Roland DürreDienstag, der 26. März 2013
Reiche Arme …
Hier ein Ausschnitt aus einer Diskussion, die ich als so eine Art “Briefwechsel im Internet” mitbekommen habe.
In den fünfziger und sechziger Jahren waren Kurzgeschichten der Science Fiction ein beliebtes, aus den USA importiertes Genre. Frederik Pohl, Repräsentant einer Strömung, die ich hier einfach mal als “Social Fiction” bezeichne, veröffentlichte unter anderem eine Geschichte mit dem Titel “Die Armen Reichen”. Ausgangspunkt ist eine Konsumgesellschaft, die damit beschäftigt ist, eine von Robotern hergestellte Überproduktion von Gütern und Dienstleistungen an den Mann zu bringen. Die Bürger sind mit Rationierungskarten ausgestattet, je niedriger die soziale Stellung, desto höher die mindestens zu konsumierenden Rationen. Das heißt, wer einen ausgibt, lässt hier den anderen bezahlen.
Luxuriöse Villenviertel sind also die Elendsviertel und Laubenpieperkolonien eine Art Beverly Hills. Dass der Autor letzten Endes aus dieser genialen Idee nicht viel macht, ist hier nicht von Bedeutung.
Erinnerungen an besagte Geschichte kamen auf, als ein Freund meine Aufmerksamkeit auf einen Artikel in der “Welt” lenkte. Dort steht:
Die Vermögen der Privathaushalte in Deutschland sind einer Studie der Bundesbank zufolge deutlich kleiner als in Euro-Krisenländern wie Spanien oder Italien. Das mittlere Vermögen deutscher Haushalte belaufe sich auf rund 51.400 Euro netto, teilte die Bundesbank am Donnerstag in Frankfurt am Main mit. In Italien betrage das Haushaltsvermögen rund 163.900 Euro, in Spanien rund 178.300 Euro.
In Frankreich belaufe sich das Vermögen der Haushalte im Mittel auf 113.500 Euro, erklärte die Bundesbank weiter. Der für Österreich ermittelte Wert liege mit 76.400 Euro näher am deutschen Niveau. In Deutschland selbst falle das mittlere Vermögen im Osten mit 21.400 Euro deutlich geringer aus als im Westen mit 78.900 Euro je Haushalt.
[In diesem Artikel finden sich noch mehr interessante Zahlen zu Eigentum in diversen Ländern der EU]
Im Vergleich zu hochverschuldeten Krisenstaaten wie Spanien ist damit das vorbildliche, hochproduktive Deutschland beim Vermögen (Aktiva minus Passiva) bettelarm. Selbst die Franzosen, die ja statistisch 6 Wochen pro Jahr weniger als die Deutschen arbeiten, stehen bedeutend besser da. Vielleicht liegt es daran, dass die Reallöhne von 2000 bis 2010 um 4,5% gesunken sind oder daran, dass die Germanen ihr Geld lieber in Malle verballern als “Schaffe, schaffe, Häusle baue” zu praktizieren?
Kommentare über die Aussagekraft von Durchschnitten (Was wird da eigentlich durchgeschnitten und was ist der Belag auf der Schnitte?) überlasse ich lieber dem Statistiker. Mir dämmert jedoch die logische Folgerung:
Je ärmer die Staaten, desto reicher die Bürger und je ärmer die Bürger desto reicher die Staaten.
Oder
Staaten, die nicht wirtschaften können, schaffen reichere Bürger.
Das hat die EZB längst erkannt, na klar, aber Rettungsschirme gibt es nur für die Reichen.
Ich weiß jetzt, Reichtum kommt nicht aus Sparsamkeit und Arbeit, sondern aus Verschuldung und Ausgeben. Das ist ein innovatives, realitätsnahes, wirtschaftliches Konzept.
Warum habe ich eigentlich BWL studiert? Errrare humanum est!
