Edwin Ederle
Mittwoch, der 16. Juni 2010

Bundespräsident auf der Flucht

In Rolands Artikel über die Bodenschätze in Afghanistan lese ich zwischen den Zeilen etwas Verständnis für Herrn Köhlers Rücktritt.

Ich habe keinerlei Verständnis dafür – ganz egal, was die wirklichen Beweggründe sein mögen.

Für den Präsidenten der BRD, der Zugang zu vielen Informationen hat, für einen ehemaligen Vorsitzenden der IWF kann es nicht eine völlig überraschende Erkenntnis sein, dass es für den Einsatz in Afghanistan nicht nur einen Grund gibt. Und selbst wenn – ist das nicht ein Grund mehr, im Amt zu bleiben und dafür einzutreten, was man für richtig hält?

Als Bundespräsident hat man die Möglichkeit, unbequem und ehrlich zu sein, hat man Zugang zu Medien und kann jederzeit Stellung beziehen. Wenn man heute Abend im Fernsehen sprechen will, kann man das problemlos erreichen. Man kann nicht abgewählt werden und hat keine “Zukunft” zu verlieren, weil man nach dem höchsten Amt ohnehin kein höheres anstreben kann.

Man hat aber eine Pflicht gegenüber dem Volk. Niemand wird zu diesem Amt gezwungen, doch wenn man diese Verantwortung annimmt, wird man vom Volk bezahlt: unter anderem erhält man Wohnung, Gehalt und gute Pension bis ans Lebensende. Dafür hat man die Aufgabe, sich für dieses Land und Volk einzusetzen!

Diese Pflicht verletzt Herr Köhler – ganz egal, wie schwer und unbequem sie gerade in schwierigen Zeiten sein mag! Denn es sieht ja nicht so aus, als würde er den Weg freimachen für jemanden, der “geeigneter” ist.

E2E

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5 Kommentare zu “Bundespräsident auf der Flucht”

  1. Null N. Nullinger (Mittwoch, der 16. Juni 2010)

    ;-)

    Das klingt ja nach Fahnenflucht oder Desertation?

    Desertation ist Ausdruck einer Gewissensentscheidung und so gesehen Ehrensache.

    Gewissensentscheidungen mit einem großen Zapfenstreich zu belohnen, ist richtig!

    ;-)

    Null N. Nullinger ist mein kabarettistisch-sadistisches zynisch-masochistisches Pseudonym – rmd

  2. edwin ederle (Mittwoch, der 16. Juni 2010)

    Vielleicht wäre die Welt besser, wenn nur noch Gewissensentscheidungen von Politikern mit einem Zapfenstreich geehrt würden.

    Oder Zapfenstreiche würden in Vergessenheit geraten?

  3. rd (Mittwoch, der 16. Juni 2010)

    Das war mein Punkt. Aber die Musik soll ja ganz schön gewesen sein #Blues Und der Text vom Lied auch …

  4. JUS (Donnerstag, der 17. Juni 2010)

    Damit bin ich so nicht einverstanden!

    Im Laufe von Herrn Köhlers Amtszeit hat sich die Politik der Bundesregierung entschieden geändert. War es erst die große Koalition, die zumindest noch aktiv Politik betrieben hat, glänzt die derzeitige Regierung mit totalem Chaos. Frau Merkel übernimmt 1:1 die Verhaltensweise von Herrn Kohl, alles auszusitzen und der Koalitionspartner hat sich mittlerweile völlig disqualifiziert.
    Dagegen kann noch nicht einmal ein Bundespräsident etwas tun, ohne das gesamte Land der Lächerlichkeit preiszugeben.

    Für mich war der Rücktritt ein Schuß vor den Bug der Bundesregierung, weil Herr Köhler es nicht mehr mit sich vereinbaren konnte, diesem Land als Staatsoberhaupt zu dienen.

    Und dafür bewundere ich ihn. JUS

  5. edwin ederle (Donnerstag, der 17. Juni 2010)

    Sehe ich anders! Dann kann und muß er das genau so sagen! Das hätte dann auch einen positiven Effekt!

    Sich wie eine beleidigte Leberwurst zu verdrücken und fadenscheinige Gründe vorzugeben gibt das Amt der Lächerlichkeit preis!

    Außerdem ist “dieser Regierung zu dienen” für mich etwas völlig anderes als “diesem Land zu dienen”! Und gerade wenn man mit der Politik der Bundesregierung nicht einverstanden ist, muß man sich doch dagegen stellen (was kann einem schon passieren?) statt das Amt einem bequemeren Inhaber freizumachen.

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