actmobcmp_100-300x86#AktMobCmp

Die letzten Wochen habe ich mich zu wenig um das Thema „Aktive Mobilität“ im Alltag gekümmert. Da waren die Themen #FRIEDEN und DIGITALE TRANSFORMATION, meine Enkel*Innen, die Mentées und Startups, die ich ein wenig unterstütze und private Interessen wie Radeln durch Italien. Und manches mehr.

Das tut mir leid, denn laufend erreichen mich Nachrichten und neue Erkenntnisse, die zeigen, dass wir handeln müssen:

  • Die Feinstaubbelastung in allen Städten der Welt steigt auf hohem Niveau weiter.
  • Aufgrund der Verkleinerung der Schadteile durch moderne Technologie (es geht in den Nanobereich) sind diese gesundheitsgefährdender denn je.
  • Die Klima-Katastrophe wird realer, rückt näher und wird immer bedrohlicher.
  • Unser Lebensautonomie ist angeschlagen, unsere Art zu Leben wird immer mehr fremd gesteuert.
  • So opfern wir ferngesteuert das uns Wichtige fremden Instanzen, die uns manipulieren und ihre Interessen über unsere stellen.
  • Die Metrik aus Geld und Profit ist omni-präsent und beherrscht die gesamte Welt und alle Lebensbereiche.
  • Die Manipulationen der uns beherrschenden Großkonzerne werden immer unverschämter.
  • Angst wird immer mehr der wesentliche Treiber von stark zunehmender Irrationalität in Gesellschaft und Politik.

Mein Schluss:
Ich persönlich habe die Nase voll von der neuen Unredlichkeit und schlimmer Doppelmoral. Wir brauchen eine große Transformation, die bei unseren kognitiven Wahrnehmungen beginnt. Mobilität ist eine gute Metapher für die aktuelle Entwicklung und die Notwendigkeit einer Transformation. Sie zeigt auf, was alles falsch läuft und wie wir unsere Einstellungen und Gewohnheiten dringend zu unserem Besten ändern müssen.

Die nächste Chance etwas zu tun ist schon genau in einer Woche! Am 21. Mai 2016 findet in Augsburg das nächste Camp für aktive Mobilität #AktMobCmp statt. Da es in die bayerischen Pfingstferien fällt, hat der Veranstalter das Camp auf einen Tag reduziert. Das Orga-Team freut sich über jeden Besucher …

An diesem Tag wird im Format eines Barcamps ganz intensiv auf die Interessen und Bedürfnisse aller Teilnehmer eingegangen. Die „Teilgeber“ werden ihr Wissen teilen und mit neuen gemeinsam erworbenen Erkenntnissen, Ideen und Plänen und neu gewonnenen Freunden aus dem Tag heraus gehen.

Also meine persönliche Bitte an alle „freundlichen Menschen“, die Verantwortung für Zukunft übernehmen wollen. Probiert das #AktMobCmp in Augsburg aus. Wenn es nur Trägheit ist, die dem entgegensteht, dann überwindet den „inneren Schweinehund“ und kommt! Hier geht es zur Anmeldung.

 

Gestiftet von VisualBrainddump (Christian Botta & Daniel Reinold) Zum Vergrößern aufs Bild klicken.

Gestiftet von VisualBrainddump (Christian Botta & Daniel Reinold) Zum Vergrößern aufs Bild klicken.

 

Anfang letzten Jahres sind wir mit einem sehr schönen Camp in Unterhaching gestartet.

Das setzen wir in 2017 – wahrscheinlich am 5./6. Januar und wieder im Kubiz Unterhaching fort.

Ab September werden wir mit neuem Schwung in die Vorbereitung starten, kräftig wirbeln und viele uns mittlerweile gut bekannte Menschen und Institutionen einladen.

Und ich garantiere, auch dieses Barcamp wird wieder viele Menschen zusammen bringen, richtig Spaß machen und wesentlichen Erkenntnis bringen.

RMD

Roland Dürre
Dienstag, der 10. Mai 2016

Zukunft, Evolution, Transformation & digital!

Am Samstag Abend vor einer Woche sind wir nach Italien aufgebrochen und am Morgen in Orvieto ausgestiegen. Drei Tage haben wir mit dem Rad zum Tagungsort Castel Gandolfo gebraucht. Die Tour zum Albaner See südwestlich um Rom herum war eine tolle Vorbereitung auf das international besetzte
„10th NETWORK MEETING OF THE PETER PRIBILLA FOUNDATION (MAY, 4th – MAY, 6th 2016, ROME)“, bei dem ich dabei sein durfte.

Die Tagung war intensiv und fordernd. So waren wir im Anschluß erstmal einen Tag richtig faul und haben uns in Labico dem Luxus hingegeben. Anschließend sind wir drei Tage durch Italien geradelt. Die erste Tour ging von Labico nach Terracina (zirka 80 km). Dann ging es weiter nach Nettuno (zirka 75 km). Nach Ostia waren es dann von Nettuno nur noch gut 50 km, so dass wir schon am frühen Nachmittag angekommen sind und noch Zeit hatten, das antike Ostia mit dem Rad zu besuchen und Ostia allgemein zu genießen.

Auf den drei Tagestouren durch den wunderbaren Frühsommer Italiens  durch die Provinzen Roma und Latina hatte ich viel Zeit, das Erlebte zu reflektieren. Es war in der Tag ein besonderes Treffen.

Morgen ist unsere Tour zu Ende, es geht nach Rom. Dort wartet der Nachtzug, der uns am Donnerstag früh in München absetzen soll. So möchte ich heute noch ein paar Erinnerungen vom Treffen aufschreiben.

Lido di Ostia, von der zentralen Seebrücke aus bewundert und fotografiert.

Lido di Ostia, von der zentralen Seebrücke aus bewundert und fotografiert :-).

Das Treffen der „Pribilla-Foundation“ stand im Zeichen der „Digitalen Transformation“, die uns immer mehr erfasst, bewußt wird und ein enormes Tempo vorlegt.

Eröffnet wurde die Tagung  von einem Impulsvortrag Manfred Broys, dem Vorsitzenden des Digitales Zentrum.Bayern. In einem präzisen „Rundumschlag“ erläuterte er das Thema „Digitalisierung“. Basierend auf spannenden Fakten machte er klar, was da eigentlich passiert. Ich durfte eine der drei Kurzanmerkungen (3 Minuten) zu diesem Vortrag halten. Hier die Zusammenfassung meines Beitrages, ein wenig ergänzt, denn 3 Minuten sind arg kurz:

„Die digitale Transformation dürfte die Evolution und unsere Zukunft massiv beeinflussen. Vielleicht hilft sie, die notwendige Große Transformation zu schaffen, die die Menschheit dringend braucht.“

Zu jedem der in diesem Satz genutzten Begriffe habe ich eine These aufgestellt, sprich meine „basic believes“ formuliert. Hier sind sie:

  • Zukunft
    Ich meine, dass Zukunft nicht vorhersagbar ist!
    Das ist auch die erste These des für mich großen und leider schon verstorbenen Management-Wissenschaftlers Hans Ulrich aus St. Gallen, der in den 80iger-Jahren mit seinem Aufsatz „8 Thesen zum Wandel im Management“ die Lehre vom Management revolutionierte.
    Es mag zwar möglich sein, wenn man die Werkzeuge der Wissenschaft mit gesundem Menschenverstand anwendet, ab und zu Vorhersagen für die Zukunft zu machen, die richtig sind. Also eine Art von „Botschaft aus der Zukunft“ zu empfangen, die zu korrekt zu interpretieren aber nie gelingt.
    Mir scheint, dass die Zukunft der Menschheit mit der Metapher eines Bootes auf einem Fluss beschrieben werden kann. Der Fluß fließt in „weißes Gebiet“. Das Boot bewegt sich flußabwärts auf dem Fluss.
    Die Flussgeschwindigkeit des Flusses kann man messen wie auch z.B. sein Gefälle und weitere Daten. Daraus lassen sich aber nur sehr begrenzte Schlüsse ziehen, wie es wohl weiter geht. Mit dem Fernglas als Werkzeug kann man ein wenig in die Ferne sehen, aber auch das hilft nur sehr eingeschränkt.
    Der weitere Verlauf des Flusses (wird er breiter oder geht es reißend durch eine enge Schlucht, kommt eine Kehre oder ein Wasserfall oder versickert der Fluß plötzlich im Boden?) ist nicht vorhersagbar.
    Und in dieser Metapher wissen wir nicht einmal, ob die Menschheit das Boot auf dem Fluß oder das Wasser des Flusses ist (oder vielleicht nur ein Fischschwarm?).
  • Evolution
    Evolution hat keinen Zweck. Vielleicht versucht das Leben so sein Überleben zu sichern, wir wissen aber nicht warum und wieso.
    Ich meine, dass – so wie die Zukunft nicht vorhersagbar ist – kann auch die Evolution nicht gesteuert werden. Wir können eben kein „steering committee“ aufstellen und sagen „Bitte steuert die Evolution!“. Das wird nicht funktionieren (so wie es in den großen Unternehmen und sozialen Systemen übrigens auch nicht funktioniert).
  • Transformation
    Ich meine, dass die Evolution als nächsten Schritt wieder mal eine große Transformation machen muss und wird. Die ist notwendig, wenn es mit der Menschheit weiter gehen soll. Sie wird kommen – ganz gleich ob die Menschheit dann weiterleben oder aussterben wird. Wir wissen nichts über diese Transformation, außer dass sie eine für uns wesentliche Veränderungen bringen dürfte und uns wahrscheinlich stark überraschen wird. Der Zeitpunkt für diese Transformation kommt immer näher und dürfte schon in wenigen Generation passieren.
  • Die digitale Transformation
    Es wäre schön, wenn die digitale Transformation zu einem positiven Treiber dieser großen Transformation werden würde. Ich sehe da eine gute Chance. Schon jetzt verändert sich die Welt durch Digitalisierung – wie ich finde – zum Besseren.
    Die freundlichen Menschen vernetzen sich, die Kombination digital+sozial ermöglicht ein konstruktives Miteinander wie es früher kaum möglich war. Dank der „digitalen“ Welt entwickelt sich so etwas wie eine „Aufklärung 2.0“, die mir wichtiger zu sein scheint als das „buzzword“ von der „Industrie 4.0“, die ja nur „normaler“ digitaler technischer Fortschritt ist.

