Roland Dürre
Mittwoch, der 5. Juli 2017

Von Waffen und Autos

Am 13. Juli treffen wir uns wieder im Rahmen von „AktMobCmp“ und träumen von friedlicher und aktiver Mobilität. Aus diesem Anlass eine Polemik gegen Autos und Waffen, die allerdings gar keine Polemik ist. Wenn es nicht so traurig wäre dann wär’s schon wieder lustig.

VORSICHT – Mit Autos kenne ich mich gut aus! „Mein Porsche (von Distler) und ich!“

Jedes Jahr ergießen sich weitere Millionen Autos über den Planeten. Die meisten gehen zum „Kunden“, also auf einen Parkplatz unter einer Laterne oder sie müssen in eine Garage. Viele kommen aber gleich auf eine Halde. Zigtausendfach stehen sie dann in irgendwelchen Wüsten sauber aufgereiht herum (siehe Beispiele in Youtube). Zighundertfach finden wir Autos in unserer kleinen Welt auf den Halden kleiner und großer „Gebrauchtwagenhändler“, die es dutzendfach an allen größeren und kleineren Ausfallstraßen unserer kleineren wie größeren Städte gibt.

Aber auch die „zugelassenen“ Autos werden nur gelegentlich benutzt und stehen meistens herum, oft sehr dumm im Wege des nicht-motorisierten Verkehrsteilnehmers. Sie benötigen Unmengen von betonierten Flächen und rauben den Menschen den Platz zum Leben. Das finde ich gar nicht gut. Nur, wenn diese Autos alle dauernd fahren würden, dann wär’s eine unvorstellbare Katastrophe. Das Leben würde unsäglich werden. Also ist es besser, dass sie herumstehen.


Es macht einfach keinen Sinn, dass die Welt von einer Milliarde von „Kraftfahrzeugen“ zu geparkt und überrollt wird und es wahrscheinlich so viel Autositze wie Menschen gibt.


Das muss sich ändern – denn das hält der Planet nicht aus. Nur, Geld regiert die Welt – und mit Autos kann man so richtig Geld machen. Denn Autos sind halt so gut fürs Ego des Konsumentenmenschen unserer „modernen und entwickelten Gesellschaft“. Dafür zahlt man gerne.

VORSICHT – Mit Waffen kenne ich mich auch aus – ob Pistole und Gewehr, Maschinenpistole und -gewehr, Panzerfaust usw. 

Bei den Waffen ist es ähnlich. Auch da wird jedes Jahr eine schier unvorstellbare Menge produziert. Ich weiß wirklich nicht, ob die Welt in der Summe mehr Geld für Autos oder für Waffen ausgibt. Beides dürften unvorstellbare Summen sein. Wahrscheinlich ist Autos bauen immer noch besser als Waffen herstellen.

Auch Waffen sind zuerst mal Statussymbole, wohl noch schlimmere als Autos. Was die Pistole und das Gewehr manchem kleinen Mann ist, das ist die Interkontinental-Rakete dem Mächtigen. Und alle rüsten auf. Der kleine Mann sogar in Bayern, weil das Land so unsicher wird. Die Polizei, weil der kleine Mann immer gewalttätiger wird. Und die Nato und ihre Feinde, weil die Weltlage immer gefährlicher wird.

Waffen wie Autos sind aber nicht nur gut fürs Ego. Auch mit Waffen kann man so richtig Profit machen. Glücklicherweise werden Waffen – im Gegensatz oder ähnlich wie bei Autos (?) – überwiegend auf Vorrat produziert. Das macht geschäftlich auf Dauer keinen Sinn, denn irgendwann mal müssen sie auch eingesetzt werden. Dafür braucht man Kriege. Und immer wenn irgendwo mit großem Aufwand Frieden geschaffen wird, macht man halt woanders einen kleinen Krieg. Das ist auch gar nicht so aufwändig. Und man darf das Feuer des Krieges nie ausgehen lassen, sonst könnte schnell Schluss mit dem Geschäft sein! Und das darf nicht sein!

Glücklicherweise (für uns) finden die Kriege der Regel immer in einem Teil der Welt statt, der weit weg von uns ist. Denn wir finden den Krieg ganz schlimm. Bei uns in Europa hat man den Krieg zum Tabu erklärt. Zwar verdienen wir gutes Geld damit – aber die Ergebnisse wollen wir es bei uns nicht haben. Das macht aber nichts, sind wir doch eine Export-Nation. Und so exportieren wir halt auch Krieg.

Zuhause bei uns aber rasten wir schon bei ein wenig Terror (= Krieg) aus. Das geht doch gar nicht! Haben wir doch schon genug Opfer als Folge der Kriege, die wir permanent auf den Autobahnen und Straßen der Republik führen. Das schafft schon genug Leid und Entsetzen. Also brauchen wir bei uns keine Kriege und machen diese immer möglichst weit weg von unseren Grenzen. Und bekämpfen dort auch besonders gerne den Terror. Weil der ja sonst zu uns kommt. Vielleicht kommt er aber gerade dann zu uns, wenn wir ihn in seiner Heimat bekämpfen?


Aber wehe, die Waffen, die wir bauen, werden alle eingesetzt. Überall, auch bei uns. Dann passiert das, was man Weltkrieg nennt. Und es wäre Schluss mit lustig und Klappe zu. Für uns alle.


Die Autos spielen schon „Weltkrieg“. Sie morden weltweit im Jahr deutlich mehr als eine Million Menschen (Berichtet werden 1,25 Millionen Toten im Jahr und ein zweistellig Mehrfaches an ernsthaft Verletzten. Allein in Deutschland wurden 396 666 Verkehrs­teilnehmer im Jahr 2016  verletzt).

Das dürfte mehr sein als es zurzeit alle Waffen zusammen im Jahr schaffen – selbst wenn wir die „normalen“ zivilen Waffenopfer (wie in den Straßen und Häusern der USA), die von terroristischen Anschläge verursachten und die in „gerechten Kriegen“ für oder gegen irgendwelche „Hirnverbranntheiten“ geopferten Opfer summieren. Es ist einfach alles ein Wahnsinn, an dem wir alle gemeinsam tapfer mitwirken.


Absurditäten gibt es sowohl bei Waffen wie bei Autos! Und wenn es nicht so schlimm wäre könnte man darüber lachen.


So gibt es eine ganz moderne Kanone auf einem ganz modernen Schiff. Wir dürfen raten, welchem „Nicht-Schurken-Staat“ beides gehört. Die Kanone darf aber gar nicht benutzt werden, weil jeder Schuss läppische 800.000 US-Dollar kostet. Und dann ist es besonders peinlich, wenn das dazugehörige Schiff im Panama-Kanal stecken bleibt. Das war die Zumwalt (2016).

Aber irgendwann muss die Kanone der Zumwalt doch mal eingesetzt werden. Ich kenne mich mit der Marine nicht so aus (ich war ja bei der Luftwaffe), aber vielleicht lohnt sich ein so teurer Schuss ja um später mal einen chinesischen Flugzeugträger abzuschießen. Die sollen ja ganz emsig eine ganze Reihe davon bauen. Da muss dann aber der erste Schuss sitzen …

Auch die MOAB hieß übrigens ursprünglich nicht „mother of all bombs“ – so einen zynischen Namen würde das Pentagon doch keiner Bombe geben – sondern „Massive Ordnance Air Blast“. Auch dieses Gerät musste halt auch irgendwann mal abgeworfen werden. Und weil man es nicht besser wusste, hat man es halt über Pakistan gemacht. Weil sich so ein armes Land ja nicht wehren kann und dies ja eh von den Taliban befreit werden muss.

So hat man – angeblich – mit der MOAB einen großen unterirdischen militärischen Komplex der Taliban zerstört. Und weil man die „Zivil-Bevölkerung“ bei diesem Abwurf optimal geschützt hat, wusste man schon kurz nach dem Abwurf ganz genau die Anzahl der getöteten Taliban-Bösewichte. Ach wie herrlich absurd.

Bei den Autos sehe ich die Absurditäten jeden Tag auf den Strassen Münchens. Die heißen dann unter anderem SUVs und haben gelegentlich mehr Pferdestärken als Lkws und Busse. Und blasen mir ihre Abgase ins Gesicht und in die Lunge, so wie früher der Raucher am Nachbartisch beim Pizza-Essen im Italienischen Restaurant.


Ein Freund hat gefordert, dass man die Abgase zuerst durch das Innere des Autos leiten solle bevor man sie nach außen entlässt. Eine Forderung die ich als Fußgänger oder Radler in der Rosenheimer Straße in München nur unterstützen kann.


Beim Auto gibt es eine neue Entwicklung. Denn auch die nicht sonderlich gebildeten Terroristen haben erkannt, wie gut sie Autos zur Ausübung ihres Gewerbes einsetzen können. Das Auto als die BOAB (best of all bombs). Weil es so einfach zu benutzen ist. Und die „Terroristen“ nutzen es immer häufiger. Warum soll man sich die Mühe machen, eine Bombe zu bauen, wenn man eh sterben will? Dann setzt man sich doch besser ans Steuer eines Kfz und gibt Vollgas. Freie Fahrt für freie Bürger.

