Roland Dürre
Dienstag, der 6. September 2016

Wie wird die Welt in 2036 aussehen? #ZukunftVision2036 – Blog Parade

2036_500Über meinen Freund Thomas Michl hat mich der Aufruf zu einer Blogparade zum Thema #FutureVision2036
von Yasemin Akdemir erreicht.

Mir geht es wie meinem Freund Eberhard Huber. In seinem Blog schreibt er über Menschen und Projektarbeit. Er hat mich auf die Idee gebracht, dass man nicht spekulieren sollte, wie die Welt in 20 Jahren aussehen könnte sondern besser schreiben sollte, wie sie dann aussehen sollte.

Denn spätestens seit den Thesen von Hans Ulrich aus St. Gallen zum „Wandel im Management“ wissen wir, „dass Zukunft nicht vorhersagbar ist“!

Und kühne Vorhersagen zu machen ist so gar nicht meins.

Aber gerne berichte ich hier, was ich mir für 2036 wünschen würde!

Als erstes ist mir wichtig, dass die Menschen global mehrheitlich in 20 Jahren weiser und friedlicher ist.

Weiser heißt, dass die Menschenfreundlichkeit im Denken und Handeln sich mehrt und die im Großen wie im Kleinen weit verbreitete Feindseligkeit zurück drängt. Dass Begriffe wie Respekt, Achtsamkeit und Dankbarkeit für unser Handeln relevant werden.

Frieden bedeutet für mich, dass immer mehr Menschen es schaffen, auch durch eigene Wertschätzung mit sich selber im Einklang zu leben. Nur wenn Menschen sich selber mögen und wertschätzen und so ihren inneren Frieden finden, dann kann der äußere Frieden wachsen und sich durchsetzen. Nur so werden die vielen beliebten Feindbilder verschwinden und nur so kann auch der Frieden mit Umwelt wie mit anderen Menschen und anderen sozialen Systemen gelingen.

Weiter wünsche ich mir mehr Neutralität und weniger Moralismen, wie auch zum Beispiel weniger sexuelle Prüderie. Allgemein sollte der Stellenwert von Religionen abnehmen. Wie kann man von Menschen geschaffene Konstrukte mit einem absoluten Wahrheitsanspruch versehen? Ich möchte auch nicht, dass auch noch in 2036 z.B. Kinder aus „religiösen Gründen“ verletzt und verstümmelt werden.

Der Satz von Friedrich II. von Preußen „Jeder soll nach seiner Façon selig werden“ sollte auch in 2036 gelten. Aber nicht die „Verletzung von religiösen Gefühlen“ darf Unrecht sein, sondern die gesellschaftliche Diskriminierung von „Ungläubigen“ durch „Gläubige“ und der Versuch, die Ungläubigen „religiös zu missionieren“ .

Freiheit darf in 2036 nicht mehr missverstanden werden, dass man alles machen darf, was möglich ist. Die Bedeutung des Begriffs muss abgelöst werden durch ein Verständnis von Freiheit im Sinne des „Wollen und Fähig-Sein, sein Leben eigenverantwortlich zu führen“.

Ich würde mich freuen, wenn die Menschen in den nächsten 20 Jahren es immer mehr schaffen würden, autonom von Marketing und externer Steuerung zu werden. Und zum Beispiel erkennen, dass ihr wertvollstes Gut die Zeit ist. Und wir unser Leben im Moment in Freude genießen können – ohne so viel nachdenken zu müssen. Ein wenig mehr Unterbewußtsein und dafür weniger „Kleinhirn“.

In 2036 wollen wir in „angstfreien Räumen“ leben. Ängste entstehen im Kopf und haben mit realen Bedrohungen und gesunder Furcht nichts zu tun. Und in 2036 sollte wir nicht mehr meinen, uns über Aussehen, Besitz, Eigentum, Erfolg, Reichtum … definieren zu müssen. Sondern einfach uns selbst zu sein.