Der Autor dieses Textes ist mir gut bekannt. Er macht gerne auf Widersprüche aufmerksam. Ich finde die Zahlen im Angesicht der aktuellen Entwicklungen zumindest spannend. Will damit aber keinesfalls Ressentiments gegen unsere europäischen Freunde wecken. Irgendwie zeigen mir aber auch diese Zahlen wieder, dass der Karren wohl wirklich verfahren ist. Und wir um eine große Reform nicht herum kommen, denn sonst kommt die “große Reform” ohne unser Zutun über uns.
Ich selbst bin dann ja auch mal froh, dass ich nicht BWL studiert habe.
Meine aber auch, dass man mit Arbeit und Sparsamkeit nicht reich wird. Schon eher durch Schulden machen …
RMD
Roland DürreDienstag, der 5. März 2013
Wilhelm-Tell Politik
Am Wochenende wurde eine neue Form von Meinungsbildung bei Politikern erfunden. Die geht so: Ein kleines Land macht eine Volksabstimmung. Das Ergebnis wird zwar nicht ganz und teilweise nicht nur von den “Europäern” falsch verstanden, aber das macht nichts.
Die ganze Welt, allen voran die EU sind überrascht von dieser ganz neuen Idee und finden es sofort supertoll, die Einkommen der Manager zu begrenzen und zu senken. In Deutschland übertreffen sich die Politiker (fast) aller Parteien mit der Forderung, dem Schweizer Volksbegehren zu folgen. Sogar die sonst bei solchen Themen immer widerstrebende FDP findet das Schweizer Modell sehr akzeptabel.
Das wäre doch eine ganze neue Art, die Welt politisch zu einen. Die Schweizer machen weiter ihre Volksabstimmungen. Aber ab sofort für die ganze Welt. Die Administrationen der Welt übernehmen die Ergebnisse und setzen diese um. Das wäre doch ein richtungsweisendes Modell von “lean politics”. Würde auch massenhaft Kosten für Wahlen und Wahlkampf einsparen. Der Lobbyismus würde nur noch in der Schweiz stattfinden – und dort nichts schaden, weil das Volk ja klug genug ist, den Lobbyisten nicht auf dem Leim zu gehen.
In der restlichen Welt könnte man die Parlamente abschaffen und die Regierungen verschlanken. Das Wort von der Globalisierung bekäme für die Politik eine ganz neue Bedeutung. Rein kaufmännisch gesehen eine Riesenersparnis. Die Kosten werden minimalisiert, Ressourcen nicht sinnlos verschwendet und der Output bestimmt nicht verschlechtert. Ein quasi revolutionärer Fortschritt.
RMD
P.S.
Die Gehälter von Führungskräften betreffend hätte ich aber einen vielleicht besseren Vorschlag. Man lege einfach einen Faktor fest (zum Beispiel zwischen 20 – 30) und multipliziere mit diesem das Jahreseinkommen der am geringsten Verdienenden im Unternehmen. Das Ergebnis wäre dann die obere Einkommensgrenze für die Führungskräfte. Vielleicht könnte man dann auch auf Regulationen wie Mindestlohn und weitere verzichten.
Jetzt warte ich nur noch darauf, dass in der Schweiz einer auf die Idee kommt, auch für Stars, Fußballspieler, Rennfahrer … eine Gehaltsbremse (was für ein schönes Wort – könnte direkt aus Deutschland kommen) einzuführen.
Oder noch schöner, wenn die Schweizer auf die Idee kämmen, dass man den Lobbyismus einfach auf dem politischen Leben verbannen sollte …
Also – liebe Schweizer – legt mal so richtig los!
Roland DürreSonntag, der 3. März 2013
Ich liebe Clowns ♡
Gestern war in Ottobrunn so richtig Wahlkampf. Weil heute die Wahl des Bürgermeisters statt findet. So standen an den zentralen Stellen des Unorts die Stände der vier Parteien mit ihren Kandidaten und Protagonisten. Sinnlose Geschenke wurden verteilt, eine Blasmusik auf- und der Kandidat der CSU im Elektromobil vorgefahren. Dumme Sprüche auf den Plakaten wie “Einer von uns” dominierten den Ort, an Argumenten und Werteaussagen war mal wieder Mangelware.
