseits uns unsere Ängste dazu bringen.

Lassen wir zuerst vergangenen Generationen zu uns sprechen:

Wir haben alles im Griff, wir können alles erreichen, wir müssen es nur ordentlich planen. Wir müssen unsere Welt organisieren wie ein Uhrwerk, dann kann nichts mehr passieren. Jungen weinen nicht und Gefühle sind schlechte Ratgeber. Also mach Dich frei von diesen – sie schaden nur. Und vor allem, keine Angst vor dem Fortschritt! Die Technologie kann alles! Kriege sind zum gewinnen da! Also Junge, sei vernünftig! Basta!

Die Generationen vor uns haben das so geglaubt. Sie sind zum Opfer der explosionsartigen Entwicklung im 19. und 20. Jahrhundert geworden, die grenzenlose Möglichkeiten für den Menschen zu versprechen schienen. Da entstand in den Köpfen der Menschen das Gefühl von Omnipotenz, das auf dem Glauben an Technologie und Fortschritt basierte. Der Mensch war plötzlich allmächtig, der Tod wurde verdrängt.

Die plötzlich im Überfluss vorhandene Energie (vor allem aus fossiler Quelle) gepaart mit einem gnadenlosen technologischen Fortschritt schien alles möglich zu machen. So entstand ein Machbarkeits- und Planbarkeits-Wahn, wie es ihn nie vorher in der Geschichte der Menschen gegeben hat. Alles war auf Fortschritt und Modernität ausgerichtet.

Worte und Werte wie „Demut“ und „Achtsamkeit“ wurden belächelt oder an den Pranger der Rückständigkeit gestellt. Mit nie erlebter Rücksichtslosigkeit gegen Natur und Leben wurden Technologie und Fortschritt zu den neuen Heilsbringern erklärt. Der Kampf gegen die Natur ging in voller Härte los. Die Planer der Zukunft in entarteten sozialen Systeme wollten sogar den „neuen Menschen“ schaffen so wie sie ihre neuen Städte gebaut haben.

Der Glaube, dass durch explodierende Technologie gepaart mit unbegrenzt verfügbarer Energie die Zukunft durch Vernunft gesteuert, alles determiniert und mechanistisch entwickelt werden kann, wurde unterstützt  von der gleichzeitig immer stärker gewordenen Angst vor der Freiheit.

Unsere vermeintliche Omnipotenz hat eine Chimäre der Sicherheit geschaffen, die wir uns wünschen und die uns entlastet. Auch wenn sie eine sehr trügerische ist.Je größer unsere vermeintliche Sicherheit, desto größer die Angst vor dem Verlust derselben, desto größer unsere Angst vor Eigenverantwortung und Freiheit.

Jetzt merken immer mehr Menschen, dass dies alles nur eine der vielen Kapriolen waren, denen die Menschen sich in ihrer Geschichte gerne hingegeben haben. Auch die Annahme, dass die Zukunft der Menschen mit Vernunft geplant werden könnte, erweist sich immer mehr als falsch. Wir wissen Bescheid über die Klimakatastrophe, machen aber nichts. Genauso, wie wir Bescheid wissen über die vielen Probleme unserer sozialen und ökonomischen Welt, aber auch hier nichts tun.

Es scheint aber wieder eine Zeitenwende statt zu finden. Plötzlich verändert sich wieder alles rasant. Wir haben das Internet mit neuer Informationsdichte. Wir merken, dass da was falsch läuft.

So sind immer mehr von uns auf der Flucht vor dieser eh nur vermeintlichen Sicherheit. Sie erkennen, dass man Zufriedenheit geschweige denn „Glück“ nicht kaufen kann. Sie wollen sich nicht mehr den Zwängen einer materiell gesteuerten Gesellschaft beugen, die ihre Mitglieder nur noch zu Konsumenten formatiert.

Sie wollen sich nicht mehr von einer in paradoxer Art und Weise ökonomisierten Welt versklaven lassen, sondern einfach wieder leben. Sie wollen ihr Leben eigenverantwortlich und in Freiheit führen. Und haben die Nase voll von den Gesetzen einer spätkapitalistischen und globalisierten Welt.