Mein konkretes Anliegen für 2036 ist, dass möglichst viele Menschen ein Leben im Einklang mit der Umwelt führen können. So möchte ich auch als Fußgänger und Radfahrer die Luft in den Städten wieder atmen können. Dazu müsste das Verständnis die Oberhand gewinnen, dass „individuelle Mobilität“ keine Zukunftslösung darstellt, wenn sie auf Basis von schweren Fahrzeugen beruht, ganz gleich ob sie durch einen Verbrennungs- oder Elektromotor angetrieben werden. Auch würde ich mir wünschen, dass die Welt wieder ein weniger leiser wird.

Jenseits dieser banalen Dinge möchte ich in 2036 in einer Gesellschaft leben, die akzeptiert, dass ich ein Wesen aus Fleisch und Blut bin, das ein Recht hat, den eigenen Körper lustvoll zu erleben und es selbstverständlich wird, dass ich ausreichend Bewegung im Alltag bekomme. In einer Gesellschaft, die mich nicht auf ein Mittel zum Zweck reduziert.

Denn auch als Erwachsener möchte ich herum tollen und albern sein dürfen. 2016 will ich nicht mehr durch Marketing manipuliert und von Lobbyisten beherrscht werden. Sondern das sein dürfen, was ich letzten Endes bin: Ein (hoffentlich) sympathische Säugetier mit ein wenig Vernunft.

Das dominante Prinzip unseres wirtschaftlichen Handelns muss in 2016 „Nachhaltigkeit“ sein. Die Wirtschaftskreisläufe müssen so organisiert und gelebt werden, dass das Prinzip #nowaste erste Priorität wird. Das gilt auch für die Energie – all das kann nur erreicht werden durch den Einsatz „smarter Technologien“ aber auch wesentlich durch individuellen Verzicht. Im übrigen überwiegend auf Dinge, die sehr wohl verzichtenswert sind.

Wir Menschen sind nicht für die Wirtschaft da – sondern die Wirtschaft ist für uns Menschen da! So gibt es auch die Bayerische Verfassung vor. An Stelle von globalem „Raubtier-Kapitalismus“ brauchen wir in 2036  funktionierende regionale „Gemeinwohl-Ökonomien“! Auch wenn diese rechnerisch uneffizienter sein mögen – was ich übrigens nicht glaube, denn bei globaler Optimierung werden die externen Kosten nur zu schnell vergessen und unterschlagen.

Viele unserer Lebensgewohnheiten müssen sich wesentlich ändern. Und dies nicht zu unserem Schaden. Das wird für die Mobilität genauso gelten wie für die Produktion von Gütern. Eine Lösungsmöglichkeit könnte in mehr „shared oconomy“  bestehen, individuell gestützt von „weniger Eitelkeit und Egoismus“. Das Erfolgs-Prinzip der Zukunft wird heißen „Weniger ist Mehr!“ – „Wachstum als Lösung aller Probleme“ war gestern (und schon immer ein großer Blödsinn).

Auch in unserem konkreten Handeln wird die Achtsamkeit unser Handeln bestimmen müssen. Und wir müssen permanent hinterfragen, ob wir das alles brauchen, was wir uns so leisten? Und wir sollten dann die Dinge auch ein klein wenig mehr zu Ende denken!

So wünsche ich mir für 2036 eine Aufklärung 2.0, die wir ernst nehmen und gewissenhaft entwickeln und die unser Handeln bestimmt. Und wir uns nicht mehr mit Tand zu dröhnen, sondern uns wieder auf die wesentlichen und wertvollen Dinge konzentrieren.

Ich bin und bleibe optimistisch, dass wir das gemeinsam mit Mut und in Freude schaffen werden. Auch unterstützt von der neuen „digitalen Welt“ und schönen Blog-Paraden.

RMD

actmobcmp_100-300x86#AktMobCmp

Die letzten Wochen habe ich mich zu wenig um das Thema „Aktive Mobilität“ im Alltag gekümmert. Da waren die Themen #FRIEDEN und DIGITALE TRANSFORMATION, meine Enkel*Innen, die Mentées und Startups, die ich ein wenig unterstütze und private Interessen wie Radeln durch Italien. Und manches mehr.