Mich hat das nicht betroffen, bin ich ja Bürger noch von Riemerling/Hohenbrunn und bald Neubiberg. Die alberne “Marketing-Show” aber hat mich wieder mal abgeschreckt. Aber auch aufgeschreckt, denn ich darf/soll/muss ja auch bald wieder wählen. Die Wahl des Land- und Bundestag finden ja in diesem Jahr statt.
Am Stand der SPD habe ich auch ein Bild ihres Spitzenkandidaten entdeckt. Das ist der Herr, der für mich die Wahl der SPD bei der Bundestagswahl unmöglich macht. Ein leicht cholerischer “Sozi” (?), der gerne SPD-regierte Kommunen abkassiert, Rechtsbruch als legitim betrachtet, die Kavallerie in neutrale Staaten schicken will und manches mehr dieser Art von sich gibt.
Und der auch mit wenig Sachkenntnis belastet zu sein scheint, weil er zum Beispiel vergisst, dass beim Kanzlergehalt auch eine ganz gute Altersversorgung dabei ist, von der ein normaler Bürger nur träumen kann. Wie auch eine Beschäftigungsgarantie als Lobbyist für die Zeit nach dem Amt. So eine Art hochwertiger Kündigungsschutz nicht nur für ehemalige Kanzler und Minister.
Wie soll auch ein Politiker mit einer gesunden Selbstbedienungsmentalität an so etwas wie die Altersvorsorge denken. Ist doch für den normalen Politiker eine Selbstverständlichkeit. Wie die staatliche Luxuslimousine – für die ich mich schämen würde. Besonders wenn ich sie auch noch auf Kosten der Bürger fahren würde.
Aber eines muss man dem Herrn S. lassen. Mit Sprache kann er umgehen. Vor allem findet er die richtigen Begriffe für die Dinge. So hat er vor kurzem Politiker als Clowns bezeichnet. Waren zwar ausländische. Aber hat damit doch mal wieder voll ins Schwarze getroffen. Großartig!
Wenn ich mir anschaue, was die Politik heute so bewirkt, sei es in Bayern oder Deutschland, in der EU oder auch in den USA, dann gibt es doch nur einen Begriff, der wirklich passt: Die meisten Politiker sind doch Clowns. Danke Peer. Das bringt es auf den Punkt und macht es auch ein wenig menschlicher und versöhnlicher.
Wie werden von eifrig geschaftelhubernden Clowns regiert. Und diese Clowns schaffen es auch noch, mich immer wieder zum Lachen bringen. Obwohl es gar nicht zum Lachen ist.
Einen der italienischen Clowns mag ich übrigens. Der ist nämlich gegen alles. Und mir geht es ja auch schon so. Die politische Hilfslosigkeit gefährdet die Zukunft meiner Kinder auf dieser Welt immer mehr. Und ich kann nichts machen.
So überkommt mich die Versuchung “einfach gegen alles zu sein” immer öfters. Besonders seitdem für mich auch die Piraten nicht mehr wählbar sind. Die haben schlichtweg vergessen, dass sie mit dem Willen zur Veränderung angetreten sind. Und dafür ein dämliches Parteiprogramm mehr geschrieben. Veränderung tut weh. Sie darf nicht von Interessensgruppen gesteuert sein. Nicht auf Besitzstandwahrung basieren und von Buchführermentaltität geprägt sein. Sondern muss einem gesellschaftlichen Konsens folgen, der die Menschen eint und die Gesellschaft nicht spaltet.
Jetzt mahnt mich mein Überich, zum “Wählen zu gehen”. Weil ich die Demokratie gut finde und dem Rechtsstaat sehr dankbar bin. Und als Bürger eine große Verantwortung habe.