Und die Kommunen beginnen, ihre Plätze und Fußgängerzonen mit Pollern zu schützen. Man sollte in Unternehmen investieren, die Poller bauen.

Ich schließe meinen Artikel und zitiere aktuelle Zahlen für Deutschland aus der Straßenkriegsberichtserstattung des statistischen Bundesamtes.


WIESBADEN – 239 Menschen kamen im April 2017 bei Straßenverkehrsunfällen ums Leben. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) nach vorläufigen Ergebnissen weiter mitteilt, waren das acht Verkehrstote oder 3,2 % weniger als im April 2016. Die Zahl der Verletzten ging um 12,0 % auf circa 28 300 gegenüber dem Vorjahresmonat zurück.

Von Januar bis April 2017 wurden 867 Verkehrstote gezählt, das waren nahezu genauso viele wie im entsprechenden Zeitraum des Jahres 2016 (865 Getötete). Rund 105 600 Menschen wurden in den ersten vier Monaten 2017 auf Deutschlands Straßen verletzt, ein Rückgang um 2,9 % gegenüber Januar bis April 2016. Auch die Zahl der Verkehrsunfälle ist gesunken. In den ersten vier Monaten 2017 erfasste die Polizei 790 400 Straßenverkehrsunfälle, 1,4 % weniger als im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Darunter waren 81 300 Unfälle mit Personen­schaden (– 2,7 %) und 709 000 Unfälle mit ausschließlich Sachschaden (– 1,2 %).

Im April 2017 kamen 239 Menschen bei Straßenverkehrsunfällen ums Leben (-3,2% / -8 Tote z VJ), 28300 wurden verletzt.


Immerhin schreiben sie, dass die Zahlen gesunken sind. Das obwohl die akkumulierte Vier-Monats-Zahl der Toten gestiegen ist! Aber was sind schon zwei Verkehrstote mehr? Der Trend zeigt übrigens, dass die Zahlen der Verkehrstoten in Deutschland wieder steigen. Und ich höre in Deutschland keinen Ruf nach VISION ZERO wie in Schweden. Es ist eine Schande!

RMD

Klaus Hnilica
Donnerstag, der 1. Juni 2017

Eine unerhörte Bilanz!

Also das hatte er sich damals geschworen: wenn er, ‚Colonel’ Vatter – mit zwei „t“ – Siebzig würde und noch bei klarem Verstand wäre – dann würde er vor der gesamten Großfamilie Vatter – insbesondere seiner Frau Cornelia, Conny seiner Tochter und  seinem Sohn Corni, eine ‚Lebensbilanz’ erstellen! Und da er nicht umsonst von frühester Kindheit an mit dem Nicknamen ‚Colonel’ bedacht worden war, stand damit die ‚gnadenlose Bilanzierung seines Lebens’ unverrückbar fest.

Das heißt so eine ‚Art Bilanzierung’ stand fest! Wie bei der doppelten Buchführung!

Nämlich ein nüchternes Nebeneinander der ‚Aktiva’ und ‚Passiva’ mit anschließender ‚Saldierung’ wie auf einer Waage – stand fest!

Schonungslos und selbstkritisch wollte er unter den ‚Aktiva’ alles benennen, was ihm im Laufe seines großartigen Lebens gelungen war und wie er sämtliche Loser hinter sich gelassen hatte. Und bei den ‚Passiva’ natürlich all das, was den anderen misslungen war! Akribisch und vorurteilslos wollte er deren Misserfolge auflisten, wie sich das nach guter, alter Buchhaltermanier gehörte!

Nach seiner Meinung sollte nämlich jeder aufrechte Mann gegen Ende seines Lebens neutral und uneitel so eine Bilanz ziehen! Eine Bilanz bei der glasklar fokussiert und bewertet wird wo Erfolge vorliegen und wo andere versagt haben.

Selbst die eigene Familie durfte bei einer derartigen Bilanzierung nicht geschont werden, wenn sie denn mit einbezogen werden sollte.

Aber dann musste auch alles auf den Tisch! Und wenn’s nur der Esstisch war – weil der die größte Tafelfläche hatte. Für seine geliebte Cornelia natürlich ein Alptraum: denn dieser Esstisch quoll über vor steinharten Frühstückseiern, zähen Rinderbraten, verkokelten Schnitzeln, halbgaren Hühnerschenkeln, breiigen Bohnen, ausgehärtetem Milchreis und vielen, vielen anderen ‚Köstlichkeiten’ aus ihrer Küche!

Aber nach einem kurzen hysterischen Schreianfall hätte sie sich bestimmt eingekriegt und eingesehen, dass so eine Bilanzierung nur Sinn machte, wenn mit größtmöglicher Ehrlichkeit an sie herangegangen wurde.

Und wäre auf diesem ‚Esstisch der Lebensleistungen’ dann wirklich kein Plätzchen mehr frei gewesen, da etwa auch Conny und Corni ihre ‚Versagenspakete’ verstohlen hinzugefügt hätten, dann wäre er, der ‚Colonel’, natürlich bereit gewesen seine ‚Palette der Erfolge’ auch unter den Tisch zu platzieren. Schließlich war da jede Menge Platz und Conny und Corni hätten sehr anschaulich lernen können, wie die deutsche Spruchweisheit ‚Bescheidenheit ist eine Zier’ nicht nur plakativ vorgezeigt, sondern auch gelebt werden kann! Und hätten damit ganz praktisch erfahren, was die Kanzlerin unlängst gemeint hatte, als sie sagte, dass nur unsere ‚Werte uns einen Begriff von Heimat gäben’…

Ursprünglich dachte er ja, dass so eine ‚Lebensbilanz’ durchaus auch als eine Art ‚Zwischenbericht’, auf speziell Lebensabschnitte fokussiert werden konnte und sich beispielsweise in geeignetem Rahmen schon zu seinem Fünfzigsten Geburtstag gut machen würde – insbesondere bei seiner beispiellosen Karriere!

Doch leider drehte dann wenige Tage vorher seine geliebte Cornelia von einem Tag auf den anderen durch und wollte sich urplötzlich scheiden lassen. Nur weil sie wieder einmal aus einer Mücke einen Elefanten machte, der dieses Mal Marianne hieß! Dabei hatte Cornelia selbst diese Marianne in die Familie eingeführt. Gegen den Willen des ‚Colonels’!

Mein Gott wie himmelte sie die viel jüngere Marianne an! Ein Herz und eine Seele waren die beiden! Und jede Shoppingtour mit ihr, war wie ein Blick ins Paradies gefeiert worden. Cornelia konnte und wollte einfach nicht sehen, dass dieses goldige Mariannchen nur Unfrieden in die harmonische Familie Vatter trug.

Ja er, der ‚Colonel’, musste damals tatsächlich selbst Hand an diese Marianne legen und ihr eine Schranke nach der anderen aufzeigen, die sie nicht zu übertreten hatte – die sie aber immer wieder von neuem aufgezeigt bekommen wollte. Schlimm war das gewesen – an manchen Tagen hatte sie – kaum zu glauben –  bis zu drei Schranken übersteigen wollen!

Letztlich war der ‚Colonel’ heilfroh gewesen als Cornelia endlich eingesehen hatte, dass diese Marianne weg musste. Und zwar unverzüglich! Dass sich Cornelia dann aber in einer Art somnambulen Schockzustand auch gleich scheiden lassen wollte, war übertrieben und bedurfte dringend ärztlicher Behandlung. Natürlich ließ der ‚Colonel’ seiner geliebten Cornelia gegenüber alle nur denkbare Rücksicht walten und verzichtete ihretwegen auch ohne jedes weitere Wort auf den vorhin schon erwähnten ersten ‚Lebensbilanzzwischenbericht’ anlässlich seines Fünfzigsten Geburtstages: schließlich wäre ja in der geplanten Bilanzierung sehr unschön unter den ‚Passiva’ Cornelias Scheidungswunsch gestanden, während er unter die ‚Aktiva’ sein damaliges Aufrücken in den Konzernvorstand platzieren hätte müssen, wenn das Ganze Sinn machen und nicht nur eine plumpe Umdeutung der Wirklichkeit sein sollte.

Aber das wollte er natürlich Cornelia nicht antun! Die war verzweifelt genug!

Auch die Kinder waren dagegen gewesen. Die hatten ja auch kaum etwas vorzuweisen, was unter ‚Aktiva’ verbucht werden hätte können, so dass doch nur wieder er einsam und verlassen dort aufgekreuzt wäre…

Nein – das war schon gut gewesen, dass er damals zum Wohle aller auf diese erste ‚partielle Lebensbilanz’ verzichtet hatte – ein ‚Colonel’ konnte das unschwer verkraften!

