Roland DĂŒrre
Sonntag, der 23. August 2015

Unternehmertagebuch #112 – Von sinnlosen Besprechungen.

„Mein Leben nach InterFace ?“

🙂 Gerne erzĂ€hle ich aus meiner beruflichen Zeiten. Wass mich da begeistert und was mich da bedrĂŒckt hat. Deshalb auch wieder aus dem Urlaub in Griechenland ein kleiner Beitrag zum Unternehmertagebuch:

Im negativen Bereich waren das zum Beispiel die vielen sinnlosen Besprechungen, an denen ich teil nehmen durfte / musste. Die in manchen FĂ€llen einen ganzen Tag dauerten und bei denen die Teilnehmer dann am Abend gar nicht aufhören wollten. Obwohl oder vielleicht weil das Meeting sich schon den ganzen Tag im Kreis drehte. Und ich – wie jeder der Teilnehmer – nicht in der Lage war, sinnvoll auf die Runde einzuwirken.

Dann erzĂ€hle ich meinen Zuhörern, dass es in solchen Besprechungen mein einziger Trost war, dass die „Kontierungsuhr“ mitgelaufen ist. Ich also tatsĂ€chlich in solchen FĂ€llen fĂŒr meine Arbeit mit einem Schmerzensgeld entlohnt wurde.

Das ist nur teilweise wahr und eine zynische Ausrede. Aber dann fĂ€llt mir ein, dass es auch im eigenen Unternehmen so viele sinnlose Besprechungen gab. Und es stellt sich mir die spannende Frage, warum ich dies zugelassen habe und da ĂŒberhaupt mitgemacht habe.

Vielleicht war es mangelnde Zivilcourage? War ich zu feige, gerade mich ausserhalb des Systems zu stellen und traditionierte Regeln und Muster zu brechen? Ist die Pflicht zur Besprechung nicht ein Teil der Unternehmensmoral und festgelegt in den GeschĂ€ftsordnungen? Und wer verstĂ¶ĂŸt schon gerne gegen Recht und Ordnung? Ich hatte den Mut nicht. Denn dann gab es auch immer mal wieder den Wunsch:

„Wir mĂŒssen mehr miteinander reden!“

Und dem stimme ich zu. Auch aus heutiger Sicht. Allerdings bitte nicht in langen und formalen Besprechungen, die dann noch protokolliert werden – natĂŒrlich um auf der sicheren Seite zu sein!

Wenn Besprchungen dann im kurzen „SCRUM“-Ă€hnlichen Meeting möglichst stehend oder außerhalb des Unternehmens im freien Raum.

Aber das miteinander reden macht spÀtestens dann keinen Sinn, wenn man sich nur noch wiederholt und im Kreise dreht. Dann hilft wahrscheinlich nur die einsame Entscheidung und dann die schnelleTrennung.

Zusammenfassend meine ich, dass man alle Regeln und Rituale im Unternehmen permanent hinterfragen sollte. Besonders auch die vielen Meetings, die ja oft auch nur die Folge von festgelegten Ritualen und Prozessen sind. Und dies stetig und fortwÀhrend, immer auf einer objektiven und von Eigeninteressen losgelöster Ebene.

Und wenn man erkannt hat, dass es nichts mehr bringt, dann muss man auch den Mut haben, zu handeln. So wie dies ĂŒbrigens auch KANBAN in seiner letzten und fĂŒr mich wichtigsten Regel fordert.

Und das gilt nicht nur fĂŒr das Unternehmen und seine Projekte sondern auch fĂŒr die Politik, fĂŒr unsere sozialen Systeme wie auch fĂŒr unser Privatleben.

Nicht zuletzt habe ich ĂŒbrigens einen ganz zynischen Verdacht:
Wenn wir in den Unternehmen nicht so viele Besprechungen hĂ€tte, dann wĂ€ren wir immer schon mittags mit der Arbeit fertig und wĂŒssten nicht, wohin mit der freien Zeit.

RMD

P.S.
Alle Artikel meines Unternehmertagebuchs findet man in der Drehscheibe!

Roland DĂŒrre
Sonntag, der 29. MĂ€rz 2015

DER ZEITKÄFIG.

EisenkÀfig (hier: Florenz, ausgehendes 17. Jahrhundert) als Folterwerkzeug

EisenkÀfig (hier: Florenz, ausgehendes 17. Jahrhundert) als Folterwerkzeug

Vor kurzem habe ich im Artikel „Goldener Stacheldraht“ beschrieben, wie Unternehmen ihre Mitarbeiter in einer Art und Weise vereinnahmen, so dass diese Menschen dann im Laufe der Jahre völlig unselbststĂ€ndig werden. Und das auf ganz angenehme, ja verfĂŒhrerische Art uns Weise.

Dieser Artikel hat eine Reihe spannender Diskussionen ausgelöst. Auch um den ZeitkĂ€fig, in dem die meisten von uns – ob angestellt oder freiberuflich arbeitend – eingesperrt sind. Denn alles wird in Zeit gemessen, die Arbeit, die MobilitĂ€t, die Freizeit. Und stiehlt uns unsere Lebenszeit.

Wie absurd ist doch der Gedanke, dass man jede Woche eine feste Anzahl Stunden seiner Zeit abliefern muss, ganz gleich was ansteht. Das mag in einem „Tayloristischen System“ einleuchten. Man steht am Fließband, macht besondere Handgriffe und bekommt fĂŒr jede Stunde dieses Tuns ein StĂŒck Geld. Aber der Taylorismus sollte doch fĂŒr viele von uns Vergangenheit sein.

Die Alternative zu diesem mittlerweile uns als so selbstverstĂ€ndlich vorkommenden Systems waren der sicher auch schwierige Akkordlohn, der dem „Leistungsprinzip“ folgt. Beim Akkordlohn wird nicht mehr nach Zeit sondern nach der Anzahl der hergestellten Teile bezahlt. In auf Kaizen basierenden Strukturen findet man analog den Gruppenakkord. Der ja auch eine positive (Teamarbeit) und eine negative (Gruppendruck) Seite. So richtig mehr gab es da nicht.