Bleibt die Frage, was wir beitragen können, dass Digitalisierung die Welt positiv verändert?

Ich weiß es natürlich auch nicht. Mein Glaube hierzu ist, dass wir nicht zu viel Reden sollten sondern Handeln müssen. Jeder auf seine Art und Weise, so wie er es am besten kann. Und dies im Verbund und Netzwerk mit den „freundlichen Menschen“ unserer Gesellschaft, wie ich sie auch auf der schönen Veranstaltung in wunderbarer Umgebung tatsächlich so zahlreich kennen gelernt habe!

RMD

P.S.
Auf der Tagung habe ich ein Buch erwähnt, das vielleicht ein wenig helfen kann, eine Ahnung zu bekommen, wie ganz anders schon unsere „kleinen“ Kinder denken – und wie hilflos das alte Denken in Schulung und Bildung dem gegenüber steht (

Erfindet Euch neu! Eine Liebeserklärung an die vernetzte Generation. von Michel Serres.

Roland Dürre
Donnerstag, der 3. März 2016

Wie ich auf der f.re.e schwach wurde.

Ich versuche mich mit Einkäufen zurückzuhalten. So gibt es für mich ein neues Hemd nur noch, wenn ich drei alte aussortiert habe. So leere ich Kleiderschrank und Schuhfach immer mehr. Das ist schon ein sensationelles Gefühl, wenn es in den Schränken immer lichter wird.

Auf unnötige Elektrogeräte und allen möglichen sonstigen Schnickschnack versuche ich auch zu verzichten. Weil ich nicht mehr so viel unsinnige Dinge kaufen will …

mobi-tableAber auf der f.re.e vor drei Wochen bin ich dann doch mal wieder zum Shopping-King geworden. Schuld war, dass da plötzlich ein wunderbarer Fahrradanhänger vor mir stand. Schon lange habe ich da einen kräftigen gesucht, den man auch so richtig beladen kann. Wo man auch ein paar Tragl Bier und dazu eine wirklich gescheite Brotzeit unterbringen kann.

Gefunden habe ich ein echtes Multitalent. Seine Erfinder Hans-Jürgen und Hubert haben ihn Mobi-Table genannt.

mobi-table1Mobi-Table hat mich sofort durch seine vielseitigen Funktionen und Einsatzmöglichkeiten überzeugt. Als Transportbox mit einer Länge von 101 cm passt er in die meisten Mittelklasse-Pkws. Und – er ist ganz einfach zu handhaben. Alle beweglichen und abnehmbaren Teile sind nicht verschraubt und können ohne Werkzeug verstellt werden.

mobi-table-autoEin spezieller Federbolzen-Mechanismus ermöglicht genauso, dass einfach per Knopfdruck die Höhenverstellung der Rahmenteile vorgenommen und die Räder abgenommen werden können.

Bei einem Eigengewicht um die 20 kg kann das Transport-Genie eine Zuladung von 150 kg transportieren! Wird der hintere Querbügel hochgezogen kann er als Handwagen für schwere Transporte zusätzlich geschoben werden. Lange und oder sperrige Teile können zwischen die beiden hochgezogenen Querbügel gestapelt und so auch sicher transportiert werden.

mobi-table5Der Mobi-Table ist auch ein wunderbarer Bollerwagen, bestens geeignet für die Enkel – oder die Vatertagstour an Christi Himmelfahrt. Da kann man mit den Kleinen wie den Großen wunderbar auf Tour gehen.

Leider wird das bei uns in der Familie erst im Mai möglich sein – dann kommt unserer zu uns, denn so lange ist schon jetzt die Lieferfrist. Aber vielleicht können wir ja schon an Christi Himmelfahrt damit auf Tour gehen.

mobi-table3Am Ziel angelangt, ist der Anhänger mit wenigen Handgriffen in eine Tisch/Sitzkombination für vier bis fünf Personen umgebaut! Sogar eine Halterung für den Sonnenschirm gibt es.

Mich hat auch erfreut, dass alle Rahmenteile hochglanzverzinkt und aus Edelstahl und Aluminium gefertigt sind. Das verwendete Dreischichtholz erweckt das volle Vertrauen, dass es auch heftigem Wind und Wetter trotzt.

mobi-table4Hergestellt wird das Wunderteil in Kleinserie in Dasing/Friedberg bei Augsburg. Und alles, was man hier auf den Bildern sieht, habe ich ganz genau so auf der Messe begutachtet und ausprobiert. Ich kann versichern: Alles ist wahr, es ist kein Apil-Scherz und eine wirklich sehr beeindruckende Innovation für eine alternative mobile Zukunft.

Auch der Preis ist vertretbar. Ab 379,00 €  ist man dabei und den Fahrradanhänger mit Deichsel und Kupplung bekommt man für um die 500,- €. Wie ich finde, sehr anständig für gute Handwerksarbeit. Hier noch der Link zur Website von Mobi-Table. Dort wird das Produkt und seine Technik beschrieben; eine PDF-Gebrauchsanweisung gibt es dort auch.

Zum #AktMobCmp am 20. und 21. Mai in Augsburg werde ich dann meinen Anhänger für die Ausstellung mitbringen!

RMD

P.S.
Einem Paar Barfußschuhe von Leguano in grellem Kanariengelb konnte ich auf der F.re.e dann auch nicht wieder stehen.

Dr. Martin Held und mein Freund Jörg Schindler halten am Dienstag, den 16. Februar 2016 in der orange bar einen spannenden Vortrag zum Thema:

Billiges Öl – Motor der Wirtschaft oder Bremsklotz der Transformation?

18:30 Uhr Einlass | 19:00 Uhr Beginn | 20:30 Uhr Ausklang | orange bar, Green City Energy, Zirkus-Krone-Straße 10, (6. OG), München

Der Eintritt ist frei.

Jörg Schindler im IF-Forum der InterFace AG

Jörg Schindler im IF-Forum der InterFace AG

Ob Autofahrer, Hausbesitzer oder Unternehmer: Alle freuen sich über die billigen Ölpreise und dass sie weniger für Energie ausgeben müssen.

Das spart Geld und wirkt kurzfristig wie ein großes globales Konjunkturprogramm. Auch für die Wirtschaft werden stimulierende Impulse erwartet.

Nur – der zentrale Verkehrsbereich bleibt weiterhin extrem vom Öl abhängig. Das ist ein Problem, das sich nicht durch ein einfaches Umschalten nach dem Motto „Öl raus, Elektrizität rein“ (und ansonsten weiter wie bisher) lösen lassen wird.

Statt hier einen Übergang in postfossile Mobilitätsformen einzuleiten, wird die Ölförderung mit hohen ökologischen Risiken in arktische Gewässer und immer größere Meerestiefen weiter ausgeweitet. Die niedrigen Preise werden als willkommene Konjunkturstützen missinterpretiert, als Anreiz, nochmals so richtig mobil „aufzurüsten“.

Was sind die Gründe für den dramatischen Fall der Ölpreise? Welchen Preis wird unsere Gesellschaft für diese Verlängerung des fossilen Ressourcenverbrauchs zahlen? Wird nicht der halbwegs verträgliche Übergang in Richtung einer postfossilen nachhaltigen Entwicklung (Große Transformation) erschwert?

Die Referenten Dr. Martin Held und Jörg Schindler sehen das Wichtigste für eine gelungene Große Transformation in Gefahr: die Anpassungszeit. Was wären die Alternativen? Wer könnte sie ergreifen? Welche Rolle spielt die Zivilgesellschaft bei dem anstehenden Transformationsprozess?

Um eine Anmeldung per E-Mail an andreas.schuster@greencity.de oder telefonisch unter 089/890668319 wird gebeten.

Die Referenten sind
Dr. Martin Held (Gesprächskreis Die Transformateure – Akteure der Großen Transformation, Vorstandsmitglied ASPO Deutschland e.V. und langjähriger Studienleiter der Evangelischen Akademie Tutzing, Tutzing)
und
Jörg Schindler (Gesprächskreis Die Transformateure – Akteure der Großen Transformation, Vorstandsmitglied ASPO Deutschland e.V. und langjähriger Geschäftsführer der Ludwig-Bölkow-Stiftung, Neubiberg)

RMD

P.S.
Falls Sie diesen Vortrag verpassen müssen, aber die Referenten gerne zu einem anderen Termin einladen wollen, vernetze ich Sie gerne. Einfach per E-Mail an mich schreiben.