Anlässlich des Sechzigsten Geburtstages hätte sich nach der damaligen Logik erneut eine ‚Bilanzzwischenberichtschance’ aufgetan! Er war auch bereit dazu gewesen und hatte Unmengen an Material zusammengetragen und aufgelistet. Aber dann kam dieser unsägliche Datendiebstahl in Mode, bei dem illegal erworbene Informationen über diverse Schweizer Konten den deutschen Finanzbehörden zum Kauf angeboten worden waren. Seit ewigen Zeiten war aus der ganzen Welt auf diesen Konten Schwarzgeld geparkt worden. Und siehe da, urplötzlich war jeder der ein, zwei Milliönchen mehr besaß ein Steuerhinterzieher – und weiß Gott was noch alles!

Klar, dass der ‚Colonel’ da seinen Kindern Conny und Corni ein leuchtendes Beispiel geben und den beiden mit einer der ersten Selbstanzeigen in Deutschland demonstrieren wollte, dass man keine Steuern hinterzog! Und dass man bei einer weißen Weste auch keinerlei Angst vor rechtstaatlichen Maßnahmen haben musste, die sich da plötzlich allerorts in Bewegung zu setzten begannen.

Als sich dann aber überraschend eine Woche vor seinem Geburtstag die Steuerfahnder zu eine Art ‚Vorfeier’ selbst einluden, meinte seine geliebte Cornelia, dass dieses eine Mal eher eine Feier im engsten Familienkreis angemessen wäre. Da ihre Nerven ohnehin stark angegriffen waren, stimmte der ‚Colonel’ natürlich sofort zu und verzichtete bei seinen wenigen Dankesworten auf jede Andeutung einer ‚Lebensbilanzierung’, da er ja bei seinem rigorosen Hang zu Ehrlichkeit und ungeschminkter Wahrheit doch nur wieder Unschönes aus seinem Umfeld hoch gewirbelt hätte. Von den immensen Schwierigkeiten, die sich durch die sehr angegriffene Gesundheit seiner hoch betagten Mutter und seinem noch älteren Vater  ergeben hatten, wollte er gar nicht reden. Beide hatten das anschließende Debakel der Europäischen Finanzwelt nicht lange mehr überlebt – dazu hatten sie viel zu viel Geld verloren…

Zu seinem Siebzigsten Geburtstag aber –  sollte es nun endlich mit der ‚Lebensbilanzierung’ klappen!

Zu mindest einer verknappten Version!

Alles Störende war ja nun weitgehend ausgeschaltet oder hatte sich selbst erledigt: wie etwa Cornelia, die sich vor fünf Jahren von ihrem ‚Colonel’ getrennt hatte und mit einem Musiker in Belgien lebte. Conny ging es angeblich in USA gut mit ihrer Familie, und Corni war in England Direktor eines bedeutenden Bankhauses.

Das Problem war allerdings jetzt, dass zwar niemand mehr störte, aber auch niemand mehr da war, dem er seine grandiosen Erfolge erzählen hätte können, außer den beiden versoffenen Neffen und der schielenden Cousine, mit der er seit dreißig Jahren kein Wort mehr gesprochen hatte! Und Marianne natürlich, mit der er seit sechs Jahren zusammenlebte, da sie nie aufgegeben hatte, alle ihr im Weg stehenden Schranken auch weiterhin zu durchbrechen!

Doch Marianne war zwar eine wundervoll, attraktive Frau, hatte aber keinerlei Verständnis für seine fast schon ‚krankhaft chronische Selbstbeweihräucherung’, wie sie sagte: im Gegenteil sie wollte selbst bewundert werden! Und all der Kram aus der Vergangenheit konnte ihr wirklich gestohlen bleiben!

Aber wenn er – der ‚Colonel’ – schon das Bedürfnis nach einer Bilanzierung seines Lebens verspürte, dann sollte er doch diese großartige Lebensleistung selbst zu Papier bringen! Quasi als Vermächtnis an die gesamte Familie Vatter. Und Zeit hätte er doch jetzt auch, oder?

Mit diesen Worten drückte sie ihrem ‚Colonel’ begleitet von einem hinreißenden Lächeln ein nagelneues, absperrbares, ledergebundenes Notizbuch in seine von Altersflecken übersäten Hände, sowie einen flüchtigen Kuss auf die ausgetrockneten Falten seiner bereits bis zum Nacken reichenden Stirn.

Doch wenn ihm das alles zu mühselig sein sollte, säuselte Mariannchen, könnte er ja auch direkt an Inge, der Putze, die ihn wie immer bestens umsorgen werde, seine Lebensbilanz herantragen: da sie ihr Hörgerät ohnehin meist ausgestellt hatte, könnte er ihr ja tagtäglich aus seinem großartigen Leben berichten – und  dabei in einem Aufwasch auch alle kleinen, großen und noch größeren Schweinereien haarklein in seine Lebensbilanz mit aufnehmen! Da sei doch eine prima Beschäftigung für einen Mann in den besten Jahren! Und freudestrahlend teilte sie ihm – ohne Atem zu holen – mit, dass sie nun aber husch, husch zu ihrem Flugzeug müsste, da sie mit ihrem gemeinsamen Töchterchen Carola zum Golfen in die Algarve flöge! Dabei fächelte sie ihrem ‚Colonel’ atemlos selbst noch von der bereits offen stehenden Tür eine ganze Salve warmherzigster Küsschen zu…

KH

Hans Bonfigt
Donnerstag, der 11. Mai 2017

Entartete Kunst

Vor ein paar Wochen hatte ich einen unschönen Disput mit einem unserer Programmierer.  „Einen riesigen Haufen Sondermüll hast Du da zusammengestoppelt“, habe ich ihn angebrüllt.   „Damit kann kein normaler Mensch etwas anfangen“.

Und jetzt muß ich Abbitte leisten.  Denn „schuld“ war wieder einmal „das System“.

Schleichwerbung in Foren zu vermeiden ist Ehrensache, daher nur kurz:  Wir entwickeln unter anderem zumeist größere Telephonanlagen.  Mein Hauptaugenmerk liegt dabei auf Einfachheit, Durchschaubarkeit und Zuverlässigkeit.

Und deswegen werden unsere Anlagen seit Jahr und Tag mit einer einfachen Konfigurationsdatei eingerichtet, in der Form,

4711, Meier, Horst Meier, <Standort>, <Rechte>,  <Telephontyp>, <ID>

Ein Teilnehmer — eine Zeile.   Selbstverständlich banal maschinell erstellbar.  Und naturgemäß auch versionierbar !  Ach ja:  „Variablen“ gibt es natürlich auch und mit einem Wald- und Wieseneditor kann man auch die komplexesten Änderungen automatisieren.

Mit einem solchen Konzept aber hatte ich die Rechnung ohne die geschätzte Kundschaft gemacht.  Ausgerechnet diejenigen, die vom technisch-wissenschaftlichen Verständnis im 18. Jahrhundert verhaftet sind, belehrten mich, „Wir sind im 21. Jahrhundert angekommen.  Wir möchten unsere Telephonanlage einfach mit dem ‚Webbrauser‘ bedienen können“.

Nachdem dieses Malmot und ähnlich dümmliche Sentenzen fast wöchentlich an uns herangetragen wurden, mußten wir das tun, von dem jeder normal intelligente Mensch weiß, daß nur Schwachsinn herauskommen kann:  „modernisieren“.

Aber wir haben es wenigstens richtig gemacht:  Ein anspruchsvolles „Graphical User Interface“ erzeugt eine gewohnte „klick-und-warte“ – Umgebung für den degenerierten Mausschubser und erzeugt genau die Konfigurationsdatei, die diesem so verhaßt ist.  Und damit man nach wie vor auch effizient mit der Anlage umgehen kann, reflektiert unser graphisches Luserland auch manuelle Änderungen in dieser Konfigurationsdatei.

Die Ernüchterung bei der Präsentation war groß:  Ein EDV-Leiter forderte mich auf, doch einmal einen Telephonapparat anzulegen.  Ich war schon dabei, die Zeile zu tippen, aber da meinte die Mannschaft, „Nein, mit dem WEBINTERFACE und dem WIZARD !!!“.

Um es kurz zu machen:  Es poppten tausenderlei Fenster auf, in denen Informationen abgefragt wurden, die gar nicht benötigt wurden, es mußte erst ein Standort ausgewählt, dann ein Benutzer angelegt, dann zu einer bestimmten Gruppe hinzugefügt werden, danach mußte man eine „Einheit“ anlegen (wie ich dieses Wort HASSE seit der unglückseligen „Wiedervereinigung“) und final, wo wir schon die „Vereinigung“ gestreift haben, den Benutzer mit der „Einheit“ Telephon logisch verbinden.   Naja, für geeignete Werte von ‚logisch‘.  LOGISCH war vor allem, daß mein Unterfangen komplett in die Hose ging und ich mich und die Firma bis ins Pleistozän blamierte.

Das anschließende firmeninterne Debriefing (wir wollen ja schließlich im 21. Jahrhundert bleiben) fand in einer entsprechend aufgeheizten Stimmung statt und es kam nichts gutes  dabei heraus.  Und das war gut so!  Denn warum soll man einen stinkenden Haufen bürokratischen Sondermüll schönreden ?   Lediglich die Frage, was die Ursache und was das Problem war, konnte nicht geklärt werden.

Bis heute.   Da fiel es mir wie Schuppen von den Augen.