Das tut mir leid, denn laufend erreichen mich Nachrichten und neue Erkenntnisse, die zeigen, dass wir handeln müssen:

  • Die Feinstaubbelastung in allen Städten der Welt steigt auf hohem Niveau weiter.
  • Aufgrund der Verkleinerung der Schadteile durch moderne Technologie (es geht in den Nanobereich) sind diese gesundheitsgefährdender denn je.
  • Die Klima-Katastrophe wird realer, rückt näher und wird immer bedrohlicher.
  • Unser Lebensautonomie ist angeschlagen, unsere Art zu Leben wird immer mehr fremd gesteuert.
  • So opfern wir ferngesteuert das uns Wichtige fremden Instanzen, die uns manipulieren und ihre Interessen über unsere stellen.
  • Die Metrik aus Geld und Profit ist omni-präsent und beherrscht die gesamte Welt und alle Lebensbereiche.
  • Die Manipulationen der uns beherrschenden Großkonzerne werden immer unverschämter.
  • Angst wird immer mehr der wesentliche Treiber von stark zunehmender Irrationalität in Gesellschaft und Politik.

Mein Schluss:
Ich persönlich habe die Nase voll von der neuen Unredlichkeit und schlimmer Doppelmoral. Wir brauchen eine große Transformation, die bei unseren kognitiven Wahrnehmungen beginnt. Mobilität ist eine gute Metapher für die aktuelle Entwicklung und die Notwendigkeit einer Transformation. Sie zeigt auf, was alles falsch läuft und wie wir unsere Einstellungen und Gewohnheiten dringend zu unserem Besten ändern müssen.

Die nächste Chance etwas zu tun ist schon genau in einer Woche! Am 21. Mai 2016 findet in Augsburg das nächste Camp für aktive Mobilität #AktMobCmp statt. Da es in die bayerischen Pfingstferien fällt, hat der Veranstalter das Camp auf einen Tag reduziert. Das Orga-Team freut sich über jeden Besucher …

An diesem Tag wird im Format eines Barcamps ganz intensiv auf die Interessen und Bedürfnisse aller Teilnehmer eingegangen. Die „Teilgeber“ werden ihr Wissen teilen und mit neuen gemeinsam erworbenen Erkenntnissen, Ideen und Plänen und neu gewonnenen Freunden aus dem Tag heraus gehen.

Also meine persönliche Bitte an alle „freundlichen Menschen“, die Verantwortung für Zukunft übernehmen wollen. Probiert das #AktMobCmp in Augsburg aus. Wenn es nur Trägheit ist, die dem entgegensteht, dann überwindet den „inneren Schweinehund“ und kommt! Hier geht es zur Anmeldung.

 

Gestiftet von VisualBrainddump (Christian Botta & Daniel Reinold) Zum Vergrößern aufs Bild klicken.

Gestiftet von VisualBrainddump (Christian Botta & Daniel Reinold) Zum Vergrößern aufs Bild klicken.

 

Anfang letzten Jahres sind wir mit einem sehr schönen Camp in Unterhaching gestartet.

Das setzen wir in 2017 – wahrscheinlich am 5./6. Januar und wieder im Kubiz Unterhaching fort.

Ab September werden wir mit neuem Schwung in die Vorbereitung starten, kräftig wirbeln und viele uns mittlerweile gut bekannte Menschen und Institutionen einladen.

Und ich garantiere, auch dieses Barcamp wird wieder viele Menschen zusammen bringen, richtig Spaß machen und wesentlichen Erkenntnis bringen.

RMD

Klaus Hnilica
Dienstag, der 22. September 2015

Ist ’soziale Gerechtigkeit‘ nur ein Missverständnis?

Ja – wenn wir weiter an dem festhalten, was wir bisher dafür halten! /1/

Nach diesen Vorstellungen hält sich nämlich seltsamer Weise auch jeder für sozial gerecht, beklagt aber im gleichen Atemzug die wachsende Ungerechtigkeit in der Welt.

Dieses Missverhältnis scheint unüberbrückbar zu sein.

ApfelpflückerWir sind einfach zu verliebt in unsere unklaren Begrifflichkeiten, ja suhlen uns regelrecht in der Vorstellung, dass die ‚soziale Gerechtigkeit’ eine Art ‚moralische eierlegende Wollmilchsau’ zu sein hat, und nicht etwa nur ein Mindeststandard für das Verhalten von Menschen, der lediglich ein paar Regeln umfasst, an die sich selbst die Böswilligsten zu halten haben!