Aber wen soll ich wählen? Die Alternativen sind so alternativlos, dass sich bei mir nur noch Ratlosigkeit breit macht.
RMD
Roland DürreMontag, der 18. Februar 2013
Wer Bilanz macht, der entdeckt Absurdes.
Ist ja eigentlich klar. Aber diesmal spreche ich nicht von meiner Lebensbilanz. Nein, letzte Woche haben wir gemeinsam mit unserem Partner aus der Gilde der Wirtschaftsprüfer die Bilanz der InterFace AG fertig gestellt. Und da habe ich wieder ein paar sehr absurde Regelungen unserer mittlerweile schon sehr verarmten und von Interessen getriebenen Gesetzgebung entdeckt.
Hier ein Beispiel:
In der Abschlussbesprechung zum Geschäftsjahr 2012 am letzten Freitag entdecke ich in der G&V einen Verlust mit dem Titel “Abschreibungen auf Wertpapiere”.
Das wundert mich. Die InterFace AG hat Wertpapiere? Wusste ich gar nicht. Doch dann fällt mir ein:
Aber klar haben wir Wertpapiere! Bei uns können ja Mitarbeiter einen Teil ihres Überstundenguthabens (wenn sie denn eines haben und dies wollen) in Altersversorgung umwandeln. Der “terminus technicus” heißt “Langzeitarbeitszeitkonto” (nomen est omen).
Das heißt die Überstunden eines Kollegen, der bei diesem Programm mitmacht, werden nicht ausgezahlt, sondern seinem persönlichem Guthaben fürs Alter zugeführt. Da dieses Geld ja nicht dem Unternehmen sondern dem Mitarbeiter gehört, muss das Unternehmen verantwortlich damit umgehen und die akkumulierten Gelder auch vor einer Insolvenz sichern. Deshalb haben wir diese Beträge in sogenannte “mündelsichere Papiere” angelegt und diese an den Mitarbeiter verpfändet. So war auch die Regel.
Bürokratisch ist dieses System wie vieles im Staat recht aufwendig. Es mag aber vielleicht ein sinnvoller Beitrag für die persönliche Altersvorsorge sein. Wenn man davon absieht, dass das Geld bei der Auszahlung wahrscheinlich erstaunlich wenig wert sein wird. Aber das wird ja jeder “Riesterer” auch so erleben.
Vor ein paar Jahren hat dann der Gesetzgeber mal wieder zugeschlagen. In seiner unendlichen Regulierungswut hat er noch ein paar Gesetze mehr zum Thema”Langzeitarbeitszeitskonto” erlassen. Angeblich um die ach so schlechte Situation zu verbessern, in Wirklichkeit – so vermute ich – eher von den Lobbyisten getrieben.
Den Arbeitgebern wurde damals vorgeschrieben, dass die Anlage solcher Gelder nur noch in sogenannte “Zertifizierte Wertpapiere” erfolgen darf. Sparbuch oder Festgeld zum Beispiel sind da nicht dabei, obwohl man bei diesen Anlageformaten zumindest ja nominell keinen Verlust haben dürfte.
So mussten wir pünktlich zur Gesetzesänderung unsere “mündelsicheren Anlagen” in “zertifizierte Wertpapiere” umwandeln. Und haben da wie immer die Anlagen nach dem prioren Kriterium der Sicherheit ausgewählt.
Und siehe da – genau im Jahre 2012, in dem sich nicht nur der DAX bombastisch entwickelt hat, machen unsere “zertifizierten” Wertpapiere einen doch erwähnenswerten Verlust.
Was schließe ich daraus?
Dass bei besagtem Gesetz die wesentlichen Anteile von Lobbyisten geschrieben und dann von unserem Gesetzgeber einfach mal ins Gesetz kopiert wurden. So wie wohl mancher unserer Politik- und Nicht-Politik-Doktoren das so gemacht hat. Und solches Kopieren finde ich bei Doktorarbeiten fast weniger schlimm als bei Gesetzen. Und würde mir auch bei der Entstehung von Gesetze noch mehr Transparenz wünschen.