Denn da mußte ich aus der Ferne den Router eines Kunden konfigurieren.  Eigentlich baut die Firma LANCOM ganz ordentliche Geräte.  Und man gibt sich viel Mühe, die Konfiguration zu vereinfachen.

Dummerweise hat man ein paar wegen Talentlosigkeit relegierte Designerstudenten an die Bedieneroberflächlichkeit herangelassen und hier nun mein ungeschminkter Bericht:

Der EDV-Leiter des Kunden öffnet das „LANconfig“ – Programm, und während sich dieses stöhnend hochquält, erfahre ich zu meinem Entsetzen, daß dieses Juwel nur für Microsoft Windows erhältlich ist.  Ja, spinnen denn die?  Ich kenne Unternehmen, in denen es aus gutem Grund verboten ist, „Windows“ auch nur zu betreiben — und schon gar nicht in einer kritischen Umgebung, in der Router normalerweise vorzufinden sind.

Nach dem Start wollen wir einen Firmwareupgrade vornehmen.  Klar, daß damit das „Konfigurationstool“ selbst obsoleter Schnee von gestern sein wird.  Wir aktualisieren also erstmal das „Tool“:   160 MB werden heruntergeladen.  160 MB!   Danach laden wir das Router-Image: 16 MB.

Sage ich zum Kunden, „also ist der Anlasser zehnmal so groß wie der Motor“.  Das sieht der Kunde anders:  „Das ist doch bloß eine Firmware, aber das Konfig-Interface beinhaltet doch die gesamte Funktion!“.  Wie bitte?   Die „Firmware“ beinhaltet ein komplettes Betriebssystem, einen Webserver, SSL-Bibliotheken UND den gesamten Funktionsumfang.   Die Bedienungsoberflächlichkeit ruft doch nur ein paar Windows-Bibliotheken auf — und ist trotzdem zehnmal so fett wie das Gesamtsystem.  Helmut Kohl hat sich zum Krüppel gefressen und wog zu seinen schlechtesten Zeiten „nur“ etwa 150 Kg.  Man stelle sich jetzt einmal nur die feiste „Birne“ des aufgequollenen Oggerheimers einmal als 1.500 Kg – Geschwulst vor, um das ganze Ausmaß der Degeneration zu verstehen.

Nach dem Firmware-Upgrade, der erstaunlicherweise funktioniert hatte, wollten wir jetzt zwei simple Firewall-Regeln einrichten.  Und jeder, der über rudimentäre Netzwerkkenntnisse verfügt, weiß:  Eine Firewallregel besteht im wesentlichen aus Quelle, Protokoll, Ziel und Aktion.  Einfach und übersichtlich in einer Zeile.   So kann man das erfassen.  Und jeder weiß auch:  Ein IP(v4) – Adreßobjekt schreibt sich zum Beispiel 1.2.3.4/32, seit über 15 Jahren.  Und damit kann man einzelne Netze ebenso beschreiben wie einen einzelnen Rechner.  So gesehen kann also jeder mit grundlegenden Kenntnissen eine Firewall-Regel verstehend schreiben.

Nun wollten wir eine einfache Regel mit dem „Assistenten“ erfassen.  Und da hatte ich dann das déjà vu.  Denn es poppten auf einmal wieder verschachtelt Fenster auf.  Anstatt daß wir schreiben durften, „10.20.0.0/16“, mußten wir aus einer Fülle von ‚Situationsfenstern‘ wählen, und innerhalb dieser Fenster gab es neue Fenster mit Zusatzreitern.  Für jedes Feld der Firewallregel wiederholte sich das üble Spiel mit den Fenstern, natürlich mit unterschiedlichen Schikanen:  Bei „Aktion“ war „REJECT“ schon vorbelegt, wir wollten unterdessen „DROP“ und mußten den gutgemeinten Default erst einmal aus einer „COMBO-Box“ löschen.

Fatal dabei:  Es hat sich die peinliche Unsitte eingebürgert, statt vernünftiger Erklärungen sogenannte „Screenshots“ als Bedienungsleitung zu veröffentlichen, damit auch Gesamtschüler den Inhalt abtippen können.  Mit dieser „explosiven“ Vermehrung der Fenster (anstatt einem einzigen zur Eingabe der Regel poppten in etwa zwanzig davon auf) bläht sich auch die Dokumentation auf wie ein Hefekuchen.

Leider aber war das Ergebnis unserer Bemühungen nicht von Erfolg gekrönt:  Irgendein Häkchen, irgendeinen „Reiter“ in einem Subfenster hatten wir wohl vergessen.  Wohlgemerkt:  Es handelt sich um einen Router, den ich kenne wie meine Westentasche.  Mit den üblichen Werkzeugen wären die Regeln in unter einer Minute angelegt und hätten funktioniert.

Aber der Kunde möchte auf sein geliebtes „Windows“ nicht verzichten und bucht jetzt einen „Lehrgang“.  Da will ich dann nicht weiter stören.

 

Statt Vereinfachung findet also eine gigantische Komplikation statt:

  • Die gängigen „Werkzeuge“ sind alle kaputt,
  • ob es Webserver und JAVA/PHP/Perl sind
  • oder ihre maroden Gegenstücke, die „Webbrowser“.
  • Essentielle Informationen gehen in der Informationsflut unter,
  • der logische Bezug wird auseinandergerissen.
  • Peinliche Übersetzungen erschweren das Verständnis.
  • Die resultierenden Systeme sind inhärent unsicher, undeterministisch und instabil
  • Urplötzlich ist man versionsabhängig
  • und schlußendlich vergeudet man die einzige Ressource, die wir nicht nachbestellen können:  seine eigene Lebenszeit.

Das Attribut „Entartete Kunst“ wurde in der „nationalsozialistischen“ Ideologie für Darstellungen verwendet, die den ihr innewohnenden Vorstellungen von „geistiger Gesundheit“ zuwiderliefen.

Wenn aber ein „Bedienungshilfesystem“, welches ursprünglich dazu gemacht war, einen Anwender zu unterstützen, diesen behindert, beschneidet, gefährdet und verwirrt, dann möchte ich dieses sehr gerne als „entartet“ oder „pervertiert“ bezeichnen.  Und die „Schöpfer“ würde ich nicht mit Stumpf und Stiel ausrotten wollen, aber ‚mal ganz ehrlich:  Deutschland braucht auch Straßenkehrer.

Zum Schluß meine Abbitte an den Peter, der bei uns die graphische Programmierung übernimmt:   Nimm‘ meine Entschuldigung an.  Denn ich habe gesehen, wie grotteschlecht andere auch einfachste Anforderungen umsetzen.   Und nachdem ich Art und Qualität der verwendeten „Werkzeuge“ gesehen habe, weiß ich:    Damit wird es niemals ein sauberes graphisches Bedienungssystem geben.

-hb

Roland Dürre
Donnerstag, der 2. März 2017

Mein Freund der Marder.

Mein Feind ist wieder da!

 

Hermelin (Mustela erminea) im Sommerfell.

Ab meinem 18. Lebensjahr fahre ich Auto. Und hatte über all die vielen Jahre einen Todfeind: Den vom Gesetz geschützten Marder.

Wie oft wollte ich mein Auto anlassen – und es ging nicht. Weil dieses Vieh irgendein Kabel durchgebissen hatte.

Das hat mich über die Jahre ganz schön viel Geld gekostet. Und was habe ich alles gemacht! Jeden Abend Gitter unters Auto gelegt (und am Morgen wieder weggeräumt), diversen Voodoo-Zauber angewendet und es genauso erfolglos mit HighTech probiert und kleine Boxen mit Ultraschall-Geräten ins Auto eingebaut. Wirklich, ich habe alles versucht um meinen Feind vom Auto fernzuhalten.

Hier ein Steinmarder. Weil das obere Bild einen Wiesel aus der Familie der Marder zeigt.

Jetzt habe ich es geschafft. Ich habe kein Auto mehr. Und spare ganz schön viel Geld. Und habe auch nicht mehr das Problem, dass ich morgens verzweifelt bin, weil das Auto nicht anspringen will.

Ab und zu habe ich einen Platten am Fahrrad, wenn ich weg radeln will. Das ist nicht schlimm – dann nehme ich halt ein anderes Fahrrad, ich habe ja mehrere. Und schuld ist da auch nicht der Marder, sondern meistens ein Glassplitter, ein scharfes Split-Teil oder ein Metallteil.

So habe ich mich mit dem Marder versöhnt. Dachte ich zumindest!

Und was passiert gestern? Am Morgen meldet meine Heizanlage, dass die Solaranlage für Warmwasser am Dach eine Störung hat. Der Monteur hat dann gesagt, dass der Schaden nicht unter den Wartungsvertrag fällt, weil er von einem Marder verursacht wurde. Das würde öfters vorkommen. Und ich müsse löhnen.

🙂 Er ist wieder da …

RMD

P.S.
Beide Bilder sind aus Wikipedia.
Das schöne Bild des Wiesels (oben) ist aus dem zentralen Medienarchiv Wikimedia Commons. Urheber ist James Lindsey, die Quelle ist
http://popgen.unimaas.nl/~jlindsey/commanster.html
Das Bild vom Steinmarder (Martes foina) ist von Atirador.