Auch die sogenannten Wissensarbeiter (die ehemals mit weißen KrĂ€gen und Krawatten unterwegs war und heute lieber Rollis tragen) werden ĂŒber die abgegebene Zeit abgerechnet. Sie bekommen ein Fixum, fĂŒr das sie eine Anzahl von Stunden „arbeiten“, also diese Zeit im oder fĂŒrs Unternehmen verbringen mĂŒssen. Das wird dann ergĂ€nzt durch einen variablen Gehaltsteil, der in Zielvereinbarungen (einer modernen Art von Akkordlohn) festgelegt ist.

Dieses „Denken in Arbeitszeit“ hat sich in unseren Gehirnen so tief bei eingeprĂ€gt, dass wir es fĂŒr ganz normal halten. Auch mir in meiner Rolle als Vorstand der InterFace AG ging das so. Es gab Werktage, da war ich nur wenige Stunden am Arbeitsplatz. Und habe in diesen wenigen Stunden oft wesentliches bewirkt. Wenn ich dann aber am frĂŒhen Nachmittag zu meinen Kindern heim gegangen bin, dann hat sich mein Über-Ich gemeldet und mir ein schlechtes Gewissen gemacht. +

In meinem neuen Leben merke ich, wie unsinnig das ist. Ich versuche Vorhaben so zu gestalten, wie sie mir wichtig sind. Uns setze soviel Zeit ein, wie fĂŒrs Gelingen notwendig ist. Und fĂŒhle mich viel freier als frĂŒher.

Ich kenne viele Freiberufler, die sich absolut autonom fĂŒhlen, aber ganz selbstverstĂ€ndlich im ZeitkĂ€fig stecken. Rechnen sie doch ihren Verdienst als Stunden- oder Tagessatz ĂŒber die Anzahl der Stunden ab. Bei einer der erwĂ€hnten Diskussionen in Twitter hat einer darĂŒber gerĂ€tselt, warum sich die meisten „Freiberufler“ ungern als solche bezeichnen. Und sich im Internet so meistens als Seniorberater, als Spezialist fĂŒr irgendetwas oder als GeschĂ€ftsfĂŒhrer (der eigenen 1-Mann GmbH) vorstellen. Einer meinte als ErklĂ€rung, dass „freiberuflich“ fĂŒr „potentiell arbeitslos“ stehen wĂŒrde. Uns dies klĂ€nge doch nicht schön.

Ich denke, dass ein Freiberufler ein Tagelöhner ist – und das ist doch ein ehrlicher aber kein schlechter Begriff. Auch wenn das vielleicht ein wenig nach „Knecht“ klingt. Aber wir sind doch letzten Endes alles Knechte, die einem Herrn, einem System oder einem Wahn dienen.

Es sind aber auch andere (moderne?) Entlohnungssystematiken gut vorstellbar. Gebhard Borck schlĂ€gt zum Beispiel in seinem Buch Dein Preis den Wertvertrag als eine Alternative vor. Das ist alles andere als dumm und gefĂ€llt mir sehr gut. Aufgrund der vielen und ĂŒberall installierten ZeitkĂ€fige sind solche oder Ă€hnliche Gedanken fĂŒr die meisten Freiberufler aber (noch?) Utopie oder zumindest schwer durchsetzbar.

RMD

P.S.
Das Bild ist aus Wikipedia, es stellt einen EisenkÀfig (florentinisch, ausgehendes 17. Jahrhundert), der sich im Foltermuseum in Freiburg im Breisgau befindet. Der Urheber ist Flominator.

Roland DĂŒrre
Montag, der 5. Januar 2015

Wie die Zeit vergeht …

KettenkarusselWenn ich nur die 31 Jahre meines Lebens bei der InterFace AG reflektiere – was hat sich da doch alles verĂ€ndert! Auf allen Ebenen und in allen Dimensionen. Betrachte ich die Gesellschaft und die Technologie, oder die Art und Weise wie heute mit Wissen umgegangen wird, dann ist das schon mehr als erstaunlich.

Ganz neue FĂ€cher sind wichtig geworden und haben enorme Fortschritte gemacht – und wie ich meine, die Welt verĂ€ndert. Dazu gehören neben der Technologie auch Wissenschaften wie die Psychologie, die Gehirnforschung, Behavior Science aber auch die Spieltheorie wie die gute alte Philosophie. Ganz zu schweigen wie sich Werte und Moral, ja die Einstellung im Leben der Einzelnen wie auch in der Gesellschaft und im Kollektiv gewandelt haben.

Diese Entwicklungen haben sich gegenseitig verstĂ€rkt und in einem Tempo beschleunigt, das ich nicht mehr als linear sondern eher als „geometrisch bis exponentiell“ wahrgenommen habe und wahrnehme.

Insofern gefÀllt mir folgendes Modell recht gut, das ich vor kurzem entdeckt habe. Es geht um die Begriffe wissend und unwissend sowie fÀhig und unfÀhig.

Diese vier Eigenschaften kann man einer Matrix bestehend aus vier Quadranten zuordnen. Die obere Zeile der Matrix ist die der „UnfĂ€higkeit“, die untere Zeile die der „FĂ€higkeit“. Die rechte Spalte ist die des „wissend“, die linke Spalte des „unwissend“.

Der Quadrant oben rechts steht so fĂŒr „wissend unfĂ€hig“.

Im Beispiel des Lebens eines Autofahrer heißt das, dass ein Jugendlicher weiß, dass er unfĂ€hig ist, ein Auto zu fahren. Der Jugendliche ist also „wissend unfĂ€hig“.