Und mein Vorurteil hat sich weiter verfestigt, dass alles, was sich “zertifiziert” nennt, doch sehr häufig schon von Haus aus stinkt.
RMD
Klaus-Jürgen GrünSamstag, der 16. Februar 2013
Es trifft uns wie ein Schlag!
Ein Papst kündigt, ein Blitz schlägt ein im Petersdom, und ein Meteorit sprengt Zentralrussland – das kann kein Zufall sein! Zoodirektoren gleichermaßen wie Staatsführer und ihre Stützen weit und breit sollten sich jetzt wirklich einmal um ihre Kernkompetenz kümmern: Das unbekümmerte Glück der ihnen anvertrauten Tiere.
Es grenzt an Unverantwortlichkeit, dass wir vor allem die Menschen vollkommen alleine lassen mit der Erfindung kausaler Zusammenhänge. Was uns fehlt, ist eine verbindliche, eine amtliche Erklärung. Warum haben wir keine Staatsreligion, die uns die unberechenbare Zufälle und Unfälle im Universum als die weise geplante Vorsehung eines allumfassenden Verstandes erklärt? Statt dessen bleibt jeder mit seinem kleinen und fehlbaren Verstand sich selbst überlassen.
Der Bürger ist überfordert, und das macht ihn unglücklich. Wie soll er – ausgestattet vielleicht nur mit einem G8-Abitur – das alles in Einklang bringen mit der 13, die die letzten beiden Ziffern des Jahres 2013 bilden? Kaum einer macht sich die Mühe, die Ziffer 2 dabei genauer ins Auge zu fassen. Denn auch sie ist, wie die 13, eine Primzahl. Mit der Null zwischen zwei Primzahlen dürfte die Nullität angedeutet sein, in die die Welt, aufgespannt zwischen zwei Primzahlen, von deren eine sogar die 13 ist, demnächst stürzen muss.
Die kosmischen Ereignisse der vergangenen Tage dürfen wir daher keineswegs ignorieren, denn sie sind bloß die Vorboten für die bevorstehende Apokalypse. Manche haben das schon lange vorhergesehen.
Es ist das Mindeste, was wir von unserer Regierung erwarten dürfen, dass sie Schaden von uns abwendet. Aber genau das tut sie nicht. Der Meteorit hätte genauso gut das Atomkraftwerk Biblis oder Schweinfurt treffen können. Die paar Tausend Kilometer zwischen Russland und Mitteldeutschland sind nicht einmal ein Katzensprung im kosmischen Maßstab. Darauf ist keiner vorbereitet. Unsere Regierungen haben versagt.
Nun ist es beinah passiert und die Medien lenken ab vom Problem. Da kommen Leute wie der Astronaut und Physikprofessor Ulrich Walter aus München zu Wort, die unverschämt verkünden: “Das war reiner Zufall.” Aber jeder Mensch, der sich nicht engstirnig mit Physik und anderen exakten Wissenschaften den Verstand trübt, weiß, dass dies alles kein Zufall sein kann.
Das ist Vorsehung. Und sie hat moralische Qualität, denn sie ist die Strafe der Gerechtigkeit, die es niemals erlaubt, dass die Menschen auf Dauer und in der Mehrheit einfach nur in der Gegenwart leben und sich um die Aufgaben ihrer täglichen Arbeit kümmern. Jeder denkt nämlich nur an sich und lebt in seiner kleinen Welt. Das musste irgendwann bestraft werden.
Wo sind nämlich, die Zoodirektoren, die uns angesichts der kosmischen Kräfte klarmachen, dass es sich geradezu kleinkrämerhaft nuttig anfühlt, wenn da noch einer für mehr Lohn am Hamburger Flughafen streikt; wenn da noch Sorgen aufkommen, wie wir Griechenland und den Euro gleichzeitig retten können – ja und überhaupt: wie verantwortungslos ist es von unseren Politikern, dass sie jetzt noch an Sieg oder Niederlage in der kommenden Bundestagswahl denken?
