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Wie wir unsere Welt zerstören

Posted By cw On 16:49 In Aktuell,Ethik,Evolution | 4 Comments

Während der letzten zehntausend Jahre war die Erde geprägt durch recht schöne, stabile Klimaverhältnisse, die es der menschlichen Spezies ermöglichten, sich von einer Million auf 7000 Millionen zu vermehren. Man nennt diesen Zeitabschnitt der Erdgeschichte das Alluvium. Jetzt gehen wir über in das Anthropozän, welches dank uns Menschen wohl nicht ganz so bequem werden dürfte.

In der Ausgabe des “New scientist” von 27.02.2010 steht der Bericht von einer Konferenz mit 28 Umweltexperten, die sich darüber berieten, wie nah wir schon daran sind, alles komplett zu ruinieren. Neben dem Klima haben sie noch acht weitere Aspekte unter die Lupe genommen.

Im Folgenden fasse ich ihre provisorischen Schlussfolgerungen kurz zusammen und gebe ein paar eigene Kommentare dazu ab. Am Anfang steht der einzig positive Aspekt und am Schluss kommt der, wo es am schlimmsten brennt.

Ozon

Der Ozongehalt der Stratosphäre ist um ungefähr 5% mehr, als zur Vermeidung von ernsthaftem radioaktivem Schaden notwendig wäre und die Tendenz ist steigend. Hier ist die Rettung gerade noch rechtzeitig gekommen.

Saure Ozeane

Wenn der Säuregehalt von Ozeanen zu hoch wird, können Tiere keine Schalen mehr herstellen und müssen sterben. Das betrifft Korallen und viele andere Tiere ganz unterschiedlicher Größe. Der CO2-Gehalt der Atmosphäre hat darauf Einfluss. Einige Meere könnten diesen Zustand im Jahr 2050 erreicht haben. Vorhersagen, wie schlimm die Auswirkungen tatsächlich sein werden, können heute schwer gemacht werden.

Frischwasser

Ungefähr zwei Drittel des verfügbaren Frischwassers wird derzeit „verwendet“. Der Rest wird größtenteils bis zum Jahr 2050 wegen des Bevölkerungswachstums aufgebraucht werden. Der Klimawandel könnte durchaus dafür sorgen, dass es weniger Niederschlag geben wird.

Soviel ich weiß, ist der Hauptverbraucher die Landwirtschaft. Wir werden wohl gezwungen sein, unsere Nahrung umzustellen (also weniger Fleisch, Getreide mit geringerem Wasserverbrauch), oder wir schränken das Bevölkerungswachstum ein.

Artenreichtum

Jährlich sterben mindestens 100 von einer Million Arten aus. Wir müssen die Zahl drücken auf 10 von einer Million. Die derzeitige Quote ist ähnlich der, die während den fünf oder sechs Phasen seit Entstehung der Erde herrschte, als massenhaftes Artensterben vorherrschte. Sofern die Erderwärmung anhält, wird es sich verschlimmern. Biotope mit nur wenigen Arten tendieren zur Instabilität.

Diese Zielvorgabe ist sehr willkürlich. Es geht hier um den Aspekt, wo wir am weitesten hinter den Zielvorgaben herhinken und gleichzeitig wissen wir am wenigsten über die Auswirkung auf die Menschheit. Für mich ist Artenreichtum ein selbständiges ethisches Gut, genauso wie auch menschliches Leben erhaltende Ethik. Wenn, was durchaus passieren kann, die Menschheit es schafft, sich selbst auszulöschen, dann wird Artenreichtum notwendig sein, um den Evolutionsprozess in Richtung Intelligenz wieder in Gang zu bringen.

Nitrate

Zu viel Dünger im Wasser bewirkt ein Aufblühen einfacher Organismen. Sobald diese sterben, entzieht der Dekompositionsvorgang dem Wasser Sauerstoff und hinterlässt es übelriechend und „tot“. Bei einigen Seen und Flüssen ist das schon passiert; die Ostsee und das Mittelmeer sind gefährdet. Zu viel Nitrat im Boden ist auch schlecht. Nitrate tragen auch dazu bei, dass die Meere immer saurer werden.

Vor einem Jahrhundert haben Deutsche Forscher eine Methode entwickelt, mit der man Nitrat aus Luft herstellen kann. Es wird drei-bis viermal mehr Nitrat hergestellt, als wieder verwertet werden kann. Wie lange kann dies weitergehen, bevor die Ozeane ernsthaft gefährdet sind? Es ist wohl schwer möglich, eine Reduktion von Düngemitteln durchzudrücken und gleichzeitig die Ernährung der Weltbevölkerung zu garantieren.