Der Quadrant rechts unten steht fĂŒr „wissend fĂ€hig“.

In unserem Beispiel wird der Jugendliche zum jungen Mann macht seinen FĂŒhrerschein. Jetzt weiß er, dass er fĂ€hig ist, ein Auto zu fahren. Und fĂ€hrt Auto. Der junge Mann ist also „wissend fĂ€hig“.

Der Quadrant links unten steht fĂŒr „unwissend fĂ€hig“.

Der Ă€lter werdende Mensch fĂ€hrt viel Auto. Er wird sehr geĂŒbt und ist so fĂ€hig ein Auto zu fahren, er weiß es aber nicht mehr bewusst. Er ist also des Auto fahrend „unwissend fĂ€hig“.

Der Quadrant oben links steht fĂŒr „unwissend unfĂ€hig“.

Wie die Geschichte im letzten Quadrant oben links weiter geht, erahnen wir schon. Der Mann ist zum Greis geworden. Er sollte nicht mehr Autofahren, weil er es nicht mehr kann. Er weiß dies aber nicht. Er fĂ€hrt also „unwissend unfĂ€hig“ weiter.

Das ist doch ein nettes Beispiel. Es hat aber einen Nachteil: Es suggeriert, dass es der Mensch ist, der sich aufgrund seiner altersbedingten VerĂ€nderung vom Zustand des „wissend unfĂ€hig“ ĂŒber „wissend fĂ€hig“ und „unwissend fĂ€hig“ in den Zustand „unwissend unfĂ€hig“ wechselt.

Oft ist es die Welt oder Umwelt, dies sich schnell verĂ€ndert. Beim Eintritt in ein neues soziales System bemerkt man sofort, dass man sich die FĂ€higkeit des „Teilnehmen können“ erst erarbeiten muss. Das neue System wird erlernt und dann ist man dabei. Nur kann man aufgrund der hohen VerĂ€nderungsgeschwindigkeit plötzlich sogar nach einer Phase des „unwissend fĂ€hig“ schnell in den rĂ€tselhaften Zustand des „unwissend unfĂ€hig“ kommen. Weil die Regeln und das Funktionieren des Systems sich so schnell wesentlich verĂ€ndert haben, dass man es gar nicht bemerkt hat. Und steht dann dumm da und versteht die Welt nicht mehr – in der man vor kurzem noch so gut mithalten konnte.

Ja, ab und zu geht es auch mir wie in einem Kettenkarussell, das immer schneller lÀuft und mich schwindelig macht.

RMD

P.S.
Das Bild heißt „Wellenflug auf dem Roonkarker Mart“. Ich habe es in Wikipedia beim Karussell-Artikel gefunden, es ist ein eigenes Werk von Wilfried Wittkowsky.

Detlev Six
Sonntag, der 24. August 2014

Strategie ist kein Blick in den RĂŒckspiegel.

Sie könnten in die falschen HĂ€nde fallen – unsere Waffen.

Mit ziemlicher Sicherheit

Die Waffen, die der Westen an Gaddafi geliefert hat, treiben ihr Unwesen im gesamten nahen Osten.

Mit den westlichen Waffen an Afghanistan feuern die Taliban.

Der IS ist mit gepanzerten Waffen der USA unterwegs.

Und jetzt sollen wir Waffen an die Peschmerga liefern, gar an die PKK, die ja in Deutschland immer noch als Terroristen-Vereinigung eingestuft ist? Mit der vagen Aussicht, das noch schlimmere Übel des IS zu verhindern? 

Es gilt der Satz von Kierkegaard: Wir können das Leben nur rĂŒckwĂ€rts verstehen, mĂŒssen es aber vorwĂ€rts leben. Mit einer strategischen Entscheidung ist der Blick in die Zukunft verbunden, damit Spekulation und Risiko.

Die Spekulation:

Der kurdische Teil des Irak ist der dem Westen kulturell am Àhnlichsten in der Region (von Israel abgesehen). Es könnte in Form eines (irakischen) Kurdistan ein Staat mit halbwegs westlichen Werten entstehen (Pluralismus, Demokratie, Marktwirtschaft). Die Hoffnung steht auf einer haltbaren Verbindung von Peschmerga und PKK mit der Aussicht auf StabilitÀt des neuen Staates. Der Zerfall des Staates Irak wird in Kauf genommen. In drei Teile. Kurdistan, schiitischer Staat, sunnitischer Staat. Der IS ist besiegt. Die Waffen bleiben in Kurdistan.

Das Risiko:

Der schlimmste Fall wÀre der totale Sieg der IS und in Folge ein irakisch-syrisches Kalifat, der intoleranteste Staat unter der Sonne. Die Waffen fallen in die HÀnde des IS.

Die leichteste Verlust-Variante – die PKK verschwindet nach erfolglosem Kampf mit den westlichen Waffen in den tĂŒrkischen Bergen oder in Syrien.

Dazwischen gibt es noch jede Menge Zwischen-Varianten.

Soweit der Ă€ußerliche Akt der Waffen-Entscheidung.

FĂŒr uns (Anmerkung des Verfassers: Die Ansprache richtet sich an die Mitglieder der Community „Strategische Moral“)  ist ja vor allem interessant, welche strategische Moral die einzelnen Spieler verfolgen, um den Waffen-Deal zu beeinflussen und um (im Fall des IS) ein Investment in die Gegenbewegung zu bekommen?

Die kurdischen Nord-Iraker an den Westen:
Wir sind die HoffnungstrÀger Eurer Werte.

Die PKK an die Peschmerga und den Westen:
Das Blut der BrĂŒder siegt am Ende immer.

Der IS an Mitstreiter und Geldgeber (Katar):
Nur mit uns könnt ihr die Herrschaft des Westens beenden.

Der Rest-Irak (Schiiten/gemĂ€ĂŸigte Sunniten) an die USA:
Sollen alle Eure Opfer vergeblich gewesen sein?