Hans Bonfigt
Donnerstag, der 16. Februar 2017

Zum Abgrund hin mit Lin und Win …

Es ist jetzt fünfzehn Jahre her, seitdem in der Münchner Stadtverwaltung konzeptlos auf Kosten des Steuerzahlers mit einer Frickelei begonnen wurde, die rein ideologisch motiviert war und im Chaos enden mußte. Eine post-mortem – Analyse.

„Wann ana deppert is, dann is er bei Disco-Musik genauso deppert wie bei Beethoven.“

Dieses Zitat von Friedrich Gulda reicht eigentlich völlig zur Erklärung der Situation in München aus. Schon mein Vater pflegte zu sagen, „Von mir aus könnte unser Computer eine Waschmaschine sein, mich interessiert nur, ob ich mit den Auswertungen etwas anfangen kann oder nicht“.

Einem Anwender ist es wurschtegal, mit welchem Betriebssystem er arbeitet. Er möchte seinen Job erledigt bekommen und nicht gegängelt werden.

Die Fragestellung in München hätte lauten müssen
„Was wollen wir erreichen? Welches Betriebskonzept wählen wir? Mit welchen Mitteln setzen wir das Betriebskonzept um?“
und nicht
„wie ersetzen wir eine unübersichtliche Windows-Müllhalde gegen eine noch unübersichtlichere Linux – Sondermülldeponie“?

Es gibt nur wenige Unternehmen, die beim Thema „Linux“ so erbärmlich versagt haben wie die IBM. Da lag es natürlich nahe, ausgerechnet von dort eine „Systemarchitekt*in“ anzuheuern. Ich arbeite lieber mit einem bestechlichen, korrupten Chauvi zusammen als einer „bemühten“ IT-Beraterin.

Jeder Mensch, der bis fünf zählen kann, weiß: Nach fünf Jahren ist ein Arbeitsplatzrechner veraltet. Selbst, wenn er noch funktioniert, bekommt man keine Ersatzteile mehr dafür. Das wirklich allerdümmste, was man tun kann, ist jetzt, einem solchen Stück geplanter Obsoleszenz eine „Software Suite“ quasi auf den Leib zu schneidern.

Ganz im Gegenteil:
Wenn jemand mit einem Funken Verantwortung im Leib fünfzehntausend (!) Computerarbeitsplätze neu gestalten soll, dann wird er erst einmal dafür sorgen, daß der Hardware-Lebenszyklus vom Software-Lebenszyklus entkoppelt wird.

Das ist kinderleicht zu erreichen mit sogenannten „Thin Clients“, die vor Ort keinerlei Einrichtung oder Wartung benötigen, weil sie sich einfach mit dem Rechenzentrum verbinden und, gleichsam wie ein Fernsehgerät, ihre Programme von dort beziehen. Die Technik gab es seinerzeit und mit Kurt Pfeifle stand ein hoch kompetenter Berater zur Verfügung.

Was machte man stattdessen? Weil das „Team“ so wenig Ahnung hatte, war es nicht einmal in der Lage, die Schwierigkeiten abzuschätzen, die sich bei der „Eigenentwicklung“ einer Microsoft-Alternative ergeben würde, wurde zusammen mit der Firma „Sedativ GmbH“ auf Gedeih und Verderb losgelegt.

Mir treibt diese unbeschreibliche Arroganz die Galle hoch: Natürlich ist eine „Windows-Suite“ hochkomplexer Sondermüll auf der Basis kaputter Protokolle. Aber anzunehmen, die Microsoft-Entwickler wären Vollidioten und dem eigenen Team würden durch das Nachbauen von Microsoft-Strukturen niemals vergleichbare Probleme entstehen, weil es ja zu den alleinig GUTEN (TM) gehört, das ist nicht mehr einfache, sondern kriminelle Dummheit.

Taliban sind immer unerträglich …
… ob es sich nun um die brunz-dummen, verbohrten Originale handelt oder um „durchideologisierte“ Polit-Funktionäre. Neulich erzählte mir ein Bekannter, daß die Schulverwaltung seinen Kindern untersagt habe, mit dem Fahrrad zur Schule zu kommen. Begründung: Die Kinder hätten ja keinen Helm auf. Natürlich nicht, sinnvollerweise. Und natürlich hat sich die Familie nicht an die Anordnung gehalten. In der Konsequenz bekamen die Fahrräder der Kinder „Hausverbot“ auf dem Schulhof.

Ähnlich dumm-dreist ist es, funktionierende Fachverfahren, die einigermaßen unter Windows laufen, einzustampfen und unter Linux neu zu entwickeln. Auch hier hätte es einfache Alternativen gegeben: Rechner mit Fachverfahren ins Rechenzentrum auslagern und von den Endstellen transparent darauf zugreifen. Dazu gibt es als Beispiel ein einfaches Programm, den RDP-Wrapper, welcher jede Windows-Kiste zum (Vorsicht, Microsoft-Dilettantensprech) „Terminalserver“ macht.

Das Tolle dabei: Man spart sich Lizenzkosten, aber man manipuliert nicht an „Windows“. Wir haben Kunden, die ihre Fachverfahren zur Galvanik-Optimierung von den einzelnen Produktionsstandorten ausgegliedert haben und dadurch gehoben fünfstellig pro Jahr an Softwarelizenzen sparen — bei gleichzeitiger Verbesserung der Wartung und Verfügbarkeit!

Die Milchmädchenrechnung von den „gesparten Lizenzen“
fällt zusammen wie ein Kartenhaus, wenn man bedenkt, wie viele Mitarbeiter und Externe notwendig sind, um das Eigengefrickel mehr schlecht als recht am Laufen zu halten.

Anstatt konsequent zu sein und auch Mitgliedern der Führungsriege aus guten Gründen die „Nutzung“ von „iPhones“ zu untersagen, wird panisch eine Extra-Serverfarm aufgesetzt, damit der Mailserver „apple-kompatibel“ wird. Mit solchen Extratouren richtet man maximalen Schaden an: Einmal sind es die Kosten, dann aber kommen die Wartungseinsätze wegen garantierter Fehlfunktionen.

Small is manageable ….
mit dieser einfachen Prämisse hätte man das Projekt ohne Quotenfrauen und externe Lobbyisten zügig stemmen können. Nach uraltem Vorbild: Anwendungen zentral auf Servern, Zugriff von überall aus. Das ist ein alter Hut, ein funktionierender obendrein, und besonders dumme Trendlemmige nennen ein solches Konzept jetzt „CLOUD“.

Intelligente Menschen lernen aus Fehlern anderer, normale Menschen lernen aus den eigenen …
… aber nur die ganz großen Dummköpfe lernen nicht einmal aus den peinlichsten Momenten ihres eigenen Versagens.

Womit wir beim Ausblick wären:
„Bewährte Partner“ wie „Computacenta“ (das sind die, die als „Compunet“ die Bundestags-Migration epochemachend versiebt hatten und sich daraufhin umbenennen mußten), Bullshit-Produzenten wie Arthur Anderson (mußten sich schon vor längerer Zeit umbenennen wegen der Enron-Pleite) und natürlich der Garant für Desasterprojekte, die T-Systems, stehen ja bereit.

Die werden jetzt aus einer konzeptlosen Linux-Umgebung eine konzeptlose Windows-Umgebung machen. Was kann da schon schief gehen?

-hb

Roland Dürre
Dienstag, der 6. Dezember 2016

Bald darf ich den Bundeskanzler wählen …

Falsch, eigentlich wähle ich ja eine Partei, …

Hier mit Klaus Hofeditz bei der Strategie Klausur 2016 von PM-Camp.org in Berlin.

Hier mit Klaus Hofeditz bei der Strategie Klausur 2016 von PM-Camp.org in Berlin.

… die dann gemeinsam mit anderen den Kanzler aus mauschelt. Und vielleicht wird dann der Spitzenkandidat der Partei, die die meisten Stimmen bekommen hat, auch Kanzler. Muss aber nicht so sein.

Für die Bundestagswahl im nächsten Jahr tut sich ein Hoffnungsschimmer für mein Über-Ich „Dumusstwählen“ auf. Mein Über-Ich sagt mir nämlich, dass ich als Demokrat zur Wahl gehen muss. Mein Gewissen untersagt mir aber, die „normalen“ Parteien zu wählen. So habe ich ein Dilemma.

Aber es gibt Hoffnung: Serdar Somuncu wird für „Die PARTEI“ als Bundeskanzler kandidieren. So habe ich mal geprüft, ob er eine valide Alternative ist. Und kam dabei auf den Gedanken, ob ich mich nicht einfach selber zur Wahl stellen und so um das Amt des Kanzlers bewerben soll.