Wenn wir allerdings Letzteres akzeptieren, stellt sich sehr schnell heraus, dass ‚soziale Gerechtigkeit’ eher wenig mit romantisierter ‚Gleichheit’ zu tun hat, aber sehr viel mit der nicht so romantischen ’Freiwilligkeit’. Und dass deswegen die Politik generell ein inhärentes strukturelles Problem hat, ‚soziale Gerechtigkeit’ herbeizuführen, auch wenn sie noch so eifrig ‚Gerechtigkeitslücken’ aufspürt und zu schließen versucht. In drei Schritten lässt sich das auch unschwer zeigen; man muss nur

   A) auf das allgemeine Prinzip der ‚Tauschgerechtigkeit’ eingehen,

   B) auf die ‚Gleichbehandlung und Ergebnisgleichheit’ und

   C) auf die besonders ins Auge springende ‚Verteilungsgerechtigkeit’.

Gehen wir auf die drei Schritte näher ein:

   A) Denn um eine sehr spezielle Form der ‚Tauschgerechtigkeit’ geht es ja letztlich, wenn im Namen der ‚sozialen Gerechtigkeit’ nach gerechten Preisen und Löhnen gerufen wird!

Etwa wenn es heißt: hier die duftende Alpenbutter, da die lächerlichen Ein-Euro-Achtzig; oder hier das Super-Manuskript und dort das schmale Honorar. ‚Wertgleichheit’ fordert eigentlich hierbei das allgemeine ‚Prinzip der Tauschgerechtigkeit’! Aber wie bestimmt man diese ‚Wertgleichheit’ objektiv bei jedem konkreten Tauschvorgang?

Ist in der Sahara beispielsweise eine Unze Gold für einen Eimer Wasser angemessen, wenn’s ums Überleben geht? Und sind 50 Cent für zwei Liter Milch nicht schon zuviel, wenn eine Laktoseunverträglichkeit vorliegt? Oder wie hoch darf die Honorarforderung für ein angebotenes Manuskript sein, das dann doch nur unter das Bein eines wackelnden Tisches geschoben wird?

Heißt das nicht, dass die ‚Bewertung’ eines Tauschobjektes naturgemäß sehr subjektiv ist und dieser Wert nichts mit Gleichwertigkeit zu tun hat? Dies umso mehr, als der Tausch ja nur zustande kommt, weil jeder Beteiligte die Tauschobjekte unterschiedlich bewertet und gerade darin seinen Gewinn sieht.

Natürlich lässt sich dieser ‚Tauschgewinn’ genauso wenig nachweisen wie der ‚Tauschwert’: aber klar ist auch, dass der Gewinn immer dann vorhanden und nachweisbar ist, wenn der Tausch freiwillig erfolgt! Woraus folgt, dass eine Tauschhandlung immer dann ‚sozial gerecht’ ist, wenn niemand zu ihr gezwungen wird!

Natürlich stellt diese Freiwilligkeit beim ‚Tausch’ nicht sicher, dass jeder seine Maximalvorstellung durchsetzt, und sie schützt auch nicht vor Fehlentscheidungen, wie beispielsweise dem unüberlegten Zugriff auf niedrigpreisige Milch trotz Laktoseunverträglichkeit. Aber das muss auch nicht sein. Denn die Bewertung des ‚Tauschgewinnes’ erfolgt ja subjektiv und darf daher dann nicht wieder unter ein falsches Gleichheitsdiktat gestellt werden, nur weil von der irreführenden Intuition ausgegangen wird, diese ‚Gleichheit’ stehe auch beim ‚Tauschgewinn’ in einem engem Zusammenhang mit ‚sozialer Gerechtigkeit’!

Somit lässt sich zusammenfassend sagen, dass Preise und Löhne immer dann sozial gerecht sind, wenn sie ohne Zwang akzeptiert werden können!

   B) Nun zur angeblich sozial gerechten ‚Gleichbehandlung und Ergebnisgleichheit’!