Meine Prognose:
Der Westen liefert jede Menge Waffen, Kurdistan wird gegrĂŒndet und gerĂ€t unter die Herrschaft der PKK.

SIX

Dieser Artikel wurde zuerst in der google+ community „Strategische Moral“ veröffentlicht.

Roland DĂŒrre
Sonntag, der 9. MĂ€rz 2014

Krim, Krise, krass.

Wenn mich noch vor kurzem einer gefragt hĂ€tte, zu welchem Land die Krim gehört, hĂ€tte ich gesagt „zu Russland“. Jetzt haben wir eine „KRIM-KRISE“ und ich habe gelernt, dass die Krim der Ukraine „gehört“. Und jeden Tag ist die Krim-Krise in den Nachrichten, so auch bei Spiegel-Online: Szenarien fĂŒr die Krim: Sanktionen, Chaos, Krieg.

Die ganze Situation empfinde ich als abstrus. Da ist die Ukraine total pleite. Wie ĂŒbrigens viele andere Staaten auch. Regiert wird sie von Banditen, die diesen Staat dann auch noch ein wenig ausgeplĂŒndert haben. Auch das kennt man von anderen Staaten. Dann wird dieser Staat auch noch vom reichen Nachbar und ehemaligen VerbĂŒndeten alimentiert. Wie andere auch. Und erliegt in seiner Armut natĂŒrlich auch den Versuchungen des reichen Westens.

Die Menschen sind verarmt und haben die Nase voll. Wie viele andere Menschen in anderen Staaten. Es kommt zu AufstĂ€nden und weiteren eigenartigen Ereignissen. Unter anderem mischt sich ein „deutscher Boxweltmeister“ ein. Alte BanditInnen melden sich zu Wort. Und natĂŒrlich hat die Ukraine – wie viele anderen Staaten auch – auch noch das Problem eines Vielvölkerstaats mit unterschiedlichen Mehrheiten in  verschiedenen Regionen wie auch noch ein paar Minderheiten dazu.

Es passiert, was halt dann so passiert: der alte, zwar gewĂ€hlte aber vielleicht nicht so ganz legitime Boss wird abgesetzt. Es gibt einen neuen (nicht direkt gewĂ€hlten) Chef. Und der betont in seiner ersten Rede die „Unverletzlichkeit der territorialen IntegritĂ€t“. Und hat auch ziemlich fragwĂŒrdige UnterstĂŒtzer.

Und dann gibt es Sanktionen und große Krisenhektik. Einen Aufruhr in der ganzen Welt. Politiker manteln sich auf und sprechen von Sanktionen. Und am Ende wird doch – so oder so – eine neue Ordnung auch in dieser Region stehen.

Parallel feiert man die „Olympischen Spiele der Behinderten“ als Nachgeburt einer eh sinnlosen Olympiade, die nur dem Diktator und den westlichen Unterhaltungskonzernen dient.

Ist das nicht alles Blödsinn?

Ist nicht auch Jugoslawien zerfallen? Die Tschechoslowakei hat sich in zwei Staaten aufgelöst. Vor kurzem haben „Die deutschen Unternehmer in Katalonien vor den verheerenden Folgen einer UnabhĂ€ngigkeit der spanischen Region gewarnt“? Und in Italien gibt es auch eine „Liga Nord“! Spielt es wirklich in der Welt so eine Rolle, ob die Krim russisch oder ukrainisch ist? Werden in der nĂ€chsten Zeit nicht in vielen Erdteilen Neu-Ordnungen von Staaten und territorialen Grenzen folgen. ZwangslĂ€ufig, weil die alten MĂ€ntel nicht mehr passen?

Dass Afrika brennt, interessiert doch auch niemanden. DafĂŒr schĂŒtzt die EU ihre Grenzen gegen die bösen WirtschaftsflĂŒchtlinge aus Afrika durch die “Grenzschutzagentur” Frontex (siehe dazu auch meinen Artikel vom 2 4. Januar 2010). Das mit einer Armee, die demnĂ€chst krĂ€ftig aufgerĂŒstet wird – und das alles ohne parlamentarische Kontrolle.

Aber witzigerweise will die EU der Ukraine jetzt mit 11 Milliarden helfen. Damit sie ihre viel höheren Schulden an die Russen besser zahlen kann? Und dann wahrscheinlich neue Schulden an die EU hat.

Das mit dem „Schulden bezahlen“ wird aber nicht gehen. Weil die Ukraine im Gegensatz zu uns das Gas mit 30 % Freundschafts-Rabatt bekam. Die Russen haben mit dieser Subvention jetzt aber Schluss gemacht. Und die Ukraine braucht viel Gas …

Wie ĂŒbrigens auch die BRD.

RMD

Vor kurzem hat mir wieder mal ein Freund berichtet, wie toll seine Teilnahme an einem barcamp am Wochenende gewesen wĂ€re. Wie viel Aufbruchstimmung er da gefĂŒhlt hĂ€tte und wie viel Energie er mitgenommen hĂ€tte. Und wie schlimm es dann war, als er beschwingt vom Wochenende am Montag in den grauen Alltag seines Arbeitsleben eingetaucht und dabei schmerzhaft auf dem harten Boden der RealitĂ€t gelandet ist.

Da kamen mir wieder so ein paar Fragen in den Kopf, die mich immer mehr ins GrĂŒbeln bringen:

Unternehmen und planen:

Warum fĂ€llt „agil“ oft so schwer und warum klammen wir uns noch so gerne an „geplant“? Warum akzeptieren wir nicht die Unvorsehbarkeit der Zukunft?

Entscheiden:

Warum misstrauen wir unserer Intuition und treffen dann doch lieber unsere Entscheidungen ganz rational, scheinbar auf der Ebene der Vernunft und abgesichert durch komplizierteste BegrĂŒndungen?