Diesen Film kann ich nur jedem empfehlen, der noch ans Auto glaubt …

Mein Freund Marcus (Dr. Marcus Raitner) schreibt in seinem Blog „Führung erfahren“ regelmäßig zu wichtigen Themen des Projekt Management. Diese Woche ist er einen Schritt weiter gegangen und hat über „Vom Besitzen zum Benutzen“ reflektiert. Wie ich finde ist das wieder ein sehr lesenswerter Post!

Das hat mich auf eine absurde Idee gebracht. Nehmen wir mal an, jeder könnte jedes Auto benutzen, das herum steht. Vergessen wir in dieser Fiktion mal, dass Autos ja auch tankt, gepflegt und gewartet werden müssen. Weil es so eine Art von Heinzelmännchen gibt, die das machen. Zum Beispiel die Millionen Arbeitslosen, die bei uns im Lande nichts zu tun haben.

Vergessen wir unsere persönlichen und so emotionalen Beziehungen zu den Autos (Mein Golf Diesel ist mein bester Freund).

Nein, wir wollen einfach irgendwohin und steigen in das nächste Auto ein. Am Ziel steigen wir aus und lassen es stehen.

Wenn jetzt jemand von Euch Angst hat, dass es irgendwo mal einen Engpass geben könnte, dann schlage ich vor, dass wir die eine Million Autos, die in Deutschland irgendwo auf Halde oder den großen Plätzen der Neu- und Gebrauchtwagen-Händler herumstehen, gedanklich dazu nehmen.

Dann wäre uns doch allen schlagartig klar, welchen absurden „Luxus“ wir uns hier leisten. Wie gigantisch viel Geld, Metall, Verbrauch, Konsum, Energie in all diesen Blechkisten steckt. Wie diese Masse unseren Lebensraum reduziert und die Lebensqualität beschädigt.

Und ich würde weiter mein Fahrrad nehmen und mich durch die Blechlawinen schlängeln. Weil ich den Spaß an der Bewegung brauche, gerne an der frischen Luft bin und nicht in engen Räumen – zur untätigen Aufmerksamkeit verurteilt – eingesperrt sein mag. Das wollte ich übrigens schon als Kind nicht.

RMD

P.S.
So möchte ich an dieser Stelle wieder auf unsere Bewegung #AktMob und seine Camps #AktMobCmp hinweisen.

Roland Dürre
Samstag, der 16. Januar 2016

ASK AN ANSWER.

Jolly Kunjappu

ist ein guter Freund. Kennengelernt haben wir uns auf einer Veranstaltung zugunsten der Münchner Schachstiftung. Die Münchner Schachstiftung kümmert sich um die ärmsten Kinder Münchens. Gemeinsam mit Schulen versucht sie diesen verlorenen Kindern das Schachspiel zu lehren. Ein erfahrener Münchner Streetworker hat mir berichtet, dass man an manche Kinder, die geistig verwahrlost sind und außerhalb jeder Gesellschaft leben, mit Schach noch am besten ran kommt.

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Jolly hat einen wunderbaren Vortrag für die Stiftung oder besser gesagt für die von der Stiftung betreuten Kinder gehalten. Ich war eingeladen, durfte ihn hören und anschließend kennenlernen. Mir war sofort klar, dass wir Verbündete im Denken, Geist und auch im Handeln sind. So sind wir Freude geworden.

Ask-an-Answer_1m-185x300Jetzt hat er ein Buch geschrieben. Es ist zweisprachig (in Deutsch und Englisch) und heißt ASK AN ANSWER. Kurz vor Weihnachten lag es mit lieben Grüßen des Autors bei mir im Briefkasten. Im Buch sind Jolly’s Gedanken aus vielen Jahren, mal kürzer und mal ein wenig länger.

Und ähnlich wie bei Seneca finde ich alle Gedanken sehr bemerkenswert. So ist ASK AN ANSWER eine ganz feine Botschaft für eine bessere Welt, in der sich Jolly mit viel Respekt und doch recht  klar äußert.

Es war ein wunderbares Weihnachtsgeschenk, in dem ich über die „ruhigen Tage“ gerne geblättert und gelesen habe. Und das mir Mut und Freude beschert hat.

Und besonders freut mich, dass wir gemeinsam im kommenden Frühling ASK AN ANSWER bei InterFace vorstellen werden. Jolly wird im Mittelpunkt stehen und ich hoffe, für einen würdigen Rahmen sorgen zu können.

Und wer den April nicht erwarten kann und das Buch schon jetzt lesen möchte, darf sich gerne per E-Mail an mich wenden.

RMD

P.S.
Kann gut sein, dass man das Buch auch im Indian Mango erwerben kann. Das ist Jolly’s indisches Restaurant in München in der Zweibrückenstraße. Dort kann man sehr lecker speisen und gleich dabei ein wenig quer lesen. Das ist dann doppelter Genuss!

Roland Dürre
Samstag, der 19. Dezember 2015

Thesen zu Zukunft und Vergangenheit von Kulturtechniken

Slideshow_startIn der Schule habe ich gelernt, dass es so „grundlegende Kulturtechniken“ gäbe. Die notwendige Basis der Weiterentwicklung von uns Menschen wären. Wie Rechnen oder Lesen und Schreiben.

Wie sieht es heute damit aus?

Rechnen

Wer beherrscht noch das Einmaleins? Wer kann noch im Kopf rechnen, will sagen wer kann noch Zahlen ohne Papier addieren, subtrahieren, multiplizieren oder dividieren? Besonders wenn sie ein paar Stellen mehr haben und man Ergebnisse „zwischenspeichern“ muss?

Wer beherrscht noch die formalen Methoden, auf Papier zu subtrahieren und multiplizieren oder auch nur eine längere Zahlenkolonie zu addieren? Dies ohne erst länger nachdenken zu müssen, wie das doch eigentlich war? Oder wer kann gar noch eine Wurzel ziehen? Nur mit Stift und Papier? Mit solchen Aufgabenstellungen kann man im Bewerbungsgespräch auch akademisch gebildete Kandidaten rasch in tiefste Verzweiflung stürzen.

Ich meine, rechnen ist eine Kulturtechnik, die gerade verschwindet. Eigentlich fast schon verschwunden ist. Wir brauchen sie auch nicht mehr, denn unsere kleinen elektronischen Helferlein können es halt so viel besser.

So können viele Menschen nur noch rudimentär rechnen. Die Kinder lernen es sowieso nicht mehr. Vielleicht würden die sich für solche exotischen Dinge wie Kopfrechnen in „unschooling“-Verhältnissen interessieren (oder in einer Sudbury-Schule). Aus intrinsischer Motivation, spielerisch.

Auf den „normalen“ Schulen dieser Welt aber wird es nicht mehr funktionieren. Weil diese immer mehr sich zu quasi-militärischen Lehranstalten entwickeln, in denen absolut-hierarchischen Strukturen herrschen. Die die Kinder nach einem „Schema F“ unterrichten (oder besser abrichten). Auf diese Art schafft man es (natürlich) nicht, Kindern etwas rein zu pressen, das anstrengend ist, obwohl man es offensichtlich nicht mehr braucht.

Deshalb wird die Kulturtechnik des Rechnens nur noch sehr rudimentär erhalten bleiben. Und das finde ich überhaupt nicht schlimm. Habe ich doch bei meinem Lehrer F. L. Bauer (Informatik-Pionier der 2. Generation) gelernt, dass vor noch ganz wenigen Jahrhunderten die Kunst des Multiplizieren nur an einer einstelligen Anzahl im untersten Bereich von Hochschulen gelehrt wurde. Damals übrigens auf der Basis von Logarithmus-Tafeln – mit entsprechend unscharfen Ergebnissen.

Will sagen, zum Glücklichsein, brauch ich keine Kulturtechnik, bei der ich mich anstrengen muss. Und die mir überhaupt nichts bringt, außer dass mir am Schluss dann auch noch der Kopf weh tut!

Lesen & Schreiben

Diese Kulturtechnik ist noch nicht so ausgerottet wie das Rechnen. Allerdings steigt nicht nur in „fortschrittlichen“ Ländern die Anzahl sowohl der echten wie besonders der „rudimentären Analphabeten“ stark. Folgerichtig wird in den USA bei der Ausschreibung von öffentlichen Web-Anwendungen als Teil der Barriere-Freiheit gefordert, dass die Website auch für „des Lesens nur rudimentär fähigen Menschen“ zugänglich sein muss.

Auch diese Entwicklung erscheint mir logisch und klar. Audio und Video sind im Vormarsch, der Podcast schlägt natürlich den Post, Youtube & Co die Zeitung usw.