🙂 Denn wenn ich kandidiere, dann weiß ich ja, wenn ich wählen muss! Jetzt bin ich mal zynisch: So schwierig ist es gar nicht Bundeskanzler zu werden. Wahrscheinlich ist es einfacher als jemals zuvor. Der Trump hat’s ja auch zum Präsidenten geschafft. Und Populismus kann ich auch. Besser als mancher denkt. 🙂

Allerdings: Ich habe überhaupt keine Lust in meinem Alter von 66 Jahren mich noch mal in solch eine Tretmühle zu begeben. Und die fast schon greisen Kandidaten, die alle auf jung machen (nicht nur im US-Wahlkampf), sind mir eh ein Graus.

Also:

Kein Bundeskanzler Roland Dürre. Aber vielleicht doch Serdar Somuncu? Immerhin mag er Woody Allen und Bert Brecht. So unrecht kann er dann doch gar nicht sein. Dass er Türke ist, stört mich auch nicht. Ich mag Menschen aus anderen Kulturkreisen.

Wahrscheinlich kann er den Kanzler auch besser als ich. Habe ich doch viel zu viel „morbide Freude am Untergang pervertierter Systeme“.

RMD

Hans Bonfigt
Donnerstag, der 26. Mai 2016

Atom

Was war der Grund für den angeblichen „Störfall“ in Hamm-Uentrop?

Jede Politik gebiert Kompromisse.
Ein Kompromiss ist der Tod jeder genialen Idee.

Politik verhindert zuverlässig jedes geniale Konzept.

Erinnern Sie sich noch an die Winkraftanlage „Growian“?

In den Siebzigern wurde uns eingehämmert, „mit Windenergie kann man keine systemrelevante Menge an elektrischer Leistung erzeugen“, „höchstens 2%“. Um dies zu „beweisen“, schickten Politik und Industrie einen Großprototypen ins Rennen, dessen Scheitern unausweichlich war – was nebenher der Sinn eines Prototypen ist.

Der Mißerfolg wurde weidlich ausgeschlachtet:
„Die Glocken sollen läuten, es waren nichts als Lügen, der Mensch ist kein Vogel, es wird nie ein Mensch fliegen.  Sagte der Bischof den Leuten“.
Und heute wissen wir, daß Windkraft so unwirtschaftlich und ineffektiv ist, daß Bayern sie explizit qua Gesetz verbieten mußte.

Ist der Name „Transrapid“ noch geläufig? Ja, genau: Das geniale System, das den Stator eines Asynchronmotors quasi auf einer Eisenbahnstrecke abrollt und eine berührungs-, friktions-, führungs- und verschleißfreie Fortbewegung ermöglicht.

Was ist daraus geworden: Nix. Wir bauen weiterhin Schienensysteme aus dem vorvorletzten Jahrhundert: Technik von gestern mit der Technologie von vorgestern. Erbärmlicher Lachschlager am Rande: Als „Kompromiß“ war einmal angedacht, eine Transrapid-Strecke als S-Bahn-Ersatz zum Flughafen München zu errichten.  Ich war ja immer der Meinung, daß die Wahrheit einer bizarren Geschichte nicht im Wege stehen sollte, aber was die „politische Klasse“ an Exkrementen auf das Volk scheißt, nachdem sie den Lobbyistenfraß lautstark verdaut hat, das kann man sich gar nicht mehr selbst ausdenken. Auch nicht nach 24 Stunden Dauerberieselung durch „RTLII“ oder „Helene Fischer“.

Ist der „Wankelmotor“ noch ein Begriff? Jener hätte das Zeug gehabt, den Viertakt-„Zappelphilipp“ zu verdrängen. Aber die Idee verschwand im Nirwana.

Allen Konzepten ist eines gemein:

kompromiss

Wenn Politik und Industrie, also Dummheit, Macht- und Habgier, zusammenarbeiten, dann kommt meistens ein Begräbnis 1. Klasse dabei heraus.

Und so war es auch beim genialen Thorium-Hochtemperaturreaktor in Hamm-Uentrop.

Dreißig Jahre sind eine lange Zeit, aber an die Vorgänge im und um den Thorium-Hochtemperaturreaktor kann ich mich gut erinnern. Um Pawloff-Reflexe vorwegzunehmen: Aus guten Gründen war ich vor 30 Jahren Kernkraftgegner, aus guten Gründen bin ich es heute. Nur habe ich es aus Scham stets vermieden, mich mit dem grünen Dummvolk zu solidarisieren.

Und noch eines möchte ich vorwegnehmen: Ganz bewußt habe ich keine der üblichen „Quellen“ wie Wikipedia und Zeitungsartikel verwendet. Das, was ich hier schreibe, habe ich größtenteils selbst erlebt, und ich war „drin“, beispielsweise im Reaktor-„Core“, dem Teil also, der garantiert noch weitere 30 Jahre „sicher eingeschlossen“ sein wird.

Der Thorium-Hochtemperaturreaktor war der einzige Reaktortyp, der sicherheitstechnisch einigermaßen beherrschbar gewesen wäre. Er war systemimmanent sicher wegen seiner thermonuklearen Eigenschaften:

  • Nach Überschreiten einer Temperatur von etwa 1.200°C ist die Reaktivität rückläufig, selbst bei Ausfall aller Wärmetauscher wäre ein „Durchbrennen“ des Reaktors, dessen Wandungen aus meterdickem Graphit sind, unmöglich, denn dieser hält Temperaturen bis 2.500°C stand.
  • Er wird mit Graphit und nicht mit Wasser moderiert.
  • Er vermeidet austenitischen Stahl, der sich über Jahrzehnte hinweg als nicht ausreichend standfest unter extremer Strahlenbelastung erwiesen hat.
  • Die Ableitung der Wärme erfolgt über sechs unabhängige Wärmetauscher mit einem Helium-Primärkreislauf.  Helium hat eine hohe spezifische Wärme und ist insbesondere ein inertes Gas, das völlig stabil bleibt beim Passieren des Reaktors. Außerhalb des Reaktors war also nicht einmal der Primärkreislauf mit nennenswerter Radioaktivität belastet.

Natürlich wäre auch hier ein „größter anzunehmender Unfall“ möglich gewesen, der ähnlich verheerende Folgen gehabt hätte wie die „Leistungsexkursion“ des RBMK-Reaktors in Tschernobyl: Ein Wassereinbruch im Reaktor. Freilich hatte man alles getan, um einen solchen Fall auszuschließen. Darüber könnte man mehrere Bücher schreiben, so gab es de facto gleich drei Wärmekreisläufe. Unbedingt zu erwähnen wäre auch der Trockenkühlturm – aber all dies sprengt einen Blog-Artikel.

Der THTR war überdies im Betrieb ausgesprochen erfolgreich, er lief insgesamt 1,5 Jahre (es war der erste großtechnische Prototyp). Und natürlich gab es Probleme, insbesondere zwei konzeptionelle:

Brennmaterial und Moderator waren kugelförmig, etwa von der Größe eines Tennisballes. Im hexagonal angelegten Reaktorcore war ein riesiger Kugelhaufen gestapelt. Das Helium wurde im Gegenstrom bei 36 bar Überdruck durch den Kugelhaufen geleitet. Nun ist Helium-4, wie schon erwähnt, nicht nur stabil, sondern verfügt auch über eine hohe spezifische, jedoch über eine sehr geringe molare Wärmekapazität. Heißt für den praktischen Betrieb: Enorme Druckerhöhung bei Temperaturanstieg und geringe Viskosität. Es bildeten sich Heißgassträhnen innerhalb des Reaktors, welche die Heliumleitungen im Reaktor irreparabel (und irreversibel) beschädigten. Gleichzeitig wurden, bedingt durch die Leistungsregelung mit Grahitstäben, welche in den Kugelhaufen eingefahren wurden, weitaus mehr Kugeln beschädigt als vorhergesehen. Der Trümmerbruch und der Staub mußten ausgefiltert werden.

Häufiges Stillsetzen und Wiederanfahren war notwendig, und jedesmal mußte eine nicht ganz unerhebliche Menge an Helium freigesetzt werden, welches allerdings, bedingt durch schlechte Filterung, noch reichlich mit radioaktivem Staub kontaminiert war. Es gab eine gesetzlich untermauerte Regelung, daß ein Kernkraftwerk pro Betriebsjahr nur eine ganz bestimmte Menge Radioaktivität freisetzen durfte. Bei vielfachen In- und Außerbetriebnahmen war diese Menge schnell erreicht.

Es waren bereits effektivere Filter bestellt und m.W. waren diese sogar schon eingetroffen, jedoch noch nicht eingebaut.


Und dann passierte:  Nein, nicht Tschernobyl…

… das sicher auch, aber der Todesstoß für den THTR kam von Jimmy Carter:

Der THTR arbeitete mit hochangereichertem, sprich waffenfähigen Uran. Und zwar in rauhen Mengen, knapp zwei Tonnen waffenfähiges U235 lagerten in Hamm-Uentrop. Möchte mal wissen, wo das Zeug heute herumgammelt, wer weiß, vielleicht in einer Scheune in Südfrankreich, wie damals das Seveso-Gift ?