In der Stunde der Not offenbart sich die Wahrheit: Auch die Politiker denken nur an ihr eigenes Wohl. Und so muss jeder mit der Unberechenbarkeit kosmischer Ereignisse selbst fertig werden und das Wenige an Trost annehmen, was ihm die Tierpfleger angedeihen lassen.
kjg
Roland DürreSonntag, der 10. Februar 2013
Zukunft – volatil, disruptiv, unvorhersehbar!
Zu Weihnachten singen wir:
O du fröhliche, o du selige, gnadenbringende Weihnachtszeit!
Und heute am Sonntag singe ich das Zukunftslied:
O du volatile, o du disruptive, unvorhersehbare Zukunftszeit!
Volatil – was für ein schönes neues Modewort. Volatilität als Krankheit der Endzeit. Vor fünf Jahren musste ich nachschlagen. Und heute höre ich es viel zu häufig in Kombination mit viel zu vielen und meistens sehr leeren Substantiven. Alles ist plötzlich volatil geworden.
Und dann erst disruptiv! Dieses Attribut ist bei mir erst vor zwei Jahren angekommen. Aber ich habe schnell gelernt, es immer häufiger anzuwenden. Ist auch bestens als Adjektiv in Killerphrasen geeignet. Um zum Beispiel Überlegungen, die zwar vernünftig scheinen, mir aber nicht schmecken, abzuweisen. Nach dem Motto: “Und was machen wir, wenn ein disruptives Ereignis passiert?” Schon erschrecken alle und das Thema hat sich Gott sei Dank erledigt.
Ganz neu höre ich von ganz unterschiedlichen Menschen von der “unvorhersagbaren Zukunft“.
Die ganze Wissenschaft des Wirtschaftens wollte uns Unternehmern immer einreden, dass man “Zukunft machen” könne. Dass man ein Unternehmen so präzise planen und steuern könne, wie man eine Maschine lenkt oder eine Autofahrt plant. Dass man für gute Entscheidungen nur Informationen sammeln und richtig bewerten müsse. Das war die Botschaft in Kurzform. Die selbe “Management Weisheit” gibt es auch ein wenig ausführlicher und scheinbar noch überzeugender in fünf und sieben Sätzen. Bin ich auch mal darauf reingefallen.
Mitarbeiter müssten nur richtig “profiled” werden, dann könne man sie optimal und ganz mechanistisch in deterministische Prozesse und Rollen richtige einordnen. Dies alles zum Wohle der ausschließlichen Erfolgskriterien Wachstum bei Umsatz und Marge. “Shareholder value” als ausschließliches Unternehmensziel.
Und jetzt wird das Geschäft volatil und von disruptiven Ereignissen bedroht. Und ganz schlimm, die Zukunft ist nicht mehr vorhersagbar. Obwohl Hans Ulrich (der “Erfinder” des St. Gallener Management Modells, St. Gallen) schon Anfang der Achtziger genau dies als eine seiner Thesen zum “Wandel im Management” formuliert hat.
Jetzt beginnt auch die Akademica an ihren Grundfesten zu zweifeln. Macht nichts, es ist ja nie zu spät. Und Unsicherheit kehrt in die Köpfe ein. “Früher war ja eh alles besser”.
Andererseits – ist es nicht vernünftig und schön, wenn wir ein wenig bescheidener werden? Und ist die häufige Nutzung solcher Unworte und -sätze nur ein (für mich sehr positives) Zeichen, dass immer mehr Menschen verstehen, dass sie eben keine Götter und auch keine “Krönung der Schöpfung” sondern nur sehr komplexe (und mir sehr sympathische) Säugetiere sind?
Leben an sich war doch schon immer volatil, disruptiv und nicht vorhersagbar. Alles andere findet doch nur in den Köpfen statt. Wie Ängste, Religion und die Wahrheit …
RMD
Roland DürreDonnerstag, der 7. Februar 2013
Nicht der Mensch ist für die Arbeit da …
… sondern die Arbeit soll dem Menschen dienen.