Ich meine diese Aussagen übrigens nicht ironisch sondern sehr ernst. Es wird in diese Richtung weitergehen. Dazu noch ein paar steile Thesen:

  • Die hohe Zeit von Schreiben und Lesen kam mit den PCs und Laptops.
    Schreiben mit der Hand war und ist grauenhaft. Die Schrift wurde für den und nicht dem Schreiber optimiert. Früher war das Licht zum Lesen wie das Augenlicht der Leser schlechter.  So sind Schrift – und Handschrift – sehr aufwändig um redundant sein. Erst die Druckmaschinen und später Johannes Gutenberg mit seiner Erfindung der beweglichen Metalllettern hat schriftlichen Medien zum Durchbruch gebracht. Die Schreibmaschine hat die Erstellung von lesbarer Schrift ein wenig leichter und der Computer dann – trotz grauenhafter Software wie word – super einfach gemacht. So gab es einen letzten Höhepunkt des Schreibens, der mit „vi“ begann und jetzt endet. Schauen wir uns nur die Texte an, die auf Mobilen Telefonen und Tablets  erzeugt werden (ist das mittlerweile nicht dasselbe?).
  • Malen und zeichnen zu lernen ist leichter als Lesen und Schreiben.
    Die meisten Techniken verschwinden, wenn sie ihren Höhepunkt erreicht haben. So wird es auch der Schrift gehen. Sie dürfte vom Zeichnen und Malen abgelöst werden.Viele Menschen sagen, dass sie nicht malen könnten. Das ist falsch, die Erzeugung von Bildern und das Ausdrücken in Bildsprache sind sehr leicht erlernbar.
  • Die Technologie wird gerade reif für Zeichnen und Malen.
    Bisher konnte man nur auf Papier ordentlich malen. Das hatte seine Nachteile, die elektronischen Helferlein waren noch nicht in der Lage, uns so zu unterstützen wie der „word processor“ den Schreiber. Jetzt aber kommen die Tablets – und plötzlich wird malen elektronisch einfacher als auf Papier, so wie anno dazumal das Schreiben. Undo, Versionierung, Layout-Schichten und viele tolle Features beseitigen die großen Einschränkung des Malen auf Papier! Und es scheint da erst so richtig los zu gehen!
  • Die Zukunft gehört den Bildern und dem Ton.
    Bilder sagen mehr als 1.000 Worte. Das ist eine Erkenntnis des frühen Marketing auf mobilen Fahrzeugen wie auf Straßenbahnen. Textliche Werbung hatte auf Straßenbahnen versagt, weil diese immer schon um die Ecke waren bevor die Adressaten die Texte entziffern konnten. Mit Bildern und ganz wenig Worten ging das dann viel besser.
  • Konsens kann vielleicht mit Visualisierung erreicht werden.
    Das halte ich für einen ganz wichtigen Nebenaspekt. Gelingende Kommunikation ist wohl das schwierigste überhaupt. Seit Jahrtausenden versucht man Konsensfindung durch sprachliche und schriftliche Kommunikation zu schaffen. Und ebenso lange scheitern wir, wie die Geschichte zeigt. Lasst es uns doch mal mit Bildern versuchen?

So behaupte ich:
Die Zukunft gehört den Bildern und dem Ton. Schreiben können wird gesellschaftlich so unwichtig werden wie rechnen. Rudimentäres Lesen wird völlig ausreichen, um ergänzende Informationen wie zum Beispiel die Präzisierung von Details zu verstehen. Der Hauptgrund für diese Entwicklung ist, dass die digitale Welt endlich Bilder genauso leicht und einfach erzeugbar und zugänglich macht wie der Taschenrechner das Rechnen oder die aktuellen Kollaborationwerkzeuge den Umgang mit Dokumenten. So werden zumindest langfristig das Malen, Skizzieren, Zeichnen auf dem Tablett (und seinen Nachfolgern) genauso die „Kulturtechnik“ Schreiben&Lesen ablösen wie der Taschenrechner die „Kulturtechnik“ des Rechnen verdrängt hat.

„Weil es so einfach ist!“ oder „Weil es einfach so ist!“

🙂 Auch wenn dann der IF-Blog zum PodCast- oder/und zum Bilder-Blog wandeln muss.

RMD

Anmerkung: Schon heute schaffen zum Beispiel Filme mehr Konsens als die großen Romane der Vergangenheit. Und je mehr die Kunst des Lesens verloren geht, um so wichtiger werden Audio und Video.

P.S.
Das Bild ist von der Website von Visual-Braindump (Christian Botta & Daniel Reinold).

 

Roland Dürre
Samstag, der 12. Dezember 2015

Klimakonferenz

Die Klima-Konferenz (fast hätte ich Klima-Katastrophe geschrieben) geht heute zu Ende. Angeblich erfolgreich. Wenn ich die Nachrichten höre, verstehe ich allerdings nicht, wo der Erfolg sein soll und was sich ändern wird.

actmobcmp_100-300x86Deshalb nehme ich hier Stellung und schreibe, was ich für dringend erforderlich halte. Nur mal uns in Deutschland betreffend, denn zuerst sollte man immer vor der eigenen Haustür kehren. Ich meine, eigentlich wäre das ganz einfach mit dem Klima. Man müsste nur ein wenig Mut haben und handeln.

Ich beginne mit der Öllampe. Sie ist das beste Beispiel für ein fossile Energien benötigendes Produkt. Sie wird aus Eisen hergestellt. Das braucht Rohstoffe und Energie. Wird sie genutzt, braucht sie laufend Öl.

Deshalb haben die frühen Anbieter schnell begriffen, dass man die Lampe am besten her schenkt und am Verbrauch (Supply) bestens verdient. Ein wunderbares Geschäftsmodell, dass sich bis heute in vielen Branchen bewährt hat.

Die Öllampe ist deshalb so schlimm, weil sie wohl eine der teuersten Techniken ist, um die Nächte ein wenig heller zu machen. Und weil die Ärmsten der Armen ihr Licht wesentlich genau mit dieser kostspieligen Methode erzeugen.

Hier scheint mir auch ein Problem zu liegen. Denn gerade Licht ist wichtig, ermöglicht es doch erst in dunkler Nacht,wenn das Tagwerk vollbracht ist, zu lesen und sich so weiterzubilden.

Man braucht also Energie zur Herstellung und zum Betreiben eines Systems. Bei vielen Produkten muss man also erreichen, dass bei der Herstellung und dann im Betrieb möglichst keine fossilen Energien verwendet werden.

Daraus folgt ganz logisch, dass wir auf den Verbrauch der Systeme genauso schauen müssen wie auf den Erst-Invest von Energie bei der Herstellung. Gehen wir erst zum Verbrauch:

  • Die erste Regel:
    Ab sofort muss der Verbrauch aller fossilen Energien spürbar und in gleichem Maß besteuert werden. Das alle ist wichtig, die Besteuerung muss also auf den Verbrauch auf Kerosin genauso hoch erfolgen wir auf Benzin und Diesel. Hierzu ist dann auch eine Angleichung notwendig, dies bedeutet eine Erhöhung der Besteuerung von Diesel. Und wenn die EU sich beklagt, dass schädliche Deflation entsteht, weil die Ölpreis in den Keller fallen, dann gibt es doch auch nur eins – nämlich das zu billige Öl besteuern.
    Merke:
    Energie muss teurer werden, damit sich die Einsparung durch Technologie und der Verzicht lohnen!
    Und ich bin sicher, dass die Länder, die als erste damit beginnen einen technologischen Vorsprung gewinnen werden.
  • Die zweite Regel:
    Alle Subventionen, die die Anschaffung und den Betrieb von Systemen unterstützen, zu deren Erstellung und Betrieb fossile Energien genutzt werden, müssen sofort ersatzlos gestrichen werden. Das beste Beispiel ist hier die immense Mehrwert-Steuerentlastung für die sogenannten „Geschäftsautos“. Aber auch die auch enorme Subvention des gesamten automobilen Verkehrs, indem unter anderem alle Folgekosten sozialisiert werden.
  • Erste ergänzende Maßnahme:
    Um Bewusstsein für die Veränderung zu schaffen, muss sofort ein drastisches Tempolimit eingeführt werden. Ich bin hier für Modell 200 (Autobahn 100 km/h, Landstraße 70 km/h und innerstädtisch 30 km/h. Diese Maßnahme würde sofort die durch den motorisierten Individualverkehr verursachten Todesfälle drastisch senken wie auch die Feinstaubbelastung wesentlich reduzieren.
  • Zweite ergänzende Maßnahme;
    Flankierend muss den Menschen ins Bewusstsein gebracht werden, dass Bier in Dosen wie Joghurt in Plastik (und ähnliches) alles andere als die Lebensqualität verbessert. Dass „Aktive Mobilität“ eher glücklich macht als das Wochenende in London oder der Kurztrip nach New York oder in die DomRep. Dass es sicher schön ist, mal Australien zu  besuchen, es da aber auch wunderbare regionale Alternativen gibt.
  • Vielleicht müssen als Medizin gegen das Gift der Katzengoldverkäufer und Glückseinflüsterer (genannt die „Marketing-Industrie“) Kampagnen gestartet werden, die aufzeigen, dass es eben kein einfaches „Kauf Dich glücklich!“ gibt. Auch wenn das uns mit filigranen Methoden und Techniken zur Manipulation von Menschen und dem Einsatz von Milliarden-Beträgen beständig suggeriert wird.
  • Wir müssen uns aber uns auch wieder bewusst machen, dass langfristige Nutzung von Dingen auch fossile Energien spart. Gerade bei Infrastruktur-Objekten wird so oft vergessen, dass da eine langfristige Nutzung effizienter ist als der Neubau. So jubelt München über seine neue Konzerthalle, die es gegenüber dem Ostbahnhof bekommen soll. Und vergisst dabei völlig, dass da wieder ein kosten- und energieintensives Großprojekt gestartet wird, das wahrscheinlich auch wieder jeden Rahmen sprengen wird. Wie auch völlig vergessen wurde, dass die Diskussion über den Konzertsaal eigentlich mit der Frage gestartet wurde, wie man mit dem Gasteig weitermachen solle. Wenn der jetzt flach gemacht werden sollte (weil München eben keine zwei Säle für Großkonzerte braucht, dann wäre das endgültig der ökonomische und kaufmännische Unsinn per Exzellenz. Und auch alles andere als fossile Energien schonend. Aber um die weitere Verwendung des Olympia-Stadions – das ja auch saniert werden muss – macht sich ja auch keiner Gedanken außer dem Stadtkämmerer. Vielleicht genügt es ja, wenn dies als Sportruinen-Denkmal in ein paar Jahren an die Zeit erinnert, wo man in Deutschland noch an die einigende Kraft von olympischen Spielen geglaubt hat und alle dafür waren.
  • Investitionen, die den Verbrauch fossiler Energien fördern, müssen natürlich auch sofort gestoppt werden. Es darf eben keine dritte Startbahn in München geben, genauso wie der Ausbau des Flughafens Memmingen nicht nur ökologischer Blödsinn ist.
  • Erste Anmerkung:
    Ich höre oft den Einwand, dass die Probleme durch elektrische Mobilität gelöst werden können. Das ist natürlich auch Unsinn. Elektroautos sind in der Herstellung alles andere als nachhaltig. Im Betrieb brauchen sie uneffizient viel Strom, der weltweit überwiegend und auf Jahre absehbar durch Verbrennung von Kohle produziert werden wird. Der Elektroantrieb hat sicher eine gute Chance als Unterstützer bei aktiver Mobilität und bei Infrastruktur, z.B. bei Lieferfahrzeugen, die die letzte Meile organisieren.  Aber die individuelle Mobilität mit Verbrennungsmotoren durch Batterie-Fahrzeuge 1 : 1 ersetzten zu wollen, das ist schon sehr dümmlicher „Bullshit“. Und Feinstaub durch Reifenabrieb oder der Lärm durch das Ablaufgeräusch verschwinden ja auch nicht, wenn das Auto elektrisch wird.
  • Zweite Anmerkung:
    Auch weitere Einwände sind mir alle bekannt: Die Situation des Bürgers auf dem Land, die Schädigung der Automobil-Industrie, der Wegfall von Arbeitsplätzen und so weiter. Auch da sage ich: Das ist alles Unsinn. Veränderung muss und wird sowieso stattfinden, und meistens gewinnt der, der sich früher anpasst. Zwar erscheint mir eine Senkung unseres Wohlstandes unausweichlich, aber wir haben eine große Wohlstandsreserve. Und wir sollten uns mehr Sorgen über die Zerstörung der Restwelt machen, mit den auch für uns üblen Folgen. Oder über die starke Polarisierung unserer Gesellschaft in Arm und Reich, die mit einer gleichzeitigen Reduzierung des Mittelstandes und einer Verschiebung vieler in den Armutsbereich daher geht. Und uns überlegen, wie wir uns gegen Konzerne aller Branchen wehren, die sich verselbstständigt haben und mit Lobbyismus und anderen Maßnahmen eine feige Staatengemeinschaft manipulieren und ignorieren.
  • Dritte Anmerkung:
    Jetzt sehe ich noch das Argument kommen: Was hilft es, wenn wir es machen und die anderen nicht. Wie die bösen Amerikaner, Chinesen und Inder? Die weiter Kohlendioxid in die Luft blasen. Dazu meine ich, einer muss ja anfangen. Und der Rest sieht ja wo er hin kommt. Und ich vermute, dass die uns ganz schnell folgen werden und wir dabei kräftig verdienen werden können.