Nun war den Amerikanern aufgefallen, wie schlampig speziell die BRD mit Nukliden umging (siehe die groteske „Asse“-Situation) und die Allah-Anbeter wurden auch nicht dümmer. Vor dreißig Jahren konnte man sich für ein minimales Bakschisch hochbrisanten Militärsprengstoff aus Bundeswehrbeständen „kaufen“. Der wurde einfach bei einem Manöver irgendwo vergraben und später abgeholt. Mit etlichen tausend Mark wäre man ganz sicher auch an das U235 gekommen.

Und da haben die Amerikaner halt die Notbremse gezogen, zumal sie Kohl und Genscher verständlicherweise abgrundtief verachteten. Strauß wollte das inkarnierte Fähnlein im Wind ja für die ISO vorschlagen, „1 Genscher := Maßeinheit für politische Unzuverlässigkeit“.

Neuen Brennstoff gab es nicht.

Der THTR hatte noch Brennstoff für zwei Jahre, und dann hätte man ihn mit einem komplett anderen Material betreiben müssen, was den thermischen Wirkungsgrad unterirdisch verschlechtert hätte.

Naja, und unerfreulicherweise gab die äußere Betonhülle Wasser an das Graphit des Reaktorcores ab, welches prächtig reagierte.

Sic stanitbus rebus: Operation geglückt, Patient wirtschaftlich tot.


Und dann, zur Freude der Betreiber …

geschah das Unglück von Tschernobyl und die Stimmung im Land kippte schlagartig. Der RBMK wurde ja mit Graphit moderiert, genau wie der THTR!!!1! Oh mein Gott!!! Apropos: Das ganze dumme „Christen-“ und „Grünen“-Stimmvieh zog in die Schlacht. Mann, mann, mann, war das peinlich. Mich deucht, das Einzige, was uns die sogenannten „Flüchtlinge“ an „Bereicherungen“ beschert haben, sind die Christenverfolgungen. Sollte man ausbauen. Nachhaltig. Ein- oder zweimal habe ich auf einem evangelischen Kirchentag versucht, mit „Anti-AKW-Aktivisten“ zu diskutieren – das ist von vornherein sinnlos, wenn „Glaube“ im Spiel ist. In diesem Zusammenhang möchte ich noch auf einen brillanten if-blog – Artikel von Klaus-Jürgen Grün verweisen, Kirchen tagen. Und wenn die Nachkriegs-SPD ja insgesamt widerlich opportunistisch war, in Nordrhein-Westfalen kultivierte sie über Jahrzehnte diesen Opportunismus zur abstrakten Kunstform. „Atom“, das ging jetzt gar nicht mehr.

Und endlich hatte man eine Möglichkeit gefunden, aus dem schwierigen und längst unrentablen Projekt auszusteigen, es fehlte nur noch ein „Paukenschlag“.

Nun wird in der „Lügenpresse“ behauptet, sinngemäß, „Die Techniker wollten ihren radioaktiven Müll dezent loswerden“. Ja, natürlich wollten die das. Aber die waren nicht dämlich, gingen nicht in die Kirchen und wußten stattdessen:

  • man würde 233Pa finden, ein THTR-spezifisches Spaltprodukt und
  • zudem ein Tritiumnuklid, welches entsteht, wenn der verschwindend kleine Restanteil Helium-3 im Kühlkreislauf unter Neutronenbeschuß reagiert.

Kein Einbrecher hinterläßt seine Visitenkarte auf dem Wohnzimmertisch.

Es sei denn, er möchte, daß sie gefunden wird.
Ja, und so wurde es dann auch gehandhabt, man entließ kubikmeterweise kontaminierten Reaktorstaub und Aerosole in die Atmosphäre. Und alle waren zufrieden:

Die Presse hatte ihren geliebten Skandal, der Schuldige war schnell gefunden, nämlich das böse THTR – Prinzip, der Steuerzahler durfte für den Abbruch aufkommen (und darf das auch weiterhin bis 2050)  —  und die „Grünen“ hatten ihren „Sieg“. Last but not least: Die VEW konnte wieder „sichere“ Leichtwasserreaktoren bauen.  Denn das Tschenobyl-Odium klebte jetzt am bösen THTR, nicht aber an den bekannt unsicheren Leichtwasser-Zeitbomben.

Zusammenfassend:

Opportunismus und wirtschaftliche Erwägungen stellen eine erhebliche Gefährdung sinnvoller Projekte dar. Kommt jetzt noch „Zeitgeist“ oder „Volkswille“ hinzu, dann kann man jedes Projekt gleich einäschern.

Wenn ich heute an so mancher Ruine vorbeifahre, sei es die Maxhütte in Sulzbach-Rosenberg oder der THTR in Schmehausen, dann werde ich ganz traurig und mir kommen die letzten Zeilen von Brechts anachronistischem Zug in den Sinn,

Und der Wind in den Ruinen/singt die Totenmesse ihnen,/die dereinst gesessen hatten/hier in Häusern/Große Ratten/schlüpfen aus gestürzten Gassen/folgen diesem Zug in Massen/“Hoch die Freiheit“ piepsen sie,/“Freiheit und Democracy“.

hb

Roland Dürre
Donnerstag, der 21. April 2016

Briefkasten-Firmen, Korruption und was so dazu gehört … (Serie) #2

Heute: Bestechung & Schwarze Kassen

Wie ich noch in Anwender-Software gemacht habe, war immer Requirement Engineering angesagt. Immerhin hatte der Begriff den Vorteil, dass das Wort Management nicht drin vorkam. Modern würde man ja wahrscheinlich „Requirement Management“ sagen. Ich bevorzuge aber heute den eher agilen Ansatz eines Systementwurfs mit „user stories“ und „use cases“.

Ganz gleich ob so oder so, immer gibt es etwas Ähnliches wie Entity-Relationship-Modelle (ERM). Es werden Objekte oder besser Klassen von Objekten und eine qualifizierte Beziehung beschrieben, die zwischen diesen besteht.

Das für mich schönste Beispiel für ein ER-Modell ist die Liebe. Da gibt es die Liebende (entity E1, die Liebe (relationship L->) und die Geliebte (entity E2), also E1 L-> E2. Das ganze geht natürlich auch männlich.
🙂  Und wenn das Relationship symmetrisch wird (<-L->), dann sprechen wir von einem „Happy End„.

Sogar die sicher sehr schlauen Jesuiten als Vordenker der katholischen Kirche haben genau diese Metapher gewählt, um das unverständliche und oft angezweifelte Dogma der Dreifaltigkeit als menschenfreundliche Metapher abzutun. Sie haben einfach Gottvater als den Liebenden, den heiligen Geist als die Liebe und Jesus als den Geliebten definiert.

:-) Was waren das noch für Zeiten, wie man diesen Schein als Reserve versteckt in seinem Geldbeutel hatte.

🙂 Was waren das noch für Zeiten, als wir diesen tristen Schein sauber gefaltet und tief versteckt als eiserne Reserve in der Tiefe unseres Geldbeutel hatten.

Bestechung kann auch als Entity-Relationship-Modell definiert werden. Es gibt den Bestecher, die Bestechung und den Bestochenen. Schon vor ein paar Jahrzehnten haben wir im Seminar bei Rupert Lay – damals auch als der Nestor von Ethik in Wirtschaft und Gesellschaft bezeichnet – das Thema Bestechung heiß diskutiert und debattiert.

Die Erkenntnis im Kreis der Manager war damals, dass die Bestechung zumindest eines deutschen Beamten zweifelsfrei ein „Nogo“ wäre, weil sie definitiv vom Gesetzgeber verboten wäre. Eine Bestechung eines Einkäufers einer definitiv korrupten Gesellschaft – um zum Beispiel Arbeitsplätze zu erhalten – könne aber ethisch durchaus zu rechtfertigen sein. Weil es ja sonst ein anderer tun würde. Und das Finanzamt würde ja auch genau deshalb eine Erklärung wie „besondere Aufwendung“ ohne Empfängerangabe in einem vernünftigen Rahmen akzeptieren.

Soweit die Management-Denke der 80iger Jahre. Ich sah und sehe das ein wenig anders. Zum einen, weil diese Logik ja alles recht fertigen würde, auch den Einsatz von weiteren unredlichen Mitteln – wie zum Beispiel Gewalt – und zum anderen, weil auf diese Art und Weise das Rad der Korruption nur noch schneller gedreht werden würde.

Wie sieht Bestechung in der (erlebten) Praxis aus?

In der Regel basiert Bestechung auf einem System von schwarzen Kassen. Denn sie funktioniert nur, wenn Bestecher (E1) und Bestochener (E2) nicht bekannt werden. Also muss das Geld möglichst früh anonym aus dem Unternehmenskreislauf entnommen und ins Schattenreich des Schwarzgeldes gebracht werden.

Dort herrscht Regellosigkeit los, bzw. die Regeln werden von einzelnen Personen festgelegt. Die sind bekanntermaßen schwach und können leicht verführt werden. Besonders wenn sie als sozialem Rahmen ein korruptes System haben, dass es ja mit seinen schwarzen Kassen vormacht.