 Oder „populistisch“ formuliert:

Warum werden intuitiv denkende und handelnde Menschen, die agil durchs Leben gehen und erfolgreich Dinge zu Gunsten aller voranbringen, immer wieder von Apperatschiks ausgebremst, die vor lauter Regeln und Gesetzen all das mĂŒhsam aufgebaute wieder einreißen?

Hier meine Antworten …

Ich vermute, dass wir es so einerseits von unseren Altvorderen so gelehrt bekommen haben und andererseits uns unsere Ängste dazu bringen.

Lassen wir zuerst vergangenen Generationen zu uns sprechen:

Wir haben alles im Griff, wir können alles erreichen, wir mĂŒssen es nur ordentlich planen. Wir mĂŒssen unsere Welt organisieren wie ein Uhrwerk, dann kann nichts mehr passieren. Jungen weinen nicht und GefĂŒhle sind schlechte Ratgeber. Also mach Dich frei von diesen – sie schaden nur. Und vor allem, keine Angst vor dem Fortschritt! Die Technologie kann alles! Kriege sind zum gewinnen da! Also Junge, sei vernĂŒnftig! Basta!

Die Generationen vor uns haben das so geglaubt. Sie sind zum Opfer der explosionsartigen Entwicklung im 19. und 20. Jahrhundert geworden, die grenzenlose Möglichkeiten fĂŒr den Menschen zu versprechen schienen. Da entstand in den Köpfen der Menschen das GefĂŒhl von Omnipotenz, das auf dem Glauben an Technologie und Fortschritt basierte. Der Mensch war plötzlich allmĂ€chtig, der Tod wurde verdrĂ€ngt.

Die plötzlich im Überfluss vorhandene Energie (vor allem aus fossiler Quelle) gepaart mit einem gnadenlosen technologischen Fortschritt schien alles möglich zu machen. So entstand ein Machbarkeits- und Planbarkeits-Wahn, wie es ihn nie vorher in der Geschichte der Menschen gegeben hat. Alles war auf Fortschritt und ModernitĂ€t ausgerichtet.

Worte und Werte wie „Demut“ und „Achtsamkeit“ wurden belĂ€chelt oder an den Pranger der RĂŒckstĂ€ndigkeit gestellt. Mit nie erlebter RĂŒcksichtslosigkeit gegen Natur und Leben wurden Technologie und Fortschritt zu den neuen Heilsbringern erklĂ€rt. Der Kampf gegen die Natur ging in voller HĂ€rte los. Die Planer der Zukunft in entarteten sozialen Systeme wollten sogar den „neuen Menschen“ schaffen so wie sie ihre neuen StĂ€dte gebaut haben.

Der Glaube, dass durch explodierende Technologie gepaart mit unbegrenzt verfĂŒgbarer Energie die Zukunft durch Vernunft gesteuert, alles determiniert und mechanistisch entwickelt werden kann, wurde unterstĂŒtzt  von der gleichzeitig immer stĂ€rker gewordenen Angst vor der Freiheit.

Unsere vermeintliche Omnipotenz hat eine ChimĂ€re der Sicherheit geschaffen, die wir uns wĂŒnschen und die uns entlastet. Auch wenn sie eine sehr trĂŒgerische ist.Je grĂ¶ĂŸer unsere vermeintliche Sicherheit, desto grĂ¶ĂŸer die Angst vor dem Verlust derselben, desto grĂ¶ĂŸer unsere Angst vor Eigenverantwortung und Freiheit.

Jetzt merken immer mehr Menschen, dass dies alles nur eine der vielen Kapriolen waren, denen die Menschen sich in ihrer Geschichte gerne hingegeben haben. Auch die Annahme, dass die Zukunft der Menschen mit Vernunft geplant werden könnte, erweist sich immer mehr als falsch. Wir wissen Bescheid ĂŒber die Klimakatastrophe, machen aber nichts. Genauso, wie wir Bescheid wissen ĂŒber die vielen Probleme unserer sozialen und ökonomischen Welt, aber auch hier nichts tun.

Es scheint aber wieder eine Zeitenwende statt zu finden. Plötzlich verÀndert sich wieder alles rasant. Wir haben das Internet mit neuer Informationsdichte. Wir merken, dass da was falsch lÀuft.

So sind immer mehr von uns auf der Flucht vor dieser eh nur vermeintlichen Sicherheit. Sie erkennen, dass man Zufriedenheit geschweige denn „GlĂŒck“ nicht kaufen kann. Sie wollen sich nicht mehr den ZwĂ€ngen einer materiell gesteuerten Gesellschaft beugen, die ihre Mitglieder nur noch zu Konsumenten formatiert.

Sie wollen sich nicht mehr von einer in paradoxer Art und Weise ökonomisierten Welt versklaven lassen, sondern einfach wieder leben. Sie wollen ihr Leben eigenverantwortlich und in Freiheit fĂŒhren. Und haben die Nase voll von den Gesetzen einer spĂ€tkapitalistischen und globalisierten Welt.

Ich glaube, dass je mehr wir Menschen es schaffen, wieder ihre Autonomie und UnabhĂ€ngigkeit zu gewinnen, desto mehr werden wir auch kollektiv bereit sein, unsere Ängste ein wenig zu verdrĂ€ngen und auch gesellschaftlich den agilen und intuitiven Weg zu gehen. Und unsere Bereitschaft wird steigen, proaktiv die notwendige Transformation anzunehmen, trotz ihren radikalen Folgen mit vielen, nicht absehbaren Alternativen .

Je mehr wir Menschen aber unser Leben auf vermeintlicher Sicherheit grĂŒnden und auf dem erworbenen Besitzstand beharren und uns vormachen, wir hĂ€tten alles unter Kontrolle, weil ja alles planbar da deterministisch erklĂ€rbar und mechanisch gestaltbar ist, desto mehr werden wir keinen Mut haben, intuitiv zu entscheiden und agil zu leben. Und uns gnadenlos mit Szenarios verwirren, die wie unsere Ängste nur in unseren Köpfen stattfinden. Und dann sehr abrupt mit VerĂ€nderungen konfrontiert werden, die uns gar nicht mehr gefallen werden.