Es ist halt wie immer. Das Abkommen von Paris zu unterschreiben, mag ja ganz nett sein. Nur – wir dürfen darüber das Handeln nicht vergessen und müssen STARTEN. Und zwar jeder ganz individuell!

RMD

P.S.
Im Abstand von ganz wenigen Tagen meine Einwände zu dem angeblichen guten Ergebnis von Paris:

  • Können / dürfen wir wirklich noch 5 Jahre warten?
  • Es gibt keinerlei Verbindlichkeit.
  • Die ersten Staaten machen schon Absetzbewegungen (USA)
  • Notwendige  aber mutige Entscheidungen nationaler Regierungen (siehe meine Liste oben) werden in keiner Art und Weise von den Vereinbarungen befördert.
  • Irgendwie hat sich nichts geändert, außer ein paar schönen Worten als gemeinsame Absichtserklärung.

 

Roland Dürre
Samstag, der 28. November 2015

PM Camp Dornbirn – zwischen Anspruch und Realität?

pmcamp-logo-dornbirnDas PM-Camp in Dornbirn 2015 war auch im Rückblick recht gelungen. Die meisten (eigentlich alle) Teilnehmer haben sich sehr wohl gefühlt und sind hoch zufrieden nach Hause gefahren. Das finde ich toll.

Viele Teilnehmer haben auch unseren Rückmeldebogen genutzt. So haben uns (das Orga-Team) viele konstruktive Rückmeldungen erreicht. Die arbeite ich gerade durch, so wie auch die Twitter-„Timeline“ zu unserer Unkonferenz. Die „Timeline“ kann man unter dem Hashtag #PMCampDOR nachlesen. Was übrigens viel Spaß macht, es ist eine Retrospektive mit vielen nützlichen Links entstanden.

Das Feedback war statistisch wie in den Einzeläußerungen sehr positiv. Das hat dem Orga-Team gut getan. Barcamps sind etwas Besonderes. Sie basieren auf Freiheit, Augenhöhe, Partizipation, Gleichberechtigung. Das kann man auch als „Schwächen“ sehen. Allerdings Schwächen, die mir persönlich sehr gut gefallen. Ein Barcamp lebt aus dem Augenblick. Man kann es nicht steuern, die „Sitzungen“ (Sessions) entstehen im Kontext zum gerade Erlebten. So soll es sein. Und das ist gut so!

Anders gesagt:
Freiheit und Verschiedenheit können auch polarisieren. Es entstehen Schwerpunkte und Annahmen, die nicht immer jedem gefallen. Das muss man aushalten können, so wie auch Freiheit nicht immer leicht zu ertragen ist. Die Toleranz braucht.

Auch die Demokratie hat ihre problematische Seite. Die äußert sich schon in der Frage, wie man Demokratie am besten organisiert? Ich denke an die leidenschaftliche Diskussion  von „direkter Demokratie versus parlamentarischer“ – die eine gilt als die Lösung (wie in der Schweiz) und wird auch als hochgefährlich eingestuft wird (wie bei uns, weil wir glauben, dass das Volk so dumm ist). Und auf der anderen Seite sind viele mit unserer „parlamentarischen Demokratie“ gar nicht mehr glücklich.

Unkonferenzen sind demokratisch. Sie leben ganz besonders von den Menschen, die teil nehmen. Man trifft sich – im Unterschied zu Konferenzen – in einem relativ freien und nur wenig formatierten Raum. So können sich gruppendynamische Entwicklungen ergeben, die nicht jedermann gefallen. Aber jeder hat auch die Möglichkeit, dagegen zu steuern.

PM-Camps sind sehr pluralistische Treffen. Es trifft sich männlich und weiblich, alt und jung, Berufseinsteiger und -aussteiger, erfolgreiche und weniger erfolgreiche, Studierte und welche dies gelernt haben, ernste und lustige Menschen, „nicht so wohlhabende“ und „reiche“ usw. Vielleicht können solche Barcamps ein wenig den Spagat zwischen ICH und WIR schaffen und die Spannung zwischen „individuellen“ und „kollektiven“ Bedürfnissen lösen.

Und wie für Projekte gilt, dass Technologie und Werkzeuge nicht mehr das Problem sind. Auch die vorhandenen Methoden taugen in der Regel mehr oder weniger. Die meisten Projekte scheitern jedoch, weil es „menschelt“. Das ist auch die Gefahr bei barcamps. Man kann nicht allen alles recht machen. So wurden in Tweets wie in den Feedback-Bögen manche Details gleichzeitig sehr gelobt und kritisiert.

Neben den positiven Rückmeldungen gab es auch Kritik und Vorschläge für Verbesserungen. Die Verbesserungsvorschläge werden wir – soweit sie nicht den Prinzipien der Freiheit des Barcamps widersprechen – sehr ernst nehmen. Genauso wie wir uns die Kritik zu Herzen nehmen werden. Allerdings könnte man auch sagen:
Bei einem Barcamp ist manche Kritik des Teilnehmers auch Kritik an sich selber.

Ich liste mal ein paar der Rückmeldungen auf und kommentiere sie:

Positives Feedback:

Die positiven Rückmeldungen sind die große Mehrheit. Obwohl es Spaß machen würde, hier alle zu zitieren, erwähne ich nur ein paar:

Wenn es das PMCamp noch nicht gäbe, müsste man es erfinden!!

Ich komme wieder!

Ich konnte sehr viele Erkenntnisse mitnehmen, Erfahrungen und sehr interessante Bekanntschaften machen!

Weiter so, nicht regulieren!

Die Atmosphäre war sehr vertraut und angenehm, die Gespräche haben auf Augenhöhe stattgefunden!

Da könnte ich so weiter machen – und ganz oft gab es ein

Großes Dankeschön!

und 100 % haben die Frage:

„Würdest Du das PM Camp einem Kollegen / einer Kollegin weiter empfehlen?“

mit JA beantwortet.

