Chris Wood
Mittwoch, der 10. Juni 2009

Beschwipster Spätpubertät

Schön, dass mein Freund Roland mich in Rolands Senf seinen Freund nennt. Er hat so viele Freunde, die wichtiger sind. Er gibt zu verstehen, dass  meine Gedanken zur Phase beschwipster Spätpubertät passen. Da fühle ich mich sehr geschmeichelt. Leider fühle ich mich nach Squash oder Tennis nicht so jung. Ich bewundere die Energie und Interessen-Breite von Roland. Ich hätte gern seinen unterhaltsamen Schriftstil und die Geschwindigkeit wie er über alles, was es unter dem Himmel so gibt, schreibt. Leider bin ich zu ernst. Und ja, ich hoffe immer wieder, dass Leute mich für klug halten, (es ist zu spät, dass sie mich „sexy“ finden werden). Zumindest stand in meinem letzten „Fortune Cookie“, dass ich interessant und anziehend bin.

(Danke Evelyn und Microsoft für ein bisschen Reparatur an meinem Deutsch).

Statistik

Es ist leicht zu erklären warum mein Philosophie-Artikel oft angeklickt war. Ich habe meinen Freunden und vielen anderen Leuten ständig erzählt, dass sie ihn lesen müssen. Er ist auch lang genug, dass Leute ihn vielleicht nicht auf einmal lesen.
Ich hoffe dazu, dass er interessanter ist als mancher übliche Stoff über gierige Bankiers, populistische Politiker, deutsche Tugenden, Siemens-Nostalgie und Hachinger-Leben. Die Gott-Frage interessiert wenig in Deutschland, ist aber anderswo wichtig. Am Radio gab es vor kurzem eine lange Sendung über Pogrome in modernem Indien gegen Mohammedaner und Christen. Entlang der Grenzen des Islam gibt es immer wieder Probleme.
Richard Dawkins hat exzellente Bücher über Evolution geschrieben; aber sicherlich hat „Der Gotteswahn“ viel mehr Leser gefunden.

Atheismus

Wir Atheisten in Europa stehen da wie Homosexuelle nach dem „Christopher-Street“-Aufstand. Erst jetzt haben wir den Mut, uns zu „outen“. Wir haben kaum eine Chance, Hindus und Mohammedaner zum Christentum zu bekehren. Die Leute werden weiter darüber streiten, bis wir alle davon überzeugen, dass es keinen Grund gibt, an Gott zu glauben.

Ich wollte nicht so viel darüber schreiben. Ich meinte dass Dawkins alles klar gemacht hat. Meine neue Bekannte, Prof. Nunner-Winkler, ist aber überzeugte Agnostikerin, und glaubt an freien Willen. So musste ich meinen Argumenten Nachdruck verleihen. Mein eigentliches Ziel war es, für Ethik und Moral eine festere Basis zu finden, die besser ist als die jetzige instabile, kurzsichtige Entwicklung. Wir brauchen einen intelligenten Entwurf für Ethik. Natürlich weiß ich, dass ich kaum etwas bewegen kann. Aber ich kann zumindest meine eigenen Ideen klarer machen.

Atheismus ist die einzige Religion mit X=0 Götten. Es gibt nur einen leeren Satz. Agnostiker haben X als unbekannt. (Ich verwende X statt N, weil Halbgötter auch vorgestellt würden). Klar, dass X in absoluten Sinn unbekannt ist, aber ich halte ein Annahme X=0 für sinnvoll, um Fortschritte zu machen. Ein echter Agnostiker weiß nicht, ob Götter existieren, aber auch gar nichts über diese möglichen Götter. Atheisten kann man in Sekten gruppieren abhängig von ihren ethischen Standpunkten. Ein echter Humanist würde Biodiversität für gut halten nur weil es Menschen hilft, und er würde es als eine Katastrophe ansehen, wenn Außerirdische unseren Planeten übernähmen.

Intoleranz

Roland suggeriert vielleicht, dass ich intolerant gegenüber Gläubigen bin. Ich habe tatsächlich angefangen, meine Meinung lauter zu verbreiten als es die meisten Gläubigen hier tun. Das ist aber nur eine Reaktion auf konstante Propaganda von den professionellen Gläubigen. Neben dem Predigen zu Gläubigen und ihren Kinder in Gotteshäusern verbreiten sie Propaganda durch Rundfunk und Fernsehen. Während drei Fernseh-Sendungen mit Theologen hat Prof. Lesch mich besonders enttäuscht. Manchmal schien er von ihren Aussagen leicht überrascht; aber für einen uneingenommenen Zuhörer klang das wahrscheinlich eher so, als ob er um seine Ignoranz trauert. Ein Katholischer Theologe erklärte ihm, dass es gute und schlechte Engel gibt. Lesch schien leicht skeptisch, sagte aber nichts gegen diesen Unsinn.
Dawkins war mit zwei Theologen und zwei Christlichen Politikern auf einer Deutschen Chat-Show. Warum war die Besetzung der Gesprächsrunde nicht ausgeglichener? Von den Deutschen hat nur Heiner Geisler sinnvolles gesagt. Manche Antworten von Dawkins zeigten, dass die Übersetzungen in beide Richtungen schief gingen. Für richtige Übersetzung ist es notwendig, dass der Übersetzer alles versteht. Für die Aussagen von den Theologen war das kaum möglich!