Ich glaube, dass je mehr wir Menschen es schaffen, wieder ihre Autonomie und Unabhängigkeit zu gewinnen, desto mehr werden wir auch kollektiv bereit sein, unsere Ängste ein wenig zu verdrängen und auch gesellschaftlich den agilen und intuitiven Weg zu gehen. Und unsere Bereitschaft wird steigen, proaktiv die notwendige Transformation anzunehmen, trotz ihren radikalen Folgen mit vielen, nicht absehbaren Alternativen .

Je mehr wir Menschen aber unser Leben auf vermeintlicher Sicherheit gründen und auf dem erworbenen Besitzstand beharren und uns vormachen, wir hätten alles unter Kontrolle, weil ja alles planbar da deterministisch erklärbar und mechanisch gestaltbar ist, desto mehr werden wir keinen Mut haben, intuitiv zu entscheiden und agil zu leben. Und uns gnadenlos mit Szenarios verwirren, die wie unsere Ängste nur in unseren Köpfen stattfinden. Und dann sehr abrupt mit Veränderungen konfrontiert werden, die uns gar nicht mehr gefallen werden.

Wahrscheinlich kann der Kampf um unser Überleben nur mit „agil“ und „intuitiv“ gewonnen werden. Und die große Sängerin Janis Joplin könnte die Zukunft voraus geahnt haben, wie sie in ihrem Song Me & Bobby McGee den Begriff von Freiheit so ganz anders definiert hat:

Freedom’s just another word for nothing left to lose …

RMD

Roland Dürre
Sonntag, der 19. Januar 2014

Wie die Zeit vergeht …

InterFace_Icon_30Jahre_01-94

Wolf Geldmacher und ich haben um die Jahreswende 1983/84 ganz mutig beschlossen, gemeinsam mit Dr. Peter Schnupp (InterFace GmbH) und Claus M. Müller (über InterFace Computer GmbH) die InterFace Connection Gesellschaft für Datenverarbeitung und Kommunikationssoftware mbH zu gründen.

Und bis heute hatten wir viel Freude an unserer Gründung. Die aktiven Gesellschafter waren Wolf und ich. Wir waren zum Start mit je 30 % beteiligt. Vor 30 Jahren, genau am 1. April 1984 war es soweit! Die InterFace Connection (die heutige InterFace AG) hat ihren Geschäftsbetrieb aufgenommen.

Das war kein April-Scherz. Immerhin können wir jetzt ein wenig stolz auf 30 spannende und erfolgreiche Geschäftsjahre zurück blicken. Am 31. März hat die InterFace dann auch dreissig Zeitjahre geschafft. Diesen Geburtstag werden wir am 27. Juni 2014 so richtig mit ganz vielen Freunden feiern.

Es lohnt, sich das Datum schon mal vorzumerken und sich an diesem Tag den späten Nachmittag und die Nacht für uns zu reservieren! Auch hier in IF-Blog werde ich dieses Ereignis gebührend berichten. Wir werden unsere Freunde auch über viele andere Kanäle informieren und einladen.

Dreissig Jahre war ich bei der InterFace AG dabei und habe es zum Mehrheitsaktionär und Vorsitzender des Vorstands gebracht. In ganz verschiedenen Rollen war ich für die InterFace unterwegs. Gestartet sind wir als durchaus erfolgreiche Produktfirma und haben uns zum Dienstleister und Berater weiterentwickelt. Und wir gehen davon aus, dass der Weg für die InterFace AG auch jetzt ganz gut weitergehen wird.

Dieses Jahr wird nun mein letztes Jahr im Vorstand der InterFace AG sein. Das ist ein Grund zurückzublicken. Es gibt kein „Heute“ ohne „Gestern“ und kein „Morgen“ ohne „Heute“. Ein Grund, Rückschau zu machen. Und da fällt mir natürlich vieles ein und auf.

Ich muss an die vielen Gefährten denken, die uns und mich in diesen 30 Jahren auf einen Teil des Weges begleitet haben. Ich muss an die vielen Unternehmen denken, die gekommen und gegangen sind. Ich erinnere mich gerne an unsere tollen Kunden, für die wir immer gerne gearbeitet haben. Und wie wir uns immer gefreut haben, wenn unsere Software und Dienstleistung beim Kunden für Erfolg gesorgt hat. So gibt es Kunden, die wir vom Start weg bis heute unterstützen durften!