Darüber haben wir uns natürlich sehr gefreut. Alle positiven Rückmeldungen werten wir im Orga-Team gewissenhaft aus. Gilt doch für Gemeinschaften, wie für Menschen bei der „Persönlichkeits-Entwicklung“ (oft auch Management oder Führungs-Training genannt), dass man zu erst mal seine Stärken fördern soll und nicht immer versuchen soll, die Schwächen abzubauen. Weil das Zweite meistens eh nicht gelingt und das Erste so viel mehr bringt. So wollen wir auch gerade das, was schon gut ist, noch besser machen.

Ich habe aber auch Beispiele von

negativem Feedback:

das WLAN auf dem Camp war eine Katastrophe …

Ja, das war so. Ich weiß aber, wie sehr sich gerade Stefan im Vorfeld und während der Veranstaltung bemüht hat, an der Uni für eine Verbesserung der Situation zu sorgen. Ich hatte am Vorabend auch noch einen Dialog mit einem der Spezialisten, der mir die Problematik klar machte. An der Uni wurden auch Anstrengungen unternommen, aber sie haben es halt wieder nicht geschafft. Aufgrund hoch komplizierter Sicherheitsaspekte sind die Systeme so aufgesetzt, dass die Techniker es nicht hinkriegen. Natürlich werden wir im nächsten Jahr versuchen, das Thema besser hinzukriegen. Wir sollten aber auch wertschätzen, wie viel die Fachhochschule Dornbirn als Sponsor für uns tut und da ein wenig gnädig sein.

Info zu Parkmöglichkeiten fehlte!
Ja – die lieben Autofahrer 🙂 .

Präzisere Ankündigung der Veranstaltung (Beginn, Ende) auf der Website.
Das kann man natürlich verbessern.

Fotos der Sessiongeber helfen bei der Orientierung.
Leider war „Aebby“ (Eberhard Huber) kurzfristig verhindert, so blieb auch seine Polaroid-Kamera in Baden-Württemberg.

Zu
Ice-Breaking, Moderation und Vorstellungsrunde
waren die Kritiken/Vorschläge sehr gegensätzlich. Die einen wollten eine Vorstellungsrunde, die andern keine. Die einen mehr, die anderen weniger Moderation und/oder „ice-breaking. Ich würde sagen, das war so fifty/fifty.

Viele Gedanken und Verbesserungsvorschläge in den Feedback-Bögen drehen sich um
„Newbees“ und „Klassentreffen von alten PM-Camp’lern) und wie man die Qualitätsverbesserungen von Sessions zum Beispiel durch Coaching-, Mentoring- oder Moderationsangebote erreichen kann.
Eine leichte Mehrheit hat hier eine explizite Unterstützung für Newbees gewünscht, der Rest meinte, dass dies ganz gut „automatisch“ gelungen wäre. Ich meinte auch herauszulesen, dass bei kleineren PM-Camps wie in Barcelona besser gelingt als bei so großen wie in Dornbirn. Also fast indirekt eine Kritik, dass Dornbirn zu groß wird.

Kritik wurde auch an einzelnen Sessions und dem Angebot von Sessions geübt.

Die Sessions waren zu IT-lastig.

Vermisst habe ich die Spiele.

Die Sessions des zweiten Tages sollten mehr auf denen vom Vortag aufbauen.

Prinzip und die Varianten von Sessions sollte im Vorfeld gerade für die „newbees“ besser erklärt werden.

Alles, das den Rahmen für die Sessions verbessert, unterstütze ich. Ich meine aber, dass die Organisatoren sich nicht in den Inhalt der Sessions einmischen sollten. Die gehören den „Teil-Gebern“. Die Organisatoren haben die Chance, durch formulieren des Mottos und Auswahl der Impulsgeber im Vorfeld die Menschen, die an diesen Botschaften interessiert sind oder sich daran reiben wollen zum Kommen zu motivieren. Und das sollte genügen.

Auch Herausforderungen für die Zukunft wurden genannt, hier hat mir eine besonders gut gefallen:

Das hohe Niveau zu halten wird DIE Herausforderung der Zukunft sein.

Das sehe ich auch so!

Nebenbei: Auch im offiziellen Blog der GPM gab es neben (zu) viel Lob einiges an Kritik fürs PM-Camp Dornbirn. Dort hat Reinhard Wagner in einem post vom PM-Camp in Dornbirn berichtet und sich im letzten Absatz doch recht negativ geäußert (… Anspruch konnte das PM Camp nur bedingt gerecht werden. …).
Weil ich hier eine Reihe von Missverständnissen sehe und ich auch persönlich erwähnt wurde, habe ich mich im folgenden mit den Aussagen von Reinhard „dialektisch“ auseinandergesetzt und versuche hier ein paar Dinge richtig stellen.


Hier geht es los mit dem Text des letzten Absatzes von Reinhard im GPM-Blog. Die kursiven Teile sind zusammen der komplette letzte Absatz, den ich 1:1 aus dem Post von Reinhard (RW) kopiert habe. Dahinter mit „normalem“ Font stehen immer meine Kommentare (RMD), so also immer abwechselnd.

(RW) … Das Motto des diesjährigen PM Camp Dornbirn war „Musterbrechen“ (Welche Muster sollten wir im PM brechen und wie kann der Musterbruch gelingen?). Diesem Anspruch konnte das PM Camp nur bedingt gerecht werden. Dies ist aus meiner Sicht auch das Dilemma der gesamten „PM Camp“-Bewegung.
(RMD) Nicht nur das PM-Camp sondern die ganze menschliche Gemeinschaft hat dieses Dilemma, dass Veränderung nicht in dem Masse  gelingt wie dies notwendig oder zumindest wünschenswert wäre. Das belegt die aktuelle Geschichte (Kriege, Terrorismus, Zerstörung des Planeten …).
Mein Problem mit den Sätzen von Reinhard ist, dass ich als Anspruch eines PM-Camps eigentlich nur sehe, a) ein guter Gastgeber zu sein und b) die „richtigen Teilgeber“ zu finden. Das ist auch das Ziel des Orga-Team Dornbirn für „unser“ PM-Camp. Und wie ich meine auch der der gesamten „PM-Camp-Bewegung“.
Jedes Jahr besprechen wir im PM-Forum (unser strategisches Organ aller PM-Camps), wie wir das am besten hinkriegen. Da treffen sich die Vertreter der regionalen Orga-Teams (die operativen Veranstalter, die die Camps machen) und des Kern-Teams (die normative Ebene der Gründer). In dieser Klausur tauschen wir aus, wie wir es besser machen können, dass Ihr – unsere Gäste und Besucher – noch besser Wissen austauschen, Konsens finden und Erkenntnis gewinnen könnt.
Das Orga-Team eines PM-Camps hat vor allem die Rolle des Gastgebers. Es sucht Sponsoren und finanziert so gemeinsam mit den Beiträgen der Teilnehmer/Teilgeber die Veranstaltung. Ergänzend versuchen wir durch gedankliche Anregungen (im Vorfeld ein Motto wie zum Beispiel die Metapher des „Musterbrechen“) und auf dem Camp durch Impulsvorträge (das Was) und Vorschläge zur Methodik (das Wie) das Gelingen zu fördern, ohne aber den Kern eines barcamps zu gefährden. Wir sind achtsam bemüht, dass nicht klammheimlich aus der „Unkonferenz“ eine Konferenz oder Kongress wird.
Zur Erinnerung:
Ein PM-Camp ist nichts anderes als ein Barcamp, dass sich besonders an Projekt Manager, Manager, Unternehmer, Führungskräfte richtet, eigentlich an alle Menschen, die bereit sind Verantwortung für Zukunft zu übernehmen. Es gibt diesen eine Plattform zum Austausch und unterstützt so die Vernetzung.

(RW) Die „jungen Wilden“ (sorry Roland Dürre) wollen sich „krampfhaft“ von den etablierten Größen der Branchen, allen voran die GPM, das PMI oder die PRINCE2-Community abgrenzen.
(RMD) Zu den jungen Wilden: Da sehe ich mich ja nicht mehr ganz so. Mit dieser Metapher habe ich manch jungen start-up gemeint. Die legen schon ganz anders los, als ich es von „etablierten Unternehmen“ gewohnt bin. Und wenn ein Start up mal so richtig Erfolg hat, dann ganz gewiss nicht, weil er in Projekten denkt.
Aber zurück zum Text: Allein schon die Wortwahl „etablierte Größen der Branche“ zeigt die problematische Positionierung von Reinhard. Ich sehe die „PM-Camp-Bewegung“ in keiner Rivalität mit „etablierten Größen der Branche“. Denn wir sind eben kein Verband. Wenn, dann sind wir eine Alternative für die, die sich in einem freien Rahmen treffen wollen, um Wissen und Erfahrung auszutauschen. Auf einem PM-Camp regt man sich gegenseitig zum Nachdenken an. Da treffen sich die ICHs „als Teil vom“ WIR. Das hat nichts mit einem Verband oder ähnlichen Strukturen zu tun. Auch deshalb darf und wird das Orga-Team keine proaktive Empfehlungen geben.
Die „PM-Camp-Bewegung steht übrigens in enger Abstimmung mit openPM, dem offenen Portal mit Plattform zum freien Austausch für alle Projekt Manager. openPM ist ein gemeinnütziger Verein, den ich auch nicht in Rivalität zu den „etablierten Größen“ sehe. So hat auch openPM nichts mit den genannten Vereinen/Verbänden zu tun.
Ich persönlich hüte mich deshalb vor Vereinen und Verbänden, weil in meiner Wahrnehmung diese sich oft im Besitz der „Wahrheit“ wähnen, diese in „Gesetz- und Regelbücher“ fest schreiben und und dann Lehren und so ihr (vieles) Geld verdienen. Da grenze ich mich ab, aber nicht krampfhaft sondern einfach eindeutig im Sinne von klar.

