Chris Wood
Dienstag, der 23. November 2010

Konkurrenz

Neulich sah ich eine Fernsehsendung über Japanische Zwillinge, die beide einen Hochschulabschluss hatten. Der eine der beiden arbeitet in Tokyo, der andere in Shanghai. Der Tenor war, dass in China alles wunderbar läuft, während in Japan alles stagniert (oder schlimmer).

Das hat mich geärgert. Natürlich hat China einen wesentlich niedrigeren Lebensstandard als Japan. Darüber, dass dies der Grund für die unterschiedlichen beruflichen Einstellungschancen und den Wettbewerb um Stellen unter Hochschulabsolventen ist, wurde nichts gesagt. In China gibt es ziemlich viele Arme, die kaum eine Chance haben, zu studieren. Durch sie hat China billige Arbeitskräfte, die wiederum für Hochschulabsolventen Möglichkeiten eröffnen (Natürlich sind die Hochschulabsolventen auch für die Armen von Nutzen). Ich nehme an, Japan hat einen relativ hohen Anteil an Hochschulabsolventen.

Die industrialisierten Länder sind dabei (gewollt oder ungewollt) ihren technischen Vorsprung im Lauf der letzten Jahrzehnte zu verlieren. Folglich können die restlichen Länder der Welt, sofern sie ordentlich organisiert sind, aufholen (vorausgesetzt, dass z.B. wenig Korruption herrscht). Sobald sie aufgeholt haben (wie Japan, Taiwan, S- Korea, etc.), ist der „Vorteil“ billiger Arbeitskräfte dahin. Also gibt es weniger Wachstum. Das Wachstum geht auch deswegen zurück, weil es nicht mehr so erstrebenswert ist. Es gibt Leute, die für mehr Geld endlose Stunden schuften, doch die meisten von uns finden, dass Freizeit auch einen Wert hat. Genug Geld ist genug, selbst wenn man sich nicht dagegen wehren würde, ein wenig mehr zu haben.

Warum gibt es Unterschiede im Prozess der Verlangsamung des Wachstums? Ich denke, Japan hat Probleme mit Überbevölkerung und zu wenigen Bodenschätzen. Warum geht es Deutschland offensichtlich besser als den USA? Ich denke, dass die Öffnung Osteuropas für Deutschland hilfreich war (was teilweise auch erklärt, warum es Deutschland besser geht, als den anderen westeuropäischen Ländern).

Mir scheint, ein weiterer Grund ist kulturell: die Deutschen lernen tatsächlich, Arbeit zu mögen! Ich habe den Verdacht, die Amerikaner arbeiten eher wegen des Geldes. Wenn ein typischer Amerikaner genug hat, dann entspannt er sich, aber ein Deutscher macht einfach weiter.

Natürlich schreibe ich dies alles in grenzenloser Unwissenheit, deshalb erwarte ich auch viele negative Kommentare. Vor kurzem sah ich zwei Dissertationen von der Universität. Beide zeigten richtig harte Arbeit, schienen mir aber sinnlos zu sein. In einem Fall fragte ich den Studenten selbst und er teilte mir glücklich mit, dass ich Recht habe.

Das erinnerte mich an einen Fall, wo ich einer Schülerin einmal in Mathematik geholfen hatte. Sie hatte ein Problem zu bearbeiten, für welches es keine Lösung gab. Die Voraussetzungen waren nicht ausreichend definiert. Später hat sie mir erzählt, dass ein paar der besten Schüler in der Klasse die Lehrkraft auch darauf hingewiesen hätten, aber die Lehrerin lehnte es ab, die Noten zu annullieren. Sie sagte, wenn die Klasse auf sie gehört hätte, hätten sie gewusst, welche Antwort erwartet worden war. Ich war schockiert! In Mathematik sollte es darum gehen, das richtige Ergebnis zu finden. Wie kann man eine gute Note für ein Ergebnis geben, wenn es kein Ergebnis gibt? Es würde mich aber noch mehr wundern, wenn so etwas in England passieren würde.

Aber das hat mich auch nachdenklich gemacht darüber, was bei solchen Einstellungen und solcher Unterweisung heraus kommt. Ich denke, die meisten Arbeiter werden dann einfach tun, was man ihnen sagt. In der Industrie bekommt man möglicherweise dadurch bessere Ergebnisse. Beim Militär hat diese Einstellung auch lange Zeit gut funktioniert.

Ich behaupte nicht dass ich ein Rebell bin, aber ich denke, ich habe vielleicht immer zu viel nachgedacht, statt einfach nur Arbeiten zu erledigen. Bei den Firmen, für die ich arbeitete, ging es meistens bergab (ICL, Nixdorf). Siemens war klug genug, die Abteilungen, wo ich gearbeitet hatte, aufzugeben (Computer und Telefone). Wenn Roland mich eingestellt hätte, würde seine Firma vielleicht heute nicht mehr existieren (Wenn Sie mich nicht kennen, sollten Sie diesen Abschnitt nicht unbedingt ernst nehmen. Ich war niemals wichtig genug, um wirklich Schaden anrichten zu können).

Ein anderes Beispiel für jemanden, der zu viel nachdachte, ist Hugh Davies. Er war einer meiner Gruppenleiter um das Jahr 1970 herum. Er schrieb eine Notiz für den Manager, der fünf Stufen über ihm arbeitete, in welchem er erklärte, warum seiner Meinung nach ICL zu viele Management-Stufen hätte. An die hierarchischen Zwischenstufen schickte er Kopien (Damals hatten wir Programmierer Mädchen, die Karten für uns stanzten oder Notizen für uns schrieben).

Ich meinte (und denke noch immer), dass Hugh Recht hatte. Als mein Chef seine Kopie las, rannte er durch die Gegend und sammelte alle Kopien ein, die er finden konnte. Später wurde mir klar, dass so eine Notiz möglicherweise die Karriere-Aussichten von Hugh schaden könnte, und möglicherweise meine dazu. Mit weniger Managementstufen gibt es weniger Jobs für Manager.

Jetzt ein ernsthaften Fußnote; für mich ist Wettbewerb innerhalb und zwischen Ländern eine treibende Kraft in Richtung Wohlstand. Aber kann unsere Welt sich so viel Wohlstand leisten? Es gibt nicht den Schimmer einer Chance, dass sämtliche Menschen, die derzeit auf der Erde leben, jemals so leben können, wie wir in den Industrieländern dies tun. Dennoch preisen die Medien und Politiker das Wirtschaftswachstum auch in den reichen Ländern. Es wird höchste Zeit, alles ein wenig anders zu organisieren.

cw
Übersetzung: Evelyn Gemkow

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1 Kommentar zu “Konkurrenz”

  1. rd (Dienstag, der 23. November 2010)

    Chris – Danke!

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