Wahrscheinlich kann der Kampf um unser Überleben nur mit „agil“ und „intuitiv“ gewonnen werden. Und die große SĂ€ngerin Janis Joplin könnte die Zukunft voraus geahnt haben, wie sie in ihrem Song Me & Bobby McGee den Begriff von Freiheit so ganz anders definiert hat:

Freedom’s just another word for nothing left to lose …

RMD

Roland DĂŒrre
Sonntag, der 19. Januar 2014

Wie die Zeit vergeht …

InterFace_Icon_30Jahre_01-94

Wolf Geldmacher und ich haben um die Jahreswende 1983/84 ganz mutig beschlossen, gemeinsam mit Dr. Peter Schnupp (InterFace GmbH) und Claus M. MĂŒller (ĂŒber InterFace Computer GmbH) die InterFace Connection Gesellschaft fĂŒr Datenverarbeitung und Kommunikationssoftware mbH zu grĂŒnden.

Und bis heute hatten wir viel Freude an unserer GrĂŒndung. Die aktiven Gesellschafter waren Wolf und ich. Wir waren zum Start mit je 30 % beteiligt. Vor 30 Jahren, genau am 1. April 1984 war es soweit! Die InterFace Connection (die heutige InterFace AG) hat ihren GeschĂ€ftsbetrieb aufgenommen.

Das war kein April-Scherz. Immerhin können wir jetzt ein wenig stolz auf 30 spannende und erfolgreiche GeschĂ€ftsjahre zurĂŒck blicken. Am 31. MĂ€rz hat die InterFace dann auch dreissig Zeitjahre geschafft. Diesen Geburtstag werden wir am 27. Juni 2014 so richtig mit ganz vielen Freunden feiern.

Es lohnt, sich das Datum schon mal vorzumerken und sich an diesem Tag den spĂ€ten Nachmittag und die Nacht fĂŒr uns zu reservieren! Auch hier in IF-Blog werde ich dieses Ereignis gebĂŒhrend berichten. Wir werden unsere Freunde auch ĂŒber viele andere KanĂ€le informieren und einladen.

Dreissig Jahre war ich bei der InterFace AG dabei und habe es zum MehrheitsaktionĂ€r und Vorsitzender des Vorstands gebracht. In ganz verschiedenen Rollen war ich fĂŒr die InterFace unterwegs. Gestartet sind wir als durchaus erfolgreiche Produktfirma und haben uns zum Dienstleister und Berater weiterentwickelt. Und wir gehen davon aus, dass der Weg fĂŒr die InterFace AG auch jetzt ganz gut weitergehen wird.

Dieses Jahr wird nun mein letztes Jahr im Vorstand der InterFace AG sein. Das ist ein Grund zurĂŒckzublicken. Es gibt kein „Heute“ ohne „Gestern“ und kein „Morgen“ ohne „Heute“. Ein Grund, RĂŒckschau zu machen. Und da fĂ€llt mir natĂŒrlich vieles ein und auf.

Ich muss an die vielen GefĂ€hrten denken, die uns und mich in diesen 30 Jahren auf einen Teil des Weges begleitet haben. Ich muss an die vielen Unternehmen denken, die gekommen und gegangen sind. Ich erinnere mich gerne an unsere tollen Kunden, fĂŒr die wir immer gerne gearbeitet haben. Und wie wir uns immer gefreut haben, wenn unsere Software und Dienstleistung beim Kunden fĂŒr Erfolg gesorgt hat. So gibt es Kunden, die wir vom Start weg bis heute unterstĂŒtzen durften!

Viele namhafte und mĂ€chtige Unternehmen haben uns als Lieferant geschĂ€tzt. Klangvolle Adressen waren dabei. Sogar welche, die heute verschwunden sind. Mir fĂ€llt die Kirch-Gruppe und die WestLB ein. Aber auch ganz aktuell der Weltbild-Verlag. Was fĂŒr tolle Projekte haben wir gemeinsam mit diesen Unternehmen gemacht. Aber glĂŒcklicherweise haben die meisten unserer großen Kunden ĂŒberlebt.

30 Jahre InterFace heißt auch, dass wir viele Partner- und Konkurrenzunternehmen kommen und gehen gesehen haben. Auch da waren gute Namen dabei, denen wir hohen Respekt gezollt haben. Und dann waren sie weg.

Bei diesen Erinnerungen stelle ich fest, dass wir so etwas wie ein „Surviver“, ein Überlebender sind. Und dass es davon gar nicht so viele gibt. Und es uns dabei auch noch recht gut geht. Was wollen wir mehr?

🙂 Außer noch ein paar Jahre gut leben.

Damit dies so bleibt, planen wir eine große Feier am 27. Juni 2014, auf der wir nicht nur unser Überleben feiern wollen. Dazu werden wir möglichst viele Freunde einladen, die uns begleitet haben, immer noch begleiten und hoffentlich auch in Zukunft begleiten werden.

RMD

P.S.
Ein klein wenig mehr Information zu unserem Fest findet sich schon im IF-Open!

Roland DĂŒrre
Donnerstag, der 17. Oktober 2013

Der amerikanische GAU …

… ist mal wieder abgewendet worden. Wohl in letzter Minute. Und so richtig hat sich ja auch keiner von der Drohung beeindrucken lassen. Nicht die Börse und nicht die BĂŒrger. Die Wirtschaft sowieso nicht. Alle haben weiter „business as usual“ gemacht. Obwohl damit schon lĂ€ngst Schluss mĂŒsste.