(RW) Das Muster „agil“ versus „traditionell“ wird allzu oft bemüht. In fast allen Diskussionen wird immer wieder der Vergleich „Industriezeitalter ist alt und schlecht“ versus „Informationszeitalter ist jung und gut“ bemüht, das gleiche wird auf „Wasserfall“ versus „Scrum“ usw. übertragen.
(RMD) Hier hat Reinhard wohl etwas falsch verstanden. Mag sein, dass es da vor Jahren Fronten gab. Um diesen Unsinn zu beenden, starteten wir in 2011 in Dornbirn ein PM-Camp mit dem Motto „Brücken bauen“.
So habe ich auf dem PM-Camp in Dornbirn kaum Konflikte „agil“ versus „traditionell“ oder ähnlich wahrgenommen. Im Gegenteil, alle die ich gehört habe – auch die Impulsgeber – haben betont, dass alles seine Rechtfertigung hat, man sich nur gut überlegen muss, was man wann und für welchen Zweck einsetzt.
Ich meine eh, dass zu „agil“ alles was wichtig ist im „agile manifesto“ geschrieben wurde. Das, was dort steht, ist eine Empfehlung, den „gesunden Menschenverstand“ in „Redlichkeit“ zu nutzen. Und das ist doch keine Methode? Sondern eigentlich eine Selbstverständlichkeit. Genauso wie, dass man in Projekten viel falsch machen kann.

(RW) Ein Vortrag sprach sich gegen alle Regeln und „Muster“ aus und propagiert ein paar Folien weiter, dass man ja keine Projekte machen solle (#noprojects).
(RMD) Wenn hier der Impuls von Robert Weisgräber gemeint war, so war das einer der besten Vorträge, die ich seit langem gehört habe. Auch die Rückmelde-Statistik belegt dies. Aber vielleicht ist die Metapher von #noprojects nicht ganz so einfach zu verstehen. Dass man keine Projekte machen soll, habe ich so aber nicht raus gehört. Viel mehr, dass man sich gut überlegen soll, was man tut.

(RW) In einem Workshop zur „Lebendigkeit von Organisationen“ wird versucht, die Wirkmechanismen einer solchen Organisation aufzuzeigen. Auf meine Frage, ob wir das mal am Beispiel der – leider sehr erfolgreichen – Organisation des Islamischen Staates aufzeigen können wird dies brüsk abgelehnt mit dem (Totschlags-)Argument, das passe jetzt gar nicht hier rein.
(RMD) 
Natürlich können Aussagen in Sitzungen nicht immer allen Teilnehmern gefallen. Das hat etwas mit Demokratie zu tun. Ich halte es aber auch für nicht zielführend, die IS als sinnvolles Fallbeispiel zu diskutieren. Nicht nur, weil das mir die IS eine kriminelle faschistische Organisation zu sein scheint (Auch das dritte Reich war faschistisch. Und trotzdem hat der „GröFaZ“ mit agiler Kriegsführung der etablierten Generalissima das Fürchten beigebracht).
Aber natürlich hätte Reinhard Wagner eine eigene Session zu IS machen können oder vielleicht präziser formuliert zum Thema „Moderner Guerillakrieg von faschistoiden Organisationen als erfolgreiche Methode im Kampf gegen militär-technisch überlegene Armeen“. Die hätte ich allerdings nicht besucht (oder wenn, dann nur um mein Unverständnis auszusprechen).

(RW) Schließlich versuchte ein Teilnehmer, das Cynefin-Framework zu diskutieren. Diese endete dann mit der Einteilung, dass alle Ingenieure und Betriebswirtschaftler auf der rechten Seite zu verorten seien (simple oder komplizierte Systeme), wohingegen die Software-Entwickler die kreativen Wilden, also auf der linken Seite des Frameworks zu finden sind. Das bringt natürlich keinen wirklich weiter.
(RMD) 
Auch hier geht es um den Inhalt einer Session. Das hat nichts mit dem PM-Camp Dornbirn zu tun. Ich sehe es persönlich aber ähnlich wie Reinhard Wagner und halte die ganze Diskussionen zu kompliziert/komplex, links/rechts, blau/rot mehr oder wenig für esoterischen Humbug. Wobei man aus falschen Annahmen und falschen Schlüssen durchaus richtiges ableiten kann …

(RW) Statt Muster zu brechen, werden alte Klischees in ein neues Gewand gepackt.
(RMD) 
Den Satz verstehe ich nicht. Aber das pauschal vom PM-Camp Dornbirn zu behaupten empfinde ich schon als starken Tobak. Mir klingt diese irgendwie nach Kulturpessimismus. Ich gestehe aber zu, dass unsere Gesellschaft daran leidet, dass wir immer wieder die alten Muster bemühen. Und Phantasie und Kreativität eher verdrängen. Vielleicht führen hier Reinhard und ich dieselbe Klage.

(RW) Schließlich stellt sich mir die Frage, was die PM Camps mit ihrem Anspruch in der Praxis erreichen wollen.
(RMD) 
Nochmal: PM-Camps bieten einen Rahmen, der es den Menschen ermöglichen soll, sich zu treffen, im Vertrauen zu kommunizieren, Wissen zu teilen, Erkenntnis im redlichen Diskurs zu gewinnen. Es gibt keinen Zweck-Anspruch von Seite der Organisatoren des Camps. Wenn dann geht es darum, dass die Menschen, die kommen, sich gegenseitig größer machen – und eben nicht kleiner wie in vielen Lehrsystemen. Ich gehe aber davon aus, dass „Wissen teilen“ und vom „Gegenüber“ zu lernen für die Praxis meistens wertvoller sind als der Erwerb von Zertifikaten oder schlimmer die „Zertifizierung der Welt“.

(RW) Auf meinen Workshop-Impuls zu „Projektmanagement für soziale Zwecke“ gab es zwar viel Diskussion und begeisterte Redebeiträge, …
(RMD) Frage: „Was ist ein begeisterter Redebeitrag?“! 🙂

(RW) … auf meine Frage, wer nun was konkret machen will, waren alle ziemlich schnell (zum Mittagessen) verschwunden.
(RMD) 
Ist doch sinnvoll. Dazu hätte man ja den zweiten Tag für konkrete Sessions dazu nutzen können._

(RW) Zugegeben, es ist auch bei der GPM ziemlich schwer, die Mitglieder zur Umsetzung des Besprochenen zu bewegen.
(RMD) 
Ich wüsste nicht, warum es bei der GPM einfacher sein sollte als im täglichen Leben.

(RW) Hier erweist sich allerdings, ob es bei „Sonntagsreden“ bleibt, oder den „schönen Worten“ auch konkrete Taten folgen.
(RMD) Schon Seneca hat gesagt „Philosophie heißt nicht Reden sondern handeln“. Und das wir alle viel reden und nichts tuen sehen wir ja nicht nur bei der Veränderung des Klimas durch die Verbrennung von fossilen Brennstoffen. Aber auch hier entdecke ich eine Gemeinsamkeit mit Reinhard.

(RW) Das würde ich mir wünschen, aber vielleicht bleibt das auch nur ein frommer Wunsch zu Weihnachten 🙂
(RMD) Mein (weiß nicht ob frommer) Wunsch nicht nur zu Weihnachten ist, dass die Menschheit ein wenig weiser werden würde.


Auch wenn ich viel Gegenrede halte, möchte ich mich bei Reinhard explizit für seinen Artikel bedanken. Vielleicht ist das ein Beginn für eine leidenschaftliche und wunderbare Diskussion zur Frage:
Wie viel Verbände und Vereine brauchen wir wirklich?
Weil mir da eine ganze Reihe für überflüssig erscheinen und ich mir mehr von Graswurzelbewegungen erwarte.

RMD

P.S.
Die Überschrift dieses Posts ist nicht von mir, sondern vom post vom Reinhard übernommen.

Roland Dürre
Dienstag, der 24. November 2015

Weltkrieg III

Flag the Islamic State of Iraq and the Levant

Flag of the Islamic State of Iraq and the Levant

Zum Terrorismus gäbe es viel zu sagen. Aber aus meiner Sicht wird da häufig das Falsche geschrieben. So ist mir Vieles unverständlich, was ich anlässlich der Attentate von Paris gehört und gelesen habe. Manches wurmt mich, weil es mir so flach und unreflektiert erscheint.

Mich stört auch die Reaktion auf und der Umgang unserer „Eliten“ mit den Ereignissen und der aktuellen Situation.

Ich finde es schlimm, dass die Ursachen für die Entwicklung vergessen und auch nicht nachgefragt werden. Haben wir doch seit Jahrhunderten eine ausgeprägte koloniale Situation in dieser Welt. Die reichen Länder beherrschen die armen, beuten sie aus und vergewaltigen sie förmlich.