Viele namhafte und mächtige Unternehmen haben uns als Lieferant geschätzt. Klangvolle Adressen waren dabei. Sogar welche, die heute verschwunden sind. Mir fällt die Kirch-Gruppe und die WestLB ein. Aber auch ganz aktuell der Weltbild-Verlag. Was für tolle Projekte haben wir gemeinsam mit diesen Unternehmen gemacht. Aber glücklicherweise haben die meisten unserer großen Kunden überlebt.

30 Jahre InterFace heißt auch, dass wir viele Partner- und Konkurrenzunternehmen kommen und gehen gesehen haben. Auch da waren gute Namen dabei, denen wir hohen Respekt gezollt haben. Und dann waren sie weg.

Bei diesen Erinnerungen stelle ich fest, dass wir so etwas wie ein „Surviver“, ein Überlebender sind. Und dass es davon gar nicht so viele gibt. Und es uns dabei auch noch recht gut geht. Was wollen wir mehr?

🙂 Außer noch ein paar Jahre gut leben.

Damit dies so bleibt, planen wir eine große Feier am 27. Juni 2014, auf der wir nicht nur unser Überleben feiern wollen. Dazu werden wir möglichst viele Freunde einladen, die uns begleitet haben, immer noch begleiten und hoffentlich auch in Zukunft begleiten werden.

RMD

P.S.
Ein klein wenig mehr Information zu unserem Fest findet sich schon im IF-Open!

Roland Dürre
Donnerstag, der 17. Oktober 2013

Der amerikanische GAU …

… ist mal wieder abgewendet worden. Wohl in letzter Minute. Und so richtig hat sich ja auch keiner von der Drohung beeindrucken lassen. Nicht die Börse und nicht die Bürger. Die Wirtschaft sowieso nicht. Alle haben weiter „business as usual“ gemacht. Obwohl damit schon längst Schluss müsste.

Und alle sind froh, denn es wäre mit Sicherheit schlimmer geworden als damals bei der Krise von 2008. Jetzt kann ich mich zwar noch an 2008 erinnern. Von der Krise habe ich aber nichts mitbekommen. Die InterFace-Zahlen waren genauso gut (oder schlecht – es ist ja alles relativ) wie die Jahre davor und danach. Mir ging es gut und den meisten meiner deutschen Artgenossen auch. Wenn das Krise war, dann wünsche ich mir immer Krise.

Tatsächlich ist der „schlimme Gau“ aber nur verschoben worden. Wohl in den Februar 2014. Die roten Zahlen werden weiter wachsen und die neue Grenze erreichen. Und als Zyniker mit der Freude am Morbiden freue ich mich schon auf dieses Datum. Denn wie soll sich bis dahin etwas verändern? Wie soll die USA in nur 4 Monaten den notwendigen „Turnaround“ hinkriegen?

Aber vielleicht ist das ganze auch gar nicht so schlimm. Vielleicht, weil das ganze doch sehr virtuell ist. Wenn z.B. die USA in Syrien militärisch eingegriffen hätten, wäre das doch sehr teuer gekommen. Dies, obwohl das Militär ja zum Teil den Status von „Eh-da-Kosten“ hat. Am heutigen (Fast-)Pleitedatum hätte das aber auch nichts geändert.

Und zum anderen weil die mir noch plausibelste Begründung für den Gau mir ein wenig klinisch erscheint. Da habe ich gelesen:
Viele Fonds aller Art und jeden Zweckes hätten viel Geld in Forderungspapiere an die US-angelegt. Eine Zahlungsunfähigkeit der USA hätte so zur Folge, dass dann deren Kreditwürdigkeit von allen Rating-Agenturen von AAA runtergestuft werden würde. Jetzt dürften die diversen Fonds aber keine Nicht-AAA-Papiere in ihrem Portofolio haben und müssten diese dann verkaufen.

Ist das wirklich so? Wieso können die Fonds denn nicht einfach die Regeln ändern und die Papiere behalten? Die „Wissenschaft“ der  VWL geht doch davon aus, dass ein Staat gar nicht pleite gehen kann.

Auf jeden Fall freue ich mich schon auf den nächsten Februar. Und nehme mir als Ziel, an dem nächsten Tag der Zahlungsunfähigkeit beim Schifahren zu sein. Hoffe auf sonniges Wetter und werde dann den Finanz-Gau bzw. dessen Abwendugn bei einem Glas Weißbier aus einem Liegestuhl auf meinem Tablet beobachten.