Hier führt die Gleichheitsbesessenheit in eine ähnliche logische Sackgasse, wie sich an einem einfachen Beispiel unschwer zeigen lässt: Stellt man nämlich an eine Rentnerin, einen Sportler und einen sechsjährigen Jungen unter dem Aspekt der Gleichbehandlung die gleiche Forderung, nämlich von einem vier Meter hohen Apfelbaum, an dem eine Leiter lehnt, Äpfel zu pflücken, so wird das Ergebnis sehr unterschiedlich ausfallen: erst nach sehr unterschiedlich gearteten Hilfeleistungen, die in keiner Weise mehr einer Gleichbehandlung entsprechen, werden alle drei Kandidaten zur gleichen Anzahl von Äpfeln gelangen und somit Ergebnisgleichheit erzielen.

Da aber letztlich alle Individuen auf der Erde unterschiedlich sind, wird generell bei Gleichbehandlung nie Ergebnisgleichheit erzielt werden und umgekehrt!

Und obwohl dieser Sachverhalt glasklar ist, fordern wir immer wieder Gleichheit bei sozialer Gerechtigkeit. Aber wäre Gleichheit wirklich sozial gerecht, dann wäre doch auch ein Zustand, in dem es allen Menschen gleich schlecht geht, gerechtigkeitstheoretisch das Großartigste, was man sich nur wünschen kann.

Glücklicherweise glaubt das niemand! Dennoch sträuben wir uns, die logische Konsequenz zu ziehen und Gleichheit nicht mehr als einen Ausdruck sozialer Gerechtigkeit zu betrachten.

   C)  Besonders augenfällig ist die Gleichheitsneigung in Debatten über ‚Verteilungsgerechtigkeit’!

Verteilen bedeutet ausgeben aus einem Vorrat. Verteilungsgerechtigkeit fordert, dass dies nach gewissen Regeln zu erfolgen hat. Am klarsten sind die Gerechtigkeitsverhältnisse aber letztlich nur dann, wenn die Eigentümerin verteilt, denn dann gilt ausschließlich ihr Wille. Es kann zwar vernünftig sein, sich an den Erwartungen Dritter zu orientieren, aber eine Forderung der sozialen Gerechtigkeit ist das nicht. Sondern der wird durch den Schutz von Eigentumsrechten genüge getan.

Wirklich schwierig wird es aber, wenn keine klaren Eigentumsverhältnisse vorliegen, wie das in jedem politischen System der Fall ist, da sich hier die Einflussbereiche der Verteiler und der Empfänger vielfach überschneiden. Da sind Konflikte vorprogrammiert und deren ‚gerechte Lösung’ nicht nur eine theoretische Herausforderung, sondern in den meisten Fällen nur mehr ein hehres Ziel!

Wie einfach haben es im Vergleich dazu Privatpersonen und Unternehmen: sie brauchen nur – nicht zu betrügen, nicht zu stehlen, nicht gewalttätig zu sein und nicht vertragsbrüchig – und schon handeln sie gerecht. Mehr Regeln brauchen sie nicht einzuhalten!

Letztlich ergibt sich aus dieser Beobachtung nicht nur für die Gerechtigkeitstheorie, sondern vor allem für die Wirtschafts- und Sozialpolitik eine überraschende Lösung, nämlich die, möglichst viele Entscheidungen in den privaten Bereich auszulagern, da hier klare und nach dem oben Gesagtem auch ‚sozial gerechte’ Verhältnisse herrschen.

Sicher nur ein frommer Wunsch, denn von dem unhaltbaren ‚gleichheitsgesättigten’ Gerechtigkeitsbegriff werden sich viele trotzdem nicht trennen wollen! Und von der daraus erwachsenen Machtfülle, die dieses ‚übergriffige Gleichheitsverständnis’ ermöglicht, noch weniger!

KH
/1/ Dagmar Schulze Heuling; „Was Gerechtigkeit nicht ist“; Nomos – Verlag Baden – Baden

Roland Dürre
Dienstag, der 31. März 2015

BGB und Zahlungsziele für Dienstleistungen

EuroIm März 2012 habe ich hier meinen Ärger über die langen Zahlungsziele artikuliert, die große Konzerne ihren Dienstleistungs-Lieferanten auferlegen. Immerhin steht im BGB, dass Dienstleistungen sofort nach ihrer Erbringung zu bezahlen sind.