Und alle sind froh, denn es wĂ€re mit Sicherheit schlimmer geworden als damals bei der Krise von 2008. Jetzt kann ich mich zwar noch an 2008 erinnern. Von der Krise habe ich aber nichts mitbekommen. Die InterFace-Zahlen waren genauso gut (oder schlecht – es ist ja alles relativ) wie die Jahre davor und danach. Mir ging es gut und den meisten meiner deutschen Artgenossen auch. Wenn das Krise war, dann wĂŒnsche ich mir immer Krise.

TatsĂ€chlich ist der „schlimme Gau“ aber nur verschoben worden. Wohl in den Februar 2014. Die roten Zahlen werden weiter wachsen und die neue Grenze erreichen. Und als Zyniker mit der Freude am Morbiden freue ich mich schon auf dieses Datum. Denn wie soll sich bis dahin etwas verĂ€ndern? Wie soll die USA in nur 4 Monaten den notwendigen „Turnaround“ hinkriegen?

Aber vielleicht ist das ganze auch gar nicht so schlimm. Vielleicht, weil das ganze doch sehr virtuell ist. Wenn z.B. die USA in Syrien militĂ€risch eingegriffen hĂ€tten, wĂ€re das doch sehr teuer gekommen. Dies, obwohl das MilitĂ€r ja zum Teil den Status von „Eh-da-Kosten“ hat. Am heutigen (Fast-)Pleitedatum hĂ€tte das aber auch nichts geĂ€ndert.

Und zum anderen weil die mir noch plausibelste BegrĂŒndung fĂŒr den Gau mir ein wenig klinisch erscheint. Da habe ich gelesen:
Viele Fonds aller Art und jeden Zweckes hĂ€tten viel Geld in Forderungspapiere an die US-angelegt. Eine ZahlungsunfĂ€higkeit der USA hĂ€tte so zur Folge, dass dann deren KreditwĂŒrdigkeit von allen Rating-Agenturen von AAA runtergestuft werden wĂŒrde. Jetzt dĂŒrften die diversen Fonds aber keine Nicht-AAA-Papiere in ihrem Portofolio haben und mĂŒssten diese dann verkaufen.

Ist das wirklich so? Wieso können die Fonds denn nicht einfach die Regeln Ă€ndern und die Papiere behalten? Die „Wissenschaft“ der  VWL geht doch davon aus, dass ein Staat gar nicht pleite gehen kann.

Auf jeden Fall freue ich mich schon auf den nĂ€chsten Februar. Und nehme mir als Ziel, an dem nĂ€chsten Tag der ZahlungsunfĂ€higkeit beim Schifahren zu sein. Hoffe auf sonniges Wetter und werde dann den Finanz-Gau bzw. dessen Abwendugn bei einem Glas Weißbier aus einem Liegestuhl auf meinem Tablet beobachten.

RMD

Wer erlebt es nicht immer wieder bei sich selber – hĂ€ssliche DĂ€monen versuchen in unser Leben einzudringen. DĂ€monen wie Angst vor der Zukunft, Furcht vor dem Unbekannten, Skepsis vor Bindungen, Ablehnen von VerĂ€nderung oder auch nur Misstrauen an Stelle von Vertrauen. Wie oft fehlt uns die Bereitschaft, mal etwas Neues auszuprobieren. BedrĂŒckt uns ein Unwillen, die eingetretene Pfade zu verlassen. Oder betĂ€uben wir uns mit Dingen, die wir gar nicht wollen und brauchen.

Das alles sind die Ursachen, dass wir Menschen uns zurĂŒck nehmen und unser personales Leben mindern. Uns kleiner machen als wir sind und unsere Talente und FĂ€higkeiten nicht mehren. Wir versuchen durch prĂ€zise Planungen Sicherheit zu gewinnen, die aber nur eine vermeintliche ist. Reduzieren dafĂŒr aber uns selber. Schritt fĂŒr Schritt geht so die Lebensentfaltung zurĂŒck und ein unerfreulicher, sich selbst verstĂ€rkender Kreislauf beginnt. Die Lebensfreude entschwindet, das soziale Leben reduziert sich.

Im Kopf finden immer mehr Annahmen statt, die Sorgen beginnen, uns zu ersticken. Die Fragen, was denn alles so passieren kann, werden immer mehr und EinwĂ€nde dominieren das Denken. Und die Angst wĂ€chst, die Sorgen verselbststĂ€ndigen sich und die Lebensfreude geht verloren. Das alles passiert, wenn man nicht bereit ist, sein Leben eigenverantwortlich zu fĂŒhren, die Freude am Leben aktiv wahr zu nehmen und mit agilem Leben der Verbissenheit und Verzagtheit keine Chance zu geben.

So meine ich, dass auch im Privaten wie in unseren sonstigen Projekten eine agile Art zu Leben alles viel einfacher macht. Man muss nicht immer alles bis ins Detail planen und sĂ€mtliche mögliche Folgen abwĂ€gen. Wir wissen doch eh nicht, welche Annahmen, die wir so machen, fĂŒr die Zukunft valide sind. Also lasst uns die Kopfgeburten zurĂŒckdrĂ€ngen, die unser kleines bisschen Leben doch nur belasten. Denn auch die Ängste finden zuerst mal im Kopf statt.

So bin ich fest ĂŒberzeugt, dass agil zu leben uns glĂŒcklicher und zufriedener macht. Ein „nicht-agiles“ Leben verhindert auch bei vielen Paaren einen ganz natĂŒrlichen Schritt – nĂ€mlich Kinder zu kriegen. Denn wenn ich mein ganzes Leben immer alles prĂŒfen, planen, begrĂŒnden und absichern muss, dann werden Kinder ganz schnell als unvernĂŒnftiges Risiko wahr genommen, welches nur noch sehr mutige ja tollkĂŒhne Menschen eingehen. Und dann wird dem eigenen Leben einmal mehr etwas SelbstverstĂ€ndliches entzogen.