RMD

Wer erlebt es nicht immer wieder bei sich selber – hässliche Dämonen versuchen in unser Leben einzudringen. Dämonen wie Angst vor der Zukunft, Furcht vor dem Unbekannten, Skepsis vor Bindungen, Ablehnen von Veränderung oder auch nur Misstrauen an Stelle von Vertrauen. Wie oft fehlt uns die Bereitschaft, mal etwas Neues auszuprobieren. Bedrückt uns ein Unwillen, die eingetretene Pfade zu verlassen. Oder betäuben wir uns mit Dingen, die wir gar nicht wollen und brauchen.

Das alles sind die Ursachen, dass wir Menschen uns zurück nehmen und unser personales Leben mindern. Uns kleiner machen als wir sind und unsere Talente und Fähigkeiten nicht mehren. Wir versuchen durch präzise Planungen Sicherheit zu gewinnen, die aber nur eine vermeintliche ist. Reduzieren dafür aber uns selber. Schritt für Schritt geht so die Lebensentfaltung zurück und ein unerfreulicher, sich selbst verstärkender Kreislauf beginnt. Die Lebensfreude entschwindet, das soziale Leben reduziert sich.

Im Kopf finden immer mehr Annahmen statt, die Sorgen beginnen, uns zu ersticken. Die Fragen, was denn alles so passieren kann, werden immer mehr und Einwände dominieren das Denken. Und die Angst wächst, die Sorgen verselbstständigen sich und die Lebensfreude geht verloren. Das alles passiert, wenn man nicht bereit ist, sein Leben eigenverantwortlich zu führen, die Freude am Leben aktiv wahr zu nehmen und mit agilem Leben der Verbissenheit und Verzagtheit keine Chance zu geben.

So meine ich, dass auch im Privaten wie in unseren sonstigen Projekten eine agile Art zu Leben alles viel einfacher macht. Man muss nicht immer alles bis ins Detail planen und sämtliche mögliche Folgen abwägen. Wir wissen doch eh nicht, welche Annahmen, die wir so machen, für die Zukunft valide sind. Also lasst uns die Kopfgeburten zurückdrängen, die unser kleines bisschen Leben doch nur belasten. Denn auch die Ängste finden zuerst mal im Kopf statt.

So bin ich fest überzeugt, dass agil zu leben uns glücklicher und zufriedener macht. Ein „nicht-agiles“ Leben verhindert auch bei vielen Paaren einen ganz natürlichen Schritt – nämlich Kinder zu kriegen. Denn wenn ich mein ganzes Leben immer alles prüfen, planen, begründen und absichern muss, dann werden Kinder ganz schnell als unvernünftiges Risiko wahr genommen, welches nur noch sehr mutige ja tollkühne Menschen eingehen. Und dann wird dem eigenen Leben einmal mehr etwas Selbstverständliches entzogen.

„Kinder bekommen“ ist in meiner Bewertung ein Teil eines „agilen“ Lebens. Unsere Kinder haben mein Leben nicht nur in der emotionalen Dimension mehr als wesentlich bereichert. Fast möchte ich sagen: Was ist ein Leben ohne Kinder?

Gerade Kinder sollte man eben nicht planen, man muss sie „geschehen“ lassen. Sie sind die natürlichste Sinngebung und bereichern unsere Lebensvielfalt. Und planen ist nur hinderlich, denn zeitlich passt es sowieso nie. Dafür erlebt man die Kinder dann (hoffentlich) lebenslänglich. Der Versuch, ihnen beim Gelingen ihres Lebens ein bisschen zu helfen, kann im übrigen auch nicht geplant werden sondern ist ein hoch agiles Projekt.

So könnte man sagen, dass „agil“ auch im privaten hilft, die Dämonen zu vertreiben. Und so lässt es sich auf agile Weise deutlich unbeschwerter leben – ein agiles Leben macht zufriedener und glücklicher.

Diese Empfehlung spreche ich nur aus, weil ich es so selber erlebe.

RMD

P.S.
Das waren Gedanken, wie sie mir heute auf der Zugfahrt von Frankfurt nach München durch den Kopf gingen.