Dies aus gutem Grunde:
Wenn ein Lieferant ein Produkt ausgeliefert hat, kann er sich zumindest eingeschränkt durch einen Eigentumsvorbehalt vor Verlust seiner Forderung schützen. Bei Zahlungsausfall kann er dann das gelieferte Produkt wieder zu sich zurück holen, denn er bleibt ja der rechtmäßige Eigentümer solange das Produkt nicht bezahlt ist.

Dies kann der Dienstleister natürlich nicht, denn ist seine Leistung erst mal erbracht, gibt es nichts zurück zu holen. So habe ich es schon am wirtschaftswissenschaftlichen Gymnasium Jakob Fugger in Augsburg im Fach BWL gelernt.

Aber Gesetze werden eben nur noch ernst genommen, wenn Verstöße hart geahndet werden. Und ansonsten auch mal breitflächig ignoriert, wie habe ich im letzten Artikel beschrieben habe.

Ach, was waren das für „gute alte Zeiten“ bei der Gründung vom InterFace. 1984 war Siemens unser erster Kunde. Und natürlich habe ich als frisch gebackener Unternehmer und Geschäftsführer mein „Schulwissen“ bei dem sehr sympathischen Siemens-Kaufmann angebracht. Damals war das Zahlungsziel für Dienstleistung bei Siemens noch 4 Wochen (!) und der Kaufmann konnte mir glaubhaft erklären, dass er diese vier Wochen für die Abwicklung bräuchte und Siemens zum anderen der zuverlässigste Zahler Deutschlands sei.

Vor kurzem haben wir die von großen Kunden oft durchgesetzten langen Zahlungsziele mal wieder im AR besprochen. Unser Wirtschaftsprüfer hat uns dann von der Regelung in Polen erzählt. Wenn dort eine erbrachte und abgenommene Dienstleistung nicht zeitnah bezahlt wird, dann geht die steuerliche Absetzbarkeit verloren. Und diese einfache Maßnahme soll dort Wunder bewirken was die Zahlungsmoral angeht.

Wenn der Konkurrent aus Polen aber nach Deutschland liefert, dann wird ihm dies aber auch nichts helfen und er wird auch auf sein Geld warten müssen. Zumindest gehe ich davon aus.

RMD

P.S.
Die Geldscheine sind aus Wikipedia (Gemeinfrei; Hochgeladen von Blackfish)

Klaus Hnilica
Donnerstag, der 26. Februar 2015

Verhängnisvolle Mittagsruhe

Carl und Gerlinde (XLI)

ZZZVimg171Ausgerechnet als Carl seine Gerlinde endlich einmal zu der glanzvollen Lingerie– und Wäschemesse „ 5 Elements“ mitnahm, musste das passieren! Ausgerechnet da! Und dass Gerlinde danach nicht nur verwirrt, sondern enttäuscht und zornig war, war wirklich kein Wunder!

Mein Gott wie oft hatte sie auf Carl eingeredet, sie doch einmal zu dieser berühmten Dessous–Messe mitzunehmen, bei der er jedes Jahr für TRIGA die irrsten Auftritte mit den verrücktesten Einfällen und allem sonstigen Drum und Dran organisierte. Und praktisch auf Knopfdruck, immer lächelnd, zwischen den hysterischen, frierenden, hochbeinigen Wäschegören wie ein Hefekrapfen im heißen Bratfett aufging.

Andererseits war es aber auch so, dass dieses wirklich empörende Vorkommnis ohne Gerlindes Beisein gar nicht passiert wäre. Denn ohne sie hätte er niemals dieses Mittagsschläfchen gemacht und wär’ nie mit dieser mehr als seltsamen Situation konfrontiert worden, die gut und gern auch von der Konkurrenz eingerührt worden sein konnte. Oder von der NSA? Oder dem KGB? Wer wusste das schon.

Aber gut, all diese ‚Wenn’ und ‚Aber’ nützten jetzt, da das ‚Kind in den Brunnen gefallen’ war, auch nicht viel! Wobei das in den ‚Brunnen gefallene Kind’ natürlich metaphorisch zu verstehen war, da es kein Kind gab, das in irgendeiner Form Gravitationskräften ausgesetzt gewesen wäre.