Nicht nur Intoleranz ist schlecht. Es gibt viele gute Gründe für Intoleranz, z.B. Kindermissbrauch, einschließlich Rauchen während einer Schwangerschaft. Dawkins hat darauf hingewiesen, dass es auch Missbrauch ist, wenn Kinder zu einer Religion gezwungen werden, bevor sie alt genug sind, eine eigene Meinung zu haben. Das ist oft ziemlich harmlos, aber eine Todesstrafe wartet auf manche, die später eine andere Religion wählen. Ich habe mich gefreut über einen Volksentscheid jüngst in Berlin. Religion wird nicht als Alternative zu Ethik, als Pflichtfach in Schulen akzeptiert. Ich habe erwartet, dass die Gläubigen mit ja stimmen und dass die Anderen sich nicht bemühen würden, überhaupt zur Abstimmung zu gehen.

Aufklärung

Rolands Aussagen über „Den Gotteswahn“ und „Die Aufklärung“ verwerfen mein „Moderne Philosophie fängt mit Darwin an“, ohne auf meine Argumente zu antworten. Seine Ansichten scheinen unter Deutschen in unserer Generation weit verbreitet zu sein. Wikipedia beschreibt „Die Aufklärung“ als „eine Epoche der geistigen Entwicklung der westlichen Gesellschaft im 17. bis18.Jahrhundert“. Viel deutschsprachige Amateur- und Profi-Philosophen sind anscheinend in der Zeit von Kant gefangen. Für sie sind Menschen und ihre Gedanken das einzige, was zählt. Ich habe erklärt, dass wir jetzt weiter denken sollten.
Was war so wunderbar in der Aufklärung? Vielleicht sehen die Deutschen sie als ein goldenes Zeitalter, weil Kant damals der Philosophie-Superstar war. Für mich aber waren die alten Griechen, Jesus, die Renaissance, die Reformation, und Darwin wichtiger. Ich hoffe, dass auch unsere Zeit als wichtig gesehen wird; es ist aber zu früh, dies zu wissen. Habe ich wegen meiner internationale Ehe und meinem Leben im Ausland eine globaleren Betrachtungsweise, oder kommt das vom Einfluss des Britischen Empire?

Bewegende Fragen

Die Fragen, die Roland bewegen, gelten auch für mich. Wenn wir aber das Fundament falsch bauen, wird es nicht viel helfen, manche Details richtig zu entscheiden. G.W.Bush war relativ harmlos, bis er religiös würde. Dann fing er an, die wissenschaftliche Forschung anhand seiner  verzerrt-christlichen Prinzipien zu lenken, fuhr die Welt finanziell und klimatisch der Katastrophe entgegen, und marschierte im Irak ein. Fast kein US-Amerikaner würde einen Atheisten als Präsident akzeptieren, (obwohl die „Founding Fathers“ eher unreligiös waren).

Ich habe gerade „Warum der Mensch glaubt“ von Martin Urban gelesen. Die Informationen über den Vormarsch von Aberglauben in der Welt haben mich schockiert. Es verstärkt meinen Verdacht, dass Aberglaube und Dummheit auf der Erde am Ende triumphieren werden. Ich habe gerade gelesen, dass der Hauptfussballplatz in Simbabwe einen neuen Rasen braucht, weil sehr viel Glücksbringer dort vergraben würden, und dass letztes Jahr 1464 Milliarden US-Dollar für Waffen ausgegeben würden.
Das Buch war in 2005 geschrieben. Jetzt gibt mir der Obama ein bisschen Hoffnung.

Eine neue Religion?