Ich denke, das könnte ein lokales Problem bleiben. Mit so viel Nitrat im Ozean könnte es doch gut sein, dass Organismen sich entwickeln, die es als Sauerstoffquelle benutzen. Gentechnik könnte helfen. Die Ozeane sollten besser als mögliche Quelle von viel mehr Nahrung und Treibstoff bewirtschaftet werden, als die Landmassen.

Die betreffenden Pflanzen und Tiere müssten näher an der Oberfläche gehalten werden und ihrer Salzgehalt müsste irgendwie reduziert werden. Viele der Kleintiere am unteren Ende der Nahrungskette haben Schalen, die durch den Säuregehalt geschädigt werden (siehe oben). Warum wird darüber so wenig geschrieben? Arbeitet irgendwer daran?

Phosphate

Phosphathaltige Dünger bringen örtlich ähnliche Probleme wie Nitrat. Die Menge ist wegen der Verfügbarkeit und den Kosten wesentlich geringer und derzeit können wir sie noch gut wieder verwerten. Ich denke, der Wiederverwertungsprozess passiert größtenteils dadurch, dass Menschen und Vögel Fische fangen.

Landwirtschaft

Der Anteil von den nicht schneebedeckten Landmassen, die für Landwirtschaft genutzt werden, liegt bei 12 %. Diese Zahl sollte nicht höher als 15 % steigen. Möglicherweise wird dieser Wert aber im Jahr 2050 erreicht.

Mich hat der niedrige Wert dieser Zahlen erstaunt. Natürlich ist ein großer Teil dieser Landmassen Wüste, die nicht ohne (Frisch-)Wasser nutzbar ist (siehe oben). Dann gibt es noch Felsenland. Erosion, Vergiftung und ansteigende Meeresspiegel verkleinern den Anteil an fruchtbarem Boden. Sehr langsam findet durch die Kontinentalverschiebung eine Umwandlung des Schlamms unter dem Meer in Land statt. Bevor es Landwirtschaft gab hat dieser Prozess das Ökosystem ausgeglichen. Wird es uns gelingen, diesen Ausgleich innerhalb der nächsten Jahrhunderte wieder herzustellen?

Schwebstoffe

Die Atmosphäre ist in einigen Teilen der Welt voller ungesunder Schwebstoffe. Daran sterben jährlich Millionen von Menschen. Es ist unsicher, wie sich diese Situation verschlimmern wird/kann.

Chemikalien

Wir produzieren und benutzen rund 100.000 chemische Substanzen. Die Produktion und Benutzung dieser Substanzen erzeugt weitere Verbindungen. Etliche davon könnten durchaus für ein paar schwere Erkrankungen verantwortlich sein.
Einige der schlimmsten Fälle sind eh schon bekannt (DDT, Dioxin).

Es gäbe kein Problem mit der Reduktion des Bevölkerungswachstums, wenn noch viele weitere diese schreckliche Wirkung hätten. Ich denke, es gibt kein großes Problem. Dennoch gibt es stets eine gewisse Gefahr, dass ein neuer Stoff die gesamte Menschheit ausrottet. Warum sind die meisten Dinosaurier gestorben, während doch die Säugetiere überlebten? Gentechnik ist das Hauptproblem, aber auch nur ein kleines.

Klimawandel

Jetzt sind wir beim eigentlichen Problem angekommen!

Der CO2-Gehalt der Atmosphäre ist bereits 20% über dem Wert, der als „gefahrlos“ eingestuft wird – und er steigt weiter! Das Problem liegt im verzögerten positiven Feedback; wir wissen nicht, wie stark der wirkt. Die Schmelze des Arktischen Packeises wird das Rückstrahlvermögen der Erde schmälern. Die Erwärmung der Tundra wird das Treibhausgas Methan freisetzen.

Ein anderes Treibhausgas, atmosphärischer Wasserdampf, wird zunehmen. Dieses Gremium macht keine konkreten Aussagen, aber es scheint, als fürchten sie eine Erderwärmung um 6 Grad bis zum Jahr 2100. Die Folgen davon wären dramatisch.

Meine Schlussfolgerung

Ich denke, es wäre möglich, den derzeitigen Stand der Weltbevölkerung während der nächsten hundert Jahre aufrecht zu erhalten, aber ich denke nicht, dass das passieren wird! Man denke, zusätzlich zu den obengenannten Problemen daran, wie viele Länder Atomwaffen besitzen.

cw
(Übersetzung von Evelyn Gemkow).

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