Dies hat sich beginnend noch vor dem „langen 19. Jahrhundert“ über die Neuzeit hinweg bis in die Jetztzeit nicht geändert. Auch die „Unabhängigkeit“ der Unterdrückten hat da nicht nichts verbessert. Mag sein, dass im 21. Jahrhundert die Methoden vielleicht ein wenig sublimer erscheinen als im 19. und 20. Jahrhundert. Das bedeutet aber nur, dass sie nicht mehr so augenfällig sind wie früher. An Effizienz betreffend des Maß an Ausbeutung haben sie aber nicht verloren, im Gegenteil.

Dies hat einen großen Haufen von Zunder in die Welt gebracht. Die Politik der letzten Jahrzehnte – im übrigen nicht nur des Westens und auch nicht nur der USA – hat dann den vorhandenen Zunder auch noch mit Brandbeschleunigern angereichert. Und spätestens die Reaktion des „Westens“ auf 9/11 war das Zündholz, dass alles in Brand gesetzt hat.

Aber was machen die Franzosen jetzt? Die selben Fehler wie der Westen sie seit längerem macht. Sie bomben ganz schnell mal richtig kräftig zurück. Und treffen dabei natürlich auch (und wahrscheinlich vor allem) zivile Gebäude und Krankenhäuser. Und so eben auch Kinder, Frauen und unschuldige Zivilisten. Wie das halt bei solchen Angriffen ist. So wird in das Feuer gleich noch mal kräftig hinein geblasen und für Terroristennachschub gesorgt.

Mich stört auch, wie mit unterschiedlicher Elle gemessen wird. Nicht lange vor den Attentaten in Paris wurde von der IS ein russischer Flieger in die Luft gesprengt. Mit über 200 Toten. Die Menschenopfer im russischen Flieger wurden aber sehr gelassen hingenommen. Wo blieb da die Betroffenheit und die Trauerminuten – und die russischen Fahnen in Europa? Ich muss gestehen, ich kannte die russischen Farben bis dahin gar nicht. Bin ich ja westlich des eisernen Vorhangs aufgewachsen.

Andere Anschläge wie z.B. der in Beirut werden gar nicht zur Kenntnis genommen. Weil wir an diesen bestenfalls mit unserer Lüsternheit nach Sensationen und Katastrophen interessiert sind.

Bei den Anschlägen in Frankreich war aber alles anders. Warum eigentlich? Da kamen die Solidaritätsadressen zu Hauf. Überall gab es Schweigeminuten, die Avatare im Internet leuchteten in den französischen Farben. Weil wir Angst haben, dass dies in Berlin oder München auch passieren könnte?

In den Zeitungen ist das schon am Morgen nach den Attentaten gesteigert worden. Die haben gleich vom dritten Weltkrieg gesprochen, der jetzt da wäre. Beim Bäcker am Samstag nach dem Attentat habe ich in den Zeitungen eine Reihe solcher Schlagzeilen gesehen. Und vorgestern las ich, dass die „Welt sich im Kampf gegen den Terrorismus formiert“ (SZ vom 22. November).

In meinem Leben habe ich viele Menschen gut gekannt und gemocht, die verstorben sind. Manche durch Alter und Krankheit. Andere sind in den Alpen geblieben, einer kam von einer Flugreise nicht zurück.

Seit meiner Kindheit erreichen mich aber immer wieder vor allem die Toten, die auf den Straßen sterben. Das war die größte Anzahl und bei mancher Verlust traf mich sehr tief. So erinnere ich mich an eine junge und so lebensfrohe Frau, die ganz kurz bei InterFace Computer war. Schon nach einer Woche blieb am Montag morgen ihr Arbeitsplatz leer. Sie war am Wochenende in ihrer Heimat im Saarland und hatte auf dem Rückweg nach München eine Autopanne. Wie sie ausgestiegen ist wurde sie auf einer Autobahn-Einfahrt einfach tot gefahren. Einfach so. Wie ein Wild.

Sind Verkehrsopfer weniger schmerzlich als Kriegstote? Ist das nicht seltsam, dass wir die Verkehrsopfer vergessen. Warum trauern wir nicht jeden Abend für die Toten des Verkehrstages?

Man kann den Schmerz über den Verlust eines Menschen nicht be – oder aufrechnen. Aber ich glaube nicht, dass der Unterschied so groß ist, wenn ein lieber Angehöriger auf der Heimfahrt überfahren wird oder in einem Café bei einem terroristischem Anfall stirbt.

So haben wir tatsächlich einen „World War III“. Und zwar seit vielen Jahrzehnten. Die Verkehrsflächen sind die aktuellen Schlachtfelder. Denn auf den Straßen des Planeten sterben jährlich 1,3 bis 1,4 Millionen Menschen – aller Klassen und Nationen. Dazu kommt ein mehrfaches an Schwerverletzten und Verletzten. Wenn das kein Krieg ist?

In Deutschland sind es immer noch weit über 3.000 Verkehrstote pro Jahr. In meiner Jugend gab es Jahre, da waren es über 20.000 – und das allein in der BRD. Wir haben also tatsächlich in Deutschland auch in diesem Krieg einen Fortschritt erzielt, aber noch lange keinen Frieden erreicht. Auch 3.000 sind zu viel und die genannte Zahl ist im Steigen.

Um die große Zahl zu verstehen gehe man mal einfach zu einem Fußballspiel mit 3.000 Besuchern und stelle sich vor, dass die alle tot in Autos oder auf den Straßen liegen würden!

Wahrscheinlich sterben auch in Europa an jedem Fussball-Wochenende Fans oder Spieler auf dem Wege zum Spiel ihres Vereines. Wen interessiert es? Vor ein paar Wochen gab es in der WWK-Arena in Augsburg immerhin eine Schweigeminute für bei der Anfahrt verunglückte Fans des FCA.

Aber warum gibt es keine keine Trauerminute für unsere Verkehrstoten und die der Welt? Weil niemand das Gemetzel auf den Straßen interessiert. Und weil das Geschäft Priorität hat.  Wie übrigens auch beim Terrorismus.

So gibt es keinen internationalen Aufschrei und keine Brandreden von Politikern für einen humanen Verkehr. „Keine Welt formiert sich“ gegen die Toten im Straßenverkehr so wie im Kampf gegen den Terror. Und den Nationalregierungen ist es für mich unverständlicher Weise auch völlig egal.

Mit einer Ausnahme: Das kleine Land Schweden bemüht sich ernsthaft um eine Vision Zero und will seine Straßenverkehrstoten definitiv auf Null bringen – Respekt!

Der IS dagegen besteht aus Verrückten, die erst mal den nahen Osten und dann die Welt erobern wollen. Die ein Terror-Regime aufgebaut haben, dass mich an das der Nazis erinnert. Obwohl sie wohl derzeit die stärkste Formation des Terrors sind, sind sie aber schwach. Man könnte sie recht einfach austrocknen.

Aber was machen wir?

Wir kaufen ihnen Öl ab. Weil es billiger ist. So befindet sich in jedem Tank unserer Autos metaphorisch ein Anteil IS-Sprit. Ihre Waffen und Ausrüstung bekommen sie auch von uns. So holen wir unser „Ölgeld“ wieder zurück. Und wir bescheren diesen Verbrechern  auch noch den Zulauf von weiteren Menschen aus aller Welt. Ist das nicht ein Skandal?

Aber wir verdrängen den real existierenden dritten Weltkrieg und bagetellisieren auch noch die Klimaveränderung. Die den vierten Weltkrieg verursachen könnte!

Ich meine, es gibt gute Gründe, der Wissenschaft zu glauben. Gerade wenn unterschiedliche Disziplinen und Schulen zu den selben Ergebnissen kommen. Wie es ausschaut werden die Schäden durch die Klimaveränderung noch viel wesentlicher sein als die vielleicht 75 Millionen Verkehrstoten seit des Endes des zweiten Weltkrieges.

Der dann auf uns zu kommende Umweltkrieg wäre dann wohl der vierte Weltkrieg. Der wird dann wohl auf zwei Ebenen Verluste bringen: Die Opfer, die die sich die Natur mit immer mehr werdenden Katastrophen auf verschiedenen Ebenen holt. Und die anderen, die im Kampf der „frühen Verlierer“ gegen die scheinbar „noch nicht Verlierer“ fallen werden.

Und natürlich hoffen wir auch hier wieder, dass wir nicht die „early looser“ sind. Leben wir doch glücklicherweise in einer „klimatisch so begünstigten Zone“. Ist das nicht schändlich? Und irren wir uns da vielleicht nicht?

Aber auch hier gibt es keine Aussicht auf Programme und gemeinsames Handeln. Nirgendwo, weder national oder weltweit. Dabei ist die ja in wenigen Wochen startende Umwelt-Konferenz in Paris wohl wirklich die allerletzte Chance, das Schlimmste abzuwehren.

Aber wir ignorieren den real existierenden dritten Weltkrieg auf unseren Straßen genauso wie den drohenden vierten bedingt durch klimatische Veränderungen. Dafür machen wir uns mit unserer Angst vor Terrorismus vor der doch eher lächerlichen IS in die Hose. Anstelle diese einfach ganz souverän aus zu trocknen und uns um die wichtigen Dinge zu kümmern.

RMD

P.S.
Die Fahne ist aus Wikipedia. Sie ist schwarz, die Farbe des Todes. Erstellt wurde das bild am 15. Oktober 2006 und hochgeladen von Russavia.

Ich meine, wir sollten uns vor schwarzen Fahnen hüten. Ich mag im übrigen gar keine Fahnen. Wenn es aber unbedingt sein muss, dann sind mir persönlich die lebensfrohen Fahnen in bunten Farben lieber!