„Kinder bekommen“ ist in meiner Bewertung ein Teil eines „agilen“ Lebens. Unsere Kinder haben mein Leben nicht nur in der emotionalen Dimension mehr als wesentlich bereichert. Fast möchte ich sagen: Was ist ein Leben ohne Kinder?

Gerade Kinder sollte man eben nicht planen, man muss sie „geschehen“ lassen. Sie sind die natĂŒrlichste Sinngebung und bereichern unsere Lebensvielfalt. Und planen ist nur hinderlich, denn zeitlich passt es sowieso nie. DafĂŒr erlebt man die Kinder dann (hoffentlich) lebenslĂ€nglich. Der Versuch, ihnen beim Gelingen ihres Lebens ein bisschen zu helfen, kann im ĂŒbrigen auch nicht geplant werden sondern ist ein hoch agiles Projekt.

So könnte man sagen, dass „agil“ auch im privaten hilft, die DĂ€monen zu vertreiben. Und so lĂ€sst es sich auf agile Weise deutlich unbeschwerter leben – ein agiles Leben macht zufriedener und glĂŒcklicher.

Diese Empfehlung spreche ich nur aus, weil ich es so selber erlebe.

RMD

P.S.
Das waren Gedanken, wie sie mir heute auf der Zugfahrt von Frankfurt nach MĂŒnchen durch den Kopf gingen.

Roland DĂŒrre
Mittwoch, der 1. Mai 2013

Die Welt der Arbeit und die e-Mobile Welt

Bekenntnisse eins (Arbeits-)Junkies zum 1. Mai

Ich arbeite (fast) nur noch mobil. Mobil bedeutet ja ganz einfach nur von irgendwo und ohne Kabel. Kein Kabel zum Strom und keines zum Internet. Da heißt ich kann von (fast) ĂŒberall arbeiten. Das hat Folgen …

Nach dem Aufwachen mache ich „home office“. Gerne noch im Bett. Habe ich dann die wichtigsten Dinge erledigt, radele ich ins Unternehmen. Die Radfahrt tut gut, da bin ich ganz alleine in frischer Luft. Kann nachdenken und mich auf die nĂ€chsten Themen vorbereiten.

Im Unternehmen bin ich mit meinem Hauptrechner nur bedingt mobil. Mit ihm arbeite ich meistens vom Schreibtisch aus. So etwas altmodisches wie diesen (und auch ein eigenes Zimmer) habe ich tatsÀchlich noch. Wird Zeit, dass ich das Àndere.

In meinem Arbeitszimmer hĂ€ngt der Rechner fast immer am Stromnetz. Die Verbindung zum Netz ist aber auch drahtlos. Denn ab und zu nehme ich ihn zu Besprechungen oder PrĂ€sentationen im Hause mit. Und warum dann noch ein zweites Kabel aus- und einstöpseln? Der Magnetstecker fĂŒr den Strom geht ja problemlos hin und weg.

Unterwegs bin ich in unterschiedlichem Maße. Mal mehr, mal weniger. Wenn es weiter weg geht, fahre ich in der Regel mit dem Zug. Schleppe keinen mobilen FĂŒnfsitzer mit mir herum, dafĂŒr ein ober mehrere „Mobile BĂŒros“. In oder besser mit diesen kann ich arbeiten, schreiben, lesen. Oder auch entspannen. Ganz nach meiner Wahl.

Die Wartezeiten wĂ€hrend der Reisen kann ich meistens sinnvoll nutzen. Wenn ich kein WLAN oder keinen „Hotspot“ finde, dann nehme ich halt meinen alten Stick oder das „Handy“. Ist zwar unkomfortabel, aber geht zur Not auch.

In MĂŒnchen habe ich mehrere „city office“. Die wechseln ab und zu und sind meistens ein CafĂ© oder Restaurant. Die mĂŒssen eine gute AtmosphĂ€re haben, so dass man sich dort gut treffen und gut arbeiten kann. Der CafĂ© sollte in Ordnung sein und natĂŒrlich ist ein vorhandenes WLAN selbstredend die zwingende Voraussetzung.

Auch meine Freizeit versuche ich konsequent zu nutzen. Denn Freizeit ist doch auch nur eine Form von Arbeit (oder anders herum). Zum Beispiel relaxen. Da ist bewusstes „Nichtstun“angesagt. Schwimmen, Fußball oder Schach spielen. Auch sonst versuche ich möglichst, immer nur eines gleichzeitig zu tun. Theater anschauen, Musik hören, ein Buch lesen. Einen Film genießen. Vielleicht sogar mal Fernseh schauen. Aber das ist meistens zu langweilig und verkommt dann doch zur Berieselung.

In der Arbeit versuche ich ĂŒbrigens auch zu einem Zeitpunkt immer nur eines zu machen. Nehme in der Regel das Handy (das ja jetzt ein smartphone ist) nicht in Besprechungen mit. Und wenn ich mit einem Menschen rede, schreibe ich nebenher keine E-Mails. Versuche mich immer auf das zu konzentrieren, was ich mache und das dann hoffentlich richtig zumachen.

FrĂŒher habe ich weniger gearbeitet. Und hatte trotzdem weniger Zeit. Mein GlĂŒck war, dass ich immer Zeit fĂŒr besonders meine kleinen Kinder hatte. Die sind jetzt schon groß geworden. Bringt (in diesem Fall leider) auch wieder Mehrzeit.

Aber frĂŒher habe ich viel zu viel Zeit mit unsinnigen Dingen verbracht. Was bin ich im Auto gesessen? Oder hab stundenlang Fernsehen geschaut? Sowie viel zu viel Zeit mit dem Lesen von belanglosen Zeitungen verbracht. Schade drum. Aber es ist so wie es ist und es war so wie es war.

Trotzdem: Irgendwie ist das Leben schon besser geworden mit dem mobilen Zeug.

RMD