Menschen mögen sich selber am meisten. Und ihr Gerechtigkeitssinn protestiert, wenn so ein korrupter Mensch einer fremden Welt auch noch soviel Geld kriegen soll. Also zweigen sie – für mich gut nachvollziehbar – einen wesentlichen Betrag aus dem Bestechungsgeld an sich ab. Alles andere wäre ja mehr als dumm.

Ich gehe mal davon aus, dass (mehr als) die Hälfte der Bestechungssummen gar nicht bei den Bestochenen landet sondern bei den Bestechern hängen bleibt. Das macht Bestechung so problematisch. Denn plötzlich wird das ERM symmetrisch, der Bestecher will die Bestechung genauso wie der Bestochene, sie werden zu Komplizen und die Notlüge „man muss ja bestechen, weil es die Regel ist“ steht auf noch schwächeren Beinen.

Das an beide Seiten geflossene Geld muss natürlich irgendwo hin – und wieder wird uns klar, warum es so viele Scheinfirmen gibt. So schließt sich der Kreis zum ersten Artikel meiner kleinen Serie. In den nächsten beiden Artikeln beschreibe ich dann ganz konkret, wie ich bestochen werden sollte.

RMD

P.S.
Der Tausender ist aus Wikipedia.

Roland Dürre
Freitag, der 1. April 2016

Elefanten-Hochzeit: ADAC und DAV fusionieren!

Elefanten-Hochzeiten kennen wir schon lange aus der Wirtschaft. Da übernimmt der eine Brau-Konzern den andern. Große Banken schlucken sich gegenseitig. Im Handel übernimmt laufend eine Kette einen lästigen Konkurrenten.

Auch in der IT gibt es eine lange Geschichte von Aufkäufen. Man denke nur an Unternehmen wie Compac oder Digital, die ganz schnell mal geschluckt wurden oder an die Übernahme im letzten Jahr von EMC durch Dell. Oder die stolze Münchner Softlab GmbH, aus der über Circuit (BMW) dann NTT (Nippon Telcom) wurde, so wie die elitäre SDM heute Cap Gemini heißt …

ADAC-Logo.svgLogo_DAV.svgJetzt hat das Fieber der Fusionitis auch die deutschen Mega-Vereine erreicht. So wird heute Mittag um 13:00 in der Bayerischen Staatskanzlei (!) der Zusammenschluss des Allgemeinen Deutschen Automobil-Club e. V. (ADAC) und dem Deutschen Alpenverein (DAV) bei einem öffentlichen Sektempfang bekannt gegeben.

Da dieses bemerkenswerte Ereignis mit „dem Volk“ gefeiert werden soll, sind alle Freunde des Kraftfahrzeuges und der Alpen herzlich auf ein paar Gläser Sekt und einen kleinen Imbiss von den Hochzeitern eingeladen. Und in meiner Rolle als „Aktivist für aktive Mobilität im Alltag“ müsste ich eigentlich auch hingehen. Geht aber nicht, da ich ja heute noch in China auf der „GREAT WALL“ herumklettern will.

Die Tragweite und Bedeutung dieses Ereignisses darf auf keinen Fall unterschätzt werden. Der Deutsche Alpenverein e. V. (DAV) ist die größte Bergsteigervereinigung der Welt und der achtgrößte Sportverband Deutschlands, der Allgemeine Deutsche Automobil-Club e. V., kurz ADAC, ist Deutschlands größter Automobil-Club mit Sitz in der wahren Auto-Hauptstadt München!

Und wer hat solch Historisches auf den Weg gebracht? Der Vermittler dieses Handels und so Retter der beiden Verbände ist – wie könnte es anderes sein – unser bayerischer Landesvater Horst der Erste zu Seehofer! Er war der Hochzeitsmacher, der die beiden kränkelnden, in sich zerstrittenen und von Krisen geschüttelten Lieblingsvereine der Deutschen zusammen gebracht und so vor dem Untergang gerettet hat.

Unermüdlich hat er sein großes politisches Gewicht wieder einmal in den Kampf für bayerische Grundwerte und deutsche Lebensart eingebracht und mit maximalen Einsatz für die wahren Interessen der Menschen im Lande gekämpft, die eben nicht für Laptop und Lederhose sind sondern zuallererst ihre Autos und Berge lieben.

Der Zusammenschluß ist eine Liebesehe. Gilt folgende Formel doch bei beiden Vereinen schon lange

Bergsport = Motorsport
denn Berg und Motor gehören zusammen!

Denn was wäre der Bergwanderer ohne seinen Diesel, gleich ob von Toyota oder VW? Sitzt er doch bei der Anreise zum Bergsteigen meistens länger in seinem Lebensblechgefährt(en) als er dann auf dem Berg mit seiner Lebensgefährt*in unterwegs ist.

Und wo soll denn der Autofahrer seine Rußkutsche am Wochenende hinlenken, wenn nicht in die Berge? Nur die Fahrt morgens zum Bäcker und abends zum Zigarettenautomaten – das lohnt sich doch nicht.

Bilden der Bergsteiger und sein Diesel nicht ein perfektes Duo? Robust, zuverlässig, ausdauernd, genügsam! Und sind nicht beide auf allen Pisten zu Hause? Und wenn es schwierig wird schalten beide auf Quattro.

Auch die Publikationen und Magazine der beiden Vereine – die Motorwelt des ADAC wie die Alpinwelt und das Panorama vom Alpenverein – klingen nicht nur ähnlich sondern sind von der selben Strickart. Vermarktung ist alles.

Dem martialischen helden-gelben ADAC-Logo wird das dezente grüne Edelweiß gut tun. Die rußige Weste der Motorsport-Helden braucht dringend die zwar oft vom Schweiß feuchte aber ansonsten saubere Funktionsunterwäsche des Bergsteigers, um zumindest wieder zu ergrauen. So wird der ADAC seine moralische Integrität im lederbehosten Schoß der Alpenliebhaber wieder finden. Der DAV dagegen kann sein biederes Image in Richtung Glanz, Chrom und Auto-Glamour verbessern. So passt emotional bei dieser Fusion alles, es wächst zusammen, was zusammen gehört.

Aber die Liaison folgt auch der Logik einer Vernunftehe. Denn es gibt schon jetzt viele absehbare Synergien. Mit dem starken Vertrieb für Tourismus-Produkte des ADAC hat der DAV einen neuen starken Marktkanal für seine Produkte im Bereich des Berg- und Hütten-Tourismus gewonnen. Globetrotter – der Vertriebspartner des Alpenvereins – könnte dann auch die ADAC-Geschäftsstellen beherbergen und den Naturfreunden die schönen SUVs von Porsche und Toyota noch mehr fürs Gelände schmackhaft machen. Ich erwähne nur das Zauberwort „Cross-Selling“!

Und die Phantasien für ganz neue Kooperationsmodelle drängen sich weiter nur so auf. Wie wäre es zum Beispiel mit einem gemeinsamen Hyper-Schutzbrief, der den schnellen Abtransport von Verletzten per Hubschrauber sowohl von der Straße wie vom Berg oder der Schneepiste im Angebot beinhaltet?

Beide Vereine decken ja auch ganz verschiedene Welten der Kriminalisierung – äh  Verzeihung Kommerzialisierung ab. Die besonderen Beziehungen des ADAC zur deutschen Automobil-Industrie sind ja nur zu bekannt. Der Alpenverein ist schon lange der Sympathie- und erfolgreiche Vertriebspartner von Toyota. So schafft die Fusion auch eine neue Brücke der Völkerverständigung zwischen den Autobauern von Japan und Deutschland! Was zweifelsfrei beiden helfen dürfte, ihre immer mehr von koreanischen und bald auch chinesischen Herstellern bedrohte Position im Weltmarkt zu stärken.

Es bleiben aber auch Fragen und Sorgen:

Was machen die restlichen Sport- und Interessens-Verbände? Wie soll der DSV zum Beispiel alleine gegen den neue Superverein bestehen? Wie wird der DLV reagieren? Was passiert jetzt mit VCD und ADFC?

Kann der kaiserliche DFB als Mafiaführer pardon Marktführer bei einer solchen Machtkonzentration wirklich gelassen zuschauen oder übernimmt er am Schluss das Ganze?

RMD

Detlev Six
Samstag, der 2. Januar 2016

Neues von Gott und dem großen Bumser.

Sie haben das ganze Jahr geschossen.

Im nahen Osten, um den einzig wahren Gott zu ermitteln.

In Genf auf der Suche nach dem ultimativen Gottesteilchen.

Im nahen Osten soll ein wenig über den Frieden gesprochen werden, der erste maßgebliche Teilnehmer wurde inzwischen erschossen.

In Genf zeigen die Schussmessdaten des Large Hadron Colliders (der große Bumser) eine winzig kleine Erkenntnis-Beule, die möglicherweise in 2016 noch wachsen soll.

Was lernen wir daraus?

Erstens:
Die Suche nach der letzten Wahrheit ist in Wahrheit eine einzige Schießerei.

Zweitens:
Wir sollten statt nach der letzten Wahrheit, nach den vorletzten Wahrheiten suchen.

Möglicherweise gibt es die eine oder andere davon ohne Schusswechsel.

SIX