Dieser Satz ist bestimmt schon von vielen Leuten gesagt worden. Habe aber gerade keine Lust zu recherchieren. Wäre dann ohne Lust ja Arbeit. Außerdem klingt der Satz ja ein wenig nach Marx (Igittigitt).
Aber etwas ist an dem Satz schon dran. Für mich ist Arbeit, wenn ich (unter anderem) nur wegen Geld Dinge machen soll oder muss, die ich partout nicht machen will. Wenn ich mich dagegen auf das “Dinge machen” freue, dann ist das für mich keine Arbeit sondern Spaß.
Und wahrscheinlich bin ich glücklicher, wenn ich Dinge machen darf, die mir Spaß machen, als wenn ich gezwungen bin, etwas zu machen, das ich eben nicht machen will. Und als “Weißer Kragen” oder “Wissensarbeiter” habe ich sogar die Chance, in so eine schöne Situation hineinzukommen. Zumindest ist das mein Ziel für meine letzten Jahre als Werktätiger.
Nur ist das nicht wieder die Arroganz des “Weißen Kragen”? Und für die meisten Menschen eine nicht erfüllbare Utopie? Weil es immer Arbeit geben wird, die so “Bäh” ist, dass niemand sie machen will. Und man dann doch wieder die “armen Menschen” braucht, die ihre Existenz sichern müssen. Und so bereit sind für schnödes Geld Dinge zu tun, die sie so gar nicht tun möchten?
P.S.
Trage übrigens ab und zu lieber schwarze Rollis. Hoffentlich ist das nicht die Uniform der Rosinenpicker?
Gastautor(en) Samstag, der 2. Februar 2013
Britischer Humor
Multikultur mal ganz anders – Der ist böse (aber gut) …
Last month a world-wide telephone survey was conducted by the UN.
The only question asked was:
“Could you please give your honest opinion about solutions to the food shortage in the rest of the world?”
The survey was a massive failure because of the following:
- In Eastern Europe they didn’t know what “honest” meant.
- In Western Europe they didn’t know what “shortage” meant.
- In Africa they didn’t know what “food” meant.
- In China they didn’t know what “opinion” meant.
- In the Middle East they didn’t know what “solution” meant.
- In South America they didn’t know what “please” meant.
- In the USA they didn’t know what “the rest of the world” meant.
- In the United Kingdom they hung up as soon as they heard the Indian accent.
-> Danke an Chris (cw), der diesen Text gefunden und mir zugesandt hat.
RMD
Roland DürreDonnerstag, der 31. Januar 2013
Acht Arbeitstage zu verschenken …
Sitze bei offenem Fenster im Büro in der Frühlingssonne. Eine Motorwelt hat sich auf meinen Schreibtisch verirrt.
Nur zur Erinnerung für irgendwelche Nerds, die es nicht wissen: Der ADAC ist der wichtigste Verein Deutschlands. Er ist der Club der Autofahrer und hat mehr als 18 Millionen Mitglieder. Damit ist er nach dem US-amerikanischen AAA der zweitgrößte Automobilclub der Welt. Die Motorwelt ist das monatlich als Illustrierte erscheinende zentrale Organ des ADAC.
Früher war der ADAC vor allem der Lobbyist der “Autofahrer-Community”. Heute ist der Club zu einer Organisation geworden, die vor allem versucht, an das beste ihrer Mitglieder heran zu kommen – an ihr Geld. Dazu dient unter anderem auch die Motorwelt, die (nicht nur) die ADAC-Mitglieder mit Unmengen von Anzeigen zum Kauf von margen-trächtigen “Sonderangeboten” (oft von hoch profitablen ADAC-Tochterunternehmen) verführen will.