Im Gegenteil, um die Ausspähung und eventuelle Verhinderung der ‚möglichen Entstehung eines Kindes’ ging es ja gerade, bei diesem beispiellosen Eklat in dem bekannten Berliner Viersterne Hotel anlässlich der 11. Fashion Week.

Wobei diese ‚mögliche Kindeszeugung’ selbstredend auch nur virtueller Natur war, da Gerlinde – Gott sei’s gedankt – weit über das Alter hinaus war, in dem ein derartiger Aspekt zur unangenehmen realen Überraschung mutieren konnte.

Doch für die üblicherweise einem derartigen Zeugungssprozedere vorausgehenden Verrenkungen und Durchspeichelungen gab es an diesem späten Vormittag schon jede Menge Bedarf von beiden Seiten. Das schon! Und man sah es auch als ideale Einstimmung zu der von Gerlinde dringend gewünschten Mittagsruhe, an diesem zweiten Tag der Lingerie– und Wäschemesse, da sich der abendliche Empfang der internationalen und nationalen Kunden am Vortag bis in den frühen Morgen hineingezogen hatte und viele Köstlichkeiten des üppigen Buffets überreichlich in sehr kostspieligem Alkohol versenkt worden waren. Durchaus auch vom quirligen Organisator Carl und seiner reizenden Begleiterin Gerlinde…

Da erschienen ein paar ruhige Minuten oder Viertelstündchen um die Mittagszeit für beide wirklich als eine äußerst lockende Versuchung.

Und Gerlinde wär’ nicht Gerlinde gewesen, wenn sie dieser Versuchung nicht nur sofort bedingungslos erlegen wäre, sondern sie im Handumdrehen nicht auch noch gleich um ein paar äußerst aufreizende Fantasien, die jeder Kunstreiterin zur Ehre gereicht hätten, bereichert hätte.

Vermutlich erforderten die gezeigten Dressureinlagen dann auch allerhöchste Konzentration von Ross und Reiterin, denn anders wär’ wohl schwer zu verstehen gewesen, warum beide nicht gemerkt hatten, dass urplötzlich unweit des ‚doppelbettigen Vorführparcours’ ein junger unscheinbarer Hotelangestellter – wie es schien – mit vorgebeugtem Oberkörper und gerötetem Gesicht, nicht nur fasziniert die diversen Dressurkunststücke beobachtete, sondern eifrigst auch sein iPhone betätigte…

Irgendwie musste Carl dann wohl doch einen Schatten im rechten Augenwinkel bemerkt haben, denn er drehte unwillkürlich seinen Kopf leicht nach rechts, aber nur so gering, dass die höchst konzentriert agierende Kunstreiterin in keiner Weise abgelenkt wurde, und blickte plötzlich in zwei neugierige Augen über einem gutmütig lächelnden Mund. Ja – der kräftige blonde Haarschopf des jungen Mannes, der wie ein Krönchen über einem in keiner Weise Angst machenden jugendlichen Gesicht saß, verlieh der gesamten Szene sogar noch einen weiteren Anstrich an Normalität.

Auch wie der junge Mann völlig unerschrocken den rechten Zeigfinger an seine Lippen führte und Carl damit bedeutete – bitte – bitte – ruhig zu bleiben, um diese wunderschöne Szene ja nicht durch irgendeine unüberlegte Geste zu zerstören, fügte sich großartig in dieses Bild…

Im Nachhinein schämte sich Carl fast dafür, dass er sich so absolut widerstandslos den Anweisungen dieses seltsamen jungen Mannes gefügt hatte, und Gerlinde auch noch die letzten Schrittchen ihres überirdischen Dressuraktes zu Ende bringen ließ!

Aber für ihn gab es in diesem atemberaubenden Moment schlicht keine Alternative: alles war so ungemein selbstverständlich in diesem harmonischen Ablauf, dass ihm nicht nur jegliche Vorstellung sondern einfach auch die Kraft fehlte, diesen Ablauf abzubrechen!