Roland Dürre
Mittwoch, der 1. Mai 2013

Die Welt der Arbeit und die e-Mobile Welt

Bekenntnisse eins (Arbeits-)Junkies zum 1. Mai

Ich arbeite (fast) nur noch mobil. Mobil bedeutet ja ganz einfach nur von irgendwo und ohne Kabel. Kein Kabel zum Strom und keines zum Internet. Da heißt ich kann von (fast) überall arbeiten. Das hat Folgen …

Nach dem Aufwachen mache ich „home office“. Gerne noch im Bett. Habe ich dann die wichtigsten Dinge erledigt, radele ich ins Unternehmen. Die Radfahrt tut gut, da bin ich ganz alleine in frischer Luft. Kann nachdenken und mich auf die nächsten Themen vorbereiten.

Im Unternehmen bin ich mit meinem Hauptrechner nur bedingt mobil. Mit ihm arbeite ich meistens vom Schreibtisch aus. So etwas altmodisches wie diesen (und auch ein eigenes Zimmer) habe ich tatsächlich noch. Wird Zeit, dass ich das ändere.

In meinem Arbeitszimmer hängt der Rechner fast immer am Stromnetz. Die Verbindung zum Netz ist aber auch drahtlos. Denn ab und zu nehme ich ihn zu Besprechungen oder Präsentationen im Hause mit. Und warum dann noch ein zweites Kabel aus- und einstöpseln? Der Magnetstecker für den Strom geht ja problemlos hin und weg.

Unterwegs bin ich in unterschiedlichem Maße. Mal mehr, mal weniger. Wenn es weiter weg geht, fahre ich in der Regel mit dem Zug. Schleppe keinen mobilen Fünfsitzer mit mir herum, dafür ein ober mehrere „Mobile Büros“. In oder besser mit diesen kann ich arbeiten, schreiben, lesen. Oder auch entspannen. Ganz nach meiner Wahl.

Die Wartezeiten während der Reisen kann ich meistens sinnvoll nutzen. Wenn ich kein WLAN oder keinen „Hotspot“ finde, dann nehme ich halt meinen alten Stick oder das „Handy“. Ist zwar unkomfortabel, aber geht zur Not auch.

In München habe ich mehrere „city office“. Die wechseln ab und zu und sind meistens ein Café oder Restaurant. Die müssen eine gute Atmosphäre haben, so dass man sich dort gut treffen und gut arbeiten kann. Der Café sollte in Ordnung sein und natürlich ist ein vorhandenes WLAN selbstredend die zwingende Voraussetzung.

Auch meine Freizeit versuche ich konsequent zu nutzen. Denn Freizeit ist doch auch nur eine Form von Arbeit (oder anders herum). Zum Beispiel relaxen. Da ist bewusstes „Nichtstun“angesagt. Schwimmen, Fußball oder Schach spielen. Auch sonst versuche ich möglichst, immer nur eines gleichzeitig zu tun. Theater anschauen, Musik hören, ein Buch lesen. Einen Film genießen. Vielleicht sogar mal Fernseh schauen. Aber das ist meistens zu langweilig und verkommt dann doch zur Berieselung.

In der Arbeit versuche ich übrigens auch zu einem Zeitpunkt immer nur eines zu machen. Nehme in der Regel das Handy (das ja jetzt ein smartphone ist) nicht in Besprechungen mit. Und wenn ich mit einem Menschen rede, schreibe ich nebenher keine E-Mails. Versuche mich immer auf das zu konzentrieren, was ich mache und das dann hoffentlich richtig zumachen.

Früher habe ich weniger gearbeitet. Und hatte trotzdem weniger Zeit. Mein Glück war, dass ich immer Zeit für besonders meine kleinen Kinder hatte. Die sind jetzt schon groß geworden. Bringt (in diesem Fall leider) auch wieder Mehrzeit.

Aber früher habe ich viel zu viel Zeit mit unsinnigen Dingen verbracht. Was bin ich im Auto gesessen? Oder hab stundenlang Fernsehen geschaut? Sowie viel zu viel Zeit mit dem Lesen von belanglosen Zeitungen verbracht. Schade drum. Aber es ist so wie es ist und es war so wie es war.

Trotzdem: Irgendwie ist das Leben schon besser geworden mit dem mobilen Zeug.

RMD