Der Themenschwerpunkt des aktuellen Hefts (Heft 2 Februar 2013) ist “STAU”. Das Heft wirbt für mächtige Investitionen in den Ausbau von Straßen.
Hier ein paar Zitate aus dem Heft:
“Deutschland braucht ein umfassendes Programm zur Straßensanierung.”
Weil uns schon die Titelseite belehrt:
“Nur noch STAU – 595000 km Stillstand – auf deutschen Straßen herrscht Chaos.”
Auf Seite 20 lese ich dann:
“Acht Arbeitstage verbringt jeder deutsche Autofahrer jährlich im Stau.”
Und weiter:
“Bürger und Wirtschaft leiden unter immer schlechteren Straßen, die Politik sieht dem starken Verkehrswachstum tatenlos zu.”
Mir bleibt da wieder mal die Spucke weg. Denn ich glaube, dass wir andere Probleme in Deutschland haben als unsere Straßen (Bildung, Demographie, Energie, Gesellschaft, Klima, …). Dass das Chaos nicht im Stillstand sondern in der Bewegung stattfindet. Dass nicht nur der deutsche Autofahrer sondern auch der “mit den ausländischen Wurzeln” im Stau steht. Bin für eine sanfte aber stetige Verringerung und De-Emotionalisierung des Individualverkehrs.
Und selbst bin ich froh, dass ich kein “Deutscher Autofahrer” mehr bin. So habe ich doch acht Arbeitstage gewonnen. Und wenn ich dann noch bedenke, wie viel Stunden “der Deutsche Autofahrer” dann noch an Zeit, die er nicht im Stau steht, am Steuer arbeiten muss, dann bin ich richtig glücklich. Irgendwie spare ich mir wahnsinnig viel Zeit und Arbeit. Und vom Ersparten verwende ich dann ab und zu ein wenig dafür, einen Artikel in IF-Blog zu schreiben.
RMD
Roland DürreMittwoch, der 30. Januar 2013
Die Rohstoffe des südlichen Amerikas
Unsere Kanzlerin ist sehr fleißig. Rund um die Uhr arbeitet sie. Sie scheut auch keine und noch so lange Dienstreise. So war Frau Merkel gerade mit Tross auf Südamerika-Tour. Mit Brasilien hat sie eine der Supermächte der Zukunft besucht. Dort hat sie um die Rohstoffe gekämpft. Um unsere Rohstoffe. Für Deutschland. Für die deutsche Industrie. Gegen die Chinesen.
Habe ich jetzt vielleicht ein wenig vereinfacht dargestellt. Aber so habe ich es den Medien entnommen.
Aber was ist das wieder für ein Unsinn! Wir haben eine “globalisierte” Welt – besonders in der wirtschaftlichen Dimension. Das erklärte Ziel von EU und USA ist die radikal freie Marktwirtschaft, außer wenn es um die eigene Geschäfte geht. Auch in Europa ist Privatisierung die Zauberformel.
So ist klar, dass die Rohstoffe an den gehen werden, der am meisten dafür bezahlt. Was vielleicht langfristig sogar hilft, das richtige Ziel “keine Verschwendung” zu unterstützen. Nur ist es halt noch nicht so weit. Kann aber schnell passieren.
China aber ist unser Produktions-Land. Seit Jahren schließen wir Produktionsanlagen in Europa und verlagern sie nach Asien. Weil das billiger ist und wir auch so den Lärm und den Dreck von schmutziger Industrie los sind. Und uns nur noch um die Entsorgung des importierten Wohlstandmülls kümmern müssen.
Insofern müssten wir doch eigentlich dafür sorgen, dass China freien Zugang zu den Rohstoffen erhält. Und uns überlegen, wohin wir unseren Wohlstands-Müll exportieren. Wie auch den Atom-Müll, den wir ja jetzt endlich auch gesetzeskonform ins Ausland entsorgen dürfen.
Vielleicht geht die nächste Dienstreise unserer Kanzlerin dann doch wieder nach Afrika. Natürlich für Deutschland.
RMD