Und Gerlindes erlösender Jubelschrei, gab ihm ja kurz darauf auch Recht! Einen derartigen Freudenschrei über mehrere Terzen, begleitet von einer nicht enden wollende Kaskade gurgelnder Zwischentöne, hatte er eine Ewigkeit nicht mehr gehört! Ja vielleicht so noch nie?

Der unbekannte junge Mann offensichtlich auch nicht, da er mit funkelnden Augen und einem Gesicht höchster Verzückung alles in sich hineinzusaugen schien und unmittelbar danach genau so lautlos verschwand, wie er gekommen war…

Gerlinde registrierte – noch atemlos – zwar mit einem kleinen Anflug an Befremden, dass Carl sich plötzlich aus dem ‚gemeinsamen Parcours’ hochstemmte zur Zimmertür eilte und diese mit der Bemerkung: sie sei nicht gesichert, verriegelte! Fiel aber kurz danach, schnurrend wie eine Katze, in Carls Armen in einen tiefen, erholsamen Schlaf…

Die unscheinbare Warnung auf dem gelben DIN A5 Blatt entdeckte sie – leider vor Carl – erst danach auf dem Tisch:

Falls Sie auf die widersinnige Idee kommen sollten, bei der Hotelleitung Meldung zu erstatten, steht diese kleine Reiterepisode wenige Minuten später auf You Tube im Netz

Spätestens da musste Carl zu seinem allergrößten Bedauern Gerlinde mit der unschönen Wahrheit konfrontieren – und ihr so die „5 Elements“–Messe ein für allemal vermiesen.

Schade eigentlich, denn auch der Rest der Woche war äußerst glanzvoll gewesen, da der Wäschesektor bei TRIGA nach der vorausgegangenen Flaute, wieder richtig Tritt gefasst zu haben schien…

KH

Roland Dürre
Sonntag, der 23. November 2014

Das Ende von offener Kollaboration

Heute eine fiktive Geschichte, wie sie tatsächlich passiert hätte sein können.

220px-Jekyll-mansfieldDie Geschichte handelt von zwei wichtigen und bekannten Protagonisten, die in derselben Branche tätig sind. Beide arbeiten am selben Thema. Es ist ein neues Thema, mit dem man Geld verdienen kann. Nennen wir die beiden mal Mr. Je und Mr. Hy.

Beide berichten in ihren Blogs ihre Überlegungen und entwickeln dazu allein und gemeinsam mit Anderen neue Ideen im Sinne von „Wissen teilen“ und „gemeinsam Erkenntnis gewinnen“.

Mr. Je findet Gedanken in einem Post im Blog von Mr. Hy spannend. So beginnt ein Dialog zwischen den beiden. Der Dialog findet in Form von Kommentaren zu diesem Post im Blog von Mr. Hy statt.

Es entsteht ein wesentlicher Erkenntnisgewinn, der eine werthaltige Basis für ein Geschäftsmodell umfasst. Großen Anteil daran haben die konstruktiven, kritischen und ergänzenden Kommentare von Mr. Je.

Mr. Hy nutzt die so gewonnenen Erkenntnisse für sein Geschäft und bringt sein Geschäftsmodell erfolgreich voran. Mr. Je erzählt er aber davon nichts, löscht aber ganz schnell den Dialog zwischen ihm und Mr. Je aus seinem Blog.

Mr. Je hat kein Problem damit, dass Mr. Hy aus dem gemeinsamen Dialog ein Geschäft entwickelt. Das ist in Ordnung und der Sinn von „Wissen teilen“ und „offener Kollaboration“. Er hätte sich jedoch gefreut, von Mr. Hy zu hören und vielleicht ein Kooperationsangebot zu bekommen.

Aber dass der Dialog gelöscht wurde, das ärgert ihn!

Die Geschichte ist natürlich von mir frei erfunden. Ähnlichkeiten mit – falls vorhandenen – Gegebenheiten oder lebenden wie schon verstorbenen Personen sind rein zufällig.

RMD

Das Bild ist aus Wikipedia:
en:Henry Van der Weyde (1838-1924; London, England) – http://www.photography-museum.com/jekyll.html / Originally from en.wikipedia;