Wir brauchen einen neuen religiösen Atheismus. Leute sollten sich oft treffen, um zu singen, (z.B. „Imagine“ und weitere Lennon Lieder), leichte gymnastische Übungen, (Aufstehen, Hinknien, Biegen, usw.), und inspirierende Vorträge über Sitten. Die Religion muss jung und alt ansprechen. Kann man die Anglikanische Kirche dazu bringen, ihren Glauben an Gott usw. aufzugeben? Der bewunderungswürdigste lebendige Gottesmann, Desmond Tutu, ist Anglikaner. Anglikaner sind bereit,Homo-Ehen in der Kirche zu akzeptieren.
Die neue Religion muss tolerant, aber gleichzeitig bereit sein, sich gegen andere Ideen und auch gegen physikalische Verfolgung zu verteidigen. Sie muss den Egoismus von Scientology vermeiden. Sie muss versuchen, das Bevölkerungswachstum zu begrenzen. Wir brauchen Biodiversity nicht nur für die Menschheit.
Das klingt fast wie eine politische Partei, insbesondere wie die Grünen. Vielleicht könnte man die Grünen dazu bringen ihre Partei als Religion neu zu definieren. In Deutschland aber wäre es wahrscheinlich besser, eine neue Religion zu starten. Sie könnte locker verbunden sein mit den Grünen, wie die Kirchen mit den CDU und CSU verbunden sind.

Pascal

Das erwähnte Argument von Pascal hat ein Loch. Deshalb braucht Roland weniger Angst vor der Hölle!
Der am wenigsten unwahrscheinliche Gott, an den ich nicht glaube, ist extrem klug und nett. Er wäre nicht so blöd und böse, als dass er die Ungläubigen in der Hölle kochen würde. Vielleicht würde er Leute sanft rügen die so feig und unehrlich sind, dass sie Pascals Argument folgen. In dem höchst unwahrscheinlichen Fall, dass ich ihn treffe, ist dieser Gott nett zu mir.
Noch ein Gott, an den ich nicht glaube, ist verrückt und schickt gerade die Leute in die Hölle, die an ihn glauben.
Noch ein Gott, an den ich nicht glaube, experimentiert weiter nur mit Atheisten weil die Anderen zu langweilig sind.

Nassim Nikolaus Taleb

Was ich über Taleb in Internet gefunden habe, klingt nicht sehr originell. Wenn es die Finanz-Welt überrascht, dann ist klar, wie die jetzigen Probleme kommen konnten. Die Hälfte seiner Entdeckungen kann man als „Scheiß passiert“ kurz ausdrücken! Evolution zeigt, was schief (oder gut) gehen kann. Die Existenz von Menschen auf der Erde verführt zu Überoptimismus. Vielleicht werden wir bald Zeichen finden, dass Leben auf manchen anderen Planeten schon verschwunden ist. Leben auf der Erde war 6 oder 7mal fast ausgerottet. Das letzte Mal, als die Dinosaurier fast ausgerottet wurden; aber ein massenhaftes Vertilgen von Arten passiert jetzt wieder. Primitivstes Leben ist widerstandsfähiger als multi-zellulare Wesen; ein „gamma-ray burst“ in der Nähe, oder der Sturz in einen schwarzes Loch würde aber alles Leben zerstören.
„Börse Aktuell“ Zeitschrift hat meistens empfohlen, Aktien zu kaufen die in den letzten zehn Jahren ständig gestiegen waren. Diese Empfehlungen unterstützen natürlich die Tendenz von Aktien, eine Zeitlang weiter zu steigen. Aber irgendwann geht etwas schief, und der Crash ist dann noch schlimmer, wenn viele Leute mitgelaufen sind. Alles geht am Ende schief! Der Wertzuwachs von einer Aktie in einen Jahr beträgt zwischen minus 100% und etwas Riesigem. Egal, wie oft es positiv bleibt, einmal minus 100% reicht!
Meine Bank kalkuliert die Durchschnittsrendite von Investitionen arithmetisch. Z.B nach einem Jahr mit 15% und einem mit 5% rechnen die 10% pro Jahr. (Natürlich werden Gebühren ignoriert, wie man irgendwo kleingedruckt lesen kann). Diese Kalkulation stimmt nur, wenn das investierte Geld gleich bleibt. D.h. nach einen schlechten Jahr wird mehr Geld investiert, und wenn es gut geht, dann wird kassiert. Normalerweise aber läuft es genau umgekehrt. Realistischer ist es, das Geld zu investieren und dann liegen zu lassen, bis man es  braucht. In diesem Fall erhält man als Ergebnis von +50% und -50% (in beliebiger Reinfolge)  -25%. Dann ist der richtige Durchschnitt nach zwei Jahren etwa minus 13.4% pro Jahr, nicht Zero!
Ich habe zuletzt in der Zeitung gelesen, dass Aktien nach Berücksichtigung der Inflationsrate langfristig 8% Rendite geben. Mein Verdacht ist dass, wenn man die Steuer mit einbezieht und richtig kalkuliert, die Rendite auf Null schrumpft. (Und um das zu erreichen, muss man wahrscheinlich die Aktien umschichten, sobald eine neue Firma in die DAX-Liste hineinkommt).

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